Kapitel 69: rājavṛtta-rakṣāvidhi
Königsverhalten: Selbstbesiegung, Späher, Frieden und Krieg, Schutz von Stadt und Reich
Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach den Pflichten des Königs entfaltet Bhīṣma Regeln zu Selbstbeherrschung, Spähereinsatz, Bündnis und Feldzug, Steuern und Rechtspflege, Festungs- und Vorratspolitik sowie die sieben Glieder des Reiches, die sechs Maßnahmen (ṣāḍguṇya) und die Dreiheiten (trivarga).
Yudhiṣṭhira sprach: „Was bleibt einem Herrscher besonders noch zu tun übrig? Wie ist das Land zu schützen, und wie sind [auch] die Feinde zu hüten [?]?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
pārthivena viśeṣeṇa
vom Herrscher, besonders (Instr.)
kiṃ kāryam avaśiṣyate
was bleibt zu tun übrig (Ger./3.Sg.Pass.)
kathaṃ rakṣyo janapadaḥ
wie ist das Land zu schützen (Ger./Nom.)
kathaṃ rakṣyāś ca śatravaḥ
und wie sind die Feinde zu hüten (Ger./Nom.Pl.)
rakṣ- bei śatravaḥ: „hüten, im Zaum halten“; Sinn nicht ganz sicher.
„Wie soll er Späher einsetzen, wie die Stände Vertrauen fassen lassen? Wie [soll er es halten mit] den Dienern, wie mit den Frauen, wie mit den Söhnen, Bhārata?“
Wort für Wort
kathaṃ cāraṃ prayuñjīta
wie soll er einen Späher einsetzen (3.Sg.Opt.Med.)
varṇān viśvāsayet katham
die Stände soll er Vertrauen fassen lassen, wie (Kaus.Opt.)
Bhīṣma sprach: „Das Königsverhalten, großer König, höre vollständig und aufmerksam: was zuerst vom Herrscher zu tun ist, oder von einem, der die Art eines Herrschers hat [?].“
ātmā jeyaḥ sadā rājñā tato jeyāś ca śatravaḥ; ajitātmā narapatir vijayeta kathaṃ ripūn
Stets ist vom König das eigene Selbst zu besiegen, danach sind die Feinde zu besiegen. Wie sollte ein Herr der Menschen, der sich selbst nicht besiegt hat, die Feinde besiegen?
Wort für Wort
ātmā jeyaḥ sadā rājñā
das Selbst ist zu besiegen stets vom König (Ger./Instr.)
tato jeyāś ca śatravaḥ
danach sind die Feinde zu besiegen (Ger.Nom.Pl.)
ajitātmā narapatiḥ
der Herr der Menschen, der sich nicht besiegt hat (Bahuvrīhi/Nom.)
vijayeta kathaṃ ripūn
wie sollte er besiegen die Feinde (3.Sg.Opt./Akk.Pl.)
cārāṃś ca vidyāt prahitān pareṇa bharatarṣabha; āpaṇeṣu vihāreṣu samavāyeṣu bhikṣuṣu
Auch die vom Feind ausgesandten Späher soll er erkennen, Stier der Bharata: auf den Märkten, in Vergnügungsstätten, bei Versammlungen, unter Bettelmönchen.
Wort für Wort
cārāṃś ca vidyāt prahitān pareṇa
und die Späher soll er erkennen, ausgesandt vom Feind (Akk.Pl./3.Sg.Opt./PPP/Instr.)
Gelehrte Kṣatriyas, Vaiśyas und vielgelehrte Brahmanen, die in der Staatskunst vollendet sind, sind die Minister des Erdherrn. Zuerst ist ein Brahmane zu befragen, der den Kern der Lehrsätze der Politik kennt; danach soll der Erdenhüter einen Kṣatriya befragen, der politikkundig ist; ebenso weiter Vaiśya und Śūdra, die die Lehre kennen und Heilsames tun.
Wort für Wort
vidvāṃsaḥ kṣatriyā vaiśyā brāhmaṇāś ca bahuśrutāḥ
gelehrte Kṣatriyas, Vaiśyas und vielgelehrte Brahmanen (Nom.Pl.)
daṇḍanītau tu niṣpannāḥ mantriṇaḥ pṛthivīpateḥ
in der Staatskunst vollendet, Minister des Erdherrn (Lok./PPP/Nom.Pl./Gen.)
praṣṭavyo brāhmaṇaḥ pūrvaṃ
zu befragen ist zuerst ein Brahmane (Ger./Nom.)
nītiśāstrārthatattvavit
der den Kern des Sinns der Politiklehre kennt (Nom.)
paścāt pṛccheta bhūpālaḥ kṣatriyaṃ nītikovidam
danach soll der König fragen einen Kṣatriya, politikkundig (3.Sg.Opt./Akk.)
vaiśyaśūdrau tathā bhūyaḥ śāstrajñau hitakāriṇau
Vaiśya und Śūdra ebenso weiter, lehrkundig, Heilsames tuend (Nom./Akk.Du.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0158). Syntax zwischen Nom. und Akk. der letzten Zeile unklar.
Ohne dass seine Unterlegenheit bekannt wird, soll er mit dem Feind Frieden schließen, oder auch, wenn der Kluge nach irgendeinem Gewinn strebt und es eilig hat.
Wort für Wort
ajñāyamāno hīnatve
ohne erkannt zu werden in [seiner] Unterlegenheit (Part.Pass.Neg./Lok.)
kuryāt saṃdhiṃ pareṇa vai
soll schließen Frieden mit dem Feind fürwahr (3.Sg.Opt./Akk./Instr.)
guṇavanto mahotsāhā dharmajñāḥ sādhavaś ca ye; saṃdadhīta nṛpas taiś ca rāṣṭraṃ dharmeṇa pālayan
Mit denen, die tugendhaft, sehr tatkräftig, dharmakundig und rechtschaffen sind, soll der König Frieden schließen, wobei er das Reich gemäß dem Dharma schützt.
Wort für Wort
guṇavanto mahotsāhāḥ
tugendhaft, von großer Tatkraft (Nom.Pl.)
dharmajñāḥ sādhavaś ca ye
dharmakundig und rechtschaffen, die (Nom.Pl.)
saṃdadhīta nṛpaḥ taiḥ ca
soll Frieden schließen der König mit diesen (3.Sg.Opt.Med./Nom./Instr.)
rāṣṭraṃ dharmeṇa pālayan
das Reich gemäß dem Dharma schützend (Akk./Instr./Part.)
yātrāṃ yāyād avijñātam anākrandam anantaram; vyāsaktaṃ ca pramattaṃ ca durbalaṃ ca vicakṣaṇaḥ
Der Kluge soll einen Feldzug unternehmen gegen einen [Feind], der nicht [darauf] gefasst ist, keinen Hilferuf-Verbündeten hat, keinen nahen Nachbarn [?] hat, der verstrickt, unachtsam und schwach ist.
Wort für Wort
yātrāṃ yāyāt
einen Feldzug soll er unternehmen (Akk./3.Sg.Opt.)
avijñātam anākrandam
[gegen einen] Ahnungslosen, ohne Hilferufenden [?] (Akk.)
anantaram
ohne Nachbar [?] (Akk.)
vyāsaktaṃ ca pramattaṃ ca
verstrickten und unachtsamen (Akk.)
durbalaṃ ca vicakṣaṇaḥ
und schwachen, der Kluge (Akk./Nom.)
Konstruktion elliptisch (ā-√yā mit Akk. der Person); anantaram unsicher.
Der Held, gesund, mit gestärktem Heer und wohlauf, soll den Feldzug ansagen, nachdem er zuvor Vorkehrung für den Feldzug und in der Stadt getroffen hat.
Wort für Wort
yātrām ājñāpayet vīraḥ
den Feldzug soll er ansagen, der Held (Akk./Kaus.Opt./Nom.)
kalyapuṣṭabalaḥ sukhī
gesund, mit gestärktem Heer, wohlauf (Bahuvrīhi/Nom.)
na ca vaśyo bhaved asya nṛpo yady api vīryavān; hīnaś ca balavīryābhyāṃ karśayaṃs taṃ parāvaset
Und ein [feindlicher] König soll ihm nicht untertan bleiben, auch wenn er tapfer ist; ist er schwach an Heer und Kraft, soll er ihn auszehrend [bei ihm] verweilen [?].
Wort für Wort
na ca vaśyo bhavet asya
und nicht soll untertan sein ihm (Nom./3.Sg.Opt./Gen.)
nṛpaḥ yadi api vīryavān
der König, auch wenn tapfer (Nom./Nom.)
hīnaś ca balavīryābhyām
und schwach an Heer und Kraft (Nom./Instr.Du.)
karśayan taṃ parāvaset
ihn auszehrend soll er [dort] verweilen [?] (Part.Kaus./Akk./3.Sg.Opt.)
rāṣṭraṃ ca pīḍayet tasya śastrāgniviṣamūrchanaiḥ; amātyavallabhānāṃ ca vivādāṃs tasya kārayet; varjanīyaṃ sadā yuddhaṃ rājyakāmena dhīmatā
Und sein Reich soll er bedrängen mit Waffen, Feuer, Gift und Betäubung, und zwischen dessen Ministern und Günstlingen soll er Streit erregen lassen. Der Krieg ist vom klugen Reichsverlangenden stets zu meiden.
Wort für Wort
rāṣṭraṃ ca pīḍayet tasya
und das Reich soll er bedrängen von jenem (Akk./3.Sg.Opt./Gen.)
śastrāgniviṣamūrchanaiḥ
mit Waffen, Feuer, Gift, Betäubung (Instr.Pl.)
amātyavallabhānāṃ ca vivādān
und unter Ministern und Günstlingen Streitigkeiten (Gen.Pl./Akk.Pl.)
upāyais tribhir ādānam arthasyāha bṛhaspatiḥ; sāntvenānupradānena bhedena ca narādhipa; yam arthaṃ śaknuyāt prāptuṃ tena tuṣyed dhi paṇḍitaḥ
Durch drei Mittel [geschieht] das Erlangen von Besitz, sagt Bṛhaspati: durch Güte, durch Gabe und durch Entzweiung, Herr der Menschen. Welches Gut er zu erlangen vermag, damit soll der Weise zufrieden sein.
Wort für Wort
upāyais tribhiḥ ādānam arthasya
durch drei Mittel das Nehmen des Gutes (Instr.Pl./Nom./Gen.)
āha bṛhaspatiḥ
sagte Bṛhaspati (Perf./Nom.)
sāntvena anupradānena bhedena ca
durch Güte, Gabe und Entzweiung (Instr.)
narādhipa
Herr der Menschen (Vok.)
yam artham śaknuyāt prāptum
welches Gut er zu erlangen vermag (Akk./3.Sg.Opt./Inf.)
tena tuṣyet hi paṇḍitaḥ
damit soll zufrieden sein der Weise (Instr./3.Sg.Opt./Nom.)
Diese Eigenschaften sollen alle zusammen beim König stets beständig sein; unterlässt der König aber die Pflichthandlung, woher [dann] Himmel, woher Ruhm?
Wort für Wort
ete guṇāḥ samastāḥ syuḥ
diese Eigenschaften sollen alle beisammen sein (Nom.Pl./3.Pl.Opt.)
nṛpasya satataṃ sthirāḥ
beim König stets beständig (Gen./Adv./Nom.Pl.)
kriyālope tu nṛpateḥ
bei Unterlassung der Handlung aber des Königs (Lok./Gen.)
guptāś caiva dadurgāś ca deśās teṣu praveśayet (sic)
die geschützten und [dadurgā, verderbt] Gegenden: in diese soll er [die Leute] hineinführen.
Wort für Wort
guptāḥ ca eva
geschützte und (Nom.Pl.)
dadurgāḥ ca
und [dadurgā, verderbt] (Nom.Pl.)
deśāḥ teṣu
Gegenden, in diesen (Nom.Pl./Lok.Pl.)
praveśayet
soll hineinführen (Kaus.Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text verderbt: „dadurgāḥ“ unverständlich (vielleicht durgāś); in der Ausgabe mit (sic).
ghoṣān nyaseta mārgeṣu grāmān utthāpayed api; praveśayec ca tān sarvāñ śākhānagarakeṣv api
Hirtensiedlungen soll er an den Wegen anlegen [?], auch Dörfer soll er aufbrechen lassen; und alle diese soll er in die Nebenstädte und Kleinstädte hineinführen.
Wort für Wort
ghoṣān nyaseta mārgeṣu
Hirtensiedlungen soll er auf den Wegen anlegen [?] (Akk.Pl./3.Sg.Opt.Med./Lok.Pl.)
grāmān utthāpayet api
Dörfer soll er aufbrechen lassen auch (Akk.Pl./Kaus.Opt.)
praveśayet ca tān sarvān
und hineinführen diese alle (3.Sg.Kaus.Opt./Akk.Pl.)
sasyābhihāraṃ kuryāc ca svayam eva narādhipaḥ; asaṃbhave praveśasya dāhayed agninā bhṛśam
Das Einbringen des Getreides soll der Herr der Menschen selbst vornehmen; ist das Hineinbringen nicht möglich, soll er es gründlich mit Feuer verbrennen lassen.
Wort für Wort
sasyābhihāraṃ kuryāt ca
das Getreideeinholen soll er vornehmen (Akk./3.Sg.Opt.)
svayam eva narādhipaḥ
selbst eben der Herr der Menschen (Adv./Nom.)
asaṃbhave praveśasya
bei Unmöglichkeit des Hineinbringens (Lok./Gen.)
dāhayet agninā bhṛśam
soll verbrennen lassen mit Feuer gründlich (Kaus.Opt./Instr./Adv.)
In den Flüssen und auf den Wegen soll er stets die Übergänge zerstören; alles Wasser soll er ablaufen lassen, und was nicht abzulassen ist, verunreinigen.
Wort für Wort
nadīṣu mārgeṣu sadā
in Flüssen, auf Wegen, stets (Lok.Pl./Adv.)
saṃkramān avasādayet
Übergänge soll er zerstören (Akk.Pl./Kaus.Opt.)
jalaṃ nisrāvayet sarvam
Wasser soll er ablaufen lassen, alles (Akk./Kaus.Opt.)
anisrāvyaṃ ca dūṣayet
und was nicht ablassbar ist, soll er verunreinigen (Akk./Kaus.Opt.)
tadātvenāyatībhiś ca vivadan bhūmyanantaram; pratīghātaḥ parasyājau mitrakāle 'py upasthite
Wenn er wegen Gegenwart und Zukunft mit dem unmittelbaren Landnachbarn im Streit liegt, [soll er] die Abwehr des Gegners im Kampf [vorbereiten], auch wenn die Zeit für [Bündnisse mit] Freunden gekommen ist [?].
Wort für Wort
tadātvena āyatībhiḥ ca
mit Blick auf die Gegenwart und auf die Zukünfte (Instr. Sg./Pl.)
vivadan bhūmy-anantaram
im Streit liegend mit dem unmittelbaren Landnachbarn (Part. Präs. Nom. Sg.; Akk. Sg.)
pratīghātaḥ parasya
Abwehr des Gegners (Nom. Sg.; Gen. Sg.)
ājau
im Kampf (Lok. Sg.)
mitra-kāle api upasthite
auch wenn die Zeit für Freunde herangekommen ist (Kompositum; Lok. abs., Part. Perf. Pass.)
Syntax und Ergänzung des Verbs unsicher; der Vers ist elliptisch.
Ringsum um die Burgen soll der König die Wurzeln [des Bewuchses] ausreißen lassen; von allen kleinen Bäumen aber soll er die Heiligtumsbäume ausnehmen.
Wort für Wort
durgāṇām ca abhitaḥ
und rings um die Burgen (Gen. Pl.; Adv.)
rājā
der König (Nom. Sg.)
mūla-cchedam prakārayet
das Abschneiden der Wurzeln durchführen lassen (Akk. Sg.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
sarveṣām kṣudra-vṛkṣāṇām
von allen kleinen Bäumen (Gen. Pl.)
caitya-vṛkṣān vivarjayet
die Heiligtumsbäume ausnehmen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt.)
pravṛddhānāṃ ca vṛkṣāṇāṃ śākhāḥ pracchedayet tathā; caityānāṃ sarvathā varjyam api patrasya pātanam
Und von den ausgewachsenen Bäumen soll er die Äste stutzen lassen; bei den Heiligtumsbäumen aber ist es in jeder Hinsicht zu meiden, auch nur ein Blatt fallen zu lassen.
Wort für Wort
pravṛddhānām ca vṛkṣāṇām
und von den ausgewachsenen Bäumen (Gen. Pl.)
śākhāḥ pracchedayet tathā
die Äste soll er abschneiden lassen, ebenso (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
caityānām sarvathā varjyam
bei den Heiligtumsbäumen ist in jeder Hinsicht zu meiden (Gen. Pl.; Gerundiv Nom. Sg. n.)
api patrasya pātanam
auch nur das Fallenlassen eines Blattes (Gen. Sg.; Nom. Sg.)
Heiligtümer sind die Wohnstätten der Götter, der Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen, der Piśācas und Nāgas und auch der Gandharvas und Apsaras sowie der schrecklichen Geister; darum soll er sie meiden. Denn man hört, dass durch Nikumbha, den Herrn der Scharen des Maheśvara, das Heer des Saudāsa in Vārāṇasī erschlagen wurde, Herrscher der Menschen.
Wort für Wort
daivānām āśrayāḥ caityāḥ
die Heiligtümer sind Zufluchtsstätten der Götter (Gen. Pl.; Nom. Pl.)
yakṣa-rākṣasa-bhoginām
der Yakṣas, Rākṣasas und Schlangen (Gen. Pl.)
piśāca-pannagānām ca
und der Piśācas und Nāgas (Gen. Pl.)
gandharva-apsarasām api
auch der Gandharvas und Apsaras (Gen. Pl.)
raudrāṇām ca eva bhūtānām
und eben der schrecklichen Geister (Gen. Pl.)
tasmāt tān parivarjayet
darum soll er sie meiden (Abl.; Akk. Pl.; 3.Sg.Opt.)
śrūyate hi nikumbhena
denn man hört: durch Nikumbha (3.Sg.Pass.; Instr. Sg.)
saudāsasya balam hatam
das Heer des Saudāsa ist erschlagen worden (Gen. Sg.; Nom. Sg. n., Part. Perf. Pass.)
maheśvara-gaṇeśena vārāṇasyām narādhipa
durch den Herrn der Scharen des Maheśvara, in Vārāṇasī, Herrscher der Menschen (Instr. Sg.; Lok. Sg.; Vok. Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
prakaṇṭhīḥ kārayet samyag ākāśajananīs tathā; āpūrayec ca parikhāḥ sthāṇunakrajhaṣākulāḥ
Er soll ordentlich Brustwehren [?] anlegen lassen und ebenso Lichtöffnungen [?]; und die Gräben soll er auffüllen [lassen], die von Pfählen, Krokodilen und Fischen wimmeln.
Wort für Wort
prakaṇṭhīḥ kārayet samyak
Brustwehren [?] soll er ordentlich anlegen lassen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.; Adv.)
ākāśa-jananīḥ tathā
ebenso Lichtöffnungen [?] (Akk. Pl.; Adv.)
āpūrayet ca parikhāḥ
und er soll die Gräben füllen (3.Sg.Opt. Kaus.; Akk. Pl.)
sthāṇu-nakra-jhaṣa-ākulāḥ
voll von Pfählen, Krokodilen und Fischen (Kompositum, Akk. Pl. f.)
prakaṇṭhī und ākāśajananī sind unsicher (etwa Brustwehr/Zinne bzw. Luft- oder Lichtöffnung).
naktam eva ca bhaktāni pācayeta narādhipaḥ; na divāgnir jvaled gehe varjayitvāgnihotrikam
Nachts allein soll der Menschenherrscher die Speisen kochen lassen; tagsüber soll im Haus kein Feuer brennen, ausgenommen [das Feuer] dessen, der das Agnihotra unterhält.
Wort für Wort
naktam eva ca
und allein nachts (Adv.)
bhaktāni pācayeta
er soll die Speisen kochen lassen (Akk. Pl. n.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
narādhipaḥ
der Herrscher der Menschen (Nom. Sg.)
na divā agniḥ jvalet gehe
tagsüber soll kein Feuer im Haus brennen (Adv.; Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.; Lok. Sg.)
varjayitvā agnihotrikam
den Agnihotra-Unterhalter ausgenommen (Gerundium; Akk. Sg.)
yathāsaṃbhavaśailāni ceṣṭakāni ca kārayet; mṛṇmayāni ca kurvīta jñātvā deśe balābalam
Je nach Möglichkeit soll er [Bauten] aus Stein und aus Ziegeln errichten lassen und auch solche aus Lehm anfertigen, nachdem er in der Gegend Stärke und Schwäche erwogen hat.
Wort für Wort
yathā-saṃbhava-śailāni ca
und je nach Möglichkeit steinerne [Dinge] (Akk. Pl. n.)
iṣṭakāni ca kārayet
und Ziegel soll er anfertigen lassen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
mṛṇmayāni ca kurvīta
und aus Lehm Gemachtes soll er herstellen (Akk. Pl. n.; 3.Sg.Opt. Med.)
jñātvā deśe bala-abalam
nachdem er in der Gegend Stärke und Schwäche erkannt hat (Gerundium; Lok. Sg.; Akk. Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zuordnung von śailāni/iṣṭakāni (Bauten oder Baumaterial) ist offen.
karmārāriṣṭaśālāsu jvaled agniḥ samāhitaḥ; gṛhāṇi ca praviśyātha vidheyaḥ syād dhutāśanaḥ
In Schmieden und Wochenstuben [?] darf das Feuer brennen, wohlbehütet; und wenn es in die Häuser eingedrungen ist, soll das Feuer [dennoch] beherrschbar sein [?].
bhikṣukāṃś cākrikāṃś caiva kṣībonmattān kuśīlavān; bāhyān kuryān naraśreṣṭha doṣāya syur hi te 'nyathā
Bettler, Cākrikas [?], Betrunkene, Wahnsinnige und Schauspieler soll er nach draußen verweisen, Bester der Männer; denn sonst würden sie zum Schaden [der Stadt] gereichen.
Wort für Wort
bhikṣukān ca cākrikān ca eva
Bettler und Cākrikas [?] (Akk. Pl.)
kṣība-unmattān kuśīlavān
Betrunkene, Wahnsinnige, Schauspieler (Akk. Pl.)
bāhyān kuryāt
er soll sie nach draußen setzen, ausschließen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt.)
nara-śreṣṭha
Bester der Männer (Vok. Sg.)
doṣāya syuḥ hi te anyathā
denn sonst würden sie zum Schaden gereichen (Dat. Sg.; 3.Pl.Opt.; Partikel; Nom. Pl.; Adv.)
cākrika unsicher (etwa Ölmüller, Wagenlenker oder Gaukler).
aṅgārakuśamuñjānāṃ palāśaśaraparṇinām; yavasendhanadigdhānāṃ kārayeta ca saṃcayān
Auch Vorräte von Kohle, Kuśa-Gras und Muñja-Gras, von Palāśa[-Holz], Schilfrohr und Blättern [?], von Futtergras, Brennholz und Bestrichenem [?] soll er anlegen lassen.
Wort für Wort
aṅgāra-kuśa-muñjānām
von Kohle, Kuśa- und Muñja-Gras (Gen. Pl.)
palāśa-śara-parṇinām
von Palāśa, Schilf und Blättern [?] (Gen. Pl.)
yavasa-indhana-digdhānām
von Futtergras, Brennholz und Bestrichenem [?] (Gen. Pl.)
kārayeta ca saṃcayān
und er soll Vorräte anlegen lassen (3.Sg.Opt. Kaus.; Akk. Pl.)
Die Glieder palāśaśaraparṇinām und yavasendhanadigdhānām sind unsicher (Fett/Gift/Bestrichenes?).
āyudhānāṃ ca sarveṣāṃ śaktyṛṣṭiprāsavarmaṇām; saṃcayān evamādīnāṃ kārayeta narādhipaḥ
Auch von allen Waffen, von Wurfspeeren, Lanzen, Spießen und Rüstungen soll der Herrscher der Menschen Vorräte dieser Art und dergleichen anlegen lassen.
Wort für Wort
āyudhānām ca sarveṣām
und von allen Waffen (Gen. Pl.)
śakti-ṛṣṭi-prāsa-varmaṇām
von Wurfspeeren, Lanzen, Spießen und Rüstungen (Gen. Pl.)
saṃcayān eva-ādīnām
Vorräte dergleichen (Akk. Pl.; Gen. Pl.)
kārayeta narādhipaḥ
soll anlegen lassen der Herrscher der Menschen (3.Sg.Opt. Kaus.; Nom. Sg.)
Von wo Argwohn entstehen könnte, sei es von Dienern, sei es von einem Ratgeber, von den Stadtbewohnern oder auch vom König: diese soll er in seine Gewalt bringen lassen.
Wort für Wort
yataḥ śaṅkā bhavet ca api
von wo Argwohn entstünde, auch (Adv.; Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.)
bhṛtyataḥ vā api mantritaḥ
sei es von Dienern, sei es von einem Ratgeber (Abl.-Adv.; Abl.-Adv.)
paurebhyaḥ nṛpateḥ vā api
von Stadtbewohnern oder vom König (Abl. Pl.; Abl. Sg.)
sva-adhīnān kārayeta tān
diese soll er in seine Gewalt bringen lassen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.; Akk. Pl.)
ṣāḍguṇyam iti yat proktaṃ tan nibodha yudhiṣṭhira; saṃdhāyāsanam ity eva yātrāsaṃdhānam eva ca
Was als Sechsheit genannt wurde, das vernimm, Yudhiṣṭhira: Friedensschluss und [dann] Stillsitzen, und ebenso Feldzug in Verbindung mit einem Vertrag [?].
Wort für Wort
ṣāḍguṇyam iti yat proktam
was „Sechsheit“ genannt wurde (Nom. Sg. n.; Part. Perf. Pass.)
tat nibodha yudhiṣṭhira
das vernimm, Yudhiṣṭhira (Akk.; Imp.; Vok.)
saṃdhāya āsanam iti eva
nach Friedensschluss Stillsitzen, so (Gerundium; Nom. Sg.)
yātrā-saṃdhānam eva ca
und Feldzug mit Vertrag [?] (Nom. Sg.)
Die Reihe der ṣāḍguṇya (saṃdhi, vigraha, yāna, āsana, dvaidhībhāva, saṃśraya) ist hier in eigener Fassung formuliert; der Ausdruck yātrāsaṃdhāna ist unsicher.
vigṛhyāsanam ity eva yātrāṃ saṃparigṛhya ca; dvaidhībhāvas tathānyeṣāṃ saṃśrayo 'tha parasya ca
Stillsitzen trotz Feindschaft, nachdem man den Feldzug [gründlich] vorbereitet hat; Zweiteilung [des Vorgehens] gegenüber anderen und Zuflucht bei einem anderen.
Wort für Wort
vigṛhya āsanam iti eva
Stillsitzen im Zustand der Feindschaft (Gerundium; Nom. Sg.)
yātrām saṃparigṛhya ca
und nachdem man den Feldzug gefasst [vorbereitet] hat (Akk. Sg.; Gerundium)
dvaidhī-bhāvaḥ tathā anyeṣām
Zweiteilung ebenso gegenüber anderen (Nom. Sg.; Adv.; Gen. Pl.)
saṃśrayaḥ atha parasya ca
und Zuflucht bei einem anderen (Nom. Sg.; Adv.; Gen. Sg.)
Die Wiedergabe vigṛhyāsana und yātrāṃ saṃparigṛhya ist unsicher.
dharmaś cārthaś ca kāmaś ca trivargo vai sanātanaḥ; mantraś caiva prabhāvaś ca utsāhaś caiva tāntrikaḥ; śaktitrayaṃ samākhyātaṃ trivargasya ca tatparam; kāryaṃ ca kāraṇaṃ caiva kartā ca parikīrtitaḥ; etat parataraṃ vidyāt trivargād api bhārata; sarveṣāṃ ca kṣaye rājan yas trivargaḥ sanātanaḥ; sattvaṃ rajas tamaś caiva trivargaḥ kāraṇaṃ smṛtam; tenātyantavimuktaś ca muktaḥ puruṣa ucyate; kāryasya sarvathā nāśo mokṣa ity abhidhīyate; tena mokṣaparaś caiva devadevaḥ pitāmahaḥ; tuṣṭyarthasya trivargasya rakṣām āha narādhipa; jagato laukikī yātrā yatra nityaṃ pratiṣṭhitā
Dharma, Artha und Kāma sind die ewige Dreiheit. Rat, Machtfülle und Tatkraft, die zum Staatsapparat gehörig sind, gelten als die Dreiheit der Kräfte, und darüber hinaus [noch etwas Höheres]. Das Werk, die Ursache und der Wirkende sind genannt; dies wisse als noch höher als die Dreiheit, Bhārata. Und beim Schwinden aller [ist] es die ewige Dreiheit, König [?]. Sattva, Rajas und Tamas sind die Dreiheit, die als Ursache gilt. Wer davon gänzlich befreit ist, wird ein befreiter Mensch genannt. Die vollständige Vernichtung des Gewirkten heißt Erlösung. Darauf gerichtet ist auch der Gott der Götter, der Großvater [Brahmā], auf Erlösung; er spricht von der Bewahrung der Dreiheit zum Zweck der Zufriedenheit, Herrscher der Menschen, in der der weltliche Lebensgang der Welt beständig gegründet ist.
Wort für Wort
dharmaḥ ca arthaḥ ca kāmaḥ ca
Dharma, Artha und Kāma (Nom. Sg.)
tri-vargaḥ vai sanātanaḥ
sind die ewige Dreiheit (Nom. Sg.; Partikel; Adj.)
mantraḥ ca prabhāvaḥ ca utsāhaḥ ca eva tāntrikaḥ
Rat, Machtfülle und Tatkraft, zum Staatsapparat gehörig (Nom. Sg.; Adj.)
śakti-trayam samākhyātam
die Dreiheit der Kräfte ist genannt (Nom. Sg. n.; Part. Perf. Pass.)
tri-vargasya ca tat-param
und darüber hinaus zur Dreiheit [?] (Gen. Sg.; Nom. Sg. n.)
kāryam ca kāraṇam ca eva kartā ca parikīrtitaḥ
Werk, Ursache und Handelnder sind genannt (Nom. Sg.; Part. Perf. Pass.)
etat parataram vidyāt
dies wisse als höher (Akk. Sg. n.; Komp.; 3.Sg.Opt.)
tri-vargāt api bhārata
noch als die Dreiheit, Bhārata (Abl. Sg.; Vok. Sg.)
sarveṣām ca kṣaye rājan
und beim Schwinden aller, König (Gen. Pl.; Lok. Sg.; Vok. Sg.)
yaḥ tri-vargaḥ sanātanaḥ
welche die ewige Dreiheit [ist] [?] (Nom. Sg.)
sattvam rajaḥ tamaḥ ca eva
Sattva, Rajas und Tamas (Nom. Sg. n.)
tri-vargaḥ kāraṇam smṛtam
die Dreiheit gilt als Ursache (Nom. Sg.; Nom. Sg. n.; Part. Perf. Pass.)
tena atyanta-vimuktaḥ ca
und wer dadurch [davon] gänzlich befreit ist (Instr. Sg.; Nom. Sg.)
muktaḥ puruṣaḥ ucyate
ein befreiter Mensch wird er genannt (Nom. Sg.; 3.Sg.Pass.)
kāryasya sarvathā nāśaḥ
die völlige Vernichtung des Gewirkten (Gen. Sg.; Adv.; Nom. Sg.)
mokṣaḥ iti abhidhīyate
heißt Erlösung (Nom. Sg.; 3.Sg.Pass.)
tena mokṣa-paraḥ ca eva deva-devaḥ pitāmahaḥ
deshalb ist auf Erlösung gerichtet der Gott der Götter, der Großvater (Instr.; Nom. Sg.)
tuṣṭi-arthasya tri-vargasya rakṣām āha narādhipa
er nennt den Schutz der Dreiheit, die der Zufriedenheit dient, Herrscher der Menschen (Gen. Sg.; Akk. Sg.; 3.Sg.Perf.; Vok.)
jagataḥ laukikī yātrā yatra nityam pratiṣṭhitā
der weltliche Lebensgang der Welt, worin er beständig gegründet ist (Gen. Sg.; Nom. Sg. f.; Adv.; Part. Perf. Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text der zweiten Hälfte (yas trivargaḥ sanātanaḥ; tena mokṣaparaś caiva) grammatisch holprig; Auffassung als Zusatzpassage mit Sāṃkhya-Anklängen, mit Unsicherheit wiedergegeben.
Der Dienst am Dharma ist stets von den Menschen zu leisten, die auf Gedeihen bedacht sind, Tiger unter den Männern; in ihm haben alle Handlungen in jeder Hinsicht ihre Wurzel.
Wort für Wort
sevā dharmasya kartavyā
der Dienst am Dharma ist zu leisten (Nom. Sg.; Gen. Sg.; Gerundiv f.)
satatam bhūti-tat-paraiḥ
stets von auf Gedeihen Bedachten (Adv.; Instr. Pl.)
puruṣaiḥ nara-śārdūla
von Menschen, Tiger unter den Männern (Instr. Pl.; Vok. Sg.)
tat-mūlāḥ sarvathā kriyāḥ
dessen Wurzel habend [darin wurzelnd] sind in jeder Hinsicht die Handlungen (Nom. Pl. f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
Jeder König, der dem Dharma folgt, schützt als Herr der Erde die Erde lange, selbst wenn er ins Unglück gerät und selbst wenn ihm Artha und Kāma fehlen.
Wort für Wort
yaḥ kaḥ cit dhārmikaḥ rājā
jeder gerechte König (Nom. Sg.)
saḥ vipannaḥ api bhū-patiḥ
er, auch wenn er ins Unglück geraten ist, der Herr der Erde (Part. Perf. Pass.; Nom. Sg.)
artha-kāma-vihīnaḥ api
auch bar von Artha und Kāma (Nom. Sg.)
ciram pālayate mahīm
schützt lange die Erde (Adv.; 3.Sg.Präs.; Akk. Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
asminn arthe ca yau ślokau gītāv aṅgirasā svayam; yādavīputra bhadraṃ te śrotum arhasi tāv api
Und zu diesem Gegenstand sind zwei Strophen von Aṅgiras selbst gesungen worden; Sohn der Yādavī [Kuntī], Heil dir, du solltest auch diese beiden hören.
Wort für Wort
asmin arthe ca yau ślokau
und zu diesem Gegenstand, welche zwei Strophen (Lok. Sg.; Nom. Du.)
gītau aṅgirasā svayam
gesungen von Aṅgiras selbst (Part. Perf. Pass. Nom. Du.; Instr. Sg.; Adv.)
yādavī-putra bhadram te
Sohn der Yādavī, Heil dir (Vok. Sg.; Nom. Sg.; Dat./Gen.)
śrotum arhasi tau api
du solltest hören, auch diese beiden (Inf.; 2.Sg.Präs.; Akk. Du.)
ślokāś cośanasā gītās tān nibodha yudhiṣṭhira; daṇḍanīteś ca yan mūlaṃ trivargasya ca bhūpate; bhārgavāṅgirasaṃ karma ṣoḍaśāṅgaṃ ca yad balam; viṣaṃ māyāś ca daivaṃ ca pauruṣaṃ cārthasiddhaye; prāgudakpravaṇaṃ durgaṃ samāsādya mahīpatiḥ; trivargatrayasaṃpūrṇam upādāya tam udvahet; ṣaṭ pañca ca vinirjitya daśa cāṣṭau ca bhūpatiḥ; trivargair daśabhir yuktaḥ surair api na jīyate; na buddhiṃ parigṛhṇīta strīṇāṃ mūrkhajanasya ca; daivopahatabuddhīnāṃ ye ca vedair vivarjitāḥ; na teṣāṃ śṛṇuyād rājā buddhis teṣāṃ parāṅmukhī; strīpradhānāni rājyāni vidvadbhir varjitāni ca; mūrkhāmātyaprataptāni śuṣyante jalabinduvat; vidvāṃsaḥ prathitā ye ca ye cāptāḥ sarvakarmasu; yuddheṣu dṛṣṭakarmāṇas teṣāṃ ca śṛṇuyān nṛpaḥ; daivaṃ puruṣakāraṃ ca trivargaṃ ca samāśritaḥ; daivatāni ca viprāṃś ca praṇamya vijayī bhavet
Auch die von Uśanas gesungenen Strophen vernimm, Yudhiṣṭhira: was die Wurzel der Strafordnung und der Dreiheit ist, Herr der Erde; das Werk des Bhārgava und des Aṅgiras, und das Heer, das sechzehn Glieder hat; Gift, Täuschungen, Schicksal und Mannestat zur Erreichung des Ziels. Wenn der Herr der Erde eine nach Osten und Norden geneigte Burg erreicht hat, die von der dreifachen Dreiheit erfüllt ist, soll er sie übernehmen und [sie] führen [?]. Wenn er sechs, fünf, zehn und acht besiegt hat, ist der Herr der Erde, mit zehn Dreiheiten verbunden, selbst von Göttern nicht zu besiegen [?]. Er soll den Rat von Frauen und Toren nicht annehmen, noch den derer, deren Verstand vom Schicksal geschlagen ist und die von den Veden ausgeschlossen sind; der König soll auf sie nicht hören, ihr Verstand ist abgewandt. Reiche, in denen Frauen den Vorrang haben und die von Gelehrten gemieden werden, von törichten Ministern gequält, trocknen aus wie Wassertropfen. Die berühmten Gelehrten und die in allen Werken Zuverlässigen, die im Kampf ihre Taten gezeigt haben: auf diese soll der König hören. Wer sich auf Schicksal, Mannestat und die Dreiheit stützt und vor Göttern und Brahmanen sich verneigt, wird siegreich sein.
Wort für Wort
ślokāḥ ca uśanasā gītāḥ
und die von Uśanas gesungenen Strophen (Nom./Akk. Pl.; Instr. Sg.; Part. Perf. Pass.)
tān nibodha yudhiṣṭhira
diese vernimm, Yudhiṣṭhira (Akk. Pl.; Imp.; Vok.)
daṇḍa-nīteḥ ca yat mūlam
und was die Wurzel der Strafordnung ist (Gen. Sg.; Nom. Sg. n.)
tri-vargasya ca bhūpate
und der Dreiheit, Herr der Erde (Gen. Sg.; Vok. Sg.)
bhārgava-aṅgirasam karma
das Werk des Bhārgava und Aṅgiras (Nom. Sg. n.)
ṣoḍaśa-aṅgam ca yat balam
und das Heer, das sechzehn Glieder hat [?] (Adj.; Nom. Sg. n.)
viṣam māyāḥ ca daivam ca pauruṣam ca artha-siddhaye
Gift, Täuschungen, Schicksal und Mannestat zur Erreichung des Ziels (Nom.; Dat. Sg.)
prāk-udak-pravaṇam durgam samāsādya mahī-patiḥ
eine nach Osten und Norden geneigte Burg erreicht habend, der Herr der Erde (Akk. Sg.; Gerundium; Nom. Sg.)
tri-varga-traya-saṃpūrṇam upādāya tam udvahet
die von der dreifachen Dreiheit erfüllte übernehmend, soll er sie führen [?] (Akk. Sg.; Gerundium; 3.Sg.Opt.)
ṣaṭ pañca ca vinirjitya daśa ca aṣṭau ca bhūpatiḥ
sechs, fünf, zehn und acht besiegt habend, der Herr der Erde (Zahlen; Gerundium)
tri-vargaiḥ daśabhiḥ yuktaḥ
mit zehn Dreiheiten verbunden (Instr. Pl.; Part. Nom. Sg.)
suraiḥ api na jīyate
auch von Göttern wird er nicht besiegt (Instr. Pl.; 3.Sg.Pass.)
na buddhim parigṛhṇīta strīṇām mūrkha-janasya ca
er soll den Verstand [Rat] von Frauen und Toren nicht annehmen (Akk. Sg.; 3.Sg.Opt. Med.; Gen. Pl.; Gen. Sg.)
daiva-upahata-buddhīnām ye ca vedaiḥ vivarjitāḥ
derer, deren Verstand vom Schicksal geschlagen ist, und die von den Veden ausgeschlossen sind (Gen. Pl.; Nom. Pl.; Instr. Pl.)
na teṣām śṛṇuyāt rājā buddhiḥ teṣām parāṅ-mukhī
auf sie soll der König nicht hören; ihr Verstand ist abgewandt (Gen. Pl.; 3.Sg.Opt.; Nom. Sg. f.)
strī-pradhānāni rājyāni vidvadbhiḥ varjitāni ca
Reiche, in denen Frauen den Vorrang haben und die von Gelehrten gemieden sind (Nom. Pl. n.; Instr. Pl.)
mūrkha-amātya-prataptāni śuṣyante jala-binduvat
von törichten Ministern gequält, vertrocknen sie wie Wassertropfen (Nom. Pl. n.; 3.Pl.Präs.)
vidvāṃsaḥ prathitāḥ ye ca ye ca āptāḥ sarva-karmasu
die berühmten Gelehrten und die in allen Werken Zuverlässigen (Nom. Pl.; Lok. Pl.)
yuddheṣu dṛṣṭa-karmāṇaḥ teṣām ca śṛṇuyāt nṛpaḥ
die im Kampf ihre Taten gezeigt haben; auf sie soll der König hören (Lok. Pl.; Nom. Pl.; Gen. Pl.; 3.Sg.Opt.)
daivam puruṣa-kāram ca tri-vargam ca samāśritaḥ
wer sich auf Schicksal, Mannestat und Dreiheit stützt (Akk. Sg.; Part. Nom. Sg.)
daivatāni ca viprān ca praṇamya vijayī bhavet
und sich vor Göttern und Brahmanen verneigt, wird siegreich sein (Akk. Pl.; Gerundium; Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; mehrere Stellen (Zahlenreihe sechs/fünf/zehn/acht, ṣoḍaśāṅga, upādāya tam udvahet) sind unsicher.