Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 296: pañcaviṃśaṣaḍviṃśavivekaḥ Die Unterscheidung des Fünfundzwanzigsten vom Sechsundzwanzigsten und die Weitergabe der Lehre

Abschluss der Sāṃkhya-Unterweisung Vasiṣṭhas an Karāla Janaka über Unmanifestes, Erkennenden und Sechsundzwanzigsten, gefolgt von Regeln zur Weitergabe der Lehre und Bhīṣmas Schlussworten an Yudhiṣṭhira.

vasiṣṭha uvāca; aprabuddham athāvyaktam imaṃ guṇavidhiṃ śṛṇu; guṇān dhārayate hy eṣā sṛjaty ākṣipate tathā

Vasiṣṭha sprach: „Vernimm diese unerwachte, unmanifeste Ordnung der Guṇas; denn diese [Prakṛti] trägt die Guṇas, bringt sie hervor und wirft sie ebenso [wieder] ab.“

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca
Vasiṣṭha sprach (Perf.)
aprabuddham athāvyaktam
unerwacht und unmanifest (Akk.Sg.n.)
imaṃ guṇavidhiṃ śṛṇu
diese Ordnung der Guṇas höre (Akk.Sg.; Imp.2.Sg.)
guṇān dhārayate hy eṣā
die Guṇas trägt/hält ja diese (Akk.Pl.; 3.Sg.Kaus.Med.; Nom.Sg.f.)
sṛjaty ākṣipate tathā
sie erschafft, sie schleudert weg, ebenso (3.Sg.Präs.)

ajasraṃ tv iha krīḍārthaṃ vikurvantī narādhipa; ātmānaṃ bahudhā kṛtvā tāny eva ca vicakṣate

Unablässig, o Herrscher der Menschen, sich hier zum Spiel wandelnd und sich selbst vielfach machend, nehmen sie eben diese [Guṇas] wahr [?].

Wort für Wort
ajasraṃ tv iha krīḍārthaṃ
unablässig aber hier zum Spiel (Adv.; Dat. des Zwecks)
vikurvantī narādhipa
sich wandelnd (Nom.Sg.f. Part.Präs.Med.), o Herrscher der Menschen (Vok.)
ātmānaṃ bahudhā kṛtvā
sich selbst vielfach gemacht habend (Akk.Sg.; Adv.; Abs.)
tāny eva ca vicakṣate
und eben diese (Akk.Pl.n.) nehmen wahr/nennen (3.Pl.Präs.Med.)

Subjekt von vicakṣate unklar (Pl.); Bezug auf tāni = die Guṇas angenommen.

etad evaṃ vikurvāṇāṃ budhyamāno na budhyate; avyaktabodhanāc caiva budhyamānaṃ vadanty api

Wer sich so Wandelnde erkennt, erkennt [doch] nicht; und wegen des Erweckens des Unmanifesten nennt man [ihn] auch „den Erkennenden“.

Wort für Wort
etad evaṃ vikurvāṇāṃ
diese so sich Wandelnde (Akk.Sg.f. Part.Präs.Med.)
budhyamāno na budhyate
der Erkennende erkennt nicht (Nom.Sg.m. Part.; 3.Sg.Präs.Med.)
avyaktabodhanāc caiva
und wegen des Erweckens des Unmanifesten (Abl.Sg.)
budhyamānaṃ vadanty api
„erkennend“ nennen sie [ihn] auch (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)

na tv eva budhyate 'vyaktaṃ saguṇaṃ vātha nirguṇam; kadā cit tv eva khalv etad āhur apratibuddhakam

Doch das Unmanifeste erkennt er ganz und gar nicht, sei es mit Guṇas oder ohne Guṇa; manchmal aber nennen sie dieses das „Nicht-Erwachte“.

Wort für Wort
na tv eva budhyate 'vyaktaṃ
aber keineswegs erkennt er das Unmanifeste (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.)
saguṇaṃ vātha nirguṇam
mit Guṇas oder ohne Guṇa (Akk.Sg.n.)
kadā cit tv eva khalv etad
manchmal aber freilich dieses (Adv.)
āhur apratibuddhakam
sagen sie „nicht-erwacht“ (3.Pl.Perf.; Akk.Sg.)

budhyate yadi vāvyaktam etad vai pañcaviṃśakam; budhyamāno bhavaty eṣa saṅgātmaka iti śrutiḥ

Oder wenn er dieses Unmanifeste erkennt – es ist ja der Fünfundzwanzigste [?] –, so wird dieser, der Erkennende, [ein Wesen] von der Natur der Anhaftung, so die Überlieferung.

Wort für Wort
budhyate yadi vāvyaktam
er erkennt, wenn oder das Unmanifeste (3.Sg.Präs.Med.; Akk.)
etad vai pañcaviṃśakam
dieses ja, den Fünfundzwanzigsten (Nom./Akk.Sg.n.)
budhyamāno bhavaty eṣa
erkennend wird dieser (Part.Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
saṅgātmaka iti śrutiḥ
„von anhaftender Natur“, so die Überlieferung (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.f.)

Bezug von etad vai pañcaviṃśakam unklar.

anenāpratibuddheti vadanty avyaktam acyutam; avyaktabodhanāc caiva budhyamānaṃ vadanty uta

Deswegen nennen sie das unvergängliche Unmanifeste „nicht erwacht“; und wegen des Erweckens des Unmanifesten nennen sie [ihn] wahrlich „erkennend“.

Wort für Wort
anenāpratibuddheti
deswegen „nicht erwacht“ (Instr.Sg.n.; Nom.Sg.f./Vok.)
vadanty avyaktam acyutam
sagen sie [vom] Unmanifesten, unvergänglichen (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.n.)
avyaktabodhanāc caiva
und wegen des Erweckens des Unmanifesten (Abl.Sg.)
budhyamānaṃ vadanty uta
„erkennend“ sagen sie wahrlich (Part.Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)

pañcaviṃśaṃ mahātmānaṃ na cāsāv api budhyate; ṣaḍviṃśaṃ vimalaṃ buddham aprameyaṃ sanātanam

Den Fünfundzwanzigsten, den Hochgesinnten, erkennt auch dieser [das Unmanifeste] nicht; der Sechsundzwanzigste aber ist makellos, erwacht, unermesslich, ewig.

Wort für Wort
pañcaviṃśaṃ mahātmānaṃ
den Fünfundzwanzigsten, den Hochgesinnten (Akk.Sg.m.)
na cāsāv api budhyate
und nicht erkennt jener auch (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Med.)
ṣaḍviṃśaṃ vimalaṃ buddham
der Sechsundzwanzigste, makellos, erwacht (Nom.Sg.m.)
aprameyaṃ sanātanam
unermesslich, ewig (Nom.Sg.m.)

satataṃ pañcaviṃśaṃ ca caturviṃśaṃ ca budhyate; dṛśyādṛśye hy anugatam ubhāv eva mahādyutī

Beständig erkennt er den Fünfundzwanzigsten und den Vierundzwanzigsten; denn beide, die Großglänzenden, sind dem Sichtbaren und Unsichtbaren [zugehörig/nachgefolgt] [?].

Wort für Wort
satataṃ pañcaviṃśaṃ ca
beständig den Fünfundzwanzigsten und (Adv.; Akk.)
caturviṃśaṃ ca budhyate
den Vierundzwanzigsten und erkennt er (Akk.; 3.Sg.Präs.Med.)
dṛśyādṛśye hy anugatam
das Sichtbare und Unsichtbare ja, gefolgt/durchdrungen (Akk./Nom.Du.n.; Part.)
ubhāv eva mahādyutī
beide eben, die Großglänzenden (Nom.Du.m.)

Konstruktion (anugatam Sg.n. neben Du.) unsicher.

avyaktaṃ na tu tad brahma budhyate tāta kevalam; kevalaṃ pañcaviṃśaṃ ca caturviṃśaṃ na paśyati

Das Unmanifeste aber, mein Lieber, erkennt jenes Brahman als das Alleinige nicht; das Alleinige [?] erblickt weder den Fünfundzwanzigsten noch den Vierundzwanzigsten.

Wort für Wort
avyaktaṃ na tu tad brahma
das Unmanifeste aber nicht jenes Brahman (Nom./Akk.Sg.n.)
budhyate tāta kevalam
erkennt, mein Lieber, [als] das Alleinige (3.Sg.Präs.Med.; Vok.; Akk./Adv.)
kevalaṃ pañcaviṃśaṃ ca
das Alleinige [?], den Fünfundzwanzigsten und (Akk.Sg.)
caturviṃśaṃ na paśyati
den Vierundzwanzigsten nicht erblickt es (Akk.; 3.Sg.Präs.)

Text und Subjekt der zweiten Vershälfte unsicher.

budhyamāno yadātmānam anyo 'ham iti manyate; tadā prakṛtimān eṣa bhavaty avyaktalocanaḥ

Wenn der Erkennende sich selbst [für] „ich bin ein anderer“ hält, dann wird dieser einer, der die Prakṛti besitzt, „mit dem Unmanifesten als Blick“.

Wort für Wort
budhyamāno yadātmānam
wenn der Erkennende sich selbst (Part.Nom.Sg.m.; Akk.Sg.)
anyo 'ham iti manyate
„ich [bin] ein anderer“, so meint er (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Med.)
tadā prakṛtimān eṣa
dann ein Prakṛti-Besitzer dieser (Nom.Sg.m.)
bhavaty avyaktalocanaḥ
wird er, das Unmanifeste als Auge/Blick habend (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.m. Bahuvrīhi)

budhyate ca parāṃ buddhiṃ viśuddhām amalāṃ yadā; ṣaḍviṃśo rājaśārdūla tadā buddhatvam āvrajet

Und wenn er die höchste Erkenntnis erkennt, die reine, makellose, dann, o Tiger unter den Königen, gelangt er als Sechsundzwanzigster zum Erwachtsein.

Wort für Wort
budhyate ca parāṃ buddhiṃ
und er erkennt die höchste Erkenntnis (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.f.)
viśuddhām amalāṃ yadā
die reine, makellose, wenn (Akk.Sg.f.)
ṣaḍviṃśo rājaśārdūla
als Sechsundzwanzigster, o Königstiger (Nom.Sg.m.; Vok.)
tadā buddhatvam āvrajet
dann Erwachtsein gelange er (Akk.Sg.n.; Opt.3.Sg.)

tatas tyajati so 'vyaktaṃ sargapralayadharmiṇam; nirguṇaḥ prakṛtiṃ veda guṇayuktām acetanām

Dann gibt er das Unmanifeste auf, das dem Gesetz von Schöpfung und Auflösung unterliegt; eigenschaftslos erkennt er die Prakṛti, die mit Guṇas verbunden und ohne Bewusstsein ist.

Wort für Wort
tatas tyajati so 'vyaktaṃ
dann verlässt er das Unmanifeste (3.Sg.Präs.; Akk.)
sargapralayadharmiṇam
dem Gesetz von Schöpfung und Auflösung unterworfen (Akk.Sg.n. Kompositum)
nirguṇaḥ prakṛtiṃ veda
eigenschaftslos, die Prakṛti erkennt er (Nom.Sg.m.; Akk.; 3.Sg.Perf. mit Präs.-Sinn)
guṇayuktām acetanām
mit Guṇas verbunden, bewusstlos (Akk.Sg.f.)

tataḥ kevaladharmāsau bhavaty avyaktadarśanāt; kevalena samāgamya vimukto ''tmānam āpnuyāt

Danach wird er durch das Schauen des Unmanifesten einer, dessen Wesen das Alleinsein ist; mit dem Alleinigen vereint, möge er, befreit, das Selbst erlangen.

Wort für Wort
tataḥ kevaladharmāsau
danach dieser, vom Wesen des Alleinseins (Adv.; Nom.Sg.m.)
bhavaty avyaktadarśanāt
wird durch das Schauen des Unmanifesten (3.Sg.Präs.; Abl.Sg.)
kevalena samāgamya
mit dem Alleinigen vereint (Instr.; Abs.)
vimukto 'tmānam āpnuyāt
befreit das Selbst erlangen möge er (Nom.Sg.m.; Akk.; Opt.3.Sg.)

etat tat tattvam ity āhur nistattvam ajarāmaram; tattvasaṃśrayaṇād etat tattvavan na ca mānada; pañcaviṃśatitattvāni pravadanti manīṣiṇaḥ

„Dies ist jenes Wesentliche“, sagen sie, [nämlich] das wesenlose, alterslose, unsterbliche; wegen des Sich-Stützens auf die Prinzipien ist dieses [zwar] prinzipienbehaftet, aber nicht [in Wahrheit], o Ehrengeber; fünfundzwanzig Prinzipien verkünden die Weisen.

Wort für Wort
etat tat tattvam ity āhur
„dies ist jenes Prinzip“, sagen sie (Nom.Sg.n.; 3.Pl.Perf.)
nistattvam ajarāmaram
prinziplos, alterslos und unsterblich (Nom.Sg.n.)
tattvasaṃśrayaṇād etat
wegen des Sich-Stützens auf Prinzipien dieses (Abl.Sg.n.)
tattvavan na ca mānada
prinzipienbehaftet, und nicht, o Ehrengeber (Nom.Sg.n.; Vok.)
pañcaviṃśatitattvāni
fünfundzwanzig Prinzipien (Akk.Pl.n.)
pravadanti manīṣiṇaḥ
verkünden die Weisen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)

Syntax der zweiten Vershälfte knapp; Sinn nach dem Zusammenhang.

na caiṣa tattvavāṃs tāta nistattvas tv eṣa buddhimān; eṣa muñcati tattvaṃ hi kṣipraṃ buddhasya lakṣaṇam

Und dieser ist nicht prinzipienbehaftet, Lieber, sondern prinzipienlos, der Einsichtige; dieser lässt das Prinzip rasch los, das ist das Kennzeichen des Erwachten.

Wort für Wort
na caiṣa tattvavāṃs tāta
und nicht dieser prinzipienbehaftet, Lieber (Nom.Sg.m.; Vok.)
nistattvas tv eṣa buddhimān
prinzipienlos aber dieser, einsichtig (Nom.Sg.m.)
eṣa muñcati tattvaṃ hi
dieser lässt ja das Prinzip los (3.Sg.Präs.; Akk.)
kṣipraṃ buddhasya lakṣaṇam
rasch; des Erwachten Kennzeichen (Adv.; Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)

ṣaḍviṃśo 'ham iti prājño gṛhyamāṇo 'jarāmaraḥ; kevalena balenaiva samatāṃ yāty asaṃśayam

„Ich bin der Sechsundzwanzigste“ – so, der Weise, [sich] als alterslos und unsterblich erfassend, gelangt er allein durch die Kraft des Alleinseins zweifellos zur Gleichheit.

Wort für Wort
ṣaḍviṃśo 'ham iti prājño
„ich bin der Sechsundzwanzigste“, so der Weise (Nom.Sg.m.)
gṛhyamāṇo 'jarāmaraḥ
erfasst/aufgefasst, alterslos und unsterblich (Part.Pass.Nom.Sg.m.)
kevalena balenaiva
allein durch die Kraft des Alleinigen (Instr.Sg.)
samatāṃ yāty asaṃśayam
zur Gleichheit gelangt er zweifellos (Akk.; 3.Sg.Präs.; Adv.)

gṛhyamāṇaḥ: Bezug (passiv/reflexiv) unsicher.

ṣaḍviṃśena prabuddhena budhyamāno 'py abuddhimān; etan nānātvam ity uktaṃ sāṃkhyaśrutinidarśanāt

Durch den erwachten Sechsundzwanzigsten [erkannt] bleibt der Erkennende [doch] ohne Einsicht [?]; dies wird „Verschiedenheit“ genannt, nach dem Hinweis der Sāṃkhya-Überlieferung.

Wort für Wort
ṣaḍviṃśena prabuddhena
durch den erwachten Sechsundzwanzigsten (Instr.Sg.m.)
budhyamāno 'py abuddhimān
auch erkennend, nicht einsichtig (Part.Nom.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
etan nānātvam ity uktam
dies „Verschiedenheit“ ist genannt (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
sāṃkhyaśrutinidarśanāt
nach dem Hinweis der Sāṃkhya-Überlieferung (Abl.Sg.n.)

Bezug von abuddhimān unsicher.

cetanena sametasya pañcaviṃśatikasya ca; ekatvaṃ vai bhavaty asya yadā buddhyā na budhyate

Für den, der mit dem Bewussten vereint ist, und für den Fünfundzwanzigsten entsteht Einheit, wenn er nicht mit der Einsicht erkennt.

Wort für Wort
cetanena sametasya
des mit dem Bewussten Vereinten (Instr.; Gen.Sg.m.)
pañcaviṃśatikasya ca
und des Fünfundzwanzigsten (Gen.Sg.m.)
ekatvaṃ vai bhavaty asya
Einheit ja entsteht für ihn (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.; Gen.)
yadā buddhyā na budhyate
wenn er mit der Einsicht nicht erkennt (Instr.Sg.f.; 3.Sg.Präs.Med.)

budhyamāno 'prabuddhena samatāṃ yāti maithila; saṅgadharmā bhavaty eṣa niḥsaṅgātmā narādhipa

Der Erkennende gelangt mit dem Nicht-Erwachten zur Gleichheit, o Maithila; dieser wird [einer] von der Natur der Anhaftung, [obwohl] anhaftungslosen Selbstes, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
budhyamāno 'prabuddhena
der Erkennende mit dem Nicht-Erwachten (Part.Nom.Sg.m.; Instr.)
samatāṃ yāti maithila
gelangt zur Gleichheit, o Maithila (Akk.; 3.Sg.Präs.; Vok.)
saṅgadharmā bhavaty eṣa
anhaftungsnatürlich wird dieser (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
niḥsaṅgātmā narādhipa
anhaftungslosen Selbstes, o Herrscher (Nom.Sg.m.; Vok.)

niḥsaṅgātmānam āsādya ṣaḍviṃśakam ajaṃ viduḥ; vibhus tyajati cāvyaktaṃ yadā tv etad vibudhyate; caturviṃśam agādhaṃ ca ṣaḍviṃśasya prabodhanāt

Zum anhaftungslosen Selbst gelangt, kennen sie den Sechsundzwanzigsten als ungeboren; der Allgegenwärtige gibt das Unmanifeste auf, wenn dieses erkannt wird; und [er erkennt] den unergründlichen Vierundzwanzigsten durch die Erweckung des Sechsundzwanzigsten.

Wort für Wort
niḥsaṅgātmānam āsādya
zum anhaftungslosen Selbst gelangt (Akk.Sg.m.; Abs.)
ṣaḍviṃśakam ajaṃ viduḥ
den Sechsundzwanzigsten als ungeboren kennen sie (Akk.; 3.Pl.Perf.)
vibhus tyajati cāvyaktaṃ
der Allgegenwärtige lässt das Unmanifeste (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
yadā tv etad vibudhyate
wenn dieses erkannt wird (3.Sg.Präs.Med.)
caturviṃśam agādhaṃ ca
und den Vierundzwanzigsten, den unergründlichen (Akk.Sg.m.)
ṣaḍviṃśasya prabodhanāt
durch die Erweckung des Sechsundzwanzigsten (Abl.Sg.n.)

Verbindung der letzten Vershälfte mit dem Vorhergehenden unklar.

eṣa hy apratibuddhaś ca budhyamānaś ca te 'nagha; prokto buddhaś ca tattvena yathāśrutinidarśanāt; nānātvaikatvam etāvad draṣṭavyaṃ śāstradṛṣṭibhiḥ

Dieser ist dir, Sündloser, als nicht erwacht und als erkennend und in Wahrheit als erwacht bezeichnet worden, gemäß dem Hinweis der Überlieferung; Verschiedenheit und Einheit – so viel ist von den Kundigen der Lehrschriften zu sehen.

Wort für Wort
eṣa hy apratibuddhaś ca
dieser ja nicht erwacht und (Nom.Sg.m.)
budhyamānaś ca te 'nagha
und erkennend, dir, Sündloser (Part.; Dat./Gen.; Vok.)
prokto buddhaś ca tattvena
gesagt worden, und als erwacht in Wahrheit (Part.Pass.; Instr.Sg.n.)
yathāśrutinidarśanāt
gemäß dem Hinweis der Überlieferung (Abl.Sg.n.)
nānātvaikatvam etāvad
Verschiedenheit und Einheit, so viel (Akk./Nom.Sg.n.)
draṣṭavyaṃ śāstradṛṣṭibhiḥ
ist zu sehen von den Lehrschrift-Sehenden (Gerundiv; Instr.Pl.m.)

maśakodumbare yadvad anyatvaṃ tadvad etayoḥ; matsyo 'mbhasi yathā tadvad anyatvam upalabhyate

Wie bei Mücke und Feigenbaum die Verschiedenheit [besteht], so bei diesen beiden; wie der Fisch im Wasser, so ist [ihre] Verschiedenheit wahrzunehmen.

Wort für Wort
maśakodumbare yadvad
wie Mücke und Feigenbaum (Lok.Du.n. Dvandva)
anyatvaṃ tadvad etayoḥ
Verschiedenheit, so bei diesen beiden (Nom.Sg.n.; Gen./Lok.Du.)
matsyo 'mbhasi yathā
der Fisch im Wasser, wie (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.n.)
tadvad anyatvam upalabhyate
so wird Verschiedenheit wahrgenommen (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)

maśakodumbare: Lok.Du. eines Dvandva (Mücke/Udumbara-Feige) angenommen.

evam evāvagantavyaṃ nānātvaikatvam etayoḥ; etad vimokṣa ity uktam avyaktajñānasaṃhitam

So ist eben die Verschiedenheit und Einheit dieser beiden zu erfassen; dies wird „Befreiung“ genannt, verbunden mit dem Wissen vom Unmanifesten.

Wort für Wort
evam evāvagantavyaṃ
so eben ist zu erfassen (Adv.; Gerundiv)
nānātvaikatvam etayoḥ
Verschiedenheit und Einheit dieser beiden (Nom.Sg.n.; Gen.Du.)
etad vimokṣa ity uktam
dies „Befreiung“ ist genannt (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
avyaktajñānasaṃhitam
mit dem Wissen vom Unmanifesten verbunden (Nom.Sg.n.)

pañcaviṃśatikasyāsya yo 'yaṃ deheṣu vartate; eṣa mokṣayitavyeti prāhur avyaktagocarāt

Dieser Fünfundzwanzigste, der in den Körpern weilt, soll befreit werden, sagen sie, wegen [seines] Bereichs im Unmanifesten [?].

Wort für Wort
pañcaviṃśatikasyāsya
dieses Fünfundzwanzigsten (Gen.Sg.m.)
yo 'yaṃ deheṣu vartate
der, dieser, in den Körpern weilt (Nom.Sg.m.; Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)
eṣa mokṣayitavyeti
dieser ist zu befreien, so (Nom.Sg.m.; Gerundiv)
prāhur avyaktagocarāt
sagen sie, wegen des Bereichs des Unmanifesten (3.Pl.Perf.; Abl.Sg.m.)

avyaktagocarāt: Sinn unsicher.

so 'yam evaṃ vimucyeta nānyatheti viniścayaḥ; pareṇa paradharmā ca bhavaty eṣa sametya vai

Dieser wird nur so befreit, nicht anders – das ist die Entscheidung; durch den Höchsten wird er, mit ihm vereint, von höchster Natur.

Wort für Wort
so 'yam evaṃ vimucyeta
dieser eben so werde befreit (Nom.Sg.m.; Adv.; Opt.Pass.3.Sg.)
nānyatheti viniścayaḥ
„nicht anders“, so die Entscheidung (Adv.; Nom.Sg.m.)
pareṇa paradharmā ca
durch den Höchsten, und von höchster Natur (Instr.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
bhavaty eṣa sametya vai
wird dieser, vereint (3.Sg.Präs.; Abs.)

viśuddhadharmā śuddhena buddhena ca sa buddhimān; vimuktadharmā muktena sametya puruṣarṣabha

Von reiner Natur [wird er] mit dem Reinen und dem Erwachten, und so ist er einsichtig; von der Natur des Befreiten, o Stier unter den Männern, [wird er] mit dem Befreiten vereint.

Wort für Wort
viśuddhadharmā śuddhena
von reiner Natur, mit dem Reinen (Nom.Sg.m.; Instr.)
buddhena ca sa buddhimān
und mit dem Erwachten, er einsichtig (Instr.; Nom.Sg.m.)
vimuktadharmā muktena
von befreiter Natur, mit dem Befreiten (Nom.Sg.m.; Instr.)
sametya puruṣarṣabha
vereint, o Stier unter den Männern (Abs.; Vok.)

niyogadharmiṇā caiva niyogātmā bhavaty api; vimokṣiṇā vimokṣaś ca sametyeha tathā bhavet

Auch wird er mit dem, dessen Wesen die Bindung [an ein Amt/Werk] ist, selbst ein durch Bindung Bestimmter; und mit dem Befreienden wird er, hier zusammengekommen, zum Befreiten.

Wort für Wort
niyogadharmiṇā ca eva
mit dem, dessen Eigenart die Bindung/Verpflichtung ist, und zwar (Instr.Sg.m.)
niyogātmā bhavati api
ein durch Bindung bestimmtes Selbst wird er auch (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
vimokṣiṇā vimokṣaḥ ca
mit dem Befreienden [wird er] ein Befreiter (Instr.Sg.m./Nom.Sg.m.)
sametya iha tathā bhavet
hier mit ihm zusammengekommen, so möge er werden (Abs./3.Sg.Opt.)

niyoga- ist hier nicht sicher gedeutet (Bindung/Verpflichtung im Gegensatz zu vimokṣa).

śucikarmā śuciś caiva bhavaty amitadīptimān; vimalātmā ca bhavati sametya vimalātmanā

Von reinem Wirken und rein wird er, von unermesslichem Glanz; und von makellosem Selbst wird er, wenn er mit dem Makellosen zusammengekommen ist.

Wort für Wort
śucikarmā śuciḥ ca eva
von reinem Tun und rein fürwahr (Nom.Sg.m.)
bhavati amitadīptimān
wird er, von unermesslichem Glanz (3.Sg.Präs./Nom.Sg.m.)
vimalātmā ca bhavati
und von makellosem Selbst wird er (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
sametya vimalātmanā
zusammengekommen mit dem Makellosen (Abs./Instr.Sg.m.)

kevalātmā tathā caiva kevalena sametya vai; svatantraś ca svatantreṇa svatantratvam avāpnute

So wird er, das Selbst ganz für sich, wenn er mit dem Alleinigen zusammengekommen ist, und der Selbstständige mit dem Selbstständigen erlangt Selbstständigkeit.

Wort für Wort
kevalātmā tathā ca eva
allein/ungemischt im Selbst, so also (Nom.Sg.m.)
kevalena sametya vai
mit dem Alleinigen zusammengekommen fürwahr (Instr.Sg.m./Abs.)
svatantraḥ ca svatantreṇa
und der Selbstständige mit dem Selbstständigen (Nom.Sg.m./Instr.Sg.m.)
svatantratvam avāpnute
Selbstständigkeit erlangt er (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)

etāvad etat kathitaṃ mayā te; tathyaṃ mahārāja yathārthatattvam; amatsaratvaṃ pratigṛhya cārthaṃ; sanātanaṃ brahma viśuddham ādyam

So viel ist dir von mir gesagt worden, großer König: das wahrhaftige, der Sache nach wirkliche Wesen. Nimm den Sinn ohne Neid an: das ewige, reine, uranfängliche Brahman.

Wort für Wort
etāvat etat kathitam mayā te
so viel ist dies gesagt von mir dir (Nom.Sg.n.; Ptz.Pass./Instr./Dat.)
tathyam mahārāja yathārthatattvam
wahr, großer König, das Wesen gemäß der Sache (Akk.Sg.n./Vok./Akk.Sg.n.)
amatsaratvam pratigṛhya ca artham
ohne Missgunst aufnehmend den Sinn (Akk.Sg.n./Abs./Akk.Sg.m.)
sanātanam brahma viśuddham ādyam
das ewige Brahman, reine, erste (Akk.Sg.n.)

Der Halbvers c-d ist syntaktisch locker angeschlossen; artham/brahma als Objekte von pratigṛhya gefasst.

na vedaniṣṭhasya janasya rājan; pradeyam etat paramaṃ tvayā bhavet; vivitsamānāya vibodhakārakaṃ; prabodhahetoḥ praṇatasya śāsanam

Nicht einem Menschen, der nicht im Veda gegründet ist, o König, soll dies Höchste von dir gegeben werden; [sondern] dem Wissbegierigen, der Erkenntnis Weckendes, um des Erwachens willen dem sich Verneigenden [ist] die Unterweisung [zu geben].

Wort für Wort
na vedaniṣṭhasya janasya rājan
nicht dem im Veda nicht Gegründeten Menschen, o König (Gen./Dat.-Sinn Sg.m.; Vok.)
pradeyam etat paramam tvayā bhavet
zu geben sei dies Höchste von dir (Ger.; 3.Sg.Opt.)
vivitsamānāya vibodhakārakam
dem Erkennen-Wollenden, Erkenntnis bewirkend (Dat.Sg.m./Akk.Sg.n.)
prabodhahetoḥ praṇatasya śāsanam
um des Erwachens willen, dem Ergebenen die Lehre (Abl./Gen.Sg.m./Nom.Sg.n.)

Der Text ist hier verkürzt konstruiert; na vedaniṣṭhasya … steht für Dativ-Sinn, Ergänzung in [ ] sinngemäß.

na deyam etac ca tathānṛtātmane; śaṭhāya klībāya na jihmabuddhaye; na paṇḍitajñānaparopatāpine; deyaṃ tvayedaṃ vinibodha yādṛśe

Und nicht soll dies dem unaufrichtigen Wesen gegeben werden, nicht dem Betrüger, dem Unmännlichen, dem Krummsinnigen, nicht dem, der durch das Wissen der Gelehrten [andere] quält. Dem gib es, [den] du als so beschaffen erkennst.

Wort für Wort
na deyam etat ca tathā anṛtātmane
nicht zu geben ist dies, und ebenso dem unwahren Wesens (Ger./Dat.Sg.m.)
śaṭhāya klībāya na jihmabuddhaye
dem Schurken, dem Schwächling, nicht dem Krummgesinnten (Dat.Sg.m.)
na paṇḍitajñānaparopatāpine
nicht dem, der Gelehrtenwissen zur Peinigung anderer nutzt (Dat.Sg.m.)
deyam tvayā idam vinibodha yādṛśe
zu geben ist dies von dir; erkenne, an wen von welcher Art (Ger./Imp.; Lok.Sg.m.)

Der letzte Pāda ist unklar; wörtlich etwa „zu geben von dir, erkenne, an wen von welcher Art“. [?]

śraddhānvitāyātha guṇānvitāya; parāpavādād viratāya nityam; viśuddhayogāya budhāya caiva; kriyāvate 'tha kṣamiṇe hitāya

Dem Vertrauensvollen und Tugendhaften, dem, der stets vom Schmähen anderer absteht, dem von reiner Yoga-Übung und dem Weisen, dem Tätigen, dem Nachsichtigen, dem Wohlwollenden.

Wort für Wort
śraddhānvitāya atha guṇānvitāya
dem Glaubenden und dem Tugendhaften (Dat.Sg.m.)
parāpavādāt viratāya nityam
dem stets von Verleumdung anderer Abgewandten (Abl./Dat.Sg.m.)
viśuddhayogāya budhāya ca eva
dem von reinem Yoga und dem Klugen (Dat.Sg.m.)
kriyāvate atha kṣamiṇe hitāya
dem Tätigen, dem Geduldigen, dem Wohlgesinnten (Dat.Sg.m.)

viviktaśīlāya vidhipriyāya; vivādahīnāya bahuśrutāya; vijānate caiva na cāhitakṣame; dame ca śaktāya śame ca dehinām

Dem, der zurückgezogen lebt, der Regel liebt, frei von Streit ist, viel Gehörtes [Gelehrsamkeit] besitzt, dem Wissenden, der Feindliches nicht duldet [?], der zur Selbstzügelung und Ruhe der Lebewesen fähig ist.

Wort für Wort
viviktaśīlāya vidhipriyāya
dem in Einsamkeit Lebenden, dem Vorschrift Liebenden (Dat.Sg.m.)
vivādahīnāya bahuśrutāya
dem Streitfreien, dem Vielgelehrten (Dat.Sg.m.)
vijānate ca eva na ca ahitakṣame
dem Wissenden, und nicht dem Unheil Duldenden [?] (Dat.Sg.m./Lok.)
dame ca śaktāya śame ca dehinām
dem in Zügelung Fähigen und in Beruhigung der Verkörperten (Lok./Dat.Sg.m./Gen.Pl.m.)

na cāhitakṣame ist unsicher; dehinām syntaktisch locker.

etair guṇair hīnatame na deyam; etat paraṃ brahma viśuddham āhuḥ; na śreyasā yokṣyati tādṛśe kṛtaṃ; dharmapravaktāram apātradānāt

Wem an diesen Eigenschaften der Geringste ist, dem soll dies nicht gegeben werden; das nennt man das höchste, reine Brahman. Wer so [an Unwürdige] Gegebenes lehrt, wird nicht zum Heil gelangen, [da] der Lehrer des Dharma an einen Unwürdigen gibt.

Wort für Wort
etaiḥ guṇaiḥ hīnatame na deyam
dem an diesen Eigenschaften Ärmsten nicht zu geben (Instr.Pl.m./Lok.Sg.m./Ger.)
etat param brahma viśuddham āhuḥ
dies höchste, reine Brahman nennen sie (Akk.Sg.n./3.Pl.Perf.)
na śreyasā yokṣyati tādṛśe kṛtam
nicht mit Heil wird sich verbinden, an solchen Getanes (3.Sg.Fut./Lok.Sg.m./Ptz.Pass.)
dharmapravaktāram apātradānāt
den Dharma-Verkünder wegen Gabe an Unwürdigen (Akk.Sg.m./Abl.Sg.n.)

Zweite Vershälfte syntaktisch schwierig; hier: der Lehrende verbindet sich wegen Gabe an einen Unwürdigen nicht mit Heil. [?]

pṛthvīm imāṃ yady api ratnapūrṇāṃ; dadyān nadeyaṃ tv idam avratāya; jitendriyāyaitad asaṃśayaṃ te; bhavet pradeyaṃ paramaṃ narendra

Auch wenn man diese ganze, an Juwelen volle Erde gäbe, soll man dies dennoch einem [gelübdelosen] Menschen nicht geben; dem, der die Sinne bezwungen hat, ist es zweifellos zu geben, als das Höchste, o Männerfürst.

Wort für Wort
pṛthvīm imām yadi api ratnapūrṇām
diese Erde, selbst wenn voll von Juwelen (Akk.Sg.f.)
dadyāt na deyam tu idam avratāya
man gäbe; nicht zu geben ist dies dem Gelübdelosen (3.Sg.Opt./Ger./Dat.Sg.m.)
jitendriyāya etat asaṃśayam te
dem Sinnenbezwinger dies zweifellos für dich (Dat.Sg.m.)
bhavet pradeyam paramam narendra
sei zu geben, das Höchste, o Männerfürst (3.Sg.Opt./Ger./Vok.)

karāla mā te bhayam astu kiṃ cid; etac chrutaṃ brahma paraṃ tvayādya; yathāvad uktaṃ paramaṃ pavitraṃ; niḥśokam atyantam anādimadhyam

Karāla, keine Furcht sei dir irgend: dieses höchste Brahman hast du heute gehört, wie es sich gehört gesagt, das höchste Reine, ohne Kummer, ohne Anfang und Mitte [?].

Wort für Wort
karāla mā te bhayam astu kim cit
Karāla, nicht sei dir irgendeine Furcht (Vok./Dat.; 3.Sg.Imp.)
etat śrutam brahma param tvayā adya
dies gehört, das höchste Brahman, von dir heute (Ptz.Pass./Instr.)
yathāvat uktam paramam pavitram
gebührend gesagt, das Höchste, Reine (Ptz.Pass./Nom.Sg.n.)
niḥśokam atyantam anādimadhyam
kummerlos, gänzlich, ohne Anfang und Mitte (Nom.Sg.n.)

atyantam anādimadhyam: „gänzlich ohne Anfang und Mitte“ oder „ohne Anfang, Mitte und [Ende]“; Text knapp. [?]

agādhajanmāmaraṇaṃ ca rājan; nirāmayaṃ vītabhayaṃ śivaṃ ca; samīkṣya mohaṃ tyaja cādya sarvaṃ; jñānasya tattvārtham idaṃ viditvā

Unergründlich, ohne Geburt und Tod, o König, frei von Krankheit, furchtlos und heilvoll: schau es recht an und lass heute alle Verblendung fahren, wenn du dies als die wahre Bedeutung der Erkenntnis erkannt hast.

Wort für Wort
agādhajanmāmaraṇam ca rājan
unergründlich [und] ohne Geburt und Tod, o König (Nom./Akk.Sg.n.; Vok.)
nirāmayam vītabhayam śivam ca
ohne Leiden, ohne Furcht und heilvoll (Nom.Sg.n.)
samīkṣya moham tyaja ca adya sarvam
recht betrachtet, die Verblendung lass heute ganz (Abs./Akk.Sg.m./Imp.)
jñānasya tattvārtham idam viditvā
der Erkenntnis wahren Sinn, dies erkannt habend (Gen./Akk.Sg.m./Abs.)

agādhajanmāmaraṇam kann auch als „unergründlich; ohne Geburt und Tod“ gegliedert werden.

avāptam etad dhi purā sanātanād; dhiraṇyagarbhād gadato narādhipa; prasādya yatnena tam ugratejasaṃ; sanātanaṃ brahma yathādya vai tvayā

Dies wurde ja einst vom Ewigen, von Hiraṇyagarbha, als er es sprach, erlangt, o Herrscher der Menschen; nachdem man ihn, den von gewaltiger Glut, mit Mühe gnädig gestimmt hatte: das ewige Brahman, wie du [es] heute [erlangt hast].

Wort für Wort
avāptam etat hi purā
erlangt wurde dies ja einst (Ptz.Pass.n./Adv.)
sanātanāt hiraṇyagarbhāt gadataḥ
vom Ewigen, von Hiraṇyagarbha, der sprach (Abl.Sg.m./Gen.Sg.m.Ptz.)
narādhipa prasādya yatnena
Menschenherrscher, gnädig gestimmt habend mit Mühe (Vok./Abs./Instr.)
tam ugratejasam sanātanam brahma
ihn, den Gewaltiglühenden, das ewige Brahman (Akk.Sg.m./Akk.Sg.n.)
yathā adya vai tvayā
wie heute fürwahr von dir (Adv./Instr.)

Konstruktion des Verses (Wer erlangte von wem; Bezug von prasādya) ist locker. [?]

pṛṣṭas tvayā cāsmi yathā narendra; tathā mayedaṃ tvayi coktam adya; tathāvāptaṃ brahmaṇo me narendra; mahaj jñānaṃ mokṣavidāṃ purāṇam

Und wie du mich gefragt hast, Männerfürst, so ist dir dies heute von mir gesagt worden; und so wurde es von mir vom Brahman erlangt, o Männerfürst: das große, alte Wissen der Erlösungskundigen.

Wort für Wort
pṛṣṭaḥ tvayā ca asmi yathā narendra
gefragt bin ich von dir, wie, o Männerfürst (Ptz.Pass./Instr./1.Sg.Präs.)
tathā mayā idam tvayi ca uktam adya
so von mir dies dir gesagt heute (Instr./Lok./Ptz.Pass.)
tathā avāptam brahmaṇaḥ me narendra
so erlangt vom Brahman von mir, o Männerfürst (Ptz.Pass./Abl./Gen.)
mahat jñānam mokṣavidām purāṇam
großes Wissen, der Erlösungskenner, altes (Nom.Sg.n./Gen.Pl.m.)

bhīṣma uvāca; etad uktaṃ paraṃ brahma yasmān nāvartate punaḥ; pañcaviṃśo mahārāja paramarṣinidarśanāt

Bhīṣma sprach: Dies ist das höchste Brahman genannt worden, von dem man nicht wieder zurückkehrt; der Fünfundzwanzigste, großer König, nach der Darlegung des höchsten Sehers.

Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
etat uktam param brahma
dies ist gesagt, das höchste Brahman (Ptz.Pass./Nom.Sg.n.)
yasmāt na āvartate punaḥ
von dem nicht man zurückkehrt wieder (Abl./3.Sg.Präs.Med.)
pañcaviṃśaḥ mahārāja paramarṣinidarśanāt
der Fünfundzwanzigste, großer König, gemäß der Weisung des höchsten Sehers (Nom./Vok./Abl.Sg.n.)

Der Vers ist textlich schwierig (pañcaviṃśaḥ und Bezug); Deutung unsicher. [?]

punarāvṛttim āpnoti paraṃ jñānam avāpya ca; nāvabudhyati tattvena budhyamāno 'jarāmaraḥ

Er erlangt die Wiederkehr, obwohl er das höchste Wissen erlangt hat, [wenn er] nicht der Wahrheit nach erwacht, [obwohl] er, unalternd und unsterblich, erwacht.

Wort für Wort
punarāvṛttim āpnoti
Wiederkehr erlangt er (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
param jñānam avāpya ca
und das höchste Wissen erlangt habend (Akk.Sg.n./Abs.)
na avabudhyati tattvena
nicht erkennt er der Wahrheit nach (3.Sg.Präs./Instr.)
budhyamānaḥ ajarāmaraḥ
erwachend, unalternd und unsterblich (Ptz.Präs.Med./Nom.Sg.m.)

Der Vers ist knapp und lässt mehrere Deutungen zu.

etan niḥśreyasakaraṃ jñānānāṃ te paraṃ mayā; kathitaṃ tattvatas tāta śrutvā devarṣito nṛpa

Dies, das zum Heil führt und höher ist als [alle] Erkenntnisse, ist dir von mir der Wahrheit nach erzählt worden, Lieber, nachdem es vom Götterseher gehört wurde, o König.

Wort für Wort
etat niḥśreyasakaram
dies zum Heil Führende (Nom.Sg.n.)
jñānānām te param mayā
unter den Erkenntnissen das höchste, dir, von mir (Gen.Pl./Dat./Instr.)
kathitam tattvataḥ tāta
erzählt der Wahrheit nach, Lieber (Ptz.Pass./Adv./Vok.)
śrutvā devarṣitaḥ nṛpa
gehört habend vom Götterseher, o König (Abs./Abl./Vok.)

hiraṇyagarbhād ṛṣiṇā vasiṣṭhena mahātmanā; vasiṣṭhād ṛṣiśārdūlān nārado 'vāptavān idam

Von Hiraṇyagarbha [erhielt es] der Seher Vasiṣṭha, der Hochsinnige; von Vasiṣṭha, dem Tiger unter den Sehern, hat Nārada dies erlangt.

Wort für Wort
hiraṇyagarbhāt ṛṣiṇā vasiṣṭhena mahātmanā
von Hiraṇyagarbha vom Seher Vasiṣṭha, dem Hochsinnigen (Abl./Instr.Sg.m.)
vasiṣṭhāt ṛṣiśārdūlāt
von Vasiṣṭha, dem Seher-Tiger (Abl.Sg.m.)
nāradaḥ avāptavān idam
Nārada hat erlangt dies (Nom.; Ptz.Perf.Akt.)

Verb im ersten Halbvers ist ergänzt.

nāradād viditaṃ mahyam etad brahma sanātanam; mā śucaḥ kauravendra tvaṃ śrutvaitat paramaṃ padam

Von Nārada ist mir dieses ewige Brahman bekannt geworden; sorge dich nicht, Herr der Kauravas, wenn du diesen höchsten Ort gehört hast.

Wort für Wort
nāradāt viditam mahyam
von Nārada bekannt mir (Abl./Ptz.Pass./Dat.)
etat brahma sanātanam
dieses ewige Brahman (Nom.Sg.n.)
mā śucaḥ kauravendra tvam
sorge dich nicht, Kaurava-Fürst, du (Aor.-Inj./Vok./Nom.)
śrutvā etat paramam padam
gehört habend diesen höchsten Ort (Abs./Akk.Sg.n.)

yena kṣarākṣare vitte na bhayaṃ tasya vidyate; vidyate tu bhayaṃ tasya yo naitad vetti pārthiva

Wer das Vergängliche und das Unvergängliche erkannt hat, für den gibt es keine Furcht; Furcht aber gibt es für den, der dies nicht kennt, o Erdenherrscher.

Wort für Wort
yena kṣarākṣare vitte
von dem das Vergängliche und Unvergängliche erkannt sind (Instr.Sg.m./Ptz.Pass.Du.n.)
na bhayam tasya vidyate
nicht Furcht ihm gibt es (Nom.Sg.n./Gen./3.Sg.Pass.)
vidyate tu bhayam tasya
es gibt aber Furcht für ihn (3.Sg.Pass.)
yaḥ na etat vetti pārthiva
der dies nicht weiß, o Herrscher (Nom./3.Sg.Perf.-Präs./Vok.)

avijñānāc ca mūḍhātmā punaḥ punar upadravan; pretya jātisahasrāṇi maraṇāntāny upāśnute

Und aus Nichtwissen, der Verblendete, immer wieder heimgesucht, erreicht er nach dem Tode tausende Geburten, die im Sterben enden.

Wort für Wort
avijñānāt ca mūḍhātmā
und aus Unwissenheit, der Verblendete (Abl./Nom.Sg.m.)
punaḥ punaḥ upadravan
immer wieder bedrängt/sich plagend (Adv./Ptz.Präs.Nom.Sg.m.)
pretya jātisahasrāṇi
nach dem Tode tausend Geburten (Abs./Akk.Pl.n.)
maraṇāntāni upāśnute
im Tod endende erreicht er (Akk.Pl.n./3.Sg.Präs.Med.)

devalokaṃ tathā tiryaṅ mānuṣyam api cāśnute; yadi śudhyati kālena tasmād ajñānasāgarāt

Er gelangt in die Götterwelt, ebenso in die Tierwelt und auch in die Menschenwelt; wenn er mit der Zeit gereinigt wird aus diesem Ozean des Nichtwissens,

Wort für Wort
devalokam tathā tiryak
in die Götterwelt und ebenso das Tierreich (Akk.Sg.m./Adv.)
mānuṣyam api ca aśnute
auch das Menschsein und erlangt er (Akk.Sg.n./3.Sg.Präs.Med.)
yadi śudhyati kālena
wenn er rein wird mit der Zeit (3.Sg.Präs./Instr.)
tasmāt ajñānasāgarāt
aus diesem Nichtwissensozean (Abl.Sg.m.)

uttīrṇo 'smād agādhāt sa param āpnoti śobhanam

[dann] hinübergelangt aus diesem Unergründlichen, erlangt er das Höchste, Herrliche.

Wort für Wort
uttīrṇaḥ asmāt agādhāt
hinübergelangt aus diesem Unergründlichen (Ptz.Pass.Nom.Sg.m./Abl.)
saḥ param āpnoti śobhanam
er das Höchste erlangt, Glänzende (Nom./Akk.Sg.n./3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Handschriftenteil).

ajñānasāgaro ghoro hy avyakto 'gādha ucyate; ahany ahani majjanti yatra bhūtāni bhārata

Der Ozean des Nichtwissens ist furchtbar, wird unmanifest und unergründlich genannt, in dem täglich die Wesen versinken, o Bhārata.

Wort für Wort
ajñānasāgaraḥ ghoraḥ hi
der Nichtwissensozean, schrecklich fürwahr (Nom.Sg.m.)
avyaktaḥ agādhaḥ ucyate
unmanifest, unergründlich wird er genannt (Nom.Sg.m./3.Sg.Pass.)
ahani ahani majjanti
Tag für Tag versinken (Lok./3.Pl.Präs.)
yatra bhūtāni bhārata
worin die Wesen, o Bhārata (Adv./Nom.Pl.n./Vok.)

yasmād agādhād avyaktād uttīrṇas tvaṃ sanātanāt; tasmāt tvaṃ virajāś caiva vitamaskaś ca pārthiva

Da du aus jenem Unergründlichen, Unmanifesten, Ewigen hinübergelangt bist, bist du deshalb staubfrei und finsterfrei, o Herrscher.

Wort für Wort
yasmāt agādhāt avyaktāt
aus dem Unergründlichen, Unmanifesten (Abl.Sg.m.)
uttīrṇaḥ tvam sanātanāt
hinübergelangt du, aus dem Ewigen (Ptz.Pass./Nom./Abl.Sg.m.)
tasmāt tvam virajāḥ ca eva
deshalb du staubfrei fürwahr (Adv./Nom.Sg.m.)
vitamaskaḥ ca pārthiva
und finsterfrei, o Herrscher (Nom.Sg.m./Vok.)

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