Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 57: rājadharmopadeśa Pflichten und Tugenden des Königs: Schutz des Volkes, Wachsamkeit und Selbstbeherrschung

Bhīṣma unterweist Yudhiṣṭhira in den Herrscherpflichten: unermüdliche Tätigkeit, Zuwendung zum Volk, Auswahl guter Gefährten und der Schutz als ewiger Dharma des Königs; das Kapitel enthält mehrere überlieferte Ślokas (Uśanas, Marutta, Bhārgava, Manu).

bhīṣma uvāca; nityodyuktena vai rājñā bhavitavyaṃ yudhiṣṭhira; praśāmyate ca rājā hi nārīvodyamavarjitaḥ

Bhīṣma sprach: „Ein König muss stets unermüdlich tätig sein, Yudhiṣṭhira; denn ein König, der ohne Tatkraft ist, kommt zur Ruhe [d. h. wird kraftlos] wie eine Frau.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
nityodyuktena vai rājñā
von einem König, der stets rührig ist (Instr.)
bhavitavyaṃ yudhiṣṭhira
muss sein, Yudhiṣṭhira (Gerundiv/Vok.)
praśāmyate ca rājā hi
denn der König kommt zur Ruhe (3.Sg.Pass./Nom.)
nārīva udyamavarjitaḥ
wie eine Frau, ohne Tatkraft (Nom./Kompositum)

praśāmyate: ‚erlischt, kommt zur Ruhe‘; der Vergleich mit der Frau ist wortnah wiedergegeben.

bhagavān uśanā cāha ślokam atra viśāṃ pate; tam ihaikamanā rājan gadatas tvaṃ nibodha me

Der ehrwürdige Uśanas hat hierzu einen Śloka gesprochen, Herr der Menschen; den höre du von mir, König, während ich ihn vortrage, mit gesammeltem Geist.

Wort für Wort
bhagavān uśanā cāha
der Ehrwürdige Uśanas sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
ślokam atra viśāṃ pate
einen Śloka hierzu, Herr der Menschen (Akk./Vok.)
tam ihaikamanā rājan
diesen hier einmütig, König (Akk./Nom./Vok.)
gadatas tvaṃ nibodha me
von mir, der ihn spricht, höre du (Gen. Part./Imp.)

dvāv etau grasate bhūmiḥ sarpo bilaśayān iva; rājānaṃ cāviroddhāraṃ brāhmaṇaṃ cāpravāsinam

Diese beiden verschlingt die Erde, wie die Schlange die in Höhlen Liegenden: den König, der sich nicht widersetzt, und den Brāhmaṇa, der nicht in die Fremde zieht.

Wort für Wort
dvāv etau grasate bhūmiḥ
diese beiden verschlingt die Erde (Akk. Du./3.Sg.Präs./Nom.)
sarpo bilaśayān iva
wie die Schlange die in Höhlen Liegenden (Nom./Akk. Pl.)
rājānaṃ cāviroddhāraṃ
und den König, der nicht widersteht (Akk.)
brāhmaṇaṃ cāpravāsinam
und den Brāhmaṇa, der nicht auswärts weilt (Akk.)

Deutung von aviroddhāram (‚nicht Widerstand leistend‘) und apravāsinam (‚nicht verreisend‘) wortnah; der Sinn des zweiten Gliedes ist umstritten.

tad etan naraśārdūla hṛdi tvaṃ kartum arhasi; saṃdheyān api saṃdhatsva virodhyāṃś ca virodhaya

Das, Tiger unter den Männern, solltest du dir zu Herzen nehmen: Verbünde dich mit denen, mit denen man sich verbünden kann, und bekämpfe die Feindseligen.

Wort für Wort
tad etan naraśārdūla
dies, Tiger unter den Männern (Akk./Vok.)
hṛdi tvaṃ kartum arhasi
ins Herz solltest du es legen (Lok./Inf.)
saṃdheyān api saṃdhatsva
und mit den Verbündbaren verbünde dich (Gerundiv Akk./Imp. Med.)
virodhyāṃś ca virodhaya
und die Feindlichen bekämpfe (Akk./Imp.)

svāmyamātyasuhṛtkośarāṣṭradurgabalāni ca

Herr, Minister, Freunde, Schatzkammer, Reich, Festung und Heer [sind die sieben Glieder].

Wort für Wort
svāmyamātyasuhṛt
Herr, Minister, Freund (Kompositum)
kośarāṣṭradurgabalāni ca
Schatzkammer, Reich, Festung, Heer und (Nom. Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; zählt die sieben Glieder (prakṛti) des Staates auf, syntaktisch ohne Verb.

saptāṅge yaś ca te rājye vaiparītyaṃ samācaret; gurur vā yadi vā mitraṃ pratihantavya eva saḥ

Wer in deinem siebengliedrigen Reich Widriges anrichtet, sei es ein Lehrer oder ein Freund – der ist gewiss zu bekämpfen.

Wort für Wort
saptāṅge yaś ca te rājye
und wer in deinem siebengliedrigen Reich (Lok./Rel.)
vaiparītyaṃ samācaret
Verkehrtes tun sollte (Akk./3.Sg.Opt.)
gurur vā yadi vā mitram
sei es ein Lehrer oder ein Freund (Nom.)
pratihantavya eva saḥ
der ist zu bekämpfen (Gerundiv/Nom.)

maruttena hi rājñāyaṃ gītaḥ ślokaḥ purātanaḥ; rājyādhikāre rājendra bṛhaspatimataḥ purā

Von Marutta ist einst dieser alte Śloka gesungen worden, Herr der Könige, in der Frage der Herrschaft, nach der Lehrmeinung des Bṛhaspati.

Wort für Wort
maruttena hi rājñāyaṃ
von König Marutta nämlich, dieser (Instr./Nom.)
gītaḥ ślokaḥ purātanaḥ
gesungen, der alte Śloka (Part.Pass./Nom.)
rājyādhikāre rājendra
im Bereich der Herrschaft, Herr der Könige (Lok./Vok.)
bṛhaspatimataḥ purā
gemäß der Lehre des Bṛhaspati, einst (Nom./Adv.)

bṛhaspatimataḥ: als ‚Bṛhaspatis Ansicht folgend‘ aufgefasst [?].

guror apy avaliptasya kāryākāryam ajānataḥ; utpathapratipannasya parityāgo vidhīyate

Selbst von einem Lehrer, der hochmütig ist, Gebotenes und Verbotenes nicht kennt und auf Abwege geraten ist, wird die Verstoßung verfügt.

Wort für Wort
guror apy avaliptasya
sogar von einem Lehrer, der aufgeblasen ist (Gen.)
kāryākāryam ajānataḥ
Zu-Tuendes und Nicht-zu-Tuendes nicht kennend (Gen. Part.)
utpathapratipannasya
der auf falschen Weg geraten ist (Gen.)
parityāgo vidhīyate
Verstoßung wird angeordnet (Nom./3.Sg.Pass.)

bāhoḥ putreṇa rājñā ca sagareṇeha dhīmatā; asamañjāḥ suto jyeṣṭhas tyaktaḥ paurahitaiṣiṇā

Vom weisen König Sagara, dem Sohn des Bāhu, wurde hier Asamañjas, der älteste Sohn, verstoßen, weil er das Wohl der Bürger wünschte.

Wort für Wort
bāhoḥ putreṇa rājñā ca
vom Sohn des Bāhu und König (Instr.)
sagareṇeha dhīmatā
von Sagara hier, dem Weisen (Instr.)
asamañjāḥ suto jyeṣṭhaḥ
Asamañjas, der älteste Sohn (Nom.)
tyaktaḥ paurahitaiṣiṇā
verstoßen von dem, der das Wohl der Bürger wünschte (Part.Pass./Instr.)

asamañjāḥ sarayvāṃ prāk paurāṇāṃ bālakān nṛpa; nyamajjayad ataḥ pitrā nirbhartsya sa vivāsitaḥ

Asamañjas ließ einst am Sarayū die Kinder der Bürger untertauchen [ertränken], König; daraufhin wurde er vom Vater gescholten und verbannt.

Wort für Wort
asamañjāḥ sarayvāṃ prāk
Asamañjas am Sarayū einst (Nom./Lok./Adv.)
paurāṇāṃ bālakān nṛpa
die Kinder der Bürger, König (Gen. Pl./Akk./Vok.)
nyamajjayad ataḥ
ließ untertauchen; deshalb (3.Sg.Impf. Kaus./Adv.)
pitrā nirbhartsya
vom Vater, nachdem er gescholten hatte (Instr./Abs.)
sa vivāsitaḥ
er wurde verbannt (Part.Pass. Kaus.)

nirbhartsya ist Absolutiv (‚nachdem er ihn gescholten hatte‘) mit Subjekt pitṛ.

ṛṣiṇoddālakenāpi śvetaketur mahātapāḥ; mithyā viprān upacaran saṃtyakto dayitaḥ sutaḥ

Auch vom Seher Uddālaka wurde Śvetaketu, der große Asket, der die Brāhmaṇen fälschlich [betrügerisch?] behandelte, verstoßen, obwohl er der geliebte Sohn war.

Wort für Wort
ṛṣiṇoddālakenāpi
auch vom Seher Uddālaka (Instr.)
śvetaketur mahātapāḥ
Śvetaketu, der große Asket (Nom.)
mithyā viprān upacaran
die Brāhmaṇen fälschlich behandelnd (Adv./Akk./Part.Präs.)
saṃtyakto dayitaḥ sutaḥ
verstoßen, der geliebte Sohn (Part.Pass./Nom.)

mithyā viprān upacaran: Lesart unsicher [?].

lokarañjanam evātra rājñāṃ dharmaḥ sanātanaḥ; satyasya rakṣaṇaṃ caiva vyavahārasya cārjavam

Die Menschen zufriedenzustellen ist hierbei der ewige Dharma der Könige, ebenso das Wahren der Wahrheit und Redlichkeit im Geschäftsverkehr.

Wort für Wort
lokarañjanam evātra
das Erfreuen der Leute eben hierbei (Nom./Lok.)
rājñāṃ dharmaḥ sanātanaḥ
der ewige Dharma der Könige (Gen. Pl./Nom.)
satyasya rakṣaṇaṃ caiva
und das Schützen der Wahrheit (Gen./Nom.)
vyavahārasya cārjavam
und die Geradheit im Rechts- und Geschäftsverkehr (Gen./Nom.)

na hiṃsyāt paravittāni deyaṃ kāle ca dāpayet; vikrāntaḥ satyavāk kṣānto nṛpo na calate pathaḥ

Er soll fremdes Gut nicht schädigen und zur rechten Zeit das Zu-Gebende geben lassen; ein tapferer, wahrhaftig redender, nachsichtiger König weicht nicht vom Pfad ab.

Wort für Wort
na hiṃsyāt paravittāni
nicht schädigen soll er fremde Güter (3.Sg.Opt./Akk. Pl.)
deyaṃ kāle ca dāpayet
und das Zu-Gebende zur rechten Zeit lasse er geben (Gerundiv/Lok./3.Sg.Opt. Kaus.)
vikrāntaḥ satyavāk kṣāntaḥ
tapfer, wahrhaft redend, nachsichtig (Nom.)
nṛpo na calate pathaḥ
der König weicht nicht vom Weg ab (Nom./3.Sg.Präs./Abl.)

guptamantro jitakrodho śāstrārthagataniścayaḥ; dharme cārthe ca kāme ca mokṣe ca satataṃ rataḥ

Mit geheim gehaltener Beratung, den Zorn besiegt, gewiss in der Erkenntnis des Sinnes der Lehrschriften, stets am Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa hängend [soll der König sein].

Wort für Wort
guptamantro jitakrodho
dessen Rat geheim ist, der den Zorn besiegt hat (Nom.)
śāstrārthagataniścayaḥ
der über den Sinn der Lehrbücher Gewissheit erlangt hat (Nom.)
dharme cārthe ca kāme ca
in Dharma, Artha und Kāma (Lok.)
mokṣe ca satataṃ rataḥ
und im Mokṣa, stets erfreut (Lok./Adv./Nom.)

jitakrodho (statt -krodhaḥ) ist metrisch/sandhi-bedingt Nom. Sg.; Fortsetzung im folgenden Vers.

trayyā saṃvṛtarandhraś ca rājā bhavitum arhati; vṛjinasya narendrāṇāṃ nānyat saṃvaraṇāt param

Auch mit den [drei] Veden die Blößen verhüllt verdient er König zu sein; denn für Fehltritte der Könige gibt es nichts Besseres als das Verhüllen.

Wort für Wort
trayyā saṃvṛtarandhraś ca
und durch die Dreifache Wissenschaft, dessen Lücken bedeckt sind (Instr./Nom.)
rājā bhavitum arhati
als König zu sein verdient er (Nom./Inf./3.Sg.)
vṛjinasya narendrāṇām
von der Verfehlung der Könige (Gen.)
nānyat saṃvaraṇāt param
nichts anderes ist höher als das Verhüllen (Nom./Abl.)

trayyā: die drei Veden bzw. die Dreiheit der Wissenschaften; Deutung von saṃvṛtarandhra (‚dessen Schwächen abgedeckt sind‘) [?].

cāturvarṇyasya dharmāś ca rakṣitavyā mahīkṣitā; dharmasaṃkararakṣā hi rājñāṃ dharmaḥ sanātanaḥ

Und die Pflichten der vier Stände muss der Erdenherrscher schützen; denn der Schutz vor Vermischung der Pflichten ist der ewige Dharma der Könige.

Wort für Wort
cāturvarṇyasya dharmāś ca
und die Pflichten der vier Stände (Gen./Nom. Pl.)
rakṣitavyā mahīkṣitā
müssen geschützt werden vom Erdherrscher (Gerundiv/Instr.)
dharmasaṃkararakṣā hi
denn der Schutz vor Dharma-Vermischung (Nom.)
rājñāṃ dharmaḥ sanātanaḥ
der ewige Dharma der Könige (Gen. Pl./Nom.)

na viśvasec ca nṛpatir na cātyarthaṃ na viśvaset; ṣāḍguṇyaguṇadoṣāṃś ca nityaṃ buddhyāvalokayet

Der König soll nicht [blind] vertrauen, aber auch nicht übermäßig misstrauen; und Vorzüge und Mängel der sechs Maßnahmen soll er stets mit dem Verstand prüfen.

Wort für Wort
na viśvasec ca nṛpatiḥ
und der König soll nicht vertrauen (3.Sg.Opt./Nom.)
na cātyarthaṃ na viśvaset
und nicht übermäßig soll er nicht vertrauen [d. h. nicht ganz misstrauen] (Adv./3.Sg.Opt.)
ṣāḍguṇyaguṇadoṣāṃś ca
und Vorzüge und Mängel der Sechsheit (Akk. Pl.)
nityaṃ buddhyāvalokayet
stets mit dem Verstand betrachten soll er (Adv./Instr./3.Sg.Opt.)

na cātyarthaṃ na viśvaset: wörtlich ‚auch nicht übermäßig nicht vertrauen‘, sinngemäß: nicht völliges Misstrauen.

dviṭchidradarśī nṛpatir nityam eva praśasyate; trivargaviditārthaś ca yuktacāropadhiś ca yaḥ

Ein König, der die Schwächen der Feinde erspäht, wird stets gepriesen, ebenso wer den Sinn der drei Lebensziele kennt und Späher und Prüfmittel [Versuchungsproben] einsetzt.

Wort für Wort
dviṭchidradarśī nṛpatiḥ
der König, der die Blößen der Feinde sieht (Nom.)
nityam eva praśasyate
wird stets gepriesen (Adv./3.Sg.Pass.)
trivargaviditārthaś ca
und wer den Sinn der Dreiheit [Dharma, Artha, Kāma] kennt (Nom.)
yuktacāropadhiś ca yaḥ
und der, der Späher und Prüfungen eingesetzt hat (Nom./Rel.)

upadhi: verdeckte Prüfung der Redlichkeit von Beamten [?].

kośasyopārjanaratir yamavaiśravaṇopamaḥ; vettā ca daśavargasya sthānavṛddhikṣayātmanaḥ

An der Mehrung der Schatzkammer sich erfreuend, Yama und Vaiśravaṇa gleich, Kenner der zehn Gruppen [?] und dessen, was Stand, Wachstum und Niedergang seiner selbst betrifft [?].

Wort für Wort
kośasyopārjanaratiḥ
am Erwerb der Schatzkammer sich erfreuend (Gen./Nom.)
yamavaiśravaṇopamaḥ
Yama und Vaiśravaṇa gleich (Nom.)
vettā ca daśavargasya
und Kenner der Zehnergruppe (Nom./Gen.)
sthānavṛddhikṣayātmanaḥ
dessen, was Stillstand, Wachstum, Verfall zum Wesen hat (Gen.)

daśavarga und sthānavṛddhikṣayātman sind unklar; wörtliche Wiedergabe, Deutung offen.

abhṛtānāṃ bhaved bhartā bhṛtānāṃ cānvavekṣakaḥ; nṛpatiḥ sumukhaś ca syāt smitapūrvābhibhāṣitā

Er sei Ernährer der Unversorgten und Aufseher der Versorgten; der König sei freundlichen Angesichts und spreche mit vorausgehendem Lächeln.

Wort für Wort
abhṛtānāṃ bhaved bhartā
der Unversorgten sei er Erhalter (Gen. Pl./3.Sg.Opt./Nom.)
bhṛtānāṃ cānvavekṣakaḥ
und der Versorgten Beobachter (Gen. Pl./Nom.)
nṛpatiḥ sumukhaś ca syāt
der König sei auch freundlich blickend (Nom./3.Sg.Opt.)
smitapūrvābhibhāṣitā
einer, der mit vorausgehendem Lächeln anspricht (Nom.)

upāsitā ca vṛddhānāṃ jitatandrīr alolupaḥ; satāṃ vṛtte sthitamatiḥ santo hy ācāradarśinaḥ

Er sei den Älteren aufwartend, die Trägheit besiegend, nicht gierig, sein Sinn in der Lebensweise der Guten gefestigt; denn die Guten sind es, die auf rechtes Verhalten sehen.

Wort für Wort
upāsitā ca vṛddhānām
und der den Alten aufwartet (Nom./Gen. Pl.)
jitatandrīr alolupaḥ
Trägheit besiegt habend, nicht gierig (Nom.)
satāṃ vṛtte sthitamatiḥ
im Wandel der Guten festen Sinnes (Gen./Lok./Nom.)
santo hy ācāradarśinaḥ
denn die Guten sind Beobachter des rechten Verhaltens (Nom. Pl.)

na cādadīta vittāni satāṃ hastāt kadā cana; asadbhyas tu samādadyāt sadbhyaḥ saṃpratipādayet

Er soll niemals Güter aus der Hand der Guten nehmen; von den Schlechten aber soll er sie an sich nehmen und den Guten zukommen lassen.

Wort für Wort
na cādadīta vittāni
und nicht nehmen soll er Güter (3.Sg.Opt. Med./Akk.)
satāṃ hastāt kadā cana
aus der Hand der Guten jemals (Gen./Abl./Adv.)
asadbhyas tu samādadyāt
von den Schlechten aber soll er nehmen (Abl./3.Sg.Opt.)
sadbhyaḥ saṃpratipādayet
den Guten soll er übergeben (Dat./3.Sg.Opt. Kaus.)

svayaṃ prahartādātā ca vaśyātmā vaśyasādhanaḥ; kāle dātā ca bhoktā ca śuddhācāras tathaiva ca

Er sei selbst Schlagender und Gebender, selbstbeherrscht, seine Untergebenen im Griff habend, zur rechten Zeit gebend und genießend und ebenso von reinem Wandel.

Wort für Wort
svayaṃ prahartādātā ca
selbst Schlagender und Gebender (Nom.)
vaśyātmā vaśyasādhanaḥ
selbstbeherrscht, die Untergebenen lenkend (Nom.)
kāle dātā ca bhoktā ca
zur Zeit Geber und Genießer (Lok./Nom.)
śuddhācāras tathaiva ca
und ebenso von reinem Wandel (Nom.)

vaśyasādhanaḥ: ‚dessen Mittel/Untergebene gefügig sind‘ [?].

śūrān bhaktān asaṃhāryān kule jātān arogiṇaḥ; śiṣṭāñ śiṣṭābhisaṃbandhān mānino nāvamāninaḥ

[Als Gefährten soll er nehmen] Tapfere, Ergebene, Unbestechliche, aus gutem Geschlecht Geborene, Gesunde, Wohlerzogene, mit Wohlerzogenen Verbundene, Ehrbewusste, die nicht geringschätzen [Anm.: Fortsetzung in 25].

Wort für Wort
śūrān bhaktān asaṃhāryān
Tapfere, Ergebene, Unabwerbbare (Akk. Pl.)
kule jātān arogiṇaḥ
in Familie Geborene, Gesunde (Akk. Pl.)
śiṣṭāñ śiṣṭābhisaṃbandhān
Wohlerzogene, mit Wohlerzogenen Verbundene (Akk. Pl.)
mānino nāvamāninaḥ
ehrbewusste, nicht verachtende (Akk. Pl.)

Objekte zu sahāyān kuryāt in 25.

vidyāvido lokavidaḥ paralokānvavekṣakān; dharmeṣu niratān sādhūn acalān acalān iva

Kenner des Wissens, Kenner der Welt, aufs Jenseits Bedachte, dem Dharma Ergebene, Rechtschaffene, unerschütterlich wie Berge.

Wort für Wort
vidyāvido lokavidaḥ
Wissenskundige, Weltkundige (Akk. Pl.)
paralokānvavekṣakān
auf das Jenseits Achtende (Akk. Pl.)
dharmeṣu niratān sādhūn
im Dharma Ergebene, Gute (Akk. Pl.)
acalān acalān iva
Unbewegliche wie Berge (Akk. Pl.)

acalān acalān iva: zweites acala = ‚Berge‘.

sahāyān satataṃ kuryād rājā bhūtipuraskṛtaḥ; tais tulyaś ca bhaved bhogaiś chatramātrājñayādhikaḥ

Solche soll der König, auf Wohlstand bedacht, stets zu Gefährten machen; ihnen soll er an Genüssen gleich sein, nur durch Schirm und Befehl höher stehen.

Wort für Wort
sahāyān satataṃ kuryāt
zu Gefährten soll er stets machen (Akk./Adv./3.Sg.Opt.)
rājā bhūtipuraskṛtaḥ
der König, Wohlstand voranstellend (Nom.)
tais tulyaś ca bhaved bhogaiḥ
und mit ihnen gleich sei er an Genüssen (Instr./Nom./Instr.)
chatramātrājñayādhikaḥ
nur durch Schirm und Befehl überlegen (Nom.)

pratyakṣā ca parokṣā ca vṛttiś cāsya bhavet sadā; evaṃ kṛtvā narendro hi na khedam iha vindati

Sein Verhalten sei stets sowohl offen als auch verborgen; so handelnd erfährt der König hier keinen Kummer.

Wort für Wort
pratyakṣā ca parokṣā ca
und offen und verborgen (Nom. f.)
vṛttiś cāsya bhavet sadā
und sein Verhalten sei stets (Nom./Gen./3.Sg.Opt.)
evaṃ kṛtvā narendro hi
so handelnd, der Fürst (Abs./Nom.)
na khedam iha vindati
erlangt hier keinen Kummer (Akk./Adv./3.Sg.Präs.)

sarvātiśaṅkī nṛpatir yaś ca sarvaharo bhavet; sa kṣipram anṛjur lubdhaḥ svajanenaiva bādhyate

Ein König, der allem mit Argwohn begegnet und der alles an sich reißt, wird rasch, unaufrichtig und habgierig, von seinen eigenen Leuten bedrängt.

Wort für Wort
sarvātiśaṅkī nṛpatiḥ
der König, der alles verdächtigt (Nom.)
yaś ca sarvaharo bhavet
und wer alles wegnimmt (Rel./Nom./3.Sg.Opt.)
sa kṣipram anṛjur lubdhaḥ
der rasch, unaufrichtig, gierig (Adv./Nom.)
svajanenaiva bādhyate
von den eigenen Leuten eben wird bedrängt (Instr./3.Sg.Pass.)

kṣipram anṛjur lubdhaḥ: die Zuordnung von kṣipram (‚rasch‘) ist mehrdeutig [?].

śucis tu pṛthivīpālo lokacittagrahe rataḥ; na pataty aribhir grastaḥ patitaś cāvatiṣṭhate

Ein reiner Erdbeschützer, der auf das Gewinnen der Herzen der Welt bedacht ist, fällt nicht, wenn Feinde ihn ergriffen haben; und ist er gefallen, so steht er [wieder] fest.

Wort für Wort
śucis tu pṛthivīpālaḥ
ein reiner Erdbeschützer aber (Nom.)
lokacittagrahe rataḥ
am Gewinnen der Herzen der Leute erfreut (Lok./Nom.)
na pataty aribhir grastaḥ
fällt nicht, von Feinden ergriffen (3.Sg.Präs./Instr./Part.Pass.)
patitaś cāvatiṣṭhate
und gefallen bleibt er stehen (Part.Pass./3.Sg.Präs.)

akrodhano 'thāvyasanī mṛdudaṇḍo jitendriyaḥ; rājā bhavati bhūtānāṃ viśvāsyo himavān iva

Zornlos, frei von Lastern, mit milder Strafe, die Sinne bezwungen: so wird der König den Wesen vertrauenswürdig wie der Himavat.

Wort für Wort
akrodhano 'thāvyasanī
zornlos und ohne Laster (Nom.)
mṛdudaṇḍo jitendriyaḥ
mit milder Strafe, Sinne besiegt (Nom.)
rājā bhavati bhūtānām
der König wird für die Wesen (Nom./3.Sg.Präs./Gen. Pl.)
viśvāsyo himavān iva
vertrauenswürdig wie der Himavat (Nom.)

prājño nyāyaguṇopetaḥ pararandhreṣu tatparaḥ; sudarśaḥ sarvavarṇānāṃ nayāpanayavit tathā

Weise, mit den Vorzügen der Rechtlichkeit ausgestattet, auf die Schwächen der Gegner bedacht, für alle Stände gut zugänglich und Kenner von kluger und unkluger Politik.

Wort für Wort
prājño nyāyaguṇopetaḥ
weise, mit den Tugenden des Rechts versehen (Nom.)
pararandhreṣu tatparaḥ
auf die Schwächen der anderen darauf aus (Lok./Nom.)
sudarśaḥ sarvavarṇānām
gut anzusehen [zugänglich] für alle Stände (Nom./Gen. Pl.)
nayāpanayavit tathā
und Kenner von Politik und Fehlpolitik (Nom./Adv.)

sudarśaḥ: ‚gut sichtbar, zugänglich‘ oder ‚einen guten Blick habend‘ [?].

kṣiprakārī jitakrodhaḥ suprasādo mahāmanāḥ; arogaprakṛtir yuktaḥ kriyāvān avikatthanaḥ

Schnell handelnd, den Zorn besiegt, huldvoll, hochgesinnt, von gesunder Natur, gesammelt, tatkräftig und nicht prahlerisch.

Wort für Wort
kṣiprakārī jitakrodhaḥ
schnell handelnd, zornbesiegt (Nom.)
suprasādo mahāmanāḥ
sehr huldvoll, hochgesinnt (Nom.)
arogaprakṛtir yuktaḥ
von gesunder Natur, gesammelt (Nom.)
kriyāvān avikatthanaḥ
tatkräftig, nicht prahlend (Nom.)

ārabdhāny eva kāryāṇi na paryavasitāni ca; yasya rājñaḥ pradṛśyante sa rājā rājasattamaḥ

Der König, bei dem man Vorhaben nur begonnen, aber nicht [als] abgeschlossen ersichtlich findet [?], der ist der beste der Könige.

Wort für Wort
ārabdhāny eva kāryāṇi
nur begonnene Vorhaben (Nom. Pl.)
na paryavasitāni ca
und nicht abgeschlossene (Part.Pass./Nom. Pl.)
yasya rājñaḥ pradṛśyante
bei dessen König sie erscheinen (Gen./3.Pl.Pass.)
sa rājā rājasattamaḥ
der ist ein König, bester der Könige (Nom.)

Sinn unsicher: entweder ‚Vorhaben, die man nur im Beginn, nie im Abschluss [d. h. vor Vollendung nicht] sieht‘ (Geheimhaltung) oder anders [?].

putrā iva pitur gehe viṣaye yasya mānavāḥ; nirbhayā vicariṣyanti sa rājā rājasattamaḥ

In dessen Reich die Menschen wie Söhne im Haus des Vaters furchtlos umherziehen werden, der ist der beste der Könige.

Wort für Wort
putrā iva pitur gehe
wie Söhne im Haus des Vaters (Nom. Pl./Gen./Lok.)
viṣaye yasya mānavāḥ
im Reich dessen die Menschen (Lok./Gen./Nom. Pl.)
nirbhayā vicariṣyanti
furchtlos werden umherziehen (Nom. Pl./3.Pl.Fut.)
sa rājā rājasattamaḥ
der ist der beste der Könige (Nom.)

agūḍhavibhavā yasya paurā rāṣṭranivāsinaḥ; nayāpanayavettāraḥ sa rājā rājasattamaḥ

Dessen Bürger und Landbewohner, deren Wohlstand nicht verborgen ist und die Politik und Fehlpolitik zu unterscheiden wissen, der ist der beste der Könige.

Wort für Wort
agūḍhavibhavā yasya
dessen [Leute] mit unverborgenem Wohlstand (Nom. Pl./Gen.)
paurā rāṣṭranivāsinaḥ
Stadtbürger und Reichsbewohner (Nom. Pl.)
nayāpanayavettāraḥ
Kenner von Politik und Fehlpolitik (Nom. Pl.)
sa rājā rājasattamaḥ
der ist der beste der Könige (Nom.)

svakarmaniratā yasya janā viṣayavāsinaḥ; asaṃghātaratā dāntāḥ pālyamānā yathāvidhi

Dessen im Reich wohnende Leute ihren eigenen Handlungen ergeben sind, an Zusammenrottung [Streit] keine Freude haben, gezügelt sind und wie vorgeschrieben beschützt werden [Anm.: Satz setzt sich fort],

Wort für Wort
svakarmaniratā yasya
in eigenem Tun ergeben, dessen (Nom. Pl./Gen.)
janā viṣayavāsinaḥ
die Leute, im Reich wohnend (Nom. Pl.)
asaṃghātaratā dāntāḥ
nicht an Zusammenstoß/Zusammenrottung Freude habend, gezähmt (Nom. Pl.)
pālyamānā yathāvidhi
beschützt werdend nach Vorschrift (Part.Pass./Adv.)

asaṃghātarata: ‚nicht an Zusammenstoß/Gewalt Freude habend‘ oder ‚nicht an Zusammenrottung‘ [?].

vaśyā neyā vinītāś ca na ca saṃgharṣaśīlinaḥ; viṣaye dānarucayo narā yasya sa pārthivaḥ

folgsam, lenkbar, wohlerzogen und nicht streitsüchtig, im Reich dessen die Menschen Freude am Geben haben, der ist ein Erdherrscher.

Wort für Wort
vaśyā neyā vinītāś ca
gehorsam, lenkbar, wohlerzogen (Nom. Pl.)
na ca saṃgharṣaśīlinaḥ
und nicht streitsüchtig (Nom. Pl.)
viṣaye dānarucayaḥ
im Reich am Geben Gefallen habend (Lok./Nom. Pl.)
narā yasya sa pārthivaḥ
dessen Menschen [sind], der ist ein Fürst (Nom./Gen./Nom.)

na yasya kūṭakapaṭaṃ na māyā na ca matsaraḥ; viṣaye bhūmipālasya tasya dharmaḥ sanātanaḥ

Bei wem es weder Arglist und Täuschung noch Trug noch Missgunst gibt, in dem Reich dieses Erdhüters herrscht der ewige Dharma.

Wort für Wort
na yasya kūṭakapaṭam
bei dem nicht Arglist und Betrug (Gen./Nom.)
na māyā na ca matsaraḥ
nicht Täuschung und nicht Missgunst (Nom.)
viṣaye bhūmipālasya
im Reich des Erdhüters (Lok./Gen.)
tasya dharmaḥ sanātanaḥ
dessen ewiger Dharma [besteht] (Gen./Nom.)

yaḥ satkaroti jñānāni neyaḥ paurahite rataḥ; satāṃ dharmānugas tyāgī sa rājā rājyam arhati

Wer Kenntnisse [Wissende?] ehrt, lenkbar ist, dem Wohl der Bürger ergeben, dem Dharma der Guten folgend und freigebig, dieser König verdient die Herrschaft.

Wort für Wort
yaḥ satkaroti jñānāni
wer ehrt Kenntnisse (Rel./3.Sg.Präs./Akk. Pl.)
neyaḥ paurahite rataḥ
lenkbar, am Wohl der Bürger erfreut (Nom./Lok./Nom.)
satāṃ dharmānugas tyāgī
dem Dharma der Guten folgend, freigebig (Gen./Nom.)
sa rājā rājyam arhati
der König verdient die Herrschaft (Nom./Akk./3.Sg.)

jñānāni (‚Kenntnisse‘) ist ungewöhnlich; vielleicht ‚Wissende‘ gemeint [?].

yasya cāraś ca mantraś ca nityaṃ caiva kṛtākṛte; na jñāyate hi ripubhiḥ sa rājā rājyam arhati

Dessen Späher und Rat und stets sein Getanes und Ungetanes von den Feinden nicht erkannt werden, dieser König verdient die Herrschaft.

Wort für Wort
yasya cāraś ca mantraś ca
dessen Späher und Beratung (Gen./Nom.)
nityaṃ caiva kṛtākṛte
und stets Getanes und Ungetanes (Adv./Nom. Du.)
na jñāyate hi ripubhiḥ
werden nicht erkannt von Feinden (3.Sg.Pass./Instr.)
sa rājā rājyam arhati
der König verdient die Herrschaft (Nom./Akk./3.Sg.)

ślokaś cāyaṃ purā gīto bhārgaveṇa mahātmanā; ākhyāte rāmacarite nṛpatiṃ prati bhārata

Und dieser Śloka wurde einst vom großen Bhārgava gesungen, als die Geschichte Rāmas erzählt wurde, in Bezug auf einen König, Bhārata.

Wort für Wort
ślokaś cāyaṃ purā gītaḥ
und dieser Śloka wurde einst gesungen (Nom./Adv./Part.Pass.)
bhārgaveṇa mahātmanā
vom großen Bhārgava (Instr.)
ākhyāte rāmacarite
als die Rāma-Geschichte erzählt wurde (Lok. abs.)
nṛpatiṃ prati bhārata
in Bezug auf einen König, Bhārata (Akk./Präp./Vok.)

rājānaṃ prathamaṃ vindet tato bhāryāṃ tato dhanam; rājany asati lokasya kuto bhāryā kuto dhanam

Zuerst soll man einen König finden, dann die Gattin, dann den Besitz; wenn kein König da ist, woher [dann] Gattin, woher Besitz für die Welt?

Wort für Wort
rājānaṃ prathamaṃ vindet
einen König soll man zuerst finden (Akk./Adv./3.Sg.Opt.)
tato bhāryāṃ tato dhanam
dann die Gattin, dann den Besitz (Akk.)
rājany asati lokasya
wenn ein König nicht da ist, für die Welt (Lok. abs./Gen.)
kuto bhāryā kuto dhanam
woher Gattin, woher Besitz (Nom.)

tad rājan rājasiṃhānāṃ nānyo dharmaḥ sanātanaḥ; ṛte rakṣāṃ suvispaṣṭāṃ rakṣā lokasya dhāraṇam

Darum, König, gibt es für die Löwen unter den Königen keinen anderen ewigen Dharma als den ganz offenkundigen Schutz; denn Schutz ist der Halt der Welt.

Wort für Wort
tad rājan rājasiṃhānām
darum, König, der Königslöwen (Vok./Gen. Pl.)
nānyo dharmaḥ sanātanaḥ
kein anderer ewiger Dharma (Nom.)
ṛte rakṣāṃ suvispaṣṭām
außer dem ganz deutlichen Schutz (Präp./Akk.)
rakṣā lokasya dhāraṇam
Schutz ist der Erhalt der Welt (Nom./Gen./Nom.)

prācetasena manunā ślokau cemāv udāhṛtau; rājadharmeṣu rājendra tāv ihaikamanāḥ śṛṇu

Auch vom Prācetasa Manu wurden diese beiden Ślokas vorgetragen, in den Königspflichten, Herr der Könige; diese höre hier einmütig.

Wort für Wort
prācetasena manunā
von Manu Prācetasa (Instr.)
ślokau cemāv udāhṛtau
und diese beiden Ślokas wurden vorgetragen (Nom. Du./Part.Pass.)
rājadharmeṣu rājendra
in den Königspflichten, Herr der Könige (Lok./Vok.)
tāv ihaikamanāḥ śṛṇu
diese beiden hier einmütig höre (Akk. Du./Nom./Imp.)

ṣaḍ etān puruṣo jahyād bhinnāṃ nāvam ivārṇave; apravaktāram ācāryam anadhīyānam ṛtvijam

Diese sechs soll ein Mensch verlassen wie ein zerbrochenes Schiff im Ozean: einen Lehrer, der nichts sagt [nicht lehrt], einen Opferpriester, der nichts gelernt hat,

Wort für Wort
ṣaḍ etān puruṣo jahyāt
diese sechs soll der Mensch verlassen (Akk./Nom./3.Sg.Opt.)
bhinnāṃ nāvam ivārṇave
wie ein zerbrochenes Schiff im Meer (Akk./Lok.)
apravaktāram ācāryam
einen nicht Lehrenden, Lehrer (Akk.)
anadhīyānam ṛtvijam
einen nicht Studierenden, Opferpriester (Akk.)

arakṣitāraṃ rājānaṃ bhāryāṃ cāpriyavādinīm; grāmakāmaṃ ca gopālaṃ vanakāmaṃ ca nāpitam

einen König, der nicht beschützt, eine Gattin, die Unfreundliches spricht, einen Kuhhirten, der ins Dorf will, und einen Barbier, der in den Wald will.

Wort für Wort
arakṣitāraṃ rājānam
einen nicht schützenden König (Akk.)
bhāryāṃ cāpriyavādinīm
und eine Gattin, unfreundlich redend (Akk.)
grāmakāmaṃ ca gopālam
und einen Kuhhirten, der ins Dorf will (Akk.)
vanakāmaṃ ca nāpitam
und einen Barbier, der in den Wald will (Akk.)

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