Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 17: tyāgapraśaṃsā Yudhiṣṭhira mahnt zu Genügsamkeit und Entsagung statt Herrschaft

Yudhiṣṭhira antwortet Arjuna und stellt der Herrschaftsgier die Entsagung gegenüber; mit der Gāthā des Königs Janaka von Mithilā.

yudhiṣṭhira uvāca; asaṃtoṣaḥ pramādaś ca mado rāgo 'praśāntatā; balaṃ moho 'bhimānaś ca udvegaś cāpi sarvaśaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: Unzufriedenheit, Nachlässigkeit, Rausch, Leidenschaft, Unberuhigtheit, Kraft[rausch] [?], Verblendung, Dünkel und ebenso Aufgeregtheit – überall [ist das].

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
asaṃtoṣaḥ pramādaś ca
Unzufriedenheit und Nachlässigkeit (Nom.Sg.)
mado rāgo 'praśāntatā
Rausch, Leidenschaft, Unberuhigtheit (Nom.Sg.)
balaṃ moho 'bhimānaś ca
Kraft, Verblendung und Dünkel (Nom.Sg.)
udvegaś cāpi sarvaśaḥ
und auch Aufgeregtheit, gänzlich/überall (Nom.Sg./Adv.)

balam hier wohl als übermütiges Kraftbewusstsein aufgefasst.

ebhiḥ pāpmabhir āviṣṭo rājyaṃ tvam abhikāṅkṣasi; nirāmiṣo vinirmuktaḥ praśāntaḥ susukhī bhava

Von diesen Übeln besessen, begehrst du die Königsherrschaft. Werde ohne Fleischköder [d. h. ohne Gier], völlig befreit, befriedet und sehr glücklich.

Wort für Wort
ebhiḥ pāpmabhir āviṣṭaḥ
von diesen Übeln ergriffen (Instr.Pl.; Nom.Sg.Part.Pass.)
rājyaṃ tvam abhikāṅkṣasi
die Königsherrschaft begehrst du (Akk.Sg.; 2.Sg.Präs.)
nirāmiṣaḥ vinirmuktaḥ
ohne Köder/Fleisch, völlig befreit (Nom.Sg.)
praśāntaḥ susukhī bhava
befriedet, sehr glücklich sei (Nom.Sg.; 2.Sg.Imp.)

ya imām akhilāṃ bhūmiṃ śiṣyād eko mahīpatiḥ; tasyāpy udaram evaikaṃ kim idaṃ tvaṃ praśaṃsasi

Wer als einziger Herr der Erde diese ganze Erde beherrschte – auch dessen Bauch ist doch nur einer. Was preist du da so?

Wort für Wort
ya imām akhilāṃ bhūmim
wer diese ganze Erde (Nom.; Akk.Sg.f.)
śiṣyād eko mahīpatiḥ
beherrschen möge, als einziger Erdenherr (3.Sg.Pot.; Nom.Sg.)
tasyāpy udaram evaikam
auch dessen Bauch nur einer (Gen.Sg.; Nom.Sg.)
kim idaṃ tvaṃ praśaṃsasi
was preist du da (Akk.; 2.Sg.Präs.)

nāhnā pūrayituṃ śakyā na māsena nararṣabha; apūryāṃ pūrayann icchām āyuṣāpi na śaknuyāt

Nicht an einem Tag ist er zu füllen, nicht in einem Monat, du Stier unter den Männern; die unerfüllbare Gier, die man zu füllen sucht, könnte man selbst mit [einem ganzen] Leben nicht [füllen].

Wort für Wort
nāhnā pūrayituṃ śakyā
nicht durch einen Tag zu füllen möglich (Instr.Sg.; Inf.; Nom.Sg.f.)
na māsena nararṣabha
nicht durch einen Monat, Stier unter Männern (Instr.Sg.; Vok.Sg.)
apūryāṃ pūrayann icchām
die unfüllbare Gier füllend (Akk.Sg.f.; Part.Präs.Nom.)
āyuṣāpi na śaknuyāt
auch mit dem Leben nicht könnte man (Instr.Sg.; 3.Sg.Pot.)

Der Vers spricht vom Bauch (Vers 3) und der Gier; das Subjekt von śakyā ist grammatisch feminin (icchā/Gier).

yatheddhaḥ prajvalaty agnir asamiddhaḥ praśāmyati; alpāhāratayā tv agniṃ śamayaudaryam utthitam

Wie das entfachte Feuer lodert und das nicht entfachte erlischt, so besänftige durch geringe Nahrung das [in dir] aufgestiegene Feuer des Bauches.

Wort für Wort
yatheddhaḥ prajvalaty agniḥ
wie entfacht lodert das Feuer (Nom.Sg.Part.; 3.Sg.Präs.)
asamiddhaḥ praśāmyati
unentfacht erlischt es (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
alpāhāratayā tv agnim
durch Geringheit der Nahrung aber das Feuer (Instr.Sg.; Akk.Sg.)
śamaya audaryam utthitam
besänftige, das im Bauch [befindliche], aufgestiegene (2.Sg.Imp.; Akk.Sg.)

ātmodarakṛte 'thājñaḥ karoti vighasaṃ bahu

Der Unverständige richtet um des eigenen Bauches willen viel Fraß [an].

Wort für Wort
ātmodarakṛte
um des eigenen Bauches willen (Lok./Dat.-artig)
'thājñaḥ
dann/nun der Unwissende (Nom.Sg.)
karoti vighasaṃ bahu
macht viel Speiserest/Fraß (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; vgl. Vers 10 (ekodarakṛte vyāghraḥ). vighasa = Speiserest/Fraß.

jayodaraṃ pṛthivyā te śreyo nirjitayā jitam

Besiege den Bauch: Besser ist das für dich als die [eroberte] Erde; ist er besiegt, so ist [alles] gewonnen.

Wort für Wort
jayodaraṃ
besiege den Bauch (2.Sg.Imp.; Akk.Sg.)
pṛthivyā te śreyaḥ
besser für dich als die Erde (Abl./Instr.Sg.; Dat.; Nom.Sg.n.)
nirjitayā jitam
wenn [sie] bezwungen ist, ist [es] gewonnen (Instr.Sg.f.Part.; Nom.Sg.n.Part.)

Zeile 005cd verteilt über zwei Einheiten; Konstruktion der zweiten Halbzeile knapp und mehrdeutig [?].

mānuṣān kāmabhogāṃs tvam aiśvaryaṃ ca praśaṃsasi; abhogino 'balāś caiva yānti sthānam anuttamam

Menschliche Sinnesfreuden und Herrschaft preist du; [doch] die Genusslosen und Schwachen gelangen zum unübertrefflichen Ort.

Wort für Wort
mānuṣān kāmabhogāṃs tvam
menschliche Liebes-/Sinnesgenüsse du (Akk.Pl.; Nom.)
aiśvaryaṃ ca praśaṃsasi
und Herrschaft preist du (Akk.Sg.; 2.Sg.Präs.)
abhogino 'balāś caiva
genusslos und schwach (Nom.Pl.)
yānti sthānam anuttamam
gehen zum unübertrefflichen Ort (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.)

yogakṣemau ca rāṣṭrasya dharmādharmau tvayi sthitau; mucyasva mahato bhārāt tyāgam evābhisaṃśraya

Auf dir ruhen Erwerb und Bewahrung des Reiches, Recht und Unrecht. Befreie dich von der großen Last [und] nimm die Entsagung zur Zuflucht.

Wort für Wort
yogakṣemau ca rāṣṭrasya
Erwerb und Sicherung des Reiches (Nom.Du.; Gen.Sg.)
dharmādharmau tvayi sthitau
Recht und Unrecht auf dir ruhend (Nom.Du.; Lok.; Part.)
mucyasva mahato bhārāt
befreie dich von der großen Last (2.Sg.Imp.Med.; Abl.Sg.)
tyāgam evābhisaṃśraya
nur die Entsagung nimm zur Zuflucht (Akk.Sg.; 2.Sg.Imp.)

ekodarakṛte vyāghraḥ karoti vighasaṃ bahu; tam anye 'py upajīvanti mandavegaṃcarā mṛgāḥ

Um eines Bauches willen macht der Tiger viel Fraß; von ihm leben auch andere, die Tiere, die mit langsamem Tempo gehen.

Wort für Wort
ekodarakṛte vyāghraḥ
um eines Bauches willen der Tiger (Nom.Sg.)
karoti vighasaṃ bahu
macht viel Speiserest/Fraß (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
tam anye 'py upajīvanti
von ihm leben auch andere (Akk.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
mandavegaṃcarā mṛgāḥ
langsam sich Bewegende, Tiere (Nom.Pl.)

mandavegaṃcarāḥ: Komposition mit Ausfall des Sandhi; Deutung „langsam einherziehend“ [?].

viṣayān pratisaṃhṛtya saṃnyāsaṃ kurute yatiḥ; na ca tuṣyanti rājānaḥ paśya buddhyantaraṃ yathā

Der Asket zieht die Sinnesobjekte zurück und vollzieht die Entsagung; die Könige aber werden nicht zufrieden. Sieh, wie verschieden das Denken ist.

Wort für Wort
viṣayān pratisaṃhṛtya
die Sinnesobjekte zurückziehend (Akk.Pl.; Abs.)
saṃnyāsaṃ kurute yatiḥ
Entsagung vollzieht der Asket (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.; Nom.Sg.)
na ca tuṣyanti rājānaḥ
und nicht werden zufrieden die Könige (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
paśya buddhyantaraṃ yathā
sieh den Unterschied der Einsicht, wie [er ist] (2.Sg.Imp.; Akk.Sg.)

patrāhārair aśmakuṭṭair dantolūkhalikais tathā; abbhakṣair vāyubhakṣaiś ca tair ayaṃ narako jitaḥ

Von den Blätteressern, den Steinklopfern, ebenso denen mit den Zähnen als Mörsern, den Wassertrinkern und Luftessern – von diesen wurde diese Hölle besiegt.

Wort für Wort
patrāhārair aśmakuṭṭair
durch Blätteresser, Steinklopfer (Instr.Pl.)
dantolūkhalikais tathā
und die mit den Zähnen als Mörser (Instr.Pl.)
abbhakṣair vāyubhakṣaiś ca
durch Wasser- und Luftverzehrer (Instr.Pl.)
tair ayaṃ narako jitaḥ
von diesen ist diese Hölle besiegt (Instr.Pl.; Nom.Sg.; Part.Pass.)

yaś cemāṃ vasudhāṃ kṛtsnāṃ praśāsed akhilāṃ nṛpaḥ; tulyāśmakāñcano yaś ca sa kṛtārtho na pārthivaḥ

Und wer diese ganze Erde vollständig beherrschte als Fürst, und [wer] Stein und Gold gleich [achtet]: Der [Letztere] hat sein Ziel erreicht, nicht der Erdenherr.

Wort für Wort
yaś cemāṃ vasudhāṃ kṛtsnām
und wer diese ganze Erde (Nom.; Akk.Sg.f.)
praśāsed akhilāṃ nṛpaḥ
beherrschen möge, vollständig, der König (3.Sg.Pot.; Nom.Sg.)
tulyāśmakāñcano yaś ca
und wer Stein und Gold gleich hält (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
sa kṛtārtho na pārthivaḥ
der ist zielerreicht, nicht der Erdenherr (Nom.Sg.)

saṃkalpeṣu nirārambho nirāśo nirmamo bhava; viśokaṃ sthānam ātiṣṭha iha cāmutra cāvyayam

Sei ohne Unternehmungen in [deinen] Vorsätzen, ohne Erwartung, ohne Ichbezug; nimm den kummerlosen, unvergänglichen Stand ein, hier und im Jenseits.

Wort für Wort
saṃkalpeṣu nirārambhaḥ
in den Vorsätzen ohne Beginnen (Lok.Pl.; Nom.Sg.)
nirāśo nirmamo bhava
ohne Hoffnung, ohne Mein-Gefühl sei (Nom.Sg.; 2.Sg.Imp.)
viśokaṃ sthānam ātiṣṭha
den kummerlosen Stand nimm ein (Akk.Sg.; 2.Sg.Imp.)
iha cāmutra cāvyayam
hier und drüben unvergänglich (Adv.; Akk.Sg.)

nirāmiṣā na śocanti śocasi tvaṃ kim āmiṣam; parityajyāmiṣaṃ sarvaṃ mṛṣāvādāt pramokṣyase

Die Fleischlosen [Gierlosen] trauern nicht; du – um welchen Fleischköder trauerst du? Wenn du allen Köder aufgibst, wirst du vom Trug befreit werden.

Wort für Wort
nirāmiṣā na śocanti
die Köderlosen trauern nicht (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
śocasi tvaṃ kim āmiṣam
du trauerst um welchen Köder (2.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
parityajyāmiṣaṃ sarvam
den ganzen Köder aufgebend (Abs.; Akk.Sg.)
mṛṣāvādāt pramokṣyase
wirst befreit werden von Unwahrheit/Trug (Abl.Sg.; 2.Sg.Fut.Med.)

panthānau pitṛyānaś ca devayānaś ca viśrutau; ījānāḥ pitṛyānena devayānena mokṣiṇaḥ

Zwei Wege sind berühmt: der Väterweg und der Götterweg. Die Opfernden [gelangen] auf dem Väterweg, die nach Erlösung Strebenden auf dem Götterweg.

Wort für Wort
panthānau pitṛyānaś ca
zwei Wege, und der Väterweg (Nom.Du.; Nom.Sg.)
devayānaś ca viśrutau
und der Götterweg, berühmt (Nom.Sg.; Nom.Du.Part.)
ījānāḥ pitṛyānena
die Opfernden auf dem Väterweg (Nom.Pl.Part.; Instr.Sg.)
devayānena mokṣiṇaḥ
auf dem Götterweg die Erlösung Suchenden (Instr.Sg.; Nom.Pl.)

Verbform fehlt; sinngemäß ergänzt „gelangen“.

tapasā brahmacaryeṇa svādhyāyena ca pāvitāḥ; vimucya dehān vai bhānti mṛtyor aviṣayaṃ gatāḥ

Durch Askese, Keuschheit und Vedastudium geläutert, leuchten sie, nachdem sie die Körper abgestreift haben, [und] sind in das Gebiet gelangt, das dem Tod nicht zugänglich ist.

Wort für Wort
tapasā brahmacaryeṇa
durch Askese, Keuschheit (Instr.Sg.)
svādhyāyena ca pāvitāḥ
und durch Selbststudium geläutert (Instr.Sg.; Nom.Pl.Part.)
vimucya dehān vai bhānti
die Körper abgestreift, leuchten sie (Abs.; Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.)
mṛtyor aviṣayaṃ gatāḥ
zum Nicht-Bereich des Todes gegangen (Gen.Sg.; Akk.Sg.; Nom.Pl.Part.)

āmiṣaṃ bandhanaṃ loke karmehoktaṃ tathāmiṣam; tābhyāṃ vimuktaḥ pāśābhyāṃ padam āpnoti tatparam

Der Köder ist in der Welt eine Fessel; ebenso ist hier die Tat als Köder bezeichnet. Von diesen beiden Schlingen befreit, erlangt man den Ort, der darüber hinausliegt.

Wort für Wort
āmiṣaṃ bandhanaṃ loke
der Köder ist Fessel in der Welt (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
karmehoktaṃ tathāmiṣam
Tat ist hier genannt, ebenso Köder (Nom.Sg.; Part.Pass.)
tābhyāṃ vimuktaḥ pāśābhyām
von diesen beiden Schlingen befreit (Abl.Du.; Nom.Sg.Part.)
padam āpnoti tatparam
erlangt den Ort, der höher ist (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)

api gāthām imāṃ gītāṃ janakena vadanty uta; nirdvaṃdvena vimuktena mokṣaṃ samanupaśyatā

Auch diese Strophe, heißt es, wurde von Janaka gesungen, der frei von den Gegensatzpaaren und erlöst war, als er die Erlösung [klar] erblickte.

Wort für Wort
api gāthām imāṃ gītām
auch diese gesungene Strophe (Akk.Sg.f.; Part.Pass.)
janakena vadanty uta
von Janaka, man sagt (Instr.Sg.; 3.Pl.Präs.)
nirdvaṃdvena vimuktena
vom Gegensatzfreien, Befreiten (Instr.Sg.)
mokṣaṃ samanupaśyatā
der die Erlösung erblickt (Akk.Sg.; Instr.Sg.Part.Präs.)

anantaṃ bata me vittaṃ yasya me nāsti kiṃ cana; mithilāyāṃ pradīptāyāṃ na me dahyati kiṃ cana

Unendlich, wahrlich, ist mein Besitz, dem nichts gehört; wenn Mithilā brennt, verbrennt mir nichts.

Wort für Wort
anantaṃ bata me vittam
unendlich, ach, mein Besitz (Nom.Sg.n.; Part.; Gen.)
yasya me nāsti kiṃ cana
dessen mir nichts ist (Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.)
mithilāyāṃ pradīptāyām
wenn Mithilā in Flammen steht (Lok.Abs.f.)
na me dahyati kiṃ cana
nicht verbrennt mir irgendetwas (3.Sg.Pass.Präs.)

prajñāprāsādam āruhya naśocyāñ śocato janān; jagatīsthān ivādristho mandabuddhīn avekṣate

Den Palast der Weisheit erstiegen, blickt der [Weise] auf die stumpfsinnigen Menschen, die um Nicht-Beklagenswertes trauern, wie einer auf einem Berg auf die auf der Erde Stehenden.

Wort für Wort
prajñāprāsādam āruhya
den Palast der Weisheit erstiegen (Akk.Sg.; Abs.)
naśocyāñ śocato janān
die um Nicht-zu-Beklagende trauernden Menschen (Akk.Pl.)
jagatīsthān ivādristhaḥ
wie ein Bergbewohner auf Erdbewohner (Akk.Pl.; Nom.Sg.)
mandabuddhīn avekṣate
Stumpfsinnige betrachtet er (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)

dṛśyaṃ paśyati yaḥ paśyan sa cakṣuṣmān sa buddhimān; ajñātānāṃ ca vijñānāt saṃbodhād buddhir ucyate

Wer beim Sehen das [wirklich] Sichtbare sieht, der ist sehend, der ist einsichtig; und durch Erkennen des Unerkannten, durch Erwachen, wird [dies] Einsicht genannt.

Wort für Wort
dṛśyaṃ paśyati yaḥ paśyan
wer sehend das Sichtbare sieht (Akk.Sg.; Nom.Sg.Part.)
sa cakṣuṣmān sa buddhimān
der ist Augenbegabter, der Einsichtiger (Nom.Sg.)
ajñātānāṃ ca vijñānāt
und aus dem Erkennen des Unerkannten (Gen.Pl.; Abl.Sg.)
saṃbodhād buddhir ucyate
aus dem Erwachen wird Einsicht genannt (Abl.Sg.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)

Verständnis der Halbzeile cd unsicher [?].

yas tu vācaṃ vijānāti bahumānam iyāt sa vai; brahmabhāvaprasūtānāṃ vaidyānāṃ bhāvitātmanām

Wer das Wort [recht] versteht, der wird hohe Achtung erlangen bei den Kennern, die aus dem Brahman-Sein hervorgegangen sind und geläuterten Selbst[es] sind.

Wort für Wort
yas tu vācaṃ vijānāti
wer aber das Wort versteht (Nom.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
bahumānam iyāt sa vai
hohe Achtung möge er erlangen (Akk.Sg.; 3.Sg.Pot.)
brahmabhāvaprasūtānāṃ vaidyānām
bei den aus dem Brahman-Zustand Hervorgegangenen, Kennern (Gen.Pl.)
bhāvitātmanām
bei denen mit geläutertem Selbst (Gen.Pl.)

vācam vijānāti: „das Wort/die Rede“ (hier wohl das Vedawort) [?].

yadā bhūtapṛthagbhāvam ekastham anupaśyati; tata eva ca vistāraṃ brahma saṃpadyate tadā

Wenn man die Getrenntheit der Wesen als in einem [Einen] befindlich erblickt, und eben daraus [wieder] die Ausbreitung, dann gelangt man zu Brahman.

Wort für Wort
yadā bhūtapṛthagbhāvam
wenn die Getrenntheit der Wesen (Akk.Sg.)
ekastham anupaśyati
in einem ruhend erblickt man (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
tata eva ca vistāram
und eben daraus die Ausbreitung (Abl.; Akk.Sg.)
brahma saṃpadyate tadā
Brahman wird erlangt/erreicht dann (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)

te janās tāṃ gatiṃ yānti nāvidvāṃso 'lpacetasaḥ; nābuddhayo nātapasaḥ sarvaṃ buddhau pratiṣṭhitam

Diese Menschen gehen [auf] jenen Weg; nicht [gehen ihn] die Unwissenden, die Kleingeistigen, nicht die Unverständigen, nicht die ohne Askese: Alles ist in der Einsicht gegründet.

Wort für Wort
te janās tāṃ gatiṃ yānti
diese Menschen gehen jenen Weg (Nom.Pl.; Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)
nāvidvāṃso 'lpacetasaḥ
nicht Unwissende, Kleingeistige (Nom.Pl.)
nābuddhayo nātapasaḥ
nicht Unverständige, nicht Asketenlose (Nom.Pl.)
sarvaṃ buddhau pratiṣṭhitam
alles in der Einsicht gegründet (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.; Part.)

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