Kapitel 92: rājadharmopadeśa
Utathyas Belehrung Māndhātṛs über die Pflichten des Königs und den Schutz der Schwachen
Der Weise Utathya unterweist König Māndhātṛ: Der König ist das Zeitalter (yuga), Schöpfer oder Vernichter der Wesen, muss die Schwachen schützen, Beamte überwachen und sich am Vorbild von Yama und Indra ausrichten.
utathya uvāca; kālavarṣī ca parjanyo dharmacārī ca pārthivaḥ; saṃpad yadaiṣā bhavati sā bibharti sukhaṃ prajāḥ
Utathya sprach: „Ein zur rechten Zeit regnender Parjanya und ein dharmagemäß wandelnder Fürst: Wenn dieser Wohlstand entsteht, so erhält er die Geschöpfe [Untertanen] im Glück.“
Wort für Wort
utathya uvāca
Utathya sprach (Perf.)
kālavarṣī ca parjanyo
und Parjanya, der zur rechten Zeit regnet (Nom.Sg.)
dharmacārī ca pārthivaḥ
und der Fürst, der den Dharma übt (Nom.Sg.)
saṃpad yadā eṣā bhavati
wenn dieser Wohlstand entsteht (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
sā bibharti sukhaṃ prajāḥ
er/sie erhält die Geschöpfe in Glück (3.Sg.Präs.; Akk.Pl./Sg.)
Zu bibharti: Subjekt ist formal saṃpad (fem.), gemeint ist die Wirkung von Regen und gerechtem König.
Ebenso [verhält es sich] bei den Besten der Zweimalgeborenen, den Kṣatriyas und Vaiśyas, und die Śūdras: die vier Stände sind auf verschiedene Tätigkeiten festgelegt.
Wort für Wort
evam eva
ebenso (Adv.)
dvijendrāṇāṃ kṣatriyāṇāṃ viśām api
bei den Besten der Zweimalgeborenen, den Kṣatriyas und auch den Vaiśyas (Gen.Pl.)
śūdrāś
und die Śūdras (Nom.Pl.)
caturṇāṃ varṇānāṃ
der vier Stände (Gen.Pl.)
nānākarmasv avasthitāḥ
in verschiedenen Tätigkeiten festgelegt (Lok.Pl.; Part.Perf.Pass. Nom.Pl.)
karma śūdre kṛṣir vaiśye daṇḍanītiś ca rājani; brahmacaryaṃ tapo mantrāḥ satyaṃ cāpi dvijātiṣu
Beim Śūdra [ist] der Dienst [die Aufgabe], beim Vaiśya der Ackerbau, beim König die Regierungskunst der Strafe; bei den Zweimalgeborenen Keuschheit, Askese, Mantras und auch die Wahrheit.
rājaiva kartā bhūtānāṃ rājaiva ca vināśakaḥ; dharmātmā yaḥ sa kartā syād adharmātmā vināśakaḥ
Der König allein ist der Schöpfer der Wesen, und der König allein ist ihr Vernichter. Wer dharmagesinnt ist, der ist Schöpfer; wer adharmagesinnt ist, Vernichter.
Wort für Wort
rājā eva kartā bhūtānāṃ
der König allein ist Schöpfer der Wesen (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
rājā eva ca vināśakaḥ
und der König allein ist Vernichter (Nom.Sg.)
dharmātmā yaḥ sa kartā syāt
wer dharmagesinnt ist, der sei/ist Schöpfer (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)
yac ca bhūtaṃ sa bhajate bhūtā ye ca tadanvayāḥ; adharmasthe hi nṛpatau sarve sīdanti pārthiva
Und welches Wesen [der Schwache] es ist, dem wenden sich [die Wesen] zu, und die Wesen, die zu diesem gehören. Beim König, der im Adharma steht, sinken alle, o Fürst.
Wort für Wort
yat ca bhūtaṃ sa bhajate
und welches Wesen es auch sei, dem wendet man sich zu (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
bhūtā ye ca tadanvayāḥ
und die Wesen, die zu diesem gehören (Nom.Pl.; Nom.Pl.)
adharmasthe hi nṛpatau
denn beim König, der im Adharma steht (Lok.Sg.)
sarve sīdanti pārthiva
alle sinken, o Fürst (3.Pl.Präs.; Vok.Sg.)
Halbvers a schwierig; Subjekt von bhajate unklar. [?] Wiedergabe wortnah.
durbalasya hi yac cakṣur muner āśīviṣasya ca; aviṣahyatamaṃ manye mā sma durbalam āsadaḥ
Der Blick des Schwachen und der des Weisen und der Giftschlange: Ich halte ihn für den am schwersten zu ertragenden. Nähere dich [darum] nicht einem Schwachen [feindlich]!
Wort für Wort
durbalasya hi yat cakṣur
denn der Blick des Schwachen (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
muner āśīviṣasya ca
des Weisen und der Giftschlange (Gen.Sg.)
aviṣahyatamaṃ manye
für am unerträglichsten halte ich [ihn] (Superl.Akk.; 1.Sg.Präs.)
mā sma durbalam āsadaḥ
nähere dich nicht dem Schwachen [angreifend] (Prohib.; Akk.Sg.; 2.Sg.Aor.)
Mein Lieber, erkenne die Schwachen als [solche, die] stets nicht zu missachten [sind]! Mögen die Blicke der Schwachen dich nicht samt deiner Verwandtschaft verbrennen.
Wort für Wort
durbalān tāta budhyethāḥ
die Schwachen, mein Lieber, sollst du erkennen (Akk.Pl.; Vok.; 2.Sg.Opt.Med.)
nityam eva avimānitān
als stets nicht Missachtete (Adv.; Akk.Pl.)
mā tvāṃ durbalacakṣūṃṣi
nicht sollen dich die Blicke der Schwachen (Akk.Sg.; Nom.Pl.n.)
pradaheyuḥ sabāndhavam
verbrennen samt [deinen] Verwandten (3.Pl.Opt.; Akk.Sg.)
na hi durbaladagdhasya kule kiṃ cit prarohati; āmūlaṃ nirdahaty eva mā sma durbalam āsadaḥ
Denn in der Familie, die von einem Schwachen verbrannt wurde, sprießt nichts mehr; er verbrennt sie bis zur Wurzel. Nähere dich nicht einem Schwachen [feindlich]!
Wort für Wort
na hi durbaladagdhasya
denn von dem, der vom Schwachen verbrannt wurde (Gen.Sg.; Part.Perf.Pass.)
kule kiṃ cit prarohati
in der Familie sprießt irgendetwas (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)
āmūlaṃ nirdahati eva
er verbrennt sie bis zur Wurzel (Adv.; 3.Sg.Präs.)
abalaṃ vai balāc chreyo yac cātibalavad balam; balasyābaladagdhasya na kiṃ cid avaśiṣyate
Schwachheit ist besser als Stärke, und zwar [als] jene Stärke, die übermächtig ist; von der Stärke, die vom Schwachen verbrannt wurde, bleibt nichts übrig.
Wort für Wort
abalaṃ vai balāt śreyo
Schwäche ist besser als Stärke (Nom.Sg.n.; Abl.Sg.; Komp.)
yat ca atibalavad balam
und zwar die Stärke, die übermächtig ist (Nom.Sg.n.)
balasya abaladagdhasya
von der Stärke, die vom Schwachen verbrannt wurde (Gen.Sg.)
na kiṃ cid avaśiṣyate
nichts bleibt übrig (3.Sg.Pass.)
Halbvers a: die Konstruktion (yac cātibalavad balam) ist elliptisch; Wiedergabe mit geringen Zusatzannahmen.
vimānito hatotkruṣṭas trātāraṃ cen na vindati; amānuṣakṛtas tatra daṇḍo hanti narādhipam
Wenn ein Missachteter, Geschlagener, Schreiender keinen Beschützer findet, dann trifft die nicht von Menschen bewirkte Strafe den Herrscher der Menschen.
Mein Lieber, verlass dich nicht auf [deine] Stärke und bedränge auch nicht den Schwachen; die Blicke der Schwachen sollen dich nicht verbrennen, wie das Feuer eine Wohnstatt.
Wort für Wort
mā sma tāta bale stheyāḥ
mein Lieber, stehe nicht [pochend] auf Stärke (Prohib.; Vok.; Lok.Sg.; 2.Sg.Opt.)
bādhiṣṭhāḥ mā api durbalam
und bedränge auch nicht den Schwachen (2.Sg.Aor.Med.; Akk.Sg.)
mā tvā durbalacakṣūṃṣi
nicht [sollen] dich die Blicke der Schwachen (Akk.; Nom.Pl.n.)
dhakṣyanti agnir iva āśrayam
werden verbrennen wie Feuer eine Wohnstatt (3.Pl.Fut.; Nom.Sg.; Akk.Sg.)
Die Verbindung von mā mit dem Futur (dhakṣyanti) ist ungewöhnlich; Sinn: Warnung.
yadi nātmani putreṣu na cet pautreṣu naptṛṣu; na hi pāpaṃ kṛtaṃ karma sadyaḥ phalati gaur iva
[Trifft es] nicht ihn selbst, [dann] die Söhne; wenn nicht, dann die Enkel, die Urenkel: Denn eine getane böse Tat reift nicht sofort, wie die Erde [?] [nicht sofort Frucht trägt].
Wort für Wort
yadi na ātmani putreṣu
wenn nicht an ihm selbst, [dann] an den Söhnen (Lok.Sg.; Lok.Pl.)
na cet pautreṣu naptṛṣu
wenn nicht, [dann] an den Enkeln, den Urenkeln (Lok.Pl.)
na hi pāpaṃ kṛtaṃ karma
denn eine getane böse Tat (Nom.Sg.n.; Part.)
sadyaḥ phalati
trägt nicht sofort Frucht (Adv.; 3.Sg.Präs.)
gaur iva
wie eine Kuh/die Erde [?] (Nom.Sg.)
gaur iva: gauḥ = Kuh oder Erde; Vergleichspunkt (Frucht nicht sofort) spricht für „Erde“. Der Satz ist elliptisch.
Wenn die [im Amt] eingesetzten Landesbeamten wie Brahmanen fortwährend betteln, dann erschlagen solche [Leute] durch den Fehler des Bettelns den König.
Wort für Wort
yuktā yadā jānapadā
wenn die eingesetzten Landesbeamten (Nom.Pl.; Nom.Pl.)
bhikṣante brāhmaṇā iva
betteln wie Brahmanen (3.Pl.Präs.Med.; Nom.Pl.)
abhīkṣṇaṃ bhikṣudoṣeṇa
fortwährend durch den Fehler des Bettelns (Adv.; Instr.Sg.)
rājānaṃ ghnanti tādṛśāḥ
erschlagen solche den König (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
yuktāḥ = angestellte Beamte; gemeint ist wohl Erpressung von Abgaben. [?]
Wenn die Beamten die Angelegenheiten der jämmerlich Bittenden aus Laune oder unter dem Zwang des Vorteils [so] führen, dann ist das ein großes Unheil für den König.
Wort für Wort
yadā yuktā nayanti arthān
wenn die Beamten die Angelegenheiten führen (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
kāmād arthavaśena vā
aus Willkür/Begierde oder unter dem Zwang des Vorteils (Abl.Sg.; Instr.Sg.)
kṛpaṇaṃ yācamānānāṃ
der jämmerlich Bittenden (Adv.; Gen.Pl.Part.Med.)
tad rājño vaiśasaṃ mahat
das ist ein großes Unheil/Verderben für den König (Nom.Sg.n.)
Ein großer Baum entsteht und wächst, und ihn suchen die Wesen als Zuflucht auf; wird der Baum gefällt oder verbrannt, dann werden die, die bei ihm Zuflucht hatten, ohne Behausung.
Wort für Wort
mahāvṛkṣo jāyate vardhate ca
ein großer Baum entsteht und wächst (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
taṃ ca eva bhūtāni samāśrayanti
und ihn suchen die Wesen auf (Akk.Sg.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
yadā vṛkṣaś chidyate dahyate vā
wenn der Baum gefällt oder verbrannt wird (3.Sg.Pass.)
tadā āśrayā aniketā bhavanti
dann werden die, die dort Zuflucht hatten, ohne Behausung (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
yadā rāṣṭre dharmam agryaṃ caranti; saṃskāraṃ vā rājaguṇaṃ bruvāṇāḥ; tair evādharmaś carito dharmamohāt; tūrṇaṃ jahyāt sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ ca
Wenn im Reich [Leute] den höchsten Dharma üben oder [bloße] Läuterung als Königstugend ausgeben, [so] wird von eben diesen aus Verblendung über den Dharma Adharma geübt; rasch würde man Gutes und Schlechtes [Verdienst und Vergehen] preisgeben [?].
Wort für Wort
yadā rāṣṭre dharmam agryaṃ caranti
wenn sie im Reich den höchsten Dharma üben (Lok.Sg.; Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)
saṃskāraṃ vā rājaguṇaṃ bruvāṇāḥ
oder Läuterung als Königstugend bezeichnend (Akk.Sg.; Part.Präs.Med. Nom.Pl.)
tair eva adharmaś carito
von eben diesen wird Adharma geübt (Instr.Pl.; Nom.Sg.; Part.Pass.)
dharmamohāt
aus Verblendung über den Dharma (Abl.Sg.)
tūrṇaṃ jahyāt sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ ca
rasch würde man Gutgetanes und Schlechtgetanes preisgeben (Adv.; 3.Sg.Opt.; Akk.Sg.n.)
Stark verderbt oder elliptisch; Subjekt von jahyāt und Sinn von saṃskāra unsicher. Wiedergabe tastend.
yatra pāpā jñāyamānāś caranti; satāṃ kalir vindati tatra rājñaḥ; yadā rājā śāsti narān naśiṣyān; na tad rājyaṃ vardhate bhūmipāla
Wo Böse, obwohl erkannt, [frei] umhergehen, da erlangt der König das Unheil der Guten [?]; wenn ein König Menschen lenkt, die dem Untergang geweiht sind [?], dann gedeiht dieses Reich nicht, o Erdhüter.
Wort für Wort
yatra pāpā jñāyamānāś caranti
wo Böse, obwohl erkannt, umhergehen (Nom.Pl.; Part.Pass.; 3.Pl.Präs.)
satāṃ kalir vindati tatra rājñaḥ
das Unheil der Guten trifft dort den König [?] (Gen.Pl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
yadā rājā śāsti narān naśiṣyān
wenn der König Menschen lenkt, die zugrunde gehen werden [?] (3.Sg.Präs.; Akk.Pl.; Part.Fut.)
na tad rājyaṃ vardhate
dieses Reich gedeiht nicht (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
bhūmipāla
o Erdhüter (Vok.Sg.)
satāṃ kalir rājñaḥ: Konstruktion unsicher (rājñaḥ evtl. Gen. zu kalir). naśiṣyān evtl. auch na śiṣyān „nicht zu Belehrende/Züchtigende“. [?]
saṃvibhajya yadā bhuṅkte na cānyān avamanyate; nihanti balinaṃ dṛptaṃ sa rājño dharma ucyate
Wenn er, nachdem er [alles] geteilt hat, [erst dann] isst und keinen anderen geringschätzt, wenn er den stolzen Starken niederschlägt – das wird des Königs Dharma genannt.
Wort für Wort
saṃvibhajya yadā bhuṅkte
nachdem er geteilt hat, wenn er isst (Abs./3.Sg.Präs.Med.)
na ca anyān avamanyate
und nicht andere geringschätzt (3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
nihanti balinaṃ dṛptaṃ
er schlägt nieder den Starken, Stolzen (3.Sg./Akk.Sg.)
sa rājñaḥ dharmaḥ ucyate
das wird des Königs Dharma genannt (Gen./Nom./3.Sg.Pass.)
Wenn ein König, nachdem er geteilt hat, [erst dann] isst, [teilend] mit den schwachen Menschen, dann werden sie stark – das wird des Königs Dharma genannt.
Wort für Wort
saṃvibhajya yadā bhuṅkte
nachdem er geteilt hat, wenn er isst
nṛpatiḥ durbalān narān
der König, die schwachen Menschen (Nom./Akk.Pl.)
tadā bhavanti balinaḥ
dann werden sie stark (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
sa rājñaḥ dharmaḥ ucyate
das wird des Königs Dharma genannt
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „saṃvibhajya … durbalān narān“ wörtlich: nachdem er geteilt hat [mit] den schwachen Männern.
yadāptadakṣiṇair yajñair yajate śraddhayānvitaḥ; kāmadveṣāv anādṛtya sa rājño dharma ucyate
Wenn er mit Opfern, bei denen die Opferlöhne recht bemessen sind, voll Vertrauen opfert und Begierde und Hass unbeachtet lässt – das wird des Königs Dharma genannt.
Wort für Wort
yadā āpta-dakṣiṇaiḥ yajñaiḥ
wenn mit Opfern mit angemessenen Opferlöhnen (Instr.Pl.)
yajate śraddhayā anvitaḥ
opfert er, mit Vertrauen begabt (3.Sg.Med./Instr./Nom.)
Mit Unachtsamkeitsfreiheit [d. h. Wachsamkeit] sollst du lernen: Geduld, Einsicht, Standhaftigkeit, Verstand, und stets die Erforschung der Wesensart der Wesen, des Guten und des Nicht-Guten.
Wort für Wort
apramādena śikṣethāḥ
mit Wachsamkeit sollst du lernen (Instr./Opt.Med.)
tad daṇḍavin nṛpaḥ prājñaḥ śūraḥ śaknoti rakṣitum; na hi śakyam adaṇḍena klībenābuddhināpi vā
Darum vermag ein einsichtiger, tapferer König, der den Stock [der Strafe] führt, zu schützen; denn ohne Stock oder als Schwächling oder Unverständiger ist es nicht möglich.
Wort für Wort
tad daṇḍavin nṛpaḥ
darum [?] der Strafgewalt-Führende, König (Nom.)
prājñaḥ śūraḥ śaknoti rakṣitum
einsichtig, tapfer, vermag zu schützen (Nom./3.Sg./Inf.)
na hi śakyam adaṇḍena
denn nicht möglich ist es ohne Stock (Instr.)
klībena abuddhinā api vā
durch einen Schwächling oder Unverständigen (Instr.)
„tad daṇḍavin“ formal unklar; als „tad“ (darum) und „daṇḍavin“ = Strafgewalt Führender gefasst [?].
Mit Wohlgestalteten, aus gutem Geschlecht Geborenen, Tüchtigen, Ergebenen, Vielgelehrten sollst du alle Gesinnungen prüfen, selbst die der Einsiedeleibewohner.
Wort für Wort
abhirūpaiḥ kule jātaiḥ
mit Passenden/Wohlgestalteten, im Geschlecht Geborenen (Instr.Pl.)
dakṣaiḥ bhaktaiḥ bahu-śrutaiḥ
Tüchtigen, Ergebenen, Vielgelehrten (Instr.Pl.)
sarvāḥ buddhīḥ parīkṣethāḥ
alle Gesinnungen sollst du prüfen (Akk.Pl./Opt.Med.)
Wachsam soll der König sein, die Schwächen der anderen und seiner selbst erkennend; seine Schwäche soll der Feind nicht sehen, in den Schwächen soll er den Feind verfolgen.
Wort für Wort
apramattaḥ bhavet rājā
wachsam sei der König (Nom./Opt.)
chidra-darśī para-ātmanoḥ
Schwächen sehend an anderem und sich selbst (Nom./Gen.Du.)
na asya chidraṃ paraḥ paśyet
nicht seine Schwäche sehe der Feind (Gen./Akk./Nom./Opt.)
chidreṣu param anviyāt
in den Schwächen verfolge er den Feind (Lok.Pl./Akk./Opt.)