Kapitel 281: dharmārjanaṛṇamokṣopadeśaḥ
Parāśaras Belehrung über rechten Erwerb, Gaben, die Schulden des Menschen und die Verehrung des Dharma
Beginn der Unterweisung Parāśaras (Parāśaragītā) im Śāntiparvan: Reichtum soll nur rechtmäßig erworben und im Dienst des Dharma verwendet werden; der Mensch tilgt seine Schulden gegenüber Göttern, Ahnen, Sehern, Gästen und Dienern durch Opfer, Gaben und Pflichterfüllung.
gauraveṇa parityaktaṃ niḥsnehaṃ parivarjayet; sodaryaṃ bhrātaram api kim utānyaṃ pṛthagjanam
Wer aus [bloßer] Ehrerbietung verlassen wurde und ohne Zuneigung ist, den meide man [?] – selbst einen leiblichen Bruder, geschweige denn einen anderen, gewöhnlichen Menschen.
Wort für Wort
gauraveṇa parityaktam
aus Ehrerbietung verlassen (Instr./Part. Pass. Akk.)
niḥsnehaṃ parivarjayet
ohne Zuneigung [Seienden] meide man (Akk./Opt. 3.Sg.)
sodaryaṃ bhrātaram api
selbst einen leiblichen Bruder (Akk.)
kim uta anyaṃ pṛthagjanam
geschweige denn einen anderen gewöhnlichen Menschen (Akk.)
Syntax von gauraveṇa parityaktam niḥsnehaṃ unsicher: auch „einen, der aus Achtung [oder: Gewichtigkeit] aufgegeben ist und lieblos ist“.
viśiṣṭasya viśiṣṭāc ca tulyau dānapratigrahau; tayoḥ puṇyataraṃ dānaṃ tad dvijasya prayacchataḥ
Geben und Annehmen sind gleichwertig, [ob] von einem Vorzüglichen oder an einen Vorzüglichen; von beiden ist das Geben verdienstvoller, und zwar das [Geben] dessen, der einem Zweimalgeborenen gibt.
Wort für Wort
viśiṣṭasya viśiṣṭāt ca
eines Vorzüglichen und von einem Vorzüglichen (Gen./Abl.)
tulyau dānapratigrahau
gleichwertig Geben und Annehmen (Nom. Du.)
tayoḥ puṇyataraṃ dānam
von beiden verdienstvoller das Geben (Gen. Du./Nom.)
tat dvijasya prayacchataḥ
das des einem Zweimalgeborenen Gebenden (Gen./Part. Präs. Gen.)
Wer das Dharma sucht, soll nicht durch grausames Tun Reichtum erwerben; nach Kräften soll er alle Aufgaben erfüllen, [aber] nicht an Wohlstand [dabei] denken [?].
Wort für Wort
na dharmārthī
nicht der Dharma-Suchende (Nom.)
nṛśaṃsena karmaṇā
durch grausames Tun (Instr.)
dhanam arjayet
Reichtum erwerben soll er (Akk./Opt. 3.Sg.)
śaktitaḥ sarvakāryāṇi kuryāt
nach Kraft alle Aufgaben soll er tun (Abl.-Adv./Akk. Pl./Opt.)
na ṛddhim anusmaret
nicht an Wohlstand soll er denken (Akk./Opt. 3.Sg.)
narddhim = na ṛddhim; Sinn des Halbverses unsicher.
Den Göttern, Gästen, Dienern, ebenso den Ahnen und sich selbst gegenüber wird der Sterbliche zum Schuldner; daher soll er zur Schuldlosigkeit gelangen.
Wort für Wort
devatātithibhṛtyebhyaḥ
den Göttern, Gästen, Dienern gegenüber (Dat./Abl. Pl.)
pitṛbhyaḥ atha ātmanaḥ tathā
den Ahnen, dann sich selbst ebenso (Abl. Pl./Gen.)
ṛṇavān jāyate martyaḥ
verschuldet wird der Sterbliche (Nom./Präs. Med. 3.Sg.)
tasmāt anṛṇatāṃ vrajet
daher gelange er zur Schuldenfreiheit (Akk./Opt. 3.Sg.)
svādhyāyena maharṣibhyo devebhyo yajñakarmaṇā; pitṛbhyaḥ śrāddhadānena nṛṇām abhyarcanena ca
[Er löse die Schuld] durch Selbststudium gegenüber den großen Sehern, durch Opferwerk gegenüber den Göttern, durch Śrāddha-Gaben gegenüber den Ahnen und durch Bewirtung gegenüber den Menschen.
Wort für Wort
svādhyāyena maharṣibhyaḥ
durch Selbststudium den großen Sehern (Instr./Dat.)
devebhyaḥ yajñakarmaṇā
den Göttern durch Opferwerk (Dat./Instr.)
pitṛbhyaḥ śrāddhadānena
den Ahnen durch Śrāddha-Gabe (Dat./Instr.)
nṛṇām abhyarcanena ca
und den Menschen durch Bewirtung (Gen. Pl./Instr.)
Verbum (etwa „tilgen“) ist aus Vers 9 zu ergänzen.
Durch das Verwenden dessen, was von der Rede übrig bleibt [?], und durch den Schutz seiner selbst; und [wer so handelt,] soll dem Gefolge der Diener gegenüber von Anfang an gebührend das Dharma erfüllen wollen.
Wort für Wort
vācaḥ śeṣāvahāryeṇa
durch [Verwendung] des Rests der Rede [?] (Gen./Instr.)
pālanena ātmanaḥ api ca
und durch Schutz auch seiner selbst (Instr./Gen.)
yathāvat bhṛtyavargasya
der Dienerschaft gegenüber gebührend (Adv./Gen.)
cikīrṣet dharmam āditaḥ
wünschen soll er zu tun das Dharma von Anfang an (Desid. Opt. 3.Sg./Akk./Adv.)
śeṣāvahāryeṇa ist unklar; wörtlich etwa „durch das, was als Rest der Rede fortzutragen ist“.
viśvāmitrasya putratvam ṛcīkatanayo 'gamat; ṛgbhiḥ stutvā mahābhāgo devān vai yajñabhāginaḥ
Den Status als Sohn Viśvāmitras erlangte der Sohn des Ṛcīka, der Hochgesegnete, nachdem er mit Ṛc-Versen die Götter, die Anteilhaber am Opfer, gepriesen hatte.
Wort für Wort
viśvāmitrasya putratvam
der Sohnesstand des Viśvāmitra (Gen./Akk.)
ṛcīkatanayaḥ agamat
der Sohn des Ṛcīka erlangte (Nom./Aor. 3.Sg.)
ṛgbhiḥ stutvā
mit Ṛc-Versen gepriesen habend (Instr. Pl./Abs.)
mahābhāgaḥ devān vai yajñabhāginaḥ
der Hochgesegnete, die Götter, die Opferanteilhaber (Nom./Akk. Pl.)
anarhāś cārhatāṃ prāptāḥ santaḥ stutvā tam eva ha; na tu vṛddhim ihānvicchet karma kṛtvā jugupsitam
Auch Unwürdige gelangten zur Würde, indem sie als Gute eben ihn priesen. Man soll aber hier nicht Wohlstand suchen, nachdem man eine verwerfliche Tat getan hat.
Wort für Wort
anarhāḥ ca arhatām prāptāḥ
Unwürdige gelangten zur Würdigkeit (Nom. Pl./Akk./Part.)
santaḥ stutvā tam eva ha
als Gute jenen eben gepriesen habend (Nom. Pl./Abs./Akk.)
na tu vṛddhim iha anvicchet
nicht aber Wachstum/Wohlstand hier suche man (Akk./Opt. 3.Sg.)
karma kṛtvā jugupsitam
eine Tat getan habend, eine verwerfliche (Akk./Abs./Part.)
ye 'rthā dharmeṇa te satyā ye 'dharmeṇa dhig astu tān; dharmaṃ vai śāśvataṃ loke na jahyād dhanakāṅkṣayā
Die Güter, die durch Dharma [erlangt sind], die sind wahrhaft [Güter]; die aber durch Adharma – pfui über sie! Das ewige Dharma soll man in der Welt nicht aufgeben aus Begierde nach Reichtum.
Wort für Wort
ye arthāḥ dharmeṇa te satyāḥ
die Güter, die durch Dharma, die sind wahr (Nom. Pl./Instr.)
ye adharmeṇa dhik astu tān
die durch Adharma – Schande sei über sie (Instr./Akk. Pl./Imp.)
dharmaṃ vai śāśvataṃ loke
das ewige Dharma in der Welt (Akk./Lok.)
na jahyāt dhanakāṅkṣayā
man gebe nicht auf aus Reichtumsgier (Opt. 3.Sg./Instr.)
sa cāpy agnyāhito vipraḥ kriyā yasya na hīyate; śreyo hy anāhitāgnitvam agnihotraṃ na niṣkriyam
Auch der ist ein Brahmane, der die Feuer gegründet hat, dessen Ritualhandlung nicht abnimmt; besser ist es, kein Feuergründer zu sein, als ein untätiges Agnihotra [zu haben].
Wort für Wort
saḥ ca api agnyāhitaḥ vipraḥ
und auch der ist ein Feuergründer-Brahmane (Nom.)
kriyā yasya na hīyate
dessen Ritual nicht abnimmt (Nom./Gen./Pass. 3.Sg.)
śreyaḥ hi anāhitāgnitvam
besser ist das Nicht-Feuergründer-Sein (Nom. n.)
agnihotram na niṣkriyam
[als] ein Agnihotra, das nicht untätig [ist]... [?]
Der zweite Halbvers ist knapp; die Ergänzung „als ein untätiges Agnihotra“ folgt dem Sinnzusammenhang.
agnir ātmā ca mātā ca pitā janayitā tathā; guruś ca naraśārdūla paricaryā yathātatham
Das Feuer, das Selbst, die Mutter, der Vater und ebenso der Erzeuger, der Lehrer – o Tiger unter den Männern: Ihnen gebührt Dienst, wie es sich gehört.
Wort für Wort
agniḥ ātmā ca mātā ca
das Feuer, das Selbst und die Mutter (Nom.)
pitā janayitā tathā
der Vater, ebenso der Erzeuger (Nom.)
guruḥ ca naraśārdūla
und der Lehrer, o Tiger unter den Männern (Nom./Vok.)
mānaṃ tyaktvā yo naro vṛddhasevī; vidvān klībaḥ paśyati prītiyogāt; dākṣyeṇāhīno dharmayukto nadānto; loke 'smin vai pūjyate sadbhir āryaḥ
Der Mann, der den Stolz abgelegt hat und Älteren dient, gelehrt, [gleichsam] ein Unmännlicher, sieht aus Zuneigung [?]; nicht ohne Geschick, dharmagebunden, [selbst]bezwungen [?] – ein solcher Edler wird in dieser Welt von den Guten verehrt.
Wort für Wort
mānaṃ tyaktvā yaḥ naraḥ
der Mann, der Stolz aufgegeben hat (Akk./Abs./Nom.)
vṛddhasevī
der den Alten dient (Nom.)
vidvān klībaḥ paśyati prītiyogāt
der Gelehrte, wie ein Unmännlicher, sieht aus Zuneigung [?] (Nom./Präs. 3.Sg./Abl.)
dākṣyeṇa ahīnaḥ dharmayuktaḥ
nicht ohne Geschick, dharmagebunden (Instr./Nom.)
na dāntaḥ [?]
[unklar:] nicht/ bezähmt (Nom.)
loke asmin vai pūjyate sadbhiḥ āryaḥ
in dieser Welt wird von den Guten der Edle verehrt (Lok./Pass. 3.Sg./Instr./Nom.)
Verderbter/unklarer Text (klībaḥ paśyati; nadāntaḥ). Übersetzung tentativ.