nāhnā pūrayituṃ śakyā na māsena nararṣabha; apūryāṃ pūrayann icchām āyuṣāpi na śaknuyāt
Nicht an einem Tag ist er zu füllen, nicht in einem Monat, du Stier unter den Männern; die unerfüllbare Gier, die man zu füllen sucht, könnte man selbst mit [einem ganzen] Leben nicht [füllen].
Wort für Wort
nāhnā pūrayituṃ śakyā
nicht durch einen Tag zu füllen möglich (Instr.Sg.; Inf.; Nom.Sg.f.)
na māsena nararṣabha
nicht durch einen Monat, Stier unter Männern (Instr.Sg.; Vok.Sg.)
apūryāṃ pūrayann icchām
die unfüllbare Gier füllend (Akk.Sg.f.; Part.Präs.Nom.)
āyuṣāpi na śaknuyāt
auch mit dem Leben nicht könnte man (Instr.Sg.; 3.Sg.Pot.)
Der Vers spricht vom Bauch (Vers 3) und der Gier; das Subjekt von śakyā ist grammatisch feminin (icchā/Gier).
Der Unverständige richtet um des eigenen Bauches willen viel Fraß [an].
Wort für Wort
ātmodarakṛte
um des eigenen Bauches willen (Lok./Dat.-artig)
'thājñaḥ
dann/nun der Unwissende (Nom.Sg.)
karoti vighasaṃ bahu
macht viel Speiserest/Fraß (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; vgl. Vers 10 (ekodarakṛte vyāghraḥ). vighasa = Speiserest/Fraß.
patrāhārair aśmakuṭṭair dantolūkhalikais tathā; abbhakṣair vāyubhakṣaiś ca tair ayaṃ narako jitaḥ
Von den Blätteressern, den Steinklopfern, ebenso denen mit den Zähnen als Mörsern, den Wassertrinkern und Luftessern – von diesen wurde diese Hölle besiegt.
Wort für Wort
patrāhārair aśmakuṭṭair
durch Blätteresser, Steinklopfer (Instr.Pl.)
dantolūkhalikais tathā
und die mit den Zähnen als Mörser (Instr.Pl.)
abbhakṣair vāyubhakṣaiś ca
durch Wasser- und Luftverzehrer (Instr.Pl.)
tair ayaṃ narako jitaḥ
von diesen ist diese Hölle besiegt (Instr.Pl.; Nom.Sg.; Part.Pass.)
yaś cemāṃ vasudhāṃ kṛtsnāṃ praśāsed akhilāṃ nṛpaḥ; tulyāśmakāñcano yaś ca sa kṛtārtho na pārthivaḥ
Und wer diese ganze Erde vollständig beherrschte als Fürst, und [wer] Stein und Gold gleich [achtet]: Der [Letztere] hat sein Ziel erreicht, nicht der Erdenherr.
Wort für Wort
yaś cemāṃ vasudhāṃ kṛtsnām
und wer diese ganze Erde (Nom.; Akk.Sg.f.)
praśāsed akhilāṃ nṛpaḥ
beherrschen möge, vollständig, der König (3.Sg.Pot.; Nom.Sg.)
tulyāśmakāñcano yaś ca
und wer Stein und Gold gleich hält (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
sa kṛtārtho na pārthivaḥ
der ist zielerreicht, nicht der Erdenherr (Nom.Sg.)
tapasā brahmacaryeṇa svādhyāyena ca pāvitāḥ; vimucya dehān vai bhānti mṛtyor aviṣayaṃ gatāḥ
Durch Askese, Keuschheit und Vedastudium geläutert, leuchten sie, nachdem sie die Körper abgestreift haben, [und] sind in das Gebiet gelangt, das dem Tod nicht zugänglich ist.
Wort für Wort
tapasā brahmacaryeṇa
durch Askese, Keuschheit (Instr.Sg.)
svādhyāyena ca pāvitāḥ
und durch Selbststudium geläutert (Instr.Sg.; Nom.Pl.Part.)
vimucya dehān vai bhānti
die Körper abgestreift, leuchten sie (Abs.; Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.)
mṛtyor aviṣayaṃ gatāḥ
zum Nicht-Bereich des Todes gegangen (Gen.Sg.; Akk.Sg.; Nom.Pl.Part.)
Der Köder ist in der Welt eine Fessel; ebenso ist hier die Tat als Köder bezeichnet. Von diesen beiden Schlingen befreit, erlangt man den Ort, der darüber hinausliegt.
Wort für Wort
āmiṣaṃ bandhanaṃ loke
der Köder ist Fessel in der Welt (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
karmehoktaṃ tathāmiṣam
Tat ist hier genannt, ebenso Köder (Nom.Sg.; Part.Pass.)
tābhyāṃ vimuktaḥ pāśābhyām
von diesen beiden Schlingen befreit (Abl.Du.; Nom.Sg.Part.)
padam āpnoti tatparam
erlangt den Ort, der höher ist (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
Den Palast der Weisheit erstiegen, blickt der [Weise] auf die stumpfsinnigen Menschen, die um Nicht-Beklagenswertes trauern, wie einer auf einem Berg auf die auf der Erde Stehenden.
Wort für Wort
prajñāprāsādam āruhya
den Palast der Weisheit erstiegen (Akk.Sg.; Abs.)
naśocyāñ śocato janān
die um Nicht-zu-Beklagende trauernden Menschen (Akk.Pl.)
jagatīsthān ivādristhaḥ
wie ein Bergbewohner auf Erdbewohner (Akk.Pl.; Nom.Sg.)
mandabuddhīn avekṣate
Stumpfsinnige betrachtet er (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)
dṛśyaṃ paśyati yaḥ paśyan sa cakṣuṣmān sa buddhimān; ajñātānāṃ ca vijñānāt saṃbodhād buddhir ucyate
Wer beim Sehen das [wirklich] Sichtbare sieht, der ist sehend, der ist einsichtig; und durch Erkennen des Unerkannten, durch Erwachen, wird [dies] Einsicht genannt.
Wort für Wort
dṛśyaṃ paśyati yaḥ paśyan
wer sehend das Sichtbare sieht (Akk.Sg.; Nom.Sg.Part.)
sa cakṣuṣmān sa buddhimān
der ist Augenbegabter, der Einsichtiger (Nom.Sg.)
ajñātānāṃ ca vijñānāt
und aus dem Erkennen des Unerkannten (Gen.Pl.; Abl.Sg.)
saṃbodhād buddhir ucyate
aus dem Erwachen wird Einsicht genannt (Abl.Sg.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)
yas tu vācaṃ vijānāti bahumānam iyāt sa vai; brahmabhāvaprasūtānāṃ vaidyānāṃ bhāvitātmanām
Wer das Wort [recht] versteht, der wird hohe Achtung erlangen bei den Kennern, die aus dem Brahman-Sein hervorgegangen sind und geläuterten Selbst[es] sind.
Wort für Wort
yas tu vācaṃ vijānāti
wer aber das Wort versteht (Nom.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
bahumānam iyāt sa vai
hohe Achtung möge er erlangen (Akk.Sg.; 3.Sg.Pot.)
brahmabhāvaprasūtānāṃ vaidyānām
bei den aus dem Brahman-Zustand Hervorgegangenen, Kennern (Gen.Pl.)
bhāvitātmanām
bei denen mit geläutertem Selbst (Gen.Pl.)
vācam vijānāti: „das Wort/die Rede“ (hier wohl das Vedawort) [?].
Diese Menschen gehen [auf] jenen Weg; nicht [gehen ihn] die Unwissenden, die Kleingeistigen, nicht die Unverständigen, nicht die ohne Askese: Alles ist in der Einsicht gegründet.
Wort für Wort
te janās tāṃ gatiṃ yānti
diese Menschen gehen jenen Weg (Nom.Pl.; Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)
nāvidvāṃso 'lpacetasaḥ
nicht Unwissende, Kleingeistige (Nom.Pl.)
nābuddhayo nātapasaḥ
nicht Unverständige, nicht Asketenlose (Nom.Pl.)
sarvaṃ buddhau pratiṣṭhitam
alles in der Einsicht gegründet (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.; Part.)