Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 118: bhṛtyasaṃgrahaḥ Auswahl und Prüfung von Dienern, Ratgebern, Kriegern und Königen nach Herkunft und Charakter

Nach dem Ende der Hundegeschichte: Der König soll Diener vor der Anstellung auf Herkunft, Charakter und Fähigkeit prüfen und einen tüchtigen Ratgeber, gute Krieger und Helfer gewinnen; eine Zusatzpassage betont, dass der Charakter mehr zählt als die Geburt.

bhīṣma uvāca; sa śvā prakṛtim āpannaḥ paraṃ dainyam upāgamat; ṛṣiṇā huṃkṛtaḥ pāpas tapovanabahiṣkṛtaḥ

Bhīṣma sprach: Jener [Hund], zu seiner [wahren] Natur zurückgekehrt, verfiel in tiefe Niedergeschlagenheit; vom Weisen mit „huṃ“ angeschnauzt, der Übeltäter, wurde er aus dem Askesehain hinausgestoßen.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
sa śvā
jener Hund (Nom.Sg.)
prakṛtim āpannaḥ
zu seiner Natur zurückgekehrt (Akk.Sg./Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)
paraṃ dainyam upāgamat
tiefe Niedergeschlagenheit erlangte er (Akk.Sg./3.Sg.Impf.)
ṛṣiṇā huṃkṛtaḥ pāpaḥ
vom Seher angeschnauzt, der Übeltäter (Instr.Sg./Part. Nom.Sg.)
tapovanabahiṣkṛtaḥ
aus dem Askesehain hinausgestoßen (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)

evaṃ rājñā matimatā viditvā śīlaśaucatām; ārjavaṃ prakṛtiṃ sattvaṃ kulaṃ vṛttaṃ śrutaṃ damam

So [soll] ein kluger König, nachdem er ihre Tugend und Lauterkeit, Aufrichtigkeit, Wesensart, Charakterstärke, Herkunft, Lebenswandel, Gelehrsamkeit und Selbstbeherrschung erkannt hat, [Diener einsetzen].

Wort für Wort
evaṃ rājñā matimatā
so, vom klugen König (Adv./Instr.Sg.)
viditvā
nachdem er erkannt hat (Gerundium)
śīlaśaucatām ārjavam
Tugend und Lauterkeit, Aufrichtigkeit (Akk.Sg.)
prakṛtiṃ sattvaṃ kulam
Wesensart, Charakterstärke, Herkunft (Akk.Sg.)
vṛttaṃ śrutaṃ damam
Lebenswandel, Gelehrsamkeit, Selbstbeherrschung (Akk.Sg.)

Der Satz läuft in Vers 3 weiter; das Hauptverb (einsetzen) steht dort.

anukrośaṃ balaṃ vīryaṃ bhāvaṃ saṃpraśamaṃ kṣamām; bhṛtyā ye yatra yogyāḥ syus tatra sthāpyāḥ suśikṣitāḥ

[Ferner] Mitgefühl, Kraft, Tapferkeit, Gesinnung, Friedfertigkeit und Nachsicht: Diener, die wo geeignet sind, sollen dort eingesetzt werden, gut geschult.

Wort für Wort
anukrośaṃ balaṃ vīryam
Mitgefühl, Kraft, Tapferkeit (Akk.Sg.)
bhāvaṃ saṃpraśamaṃ kṣamām
Gesinnung, Friedfertigkeit, Nachsicht (Akk.Sg.)
bhṛtyā ye yatra yogyāḥ syuḥ
Diener, die wo geeignet sein mögen (Nom.Pl./Opt.3.Pl.)
tatra sthāpyāḥ
dort einzusetzen (Gerundiv Nom.Pl.)
suśikṣitāḥ
gut geschult (Part.Pass. Nom.Pl.)

nāparīkṣya mahīpālaḥ prakartuṃ bhṛtyam arhati; akulīnanarākīrṇo na rājā sukham edhate

Ohne Prüfung darf ein Erdenschützer keinen Diener anstellen; ein König, der von Männern niederer Herkunft umgeben ist, gedeiht nicht in Glück.

Wort für Wort
na aparīkṣya mahīpālaḥ
nicht ohne zu prüfen, der Erdenschützer (Gerundium/Nom.Sg.)
prakartuṃ bhṛtyam arhati
einen Diener anzustellen, darf (Inf./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
akulīnanarākīrṇaḥ
von Männern unedler Herkunft erfüllt (Nom.Sg.)
na rājā sukham edhate
nicht gedeiht der König in Glück (Nom.Sg./Akk.Adv./3.Sg.Präs.)

kulajaḥ prakṛto rājñā tatkulīnatayā sadā; na pāpe kurute buddhiṃ nindyamāno 'py anāgasi

Einer von edler Herkunft, vom König angestellt, richtet wegen dieser edlen Abkunft stets den Sinn nicht auf Böses, auch wenn er unschuldig getadelt wird.

Wort für Wort
kulajaḥ prakṛtaḥ rājñā
der Edelgeborene, angestellt vom König (Nom.Sg./Part./Instr.Sg.)
tatkulīnatayā sadā
wegen dieser edlen Abkunft stets (Instr.Sg./Adv.)
na pāpe kurute buddhim
nicht auf Böses richtet er den Sinn (Lok.Sg./3.Sg.Präs./Akk.Sg.)
nindyamānaḥ api anāgasi
auch wenn getadelt, bei Schuldlosem (Part.Pass. Nom.Sg./Lok.Sg.)

akulīnas tu puruṣaḥ prakṛtaḥ sādhusaṃkṣayāt; durlabhaiśvaryatāṃ prāpto ninditaḥ śatrutāṃ vrajet

Ein Mann von unedler Herkunft dagegen, [nur] wegen des Schwindens der Guten angestellt, zu schwer erreichbarer Herrschaft gelangt, würde, getadelt, zum Feind werden.

Wort für Wort
akulīnaḥ tu puruṣaḥ
ein Unedler dagegen, ein Mann (Nom.Sg.)
prakṛtaḥ sādhusaṃkṣayāt
angestellt wegen des Schwindens der Guten (Part. Nom.Sg./Abl.Sg.)
durlabhaiśvaryatāṃ prāptaḥ
zu schwer erlangbarer Herrschaft gelangt (Akk.Sg./Part. Nom.Sg.)
ninditaḥ śatrutāṃ vrajet
getadelt, würde er zur Feindschaft gehen (Part. Nom.Sg./Akk.Sg./Opt.3.Sg.)

kākaḥ śvāno 'kulīnaś ca biḍālaḥ sarpa eva ca; akulīnā ca yā nārī tulyās te parikīrtitāḥ; lokapālāḥ sadodvignāḥ paśyanty akulajān yathā; nārīṃ vā puruṣaṃ vātha śīlaṃ tatrāpi kāraṇam; duṣkulīnā ca yā strī syād duṣkulīnaś ca yaḥ pumān; ahiṃsāśīlasaṃyogād dharmāc ca kulatāṃ vrajet; dharmaṃ prati mahārāja ślokān āha bṛhaspatiḥ; śṛṇu sarvān mahīpāla hṛdi tāṃś ca kariṣyasi; asitaṃ sitakarmāṇaṃ yathā dāntaṃ tapasvinam; vṛttastham api caṇḍālaṃ taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ; yadi ghātayate kaś cit pāpasattvaṃ prajāhite; sarvasattvahitārthāya na tenāsau vihiṃsakaḥ; dvīpinaṃ śarabhaṃ siṃhaṃ vyāghraṃ kuñjaram eva ca; mahiṣaṃ ca varāhaṃ ca sūkaraśvānapannagān; gobrāhmaṇahitārthāya bālastrīrakṣaṇāya ca; vṛddhāturaparitrāṇe yo hinasti sa dharmavit; brāhmaṇaḥ pāpakarmā ca mleccho vā dhārmikaḥ śuciḥ; śreyāṃs tatra bhaven mleccho brāhmaṇaḥ pāpakṛn na ca; duṣkulīnaḥ kulīno vā yaḥ kaś cic chīlavān naraḥ; prakṛtiṃ tasya vijñāya sthirāṃ vā yadi vāsthirām; śīlavān uttamaṃ karma kuryād rājā samāhitaḥ; niyuñjīta mahīpālo durvṛttaṃ pāpakarmasu

Krähe, Hund, Unedler, Katze und Schlange, und auch die Frau, die unedel ist: diese werden als gleichartig bezeichnet. Die Weltenhüter, stets beunruhigt, betrachten die Unedelgeborenen [ebenso]. Bei Frau oder Mann ist auch dort der Charakter der Grund. Eine Frau von schlechter Herkunft und ein Mann von schlechter Herkunft mögen durch Verbindung mit Gewaltlosigkeit, Charakter und Dharma zu [edler] Herkunft gelangen. Über das Dharma, großer König, hat Bṛhaspati Strophen gesprochen; höre sie alle, Erdenschützer, und nimm sie dir zu Herzen. Einen Dunklen [?] von lichten Taten, ebenso einen Selbstbeherrschten, einen Asketen, selbst einen im [rechten] Wandel gefestigten Caṇḍāla: ihn kennen die Götter als Brahmanen. Wenn jemand zum Wohl der Geschöpfe ein übelgesinntes Wesen töten lässt, so ist er zum Wohl aller Wesen dadurch kein Schädiger. Panther, Śarabha, Löwe, Tiger und Elefant, Büffel, Eber, Schweine, Hunde und Schlangen: wer sie zum Wohl von Kühen und Brahmanen, zum Schutz von Kindern und Frauen, zur Rettung von Alten und Kranken tötet, der kennt das Dharma. Ein Brahmane von üblem Tun oder ein Mleccha, der rechtschaffen und rein ist: besser wäre dort der Mleccha, nicht der Brahmane, der Böses tut. Ob von schlechter oder edler Herkunft, jeder Mann, der von [gutem] Charakter ist: wenn man seine Wesensart erkannt hat, ob standhaft oder unstet, so soll der Charakterfeste das beste Werk verrichten [?]; der König aber soll, gesammelt, den Übelgesinnten zu üblen Taten einsetzen.

Wort für Wort
kākaḥ śvānaḥ akulīnaḥ ca biḍālaḥ sarpaḥ eva ca
Krähe, Hund, Unedler, Katze, Schlange (Nom.Sg.)
akulīnā ca yā nārī tulyāḥ te parikīrtitāḥ
und die unedle Frau: gleich werden sie genannt (Nom.Sg.f./Nom.Pl./Part.Pass.)
lokapālāḥ sadā udvignāḥ paśyanti akulajān yathā
die Weltenhüter, stets beunruhigt, sehen die Unedelgeborenen [so wie jene] (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
nārīṃ vā puruṣaṃ vā atha śīlaṃ tatra api kāraṇam
Frau oder Mann; Charakter ist auch dort der Grund (Akk.Sg./Nom.Sg.)
duṣkulīnā ca yā strī syāt duṣkulīnaḥ ca yaḥ pumān
die Frau bzw. der Mann von schlechter Herkunft (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
ahiṃsāśīlasaṃyogāt dharmāt ca kulatāṃ vrajet
durch Verbindung mit Gewaltlosigkeit und Charakter, und durch Dharma, möge er zu [edler] Herkunft gelangen (Abl.Sg./Akk.Sg./Opt.3.Sg.)
dharmaṃ prati mahārāja ślokān āha bṛhaspatiḥ
über das Dharma, großer König, sprach Strophen Bṛhaspati (Akk.Sg./Vok.Sg./Akk.Pl./3.Sg.Perf.)
śṛṇu sarvān mahīpāla hṛdi tān ca kariṣyasi
höre alle, Erdenschützer, und du wirst sie ins Herz legen (Imp.2.Sg./Vok.Sg./Lok.Sg./2.Sg.Fut.)
asitaṃ sitakarmāṇaṃ yathā dāntaṃ tapasvinam
einen Dunklen [?], von lichten Taten, ebenso einen Selbstbeherrschten, Asketen (Akk.Sg.)
vṛttastham api caṇḍālaṃ taṃ devāḥ brāhmaṇaṃ viduḥ
selbst einen im Wandel gefestigten Caṇḍāla: ihn kennen die Götter als Brahmanen (Akk.Sg./3.Pl.Perf.)
yadi ghātayate kaḥ cit pāpasattvaṃ prajāhite
wenn jemand ein übelgesinntes Wesen töten lässt zum Wohl der Geschöpfe (3.Sg.Kaus.Präs./Akk.Sg./Lok.Sg.)
sarvasattvahitārthāya na tena asau vihiṃsakaḥ
zum Wohl aller Wesen: dadurch ist der nicht ein Schädiger (Dat.Sg./Instr.Sg./Nom.Sg.)
dvīpinaṃ śarabhaṃ siṃhaṃ vyāghraṃ kuñjaram eva ca
Panther, Śarabha, Löwe, Tiger, Elefant (Akk.Sg.)
mahiṣaṃ ca varāhaṃ ca sūkaraśvānapannagān
Büffel, Eber, Schweine, Hunde, Schlangen (Akk.Sg./Akk.Pl.)
gobrāhmaṇahitārthāya bālastrīrakṣaṇāya ca
zum Wohl von Kühen und Brahmanen, zum Schutz von Kindern und Frauen (Dat.Sg.)
vṛddhāturaparitrāṇe yaḥ hinasti sa dharmavit
bei der Rettung Alter und Kranker: wer tötet, der kennt das Dharma (Lok.Sg./3.Sg.Präs./Nom.Sg.)
brāhmaṇaḥ pāpakarmā ca mleccho vā dhārmikaḥ śuciḥ
ein Brahmane von üblem Tun oder ein Mleccha, rechtschaffen, rein (Nom.Sg.)
śreyān tatra bhavet mleccho brāhmaṇaḥ pāpakṛt na ca
besser wäre dort der Mleccha, nicht der Brahmane, der Böses tut (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
duṣkulīnaḥ kulīno vā yaḥ kaḥ cit śīlavān naraḥ
ob von schlechter oder edler Herkunft, jeder Mann von Charakter (Nom.Sg.)
prakṛtiṃ tasya vijñāya sthirāṃ vā yadi vā asthirām
seine Wesensart erkannt habend, ob fest oder unfest (Akk.Sg./Gerundium)
śīlavān uttamaṃ karma kuryāt rājā samāhitaḥ
der Charakterfeste möge das beste Werk tun [?], der König gesammelt (Opt.3.Sg./Nom.Sg.)
niyuñjīta mahīpālaḥ durvṛttaṃ pāpakarmasu
der Erdenschützer soll den Übelgesinnten zu üblen Taten einsetzen (Opt.3.Sg.Med./Akk.Sg./Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satzbau in der Schlusszeile unsicher, asitaṃ sitakarmāṇam ungewiss (asita eher „dunkel“; evtl. Name/Beiname).

kulīnaṃ śikṣitaṃ prājñaṃ jñānavijñānakovidam; sarvaśāstrārthatattvajñaṃ sahiṣṇuṃ deśajaṃ tathā

[Einen Ratgeber] von edler Herkunft, geschult, klug, kundig in Wissen und Unterscheidungserkenntnis, der den wahren Sinn aller Lehrschriften kennt, geduldig und ebenso einen Landeskundigen, [wähle man].

Wort für Wort
kulīnaṃ śikṣitaṃ prājñam
von edler Herkunft, geschult, klug (Akk.Sg.)
jñānavijñānakovidam
kundig in Wissen und Erkenntnis (Akk.Sg.)
sarvaśāstrārthatattvajñam
den wahren Sinn aller Lehrschriften kennend (Akk.Sg.)
sahiṣṇuṃ deśajaṃ tathā
geduldig, im Land geboren, ebenso (Akk.Sg./Adv.)

Akkusativreihe; das regierende Verb folgt in Vers 15 (prakurute).

kṛtajñaṃ balavantaṃ ca kṣāntaṃ dāntaṃ jitendriyam; alubdhaṃ labdhasaṃtuṣṭaṃ svāmimitrabubhūṣakam

Dankbar, stark, nachsichtig, selbstbeherrscht, die Sinne bezwingend, nicht gierig, zufrieden mit dem Erlangten, das Wohl von Herr und Freunden wünschend.

Wort für Wort
kṛtajñaṃ balavantaṃ ca
dankbar und stark (Akk.Sg.)
kṣāntaṃ dāntaṃ jitendriyam
nachsichtig, selbstbeherrscht, sinnenbezwingend (Akk.Sg.)
alubdhaṃ labdhasaṃtuṣṭam
nicht gierig, mit dem Erlangten zufrieden (Akk.Sg.)
svāmimitrabubhūṣakam
das Gedeihen von Herr und Freunden wünschend (Akk.Sg.)

sacivaṃ deśakālajñaṃ sarvasaṃgrahaṇe ratam; satkṛtaṃ yuktamanasaṃ hitaiṣiṇam atandritam

Einen Ratgeber, der Ort und Zeit kennt, an der Gewinnung aller Anhänger Freude hat, geehrt, gesammelten Sinnes, wohlwollend, unermüdlich.

Wort für Wort
sacivaṃ deśakālajñam
einen Ratgeber, Ort und Zeit kennend (Akk.Sg.)
sarvasaṃgrahaṇe ratam
an der Gewinnung aller Freude habend (Lok.Sg./Akk.Sg.)
satkṛtaṃ yuktamanasam
geehrt, gesammelten Sinnes (Akk.Sg.)
hitaiṣiṇam atandritam
wohlwollend, unermüdlich (Akk.Sg.)

yuktācāraṃ svaviṣaye saṃdhivigrahakovidam; rājñas trivargavettāraṃ paurajānapadapriyam

Von angemessenem Betragen im eigenen Herrschaftsgebiet, kundig in Frieden und Krieg, des Königs Dreiheit [von Dharma, Artha, Kāma] kennend, bei Städtern und Landbewohnern beliebt.

Wort für Wort
yuktācāraṃ svaviṣaye
von angemessenem Betragen im eigenen Gebiet (Akk.Sg./Lok.Sg.)
saṃdhivigrahakovidam
kundig in Bündnis und Krieg (Akk.Sg.)
rājñaḥ trivargavettāram
des Königs Dreiheit kennend (Gen.Sg./Akk.Sg.)
paurajānapadapriyam
bei Städtern und Landleuten beliebt (Akk.Sg.)

khātakavyūhatattvajñaṃ balaharṣaṇakovidam; iṅgitākāratattvajñaṃ yātrāyānaviśāradam

Der das Wesen von Graben und Schlachtordnung kennt, kundig, das Heer zu begeistern, das Wesen von Zeichen und Mienen kennt, geübt in Feldzug und Fahrt.

Wort für Wort
khātavyūhatattvajñam
das Wesen von Graben und Schlachtordnung kennend (Akk.Sg.)
balaharṣaṇakovidam
kundig, das Heer zu erfreuen (Akk.Sg.)
iṅgitākāratattvajñam
das Wesen von Andeutungen und Mienen kennend (Akk.Sg.)
yātrāyānaviśāradam
erfahren in Feldzug und Fahrt (Akk.Sg.)

bhinnānāṃ rājasaṃghātaṃ saṃhatānāṃ ca bhedati; ekaḥ kruddho raṇe kuryāt kuñjaraḥ sādhunoditaḥ; madaklinnakapolasya kiṃ cid añcitacakṣuṣaḥ; svidyadābhogagaṇḍasya kaḥ śobhāṃ varṇituṃ kṣamaḥ; vegenādhāvamānasya prasāritakarasya ca; kaḥ samarthaḥ puraḥ sthātuṃ stabdhakarṇasya danti[naḥ]; **** **** diśo daśa; tat sainyaṃ kuñjarā yatra sa nṛpo yasya kuñjarāḥ; mūrtimān vijayo rājan kuñjarā madadarpitāḥ

Der gespaltenen Königsvereinigung [?] und der geeinten spaltet er; ein einziger, zorniger Elefant, von einem Guten angetrieben, könnte es in der Schlacht tun. Wessen Schläfen brunstnass sind, die Augen ein wenig verengt, die Schläfenwölbung schwitzend: wer vermag seine Pracht zu schildern? Wer kann vor dem dahinstürmenden, den Rüssel ausstreckenden Elefanten mit starr gestellten Ohren standhalten? [Anm.: Lücke im Text] … zehn Himmelsrichtungen. Das ist ein Heer, wo Elefanten sind; der ist ein König, dessen Elefanten [da sind]; verkörperter Sieg, König, [sind] brunststolze Elefanten.

Wort für Wort
bhinnānāṃ rājasaṃghātaṃ saṃhatānāṃ ca bhedati
der gespaltenen Königsvereinigung und der geeinten spaltet er [?] (Gen.Pl./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
ekaḥ kruddhaḥ raṇe kuryāt kuñjaraḥ sādhunoditaḥ
ein einziger zorniger Elefant, von einem Guten angetrieben, könnte es im Kampf tun (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
madaklinnakapolasya kiṃ cit añcitacakṣuṣaḥ
dessen Wangen brunstnass, dessen Augen ein wenig verengt (Gen.Sg.)
svidyadābhogagaṇḍasya kaḥ śobhāṃ varṇitum kṣamaḥ
dessen breite Schläfen schwitzen: wer kann die Pracht schildern? (Gen.Sg./Akk.Sg./Inf.)
vegena adhāvamānasya prasāritakarasya ca
des mit Schwung Stürmenden und den Rüssel Ausstreckenden (Gen.Sg.)
kaḥ samarthaḥ puraḥ sthātum stabdhakarṇasya dantinaḥ
wer vermag vor dem Elefanten mit starren Ohren zu stehen (Nom.Sg./Inf./Gen.Sg.)
diśaḥ daśa
zehn Himmelsrichtungen (Akk.Pl.)
tat sainyaṃ kuñjarāḥ yatra sa nṛpaḥ yasya kuñjarāḥ
das ist ein Heer, wo Elefanten [sind]; der König, dessen Elefanten [sind] (Nom.Sg./Nom.Pl.)
mūrtimān vijayaḥ rājan kuñjarāḥ madadarpitāḥ
verkörperter Sieg, König, [sind] brunststolze Elefanten (Nom.Sg./Vok.Sg./Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Lücke (****); bhedati und der Anschluss der ersten Zeile sind unklar.

hastiśikṣāsu tattvajñam ahaṃkāravivarjitam; pragalbhaṃ dakṣiṇaṃ dāntaṃ balinaṃ yuktakāriṇam

Der die Elefantenausbildung im Kern kennt, frei von Selbstüberhebung, kühn, geschickt, selbstbeherrscht, stark, angemessen handelnd.

Wort für Wort
hastiśikṣāsu tattvajñam
in den Elefantenlehren im Kern kundig (Lok.Pl./Akk.Sg.)
ahaṃkāravivarjitam
frei von Ichbezogenheit (Akk.Sg.)
pragalbhaṃ dakṣiṇaṃ dāntam
kühn, gewandt, selbstbeherrscht (Akk.Sg.)
balinaṃ yuktakāriṇam
stark, angemessen handelnd (Akk.Sg.)

cokṣaṃ cokṣajanākīrṇaṃ suveṣaṃ sukhadarśanam; nāyakaṃ nītikuśalaṃ guṇaṣaṣṭyā samanvitam

Rein, von reinen Leuten umgeben, gut gekleidet, angenehm anzusehen, ein Anführer, kundig der Staatskunst, mit sechzig Vorzügen ausgestattet.

Wort für Wort
cokṣaṃ cokṣajanākīrṇam
rein, von reinen Menschen erfüllt (Akk.Sg.)
suveṣaṃ sukhadarśanam
gut gekleidet, angenehm anzusehen (Akk.Sg.)
nāyakaṃ nītikuśalam
Anführer, in der Staatskunst geschickt (Akk.Sg.)
guṇaṣaṣṭyā samanvitam
mit sechzig Vorzügen ausgestattet (Instr.Sg./Akk.Sg.)

astabdhaṃ praśritaṃ śaktaṃ mṛduvādinam eva ca; dhīraṃ ślakṣṇaṃ maharddhiṃ ca deśakālopapādakam

Nicht starr, bescheiden, fähig und sanft redend, standhaft, geschliffen, von großem Wohlstand, Ort und Zeit [angemessen] berücksichtigend.

Wort für Wort
astabdhaṃ praśritaṃ śaktam
nicht starr, bescheiden, fähig (Akk.Sg.)
mṛduvādinam eva ca
und sanft redend (Akk.Sg.)
dhīraṃ ślakṣṇaṃ maharddhim
standhaft, geschliffen, sehr wohlhabend (Akk.Sg.)
ca deśakālopapādakam
und Ort und Zeit berücksichtigend (Akk.Sg.)

sacivaṃ yaḥ prakurute na cainam avamanyate; tasya vistīryate rājyaṃ jyotsnā grahapater iva

Wer einen [solchen] Ratgeber einsetzt und ihn nicht geringschätzt, dessen Reich dehnt sich aus wie das Mondlicht des Herrn der Gestirne.

Wort für Wort
sacivaṃ yaḥ prakurute
wer einen Ratgeber einsetzt (Akk.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
na ca enam avamanyate
und ihn nicht geringschätzt (3.Sg.Präs.Med.)
tasya vistīryate rājyam
dessen Reich breitet sich aus (Gen.Sg./3.Sg.Pass./Nom.Sg.)
jyotsnā grahapateḥ iva
wie das Mondlicht des Herrn der Gestirne (Nom.Sg./Gen.Sg.)

etair eva guṇair yukto rājā śāstraviśāradaḥ; eṣṭavyo dharmaparamaḥ prajāpālanatatparaḥ

Mit eben diesen Vorzügen ausgestattet, ist auch ein König, der in den Lehrschriften bewandert, dem Dharma höchst ergeben und dem Schutz der Untertanen zugetan ist, zu erstreben.

Wort für Wort
etaiḥ eva guṇaiḥ yuktaḥ rājā
mit eben diesen Vorzügen ausgestattet, der König (Instr.Pl./Nom.Sg.)
śāstraviśāradaḥ
in den Lehrschriften bewandert (Nom.Sg.)
eṣṭavyaḥ
ist zu erstreben (Gerundiv Nom.Sg.)
dharmaparamaḥ
dem Dharma höchst ergeben (Nom.Sg.)
prajāpālanatatparaḥ
dem Schutz der Untertanen zugetan (Nom.Sg.)

dhīro marṣī śuciḥ śīghraḥ kāle puruṣakāravit; śuśrūṣuḥ śrutavāñ śrotā ūhāpohaviśāradaḥ

Standhaft, nachsichtig, rein, rasch, zur rechten Zeit die Kraft des Mannes [Tatkraft] kennend, lernbegierig, gelehrt, ein [guter] Zuhörer, geschickt im Abwägen von Für und Wider.

Wort für Wort
dhīraḥ marṣī śuciḥ śīghraḥ
standhaft, nachsichtig, rein, rasch (Nom.Sg.)
kāle puruṣakāravit
zur rechten Zeit Tatkraft kennend (Lok.Sg./Nom.Sg.)
śuśrūṣuḥ śrutavān śrotā
lernbegierig, gelehrt, Zuhörer (Nom.Sg.)
ūhāpohaviśāradaḥ
geschickt in Erwägung und Verwerfung (Nom.Sg.)

medhāvī dhāraṇāyukto yathānyāyopapādakaḥ; dāntaḥ sadā priyābhāṣī kṣamāvāṃś ca viparyaye

Klug, mit gutem Gedächtnis, nach Recht und Billigkeit [Gaben] zuteilend, selbstbeherrscht, stets freundlich redend und nachsichtig im Unglück.

Wort für Wort
medhāvī dhāraṇāyuktaḥ
klug, mit Merkfähigkeit versehen (Nom.Sg.)
yathānyāyopapādakaḥ
nach Recht [zuteilend] (Nom.Sg.)
dāntaḥ sadā priyābhāṣī
selbstbeherrscht, stets freundlich sprechend (Nom.Sg.)
kṣamāvān ca viparyaye
und nachsichtig im Umschwung/Unglück (Nom.Sg./Lok.Sg.)

dānācchede svayaṃkārī sudvāraḥ sukhadarśanaḥ; ārtahastaprado nityam āptaṃmanyo naye rataḥ

Bei Einstellung von Gaben selbst handelnd [?], mit gutem Zugang, angenehm anzusehen, den Bedrängten stets die Hand reichend, sich für vertrauenswürdig haltend [?], an kluger Politik Freude habend.

Wort für Wort
dānācchede svayaṃkārī
beim Abbruch von Gaben selbst handelnd [?] (Lok.Sg./Nom.Sg.)
sudvāraḥ sukhadarśanaḥ
mit gutem Zugang, angenehm anzusehen (Nom.Sg.)
ārtahastapradaḥ nityam
den Bedrängten die Hand reichend, stets (Nom.Sg./Adv.)
āptaṃmanyaḥ naye rataḥ
sich für verlässlich haltend [?], an Klugheit erfreut (Nom.Sg./Lok.Sg.)

dānācchede svayaṃkārī und āptaṃmanyaḥ sind in der Deutung unsicher.

nāhaṃvādī na nirdvaṃdvo na yatkiṃcanakārakaḥ; kṛte karmaṇy amoghānāṃ kartā bhṛtyajanapriyaḥ

Kein Ich-Sager, nicht ohne Gegensatzpaare [?], nicht einer, der irgendetwas tut, bei vollbrachtem Werk ein Wirker von Unfehlbarem [?], den Dienern lieb.

Wort für Wort
na ahaṃvādī
kein Ich-Sager (Nom.Sg.)
na nirdvaṃdvaḥ
nicht frei von Gegensätzen [?] (Nom.Sg.)
na yatkiṃcanakārakaḥ
nicht einer, der irgendetwas tut (Nom.Sg.)
kṛte karmaṇi amoghānāṃ kartā
bei vollbrachtem Werk ein Wirker der Unfehlbaren [?] (Lok.Sg./Gen.Pl./Nom.Sg.)
bhṛtyajanapriyaḥ
den Dienern lieb (Nom.Sg.)

Zweite und vierte Wendung schwer deutbar (Text evtl. verderbt).

saṃgṛhītajano 'stabdhaḥ prasannavadanaḥ sadā; dātā bhṛtyajanāvekṣī na krodhī sumahāmanāḥ

Der seine Leute gesammelt hält, nicht starr, stets mit freundlichem Gesicht, ein Geber, auf das Wohl seiner Diener bedacht, nicht jähzornig, hochgesinnt.

Wort für Wort
saṃgṛhītajanaḥ astabdhaḥ
seine Leute zusammenhaltend, nicht starr (Nom.Sg.)
prasannavadanaḥ sadā
mit heiterem Gesicht, stets (Nom.Sg./Adv.)
dātā bhṛtyajanāvekṣī
Geber, auf seine Diener achtend (Nom.Sg.)
na krodhī sumahāmanāḥ
nicht zornig, sehr hochgesinnt (Nom.Sg.)

yuktadaṇḍo na nirdaṇḍo dharmakāryānuśāsakaḥ; cāranetraḥ parāvekṣī dharmārthakuśalaḥ sadā

Angemessen strafend, nicht straflos, im Dharma-Bereich belehrend, mit Spähern als Augen, auf Gegner achtend, stets in Dharma und Nutzen kundig.

Wort für Wort
yuktadaṇḍaḥ na nirdaṇḍaḥ
angemessen strafend, nicht ohne Strafe (Nom.Sg.)
dharmakāryānuśāsakaḥ
in Dharma-Angelegenheiten unterweisend (Nom.Sg.)
cāranetraḥ parāvekṣī
Späher als Augen habend, auf andere/Feinde achtend (Nom.Sg.)
dharmārthakuśalaḥ sadā
in Dharma und Artha geschickt, stets (Nom.Sg./Adv.)

rājā guṇaśatākīrṇa eṣṭavyas tādṛśo bhavet; yodhāś caiva manuṣyendra sarvair guṇaguṇair vṛtāḥ

Ein König, mit hundert Vorzügen erfüllt, ist zu erstreben, so soll er sein; und die Krieger, Herr der Menschen, sollen mit allerlei Vorzügen ausgestattet sein.

Wort für Wort
rājā guṇaśatākīrṇaḥ
der König, mit hundert Vorzügen erfüllt (Nom.Sg.)
eṣṭavyaḥ tādṛśaḥ bhavet
ist zu erstreben, so einer möge er sein (Gerundiv/Opt.3.Sg.)
yodhāḥ ca eva manuṣyendra
und die Krieger, Herr der Menschen (Nom.Pl./Vok.Sg.)
sarvaiḥ guṇaguṇaiḥ vṛtāḥ
mit allen Vorzügen versehen [?] (Instr.Pl./Part. Nom.Pl.)

guṇaguṇaiḥ wohl „mit allen Arten von Vorzügen“.

anveṣṭavyāḥ supuruṣāḥ sahāyā rājyadhāraṇāḥ; na vimānayitavyāś ca rājñā vṛddhim abhīpsatā

Gute Männer sind als Helfer und Träger des Reiches aufzusuchen, und sie dürfen von einem König, der Gedeihen wünscht, nicht geringgeschätzt werden.

Wort für Wort
anveṣṭavyāḥ supuruṣāḥ
aufzusuchen sind gute Männer (Gerundiv Nom.Pl./Nom.Pl.)
sahāyāḥ rājyadhāraṇāḥ
als Helfer, Träger des Reiches (Nom.Pl.)
na vimānayitavyāḥ ca
und nicht zu missachten (Gerundiv Nom.Pl.)
rājñā vṛddhim abhīpsatā
vom König, der Wachstum wünscht (Instr.Sg./Akk.Sg./Part.Instr.)

yodhāḥ samaraśauṭīrāḥ kṛtajñāḥ śastrakovidāḥ; dharmaśāstrasamāyuktāḥ padātijanasaṃyutāḥ

Krieger, die im Kampf heldenhaft, dankbar, waffenkundig, mit der Dharma-Lehre vertraut und mit Fußvolk versehen sind.

Wort für Wort
yodhāḥ samaraśauṭīrāḥ
Krieger, im Kampf heldenhaft (Nom.Pl.)
kṛtajñāḥ śastrakovidāḥ
dankbar, waffenkundig (Nom.Pl.)
dharmaśāstrasamāyuktāḥ
mit der Dharma-Lehre verbunden (Nom.Pl.)
padātijanasaṃyutāḥ
mit Fußsoldaten versehen (Nom.Pl.)

arthamānavivṛddhāś ca rathacaryāviśāradāḥ; iṣvastrakuśalā yasya tasyeyaṃ nṛpater mahī

An Besitz und Ansehen gewachsen, im Wagenlenken geübt, geschickt in Bogen und Geschossen: wessen [Krieger] so sind, dieses Königs ist diese Erde.

Wort für Wort
arthamānavivṛddhāḥ ca
an Besitz und Ehre gewachsen (Nom.Pl.)
rathacaryāviśāradāḥ
im Wagenfahren geübt (Nom.Pl.)
iṣvastrakuśalāḥ yasya
in Bogen und Geschossen geschickt, wessen (Nom.Pl./Gen.Sg.)
tasya iyaṃ nṛpateḥ mahī
dessen ist diese Erde, des Königs (Gen.Sg./Nom.Sg.)

jñātīnām anavajñānaṃ bhṛtyeṣv aśaṭhatā sadā; naipuṇyaṃ cārthacaryāsu yasyaite tasya sā mahī; ālasyaṃ caiva nidrā ca vyasanāny atihāsyatā; yasyaitāni na vidyante tasyeyaṃ suciraṃ mahī; vṛddhasevī mahotsāho varṇānāṃ caiva rakṣitā; dharmacaryā sadā yasya tasyeyaṃ suciraṃ mahī; nītivartmānusaraṇaṃ nityam utthānam eva ca; ripūṇām anavajñānaṃ tasyeyaṃ suciraṃ mahī; utthānaṃ caiva daivaṃ ca tayor nānātvam eva ca; manunā varṇitaṃ pūrvaṃ vakṣye śṛṇu tad eva hi; utthānaṃ hi narendrāṇāṃ bṛhaspatir abhāṣata; nayānayavidhānajñaḥ sadā bhava kurūdvaha; durhṛdāṃ chidradarśī yaḥ suhṛdām upakāravān; viśeṣavic ca bhṛtyānāṃ sa rājyaphalam aśnute

Nicht-Geringschätzung der Verwandten, stets Arglosigkeit gegenüber Dienern und Geschick in Geschäften: in wem dies ist, dessen ist diese Erde. Trägheit und Schlaf, Laster und übermäßiges Lachen: in wem dies nicht vorhanden ist, dessen ist diese Erde für lange. Wer den Alten dient, großen Tatendrang hat und der Stände Beschützer ist, wer stets das Dharma übt, dessen ist diese Erde für lange. Das Beschreiten des Weges der Staatskunst, stets Tatkraft und Nicht-Geringschätzung der Feinde: dessen ist diese Erde für lange. Tatkraft und Schicksal und ihre Verschiedenheit hat Manu einst dargelegt; ich werde es sagen, höre eben das. Die Tatkraft der Könige hat Bṛhaspati verkündet: „Sei stets Kenner von kluger und unkluger Ordnung, Kuru-Spross.“ Wer die Schwächen der Böswilligen sieht, den Freunden Wohltäter ist und die Unterschiede der Diener kennt, der genießt die Frucht der Herrschaft.

Wort für Wort
jñātīnām anavajñānam
Nicht-Geringschätzung der Verwandten (Gen.Pl./Akk.Sg.)
bhṛtyeṣu aśaṭhatā sadā
Arglosigkeit gegenüber Dienern stets (Lok.Pl./Nom.Sg./Adv.)
naipuṇyaṃ ca arthacaryāsu
und Geschick in Geschäften (Nom.Sg./Lok.Pl.)
yasya ete tasya sā mahī
in wem diese, dessen ist jene Erde (Gen.Sg./Nom.Pl./Nom.Sg.)
ālasyaṃ ca eva nidrā ca vyasanāni atihāsyatā
Trägheit, Schlaf, Laster, Übermaß an Lachen (Nom.)
yasya etāni na vidyante tasya iyaṃ suciraṃ mahī
in wem dies fehlt, dessen ist diese Erde sehr lange (3.Pl.Pass.)
vṛddhasevī mahotsāhaḥ varṇānām ca eva rakṣitā
Alten dienend, hochtatkräftig, der Stände Beschützer (Nom.Sg.)
dharmacaryā sadā yasya tasya iyaṃ suciraṃ mahī
dessen Dharma-Übung beständig ist, dessen ist die Erde lange (Nom.Sg.)
nītivartmānusaraṇaṃ nityam utthānam eva ca
Verfolgen des Weges der Politik, stets Tatkraft (Nom.Sg.)
ripūṇām anavajñānaṃ tasya iyaṃ suciraṃ mahī
Nicht-Geringschätzung der Feinde: dessen ist die Erde lange (Gen.Pl.)
utthānaṃ ca eva daivaṃ ca tayoḥ nānātvam eva ca
Tatkraft und Schicksal und deren Verschiedenheit (Nom.Sg./Gen.Du.)
manunā varṇitaṃ pūrvaṃ vakṣye śṛṇu tat eva hi
von Manu einst dargelegt; ich werde sagen, höre eben das (Part./1.Sg.Fut./Imp.2.Sg.)
utthānaṃ hi narendrāṇāṃ bṛhaspatiḥ abhāṣata
die Tatkraft der Könige verkündete Bṛhaspati (Gen.Pl./3.Sg.Impf.)
nayānayavidhānajñaḥ sadā bhava kurūdvaha
kundig der Ordnung von Klugem und Unklugem sei stets, Kuru-Spross (Nom.Sg./Imp./Vok.Sg.)
durhṛdāṃ chidradarśī yaḥ suhṛdām upakāravān
wer der Böswilligen Schwächen sieht, der Freunde Wohltäter ist (Gen.Pl./Nom.Sg.)
viśeṣavit ca bhṛtyānāṃ sa rājyaphalam aśnute
und der Diener Unterschiede kennt, der genießt die Frucht des Reiches (Nom.Sg./Gen.Pl./3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Zeile „nayānayavidhānajñaḥ sadā bhava kurūdvaha“ ist als Zitat Bṛhaspatis gedeutet, der Anschluss ist nicht ganz klar.

sarvasaṃgrahaṇe yukto nṛpo bhavati yaḥ sadā; utthānaśīlo mitrāḍhyaḥ sa rājā rājasattamaḥ

Wer stets auf das Gewinnen aller [Anhänger] bedacht ist, ein König, der von Tatkraft geprägt und reich an Freunden ist, der ist der beste unter den Königen.

Wort für Wort
sarvasaṃgrahaṇe yuktaḥ
auf die Gewinnung aller bedacht (Lok.Sg./Nom.Sg.)
nṛpaḥ bhavati yaḥ sadā
der König, der stets ist (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
utthānaśīlaḥ mitrāḍhyaḥ
tatkraftgeprägt, reich an Freunden (Nom.Sg.)
sa rājā rājasattamaḥ
der ist ein König, bester der Könige (Nom.Sg.)

śakyā aśvasahasreṇa vīrāroheṇa bhārata; saṃgṛhītamanuṣyeṇa kṛtsnā jetuṃ vasuṃdharā

Mit tausend Pferden, von Helden bestiegen, Bhārata, kann durch einen, der Menschen um sich gesammelt hat, die ganze Erde erobert werden.

Wort für Wort
śakyāḥ aśvasahasreṇa
kann mit tausend Pferden [erobert werden] (Nom.Sg.f./Instr.Sg.)
vīrāroheṇa bhārata
von Helden bestiegen, Bhārata (Instr.Sg./Vok.Sg.)
saṃgṛhītamanuṣyeṇa
von einem, der Menschen gesammelt hat (Instr.Sg.)
kṛtsnā jetuṃ vasuṃdharā
die ganze Erde zu erobern (Nom.Sg.f./Inf./Nom.Sg.)

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