Kapitel 12: nakulavākyaṃ yajñagārhasthyapraśaṃsā
Nakulas Rede: Lob des Hausvaterlebens und der Opfer gegen bloßes Entsagen
Nach Arjuna spricht Nakula zu Yudhiṣṭhira: Wahrer Verzicht liege nicht im Verlassen des Hauses, sondern in der Erfüllung der Opferpflichten und im Verzicht auf Dünkel; ein König, der nicht gibt und opfert, sei ein Unheil für sein Volk. Er schließt mit der Mahnung, im Kṣatriya-Dharma nicht zu trauern.
anāstikān āstikānāṃ prāṇadāḥ pitaraś ca ye; te 'pi karmaiva kurvanti vidhiṃ paśyasva pārthiva; vedavādāpaviddhāṃs tu tān viddhi bhṛśanāstikān
Auch jene, die den Gläubigen den Lebenshauch geben, und die Väter, [die] nicht ungläubig [sind] [?] – auch sie tun nur Ritualwerk; sieh die Ordnung, Fürst. Die aber, die von der Vedalehre abgefallen sind, die wisse als völlig Ungläubige.
Wort für Wort
anāstikān
die Nicht-Ungläubigen [?] (Akk.Pl.)
āstikānāṃ prāṇadāḥ pitaraś ca ye
die den Gläubigen Lebenshauch Gebenden und die Väter, welche (Gen.Pl./Nom.Pl.)
te 'pi karmaiva kurvanti
auch sie tun nur Ritualwerk (3.Pl.Präs.)
vidhiṃ paśyasva pārthiva
sieh die Ordnung, Fürst (Imp.Med./Vok.)
vedavādāpaviddhāṃs tu
die von der Vedalehre Abgefallenen aber (Akk.Pl.)
tān viddhi bhṛśanāstikān
die wisse als äußerst Ungläubige (Imp./Akk.Pl.)
Der erste Halbvers ist syntaktisch schwierig; anāstikān steht als Akk.Pl. ohne klares Regens.
„Dieser übersteigt alle Lebensstufen“, so sagen die im Veda Gefestigten; die Brahmanen, reich an Überlieferung – diese lerne kennen, Herr der Menschen.
Wort für Wort
atyāśramān ayaṃ sarvān
dieser [übersteigt] alle Lebensstufen (Akk.Pl.)
ity āhur vedaniścayāḥ
so sagen die im Veda Entschiedenen (3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
brāhmaṇāḥ śrutisaṃpannāḥ
die Brahmanen, mit Überlieferung ausgestattet (Nom.Pl.)
vittāni dharmalabdhāni kratumukhyeṣv avāsṛjan; kṛtātmasu mahārāja sa vai tyāgī smṛto naraḥ
Wer die auf rechtem Weg erworbenen Güter bei den vorzüglichsten Opfern an die Geläuterten hingab, o großer König – der gilt wahrlich als ein Mann des Verzichts.
Wort für Wort
vittāni dharmalabdhāni
die Güter, rechtmäßig erworben (Akk.Pl./PPP)
kratumukhyeṣv avāsṛjan
bei den vorzüglichsten Opfern hingab (Lok.Pl./3.Pl.Impf. [?])
kṛtātmasu mahārāja
an die Geläuterten [gab er], großer König (Lok.Pl./Vok.)
sa vai tyāgī smṛto naraḥ
der gilt wahrlich als Verzichter, der Mann (Nom./PPP)
avāsṛjan: Pluralform bei singularischem Bezug; Text möglicherweise verderbt.
anavekṣya sukhādānaṃ tathaivordhvaṃ pratiṣṭhitaḥ; ātmatyāgī mahārāja sa tyāgī tāmasaḥ prabho
Wer ohne auf den Genuss des Wohlbehagens zu achten und ebenso nach oben gerichtet dasteht, sich selbst aufgebend, o großer König – der ist ein Verzichter von der Art des Tamas, Herr.
Wort für Wort
anavekṣya sukhādānam
nicht beachtend das Nehmen von Wohlbehagen (Ger./Akk.)
tathaivordhvaṃ pratiṣṭhitaḥ
und ebenso nach oben gerichtet dastehend [?] (Adv./PPP)
ātmatyāgī mahārāja
sich selbst Aufgebender, großer König (Nom./Vok.)
sa tyāgī tāmasaḥ prabho
der ist ein Verzichter, tamasisch, Herr (Nom./Vok.)
Ohne Haus umherziehend, am Fuß eines Baumes Zuflucht nehmend, ein Schweiger, nicht selbst kochend, stets im Yoga [geübt] – der ist ein Verzichter, Pārtha: ein Bettelmönch.
Wort für Wort
aniketaḥ paripatan
ohne Behausung umherziehend (Nom./Part.)
vṛkṣamūlāśrayo muniḥ
am Baumfuß Zuflucht nehmend, der Muni (Nom.)
apācakaḥ sadā yogī
nicht kochend, stets ein Yogin (Nom.)
sa tyāgī pārtha bhikṣukaḥ
der ist ein Verzichter, Pārtha, ein Bettler (Nom./Vok.)
Die Lebensstufen, sagen die Weisen, seien alle auf einer Waage aufgewogen: auf der einen Seite jene drei, o König, auf der anderen die Stufe des Hausvaters.
Wort für Wort
āśramāṃs tulayā sarvān
die Lebensstufen alle mit der Waage (Akk.Pl./Instr.)
dhṛtān āhur manīṣiṇaḥ
gehalten/aufgewogen, sagen die Weisen (PPP/3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
ekatas te trayo rājan
auf der einen Seite jene drei, König (Nom./Vok.)
gṛhasthāśrama ekataḥ
auf der anderen Seite die Hausvaterstufe (Nom./Adv.)
iti yaḥ kurute bhāvaṃ sa tyāgī bharatarṣabha; na yaḥ parityajya gṛhān vanam eti vimūḍhavat
Wer diese Haltung einnimmt, der ist ein Verzichter, Stier der Bharata; nicht [ist es] der, der die Häuser verlässt und wie ein Verblendeter in den Wald geht.
Wort für Wort
iti yaḥ kurute bhāvam
wer so die Haltung annimmt (3.Sg.Präs.Med./Akk.)
sa tyāgī bharatarṣabha
der ist ein Verzichter, Stier der Bharata (Nom./Vok.)
na yaḥ parityajya gṛhān
nicht wer die Häuser verlassen habend (Ger./Akk.Pl.)
vanam eti vimūḍhavat
in den Wald geht wie ein Verblendeter (3.Sg.Präs./Adv.)
pitṛdevātithikṛte samārambho 'tra śasyate; atraiva hi mahārāja trivargaḥ kevalaṃ phalam
Für Väter, Götter und Gäste wird hier das Unternehmen anempfohlen; hier allein, großer König, liegt die Dreiheit [von Dharma, Artha, Kāma] als die einzige Frucht.
Wort für Wort
pitṛdevātithikṛte
um der Väter, Götter und Gäste willen (Lok./Kompositum)
samārambho 'tra śasyate
das Unternehmen wird hier gepriesen (Nom./Pass.Präs.)
Denn Prajāpati, der Makellose, erschuf die Geschöpfe, o König, friedvollen Sinnes [im Gedanken]: „Sie werden mir mit Opfern opfern, mit Opfern von mannigfachen Opfergaben.“
Wort für Wort
asṛjad dhi prajā rājan
er erschuf ja die Geschöpfe, König (3.Sg.Impf./Akk.Pl./Vok.)
prajāpatir akalmaṣaḥ
Prajāpati, der Makellose (Nom.)
māṃ yakṣyantīti śāntātmā
„sie werden mir opfern“, so [dachte] der Friedvolle (3.Pl.Fut./Nom.)
yajñair vividhadakṣiṇaiḥ
mit Opfern von vielfältigen Opfergaben (Instr.Pl.)
idam anyan mahārāja vidvadbhiḥ kathitaṃ mama; bhūmir agniś ca vāyuś ca na cāpo na divākaraḥ; nakṣatrāṇi na candraś ca na diśaḥ kāla eva ca; śabdaḥ sparśaś ca rūpaṃ ca na gandho na rasaḥ kva cit; na ca santi pramāṇāni yaiḥ prameyaṃ prasādhyate; pratyakṣam anumānaṃ ca nopamānam athāgamaḥ; nārthāpattir na caitihyaṃ dṛṣṭānto na ca saṃśayaḥ; na kva cin nirṇayo rājan nādharmo dharma eva ca; tiryak ca sthāvaraṃ caiva na devā na ca mānuṣāḥ; varṇāśramavibhāgaś ca na ca kartā na karmakṛt; na cārthaś ca vibhūtiś ca na cārthasya viceṣṭitam; tamobhūtam idaṃ sarvam anālokaṃ jagan nṛpa; na cātmā vidyamāno 'pi manasā yogam ṛcchati; acetanaṃ manas tv āsīd ātmā eva sacetanaḥ; īśvaraś cetanas tv ekas tenedaṃ gahanīkṛtam; mantrāś ca cetanā rājan na ca dehena yojitāḥ; te ca viśvasṛjo nāma ṛṣayo mantradevatāḥ; caitanyam īśvarāt prāpya brahmāṇḍaṃ tair vinirmitam; iṣṭvā viśvasṛjaṃ yajñaṃ nirmitaḥ prapitāmahaḥ; sṛṣṭis tena samārabdhā prasādād īśvarasya ca; caitanyam īśvarasyaitad yenedaṃ cetanaṃ jagat; yogena ca samāviṣṭaṃ jagat kṛtsnaṃ ca śaṃbhunā; dharmaś cārthaś ca kāmaś ca ukto mokṣaś ca saṃkṣaye; brahmaṇaḥ parameśasya īśvareṇa yadṛcchayā; ajño jantur anīśaś ca bhājanaṃ sukhaduḥkhayoḥ; īśvaraprerito gacchet svargaṃ vā śvabhram eva vā; pradhānaṃ puruṣaṃ caiva ātmānaṃ sarvadehinām; manasā viṣayaṃ caiva cetanena pracoditāḥ; sukhaduḥkhena yujyante karmabhiś ca pracoditāḥ; varṇāśramavibhāgaś ca īśvareṇa pravartitaḥ; sadevāsuragandharvaṃ tenedaṃ nirmitaṃ jagat; tvaṃ cānye ca mahārāja īśvarasya vaśe sthitāḥ; jīvante ca mriyante ca na svatantrāḥ kathaṃ cana; hitvā hitvā ca bhūtāni hatvā sarvam idaṃ jagat; yajate karmaṇā devaṃ na sa pāpena lipyate; hiṃsātmakāni karmāṇi sarveṣāṃ gṛhamedhinām; devatānām ṛṣīṇāṃ ca te ca yānti parāṃ gatim; pātitāḥ śatravaḥ pūrvaṃ sarvatra vasudhādhipaiḥ; prajānāṃ hitakāmaiś ca ātmanaś ca hitaiṣibhiḥ; yadi tatra bhavet pāpaṃ kathaṃ te svargam āsthitāḥ; na prāptā narakaṃ rājan veṣṭitāḥ pāpakarmabhiḥ
Dies Andere, großer König, ist mir von Kundigen gesagt worden: [Es gibt] weder Erde, Feuer und Wind noch Wasser noch Sonne, keine Sterne, keinen Mond, keine Himmelsrichtungen und auch keine Zeit; Klang, Berührung und Gestalt [gibt es nicht], weder Duft noch Geschmack irgendwo. Und es gibt keine Erkenntnismittel, durch die das zu Erkennende bewiesen wird: weder Wahrnehmung noch Schluss, weder Vergleich noch Überlieferung, keine Folgerung aus Umständen, keine Tradition, kein Beispiel, keinen Zweifel. Nirgends gibt es Entscheidung, König, weder Adharma noch Dharma, weder Tiere noch Unbewegliches, weder Götter noch Menschen, keine Einteilung in Stände und Lebensstufen, keinen Täter und keinen Handelnden, weder Zweck noch Macht, noch Streben nach Zweck. Dies alles, die Welt, war zu Finsternis geworden, ohne Licht, Fürst. Und das Selbst, obwohl vorhanden, gerät mit dem Geist in keine Verbindung: Der Geist war unbewusst, das Selbst allein bewusst; Īśvara aber, der Bewusste, ist einzig; durch ihn wurde dies undurchdringlich gemacht [?]. Auch die Mantras sind bewusst, König, und nicht mit einem Körper verbunden; und sie, die „Weltschöpfer“ genannt werden, sind Seher, Mantra-Gottheiten. Nachdem sie von Īśvara Bewusstsein empfangen hatten, wurde von ihnen das Brahma-Ei geschaffen. Nachdem das Weltschöpfer-Opfer dargebracht war, wurde der Urgroßvater [Brahmā] geschaffen; von ihm wurde die Schöpfung begonnen, und durch die Gnade Īśvaras. Dies ist Īśvaras Bewusstsein, wodurch diese Welt bewusst ist; und durch Yoga ist die ganze Welt von Śaṃbhu durchdrungen. Dharma, Artha und Kāma sind genannt, und die Erlösung beim Untergang, des Brahman/Brahmā, des höchsten Herrn, durch Īśvara nach Gutdünken [?]. Das unwissende, nicht gebietende Wesen ist ein Gefäß von Glück und Leid; von Īśvara getrieben mag es zum Himmel gehen oder in den Abgrund. Pradhāna und Puruṣa und das Selbst aller Verkörperten, und das Sinnesobjekt durch den Geist – vom Bewussten angetrieben werden sie, durch Taten angetrieben, mit Glück und Leid verbunden. Auch die Einteilung in Stände und Lebensstufen wurde von Īśvara in Gang gesetzt; von ihm wurde diese Welt samt Göttern, Asuras und Gandharven erschaffen. Du und andere, großer König, steht in Īśvaras Gewalt; ihr lebt und sterbt, keineswegs unabhängig. Wesen aufgebend, immer wieder aufgebend, die ganze Welt erschlagend [?] – wer durch Tat den Gott verehrt, wird vom Übel nicht befleckt. Die Handlungen aller Hausopferer sind ihrem Wesen nach Gewalt, auch die der Götter und Seher, und sie gehen dennoch zum höchsten Ziel. Feinde wurden früher überall von Erdherrschern gefällt, die das Wohl der Untertanen wünschten und ihr eigenes Wohl suchten; wenn dabei Übel wäre, wie hätten sie den Himmel erreicht? Sie kamen nicht in die Hölle, König, [obwohl] von Übeltätern umringt [?].
Wort für Wort
idam anyan mahārāja vidvadbhiḥ kathitaṃ mama
Dies Andere, großer König, ist von Kundigen mir gesagt worden (Nom./Instr.Pl./PPP)
bhūmir agniś ca vāyuś ca na cāpo na divākaraḥ
[es gibt] weder Erde, Feuer und Wind noch Wasser noch Sonne (Nom.)
nakṣatrāṇi na candraś ca na diśaḥ kāla eva ca
keine Sterne, keinen Mond, keine Himmelsrichtungen, auch keine Zeit (Nom.)
śabdaḥ sparśaś ca rūpaṃ ca na gandho na rasaḥ kva cit
Klang, Berührung, Gestalt, weder Duft noch Geschmack irgendwo (Nom.)
na ca santi pramāṇāni yaiḥ prameyaṃ prasādhyate
und es gibt keine Erkenntnismittel, durch die das zu Erkennende bewiesen wird (3.Pl.Präs./Instr./Pass.)
pratyakṣam anumānaṃ ca nopamānam athāgamaḥ
weder Wahrnehmung noch Schluss, weder Vergleich noch Überlieferung (Nom.)
nārthāpattir na caitihyaṃ dṛṣṭānto na ca saṃśayaḥ
keine Folgerung aus Umständen, keine Tradition, kein Beispiel, kein Zweifel (Nom.)
na kva cin nirṇayo rājan nādharmo dharma eva ca
nirgends Entscheidung, König; weder Adharma noch Dharma (Nom./Vok.)
tiryak ca sthāvaraṃ caiva na devā na ca mānuṣāḥ
weder Tiere noch Unbewegliches, weder Götter noch Menschen (Nom.)
varṇāśramavibhāgaś ca na ca kartā na karmakṛt
keine Einteilung in Stände und Lebensstufen, kein Täter, kein Handelnder (Nom.)
na cārthaś ca vibhūtiś ca na cārthasya viceṣṭitam
weder Zweck noch Macht, noch Streben nach Zweck (Nom.)
tamobhūtam idaṃ sarvam anālokaṃ jagan nṛpa
dies alles war zur Finsternis geworden, die Welt ohne Licht, Fürst (Nom./Vok.)
na cātmā vidyamāno 'pi manasā yogam ṛcchati
und das Selbst, obwohl vorhanden, gerät mit dem Geist in keine Verbindung (Nom./Part./Instr./3.Sg.Präs.)
acetanaṃ manas tv āsīd ātmā eva sacetanaḥ
der Geist war unbewusst, das Selbst allein bewusst (Nom./3.Sg.Impf.)
īśvaraś cetanas tv ekas tenedaṃ gahanīkṛtam
Īśvara aber, der Bewusste, ist einzig; durch ihn wurde dies undurchdringlich gemacht (Nom./Instr./PPP)
mantrāś ca cetanā rājan na ca dehena yojitāḥ
und die Mantras sind bewusst, König, und nicht mit einem Körper verbunden (Nom.Pl./Instr./PPP)
te ca viśvasṛjo nāma ṛṣayo mantradevatāḥ
und sie, „Weltschöpfer“ genannt, sind Seher, Mantra-Gottheiten (Nom.Pl.)
caitanyam īśvarāt prāpya brahmāṇḍaṃ tair vinirmitam
Bewusstsein von Īśvara empfangen habend, wurde von ihnen das Brahma-Ei geschaffen (Ger./Abl./Instr./PPP)
iṣṭvā viśvasṛjaṃ yajñaṃ nirmitaḥ prapitāmahaḥ
nachdem das Weltschöpfer-Opfer dargebracht war, wurde der Urgroßvater [Brahmā] geschaffen (Ger./Akk./PPP)
sṛṣṭis tena samārabdhā prasādād īśvarasya ca
die Schöpfung wurde von ihm begonnen und durch die Gnade Īśvaras (Nom./Instr./PPP/Abl.)
caitanyam īśvarasyaitad yenedaṃ cetanaṃ jagat
dies ist Īśvaras Bewusstsein, wodurch diese Welt bewusst ist (Nom./Gen./Instr.)
yogena ca samāviṣṭaṃ jagat kṛtsnaṃ ca śaṃbhunā
und durch Yoga ist die ganze Welt von Śaṃbhu durchdrungen (Instr./PPP/Instr.)
dharmaś cārthaś ca kāmaś ca ukto mokṣaś ca saṃkṣaye
Dharma, Artha, Kāma sind genannt, und Erlösung beim Untergang (Nom./PPP/Lok.)
brahmaṇaḥ parameśasya īśvareṇa yadṛcchayā
des Brahman/Brahmā, des höchsten Herrn, durch Īśvara nach Gutdünken [?] (Gen./Instr.)
ajño jantur anīśaś ca bhājanaṃ sukhaduḥkhayoḥ
das unwissende Wesen, nicht gebietend, ist Gefäß von Glück und Leid (Nom./Gen.Du.)
īśvaraprerito gacchet svargaṃ vā śvabhram eva vā
von Īśvara getrieben möge es zum Himmel gehen oder in den Abgrund (Nom./Opt./Akk.)
pradhānaṃ puruṣaṃ caiva ātmānaṃ sarvadehinām
Pradhāna und Puruṣa, das Selbst aller Verkörperten (Akk./Gen.Pl.)
manasā viṣayaṃ caiva cetanena pracoditāḥ
und durch den Geist das Sinnesobjekt, vom Bewussten angetrieben (Instr./Akk./PPP)
sukhaduḥkhena yujyante karmabhiś ca pracoditāḥ
sie werden mit Glück und Leid verbunden, durch Taten angetrieben (Instr./3.Pl.Pass./PPP)
varṇāśramavibhāgaś ca īśvareṇa pravartitaḥ
und die Einteilung in Stände und Lebensstufen wurde von Īśvara in Gang gesetzt (Nom./Instr./PPP)
sadevāsuragandharvaṃ tenedaṃ nirmitaṃ jagat
samt Göttern, Asuras und Gandharven wurde von ihm diese Welt erschaffen (Akk./Instr./PPP)
tvaṃ cānye ca mahārāja īśvarasya vaśe sthitāḥ
du und andere, großer König, stehen in Īśvaras Gewalt (Nom./Vok./Gen./Lok./PPP)
jīvante ca mriyante ca na svatantrāḥ kathaṃ cana
sie leben und sterben, keineswegs unabhängig (3.Pl.Präs.Med./Nom.)
hitvā hitvā ca bhūtāni hatvā sarvam idaṃ jagat
Wesen aufgebend, immer wieder aufgebend, [oder] erschlagend die ganze Welt [?] (Ger./Akk.)
yajate karmaṇā devaṃ na sa pāpena lipyate
wer durch Tat den Gott verehrt, wird nicht vom Übel befleckt (3.Sg.Präs.Med./Instr./Pass.)
hiṃsātmakāni karmāṇi sarveṣāṃ gṛhamedhinām
Handlungen, die ihrem Wesen nach Gewalt sind, aller Hausopferer (Nom.Pl./Gen.Pl.)
devatānām ṛṣīṇāṃ ca te ca yānti parāṃ gatim
auch der Götter und Seher; und sie gehen zum höchsten Ziel (Gen.Pl./3.Pl.Präs./Akk.)
pātitāḥ śatravaḥ pūrvaṃ sarvatra vasudhādhipaiḥ
Feinde wurden früher überall von Erdherrschern gefällt (Nom.Pl./PPP/Instr.Pl.)
prajānāṃ hitakāmaiś ca ātmanaś ca hitaiṣibhiḥ
von denen, die das Wohl der Untertanen wünschten und ihr eigenes Wohl suchten (Instr.Pl.)
yadi tatra bhavet pāpaṃ kathaṃ te svargam āsthitāḥ; na prāptā narakaṃ rājan veṣṭitāḥ pāpakarmabhiḥ
wenn dort Übel wäre, wie hätten sie den Himmel erreicht (Opt./PPP); sie kamen nicht in die Hölle, König, [obwohl] von Übeltätern umringt [?] (PPP/Akk./Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Lange Zusatzpassage (nur in einem Teil der Handschriften); Text stellenweise verderbt bzw. dunkel (v. a. gahanīkṛtam, brahmaṇaḥ parameśasya … yadṛcchayā, hitvā hitvā, veṣṭitāḥ).
So, o Fürst: nach dem, der den Weg der Gabe-Sammlung [?] beschreitet, dem Zweimalgeborenen, der zum Brahman geworden ist, sehnen sich die Himmelsbewohner.
Wort für Wort
evaṃ dānasamādhānaṃ
so, das Gaben-Sammeln/Gabe und Sammlung [?] (Adv./Akk.)
mārgam ātiṣṭhato nṛpa
dem, der den Weg beschreitet, Fürst (Akk./Gen.Sg.Part./Vok.)
dvijāter brahmabhūtasya
des Zweimalgeborenen, brahmagewordenen (Gen.)
spṛhayanti divaukasaḥ
sehnen sich, die Himmelsbewohner (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
sa ratnāni vicitrāṇi saṃbhṛtāni tatas tataḥ; makheṣv anabhisaṃtyajya nāstikyam abhijalpasi; kuṭumbam āsthite tyāgaṃ na paśyāmi narādhipa
Diese mannigfachen Juwelen, von hier und dort zusammengetragen, gibst du bei den Opfern nicht hin und redest [dabei] Unglauben daher. Bei einem, der im Hausstand verharrt, sehe ich [dann] keinen Verzicht, Herr der Menschen.
Wort für Wort
sa ratnāni vicitrāṇi
du/er [?] – die bunten Juwelen (Nom./Akk.Pl.)
saṃbhṛtāni tatas tataḥ
zusammengetragen von hier und dort (PPP/Adv.)
makheṣv anabhisaṃtyajya
bei den Opfern nicht hingebend (Lok.Pl./Ger.)
nāstikyam abhijalpasi
redest Unglauben daher (Akk./2.Sg.Präs.)
kuṭumbam āsthite tyāgam
bei einem, der den Hausstand innehat, Verzicht (Lok./Akk.)
na paśyāmi narādhipa
sehe ich nicht, Herr der Menschen (1.Sg.Präs./Vok.)
sa in Vers 26a wohl für „du“ (Anrede) oder Textstörung.
rājasūyāśvamedheṣu sarvamedheṣu vā punaḥ; ya cānye kratavas tāta brāhmaṇair abhipūjitāḥ; tair yajasva mahārāja śakro devapatir yathā
Mit Rājasūya, Aśvamedha oder wiederum Sarvamedha und welche anderen Opfer noch, Lieber, von den Brahmanen gepriesen sind – mit diesen opfere, großer König, wie Śakra, der Herr der Götter.
apradāya dvijātibhyo mātsaryāviṣṭacetasaḥ; vayaṃ te rājakalayo bhaviṣyāmo viśāṃ pate
[wenn wir dies] den Zweimalgeborenen nicht geben, mit von Missgunst erfülltem Sinn, dann werden wir, Herr der Leute, deine „königlichen Kalis“ [?] sein.
Wort für Wort
apradāya dvijātibhyaḥ
nicht gegeben habend den Zweimalgeborenen (Ger./Dat.Pl.)
mātsaryāviṣṭacetasaḥ
mit von Missgunst erfülltem Sinn (Nom.Pl.)
vayaṃ te rājakalayaḥ
wir [sind] deine königlichen Kalis [?] (Nom.Pl./Gen.)
aniṣṭvā ca mahāyajñair akṛtvā ca pitṛsvadhām; tīrtheṣv anabhisaṃtyajya pravrajiṣyasi ced atha
Wenn du, ohne mit großen Opfern geopfert, ohne die Svadhā für die Väter getan, ohne bei den heiligen Furten [zu geben] hinzugeben, dann als Wanderasket fortziehst –
Wort für Wort
aniṣṭvā ca mahāyajñaiḥ
und ohne mit den großen Opfern geopfert zu haben (Ger./Instr.Pl.)
akṛtvā ca pitṛsvadhām
und ohne die Väter-Svadhā getan zu haben (Ger./Akk.)
antar bahiś ca yat kiṃ cin manovyāsaṅgakārakam; parityajya bhavet tyāgī na yo hitvā pratiṣṭhate
Alles, was innen und außen den Geist zur Anhaftung bringt, aufgebend, würde man ein Verzichter; nicht, wer [es bloß] verlassen hat und [dabei] stehen bleibt [?].
Wort für Wort
antar bahiś ca yat kiṃ cit
innen und außen, was auch immer (Adv./Pron.)
manovyāsaṅgakārakam
den Geist zur Anhaftung bringend (Nom.)
parityajya bhavet tyāgī
aufgebend würde er ein Verzichter (Ger./Opt.)
na yo hitvā pratiṣṭhate
nicht wer, [es] verlassen habend, stehen bleibt [?] (Ger./3.Sg.Präs.Med.)
Nachdem er die Feinde, die erstarkten, mit Wucht erschlagen hat, wie Śakra die Heere der Daityas in der Schlacht – wer, Pārtha, würde trauern, der seinem eigenen Dharma ergeben ist, dem von den Früheren überlieferten, o Fürst, von den Guten geübten?
Wort für Wort
nihatya śatrūṃs tarasā samṛddhān
die Feinde, die erstarkten, mit Wucht erschlagen habend (Ger./Akk.Pl./Instr./PPP)
śakro yathā daityabalāni saṃkhye
wie Śakra die Daitya-Heere im Kampf (Nom./Akk.Pl./Lok.)
kaḥ pārtha śocen
wer würde trauern, Pārtha (Nom./Vok./Opt.)
nirataḥ svadharme
der seinem eigenen Dharma ergeben ist (Nom./PPP/Lok.)
pūrvaiḥ smṛte pārthiva
von den Früheren überliefert, Fürst (Instr.Pl./Lok./Vok.)
na cāpi śociti hatāḥ svadharme; pūrvaiḥ kṛte pārthivamukhyamukhyaiḥ
Auch trauert man nicht um die im eigenen Dharma Gefallenen, [dem Dharma,] den die Früheren getan haben, die Vorzüglichsten unter den Fürsten.
Wort für Wort
na cāpi śociti
und man trauert nicht (3.Sg.Präs. [?])
hatāḥ svadharme
um die Gefallenen im eigenen Dharma (Nom.Pl./Akk.Pl./Lok.)
pūrvaiḥ kṛte
von den Früheren getan (Instr.Pl./Lok./PPP)
pārthivamukhyamukhyaiḥ
von den Vorzüglichsten der Fürsten (Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). śociti: unregelmäßige Form (statt śocati); Text evtl. verderbt.
Nachdem du mit dem Dharma der Kṣatriya, mit Tapferkeit die Erde erobert und den Mantrakundigen gegeben hast, wirst du zum Rücken des Himmels gelangen, Herr der Menschen; du darfst heute nicht trauern, Pārtha.
Wort für Wort
kṣātreṇa dharmeṇa parākrameṇa
mit dem Kṣatriya-Dharma, mit Tapferkeit (Instr.)
jitvā mahīṃ mantravidbhyaḥ pradāya
die Erde erobert und den Mantrakundigen gegeben habend (Ger./Akk./Dat.Pl.)
nākasya pṛṣṭhe 'si narendra gantā
auf den Rücken des Himmels wirst du gelangen, Herr der Menschen (Gen./Lok./Nom.Agens)
na śocitavyaṃ bhavatādya pārtha
nicht ist zu trauern von dir heute, Pārtha (Gerundiv/Instr./Vok.)