Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 149: gṛdhrajambukasaṃvāda Geier und Schakal streiten auf dem Leichenfeld um den toten Brahmanenknaben

Bhīṣma erzählt auf Yudhiṣṭhiras Frage nach Wiederbelebung Verstorbener die Geschichte vom toten Brahmanenkind auf dem Leichenfeld von Vaidiśa: Der Geier rät den Verwandten zum Weggehen, der Schakal zum Bleiben, bis schließlich Śiva erscheint.

yudhiṣṭhira uvāca; kaccit pitāmahenāsīc chrutaṃ vā dṛṣṭam eva vā; kaccin martyo mṛto rājan punar ujjīvito bhavet

Yudhiṣṭhira sprach: „Hat der Großvater je gehört oder gesehen, ob ein gestorbener Sterblicher, o König, wieder zum Leben erweckt werden kann?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
kaccit pitāmahena āsīt śrutaṃ vā dṛṣṭam eva vā
ob vom Großvater gehört oder gesehen worden ist (Instr./Part. Pass.; Impf. von as)
kaccit martyaḥ mṛtaḥ rājan
ob ein Sterblicher, ein Gestorbener, o König (Nom./Part. Perf. Pass./Vok.)
punar ujjīvitaḥ bhavet
wieder zum Leben erweckt werde (Part. Kaus. Pass./Opt. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

yudhiṣṭhira uvāca; yad eva śrūyate rājann abhiyogam anujjhatām; kadāpy aghaṭamāno 'pi ghaṭetārtho mahān api; tad etaṃ saṃśayaṃ chindhi mahāntaṃ hy api me sthitam; ṛte pitāmahād bhīṣmāc chettā naivāsya vidyate

Yudhiṣṭhira sprach: „Was man hört, o König: Bei denen, die im Bemühen nicht nachlassen, kann bisweilen auch ein Ziel, das zunächst nicht zustande kommt, ja sogar ein großes, doch noch gelingen. Diesen Zweifel, der groß in mir feststeht, zerschneide! Außer dem Großvater Bhīṣma gibt es niemanden, der ihn zerschneiden könnte.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
yad eva śrūyate rājan
was man hört, o König (Pass. Präs./Vok.)
abhiyogam anujjhatām
bei denen, die das Bemühen nicht aufgeben (Gen. Pl. Part. Präs.)
kadā api aghaṭamānaḥ api ghaṭeta arthaḥ mahān api
bisweilen könnte auch ein Ziel, das nicht zustande kommt, zustande kommen, selbst ein großes (Part. Präs. Med./Opt. 3.Sg./Nom.)
tad etaṃ saṃśayaṃ chindhi mahāntaṃ hi api me sthitam
darum zerschneide diesen Zweifel, den großen, der in mir feststeht (Imp. 2.Sg./Akk./Part. Perf. Pass.)
ṛte pitāmahāt bhīṣmāt chettā na eva asya vidyate
außer dem Großvater Bhīṣma gibt es keinen Zerschneider davon (Abl./Nom. Agent/Präs. Pass. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur in einem Teil der Handschriften).

bhīṣma uvāca; śṛṇu pārtha yathāvṛttam itihāsaṃ purātanam; gṛdhrajambukasaṃvādaṃ yo vṛtto vaidiśe purā

Bhīṣma sprach: „Höre, Pārtha, wie es sich zutrug, eine uralte Erzählung: das Zwiegespräch zwischen Geier und Schakal, das sich einst in Vaidiśa ereignete.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
śṛṇu pārtha yathāvṛttam
höre, Pārtha, wie es sich zutrug (Imp. 2.Sg./Vok./Adv.)
itihāsaṃ purātanam
die Erzählung, die uralte (Akk. Sg.)
gṛdhrajambukasaṃvādaṃ
das Gespräch zwischen Geier und Schakal (Akk. Sg., Tatpuruṣa)
yaḥ vṛttaḥ vaidiśe purā
das stattfand in Vaidiśa einst (Nom./Part. Perf. Pass./Lok.)

kasya cid brāhmaṇasyāsīd duḥkhalabdhaḥ suto mṛtaḥ; bāla eva viśālākṣo bālagrahanipīḍitaḥ

Ein Brahmane hatte einen unter Mühen erlangten Sohn, und dieser starb: noch ein Kind, mit weiten Augen, von Kinderdämonen gequält.

Wort für Wort
kasya cit brāhmaṇasya āsīt
einem gewissen Brahmanen war (Gen. Sg./Impf.)
duḥkhalabdhaḥ sutaḥ mṛtaḥ
ein unter Mühen erlangter Sohn, gestorben (Nom./Part. Perf. Pass.)
bālaḥ eva viśālākṣaḥ
noch ein Kind, großäugig (Nom. Sg.)
bālagrahanipīḍitaḥ
von Kinderdämonen bedrängt (Part. Perf. Pass., Tatpuruṣa)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

duḥkhitāḥ ke cid ādāya bālam aprāptayauvanam; kulasarvasvabhūtaṃ vai rudantaḥ śokavihvalāḥ

Bekümmert nahmen einige das Kind, das die Jugend noch nicht erreicht hatte, das Ein und Alles der Familie, und weinten, von Schmerz überwältigt.

Wort für Wort
duḥkhitāḥ ke cit ādāya
betrübt, einige, nachdem sie [es] genommen hatten (Nom. Pl./Abs.)
bālam aprāptayauvanam
das Kind, das die Jugend nicht erreicht hat (Akk. Sg., Bahuvrīhi)
kulasarvasvabhūtaṃ vai
das zum Ein und Alles der Familie geworden war (Akk. Sg.)
rudantaḥ śokavihvalāḥ
weinend, von Kummer verstört (Part. Präs./Nom. Pl.)

bālaṃ mṛtaṃ gṛhītvātha śmaśānābhimukhāḥ sthitāḥ; aṅkenāṅkaṃ ca saṃkramya rurudur bhūtale tadā

Dann nahmen sie das tote Kind, standen dem Leichenfeld zugewandt da, reichten es von Schoß zu Schoß weiter und weinten dort auf der Erde.

Wort für Wort
bālaṃ mṛtaṃ gṛhītvā atha
das tote Kind nehmend, dann (Akk./Abs.)
śmaśānābhimukhāḥ sthitāḥ
dem Leichenfeld zugewandt standen sie (Nom. Pl./Part. Perf.)
aṅkena aṅkaṃ ca saṃkramya
von Schoß zu Schoß übergehend [es weiterreichend] (Instr./Akk./Abs.)
rurudur bhūtale tadā
sie weinten auf dem Erdboden da (Perf. 3.Pl./Lok.)

śocantas tasya pūrvoktān bhāṣitāṃś cāsakṛt punaḥ; taṃ bālaṃ bhūtale kṣipya pratigantuṃ na śaknuyuḥ

Sie klagten immer wieder um das, was er früher gesagt hatte; sie legten das Kind auf die Erde nieder und vermochten doch nicht heimzukehren.

Wort für Wort
śocantaḥ tasya pūrvoktān bhāṣitān ca asakṛt punaḥ
trauernd um seine früher gesprochenen Äußerungen, immer wieder (Part. Präs./Akk. Pl.)
taṃ bālaṃ bhūtale kṣipya
dieses Kind auf den Boden legend (Abs.)
pratigantuṃ na śaknuyuḥ
konnten nicht zurückgehen (Inf./Opt. 3.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

teṣāṃ ruditaśabdena gṛdhro 'bhyetya vaco 'bravīt; ekātmakam imaṃ loke tyaktvā gacchata māciram

Beim Klang ihres Weinens kam ein Geier herbei und sprach: „Lasst diesen Einzigen in der Welt zurück und geht ohne Zögern!“

Wort für Wort
teṣāṃ ruditaśabdena
durch den Laut ihres Weinens (Gen. Pl./Instr.)
gṛdhraḥ abhyetya vacaḥ abravīt
ein Geier, herbeikommend, sprach die Rede (Nom./Abs./Impf.)
ekātmakam imaṃ loke
diesen einen [Sohn] in der Welt (Akk./Lok.)
tyaktvā gacchata māciram
nachdem ihr ihn verlassen habt, geht, nicht lange zögernd (Abs./Imp. 2.Pl.)

ekātmaka: Bedeutung unsicher (etwa „einzig“ oder „für sich allein bestehend“) [?].

iha puṃsāṃ sahasrāṇi strīsahasrāṇi caiva hi; samānītāni kālena kiṃ te vai jātv abāndhavāḥ

„Hier sind im Lauf der Zeit Tausende von Männern und Tausende von Frauen zusammengebracht worden. Was, waren die etwa jemals ohne Verwandte?“

Wort für Wort
iha puṃsāṃ sahasrāṇi
hier Tausende von Männern (Gen. Pl./Nom. Pl.)
strīsahasrāṇi ca eva hi
und Tausende von Frauen (Nom. Pl.)
samānītāni kālena
zusammengeführt durch die Zeit (Part. Perf. Pass./Instr.)
kiṃ te vai jātv abāndhavāḥ
waren diese etwa je ohne Verwandte? (Fragepartikel/Nom. Pl.)

saṃpaśyata jagat sarvaṃ sukhaduḥkhair adhiṣṭhitam; saṃyogo viprayogaś ca paryāyeṇopalabhyate

„Seht, die ganze Welt ist von Glück und Leid beherrscht; Vereinigung und Trennung werden abwechselnd erfahren.“

Wort für Wort
saṃpaśyata jagat sarvam
seht die ganze Welt (Imp. 2.Pl./Akk.)
sukhaduḥkhaiḥ adhiṣṭhitam
von Glück und Leid beherrscht (Instr. Pl./Part. Perf. Pass.)
saṃyogaḥ viprayogaḥ ca
Vereinigung und Trennung (Nom. Sg.)
paryāyeṇa upalabhyate
der Reihe nach wird erfahren (Instr./Präs. Pass.)

gṛhītvā ye ca gacchanti ye 'nuyānti ca tān mṛtān; te 'py āyuṣaḥ pramāṇena svena gacchanti jantavaḥ

„Auch die, die ihre Toten nehmen und fortgehen, und die, die den Toten folgen: Auch diese Wesen gehen nach dem Maß ihrer eigenen Lebenszeit.“

Wort für Wort
gṛhītvā ye ca gacchanti
und die, die [sie] nehmen und gehen (Abs./Rel. Nom. Pl./Präs. 3.Pl.)
ye anuyānti ca tān mṛtān
und die, die jenen Toten folgen (Präs. 3.Pl./Akk. Pl.)
te api āyuṣaḥ pramāṇena svena
auch diese nach dem Maß der eigenen Lebenszeit (Gen./Instr.)
gacchanti jantavaḥ
gehen [sie], die Geschöpfe (Nom. Pl.)

alaṃ sthitvā śmaśāne 'smin gṛdhragomāyusaṃkule; kaṅkālabahule ghore sarvaprāṇibhayaṃkare

„Genug des Verweilens auf diesem Leichenfeld, das voller Geier und Schakale ist, reich an Gerippen, schrecklich, allen Lebewesen Furcht einflößend.“

Wort für Wort
alaṃ sthitvā
genug des Bleibens (Indekl. + Abs.)
śmaśāne asmin
auf diesem Leichenfeld (Lok. Sg.)
gṛdhragomāyusaṃkule
voll von Geiern und Schakalen (Lok., Tatpuruṣa)
kaṅkālabahule ghore
reich an Gerippen, schrecklich (Lok. Sg.)
sarvaprāṇibhayaṃkare
allen Lebewesen Furcht bringend (Lok. Sg.)

na punar jīvitaḥ kaś cit kāladharmam upāgataḥ; priyo vā yadi vā dveṣyaḥ prāṇināṃ gatir īdṛśī

„Niemand, der in den Zustand der Zeit [den Tod] eingegangen ist, ist je wieder lebendig geworden; ob lieb oder verhasst: Dies ist der Weg der Wesen.“

Wort für Wort
na punar jīvitaḥ kaḥ cit
niemand wurde wieder lebendig gemacht (Part. Kaus. Pass./Nom.)
kāladharmam upāgataḥ
der zum Gesetz der Zeit [Tod] gelangt ist (Akk./Part. Perf.)
priyaḥ vā yadi vā dveṣyaḥ
ob lieb oder verhasst (Nom. Sg.)
prāṇināṃ gatiḥ īdṛśī
der Weg der Lebewesen ist von solcher Art (Gen. Pl./Nom. Fem.)

sarveṇa khalu martavyaṃ martyaloke prasūyatā; kṛtāntavihite mārge ko mṛtaṃ jīvayiṣyati

„Jeder, der in der Welt der Sterblichen geboren wird, muss gewiss sterben. Auf dem vom Schicksal [Yama, dem Ende-Bewirker] bestimmten Weg: Wer wird da einen Toten wieder beleben?“

Wort für Wort
sarveṇa khalu martavyaṃ
von jedem muss gewiss gestorben werden (Instr./Gerundiv unpers.)
martyaloke prasūyatā
in der Welt der Sterblichen, von einem, der geboren wird (Lok./Part. Präs. Med. Instr.)
kṛtāntavihite mārge
auf dem vom Schicksal verfügten Weg (Lok. Sg.)
kaḥ mṛtaṃ jīvayiṣyati
wer wird einen Toten beleben? (Nom./Akk./Fut. Kaus.)

karmāntavihite loke cāstaṃ gacchati bhāskare; gamyatāṃ svam adhiṣṭhānaṃ sutasnehaṃ visṛjya vai

„Da die Welt durch das Ende der Tagewerke geordnet ist und die Sonne untergeht, geht heim in eure Wohnstatt und lasst die Liebe zum Sohn fahren.“

Wort für Wort
karmāntavihite loke ca
und da die Welt auf das Ende der Werke eingerichtet ist [?] (Lok. abs.)
astaṃ gacchati bhāskare
während die Sonne untergeht (Präs./Lok. abs.)
gamyatāṃ svam adhiṣṭhānaṃ
es werde gegangen zur eigenen Wohnstatt (Imp. Pass. unpers./Akk.)
sutasnehaṃ visṛjya vai
die Sohnesliebe aufgebend (Akk./Abs.)

karmānta-vihite: Sinn nicht ganz sicher.

tato gṛdhravacaḥ śrutvā vikrośantas tadā nṛpa; bāndhavās te 'bhyagacchanta putram utsṛjya bhūtale

Als sie die Worte des Geiers gehört hatten, gingen die Verwandten da, o König, laut klagend fort und ließen den Sohn auf der Erde zurück.

Wort für Wort
tataḥ gṛdhravacaḥ śrutvā
dann, nachdem sie des Geiers Rede gehört hatten (Abs.)
vikrośantaḥ tadā nṛpa
laut klagend da, o König (Part. Präs./Vok.)
bāndhavāḥ te abhyagacchanta
jene Verwandten gingen davon (Impf. Med. 3.Pl.)
putram utsṛjya bhūtale
den Sohn auf dem Boden lassend (Akk./Abs./Lok.)

niścitārthāś ca te sarve gamanaṃ prati bhārata

Sie alle waren zum Gehen entschlossen, o Bhārata.

Wort für Wort
niścitārthāḥ ca te sarve
und diese alle, mit gefasstem Entschluss (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
gamanaṃ prati
zum Gehen hin (Akk./Postp.)
bhārata
o Bhārata (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satz gehört syntaktisch zu 149.012.

viniścityātha ca tataḥ saṃtyajantaḥ svam ātmajam

Nachdem sie dann fest beschlossen hatten, ihren eigenen Sohn zu verlassen, [Anm.: Satz wird in Einheit 20 fortgesetzt]

Wort für Wort
viniścitya atha ca tataḥ
nachdem sie fest beschlossen hatten, und dann (Abs.)
saṃtyajantaḥ
verlassend (Part. Präs. Nom. Pl.)
svam ātmajam
den eigenen Sohn (Akk. Sg.)

Der Satz läuft in der folgenden Halbzeile (Einheit 20) weiter.

**** **** vikrośantas tatas tataḥ; mṛtam ity eva gacchanto nirāśās tasya darśane; nivartane kṛtadhiyaḥ

[Anm.: Lücke im Text] hierhin und dorthin laut klagend, gingen sie mit den Worten „tot“, ohne Hoffnung, ihn [wieder] zu sehen, [und waren] zur Umkehr entschlossen [?].

Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
vikrośantaḥ tataḥ tataḥ
laut klagend, hierhin und dorthin (Part. Präs./Adv.)
mṛtam iti eva gacchantaḥ
nur „tot“ [sagend] gehend (Part. Perf. Pass./Part. Präs.)
nirāśāḥ tasya darśane
ohne Hoffnung auf seinen Anblick (Nom. Pl./Lok.)
nivartane kṛtadhiyaḥ
zur Umkehr/im Umkehren entschlossen [?] (Lok./Nom. Pl. Bahuvrīhi)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Lücke; die Wendung nivartane kṛtadhiyaḥ passt schlecht zum Zusammenhang (man erwartet eher „zum Weggehen entschlossen“); Text vermutlich verderbt.

nirāśā jīvite tasya mārgam āruhya dhiṣṭhitāḥ

Ohne Hoffnung auf sein Leben betraten sie den Weg und blieben [dort] stehen.

Wort für Wort
nirāśāḥ jīvite tasya
ohne Hoffnung auf sein Leben (Nom. Pl./Lok.)
mārgam āruhya
den Weg betretend (Akk./Abs.)
dhiṣṭhitāḥ
sie standen/hielten [dort] (Part. Perf. Pass. = adhiṣṭhita) [?]

dhiṣṭhitāḥ vermutlich für adhiṣṭhitāḥ; Bedeutung leicht unsicher.

dhvāṅkṣābhrasamavarṇas tu bilān niḥsṛtya jambukaḥ; gacchamānān sma tān āha nirghṛṇāḥ khalu mānavāḥ

Ein Schakal, an Farbe einer Krähe oder einer [dunklen] Wolke gleich, kam aus seiner Höhle hervor und sprach zu den Gehenden: „Erbarmungslos sind wahrlich die Menschen!“

Wort für Wort
dhvāṅkṣābhrasamavarṇaḥ tu
krähen- und wolkenfarben aber (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
bilāt niḥsṛtya jambukaḥ
aus der Höhle hervorkommend, der Schakal (Abl./Abs./Nom.)
gacchamānān sma tān āha
sprach zu jenen Gehenden (Part. Präs. Med. Akk. Pl./Perf.)
nirghṛṇāḥ khalu mānavāḥ
erbarmungslos wahrlich sind die Menschen (Nom. Pl.)

ādityo 'yaṃ sthito mūḍhāḥ snehaṃ kuruta mā bhayam; bahurūpo muhūrtaś ca jīvetāpi kadā cana

„Die Sonne steht noch da, ihr Toren! Zeigt Zuneigung, keine Furcht. Ein Augenblick hat viele Gestalten, und vielleicht könnte er doch noch leben.“

Wort für Wort
ādityaḥ ayaṃ sthitaḥ mūḍhāḥ
diese Sonne steht [noch], ihr Toren (Nom./Part. Perf./Vok.)
snehaṃ kuruta mā bhayam
zeigt Zuneigung, nicht Furcht (Imp. 2.Pl./Prohibitiv)
bahurūpaḥ muhūrtaḥ ca
und vielgestaltig ist ein Augenblick (Nom. Sg.)
jīveta api kadā cana
er könnte auch irgendwann leben (Opt. 3.Sg.)

yūyaṃ bhūmau vinikṣipya putrasnehavinākṛtāḥ; śmaśāne putram utsṛjya kasmād gacchatha nirghṛṇāḥ

„Ihr habt das Kind auf die Erde gelegt, seid der Sohnesliebe beraubt: Warum geht ihr, Erbarmungslose, und lasst euren Sohn auf dem Leichenfeld zurück?“

Wort für Wort
yūyaṃ bhūmau vinikṣipya
ihr, auf die Erde niederlegend (Nom. Pl./Lok./Abs.)
putrasnehavinākṛtāḥ
der Sohnesliebe beraubt (Nom. Pl., Part. Perf. Pass.)
śmaśāne putram utsṛjya
auf dem Leichenfeld den Sohn zurücklassend (Lok./Akk./Abs.)
kasmāt gacchatha nirghṛṇāḥ
warum geht ihr, Erbarmungslose? (Präs. 2.Pl./Vok.)

na vo 'sty asmin sute sneho bāle madhurabhāṣiṇi; yasya bhāṣitamātreṇa prasādam upagacchatha

„Ihr habt keine Zuneigung zu diesem Sohn, dem süß redenden Kind, bei dessen bloßem Sprechen ihr [euch] froh gestimmt fühltet.“

Wort für Wort
na vaḥ asti asmin sute snehaḥ
ihr habt keine Zuneigung zu diesem Sohn (Gen./Dat. Pl./Lok. Sg.)
bāle madhurabhāṣiṇi
zu dem Kind, dem süß Redenden (Lok. Sg.)
yasya bhāṣitamātreṇa
durch dessen bloßes Sprechen (Gen./Instr.)
prasādam upagacchatha
ihr gerietet in heitere Zufriedenheit (Akk./Präs. 2.Pl.)

na paśyatha sutasnehaṃ yādṛśaḥ paśupakṣiṇām; na yeṣāṃ dhārayitvā tān kaś cid asti phalāgamaḥ

„Ihr seht nicht die Sohnesliebe, wie sie bei Tieren und Vögeln ist; sie haben doch keinerlei Gewinn davon, sie aufzuziehen.“

Wort für Wort
na paśyatha sutasnehaṃ
ihr seht die Sohnesliebe nicht (Präs. 2.Pl./Akk.)
yādṛśaḥ paśupakṣiṇām
wie sie ist bei Vieh und Vögeln (Nom./Gen. Pl.)
na yeṣāṃ dhārayitvā tān
bei denen, nachdem sie diese [Junge] unterhalten haben, nicht (Gen. Pl./Abs. Kaus.)
kaḥ cit asti phalāgamaḥ
irgendein Ertrag/Gewinn besteht (Nom.)

catuṣpāt pakṣikīṭānāṃ prāṇināṃ snehasaṅginām; paralokagatisthānāṃ muniyajñakriyā iva

„Vierfüßer, Vögel, Kerbtiere, Wesen, die an Zuneigung hängen, [sind] wie die Opferhandlungen der Weisen bei denen, die auf dem Weg zur jenseitigen Welt stehen [?].“

Wort für Wort
catuṣpāt pakṣikīṭānāṃ
der Vierfüßer, Vögel und Kerbtiere (Gen. Pl., Dvandva)
prāṇināṃ snehasaṅginām
der Wesen, die an Zuneigung haften (Gen. Pl.)
paralokagatisthānāṃ
derer, die im Zustand des Wegs zur jenseitigen Welt stehen [?] (Gen. Pl.)
muniyajñakriyāḥ iva
gleichsam Opferhandlungen der Weisen (Nom. Pl.)

Der Vers ist syntaktisch unvollständig und im Sinn dunkel; vermutlich verderbt.

teṣāṃ putrābhirāmāṇām iha loke paratra ca; na guṇo dṛśyate kaś cit prajāḥ saṃdhārayanti ca

„Bei diesen, die sich an ihren Söhnen erfreuen, ist weder in dieser Welt noch in der jenseitigen irgendein Vorteil zu sehen, und dennoch erhalten sie die Nachkommenschaft.“

Wort für Wort
teṣāṃ putrābhirāmāṇām
bei diesen, die an Söhnen Freude haben (Gen. Pl.)
iha loke paratra ca
in dieser Welt und im Jenseits (Lok. Sg./Adv.)
na guṇaḥ dṛśyate kaḥ cit
kein Vorzug ist zu sehen (Nom./Präs. Pass.)
prajāḥ saṃdhārayanti ca
und doch erhalten sie die Nachkommen (Akk. Pl./Präs. 3.Pl.)

apaśyatāṃ priyān putrān naiṣāṃ śoko 'nutiṣṭhati; na ca puṣṇanti saṃvṛddhās te mātāpitarau kva cit

„Sehen sie ihre lieben Söhne nicht mehr, folgt ihnen keine Trauer nach; und herangewachsen ernähren jene ihre Eltern nirgends.“

Wort für Wort
apaśyatāṃ priyān putrān
bei denen, die die lieben Söhne nicht sehen (Gen. Pl. Part. Präs./Akk. Pl.)
na eṣāṃ śokaḥ anutiṣṭhati
diesen folgt keine Trauer (Nom./Präs.)
na ca puṣṇanti saṃvṛddhāḥ
und herangewachsen ernähren sie nicht (Präs. 3.Pl./Part. Perf. Pass.)
te mātāpitarau kva cit
jene die Eltern irgendwo (Nom./Akk. Du.)

mānuṣāṇāṃ kutaḥ sneho yeṣāṃ śoko bhaviṣyati; imaṃ kulakaraṃ putraṃ kathaṃ tyaktvā gamiṣyatha

„Wie soll bei den Menschen, denen Trauer bevorsteht, Liebe sein? Diesen Sohn, der das Geschlecht begründet: Wie wollt ihr ihn verlassen und gehen?“

Wort für Wort
mānuṣāṇāṃ kutaḥ snehaḥ
bei Menschen: woher [soll] Liebe [kommen]? (Gen. Pl./Nom.)
yeṣāṃ śokaḥ bhaviṣyati
denen Trauer sein wird (Gen./Fut.)
imaṃ kulakaraṃ putraṃ
diesen Sohn, den Geschlechtsbegründer (Akk. Sg.)
kathaṃ tyaktvā gamiṣyatha
wie wollt ihr ihn verlassen und gehen? (Abs./Fut. 2.Pl.)

ciraṃ muñcata bāṣpaṃ ca ciraṃ snehena paśyata; evaṃvidhāni hīṣṭāni dustyajāni viśeṣataḥ

„Vergießt lange Tränen, betrachtet ihn lange voller Liebe. Solche Lieben sind ja besonders schwer aufzugeben.“

Wort für Wort
ciraṃ muñcata bāṣpaṃ ca
lange lasst Tränen fließen (Imp. 2.Pl./Akk.)
ciraṃ snehena paśyata
lange schaut ihn mit Liebe an (Imp. 2.Pl.)
evaṃvidhāni hi iṣṭāni
denn derartige Geliebte (Nom. Pl. Neutr.)
dustyajāni viśeṣataḥ
sind besonders schwer aufzugeben (Adv.)

kṣīṇasyāthābhiyuktasya śmaśānābhimukhasya ca; bāndhavā yatra tiṣṭhanti tatrānyo nāvatiṣṭhate

„Wo bei einem Ausgezehrten, Bedrängten, dem Leichenfeld Zugewandten die Verwandten stehen, dort bleibt kein anderer stehen.“

Wort für Wort
kṣīṇasya atha abhiyuktasya
bei einem Geschwächten und dann Bedrängten (Gen. Sg.)
śmaśānābhimukhasya ca
und dem Leichenfeld Zugewandten (Gen. Sg.)
bāndhavāḥ yatra tiṣṭhanti
wo die Verwandten stehen (Nom./Rel. Adv./Präs.)
tatra anyaḥ na avatiṣṭhate
dort bleibt kein anderer (Adv./Präs. Med.)

sarvasya dayitāḥ prāṇāḥ sarvaḥ snehaṃ ca vindati; tiryagyoniṣv api satāṃ snehaṃ paśyata yādṛśam

„Allen sind ihre Lebenshauche lieb, jeder empfindet Zuneigung. Seht, wie groß auch bei den Guten unter den Tierwesen die Zuneigung ist!“

Wort für Wort
sarvasya dayitāḥ prāṇāḥ
jedem sind die Lebenshauche lieb (Gen. Sg./Nom. Pl.)
sarvaḥ snehaṃ ca vindati
und jeder findet/empfindet Zuneigung (Präs. 3.Sg.)
tiryagyoniṣu api satām
auch bei den Tierschößen, bei den Guten (Lok. Pl./Gen. Pl.)
snehaṃ paśyata yādṛśam
seht die Zuneigung, wie sie ist (Imp. 2.Pl./Akk.)

tyaktvā kathaṃ gacchethemaṃ padmalolāyatākṣakam; yathā navodvāhakṛtaṃ snānamālyavibhūṣitam

„Wie könnt ihr ihn verlassen und gehen, ihn mit den lotosgleichen, weiten, unruhig blickenden Augen, der geschmückt ist mit Bad und Girlanden wie einer bei einer neuen Hochzeit?“

Wort für Wort
tyaktvā kathaṃ gaccheta imaṃ
wie könntet ihr, nachdem ihr ihn verlassen habt, gehen, diesen (Abs./Opt. 2.Pl./Akk.)
padmalolāyatākṣakam
mit lotosgleichen, beweglichen, langen Augen (Akk. Sg., Bahuvrīhi)
yathā navodvāhakṛtaṃ
wie bei einer neu vollzogenen Hochzeit (Akk./Part. Perf. Pass.)
snānamālyavibhūṣitam
mit Bad und Girlande geschmückt (Akk. Sg., Part. Perf. Pass.)

Zweite Vershälfte in der Deutung unsicher.

bhīṣma uvāca; jambukasya vacaḥ śrutvā kṛpaṇaṃ paridevataḥ; nyavartanta tadā sarve śavārthaṃ te sma mānuṣāḥ

Bhīṣma sprach: Als jene Menschen die Worte des Schakals hörten, der jämmerlich klagte, kehrten sie alle um, um der Leiche willen.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
jambukasya vacaḥ śrutvā
des Schakals Rede hörend (Gen./Akk./Abs.)
kṛpaṇaṃ paridevataḥ
der jämmerlich klagte (Adv./Part. Präs. Gen.)
nyavartanta tadā sarve
da kehrten alle um (Impf. Med. 3.Pl.)
śavārthaṃ te sma mānuṣāḥ
jene Menschen um der Leiche willen (Adv./Nom. Pl.)

gṛdhra uvāca; aho dhik sunṛśaṃsena jambukenālpamedhasā; kṣudreṇoktā hīnasattvā mānuṣāḥ kiṃ nivartatha

Der Geier sprach: „Oh, pfui über den sehr grausamen Schakal von geringem Verstand! Von dem Niederträchtigen angesprochen, kehrt ihr um, ihr kraftlosen Menschen?“

Wort für Wort
gṛdhraḥ uvāca
der Geier sprach
aho dhik sunṛśaṃsena
oh, pfui über den sehr Grausamen (Interj./Instr.)
jambukena alpamedhasā
den Schakal von kleinem Verstand (Instr. Sg.)
kṣudreṇa uktāḥ hīnasattvāḥ
vom Niedrigen angesprochen, ihr Kraftlosen (Instr./Part. Perf. Pass./Nom. Pl.)
mānuṣāḥ kiṃ nivartatha
Menschen, kehrt ihr [deshalb] um? (Vok./Präs. 2.Pl.)

pañcabhūtaparityaktaṃ śūnyaṃ kāṣṭhatvam āgatam; kasmāc chocatha niśceṣṭam ātmānaṃ kiṃ na śocatha

„Von den fünf Elementen verlassen, leer, zu Holz geworden, regungslos: Warum betrauert ihr ihn? Um euch selbst aber trauert ihr nicht?“

Wort für Wort
pañcabhūtaparityaktaṃ
von den fünf Elementen verlassen (Akk. Sg., Part. Perf. Pass.)
śūnyaṃ kāṣṭhatvam āgatam
leer, zur Holzhaftigkeit gelangt (Akk./Part. Perf.)
kasmāt śocatha niśceṣṭam
warum trauert ihr um den Regungslosen? (Präs. 2.Pl./Akk.)
ātmānaṃ kiṃ na śocatha
um euch selbst, trauert ihr nicht? (Akk./Präs. 2.Pl.)

tapaḥ kuruta vai tīvraṃ mucyadhvaṃ yena kilbiṣāt; tapasā labhyate sarvaṃ vilāpaḥ kiṃ kariṣyati

„Übt heftige Askese, durch die ihr von der Sünde befreit werdet. Durch Askese wird alles erlangt; was wird Klagen bewirken?“

Wort für Wort
tapaḥ kuruta vai tīvraṃ
übt wahrlich heftige Askese (Imp. 2.Pl.)
mucyadhvaṃ yena kilbiṣāt
wodurch ihr von der Sünde frei werdet (Präs. Pass. 2.Pl./Abl.)
tapasā labhyate sarvam
durch Askese wird alles erlangt (Instr./Präs. Pass.)
vilāpaḥ kiṃ kariṣyati
was wird das Jammern bewirken? (Fut. 3.Sg.)

aniṣṭāni ca bhāgyāni jānīta saha mūrtibhiḥ; yena gacchati loko 'yaṃ dattvā śokam anantakam

„Erkennt die unerwünschten Geschicke samt ihren Gestalten [?], durch die diese Welt dahingeht und endloses Leid bereitet.“

Wort für Wort
aniṣṭāni ca bhāgyāni
und unerwünschte Geschicke (Akk. Pl.)
jānīta saha mūrtibhiḥ
erkennt sie samt den Gestalten [?] (Imp. 2.Pl./Instr. Pl.)
yena gacchati lokaḥ ayaṃ
wodurch diese Welt dahingeht (Instr./Präs.)
dattvā śokam anantakam
indem sie endlose Trauer gibt (Abs./Akk.)

Erste Vershälfte im Sinn unsicher.

dhanaṃ gāś ca suvarṇaṃ ca maṇiratnam athāpi ca; apatyaṃ ca tapomūlaṃ tapoyogāc ca labhyate

„Reichtum, Kühe, Gold, Juwelen und Edelsteine, auch Nachkommenschaft haben die Askese zur Wurzel und werden durch Verbindung mit Askese erlangt.“

Wort für Wort
dhanaṃ gāḥ ca suvarṇaṃ ca
Reichtum, Kühe und Gold (Nom. Sg./Pl.)
maṇiratnam athā api ca
Edelstein und Juwel und auch (Nom.)
apatyaṃ ca tapomūlaṃ
und Nachkommenschaft, die Askese als Wurzel hat (Nom., Bahuvrīhi)
tapoyogāt ca labhyate
und durch Verbindung mit Askese wird erlangt (Abl./Präs. Pass.)

yathākṛtā ca bhūteṣu prāpyate sukhaduḥkhatā; gṛhītvā jāyate jantur duḥkhāni ca sukhāni ca

„Wie es unter den Wesen [durch früheres Tun] bewirkt wurde, so wird Glück und Leid zuteil; das Wesen wird geboren und nimmt Leiden und Freuden mit sich.“

Wort für Wort
yathākṛtā ca bhūteṣu
und wie unter den Wesen bewirkt (Nom. Fem./Lok. Pl.)
prāpyate sukhaduḥkhatā
wird Glücks- und Leidhaftigkeit erlangt (Präs. Pass.)
gṛhītvā jāyate jantuḥ
[sie] mit sich nehmend wird das Wesen geboren (Abs./Präs. Pass.)
duḥkhāni ca sukhāni ca
Leiden und Freuden (Akk. Pl.)

na karmaṇā pituḥ putraḥ pitā vā putrakarmaṇā; mārgeṇānyena gacchanti tyaktvā sukṛtaduṣkṛte

„Weder der Sohn [geht] durch das Tun des Vaters noch der Vater durch das Tun des Sohnes; auf je anderem Weg gehen sie, indem sie [ihre] guten und schlechten Taten zurücklassen.“

Wort für Wort
na karmaṇā pituḥ putraḥ
nicht durch das Tun des Vaters der Sohn (Instr./Gen./Nom.)
pitā vā putrakarmaṇā
oder der Vater durch das Tun des Sohnes (Nom./Instr.)
mārgeṇa anyena gacchanti
auf einem anderen Weg gehen sie (Instr./Präs. 3.Pl.)
tyaktvā sukṛtaduṣkṛte
gute und schlechte Tat zurücklassend (Abs./Akk. Du.)

dharmaṃ carata yatnena tathādharmān nivartata; vartadhvaṃ ca yathākālaṃ daivateṣu dvijeṣu ca

„Übt Dharma mit Eifer, und wendet euch ebenso vom Adharma ab; und verhaltet euch zur rechten Zeit [recht] gegenüber Göttern und Zweimalgeborenen.“

Wort für Wort
dharmaṃ carata yatnena
übt Dharma mit Eifer (Imp. 2.Pl./Instr.)
tathā adharmāt nivartata
und ebenso wendet euch vom Adharma ab (Abl./Imp. 2.Pl.)
vartadhvaṃ ca yathākālaṃ
und verhaltet euch zur rechten Zeit (Imp. Med. 2.Pl./Adv.)
daivateṣu dvijeṣu ca
gegenüber Göttern und Zweimalgeborenen (Lok. Pl.)

śokaṃ tyajata dainyaṃ ca sutasnehān nivartata; tyajyatām ayam ākāśe tataḥ śīghraṃ nivartata

„Gebt Trauer und Verzagtheit auf, wendet euch von der Sohnesliebe ab. Er werde im Freien zurückgelassen, dann kehrt schnell um.“

Wort für Wort
śokaṃ tyajata dainyaṃ ca
gebt Trauer und Verzagtheit auf (Imp. 2.Pl./Akk.)
sutasnehāt nivartata
wendet euch ab von der Sohnesliebe (Abl./Imp. 2.Pl.)
tyajyatām ayam ākāśe
dieser werde unter freiem Himmel gelassen (Imp. Pass./Lok.)
tataḥ śīghraṃ nivartata
dann kehrt schnell um (Adv./Imp. 2.Pl.)

yat karoti śubhaṃ karma tathādharmaṃ sudāruṇam; tat kartaiva samaśnāti bāndhavānāṃ kim atra hi

„Was einer an guter Tat tut und ebenso an sehr schrecklichem Adharma, das genießt der Täter allein. Was haben die Verwandten damit zu tun?“

Wort für Wort
yat karoti śubhaṃ karma
was einer an guter Tat tut (Präs. 3.Sg./Akk.)
tathā adharmaṃ sudāruṇam
und ebenso sehr schrecklichen Adharma (Akk.)
tat kartā eva samaśnāti
das genießt der Täter selbst (Nom. Agent/Präs. 3.Sg.)
bāndhavānāṃ kim atra hi
was [geht] hier die Verwandten [an]? (Gen. Pl.)

iha tyaktvā na tiṣṭhanti bāndhavā bāndhavaṃ priyam; sneham utsṛjya gacchanti bāṣpapūrṇāvilekṣaṇāḥ

„Hier lassen die Verwandten den lieben Verwandten zurück und bleiben nicht; die Liebe aufgebend gehen sie, die Augen tränenerfüllt und getrübt.“

Wort für Wort
iha tyaktvā na tiṣṭhanti
hier, nachdem sie [ihn] verlassen haben, bleiben sie nicht (Abs./Präs. 3.Pl.)
bāndhavāḥ bāndhavaṃ priyam
die Verwandten den lieben Verwandten (Nom. Pl./Akk. Sg.)
sneham utsṛjya gacchanti
die Liebe aufgebend gehen sie (Akk./Abs./Präs.)
bāṣpapūrṇāvilekṣaṇāḥ
mit tränenvollen, getrübten Augen (Nom. Pl., Bahuvrīhi)

prājño vā yadi vā mūrkhaḥ sadhano nirdhano 'pi vā; sarvaḥ kālavaśaṃ yāti śubhāśubhasamanvitaḥ

Ob weise oder töricht, ob reich oder auch arm – jeder gerät unter die Gewalt der Zeit, versehen mit Gutem und Schlechtem [seiner Taten].

Wort für Wort
prājño vā yadi vā mūrkhaḥ
ob ein Weiser oder ein Tor (Nom.Sg.m.)
sadhano nirdhano 'pi vā
mit Besitz oder auch ohne Besitz (Nom.Sg.m.)
sarvaḥ
jeder (Nom.Sg.m.)
kālavaśaṃ yāti
geht in die Gewalt der Zeit (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
śubhāśubhasamanvitaḥ
mit Gutem und Schlechtem verbunden (Nom.Sg.m.; Kompositum)

kiṃ kariṣyatha śocitvā mṛtaṃ kim anuśocatha; sarvasya hi prabhuḥ kālo dharmataḥ samadarśanaḥ

Was werdet ihr tun, indem ihr klagt? Was betrauert ihr den Toten? Denn über alle ist die Zeit der Herr, die dem Recht gemäß alle gleich ansieht.

Wort für Wort
kiṃ kariṣyatha śocitvā
was werdet ihr tun, nachdem ihr getrauert habt (2.Pl.Fut.; Gerundium)
mṛtaṃ kim anuśocatha
was betrauert ihr den Toten (Akk.Sg.m.; 2.Pl.Präs.)
sarvasya hi prabhuḥ kālaḥ
denn von allem/allen ist die Zeit der Herr (Gen.Sg.; Nom.Sg.m.)
dharmataḥ samadarśanaḥ
dem Recht gemäß gleich blickend (Abl.-Adv.; Nom.Sg.m.)

yauvanasthāṃś ca bālāṃś ca vṛddhān garbhagatān api; sarvān āviśate mṛtyur evaṃbhūtam idaṃ jagat

Junge Männer und Kinder und Greise, ja selbst die im Mutterleib [Befindlichen] – alle ergreift der Tod; so beschaffen ist diese Welt.

Wort für Wort
yauvanasthāṃś ca bālāṃś ca
und die im Jugendalter Stehenden und die Kinder (Akk.Pl.m.)
vṛddhān garbhagatān api
Greise, auch die in den Mutterleib Gegangenen (Akk.Pl.m.)
sarvān āviśate mṛtyuḥ
alle befällt/ergreift der Tod (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.; Nom.Sg.m.)
evaṃbhūtam idaṃ jagat
so beschaffen [ist] diese Welt (Nom.Sg.n.)

jambuka uvāca; aho mandīkṛtaḥ sneho gṛdhreṇehālpamedhasā; putrasnehābhibhūtānāṃ yuṣmākaṃ śocatāṃ bhṛśam

Jambuka sprach: „Ach, gering gemacht wurde die Zuneigung vom Geier hier, dem Kleingeistigen, bei euch, die ihr, von Sohnesliebe überwältigt, heftig trauert – [gering gemacht] …

Wort für Wort
jambuka uvāca
Jambuka sprach (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Perf.)
aho mandīkṛtaḥ sneho
ach, gering/schwach gemacht die Zuneigung (Nom.Sg.m.; PPP)
gṛdhreṇehālpamedhasā
vom Geier hier, dem Kleingeistigen (Instr.Sg.m.)
putrasnehābhibhūtānāṃ yuṣmākam
bei euch, von Sohnesliebe Überwältigten (Gen.Pl.)
śocatāṃ bhṛśam
die ihr heftig trauert (Gen.Pl.Part.Präs.; Adv.)

Der Satz setzt sich in n=50 und n=52 fort (Instrumental vacanaiḥ … ; yad gacchatha).

samaiḥ samyak prayuktaiś ca vacanaiḥ praśrayottaraiḥ

… durch gleichmäßige, wohl angewandte, von Ehrerbietung durchzogene Worte,

Wort für Wort
samaiḥ samyak prayuktaiś ca
durch gleichmäßige und richtig angewandte [Worte] (Instr.Pl.n.; PPP)
vacanaiḥ praśrayottaraiḥ
durch Worte, in denen Ehrerbietung überwiegt (Instr.Pl.n.; Bahuvrīhi)

sarvam etat prapadyāśu kurutāṃ mā vicāraya

Nehmt dies alles rasch an [?]; sie sollen [es] tun [?] – zögert nicht [?].

Wort für Wort
sarvam etat
dies alles (Akk.Sg.n.)
prapadyāśu
nachdem ihr angenommen habt / nehmt an, rasch (Gerundium; Adv.)
kurutāṃ
sie sollen tun (3.Pl./3.Sg.Imp.Med.) [?]
mā vicāraya
zögere/überlege nicht (2.Sg.Imp.Kaus.; Prohibitiv)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, syntaktisch unklar (Person und Numerus von kurutām und vicāraya uneinheitlich); Wiedergabe unsicher.

yad gacchatha jalasthāyaṃ sneham utsṛjya dustyajam

… dass ihr [nun] geht, zu dem am Wasser Weilenden [?], die schwer aufzugebende Zuneigung aufgebend.

Wort für Wort
yad gacchatha
dass ihr geht (2.Pl.Präs.)
jalasthāyaṃ
zum am Wasser befindlichen [Ort]/Wesen [?] (Akk.Sg.)
sneham utsṛjya
die Zuneigung aufgebend (Akk.Sg.m.; Gerundium)
dustyajam
schwer aufzugebende (Akk.Sg.m.)

jalasthāyam ist unklar (ggf. verderbt: ‚am Wasser Gelegenes/Wasserplatz‘).

aho putraviyogena mṛtaśūnyopasevanāt; krośatāṃ vai bhṛśaṃ duḥkhaṃ vivatsānāṃ gavām iva

Ach, [das ist] Leid durch die Trennung vom Sohn und durch das Verweilen bei dem Toten, dem Leeren: [ihr] Schreienden [habt] heftiges Leid, wie Kühe, die ihres Kalbes beraubt sind.

Wort für Wort
aho putraviyogena
ach, durch Trennung vom Sohn (Instr.Sg.m.)
mṛtaśūnyopasevanāt
durch das Aufwarten bei dem Toten und Leeren (Abl.Sg.n.; Kompositum)
krośatāṃ vai bhṛśaṃ duḥkham
für die Schreienden wahrlich heftiges Leid (Gen.Pl.Part.; Nom.Sg.n.)
vivatsānāṃ gavām iva
wie bei kalblosen Kühen (Gen.Pl.f.)

adya śokaṃ vijānāmi mānuṣāṇāṃ mahītale; snehaṃ hi karuṇaṃ dṛṣṭvā mamāpy aśrūṇy athāgaman

Heute erkenne ich den Kummer der Menschen auf Erden; denn als ich die Zuneigung, die jammervolle, sah, kamen auch mir Tränen.

Wort für Wort
adya śokaṃ vijānāmi
heute erkenne ich den Kummer (1.Sg.Präs.)
mānuṣāṇāṃ mahītale
der Menschen auf der Erdoberfläche (Gen.Pl.; Lok.Sg.n.)
snehaṃ hi karuṇaṃ dṛṣṭvā
denn nachdem ich die Zuneigung, die jammervolle, gesehen (Akk.Sg.m.; Gerundium)
mamāpy aśrūṇy athāgaman
auch mir kamen dann Tränen (Gen./Dat.; Nom.Pl.n.; 3.Pl.Aor.)

yatno hi satataṃ kāryaḥ kṛto daivena sidhyati; daivaṃ puruṣakāraś ca kṛtāntenopapadyate

Man muss stets Anstrengung aufbringen; das Getane gelingt durch das Schicksal; das Schicksal und das Menschenwerk kommen durch den Vollender [das Schicksal/den Tod] zustande [?].

Wort für Wort
yatno hi satataṃ kāryaḥ
Anstrengung ist ja stets zu leisten (Nom.Sg.m.; Gerundiv)
kṛto daivena sidhyati
das Getane gelingt durch das Schicksal (Nom.Sg.m.; Instr.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
daivaṃ puruṣakāraś ca
Schicksal und Menschenwerk (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
kṛtāntenopapadyate
durch den Vollender/Endgeber kommt zustande (Instr.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Med.) [?]

anirvedaḥ sadā kāryo nirvedād dhi kutaḥ sukham; prayatnāt prāpyate hy arthaḥ kasmād gacchatha nirdayāḥ

Nicht verzagen soll man stets; woher [käme] aus Verzagen Glück? Durch Anstrengung wird ein Ziel erlangt; warum geht ihr, ihr Erbarmungslosen?

Wort für Wort
anirvedaḥ sadā kāryaḥ
Nicht-Verzagen ist stets zu üben (Nom.Sg.m.; Gerundiv)
nirvedād dhi kutaḥ sukham
denn woher Glück aus Verzagen (Abl.Sg.m.)
prayatnāt prāpyate hy arthaḥ
durch Anstrengung wird ja ein Ziel erlangt (Abl.Sg.m.; 3.Sg.Pass.)
kasmād gacchatha nirdayāḥ
warum geht ihr, Mitleidlose (2.Pl.Präs.; Vok.Pl.m.)

ātmamāṃsopavṛttaṃ ca śarīrārdhamayīṃ tanum; pitṝṇāṃ vaṃśakartāraṃ vane tyaktvā kva yāsyatha

Den aus dem eigenen Fleisch Hervorgegangenen, den Leib, der aus der Hälfte des [eigenen] Körpers besteht, den Fortsetzer der Linie der Väter – wohin wollt ihr gehen, wenn ihr ihn im Wald zurücklasst?

Wort für Wort
ātmamāṃsopavṛttaṃ ca
und den aus dem eigenen Fleisch Entstandenen (Akk.Sg.m.)
śarīrārdhamayīṃ tanum
den aus dem halben Körper bestehenden Leib (Akk.Sg.f.)
pitṝṇāṃ vaṃśakartāram
den Begründer/Fortsetzer der Linie der Väter (Gen.Pl.; Akk.Sg.m.)
vane tyaktvā
im Wald zurückgelassen habend (Lok.Sg.n.; Gerundium)
kva yāsyatha
wohin werdet ihr gehen (2.Pl.Fut.)

atha vāstaṃ gate sūrye saṃdhyākāla upasthite; tato neṣyatha vā putram ihasthā vā bhaviṣyatha

Oder aber: wenn die Sonne untergegangen und die Zeit der Abenddämmerung eingetreten ist, dann werdet ihr den Sohn [fort]führen, oder ihr werdet hier bleiben.

Wort für Wort
atha vāstaṃ gate sūrye
oder aber, wenn die Sonne untergegangen ist (Lok.abs.)
saṃdhyākāla upasthite
wenn die Zeit der Dämmerung eingetreten ist (Lok.abs.)
tato neṣyatha vā putram
dann werdet ihr entweder den Sohn führen (2.Pl.Fut.)
ihasthā vā bhaviṣyatha
oder hier verweilend sein (Nom.Pl.m.; 2.Pl.Fut.)

śrībhīṣmaḥ; jambukasya vacaḥ śrutvā gṛdhro rājan yad abravīt; tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi tvam ihaikamanāḥ śṛṇu

Śrī Bhīṣma [sprach]: „Nachdem er Jambukas Rede gehört hatte, o König – was der Geier sagte, das werde ich dir berichten; höre du hier mit gesammeltem Sinn zu.“

Wort für Wort
śrībhīṣmaḥ
der ehrwürdige Bhīṣma [sprach] (Nom.Sg.m.)
jambukasya vacaḥ śrutvā
Jambukas Rede gehört habend (Gen.Sg.; Gerundium)
gṛdhro rājan yad abravīt
was der Geier sagte, o König (Vok.Sg.; 3.Sg.Impf.)
tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi
das werde ich dir verkünden (1.Sg.Fut.)
tvam ihaikamanāḥ śṛṇu
du höre hier einsgerichteten Sinnes (Nom.Sg.m.; 2.Sg.Imp.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

gṛdhra uvāca; adya varṣasahasraṃ me sāgraṃ jātasya mānuṣāḥ; na ca paśyāmi jīvantaṃ mṛtaṃ strīpuṃnapuṃsakam

Der Geier sprach: „Heute ist mir, dem Geborenen, ein volles Jahrtausend [vergangen], ihr Menschen; und ich sehe keinen Toten wieder lebend, weder Frau noch Mann noch Zwitter.“

Wort für Wort
gṛdhra uvāca
der Geier sprach (Nom.Sg.m.)
adya varṣasahasraṃ me sāgraṃ jātasya
heute ein Jahrtausend, volles, für mich, den Geborenen (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.)
mānuṣāḥ
ihr Menschen (Vok.Pl.)
na ca paśyāmi jīvantaṃ mṛtam
und ich sehe keinen Toten lebend (1.Sg.Präs.; Akk.Sg.m.)
strīpuṃnapuṃsakam
Frau, Mann oder Zwitter (Akk.Sg.; Dvandva)

mṛtā garbheṣu jāyante mriyante jātamātrakāḥ; vikramanto mriyante ca yauvanasthās tathāpare

Tote werden in den Mutterleibern geboren; kaum geboren, sterben sie; [manche] sterben, während sie sich tapfer regen, und andere ebenso im Jugendalter.

Wort für Wort
mṛtā garbheṣu jāyante
Tote werden in Mutterleibern geboren (Nom.Pl.m.; Lok.Pl.; 3.Pl.Präs.)
mriyante jātamātrakāḥ
sie sterben, kaum geboren (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
vikramanto mriyante ca
und sie sterben, während sie voranstreben (Nom.Pl.Part.)
yauvanasthās tathāpare
ebenso andere im Jugendalter Stehende (Nom.Pl.m.)

anityānīha bhāgyāni catuṣpāt pakṣiṇām api; jaṅgamājaṅgamānāṃ cāpy āyur agre 'vatiṣṭhate

Unbeständig sind hier die [Glücks-]Lose, auch bei Vierfüßlern und Vögeln; bei Beweglichem und Unbeweglichem steht die Lebensdauer voran [?].

Wort für Wort
anityānīha bhāgyāni
unbeständig hier die Lose/Geschicke (Nom.Pl.n.)
catuṣpāt pakṣiṇām api
auch bei Vierfüßlern [und] Vögeln (Gen.Pl.)
jaṅgamājaṅgamānāṃ cāpi
auch bei Beweglichen und Unbeweglichen (Gen.Pl.)
āyur agre 'vatiṣṭhate
die Lebensspanne steht voran/an der Spitze (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)

agre 'vatiṣṭhate: ‚steht voran / bleibt maßgebend‘, Sinn nicht ganz sicher.

iṣṭadāraviyuktāś ca putraśokānvitās tathā; dahyamānāḥ sma śokena gṛhaṃ gacchanti nityadā

Von den geliebten Gattinnen getrennt und ebenso von Sohnesgram erfüllt, von Kummer verbrannt, gehen sie stets nach Hause.

Wort für Wort
iṣṭadāraviyuktāś ca
und von geliebten Gattinnen getrennt (Nom.Pl.m.)
putraśokānvitās tathā
und ebenso mit Sohneskummer behaftet (Nom.Pl.m.)
dahyamānāḥ sma śokena
vom Kummer verbrannt werdend (Nom.Pl.Part.Pass.; Instr.Sg.)
gṛhaṃ gacchanti nityadā
gehen nach Hause allezeit (3.Pl.Präs.; Adv.)

aniṣṭānāṃ sahasrāṇi tatheṣṭānāṃ śatāni ca; utsṛjyeha prayātā vai bāndhavā bhṛśaduḥkhitāḥ

Tausende Ungeliebter und Hunderte Geliebter zurücklassend, sind die Verwandten hier fortgezogen, schwer bekümmert.

Wort für Wort
aniṣṭānāṃ sahasrāṇi
Tausende von Unerwünschten (Gen.Pl.; Nom.Pl.n.)
tatheṣṭānāṃ śatāni ca
und ebenso Hunderte von Gewünschten (Gen.Pl.)
utsṛjyeha prayātā vai
hier zurückgelassen habend, fortgegangen (Gerundium; PPP Nom.Pl.m.)
bāndhavā bhṛśaduḥkhitāḥ
die Verwandten, heftig betrübt (Nom.Pl.m.)

tyajyatām eṣa nistejāḥ śūnyaḥ kāṣṭhatvam āgataḥ; anyadehaviṣakto hi śāvaṃ kāṣṭham upāsate

Lasst diesen fahren, der glanzlos [und] leer zu einem Stück Holz geworden ist; denn an einen anderen Leib Gebundene warten [nur] einem Leichenholz auf [?].

Wort für Wort
tyajyatām eṣa
er möge verlassen werden, dieser (3.Sg.Imp.Pass.; Nom.Sg.m.)
nistejāḥ śūnyaḥ
glanzlos, leer (Nom.Sg.m.)
kāṣṭhatvam āgataḥ
zur Holzheit gelangt (Akk.Sg.n.; PPP)
anyadehaviṣakto hi
denn an einem anderen Leib haftend (Nom.Sg.m.)
śāvaṃ kāṣṭham upāsate
ein Leichenholz verehren/warten auf (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Präs.Med.)

Zweite Vershälfte syntaktisch schwierig (anyadehaviṣakta ambig.); Wiedergabe unsicher.

bhrāntajīvasya vai bāṣpaṃ kasmād dhitvā na gacchatha; nirarthako hy ayaṃ sneho nirarthaś ca parigrahaḥ

Warum geht ihr nicht, die Tränen um den, dessen Leben abgeirrt [entwichen] ist, hinter euch lassend [?]? Nutzlos ist diese Zuneigung, und nutzlos ist das Festhalten.

Wort für Wort
bhrāntajīvasya vai bāṣpam
Träne um den, dessen Leben verirrt/entwichen ist (Gen.Sg.m.; Akk.Sg.m.) [?]
kasmād dhitvā na gacchatha
warum geht ihr nicht, nachdem ihr [sie] gelassen habt (Gerundium; 2.Pl.Präs.)
nirarthako hy ayaṃ sneho
nutzlos ist diese Zuneigung (Nom.Sg.m.)
nirarthaś ca parigrahaḥ
und nutzlos das Festhalten (Nom.Sg.m.)

bhrāntajīvasya und die Konstruktion bāṣpaṃ … hitvā sind unsicher.

na cakṣurbhyāṃ na karṇābhyāṃ saṃśṛṇoti samīkṣate; tasmād enaṃ samutsṛjya svagṛhān gacchatāśu vai

Weder mit den Augen noch mit den Ohren nimmt er wahr oder sieht er; darum, ihn zurücklassend, geht rasch in eure Häuser.

Wort für Wort
na cakṣurbhyāṃ na karṇābhyāṃ
nicht mit den Augen, nicht mit den Ohren (Instr.Du.)
saṃśṛṇoti samīkṣate
er hört, er sieht (3.Sg.Präs.; 3.Sg.Präs.Med.)
tasmād enaṃ samutsṛjya
darum, ihn verlassen habend (Abl.; Akk.Sg.m.; Gerundium)
svagṛhān gacchatāśu vai
geht rasch in die eigenen Häuser (Akk.Pl.; 2.Pl.Imp.)

mokṣadharmāśritair vākyair hetumadbhir aniṣṭhuraiḥ; mayoktā gacchata kṣipraṃ svaṃ svam eva niveśanam

Mit auf die Lehre von der Erlösung gestützten, begründeten, nicht harten Worten wurdet ihr von mir angesprochen: Geht rasch, jeder in sein eigenes Haus.

Wort für Wort
mokṣadharmāśritair vākyair
mit auf die Erlösungslehre gestützten Worten (Instr.Pl.n.)
hetumadbhir aniṣṭhuraiḥ
begründeten, nicht harten (Instr.Pl.n.)
mayoktā gacchata kṣipram
von mir angesprochen: geht schnell (Instr.Sg.; PPP Nom.Pl.m.; 2.Pl.Imp.)
svaṃ svam eva niveśanam
jeder in seine eigene Wohnstätte (Akk.Sg.n.)

prajñāvijñānayuktena buddhisaṃjñāpradāyinā; vacanaṃ śrāvitā rūkṣaṃ mānuṣāḥ saṃnivartata

Von mir, der ich mit Einsicht und Erkenntnis begabt bin und dem Verstand Belehrung gebe, wurde euch ein rauhes Wort zu Gehör gebracht; ihr Menschen, kehrt um.

Wort für Wort
prajñāvijñānayuktena
von dem mit Einsicht und Erkenntnis Verbundenen (Instr.Sg.m.)
buddhisaṃjñāpradāyinā
dem den Verstand Verständigung/Bewusstsein Gebenden (Instr.Sg.m.)
vacanaṃ śrāvitā rūkṣam
ein Wort, rauh, wurde [euch] hören gemacht (Akk.Sg.n.; PPP Kaus. Nom.Pl.m.)
mānuṣāḥ saṃnivartata
ihr Menschen, kehrt um (Vok.Pl.; 2.Pl.Imp.)

śrāvitā(ḥ) grammatisch ungewöhnlich (‚ihr seid hören gemacht worden‘); Sinn klar.

śoko dviguṇatāṃ yāti dṛṣṭvā smṛtvā ca ceṣṭitam; ity etad vacanaṃ śrutvā saṃnivṛttās tu mānuṣāḥ; apaśyat taṃ tadā suptaṃ drutam āgatya jambukaḥ

Der Kummer wird doppelt, wenn man das Tun [des Toten] sieht und sich erinnert. Nachdem sie diese Rede gehört hatten, kehrten die Menschen um; da sah Jambuka, rasch herbeigekommen, ihn dort schlafend [daliegen].

Wort für Wort
śoko dviguṇatāṃ yāti
der Kummer geht in Verdopplung über (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
dṛṣṭvā smṛtvā ca ceṣṭitam
nach dem Sehen und Erinnern des Tuns (Gerundien; Akk.Sg.n.)
ity etad vacanaṃ śrutvā
so, diese Rede gehört habend (Gerundium)
saṃnivṛttās tu mānuṣāḥ
umgekehrt waren die Menschen (PPP Nom.Pl.m.)
apaśyat taṃ tadā suptaṃ
da sah er ihn schlafend (3.Sg.Impf.; PPP Akk.Sg.m.)
drutam āgatya jambukaḥ
eilig herbeigekommen, Jambuka (Gerundium; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚suptam‘ (‚schlafend‘) hier euphemistisch für den toten Knaben.

gṛdhrasya vacanaṃ śrutvā jambuko vākyam abravīt

Nachdem er die Rede des Geiers gehört hatte, sprach Jambuka [diese] Worte.

Wort für Wort
gṛdhrasya vacanaṃ śrutvā
des Geiers Rede gehört habend (Gen.Sg.; Gerundium)
jambuko vākyam abravīt
Jambuka sprach das Wort (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Impf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

jambuka uvāca; imaṃ kanakavarṇābhaṃ bhūṣaṇaiḥ samalaṃkṛtam; gṛdhravākyāt kathaṃ putraṃ tyajadhvaṃ pitṛpiṇḍadam

Jambuka sprach: „Diesen goldfarben Schimmernden, mit Schmuck wohl geschmückten Sohn, der [euch] die Ahnenklöße [Piṇḍa] darbringt – wie könnt ihr ihn auf das Wort des Geiers hin verlassen?“

Wort für Wort
jambuka uvāca
Jambuka sprach
imaṃ kanakavarṇābhaṃ
diesen goldfarben Schimmernden (Akk.Sg.m.)
bhūṣaṇaiḥ samalaṃkṛtam
mit Schmuckstücken wohl geschmückten (Instr.Pl.; PPP Akk.Sg.m.)
gṛdhravākyāt kathaṃ putraṃ
wie [könnt ihr] auf des Geiers Wort hin den Sohn (Abl.Sg.n.; Akk.Sg.m.)
tyajadhvaṃ pitṛpiṇḍadam
verlassen, den Geber der Ahnenklöße (2.Pl.Präs.Med.; Akk.Sg.m.)

na snehasya virodho 'sti vilāparuditasya vai; mṛtasyāsya parityāgāt tāpo vai bhavitā dhruvam

Es besteht kein Widerspruch zwischen Zuneigung und Wehklage und Weinen; durch das Verlassen dieses Toten wird sicherlich Qual entstehen.

Wort für Wort
na snehasya virodho 'sti
der Zuneigung gibt es keinen Widerspruch (Gen.Sg.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
vilāparuditasya vai
[mit] Wehklage und Weinen (Gen.Sg.n.)
mṛtasyāsya parityāgāt
durch das Verlassen dieses Toten (Gen.Sg.m.; Abl.Sg.m.)
tāpo vai bhavitā dhruvam
Qual wird gewiss entstehen (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Fut.; Adv.)

śrūyate śambuke śūdre hate brāhmaṇadārakaḥ; jīvito dharmam āsādya rāmāt satyaparākramāt

Man hört: Als der Śūdra Śambūka getötet war, wurde ein Brahmanenknabe wieder lebendig gemacht von Rāma, dem wahrhaft Tapferen, der [dabei] das Recht erlangte [?].

Wort für Wort
śrūyate śambuke śūdre hate
man hört: als Śambūka, der Śūdra, erschlagen war (3.Sg.Pass.; Lok.abs.)
brāhmaṇadārakaḥ
ein Brahmanenknabe (Nom.Sg.m.)
jīvito dharmam āsādya
ins Leben gebracht, Recht erlangt habend (PPP Kaus.; Gerundium)
rāmāt satyaparākramāt
von Rāma, dem wahrhaft Tapferen (Abl.Sg.m.)

dharmam āsādya (‚das Recht erreichend/auf das Recht stoßend‘) ist in der Beziehung unsicher.

tathā śvetasya rājarṣer bālo diṣṭāntam āgataḥ; śvo 'bhūte dharmanityena mṛtaḥ saṃjīvitaḥ punaḥ

Ebenso kam der Knabe des Königsweisen Śveta zum bestimmten Ende [Tod]; am folgenden Tag wurde der Gestorbene von dem stets im Recht Verharrenden wieder ins Leben gerufen [?].

Wort für Wort
tathā śvetasya rājarṣer
ebenso des Königsweisen Śveta (Gen.Sg.m.)
bālo diṣṭāntam āgataḥ
der Knabe, zum bestimmten Ende gelangt (Nom.Sg.m.; PPP)
śvo 'bhūte
als der folgende Tag geworden war (Lok.abs.) [?]
dharmanityena mṛtaḥ
von dem stets im Dharma [Verharrenden]; der Gestorbene (Instr.Sg.m.; PPP)
saṃjīvitaḥ punaḥ
wieder ins Leben gebracht (PPP Kaus.; Adv.)

tathā kaś cid bhavet siddho munir vā devatāpi vā; kṛpaṇānām anukrośaṃ kuryād vo rudatām iha

So könnte auch irgendein Vollendeter oder ein Weiser oder gar eine Gottheit mit euch hier Weinenden, den Jammernswerten, Mitleid haben.

Wort für Wort
tathā kaś cid bhavet siddho
ebenso könnte irgendein Vollendeter sein (3.Sg.Opt.; Nom.Sg.m.)
munir vā devatāpi vā
oder ein Weiser oder auch eine Gottheit
kṛpaṇānām anukrośaṃ
mit den Jammernswerten Mitleid (Gen.Pl.; Akk.Sg.m.)
kuryād vo rudatām iha
möge er üben, mit euch hier Weinenden (3.Sg.Opt.; Gen.Pl.Part.)

bhīṣma uvāca; ity uktāḥ saṃnyavartanta śokārtāḥ putravatsalāḥ; aṅke śiraḥ samādhāya rurudur bahuvistaram

Bhīṣma sprach: „So angesprochen, kehrten sie um, kummervoll, ihren Sohn liebend; den Kopf [des Knaben] in den Schoß gelegt, weinten sie sehr lange.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
ity uktāḥ saṃnyavartanta
so angesprochen kehrten sie um (PPP Nom.Pl.m.; 3.Pl.Impf.Med.)
śokārtāḥ putravatsalāḥ
von Kummer geplagt, den Sohn liebend (Nom.Pl.m.)
aṅke śiraḥ samādhāya
den Kopf auf den Schoß gelegt habend (Lok.Sg.; Gerundium)
rurudur bahuvistaram
weinten sehr ausgiebig (3.Pl.Perf.; Adv.)

teṣāṃ ruditaśabdena gṛdhro 'bhyetya vaco 'bravīt

Bei ihrem Weinlaut kam der Geier herbei und sprach [diese] Worte.

Wort für Wort
teṣāṃ ruditaśabdena
durch ihren Klageton (Gen.Pl.; Instr.Sg.m.)
gṛdhro 'bhyetya
der Geier, herangekommen (Nom.Sg.m.; Gerundium)
vaco 'bravīt
sprach ein Wort (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Impf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

gṛdhra uvāca; aśrupātapariklinnaḥ pāṇisparśanapīḍitaḥ; dharmarājaprayogāc ca dīrghāṃ nidrāṃ praveśitaḥ

Der Geier sprach: „[Er ist] von Tränenfall durchnässt, von der Berührung der Hände gequält und durch die Veranlassung des Dharmarāja in den langen Schlaf eingegangen.“

Wort für Wort
gṛdhra uvāca
der Geier sprach
aśrupātapariklinnaḥ
von Tränenfall durchnässt (Nom.Sg.m.)
pāṇisparśanapīḍitaḥ
von Berührung der Hände bedrängt (Nom.Sg.m.)
dharmarājaprayogāc ca
und durch das Wirken/die Veranlassung des Dharmarāja [Yama] (Abl.Sg.m.)
dīrghāṃ nidrāṃ praveśitaḥ
in den langen Schlaf hineingeführt (Akk.Sg.f.; PPP Kaus.)

tapasāpi hi saṃyukto na kāle nopahanyate; sarvasnehāvasānaṃ tad idaṃ tat pretapattanam

Selbst wer mit Askese verbunden ist, wird zu [seiner] Zeit gewiss nicht verschont; dies ist das Ende aller Zuneigung, dies die Totenstadt.

Wort für Wort
tapasāpi hi saṃyukto
auch mit Askese verbunden (Instr.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
na kāle nopahanyate
zur Zeit wird er nicht nicht getroffen [= wird getroffen] (Lok.Sg.; 3.Sg.Pass.)
sarvasnehāvasānaṃ tad idam
dies ist das Ende aller Zuneigung (Nom.Sg.n.)
tat pretapattanam
das ist die Stadt der Verstorbenen (Nom.Sg.n.)

bālavṛddhasahasrāṇi sadā saṃtyajya bāndhavāḥ; dināni caiva rātrīś ca duḥkhaṃ tiṣṭhanti bhūtale

Tausende von Kindern und Greisen hinter sich lassend, verweilen die Verwandten allezeit, Tage und Nächte, im Leid auf der Erde [?].

Wort für Wort
bālavṛddhasahasrāṇi
Tausende von Kindern und Greisen (Akk.Pl.n.)
sadā saṃtyajya bāndhavāḥ
stets verlassen habend, die Verwandten (Gerundium; Nom.Pl.m.)
dināni caiva rātrīś ca
sowohl Tage als auch Nächte (Akk.Pl.)
duḥkhaṃ tiṣṭhanti bhūtale
verharren im Leid auf der Erde (3.Pl.Präs.; Lok.Sg.n.)

Sinn des Halbverses knapp und unsicher.

alaṃ nirbandham āgamya śokasya parivāraṇam; apratyayaṃ kuto hy asya punar adyeha jīvitam

Genug damit, sich in Beharren zu verbeißen: [es ist] ein Umringen des Kummers; unglaubhaft – woher hätte dieser heute hier wieder Leben?

Wort für Wort
alaṃ nirbandham āgamya
genug, auf Beharren verfallen (Akk.Sg.m.; Gerundium)
śokasya parivāraṇam
[das ist] Umringung durch den Kummer (Gen.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
apratyayaṃ kuto hy asya
unglaubhaft; woher denn für ihn (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.m.)
punar adyeha jīvitam
wieder heute hier Leben (Nom.Sg.n.)

naiṣa jambukavākyena punaḥ prāpsyati jīvitam; mṛtasyotsṛṣṭadehasya punar deho na vidyate

Dieser wird durch Jambukas Rede nicht wieder Leben erlangen; für den Gestorbenen, der den Leib abgelegt hat, gibt es keinen Leib wieder.

Wort für Wort
naiṣa jambukavākyena
dieser nicht durch Jambukas Rede (Instr.Sg.n.)
punaḥ prāpsyati jīvitam
wird wieder Leben erlangen (3.Sg.Fut.)
mṛtasyotsṛṣṭadehasya
für den Gestorbenen, der den Leib abgelegt hat (Gen.Sg.m.)
punar deho na vidyate
wieder gibt es keinen Leib (3.Sg.Präs.Pass.)

na vai mūrtipradānena na jambukaśatair api; śakyo jīvayituṃ hy eṣa bālo varṣaśatair api

Weder durch die Hingabe einer Gestalt [?] noch durch Hunderte von Schakalen kann dieser Knabe zum Leben gebracht werden, auch nicht in hundert Jahren.

Wort für Wort
na vai mūrtipradānena
weder durch die Hingabe einer Gestalt/eines Körpers (Instr.Sg.n.) [?]
na jambukaśatair api
noch durch hundert Schakale (Instr.Pl.m.)
śakyo jīvayituṃ hy eṣa
kann zum Leben gebracht werden, dieser (Nom.Sg.m.; Infinitiv Kaus.)
bālo varṣaśatair api
der Knabe, auch in hundert Jahren (Instr.Pl.n.)

api rudraḥ kumāro vā brahmā vā viṣṇur eva vā; varam asmai prayaccheyus tato jīved ayaṃ śiśuḥ

Selbst wenn Rudra oder Kumāra oder Brahmā oder Viṣṇu ihm eine Gnade gewährten, dann könnte dieses Kind leben.

Wort für Wort
api rudraḥ kumāro vā
selbst Rudra oder Kumāra (Nom.Sg.m.)
brahmā vā viṣṇur eva vā
oder Brahmā oder Viṣṇu
varam asmai prayaccheyus
sie würden ihm eine Gnade geben (Akk.Sg.m.; Dat.; 3.Pl.Opt.)
tato jīved ayaṃ śiśuḥ
dann könnte dieses Kind leben (3.Sg.Opt.; Nom.Sg.m.)

na ca bāṣpavimokṣeṇa na cāśvāsakṛtena vai; na dīrgharuditeneha punarjīvo bhaviṣyati

Weder durch das Lösen der Tränen noch durch beruhigendes Zureden noch durch langes Weinen hier wird er wieder ins Leben kommen.

Wort für Wort
na ca bāṣpavimokṣeṇa
weder durch das Freilassen von Tränen (Instr.Sg.m.)
na cāśvāsakṛtena vai
noch durch getanes Trösten (Instr.Sg.n.)
na dīrgharuditeneha
noch durch langes Weinen hier (Instr.Sg.n.)
punarjīvo bhaviṣyati
wird wieder lebendig sein (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Fut.)

ahaṃ ca kroṣṭukaś caiva yūyaṃ caivāsya bāndhavāḥ; dharmādharmau gṛhītveha sarve vartāmahe 'dhvani

Ich und der Schakal und ihr, die Verwandten von diesem – wir alle wandeln hier auf dem Weg und tragen Recht und Unrecht mit uns.

Wort für Wort
ahaṃ ca kroṣṭukaś caiva
ich und der Schakal (Nom.Sg.m.)
yūyaṃ caivāsya bāndhavāḥ
und ihr, dessen Verwandte (Nom.Pl.; Gen.Sg.; Nom.Pl.m.)
dharmādharmau gṛhītvā
Recht und Unrecht ergriffen habend (Akk.Du.m.; Gerundium)
iha sarve vartāmahe 'dhvani
hier bewegen wir alle uns auf dem Weg (1.Pl.Präs.Med.; Lok.Sg.m.)

yadi jīved ayaṃ bhūyo yāvad evaṃ karomy aham

Wenn dieser wieder lebte, [dann], solange ich es so tue [?] …

Wort für Wort
yadi jīved ayaṃ bhūyo
wenn dieser wieder lebte (3.Sg.Opt.)
yāvad evaṃ karomy aham
soweit/solange ich so handle (1.Sg.Präs.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, Sinn und Anschluss unklar; Wiedergabe unsicher.

apriyaṃ paruṣaṃ cāpi paradrohaṃ parastriyam; adharmam anṛtaṃ caiva dūrāt prājño nivartayet

Unliebes und Rohes, auch Verrat an anderen, die Frau eines anderen, Unrecht und Lüge – davon soll der Weise sich von weitem fernhalten.

Wort für Wort
apriyaṃ paruṣaṃ cāpi
Unliebes und auch Rohes (Akk.Sg.n.)
paradrohaṃ parastriyam
Verrat an anderen, fremde Frau (Akk.Sg.m.; Akk.Sg.f.)
adharmam anṛtaṃ caiva
Unrecht und ebenso Lüge (Akk.Sg.m./n.)
dūrāt prājño nivartayet
von fern soll der Weise abwenden (Abl.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.Kaus.)

satyaṃ dharmaṃ śubhaṃ nyāyyaṃ prāṇināṃ mahatīṃ dayām; ajihmatvam aśāṭhyaṃ ca yatnataḥ parimārgata

Wahrheit, Recht, Heilsames, Billiges, großes Mitgefühl mit den Lebewesen, Geradheit und Redlichkeit – diese sucht mit Eifer auf.

Wort für Wort
satyaṃ dharmaṃ śubhaṃ nyāyyaṃ
Wahrheit, Recht, Heilsames, Gebührliches (Akk.Sg.)
prāṇināṃ mahatīṃ dayām
mit den Lebewesen großes Mitgefühl (Gen.Pl.; Akk.Sg.f.)
ajihmatvam aśāṭhyaṃ ca
Geradheit und Redlichkeit (Akk.Sg.n.)
yatnataḥ parimārgata
mit Anstrengung sucht (Abl.-Adv.; 2.Pl.Imp.)

mātaraṃ pitaraṃ caiva bāndhavān suhṛdas tathā; jīvato ye na paśyanti teṣāṃ dharmaviparyayaḥ

Mutter und Vater, Verwandte und ebenso Freunde – wer diese nicht [mehr] lebend sieht, bei dem ist die Ordnung des Dharma verkehrt.

Wort für Wort
mātaraṃ pitaraṃ ca eva
Mutter und Vater ebenfalls (Akk.Sg.)
bāndhavān suhṛdaḥ tathā
Verwandte, Freunde ebenso (Akk.Pl.)
jīvataḥ ye na paśyanti
lebend, die nicht sehen (Part.Präs. Akk./Gen.; 3.Pl.Präs.)
teṣāṃ dharmaviparyayaḥ
bei ihnen [ist] Verkehrung des Dharma (Gen.Pl.; Nom.Sg.)

yo na paśyati cakṣurbhyāṃ neṅgate ca kathaṃ cana; tasya niṣṭhāvasānānte rudantaḥ kiṃ kariṣyatha

Wer mit den Augen nicht sieht und sich in keiner Weise regt – was wollt ihr weinend tun, wenn es mit ihm zu Ende und abgeschlossen ist?

Wort für Wort
yaḥ na paśyati cakṣurbhyām
wer nicht sieht mit den Augen (Rel.Nom.; 3.Sg.Präs.; Instr.Du.)
na īṅgate ca kathaṃ cana
und sich nicht regt in keiner Weise (3.Sg.Präs.Med.)
tasya niṣṭhāvasānānte
bei ihm am Ende des Abschlusses (Gen.Sg.; Lok.Sg.)
rudantaḥ kiṃ kariṣyatha
weinend, was werdet ihr tun (Part.Präs. Nom.Pl.; 2.Pl.Fut.)

Zweiter Pāda knapp und schwierig (niṣṭhāvasānānte); Sinn: am endgültigen Ende.

bhīṣma uvāca; ity uktās taṃ sutaṃ tyaktvā bhūmau śokapariplutāḥ; dahyamānāḥ sutasnehāt prayayur bāndhavā gṛhān

Bhīṣma sprach: So angesprochen, ließen sie den Sohn zurück, [auf dem] Boden, von Kummer überflutet, aus Liebe zum Sohn [innerlich] verbrennend; die Verwandten gingen nach Hause.

Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; Perf.)
iti uktāḥ tam sutaṃ tyaktvā
so angesprochen, den Sohn verlassend (Part.Perf.Pass. Nom.Pl.; Abs.)
bhūmau śokapariplutāḥ
auf dem Boden, von Kummer überflutet (Lok.Sg.; Nom.Pl.)
dahyamānāḥ sutasnehāt
brennend aus Sohnesliebe (Part.Präs.Pass.; Abl.Sg.)
prayayuḥ bāndhavāḥ gṛhān
gingen fort, die Verwandten, zu den Häusern (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.; Akk.Pl.)

jambuka uvāca; dāruṇo martyaloko 'yaṃ sarvaprāṇivināśanaḥ; iṣṭabandhuviyogaś ca tathaivālpaṃ ca jīvitam

Jambuka sprach: Grausam ist diese Welt der Sterblichen, die alle Wesen vernichtet; Trennung von lieben Verwandten [gehört zu ihr], und ebenso ist das Leben kurz.

Wort für Wort
jambukaḥ uvāca
Jambuka sprach (Nom.; Perf.)
dāruṇaḥ martyalokaḥ ayam
grausam [ist] diese Welt der Sterblichen (Nom.Sg.)
sarvaprāṇivināśanaḥ
alle Lebewesen vernichtend (Kompositum, Nom.Sg.)
iṣṭabandhuviyogaḥ ca
und Trennung von lieben Verwandten (Nom.Sg.)
tathā eva alpaṃ ca jīvitam
und ebenso kurz das Leben (Nom.Sg.n.)

bahv alīkam asatyaṃ ca prativādāpriyaṃvadam; imaṃ prekṣya punarbhāvaṃ duḥkhaśokābhivardhanam

Viel ist [hier] Trug und Unwahrheit, und Unfreundliches im Widerspruch [der Rede]; wenn ich dieses Wiedergeborenwerden ansehe, das Leid und Kummer mehrt –

Wort für Wort
bahu alīkam asatyaṃ ca
viel Trug und Unwahrheit (Nom.Sg.n.)
prativādāpriyaṃvadam
Unfreundliches im Gegenrede-Sprechen [?] (Kompositum, Nom.Sg.n.)
imaṃ prekṣya punarbhāvam
dieses ansehend, das Wiederdasein (Abs.; Akk.Sg.)
duḥkhaśokābhivardhanam
Leid und Kummer mehrend (Akk.Sg.)

Satz setzt sich in Vers 96 fort; prativādāpriyaṃvadam unsicher.

na me mānuṣaloko 'yaṃ muhūrtam api rocate; aho dhig gṛdhravākyena saṃnivartatha mānuṣāḥ

Nicht einen Augenblick gefällt mir diese Menschenwelt. Wehe! Pfui! Auf das Wort des Geiers hin kehrt ihr um, ihr Menschen!

Wort für Wort
na me mānuṣalokaḥ ayam
nicht [gefällt] mir diese Menschenwelt (Dat./Gen.; Nom.Sg.)
muhūrtam api rocate
auch nur einen Augenblick gefällt (Akk.; 3.Sg.Präs.Med.)
aho dhik
ach, pfui (Interj.)
gṛdhravākyena saṃnivartatha
durch das Geierwort kehrt ihr um (Instr.Sg.; 2.Pl.Präs.)
mānuṣāḥ
ihr Menschen (Vok.Pl.)

pradīptāḥ putraśokena yathaivābuddhayas tathā; kathaṃ gacchatha sasnehāḥ sutasnehaṃ visṛjya ca; śrutvā gṛdhrasya vacanaṃ pāpasyehākṛtātmanaḥ

Wie [Leute], die von Sohnesschmerz entflammt und ebenso unverständig sind – wie könnt ihr, [selbst] voller Liebe, die Liebe zum Sohn aufgeben und gehen, nachdem ihr das Wort des Geiers gehört habt, [des Geiers,] der böse ist und hier [in dieser Welt] ungeläutert im Wesen?

Wort für Wort
pradīptāḥ putraśokena
entflammt vom Sohnesschmerz (Nom.Pl.; Instr.Sg.)
yathā eva abuddhayaḥ tathā
wie gerade Unverständige, ebenso (Nom.Pl.)
katham gacchatha sasnehāḥ
wie geht ihr, liebevoll (2.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
sutasnehaṃ visṛjya ca
und die Sohnesliebe aufgebend (Akk.Sg.; Abs.)
śrutvā gṛdhrasya vacanam
nachdem ihr gehört habt das Wort des Geiers (Abs.; Gen.; Akk.)
pāpasya iha akṛtātmanaḥ
des Bösen, hier, des Ungeläuterten (Gen.Sg.)

sukhasyānantaraṃ duḥkhaṃ duḥkhasyānantaraṃ sukham; sukhaduḥkhānvite loke nehāsty ekam anantakam

Auf Glück folgt Leid, auf Leid folgt Glück; in der von Glück und Leid durchzogenen Welt ist hier nichts eines ohne Ende.

Wort für Wort
sukhasya anantaraṃ duḥkham
nach Glück Leid (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
duḥkhasya anantaraṃ sukham
nach Leid Glück (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
sukhaduḥkhānvite loke
in der von Glück und Leid durchzogenen Welt (Lok.Sg.)
na iha asti ekam anantakam
nicht ist hier eines endlos (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.)

imaṃ kṣititale nyasya bālaṃ rūpasamanvitam; kulaśokākaraṃ mūḍhāḥ putraṃ tyaktvā kva yāsyatha

Diesen Knaben, schön von Gestalt, den Ihr auf die Erdoberfläche gelegt habt, den Sohn, der die Trauer der Sippe zur Quelle hat – wohin wollt ihr Toren gehen, wenn ihr [ihn] verlasst?

Wort für Wort
imaṃ kṣititale nyasya
diesen auf die Erdoberfläche gelegt habend (Akk.; Lok.Sg.; Abs.)
bālaṃ rūpasamanvitam
Knaben, mit Schönheit begabt (Akk.Sg.)
kulaśokākaram
Quelle des Sippenkummers (Akk.Sg.)
mūḍhāḥ putraṃ tyaktvā
ihr Toren, den Sohn verlassend (Vok.Pl.; Akk.; Abs.)
kva yāsyatha
wohin werdet ihr gehen (2.Pl.Fut.)

kulaśokākara: ākara „Fundort, Quelle“ – „der Quelle der Trauer der Sippe“ [Anm.: alternativ „Sohn, [dessen Tod] eine Fundgrube des Kummers für die Sippe [ist]“].

rūpayauvanasaṃpannaṃ dyotamānam iva śriyā; jīvantam enaṃ paśyāmi manasā nātra saṃśayaḥ

[Ihn,] der mit Schönheit und Jugend begabt ist und gleichsam von Glanz strahlt – als Lebenden sehe ich ihn im Geist; darüber besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
rūpayauvanasaṃpannam
mit Gestalt und Jugend begabt (Akk.Sg.)
dyotamānam iva śriyā
gleichsam leuchtend vor Glanz (Part.Präs.; Instr.Sg.)
jīvantam enaṃ paśyāmi
lebend ihn sehe ich (Part.Akk.; 1.Sg.Präs.)
manasā na atra saṃśayaḥ
mit dem Geist; nicht hier Zweifel (Instr.Sg.; Nom.Sg.)

vināśaś cāpy anarho 'sya sukhaṃ prāpsyatha mānuṣāḥ; putraśokāgnidagdhānāṃ mṛtam apy adya vaḥ kṣamam

Und sein Untergang ist ihm nicht angemessen; [so] werdet ihr, Menschen, Glück erlangen. Für euch, die ihr vom Feuer des Sohnesschmerzes verbrannt seid, ist selbst ein Toter heute angemessen [zu beleben?].

Wort für Wort
vināśaḥ ca api anarhaḥ asya
und Untergang auch unangemessen für ihn (Nom.Sg.; Gen.)
sukhaṃ prāpsyatha mānuṣāḥ
Glück werdet ihr erlangen, Menschen (Akk.; 2.Pl.Fut.; Vok.)
putraśokāgnidagdhānām
von dem Feuer des Sohnesschmerzes Verbrannten (Gen.Pl.)
mṛtam api adya vaḥ kṣamam
auch ein Toter heute euch passend [?] (Nom.Sg.n.; Gen./Dat.Pl.)

Zweiter Halbvers verderbt oder elliptisch: mṛtam api kṣamam wörtlich „auch [ein] Toter [ist] passend/erträglich“; Sinn unsicher.

duḥkhasaṃbhāvanāṃ kṛtvā dhārayitvā svayaṃ sukham; tyaktvā gamiṣyatha kvādya samutsṛjyālpabuddhivat

Nachdem ihr Kummer [für euch] erwartet habt und [zuvor] selbst Glück bewahrt habt, wohin wollt ihr heute gehen, [ihn] verlassend, wie Menschen von geringem Verstand?

Wort für Wort
duḥkhasaṃbhāvanāṃ kṛtvā
Leid für wahrscheinlich haltend [?] (Akk.; Abs.)
dhārayitvā svayaṃ sukham
selbst Glück festhaltend (Abs.; Akk.)
tyaktvā gamiṣyatha kva adya
verlassend, werdet ihr gehen wohin heute (Abs.; 2.Pl.Fut.)
samutsṛjya alpabuddhivat
aufgebend wie Wenigverständige (Abs.; Adv.)

duḥkhasaṃbhāvanāṃ kṛtvā: Bedeutung unsicher („Leid für möglich halten / sich Leid zuziehen“).

bhīṣma uvāca; tathā dharmavirodhena priyamithyābhidhyāyinā; śmaśānavāsinā nityaṃ rātriṃ mṛgayatā tadā

Bhīṣma sprach: So [war es] durch jenen, der dem Dharma widersprach, der Lieben Falsches ersann, ständig auf dem Leichenfeld wohnte und nachts jagte –

Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; Perf.)
tathā dharmavirodhena
so durch Widerspruch zum Dharma (Adv.; Instr.Sg.)
priyamithyābhidhyāyinā
durch den, der Lieben Falsches ersann (Instr.Sg.)
śmaśānavāsinā nityam
durch den Leichenfeldbewohner, ständig (Instr.Sg.; Adv.)
rātriṃ mṛgayatā tadā
nachts jagend, damals (Akk.; Part.Präs. Instr.; Adv.)

Satz setzt sich in Vers 104 fort.

tato madhyasthatāṃ nītā vacanair amṛtopamaiḥ; jambukena svakāryārthaṃ bāndhavās tasya dhiṣṭhitāḥ

Da wurden die Verwandten von Jambuka mit nektargleichen Worten für seinen eigenen Zweck in eine Mittelstellung [zwischen den Positionen] gebracht und blieben bei ihm stehen.

Wort für Wort
tataḥ madhyasthatāṃ nītāḥ
da in Mittelstellung gebracht (Akk.Sg.f.; Part.Perf.Pass. Nom.Pl.)
vacanaiḥ amṛtopamaiḥ
mit Worten, nektargleichen (Instr.Pl.)
jambukena svakāryārtham
von Jambuka, zu eigenem Zweck (Instr.; Adv.)
bāndhavāḥ tasya dhiṣṭhitāḥ
die Verwandten, bei ihm stehend [?] (Nom.Pl.; Part.Perf.Pass.)

dhiṣṭhitāḥ vermutlich für adhiṣṭhitāḥ „standen da, blieben“; syntaktisch knapp.

gṛdhra uvāca; ayaṃ pretasamākīrṇo yakṣarākṣasasevitaḥ; dāruṇaḥ kānanoddeśaḥ kauśikair abhināditaḥ

Der Geier sprach: Dieser Waldstrich ist von Toten übersät, von Yakṣas und Rākṣasas besucht, furchtbar, [und] von Eulen umschrien.

Wort für Wort
gṛdhraḥ uvāca
der Geier sprach (Nom.; Perf.)
ayaṃ pretasamākīrṇaḥ
dieser, von Toten übersät (Nom.Sg.)
yakṣarākṣasasevitaḥ
von Yakṣas und Rākṣasas besucht (Nom.Sg.)
dāruṇaḥ kānanoddeśaḥ
furchtbar, Waldstrich (Nom.Sg.)
kauśikaiḥ abhināditaḥ
von Eulen umschrien (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)

bhīmaḥ sughoraś ca tathā nīlameghasamaprabhaḥ; asmiñ śavaṃ parityajya pretakāryāṇy upāsata

Furchtbar und äußerst grauenvoll, dunkelwolkenfarben [ist er]. Lasst hier den Leichnam zurück und geht den Totenriten nach!

Wort für Wort
bhīmaḥ sughoraḥ ca tathā
schrecklich und sehr grauenvoll ebenso (Nom.Sg.)
nīlameghasamaprabhaḥ
von der Farbe dunkler Wolken (Nom.Sg.)
asmin śavaṃ parityajya
hier den Leichnam zurücklassend (Lok.; Akk.; Abs.)
pretakāryāṇi upāsata
Totenriten übt aus (Akk.Pl.; 2.Pl.Imp.Med.)

Erste Zeile: bhīmaḥ sughoraḥ, nīlameghasamaprabhaḥ; Bezug auf den Waldstrich.

bhānur yāvan na yāty astaṃ yāvac ca vimalā diśaḥ; tāvad enaṃ parityajya pretakāryāṇy upāsata

Solange die Sonne nicht untergeht und solange die Himmelsrichtungen klar sind, so lange lasst ihn zurück und geht den Totenriten nach!

Wort für Wort
bhānuḥ yāvat na yāti astam
solange die Sonne nicht zum Untergang geht (Nom.; Akk.)
yāvat ca vimalāḥ diśaḥ
und solange klar [sind] die Himmelsrichtungen (Nom.Pl.f.)
tāvat enaṃ parityajya
so lange ihn zurücklassend (Akk.; Abs.)
pretakāryāṇi upāsata
übt Totenriten aus (2.Pl.Imp.Med.)

nadanti paruṣaṃ śyenāḥ śivāḥ krośanti dāruṇāḥ; mṛgendrāḥ pratinandanti ravir astaṃ ca gacchati

Rau schreien die Falken, die furchtbaren Schakale heulen, die Herren der Tiere [Löwen] antworten [brüllend], und die Sonne geht unter.

Wort für Wort
nadanti paruṣaṃ śyenāḥ
schreien rau, die Falken (3.Pl.Präs.; Adv.; Nom.Pl.)
śivāḥ krośanti dāruṇāḥ
Schakale heulen, furchtbar (Nom.Pl.f.)
mṛgendrāḥ pratinandanti
die Tierfürsten [Löwen] antworten frohlockend (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
raviḥ astaṃ ca gacchati
und die Sonne geht zum Untergang (Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.)

pratinandanti wörtlich „erfreuen sich entgegen / antworten frohlockend“.

citādhūmena nīlena saṃrajyante ca pādapāḥ; śmaśāne ca nirāhārāḥ pratinandanti dehinaḥ

Von blauem Leichenfeuerrauch werden die Bäume gefärbt, und auf dem Leichenfeld freuen sich [die] Wesen, die ohne Speise sind [nach Fraß].

Wort für Wort
citādhūmena nīlena
durch blauen Rauch des Scheiterhaufens (Instr.Sg.)
saṃrajyante ca pādapāḥ
und werden gefärbt die Bäume (3.Pl.Präs.Pass.; Nom.Pl.)
śmaśāne ca nirāhārāḥ
und auf dem Leichenfeld ohne Nahrung [seiend] (Lok.; Nom.Pl.)
pratinandanti dehinaḥ
freuen sich, die Verkörperten (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

nirāhārāḥ dehinaḥ: wohl hungrige Wesen/Aasfresser; unsicher.

sarve vikrāntavīryāś ca asmin deśe sudāruṇāḥ; yuṣmān pradharṣayiṣyanti vikṛtā māṃsabhojanāḥ

Alle sind an diesem Ort von starker Kraft und äußerst furchtbar; entstellte Fleischfresser werden euch überfallen.

Wort für Wort
sarve vikrāntavīryāḥ ca
alle von starker Kraft und (Nom.Pl.)
asmin deśe sudāruṇāḥ
an diesem Ort sehr furchtbar (Lok.; Nom.Pl.)
yuṣmān pradharṣayiṣyanti
euch werden überwältigen (Akk.Pl.; 3.Pl.Fut.)
vikṛtāḥ māṃsabhojanāḥ
entstellte Fleischesser (Nom.Pl.)

dūrāc cāyaṃ vanoddeśo bhayam atra bhaviṣyati; tyajyatāṃ kāṣṭhabhūto 'yaṃ mṛṣyatāṃ jāmbukaṃ vacaḥ

Weit weg ist dieser Waldstrich; Furcht wird hier entstehen. Lasst diesen holzgleichen [Leichnam] zurück und verzeiht das Wort des Schakals!

Wort für Wort
dūrāt ca ayaṃ vanoddeśaḥ
und von weit her [entfernt] dieser Waldstrich (Abl.; Nom.)
bhayam atra bhaviṣyati
Furcht hier wird entstehen (Nom.; Adv.; 3.Sg.Fut.)
tyajyatāṃ kāṣṭhabhūtaḥ ayam
soll verlassen werden dieser holzgewordene (3.Sg.Imp.Pass.; Nom.)
mṛṣyatām jāmbukaṃ vacaḥ
man verzeihe das Schakalwort (3.Sg.Imp.Pass.; Nom.n.)

dūrāt: „von weitem / fern [von Siedlungen]“; kāṣṭhabhūta „zu Holz geworden, leblos wie ein Stück Holz“. jāmbukaṃ vacaḥ: „das Wort des Schakals“ (Ableitung von jambuka).

yadi jambukavākyāni niṣphalāny anṛtāni ca; śroṣyatha bhraṣṭavijñānās tataḥ sarve vinaṅkṣyatha

Wenn ihr Jambukas Worte, die fruchtlos und unwahr sind, hört, mit verlorener Einsicht, dann werdet ihr alle zugrunde gehen.

Wort für Wort
yadi jambukavākyāni
wenn Jambukas Worte (Nom./Akk.Pl.n.)
niṣphalāni anṛtāni ca
fruchtlos und unwahr (Pl.n.)
śroṣyatha bhraṣṭavijñānāḥ
werdet ihr hören, mit verlorener Einsicht (2.Pl.Fut.; Nom.Pl.)
tataḥ sarve vinaṅkṣyatha
dann alle werdet ihr untergehen (2.Pl.Fut.)

jambuka uvāca; sthīyatāṃ neha bhetavyaṃ yāvat tapati bhāskaraḥ; tāvad asmin sutasnehād anirvedena vartata

Jambuka sprach: Bleibt [hier]; hier ist nichts zu fürchten, solange die Sonne brennt. Solange verhaltet euch hier aus Liebe zum Sohn ohne Verzagen.

Wort für Wort
jambukaḥ uvāca
Jambuka sprach (Nom.; Perf.)
sthīyatām na iha bhetavyam
man bleibe; nicht hier ist zu fürchten (Imp.Pass. unpers.; Gerundiv)
yāvat tapati bhāskaraḥ
solange brennt die Sonne (3.Sg.Präs.; Nom.)
tāvat asmin sutasnehāt
so lange hier aus Sohnesliebe (Lok.; Abl.)
anirvedena vartata
ohne Verzagen verhaltet euch (Instr.Sg.; 2.Pl.Imp.Med.)

taskarāṇāṃ virāṭānāṃ nṛpāṇāṃ caiva mānuṣāḥ; bhayaṃ nāsmin vanoddeśe tathaiva hatabuddhinām

Vor Dieben, vor [gewaltigen] Königen und vor Herrschern, ihr Menschen, [besteht] in diesem Waldstrich keine Furcht, und ebenso nicht vor Leuten mit verblendetem Verstand.

Wort für Wort
taskarāṇāṃ virāṭānām
vor Dieben, vor Herrschern [?] (Gen.Pl.)
nṛpāṇāṃ ca eva mānuṣāḥ
und ebenso vor Königen, ihr Menschen (Gen.Pl.; Vok.Pl.)
bhayaṃ na asmin vanoddeśe
Furcht nicht in diesem Waldstrich (Nom.; Lok.)
tathā eva hatabuddhinām
und ebenso vor Verstandeszerstörten (Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). virāṭānām: wohl „der Herrscher/Könige“ (virāj); Lesart unsicher [?]. Zusatzvers.

svairaṃ rudata visrabdhāḥ svairaṃ snehena paśyata

Weint nach Herzenslust, zutraulich; schaut nach Herzenslust in Liebe [auf ihn].

Wort für Wort
svairaṃ rudata
nach Belieben weint (Adv.; 2.Pl.Imp.)
visrabdhāḥ
vertrauensvoll (Nom.Pl.)
svairaṃ snehena paśyata
nach Belieben mit Liebe schaut (Adv.; Instr.; 2.Pl.Imp.)

Halbvers; Fortsetzung in den folgenden Einheiten.

dāruṇe 'smin vanoddeśe bhayaṃ vo na bhaviṣyati; ayaṃ saumyo vanoddeśaḥ pitṝṇāṃ nidhanākaraḥ

In diesem furchtbaren Waldstrich wird euch keine Furcht entstehen. Dieser Waldstrich ist mild, eine Stätte des Hinscheidens der Ahnen [Väter].

Wort für Wort
dāruṇe asmin vanoddeśe
in diesem furchtbaren Waldstrich (Lok.)
bhayaṃ vaḥ na bhaviṣyati
Furcht euch nicht wird sein (Nom.; Dat./Gen.; 3.Sg.Fut.)
ayaṃ saumyaḥ vanoddeśaḥ
dieser milde Waldstrich (Nom.Sg.)
pitṝṇāṃ nidhanākaraḥ
der Väter Sterbestätte (Gen.Pl.; Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers. Der Text nimmt die Verse 115 und 117 zwischen sich.

sthīyatāṃ yāvad ādityaḥ kiṃ vaḥ kravyādabhāṣitaiḥ

Bleibt, solange die Sonne [am Himmel steht]; was [soll] euch das Gerede des Aasfressers?

Wort für Wort
sthīyatāṃ yāvat ādityaḥ
man bleibe, solange die Sonne [da ist] (Imp.Pass.; Nom.)
kiṃ vaḥ
was [nützt] euch (Nom.; Dat./Gen.)
kravyādabhāṣitaiḥ
mit dem Gesprochenen des Fleischfressers (Instr.Pl.)

yadi gṛdhrasya vākyāni tīvrāṇi rabhasāni ca; gṛhṇīta mohitātmānaḥ suto vo na bhaviṣyati

Wenn ihr des Geiers Worte, die scharf und ungestüm sind, annehmt, verblendeten Geistes, dann wird euch der Sohn nicht [mehr] sein.

Wort für Wort
yadi gṛdhrasya vākyāni
wenn des Geiers Worte (Gen.; Akk.Pl.)
tīvrāṇi rabhasāni ca
scharf und ungestüm (Pl.n.)
gṛhṇīta mohitātmānaḥ
nehmt an, verblendeten Geistes (2.Pl.Opt./Imp.Med.; Nom.Pl.)
sutaḥ vaḥ na bhaviṣyati
der Sohn euch nicht wird sein (Nom.; Gen.; 3.Sg.Fut.)

bhīṣma uvāca; gṛdhro 'nastamite tv āha gate 'stam iti jambukaḥ; mṛtasya taṃ parijanam ūcatus tau kṣudhānvitau

Bhīṣma sprach: Der Geier sagte, [die Sonne] sei noch nicht untergegangen, der Schakal, sie sei untergegangen; die beiden, vom Hunger geplagt, sprachen zu dem Gefolge des Toten.

Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; Perf.)
gṛdhraḥ anastamite tu āha
der Geier, bei nicht Untergegangenem aber sagte (Lok.abs.; 3.Sg.Perf.)
gate astam iti jambukaḥ
bei Untergegangen-sein, [sagte] so Jambuka (Lok.abs.; Nom.)
mṛtasya tam parijanam
des Toten jenes Gefolge (Gen.; Akk.)
ūcatuḥ tau kṣudhānvitau
sprachen die beiden, hungrig (3.Du.Perf.; Nom.Du.)

gate 'stam iti wörtlich „sie sei zum Untergang gegangen“; Konstruktion: anastamite (Lok.abs.).

svakāryadakṣiṇau rājan gṛdhro jambuka eva ca; kṣutpipāsāpariśrāntau śāstram ālambya jalpataḥ

O König, Geier und Schakal, beide auf ihren eigenen Vorteil geschickt, von Hunger und Durst erschöpft, redeten, indem sie sich auf die Lehre [Lehrsätze] stützten.

Wort für Wort
svakāryadakṣiṇau rājan
auf eigenen Vorteil geschickt, o König (Nom.Du.; Vok.)
gṛdhraḥ jambukaḥ eva ca
Geier und Jambuka (Nom.)
kṣutpipāsāpariśrāntau
von Hunger und Durst erschöpft (Nom.Du.)
śāstram ālambya jalpataḥ
sich auf die Lehre stützend, reden (Akk.; Abs.; 3.Du.Präs.)

tayor vijñānaviduṣor dvayor jambukapatriṇoḥ; vākyair amṛtakalpair hi prātiṣṭhanta vrajanti ca

Von den beiden, dem Schakal und dem Vogel, die sich in Erkenntnis auskannten, wurden sie durch nektargleiche Worte [hin und her gezogen]: sie brachen auf und gehen [wieder].

Wort für Wort
tayoḥ vijñānaviduṣoḥ dvayoḥ
von den beiden erkenntniskundigen (Gen.Du.)
jambukapatriṇoḥ
Schakal und Vogel (Gen.Du.)
vākyaiḥ amṛtakalpaiḥ hi
durch nektarähnliche Worte ja (Instr.Pl.)
prātiṣṭhanta vrajanti ca
brachen auf und gehen [?] (3.Pl.Impf.Med.; 3.Pl.Präs.)

Vers verderbt bzw. knapp; prātiṣṭhanta vrajanti ca: Sinn unsicher [?] („sie machten sich auf und gehen“).

śokadainyasamāviṣṭā rudantas tasthire tadā; svakāryakuśalābhyāṃ te saṃbhrāmyante ha naipuṇāt

Von Kummer und Elend erfüllt blieben sie damals weinend stehen; von den beiden, die in ihrem eigenen Vorteil geschickt waren, wurden sie durch [deren] Geschick verwirrt.

Wort für Wort
śokadainyasamāviṣṭāḥ
von Kummer und Elend erfüllt (Nom.Pl.)
rudantaḥ tasthire tadā
weinend standen sie damals (Part.Präs.; 3.Pl.Perf.Med.)
svakāryakuśalābhyām te
von den beiden im eigenen Vorteil Geschickten, sie (Abl./Instr.Du.)
saṃbhrāmyante ha naipuṇāt
werden verwirrt fürwahr durch Geschicklichkeit (3.Pl.Präs.Pass.; Abl.)

tathā tayor vivadator vijñānaviduṣor dvayoḥ; bāndhavānāṃ sthitānāṃ ca upātiṣṭhata śaṃkaraḥ

Während so die beiden Erkenntniskundigen stritten und die Verwandten dastanden, erschien Śaṃkara.

Wort für Wort
tathā tayoḥ vivadatoḥ
so, während die beiden stritten (Lok.abs.Du.)
vijñānaviduṣoḥ dvayoḥ
erkenntniskundig, beide (Gen./Lok.Du.)
bāndhavānāṃ sthitānāṃ ca
und der Verwandten, die dastanden (Gen.Pl.)
upātiṣṭhata śaṃkaraḥ
trat herzu Śaṃkara (3.Sg.Impf.Med.; Nom.)

devyā praṇodito devaḥ kāruṇyārdrīkṛtekṣaṇaḥ

Von der Göttin angetrieben, der Gott, dessen Augen von Mitleid feucht geworden waren.

Wort für Wort
devyā praṇoditaḥ devaḥ
von der Göttin angetrieben, der Gott (Instr.Sg.f.; Part.Perf.Pass.; Nom.)
kāruṇyārdrīkṛtekṣaṇaḥ
dessen Augen von Mitleid feucht gemacht wurden (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Halbvers ohne finites Verb, schließt an upātiṣṭhata (Vers 123) an.

tatas tān āha manujān varado 'smīti śūlabhṛt; te pratyūcur idaṃ vākyaṃ duḥkhitāḥ praṇatāḥ sthitāḥ

Dann sprach der Speerträger zu jenen Menschen: „Ich bin ein Gnadenspender.“ Sie erwiderten ihm betrübt, ehrfürchtig verneigt dastehend diese Worte.

Wort für Wort
tataḥ tān āha manujān
dann zu jenen sprach er, den Menschen (Adv.; Akk.Pl.; 3.Sg.Perf.)
varadaḥ asmi iti śūlabhṛt
Wunschgewährer bin ich, so der Speerträger (Nom.; 1.Sg.Präs.; Nom.)
te pratyūcuḥ idaṃ vākyam
sie antworteten dieses Wort (3.Pl.Perf.; Akk.)
duḥkhitāḥ praṇatāḥ sthitāḥ
betrübt, ehrfürchtig verneigt, dastehend (Nom.Pl.)

ekaputravihīnānāṃ sarveṣāṃ jīvitārthinām; putrasya no jīvadānāj jīvitaṃ dātum arhasi

„Wir alle, die wir des einzigen Sohnes beraubt und nach Leben begierig sind – gib uns durch Beleben des Sohnes das Leben, [so wie es] dir gebührt.“

Wort für Wort
ekaputravihīnānām
der des einzigen Sohnes Beraubten (Gen.Pl.)
sarveṣāṃ jīvitārthinām
aller, die Leben wünschen (Gen.Pl.)
putrasya naḥ jīvadānāt
unseres Sohnes durch Lebensgabe (Gen.; Abl.)
jīvitaṃ dātum arhasi
Leben zu geben verdienst du [= darfst du] (Akk.; Inf.; 2.Sg.Präs.)

jīvitārthinām „Leben wünschend“; nach putrasya no jīvadānāt „durch Gewähren von Leben an unseren Sohn“.

evam uktaḥ sa bhagavān vāripūrṇena pāṇinā; jīvaṃ tasmai kumārāya prādād varṣaśatāya vai

So angesprochen, gab der Erhabene mit wassergefüllter Hand jenem Knaben Leben für hundert Jahre.

Wort für Wort
evam uktaḥ sa bhagavān
so angesprochen, jener Erhabene (Part.Perf.Pass.; Nom.)
vāripūrṇena pāṇinā
mit wassergefüllter Hand (Instr.Sg.)
jīvaṃ tasmai kumārāya
Leben diesem Knaben (Akk.; Dat.)
prādāt varṣaśatāya vai
gab, für hundert Jahre fürwahr (3.Sg.Aor./Impf.; Dat.)

tathā gomāyugṛdhrābhyām adadat kṣudvināśanam; varaṃ pinākī bhagavān sarvabhūtahite rataḥ

Ebenso gewährte der erhabene Pinākin, der am Wohl aller Wesen Freude hat, dem Schakal und dem Geier eine Gabe: das Ende ihres Hungers.

Wort für Wort
tathā gomāyugṛdhrābhyām
ebenso dem Schakal und dem Geier (Dat.Du.)
adadat kṣudvināśanam
gab Hungervernichtung (3.Sg.Impf.; Akk.)
varaṃ pinākī bhagavān
als Gabe Pinākin, der Erhabene (Akk.; Nom.)
sarvabhūtahite rataḥ
am Wohl aller Wesen sich erfreuend (Lok.; Nom.)

tataḥ praṇamya taṃ devaṃ śreyoharṣasamanvitāḥ; kṛtakṛtyāḥ sukhaṃ hṛṣṭāḥ prātiṣṭhanta tadā vibho

Dann verneigten sie sich vor jenem Gott, von Heilsfreude erfüllt, ihr Ziel erreicht, glücklich [und] froh, und zogen damals fort, o Herr.

Wort für Wort
tataḥ praṇamya tam devam
dann sich verneigend vor jenem Gott (Abs.; Akk.)
śreyoharṣasamanvitāḥ
von Freude über das Heil erfüllt (Nom.Pl.)
kṛtakṛtyāḥ sukham hṛṣṭāḥ
die ihr Werk vollendet haben, glücklich, froh (Nom.Pl.)
prātiṣṭhanta tadā vibho
brachen auf damals, o Herr (3.Pl.Impf.Med.; Vok.)

anirvedena dīrgheṇa niścayena dhruveṇa ca; devadevaprasādāc ca kṣipraṃ phalam avāpyate

Durch Nicht-Verzagen, lange Ausdauer und festen Entschluss und durch die Gnade des Gottes der Götter wird schnell die Frucht erlangt.

Wort für Wort
anirvedena dīrgheṇa
durch Nicht-Verzagen, lang [anhaltend] (Instr.Sg.)
niścayena dhruveṇa ca
und durch festen Entschluss (Instr.Sg.)
devadevaprasādāt ca
und durch die Gnade des Gottes der Götter (Abl.Sg.)
kṣipraṃ phalam avāpyate
schnell die Frucht wird erlangt (Adv.; Nom.; 3.Sg.Präs.Pass.)

paśya devasya saṃyogaṃ bāndhavānāṃ ca niścayam; kṛpaṇānāṃ hi rudatāṃ kṛtam aśrupramārjanam

Sieh die Begegnung mit dem Gott und den Entschluss der Verwandten: Den Jammervollen, die weinten, wurde das Abwischen der Tränen bewirkt.

Wort für Wort
paśya devasya saṃyogam
sieh die Begegnung mit dem Gott (2.Sg.Imp.; Gen.; Akk.)
bāndhavānāṃ ca niścayam
und den Entschluss der Verwandten (Gen.Pl.; Akk.)
kṛpaṇānāṃ hi rudatām
der Erbarmungswürdigen ja, Weinenden (Gen.Pl.)
kṛtam aśrupramārjanam
bewirkt [wurde] das Abwischen der Tränen (Part.Pass.; Nom.n.)

paśya cālpena kālena niścayānveṣaṇena ca; prasādaṃ śaṃkarāt prāpya duḥkhitāḥ sukham āpnuvan

Und sieh: in kurzer Zeit und durch das Suchen nach [festem] Entschluss erlangten die Betrübten Gnade von Śaṃkara und gewannen Glück.

Wort für Wort
paśya ca alpena kālena
und sieh, in kurzer Zeit (Imp.; Instr.)
niścayānveṣaṇena ca
und durch Suchen nach Entschluss (Instr.Sg.)
prasādaṃ śaṃkarāt prāpya
Gnade von Śaṃkara erlangend (Akk.; Abl.; Abs.)
duḥkhitāḥ sukham āpnuvan
die Betrübten Glück gewannen (Nom.Pl.; Akk.; 3.Pl.Aor./Impf.)

te vismitāḥ prahṛṣṭāś ca putrasaṃjīvanāt punaḥ; babhūvur bharataśreṣṭha prasādāc chaṃkarasya vai

Sie waren erstaunt und hocherfreut über die Wiederbelebung des Sohnes, o Bester der Bharatas, durch die Gnade Śaṃkaras fürwahr.

Wort für Wort
te vismitāḥ prahṛṣṭāḥ ca
sie erstaunt und hocherfreut (Nom.Pl.)
putrasaṃjīvanāt punaḥ
wegen der Wiederbelebung des Sohnes, wieder (Abl.; Adv.)
babhūvuḥ bharataśreṣṭha
wurden, o Bester der Bharatas (3.Pl.Perf.; Vok.)
prasādāt śaṃkarasya vai
durch die Gnade Śaṃkaras fürwahr (Abl.; Gen.)

tatas te tvaritā rājañ śrutvā śokam aghodbhavam; viviśuḥ putram ādāya nagaraṃ hṛṣṭamānasāḥ; eṣā buddhiḥ samastānāṃ cāturvarṇye nidarśitā

Dann betraten sie eilig, o König, nachdem sie [das Ende] des aus Sünde entstandenen Kummers erfahren hatten, mit frohem Sinn die Stadt, den Sohn mit sich nehmend. Dies ist die Erkenntnis aller, den vier Ständen aufgezeigt.

Wort für Wort
tataḥ te tvaritāḥ rājan
dann sie, eilig, o König (Nom.Pl.; Vok.)
śrutvā śokam aghodbhavam
vernommen habend den aus Übel entstandenen Kummer [?] (Abs.; Akk.)
viviśuḥ putram ādāya
betraten, den Sohn nehmend (3.Pl.Perf.; Akk.; Abs.)
nagaraṃ hṛṣṭamānasāḥ
die Stadt, frohen Sinnes (Akk.; Nom.Pl.)
eṣā buddhiḥ samastānām
dies [ist] die Einsicht aller (Nom.; Gen.Pl.)
cāturvarṇye nidarśitā
im Bereich der vier Stände aufgezeigt (Lok.; Part.Pass.)

Die Wendung śrutvā śokam aghodbhavam ist knapp; wörtlich „nachdem sie den aus Übel entstandenen Kummer gehört hatten“ [?]. Letzter Pāda ist ein schlussfolgernder Nachsatz; cāturvarṇye „im Bereich der vier Stände“.

dharmārthamokṣasaṃyuktam itihāsam imaṃ śubham; śrutvā manuṣyaḥ satatam iha pretya ca modate

Wer diese heilvolle Geschichte hört, die mit Dharma, Artha und Mokṣa verbunden ist, der freut sich stets hier und nach dem Tod.

Wort für Wort
dharmārthamokṣasaṃyuktam
mit Dharma, Artha und Mokṣa verbunden (Akk.Sg.)
itihāsam imaṃ śubham
Geschichte diese heilvolle (Akk.)
śrutvā manuṣyaḥ satatam
hörend, der Mensch stets (Abs.; Nom.; Adv.)
iha pretya ca modate
hier und nach dem Tod sich freut (Adv.; Abs.; 3.Sg.Präs.Med.)

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