Kapitel 149: gṛdhrajambukasaṃvāda
Geier und Schakal streiten auf dem Leichenfeld um den toten Brahmanenknaben
Bhīṣma erzählt auf Yudhiṣṭhiras Frage nach Wiederbelebung Verstorbener die Geschichte vom toten Brahmanenkind auf dem Leichenfeld von Vaidiśa: Der Geier rät den Verwandten zum Weggehen, der Schakal zum Bleiben, bis schließlich Śiva erscheint.
yudhiṣṭhira uvāca; yad eva śrūyate rājann abhiyogam anujjhatām; kadāpy aghaṭamāno 'pi ghaṭetārtho mahān api; tad etaṃ saṃśayaṃ chindhi mahāntaṃ hy api me sthitam; ṛte pitāmahād bhīṣmāc chettā naivāsya vidyate
Yudhiṣṭhira sprach: „Was man hört, o König: Bei denen, die im Bemühen nicht nachlassen, kann bisweilen auch ein Ziel, das zunächst nicht zustande kommt, ja sogar ein großes, doch noch gelingen. Diesen Zweifel, der groß in mir feststeht, zerschneide! Außer dem Großvater Bhīṣma gibt es niemanden, der ihn zerschneiden könnte.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
yad eva śrūyate rājan
was man hört, o König (Pass. Präs./Vok.)
abhiyogam anujjhatām
bei denen, die das Bemühen nicht aufgeben (Gen. Pl. Part. Präs.)
kadā api aghaṭamānaḥ api ghaṭeta arthaḥ mahān api
bisweilen könnte auch ein Ziel, das nicht zustande kommt, zustande kommen, selbst ein großes (Part. Präs. Med./Opt. 3.Sg./Nom.)
tad etaṃ saṃśayaṃ chindhi mahāntaṃ hi api me sthitam
darum zerschneide diesen Zweifel, den großen, der in mir feststeht (Imp. 2.Sg./Akk./Part. Perf. Pass.)
ṛte pitāmahāt bhīṣmāt chettā na eva asya vidyate
außer dem Großvater Bhīṣma gibt es keinen Zerschneider davon (Abl./Nom. Agent/Präs. Pass. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur in einem Teil der Handschriften).
Bhīṣma sprach: „Höre, Pārtha, wie es sich zutrug, eine uralte Erzählung: das Zwiegespräch zwischen Geier und Schakal, das sich einst in Vaidiśa ereignete.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
śṛṇu pārtha yathāvṛttam
höre, Pārtha, wie es sich zutrug (Imp. 2.Sg./Vok./Adv.)
itihāsaṃ purātanam
die Erzählung, die uralte (Akk. Sg.)
gṛdhrajambukasaṃvādaṃ
das Gespräch zwischen Geier und Schakal (Akk. Sg., Tatpuruṣa)
yaḥ vṛttaḥ vaidiśe purā
das stattfand in Vaidiśa einst (Nom./Part. Perf. Pass./Lok.)
sarveṇa khalu martavyaṃ martyaloke prasūyatā; kṛtāntavihite mārge ko mṛtaṃ jīvayiṣyati
„Jeder, der in der Welt der Sterblichen geboren wird, muss gewiss sterben. Auf dem vom Schicksal [Yama, dem Ende-Bewirker] bestimmten Weg: Wer wird da einen Toten wieder beleben?“
Wort für Wort
sarveṇa khalu martavyaṃ
von jedem muss gewiss gestorben werden (Instr./Gerundiv unpers.)
martyaloke prasūyatā
in der Welt der Sterblichen, von einem, der geboren wird (Lok./Part. Präs. Med. Instr.)
kṛtāntavihite mārge
auf dem vom Schicksal verfügten Weg (Lok. Sg.)
kaḥ mṛtaṃ jīvayiṣyati
wer wird einen Toten beleben? (Nom./Akk./Fut. Kaus.)
[Anm.: Lücke im Text] hierhin und dorthin laut klagend, gingen sie mit den Worten „tot“, ohne Hoffnung, ihn [wieder] zu sehen, [und waren] zur Umkehr entschlossen [?].
Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
vikrośantaḥ tataḥ tataḥ
laut klagend, hierhin und dorthin (Part. Präs./Adv.)
mṛtam iti eva gacchantaḥ
nur „tot“ [sagend] gehend (Part. Perf. Pass./Part. Präs.)
nirāśāḥ tasya darśane
ohne Hoffnung auf seinen Anblick (Nom. Pl./Lok.)
nivartane kṛtadhiyaḥ
zur Umkehr/im Umkehren entschlossen [?] (Lok./Nom. Pl. Bahuvrīhi)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Lücke; die Wendung nivartane kṛtadhiyaḥ passt schlecht zum Zusammenhang (man erwartet eher „zum Weggehen entschlossen“); Text vermutlich verderbt.
dhvāṅkṣābhrasamavarṇas tu bilān niḥsṛtya jambukaḥ; gacchamānān sma tān āha nirghṛṇāḥ khalu mānavāḥ
Ein Schakal, an Farbe einer Krähe oder einer [dunklen] Wolke gleich, kam aus seiner Höhle hervor und sprach zu den Gehenden: „Erbarmungslos sind wahrlich die Menschen!“
Wort für Wort
dhvāṅkṣābhrasamavarṇaḥ tu
krähen- und wolkenfarben aber (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
bilāt niḥsṛtya jambukaḥ
aus der Höhle hervorkommend, der Schakal (Abl./Abs./Nom.)
gacchamānān sma tān āha
sprach zu jenen Gehenden (Part. Präs. Med. Akk. Pl./Perf.)
nirghṛṇāḥ khalu mānavāḥ
erbarmungslos wahrlich sind die Menschen (Nom. Pl.)
„Ihr habt das Kind auf die Erde gelegt, seid der Sohnesliebe beraubt: Warum geht ihr, Erbarmungslose, und lasst euren Sohn auf dem Leichenfeld zurück?“
Wort für Wort
yūyaṃ bhūmau vinikṣipya
ihr, auf die Erde niederlegend (Nom. Pl./Lok./Abs.)
putrasnehavinākṛtāḥ
der Sohnesliebe beraubt (Nom. Pl., Part. Perf. Pass.)
śmaśāne putram utsṛjya
auf dem Leichenfeld den Sohn zurücklassend (Lok./Akk./Abs.)
kasmāt gacchatha nirghṛṇāḥ
warum geht ihr, Erbarmungslose? (Präs. 2.Pl./Vok.)
„Vierfüßer, Vögel, Kerbtiere, Wesen, die an Zuneigung hängen, [sind] wie die Opferhandlungen der Weisen bei denen, die auf dem Weg zur jenseitigen Welt stehen [?].“
Wort für Wort
catuṣpāt pakṣikīṭānāṃ
der Vierfüßer, Vögel und Kerbtiere (Gen. Pl., Dvandva)
prāṇināṃ snehasaṅginām
der Wesen, die an Zuneigung haften (Gen. Pl.)
paralokagatisthānāṃ
derer, die im Zustand des Wegs zur jenseitigen Welt stehen [?] (Gen. Pl.)
muniyajñakriyāḥ iva
gleichsam Opferhandlungen der Weisen (Nom. Pl.)
Der Vers ist syntaktisch unvollständig und im Sinn dunkel; vermutlich verderbt.
teṣāṃ putrābhirāmāṇām iha loke paratra ca; na guṇo dṛśyate kaś cit prajāḥ saṃdhārayanti ca
„Bei diesen, die sich an ihren Söhnen erfreuen, ist weder in dieser Welt noch in der jenseitigen irgendein Vorteil zu sehen, und dennoch erhalten sie die Nachkommenschaft.“
Wort für Wort
teṣāṃ putrābhirāmāṇām
bei diesen, die an Söhnen Freude haben (Gen. Pl.)
iha loke paratra ca
in dieser Welt und im Jenseits (Lok. Sg./Adv.)
na guṇaḥ dṛśyate kaḥ cit
kein Vorzug ist zu sehen (Nom./Präs. Pass.)
prajāḥ saṃdhārayanti ca
und doch erhalten sie die Nachkommen (Akk. Pl./Präs. 3.Pl.)
„Wie könnt ihr ihn verlassen und gehen, ihn mit den lotosgleichen, weiten, unruhig blickenden Augen, der geschmückt ist mit Bad und Girlanden wie einer bei einer neuen Hochzeit?“
Wort für Wort
tyaktvā kathaṃ gaccheta imaṃ
wie könntet ihr, nachdem ihr ihn verlassen habt, gehen, diesen (Abs./Opt. 2.Pl./Akk.)
padmalolāyatākṣakam
mit lotosgleichen, beweglichen, langen Augen (Akk. Sg., Bahuvrīhi)
yathā navodvāhakṛtaṃ
wie bei einer neu vollzogenen Hochzeit (Akk./Part. Perf. Pass.)
snānamālyavibhūṣitam
mit Bad und Girlande geschmückt (Akk. Sg., Part. Perf. Pass.)
Der Geier sprach: „Oh, pfui über den sehr grausamen Schakal von geringem Verstand! Von dem Niederträchtigen angesprochen, kehrt ihr um, ihr kraftlosen Menschen?“
Wort für Wort
gṛdhraḥ uvāca
der Geier sprach
aho dhik sunṛśaṃsena
oh, pfui über den sehr Grausamen (Interj./Instr.)
jambukena alpamedhasā
den Schakal von kleinem Verstand (Instr. Sg.)
kṣudreṇa uktāḥ hīnasattvāḥ
vom Niedrigen angesprochen, ihr Kraftlosen (Instr./Part. Perf. Pass./Nom. Pl.)
mānuṣāḥ kiṃ nivartatha
Menschen, kehrt ihr [deshalb] um? (Vok./Präs. 2.Pl.)
yathākṛtā ca bhūteṣu prāpyate sukhaduḥkhatā; gṛhītvā jāyate jantur duḥkhāni ca sukhāni ca
„Wie es unter den Wesen [durch früheres Tun] bewirkt wurde, so wird Glück und Leid zuteil; das Wesen wird geboren und nimmt Leiden und Freuden mit sich.“
Wort für Wort
yathākṛtā ca bhūteṣu
und wie unter den Wesen bewirkt (Nom. Fem./Lok. Pl.)
prāpyate sukhaduḥkhatā
wird Glücks- und Leidhaftigkeit erlangt (Präs. Pass.)
gṛhītvā jāyate jantuḥ
[sie] mit sich nehmend wird das Wesen geboren (Abs./Präs. Pass.)
„Weder der Sohn [geht] durch das Tun des Vaters noch der Vater durch das Tun des Sohnes; auf je anderem Weg gehen sie, indem sie [ihre] guten und schlechten Taten zurücklassen.“
Wort für Wort
na karmaṇā pituḥ putraḥ
nicht durch das Tun des Vaters der Sohn (Instr./Gen./Nom.)
pitā vā putrakarmaṇā
oder der Vater durch das Tun des Sohnes (Nom./Instr.)
mārgeṇa anyena gacchanti
auf einem anderen Weg gehen sie (Instr./Präs. 3.Pl.)
tyaktvā sukṛtaduṣkṛte
gute und schlechte Tat zurücklassend (Abs./Akk. Du.)
Jambuka sprach: „Ach, gering gemacht wurde die Zuneigung vom Geier hier, dem Kleingeistigen, bei euch, die ihr, von Sohnesliebe überwältigt, heftig trauert – [gering gemacht] …
Wort für Wort
jambuka uvāca
Jambuka sprach (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Perf.)
aho mandīkṛtaḥ sneho
ach, gering/schwach gemacht die Zuneigung (Nom.Sg.m.; PPP)
gṛdhreṇehālpamedhasā
vom Geier hier, dem Kleingeistigen (Instr.Sg.m.)
putrasnehābhibhūtānāṃ yuṣmākam
bei euch, von Sohnesliebe Überwältigten (Gen.Pl.)
śocatāṃ bhṛśam
die ihr heftig trauert (Gen.Pl.Part.Präs.; Adv.)
Der Satz setzt sich in n=50 und n=52 fort (Instrumental vacanaiḥ … ; yad gacchatha).
Nehmt dies alles rasch an [?]; sie sollen [es] tun [?] – zögert nicht [?].
Wort für Wort
sarvam etat
dies alles (Akk.Sg.n.)
prapadyāśu
nachdem ihr angenommen habt / nehmt an, rasch (Gerundium; Adv.)
kurutāṃ
sie sollen tun (3.Pl./3.Sg.Imp.Med.) [?]
mā vicāraya
zögere/überlege nicht (2.Sg.Imp.Kaus.; Prohibitiv)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, syntaktisch unklar (Person und Numerus von kurutām und vicāraya uneinheitlich); Wiedergabe unsicher.
aho putraviyogena mṛtaśūnyopasevanāt; krośatāṃ vai bhṛśaṃ duḥkhaṃ vivatsānāṃ gavām iva
Ach, [das ist] Leid durch die Trennung vom Sohn und durch das Verweilen bei dem Toten, dem Leeren: [ihr] Schreienden [habt] heftiges Leid, wie Kühe, die ihres Kalbes beraubt sind.
Wort für Wort
aho putraviyogena
ach, durch Trennung vom Sohn (Instr.Sg.m.)
mṛtaśūnyopasevanāt
durch das Aufwarten bei dem Toten und Leeren (Abl.Sg.n.; Kompositum)
krośatāṃ vai bhṛśaṃ duḥkham
für die Schreienden wahrlich heftiges Leid (Gen.Pl.Part.; Nom.Sg.n.)
yatno hi satataṃ kāryaḥ kṛto daivena sidhyati; daivaṃ puruṣakāraś ca kṛtāntenopapadyate
Man muss stets Anstrengung aufbringen; das Getane gelingt durch das Schicksal; das Schicksal und das Menschenwerk kommen durch den Vollender [das Schicksal/den Tod] zustande [?].
Wort für Wort
yatno hi satataṃ kāryaḥ
Anstrengung ist ja stets zu leisten (Nom.Sg.m.; Gerundiv)
kṛto daivena sidhyati
das Getane gelingt durch das Schicksal (Nom.Sg.m.; Instr.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
daivaṃ puruṣakāraś ca
Schicksal und Menschenwerk (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
kṛtāntenopapadyate
durch den Vollender/Endgeber kommt zustande (Instr.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Med.) [?]
ātmamāṃsopavṛttaṃ ca śarīrārdhamayīṃ tanum; pitṝṇāṃ vaṃśakartāraṃ vane tyaktvā kva yāsyatha
Den aus dem eigenen Fleisch Hervorgegangenen, den Leib, der aus der Hälfte des [eigenen] Körpers besteht, den Fortsetzer der Linie der Väter – wohin wollt ihr gehen, wenn ihr ihn im Wald zurücklasst?
Wort für Wort
ātmamāṃsopavṛttaṃ ca
und den aus dem eigenen Fleisch Entstandenen (Akk.Sg.m.)
śarīrārdhamayīṃ tanum
den aus dem halben Körper bestehenden Leib (Akk.Sg.f.)
pitṝṇāṃ vaṃśakartāram
den Begründer/Fortsetzer der Linie der Väter (Gen.Pl.; Akk.Sg.m.)
vane tyaktvā
im Wald zurückgelassen habend (Lok.Sg.n.; Gerundium)
Oder aber: wenn die Sonne untergegangen und die Zeit der Abenddämmerung eingetreten ist, dann werdet ihr den Sohn [fort]führen, oder ihr werdet hier bleiben.
Wort für Wort
atha vāstaṃ gate sūrye
oder aber, wenn die Sonne untergegangen ist (Lok.abs.)
saṃdhyākāla upasthite
wenn die Zeit der Dämmerung eingetreten ist (Lok.abs.)
tato neṣyatha vā putram
dann werdet ihr entweder den Sohn führen (2.Pl.Fut.)
śrībhīṣmaḥ; jambukasya vacaḥ śrutvā gṛdhro rājan yad abravīt; tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi tvam ihaikamanāḥ śṛṇu
Śrī Bhīṣma [sprach]: „Nachdem er Jambukas Rede gehört hatte, o König – was der Geier sagte, das werde ich dir berichten; höre du hier mit gesammeltem Sinn zu.“
Wort für Wort
śrībhīṣmaḥ
der ehrwürdige Bhīṣma [sprach] (Nom.Sg.m.)
jambukasya vacaḥ śrutvā
Jambukas Rede gehört habend (Gen.Sg.; Gerundium)
gṛdhro rājan yad abravīt
was der Geier sagte, o König (Vok.Sg.; 3.Sg.Impf.)
tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi
das werde ich dir verkünden (1.Sg.Fut.)
tvam ihaikamanāḥ śṛṇu
du höre hier einsgerichteten Sinnes (Nom.Sg.m.; 2.Sg.Imp.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
gṛdhra uvāca; adya varṣasahasraṃ me sāgraṃ jātasya mānuṣāḥ; na ca paśyāmi jīvantaṃ mṛtaṃ strīpuṃnapuṃsakam
Der Geier sprach: „Heute ist mir, dem Geborenen, ein volles Jahrtausend [vergangen], ihr Menschen; und ich sehe keinen Toten wieder lebend, weder Frau noch Mann noch Zwitter.“
Wort für Wort
gṛdhra uvāca
der Geier sprach (Nom.Sg.m.)
adya varṣasahasraṃ me sāgraṃ jātasya
heute ein Jahrtausend, volles, für mich, den Geborenen (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.)
mānuṣāḥ
ihr Menschen (Vok.Pl.)
na ca paśyāmi jīvantaṃ mṛtam
und ich sehe keinen Toten lebend (1.Sg.Präs.; Akk.Sg.m.)
mṛtā garbheṣu jāyante mriyante jātamātrakāḥ; vikramanto mriyante ca yauvanasthās tathāpare
Tote werden in den Mutterleibern geboren; kaum geboren, sterben sie; [manche] sterben, während sie sich tapfer regen, und andere ebenso im Jugendalter.
Wort für Wort
mṛtā garbheṣu jāyante
Tote werden in Mutterleibern geboren (Nom.Pl.m.; Lok.Pl.; 3.Pl.Präs.)
mriyante jātamātrakāḥ
sie sterben, kaum geboren (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
vikramanto mriyante ca
und sie sterben, während sie voranstreben (Nom.Pl.Part.)
Lasst diesen fahren, der glanzlos [und] leer zu einem Stück Holz geworden ist; denn an einen anderen Leib Gebundene warten [nur] einem Leichenholz auf [?].
Wort für Wort
tyajyatām eṣa
er möge verlassen werden, dieser (3.Sg.Imp.Pass.; Nom.Sg.m.)
nistejāḥ śūnyaḥ
glanzlos, leer (Nom.Sg.m.)
kāṣṭhatvam āgataḥ
zur Holzheit gelangt (Akk.Sg.n.; PPP)
anyadehaviṣakto hi
denn an einem anderen Leib haftend (Nom.Sg.m.)
śāvaṃ kāṣṭham upāsate
ein Leichenholz verehren/warten auf (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Präs.Med.)
Zweite Vershälfte syntaktisch schwierig (anyadehaviṣakta ambig.); Wiedergabe unsicher.
bhrāntajīvasya vai bāṣpaṃ kasmād dhitvā na gacchatha; nirarthako hy ayaṃ sneho nirarthaś ca parigrahaḥ
Warum geht ihr nicht, die Tränen um den, dessen Leben abgeirrt [entwichen] ist, hinter euch lassend [?]? Nutzlos ist diese Zuneigung, und nutzlos ist das Festhalten.
Wort für Wort
bhrāntajīvasya vai bāṣpam
Träne um den, dessen Leben verirrt/entwichen ist (Gen.Sg.m.; Akk.Sg.m.) [?]
kasmād dhitvā na gacchatha
warum geht ihr nicht, nachdem ihr [sie] gelassen habt (Gerundium; 2.Pl.Präs.)
nirarthako hy ayaṃ sneho
nutzlos ist diese Zuneigung (Nom.Sg.m.)
nirarthaś ca parigrahaḥ
und nutzlos das Festhalten (Nom.Sg.m.)
bhrāntajīvasya und die Konstruktion bāṣpaṃ … hitvā sind unsicher.
Mit auf die Lehre von der Erlösung gestützten, begründeten, nicht harten Worten wurdet ihr von mir angesprochen: Geht rasch, jeder in sein eigenes Haus.
Wort für Wort
mokṣadharmāśritair vākyair
mit auf die Erlösungslehre gestützten Worten (Instr.Pl.n.)
hetumadbhir aniṣṭhuraiḥ
begründeten, nicht harten (Instr.Pl.n.)
mayoktā gacchata kṣipram
von mir angesprochen: geht schnell (Instr.Sg.; PPP Nom.Pl.m.; 2.Pl.Imp.)
Von mir, der ich mit Einsicht und Erkenntnis begabt bin und dem Verstand Belehrung gebe, wurde euch ein rauhes Wort zu Gehör gebracht; ihr Menschen, kehrt um.
Wort für Wort
prajñāvijñānayuktena
von dem mit Einsicht und Erkenntnis Verbundenen (Instr.Sg.m.)
buddhisaṃjñāpradāyinā
dem den Verstand Verständigung/Bewusstsein Gebenden (Instr.Sg.m.)
vacanaṃ śrāvitā rūkṣam
ein Wort, rauh, wurde [euch] hören gemacht (Akk.Sg.n.; PPP Kaus. Nom.Pl.m.)
mānuṣāḥ saṃnivartata
ihr Menschen, kehrt um (Vok.Pl.; 2.Pl.Imp.)
śrāvitā(ḥ) grammatisch ungewöhnlich (‚ihr seid hören gemacht worden‘); Sinn klar.
Der Kummer wird doppelt, wenn man das Tun [des Toten] sieht und sich erinnert. Nachdem sie diese Rede gehört hatten, kehrten die Menschen um; da sah Jambuka, rasch herbeigekommen, ihn dort schlafend [daliegen].
Wort für Wort
śoko dviguṇatāṃ yāti
der Kummer geht in Verdopplung über (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
dṛṣṭvā smṛtvā ca ceṣṭitam
nach dem Sehen und Erinnern des Tuns (Gerundien; Akk.Sg.n.)
ity etad vacanaṃ śrutvā
so, diese Rede gehört habend (Gerundium)
saṃnivṛttās tu mānuṣāḥ
umgekehrt waren die Menschen (PPP Nom.Pl.m.)
apaśyat taṃ tadā suptaṃ
da sah er ihn schlafend (3.Sg.Impf.; PPP Akk.Sg.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚suptam‘ (‚schlafend‘) hier euphemistisch für den toten Knaben.
Jambuka sprach: „Diesen goldfarben Schimmernden, mit Schmuck wohl geschmückten Sohn, der [euch] die Ahnenklöße [Piṇḍa] darbringt – wie könnt ihr ihn auf das Wort des Geiers hin verlassen?“
Wort für Wort
jambuka uvāca
Jambuka sprach
imaṃ kanakavarṇābhaṃ
diesen goldfarben Schimmernden (Akk.Sg.m.)
bhūṣaṇaiḥ samalaṃkṛtam
mit Schmuckstücken wohl geschmückten (Instr.Pl.; PPP Akk.Sg.m.)
gṛdhravākyāt kathaṃ putraṃ
wie [könnt ihr] auf des Geiers Wort hin den Sohn (Abl.Sg.n.; Akk.Sg.m.)
tyajadhvaṃ pitṛpiṇḍadam
verlassen, den Geber der Ahnenklöße (2.Pl.Präs.Med.; Akk.Sg.m.)
śrūyate śambuke śūdre hate brāhmaṇadārakaḥ; jīvito dharmam āsādya rāmāt satyaparākramāt
Man hört: Als der Śūdra Śambūka getötet war, wurde ein Brahmanenknabe wieder lebendig gemacht von Rāma, dem wahrhaft Tapferen, der [dabei] das Recht erlangte [?].
Wort für Wort
śrūyate śambuke śūdre hate
man hört: als Śambūka, der Śūdra, erschlagen war (3.Sg.Pass.; Lok.abs.)
brāhmaṇadārakaḥ
ein Brahmanenknabe (Nom.Sg.m.)
jīvito dharmam āsādya
ins Leben gebracht, Recht erlangt habend (PPP Kaus.; Gerundium)
rāmāt satyaparākramāt
von Rāma, dem wahrhaft Tapferen (Abl.Sg.m.)
dharmam āsādya (‚das Recht erreichend/auf das Recht stoßend‘) ist in der Beziehung unsicher.
Ebenso kam der Knabe des Königsweisen Śveta zum bestimmten Ende [Tod]; am folgenden Tag wurde der Gestorbene von dem stets im Recht Verharrenden wieder ins Leben gerufen [?].
Wort für Wort
tathā śvetasya rājarṣer
ebenso des Königsweisen Śveta (Gen.Sg.m.)
bālo diṣṭāntam āgataḥ
der Knabe, zum bestimmten Ende gelangt (Nom.Sg.m.; PPP)
śvo 'bhūte
als der folgende Tag geworden war (Lok.abs.) [?]
dharmanityena mṛtaḥ
von dem stets im Dharma [Verharrenden]; der Gestorbene (Instr.Sg.m.; PPP)
gṛdhra uvāca; aśrupātapariklinnaḥ pāṇisparśanapīḍitaḥ; dharmarājaprayogāc ca dīrghāṃ nidrāṃ praveśitaḥ
Der Geier sprach: „[Er ist] von Tränenfall durchnässt, von der Berührung der Hände gequält und durch die Veranlassung des Dharmarāja in den langen Schlaf eingegangen.“
Wort für Wort
gṛdhra uvāca
der Geier sprach
aśrupātapariklinnaḥ
von Tränenfall durchnässt (Nom.Sg.m.)
pāṇisparśanapīḍitaḥ
von Berührung der Hände bedrängt (Nom.Sg.m.)
dharmarājaprayogāc ca
und durch das Wirken/die Veranlassung des Dharmarāja [Yama] (Abl.Sg.m.)
dīrghāṃ nidrāṃ praveśitaḥ
in den langen Schlaf hineingeführt (Akk.Sg.f.; PPP Kaus.)
Bhīṣma sprach: So angesprochen, ließen sie den Sohn zurück, [auf dem] Boden, von Kummer überflutet, aus Liebe zum Sohn [innerlich] verbrennend; die Verwandten gingen nach Hause.
Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; Perf.)
iti uktāḥ tam sutaṃ tyaktvā
so angesprochen, den Sohn verlassend (Part.Perf.Pass. Nom.Pl.; Abs.)
bhūmau śokapariplutāḥ
auf dem Boden, von Kummer überflutet (Lok.Sg.; Nom.Pl.)
dahyamānāḥ sutasnehāt
brennend aus Sohnesliebe (Part.Präs.Pass.; Abl.Sg.)
prayayuḥ bāndhavāḥ gṛhān
gingen fort, die Verwandten, zu den Häusern (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.; Akk.Pl.)
jambuka uvāca; dāruṇo martyaloko 'yaṃ sarvaprāṇivināśanaḥ; iṣṭabandhuviyogaś ca tathaivālpaṃ ca jīvitam
Jambuka sprach: Grausam ist diese Welt der Sterblichen, die alle Wesen vernichtet; Trennung von lieben Verwandten [gehört zu ihr], und ebenso ist das Leben kurz.
Wort für Wort
jambukaḥ uvāca
Jambuka sprach (Nom.; Perf.)
dāruṇaḥ martyalokaḥ ayam
grausam [ist] diese Welt der Sterblichen (Nom.Sg.)
bahv alīkam asatyaṃ ca prativādāpriyaṃvadam; imaṃ prekṣya punarbhāvaṃ duḥkhaśokābhivardhanam
Viel ist [hier] Trug und Unwahrheit, und Unfreundliches im Widerspruch [der Rede]; wenn ich dieses Wiedergeborenwerden ansehe, das Leid und Kummer mehrt –
Wort für Wort
bahu alīkam asatyaṃ ca
viel Trug und Unwahrheit (Nom.Sg.n.)
prativādāpriyaṃvadam
Unfreundliches im Gegenrede-Sprechen [?] (Kompositum, Nom.Sg.n.)
imaṃ prekṣya punarbhāvam
dieses ansehend, das Wiederdasein (Abs.; Akk.Sg.)
duḥkhaśokābhivardhanam
Leid und Kummer mehrend (Akk.Sg.)
Satz setzt sich in Vers 96 fort; prativādāpriyaṃvadam unsicher.
Wie [Leute], die von Sohnesschmerz entflammt und ebenso unverständig sind – wie könnt ihr, [selbst] voller Liebe, die Liebe zum Sohn aufgeben und gehen, nachdem ihr das Wort des Geiers gehört habt, [des Geiers,] der böse ist und hier [in dieser Welt] ungeläutert im Wesen?
Wort für Wort
pradīptāḥ putraśokena
entflammt vom Sohnesschmerz (Nom.Pl.; Instr.Sg.)
yathā eva abuddhayaḥ tathā
wie gerade Unverständige, ebenso (Nom.Pl.)
katham gacchatha sasnehāḥ
wie geht ihr, liebevoll (2.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
sutasnehaṃ visṛjya ca
und die Sohnesliebe aufgebend (Akk.Sg.; Abs.)
śrutvā gṛdhrasya vacanam
nachdem ihr gehört habt das Wort des Geiers (Abs.; Gen.; Akk.)
Diesen Knaben, schön von Gestalt, den Ihr auf die Erdoberfläche gelegt habt, den Sohn, der die Trauer der Sippe zur Quelle hat – wohin wollt ihr Toren gehen, wenn ihr [ihn] verlasst?
Wort für Wort
imaṃ kṣititale nyasya
diesen auf die Erdoberfläche gelegt habend (Akk.; Lok.Sg.; Abs.)
bālaṃ rūpasamanvitam
Knaben, mit Schönheit begabt (Akk.Sg.)
kulaśokākaram
Quelle des Sippenkummers (Akk.Sg.)
mūḍhāḥ putraṃ tyaktvā
ihr Toren, den Sohn verlassend (Vok.Pl.; Akk.; Abs.)
kva yāsyatha
wohin werdet ihr gehen (2.Pl.Fut.)
kulaśokākara: ākara „Fundort, Quelle“ – „der Quelle der Trauer der Sippe“ [Anm.: alternativ „Sohn, [dessen Tod] eine Fundgrube des Kummers für die Sippe [ist]“].
Und sein Untergang ist ihm nicht angemessen; [so] werdet ihr, Menschen, Glück erlangen. Für euch, die ihr vom Feuer des Sohnesschmerzes verbrannt seid, ist selbst ein Toter heute angemessen [zu beleben?].
Wort für Wort
vināśaḥ ca api anarhaḥ asya
und Untergang auch unangemessen für ihn (Nom.Sg.; Gen.)
sukhaṃ prāpsyatha mānuṣāḥ
Glück werdet ihr erlangen, Menschen (Akk.; 2.Pl.Fut.; Vok.)
putraśokāgnidagdhānām
von dem Feuer des Sohnesschmerzes Verbrannten (Gen.Pl.)
mṛtam api adya vaḥ kṣamam
auch ein Toter heute euch passend [?] (Nom.Sg.n.; Gen./Dat.Pl.)
Zweiter Halbvers verderbt oder elliptisch: mṛtam api kṣamam wörtlich „auch [ein] Toter [ist] passend/erträglich“; Sinn unsicher.
Nachdem ihr Kummer [für euch] erwartet habt und [zuvor] selbst Glück bewahrt habt, wohin wollt ihr heute gehen, [ihn] verlassend, wie Menschen von geringem Verstand?
Wort für Wort
duḥkhasaṃbhāvanāṃ kṛtvā
Leid für wahrscheinlich haltend [?] (Akk.; Abs.)
dhārayitvā svayaṃ sukham
selbst Glück festhaltend (Abs.; Akk.)
tyaktvā gamiṣyatha kva adya
verlassend, werdet ihr gehen wohin heute (Abs.; 2.Pl.Fut.)
samutsṛjya alpabuddhivat
aufgebend wie Wenigverständige (Abs.; Adv.)
duḥkhasaṃbhāvanāṃ kṛtvā: Bedeutung unsicher („Leid für möglich halten / sich Leid zuziehen“).
tato madhyasthatāṃ nītā vacanair amṛtopamaiḥ; jambukena svakāryārthaṃ bāndhavās tasya dhiṣṭhitāḥ
Da wurden die Verwandten von Jambuka mit nektargleichen Worten für seinen eigenen Zweck in eine Mittelstellung [zwischen den Positionen] gebracht und blieben bei ihm stehen.
Wort für Wort
tataḥ madhyasthatāṃ nītāḥ
da in Mittelstellung gebracht (Akk.Sg.f.; Part.Perf.Pass. Nom.Pl.)
vacanaiḥ amṛtopamaiḥ
mit Worten, nektargleichen (Instr.Pl.)
jambukena svakāryārtham
von Jambuka, zu eigenem Zweck (Instr.; Adv.)
bāndhavāḥ tasya dhiṣṭhitāḥ
die Verwandten, bei ihm stehend [?] (Nom.Pl.; Part.Perf.Pass.)
dhiṣṭhitāḥ vermutlich für adhiṣṭhitāḥ „standen da, blieben“; syntaktisch knapp.
Vor Dieben, vor [gewaltigen] Königen und vor Herrschern, ihr Menschen, [besteht] in diesem Waldstrich keine Furcht, und ebenso nicht vor Leuten mit verblendetem Verstand.
Wort für Wort
taskarāṇāṃ virāṭānām
vor Dieben, vor Herrschern [?] (Gen.Pl.)
nṛpāṇāṃ ca eva mānuṣāḥ
und ebenso vor Königen, ihr Menschen (Gen.Pl.; Vok.Pl.)
bhayaṃ na asmin vanoddeśe
Furcht nicht in diesem Waldstrich (Nom.; Lok.)
tathā eva hatabuddhinām
und ebenso vor Verstandeszerstörten (Gen.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). virāṭānām: wohl „der Herrscher/Könige“ (virāj); Lesart unsicher [?]. Zusatzvers.
dāruṇe 'smin vanoddeśe bhayaṃ vo na bhaviṣyati; ayaṃ saumyo vanoddeśaḥ pitṝṇāṃ nidhanākaraḥ
In diesem furchtbaren Waldstrich wird euch keine Furcht entstehen. Dieser Waldstrich ist mild, eine Stätte des Hinscheidens der Ahnen [Väter].
Wort für Wort
dāruṇe asmin vanoddeśe
in diesem furchtbaren Waldstrich (Lok.)
bhayaṃ vaḥ na bhaviṣyati
Furcht euch nicht wird sein (Nom.; Dat./Gen.; 3.Sg.Fut.)
ayaṃ saumyaḥ vanoddeśaḥ
dieser milde Waldstrich (Nom.Sg.)
pitṝṇāṃ nidhanākaraḥ
der Väter Sterbestätte (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers. Der Text nimmt die Verse 115 und 117 zwischen sich.
bhīṣma uvāca; gṛdhro 'nastamite tv āha gate 'stam iti jambukaḥ; mṛtasya taṃ parijanam ūcatus tau kṣudhānvitau
Bhīṣma sprach: Der Geier sagte, [die Sonne] sei noch nicht untergegangen, der Schakal, sie sei untergegangen; die beiden, vom Hunger geplagt, sprachen zu dem Gefolge des Toten.
Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; Perf.)
gṛdhraḥ anastamite tu āha
der Geier, bei nicht Untergegangenem aber sagte (Lok.abs.; 3.Sg.Perf.)
gate astam iti jambukaḥ
bei Untergegangen-sein, [sagte] so Jambuka (Lok.abs.; Nom.)
mṛtasya tam parijanam
des Toten jenes Gefolge (Gen.; Akk.)
ūcatuḥ tau kṣudhānvitau
sprachen die beiden, hungrig (3.Du.Perf.; Nom.Du.)
gate 'stam iti wörtlich „sie sei zum Untergang gegangen“; Konstruktion: anastamite (Lok.abs.).
svakāryadakṣiṇau rājan gṛdhro jambuka eva ca; kṣutpipāsāpariśrāntau śāstram ālambya jalpataḥ
O König, Geier und Schakal, beide auf ihren eigenen Vorteil geschickt, von Hunger und Durst erschöpft, redeten, indem sie sich auf die Lehre [Lehrsätze] stützten.
Wort für Wort
svakāryadakṣiṇau rājan
auf eigenen Vorteil geschickt, o König (Nom.Du.; Vok.)
gṛdhraḥ jambukaḥ eva ca
Geier und Jambuka (Nom.)
kṣutpipāsāpariśrāntau
von Hunger und Durst erschöpft (Nom.Du.)
śāstram ālambya jalpataḥ
sich auf die Lehre stützend, reden (Akk.; Abs.; 3.Du.Präs.)
tayor vijñānaviduṣor dvayor jambukapatriṇoḥ; vākyair amṛtakalpair hi prātiṣṭhanta vrajanti ca
Von den beiden, dem Schakal und dem Vogel, die sich in Erkenntnis auskannten, wurden sie durch nektargleiche Worte [hin und her gezogen]: sie brachen auf und gehen [wieder].
Wort für Wort
tayoḥ vijñānaviduṣoḥ dvayoḥ
von den beiden erkenntniskundigen (Gen.Du.)
jambukapatriṇoḥ
Schakal und Vogel (Gen.Du.)
vākyaiḥ amṛtakalpaiḥ hi
durch nektarähnliche Worte ja (Instr.Pl.)
prātiṣṭhanta vrajanti ca
brachen auf und gehen [?] (3.Pl.Impf.Med.; 3.Pl.Präs.)
Vers verderbt bzw. knapp; prātiṣṭhanta vrajanti ca: Sinn unsicher [?] („sie machten sich auf und gehen“).
śokadainyasamāviṣṭā rudantas tasthire tadā; svakāryakuśalābhyāṃ te saṃbhrāmyante ha naipuṇāt
Von Kummer und Elend erfüllt blieben sie damals weinend stehen; von den beiden, die in ihrem eigenen Vorteil geschickt waren, wurden sie durch [deren] Geschick verwirrt.
Wort für Wort
śokadainyasamāviṣṭāḥ
von Kummer und Elend erfüllt (Nom.Pl.)
rudantaḥ tasthire tadā
weinend standen sie damals (Part.Präs.; 3.Pl.Perf.Med.)
svakāryakuśalābhyām te
von den beiden im eigenen Vorteil Geschickten, sie (Abl./Instr.Du.)
saṃbhrāmyante ha naipuṇāt
werden verwirrt fürwahr durch Geschicklichkeit (3.Pl.Präs.Pass.; Abl.)
Von der Göttin angetrieben, der Gott, dessen Augen von Mitleid feucht geworden waren.
Wort für Wort
devyā praṇoditaḥ devaḥ
von der Göttin angetrieben, der Gott (Instr.Sg.f.; Part.Perf.Pass.; Nom.)
kāruṇyārdrīkṛtekṣaṇaḥ
dessen Augen von Mitleid feucht gemacht wurden (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Halbvers ohne finites Verb, schließt an upātiṣṭhata (Vers 123) an.
Dann betraten sie eilig, o König, nachdem sie [das Ende] des aus Sünde entstandenen Kummers erfahren hatten, mit frohem Sinn die Stadt, den Sohn mit sich nehmend. Dies ist die Erkenntnis aller, den vier Ständen aufgezeigt.
Wort für Wort
tataḥ te tvaritāḥ rājan
dann sie, eilig, o König (Nom.Pl.; Vok.)
śrutvā śokam aghodbhavam
vernommen habend den aus Übel entstandenen Kummer [?] (Abs.; Akk.)
viviśuḥ putram ādāya
betraten, den Sohn nehmend (3.Pl.Perf.; Akk.; Abs.)
nagaraṃ hṛṣṭamānasāḥ
die Stadt, frohen Sinnes (Akk.; Nom.Pl.)
eṣā buddhiḥ samastānām
dies [ist] die Einsicht aller (Nom.; Gen.Pl.)
cāturvarṇye nidarśitā
im Bereich der vier Stände aufgezeigt (Lok.; Part.Pass.)
Die Wendung śrutvā śokam aghodbhavam ist knapp; wörtlich „nachdem sie den aus Übel entstandenen Kummer gehört hatten“ [?]. Letzter Pāda ist ein schlussfolgernder Nachsatz; cāturvarṇye „im Bereich der vier Stände“.