Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 61: āśramadharmavarṇanā Die Lebensstadien: Vedaschüler, Hausherr, Waldeinsiedler und Bettelwanderer

Bhīṣma beginnt die Darlegung der Lebensstadien und stellt den Hausstand als hervorragendes Stadium heraus; der Abschnitt bricht mit der Beschreibung des Brahmacārin ab.

bhīṣma uvāca; āśramāṇāṃ mahābāho śṛṇu satyaparākrama; caturṇām iha varṇānāṃ karmāṇi ca yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: „Höre, du Starkarmiger, du Wahrhaft-Tapferer, [nun] von den [vier] Lebensstadien und den Pflichten der vier Stände hier, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
āśramāṇāṃ mahābāho
[von] den Lebensstadien, o Starkarmiger (Gen.Pl./Vok.)
śṛṇu satyaparākrama
höre, du Wahrhaft-Tapferer (Imp./Vok.)
caturṇām iha varṇānāṃ
der vier Stände hier (Gen.Pl.)
karmāṇi ca yudhiṣṭhira
und die Pflichten (Akk.Pl.), Yudhiṣṭhira (Vok.)

vānaprasthaṃ bhaikṣacaryāṃ gārhasthyaṃ ca mahāśramam; brahmacaryāśramaṃ prāhuś caturthaṃ brāhmaṇair vṛtam

Das Waldeinsiedlertum, den Bettelwandel und den Hausstand als das große Stadium, [und] als viertes nennen sie das Stadium des Brahmacarya, das von Brahmanen [zuerst] befolgt wird.

Wort für Wort
vānaprastham bhaikṣacaryāṃ
Waldeinsiedlertum, Bettelwandel (Akk.)
gārhasthyaṃ ca mahāśramam
und den Hausstand, das große Stadium (Akk.)
brahmacaryāśramaṃ
das Stadium der Keuschheit/Vedaschülerschaft (Akk.)
prāhuś caturthaṃ
sie nennen [es] als viertes (3.Pl.Perf.)
brāhmaṇair vṛtam
von Brahmanen befolgt (Instr.Pl./Part.Pass.)

vānaprasthaṃ ist im Text Akk. n. (Stadium des Waldeinsiedlers); die Reihenfolge der Aufzählung weicht von der üblichen ab.

jaṭākaraṇasaṃskāraṃ dvijātitvam avāpya ca; ādhānādīni karmāṇi prāpya vedam adhītya ca

[Der Brahmane], der das Weiheritual des Haarflechtens [samt Aufnahme] und die Zweimalgeborenheit erlangt hat, die Riten – beginnend mit der Feuerbegründung – erreicht und den Veda studiert hat,

Wort für Wort
jaṭākaraṇasaṃskāraṃ
die Weihe der Haarflechtung (Akk.)
dvijātitvam avāpya ca
und die Zweimalgeborenheit erlangt habend (Abs.)
ādhānādīni karmāṇi
die Riten, mit der Feuerbegründung beginnend (Akk.Pl.)
prāpya
erreicht habend (Abs.)
vedam adhītya ca
und den Veda studiert habend (Abs.)

jaṭākaraṇasaṃskāra: Deutung unsicher [?] (Weihe zum Tragen der Haarflechte / Aufnahme in die Schülerschaft).

sadāro vāpy adāro vā ātmavān saṃyatendriyaḥ; vānaprasthāśramaṃ gacchet kṛtakṛtyo gṛhāśramāt

mit Gattin oder auch ohne, selbstbeherrscht, die Sinne gezügelt, soll er, nachdem er seine Pflichten erfüllt hat, aus dem Hausstand ins Waldeinsiedler-Stadium gehen.

Wort für Wort
sadāro vāpy adāro vā
mit Frau oder auch ohne Frau (Nom.)
ātmavān saṃyatendriyaḥ
selbstbeherrscht, mit gezügelten Sinnen (Nom.)
vānaprasthāśramaṃ gacchet
soll ins Waldeinsiedler-Stadium gehen (3.Sg.Opt.)
kṛtakṛtyo
der seine Pflichten erfüllt hat (Nom.)
gṛhāśramāt
aus dem Hausherrenstadium (Abl.)

tatrāraṇyakaśāstrāṇi samadhītya sa dharmavit; ūrdhvaretāḥ prajāyitvā gacchaty akṣarasātmatām

Dort, nachdem er die Āraṇyaka-Lehrschriften gründlich studiert hat, gelangt er, der Dharmakundige, mit aufwärtsgerichtetem Samen, nach der Zeugung von Nachkommen zur Wesensgleichheit mit dem Unvergänglichen.

Wort für Wort
tatrāraṇyakaśāstrāṇi
dort die Āraṇyaka-Lehrschriften (Lok./Akk.Pl.)
samadhītya sa dharmavit
gründlich studiert habend, er, der Dharmakundige (Abs./Nom.)
ūrdhvaretāḥ
mit aufwärtsgerichtetem Samen (Nom.)
prajāyitvā
Nachkommen gezeugt habend (Abs.)
gacchaty akṣarasātmatām
er geht zur Wesensgleichheit mit dem Unvergänglichen (3.Sg.Präs./Akk.)

Die Abfolge ‚ūrdhvaretāḥ … prajāyitvā‘ ist im Text so überliefert.

etāny eva nimittāni munīnām ūrdhvaretasām; kartavyānīha vipreṇa rājann ādau vipaścitā

Dies sind eben die Anlässe [bzw. Voraussetzungen] für die Munis mit aufwärtsgerichtetem Samen; sie sind hier vom Brahmanen, o König, zu Anfang vom Einsichtigen zu vollziehen.

Wort für Wort
etāny eva nimittāni
dies eben sind die Anlässe/Voraussetzungen (Nom.Pl.)
munīnām ūrdhvaretasām
der Munis mit aufwärtsgerichtetem Samen (Gen.Pl.)
kartavyānīha vipreṇa
sind hier vom Brahmanen zu tun (Gerundiv/Instr.)
rājann ādau
o König, zu Beginn (Vok./Lok.)
vipaścitā
vom Einsichtigen (Instr.)

nimittāni: Bedeutung im Kontext unsicher [?].

caritabrahmacaryasya brāhmaṇasya viśāṃ pate; bhaikṣacaryāsv adhīkāraḥ praśasta iha mokṣiṇaḥ

Für den Brahmanen, der die Keuschheit [des Schülers] vollzogen hat, o Herr der Menschen, gilt hier die Befugnis zum Bettelwandel als gepriesen – für den Erlösungsstrebenden.

Wort für Wort
caritabrahmacaryasya
dessen, der das Brahmacarya vollzogen hat (Gen.)
brāhmaṇasya viśāṃ pate
des Brahmanen, o Herr der Menschen (Gen./Vok.)
bhaikṣacaryāsv adhīkāraḥ
die Befugnis zu den Bettelwandel-Praktiken (Lok.Pl./Nom.)
praśasta iha
ist gepriesen hier (Part.Pass.)
mokṣiṇaḥ
des Erlösungsstrebenden (Gen.)

yatrāstamitaśāyī syān niragnir aniketanaḥ; yathopalabdhajīvī syān munir dānto jitendriyaḥ

Wo immer er sich bei Sonnenuntergang niederlegt, ohne Feuer, ohne Behausung, von dem lebend, was er bekommt, soll er ein Muni sein, gezähmt, die Sinne besiegt.

Wort für Wort
yatrāstamitaśāyī syān
wo er bei Sonnenuntergang lagert, soll er sein (Nom./3.Sg.Opt.)
niragnir aniketanaḥ
feuerlos, ohne Behausung (Nom.)
yathopalabdhajīvī syān
vom jeweils Erlangten lebend soll er sein (Nom./Opt.)
munir dānto jitendriyaḥ
ein Muni, gezähmt, die Sinne besiegt (Nom.)

nirāśīḥ syāt sarvasamo nirbhogo nirvikāravān; vipraḥ kṣemāśramaṃ prāpto gacchaty akṣarasātmatām

Er soll ohne Wünsche sein, allen gleich, ohne Genuss, ohne Wandlung; der Brahmane, der das Stadium der Geborgenheit erreicht hat, gelangt zur Wesensgleichheit mit dem Unvergänglichen.

Wort für Wort
nirāśīḥ syāt
wunschlos soll er sein (Nom./3.Sg.Opt.)
sarvasamo nirbhogo
allen gleich, ohne Genuss (Nom.)
nirvikāravān
frei von Wandlung/Erregung (Nom.)
vipraḥ kṣemāśramaṃ prāptaḥ
der Brahmane, ins Stadium der Geborgenheit gelangt (Nom./Part.)
gacchaty akṣarasātmatām
geht zur Wesensgleichheit mit dem Unvergänglichen (3.Sg.Präs.)

adhītya vedān kṛtasarvakṛtyaḥ; saṃtānam utpādya sukhāni bhuktvā; samāhitaḥ pracared duścaraṃ taṃ; gārhasthyadharmaṃ munidharmadṛṣṭam

Nachdem er die Veden studiert, alle [seine] Pflichten erfüllt, Nachkommenschaft gezeugt und Freuden genossen hat, soll er gesammelt jene schwer auszuübende Hausherrenpflicht vollziehen, die von den Munis als Dharma erkannt wurde.

Wort für Wort
adhītya vedān
die Veden studiert habend (Abs./Akk.Pl.)
kṛtasarvakṛtyaḥ
der alle Pflichten erfüllt hat (Nom.)
saṃtānam utpādya
Nachkommenschaft gezeugt habend (Akk./Abs.)
sukhāni bhuktvā
Freuden genossen habend (Akk.Pl./Abs.)
samāhitaḥ pracared
gesammelt soll er ausüben (Nom./3.Sg.Opt.)
duścaraṃ taṃ gārhasthyadharmaṃ
jene schwer auszuübende Hausherrenpflicht (Akk.)
munidharmadṛṣṭam
[die] von den Munis als Dharma erschaute (Part.Pass./Akk.)

munidharmadṛṣṭam: Auffassung des Kompositums unsicher [?] (‚als Munipflicht gesehen‘ / ‚von Munis als Dharma gesehen‘).

svadāratuṣṭa ṛtukālagāmī; niyogasevī naśaṭho najihmaḥ; mitāśano devaparaḥ kṛtajñaḥ; satyo mṛduś cānṛśaṃsaḥ kṣamāvān

Mit der eigenen Frau zufrieden, ihr zur Zeit der Fruchtbarkeit nahend, dem Gebot [des Dharma] dienend, nicht arglistig, nicht krumm, mäßig im Essen, den Göttern ergeben, dankbar, wahrhaftig, sanft, nicht grausam, nachsichtig,

Wort für Wort
svadāratuṣṭa
mit der eigenen Frau zufrieden (Nom.)
ṛtukālagāmī
zur Zeit der Fruchtbarkeit [ihr] nahend (Nom.)
niyogasevī naśaṭho najihmaḥ
dem Gebot dienend, nicht arglistig, nicht krumm (Nom.)
mitāśano devaparaḥ
mäßig essend, den Göttern ergeben (Nom.)
kṛtajñaḥ satyo mṛduś
dankbar, wahrhaftig, sanft (Nom.)
cānṛśaṃsaḥ kṣamāvān
und nicht grausam, nachsichtig (Nom.)

dānto vidheyo havyakavye 'pramatto; annasya dātā satataṃ dvijebhyaḥ; amatsarī sarvaliṅgipradātā; vaitānanityaś ca gṛhāśramī syāt

gezähmt, folgsam, bei Götter- und Ahnenopfern nicht nachlässig, den Zweimalgeborenen stets Speise gebend, neidlos, ein Geber an alle Zeichenträger [aller Orden], und den Vaitāna-Feuern beständig ergeben – so soll der Hausherr sein.

Wort für Wort
dānto vidheyo
gezähmt, folgsam (Nom.)
havyakavye 'pramattaḥ
bei Götter- und Ahnenopfer unachtsam-nicht, d.h. achtsam (Lok./Nom.)
annasya dātā satataṃ dvijebhyaḥ
Speisegeber stets an die Zweimalgeborenen (Nom./Dat.Pl.)
amatsarī
neidlos (Nom.)
sarvaliṅgipradātā
Geber an alle Zeichenträger (Nom.)
vaitānanityaś ca
und den Vaitāna-Opfern beständig [ergeben] (Nom.)
gṛhāśramī syāt
der Hausherr soll sein (Nom./3.Sg.Opt.)

vidheya: ‚folgsam, lenkbar‘; vaitāna = die Śrauta-Feuer betreffend.

athātra nārāyaṇagītam āhur; maharṣayas tāta mahānubhāvāḥ; mahārtham atyarthatapaḥprayuktaṃ; tad ucyamānaṃ hi mayā nibodha

Nun sprechen hierzu die großen Seher, Lieber, die Hochgewaltigen, ein Nārāyaṇa-Lied, das von großem Sinn und mit übermäßiger Askese verbunden ist; dies, wie ich es sage, vernimm.

Wort für Wort
athātra nārāyaṇagītam
nun hierzu ein von Nārāyaṇa gesungenes/Nārāyaṇa-Lied (Akk.)
āhur maharṣayas
sagen die großen Seher (3.Pl.Perf./Nom.)
tāta mahānubhāvāḥ
Lieber, die Hochgewaltigen (Vok./Nom.)
mahārtham atyarthatapaḥprayuktaṃ
von großem Sinn, mit übermäßiger Askese verbunden (Akk.)
tad ucyamānaṃ hi mayā nibodha
dies, mir gesprochen, vernimm (Part.Pass./Instr./Imp.)

nārāyaṇagītam: auch ‚von Nārāyaṇa gesungen‘ möglich.

satyārjavaṃ cātithipūjanaṃ ca; dharmas tathārthaś ca ratiś ca dāre; niṣevitavyāni sukhāni loke; hy asmin pare caiva mataṃ mamaitat

Wahrhaftigkeit und Geradheit, die Verehrung der Gäste, Dharma und Artha und die Liebeslust an der Gattin: dies sind Freuden, die in der Welt zu pflegen sind, hier und im Jenseits; das ist meine Ansicht.

Wort für Wort
satyārjavaṃ cātithipūjanaṃ ca
Wahrhaftigkeit und Geradheit sowie Gastverehrung (Nom.)
dharmas tathārthaś ca
Dharma und ebenso Artha (Nom.)
ratiś ca dāre
und Liebeslust an der Gattin (Nom./Lok.)
niṣevitavyāni sukhāni loke
als Freuden zu pflegen in der Welt (Gerundiv/Nom.Pl./Lok.)
hy asmin pare caiva
denn in diesem und im jenseitigen [Leben] (Lok.)
mataṃ mamaitat
dies ist meine Ansicht (Part.Pass./Nom.)

bharaṇaṃ putradārāṇāṃ vedānāṃ pāraṇaṃ tathā; satāṃ tam āśramaṃ śreṣṭhaṃ vadanti paramarṣayaḥ

Den Unterhalt von Söhnen und Frauen sowie das Zuendebringen der Veden: dieses Stadium der Guten nennen die höchsten Seher das beste.

Wort für Wort
bharaṇaṃ putradārāṇāṃ
die Versorgung von Söhnen und Frauen (Nom./Gen.Pl.)
vedānāṃ pāraṇaṃ tathā
ebenso das Zuendebringen der Veden (Gen.Pl./Nom.)
satāṃ tam āśramaṃ śreṣṭhaṃ
jenes Stadium der Guten, das beste (Gen.Pl./Akk.)
vadanti paramarṣayaḥ
nennen die höchsten Seher (3.Pl.Präs./Nom.)

evaṃ hi yo brāhmaṇo yajñaśīlo; gārhasthyam adhyāvasate yathāvat; gṛhasthavṛttiṃ praviśodhya samyak; svarge viṣuddhaṃ phalam āpnute saḥ

Wer so als Brahmane, dem Opfer zugetan, den Hausstand recht bewohnt und sein Hausherren-Leben vollständig läutert, der erlangt im Himmel reinen Lohn.

Wort für Wort
evaṃ hi yo brāhmaṇo yajñaśīlo
denn wer so als Brahmane dem Opfer zugetan [ist] (Nom.)
gārhasthyam adhyāvasate yathāvat
den Hausstand bewohnt, wie es sich gehört (3.Sg.Präs.Med.)
gṛhasthavṛttiṃ praviśodhya samyak
das Hausherren-Leben recht geläutert habend (Akk./Abs.)
svarge viśuddhaṃ phalam āpnute saḥ
im Himmel reinen Lohn erlangt er (Lok./Akk./3.Sg.Präs.Med.)

Text: viṣuddham (Lesart der Ausgabe), gemeint viśuddham.

tasya dehaparityāgād iṣṭāḥ kāmākṣayā matāḥ; ānantyāyopatiṣṭhanti sarvatokṣiśiromukhāḥ

Nach seiner Ablegung des Körpers gelten die ersehnten Wünsche als unvergänglich; zur Unendlichkeit hin stehen sie ihm bei [?], [Wesen] mit Augen, Köpfen und Gesichtern nach allen Seiten.

Wort für Wort
tasya dehaparityāgād
von ihm, nach der Ablegung des Körpers (Gen./Abl.)
iṣṭāḥ kāmākṣayā matāḥ
die ersehnten Wünsche gelten als unvergänglich (Nom.Pl.)
ānantyāyopatiṣṭhanti
zur Unendlichkeit treten sie heran/stehen bei (Dat./3.Pl.Präs.)
sarvatokṣiśiromukhāḥ
allseits mit Augen, Köpfen, Gesichtern (Nom.Pl.)

Stelle syntaktisch unklar/möglicherweise verderbt; die Wiedergabe ist unsicher.

khādann eko japann ekaḥ sarpann eko yudhiṣṭhira; ekasminn eva ācārye śuśrūṣur malapaṅkavān

Allein essend, allein murmelnd, allein umherziehend, Yudhiṣṭhira, nur einem einzigen Lehrer dienstbereit, mit Schmutz und Staub bedeckt [soll der Schüler sein].

Wort für Wort
khādann eko japann ekaḥ
allein essend, allein [Gebete] murmelnd (Part.Präs./Nom.)
sarpann eko yudhiṣṭhira
allein umherziehend, Yudhiṣṭhira (Part./Vok.)
ekasminn eva ācārye
nur bei einem einzigen Lehrer (Lok.)
śuśrūṣur
dienstbereit (Nom.)
malapaṅkavān
mit Schmutz und Schlamm behaftet (Nom.)

Ergänzung ‚soll der Schüler sein‘ nicht im Text.

brahmacārī vratī nityaṃ nityaṃ dīkṣāparo vaśī

Ein Brahmacārin, gelobtreu, stets der Weihe ergeben, beherrscht,

Wort für Wort
brahmacārī vratī nityaṃ
Vedaschüler, gelobtreu, stets (Nom./Adv.)
nityaṃ dīkṣāparo vaśī
stets der Weihe ergeben, beherrscht (Nom.)

guroś chāyānugo nityam adhīyānaḥ suyantritaḥ

dem Schatten des Lehrers stets folgend, studierend, wohlgezügelt,

Wort für Wort
guroś chāyānugo nityam
des Lehrers Schatten folgend, stets (Gen./Nom./Adv.)
adhīyānaḥ suyantritaḥ
studierend, wohlgezügelt (Part.Med./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternvers) der kritischen Ausgabe.

avicārya tathā vedaṃ kṛtyaṃ kurvan vaset sadā

soll er so, ohne [den Veda] zu zerdenken [?], die [ihm obliegende] Pflicht tuend, stets [beim Lehrer] wohnen.

Wort für Wort
avicārya tathā vedaṃ
ohne zu zerdenken, so den Veda (Abs./Akk.)
kṛtyaṃ kurvan
die Pflicht tuend (Akk./Part.Präs.)
vaset sadā
soll er wohnen, stets (3.Sg.Opt./Adv.)

śuśrūṣāṃ satataṃ kurvan guroḥ saṃpraṇameta ca

Dem Lehrer beständig Dienst leistend, soll er sich [vor ihm] tief verneigen.

Wort für Wort
śuśrūṣāṃ satataṃ kurvan
Dienst beständig leistend (Akk./Adv./Part.)
guroḥ saṃpraṇameta ca
und vor dem Lehrer soll er sich tief verneigen (Gen./3.Sg.Opt.Med.)

aniketaś carann ekaḥ sarvān eva yudhiṣṭhira

Ohne Heim allein wandernd, Yudhiṣṭhira, [gegenüber] allen [?].

Wort für Wort
aniketaś carann ekaḥ
ohne Heim, allein wandernd (Nom./Part.)
sarvān eva yudhiṣṭhira
alle eben, Yudhiṣṭhira (Akk.Pl./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternvers); der Satz ist elliptisch, Bezug von sarvān unklar [?].

ṣaṭkarmasv anivṛttaś ca napravṛttaś ca sarvaśaḥ

Bei den sechs Werken nicht abgewandt und doch nicht überall tätig.

Wort für Wort
ṣaṭkarmasv anivṛttaś ca
und bei den sechs Werken nicht abgewandt (Lok.Pl./Nom.)
na pravṛttaś ca sarvaśaḥ
und nicht in allem tätig (Nom./Adv.)

Die ‚sechs Werke‘ (ṣaṭkarman) sind nicht näher bestimmt.

na caraty adhikāreṇa sevitaṃ dviṣato na ca; eṣo ''śramapadas tāta brahmacāriṇa iṣyate

Er wandelt nicht aus [bloßer] Amtsbefugnis, noch [nimmt er an], was von einem Hassenden geboten wird [?]. Dies, Lieber, gilt als der Standort im Stadium des Brahmacārin.

Wort für Wort
na caraty adhikāreṇa
er wandelt nicht kraft Amtsbefugnis (3.Sg.Präs./Instr.)
sevitaṃ dviṣato na ca
und nicht [das] Bediente/Gepflegte eines Hassenden (Part.Pass./Gen.)
eṣo 'śramapadas tāta
dies ist der Standort/Rang im Stadium, Lieber (Nom./Vok.)
brahmacāriṇa iṣyate
gilt für den Brahmacārin (Gen./3.Sg.Pass.)

Erste Vershälfte syntaktisch dunkel; Wiedergabe unsicher.

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