Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 117: śvānasya rūpaparivartanam Der Hund, den der Weise nacheinander zu Panther, Tiger, Elefant, Löwen und Śarabha verwandelt, und sein Fluch

Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira die Geschichte von einem Asketen, dessen Hund durch dessen Gnade immer stärkere Tiergestalten erhält und den Wohltäter am Ende undankbar töten will. Die Erzählung dient als Beispiel für die Wahl von Helfern und Undankbarkeit.

yudhiṣṭhira uvāca; na santi kulajā yatra sahāyāḥ pārthivasya tu; akulīnāś ca kartavyā na vā bharatasattama

Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn es beim König keine edelgeborenen Helfer gibt, oder wenn man Unedle [zu Helfern] machen muss, [was dann], bester der Bhāratas?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
na santi kulajāḥ yatra sahāyāḥ pārthivasya tu
wenn nicht vorhanden sind Edelgeborene als Helfer beim König (3.Pl.Präs./Nom.Pl./Gen.Sg.)
akulīnāḥ ca kartavyāḥ
und Unedle zu machen sind (Nom.Pl., Gerundivum)
na vā bharatasattama
oder nicht [?], bester der Bhāratas (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Halbvers ist syntaktisch knapp; die Frage ist elliptisch (Zusatzzeile).

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; nidarśanakaraṃ loke sajjanācaritaṃ sadā

Bhīṣma sprach: „Hierzu führt man auch diese uralte Erzählung an, ein Beispiel in der Welt, stets das Verhalten guter Menschen [darstellend].“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
atra api udāharanti imam itihāsaṃ purātanam
hierzu auch führt man an diese uralte Geschichte (3.Pl.Präs., Akk.Sg.)
nidarśanakaram loke
ein Beispiel liefernd in der Welt (Akk.Sg./Lok.Sg.)
sajjanācaritam sadā
das Verhalten guter Menschen, stets (Akk.Sg./Adv.)

asyaivārthasya sadṛśaṃ yac chrutaṃ me tapovane; jāmadagnyasya rāmasya yad uktam ṛṣisattamaiḥ

Passend zu eben dieser Sache ist, was ich im Asketenwald gehört habe, was von den besten der Seher über den Jāmadagnya Rāma gesagt wurde.

Wort für Wort
asya eva arthasya sadṛśam
dieser eben Sache entsprechend (Gen.Sg.)
yat śrutam me tapovane
was gehört wurde von mir im Askesewald (Part.Pass./Instr./Lok.)
jāmadagnyasya rāmasya
des Jāmadagnya Rāma (Gen.Sg.)
yat uktam ṛṣisattamaiḥ
was gesagt wurde von den besten Sehern (Part.Pass./Instr.Pl.)

vane mahati kasmiṃś cid amanuṣyaniṣevite; ṛṣir mūlaphalāhāro niyato niyatendriyaḥ

In einem gewissen großen Wald, der von Nichtmenschen bewohnt war, [lebte] ein Seher, der von Wurzeln und Früchten lebte, gezügelt, mit gezügelten Sinnen.

Wort für Wort
vane mahati kasmiṃścit
in einem gewissen großen Wald (Lok.Sg.)
amanuṣyaniṣevite
von Nichtmenschen bewohnt (Lok.Sg.)
ṛṣiḥ mūlaphalāhāraḥ
ein Seher, dessen Nahrung Wurzeln und Früchte sind (Nom.Sg.)
niyataḥ niyatendriyaḥ
gezügelt, mit gezügelten Sinnen (Nom.Sg.)

„lebte“ ergänzt; der Satz wird in V. 5-6 fortgeführt.

dīkṣādamaparaḥ śāntaḥ svādhyāyaparamaḥ śuciḥ; upavāsaviśuddhātmā satataṃ satpathe sthitaḥ

Der Weihe und Selbstbeherrschung ergeben, friedvoll, ganz dem Vedastudium hingegeben, rein, durch Fasten geläutert im Innern, stets auf gutem Pfad stehend.

Wort für Wort
dīkṣādamaparaḥ
der Weihe und Selbstzucht zugewandt (Nom.Sg., Kompositum)
śāntaḥ svādhyāyaparamaḥ śuciḥ
friedvoll, höchstes Ziel das Selbststudium, rein (Nom.Sg.)
upavāsaviśuddhātmā
durch Fasten geläutert im Selbst (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
satatam satpathe sthitaḥ
stets auf gutem Pfad stehend (Adv./Lok./Part.)

tasya saṃdṛśya sadbhāvam upaviṣṭasya dhīmataḥ; sarvasattvāḥ samīpasthā bhavanti vanacāriṇaḥ

Wenn sie die Lauterkeit dieses verständigen [Sehers], der [dort] saß, sahen, kommen alle Wesen, die im Wald umherstreifen, in seine Nähe.

Wort für Wort
tasya saṃdṛśya sadbhāvam
seine Lauterkeit erblickend (Gerundium/Akk.Sg.)
upaviṣṭasya dhīmataḥ
des sitzenden Klugen (Gen.Sg.)
sarvasattvāḥ samīpasthāḥ
alle Wesen in der Nähe befindlich (Nom.Pl.)
bhavanti vanacāriṇaḥ
werden [sie], im Wald umherziehend (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

Das Gerundium saṃdṛśya hat kein ausdrückliches Subjekt (die Tiere) und ist mit dem Genitiv tasya konstruiert; Konstruktion frei aufgelöst.

siṃhavyāghrāḥ saśarabhā mattāś caiva mahāgajāḥ; dvīpinaḥ khaḍgabhallūkā ye cānye bhīmadarśanāḥ

Löwen und Tiger samt Śarabhas, brünstige große Elefanten, Panther, Nashörner und Bären und andere, die schrecklich anzusehen sind.

Wort für Wort
siṃhavyāghrāḥ saśarabhāḥ
Löwen und Tiger samt Śarabhas (Nom.Pl.)
mattāḥ ca eva mahāgajāḥ
und brünstige große Elefanten (Nom.Pl.)
dvīpinaḥ khaḍgabhallūkāḥ
Panther, Nashörner, Bären (Nom.Pl.)
ye ca anye bhīmadarśanāḥ
und die anderen, furchtbar anzusehen (Nom.Pl.)

te sukhapraśnadāḥ sarve bhavanti kṣatajāśanāḥ; tasyarṣeḥ śiṣyavac caiva nyagbhūtāḥ priyakāriṇaḥ

Sie alle stellen [ihm] Fragen nach dem Wohlergehen, [obwohl] sie Blut fressen, und sind wie Schüler des Sehers demütig und ihm zu Diensten.

Wort für Wort
te sukhapraśnadāḥ sarve bhavanti
sie werden alle Fragen nach dem Wohlbefinden Gebende (Nom.Pl.)
kṣatajāśanāḥ
Blut essend (Nom.Pl.)
tasya ṛṣeḥ śiṣyavat ca eva
und ganz wie Schüler dieses Sehers
nyagbhūtāḥ priyakāriṇaḥ
demütig geworden, Liebes tuend (Nom.Pl.)

dattvā ca te sukhapraśnaṃ sarve yānti yathāgatam; grāmyas tv ekaḥ paśus tatra nājahāc chvā mahāmunim

Und nachdem sie alle die Frage nach dem Wohlergehen gestellt haben, gehen sie, wie sie gekommen sind, [wieder fort]; nur ein Haustier, ein Hund, verließ dort den großen Weisen nicht.

Wort für Wort
dattvā ca te sukhapraśnam sarve
und nachdem sie gegeben die Wohlergehensfrage, sie alle (Gerundium)
yānti yathāgatam
sie gehen, wie gekommen (3.Pl.Präs.)
grāmyaḥ tu ekaḥ paśuḥ tatra
ein einziges Haustier aber dort (Nom.Sg.)
na ajahāt śvā mahāmunim
nicht verließ der Hund den großen Weisen (Impf. 3.Sg.)

bhakto 'nuraktaḥ satatam upavāsakṛśo 'balaḥ; phalamūlotkarāhāraḥ śāntaḥ śiṣṭākṛtir yathā

[Er war] ergeben, anhänglich, stets, vom Fasten abgemagert und kraftlos, lebte von Früchten und Wurzelresten, war friedlich und von der Gestalt eines Gelehrten gleichsam.

Wort für Wort
bhaktaḥ anuraktaḥ satatam
ergeben, zugetan, stets (Nom.Sg.)
upavāsakṛśaḥ abalaḥ
durch Fasten mager, kraftlos (Nom.Sg.)
phalamūlotkarāhāraḥ
dessen Nahrung Abfälle von Früchten und Wurzeln sind (Nom.Sg.)
śāntaḥ śiṣṭākṛtiḥ yathā
friedlich, wie von der Gestalt eines Gebildeten (Nom.Sg.)

śiṣṭākṛtiḥ yathā: Deutung unsicher; hier „wie einer, der die Gestalt eines Gesitteten hat“.

tasyarṣer upaviṣṭasya pādamūle mahāmuneḥ; manuṣyavad gato bhāvaḥ snehabaddho 'bhavad bhṛśam

Im Herzen dieses Sehers, des großen Weisen, der [dort] saß, entstand zu Füßen ein menschenähnliches Empfinden, das sehr durch Zuneigung gebunden war.

Wort für Wort
tasya ṛṣeḥ upaviṣṭasya
dieses sitzenden Sehers (Gen.Sg.)
pādamūle mahāmuneḥ
zu Füßen des großen Weisen (Lok./Gen.Sg.)
manuṣyavat gataḥ bhāvaḥ
ein menschenartig gewordenes Empfinden (Nom.Sg.)
snehabaddhaḥ abhavat bhṛśam
durch Zuneigung gebunden war es sehr (Nom./Impf. 3.Sg.)

Der Halbvers ist syntaktisch nicht ganz klar; gemeint ist wohl das Empfinden des Hundes.

tato 'bhyayān mahāvīryo dvīpī kṣatajabhojanaḥ; śvārtham atyantasaṃduṣṭaḥ krūraḥ kāla ivāntakaḥ

Da kam ein sehr kräftiger Panther, der Blut frisst, wegen des Hundes sehr zufrieden [über die Beute], grausam wie der Tod als Ende.

Wort für Wort
tataḥ abhyayāt mahāvīryaḥ
da kam heran der sehr Starke (Aor./Impf. 3.Sg.)
dvīpī kṣatajabhojanaḥ
Panther, Blut fressend (Nom.Sg.)
śvārtham atyantasaṃduṣṭaḥ
um des Hundes willen ganz zufrieden (Nom.Sg.)
krūraḥ kālaḥ iva antakaḥ
grausam wie die Zeit, der Beender (Nom.Sg.)

atyantasaṃduṣṭa: Sinn unsicher [?]; möglicherweise „sehr gierig (nach dem Hund)“.

lelihyamānas tṛṣitaḥ pucchāsphoṭanatatparaḥ; vyāditāsyaḥ kṣudhābhagnaḥ prārthayānas tadāmiṣam

Sich leckend, durstig, eifrig den Schwanz schlagend, mit aufgesperrtem Maul, vom Hunger zermürbt, begehrte er da jenes Fleisch.

Wort für Wort
lelihyamānaḥ tṛṣitaḥ
sich beleckend, durstig (Nom.Sg.)
pucchāsphoṭanatatparaḥ
auf das Schlagen des Schwanzes erpicht (Nom.Sg.)
vyāditāsyaḥ kṣudhābhagnaḥ
mit aufgesperrtem Maul, hungergebrochen (Nom.Sg.)
prārthayānaḥ tadā āmiṣam
begehrend da das Fleisch (Part./Akk.Sg.)

taṃ dṛṣṭvā krūram āyāntaṃ jīvitārthī narādhipa; provāca śvā muniṃ tatra yat tac chṛṇu mahāmate

Als er ihn grausam herankommen sah, sprach der Hund, der am Leben bleiben wollte, dort zum Weisen, o Herrscher der Menschen; höre, o Hochsinniger, was er sagte.

Wort für Wort
tam dṛṣṭvā krūram āyāntam
ihn gesehen habend, den Grausamen herankommend (Gerundium/Akk.Sg.)
jīvitārthī narādhipa
nach Leben trachtend, Herr der Menschen (Nom./Vok.)
provāca śvā munim tatra
sprach der Hund zum Weisen dort (Perf. 3.Sg.)
yat tat śṛṇu mahāmate
was das war, höre, Hochsinniger (Imp./Vok.)

śvaśatrur bhagavann atra dvīpī māṃ hantum icchati; tvatprasādād bhayaṃ na syāt tasmān mama mahāmune

„Ehrwürdiger, der Panther hier, der Feind der Hunde, will mich töten; durch deine Gnade möge keine Furcht sein, deshalb, o großer Weiser.“

Wort für Wort
śvaśatruḥ bhagavan atra
Hundefeind, Ehrwürdiger, hier (Nom.Sg./Vok.)
dvīpī mām hantum icchati
der Panther mich zu töten wünscht (Inf./3.Sg.Präs.)
tvatprasādāt bhayam na syāt
durch deine Gnade möge Furcht nicht sein (Abl./Opt. 3.Sg.)
tasmāt mama mahāmune
deshalb für mich, großer Weiser (Gen./Vok.)

tathā kuru mahābāho sarvajñas tvaṃ na saṃśayaḥ

„Handle so, o Starkarmiger; du bist allwissend, daran ist kein Zweifel.“

Wort für Wort
tathā kuru mahābāho
so tue, Starkarmiger (Imp./Vok.)
sarvajñaḥ tvam
allwissend du (Nom.Sg.)
na saṃśayaḥ
kein Zweifel (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

sa munis tasya vijñāya bhāvajño bhayakāraṇam; rutajñaḥ sarvasattvānāṃ tam aiśvaryasamanvitaḥ

Der Weise erkannte die Ursache seiner Furcht, kundig der Gefühlslage, kundig der Laute aller Wesen, ausgestattet mit Macht.

Wort für Wort
saḥ muniḥ tasya vijñāya
dieser Weise, [es] bei ihm erkennend (Gerundium)
bhāvajñaḥ bhayakāraṇam
der Gefühlskundige, die Ursache der Furcht (Nom./Akk.)
rutajñaḥ sarvasattvānām
kundig der Rufe aller Wesen (Nom./Gen.Pl.)
tam aiśvaryasamanvitaḥ
ihn [betreffend], mit Herrschermacht begabt (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers ist syntaktisch ohne Hauptverb; tam im zweiten Halbvers ist unklar [?].

munir uvāca; na bhayaṃ dvīpinaḥ kāryaṃ mṛtyutas te kathaṃ cana; eṣa śvarūparahito dvīpī bhavasi putraka

Der Weise sprach: „Du sollst dich vor dem Panther in keiner Weise fürchten, [denn] vor dem Tod [bist du sicher]. Ohne Hundegestalt wirst du hier ein Panther, mein Sohn.“

Wort für Wort
munir uvāca
der Weise sprach
na bhayam dvīpinaḥ kāryam
Furcht vor dem Panther ist nicht zu hegen (Gerundivum)
mṛtyutaḥ te kathaṃcana
vor dem Tod für dich in keiner Weise (Abl./Dat.)
eṣa śvarūparahitaḥ
dieser, der Hundegestalt beraubt (Nom.Sg.)
dvīpī bhavasi putraka
ein Panther wirst du, Söhnchen (2.Sg.Präs./Vok.)

Der Text ist etwas verderbt; 'eṣa ... bhavasi' mischt 3. und 2. Person.

bhīṣma uvāca; tataḥ śvā dvīpitāṃ nīto jāmbūnadanibhākṛtiḥ; citrāṅgo visphuran hṛṣṭo vane vasati nirbhayaḥ

Bhīṣma sprach: „Darauf wurde der Hund zu einem Panther gemacht, [er hatte] eine Gestalt wie Gold, war buntgliedrig, sprang umher, war froh und lebte furchtlos im Wald.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
tataḥ śvā dvīpitām nītaḥ
darauf der Hund zur Pantherschaft geführt (Nom./Part.Pass.)
jāmbūnadanibhākṛtiḥ
mit goldgleicher Gestalt (Nom.Sg.)
citrāṅgaḥ visphuran hṛṣṭaḥ
buntgliedrig, umherspringend, froh (Nom.Sg.)
vane vasati nirbhayaḥ
im Wald lebt er furchtlos (3.Sg.Präs.)

taṃ dṛṣṭvā sa punar dvīpī ātmanaḥ sadṛśaṃ śubham; aviruddhas tatas tasya kṣaṇena samapadyata

Da sah der Panther wiederum seinesgleichen, einen schönen, und wurde nach einem Augenblick ihm gegenüber ohne Feindschaft.

Wort für Wort
tam dṛṣṭvā saḥ punaḥ dvīpī
ihn gesehen habend, dieser wiederum, der Panther
ātmanaḥ sadṛśam śubham
einen sich Gleichen, Schönen (Akk.Sg.)
aviruddhaḥ tataḥ tasya
dann unfeindlich zu ihm (Nom.Sg./Gen.Sg.)
kṣaṇena samapadyata
in einem Augenblick wurde er (Impf. Med. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Bezug unklar [?]. Wörtlich: „er sah ihn“.

tato 'bhyayān mahāraudro vyāditāsyaḥ kṣudhānvitaḥ; dvīpinaṃ lelihad vaktro vyāghro rudhiralālasaḥ

Da kam ein sehr schrecklicher Tiger, hungrig, mit aufgesperrtem Maul, sich das Maul leckend, begierig nach Blut, auf den Panther zu.

Wort für Wort
tataḥ abhyayāt mahāraudraḥ
da kam heran der sehr Schreckliche (Impf. 3.Sg.)
vyāditāsyaḥ kṣudhānvitaḥ
mit aufgesperrtem Maul, vom Hunger erfüllt
dvīpinam lelihat vaktraḥ
auf den Panther zu, das Maul leckend (Akk./Nom.)
vyāghraḥ rudhiralālasaḥ
der Tiger, blutgierig (Nom.Sg.)

vyāghraṃ dṛṣṭvā kṣudhābhagnaṃ daṃṣṭriṇaṃ vanagocaram; dvīpī jīvitarakṣārtham ṛṣiṃ śaraṇam eyivān

Als der Panther den vom Hunger geplagten, gezähnten Tiger, den Waldbewohner, sah, suchte er, um sein Leben zu retten, Zuflucht beim Seher.

Wort für Wort
vyāghram dṛṣṭvā kṣudhābhagnam
den Tiger gesehen habend, den hungergebrochenen (Gerundium/Akk.Sg.)
daṃṣṭriṇam vanagocaram
den Bezahnten, waldbewohnend (Akk.Sg.)
dvīpī jīvitarakṣārtham
der Panther, um das Leben zu retten (Nom./Adv.)
ṛṣim śaraṇam eyivān
zum Seher als Zuflucht gegangen (Akk./Part.Perf.)

tataḥ saṃvāsajaṃ sneham ṛṣiṇā kurvatā sadā; sa dvīpī vyāghratāṃ nīto ripubhir balavattaraḥ; tato dṛṣṭvā sa śārdūlo nābhyahaṃs taṃ viśāṃ pate

Darauf wurde jener Panther, weil der Seher stets Zuneigung aus dem Zusammenleben hegte, zu einem Tiger gemacht, stärker als [seine] Feinde; da sah ihn der Tiger und griff ihn nicht an, o Herr der Menschen.

Wort für Wort
tataḥ saṃvāsajam sneham
darauf die aus dem Zusammenleben entstandene Zuneigung (Akk.Sg.)
ṛṣiṇā kurvatā sadā
vom Seher, der [sie] stets hegte (Instr./Part.)
saḥ dvīpī vyāghratām nītaḥ ripubhiḥ balavattaraḥ
dieser Panther zur Tigerschaft geführt, stärker als Feinde
tataḥ dṛṣṭvā saḥ śārdūlaḥ
dann sah jener Tiger [ihn]
na abhyahan tam viśām pate
griff ihn nicht an, Herr der Menschen (Impf./Vok.)

Die Konstruktion ist verkürzt; der Vers hat drei Pādas. ripubhiḥ balavattaraḥ: „stärker als die Feinde“ [?].

sa tu śvā vyāghratāṃ prāpya balavān piśitāśanaḥ; na mūlaphalabhogeṣu spṛhām apy akarot tadā

Jener Hund aber, der zur Tigerschaft gelangt war, stark und fleischfressend, hegte da nicht einmal mehr Verlangen nach Genüssen von Wurzeln und Früchten.

Wort für Wort
saḥ tu śvā vyāghratām prāpya
jener aber, der Hund, zur Tigerschaft gelangt (Gerundium)
balavān piśitāśanaḥ
stark, Fleisch essend (Nom.Sg.)
na mūlaphalabhogeṣu
nicht bei Genüssen von Wurzeln und Früchten (Lok.Pl.)
spṛhām api akarot tadā
auch nur Verlangen machte er da (Impf. 3.Sg.)

yathā mṛgapatir nityaṃ prakāṅkṣati vanaukasaḥ; tathaiva sa mahārāja vyāghraḥ samabhavat tadā

Wie der Herr der Tiere stets nach Waldbewohnern trachtet, o großer König, genau so wurde damals jener Tiger.

Wort für Wort
yathā mṛgapatiḥ nityam
wie der Herr der Tiere stets (Nom.Sg.)
prakāṅkṣati vanaukasaḥ
begehrt Waldbewohner (3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
tathā eva saḥ mahārāja
ebenso jener, großer König (Vok.)
vyāghraḥ samabhavat tadā
der Tiger wurde da (Impf. 3.Sg.)

vyāghras tūṭajamūlasthas tṛptaḥ supto hatair mṛgaiḥ; nāgaś cāgāt tam uddeśaṃ matto megha ivotthitaḥ

Der Tiger aber lag, satt und schlafend von den erlegten Tieren, an der Wurzel der Hütte; da kam ein Elefant zu jenem Ort, brünstig, wie eine aufgezogene Wolke.

Wort für Wort
vyāghraḥ tu uṭajamūlasthaḥ
der Tiger aber, an der Wurzel der Hütte verweilend (Nom.Sg.)
tṛptaḥ suptaḥ hataiḥ mṛgaiḥ
satt, schlafend, von erlegten Tieren (Nom./Instr.Pl.)
nāgaḥ ca agāt tam uddeśam
und ein Elefant kam zu jenem Ort (Aor. 3.Sg./Akk.)
mattaḥ meghaḥ iva utthitaḥ
brünstig, wie eine aufgestiegene Wolke (Nom.Sg.)

prabhinnakaraṭaḥ prāṃśuḥ padmī vitatamastakaḥ; suviṣāṇo mahākāyo meghagambhīranisvanaḥ

Mit aufgebrochenen Schläfen[drüsen], hochgewachsen, lotosgeschmückt, mit breiter Stirn, mit schönen Stoßzähnen, riesenleibig, mit einer Stimme tief wie Gewölk.

Wort für Wort
prabhinnakaraṭaḥ prāṃśuḥ
mit aufgebrochenen Schläfen[drüsen], hochgewachsen (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi / Adj.)
padmī vitatamastakaḥ
lotosgeschmückt bzw. Lotos tragend, mit breitem Haupt (Nom.Sg.m.)
suviṣāṇaḥ mahākāyaḥ
mit schönen Stoßzähnen, riesenleibig (Nom.Sg.m.)
meghagambhīranisvanaḥ
mit einer Stimme tief wie Gewölk (Nom.Sg.m., Kompositum)

padmī: entweder „mit Lotos geschmückt“ oder Bezeichnung des Elefanten (padmin); hier wörtlich wiedergegeben.

taṃ dṛṣṭvā kuñjaraṃ mattam āyāntaṃ madagarvitam; vyāghro hastibhayāt trastas tam ṛṣiṃ śaraṇaṃ yayau

Als der Tiger diesen brünstigen Elefanten kommen sah, stolz vor Brunst, erschrak er aus Furcht vor dem Elefanten und nahm beim Weisen Zuflucht.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā kuñjaraṃ mattam
als er diesen Elefanten, den brünstigen, sah (Abs., Akk.Sg.)
āyāntaṃ madagarvitam
der herankam, brunststolz (Part.Präs., Akk.Sg.m.)
vyāghraḥ hastibhayāt trastaḥ
der Tiger, aus Furcht vor dem Elefanten erschreckt (Nom./Abl.Sg.)
tam ṛṣiṃ śaraṇaṃ yayau
zu diesem Weisen als Zuflucht ging er (Perf.3.Sg.)

tato 'nayat kuñjaratāṃ taṃ vyāghram ṛṣisattamaḥ; mahāmeghopamaṃ dṛṣṭvā taṃ sa bhīto 'bhavad gajaḥ

Da machte der beste der Weisen jenen Tiger zum Elefanten; als jener [Elefant] ihn erblickte, dem großen Gewitterwolken gleich, wurde er [der erste] Elefant von Furcht erfüllt.

Wort für Wort
tataḥ anayat
da führte er hin bzw. verwandelte (Impf.3.Sg.)
kuñjaratāṃ taṃ vyāghram
zum Elefantentum jenen Tiger (Akk.Sg.)
ṛṣisattamaḥ
der beste der Weisen (Nom.Sg.)
mahāmeghopamaṃ dṛṣṭvā
der einer großen Wolke gleicht, erblickend (Abs.)
taṃ sa bhīto 'bhavad gajaḥ
ihn [sehend] wurde jener Elefant furchtsam (Impf.3.Sg.)

Der Bezug von mahāmeghopamam ist mehrdeutig: der verwandelte Tiger-Elefant erscheint dem wilden Elefanten wie eine große Wolke.

tataḥ kamalaṣaṇḍāni śallakīgahanāni ca; vyacarat sa mudā yuktaḥ padmareṇuvibhūṣitaḥ

Dann streifte er frohgemut durch Lotosteiche und durch dichte Śallakī-Haine, mit Lotosstaub geschmückt.

Wort für Wort
tataḥ kamalaṣaṇḍāni
dann Lotosgruppen bzw. Lotosdickichte (Akk.Pl.n.)
śallakīgahanāni ca
und Śallakī-Dickichte (Akk.Pl.n.)
vyacarat sa mudā yuktaḥ
er streifte umher, freudig gestimmt (Impf.3.Sg. / Nom.Sg.m.)
padmareṇuvibhūṣitaḥ
mit Lotosstaub geschmückt (Nom.Sg.m., Part.Perf.Pass.)

kadā cid ramamāṇasya hastinaḥ sumukhaṃ tadā; ṛṣes tasyoṭajasthasya kālo 'gacchan niśāniśam

Als der Elefant sich eine Zeit lang so vergnügte und der Weise in seiner Laubhütte weilte, vergingen ihnen Tag und Nacht in Wohlgefallen.

Wort für Wort
kadā cid ramamāṇasya hastinaḥ
einmal, dem sich vergnügenden Elefanten (Gen.Sg.)
sumukhaṃ tadā
angenehm bzw. mit heiterer Miene damals (Adv./Akk.n.)
ṛṣeḥ tasya uṭajasthasya
jenes Weisen, der in der Hütte weilt (Gen.Sg.)
kālaḥ agacchat
die Zeit verging (Impf.3.Sg.)
niśāniśam
Nacht um Nacht (Adv.)

Text und Konstruktion unsicher (Satzbau von sumukham und kālo 'gacchan niśāniśam).

athājagāma taṃ deśaṃ kesarī kesarāruṇaḥ; girikandarajo bhīmaḥ siṃho nāgakulāntakaḥ

Da kam an jenen Ort ein Löwe, von der Mähne rötlich, in Berghöhlen geboren, furchtbar, ein Löwe, Vernichter der Elefantengeschlechter.

Wort für Wort
atha ājagāma taṃ deśam
da kam er an jenen Ort (Perf.3.Sg.)
kesarī kesarāruṇaḥ
der Löwe, rot von der Mähne (Nom.Sg.m.)
girikandarajaḥ bhīmaḥ
in Berghöhlen geboren, schrecklich (Nom.Sg.m.)
siṃhaḥ nāgakulāntakaḥ
ein Löwe, Vernichter der Elefantengeschlechter (Nom.Sg.m.)

taṃ dṛṣṭvā siṃham āyāntaṃ nāgaḥ siṃhabhayākulaḥ; ṛṣiṃ śaraṇam āpede vepamāno bhayāturaḥ

Als der Elefant den Löwen kommen sah, geriet er, von Löwenfurcht verwirrt, zitternd und von Angst gequält, zum Weisen in Zuflucht.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā siṃham āyāntam
als er den Löwen kommen sah (Abs.)
nāgaḥ siṃhabhayākulaḥ
der Elefant, durch Löwenfurcht verwirrt (Nom.Sg.m.)
ṛṣiṃ śaraṇam āpede
zum Weisen als Zuflucht gelangte er (Perf.3.Sg.Med.)
vepamānaḥ bhayāturaḥ
zitternd, von Furcht gequält (Part.Präs., Nom.Sg.m.)

tataḥ sa siṃhatāṃ nīto nāgendro muninā tadā; vanyaṃ nāgaṇayat siṃhaṃ tulyajātisamanvayāt

Da wurde der Elefantenfürst vom Weisen zum Löwen gemacht; den wilden Löwen achtete er nicht, wegen der Gleichheit der Art und Herkunft.

Wort für Wort
tataḥ sa siṃhatāṃ nītaḥ
da wurde er zum Löwentum geführt (Part.Perf.Pass.)
nāgendraḥ muninā tadā
der Elefantenfürst durch den Weisen damals (Nom./Instr.Sg.)
vanyaṃ na agaṇayat siṃham
den wilden Löwen achtete er nicht (Impf.3.Sg.)
tulyajātisamanvayāt
wegen der Verbundenheit durch gleiche Art (Abl.Sg.)

dṛṣṭvā ca so 'naśat siṃho vanyo bhīsannavāgbalaḥ; sa cāśrame 'vasat siṃhas tasminn eva vane sukhī

Der wilde Löwe aber verschwand, als er ihn sah, denn seine Kraft an Stimme und Stärke war vor Furcht erschlafft; und jener Löwe lebte glücklich in der Einsiedelei, in ebendiesem Wald.

Wort für Wort
dṛṣṭvā ca so 'naśat
und als er [ihn] sah, verschwand er bzw. floh (Impf.3.Sg.)
siṃhaḥ vanyaḥ
der Löwe, der wilde (Nom.Sg.m.)
bhīsannavāgbalaḥ
dessen Stimm- und Körperkraft durch Furcht gesunken war (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
sa ca āśrame 'vasat siṃhaḥ
und jener Löwe wohnte in der Einsiedelei (Impf.3.Sg.)
tasmin eva vane sukhī
in ebendiesem Wald, glücklich (Lok./Nom.Sg.)

bhīsannavāgbalaḥ: Lesart unsicher; wörtlich „von Furcht niedergedrückt, an Stimme und Stärke“ [?].

na tv anye kṣudrapaśavas tapovananivāsinaḥ; vyadṛśyanta bhayatrastā jīvitākāṅkṣiṇaḥ sadā

Doch keine anderen kleinen Tiere, die im Askesewald wohnten, wurden noch gesehen, denn sie waren von Furcht erschreckt und wünschten allezeit zu leben.

Wort für Wort
na tu anye kṣudrapaśavaḥ
nicht aber [zeigten sich] andere kleine Tiere (Nom.Pl.m.)
tapovananivāsinaḥ
die im Askesewald wohnenden (Nom.Pl.m.)
vyadṛśyanta
wurden gesehen (Impf.Pass.3.Pl.)
bhayatrastāḥ
von Furcht erschreckt (Nom.Pl.m.)
jīvitākāṅkṣiṇaḥ sadā
nach Leben verlangend, immer (Nom.Pl.m.)

kadā cit kālayogena sarvaprāṇivihiṃsakaḥ; balavān kṣatajāhāro nānāsattvabhayaṃkaraḥ

Einmal, durch die Fügung der Zeit, [kam] ein Śarabha, ein Vernichter aller Wesen, stark, Blut als Speise nehmend, Furcht bringend allen möglichen Geschöpfen.

Wort für Wort
kadā cit kālayogena
einmal, durch Fügung der Zeit (Instr.Sg.)
sarvaprāṇivihiṃsakaḥ
Verletzer aller Lebewesen (Nom.Sg.m.)
balavān kṣatajāhāraḥ
stark, Blut als Nahrung habend (Nom.Sg.m.)
nānāsattvabhayaṃkaraḥ
verschiedenen Geschöpfen Furcht bringend (Nom.Sg.m.)

Das Prädikat steht erst im folgenden Vers (āgacchan); Satz läuft über.

aṣṭapād ūrdhvacaraṇaḥ śarabho vanagocaraḥ; taṃ siṃhaṃ hantum āgacchan munes tasya niveśanam

Achtfüßig, mit nach oben gerichteten Füßen, im Wald umherstreifend, kam der Śarabha, um jenen Löwen zu töten, zur Behausung jenes Weisen.

Wort für Wort
aṣṭapād ūrdhvacaraṇaḥ
achtfüßig, mit aufwärts gerichteten Füßen (Nom.Sg.m.)
śarabhaḥ vanagocaraḥ
der Śarabha, im Wald weilend (Nom.Sg.m.)
taṃ siṃhaṃ hantum
um jenen Löwen zu töten (Inf.)
āgacchan
kommend (Part.Präs., Nom.Sg.m.)
munes tasya niveśanam
zur Behausung jenes Weisen (Gen./Akk.Sg.)

taṃ dṛṣṭvā śarabhaṃ yāntaṃ siṃhaḥ parabhayāturaḥ; ṛṣiṃ śaraṇam āpede vepamānaḥ kṛtāñjaliḥ

Als der Löwe den Śarabha herankommen sah, geriet er, von Furcht vor dem Fremden gequält, zitternd und mit gefalteten Händen zum Weisen in Zuflucht.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā śarabhaṃ yāntam
als er den Śarabha kommen sah (Abs.)
siṃhaḥ parabhayāturaḥ
der Löwe, von Furcht vor dem Feind bzw. Fremden gequält (Nom.Sg.m.)
ṛṣiṃ śaraṇam āpede
zum Weisen als Zuflucht gelangte er (Perf.3.Sg.)
vepamānaḥ kṛtāñjaliḥ
zitternd, die Hände zusammengelegt (Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

taṃ muniḥ śarabhaṃ cakre balotkaṭam ariṃdama; tataḥ sa śarabho vanyo muneḥ śarabham agrataḥ; dṛṣṭvā balinam atyugraṃ drutaṃ saṃprādravad bhayāt

Der Weise machte ihn zum Śarabha, kraftstrotzend, Bezwinger der Feinde. Da floh jener wilde Śarabha vor dem Śarabha des Weisen, als er ihn vor sich sah, den starken, sehr grimmigen, eilends in Furcht davon.

Wort für Wort
taṃ muniḥ śarabhaṃ cakre
den machte der Weise zum Śarabha (Perf.3.Sg.)
balotkaṭam ariṃdama
kraftstrotzend; [Anrede:] Bezwinger der Feinde (Akk./Vok.Sg.)
tataḥ sa śarabho vanyaḥ
da jener wilde Śarabha (Nom.Sg.m.)
muneḥ śarabham agrataḥ dṛṣṭvā
den Śarabha des Weisen vor sich sehend (Abs.)
balinam atyugraṃ
den starken, sehr grimmigen (Akk.Sg.m.)
drutaṃ saṃprādravad bhayāt
eilends floh er aus Furcht (Impf.3.Sg.)

sa evaṃ śarabhasthāne nyasto vai muninā tadā; muneḥ pārśvagato nityaṃ śārabhyaṃ sukham āptavān

So wurde er vom Weisen damals an die Stelle des Śarabha gesetzt, und an der Seite des Weisen stets bleibend, erlangte er das Glück des Śarabha-Daseins.

Wort für Wort
sa evaṃ śarabhasthāne
er so an der Stelle eines Śarabha (Lok.Sg.)
nyastaḥ vai muninā tadā
eingesetzt, wahrlich, vom Weisen damals (Part.Perf.Pass./Instr.)
muneḥ pārśvagataḥ nityam
an des Weisen Seite gegangen, stets (Nom.Sg.m.)
śārabhyaṃ sukham āptavān
das Śarabha-Dasein, Glück erlangte er (Part.Perf.Akt.)

śārabhyam: wörtlich „Śarabha-Zustand“; sukham kann Adverb („behaglich“) sein.

tataḥ śarabhasaṃtrastāḥ sarve mṛgagaṇā vanāt; diśaḥ saṃprādravan rājan bhayāj jīvitakāṅkṣiṇaḥ

Da flohen alle Tierscharen, vom Śarabha erschreckt, aus dem Wald in alle Himmelsrichtungen auseinander, o König, aus Furcht, nach dem Leben verlangend.

Wort für Wort
tataḥ śarabhasaṃtrastāḥ
da vom Śarabha erschreckt (Nom.Pl.m.)
sarve mṛgagaṇāḥ vanāt
alle Tierscharen aus dem Wald (Nom.Pl./Abl.Sg.)
diśaḥ saṃprādravan
in die Himmelsrichtungen stoben davon (Impf.3.Pl.)
rājan bhayāt
o König, aus Furcht (Vok./Abl.)
jīvitakāṅkṣiṇaḥ
nach Leben trachtend (Nom.Pl.m.)

śarabho 'py atisaṃduṣṭo nityaṃ prāṇivadhe rataḥ; phalamūlāśanaṃ śāntaṃ naicchat sa piśitāśanaḥ

Auch der Śarabha, höchst zufrieden und stets am Töten von Lebewesen Gefallen findend, mochte, ein Fleischesser, die friedliche Kost von Früchten und Wurzeln nicht.

Wort für Wort
śarabhaḥ api atisaṃduṣṭaḥ
auch der Śarabha, sehr zufrieden (Nom.Sg.m.)
nityaṃ prāṇivadhe rataḥ
stets am Töten von Lebewesen erfreut (Nom.Sg.m.)
phalamūlāśanaṃ śāntam
Nahrung aus Früchten und Wurzeln, ruhig (Akk.Sg.n.)
na aicchat
wollte nicht (Impf.3.Sg.)
sa piśitāśanaḥ
er, der Fleischesser (Nom.Sg.m.)

atisaṃduṣṭaḥ: im Kontext auch „ganz und gar verdorben“ denkbar; hier wörtlich „sehr zufrieden“ [?].

tato rudhiratarṣeṇa balinā śarabho 'nvitaḥ; iyeṣa taṃ muniṃ hantum akṛtajñaḥ śvayonijaḥ

Da, vom starken Blutdurst erfüllt, wollte er, undankbar, aus Hundeschoß geboren, jenen Weisen töten.

Wort für Wort
tataḥ rudhiratarṣeṇa
da, von Blutdurst (Instr.Sg.)
balinā śarabhaḥ anvitaḥ
der Śarabha, von starkem [Durst] erfüllt (Nom.Sg.m.)
iyeṣa taṃ muniṃ hantum
wollte jenen Weisen töten (Perf.3.Sg. / Inf.)
akṛtajñaḥ śvayonijaḥ
undankbar, aus Hundeschoß geboren (Nom.Sg.m.)

cintayām āsa ca tadā śarabhaḥ śvānapūrvakaḥ; asya prabhāvāt saṃprāpto vāṅmātreṇa tu kevalam; śarabhatvaṃ suduṣprāpaṃ sarvabhūtabhayaṃkaram; anye 'py atra bhayatrastāḥ santi sattvā bhayārditāḥ; munim āśritya jīvanto mṛgāḥ pakṣigaṇās tathā; teṣām api kadā cic ca śarabhatvaṃ prayacchati; sarvasattvottamaṃ loke balaṃ yatra pratiṣṭhitam; pakṣiṇām apy ayaṃ dadyāt kadā cid gāruḍaṃ balam; yāvad anyatra saṃprītaḥ kāruṇyaṃ tu samāśritaḥ; na dadāti balaṃ tuṣṭaḥ sattvasyānyasya kasya cit; tāvad enam ahaṃ vipraṃ vadhiṣyāmi ca śīghrataḥ; sthātuṃ mayā śakyam iha munighātān na saṃśayaḥ

Und da dachte der Śarabha, der zuvor ein Hund war: „Durch dessen Macht habe ich bloß durch ein Wort, allein, das schwer erlangbare Śarabha-Dasein erlangt, das allen Wesen Furcht einflößt. Auch andere Geschöpfe hier sind furchtgeplagt und von Angst bedrängt; unter dem Schutz des Weisen leben Tiere und Vogelscharen. Manchmal verleiht er auch ihnen das Śarabha-Dasein, die höchste Kraft unter allen Wesen auf der Welt, in der [Kraft] gegründet ist. Auch Vögeln könnte dieser bisweilen die Kraft des Garuḍa geben. Solange er, anderswo erfreut und dem Mitleid ergeben, aus Zufriedenheit keinem anderen Wesen Kraft gibt, so lange werde ich diesen Brahmanen rasch töten; hier kann ich, ohne Zweifel, wegen des Mordes am Weisen bleiben.“

Wort für Wort
cintayām āsa ca tadā śarabhaḥ śvānapūrvakaḥ
und es dachte damals der Śarabha, früher ein Hund (Perf.periphr.)
asya prabhāvāt saṃprāptaḥ vāṅmātreṇa tu kevalam
durch dessen Macht erlangt, bloß durch ein Wort (Abl./Instr.)
śarabhatvaṃ suduṣprāpaṃ sarvabhūtabhayaṃkaram
das schwer erlangbare Śarabha-Dasein, allen Wesen furchterregend
anye 'py atra bhayatrastāḥ santi sattvā bhayārditāḥ
auch andere Wesen hier sind furchtgeplagt (Präs.3.Pl.)
munim āśritya jīvanto mṛgāḥ pakṣigaṇās tathā
beim Weisen Zuflucht nehmend lebend Tiere und Vogelscharen (Abs./Part.)
teṣām api kadā cic ca śarabhatvaṃ prayacchati
auch ihnen gibt er zuweilen das Śarabha-Dasein (Präs.3.Sg.)
sarvasattvottamaṃ loke balaṃ yatra pratiṣṭhitam
die höchste Kraft aller Wesen in der Welt, worin [sie] gegründet ist
pakṣiṇām apy ayaṃ dadyāt kadā cid gāruḍaṃ balam
auch Vögeln möge dieser bisweilen Garuḍas Kraft geben (Opt.)
yāvad anyatra saṃprītaḥ kāruṇyaṃ tu samāśritaḥ
solange er anderswo erfreut und dem Mitleid ergeben ist
na dadāti balaṃ tuṣṭaḥ sattvasyānyasya kasya cit
gibt er nicht aus Zufriedenheit irgendeinem anderen Wesen Kraft
tāvad enam ahaṃ vipraṃ vadhiṣyāmi ca śīghrataḥ
so lange werde ich diesen Brahmanen rasch töten (Fut.1.Sg.)
sthātuṃ mayā śakyam iha munighātān na saṃśayaḥ
hier zu bleiben ist mir möglich, durch Mord am Weisen, ohne Zweifel

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text in einigen Teilen verderbt und syntaktisch unklar (bes. yatra pratiṣṭhitam, sthātuṃ mayā śakyam … munighātān) [?].

tatas tena tapaḥśaktyā vidito jñānacakṣuṣā; vijñāya ca mahāprājño muniḥ śvānaṃ tam uktavān

Da wurde er durch dessen Askesekraft mit dem Auge der Erkenntnis durchschaut; und der hochweise Weise erkannte es und sprach zu jenem Hund.

Wort für Wort
tataḥ tena tapaḥśaktyā
da durch jenen mit Askesekraft (Instr.Sg.)
vidito jñānacakṣuṣā
er wurde durchschaut, mit dem Erkenntnisauge (Part.Perf.Pass./Instr.)
vijñāya ca mahāprājñaḥ
und erkannt habend, der sehr Weise (Abs./Nom.)
muniḥ śvānaṃ tam uktavān
der Weise sprach zu jenem Hund (Part.Perf.Akt.)

munir uvāca; aham agniprabho nāma munir bhṛgukulānvayaḥ; manasā nirdahe sarvaṃ jagat saṃdhārayāmi ca; mama vaśyaṃ jagat sarvaṃ devān varjya carācaram; santi devāś ca me bhītāḥ svadharmaṃ na tyajanti ye; svadharmāc calitān sarvān vāṅmātreṇaiva nirdahe; kim aṅga tvaṃ mayā nītaḥ śarabhatvam anāmayam; krūraḥ sa sarvabhūteṣu hīnaś cāśucir eva ca

Der Weise sprach: „Agniprabha heiße ich, ein Weiser aus dem Geschlecht des Bhṛgu. Mit dem Geist verbrenne ich alles und halte die Welt zusammen. Mir untersteht die ganze Welt, mit Ausnahme der Götter, Bewegliches wie Unbewegliches. Auch Götter gibt es, die sich vor mir fürchten, die ihre Pflicht nicht verlassen; alle, die von ihrer Pflicht abweichen, verbrenne ich allein durch ein Wort. Wie erst du, den ich zum makellosen Śarabha-Dasein geführt habe! Grausam gegen alle Wesen, niedrig und unrein bist du.“

Wort für Wort
munir uvāca
der Weise sprach (Perf.3.Sg.)
aham agniprabho nāma munir bhṛgukulānvayaḥ
ich, Agniprabha mit Namen, ein Weiser aus dem Geschlecht Bhṛgus
manasā nirdahe sarvaṃ jagat saṃdhārayāmi ca
mit dem Geist verbrenne ich alles und halte die Welt (Präs.1.Sg.)
mama vaśyaṃ jagat sarvaṃ devān varjya carācaram
mir untersteht die ganze Welt außer den Göttern, Bewegliches und Unbewegliches
santi devāś ca me bhītāḥ svadharmaṃ na tyajanti ye
es gibt auch Götter, mir furchtsam, die ihre Pflicht nicht verlassen
svadharmāc calitān sarvān vāṅmātreṇaiva nirdahe
alle von der eigenen Pflicht Abgewichenen verbrenne ich durch bloßes Wort
kim aṅga tvaṃ mayā nītaḥ śarabhatvam anāmayam
wie erst du, von mir zum makellosen Śarabha-Dasein geführt (Part.Perf.Pass.)
krūraḥ sa sarvabhūteṣu hīnaś cāśucir eva ca
grausam gegen alle Wesen, niedrig und unrein (Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die letzte Zeile (krūraḥ sa …) ist syntaktisch schwierig, sa vermutlich als Bezug auf den Hund gemeint [?].

śvā tvaṃ dvīpitvam āpanno dvīpī vyāghratvam āgataḥ; vyāghro nāgo madapaṭur nāgaḥ siṃhatvam āptavān

Du, ein Hund, wurdest zum Leoparden, der Leopard erlangte das Tigerdasein, der Tiger wurde Elefant, der brünstige, der Elefant erlangte das Löwendasein.

Wort für Wort
śvā tvaṃ dvīpitvam āpannaḥ
du, ein Hund, kamst zum Leopardendasein (Part.Perf.Akt.)
dvīpī vyāghratvam āgataḥ
der Leopard gelangte zum Tigerdasein
vyāghro nāgo madapaṭuḥ
der Tiger [wurde] Elefant, brunstkräftig (Nom.Sg.m.)
nāgaḥ siṃhatvam āptavān
der Elefant erlangte das Löwendasein

siṃho 'tibalasaṃyukto bhūyaḥ śarabhatāṃ gataḥ; mayā snehaparītena na vimṛṣṭaḥ kulānvayaḥ

Der Löwe, mit gewaltiger Kraft ausgestattet, wurde weiter zum Śarabha; von mir, der ich von Zuneigung erfüllt war, wurde deine Herkunft nicht [gründlich] bedacht.

Wort für Wort
siṃhaḥ atibalasaṃyuktaḥ
der Löwe, mit übergroßer Kraft versehen (Nom.Sg.m.)
bhūyaḥ śarabhatāṃ gataḥ
weiter zum Śarabha-Dasein gelangt (Part.Perf.Akt.)
mayā snehaparītena
von mir, von Zuneigung umfangen (Instr.Sg.)
na vimṛṣṭaḥ kulānvayaḥ
nicht erwogen wurde die Abstammung (Part.Perf.Pass.)

yasmād evam apāpaṃ māṃ pāpa hiṃsitum icchasi; tasmāt svayonim āpannaḥ śvaiva tvaṃ hi bhaviṣyasi

Weil du, Übeltäter, mich, den Schuldlosen, so töten willst, darum wirst du, in deinen Ursprung zurückgekehrt, ganz gewiss wieder ein Hund sein.

Wort für Wort
yasmād evam apāpaṃ māṃ
weil mich, den so Schuldlosen (Akk.Sg.)
pāpa hiṃsitum icchasi
du Übeltäter, willst du verletzen (Vok./Inf./Präs.2.Sg.)
tasmāt svayonim āpannaḥ
darum in den eigenen Ursprung gelangt (Part.Perf.Akt.)
śvā eva tvaṃ hi bhaviṣyasi
ein Hund wirst du gewiss sein (Fut.2.Sg.)

śvā pūrvaṃ dvīpy asi vyāghraḥ gajaḥ siṃhas tathāśva[ṣṭa]pāt; nijena ca svabhāvena punaḥ śvāno bhaviṣyasi

Zuerst ein Hund, [dann] ein Leopard, ein Tiger, ein Elefant, ein Löwe, so auch ein Achtfüßiger; durch deine eigene Natur wirst du wieder ein Hund werden.

Wort für Wort
śvā pūrvaṃ dvīpy asi vyāghraḥ
zuvor ein Hund, [dann] bist du Leopard, Tiger
gajaḥ siṃhas tathā aṣṭapāt
Elefant, Löwe, so auch der Achtfüßige
nijena ca svabhāvena
und durch die eigene Natur (Instr.Sg.)
punaḥ śvānaḥ bhaviṣyasi
wieder ein Hund wirst du werden (Fut.2.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Text durch die Klammer aṣṭa in der Ausgabe gestört, asi in der ersten Zeile als Zählung gebraucht [?].

tato munijanadveṣād duṣṭātmā śvākṛto 'budhaḥ; ṛṣiṇā śarabhaḥ śaptaḥ svaṃ rūpaṃ punar āptavān

Da wurde jener Böswillige, aus Hass auf die Weisen, unverständig, zum Hund gemacht: vom Weisen verflucht, nahm der Śarabha wieder seine eigene Gestalt an.

Wort für Wort
tataḥ munijanadveṣāt
da aus Hass auf die Weisen (Abl.Sg.)
duṣṭātmā śvākṛtaḥ abudhaḥ
der Böswillige, zum Hund gemacht, unverständig (Nom.Sg.m.)
ṛṣiṇā śarabhaḥ śaptaḥ
vom Weisen der Śarabha verflucht (Part.Perf.Pass.)
svaṃ rūpaṃ punar āptavān
die eigene Gestalt wieder erlangte er (Part.Perf.Akt.)

Dieses Kapitel in der Leseansicht