Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 229: jñānaplavaḥ, svabhāvakhaṇḍanaṃ, vidyāyāḥ śraiṣṭhyakramaḥ Das Floß der Erkenntnis: Widerlegung der bloßen Eigennatur und die Rangfolge der Wesen bis zum Selbstkenner

Vyāsa unterweist Śuka über Erkenntnis als Mittel, die beiden Wege von Tätigkeit und Abkehr zu überqueren. Er weist die Lehre zurück, allein die Eigennatur (svabhāva) sei Ursache, und ordnet die Wesen stufenweise nach Vorzüglichkeit bis zum Selbstkundigen und wahren Brāhmaṇa. Der Text von Vers 3 ist schwer verständlich.

vyāsa uvāca; atha jñānaplavaṃ dhīro gṛhītvā śāntim āsthitaḥ; unmajjaṃś ca nimajjaṃś ca jñānam evābhisaṃśrayet

Vyāsa sprach: Wenn der Besonnene dann das Floß der Erkenntnis ergriffen hat und im Frieden verharrt, soll er sich, ob er auftaucht oder untertaucht, einzig an die Erkenntnis halten.

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Perf.)
atha jñānaplavaṃ
dann das Floß der Erkenntnis (Akk. Sg.)
dhīro gṛhītvā
der Besonnene, nachdem er ergriffen hat (Nom. Sg.; Absolutiv)
śāntim āsthitaḥ
im Frieden verharrend (Akk. Sg.; Part. Perf. Pass. mit aktiver Bedeutung)
unmajjaṃś ca nimajjaṃś ca
auftauchend und untertauchend (Part. Präs. Nom. Sg.)
jñānam evābhisaṃśrayet
einzig zur Erkenntnis seine Zuflucht nehmen soll er (Akk.; Opt. 3.Sg.)

śuka uvāca; kiṃ taj jñānam atho vidyā yayā nistarati dvayam; pravṛttilakṣaṇo dharmo nivṛttir iti caiva hi

Śuka sprach: Was ist jene Erkenntnis, oder [jenes] Wissen, durch die man das Zweifache überquert: die Pflicht, die durch Tätigkeit gekennzeichnet ist, und die Abkehr [davon]?

Wort für Wort
śuka uvāca
Śuka sprach (Perf.)
kiṃ taj jñānam
was [ist] jene Erkenntnis (Nom. Sg. n.)
atho vidyā
oder das Wissen (Nom. Sg. f.)
yayā nistarati dvayam
durch die man überquert das Zweifache (Instr. Sg.; 3.Sg.Präs.; Akk. Sg.)
pravṛttilakṣaṇo dharmaḥ
die Pflicht, durch Tätigkeit gekennzeichnet (Bahuvrīhi; Nom. Sg.)
nivṛttir iti caiva hi
und die Abkehr, so [heißt es] fürwahr (Nom. Sg.; Partikeln)

vyāsa uvāca; yas tu paśyet svabhāvena vinā bhāvam acetanaḥ; puṣyate ca punaḥ sarvān prajñayā muktahetukaḥ

Vyāsa sprach: Wer aber, unverständig, ohne [anderes] Sein außer aus der Eigennatur [?] etwas sähe, und wieder alle durch Einsicht nährt, dessen Grund die Befreiung ist [?] …

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Perf.)
yas tu paśyet
wer aber sähe (Nom. Sg.; Opt. 3.Sg.)
svabhāvena vinā bhāvam
ohne das Sein durch Eigennatur [?] (Instr. Sg.; Postp.; Akk. Sg.)
acetanaḥ
unverständig (Nom. Sg.)
puṣyate ca punaḥ sarvān
und er wird genährt [?] / nährt wiederum alle (3.Sg.Präs.; Akk. Pl.)
prajñayā muktahetukaḥ
durch Einsicht, mit Befreiung als Grund [?] (Instr. Sg.; Bahuvrīhi Nom. Sg.)

Der Text ist offenbar verderbt oder sehr elliptisch; die Wiedergabe ist unsicher.

yeṣāṃ caikāntabhāvena svabhāvaḥ kāraṇaṃ matam; pūtvā tṛṇabusīkāṃ vai te labhante na kiṃ cana

Die aber, die in ausschließlicher Hingabe die Eigennatur für die Ursache halten, die erlangen nichts, so als hätten sie nur Spreu aus Gras geläutert.

Wort für Wort
yeṣāṃ caikāntabhāvena
und von denen in ausschließlicher Hingabe (Gen. Pl.; Instr. Sg.)
svabhāvaḥ kāraṇaṃ matam
die Eigennatur als Ursache gilt (Nom. Sg.; Nom. Sg. n.; Part. Perf. Pass.)
pūtvā tṛṇabusīkāṃ vai
nachdem sie geläutert haben die Grasspreu fürwahr (Absolutiv; Akk. Sg.)
te labhante na kiṃ cana
sie erlangen nichts (3.Pl.Präs. Med.)

ye cainaṃ pakṣam āśritya vartayanty alpacetasaḥ; svabhāvaṃ kāraṇaṃ jñātvā na śreyaḥ prāpnuvanti te

Und die, die, geringen Verstandes, diese Seite [der Lehre] bezogen haben und danach leben, erlangen, da sie die Eigennatur als Ursache erkannt zu haben [meinen], nicht das Heil.

Wort für Wort
ye cainaṃ pakṣam āśritya
und die, diese Seite bezogen habend (Nom. Pl.; Akk. Sg.; Absolutiv)
vartayanty alpacetasaḥ
leben, geringen Verstandes (3.Pl.Präs.; Bahuvrīhi Nom. Pl.)
svabhāvaṃ kāraṇaṃ jñātvā
die Eigennatur als Ursache erkannt habend (Akk.; Absolutiv)
na śreyaḥ prāpnuvanti te
sie erlangen nicht das Heil (Akk. Sg. n.; 3.Pl.Präs.)

svabhāvo hi vināśāya mohakarmamanobhavaḥ; niruktam etayor etat svabhāvaparabhāvayoḥ

Denn die Eigennatur [führt] zum Untergang, aus Verblendung, Handlung und Geist entstanden [?]; das ist die Bestimmung dieser beiden, von Eigennatur und Fremdnatur.

Wort für Wort
svabhāvo hi vināśāya
denn die Eigennatur zum Untergang (Nom. Sg.; Dat. Sg.)
mohakarmamanobhavaḥ
aus Verblendung, Handlung und Geist entstanden (Tatpuruṣa; Nom. Sg.)
niruktam etayor etat
erklärt ist dies von diesen beiden (Part. Perf. Pass. n.; Gen. Du.)
svabhāvaparabhāvayoḥ
von Eigennatur und Fremdnatur (Gen. Du.)

Die Zeile svabhāvo hi vināśāya … ist syntaktisch knapp; die Wiedergabe folgt dem Wortlaut.

kṛṣyādīni hi karmāṇi sasyasaṃharaṇāni ca; prajñāvadbhiḥ prakḷptāni yānāsanagṛhāṇi ca

Ackerbau und dergleichen Tätigkeiten, das Einbringen der Ernte, Fahrzeuge, Sitze und Häuser sind von Einsichtigen ersonnen [worden].

Wort für Wort
kṛṣyādīni hi karmāṇi
Ackerbau und andere Tätigkeiten (Bahuvrīhi; Nom. Pl. n.)
sasyasaṃharaṇāni ca
und das Einbringen der Feldfrucht (Nom. Pl. n.)
prajñāvadbhiḥ prakḷptāni
von Einsichtigen ersonnen (Instr. Pl.; Part. Perf. Pass.)
yānāsanagṛhāṇi ca
und Fahrzeuge, Sitze, Häuser (Dvandva; Nom. Pl. n.)

ākrīḍānāṃ gṛhāṇāṃ ca gadānām agadasya ca; prajñāvantaḥ pravaktāro jñānavadbhir anuṣṭhitāḥ

[Auch] Vergnügungsstätten und Häuser, Krankheiten und das Heilmittel: Einsichtige sind die Künder, von Wissenden wird [es] ins Werk gesetzt.

Wort für Wort
ākrīḍānāṃ gṛhāṇāṃ ca
von Vergnügungsstätten und Häusern (Gen. Pl.)
gadānām agadasya ca
von Krankheiten und vom Heilmittel (Gen. Pl.; Gen. Sg.)
prajñāvantaḥ pravaktāraḥ
Einsichtige [sind] Künder (Nom. Pl.)
jñānavadbhir anuṣṭhitāḥ
von Wissenden ausgeführt (Instr. Pl.; Part. Perf. Pass.)

Die zweite Vershälfte ist knapp; „Künder“ (pravaktṛ) könnte auch „Lehrer, Verkünder“ heißen.

prajñā saṃyojayaty arthaiḥ prajñā śreyo 'dhigacchati; rājāno bhuñjate rājyaṃ prajñayā tulyalakṣaṇāḥ

Die Einsicht verbindet mit den Zielen [= Gütern], die Einsicht erlangt das Heil; die Könige genießen die Herrschaft durch Einsicht, [selbst] von gleicher Erscheinung [wie andere] [?].

Wort für Wort
prajñā saṃyojayaty arthaiḥ
die Einsicht verbindet mit Zielen (Nom. Sg.; 3.Sg.Kaus.; Instr. Pl.)
prajñā śreyo ’dhigacchati
die Einsicht erlangt das Heil (Akk. Sg. n.; 3.Sg.Präs.)
rājāno bhuñjate rājyaṃ
die Könige genießen die Herrschaft (Nom. Pl.; 3.Pl.Präs. Med.; Akk. Sg.)
prajñayā tulyalakṣaṇāḥ
durch Einsicht, von gleichem Merkmal [?] (Instr. Sg.; Bahuvrīhi Nom. Pl.)

tulyalakṣaṇāḥ ist unsicher.

pārāvaryaṃ tu bhūtānāṃ jñānenaivopalabhyate; vidyayā tāta sṛṣṭānāṃ vidyaiva paramā gatiḥ

Das Höhere und Niedrigere der Wesen wird aber allein durch Erkenntnis erfasst; für die durch Wissen Geschaffenen [?], Lieber, ist das Wissen allein der höchste Weg.

Wort für Wort
pārāvaryaṃ tu bhūtānāṃ
das Höhere und Niedrigere aber der Wesen (Nom. Sg. n.; Gen. Pl.)
jñānenaivopalabhyate
wird allein durch Erkenntnis erfasst (Instr. Sg.; 3.Sg.Präs. Pass.)
vidyayā tāta sṛṣṭānāṃ
durch Wissen, Lieber, der Geschaffenen [?] (Instr. Sg.; Vok. Sg.; Gen. Pl.)
vidyaiva paramā gatiḥ
das Wissen allein [ist] der höchste Weg (Nom. Sg. f.)

vidyayā … sṛṣṭānām ist unsicher; die Wiedergabe folgt dem Wortlaut.

bhūtānāṃ janma sarveṣāṃ vividhānāṃ caturvidham; jarāyvaṇḍam athodbhedaṃ svedaṃ cāpy upalakṣayet

Die Geburt aller Wesen in ihrer Vielfalt ist vierfach; man soll erkennen: lebendgebärend, eiergeboren, aus Keimen entsprossen und auch schweißgeboren.

Wort für Wort
bhūtānāṃ janma sarveṣāṃ
die Geburt aller Wesen (Gen. Pl.; Nom. Sg. n.)
vividhānāṃ caturvidham
der vielfältigen, vierfach (Gen. Pl.; Nom. Sg. n.)
jarāyvaṇḍam athodbhedaṃ
Mutterleib-, Ei-, dann Keimgeburt (Nom. Sg. n.)
svedaṃ cāpy upalakṣayet
und auch Schweißgeburt soll man erkennen (Opt. 3.Sg.)

sthāvarebhyo viśiṣṭāni jaṅgamāny upalakṣayet; upapannaṃ hi yac ceṣṭā viśiṣyeta viśeṣyayoḥ

Man soll die Beweglichen als vorzüglicher denn die Unbeweglichen erkennen; denn es ist einleuchtend, dass sich unter zwei zu Unterscheidenden das durch Regsamkeit auszeichnet.

Wort für Wort
sthāvarebhyo viśiṣṭāni
vorzüglicher als die Unbeweglichen (Abl. Pl.; Nom. Pl. n.)
jaṅgamāny upalakṣayet
die Beweglichen soll man erkennen (Nom./Akk. Pl. n.; Opt.)
upapannaṃ hi yac ceṣṭā
denn einleuchtend [ist], dass die Regsamkeit (Part. Perf. Pass. n.; Nom. Sg.)
viśiṣyeta viśeṣyayoḥ
sich auszeichnen solle unter den beiden zu Unterscheidenden (Opt. Pass. 3.Sg.; Gen./Lok. Du.)

Die zweite Vershälfte ist knapp und die Wiedergabe unsicher.

āhur dvibahupādāni jaṅgamāni dvayāni ca; bahupādbhyo viśiṣṭāni dvipādāni bahūny api

Man sagt, die Beweglichen seien zweifach: zwei- und vielfüßige; vorzüglicher als die Vielfüßer sind die Zweifüßer, auch wenn diese zahlreich sind.

Wort für Wort
āhur dvibahupādāni
man sagt: zwei- und vielfüßige (3.Pl.Perf.; Nom. Pl. n.)
jaṅgamāni dvayāni ca
Bewegliche und zwar zweifach (Nom. Pl. n.)
bahupādbhyo viśiṣṭāni
vorzüglicher als die Vielfüßer (Abl. Pl.; Nom. Pl. n.)
dvipādāni bahūny api
die Zweifüßer, auch wenn zahlreich (Nom. Pl. n.)

dvipadāni dvayāny āhuḥ pārthivānītarāṇi ca; pārthivāni viśiṣṭāni tāni hy annāni bhuñjate

Die Zweifüßer, sagt man, sind zweifach: irdische [?] und andere; die irdischen sind vorzüglicher, denn sie verzehren Speisen.

Wort für Wort
dvipadāni dvayāny āhuḥ
die Zweifüßer, zweifach, sagt man (Nom. Pl. n.; 3.Pl.Perf.)
pārthivānītarāṇi ca
irdische und andere (Nom. Pl. n.)
pārthivāni viśiṣṭāni
die irdischen [sind] vorzüglicher (Nom. Pl. n.)
tāni hy annāni bhuñjate
denn diese verzehren Speisen (Nom. Pl.; Akk. Pl.; 3.Pl.Präs. Med.)

pārthiva bleibt unsicher („irdisch/erdgebunden“ im Gegensatz zu Göttlichem o. ä.).

pārthivāni dvayāny āhur madhyamāny uttamāni ca; madhyamāni viśiṣṭāni jātidharmopadhāraṇāt

Die Irdischen, sagt man, sind zweifach: mittlere und höchste; die mittleren sind vorzüglicher wegen der Erfassung von Geburt und Pflicht.

Wort für Wort
pārthivāni dvayāny āhur
die Irdischen, zweifach, sagt man (Nom. Pl. n.; 3.Pl.Perf.)
madhyamāny uttamāni ca
mittlere und höchste (Nom. Pl. n.)
madhyamāni viśiṣṭāni
die mittleren [sind] vorzüglicher (Nom. Pl. n.)
jātidharmopadhāraṇāt
wegen der Erfassung von Geburt und Pflicht (Abl. Sg.)

Die Aussage „die mittleren sind vorzüglicher“ steht so im Text.

madhyamāni dvayāny āhur dharmajñānītarāṇi ca; dharmajñāni viśiṣṭāni kāryākāryopadhāraṇāt

Die Mittleren, sagt man, sind zweifach: pflichtkundige und andere; die Pflichtkundigen sind vorzüglicher wegen der Erfassung von Zutuendem und Nichtzutuendem.

Wort für Wort
madhyamāni dvayāny āhur
die mittleren, zweifach, sagt man (Nom. Pl. n.)
dharmajñānītarāṇi ca
pflichtkundige und andere (Nom. Pl. n.)
dharmajñāni viśiṣṭāni
die Pflichtkundigen [sind] vorzüglicher (Nom. Pl. n.)
kāryākāryopadhāraṇāt
wegen der Erfassung von Zutuendem und Nichtzutuendem (Abl. Sg.)

dharmajñāni dvayāny āhur vedajñānītarāṇi ca; vedajñāni viśiṣṭāni vedo hy eṣu pratiṣṭhitaḥ

Die Pflichtkundigen, sagt man, sind zweifach: vedakundige und andere; die Vedakundigen sind vorzüglicher, denn der Veda ist in ihnen gegründet.

Wort für Wort
dharmajñāni dvayāny āhur
die Pflichtkundigen, zweifach, sagt man (Nom. Pl. n.)
vedajñānītarāṇi ca
vedakundige und andere (Nom. Pl. n.)
vedajñāni viśiṣṭāni
die Vedakundigen [sind] vorzüglicher (Nom. Pl. n.)
vedo hy eṣu pratiṣṭhitaḥ
denn der Veda ist in diesen gegründet (Nom. Sg.; Lok. Pl.; Part. Perf. Pass.)

vedajñāni dvayāny āhuḥ pravaktṝṇītarāṇi ca; pravaktṝṇi viśiṣṭāni sarvadharmopadhāraṇāt

Die Vedakundigen, sagt man, sind zweifach: Künder und andere; die Künder sind vorzüglicher wegen der Erfassung aller Pflichten.

Wort für Wort
vedajñāni dvayāny āhuḥ
die Vedakundigen, zweifach, sagt man (Nom. Pl. n.)
pravaktṝṇītarāṇi ca
Künder und andere (Nom. Pl. n.)
pravaktṝṇi viśiṣṭāni
die Künder [sind] vorzüglicher (Nom. Pl. n.)
sarvadharmopadhāraṇāt
wegen der Erfassung aller Pflichten (Abl. Sg.)

vijñāyante hi yair vedāḥ sarvadharmakriyāphalāḥ; sayajñāḥ sakhilā vedāḥ pravaktṛbhyo viniḥsṛtāḥ

Denn durch sie werden die Veden erkannt, deren Frucht das Tun aller Pflichten ist, samt den Opfern und samt den Ergänzungen; von den Kündern sind die Veden ausgegangen.

Wort für Wort
vijñāyante hi yair vedāḥ
denn durch die die Veden erkannt werden (3.Pl.Präs. Pass.; Instr. Pl.; Nom. Pl.)
sarvadharmakriyāphalāḥ
deren Frucht das Tun aller Pflichten [ist] (Bahuvrīhi; Nom. Pl.)
sayajñāḥ sakhilā vedāḥ
samt Opfern, samt Ergänzungen, die Veden (Nom. Pl.)
pravaktṛbhyo viniḥsṛtāḥ
von den Kündern ausgegangen (Abl. Pl.; Part. Perf. Pass.)

pravaktṝṇi dvayāny āhur ātmajñānītarāṇi ca; ātmajñāni viśiṣṭāni janmājanmopadhāraṇāt

Die Künder, sagt man, sind zweifach: Selbstkundige und andere; die Selbstkundigen sind vorzüglicher wegen der Erfassung von Geburt und Ungeborensein.

Wort für Wort
pravaktṝṇi dvayāny āhur
die Künder, zweifach, sagt man (Nom. Pl. n.)
ātmajñānītarāṇi ca
Selbstkundige und andere (Nom. Pl. n.)
ātmajñāni viśiṣṭāni
die Selbstkundigen [sind] vorzüglicher (Nom. Pl. n.)
janmājanmopadhāraṇāt
wegen der Erfassung von Geburt und Ungeborensein (Abl. Sg.)

dharmadvayaṃ hi yo veda sa sarvaḥ sarvadharmavid; sa tyāgī satyasaṃkalpaḥ sa tu kṣāntaḥ sa īśvaraḥ

Denn wer das Doppelte der Pflicht kennt, der ist ganz und gar ein Kenner aller Pflichten; er ist der Entsagende, von wahrem Entschluss, er der Geduldige, er ein Herr.

Wort für Wort
dharmadvayaṃ hi yo veda
denn wer das Pflichtdoppel kennt (Akk. Sg.; Nom. Sg.; 3.Sg.Perf.)
sa sarvaḥ sarvadharmavid
der [ist] vollständig, Kenner aller Pflichten (Nom. Sg.)
sa tyāgī satyasaṃkalpaḥ
er [ist] Entsagender, von wahrem Entschluss (Nom. Sg.; Bahuvrīhi)
sa tu kṣāntaḥ sa īśvaraḥ
er aber geduldig, er Herr (Nom. Sg.; Part. Perf. Pass.)

dharmadvayam („das Doppelte der Pflicht“) meint wohl Tätigkeit und Abkehr (vgl. Vers 2).

dharmajñānapratiṣṭhaṃ hi taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ; śabdabrahmaṇi niṣṇātaṃ pare ca kṛtaniścayam

Ihn, der im Wissen um die Pflicht gegründet ist, kennen die Götter als Brāhmaṇa, den im Wort-Brahman Bewanderten und den, der das Jenseitige entschieden hat.

Wort für Wort
dharmajñānapratiṣṭhaṃ hi
denn im Wissen um die Pflicht gegründet (Bahuvrīhi; Akk. Sg.)
taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ
ihn kennen die Götter als Brāhmaṇa (Nom. Pl.; Akk. Sg.; 3.Pl.Perf.)
śabdabrahmaṇi niṣṇātaṃ
im Wort-Brahman bewandert (Lok. Sg.; Part. Perf. Pass. Akk.)
pare ca kṛtaniścayam
und in Bezug auf das Höchste Entschluss gefasst habend (Lok. Sg.; Bahuvrīhi Akk.)

pare kṛtaniścayam: „hinsichtlich des Höchsten/Jenseitigen einen Entschluss gefasst habend“ (Lok.).

antaḥsthaṃ ca bahiṣṭhaṃ ca ye ''dhiyajñādhidaivatam; jānanti tān namasyāmas te devās tāta te dvijāḥ

Die das Innenweilende und das Außenweilende, das Opferbezogene und das Götterbezogene kennen, vor denen verneigen wir uns; sie sind die Götter, Lieber, sie die Zweimalgeborenen.

Wort für Wort
antaḥsthaṃ ca bahiṣṭhaṃ ca
das Innenweilende und das Außenweilende (Akk. Sg. n.)
ye ’dhiyajñādhidaivatam
die [das] Opferbezogene und Götterbezogene [kennen] (Nom. Pl.; Akk. Sg.)
jānanti tān namasyāmaḥ
kennen; vor ihnen verneigen wir uns (3.Pl.Präs.; Akk. Pl.; 1.Pl.Präs.)
te devās tāta te dvijāḥ
sie [sind] Götter, Lieber, sie Zweimalgeborene (Nom. Pl.; Vok. Sg.)

teṣu viśvam idaṃ bhūtaṃ sāgraṃ ca jagad āhitam; teṣāṃ māhātmyabhāvasya sadṛśaṃ nāsti kiṃ cana

In ihnen ist dieses ganze Wesen und die Welt samt dem Übrigen niedergelegt; der Größe ihres Wesens ist nichts gleich.

Wort für Wort
teṣu viśvam idaṃ bhūtaṃ
in ihnen dieses ganze Wesen (Lok. Pl.; Nom. Sg. n.)
sāgraṃ ca jagad āhitam
und die Welt samt dem Übrigen [?], niedergelegt (Nom. Sg. n.; Part. Perf. Pass.)
teṣāṃ māhātmyabhāvasya
von ihrer Größe (Gen. Pl.; Gen. Sg.)
sadṛśaṃ nāsti kiṃ cana
Gleiches gibt es nichts (Nom. Sg. n.; 3.Sg.Präs.)

sāgra ist hier als „samt dem Übrigen/vollständig“ wiedergegeben [?].

ādiṃ te nidhanaṃ caiva karma cātītya sarvaśaḥ; caturvidhasya bhūtasya sarvasyeśāḥ svayaṃbhuvaḥ

Anfang und Ende und Handeln in jeder Hinsicht hinter sich lassend, sind sie Herren über alles vierfältige Wesen, den Selbstentstandenen gleich [?].

Wort für Wort
ādiṃ te nidhanaṃ caiva
Anfang, sie, und Ende (Akk. Sg.; Nom. Pl.; Akk. Sg.)
karma cātītya sarvaśaḥ
und Handeln überschreitend in jeder Hinsicht (Akk. Sg.; Absolutiv; Adv.)
caturvidhasya bhūtasya
des vierfältigen Wesens (Gen. Sg. n.)
sarvasyeśāḥ svayaṃbhuvaḥ
von allem Herren, Selbstentstandene [?] (Gen. Sg.; Nom. Pl.)

Zeile a ist syntaktisch unklar (te als Nom. Pl. „sie“); svayaṃbhuvaḥ könnte auch Apposition zu īśāḥ sein.

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