Kapitel 118: bhṛtyasaṃgrahaḥ
Auswahl und Prüfung von Dienern, Ratgebern, Kriegern und Königen nach Herkunft und Charakter
Nach dem Ende der Hundegeschichte: Der König soll Diener vor der Anstellung auf Herkunft, Charakter und Fähigkeit prüfen und einen tüchtigen Ratgeber, gute Krieger und Helfer gewinnen; eine Zusatzpassage betont, dass der Charakter mehr zählt als die Geburt.
Bhīṣma sprach: Jener [Hund], zu seiner [wahren] Natur zurückgekehrt, verfiel in tiefe Niedergeschlagenheit; vom Weisen mit „huṃ“ angeschnauzt, der Übeltäter, wurde er aus dem Askesehain hinausgestoßen.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
sa śvā
jener Hund (Nom.Sg.)
prakṛtim āpannaḥ
zu seiner Natur zurückgekehrt (Akk.Sg./Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)
paraṃ dainyam upāgamat
tiefe Niedergeschlagenheit erlangte er (Akk.Sg./3.Sg.Impf.)
ṛṣiṇā huṃkṛtaḥ pāpaḥ
vom Seher angeschnauzt, der Übeltäter (Instr.Sg./Part. Nom.Sg.)
tapovanabahiṣkṛtaḥ
aus dem Askesehain hinausgestoßen (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)
So [soll] ein kluger König, nachdem er ihre Tugend und Lauterkeit, Aufrichtigkeit, Wesensart, Charakterstärke, Herkunft, Lebenswandel, Gelehrsamkeit und Selbstbeherrschung erkannt hat, [Diener einsetzen].
anukrośaṃ balaṃ vīryaṃ bhāvaṃ saṃpraśamaṃ kṣamām; bhṛtyā ye yatra yogyāḥ syus tatra sthāpyāḥ suśikṣitāḥ
[Ferner] Mitgefühl, Kraft, Tapferkeit, Gesinnung, Friedfertigkeit und Nachsicht: Diener, die wo geeignet sind, sollen dort eingesetzt werden, gut geschult.
Wort für Wort
anukrośaṃ balaṃ vīryam
Mitgefühl, Kraft, Tapferkeit (Akk.Sg.)
bhāvaṃ saṃpraśamaṃ kṣamām
Gesinnung, Friedfertigkeit, Nachsicht (Akk.Sg.)
bhṛtyā ye yatra yogyāḥ syuḥ
Diener, die wo geeignet sein mögen (Nom.Pl./Opt.3.Pl.)
Einer von edler Herkunft, vom König angestellt, richtet wegen dieser edlen Abkunft stets den Sinn nicht auf Böses, auch wenn er unschuldig getadelt wird.
Wort für Wort
kulajaḥ prakṛtaḥ rājñā
der Edelgeborene, angestellt vom König (Nom.Sg./Part./Instr.Sg.)
tatkulīnatayā sadā
wegen dieser edlen Abkunft stets (Instr.Sg./Adv.)
na pāpe kurute buddhim
nicht auf Böses richtet er den Sinn (Lok.Sg./3.Sg.Präs./Akk.Sg.)
nindyamānaḥ api anāgasi
auch wenn getadelt, bei Schuldlosem (Part.Pass. Nom.Sg./Lok.Sg.)
akulīnas tu puruṣaḥ prakṛtaḥ sādhusaṃkṣayāt; durlabhaiśvaryatāṃ prāpto ninditaḥ śatrutāṃ vrajet
Ein Mann von unedler Herkunft dagegen, [nur] wegen des Schwindens der Guten angestellt, zu schwer erreichbarer Herrschaft gelangt, würde, getadelt, zum Feind werden.
Wort für Wort
akulīnaḥ tu puruṣaḥ
ein Unedler dagegen, ein Mann (Nom.Sg.)
prakṛtaḥ sādhusaṃkṣayāt
angestellt wegen des Schwindens der Guten (Part. Nom.Sg./Abl.Sg.)
durlabhaiśvaryatāṃ prāptaḥ
zu schwer erlangbarer Herrschaft gelangt (Akk.Sg./Part. Nom.Sg.)
ninditaḥ śatrutāṃ vrajet
getadelt, würde er zur Feindschaft gehen (Part. Nom.Sg./Akk.Sg./Opt.3.Sg.)
kākaḥ śvāno 'kulīnaś ca biḍālaḥ sarpa eva ca; akulīnā ca yā nārī tulyās te parikīrtitāḥ; lokapālāḥ sadodvignāḥ paśyanty akulajān yathā; nārīṃ vā puruṣaṃ vātha śīlaṃ tatrāpi kāraṇam; duṣkulīnā ca yā strī syād duṣkulīnaś ca yaḥ pumān; ahiṃsāśīlasaṃyogād dharmāc ca kulatāṃ vrajet; dharmaṃ prati mahārāja ślokān āha bṛhaspatiḥ; śṛṇu sarvān mahīpāla hṛdi tāṃś ca kariṣyasi; asitaṃ sitakarmāṇaṃ yathā dāntaṃ tapasvinam; vṛttastham api caṇḍālaṃ taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ; yadi ghātayate kaś cit pāpasattvaṃ prajāhite; sarvasattvahitārthāya na tenāsau vihiṃsakaḥ; dvīpinaṃ śarabhaṃ siṃhaṃ vyāghraṃ kuñjaram eva ca; mahiṣaṃ ca varāhaṃ ca sūkaraśvānapannagān; gobrāhmaṇahitārthāya bālastrīrakṣaṇāya ca; vṛddhāturaparitrāṇe yo hinasti sa dharmavit; brāhmaṇaḥ pāpakarmā ca mleccho vā dhārmikaḥ śuciḥ; śreyāṃs tatra bhaven mleccho brāhmaṇaḥ pāpakṛn na ca; duṣkulīnaḥ kulīno vā yaḥ kaś cic chīlavān naraḥ; prakṛtiṃ tasya vijñāya sthirāṃ vā yadi vāsthirām; śīlavān uttamaṃ karma kuryād rājā samāhitaḥ; niyuñjīta mahīpālo durvṛttaṃ pāpakarmasu
Krähe, Hund, Unedler, Katze und Schlange, und auch die Frau, die unedel ist: diese werden als gleichartig bezeichnet. Die Weltenhüter, stets beunruhigt, betrachten die Unedelgeborenen [ebenso]. Bei Frau oder Mann ist auch dort der Charakter der Grund. Eine Frau von schlechter Herkunft und ein Mann von schlechter Herkunft mögen durch Verbindung mit Gewaltlosigkeit, Charakter und Dharma zu [edler] Herkunft gelangen. Über das Dharma, großer König, hat Bṛhaspati Strophen gesprochen; höre sie alle, Erdenschützer, und nimm sie dir zu Herzen. Einen Dunklen [?] von lichten Taten, ebenso einen Selbstbeherrschten, einen Asketen, selbst einen im [rechten] Wandel gefestigten Caṇḍāla: ihn kennen die Götter als Brahmanen. Wenn jemand zum Wohl der Geschöpfe ein übelgesinntes Wesen töten lässt, so ist er zum Wohl aller Wesen dadurch kein Schädiger. Panther, Śarabha, Löwe, Tiger und Elefant, Büffel, Eber, Schweine, Hunde und Schlangen: wer sie zum Wohl von Kühen und Brahmanen, zum Schutz von Kindern und Frauen, zur Rettung von Alten und Kranken tötet, der kennt das Dharma. Ein Brahmane von üblem Tun oder ein Mleccha, der rechtschaffen und rein ist: besser wäre dort der Mleccha, nicht der Brahmane, der Böses tut. Ob von schlechter oder edler Herkunft, jeder Mann, der von [gutem] Charakter ist: wenn man seine Wesensart erkannt hat, ob standhaft oder unstet, so soll der Charakterfeste das beste Werk verrichten [?]; der König aber soll, gesammelt, den Übelgesinnten zu üblen Taten einsetzen.
Wort für Wort
kākaḥ śvānaḥ akulīnaḥ ca biḍālaḥ sarpaḥ eva ca
Krähe, Hund, Unedler, Katze, Schlange (Nom.Sg.)
akulīnā ca yā nārī tulyāḥ te parikīrtitāḥ
und die unedle Frau: gleich werden sie genannt (Nom.Sg.f./Nom.Pl./Part.Pass.)
lokapālāḥ sadā udvignāḥ paśyanti akulajān yathā
die Weltenhüter, stets beunruhigt, sehen die Unedelgeborenen [so wie jene] (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
nārīṃ vā puruṣaṃ vā atha śīlaṃ tatra api kāraṇam
Frau oder Mann; Charakter ist auch dort der Grund (Akk.Sg./Nom.Sg.)
duṣkulīnā ca yā strī syāt duṣkulīnaḥ ca yaḥ pumān
die Frau bzw. der Mann von schlechter Herkunft (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
ahiṃsāśīlasaṃyogāt dharmāt ca kulatāṃ vrajet
durch Verbindung mit Gewaltlosigkeit und Charakter, und durch Dharma, möge er zu [edler] Herkunft gelangen (Abl.Sg./Akk.Sg./Opt.3.Sg.)
dharmaṃ prati mahārāja ślokān āha bṛhaspatiḥ
über das Dharma, großer König, sprach Strophen Bṛhaspati (Akk.Sg./Vok.Sg./Akk.Pl./3.Sg.Perf.)
śṛṇu sarvān mahīpāla hṛdi tān ca kariṣyasi
höre alle, Erdenschützer, und du wirst sie ins Herz legen (Imp.2.Sg./Vok.Sg./Lok.Sg./2.Sg.Fut.)
asitaṃ sitakarmāṇaṃ yathā dāntaṃ tapasvinam
einen Dunklen [?], von lichten Taten, ebenso einen Selbstbeherrschten, Asketen (Akk.Sg.)
vṛttastham api caṇḍālaṃ taṃ devāḥ brāhmaṇaṃ viduḥ
selbst einen im Wandel gefestigten Caṇḍāla: ihn kennen die Götter als Brahmanen (Akk.Sg./3.Pl.Perf.)
yadi ghātayate kaḥ cit pāpasattvaṃ prajāhite
wenn jemand ein übelgesinntes Wesen töten lässt zum Wohl der Geschöpfe (3.Sg.Kaus.Präs./Akk.Sg./Lok.Sg.)
sarvasattvahitārthāya na tena asau vihiṃsakaḥ
zum Wohl aller Wesen: dadurch ist der nicht ein Schädiger (Dat.Sg./Instr.Sg./Nom.Sg.)
seine Wesensart erkannt habend, ob fest oder unfest (Akk.Sg./Gerundium)
śīlavān uttamaṃ karma kuryāt rājā samāhitaḥ
der Charakterfeste möge das beste Werk tun [?], der König gesammelt (Opt.3.Sg./Nom.Sg.)
niyuñjīta mahīpālaḥ durvṛttaṃ pāpakarmasu
der Erdenschützer soll den Übelgesinnten zu üblen Taten einsetzen (Opt.3.Sg.Med./Akk.Sg./Lok.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satzbau in der Schlusszeile unsicher, asitaṃ sitakarmāṇam ungewiss (asita eher „dunkel“; evtl. Name/Beiname).
[Einen Ratgeber] von edler Herkunft, geschult, klug, kundig in Wissen und Unterscheidungserkenntnis, der den wahren Sinn aller Lehrschriften kennt, geduldig und ebenso einen Landeskundigen, [wähle man].
Wort für Wort
kulīnaṃ śikṣitaṃ prājñam
von edler Herkunft, geschult, klug (Akk.Sg.)
jñānavijñānakovidam
kundig in Wissen und Erkenntnis (Akk.Sg.)
sarvaśāstrārthatattvajñam
den wahren Sinn aller Lehrschriften kennend (Akk.Sg.)
sahiṣṇuṃ deśajaṃ tathā
geduldig, im Land geboren, ebenso (Akk.Sg./Adv.)
Akkusativreihe; das regierende Verb folgt in Vers 15 (prakurute).
kṛtajñaṃ balavantaṃ ca kṣāntaṃ dāntaṃ jitendriyam; alubdhaṃ labdhasaṃtuṣṭaṃ svāmimitrabubhūṣakam
Dankbar, stark, nachsichtig, selbstbeherrscht, die Sinne bezwingend, nicht gierig, zufrieden mit dem Erlangten, das Wohl von Herr und Freunden wünschend.
Von angemessenem Betragen im eigenen Herrschaftsgebiet, kundig in Frieden und Krieg, des Königs Dreiheit [von Dharma, Artha, Kāma] kennend, bei Städtern und Landbewohnern beliebt.
Wort für Wort
yuktācāraṃ svaviṣaye
von angemessenem Betragen im eigenen Gebiet (Akk.Sg./Lok.Sg.)
Der das Wesen von Graben und Schlachtordnung kennt, kundig, das Heer zu begeistern, das Wesen von Zeichen und Mienen kennt, geübt in Feldzug und Fahrt.
Wort für Wort
khātavyūhatattvajñam
das Wesen von Graben und Schlachtordnung kennend (Akk.Sg.)
balaharṣaṇakovidam
kundig, das Heer zu erfreuen (Akk.Sg.)
iṅgitākāratattvajñam
das Wesen von Andeutungen und Mienen kennend (Akk.Sg.)
Der gespaltenen Königsvereinigung [?] und der geeinten spaltet er; ein einziger, zorniger Elefant, von einem Guten angetrieben, könnte es in der Schlacht tun. Wessen Schläfen brunstnass sind, die Augen ein wenig verengt, die Schläfenwölbung schwitzend: wer vermag seine Pracht zu schildern? Wer kann vor dem dahinstürmenden, den Rüssel ausstreckenden Elefanten mit starr gestellten Ohren standhalten? [Anm.: Lücke im Text] … zehn Himmelsrichtungen. Das ist ein Heer, wo Elefanten sind; der ist ein König, dessen Elefanten [da sind]; verkörperter Sieg, König, [sind] brunststolze Elefanten.
Wort für Wort
bhinnānāṃ rājasaṃghātaṃ saṃhatānāṃ ca bhedati
der gespaltenen Königsvereinigung und der geeinten spaltet er [?] (Gen.Pl./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
ekaḥ kruddhaḥ raṇe kuryāt kuñjaraḥ sādhunoditaḥ
ein einziger zorniger Elefant, von einem Guten angetrieben, könnte es im Kampf tun (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
madaklinnakapolasya kiṃ cit añcitacakṣuṣaḥ
dessen Wangen brunstnass, dessen Augen ein wenig verengt (Gen.Sg.)
svidyadābhogagaṇḍasya kaḥ śobhāṃ varṇitum kṣamaḥ
dessen breite Schläfen schwitzen: wer kann die Pracht schildern? (Gen.Sg./Akk.Sg./Inf.)
vegena adhāvamānasya prasāritakarasya ca
des mit Schwung Stürmenden und den Rüssel Ausstreckenden (Gen.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Lücke (****); bhedati und der Anschluss der ersten Zeile sind unklar.
etair eva guṇair yukto rājā śāstraviśāradaḥ; eṣṭavyo dharmaparamaḥ prajāpālanatatparaḥ
Mit eben diesen Vorzügen ausgestattet, ist auch ein König, der in den Lehrschriften bewandert, dem Dharma höchst ergeben und dem Schutz der Untertanen zugetan ist, zu erstreben.
Wort für Wort
etaiḥ eva guṇaiḥ yuktaḥ rājā
mit eben diesen Vorzügen ausgestattet, der König (Instr.Pl./Nom.Sg.)
Standhaft, nachsichtig, rein, rasch, zur rechten Zeit die Kraft des Mannes [Tatkraft] kennend, lernbegierig, gelehrt, ein [guter] Zuhörer, geschickt im Abwägen von Für und Wider.
Wort für Wort
dhīraḥ marṣī śuciḥ śīghraḥ
standhaft, nachsichtig, rein, rasch (Nom.Sg.)
kāle puruṣakāravit
zur rechten Zeit Tatkraft kennend (Lok.Sg./Nom.Sg.)
Bei Einstellung von Gaben selbst handelnd [?], mit gutem Zugang, angenehm anzusehen, den Bedrängten stets die Hand reichend, sich für vertrauenswürdig haltend [?], an kluger Politik Freude habend.
Wort für Wort
dānācchede svayaṃkārī
beim Abbruch von Gaben selbst handelnd [?] (Lok.Sg./Nom.Sg.)
sudvāraḥ sukhadarśanaḥ
mit gutem Zugang, angenehm anzusehen (Nom.Sg.)
ārtahastapradaḥ nityam
den Bedrängten die Hand reichend, stets (Nom.Sg./Adv.)
āptaṃmanyaḥ naye rataḥ
sich für verlässlich haltend [?], an Klugheit erfreut (Nom.Sg./Lok.Sg.)
dānācchede svayaṃkārī und āptaṃmanyaḥ sind in der Deutung unsicher.
nāhaṃvādī na nirdvaṃdvo na yatkiṃcanakārakaḥ; kṛte karmaṇy amoghānāṃ kartā bhṛtyajanapriyaḥ
Kein Ich-Sager, nicht ohne Gegensatzpaare [?], nicht einer, der irgendetwas tut, bei vollbrachtem Werk ein Wirker von Unfehlbarem [?], den Dienern lieb.
Wort für Wort
na ahaṃvādī
kein Ich-Sager (Nom.Sg.)
na nirdvaṃdvaḥ
nicht frei von Gegensätzen [?] (Nom.Sg.)
na yatkiṃcanakārakaḥ
nicht einer, der irgendetwas tut (Nom.Sg.)
kṛte karmaṇi amoghānāṃ kartā
bei vollbrachtem Werk ein Wirker der Unfehlbaren [?] (Lok.Sg./Gen.Pl./Nom.Sg.)
bhṛtyajanapriyaḥ
den Dienern lieb (Nom.Sg.)
Zweite und vierte Wendung schwer deutbar (Text evtl. verderbt).
saṃgṛhītajano 'stabdhaḥ prasannavadanaḥ sadā; dātā bhṛtyajanāvekṣī na krodhī sumahāmanāḥ
Der seine Leute gesammelt hält, nicht starr, stets mit freundlichem Gesicht, ein Geber, auf das Wohl seiner Diener bedacht, nicht jähzornig, hochgesinnt.
Wort für Wort
saṃgṛhītajanaḥ astabdhaḥ
seine Leute zusammenhaltend, nicht starr (Nom.Sg.)
Ein König, mit hundert Vorzügen erfüllt, ist zu erstreben, so soll er sein; und die Krieger, Herr der Menschen, sollen mit allerlei Vorzügen ausgestattet sein.
Wort für Wort
rājā guṇaśatākīrṇaḥ
der König, mit hundert Vorzügen erfüllt (Nom.Sg.)
eṣṭavyaḥ tādṛśaḥ bhavet
ist zu erstreben, so einer möge er sein (Gerundiv/Opt.3.Sg.)
yodhāḥ ca eva manuṣyendra
und die Krieger, Herr der Menschen (Nom.Pl./Vok.Sg.)
sarvaiḥ guṇaguṇaiḥ vṛtāḥ
mit allen Vorzügen versehen [?] (Instr.Pl./Part. Nom.Pl.)
jñātīnām anavajñānaṃ bhṛtyeṣv aśaṭhatā sadā; naipuṇyaṃ cārthacaryāsu yasyaite tasya sā mahī; ālasyaṃ caiva nidrā ca vyasanāny atihāsyatā; yasyaitāni na vidyante tasyeyaṃ suciraṃ mahī; vṛddhasevī mahotsāho varṇānāṃ caiva rakṣitā; dharmacaryā sadā yasya tasyeyaṃ suciraṃ mahī; nītivartmānusaraṇaṃ nityam utthānam eva ca; ripūṇām anavajñānaṃ tasyeyaṃ suciraṃ mahī; utthānaṃ caiva daivaṃ ca tayor nānātvam eva ca; manunā varṇitaṃ pūrvaṃ vakṣye śṛṇu tad eva hi; utthānaṃ hi narendrāṇāṃ bṛhaspatir abhāṣata; nayānayavidhānajñaḥ sadā bhava kurūdvaha; durhṛdāṃ chidradarśī yaḥ suhṛdām upakāravān; viśeṣavic ca bhṛtyānāṃ sa rājyaphalam aśnute
Nicht-Geringschätzung der Verwandten, stets Arglosigkeit gegenüber Dienern und Geschick in Geschäften: in wem dies ist, dessen ist diese Erde. Trägheit und Schlaf, Laster und übermäßiges Lachen: in wem dies nicht vorhanden ist, dessen ist diese Erde für lange. Wer den Alten dient, großen Tatendrang hat und der Stände Beschützer ist, wer stets das Dharma übt, dessen ist diese Erde für lange. Das Beschreiten des Weges der Staatskunst, stets Tatkraft und Nicht-Geringschätzung der Feinde: dessen ist diese Erde für lange. Tatkraft und Schicksal und ihre Verschiedenheit hat Manu einst dargelegt; ich werde es sagen, höre eben das. Die Tatkraft der Könige hat Bṛhaspati verkündet: „Sei stets Kenner von kluger und unkluger Ordnung, Kuru-Spross.“ Wer die Schwächen der Böswilligen sieht, den Freunden Wohltäter ist und die Unterschiede der Diener kennt, der genießt die Frucht der Herrschaft.
Wort für Wort
jñātīnām anavajñānam
Nicht-Geringschätzung der Verwandten (Gen.Pl./Akk.Sg.)
bhṛtyeṣu aśaṭhatā sadā
Arglosigkeit gegenüber Dienern stets (Lok.Pl./Nom.Sg./Adv.)
naipuṇyaṃ ca arthacaryāsu
und Geschick in Geschäften (Nom.Sg./Lok.Pl.)
yasya ete tasya sā mahī
in wem diese, dessen ist jene Erde (Gen.Sg./Nom.Pl./Nom.Sg.)
ālasyaṃ ca eva nidrā ca vyasanāni atihāsyatā
Trägheit, Schlaf, Laster, Übermaß an Lachen (Nom.)
yasya etāni na vidyante tasya iyaṃ suciraṃ mahī
in wem dies fehlt, dessen ist diese Erde sehr lange (3.Pl.Pass.)
vṛddhasevī mahotsāhaḥ varṇānām ca eva rakṣitā
Alten dienend, hochtatkräftig, der Stände Beschützer (Nom.Sg.)
dharmacaryā sadā yasya tasya iyaṃ suciraṃ mahī
dessen Dharma-Übung beständig ist, dessen ist die Erde lange (Nom.Sg.)
nītivartmānusaraṇaṃ nityam utthānam eva ca
Verfolgen des Weges der Politik, stets Tatkraft (Nom.Sg.)
ripūṇām anavajñānaṃ tasya iyaṃ suciraṃ mahī
Nicht-Geringschätzung der Feinde: dessen ist die Erde lange (Gen.Pl.)
utthānaṃ ca eva daivaṃ ca tayoḥ nānātvam eva ca
Tatkraft und Schicksal und deren Verschiedenheit (Nom.Sg./Gen.Du.)
manunā varṇitaṃ pūrvaṃ vakṣye śṛṇu tat eva hi
von Manu einst dargelegt; ich werde sagen, höre eben das (Part./1.Sg.Fut./Imp.2.Sg.)
utthānaṃ hi narendrāṇāṃ bṛhaspatiḥ abhāṣata
die Tatkraft der Könige verkündete Bṛhaspati (Gen.Pl./3.Sg.Impf.)
nayānayavidhānajñaḥ sadā bhava kurūdvaha
kundig der Ordnung von Klugem und Unklugem sei stets, Kuru-Spross (Nom.Sg./Imp./Vok.Sg.)
durhṛdāṃ chidradarśī yaḥ suhṛdām upakāravān
wer der Böswilligen Schwächen sieht, der Freunde Wohltäter ist (Gen.Pl./Nom.Sg.)
viśeṣavit ca bhṛtyānāṃ sa rājyaphalam aśnute
und der Diener Unterschiede kennt, der genießt die Frucht des Reiches (Nom.Sg./Gen.Pl./3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Zeile „nayānayavidhānajñaḥ sadā bhava kurūdvaha“ ist als Zitat Bṛhaspatis gedeutet, der Anschluss ist nicht ganz klar.
Wer stets auf das Gewinnen aller [Anhänger] bedacht ist, ein König, der von Tatkraft geprägt und reich an Freunden ist, der ist der beste unter den Königen.