Kapitel 191: jāpakasthānavarṇana
Die höchste Stätte des Jāpaka, im Vergleich zu der selbst die Götterhimmel Höllen sind
Bhīṣma antwortet auf Yudhiṣṭhiras Frage nach der Hölle des Jāpaka mit einer Umkehrung: Die Stätten der Götter sind nur relativ „Höllen“ gegenüber der furcht- und leidfreien Stätte des Höchsten Selbst, die der Murmler erreicht.
Bhīṣma sprach: „Du bist ein Spross [Anteil] des Dharma und von Natur aus im höchsten Maße dem Dharma ergeben. Höre, Sündloser, aufmerksam die Rede, die im Dharma gründet und wurzelt.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.3.Sg.)
dharmasyāṃśaḥ prasūto 'si
du bist ein Anteil des Dharma, hervorgegangen (Gen.Sg. / Nom.Sg. / Part.Perf.Pass. / 2.Sg.Präs.)
dharmiṣṭho 'si svabhāvataḥ
du bist der Dharma-Ergebenste von Natur aus (Superl.Nom.Sg. / Abl.-Adv.)
dharmamūlāśrayaṃ vākyaṃ
die Rede, die im Dharma Wurzel und Halt hat (Bahuvrīhi, Akk.Sg.n.)
amūni yāni sthānāni devānāṃ paramātmanām; nānāsaṃsthānavarṇāni nānārūpaphalāni ca
Jene Stätten [Wohnsitze] dort, die den Göttern, den Höchstselbstigen [Hochbeseelten], gehören, mit mannigfachen Gestalten und Farben und mit mannigfachen Formen und Früchten,
Wort für Wort
amūni yāni sthānāni
jene Stätten, welche (Nom.Pl.n.)
devānāṃ paramātmanām
der Götter, der höchstbeseelten (Gen.Pl.)
nānāsaṃsthānavarṇāni
mit mannigfachen Gestalten und Farben (Bahuvrīhi, Nom.Pl.n.)
nānārūpaphalāni ca
und mit mannigfachen Formen und Früchten (Bahuvrīhi, Nom.Pl.n.)
paramātmanām: hier als Gen.Pl. eines Adjektivs „hochbeseelt“ gefasst; Deutung als „die Höchsten“ ebenso möglich.
abhayaṃ cānimittaṃ ca na ca kleśabhayāvṛtam; dvābhyāṃ muktaṃ tribhir muktam aṣṭābhis tribhir eva ca
[Jene Stätte ist] furchtlos, ohne Anlass [Ursache], nicht von Leid und Furcht umhüllt; frei von zweien, frei von dreien, [frei] von acht und ebenso von dreien.
Wort für Wort
abhayaṃ cānimittaṃ ca
furchtlos und ohne Anlass (Nom.Sg.n.)
na ca kleśabhayāvṛtam
und nicht von Leid und Furcht umhüllt (Part.Perf.Pass.)
dvābhyāṃ muktaṃ tribhir muktam
frei von zweien, frei von dreien (Instr.Du. / Instr.Pl. / Part.Perf.Pass.)
aṣṭābhis tribhir eva ca
von acht und eben von dreien (Instr.Pl.)
Was mit den Zahlen „zwei, drei, acht, drei“ gemeint ist, bleibt unausgesprochen [?]; zu denken wäre etwa an Paare wie Freude/Leid, die drei Guṇas usw.
kālaḥ saṃpacyate tatra na kālas tatra vai prabhuḥ; sa kālasya prabhū rājan svargasyāpi tatheśvaraḥ
Dort reift die Zeit [wird gar gekocht], aber die Zeit ist dort nicht der Herr. Er ist der Herr der Zeit, König, und ebenso der Gebieter selbst über den Himmel.
Wort für Wort
kālaḥ saṃpacyate tatra
die Zeit wird dort gereift (3.Sg.Präs.Pass.)
na kālas tatra vai prabhuḥ
nicht ist die Zeit dort der Herr (Nom.Sg.)
sa kālasya prabhū rājan
er ist der Herr der Zeit, König (Nom.Sg. / Gen.Sg. / Vok.Sg.)
svargasyāpi tatheśvaraḥ
auch des Himmels ebenso Gebieter (Gen.Sg. / Nom.Sg.)
Sa kālasya prabhū: prabhū ist metrisch gedehnter Nom.Sg. von prabhu.
etad vai brahmaṇaḥ sthānaṃ jāpakasya mahātmanaḥ; tatrasthaṃ paramātmānaṃ dhyāyan vai susamāhitaḥ; hiraṇyagarbhasāyujyaṃ prāpnuyād vā nṛpottama
Dies ist fürwahr die Stätte des Brahman [Brahmā] für den hochgesinnten Jāpaka. Wer dort weilend das Höchste Selbst meditiert, wohlgesammelt, könnte, bester der Könige, die Wesensgemeinschaft mit Hiraṇyagarbha erlangen.
Wort für Wort
etad vai brahmaṇaḥ sthānaṃ
dies ist fürwahr die Stätte des Brahman/Brahmā (Nom.Sg.n. / Gen.Sg.)
jāpakasya mahātmanaḥ
für den hochgesinnten Murmler (Gen.Sg.)
tatrasthaṃ paramātmānaṃ dhyāyan
dort weilend, das Höchste Selbst meditierend (Akk.Sg. / Part.Präs.)
vai susamāhitaḥ
wohlgesammelt (Part.Perf.Pass.Nom.Sg.)
hiraṇyagarbhasāyujyaṃ
die Verbundenheit mit Hiraṇyagarbha (Akk.Sg.)
prāpnuyād vā nṛpottama
möge erlangen, oder [auch], bester der Könige (Opt.3.Sg. / Vok.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften). tatrasthaṃ ist syntaktisch nicht ganz eindeutig (Akk. zu paramātmānam oder Nom. zum Meditierenden) [?].
ātmakevalatāṃ prāptas tatra gatvā na śocati; īdṛśaṃ paramaṃ sthānaṃ nirayās te ca tādṛśāḥ
Zur Alleinheit des Selbst gelangt, trauert er nicht, wenn er dorthin gegangen ist. So beschaffen ist die höchste Stätte, und so beschaffen [im Vergleich] jene Höllen.
Wort für Wort
ātmakevalatāṃ prāptas
zur Alleinheit des Selbst gelangt (Akk.Sg.f. / Part.Perf.Pass.)
tatra gatvā na śocati
dorthin gegangen, trauert er nicht (Abs. / 3.Sg.Präs.)
īdṛśaṃ paramaṃ sthānaṃ
so beschaffen ist die höchste Stätte (Nom.Sg.n.)
nirayās te ca tādṛśāḥ
und jene Höllen sind so beschaffen (Nom.Pl.m.)
Der Nachsatz nirayās te ca tādṛśāḥ ist knapp; gemeint wohl „und jene [Götterstätten] sind ebenso [nur relativ] Höllen“ [?].
ete te nirayāḥ proktāḥ sarva eva yathātatham; tasya sthānavarasyeha sarve nirayasaṃjñitāḥ
Diese Höllen sind dir nun in allen Einzelheiten der Wahrheit gemäß genannt worden; im Vergleich zu jener erhabensten Stätte werden hier alle als „Höllen“ bezeichnet.
Wort für Wort
ete te nirayāḥ proktāḥ
diese Höllen sind dir genannt (Nom.Pl. / Dat.Sg. / Part.Perf.Pass.)
sarva eva yathātatham
alle, so wie sie wirklich sind (Nom.Pl. / Adv.)
tasya sthānavarasyeha
im Vergleich zu jener vortrefflichen Stätte hier (Gen.Sg. / Adv.)