Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 284: gṛhasthasya tapovidhiḥ Anhaftung im Hausleben und der Wert der Askese

Parāśara leitet von der Pflichtenordnung des Hausvaters zur Askese über: Besitzdenken führt zu Leid und Überdruss, aus dem Askese erwächst; ihre Früchte reichen bis zum Himmel, doch der Hausvater bleibt Halt aller Lebensstufen.

parāśara uvāca; eṣa dharmavidhis tāta gṛhasthasya prakīrtitaḥ; tapovidhiṃ tu vakṣyāmi tan me nigadataḥ śṛṇu

Parāśara sprach: „Dies ist, mein Lieber, die Ordnung der Pflichten des Hausvaters, wie sie verkündet wurde. Die Ordnung der Askese aber werde ich nun darlegen – die höre von mir, während ich sie ausspreche.“

Wort für Wort
parāśara uvāca
Parāśara sprach (Perf.)
eṣa dharmavidhiḥ
diese Ordnung der Pflicht (Nom.Sg.m.)
tāta
mein Lieber (Vok.)
gṛhasthasya prakīrtitaḥ
des Hausvaters verkündet (Gen.Sg.; Part.Pass.)
tapovidhiṃ tu vakṣyāmi
die Ordnung der Askese aber werde ich sagen (Akk.; 1.Sg.Fut.)
tat me nigadataḥ śṛṇu
das höre von mir, der ich es sage (Imp.; Gen./Abl. Part.Präs.)

prāyeṇa hi gṛhasthasya mamatvaṃ nāma jāyate; saṅgāgataṃ naraśreṣṭha bhāvais tāmasarājasaiḥ

Meist entsteht nämlich beim Hausvater das sogenannte „Mein-Sein“ [Besitzdenken], aus Anhaftung hervorgegangen, o Bester der Männer, durch Zustände von tamasischer und rajasischer Art.

Wort für Wort
prāyeṇa hi gṛhasthasya
meist nämlich beim Hausvater (Instr./Adv.; Gen.Sg.)
mamatvaṃ nāma jāyate
das sogenannte Mein-Sein entsteht (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass./Med.)
saṅgāgataṃ
aus Anhaftung gekommen (Nom.Sg.n.; Kompositum)
naraśreṣṭha
Bester der Männer (Vok.)
bhāvaiḥ tāmasarājasaiḥ
durch Zustände tamasischer und rajasischer Art (Instr.Pl.)

gṛhāṇy āśritya gāvaś ca kṣetrāṇi ca dhanāni ca; dārāḥ putrāś ca bhṛtyāś ca bhavantīha narasya vai

Wenn er sich auf Häuser stützt, werden Kühe, Felder und Besitztümer, Frauen, Söhne und Diener hier dem Menschen [zu eigen].

Wort für Wort
gṛhāṇy āśritya
sich auf Häuser stützend (Akk.Pl.; Abs.)
gāvaś ca kṣetrāṇi ca dhanāni ca
Kühe, Felder und Besitztümer (Nom.Pl.)
dārāḥ putrāś ca bhṛtyāś ca
Frauen, Söhne und Diener (Nom.Pl.)
bhavantīha narasya vai
werden hier dem Menschen fürwahr (3.Pl.Präs.; Gen.Sg.)

evaṃ tasya pravṛttasya nityam evānupaśyataḥ; rāgadveṣau vivardhete hy anityatvam apaśyataḥ

So wachsen bei ihm, der stets in Tätigkeit befangen ist und beständig nur darauf schaut, Zuneigung und Abneigung, da er die Vergänglichkeit nicht sieht.

Wort für Wort
evaṃ tasya pravṛttasya
so bei ihm, dem in Tätigkeit Befangenen (Gen.Sg.; Part.Perf.Pass.)
nityam eva anupaśyataḥ
stets nur betrachtend (Adv.; Gen.Part.Präs.)
rāgadveṣau vivardhete
Zuneigung und Abneigung wachsen (Nom.Du.; 3.Du.Med.)
hi anityatvam apaśyataḥ
denn die Vergänglichkeit nicht sehend (Akk.Sg.; Gen.Part.Präs.)

rāgadveṣābhibhūtaṃ ca naraṃ dravyavaśānugam; mohajātā ratir nāma samupaiti narādhipa

Den von Zuneigung und Abneigung überwältigten, dem Besitz [dem Materiellen] folgenden Menschen ergreift, o Herr der Menschen, die aus Verblendung geborene sogenannte Lust [Vergnügungssucht].

Wort für Wort
rāgadveṣābhibhūtaṃ ca naram
und den von Zuneigung und Abneigung überwältigten Menschen (Akk.Sg.)
dravyavaśānugam
dem Besitz unterworfen folgend (Akk.Sg.; Kompositum)
mohajātā ratiḥ nāma
aus Verblendung geborene, sogenannte Lust (Nom.Sg.f.)
samupaiti narādhipa
erreicht, o Herr der Menschen (3.Sg.Präs.; Vok.)

kṛtārtho bhogato bhūtvā sa vai ratiparāyaṇaḥ; lābhaṃ grāmyasukhād anyaṃ ratito nānupaśyati

Zum Genuss gelangt, sich am Ziel wähnend, wird er ganz der Lust ergeben; einen anderen Gewinn als das Vergnügen des Alltags sieht er von der Lust her nicht.

Wort für Wort
kṛtārthaḥ bhogataḥ bhūtvā
am Ziel angelangt, vom Genuss her geworden (Nom.; Abl.; Abs.)
sa vai ratiparāyaṇaḥ
er fürwahr der Lust ergeben (Nom.Sg.)
lābhaṃ grāmyasukhād anyam
einen Gewinn außer dem alltäglichen Vergnügen (Akk.Sg.; Abl.Sg.)
ratitaḥ na anupaśyati
von der Lust her sieht er nicht (Abl.; 3.Sg.Präs.)

tato lobhābhibhūtātmā saṅgād vardhayate janam; puṣṭyarthaṃ caiva tasyeha janasyārthaṃ cikīrṣati

Dann, in seinem Wesen von Gier überwältigt, vermehrt er aus Anhaftung seine Leute; und zur Ernährung und um dieser Leute willen will er hier [Besitz] erwerben.

Wort für Wort
tataḥ lobhābhibhūtātmā
dann von Gier überwältigten Wesens (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
saṅgād vardhayate janam
aus Anhaftung vermehrt er die Leute (Abl.; 3.Sg.Kaus.; Akk.)
puṣṭyartham eva tasya iha
zur Ernährung und seiner hier (Adv.; Gen.)
janasya artham cikīrṣati
um der Leute willen will er tun/erwerben (Gen.; Desid.3.Sg.)

sa jānann api cākāryam arthārthaṃ sevate naraḥ; bālasnehaparītātmā tatkṣayāc cānutapyate

Obwohl er weiß, dass es Unerlaubtes ist, tut der Mensch es um des Erwerbs willen; von kindischer Zuneigung erfüllt, quält er sich beim Schwinden davon.

Wort für Wort
sa jānann api akāryam
er, obwohl wissend das Nichtzutuende (Part.Präs.; Akk.Sg.n.)
arthārthaṃ sevate naraḥ
um des Erwerbs willen pflegt es der Mensch (Adv.; 3.Sg.Med.; Nom.)
bālasnehaparītātmā
von kindischer Zuneigung erfüllten Wesens (Nom.Sg.; Kompositum)
tatkṣayāt ca anutapyate
und bei dessen Schwund quält er sich (Abl.; 3.Sg.Pass.)

tato mānena saṃpanno rakṣann ātmaparājayam; karoti yena bhogī syām iti tasmād vinaśyati

Dann, von Stolz erfüllt und seine eigene Niederlage abwehrend, tut er, was ihn „ich möge Genießer sein“ [denken lässt] – und darum geht er zugrunde.

Wort für Wort
tataḥ mānena saṃpannaḥ
dann mit Stolz ausgestattet (Instr.; Nom.Sg.)
rakṣann ātmaparājayam
die eigene Niederlage abwehrend (Part.Präs.; Akk.Sg.)
karoti yena bhogī syām iti
er tut, wodurch „ich möge Genießer sein“ [?] (3.Sg.Präs.; Optativ 1.Sg.)
tasmād vinaśyati
daher geht er zugrunde (Abl.; 3.Sg.Präs.)

Vers syntaktisch knapp; Verständnis von „yena bhogī syām iti“ unsicher.

tapo hi buddhiyuktānāṃ śāśvataṃ brahmadarśanam; anvicchatāṃ śubhaṃ karma narāṇāṃ tyajatāṃ sukham

Askese ist nämlich für die Verständigen die ewige Schau des Brahman – für Menschen, die nach gutem Werk streben und das Glück aufgeben.

Wort für Wort
tapaḥ hi buddhiyuktānām
Askese nämlich für die Verstandbegabten (Nom.; Gen.Pl.)
śāśvataṃ brahmadarśanam
ewige Brahman-Schau (Nom.Sg.n.)
anvicchatāṃ śubhaṃ karma
für die, die gutes Werk suchen (Gen.Pl.Part.; Akk.)
narāṇāṃ tyajatāṃ sukham
für Menschen, die das Glück aufgeben (Gen.Pl.; Gen.Pl.Part.)

snehāyatananāśāc ca dhananāśāc ca pārthiva; ādhivyādhipratāpāc ca nirvedam upagacchati

Durch die Zerstörung der Stätten der Zuneigung, durch Verlust des Reichtums, o Fürst, und durch die Pein seelischen Leids und der Krankheit gelangt er zum Überdruss.

Wort für Wort
snehāyatananāśāt ca
und durch die Zerstörung der Stätten der Zuneigung (Abl.Sg.)
dhananāśāt ca pārthiva
und durch Verlust des Reichtums, o Fürst (Abl.; Vok.)
ādhivyādhipratāpāt ca
und durch die Pein von seelischem Leid und Krankheit (Abl.Sg.)
nirvedam upagacchati
gelangt zum Überdruss (Akk.; 3.Sg.Präs.)

nirvedād ātmasaṃbodhaḥ saṃbodhāc chāstradarśanam; śāstrārthadarśanād rājaṃs tapa evānupaśyati

Aus Überdruss entsteht Selbsterkenntnis, aus Erkenntnis die Einsicht in die Lehre; aus der Einsicht in den Sinn der Lehre, o König, erblickt er nur noch die Askese.

Wort für Wort
nirvedād ātmasaṃbodhaḥ
aus Überdruss Selbsterkenntnis (Abl.; Nom.)
saṃbodhāc chāstradarśanam
aus Erkenntnis Einsicht in die Lehre (Abl.; Nom.)
śāstrārthadarśanād rājan
aus der Einsicht in den Lehrsinn, o König (Abl.; Vok.)
tapaḥ eva anupaśyati
nur die Askese erblickt er (Akk.; 3.Sg.Präs.)

durlabho hi manuṣyendra naraḥ pratyavamarśavān; yo vai priyasukhe kṣīṇe tapaḥ kartuṃ vyavasyati

Schwer zu finden ist nämlich, Herr der Menschen, ein Mensch mit Rückbesinnung, der bei geschwundener Lust am Liebgewonnenen sich zur Askese entschließt.

Wort für Wort
durlabhaḥ hi manuṣyendra
schwer zu erlangen nämlich, o Herr der Menschen (Nom.; Vok.)
naraḥ pratyavamarśavān
ein Mensch mit Rückbesinnung (Nom.Sg.)
yo vai priyasukhe kṣīṇe
der fürwahr, wenn Liebes und Glück geschwunden sind (Lok.abs.)
tapaḥ kartuṃ vyavasyati
zur Askese-Übung sich entschließt (Inf.; 3.Sg.Präs.)

„priyasukhe“ als „am Lieben und Glück“ oder „am Liebgewonnenen“ deutbar.

tapaḥ sarvagataṃ tāta hīnasyāpi vidhīyate; jitendriyasya dāntasya svargamārgapradeśakam

Askese ist allumfassend, mein Lieber, auch für den Geringen vorgeschrieben; dem, der die Sinne bezwungen hat und gezähmt ist, zeigt sie den Weg zum Himmel.

Wort für Wort
tapaḥ sarvagataṃ tāta
Askese ist allumfassend, Lieber (Nom.Sg.n.; Vok.)
hīnasya api vidhīyate
auch für den Geringen wird sie vorgeschrieben (Gen.; 3.Sg.Pass.)
jitendriyasya dāntasya
für den Sinnenbezwinger, den Gezähmten (Gen.Sg.)
svargamārgapradeśakam
den Weg zum Himmel weisend (Nom.Sg.n.)

prajāpatiḥ prajāḥ pūrvam asṛjat tapasā vibhuḥ; kva cit kva cid vrataparo vratāny āsthāya pārthiva

Prajāpati, der Allmächtige, schuf einst die Geschöpfe durch Askese; hier und da einem Gelübde ergeben, Gelübde auf sich nehmend, o Fürst.

Wort für Wort
prajāpatiḥ prajāḥ pūrvam
Prajāpati die Geschöpfe einst (Nom.; Akk.Pl.; Adv.)
asṛjat tapasā vibhuḥ
schuf durch Askese, der Allmächtige (Impf.3.Sg.; Instr.; Nom.)
kva cit kva cit vrataparaḥ
hier und da dem Gelübde ergeben (Nom.Sg.)
vratāni āsthāya pārthiva
Gelübde auf sich nehmend, o Fürst (Akk.Pl.; Abs.; Vok.)

ādityā vasavo rudrās tathaivāgny aśvimārutāḥ; viśvedevās tathā sādhyāḥ pitaro 'tha marudgaṇāḥ

Die Ādityas, Vasus und Rudras, ebenso Agni, die Aśvins und Maruts, die Viśvedevas, die Sādhyas, die Väter und die Scharen der Maruts.

Wort für Wort
ādityāḥ vasavaḥ rudrāḥ
Ādityas, Vasus, Rudras (Nom.Pl.)
tathā eva agni
ebenso Agni (Nom.Sg.)
aśvimārutāḥ
Aśvins und Maruts (Nom.Pl.)
viśvedevāḥ tathā sādhyāḥ
Viśvedevas und Sādhyas (Nom.Pl.)
pitaraḥ atha marudgaṇāḥ
die Väter und die Marut-Scharen (Nom.Pl.)

yakṣarākṣasagandharvāḥ siddhāś cānye divaukasaḥ; saṃsiddhās tapasā tāta ye cānye svargavāsinaḥ

Yakṣas, Rākṣasas und Gandharvas, Siddhas und andere Himmelsbewohner; durch Askese vollendet sind sie, mein Lieber, und was es sonst an Himmelsbewohnern gibt.

Wort für Wort
yakṣarākṣasagandharvāḥ
Yakṣas, Rākṣasas, Gandharvas (Nom.Pl.)
siddhāḥ ca anye divaukasaḥ
und Siddhas, andere Himmelsbewohner (Nom.Pl.)
saṃsiddhāḥ tapasā tāta
durch Askese vollendet, Lieber (Nom.Pl.; Instr.; Vok.)
ye ca anye svargavāsinaḥ
und welche anderen Himmelsbewohner [es gibt] (Nom.Pl.)

ye cādau brahmaṇā sṛṣṭā brāhmaṇās tapasā purā; te bhāvayantaḥ pṛthivīṃ vicaranti divaṃ tathā

Und die Brahmanen, die einst am Anfang von Brahmā durch Askese geschaffen wurden – sie, die die Erde gedeihen lassen, wandeln umher, und ebenso im Himmel.

Wort für Wort
ye ca ādau brahmaṇā sṛṣṭāḥ
und die am Anfang von Brahmā geschaffen wurden (Nom.Pl.; Instr.; Part.Pass.)
brāhmaṇāḥ tapasā purā
die Brahmanen durch Askese einst (Nom.Pl.; Instr.)
te bhāvayantaḥ pṛthivīm
sie, die Erde gedeihen lassend (Nom.Pl.Part.Kaus.; Akk.)
vicaranti divaṃ tathā
wandeln umher, ebenso im Himmel (3.Pl.Präs.; Akk.)

martyaloke ca rājāno ye cānye gṛhamedhinaḥ; mahākuleṣu dṛśyante tat sarvaṃ tapasaḥ phalam

Und in der Welt der Sterblichen die Könige und die anderen Hausherren, die in großen Familien zu sehen sind – all das ist Frucht der Askese.

Wort für Wort
martyaloke ca rājānaḥ
und in der Sterblichenwelt die Könige (Lok.; Nom.Pl.)
ye ca anye gṛhamedhinaḥ
und die anderen Hausherren (Nom.Pl.)
mahākuleṣu dṛśyante
in großen Familien werden gesehen (Lok.Pl.; 3.Pl.Pass.)
tat sarvaṃ tapasaḥ phalam
all das ist Frucht der Askese (Nom.; Gen.)

kauśikāni ca vastrāṇi śubhāny ābharaṇāni ca; vāhanāsanayānāni sarvaṃ tat tapasaḥ phalam

Seidene Gewänder und schöne Schmuckstücke, Reittiere, Sitze und Gefährte – all das ist Frucht der Askese.

Wort für Wort
kauśikāni ca vastrāṇi
und seidene Gewänder (Nom.Pl.n.)
śubhāni ābharaṇāni ca
und schöne Schmuckstücke (Nom.Pl.n.)
vāhanāsanayānāni
Reittiere, Sitze, Wagen (Nom.Pl.n.; Dvandva)
sarvaṃ tat tapasaḥ phalam
all das Frucht der Askese (Nom.; Gen.)

manonukūlāḥ pramadā rūpavatyaḥ sahasraśaḥ; vāsaḥ prāsādapṛṣṭhe ca tat sarvaṃ tapasaḥ phalam

Dem Sinn gemäße, schöne Frauen zu Tausenden und das Wohnen auf dem Dach des Palastes – all das ist Frucht der Askese.

Wort für Wort
manonukūlāḥ pramadāḥ
dem Geist zusagende Frauen (Nom.Pl.f.)
rūpavatyaḥ sahasraśaḥ
schön, zu Tausenden (Nom.Pl.f.; Adv.)
vāsaḥ prāsādapṛṣṭhe ca
und das Wohnen auf dem Palastdach (Nom.; Lok.)
tat sarvaṃ tapasaḥ phalam
all das Frucht der Askese (Nom.; Gen.)

śayanāni ca mukhyāni bhojyāni vividhāni ca; abhipretāni sarvāṇi bhavanti kṛtakarmaṇām

Vorzügliche Lager und vielerlei Speisen, [alles] Erwünschte wird denen zuteil, die das Werk getan haben.

Wort für Wort
śayanāni ca mukhyāni
und vorzügliche Lager (Nom.Pl.n.)
bhojyāni vividhāni ca
und mannigfache Speisen (Nom.Pl.n.)
abhipretāni sarvāṇi
alles Erwünschte (Nom.Pl.n.)
bhavanti kṛtakarmaṇām
werden [zuteil] denen, die das Werk getan haben (3.Pl.Präs.; Gen.Pl.)

nāprāpyaṃ tapasā kiṃ cit trailokye 'smin paraṃtapa; upabhogaparityāgaḥ phalāny akṛtakarmaṇām

Nichts ist durch Askese unerreichbar in diesen drei Welten, Bezwinger der Feinde; Verzicht auf Genuss sind die Früchte derer, die das Werk nicht getan haben.

Wort für Wort
na aprāpyaṃ tapasā kiṃ cit
nichts durch Askese Unerreichbares (Nom.; Instr.)
trailokye asmin
in diesen drei Welten (Lok.)
paraṃtapa
Bezwinger der Feinde (Vok.)
upabhogaparityāgaḥ
Verzicht auf Genuss (Nom.Sg.)
phalāni akṛtakarmaṇām
die Früchte derer, die das Werk nicht getan haben (Nom.Pl.; Gen.Pl.)

„akṛtakarmaṇām“ hier auf das Werk der Askese bezogen; Sinn des zweiten Halbverses knapp.

sukhito duḥkhito vāpi naro lobhaṃ parityajet; avekṣya manasā śāstraṃ buddhyā ca nṛpasattama

Ob glücklich oder unglücklich, soll der Mensch die Gier aufgeben, nachdem er die Lehre mit dem Geist und mit dem Verstand betrachtet hat, bester der Könige.

Wort für Wort
sukhitaḥ duḥkhitaḥ vā api
ob glücklich oder unglücklich (Nom.Sg.)
naraḥ lobhaṃ parityajet
der Mensch möge die Gier aufgeben (Opt.3.Sg.)
avekṣya manasā śāstram
nachdem er mit dem Geist die Lehre betrachtet (Abs.; Instr.; Akk.)
buddhyā ca nṛpasattama
und mit dem Verstand, bester der Könige (Instr.; Vok.)

asaṃtoṣo 'sukhāyaiva lobhād indriyavibhramaḥ; tato 'sya naśyati prajñā vidyevābhyāsavarjitā

Unzufriedenheit dient nur dem Unglück; aus Gier [entsteht] Verwirrung der Sinne; dann schwindet ihm die Einsicht wie ein Wissen, dem die Übung fehlt.

Wort für Wort
asaṃtoṣaḥ asukhāya eva
Unzufriedenheit führt nur zum Unglück (Nom.; Dat.)
lobhād indriyavibhramaḥ
aus Gier Verwirrung der Sinne (Abl.; Nom.)
tataḥ asya naśyati prajñā
dann schwindet ihm die Einsicht (3.Sg.Präs.; Nom.f.)
vidyā iva abhyāsavarjitā
wie Wissen, dem die Übung fehlt (Nom.f.)

naṣṭaprajño yadā bhavati tadā nyāyaṃ na paśyati; tasmāt sukhakṣaye prāpte pumān ugraṃ tapaś caret

Ist er einsichtslos geworden, dann sieht er das Rechte nicht; darum soll ein Mann, wenn das Glück geschwunden ist, strenge Askese üben.

Wort für Wort
naṣṭaprajñaḥ yadā bhavati
wenn er einsichtslos wird (Nom.; 3.Sg.Präs.)
tadā nyāyaṃ na paśyati
dann sieht er das Rechte nicht (Akk.; 3.Sg.Präs.)
tasmāt sukhakṣaye prāpte
darum, wenn das Glück geschwunden ist (Abl.; Lok.abs.)
pumān ugraṃ tapaḥ caret
ein Mann möge strenge Askese üben (Nom.; Opt.3.Sg.)

yad iṣṭaṃ tat sukhaṃ prāhur dveṣyaṃ duḥkham ihocyate; kṛtākṛtasya tapasaḥ phalaṃ paśyasva yādṛśam

Was erwünscht ist, das nennen sie Glück; das Verhasste wird hier Leid genannt. Sieh, wie beschaffen die Frucht der getanen und der nicht getanen Askese ist.

Wort für Wort
yad iṣṭaṃ tat sukham
was erwünscht ist, das [ist] Glück (Nom.n.)
prāhuḥ dveṣyaṃ duḥkham
sie sagen; Verhasstes [ist] Leid (Perf.3.Pl.; Nom.n.)
iha ucyate
hier wird gesagt (3.Sg.Pass.)
kṛtākṛtasya tapasaḥ phalam
die Frucht der getanen und nicht getanen Askese (Gen.; Akk.)
paśyasva yādṛśam
sieh, wie beschaffen (Imp.Med.; Akk.)

nityaṃ bhadrāṇi paśyanti viṣayāṃś copabhuñjate; prākāśyaṃ caiva gacchanti kṛtvā niṣkalmaṣaṃ tapaḥ

Beständig sehen sie Gutes und genießen die Sinnesobjekte; und sie gelangen zu Ansehen, nachdem sie makellose Askese geübt haben.

Wort für Wort
nityaṃ bhadrāṇi paśyanti
beständig sehen sie Gutes (Adv.; Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.)
viṣayān ca upabhuñjate
und genießen die Sinnesobjekte (Akk.Pl.; 3.Pl.Med.)
prākāśyaṃ ca eva gacchanti
und gelangen zu Ansehen (Akk.; 3.Pl.Präs.)
kṛtvā niṣkalmaṣaṃ tapaḥ
nachdem sie makellose Askese getan (Abs.; Akk.)

apriyāṇy avamānāṃś ca duḥkhaṃ bahuvidhātmakam; phalārthī satpathatyaktaḥ prāpnoti viṣayātmakam

Unliebes, Demütigungen und vielfältiges Leid – der Lohnsüchtige, der den guten Pfad verlassen hat, erlangt [nur] Sinnengebundenes [?].

Wort für Wort
apriyāṇi avamānān ca
Unliebes und Demütigungen (Akk.Pl.n.; Akk.Pl.m.)
duḥkhaṃ bahuvidhātmakam
vielgestaltiges Leid (Akk.Sg.n.)
phalārthī satpathatyaktaḥ
der Lohnsüchtige, der den guten Pfad verlassen (Nom.Sg.; Kompositum)
prāpnoti viṣayātmakam
erlangt Sinnengebundenes [?] (3.Sg.Präs.; Akk.)

Zweiter Halbvers unsicher; „viṣayātmakam“ (Sinnenhaftes) ist als Objekt knapp.

dharme tapasi dāne ca vicikitsāsya jāyate; sa kṛtvā pāpakāny eva nirayaṃ pratipadyate

An Pflicht, Askese und Gabe entsteht ihm Zweifel; er tut nur Böses und gelangt in die Hölle.

Wort für Wort
dharme tapasi dāne ca
an Pflicht, Askese und Gabe (Lok.Sg.)
vicikitsā asya jāyate
Zweifel entsteht ihm (Nom.f.; Gen.; 3.Sg.Med.)
sa kṛtvā pāpakāni eva
er, nachdem er nur Böses getan (Abs.; Akk.Pl.n.)
nirayaṃ pratipadyate
gelangt in die Hölle (Akk.; 3.Sg.Med.)

sukhe tu vartamāno vai duḥkhe vāpi narottama; svavṛttād yo na calati śāstracakṣuḥ sa mānavaḥ

Wer aber im Glück oder auch im Leid, bester der Männer, von seinem Wandel nicht abweicht und die Lehre zum Auge hat, der ist ein [wahrer] Mensch.

Wort für Wort
sukhe tu vartamānaḥ vai
im Glück aber weilend fürwahr (Lok.; Part.Präs.)
duḥkhe vā api narottama
oder auch im Leid, bester der Männer (Lok.; Vok.)
svavṛttād yaḥ na calati
wer von seinem Wandel nicht abweicht (Abl.; 3.Sg.Präs.)
śāstracakṣuḥ sa mānavaḥ
die Lehre zum Auge habend, der [ist] ein Mensch (Nom.; Nom.)

iṣuprapātamātraṃ hi sparśayoge ratiḥ smṛtā; rasane darśane ghrāṇe śravaṇe ca viśāṃ pate

Nur von der Dauer eines Pfeilflugs gilt die Lust bei der Verbindung von Berührung [und Sinn]: an Zunge, Auge, Nase und Ohr, Herr der Menschen.

Wort für Wort
iṣuprapātamātraṃ hi
nur von der Dauer eines Pfeilflugs (Nom.n.)
sparśayoge ratiḥ smṛtā
bei Berührungsverbindung gilt die Lust (Lok.; Nom.f.; Part.Pass.)
rasane darśane ghrāṇe
an Zunge, Auge, Nase (Lok.)
śravaṇe ca viśāṃ pate
und am Ohr, Herr der Leute (Lok.; Vok.)

„sparśayoge“ knapp; wohl Sinneskontakt allgemein, mit Nennung der weiteren Sinne.

tato 'sya jāyate tīvrā vedanā tatkṣayāt punaḥ; budhā yena praśaṃsanti mokṣaṃ sukham anuttamam

Dann entsteht ihm heftiger Schmerz, wiederum durch deren Schwinden; deshalb preisen die Weisen die Erlösung als das höchste Glück.

Wort für Wort
tataḥ asya jāyate tīvrā vedanā
dann entsteht ihm heftiger Schmerz (3.Sg.Med.; Nom.f.)
tatkṣayāt punaḥ
wiederum durch deren Schwinden (Abl.; Adv.)
budhāḥ yena praśaṃsanti
weshalb die Weisen preisen (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
mokṣaṃ sukham anuttamam
die Erlösung als unübertreffliches Glück (Akk.)

tataḥ phalārthaṃ carati bhavanti jyāyaso guṇāḥ; dharmavṛttyā ca satataṃ kāmārthābhyāṃ na hīyate

Dann handelt er um der Frucht willen, [und] es entstehen höhere Vorzüge; durch Wandel nach dem Dharma wird er beständig weder von Kāma noch von Artha verlassen.

Wort für Wort
tataḥ phalārthaṃ carati
dann handelt er um der Frucht willen (Adv.; 3.Sg.Präs.)
bhavanti jyāyasaḥ guṇāḥ
es entstehen höhere Vorzüge (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
dharmavṛttyā ca satatam
und durch Wandel nach dem Dharma beständig (Instr.; Adv.)
kāmārthābhyāṃ na hīyate
von Kāma und Artha wird er nicht verlassen (Abl.Du.; 3.Sg.Pass.)

Vers knapp; Beziehung von „tataḥ phalārtham“ zum Vorigen unsicher.

aprayatnāgatāḥ sevyā gṛhasthair viṣayāḥ sadā; prayatnenopagamyaś ca svadharma iti me matiḥ

Die ohne Anstrengung zugefallenen Sinnesobjekte sind von Hausvätern stets zu genießen; was durch Anstrengung zu erlangen ist, ist Eigenpflicht – so ist meine Ansicht.

Wort für Wort
aprayatnāgatāḥ sevyāḥ
ohne Mühe zugekommen, zu genießen (Nom.Pl.; Gerundiv)
gṛhasthaiḥ viṣayāḥ sadā
von Hausvätern die Sinnesobjekte stets (Instr.; Nom.Pl.)
prayatnena upagamyaḥ ca
und was durch Anstrengung zu erlangen ist (Instr.; Gerundiv)
svadharmaḥ iti me matiḥ
[ist] Eigenpflicht – so meine Ansicht (Nom.; Gen.; Nom.f.)

mānināṃ kulajātānāṃ nityaṃ śāstrārthacakṣuṣām; dharmakriyāviyuktānām aśaktyā saṃvṛtātmanām

[Von denen] Stolzen, in guter Familie Geborenen, die stets die Lehrbedeutung zum Auge haben, denen die Ausübung der Pflichtwerke fehlt und die aus Unvermögen in sich verschlossen sind –

Wort für Wort
mānināṃ kulajātānām
der Stolzen, der aus [gutem] Geschlecht Geborenen (Gen.Pl.)
nityaṃ śāstrārthacakṣuṣām
die stets die Lehrbedeutung zum Auge haben (Adv.; Gen.Pl.)
dharmakriyāviyuktānām
denen die Pflichtwerke fehlen (Gen.Pl.)
aśaktyā saṃvṛtātmanām
aus Unvermögen in sich verschlossen (Instr.; Gen.Pl.)

[Anm.: Satz setzt sich in 284.037 fort.]

kriyamāṇaṃ yadā karma nāśaṃ gacchati mānuṣam; teṣāṃ nānyad ṛte loke tapasaḥ karma vidyate

[für die,] wenn das gerade ausgeführte menschliche Werk zugrunde geht, gibt es in der Welt kein anderes Werk außer dem Werk der Askese.

Wort für Wort
kriyamāṇaṃ yadā karma
wenn das gerade getane Werk (Part.Pass.Präs.; Nom.)
nāśaṃ gacchati mānuṣam
zugrunde geht, das menschliche (Akk.; 3.Sg.Präs.; Nom.n.)
teṣāṃ na anyat ṛte
für sie kein anderes außer (Gen.Pl.; Präp.)
loke tapasaḥ karma vidyate
in der Welt als das Werk der Askese gibt es (Lok.; Gen.; 3.Sg.Pass.)

Fortsetzung von 284.036.

sarvātmanā tu kurvīta gṛhasthaḥ karmaniścayam; dākṣyeṇa havyakavyārthaṃ svadharmaṃ vicaren nṛpa

Mit ganzem Wesen soll der Hausvater Entschlossenheit im Handeln üben; mit Geschick soll er zum Zwecke von Havya und Kavya seine Eigenpflicht vollziehen, o König.

Wort für Wort
sarvātmanā tu kurvīta
mit ganzem Wesen aber möge er üben (Instr.; Opt.Med.)
gṛhasthaḥ karmaniścayam
der Hausvater Entschlossenheit im Handeln (Nom.; Akk.)
dākṣyeṇa havyakavyārtham
mit Geschick zum Zweck von Götter- und Ahnenopfer (Instr.; Akk.)
svadharmaṃ vicaret nṛpa
die Eigenpflicht möge er vollziehen, o König (Akk.; Opt.3.Sg.; Vok.)

yathā nadīnadāḥ sarve sāgare yānti saṃsthitim; evam āśramiṇaḥ sarve gṛhasthe yānti saṃsthitim

Wie alle Flüsse und Ströme im Meer zur Ruhe gelangen, so gelangen alle Angehörigen der Lebensstufen im Hausvater zur Ruhe [zum festen Halt].

Wort für Wort
yathā nadīnadāḥ sarve
wie alle Flüsse und Ströme (Nom.Pl.)
sāgare yānti saṃsthitim
im Meer gelangen sie zur Ruhe (Lok.; 3.Pl.Präs.; Akk.)
evam āśramiṇaḥ sarve
so alle Angehörigen der Lebensstufen (Nom.Pl.)
gṛhasthe yānti saṃsthitim
im Hausvater gelangen sie zur Ruhe (Lok.; 3.Pl.Präs.; Akk.)

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