Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 69: rājavṛtta-rakṣāvidhi Königsverhalten: Selbstbesiegung, Späher, Frieden und Krieg, Schutz von Stadt und Reich

Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach den Pflichten des Königs entfaltet Bhīṣma Regeln zu Selbstbeherrschung, Spähereinsatz, Bündnis und Feldzug, Steuern und Rechtspflege, Festungs- und Vorratspolitik sowie die sieben Glieder des Reiches, die sechs Maßnahmen (ṣāḍguṇya) und die Dreiheiten (trivarga).

yudhiṣṭhira uvāca; pārthivena viśeṣeṇa kiṃ kāryam avaśiṣyate; kathaṃ rakṣyo janapadaḥ kathaṃ rakṣyāś ca śatravaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Was bleibt einem Herrscher besonders noch zu tun übrig? Wie ist das Land zu schützen, und wie sind [auch] die Feinde zu hüten [?]?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
pārthivena viśeṣeṇa
vom Herrscher, besonders (Instr.)
kiṃ kāryam avaśiṣyate
was bleibt zu tun übrig (Ger./3.Sg.Pass.)
kathaṃ rakṣyo janapadaḥ
wie ist das Land zu schützen (Ger./Nom.)
kathaṃ rakṣyāś ca śatravaḥ
und wie sind die Feinde zu hüten (Ger./Nom.Pl.)

rakṣ- bei śatravaḥ: „hüten, im Zaum halten“; Sinn nicht ganz sicher.

kathaṃ cāraṃ prayuñjīta varṇān viśvāsayet katham; kathaṃ bhṛtyān kathaṃ dārān kathaṃ putrāṃś ca bhārata

„Wie soll er Späher einsetzen, wie die Stände Vertrauen fassen lassen? Wie [soll er es halten mit] den Dienern, wie mit den Frauen, wie mit den Söhnen, Bhārata?“

Wort für Wort
kathaṃ cāraṃ prayuñjīta
wie soll er einen Späher einsetzen (3.Sg.Opt.Med.)
varṇān viśvāsayet katham
die Stände soll er Vertrauen fassen lassen, wie (Kaus.Opt.)
kathaṃ bhṛtyān
wie [mit] den Dienern (Akk.Pl.)
kathaṃ dārān
wie [mit] den Frauen (Akk.Pl.)
kathaṃ putrāṃś ca bhārata
und wie [mit] den Söhnen, Bhārata (Akk.Pl./Vok.)

bhīṣma uvāca; rājavṛttaṃ mahārāja śṛṇuṣvāvahito 'khilam; yat kāryaṃ pārthivenādau pārthivaprakṛtena vā

Bhīṣma sprach: „Das Königsverhalten, großer König, höre vollständig und aufmerksam: was zuerst vom Herrscher zu tun ist, oder von einem, der die Art eines Herrschers hat [?].“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
rājavṛttaṃ mahārāja
das Königsverhalten, großer König (Akk./Vok.)
śṛṇuṣva avahitaḥ akhilam
höre, aufmerksam, vollständig (Imp.Med./Nom./Adv.)
yat kāryaṃ pārthivena ādau
was zu tun ist vom Herrscher zuerst (Ger./Instr./Lok.)
pārthivaprakṛtena vā
oder von einem mit der Natur eines Herrschers [?] (Instr.)

pārthivaprakṛta: unsicher (evtl. „vom Herrscher-Anwärter/Amtsträger“).

ātmā jeyaḥ sadā rājñā tato jeyāś ca śatravaḥ; ajitātmā narapatir vijayeta kathaṃ ripūn

Stets ist vom König das eigene Selbst zu besiegen, danach sind die Feinde zu besiegen. Wie sollte ein Herr der Menschen, der sich selbst nicht besiegt hat, die Feinde besiegen?

Wort für Wort
ātmā jeyaḥ sadā rājñā
das Selbst ist zu besiegen stets vom König (Ger./Instr.)
tato jeyāś ca śatravaḥ
danach sind die Feinde zu besiegen (Ger.Nom.Pl.)
ajitātmā narapatiḥ
der Herr der Menschen, der sich nicht besiegt hat (Bahuvrīhi/Nom.)
vijayeta kathaṃ ripūn
wie sollte er besiegen die Feinde (3.Sg.Opt./Akk.Pl.)

etāvān ātmavijayaḥ pañcavargavinigrahaḥ; jitendriyo narapatir bādhituṃ śaknuyād arīn

So viel ist Selbstbesiegung: die Bändigung der fünf Gruppen [der Sinne]. Ein Herr der Menschen mit besiegten Sinnen vermag die Feinde zu bedrängen.

Wort für Wort
etāvān ātmavijayaḥ
so viel [ist] Selbstbesiegung (Nom.)
pañcavargavinigrahaḥ
Bändigung der fünf Gruppen (Tatpuruṣa/Nom.)
jitendriyaḥ narapatiḥ
der Herr der Menschen mit besiegten Sinnen (Nom.)
bādhituṃ śaknuyāt arīn
vermöchte zu bedrängen die Feinde (Inf./3.Sg.Opt./Akk.Pl.)

pañcavarga: hier als die fünf Sinnesgruppen gedeutet [?].

nyaseta gulmān durgeṣu saṃdhau ca kurunandana; nagaropavane caiva purodyāneṣu caiva ha

Er soll Truppenposten in den Festungen aufstellen und an den Verbindungsstellen [?], Kurunandana, in den Stadtgärten und in den Gärten vor der Stadt.

Wort für Wort
nyaseta gulmān durgeṣu
er soll aufstellen Truppenposten in den Festungen (3.Sg.Opt.Med./Akk.Pl./Lok.Pl.)
saṃdhau ca kurunandana
und an der Verbindungsstelle [?], Kurunandana (Lok./Vok.)
nagaropavane ca
und im Stadtgarten (Lok.)
purodyāneṣu ca ha
und in den Gärten vor der Stadt, fürwahr (Lok.Pl.)

saṃdhau: „an der Grenze/Naht, an Bündnisstellen“ unsicher.

saṃsthāneṣu ca sarveṣu pureṣu nagarasya ca; madhye ca naraśārdūla tathā rājaniveśane

Und an allen Versammlungsorten, in den Städten und in der Mitte der Stadt, Tiger unter den Männern, ebenso im Königspalast.

Wort für Wort
saṃsthāneṣu ca sarveṣu
und an allen Versammlungsorten (Lok.Pl.)
pureṣu nagarasya ca
in den Burgen und der Stadt (Lok.Pl./Gen.)
madhye ca naraśārdūla
und in der Mitte, Tiger unter den Männern (Lok./Vok.)
tathā rājaniveśane
ebenso im Königspalast (Lok.)

praṇidhīṃś ca tataḥ kuryāj jaḍāndhabadhirākṛtīn; puṃsaḥ parīkṣitān prājñān kṣutpipāsātapakṣamān

Dann soll er Späher einsetzen, die wie Stumpfe, Blinde und Taube aussehen: erprobte, kluge Männer, die Hunger, Durst und Hitze ertragen.

Wort für Wort
praṇidhīṃś ca tataḥ kuryāt
und dann soll er Späher machen/einsetzen (Akk.Pl./3.Sg.Opt.)
jaḍāndhabadhirākṛtīn
mit dem Aussehen von Dumpfen, Blinden, Tauben (Bahuvrīhi/Akk.Pl.)
puṃsaḥ parīkṣitān
Männer, erprobte (Akk.Pl./PPP)
prājñān
kluge (Akk.Pl.)
kṣutpipāsātapakṣamān
Hunger, Durst, Hitze ertragend (Akk.Pl.)

amātyeṣu ca sarveṣu mitreṣu trividheṣu ca; putreṣu ca mahārāja praṇidadhyāt samāhitaḥ

Bei allen Ministern, bei den dreierlei Freunden und bei den Söhnen, großer König, soll er sorgfältig Späher einsetzen.

Wort für Wort
amātyeṣu ca sarveṣu
und bei allen Ministern (Lok.Pl.)
mitreṣu trividheṣu ca
und bei den dreierlei Freunden (Lok.Pl.)
putreṣu ca mahārāja
und bei den Söhnen, großer König (Lok.Pl./Vok.)
praṇidadhyāt samāhitaḥ
soll einsetzen, gesammelt/sorgfältig (3.Sg.Opt./Nom.)

pure janapade caiva tathā sāmantarājasu; yathā na vidyur anyonyaṃ praṇidheyās tathā hi te

In der Stadt, im Landesteil und bei den benachbarten Fürsten: so sind die Späher einzusetzen, dass sie einander nicht kennen.

Wort für Wort
pure janapade ca eva
in der Stadt und im Land eben (Lok.)
tathā sāmantarājasu
ebenso bei den Nachbarfürsten (Lok.Pl.)
yathā na vidyur anyonyam
so dass sie einander nicht kennen (3.Pl.Opt.)
praṇidheyās tathā hi te
einzusetzen sind sie so gewiss (Ger.Nom.Pl.)

cārāṃś ca vidyāt prahitān pareṇa bharatarṣabha; āpaṇeṣu vihāreṣu samavāyeṣu bhikṣuṣu

Auch die vom Feind ausgesandten Späher soll er erkennen, Stier der Bharata: auf den Märkten, in Vergnügungsstätten, bei Versammlungen, unter Bettelmönchen.

Wort für Wort
cārāṃś ca vidyāt prahitān pareṇa
und die Späher soll er erkennen, ausgesandt vom Feind (Akk.Pl./3.Sg.Opt./PPP/Instr.)
bharatarṣabha
Stier der Bharata (Vok.)
āpaṇeṣu vihāreṣu
in Marktbuden, in Vergnügungsstätten (Lok.Pl.)
samavāyeṣu bhikṣuṣu
in Versammlungen, unter Bettlern (Lok.Pl.)

ārāmeṣu tathodyāne paṇḍitānāṃ samāgame; veśeṣu catvare caiva sabhāsv āvasatheṣu ca

In Lusthainen und Gärten, bei Versammlungen der Gelehrten, in Häusern der Kurtisanen, auf Kreuzungen, in Sitzungshallen und Herbergen.

Wort für Wort
ārāmeṣu tathā udyāne
in Lusthainen und im Park (Lok.)
paṇḍitānāṃ samāgame
bei der Zusammenkunft der Gelehrten (Gen.Pl./Lok.)
veśeṣu catvare ca eva
in Bordellen und auf Kreuzungen (Lok.)
sabhāsu āvasatheṣu ca
in Hallen und Herbergen (Lok.Pl.)

evaṃ vihanyāc cāreṇa paracāraṃ vicakṣaṇaḥ; cāreṇa vihataṃ sarvaṃ hataṃ bhavati pāṇḍava

So soll der Kluge durch Späher die Späher des Feindes abwehren. Was durch Späher vereitelt ist, ist gänzlich vernichtet, Pāṇḍava.

Wort für Wort
evaṃ vihanyāt cāreṇa
so soll er abwehren durch einen Späher (3.Sg.Opt./Instr.)
paracāraṃ vicakṣaṇaḥ
den Späher des Feindes, der Kluge (Akk./Nom.)
cāreṇa vihataṃ sarvam
durch Späher Vereiteltes, alles (Instr./PPP/Nom.)
hataṃ bhavati pāṇḍava
ist vernichtet, Pāṇḍava (PPP/3.Sg.Präs./Vok.)

yadā tu hīnaṃ nṛpatir vidyād ātmānam ātmanā; amātyaiḥ saha saṃmantrya kuryāt saṃdhiṃ balīyasā

Wenn der König aber erkennt, dass er selbst unterlegen ist, soll er nach Beratung mit den Ministern mit einem Stärkeren Frieden schließen.

Wort für Wort
yadā tu hīnaṃ nṛpatiḥ vidyāt
wenn aber der König erkennt (3.Sg.Opt.)
ātmānam ātmanā
sich selbst als unterlegen, durch sich selbst (Akk./Instr.)
amātyaiḥ saha saṃmantrya
mit den Ministern beratschlagt habend (Instr./Abs.)
kuryāt saṃdhiṃ balīyasā
soll schließen Frieden mit dem Stärkeren (3.Sg.Opt./Akk./Instr.)

vidvāṃsaḥ kṣatriyā vaiśyā brāhmaṇāś ca bahuśrutāḥ; daṇḍanītau tu niṣpannā mantriṇaḥ pṛthivīpateḥ; praṣṭavyo brāhmaṇaḥ pūrvaṃ nītiśāstrārthatattvavit; paścāt pṛccheta bhūpālaḥ kṣatriyaṃ nītikovidam; vaiśyaśūdrau tathā bhūyaḥ śāstrajñau hitakāriṇau

Gelehrte Kṣatriyas, Vaiśyas und vielgelehrte Brahmanen, die in der Staatskunst vollendet sind, sind die Minister des Erdherrn. Zuerst ist ein Brahmane zu befragen, der den Kern der Lehrsätze der Politik kennt; danach soll der Erdenhüter einen Kṣatriya befragen, der politikkundig ist; ebenso weiter Vaiśya und Śūdra, die die Lehre kennen und Heilsames tun.

Wort für Wort
vidvāṃsaḥ kṣatriyā vaiśyā brāhmaṇāś ca bahuśrutāḥ
gelehrte Kṣatriyas, Vaiśyas und vielgelehrte Brahmanen (Nom.Pl.)
daṇḍanītau tu niṣpannāḥ mantriṇaḥ pṛthivīpateḥ
in der Staatskunst vollendet, Minister des Erdherrn (Lok./PPP/Nom.Pl./Gen.)
praṣṭavyo brāhmaṇaḥ pūrvaṃ
zu befragen ist zuerst ein Brahmane (Ger./Nom.)
nītiśāstrārthatattvavit
der den Kern des Sinns der Politiklehre kennt (Nom.)
paścāt pṛccheta bhūpālaḥ kṣatriyaṃ nītikovidam
danach soll der König fragen einen Kṣatriya, politikkundig (3.Sg.Opt./Akk.)
vaiśyaśūdrau tathā bhūyaḥ śāstrajñau hitakāriṇau
Vaiśya und Śūdra ebenso weiter, lehrkundig, Heilsames tuend (Nom./Akk.Du.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0158). Syntax zwischen Nom. und Akk. der letzten Zeile unklar.

ajñāyamāno hīnatve kuryāt saṃdhiṃ pareṇa vai; lipsur vā kaṃ cid evārthaṃ tvaramāṇo vicakṣaṇaḥ

Ohne dass seine Unterlegenheit bekannt wird, soll er mit dem Feind Frieden schließen, oder auch, wenn der Kluge nach irgendeinem Gewinn strebt und es eilig hat.

Wort für Wort
ajñāyamāno hīnatve
ohne erkannt zu werden in [seiner] Unterlegenheit (Part.Pass.Neg./Lok.)
kuryāt saṃdhiṃ pareṇa vai
soll schließen Frieden mit dem Feind fürwahr (3.Sg.Opt./Akk./Instr.)
lipsuḥ vā kaṃ cit eva artham
oder nach irgendeinem Gut verlangend (Nom./Akk.)
tvaramāṇo vicakṣaṇaḥ
eilend, der Kluge (Part.Med./Nom.)

guṇavanto mahotsāhā dharmajñāḥ sādhavaś ca ye; saṃdadhīta nṛpas taiś ca rāṣṭraṃ dharmeṇa pālayan

Mit denen, die tugendhaft, sehr tatkräftig, dharmakundig und rechtschaffen sind, soll der König Frieden schließen, wobei er das Reich gemäß dem Dharma schützt.

Wort für Wort
guṇavanto mahotsāhāḥ
tugendhaft, von großer Tatkraft (Nom.Pl.)
dharmajñāḥ sādhavaś ca ye
dharmakundig und rechtschaffen, die (Nom.Pl.)
saṃdadhīta nṛpaḥ taiḥ ca
soll Frieden schließen der König mit diesen (3.Sg.Opt.Med./Nom./Instr.)
rāṣṭraṃ dharmeṇa pālayan
das Reich gemäß dem Dharma schützend (Akk./Instr./Part.)

ucchidyamānam ātmānaṃ jñātvā rājā mahāmatiḥ; pūrvāpakāriṇo hanyāl lokadviṣṭāṃś ca sarvaśaḥ

Erkennt der König, klug, dass er selbst ausgerottet wird, soll er die früheren Schädiger und überall die von der Welt Gehassten erschlagen.

Wort für Wort
ucchidyamānam ātmānam
sich als ausgerottet werdend (Part.Pass./Akk.)
jñātvā rājā mahāmatiḥ
erkannt habend, der König, hochverständig (Abs./Nom.)
pūrvāpakāriṇo hanyāt
die früheren Schädiger soll er erschlagen (Akk.Pl./3.Sg.Opt.)
lokadviṣṭāṃś ca sarvaśaḥ
und die von der Welt Gehassten überall (Akk.Pl./Adv.)

yo nopakartuṃ śaknoti nāpakartuṃ mahīpatiḥ; aśakyarūpaś coddhartum upekṣyas tādṛśo bhavet

Ein Herrscher, der weder nützen noch schaden kann und der auch nicht auszurotten ist [?], ein solcher ist zu übergehen.

Wort für Wort
yaḥ na upakartuṃ śaknoti
wer nicht nützen kann (Inf./3.Sg.Präs.)
na apakartuṃ mahīpatiḥ
nicht schaden [kann], der Herrscher (Inf./Nom.)
aśakyarūpaḥ ca uddhartum
und der [Art ist, dass er] nicht auszureißen ist [?] (Nom./Inf.)
upekṣyaḥ tādṛśo bhavet
zu übergehen sei ein solcher (Ger./Nom./3.Sg.Opt.)

aśakyarūpaś coddhartum: Deutung unsicher.

yātrāṃ yāyād avijñātam anākrandam anantaram; vyāsaktaṃ ca pramattaṃ ca durbalaṃ ca vicakṣaṇaḥ

Der Kluge soll einen Feldzug unternehmen gegen einen [Feind], der nicht [darauf] gefasst ist, keinen Hilferuf-Verbündeten hat, keinen nahen Nachbarn [?] hat, der verstrickt, unachtsam und schwach ist.

Wort für Wort
yātrāṃ yāyāt
einen Feldzug soll er unternehmen (Akk./3.Sg.Opt.)
avijñātam anākrandam
[gegen einen] Ahnungslosen, ohne Hilferufenden [?] (Akk.)
anantaram
ohne Nachbar [?] (Akk.)
vyāsaktaṃ ca pramattaṃ ca
verstrickten und unachtsamen (Akk.)
durbalaṃ ca vicakṣaṇaḥ
und schwachen, der Kluge (Akk./Nom.)

Konstruktion elliptisch (ā-√yā mit Akk. der Person); anantaram unsicher.

yātrām ājñāpayed vīraḥ kalyapuṣṭabalaḥ sukhī; pūrvaṃ kṛtvā vidhānaṃ ca yātrāyāṃ nagare tathā

Der Held, gesund, mit gestärktem Heer und wohlauf, soll den Feldzug ansagen, nachdem er zuvor Vorkehrung für den Feldzug und in der Stadt getroffen hat.

Wort für Wort
yātrām ājñāpayet vīraḥ
den Feldzug soll er ansagen, der Held (Akk./Kaus.Opt./Nom.)
kalyapuṣṭabalaḥ sukhī
gesund, mit gestärktem Heer, wohlauf (Bahuvrīhi/Nom.)
pūrvaṃ kṛtvā vidhānaṃ ca
zuvor Vorkehrung getroffen habend (Abs./Akk.)
yātrāyāṃ nagare tathā
für den Feldzug und in der Stadt (Lok.)

antaḥpure ca rāṣṭre ca adhyakṣeṣu ca sarvaśaḥ

Im Frauengemach, im Reich und bei den Aufsehern überall.

Wort für Wort
antaḥpure ca
und im Frauengemach (Lok.)
rāṣṭre ca
und im Reich (Lok.)
adhyakṣeṣu ca sarvaśaḥ
und bei den Aufsehern überall (Lok.Pl./Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile (*0159); Fortsetzung von Vers 21.

na ca vaśyo bhaved asya nṛpo yady api vīryavān; hīnaś ca balavīryābhyāṃ karśayaṃs taṃ parāvaset

Und ein [feindlicher] König soll ihm nicht untertan bleiben, auch wenn er tapfer ist; ist er schwach an Heer und Kraft, soll er ihn auszehrend [bei ihm] verweilen [?].

Wort für Wort
na ca vaśyo bhavet asya
und nicht soll untertan sein ihm (Nom./3.Sg.Opt./Gen.)
nṛpaḥ yadi api vīryavān
der König, auch wenn tapfer (Nom./Nom.)
hīnaś ca balavīryābhyām
und schwach an Heer und Kraft (Nom./Instr.Du.)
karśayan taṃ parāvaset
ihn auszehrend soll er [dort] verweilen [?] (Part.Kaus./Akk./3.Sg.Opt.)

Subjekte und Bezug von asya/parāvaset unsicher.

rāṣṭraṃ ca pīḍayet tasya śastrāgniviṣamūrchanaiḥ; amātyavallabhānāṃ ca vivādāṃs tasya kārayet; varjanīyaṃ sadā yuddhaṃ rājyakāmena dhīmatā

Und sein Reich soll er bedrängen mit Waffen, Feuer, Gift und Betäubung, und zwischen dessen Ministern und Günstlingen soll er Streit erregen lassen. Der Krieg ist vom klugen Reichsverlangenden stets zu meiden.

Wort für Wort
rāṣṭraṃ ca pīḍayet tasya
und das Reich soll er bedrängen von jenem (Akk./3.Sg.Opt./Gen.)
śastrāgniviṣamūrchanaiḥ
mit Waffen, Feuer, Gift, Betäubung (Instr.Pl.)
amātyavallabhānāṃ ca vivādān
und unter Ministern und Günstlingen Streitigkeiten (Gen.Pl./Akk.Pl.)
tasya kārayet
von jenem soll er erregen lassen (Gen./Kaus.Opt.)
varjanīyaṃ sadā yuddhaṃ
zu meiden ist stets der Krieg (Ger./Nom.)
rājyakāmena dhīmatā
vom Herrschaft Wünschenden, Klugen (Instr.)

upāyais tribhir ādānam arthasyāha bṛhaspatiḥ; sāntvenānupradānena bhedena ca narādhipa; yam arthaṃ śaknuyāt prāptuṃ tena tuṣyed dhi paṇḍitaḥ

Durch drei Mittel [geschieht] das Erlangen von Besitz, sagt Bṛhaspati: durch Güte, durch Gabe und durch Entzweiung, Herr der Menschen. Welches Gut er zu erlangen vermag, damit soll der Weise zufrieden sein.

Wort für Wort
upāyais tribhiḥ ādānam arthasya
durch drei Mittel das Nehmen des Gutes (Instr.Pl./Nom./Gen.)
āha bṛhaspatiḥ
sagte Bṛhaspati (Perf./Nom.)
sāntvena anupradānena bhedena ca
durch Güte, Gabe und Entzweiung (Instr.)
narādhipa
Herr der Menschen (Vok.)
yam artham śaknuyāt prāptum
welches Gut er zu erlangen vermag (Akk./3.Sg.Opt./Inf.)
tena tuṣyet hi paṇḍitaḥ
damit soll zufrieden sein der Weise (Instr./3.Sg.Opt./Nom.)

ādadīta baliṃ caiva prajābhyaḥ kurunandana; ṣaḍbhāgam amitaprajñas tāsām evābhiguptaye

Auch Abgaben soll er von den Untertanen nehmen, Kurunandana: den sechsten Teil, der Unermessliche-Weise, eben zu deren Schutz.

Wort für Wort
ādadīta balim ca eva
er soll nehmen die Abgabe auch (3.Sg.Opt.Med./Akk.)
prajābhyaḥ kurunandana
von den Untertanen, Kurunandana (Abl.Pl./Vok.)
ṣaḍbhāgam
den sechsten Teil (Akk.)
amitaprajñaḥ
der von unermesslicher Weisheit (Nom.)
tāsām eva abhiguptaye
eben deren zum Schutz (Gen.Pl./Dat.)

daśadharmagatebhyo yad vasu bahv alpam eva ca; tan nādadīta sahasā paurāṇāṃ rakṣaṇāya vai

Das Vermögen, das von den [daśadharmagata-]Leuten, viel oder wenig, [kommt], soll er nicht plötzlich nehmen, zum Schutz der Städter [?].

Wort für Wort
daśadharmagatebhyaḥ yat vasu
von den ‚zehn-Dharma-Gegangenen‘ [?], das Gut, welches (Abl.Pl./Nom.)
bahu alpam eva ca
viel oder wenig (Nom.)
tat na ādadīta sahasā
das soll er nicht nehmen plötzlich (3.Sg.Opt.Med./Adv.)
paurāṇāṃ rakṣaṇāya vai
der Städter zum Schutz fürwahr (Gen.Pl./Dat.)

daśadharmagatebhyaḥ: Bedeutung unklar, evtl. verderbt.

yathā putrās tathā paurā draṣṭavyās te na saṃśayaḥ; bhaktiś caiṣāṃ prakartavyā vyavahāre pradarśite

Wie Söhne sind die Städter anzusehen, daran ist kein Zweifel; und Zuneigung ist ihnen zu erweisen, wenn das Rechtsverfahren dargelegt ist.

Wort für Wort
yathā putrās tathā paurāḥ
wie Söhne, so die Städter (Nom.Pl.)
draṣṭavyāḥ te na saṃśayaḥ
anzusehen sind sie, nicht ist Zweifel (Ger./Nom.)
bhaktiḥ ca eṣāṃ prakartavyā
und Zuneigung ist von diesen zu erweisen [?] (Nom./Gen.Pl./Ger.)
vyavahāre pradarśite
im Rechtsverfahren, wenn es gezeigt ist (Lok./PPP Lok.)

sutaṃ ca sthāpayed rājā prājñaṃ sarvārthadarśinam; vyavahāreṣu satataṃ tatra rājyaṃ vyavasthitam

Einen Sohn soll der König einsetzen, einen weisen, der alle Ziele sieht, stets bei den Rechtsverfahren; darauf ruht das Reich.

Wort für Wort
sutaṃ ca sthāpayet rājā
und einen Sohn soll einsetzen der König (Akk./Kaus.Opt./Nom.)
prājñaṃ sarvārthadarśinam
einen weisen, alle Angelegenheiten sehenden (Akk.)
vyavahāreṣu satatam
bei den Rechtsverfahren stets (Lok.Pl./Adv.)
tatra rājyaṃ vyavasthitam
darin ist das Reich gegründet (Adv./Nom./PPP)

ākare lavaṇe śulke tare nāgavane tathā; nyased amātyān nṛpatiḥ svāptān vā puruṣān hitān

In Bergwerk, Salzgewinnung, Zoll, Fähre und Elefantenwald soll der König Minister einsetzen oder ihm zuverlässige, wohlgesinnte Männer.

Wort für Wort
ākare lavaṇe śulke
im Bergwerk, beim Salz, beim Zoll (Lok.)
tare nāgavane tathā
an der Fähre und im Elefantenwald (Lok.)
nyaset amātyān nṛpatiḥ
soll einsetzen Minister der König (3.Sg.Opt./Akk.Pl./Nom.)
svāptān vā puruṣān hitān
oder vertraute Männer, wohlgesinnte (Akk.Pl.)

samyag daṇḍadharo nityaṃ rājā dharmam avāpnuyāt; nṛpasya satataṃ daṇḍaḥ samyag dharme praśasyate

Wer stets recht die Strafe führt, der König, erlangt Dharma; die Strafe des Königs wird stets, wenn recht [angewendet], im Dharma gepriesen.

Wort für Wort
samyak daṇḍadharaḥ nityam
wer recht den Stab/die Strafe hält, stets (Nom./Adv.)
rājā dharmam avāpnuyāt
der König soll Dharma erlangen (Nom./Akk./3.Sg.Opt.)
nṛpasya satataṃ daṇḍaḥ
des Königs Strafe stets (Gen./Adv./Nom.)
samyak dharme praśasyate
recht, im Dharma wird gepriesen (Adv./Lok./3.Sg.Pass.)

vedavedāṅgavit prājñaḥ sutapasvī nṛpo bhavet; dānaśīlaś ca satataṃ yajñaśīlaś ca bhārata

Ein Kenner der Veden und Vedāṅgas, weise und sehr asketisch soll der König sein, stets gabenfreudig und opferfreudig, Bhārata.

Wort für Wort
vedavedāṅgavit prājñaḥ
Veden- und Vedāṅga-Kenner, weise (Nom.)
sutapasvī nṛpaḥ bhavet
sehr asketisch soll der König sein (Nom./3.Sg.Opt.)
dānaśīlaḥ ca satatam
und gabenfreudig stets (Nom./Adv.)
yajñaśīlaḥ ca bhārata
und opferfreudig, Bhārata (Nom./Vok.)

ete guṇāḥ samastāḥ syur nṛpasya satataṃ sthirāḥ; kriyālope tu nṛpateḥ kutaḥ svargaḥ kuto yaśaḥ

Diese Eigenschaften sollen alle zusammen beim König stets beständig sein; unterlässt der König aber die Pflichthandlung, woher [dann] Himmel, woher Ruhm?

Wort für Wort
ete guṇāḥ samastāḥ syuḥ
diese Eigenschaften sollen alle beisammen sein (Nom.Pl./3.Pl.Opt.)
nṛpasya satataṃ sthirāḥ
beim König stets beständig (Gen./Adv./Nom.Pl.)
kriyālope tu nṛpateḥ
bei Unterlassung der Handlung aber des Königs (Lok./Gen.)
kutaḥ svargaḥ kutaḥ yaśaḥ
woher Himmel, woher Ruhm (Nom.)

yadā tu pīḍito rājā bhaved rājñā balīyasā

Wenn aber ein König von einem stärkeren König bedrängt wird,

Wort für Wort
yadā tu pīḍito rājā bhavet
wenn aber bedrängt der König ist (PPP/3.Sg.Opt.)
rājñā balīyasā
von einem stärkeren König (Instr.)

Satz setzt sich in den folgenden Einheiten fort.

tadābhisaṃśrayed durgaṃ buddhimān pṛthivīpatiḥ

dann soll der kluge Erdenherr bei einer Festung Zuflucht suchen,

Wort für Wort
tadā abhisaṃśrayet
dann soll er Zuflucht nehmen (3.Sg.Opt.)
durgaṃ buddhimān
zur Festung, der Kluge (Akk./Nom.)
pṛthivīpatiḥ
der Erdenherr (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

guptāś caiva dadurgāś ca deśās teṣu praveśayet (sic)

die geschützten und [dadurgā, verderbt] Gegenden: in diese soll er [die Leute] hineinführen.

Wort für Wort
guptāḥ ca eva
geschützte und (Nom.Pl.)
dadurgāḥ ca
und [dadurgā, verderbt] (Nom.Pl.)
deśāḥ teṣu
Gegenden, in diesen (Nom.Pl./Lok.Pl.)
praveśayet
soll hineinführen (Kaus.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text verderbt: „dadurgāḥ“ unverständlich (vielleicht durgāś); in der Ausgabe mit (sic).

tridhā tv ākrandya mitrāṇi vidhānam upakalpayet

Dreifach aber die Freunde zu Hilfe rufend, soll er Vorkehrungen treffen.

Wort für Wort
tridhā tu
dreifach aber (Adv.)
ākrandya mitrāṇi
zu Hilfe gerufen habend die Freunde (Abs./Akk.Pl.)
vidhānam upakalpayet
Vorkehrung soll er treffen (Akk./3.Sg.Kaus.Opt.)

sāmabhedān virodhārthaṃ vidhānam upakalpayet

Durch Güte und Entzweiung, um zu hindern [?], soll er Vorkehrung treffen.

Wort für Wort
sāmabhedān
Güte und Entzweiung (Akk.Pl./Abl.Pl.)
virodhārtham
zum Zweck der Widerstands/Hinderung [?] (Adv.)
vidhānam upakalpayet
Vorkehrung soll er treffen (Akk./3.Sg.Kaus.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). sāmabhedān: Form/Kasus unsicher.

ghoṣān nyaseta mārgeṣu grāmān utthāpayed api; praveśayec ca tān sarvāñ śākhānagarakeṣv api

Hirtensiedlungen soll er an den Wegen anlegen [?], auch Dörfer soll er aufbrechen lassen; und alle diese soll er in die Nebenstädte und Kleinstädte hineinführen.

Wort für Wort
ghoṣān nyaseta mārgeṣu
Hirtensiedlungen soll er auf den Wegen anlegen [?] (Akk.Pl./3.Sg.Opt.Med./Lok.Pl.)
grāmān utthāpayet api
Dörfer soll er aufbrechen lassen auch (Akk.Pl./Kaus.Opt.)
praveśayet ca tān sarvān
und hineinführen diese alle (3.Sg.Kaus.Opt./Akk.Pl.)
śākhānagarakeṣu api
in Nebenstädte und Kleinstädte auch (Lok.Pl.)

ye guptāś caiva durgāś ca deśās teṣu praveśayet; dhanino balamukhyāṃś ca sāntvayitvā punaḥ punaḥ

Die geschützten und festen Gegenden, in diese soll er sie hineinführen; die Reichen und die Heerführer soll er immer wieder besänftigen.

Wort für Wort
ye guptāḥ ca eva durgāḥ ca deśāḥ
die geschützten und die festen Gegenden (Nom.Pl.)
teṣu praveśayet
in diese soll er hineinführen (Lok.Pl./Kaus.Opt.)
dhaninaḥ balamukhyān ca
die Reichen und die Heerführer (Akk.Pl.)
sāntvayitvā punaḥ punaḥ
besänftigt habend wieder und wieder (Abs./Adv.)

sasyābhihāraṃ kuryāc ca svayam eva narādhipaḥ; asaṃbhave praveśasya dāhayed agninā bhṛśam

Das Einbringen des Getreides soll der Herr der Menschen selbst vornehmen; ist das Hineinbringen nicht möglich, soll er es gründlich mit Feuer verbrennen lassen.

Wort für Wort
sasyābhihāraṃ kuryāt ca
das Getreideeinholen soll er vornehmen (Akk./3.Sg.Opt.)
svayam eva narādhipaḥ
selbst eben der Herr der Menschen (Adv./Nom.)
asaṃbhave praveśasya
bei Unmöglichkeit des Hineinbringens (Lok./Gen.)
dāhayet agninā bhṛśam
soll verbrennen lassen mit Feuer gründlich (Kaus.Opt./Instr./Adv.)

kṣetrastheṣu ca sasyeṣu śatror upajapen narān; vināśayed vā sarvasvaṃ balenātha svakena vai

Solange das Getreide auf den Feldern steht, soll er die Leute des Feindes aufwiegeln, oder alles Hab und Gut mit dem eigenen Heer vernichten.

Wort für Wort
kṣetrastheṣu ca sasyeṣu
und wenn das Getreide auf den Feldern steht (Lok.Abs.)
śatroḥ upajapet narān
des Feindes Leute soll er aufwiegeln (Gen./3.Sg.Opt./Akk.Pl.)
vināśayet vā sarvasvam
oder soll vernichten die ganze Habe (Kaus.Opt./Akk.)
balena atha svakena vai
mit dem Heer, dann mit dem eigenen fürwahr (Instr.)

nadīṣu mārgeṣu sadā saṃkramān avasādayet; jalaṃ nisrāvayet sarvam anisrāvyaṃ ca dūṣayet

In den Flüssen und auf den Wegen soll er stets die Übergänge zerstören; alles Wasser soll er ablaufen lassen, und was nicht abzulassen ist, verunreinigen.

Wort für Wort
nadīṣu mārgeṣu sadā
in Flüssen, auf Wegen, stets (Lok.Pl./Adv.)
saṃkramān avasādayet
Übergänge soll er zerstören (Akk.Pl./Kaus.Opt.)
jalaṃ nisrāvayet sarvam
Wasser soll er ablaufen lassen, alles (Akk./Kaus.Opt.)
anisrāvyaṃ ca dūṣayet
und was nicht ablassbar ist, soll er verunreinigen (Akk./Kaus.Opt.)

tadātvenāyatībhiś ca vivadan bhūmyanantaram; pratīghātaḥ parasyājau mitrakāle 'py upasthite

Wenn er wegen Gegenwart und Zukunft mit dem unmittelbaren Landnachbarn im Streit liegt, [soll er] die Abwehr des Gegners im Kampf [vorbereiten], auch wenn die Zeit für [Bündnisse mit] Freunden gekommen ist [?].

Wort für Wort
tadātvena āyatībhiḥ ca
mit Blick auf die Gegenwart und auf die Zukünfte (Instr. Sg./Pl.)
vivadan bhūmy-anantaram
im Streit liegend mit dem unmittelbaren Landnachbarn (Part. Präs. Nom. Sg.; Akk. Sg.)
pratīghātaḥ parasya
Abwehr des Gegners (Nom. Sg.; Gen. Sg.)
ājau
im Kampf (Lok. Sg.)
mitra-kāle api upasthite
auch wenn die Zeit für Freunde herangekommen ist (Kompositum; Lok. abs., Part. Perf. Pass.)

Syntax und Ergänzung des Verbs unsicher; der Vers ist elliptisch.

durgāṇāṃ cābhito rājā mūlacchedaṃ prakārayet; sarveṣāṃ kṣudravṛkṣāṇāṃ caityavṛkṣān vivarjayet

Ringsum um die Burgen soll der König die Wurzeln [des Bewuchses] ausreißen lassen; von allen kleinen Bäumen aber soll er die Heiligtumsbäume ausnehmen.

Wort für Wort
durgāṇām ca abhitaḥ
und rings um die Burgen (Gen. Pl.; Adv.)
rājā
der König (Nom. Sg.)
mūla-cchedam prakārayet
das Abschneiden der Wurzeln durchführen lassen (Akk. Sg.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
sarveṣām kṣudra-vṛkṣāṇām
von allen kleinen Bäumen (Gen. Pl.)
caitya-vṛkṣān vivarjayet
die Heiligtumsbäume ausnehmen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt.)

pravṛddhānāṃ ca vṛkṣāṇāṃ śākhāḥ pracchedayet tathā; caityānāṃ sarvathā varjyam api patrasya pātanam

Und von den ausgewachsenen Bäumen soll er die Äste stutzen lassen; bei den Heiligtumsbäumen aber ist es in jeder Hinsicht zu meiden, auch nur ein Blatt fallen zu lassen.

Wort für Wort
pravṛddhānām ca vṛkṣāṇām
und von den ausgewachsenen Bäumen (Gen. Pl.)
śākhāḥ pracchedayet tathā
die Äste soll er abschneiden lassen, ebenso (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
caityānām sarvathā varjyam
bei den Heiligtumsbäumen ist in jeder Hinsicht zu meiden (Gen. Pl.; Gerundiv Nom. Sg. n.)
api patrasya pātanam
auch nur das Fallenlassen eines Blattes (Gen. Sg.; Nom. Sg.)

daivānām āśrayāś caityā yakṣarākṣasabhoginām; piśācapannagānāṃ ca gandharvāpsarasām api; raudrāṇāṃ caiva bhūtānāṃ tasmāt tān parivarjayet; śrūyate hi nikumbhena saudāsasya balaṃ hatam; maheśvaragaṇeśena vārāṇasyāṃ narādhipa

Heiligtümer sind die Wohnstätten der Götter, der Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen, der Piśācas und Nāgas und auch der Gandharvas und Apsaras sowie der schrecklichen Geister; darum soll er sie meiden. Denn man hört, dass durch Nikumbha, den Herrn der Scharen des Maheśvara, das Heer des Saudāsa in Vārāṇasī erschlagen wurde, Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
daivānām āśrayāḥ caityāḥ
die Heiligtümer sind Zufluchtsstätten der Götter (Gen. Pl.; Nom. Pl.)
yakṣa-rākṣasa-bhoginām
der Yakṣas, Rākṣasas und Schlangen (Gen. Pl.)
piśāca-pannagānām ca
und der Piśācas und Nāgas (Gen. Pl.)
gandharva-apsarasām api
auch der Gandharvas und Apsaras (Gen. Pl.)
raudrāṇām ca eva bhūtānām
und eben der schrecklichen Geister (Gen. Pl.)
tasmāt tān parivarjayet
darum soll er sie meiden (Abl.; Akk. Pl.; 3.Sg.Opt.)
śrūyate hi nikumbhena
denn man hört: durch Nikumbha (3.Sg.Pass.; Instr. Sg.)
saudāsasya balam hatam
das Heer des Saudāsa ist erschlagen worden (Gen. Sg.; Nom. Sg. n., Part. Perf. Pass.)
maheśvara-gaṇeśena vārāṇasyām narādhipa
durch den Herrn der Scharen des Maheśvara, in Vārāṇasī, Herrscher der Menschen (Instr. Sg.; Lok. Sg.; Vok. Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

prakaṇṭhīḥ kārayet samyag ākāśajananīs tathā; āpūrayec ca parikhāḥ sthāṇunakrajhaṣākulāḥ

Er soll ordentlich Brustwehren [?] anlegen lassen und ebenso Lichtöffnungen [?]; und die Gräben soll er auffüllen [lassen], die von Pfählen, Krokodilen und Fischen wimmeln.

Wort für Wort
prakaṇṭhīḥ kārayet samyak
Brustwehren [?] soll er ordentlich anlegen lassen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.; Adv.)
ākāśa-jananīḥ tathā
ebenso Lichtöffnungen [?] (Akk. Pl.; Adv.)
āpūrayet ca parikhāḥ
und er soll die Gräben füllen (3.Sg.Opt. Kaus.; Akk. Pl.)
sthāṇu-nakra-jhaṣa-ākulāḥ
voll von Pfählen, Krokodilen und Fischen (Kompositum, Akk. Pl. f.)

prakaṇṭhī und ākāśajananī sind unsicher (etwa Brustwehr/Zinne bzw. Luft- oder Lichtöffnung).

kaḍaṅgadvārakāṇi syur ucchvāsārthe purasya ha; teṣāṃ ca dvāravad guptiḥ kāryā sarvātmanā bhavet

Kleine Nebentüren [?] soll es zum Aufatmen der Stadt geben; und ihr Schutz ist wie bei einem [Haupt-]Tor mit aller Kraft zu bewirken.

Wort für Wort
kaḍaṅga-dvārakāṇi syuḥ
Nebentüren [?] soll es geben (Nom. Pl. n.; 3.Pl.Opt.)
ucchvāsa-arthe purasya ha
zum Aufatmen der Stadt, fürwahr (Lok. Sg.; Gen. Sg.; Partikel)
teṣām ca dvāravat guptiḥ
und deren Schutz wie bei einem Tor (Gen. Pl.; Adv.; Nom. Sg.)
kāryā sarva-ātmanā bhavet
ist zu bewirken mit ganzem Einsatz (Gerundiv Nom. Sg. f.; Instr. Sg.; 3.Sg.Opt.)

kaḍaṅgadvārakāṇi unsicher (kleine Hinter- oder Nebentüren).

dvāreṣu ca gurūṇy eva yantrāṇi sthāpayet sadā; āropayec chataghnīś ca svādhīnāni ca kārayet

An den Toren soll er stets schwere Wurfmaschinen aufstellen; er soll Śataghnīs [Hundertschläger] aufrichten und sie jederzeit verfügbar machen lassen.

Wort für Wort
dvāreṣu ca gurūṇi eva
und an den Toren, schwere (Lok. Pl.; Akk. Pl. n.)
yantrāṇi sthāpayet sadā
Wurfmaschinen soll er aufstellen, stets (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.; Adv.)
āropayet śataghnīḥ ca
und er soll Śataghnīs aufrichten (3.Sg.Opt. Kaus.; Akk. Pl.)
sva-adhīnāni ca kārayet
und er soll sie in seiner Verfügung halten lassen (Akk. Pl. n.; 3.Sg.Opt. Kaus.)

kāṣṭhāni cābhihāryāṇi tathā kūpāṃś ca khānayet; saṃśodhayet tathā kūpān kṛtān pūrvaṃ payorthibhiḥ

Brennholz soll man herbeischaffen, und er soll Brunnen graben lassen; und die früher von Wassersuchenden angelegten Brunnen soll er säubern lassen.

Wort für Wort
kāṣṭhāni ca abhihāryāṇi
und Brennholz, herbeizuschaffen (Nom. Pl. n.; Gerundiv)
tathā kūpān ca khānayet
ebenso soll er Brunnen graben lassen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
saṃśodhayet tathā kūpān
er soll ebenso die Brunnen reinigen lassen (3.Sg.Opt. Kaus.; Akk. Pl.)
kṛtān pūrvam payaḥ-arthibhiḥ
die früher von Wasserbedürftigen angelegt wurden (Part. Perf. Pass. Akk. Pl.; Adv.; Instr. Pl.)

tṛṇacchannāni veśmāni paṅkenāpi pralepayet; nirharec ca tṛṇaṃ māse caitre vahnibhayāt puraḥ

Mit Gras gedeckte Häuser soll er auch mit Lehm bestreichen lassen; und im Monat Caitra soll er in der Stadt das Gras entfernen, aus Furcht vor Feuer.

Wort für Wort
tṛṇa-channāni veśmāni
mit Gras gedeckte Häuser (Akk. Pl. n.)
paṅkena api pralepayet
auch mit Lehm soll er bestreichen lassen (Instr. Sg.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
nirharet ca tṛṇam
und er soll das Gras entfernen (3.Sg.Opt.; Akk. Sg.)
māse caitre
im Monat Caitra (Lok. Sg.)
vahni-bhayāt puraḥ
aus Feuerfurcht, in der Stadt [?] (Abl. Sg.; Gen./Adv. purah)

naktam eva ca bhaktāni pācayeta narādhipaḥ; na divāgnir jvaled gehe varjayitvāgnihotrikam

Nachts allein soll der Menschenherrscher die Speisen kochen lassen; tagsüber soll im Haus kein Feuer brennen, ausgenommen [das Feuer] dessen, der das Agnihotra unterhält.

Wort für Wort
naktam eva ca
und allein nachts (Adv.)
bhaktāni pācayeta
er soll die Speisen kochen lassen (Akk. Pl. n.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
narādhipaḥ
der Herrscher der Menschen (Nom. Sg.)
na divā agniḥ jvalet gehe
tagsüber soll kein Feuer im Haus brennen (Adv.; Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.; Lok. Sg.)
varjayitvā agnihotrikam
den Agnihotra-Unterhalter ausgenommen (Gerundium; Akk. Sg.)

yathāsaṃbhavaśailāni ceṣṭakāni ca kārayet; mṛṇmayāni ca kurvīta jñātvā deśe balābalam

Je nach Möglichkeit soll er [Bauten] aus Stein und aus Ziegeln errichten lassen und auch solche aus Lehm anfertigen, nachdem er in der Gegend Stärke und Schwäche erwogen hat.

Wort für Wort
yathā-saṃbhava-śailāni ca
und je nach Möglichkeit steinerne [Dinge] (Akk. Pl. n.)
iṣṭakāni ca kārayet
und Ziegel soll er anfertigen lassen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.)
mṛṇmayāni ca kurvīta
und aus Lehm Gemachtes soll er herstellen (Akk. Pl. n.; 3.Sg.Opt. Med.)
jñātvā deśe bala-abalam
nachdem er in der Gegend Stärke und Schwäche erkannt hat (Gerundium; Lok. Sg.; Akk. Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zuordnung von śailāni/iṣṭakāni (Bauten oder Baumaterial) ist offen.

karmārāriṣṭaśālāsu jvaled agniḥ samāhitaḥ; gṛhāṇi ca praviśyātha vidheyaḥ syād dhutāśanaḥ

In Schmieden und Wochenstuben [?] darf das Feuer brennen, wohlbehütet; und wenn es in die Häuser eingedrungen ist, soll das Feuer [dennoch] beherrschbar sein [?].

Wort für Wort
karmāra-ariṣṭa-śālāsu
in Schmieden und Wochenstuben (Lok. Pl.)
jvalet agniḥ samāhitaḥ
das Feuer darf brennen, beaufsichtigt (3.Sg.Opt.; Nom. Sg.; Part. Nom. Sg.)
gṛhāṇi ca praviśya
und wenn es in die Häuser eingetreten ist (Akk. Pl.; Gerundium)
atha vidheyaḥ syāt
dann soll es lenkbar sein (Adv.; Gerundiv Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.)
dhutāśanaḥ
der Feuerverzehrer, das Feuer (Nom. Sg.)

Text und Sinn der zweiten Vershälfte unsicher; ariṣṭaśālā = Wochenstube [?].

mahādaṇḍaś ca tasya syād yasyāgnir vai divā bhavet; praghoṣayed athaivaṃ ca rakṣaṇārthaṃ purasya vai

Eine große Strafe soll den treffen, in dessen [Haus] am Tage Feuer ist; und so soll er es zum Schutz der Stadt ausrufen lassen.

Wort für Wort
mahā-daṇḍaḥ ca tasya syāt
und eine große Strafe soll ihn treffen (Nom. Sg.; Gen. Sg.; 3.Sg.Opt.)
yasya agniḥ vai divā bhavet
in dessen [Haus] am Tage Feuer wäre (Gen. Sg.; Nom. Sg.; Partikel; Adv.; 3.Sg.Opt.)
praghoṣayet atha evam ca
und so soll er ausrufen lassen (3.Sg.Opt. Kaus.; Adv.)
rakṣaṇa-artham purasya vai
zum Schutz der Stadt fürwahr (Akk. Sg. n. als Adv.; Gen. Sg.)

bhikṣukāṃś cākrikāṃś caiva kṣībonmattān kuśīlavān; bāhyān kuryān naraśreṣṭha doṣāya syur hi te 'nyathā

Bettler, Cākrikas [?], Betrunkene, Wahnsinnige und Schauspieler soll er nach draußen verweisen, Bester der Männer; denn sonst würden sie zum Schaden [der Stadt] gereichen.

Wort für Wort
bhikṣukān ca cākrikān ca eva
Bettler und Cākrikas [?] (Akk. Pl.)
kṣība-unmattān kuśīlavān
Betrunkene, Wahnsinnige, Schauspieler (Akk. Pl.)
bāhyān kuryāt
er soll sie nach draußen setzen, ausschließen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt.)
nara-śreṣṭha
Bester der Männer (Vok. Sg.)
doṣāya syuḥ hi te anyathā
denn sonst würden sie zum Schaden gereichen (Dat. Sg.; 3.Pl.Opt.; Partikel; Nom. Pl.; Adv.)

cākrika unsicher (etwa Ölmüller, Wagenlenker oder Gaukler).

catvareṣu ca tīrtheṣu sabhāsv āvasatheṣu ca; yathārhavarṇaṃ praṇidhiṃ kuryāt sarvatra pārthivaḥ

An Kreuzungen und Badeplätzen, in Versammlungshallen und in Herbergen soll der Fürst überall einen Späher einsetzen, dem jeweiligen Rang gemäß.

Wort für Wort
catvareṣu ca tīrtheṣu
und an Kreuzungen und Badeplätzen (Lok. Pl.)
sabhāsu āvasatheṣu ca
in Versammlungshallen und Herbergen (Lok. Pl.)
yathā-arha-varṇam
dem Rang entsprechend (Adv.)
praṇidhim kuryāt
einen Späher soll er einsetzen (Akk. Sg.; 3.Sg.Opt.)
sarvatra pārthivaḥ
überall der Fürst (Adv.; Nom. Sg.)

yathārhavarṇam: „dem Stand/der Gestalt entsprechend“ (auch: passend verkleidet).

viśālān rājamārgāṃś ca kārayeta narādhipaḥ; prapāś ca vipaṇīś caiva yathoddeśaṃ samādiśet

Breite Königsstraßen soll der Herrscher der Menschen anlegen lassen; Wasserhäuser und Verkaufsbuden soll er je nach Bestimmung anweisen.

Wort für Wort
viśālān rāja-mārgān ca
und breite Königsstraßen (Akk. Pl.)
kārayeta narādhipaḥ
soll er anlegen lassen, der Herrscher der Menschen (3.Sg.Opt. Kaus. Med.; Nom. Sg.)
prapāḥ ca vipaṇīḥ ca eva
und Wasserhäuser und Verkaufsbuden (Akk./Nom. Pl.)
yathā-uddeśam samādiśet
nach Bestimmung soll er anweisen (Adv.; 3.Sg.Opt.)

bhāṇḍāgārāyudhāgārān dhānyāgārāṃś ca sarvaśaḥ; aśvāgārān gajāgārān balādhikaraṇāni ca

Vorratshäuser, Waffenkammern und Kornspeicher überall, Pferdeställe, Elefantenställe und Dienststellen des Heeres [soll er einrichten lassen].

Wort für Wort
bhāṇḍa-āgāra-āyudha-āgārān
Warenlager und Waffenkammern (Akk. Pl.)
dhānya-āgārān ca sarvaśaḥ
und Kornspeicher überall (Akk. Pl.; Adv.)
aśva-āgārān gaja-āgārān
Pferdeställe, Elefantenställe (Akk. Pl.)
bala-adhikaraṇāni ca
und Dienststellen des Heeres (Akk. Pl. n.)

Das Verb (kārayeta) ist aus Vers 59 zu ergänzen.

parikhāś caiva kauravya pratolīḥ saṃkaṭāni ca; na jātu kaś cit paśyet tu guhyam etad yudhiṣṭhira

Und die Gräben, Kauravya, die Torwege und die Engpässe: Niemand [Unbefugter] soll dies jemals sehen; das ist geheim, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
parikhāḥ ca eva kauravya
und die Gräben, Kauravya (Akk. Pl.; Vok. Sg.)
pratolīḥ saṃkaṭāni ca
die Torwege und die Engpässe (Akk. Pl.)
na jātu kaḥ cit paśyet tu
niemand soll je sehen (Adv.; Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.; Partikel)
guhyam etat yudhiṣṭhira
dies ist geheim, Yudhiṣṭhira (Nom. Sg. n.; Vok. Sg.)

atha saṃnicayaṃ kuryād rājā parabalārditaḥ; tailaṃ madhu ghṛtaṃ sasyam auṣadhāni ca sarvaśaḥ

Wenn aber der König vom Heer eines Feindes bedrängt ist, dann soll er einen Vorrat anlegen: Öl, Honig, Ghee, Getreide und Heilmittel, alles überall.

Wort für Wort
atha saṃnicayam kuryāt
dann soll er einen Vorrat anlegen (Adv.; Akk. Sg.; 3.Sg.Opt.)
rājā para-bala-arditaḥ
der König, vom Heer des Feindes bedrängt (Nom. Sg.; Part. Perf. Pass.)
tailam madhu ghṛtam
Öl, Honig, Ghee (Akk. Sg.)
sasyam auṣadhāni ca sarvaśaḥ
Korn und Heilmittel, überall (Akk.; Adv.)

aṅgārakuśamuñjānāṃ palāśaśaraparṇinām; yavasendhanadigdhānāṃ kārayeta ca saṃcayān

Auch Vorräte von Kohle, Kuśa-Gras und Muñja-Gras, von Palāśa[-Holz], Schilfrohr und Blättern [?], von Futtergras, Brennholz und Bestrichenem [?] soll er anlegen lassen.

Wort für Wort
aṅgāra-kuśa-muñjānām
von Kohle, Kuśa- und Muñja-Gras (Gen. Pl.)
palāśa-śara-parṇinām
von Palāśa, Schilf und Blättern [?] (Gen. Pl.)
yavasa-indhana-digdhānām
von Futtergras, Brennholz und Bestrichenem [?] (Gen. Pl.)
kārayeta ca saṃcayān
und er soll Vorräte anlegen lassen (3.Sg.Opt. Kaus.; Akk. Pl.)

Die Glieder palāśaśaraparṇinām und yavasendhanadigdhānām sind unsicher (Fett/Gift/Bestrichenes?).

āyudhānāṃ ca sarveṣāṃ śaktyṛṣṭiprāsavarmaṇām; saṃcayān evamādīnāṃ kārayeta narādhipaḥ

Auch von allen Waffen, von Wurfspeeren, Lanzen, Spießen und Rüstungen soll der Herrscher der Menschen Vorräte dieser Art und dergleichen anlegen lassen.

Wort für Wort
āyudhānām ca sarveṣām
und von allen Waffen (Gen. Pl.)
śakti-ṛṣṭi-prāsa-varmaṇām
von Wurfspeeren, Lanzen, Spießen und Rüstungen (Gen. Pl.)
saṃcayān eva-ādīnām
Vorräte dergleichen (Akk. Pl.; Gen. Pl.)
kārayeta narādhipaḥ
soll anlegen lassen der Herrscher der Menschen (3.Sg.Opt. Kaus.; Nom. Sg.)

auṣadhāni ca sarvāṇi mūlāni ca phalāni ca; caturvidhāṃś ca vaidyān vai saṃgṛhṇīyād viśeṣataḥ

Alle Heilkräuter, Wurzeln und Früchte [soll er sammeln], und Ärzte der vierfachen [Art] soll er besonders [zu sich] nehmen.

Wort für Wort
auṣadhāni ca sarvāṇi
und alle Heilkräuter (Akk. Pl. n.)
mūlāni ca phalāni ca
und Wurzeln und Früchte (Akk. Pl. n.)
catur-vidhān ca vaidyān vai
und Ärzte der vierfachen Art fürwahr (Akk. Pl.)
saṃgṛhṇīyāt viśeṣataḥ
er soll zu sich nehmen, besonders (3.Sg.Opt.; Adv.)

Das Verb der ersten Hälfte ist aus dem Zusammenhang zu ergänzen; „vierfach“ bezieht sich auf die Ärzte (Art der Heilkunst unklar).

naṭāś ca nartakāś caiva mallā māyāvinas tathā; śobhayeyuḥ puravaraṃ modayeyuś ca sarvaśaḥ

Schauspieler, Tänzer, Ringer und Zauberkünstler sollen die vorzügliche Stadt schmücken und überall erfreuen.

Wort für Wort
naṭāḥ ca nartakāḥ ca eva
Schauspieler und Tänzer (Nom. Pl.)
mallāḥ māyāvinaḥ tathā
Ringer und Zauberer ebenso (Nom. Pl.)
śobhayeyuḥ pura-varam
sie sollen schmücken die vorzügliche Stadt (3.Pl.Opt. Kaus.; Akk. Sg.)
modayeyuḥ ca sarvaśaḥ
und sie sollen erfreuen überall (3.Pl.Opt. Kaus.; Adv.)

yataḥ śaṅkā bhavec cāpi bhṛtyato vāpi mantritaḥ; paurebhyo nṛpater vāpi svādhīnān kārayeta tān

Von wo Argwohn entstehen könnte, sei es von Dienern, sei es von einem Ratgeber, von den Stadtbewohnern oder auch vom König: diese soll er in seine Gewalt bringen lassen.

Wort für Wort
yataḥ śaṅkā bhavet ca api
von wo Argwohn entstünde, auch (Adv.; Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.)
bhṛtyataḥ vā api mantritaḥ
sei es von Dienern, sei es von einem Ratgeber (Abl.-Adv.; Abl.-Adv.)
paurebhyaḥ nṛpateḥ vā api
von Stadtbewohnern oder vom König (Abl. Pl.; Abl. Sg.)
sva-adhīnān kārayeta tān
diese soll er in seine Gewalt bringen lassen (Akk. Pl.; 3.Sg.Opt. Kaus.; Akk. Pl.)

kṛte karmaṇi rājendra pūjayed dhanasaṃcayaiḥ; mānena ca yathārheṇa sāntvena vividhena ca

Ist das Werk getan, König der Könige, soll er sie ehren mit angehäuftem Reichtum, mit gebührender Achtung und mit vielfältiger freundlicher Rede.

Wort für Wort
kṛte karmaṇi
wenn das Werk getan ist (Lok. abs.)
rāja-indra
König der Könige (Vok. Sg.)
pūjayet dhana-saṃcayaiḥ
er soll ehren mit Reichtumshäufungen (3.Sg.Opt. Kaus.; Instr. Pl.)
mānena ca yathā-arheṇa
und mit Achtung, wie es gebührt (Instr. Sg.)
sāntvena vividhena ca
und mit vielfältiger freundlicher Rede (Instr. Sg.)

nirvedayitvā tu paraṃ hatvā vā kurunandana; gatānṛṇyo bhaved rājā yathā śāstreṣu darśitam

Nachdem er den Feind entmutigt [?] oder erschlagen hat, Kurunandana, wird der König schuldenfrei, wie es in den Lehrbüchern gezeigt ist.

Wort für Wort
nirvedayitvā tu param
nachdem er den Feind mürbe gemacht [?] hat (Gerundium Kaus.; Partikel; Akk. Sg.)
hatvā vā kuru-nandana
oder [ihn] erschlagen hat, Freude der Kurus (Gerundium; Vok. Sg.)
gata-ānṛṇyaḥ bhavet rājā
der König würde schuldenfrei (Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.; Nom. Sg.)
yathā śāstreṣu darśitam
wie in den Lehrbüchern gezeigt (Lok. Pl.; Part. Perf. Pass.)

nirvedayitvā unsicher („entmutigt/mürbe gemacht“ oder „zur Kenntnis gebracht“).

rājñā saptaiva rakṣyāṇi tāni cāpi nibodha me; ātmāmātyaś ca kośaś ca daṇḍo mitrāṇi caiva hi

Vom König sind sieben Dinge zu schützen, und auch diese vernimm von mir: er selbst, die Minister, der Schatz, das Heer und die Freunde.

Wort für Wort
rājñā sapta eva rakṣyāṇi
vom König sind nur sieben zu schützen (Instr. Sg.; Zahlwort; Gerundiv Nom. Pl. n.)
tāni ca api nibodha me
und auch diese vernimm von mir (Nom. Pl. n.; Imp.; Instr./Gen. Sg.)
ātmā amātyaḥ ca kośaḥ ca
der eigene Leib [er selbst], der Minister und der Schatz (Nom. Sg.)
daṇḍaḥ mitrāṇi ca eva hi
das Heer und die Freunde fürwahr (Nom. Sg.; Nom. Pl.)

tathā janapadaś caiva puraṃ ca kurunandana; etat saptātmakaṃ rājyaṃ paripālyaṃ prayatnataḥ

Ebenso das Land und die Stadt, Kurunandana; dieses aus sieben Teilen bestehende Reich ist mit Eifer zu hüten.

Wort für Wort
tathā jana-padaḥ ca eva
ebenso das Land (Nom. Sg.)
puram ca kuru-nandana
und die Stadt, Kurunandana (Nom. Sg.; Vok. Sg.)
etat sapta-ātmakam rājyam
dieses aus sieben Teilen bestehende Reich (Nom. Sg. n.)
paripālyam prayatnataḥ
ist zu hüten mit Eifer (Gerundiv; Adv.)

ṣāḍguṇyaṃ ca trivargaṃ ca trivargam aparaṃ tathā; yo vetti puruṣavyāghra sa bhunakti mahīm imām

Die Sechsheit der [Staatsmittel], die Dreiheit und ebenso die andere Dreiheit: Wer sie kennt, Tiger unter den Männern, der genießt diese Erde.

Wort für Wort
ṣāḍguṇyam ca tri-vargam ca
die Sechsheit und die Dreiheit (Akk. Sg.)
tri-vargam aparam tathā
ebenso eine andere Dreiheit (Akk. Sg.; Adj.; Adv.)
yaḥ vetti puruṣa-vyāghra
wer kennt, Tiger unter den Männern (Nom.; 3.Sg.Präs.; Vok.)
saḥ bhunakti mahīm imām
der genießt diese Erde (3.Sg.Präs.; Akk. Sg.)

ṣāḍguṇyam iti yat proktaṃ tan nibodha yudhiṣṭhira; saṃdhāyāsanam ity eva yātrāsaṃdhānam eva ca

Was als Sechsheit genannt wurde, das vernimm, Yudhiṣṭhira: Friedensschluss und [dann] Stillsitzen, und ebenso Feldzug in Verbindung mit einem Vertrag [?].

Wort für Wort
ṣāḍguṇyam iti yat proktam
was „Sechsheit“ genannt wurde (Nom. Sg. n.; Part. Perf. Pass.)
tat nibodha yudhiṣṭhira
das vernimm, Yudhiṣṭhira (Akk.; Imp.; Vok.)
saṃdhāya āsanam iti eva
nach Friedensschluss Stillsitzen, so (Gerundium; Nom. Sg.)
yātrā-saṃdhānam eva ca
und Feldzug mit Vertrag [?] (Nom. Sg.)

Die Reihe der ṣāḍguṇya (saṃdhi, vigraha, yāna, āsana, dvaidhībhāva, saṃśraya) ist hier in eigener Fassung formuliert; der Ausdruck yātrāsaṃdhāna ist unsicher.

vigṛhyāsanam ity eva yātrāṃ saṃparigṛhya ca; dvaidhībhāvas tathānyeṣāṃ saṃśrayo 'tha parasya ca

Stillsitzen trotz Feindschaft, nachdem man den Feldzug [gründlich] vorbereitet hat; Zweiteilung [des Vorgehens] gegenüber anderen und Zuflucht bei einem anderen.

Wort für Wort
vigṛhya āsanam iti eva
Stillsitzen im Zustand der Feindschaft (Gerundium; Nom. Sg.)
yātrām saṃparigṛhya ca
und nachdem man den Feldzug gefasst [vorbereitet] hat (Akk. Sg.; Gerundium)
dvaidhī-bhāvaḥ tathā anyeṣām
Zweiteilung ebenso gegenüber anderen (Nom. Sg.; Adv.; Gen. Pl.)
saṃśrayaḥ atha parasya ca
und Zuflucht bei einem anderen (Nom. Sg.; Adv.; Gen. Sg.)

Die Wiedergabe vigṛhyāsana und yātrāṃ saṃparigṛhya ist unsicher.

trivargaś cāpi yaḥ proktas tam ihaikamanāḥ śṛṇu

Und auch die Dreiheit, die genannt wurde, die höre hier mit gesammeltem Geist.

Wort für Wort
tri-vargaḥ ca api yaḥ proktaḥ
und auch die Dreiheit, die genannt wurde (Nom. Sg.; Part. Perf. Pass.)
tam iha eka-manāḥ śṛṇu
die höre hier einsgerichteten Sinnes (Akk. Sg.; Adv.; Nom. Sg.; Imp.)

**** **** tan nibodha yudhiṣṭhira; vadiṣyāmi mahābāho

[Lücke im Text] … das vernimm, Yudhiṣṭhira; ich werde es sagen, Starkarmiger.

Wort für Wort
**** ****
[Lücke in der Handschriftenlage]
tat nibodha yudhiṣṭhira
das vernimm, Yudhiṣṭhira (Akk.; Imp.; Vok.)
vadiṣyāmi mahā-bāho
ich werde sagen, Starkarmiger (1.Sg.Fut.; Vok. Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zwei Wörter der Vorlage sind Lücke (****).

kṣayaḥ sthānaṃ ca vṛddhiś ca trivargam aparaṃ tathā

Schwund, Bestand und Wachstum: [das ist] die Dreiheit; und ebenso die andere Dreiheit.

Wort für Wort
kṣayaḥ sthānam ca vṛddhiḥ ca
Schwund, Stillstand [Bestand] und Wachstum (Nom. Sg.)
tri-vargam aparam tathā
die Dreiheit, ebenso eine andere (Nom./Akk. Sg. n.; Adv.)

dharmaś cārthaś ca kāmaś ca trivargo vai sanātanaḥ; mantraś caiva prabhāvaś ca utsāhaś caiva tāntrikaḥ; śaktitrayaṃ samākhyātaṃ trivargasya ca tatparam; kāryaṃ ca kāraṇaṃ caiva kartā ca parikīrtitaḥ; etat parataraṃ vidyāt trivargād api bhārata; sarveṣāṃ ca kṣaye rājan yas trivargaḥ sanātanaḥ; sattvaṃ rajas tamaś caiva trivargaḥ kāraṇaṃ smṛtam; tenātyantavimuktaś ca muktaḥ puruṣa ucyate; kāryasya sarvathā nāśo mokṣa ity abhidhīyate; tena mokṣaparaś caiva devadevaḥ pitāmahaḥ; tuṣṭyarthasya trivargasya rakṣām āha narādhipa; jagato laukikī yātrā yatra nityaṃ pratiṣṭhitā

Dharma, Artha und Kāma sind die ewige Dreiheit. Rat, Machtfülle und Tatkraft, die zum Staatsapparat gehörig sind, gelten als die Dreiheit der Kräfte, und darüber hinaus [noch etwas Höheres]. Das Werk, die Ursache und der Wirkende sind genannt; dies wisse als noch höher als die Dreiheit, Bhārata. Und beim Schwinden aller [ist] es die ewige Dreiheit, König [?]. Sattva, Rajas und Tamas sind die Dreiheit, die als Ursache gilt. Wer davon gänzlich befreit ist, wird ein befreiter Mensch genannt. Die vollständige Vernichtung des Gewirkten heißt Erlösung. Darauf gerichtet ist auch der Gott der Götter, der Großvater [Brahmā], auf Erlösung; er spricht von der Bewahrung der Dreiheit zum Zweck der Zufriedenheit, Herrscher der Menschen, in der der weltliche Lebensgang der Welt beständig gegründet ist.

Wort für Wort
dharmaḥ ca arthaḥ ca kāmaḥ ca
Dharma, Artha und Kāma (Nom. Sg.)
tri-vargaḥ vai sanātanaḥ
sind die ewige Dreiheit (Nom. Sg.; Partikel; Adj.)
mantraḥ ca prabhāvaḥ ca utsāhaḥ ca eva tāntrikaḥ
Rat, Machtfülle und Tatkraft, zum Staatsapparat gehörig (Nom. Sg.; Adj.)
śakti-trayam samākhyātam
die Dreiheit der Kräfte ist genannt (Nom. Sg. n.; Part. Perf. Pass.)
tri-vargasya ca tat-param
und darüber hinaus zur Dreiheit [?] (Gen. Sg.; Nom. Sg. n.)
kāryam ca kāraṇam ca eva kartā ca parikīrtitaḥ
Werk, Ursache und Handelnder sind genannt (Nom. Sg.; Part. Perf. Pass.)
etat parataram vidyāt
dies wisse als höher (Akk. Sg. n.; Komp.; 3.Sg.Opt.)
tri-vargāt api bhārata
noch als die Dreiheit, Bhārata (Abl. Sg.; Vok. Sg.)
sarveṣām ca kṣaye rājan
und beim Schwinden aller, König (Gen. Pl.; Lok. Sg.; Vok. Sg.)
yaḥ tri-vargaḥ sanātanaḥ
welche die ewige Dreiheit [ist] [?] (Nom. Sg.)
sattvam rajaḥ tamaḥ ca eva
Sattva, Rajas und Tamas (Nom. Sg. n.)
tri-vargaḥ kāraṇam smṛtam
die Dreiheit gilt als Ursache (Nom. Sg.; Nom. Sg. n.; Part. Perf. Pass.)
tena atyanta-vimuktaḥ ca
und wer dadurch [davon] gänzlich befreit ist (Instr. Sg.; Nom. Sg.)
muktaḥ puruṣaḥ ucyate
ein befreiter Mensch wird er genannt (Nom. Sg.; 3.Sg.Pass.)
kāryasya sarvathā nāśaḥ
die völlige Vernichtung des Gewirkten (Gen. Sg.; Adv.; Nom. Sg.)
mokṣaḥ iti abhidhīyate
heißt Erlösung (Nom. Sg.; 3.Sg.Pass.)
tena mokṣa-paraḥ ca eva deva-devaḥ pitāmahaḥ
deshalb ist auf Erlösung gerichtet der Gott der Götter, der Großvater (Instr.; Nom. Sg.)
tuṣṭi-arthasya tri-vargasya rakṣām āha narādhipa
er nennt den Schutz der Dreiheit, die der Zufriedenheit dient, Herrscher der Menschen (Gen. Sg.; Akk. Sg.; 3.Sg.Perf.; Vok.)
jagataḥ laukikī yātrā yatra nityam pratiṣṭhitā
der weltliche Lebensgang der Welt, worin er beständig gegründet ist (Gen. Sg.; Nom. Sg. f.; Adv.; Part. Perf. Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text der zweiten Hälfte (yas trivargaḥ sanātanaḥ; tena mokṣaparaś caiva) grammatisch holprig; Auffassung als Zusatzpassage mit Sāṃkhya-Anklängen, mit Unsicherheit wiedergegeben.

dharmaś cārthaś ca kāmaś ca sevitavyo 'tha kālataḥ

Dharma, Artha und Kāma sind zur rechten Zeit zu pflegen.

Wort für Wort
dharmaḥ ca arthaḥ ca kāmaḥ ca
Dharma, Artha und Kāma (Nom. Sg.)
sevitavyaḥ atha kālataḥ
sind zu pflegen, dann [je] nach der Zeit (Gerundiv Nom. Sg.; Adv.; Adv.)

sevā dharmasya kartavyā satataṃ bhūtitatparaiḥ; puruṣair naraśārdūla tanmūlāḥ sarvathā kriyāḥ

Der Dienst am Dharma ist stets von den Menschen zu leisten, die auf Gedeihen bedacht sind, Tiger unter den Männern; in ihm haben alle Handlungen in jeder Hinsicht ihre Wurzel.

Wort für Wort
sevā dharmasya kartavyā
der Dienst am Dharma ist zu leisten (Nom. Sg.; Gen. Sg.; Gerundiv f.)
satatam bhūti-tat-paraiḥ
stets von auf Gedeihen Bedachten (Adv.; Instr. Pl.)
puruṣaiḥ nara-śārdūla
von Menschen, Tiger unter den Männern (Instr. Pl.; Vok. Sg.)
tat-mūlāḥ sarvathā kriyāḥ
dessen Wurzel habend [darin wurzelnd] sind in jeder Hinsicht die Handlungen (Nom. Pl. f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

dharmeṇa hi mahīpālaś ciraṃ pālayate mahīm

Denn durch den Dharma schützt der Hüter der Erde die Erde lange.

Wort für Wort
dharmeṇa hi mahī-pālaḥ
denn durch Dharma der Erdenhüter (Instr. Sg.; Partikel; Nom. Sg.)
ciram pālayate mahīm
schützt lange die Erde (Adv.; 3.Sg.Präs.; Akk. Sg.)

yaḥ kaś cid dhārmiko rājā sa vipanno 'pi bhūpatiḥ; arthakāmavihīno 'pi ciraṃ pālayate mahīm

Jeder König, der dem Dharma folgt, schützt als Herr der Erde die Erde lange, selbst wenn er ins Unglück gerät und selbst wenn ihm Artha und Kāma fehlen.

Wort für Wort
yaḥ kaḥ cit dhārmikaḥ rājā
jeder gerechte König (Nom. Sg.)
saḥ vipannaḥ api bhū-patiḥ
er, auch wenn er ins Unglück geraten ist, der Herr der Erde (Part. Perf. Pass.; Nom. Sg.)
artha-kāma-vihīnaḥ api
auch bar von Artha und Kāma (Nom. Sg.)
ciram pālayate mahīm
schützt lange die Erde (Adv.; 3.Sg.Präs.; Akk. Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

asminn arthe ca yau ślokau gītāv aṅgirasā svayam; yādavīputra bhadraṃ te śrotum arhasi tāv api

Und zu diesem Gegenstand sind zwei Strophen von Aṅgiras selbst gesungen worden; Sohn der Yādavī [Kuntī], Heil dir, du solltest auch diese beiden hören.

Wort für Wort
asmin arthe ca yau ślokau
und zu diesem Gegenstand, welche zwei Strophen (Lok. Sg.; Nom. Du.)
gītau aṅgirasā svayam
gesungen von Aṅgiras selbst (Part. Perf. Pass. Nom. Du.; Instr. Sg.; Adv.)
yādavī-putra bhadram te
Sohn der Yādavī, Heil dir (Vok. Sg.; Nom. Sg.; Dat./Gen.)
śrotum arhasi tau api
du solltest hören, auch diese beiden (Inf.; 2.Sg.Präs.; Akk. Du.)

kṛtvā sarvāṇi kāryāṇi samyak saṃpālya medinīm; pālayitvā tathā paurān paratra sukham edhate

Wer alle Aufgaben [erfüllt] hat, die Erde recht behütet und ebenso die Stadtbewohner beschützt hat, der gedeiht im Jenseits in Glück.

Wort für Wort
kṛtvā sarvāṇi kāryāṇi
nachdem er alle Aufgaben erfüllt hat (Gerundium; Akk. Pl. n.)
samyak saṃpālya medinīm
die Erde recht behütet habend (Adv.; Gerundium; Akk. Sg.)
pālayitvā tathā paurān
und ebenso die Stadtbewohner beschützt habend (Gerundium; Akk. Pl.)
paratra sukham edhate
im Jenseits gedeiht er in Glück (Adv.; Akk. Sg. n.; 3.Sg.Präs. Med.)

kiṃ tasya tapasā rājñaḥ kiṃ ca tasyādhvarair api; apālitāḥ prajā yasya sarvā dharmavinākṛtāḥ

Was nützt einem König seine Askese, was auch seine Opfer, dessen Untertanen alle unbeschützt und ohne Dharma sind?

Wort für Wort
kim tasya tapasā rājñaḥ
was [nützt] ihm, dem König, die Askese (Interrogativ; Gen. Sg.; Instr. Sg.; Gen. Sg.)
kim ca tasya adhvaraiḥ api
und was auch seine Opfer (Instr. Pl.)
apālitāḥ prajāḥ yasya
dessen Untertanen unbeschützt sind (Nom. Pl.; Gen. Sg.)
sarvāḥ dharma-vinākṛtāḥ
alle des Dharma beraubt (Nom. Pl. f.)

ślokāś cośanasā gītās tān nibodha yudhiṣṭhira; daṇḍanīteś ca yan mūlaṃ trivargasya ca bhūpate; bhārgavāṅgirasaṃ karma ṣoḍaśāṅgaṃ ca yad balam; viṣaṃ māyāś ca daivaṃ ca pauruṣaṃ cārthasiddhaye; prāgudakpravaṇaṃ durgaṃ samāsādya mahīpatiḥ; trivargatrayasaṃpūrṇam upādāya tam udvahet; ṣaṭ pañca ca vinirjitya daśa cāṣṭau ca bhūpatiḥ; trivargair daśabhir yuktaḥ surair api na jīyate; na buddhiṃ parigṛhṇīta strīṇāṃ mūrkhajanasya ca; daivopahatabuddhīnāṃ ye ca vedair vivarjitāḥ; na teṣāṃ śṛṇuyād rājā buddhis teṣāṃ parāṅmukhī; strīpradhānāni rājyāni vidvadbhir varjitāni ca; mūrkhāmātyaprataptāni śuṣyante jalabinduvat; vidvāṃsaḥ prathitā ye ca ye cāptāḥ sarvakarmasu; yuddheṣu dṛṣṭakarmāṇas teṣāṃ ca śṛṇuyān nṛpaḥ; daivaṃ puruṣakāraṃ ca trivargaṃ ca samāśritaḥ; daivatāni ca viprāṃś ca praṇamya vijayī bhavet

Auch die von Uśanas gesungenen Strophen vernimm, Yudhiṣṭhira: was die Wurzel der Strafordnung und der Dreiheit ist, Herr der Erde; das Werk des Bhārgava und des Aṅgiras, und das Heer, das sechzehn Glieder hat; Gift, Täuschungen, Schicksal und Mannestat zur Erreichung des Ziels. Wenn der Herr der Erde eine nach Osten und Norden geneigte Burg erreicht hat, die von der dreifachen Dreiheit erfüllt ist, soll er sie übernehmen und [sie] führen [?]. Wenn er sechs, fünf, zehn und acht besiegt hat, ist der Herr der Erde, mit zehn Dreiheiten verbunden, selbst von Göttern nicht zu besiegen [?]. Er soll den Rat von Frauen und Toren nicht annehmen, noch den derer, deren Verstand vom Schicksal geschlagen ist und die von den Veden ausgeschlossen sind; der König soll auf sie nicht hören, ihr Verstand ist abgewandt. Reiche, in denen Frauen den Vorrang haben und die von Gelehrten gemieden werden, von törichten Ministern gequält, trocknen aus wie Wassertropfen. Die berühmten Gelehrten und die in allen Werken Zuverlässigen, die im Kampf ihre Taten gezeigt haben: auf diese soll der König hören. Wer sich auf Schicksal, Mannestat und die Dreiheit stützt und vor Göttern und Brahmanen sich verneigt, wird siegreich sein.

Wort für Wort
ślokāḥ ca uśanasā gītāḥ
und die von Uśanas gesungenen Strophen (Nom./Akk. Pl.; Instr. Sg.; Part. Perf. Pass.)
tān nibodha yudhiṣṭhira
diese vernimm, Yudhiṣṭhira (Akk. Pl.; Imp.; Vok.)
daṇḍa-nīteḥ ca yat mūlam
und was die Wurzel der Strafordnung ist (Gen. Sg.; Nom. Sg. n.)
tri-vargasya ca bhūpate
und der Dreiheit, Herr der Erde (Gen. Sg.; Vok. Sg.)
bhārgava-aṅgirasam karma
das Werk des Bhārgava und Aṅgiras (Nom. Sg. n.)
ṣoḍaśa-aṅgam ca yat balam
und das Heer, das sechzehn Glieder hat [?] (Adj.; Nom. Sg. n.)
viṣam māyāḥ ca daivam ca pauruṣam ca artha-siddhaye
Gift, Täuschungen, Schicksal und Mannestat zur Erreichung des Ziels (Nom.; Dat. Sg.)
prāk-udak-pravaṇam durgam samāsādya mahī-patiḥ
eine nach Osten und Norden geneigte Burg erreicht habend, der Herr der Erde (Akk. Sg.; Gerundium; Nom. Sg.)
tri-varga-traya-saṃpūrṇam upādāya tam udvahet
die von der dreifachen Dreiheit erfüllte übernehmend, soll er sie führen [?] (Akk. Sg.; Gerundium; 3.Sg.Opt.)
ṣaṭ pañca ca vinirjitya daśa ca aṣṭau ca bhūpatiḥ
sechs, fünf, zehn und acht besiegt habend, der Herr der Erde (Zahlen; Gerundium)
tri-vargaiḥ daśabhiḥ yuktaḥ
mit zehn Dreiheiten verbunden (Instr. Pl.; Part. Nom. Sg.)
suraiḥ api na jīyate
auch von Göttern wird er nicht besiegt (Instr. Pl.; 3.Sg.Pass.)
na buddhim parigṛhṇīta strīṇām mūrkha-janasya ca
er soll den Verstand [Rat] von Frauen und Toren nicht annehmen (Akk. Sg.; 3.Sg.Opt. Med.; Gen. Pl.; Gen. Sg.)
daiva-upahata-buddhīnām ye ca vedaiḥ vivarjitāḥ
derer, deren Verstand vom Schicksal geschlagen ist, und die von den Veden ausgeschlossen sind (Gen. Pl.; Nom. Pl.; Instr. Pl.)
na teṣām śṛṇuyāt rājā buddhiḥ teṣām parāṅ-mukhī
auf sie soll der König nicht hören; ihr Verstand ist abgewandt (Gen. Pl.; 3.Sg.Opt.; Nom. Sg. f.)
strī-pradhānāni rājyāni vidvadbhiḥ varjitāni ca
Reiche, in denen Frauen den Vorrang haben und die von Gelehrten gemieden sind (Nom. Pl. n.; Instr. Pl.)
mūrkha-amātya-prataptāni śuṣyante jala-binduvat
von törichten Ministern gequält, vertrocknen sie wie Wassertropfen (Nom. Pl. n.; 3.Pl.Präs.)
vidvāṃsaḥ prathitāḥ ye ca ye ca āptāḥ sarva-karmasu
die berühmten Gelehrten und die in allen Werken Zuverlässigen (Nom. Pl.; Lok. Pl.)
yuddheṣu dṛṣṭa-karmāṇaḥ teṣām ca śṛṇuyāt nṛpaḥ
die im Kampf ihre Taten gezeigt haben; auf sie soll der König hören (Lok. Pl.; Nom. Pl.; Gen. Pl.; 3.Sg.Opt.)
daivam puruṣa-kāram ca tri-vargam ca samāśritaḥ
wer sich auf Schicksal, Mannestat und Dreiheit stützt (Akk. Sg.; Part. Nom. Sg.)
daivatāni ca viprān ca praṇamya vijayī bhavet
und sich vor Göttern und Brahmanen verneigt, wird siegreich sein (Akk. Pl.; Gerundium; Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; mehrere Stellen (Zahlenreihe sechs/fünf/zehn/acht, ṣoḍaśāṅga, upādāya tam udvahet) sind unsicher.

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