Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 324: vasūpākhyānam Streit um das Opfertier, Vasus Fluch und Erlösung

Götter und Ṛṣis streiten, ob beim Opfer ein Ziegenbock (aja) oder Samenkörner (die ebenfalls aja genannt werden) verwendet werden sollen. Der vorüberziehende König Uparicara-Vasu entscheidet zugunsten der Götter, wird von den Ṛṣis verflucht und stürzt in eine Erdspalte; dort bleibt er durch Viṣṇus Gnade bei Bewusstsein und wird später durch Garuḍa erlöst.

yudhiṣṭhira uvāca; yadā bhakto bhagavata āsīd rājā mahāvasuḥ; kimarthaṃ sa paribhraṣṭo viveśa vivaraṃ bhuvaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Als der große König Vasu ein Verehrer des Erhabenen war, warum stürzte er dann und ging in eine Erdspalte ein?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
yadā bhakto bhagavata āsīt
als er ein Verehrer des Erhabenen war (Nom.Sg./Gen.Sg./3.Sg.Impf.)
rājā mahāvasuḥ
der große König Vasu (Nom.Sg.)
kimartham
wozu, warum (Adv.)
sa paribhraṣṭaḥ
er, abgestürzt (Nom.Sg.m., PPP)
viveśa vivaraṃ bhuvaḥ
ging in die Erdspalte ein (3.Sg.Perf./Akk.Sg./Gen.Sg.)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; ṛṣīṇāṃ caiva saṃvādaṃ tridaśānāṃ ca bhārata

Bhīṣma sprach: „Hierzu erzählt man, o Bhārata, auch diese alte Geschichte, das Gespräch der Ṛṣis mit den Göttern.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
atrāpi udāharanti
hierzu auch erzählt man/führt man an (Adv./3.Pl.Präs.)
imam itihāsaṃ purātanam
diese alte Geschichte (Akk.Sg.)
ṛṣīṇāṃ caiva saṃvādam
und das Gespräch der Ṛṣis (Gen.Pl./Akk.Sg.)
tridaśānāṃ ca
und der Götter (Gen.Pl.)
bhārata
o Bhārata (Vok.Sg.)

iyaṃ vai karmabhūmir hi svargo bhogāya kalpitaḥ; tasmād indro mahīṃ prāpya yajamānas tu dīkṣitaḥ; savanīyapaśoḥ kāla āgate tu bṛhaspatiḥ; piṣṭam ānīyatām atra paśvartha iti bhāṣata; tac chrutvā devatāḥ sarvā idam ūcur dvijottamam; bṛhaspatiṃ māṃsagṛdhnāḥ pṛthak pṛthag ariṃdama

„Diese [Erde] ist ja das Feld des Wirkens, der Himmel aber ist zum Genießen bestimmt. Deshalb ließ sich Indra, nachdem er die Erde erreicht hatte, als Opferherr weihen. Als die Zeit für das Opfertier der Savana-Spende gekommen war, sprach Bṛhaspati: ‚Man bringe hierher Mehlteig, zum Zweck des Opfertieres.‘ Das gehört habend, sagten alle Götter, gierig nach Fleisch, dies, jeder für sich, zu dem besten der Zweifachgeborenen, zu Bṛhaspati, o Bezwinger der Feinde.“

Wort für Wort
iyaṃ vai karmabhūmir hi
diese [Erde] ist ja das Feld des Wirkens (Nom.Sg.)
svargo bhogāya kalpitaḥ
der Himmel ist zum Genießen bestimmt (Nom.Sg./Dat.Sg./PPP)
tasmād indro mahīṃ prāpya
deshalb, nachdem Indra die Erde erreicht hatte (Abl./Nom.Sg./Akk.Sg./Absolutiv)
yajamānas tu dīkṣitaḥ
aber als Opferer geweiht (Nom.Sg., PPP)
savanīyapaśoḥ kāla āgate tu
als die Zeit des Savana-Opfertieres gekommen war (Gen.Sg./Nom.Sg./Lok.Absolutiv)
bṛhaspatiḥ
Bṛhaspati (Nom.Sg., Name)
piṣṭam ānīyatām atra
Mehlteig soll hierher gebracht werden (Akk.Sg./3.Sg.Imp.Pass.)
paśvartha iti bhāṣata
‚zum Zweck des Opfertieres‘, so sprach er (Adv.Kompositum/3.Sg.Impf.)
tac chrutvā devatāḥ sarvā
das gehört habend, alle Götter (Absolutiv/Nom.Pl.)
idam ūcur dvijottamam
sagten dies zu dem besten der Zweifachgeborenen (Akk.Sg./3.Pl.Perf./Akk.Sg.)
bṛhaspatiṃ māṃsagṛdhnāḥ
zu Bṛhaspati, gierig nach Fleisch (Akk.Sg./Nom.Pl.)
pṛthak pṛthag ariṃdama
jeder für sich, o Bezwinger der Feinde (Adv./Vok.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). piṣṭam (‚Mehlteig‘) verweist auf die vedische Praxis des piṣṭapaśu, eines Opfertier-Ersatzes aus Mehl, und bereitet den folgenden Streit um Ziegenbock vs. Samenkorn vor.

ajena yaṣṭavyam iti devāḥ prāhur dvijottamān; sa ca chāgo hy ajo jñeyo nānyaḥ paśur iti sthitiḥ

Die Götter sprachen zu den besten der Zweifachgeborenen: „Mit einem Aja soll man opfern; und dieser Aja ist als Ziegenbock (chāga) zu verstehen, kein anderes Tier - so ist die feste Regel.“

Wort für Wort
ajena yaṣṭavyam iti
‚mit einem Aja soll geopfert werden‘, so (Instr.Sg./Gerundivum)
devāḥ prāhur dvijottamān
sprachen die Götter zu den besten der Zweifachgeborenen (Nom.Pl./3.Pl.Perf./Akk.Pl.)
sa ca chāgo hy ajo jñeyo
und dieser Aja ist ja als Ziegenbock zu erkennen (Nom.Sg./Gerundivum)
nānyaḥ paśur
kein anderes Tier (Nom.Sg.)
iti sthitiḥ
so [lautet] die feste Regel (Nom.Sg.)

ṛṣaya ūcuḥ; bījair yajñeṣu yaṣṭavyam iti vai vaidikī śrutiḥ; ajasaṃjñāni bījāni chāgaṃ na ghnantum arhatha

Die Ṛṣis sprachen: „Mit Samenkörnern soll man in den Opfern opfern - so lautet ja die vedische Überlieferung; ‚Aja‘ ist die Bezeichnung für Samenkörner; ihr solltet nicht den Ziegenbock töten.“

Wort für Wort
ṛṣaya ūcuḥ
die Ṛṣis sprachen (Nom.Pl./3.Pl.Perf.)
bījair yajñeṣu yaṣṭavyam iti
‚mit Samenkörnern soll in den Opfern geopfert werden‘, so (Instr.Pl./Lok.Pl./Gerundivum)
vai vaidikī śrutiḥ
ja [lautet] die vedische Überlieferung (Nom.Sg.)
ajasaṃjñāni bījāni
die Samenkörner, die die Bezeichnung ‚Aja‘ tragen (Nom.Pl.n.)
chāgaṃ na ghnantum arhatha
ihr solltet den Ziegenbock nicht töten (Akk.Sg./Infinitiv/2.Pl.Präs.)

naiṣa dharmaḥ satāṃ devā yatra vadhyeta vai paśuḥ; idaṃ kṛtayugaṃ śreṣṭhaṃ kathaṃ vadhyeta vai paśuḥ

„Das ist nicht die Rechtsordnung der Guten, o Götter, in der ein Opfertier getötet würde; dies ist das vortreffliche Kṛtayuga - wie sollte da ein Tier getötet werden?“

Wort für Wort
naiṣa dharmaḥ satāṃ devā
das ist nicht die Rechtsordnung der Guten, o Götter (Nom.Sg./Gen.Pl./Vok.Pl.)
yatra vadhyeta vai paśuḥ
worin ja ein Opfertier getötet würde (Rel.Adv./3.Sg.Opt.Pass./Nom.Sg.)
idaṃ kṛtayugaṃ śreṣṭham
dies ist das vortreffliche Kṛtayuga (Nom.Sg.)
kathaṃ vadhyeta vai paśuḥ
wie sollte da ein Opfertier getötet werden (Adv./3.Sg.Opt.Pass./Nom.Sg.)

yuṣmākam ajabuddhir hi ajo bījaṃ tad ucyate

„Euer Verständnis von ‚Aja‘ [als Ziegenbock] ist ja [ein Irrtum]; ‚Aja‘ - das wird [in Wahrheit] als Samenkorn bezeichnet.“

Wort für Wort
yuṣmākam ajabuddhir hi
euer Verständnis von ‚Aja‘ [als Ziegenbock] freilich (Gen.Pl./Nom.Sg.)
ajo bījaṃ
‚Aja‘ [bedeutet] Samenkorn (Nom.Sg.)
tad ucyate
das wird [so] bezeichnet (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

bhīṣma uvāca; teṣāṃ saṃvadatām evam ṛṣīṇāṃ vibudhaiḥ saha; mārgāgato nṛpaśreṣṭhas taṃ deśaṃ prāptavān vasuḥ; antarikṣacaraḥ śrīmān samagrabalavāhanaḥ

Bhīṣma sprach: Während jene Ṛṣis so mit den Weisen [Göttern] stritten, kam der beste der Könige, Vasu, der auf seinem Weg war, gerade an jenen Ort, er, der glanzvolle, durch den Luftraum Wandelnde, mit seinem gesamten Heer und Gefolge.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
teṣāṃ saṃvadatām evam ṛṣīṇāṃ vibudhaiḥ saha
während jene Ṛṣis so mit den Weisen [Göttern] stritten (Gen.Pl.Part./Adv./Gen.Pl./Instr.Pl.)
mārgāgato nṛpaśreṣṭhas
der beste der Könige, der auf dem Weg war (Nom.Sg.)
taṃ deśaṃ prāptavān vasuḥ
Vasu, der jenen Ort erreicht hatte (Akk.Sg./PPP-Adj./Nom.Sg.)
antarikṣacaraḥ śrīmān
durch den Luftraum wandelnd, glanzvoll (Nom.Sg.)
samagrabalavāhanaḥ
mit seinem gesamten Heer und Gefolge (Nom.Sg.)

taṃ dṛṣṭvā sahasāyāntaṃ vasuṃ te tv antarikṣagam; ūcur dvijātayo devān eṣa chetsyati saṃśayam

Als sie jenen Vasu sahen, der plötzlich herankam, den durch den Luftraum Reisenden, sprachen die Zweifachgeborenen zu den Göttern: „Dieser wird [unseren] Zweifel entscheiden.“

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā sahasā āyāntaṃ
als sie jenen plötzlich herankommenden sahen (Akk.Sg./Absolutiv/Adv./Akk.Sg.Part.)
vasuṃ te tv antarikṣagam
Vasu, den durch den Luftraum Reisenden (Akk.Sg./Nom.Pl./Akk.Sg.)
ūcur dvijātayo devān
sprachen die Zweifachgeborenen zu den Göttern (3.Pl.Perf./Nom.Pl./Akk.Pl.)
eṣa chetsyati saṃśayam
dieser wird den Zweifel entscheiden (Nom.Sg./3.Sg.Fut./Akk.Sg.)

yajvā dānapatiḥ śreṣṭhaḥ sarvabhūtahitapriyaḥ; kathaṃ svid anyathā brūyād vākyam eṣa mahān vasuḥ

„Er, der Opferer, der beste Herr der Gaben, dem das Wohl aller Wesen lieb ist - wie könnte dieser große Vasu wohl ein anderes [als das rechte] Wort sprechen?“

Wort für Wort
yajvā dānapatiḥ śreṣṭhaḥ
der Opferer, der beste Herr der Gaben (Nom.Sg.)
sarvabhūtahitapriyaḥ
dem das Wohl aller Wesen lieb ist (Nom.Sg.)
kathaṃ svid anyathā brūyāt
wie könnte er wohl anders sprechen (Adv./Partikel/Adv./3.Sg.Opt.)
vākyam eṣa mahān vasuḥ
ein Wort, dieser große Vasu (Akk.Sg./Nom.Sg.)

evaṃ te saṃvidaṃ kṛtvā vibudhā ṛṣayas tathā; apṛcchan sahasābhyetya vasuṃ rājānam antikāt

So trafen die Weisen [Götter] und ebenso die Ṛṣis eine Übereinkunft; eilends traten sie heran und befragten aus der Nähe den König Vasu.

Wort für Wort
evaṃ te saṃvidaṃ kṛtvā
so, nachdem sie eine Übereinkunft getroffen hatten (Adv./Nom.Pl./Akk.Sg./Absolutiv)
vibudhā ṛṣayas tathā
die Weisen [Götter] und ebenso die Ṛṣis (Nom.Pl.)
apṛcchan sahasā abhyetya
sie fragten, nachdem sie eilends herangetreten waren (3.Pl.Impf./Adv./Absolutiv)
vasuṃ rājānam antikāt
den König Vasu, aus der Nähe (Akk.Sg./Akk.Sg./Abl.Sg.)

bho rājan kena yaṣṭavyam ajenāho svid auṣadhaiḥ; etan naḥ saṃśayaṃ chindhi pramāṇaṃ no bhavān mataḥ

„He, König! Mit was soll man opfern - mit einem Aja oder etwa mit Feldfrüchten? Zerschneide uns diesen Zweifel; du bist uns als Autorität anerkannt.“

Wort für Wort
bho rājan kena yaṣṭavyam
‚He, König, mit was soll geopfert werden‘ (Interj./Vok.Sg./Instr./Gerundivum)
ajenāho svid auṣadhaiḥ
mit einem Aja oder etwa mit Feldfrüchten (Instr.Sg./Part./Part./Instr.Pl.)
etan naḥ saṃśayaṃ chindhi
zerschneide uns diesen Zweifel (Akk.Sg./Dat.Pl./Akk.Sg./2.Sg.Imp.)
pramāṇaṃ no bhavān mataḥ
du bist uns als Maßstab angesehen (Nom.Sg./Gen.Pl./Nom.Sg./PPP)

auṣadhaiḥ (‚Pflanzen/Feldfrüchte‘) wird später (324.012) durch dhānya (Getreide) präzisiert.

sa tān kṛtāñjalir bhūtvā paripapraccha vai vasuḥ; kasya vaḥ ko mataḥ pakṣo brūta satyaṃ samāgatāḥ

Er, Vasu, faltete die Hände zum Gruß und fragte: „Wessen von euch ist welche Ansicht die vertretene? Sagt die Wahrheit, ihr Versammelten.“

Wort für Wort
sa tān kṛtāñjalir bhūtvā
er, nachdem er ihnen die Hände gefaltet hatte (Nom.Sg./Akk.Pl./Nom.Sg./Absolutiv)
paripapraccha vai vasuḥ
fragte ja Vasu (3.Sg.Perf./Partikel/Nom.Sg.)
kasya vaḥ ko mataḥ pakṣaḥ
wessen von euch welche Ansicht die vertretene ist (Gen.Sg./Gen.Pl./Nom.Sg./PPP/Nom.Sg.)
brūta satyaṃ samāgatāḥ
sagt die Wahrheit, ihr Versammelten (2.Pl.Imp./Akk.Sg./Nom.Pl.Part.)

ṛṣaya ūcuḥ; dhānyair yaṣṭavyam ity eṣa pakṣo 'smākaṃ narādhipa; devānāṃ tu paśuḥ pakṣo mato rājan vadasva naḥ

Die Ṛṣis sprachen: „Mit Getreidekörnern soll man opfern - das ist unsere Ansicht, o Herr der Menschen; die Ansicht der Götter aber gilt dem Opfertier - so sag uns [deine Meinung], o König.“

Wort für Wort
ṛṣaya ūcuḥ
die Ṛṣis sprachen (Nom.Pl./3.Pl.Perf.)
dhānyair yaṣṭavyam iti
‚mit Getreidekörnern soll geopfert werden‘, so (Instr.Pl./Gerundivum)
eṣa pakṣo 'smākaṃ narādhipa
das ist unsere Ansicht, o Herr der Menschen (Nom.Sg./Gen.Pl./Vok.Sg.)
devānāṃ tu paśuḥ pakṣo mataḥ
der Ansicht der Götter aber gilt das Opfertier (Gen.Pl./Nom.Sg./Nom.Sg./PPP)
rājan vadasva naḥ
sag uns, o König (Vok.Sg./2.Sg.Imp./Dat.Pl.)

bhīṣma uvāca; devānāṃ tu mataṃ jñātvā vasunā pakṣasaṃśrayāt; chāgenājena yaṣṭavyam evam uktaṃ vacas tadā

Bhīṣma sprach: Nachdem Vasu die Ansicht der Götter erkannt hatte, sprach er, aus Parteinahme für ihre Seite, damals dieses Wort: „Mit einem Ziegen-Aja soll man opfern.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
devānāṃ tu mataṃ jñātvā
nachdem er die Ansicht der Götter erkannt hatte (Gen.Pl./Akk.Sg./Absolutiv)
vasunā pakṣasaṃśrayāt
von Vasu, aus Parteinahme für [ihre] Seite (Instr.Sg./Abl.Sg.)
chāgenājena yaṣṭavyam
‚mit einem Ziegen-Aja soll geopfert werden‘ (Instr.Sg./Gerundivum)
evam uktaṃ vacas tadā
so wurde damals das Wort gesprochen (Adv./PPP/Nom.Sg./Adv.)

kupitās te tataḥ sarve munayaḥ sūryavarcasaḥ; ūcur vasuṃ vimānasthaṃ devapakṣārthavādinam

Da wurden all jene Weisen, glanzvoll wie die Sonne, zornig; sie sprachen zu Vasu, der [oben] in seinem Flugwagen stand, dem Fürsprecher der Sache der Götter:

Wort für Wort
kupitās te tataḥ sarve
da wurden alle jene zornig (Nom.Pl./Nom.Pl./Adv./Nom.Pl.)
munayaḥ sūryavarcasaḥ
die Weisen, glanzvoll wie die Sonne (Nom.Pl.)
ūcur vasuṃ vimānasthaṃ
sie sprachen zu Vasu, der im Flugwagen stand (3.Pl.Perf./Akk.Sg./Akk.Sg.)
devapakṣārthavādinam
zu dem Fürsprecher der Sache der Götter (Akk.Sg.)

surapakṣo gṛhītas te yasmāt tasmād divaḥ pata; adya prabhṛti te rājann ākāśe vihatā gatiḥ; asmacchāpābhighātena mahīṃ bhittvā pravekṣyasi

„Weil du die Seite der Götter ergriffen hast, falle deswegen vom Himmel! Von heute an, o König, sei dir das Gehen im Luftraum verwehrt; durch den Schlag unseres Fluches wirst du die Erde durchbrechen und [in sie] eindringen.“

Wort für Wort
surapakṣo gṛhītas te
die Seite der Götter ist von dir ergriffen (Nom.Sg./PPP/Instr.Sg.)
yasmāt tasmād divaḥ pata
deswegen falle vom Himmel (Abl./Abl./Gen.Sg./2.Sg.Imp.)
adya prabhṛti te rājan
von heute an, o König (Adv./Postp./Dat.Sg./Vok.Sg.)
ākāśe vihatā gatiḥ
im Luftraum sei der Gang verwehrt (Lok.Sg./PPP/Nom.Sg.)
asmacchāpābhighātena
durch den Schlag unseres Fluches (Instr.Sg.)
mahīṃ bhittvā pravekṣyasi
die Erde durchbrechend wirst du eindringen (Akk.Sg./Absolutiv/2.Sg.Fut.)

viruddhaṃ vedasūtrāṇām uktaṃ yadi bhaven nṛpa; vayaṃ viruddhavacanā yadi tatra patāmahe

„Wäre das Gesagte den Lehrsätzen der Veden widersprechend, o König, [so träfe dich dies mit Recht]; sind aber wir es, die Widersprüchliches sagen, so mögen wir selbst dorthin stürzen.“

Wort für Wort
viruddhaṃ vedasūtrāṇām uktaṃ
das Gesagte, das den Lehrsätzen der Veden widerspricht (Nom.Sg.n./Gen.Pl./PPP)
yadi bhaven nṛpa
wäre es so, o König (Konj./3.Sg.Opt./Vok.Sg.)
vayaṃ viruddhavacanā
wir, die Widersprüchliches sagen (Nom.Pl.)
yadi tatra patāmahe
wenn, dann mögen wir dorthin stürzen (Konj./Adv./1.Pl.Opt.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Bedingte Selbstverfluchung der Ṛṣis: Sollten sie im Unrecht sein, mögen sie selbst in die Erdspalte stürzen.

tatas tasmin muhūrte 'tha rājoparicaras tadā; adho vai saṃbabhūvāśu bhūmer vivarago nṛpaḥ; smṛtis tv enaṃ na prajahau tadā nārāyaṇājñayā

Dann, in jenem Augenblick, geriet König Uparicara sogleich nach unten und drang in eine Höhle der Erde ein; doch sein Erinnerungsvermögen verließ ihn damals nicht, durch Nārāyaṇas Befehl.

Wort für Wort
tatas tasmin muhūrte 'tha
dann, in jenem Augenblick (Adv./Lok.Sg./Adv.)
rājoparicaras tadā
König Uparicara, damals (Nom.Sg./Adv.)
adho vai saṃbabhūva āśu
geriet ja sogleich nach unten (Adv./3.Sg.Perf./Adv.)
bhūmer vivarago nṛpaḥ
der König, in eine Höhle der Erde eingehend (Gen.Sg./Nom.Sg./Nom.Sg.)
smṛtis tv enaṃ na prajahau
das Erinnerungsvermögen aber verließ ihn nicht (Nom.Sg./Akk.Sg./Neg./3.Sg.Perf.)
tadā nārāyaṇājñayā
damals, durch Nārāyaṇas Befehl (Adv./Instr.Sg.)

devās tu sahitāḥ sarve vasoḥ śāpavimokṣaṇam; cintayām āsur avyagrāḥ sukṛtaṃ hi nṛpasya tat

Die Götter aber, alle vereint, sannen gelassen über die Befreiung Vasus vom Fluch nach; denn das war ja eine gute Tat des Königs.

Wort für Wort
devās tu sahitāḥ sarve
die Götter aber, alle vereint (Nom.Pl.)
vasoḥ śāpavimokṣaṇam
die Befreiung Vasus vom Fluch (Gen.Sg./Akk.Sg.)
cintayām āsur avyagrāḥ
sannen gelassen nach (3.Pl.Periphr.Perf./Nom.Pl.)
sukṛtaṃ hi nṛpasya tat
denn das war die gute Tat des Königs (Nom.Sg./Partikel/Gen.Sg./Nom.Sg.)

anenāsmatkṛte rājñā śāpaḥ prāpto mahātmanā; asya pratipriyaṃ kāryaṃ sahitair no divaukasaḥ

„Von diesem hochherzigen König ist um unseretwillen der Fluch erlangt worden; eine Gegengefälligkeit ihm zu erweisen ist [Pflicht] für uns, die vereinten Himmelsbewohner.“

Wort für Wort
anena asmatkṛte rājñā
von diesem König, um unseretwillen (Instr.Sg./Adv./Instr.Sg.)
śāpaḥ prāpto mahātmanā
wurde der Fluch erlangt, von dem Hochherzigen (Nom.Sg./PPP/Instr.Sg.)
asya pratipriyaṃ kāryaṃ
ihm eine Gegengefälligkeit zu erweisen ist Pflicht (Gen.Sg./Akk.Sg./Nom.Sg.)
sahitair no divaukasaḥ
für uns, die vereinten Himmelsbewohner (Instr.Pl./Gen.Pl./Nom.Pl.)

iti buddhyā vyavasyāśu gatvā niścayam īśvarāḥ; ūcus taṃ hṛṣṭamanaso rājoparicaraṃ tadā

So, mit Bedacht rasch einen Entschluss gefasst habend, gingen die Herren [Götter] hin und sprachen damals frohen Sinnes zu jenem König Uparicara:

Wort für Wort
iti buddhyā vyavasya āśu
so, mit Bedacht, rasch [einen Entschluss] gefasst habend (Adv./Instr.Sg./Absolutiv/Adv.)
gatvā niścayam īśvarāḥ
hingegangen zu [diesem] Entschluss, die Herren [Götter] (Absolutiv/Akk.Sg./Nom.Pl.)
ūcus taṃ hṛṣṭamanaso
sie sprachen zu jenem, frohen Sinnes (3.Pl.Perf./Akk.Sg./Nom.Pl.)
rājoparicaraṃ tadā
zu König Uparicara, damals (Akk.Sg./Adv.)

brahmaṇyadevaṃ tvaṃ bhaktaḥ surāsuraguruṃ harim; kāmaṃ sa tava tuṣṭātmā kuryāc chāpavimokṣaṇam

„Du bist ein Verehrer des den Brahmanen zugetanen Gottes, Haris, des Lehrers der Götter und Asuras; er, mit zufriedenem Herzen, möge dir nach Belieben die Befreiung vom Fluch gewähren.“

Wort für Wort
brahmaṇyadevaṃ tvaṃ bhaktaḥ
du bist ein Verehrer des den Brahmanen zugetanen Gottes (Akk.Sg./Nom.Sg./Nom.Sg.)
surāsuraguruṃ harim
des Hari, des Lehrers der Götter und Asuras (Akk.Sg.)
kāmaṃ sa tava tuṣṭātmā
er, mit zufriedenem Herzen, dir nach Belieben (Adv./Nom.Sg./Gen.Sg./Nom.Sg.)
kuryāc chāpavimokṣaṇam
möge die Befreiung vom Fluch gewähren (3.Sg.Opt./Akk.Sg.)

mānanā tu dvijātīnāṃ kartavyā vai mahātmanām; avaśyaṃ tapasā teṣāṃ phalitavyaṃ nṛpottama

„Die Ehrung der Zweifachgeborenen, der Hochherzigen, ist aber ja zu erbringen; notwendigerweise muss deren Askese Früchte tragen, o bester der Könige.“

Wort für Wort
mānanā tu dvijātīnāṃ
die Ehrung der Zweifachgeborenen aber (Nom.Sg./Gen.Pl.)
kartavyā vai mahātmanām
ist ja zu erbringen, der Hochherzigen (Gerundivum/Gen.Pl.)
avaśyaṃ tapasā teṣāṃ
notwendigerweise, durch deren Askese (Adv./Instr.Sg./Gen.Pl.)
phalitavyaṃ nṛpottama
muss Früchte tragen, o bester der Könige (Gerundivum/Vok.Sg.)

viruddhaṃ vedaśāstrāṇāṃ na vaktavyaṃ hitārthinā

„Widersprechendes zu den Lehrbüchern der Veden sollte von dem, der [ihr] Wohl sucht, nicht gesagt werden.“

Wort für Wort
viruddhaṃ vedaśāstrāṇāṃ
Widersprechendes zu den Lehrbüchern der Veden (Akk.Sg.n./Gen.Pl.)
na vaktavyaṃ hitārthinā
sollte nicht gesagt werden von dem, der [ihr] Wohl sucht (Neg./Gerundivum/Instr.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

yatas tvaṃ sahasā bhraṣṭa ākāśān medinītalam

„Weil du plötzlich vom Luftraum auf die Erdoberfläche gestürzt bist ...“ [Anm.: Satz bricht am Ende dieses Abschnitts ab, Fortsetzung im nächsten Abschnitt]

Wort für Wort
yatas tvaṃ
weil du (Konj./Nom.Sg.)
sahasā bhraṣṭaḥ
plötzlich gestürzt (Adv./Nom.Sg.PPP)
ākāśān
vom Luftraum (Abl.Sg.)
medinītalam
auf die Erdoberfläche (Akk.Sg., Ziel)

Satz unvollständig; endet mit dem Ende dieses Chunks (1/2), die Fortsetzung folgt im nächsten Abschnitt.

asmatpakṣanimittaṃ te vyasanaṃ prāptam īdṛśam

„Wegen unserer Parteinahme ist dir ein solches Unglück zugefallen.

Wort für Wort
asmatpakṣanimittam
wegen unserer Partei/Seite (Akk.Sg.n., Kompositum, adverbial)
te
dir (Dat.Sg.)
vyasanam
Unglück (Nom.Sg.n.)
prāptam
zugefallen (PPP n.sg., zu vyasanam)
īdṛśam
ein solches (Adj. n.sg., zu vyasanam)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ekaṃ tv anugrahaṃ tubhyaṃ dadmo vai nṛpasattama

Eine einzige Gnade aber wollen wir dir gewähren, oh bester der Könige:

Wort für Wort
ekam
eine (Akk.Sg.n., zu anugraham)
tu anugraham
aber die Gnade/Vergünstigung (Akk.Sg.)
tubhyam
dir (Dat.Sg.)
dadmo vai
geben wir fürwahr (1.Pl.Präs.)
nṛpasattama
oh bester der Könige (Vok.Sg.)

yāvat tvaṃ śāpadoṣeṇa kālam āsiṣyase 'nagha; bhūmer vivarago bhūtvā tāvantaṃ kālam āpsyasi; yajñeṣu suhutāṃ viprair vasor dhārāṃ mahātmabhiḥ

So lange du, Schuldloser, wegen des Fehlers des Fluches dort die Zeit verweilen wirst, ebenso lange wirst du, zum Erdhöhlenbewohner geworden, den von hochherzigen Brahmanen in den Opfern wohldargebrachten Opferschmalz-Strom [vasordhārā] erlangen,

Wort für Wort
yāvat tvam
solange du (Rel.-Adv. + Nom.Sg.)
śāpadoṣeṇa kālam āsiṣyase
wegen des Fehlers des Fluches die Zeit verweilen wirst (Instr. + Akk. + 2.Sg.Fut.Med.)
anagha
oh Schuldloser (Vok.Sg.)
bhūmer vivaragaḥ bhūtvā
nachdem du zum Erdhöhlenbewohner geworden bist (Gen. + Nom.Sg. + Ger.)
tāvantaṃ kālam āpsyasi
wirst du ebenso lange Zeit erlangen (Akk. + 2.Sg.Fut.)
yajñeṣu suhutām
in den Opfern wohldargebrachten (Lok.Pl. + Akk.Sg.f.)
viprair mahātmabhiḥ
von den hochherzigen Brahmanen (Instr.Pl.)
vasor dhārām
den Opferschmalz-Strom [vasordhārā] (Akk.Sg., Ritualterminus)

Wortspiel: 'vasor dhārā' (Opferschmalz-Strom, ein Ritualterminus) klingt wie 'König Vasus Strom' – der Name des Königs und die Opfergabe, die ihm zufallen wird, fallen sprachlich zusammen.

prāpsyase 'smadanudhyānān mā ca tvāṃ glānir āspṛśet; na kṣutpipāse rājendra bhūmeś chidre bhaviṣyataḥ

du wirst ihn durch unser Wohlwollen erlangen, und keine Mattigkeit soll dich berühren; weder Hunger noch Durst, oh Herrscher der Könige, werden dir in der Erdspalte widerfahren,

Wort für Wort
prāpsyase
du wirst erlangen (2.Sg.Fut.Med.)
asmadanudhyānāt
aufgrund unseres Wohlwollens (Abl.Sg.)
mā ca tvāṃ glānir āspṛśet
und Mattigkeit soll dich nicht berühren (Neg. + Akk. + Nom. + 3.Sg.Opt.)
na kṣutpipāse
nicht Hunger und Durst (Nom.Du.)
rājendra
oh Herrscher der Könige (Vok.Sg.)
bhūmeś chidre
in der Spalte der Erde (Gen. + Lok.Sg.)
bhaviṣyataḥ
werden sein (3.Du.Fut.)

vasor dhārānupītatvāt tejasāpyāyitena ca

weil du den Opferschmalz-Strom des Vasu aufgesogen hast und durch dessen Glut gestärkt wirst,

Wort für Wort
vasor dhārānupītatvāt
weil (du) den Opferschmalz-Strom aufgesogen hast (Abl. des Abstraktums 'anupīta-tva')
tejasā
durch die Glut/Kraft (Instr.Sg.)
āpyāyitena ca
und durch das Gestärkte (Instr.Sg., PPP zu āpyāyita)

Fortsetzung des Satzes aus dem vorigen Vers; 'vasu' spielt zugleich auf den Namen des Königs an.

taṃ bhakto 'si mahātmānaṃ devadevaṃ sanātanam

bist du jenem großherzigen, ewigen Gott der Götter hingegeben.

Wort für Wort
tam
jenem (Akk.Sg.m.)
bhakto 'si
bist du hingegeben/ein Verehrer (2.Sg.Präs.)
mahātmānam
dem Großherzigen (Akk.Sg.)
devadevam
dem Gott der Götter (Akk.Sg.)
sanātanam
dem Ewigen (Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

sa devo 'smadvarāt prīto brahmalokaṃ hi neṣyati

Jener Gott wird, erfreut durch unsere Gunst, dich fürwahr zur Welt Brahmans führen.“

Wort für Wort
sa devo
jener Gott (Nom.Sg.)
asmadvarāt
durch unsere Gunst (Abl.Sg.)
prīto
erfreut (Nom.Sg., PPP)
brahmalokam
zur Welt Brahmans (Akk.Sg.)
hi neṣyati
wird ja führen (3.Sg.Fut.)

evaṃ dattvā varaṃ rājñe sarve tatra divaukasaḥ

So gewährten alle Himmelsbewohner dort dem König diese Gnade,

Wort für Wort
evaṃ dattvā
so, nachdem sie gegeben hatten (Ger.)
varaṃ rājñe
die Gunst dem König (Akk. + Dat.Sg.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
tatra
dort (Adv.)
divaukasaḥ
die Himmelsbewohner/Götter (Nom.Pl.)

kratuṃ samāpya piṣṭena munīnāṃ vacanāt tadā

und nachdem sie, auf das Wort der Weisen hin, das Opfer mit dem Mehlteig vollendet hatten,

Wort für Wort
kratuṃ samāpya
nachdem sie das Opfer vollendet hatten (Ger.)
piṣṭena
mit Mehlteig (Instr.Sg.)
munīnāṃ vacanāt
auf das Wort der Weisen hin (Gen.Pl. + Abl.Sg.)
tadā
damals (Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Bezug auf die vorher beschlossene Ersatzgabe (Mehlteig statt Tieropfer).

gatāḥ svabhavanaṃ devā ṛṣayaś ca tapodhanāḥ

gingen die Götter und die bußreichen Seher zu ihrer eigenen Wohnstätte.

Wort für Wort
gatāḥ
gingen (Nom.Pl., PPP als Finitum)
svabhavanam
zur eigenen Wohnstätte (Akk.Sg.)
devā
die Götter (Nom.Pl.)
ṛṣayaś ca
und die Seher (Nom.Pl.)
tapodhanāḥ
die Bußreichen (Nom.Pl., Adj. zu ṛṣayaḥ)

gṛhītvā dakṣiṇāṃ sarve gatāḥ svān āśramān punaḥ; vasuṃ vicintya śakraś ca praviveśāmarāvatīm; vasur vivaragas tatra vyalīkasya phalād guroḥ

Nachdem alle die Opfergabe erhalten hatten, gingen sie wieder zu ihren eigenen Klausen; und Śakra, an Vasu denkend, kehrte nach Amarāvatī zurück. Vasu aber blieb dort als Erdhöhlenbewohner, als Folge seines schweren Vergehens.

Wort für Wort
gṛhītvā dakṣiṇām
nachdem sie die Opfergabe empfangen hatten (Ger. + Akk.Sg.)
sarve gatāḥ
gingen alle (Nom.Pl.)
svān āśramān punaḥ
wieder zu ihren eigenen Klausen (Akk.Pl. + Adv.)
vasuṃ vicintya
an Vasu denkend (Ger. + Akk.Sg.)
śakraś ca praviveśa
und Śakra betrat (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
amarāvatīm
Amarāvatī (Akk.Sg., Indras Stadt)
vasur vivaragas tatra
Vasu aber blieb dort als Erdhöhlenbewohner (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
vyalīkasya phalād guroḥ
als Folge des schweren Vergehens (Gen.Sg. + Abl.Sg. + Gen.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

cakre ca satataṃ pūjāṃ viṣvaksenāya bhārata; japyaṃ jagau ca satataṃ nārāyaṇamukhodgatam

Und er erwies, oh Bhārata, stets dem Viṣvaksena Verehrung; und er sang stets das leise Gebet, das aus Nārāyaṇas Mund hervorgegangen war.

Wort für Wort
cakre ca satatam
und er erwies stets (3.Sg.Perf.Med. + Adv.)
pūjāṃ viṣvaksenāya
Verehrung dem Viṣvaksena [Viṣṇu] (Akk. + Dat.Sg.)
bhārata
oh Bhārata (Vok.Sg.)
japyaṃ jagau ca
und er sang das leise Gebet (Akk. + 3.Sg.Perf.)
satataṃ nārāyaṇamukhodgatam
das stets aus Nārāyaṇas Mund hervorgegangene (Adv. + Akk.Sg.Adj.)

tatrāpi pañcabhir yajñaiḥ pañcakālān ariṃdama; ayajad dhariṃ surapatiṃ bhūmer vivarago 'pi san

Auch dort, oh Feindebezwinger, verehrte er, obwohl er ein Erdhöhlenbewohner war, mit fünf Opfern zu den fünf Tageszeiten den Hari, den Herrn der Götter.

Wort für Wort
tatrāpi
auch dort (Adv.)
pañcabhir yajñaiḥ
mit fünf Opfern (Instr.Pl.)
pañcakālān
zu den fünf Tageszeiten (Akk.Pl., adverbial)
ariṃdama
oh Feindebezwinger (Vok.Sg.)
ayajad dhariṃ surapatim
verehrte er Hari, den Herrn der Götter (3.Sg.Impf. + Akk. + Akk.)
bhūmer vivarago 'pi san
obwohl er ein Erdhöhlenbewohner war (Gen. + Nom.Sg. + Part.)

tato 'sya tuṣṭo bhagavān bhaktyā nārāyaṇo hariḥ; ananyabhaktasya satas tatparasya jitātmanaḥ

Da wurde der erhabene Nārāyaṇa Hari zufrieden über dessen Hingabe – über ihn, den ausschließlich Hingegebenen, den ganz darauf Ausgerichteten, den Selbstbeherrschten.

Wort für Wort
tato 'sya
da über ihn (Adv. + Gen.Sg.)
tuṣṭo
wurde zufrieden (Nom.Sg., PPP)
bhagavān nārāyaṇo hariḥ
der erhabene Nārāyaṇa Hari (Nom.Sg.)
bhaktyā
durch die Hingabe (Instr.Sg.)
ananyabhaktasya
des ausschließlich Hingegebenen (Gen.Sg.)
satas tatparasya
des Seienden, des darauf Ausgerichteten (Gen.Sg.)
jitātmanaḥ
des Selbstbeherrschten (Gen.Sg.)

varado bhagavān viṣṇuḥ samīpasthaṃ dvijottamam; garutmantaṃ mahāvegam ābabhāṣe smayann iva

Der erhabene, gunstgewährende Viṣṇu sprach den nahestehenden besten der Zweifachgeborenen, Garutmān von großer Geschwindigkeit, gleichsam lächelnd an:

Wort für Wort
varado bhagavān viṣṇuḥ
der gunstgewährende erhabene Viṣṇu (Nom.Sg.)
samīpasthaṃ dvijottamam
den nahestehenden besten der Zweifachgeborenen (Akk.Sg.)
garutmantaṃ mahāvegam
Garutmān, den von großer Geschwindigkeit (Akk.Sg.)
ābabhāṣe
sprach an (3.Sg.Perf.)
smayann iva
gleichsam lächelnd (Ppr. + Partikel)

dvijottama mahābhāga gamyatāṃ vacanān mama; samrāḍ rājā vasur nāma dharmātmā māṃ samāśritaḥ

„Bester der Zweifachgeborenen, Hochbeglückter, geh auf mein Wort! Der Herrscherkönig namens Vasu, der Gerechtgesinnte, hat bei mir Zuflucht genommen.

Wort für Wort
dvijottama mahābhāga
oh bester der Zweifachgeborenen, Hochbeglückter (Vok.Sg.)
gamyatāṃ vacanān mama
geh auf mein Wort hin (3.Sg.Imp.Pass. + Abl.Sg.)
samrāḍ rājā
der Herrscherkönig (Nom.Sg.)
vasur nāma
namens Vasu (Nom.Sg. + Adv.)
dharmātmā
der Gerechtgesinnte (Nom.Sg.)
māṃ samāśritaḥ
hat bei mir Zuflucht genommen (Akk. + Nom.Sg.PPP)

brāhmaṇānāṃ prakopena praviṣṭo vasudhātalam; mānitās te tu viprendrās tvaṃ tu gaccha dvijottama

Durch den Zorn der Brahmanen ist er in die Erdoberfläche eingegangen; jene Brahmanenfürsten aber wurden [von mir] geehrt. Du aber geh, bester der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ prakopena
durch den Zorn der Brahmanen (Gen.Pl. + Instr.Sg.)
praviṣṭo vasudhātalam
ist eingegangen in die Erdoberfläche (Nom.Sg.PPP + Akk.Sg.)
mānitās te tu viprendrās
jene Brahmanenfürsten aber wurden geehrt (Nom.Pl.PPP + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
tvaṃ tu gaccha
du aber geh (Nom.Sg. + 2.Sg.Imp.)
dvijottama
oh bester der Zweifachgeborenen (Vok.Sg.)

bhūmer vivarasaṃguptaṃ garuḍeha mamājñayā; adhaścaraṃ nṛpaśreṣṭhaṃ khecaraṃ kuru māciram

[und] mache den in einer Erdhöhle Verborgenen, o Garuḍa, hier auf meinen Befehl, den unter der Erde wandelnden besten der Könige, [wieder] zum Himmelswandler – und dies unverzüglich!“

Wort für Wort
bhūmer vivarasaṃguptam
den in einer Erdhöhle Verborgenen (Gen. + Akk.Sg.)
garuḍeha mamājñayā
oh Garuḍa, hier auf meinen Befehl (Vok. + Adv. + Instr.Sg.)
adhaścaraṃ nṛpaśreṣṭham
den unter der Erde wandelnden besten der Könige (Akk.Sg.)
khecaraṃ kuru
mache zum Himmelswandler (Akk.Sg. + 2.Sg.Imp.)
māciram
unverzüglich (Adv., wörtl. 'nicht langsam')

garutmān atha vikṣipya pakṣau mārutavegavān; viveśa vivaraṃ bhūmer yatrāste vāgyato vasuḥ

Da breitete Garutmān, der von Windesgeschwindigkeit, seine Flügel aus und drang in die Erdhöhle ein, wo Vasu, seine Rede zurückhaltend, weilte.

Wort für Wort
garutmān atha
Garutmān da (Nom.Sg. + Adv.)
vikṣipya pakṣau
nachdem er die Flügel ausgebreitet hatte (Ger. + Akk.Du.)
mārutavegavān
der von Windesgeschwindigkeit (Nom.Sg.)
viveśa vivaraṃ bhūmer
drang in die Höhle der Erde ein (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
yatrāste vāgyato vasuḥ
wo Vasu, seine Rede zurückhaltend, weilte (Adv. + 3.Sg.Präs. + Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg.)

tata enaṃ samutkṣipya sahasā vinatāsutaḥ

Darauf, nachdem der Sohn der Vinatā ihn plötzlich emporgehoben hatte,

Wort für Wort
tata
darauf (Adv.)
enaṃ samutkṣipya
nachdem er ihn emporgehoben hatte (Akk.Sg. + Ger.)
sahasā
plötzlich (Adv.)
vinatāsutaḥ
der Sohn der Vinatā [Garuḍa] (Nom.Sg.)

gṛhītvā taṃ vasuṃ bhaktaṃ sahasā vasudhātalāt

nachdem er jenen hingegebenen Vasu plötzlich von der Erdoberfläche ergriffen hatte,

Wort für Wort
gṛhītvā
nachdem er ergriffen hatte (Ger.)
taṃ vasuṃ bhaktam
jenen hingegebenen Vasu (Akk.Sg.)
sahasā
plötzlich (Adv.)
vasudhātalāt
von der Erdoberfläche (Abl.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

utpapāta nabhas tūrṇaṃ tatra cainam amuñcata

flog er eilends zum Himmel auf, und dort ließ er ihn los.

Wort für Wort
utpapāta
flog auf (3.Sg.Perf.)
nabhas tūrṇam
eilends zum Himmel (Akk.Sg. + Adv.)
tatra ca
und dort (Adv.)
enam amuñcata
ließ ihn los (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.Med.)

tasmin muhūrte saṃjajñe rājoparicaraḥ punaḥ; saśarīro gataś caiva brahmalokaṃ nṛpottamaḥ

In jenem Augenblick wurde der König Uparicara wieder [zum Himmelswandler], und der beste der Könige ging mit seinem eigenen Körper zur Welt Brahmans.

Wort für Wort
tasmin muhūrte
in jenem Augenblick (Lok.Sg.)
saṃjajñe
wurde/entstand (3.Sg.Perf.)
rājoparicaraḥ punaḥ
der König Uparicara wieder (Nom.Sg. + Adv.)
saśarīro
mit seinem eigenen Körper (Nom.Sg., Adj.)
gataś caiva brahmalokaṃ
und ging zur Welt Brahmans (Nom.Sg.PPP + Akk.Sg.)
nṛpottamaḥ
der beste der Könige (Nom.Sg.)

'saśarīraḥ' – die Angabe, dass er mit seinem eigenen Körper (nicht erst nach dem Tod) zur Brahma-Welt gelangte, hebt dies als besondere Gunst hervor.

evaṃ tenāpi kaunteya vāgdoṣād devatājñayā; prāptā gatir ayajvārhā dvijaśāpān mahātmanā

So erlangte auch dieser Großherzige, oh Kaunteya, durch den Fehler der Rede, auf Geheiß der Götter, infolge des Fluches der Zweifachgeborenen, einen Weg, der [eigentlich] einem Nichtopfernden nicht zukäme.

Wort für Wort
evaṃ tenāpi
so auch von jenem (Adv. + Instr.Sg.)
kaunteya
oh Kaunteya (Vok.Sg.)
vāgdoṣād devatājñayā
wegen des Fehlers der Rede, auf Geheiß der Götter (Abl.Sg. + Instr.Sg.)
prāptā gatir
wurde ein Weg erlangt (Nom.Sg.PPP + Nom.Sg.)
ayajvārhā
der einem Nichtopfernden nicht zukäme (Nom.Sg.Adj.)
dvijaśāpān mahātmanā
infolge des Fluches der Zweifachgeborenen, vom Großherzigen (Abl. + Instr.Sg.)

kevalaṃ puruṣas tena sevito harir īśvaraḥ; tataḥ śīghraṃ jahau śāpaṃ brahmalokam avāpa ca

Allein weil von ihm der höchste Herr Hari verehrt worden war, legte er deshalb rasch den Fluch ab und erlangte die Welt Brahmans.

Wort für Wort
kevalaṃ puruṣas
allein der höchste Geist (Adv. + Nom.Sg.)
tena sevito harir īśvaraḥ
wurde von ihm verehrt, der Herr Hari (Instr.Sg. + Nom.Sg.PPP + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
tataḥ śīghraṃ
deshalb rasch (Adv. + Adv.)
jahau śāpaṃ
legte er den Fluch ab (3.Sg.Perf. + Akk.Sg.)
brahmalokam avāpa ca
und erlangte die Welt Brahmans (Akk.Sg. + 3.Sg.Perf.)

etat te sarvam ākhyātaṃ te bhūtā mānavā yathā; nārado 'pi yathā śvetaṃ dvīpaṃ sa gatavān ṛṣiḥ; tat te sarvaṃ pravakṣyāmi śṛṇuṣvaikamanā nṛpa

Dies alles wurde dir erzählt, wie jene [Götter] zu Menschen wurden, und wie auch der Seher Nārada zur Weißen Insel gegangen ist. Dies alles werde ich dir vollständig verkünden – höre, o König, mit gesammeltem Sinn!

Wort für Wort
etat te sarvam ākhyātaṃ
dies alles wurde dir erzählt (Nom. + Dat. + Nom. + Nom.Sg.PPP)
te bhūtā mānavā yathā
wie jene, zu Menschen geworden (Nom.Pl. + Nom.Pl.PPP + Nom.Pl. + Adv.)
nārado 'pi yathā
und wie auch Nārada (Nom.Sg. + Adv. + Adv.)
śvetaṃ dvīpaṃ
zur weißen Insel (Akk.Sg.)
sa gatavān ṛṣiḥ
jener Seher gegangen ist (Nom.Sg. + Nom.Sg.PPP + Nom.Sg.)
tat te sarvaṃ pravakṣyāmi
dies alles werde ich dir verkünden (Akk. + Dat. + Akk. + 1.Sg.Fut.)
śṛṇuṣvaikamanā nṛpa
höre mit gesammeltem Sinn, oh König (2.Sg.Imp.Med. + Nom.Sg.Adj. + Vok.Sg.)

Überleitung zur folgenden Nārada-Śvetadvīpa-Erzählung; 'bhūtā mānavā' spielt auf die Vorstellung an, dass Götter(-Anteile) als Menschen geboren wurden.

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