Kapitel 225: bhūtapralayakrama
Die Rückauflösung der Elemente bis in das unoffenbare Brahman
Vyāsa beschreibt die Reihenfolge der Weltauflösung: Erde, Wasser, Licht, Wind und Raum werden nacheinander in das jeweils feinere Element zurückgenommen, dann Geist, Mond, Entschluss und Zeit, bis Brahman allein bleibt.
arūpam arasasparśam agandhaṃ na ca mūrtimat; sarvalokapraṇaditaṃ svaṃ tu tiṣṭhati nānadat
[Er ist] ohne Gestalt, ohne Geschmack und Berührung, ohne Geruch und nicht körperhaft, von allen Welten zum Erschallen gebracht; der Raum aber bleibt hallend bestehen.
Wort für Wort
arūpam arasasparśam
ohne Gestalt, ohne Geschmack und Berührung (Kompositum, Nom. Sg. n.)
agandhaṃ na ca mūrtimat
ohne Geruch und nicht körperhaft (Nom. Sg. n.)
sarvalokapraṇaditam
von allen Welten zum Erschallen gebracht (Kompositum, Part. Perf. Pass. Kaus.)
svaṃ tu tiṣṭhati nānadat
der Raum aber bleibt hallend bestehen (Nom. Sg. n.; Präs. 3.Sg.; Part. Intensiv)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). sva = „Raum, Äther“ (Variante von kha); Satzbau der Zusatzzeile lose.
Und wenn er ihn verschlingt, kommt auch er zur Ruhe in der Wiederauflösung.
Wort für Wort
grasate ca yadā
und wenn er verschlingt (Präs. Med. 3.Sg.)
so 'pi śāmyati
auch er kommt zur Ruhe (Nom. Sg. m.; Präs. 3.Sg.)
pratisaṃcare
in der Wiederauflösung (Lok. Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Bezug von „er“ (der Geist) und Objekt (der Laut) sind aus dem Kontext ergänzt.
tad ātmaguṇam āviśya mano grasati candramāḥ; manasy uparate 'dhyātmā candramasy avatiṣṭhate
Indem der Mond in dessen eigenes Wesen [bzw. seine Eigenschaft] eingeht, verschlingt er den Geist; ist der Geist zur Ruhe gekommen, so bleibt das Selbst im Mond bestehen.
Wort für Wort
tad ātmaguṇam āviśya
dies, in die eigene Eigenschaft eingehend (Akk. Sg. n.; Gerundium)
mano grasati candramāḥ
den Geist verschlingt der Mond (Akk. Sg.; Präs. 3.Sg.; Nom. Sg.)
manasy uparate
wenn der Geist zur Ruhe gekommen ist (Lok. abs.)
'dhyātmā candramasy avatiṣṭhate
das Innere/Selbst bleibt im Mond bestehen (Nom. Sg.; Lok. Sg.; Präs. Med. 3.Sg.)
Die Zeit verschlingt das Erkennen; „Die Zeit ist Kraft“, so die Überlieferung. Die Zeit aber verschlingt die Kraft; diese [Zeit] bringt der Wissende in seine Gewalt.
Wort für Wort
kālo girati vijñānam
die Zeit verschlingt das Erkennen (Nom. Sg.; Präs. 3.Sg.; Akk. Sg.)
kālo balam iti śrutiḥ
„Zeit [ist] Kraft“, so die Überlieferung (Nom. Sg.; Nom. Sg. f.)
balaṃ kālo grasati tu
die Kraft, die Zeit verschlingt sie (Akk. Sg. n.; Nom. Sg. m.; Präs. 3.Sg.)
taṃ vidvān kurute vaśe
ihn [die Zeit] bringt der Wissende in seine Gewalt (Nom. Sg. Part. Perf.; Präs. Med. 3.Sg.)
Dann macht der Wissende das Getöse des Raumes im Selbst [aufgehen]. Das ist das Unoffenbare, das höchste Brahman, das Ewige, Unübertroffene. So ist für alle Wesen Brahman selbst die Wiederauflösung.
Wort für Wort
ākāśasya tadā ghoṣam
des Raumes dann das Getöse (Gen. Sg.; Akk. Sg.)
taṃ vidvān kurute 'tmani
dieses macht der Wissende im Selbst [aufgehen] (Akk.; Nom. Sg.; Präs. Med. 3.Sg.; Lok. Sg.)
tad avyaktaṃ paraṃ brahma
das [ist] das Unoffenbare, das höchste Brahman (Nom. Sg. n.)
tac chāśvatam anuttamam
das Ewige, Unübertroffene (Nom. Sg. n.)
evaṃ sarvāṇi bhūtāni
so [gilt für] alle Wesen (Nom./Akk. Pl. n.)
brahmaiva pratisaṃcaraḥ
Brahman selbst [ist] die Wiederauflösung (Nom. Sg. n.; Nom. Sg. m.)
Wie es richtig verkündet wurde, so verhält es sich ohne Zweifel: als das zu Erkennende, aus Wissen bestehend, erschaut von den Yogins, deren Ziel das höchste Selbst ist.
Wort für Wort
yathāvat kīrtitaṃ samyag
wie es sich gehört, verkündet, recht (Adv.; Part. Perf. Pass.)
evam etad asaṃśayam
so ist dies, zweifelsfrei (Adv.; Nom. Sg. n.)
bodhyaṃ vidyāmayam
das zu Erkennende, aus Wissen bestehend (Nom. Sg. n.)
dṛṣṭvā yogibhiḥ paramātmabhiḥ
erschaut von den Yogins, auf das höchste Selbst [gerichteten] (Gerundium; Instr. Pl.)
dṛṣṭvā (Gerundium) steht ungenau für ein Partizip („erschaut“); paramātmabhiḥ als „deren Ziel das höchste Selbst ist“ [?].