Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 230: jñānakarmasvabhāvavicāraḥ yugadharmāś ca Wissen, Handeln und Eigennatur; die Zeitalter und der Wandel des Veda

Vyāsa spricht über die Brāhmaṇa-Lebensweise und über die Ursache des Handelns (Bemühen, Schicksal, Eigennatur) und beschreibt, wie sich die Veda-Pflichten von Zeitalter zu Zeitalter wandeln. Der Text ist an mehreren Stellen dunkel und elliptisch.

vyāsa uvāca; eṣā pūrvatarā vṛttir brāhmaṇasya vidhīyate; jñānavān eva karmāṇi kurvan sarvatra sidhyati

Vyāsa sprach: „Dies ist die ältere Lebensweise, die für den Brāhmaṇa festgesetzt wird; der Wissende gelangt, indem er Handlungen vollzieht, überall zum Erfolg.“

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Nom.Sg.; Perf.3.Sg.)
eṣā pūrvatarā vṛttiḥ
dies [ist] die ältere Lebensweise (Nom.Sg.f.)
brāhmaṇasya vidhīyate
für den Brāhmaṇa wird festgesetzt (Gen.Sg.; Pass.3.Sg.)
jñānavān eva
nur der Wissende (Nom.Sg.m.)
karmāṇi kurvan
Handlungen vollziehend (Akk.Pl.; Part.Präs.Nom.Sg.)
sarvatra sidhyati
überall gelingt er (Adv.; 3.Sg.Präs.)

tatra cen na bhaved evaṃ saṃśayaḥ karmaniścaye; kiṃ nu karma svabhāvo 'yaṃ jñānaṃ karmeti vā punaḥ

Wenn es dabei nicht so wäre, [entstünde] Zweifel bei der Bestimmung des Handelns: Ist dieses Handeln denn [bloß] Eigennatur, oder aber [ist es] Wissen, oder wiederum Handeln?

Wort für Wort
tatra cet na bhavet evam
wenn dabei [es] nicht so wäre (Adv.; Opt.3.Sg.)
saṃśayaḥ karmaniścaye
Zweifel bei der Entscheidung über das Handeln (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
kiṃ nu karma
ist es denn Handeln (Interrogativ)
svabhāvo 'yam
[ist] dies Eigennatur (Nom.Sg.m.; ayam Nom.Sg.m.)
jñānaṃ karma iti vā punaḥ
[ist es] Wissen, oder wiederum Handeln (Nom.Sg.n.)

Der Vers ist elliptisch; die Zuordnung der Glieder der Frage ist unsicher.

tatra ceha vivitsā syāj jñānaṃ cet puruṣaṃ prati; upapattyupalabdhibhyāṃ varṇayiṣyāmi tac chṛṇu

Und wenn hier der Wunsch zu erkunden bestünde, [ob] Wissen [maßgeblich sei], mit Bezug auf den Menschen [?], so werde ich es durch Herleitung und Wahrnehmung darlegen; höre das.

Wort für Wort
tatra ca iha vivitsā syāt
und wenn hier Erkenntniswunsch bestünde (Nom.Sg.f.; Opt.3.Sg.)
jñānaṃ cet
wenn [es um] Wissen [geht] (Nom.Sg.n.)
puruṣaṃ prati
in Bezug auf den Menschen/Puruṣa (Akk.Sg.; Postp.)
upapatti-upalabdhibhyām
durch Herleitung/Begründung und Wahrnehmung (Instr.Du.)
varṇayiṣyāmi
werde ich darlegen (1.Sg.Fut.)
tat śṛṇu
das höre (Akk.Sg.n.; Imp.2.Sg.)

Der Sinn von „puruṣaṃ prati“ ist unsicher.

pauruṣaṃ kāraṇaṃ ke cid āhuḥ karmasu mānavāḥ; daivam eke praśaṃsanti svabhāvaṃ cāpare janāḥ

Manche Menschen nennen das menschliche Bemühen als Ursache bei den Handlungen; die einen preisen das Schicksal, andere Leute die Eigennatur.

Wort für Wort
pauruṣaṃ kāraṇam
menschliches Bemühen [als] Ursache (Akk.Sg.n.)
kecit āhuḥ
manche sagen (Nom.Pl.; Perf.3.Pl.)
karmasu mānavāḥ
bei den Handlungen [die] Menschen (Lok.Pl.; Nom.Pl.)
daivam eke praśaṃsanti
das Schicksal preisen die einen (Akk.Sg.n.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
svabhāvaṃ ca apare janāḥ
und die Eigennatur andere Leute (Akk.Sg.m.; Nom.Pl.)

pauruṣaṃ karma daivaṃ ca phalavṛttisvabhāvataḥ; trayam etat pṛthagbhūtam avivekaṃ tu ke cana

Menschliches Bemühen, Handeln und Schicksal [wirken] gemäß der Eigenart von Frucht und Wirken [?]; diese Dreiheit ist voneinander getrennt, [eine] Nichtunterscheidung [nehmen] aber manche [an].

Wort für Wort
pauruṣaṃ karma daivaṃ ca
menschliches Bemühen, Handeln und Schicksal (Nom.Sg.n.)
phala-vṛtti-svabhāvataḥ
gemäß der Eigenart von Frucht und Wirken (Abl.-Adv.)
trayam etat pṛthagbhūtam
diese Dreiheit [ist] getrennt (Nom.Sg.n.)
avivekaṃ tu kecana
Nichtunterscheidung aber [nehmen] manche [an] (Akk.Sg.m.; Nom.Pl.)

Der Vers ist elliptisch und in der Syntax unsicher.

evam etan na cāpy evam ubhe cāpi na cāpy ubhe; karmasthā viṣamaṃ brūyuḥ sattvasthāḥ samadarśinaḥ

„So ist es, und nicht so; beides zugleich, und auch keines von beiden“: so würden die im Handeln Verharrenden Uneinheitliches sagen, die in Sattva Gegründeten aber sehen Gleiches.

Wort für Wort
evam etat na ca api evam
so ist dies, und doch auch nicht so (Adv.)
ubhe ca api
und auch beides (Nom.Du.)
na ca api ubhe
und auch nicht beides (Nom.Du.)
karmasthāḥ
die im Handeln Stehenden (Nom.Pl.m.)
viṣamaṃ brūyuḥ
würden Ungleiches/Widersprüchliches sagen (Akk.Sg.n.; Opt.3.Pl.)
sattvasthāḥ samadarśinaḥ
die in Sattva Stehenden, Gleiches Sehende (Nom.Pl.m.)

tretāyāṃ dvāpare caiva kalijāś ca sasaṃśayāḥ

Im Tretā[-Zeitalter], im Dvāpara und die im Kali Geborenen sind voller Zweifel.

Wort für Wort
tretāyām dvāpare ca eva
im Tretā und im Dvāpara (Lok.Sg.)
kalijāḥ ca
und die im Kali Geborenen (Nom.Pl.m.)
sasaṃśayāḥ
mit Zweifeln behaftet (Nom.Pl.m.; Bahuvrīhi)

tretāyuge vidhis tv eṣa dharmāṇāṃ na kṛte yuge

Im Tretā-Zeitalter gilt diese Ordnung der Pflichten, nicht im Kṛta-Zeitalter.

Wort für Wort
tretāyuge
im Tretā-Zeitalter (Lok.Sg.)
vidhiḥ tu eṣaḥ
diese Ordnung aber (Nom.Sg.m.)
dharmāṇām
der Pflichten (Gen.Pl.)
na kṛte yuge
nicht im Kṛta-Zeitalter (Lok.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (nur in einem Teil der Handschriften).

tapasvinaḥ praśāntāś ca sattvasthāś ca kṛte yuge

Asketen, Friedvolle und in Sattva Gegründete [sind sie] im Kṛta-Zeitalter.

Wort für Wort
tapasvinaḥ
Asketen (Nom.Pl.m.)
praśāntāḥ ca
und Friedvolle (Nom.Pl.m.; Part.Perf.Pass.)
sattvasthāḥ ca
und in Sattva Gegründete (Nom.Pl.m.)
kṛte yuge
im Kṛta-Zeitalter (Lok.Sg.)

apṛthagdarśinaḥ sarve ṛksāmasu yajuḥṣu ca; kāmadveṣau pṛthag dṛṣṭvā tapaḥ kṛta upāsate

Alle sehen nichts Getrenntes in den Ṛg-, Sāman- und Yajus-[Versen]; Begehren und Hass als getrennt erkennend, üben sie im Kṛta[-Zeitalter] Askese aus.

Wort für Wort
apṛthagdarśinaḥ sarve
nichts Getrenntes sehend, alle (Nom.Pl.m.)
ṛk-sāmasu yajuḥṣu ca
in den Ṛg- und Sāman- und Yajus-[Texten] (Lok.Pl.)
kāma-dveṣau pṛthak dṛṣṭvā
Begehren und Hass getrennt erkennend (Akk.Du.; Abs.)
tapaḥ kṛte upāsate
üben Askese im Kṛta[-Zeitalter] aus (Akk.Sg.n.; Lok.Sg.; 3.Pl.Präs.Med.)

tapodharmeṇa saṃyuktas taponityaḥ susaṃśitaḥ; tena sarvān avāpnoti kāmān yān manasecchati

Mit der Pflicht der Askese verbunden, stets der Askese ergeben, streng gebunden [durch Gelübde], erlangt er dadurch alle Wünsche, die er im Geist begehrt.

Wort für Wort
tapaḥ-dharmeṇa saṃyuktaḥ
mit der Askesepflicht verbunden (Instr.Sg.; Nom.Sg.m.)
tapaḥ-nityaḥ
stets der Askese [hingegeben] (Nom.Sg.m.)
susaṃśitaḥ
streng in Gelübden [?] (Nom.Sg.m.; Part.Perf.Pass.)
tena sarvān avāpnoti
dadurch erlangt er alle (Instr.Sg.n.; Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
kāmān yān manasā icchati
Wünsche, die er mit dem Geist begehrt (Akk.Pl.m.; Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.)

tapasā tad avāpnoti yad bhūtvā sṛjate jagat; tadbhūtaś ca tataḥ sarvo bhūtānāṃ bhavati prabhuḥ

Durch Askese erlangt er jenes, wodurch er, [es] geworden, die Welt erschafft; und dessen Wesens geworden, wird er dann Herr aller Wesen.

Wort für Wort
tapasā tat avāpnoti
durch Askese erlangt er jenes (Instr.Sg.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.)
yat bhūtvā sṛjate jagat
was er geworden die Welt erschafft (Abs.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.n.)
tad-bhūtaḥ ca tataḥ
und dessen Wesens geworden, dann (Nom.Sg.m.; Adv.)
sarvaḥ bhūtānām bhavati prabhuḥ
aller Wesen wird [er] Herr (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.)

„sarvo“ steht wohl für „sarveṣāṃ/sarva-“; sinngemäß „Herr aller Wesen“.

tad uktaṃ vedavādeṣu gahanaṃ vedadarśibhiḥ; vedānteṣu punar vyaktaṃ kramayogena lakṣyate

Dies ist in den Veda-Lehren von den Veda-Schauern [nur] dunkel [und] tief gesagt worden; in den Vedānta-[Texten] aber [wird es] wieder deutlich, [und] durch stufenweises Verfahren erkannt.

Wort für Wort
tat uktam
dies ist gesagt worden (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
veda-vādeṣu gahanam
in den Veda-Aussagen dunkel/tief (Lok.Pl.; Nom.Sg.n.)
veda-darśibhiḥ
von den Veda-Schauern (Instr.Pl.)
vedānteṣu punar vyaktam
in den Vedānta-[Texten] aber deutlich (Lok.Pl.; Part.Perf.Pass.)
krama-yogena lakṣyate
durch stufenweises Verfahren wird [es] erkannt (Instr.Sg.; Pass.3.Sg.)

ārambhayajñāḥ kṣatrasya haviryajñā viśaḥ smṛtāḥ; paricārayajñāḥ śūdrāś ca japayajñā dvijātayaḥ

Die Ārambha-Opfer werden dem Kṣatriya, die Havis-Opfer den Vaiśyas zugeschrieben; die Dienst-Opfer sind [die] der Śūdras, und die Murmel-Opfer [die] der Zweimalgeborenen.

Wort für Wort
ārambha-yajñāḥ kṣatrasya
die Ārambha-Opfer [gehören] dem Kṣatriya (Nom.Pl.m.; Gen.Sg.)
havir-yajñāḥ viśaḥ smṛtāḥ
die Havis-Opfer [gelten] als [die] der Vaiśyas (Nom.Pl.; Gen.Sg.; Part.Perf.Pass.)
paricāra-yajñāḥ śūdrāḥ ca
und die Dienst-Opfer [die] der Śūdras (Nom.Pl.)
japa-yajñāḥ dvijātayaḥ
die Murmel-Opfer [die] der Zweimalgeborenen (Nom.Pl.)

„ārambhayajña“ (etwa Opfer des [Tat-]Beginnens) und „haviryajña“ sind Fachbegriffe; die Bedeutung ist ungesichert. Die Zuordnung der Genitive/Nominative ist elliptisch.

pariniṣṭhitakāryo hi svādhyāyena dvijo bhavet; kuryād anyan na vā kuryān maitro brāhmaṇa ucyate

Denn wer sein Werk vollendet hat, wird durch Vedastudium ein Zweimalgeborener; er mag anderes tun oder nicht tun: „freundlich gesinnt“ (maitra) wird der Brāhmaṇa genannt.

Wort für Wort
pariniṣṭhita-kāryaḥ hi
denn wer sein Werk vollendet hat (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
svādhyāyena dvijaḥ bhavet
durch Vedastudium ein Zweimalgeborener werde (Instr.Sg.; Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)
kuryāt anyat na vā kuryāt
er möge anderes tun oder nicht tun (Opt.3.Sg.)
maitraḥ brāhmaṇaḥ ucyate
„freundlich gesinnt“ wird der Brāhmaṇa genannt (Nom.Sg.m.; Pass.3.Sg.)

tretādau sakalā vedā yajñā varṇāśramās tathā; saṃrodhād āyuṣas tv ete vyasyante dvāpare yuge

Zu Beginn des Tretā [gibt es] die vollständigen Veden, die Opfer sowie die Stände und Lebensstadien; durch die Einschränkung der Lebensdauer aber werden diese im Dvāpara-Zeitalter zerstückelt.

Wort für Wort
tretā-ādau
zu Beginn des Tretā (Lok.Sg.)
sakalāḥ vedāḥ
die vollständigen Veden (Nom.Pl.m.)
yajñāḥ varṇa-āśramāḥ tathā
die Opfer, Stände und Lebensstadien ebenso (Nom.Pl.)
saṃrodhāt āyuṣaḥ tu
durch die Einengung der Lebenszeit aber (Abl.Sg.; Gen.Sg.)
ete vyasyante
diese werden zerstreut/zerstückelt (Nom.Pl.; Pass.3.Pl.)
dvāpare yuge
im Dvāpara-Zeitalter (Lok.Sg.)

dvāpare viplavaṃ yānti vedāḥ kaliyuge tathā; dṛśyante nāpi dṛśyante kaler ante punaḥ punaḥ

Im Dvāpara geraten die Veden in Zerrüttung, ebenso im Kali-Zeitalter; sie werden gesehen und werden auch nicht gesehen, am Ende des Kali immer wieder.

Wort für Wort
dvāpare viplavaṃ yānti
im Dvāpara geraten sie in Zerrüttung (Lok.Sg.; Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)
vedāḥ kaliyuge tathā
die Veden, im Kali-Zeitalter ebenso (Nom.Pl.; Lok.Sg.)
dṛśyante na api dṛśyante
sie werden gesehen und werden nicht gesehen (Pass.3.Pl.)
kaleḥ ante punaḥ punaḥ
am Ende des Kali, immer wieder (Gen.Sg.; Lok.Sg.)

utsīdanti svadharmāś ca tatrādharmeṇa pīḍitāḥ; gavāṃ bhūmeś ca ye cāpām oṣadhīnāṃ ca ye rasāḥ

Die eigenen Pflichten gehen zugrunde, dort vom Unrecht bedrängt; [ebenso] jene Säfte der Kühe, der Erde, der Wasser und der Pflanzen.

Wort für Wort
utsīdanti sva-dharmāḥ ca
und die eigenen Pflichten gehen zugrunde (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
tatra adharmeṇa pīḍitāḥ
dort vom Unrecht bedrängt (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.Nom.Pl.)
gavām bhūmeḥ ca
der Kühe und der Erde (Gen.Pl.; Gen.Sg.)
ye ca apām oṣadhīnām ca
und die der Wasser und der Pflanzen (Gen.Pl.; Gen.Pl.)
ye rasāḥ
welche Säfte (Rel.Nom.Pl.m.)

Der Relativsatz „ye … rasāḥ“ bleibt ohne Prädikat; wohl ist „gehen zugrunde/schwinden“ zu ergänzen.

adharmāntarhitā vedā vedadharmās tathāśramāḥ; vikriyante svadharmasthāḥ sthāvarāṇi carāṇi ca

Vom Unrecht verborgen [sind] die Veden, die Veda-Pflichten und die Lebensstadien; die in der eigenen Pflicht Stehenden sowie Unbewegliches und Bewegliches werden verändert.

Wort für Wort
adharma-antarhitāḥ
vom Unrecht verborgen (Nom.Pl.m.)
vedāḥ veda-dharmāḥ tathā āśramāḥ
die Veden, die Veda-Pflichten und die Lebensstadien (Nom.Pl.)
vikriyante
werden verändert (Pass.3.Pl.)
sva-dharma-sthāḥ
in der eigenen Pflicht Stehende (Nom.Pl.m.)
sthāvarāṇi carāṇi ca
Unbewegliches und Bewegliches (Nom.Pl.n.)

yathā sarvāṇi bhūtāni vṛṣṭir bhaumāni varṣati; sṛjate sarvato 'ṅgāni tathā vedā yuge yuge

Wie der Regen auf alle erdgeborenen Wesen niedergeht und überall [ihre] Glieder hervorbringt, so [bringen sich] die Veden von Zeitalter zu Zeitalter [hervor] [?].

Wort für Wort
yathā sarvāṇi bhūtāni
wie alle Wesen (Nom./Akk.Pl.n.)
vṛṣṭiḥ bhaumāni varṣati
der Regen [regnet auf] die erdgeborenen [Wesen] (Nom.Sg.f.; Akk.Pl.n.; 3.Sg.Präs.)
sṛjate sarvataḥ aṅgāni
er bringt überall Glieder hervor (3.Sg.Präs.Med.; Adv.; Akk.Pl.n.)
tathā vedāḥ yuge yuge
so die Veden, Zeitalter für Zeitalter (Nom.Pl.; Lok.Sg.)

Die Konstruktion ist verkürzt; „sarvāṇi bhūtāni“ ist syntaktisch mehrdeutig.

visṛtaṃ kālanānātvam anādinidhanaṃ ca yat; kīrtitaṃ tat purastān me yataḥ saṃyānti yānti ca

Die Verschiedenheit der Zeiten, die ausgebreitet und ohne Anfang und Ende ist, [das] ist von mir zuvor dargelegt worden, [nämlich] woher [die Wesen] zusammenkommen und gehen.

Wort für Wort
visṛtam kāla-nānātvam
die ausgebreitete Verschiedenheit der Zeiten (Nom.Sg.n.)
anādi-nidhanam ca yat
und was ohne Anfang und Ende ist (Nom.Sg.n.; Rel.)
kīrtitam tat purastāt me
das ist zuvor von mir verkündet worden (Part.Perf.Pass.; Adv.; Instr.Sg.)
yataḥ saṃyānti yānti ca
woher sie zusammenkommen und gehen (Adv.; 3.Pl.Präs.)

dhātedaṃ prabhavasthānaṃ bhūtānāṃ saṃyamo yamaḥ; svabhāvena pravartante dvaṃdvasṛṣṭāni bhūriśaḥ

Dhātṛ [ist] dieser Ursprungsort der Wesen, Yama [ist] die Bändigung; aus Eigennatur wirken sie, in Paaren [von Gegensätzen] vielfach erschaffen.

Wort für Wort
dhātā idam prabhava-sthānam
der Fügende/Schöpfer [ist] dieser Ursprungsort (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
bhūtānām
der Wesen (Gen.Pl.)
saṃyamaḥ yamaḥ
die Bändigung [ist] Yama (Nom.Sg.m.)
svabhāvena pravartante
aus Eigennatur kommen sie in Gang (Instr.Sg.; 3.Pl.Präs.Med.)
dvaṃdva-sṛṣṭāni bhūriśaḥ
in Paaren erschaffen, vielfach (Nom.Pl.n.; Adv.)

Der Vers ist syntaktisch und inhaltlich unklar.

sargaḥ kālo dhṛtir vedāḥ kartā kāryaṃ kriyā phalam; etat te kathitaṃ tāta yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi

Schöpfung, Zeit, Halt, die Veden, Täter, Werk, Tat, Frucht: dies ist dir gesagt, Lieber, wonach du mich fragst.

Wort für Wort
sargaḥ kālaḥ dhṛtiḥ vedāḥ
Schöpfung, Zeit, Halt, die Veden (Nom.)
kartā kāryam kriyā phalam
Täter, Werk, Tat, Frucht (Nom.Sg.)
etat te kathitam tāta
dies ist dir gesagt, Lieber (Nom.Sg.n.; Dat./Gen.Sg.; Part.Perf.Pass.; Vok.)
yat mām tvam paripṛcchasi
was du mich befragst (Rel.; Akk.Sg.; Nom.Sg.; 2.Sg.Präs.)

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