Kapitel 248: mṛtyūtpattiḥ
Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Tod und Nāradas Erzählung von Brahmās Zorn
Yudhiṣṭhira fragt Bhīṣma, woher der Tod kommt und wer die Geschöpfe hinwegrafft. Bhīṣma antwortet mit der Erzählung, die Nārada einst dem trauernden König Avikampaka erzählte: Brahmā, von der Überfülle der Geschöpfe bedrängt, entbrennt in Zorn, und Śiva tritt vermittelnd hinzu.
ekaikaśo bhīmabalā nāgāyutabalās tathā; ete hi nihatāḥ saṃkhye tulyatejobalair naraiḥ
„Einzeln von furchtbarer Stärke und ebenso von der Kraft von zehntausend Elefanten, wurden diese im Kampf von Männern erschlagen, die ihnen an Glanz und Kraft gleich waren.“
Wort für Wort
ekaikaśo bhīmabalāḥ
einzeln, von furchtbarer Stärke (Adv./Nom.Pl.)
nāgāyutabalās tathā
und ebenso von der Kraft von zehntausend Elefanten (Nom.Pl.)
ete hi nihatāḥ saṃkhye
diese ja sind erschlagen im Kampf (Nom.Pl.Part.Pass./Lok.)
kasya mṛtyuḥ kuto mṛtyuḥ kena mṛtyur iha prajāḥ; haraty amarasaṃkāśa tan me brūhi pitāmaha
„Wessen [ist] der Tod, woher der Tod, wodurch der Tod: [Auf welche Weise] rafft er hier die Geschöpfe hinweg? O du, den Unsterblichen gleich, das sage mir, Großvater!“
Wort für Wort
kasya mṛtyuḥ
wessen [ist] der Tod (Gen.Sg./Nom.Sg.)
kuto mṛtyuḥ
woher [kommt] der Tod (Abl.-Adv./Nom.Sg.)
kena mṛtyur iha prajāḥ
wodurch [wird] der Tod hier die Geschöpfe (Instr./Nom./Akk.Pl.)
haraty amarasaṃkāśa
rafft er hinweg, o den Unsterblichen Gleicher (3.Sg.Präs./Vok.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Akk./Dat.Sg./Imp.2.Sg./Vok.)
Die Reihe „kasya … kuto … kena“ ist elliptisch; „wie“ ist im Deutschen ergänzt.
Bhīṣma sprach: „Einst, im Kṛtayuga, mein Lieber, war ein König namens Avikampaka; der geriet im Kampf in die Gewalt der Feinde, seine Fahrzeuge [und Reittiere] erschöpft.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.3.Sg.)
purā kṛtayuge tāta
einst im Kṛtayuga, mein Lieber (Adv./Lok./Vok.)
rājāsīd avikampakaḥ
war ein König Avikampaka (Nom.Sg./Impf.3.Sg./Nom.Sg.)
sa śatruvaśam āpannaḥ
er in die Gewalt der Feinde geraten (Nom.Sg./Akk.Sg./Part.Pass.)
saṃgrāme kṣīṇavāhanaḥ
im Kampf, mit erschöpften Fahrzeugen (Lok./Nom.Sg.)
„kṣīṇavāhanaḥ“ kann auch „mit erschöpftem Heer/Gefährt“ bedeuten; „vāhana“ wörtlich „Zugtier, Fahrzeug“.
„Nachdem der Großvater von großem Glanz beim Schöpfungswerk die Geschöpfe erschaffen hatte, ertrug er die Geschöpfe nicht [mehr], da sie übermäßig angewachsen und zahlreich waren.“
Wort für Wort
prajāḥ sṛṣṭvā mahātejāḥ
die Geschöpfe erschaffen habend, von großem Glanz (Akk.Pl./Abs./Nom.Sg.)
prajāsarge pitāmahaḥ
beim Schöpfungswerk der Großvater (Lok.Sg./Nom.Sg.)
tato divaṃ bhuvaṃ khaṃ ca jagac ca sacarācaram; dadāha pāvako rājan bhagavatkopasaṃbhavaḥ
Dann verbrannte das Feuer, aus dem Zorn des Erhabenen entstanden, den Himmel, die Erde und den Luftraum und die Welt samt Beweglichem und Unbeweglichem, o König.
Wort für Wort
tato divaṃ bhuvaṃ khaṃ ca
dann Himmel, Erde und Luftraum (Adv./Akk.Sg.)
jagac ca sacarācaram
und die Welt samt Beweglichem und Unbeweglichem (Akk.Sg.)
dadāha pāvako rājan
verbrannte das Feuer, o König (Perf.3.Sg./Nom.Sg./Vok.)
karavāṇy adya kaṃ kāmaṃ varārho 'si mato mama; kartā hy asmi priyaṃ śambho tava yad dhṛdi vartate
„Was für einen Wunsch soll ich heute erfüllen? Einer Gunst würdig bist du, so gilt du mir. Ich bin ja bereit, o Śambhu, dir das Liebe zu tun, was dir im Herzen liegt.“
Wort für Wort
karavāṇy adya kaṃ kāmam
soll ich tun heute welchen Wunsch (Konj.1.Sg./Adv./Akk.Sg.)
varārho 'si mato mama
einer Gunst würdig bist du, geschätzt von mir (Nom.Sg./2.Sg.Präs./Part.Pass./Instr.)
kartā hy asmi priyaṃ śambho
ausführend bin ich ja das Liebe, o Śambhu (Nom.Sg./1.Sg./Akk.Sg./Vok.)
tava yad dhṛdi vartate
dir was im Herzen ist (Gen.Sg./Rel./Lok.Sg./3.Sg.Präs.)
„kaṃ kāmam“: welchen Wunsch; „mato mama“: von mir geschätzt.