Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 192: jāpakopākhyāne jāpakasya kālamṛtyudharmādibhiḥ saha vivādaḥ Der Murmelbeter-Brāhmaṇa und der Streit um den Lohn seines Japa mit Ikṣvāku vor Dharma, Kāla und Mṛtyu

Bhīṣma erzählt auf Yudhiṣṭhiras Bitte die Geschichte des Japa-Übenden Paippalādi Kauśika, dem Sāvitrī einen Aufstieg zum Brahman-Ort verheißt, und seines Streits mit König Ikṣvāku, Dharma, Kāla, Mṛtyu und Yama über den Lohn des Murmelns; sie stellt das Japa als Weg zur höchsten Gelangung dar.

yudhiṣṭhira uvāca; kālamṛtyuyamānāṃ ca brāhmaṇasya ca sattama; vivādo vyāhṛtaḥ pūrvaṃ tad bhavān vaktum arhati

Yudhiṣṭhira sprach: Der Streit zwischen Kāla, Mṛtyu und Yama einerseits und einem Brāhmaṇa andererseits, du Bester [der Männer], wurde früher erwähnt; davon möge der Herr [nun] erzählen.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
kālamṛtyuyamānāṃ ca brāhmaṇasya ca
der Kāla, Mṛtyu und Yama [einerseits] und des Brāhmaṇa [andererseits] (Gen.; Dvandva-Kompositum)
sattama
du Bester (Vok.)
vivādo vyāhṛtaḥ pūrvam
der Streit wurde früher erwähnt (Nom.Sg.m./Part.Pass./Adv.)
tad bhavān vaktum arhati
das möge Euer Gnaden sagen (Inf.; 3.Sg.Präs.)

kālamṛtyuyamānām: mit gestützter Lesart als Gen.Pl. eines Dvandva aufgefasst [?].

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; ikṣvākoḥ sūryaputrasya yad vṛttaṃ brāhmaṇasya ca

Bhīṣma sprach: Hierzu erzählt man diese alte Geschichte, nämlich was dem Ikṣvāku, dem Sohn der Sonne, und einem Brāhmaṇa widerfuhr.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.3.Sg.)
atrāpy udāharanti imam itihāsaṃ purātanam
auch hierzu führt man diese alte Erzählung an (3.Pl.Präs./Akk.Sg.n.)
ikṣvākoḥ sūryaputrasya
des Ikṣvāku, des Sonnensohnes (Gen.Sg.)
yad vṛttaṃ brāhmaṇasya ca
was sich ereignete, und [was] des Brāhmaṇa [Ereignis war] (Part.Pass./Gen.Sg.)

kālasya mṛtyoś ca tathā yad vṛttaṃ tan nibodha me; yathā sa teṣāṃ saṃvādo yasmin sthāne 'pi cābhavat

Vernimm von mir, was sich mit Kāla und Mṛtyu zutrug, und wie es zu ihrem Gespräch kam und an welchem Ort es stattfand.

Wort für Wort
kālasya mṛtyoś ca tathā
des Kāla und des Mṛtyu ebenso (Gen.Sg.)
yad vṛttaṃ tan nibodha me
was sich zutrug, das vernimm von mir (Imp.2.Sg.)
yathā sa teṣāṃ saṃvādaḥ
wie jenes Gespräch von ihnen [entstand] (Nom.Sg./Gen.Pl.)
yasmin sthāne 'pi ca abhavat
und an welchem Ort es stattfand (Lok.Sg./Impf.3.Sg.)

yenaiva kāraṇenātra dharmavādasamanvitaḥ

Aus eben dem Grund, weshalb [das Gespräch] hier mit Reden über das Dharma verbunden war [Anm.: Halbvers ohne Anschluss, nur in einem Teil der Handschriften].

Wort für Wort
yena eva kāraṇena
aus eben dem Grunde, durch den (Instr.Sg.)
atra
hier (Adv.)
dharmavādasamanvitaḥ
mit Dharma-Rede verbunden (Nom.Sg.m., Kompositum)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, einzeln kaum verständlich; Bezug (Gespräch) ergänzt.

brāhmaṇo jāpakaḥ kaś cid dharmavṛtto mahāyaśāḥ; ṣaḍaṅgavin mahāprājñaḥ paippalādiḥ sa kauśikaḥ

Es gab einen Brāhmaṇa, einen Murmelbeter [Japa-Übenden], der im Dharma lebte und von großem Ruhm war, kundig der sechs Glieder [des Veda], hochweise, Paippalādi aus dem Geschlecht der Kauśika.

Wort für Wort
brāhmaṇo jāpakaḥ kaś cid
ein gewisser Brāhmaṇa, Murmelbeter (Nom.Sg.)
dharmavṛtto mahāyaśāḥ
im Dharma wandelnd, von großem Ruhm (Nom.Sg., Kompositum)
ṣaḍaṅgavin mahāprājñaḥ
kundig der sechs Vedāṅgas, hochweise (Nom.Sg.)
paippalādiḥ sa kauśikaḥ
Paippalādi, jener Kauśika (Nom.Sg., Patronym)

tasyāparokṣaṃ vijñānaṃ ṣaḍaṅgeṣu tathaiva ca; vedeṣu caiva niṣṇāto himavatpādasaṃśrayaḥ

Ihm war unmittelbares Wissen um die sechs Glieder eigen, und ebenso war er in den Veden bewandert; er hatte am Fuß des Himavat Zuflucht genommen.

Wort für Wort
tasya aparokṣaṃ vijñānam
ihm [war] unmittelbares Wissen (Gen./Nom.Sg.n.)
ṣaḍaṅgeṣu tathaiva ca
in den sechs Gliedern und ebenso (Lok.Pl.)
vedeṣu ca eva niṣṇātaḥ
und in den Veden bewandert (Lok.Pl./Part.Pass.)
himavatpādasaṃśrayaḥ
der am Fuß des Himavat Zuflucht nahm (Nom.Sg.m., Kompositum)

so 'ntyaṃ brāhmaṃ tapas tepe saṃhitāṃ saṃyato japan; tasya varṣasahasraṃ tu niyamena tathā gatam

Er übte höchste, auf Brahman gerichtete Askese und murmelte gesammelt die Saṃhitā [den Text]; tausend Jahre vergingen ihm so in strenger Zucht.

Wort für Wort
so 'ntyaṃ brāhmaṃ tapas tepe
er übte die höchste brahmische Askese (Perf.3.Sg.)
saṃhitāṃ saṃyato japan
gezügelt die Saṃhitā murmelnd (Part.Präs., Nom.Sg.)
tasya varṣasahasraṃ tu
ihm aber tausend Jahre (Akk.Sg.n.)
niyamena tathā gatam
in Zucht so vergangen (Instr.Sg./Part.Pass.)

antyam: ‚äußerste, höchste‘ (nicht ‚letzte‘) [?]; saṃhitā = die als Japa gemurmelte Saṃhitā (vermutlich Sāvitrī/Gāyatrī-Text).

sa devyā darśitaḥ sākṣāt prītāsmīti tadā kila; japyam āvartayaṃs tūṣṇīṃ na ca tāṃ kiṃ cid abravīt

Da erschien ihm die Göttin leibhaftig, [sprechend:] „Ich bin erfreut“, so heißt es; er aber wiederholte still sein Murmelgebet und sagte zu ihr gar nichts.

Wort für Wort
sa devyā darśitaḥ sākṣāt
er wurde von der Göttin leibhaftig [besucht]/ihm zeigte sich die Göttin (Instr./Part.Pass.)
prītā asmi iti tadā kila
„Ich bin erfreut“, so [sagte sie] damals, wie es heißt (1.Sg.Präs.)
japyam āvartayan tūṣṇīm
das Murmelgebet wiederholend, schweigend (Part.Präs./Adv.)
na ca tāṃ kiṃ cid abravīt
und sagte zu ihr nichts (Impf.3.Sg.)

darśitaḥ sa devyā: wörtlich ‚er wurde von der Göttin gezeigt/sichtbar gemacht‘; sinngemäß wiedergegeben [?].

tasyānukampayā devī prītā samabhavat tadā; vedamātā tatas tasya taj japyaṃ samapūjayat

Aus Mitleid mit ihm wurde die Göttin da wohlgesinnt; die Mutter der Veden ehrte darauf sein Murmelgebet.

Wort für Wort
tasya anukampayā devī
aus Mitleid mit ihm die Göttin (Instr.Sg./Nom.Sg.)
prītā samabhavat tadā
wurde erfreut damals (Part.Pass./Impf.3.Sg.)
vedamātā tatas tasya
die Veda-Mutter darauf seines (Nom.Sg./Gen.)
taj japyaṃ samapūjayat
ehrte jenes Murmelgebet (Impf.3.Sg.)

caturbhir akṣarair yuktā somapāne 'kṣarāṣṭakā; jagadbījasamāyuktā caturviṃśākṣarātmikā

Sie ist mit vier Silben verbunden, beim Somatrunk aus acht Silben bestehend [je Pāda], mit dem Samen der Welt vereint, ihrem Wesen nach aus vierundzwanzig Silben. [Anm.: Anspielung auf die Gāyatrī.]

Wort für Wort
caturbhir akṣarair yuktā
mit vier Silben verbunden (Instr.Pl./Part.Pass.f.)
somapāne 'kṣarāṣṭakā
beim Somatrunk aus acht Silben [bestehend] (Lok.Sg./Kompositum)
jagadbījasamāyuktā
mit dem Samen der Welt vereint (Nom.Sg.f.)
caturviṃśākṣarātmikā
vierundzwanzig Silben zum Wesen habend (Nom.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Gāyatrī-Beschreibung (3×8=24 Silben); Zusammenhang des ‚Somatrunk‘-Kompositums unsicher [?].

samāptajapyas tūtthāya śirasā pādayos tathā; papāta devyā dharmātmā vacanaṃ cedam abravīt

Als das Murmelgebet vollendet war, stand er auf und fiel mit dem Haupt zu den Füßen der Göttin nieder; der im Dharma Gesinnte sprach dann dieses Wort.

Wort für Wort
samāptajapyas tu utthāya
der sein Murmeln beendet hatte, stand aber auf (Kompositum/Abs.)
śirasā pādayos tathā
mit dem Haupt zu ihren Füßen ebenso (Instr./Lok.Du.)
papāta devyā
er fiel nieder [vor] der Göttin (Perf.3.Sg.)
dharmātmā vacanaṃ ca idam abravīt
der dharmagesinnte sprach dieses Wort (Impf.3.Sg.)

diṣṭyā devi prasannā tvaṃ darśanaṃ cāgatā mama; yadi vāpi prasannāsi japye me ramatāṃ manaḥ

„Glücklicherweise, Göttin, bist du gnädig gestimmt und zu meinem Anblick gekommen; und wenn du wirklich gnädig bist, so möge mein Geist Freude am Murmelgebet finden.“

Wort für Wort
diṣṭyā devi prasannā tvam
Zum Glück, Göttin, bist du gnädig (Vok./Nom.f.)
darśanaṃ ca āgatā mama
und zum Anblick von mir gekommen (Akk./Part.Pass.f.)
yadi vā api prasannā asi
und wenn du wirklich gnädig bist (2.Sg.Präs.)
japye me ramatāṃ manaḥ
am Murmelgebet möge mein Geist sich erfreuen (Lok./Imp.3.Sg.Med.)

sāvitry uvāca; kiṃ prārthayasi viprarṣe kiṃ ceṣṭaṃ karavāṇi te; prabrūhi japatāṃ śreṣṭha sarvaṃ tat te bhaviṣyati

Sāvitrī sprach: „Was begehrst du, Brahmanen-Seher? Was Gewünschtes soll ich dir tun? Sprich, du Bester der Murmelbeter; alles das wird dir zuteil werden.“

Wort für Wort
sāvitry uvāca
Sāvitrī sprach (Perf.3.Sg.)
kiṃ prārthayasi viprarṣe
was erbittest du, Brahmanen-Seher (2.Sg.Präs./Vok.)
kiṃ ca iṣṭaṃ karavāṇi te
und was Gewünschtes soll ich dir tun (Konj.1.Sg.)
prabrūhi japatāṃ śreṣṭha
sprich, du Bester der Murmelnden (Imp./Gen.Pl.Part.)
sarvaṃ tat te bhaviṣyati
all das wird dir werden (Fut.3.Sg.)

bhīṣma uvāca; ity uktaḥ sa tadā devyā vipraḥ provāca dharmavit; japyaṃ prati mameccheyaṃ vardhatv iti punaḥ punaḥ

Bhīṣma sprach: So von der Göttin angesprochen, sagte der dharmakundige Brāhmaṇa: „Mein Wunsch geht auf das Murmelgebet: es möge immer wieder wachsen.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
ity uktaḥ sa tadā devyā
so angesprochen da von der Göttin (Part.Pass./Instr.)
vipraḥ provāca dharmavit
der Brāhmaṇa sprach, der Dharma-Kundige (Perf.3.Sg.)
japyaṃ prati mama iccheyam
in Bezug aufs Murmelgebet wäre mein Wunsch (Opt.1.Sg.)
vardhatv iti punaḥ punaḥ
es möge wachsen, immer wieder (Imp.3.Sg.)

manasaś ca samādhir me vardhetāhar ahaḥ śubhe; tat tatheti tato devī madhuraṃ pratyabhāṣata

„Und meine geistige Sammlung möge Tag für Tag wachsen, du Glückverheißende.“ „So sei es“, antwortete die Göttin darauf sanft.

Wort für Wort
manasaś ca samādhir me
und die Sammlung des Geistes mir (Gen./Nom.Sg.)
vardheta ahar ahaḥ śubhe
möge wachsen Tag für Tag, du Glückliche (Opt.3.Sg.Med./Vok.)
tat tathā iti tato devī
„Das [sei] so“, darauf die Göttin (Adv./Nom.)
madhuraṃ pratyabhāṣata
antwortete sanft (Impf.3.Sg.Med.)

idaṃ caivāparaṃ prāha devī tatpriyakāmyayā; nirayaṃ naiva yātāsi yatra yātā dvijarṣabhāḥ

Und noch dies Weitere sagte die Göttin, ihm zuliebe: „Du wirst nicht in die Hölle gelangen, wohin [andere] Zweimalgeborene gehen.

Wort für Wort
idaṃ ca eva aparaṃ prāha devī
und dies noch weiter sprach die Göttin (Perf.3.Sg.)
tatpriyakāmyayā
aus dem Wunsch, ihm Freude zu bereiten (Instr.Sg.)
nirayaṃ na eva yātā asi
in die Hölle wirst du nicht gehen (Periphr.Fut.2.Sg.)
yatra yātā dvijarṣabhāḥ
wohin gegangen sind Stiere unter den Zweimalgeborenen (Part.Pass./Nom.Pl.)

yātā asi: periphrastisches Futur (‚du wirst gehen‘) [?]; Vers ist in den Handschriften nicht eindeutig; sinngemäß.

yāsyasi brahmaṇaḥ sthānam animittam aninditam; sādhaye bhavitā caitad yat tvayāham ihārthitā

Du wirst zum Ort Brahmans gelangen, ursachelos und untadelig. Ich werde es vollbringen, und es wird geschehen, worum du mich hier gebeten hast.

Wort für Wort
yāsyasi brahmaṇaḥ sthānam
du wirst gelangen zum Ort Brahmans (Fut.2.Sg.)
animittam aninditam
ohne Anlass/Ursache, untadelig (Akk.Sg.n.)
sādhaye
ich werde vollbringen (1.Sg.Präs. mit Fut.-Sinn)
bhavitā ca etad
und dies wird sein (Fut.3.Sg.)
yat tvayā aham ihārthitā
was von dir ich hier erbeten wurde (Instr./Part.Pass.f.)

animittam: ‚ohne äußeren Anlass‘, hier als Attribut des Brahman-Ortes gefasst [?].

niyato japa caikāgro dharmas tvāṃ samupaiṣyati; kālo mṛtyur yamaś caiva samāyāsyanti te 'ntikam; bhavitā ca vivādo 'tra tava teṣāṃ ca dharmataḥ

Bleib beständig, gesammelt und murmle weiter; das Dharma wird dich erreichen. Kāla, Mṛtyu und Yama werden zu dir kommen, und ihr [alle] werdet einen Streit über das Dharma haben.“

Wort für Wort
niyato japa ca ekāgraḥ
beherrscht und gesammelt murmle (Imp.2.Sg.)
dharmas tvāṃ samupaiṣyati
das Dharma wird dich erreichen (Fut.3.Sg.)
kālo mṛtyur yamaś ca eva
Kāla, Mṛtyu und Yama ebenso (Nom.Sg.)
samāyāsyanti te 'ntikam
werden herankommen in deine Nähe (Fut.3.Pl.)
bhavitā ca vivādo 'tra
und ein Streit wird hier sein (Fut.3.Sg.)
tava teṣāṃ ca dharmataḥ
zwischen dir und ihnen wegen des Dharma (Gen./Abl.)

evam uktvā bhagavatī jagāma bhavanaṃ svakam; brāhmaṇo 'pi japann āste divyaṃ varṣaśataṃ tadā

Nach diesen Worten ging die Erhabene in ihre Wohnstatt; der Brāhmaṇa aber blieb da und murmelte ein göttliches Jahrhundert lang.

Wort für Wort
evam uktvā bhagavatī
so gesprochen habend, die Erhabene (Abs./Nom.f.)
jagāma bhavanaṃ svakam
ging zu ihrer Wohnstatt (Perf.3.Sg.)
brāhmaṇo 'pi japann āste
der Brāhmaṇa aber sitzt/blieb murmelnd (Part.Präs./3.Sg.Präs.)
divyaṃ varṣaśataṃ tadā
ein göttliches Jahrhundert damals (Akk.Sg.n.)

sadā dānto jitakrodhaḥ satyasaṃdho 'nasūyakaḥ

Stets bezähmt, den Zorn besiegt, der Wahrheit verpflichtet, ohne Missgunst.

Wort für Wort
sadā dāntaḥ
stets bezähmt (Nom.Sg.m.)
jitakrodhaḥ
der den Zorn besiegt hat (Kompositum)
satyasaṃdhaḥ
der Wahrheit verpflichtet (Kompositum)
anasūyakaḥ
ohne Missgunst (Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Halbvers, Attribute zum Brāhmaṇa).

samāpte niyame tasminn atha viprasya dhīmataḥ; sākṣāt prītas tadā dharmo darśayām āsa taṃ dvijam

Als dieses Gelübde zu Ende war, zeigte sich dem weisen Brāhmaṇa da das Dharma selbst, erfreut, dem Zweimalgeborenen.

Wort für Wort
samāpte niyame tasmin
als jenes Gelübde beendet war (Lok. absolutus)
atha viprasya dhīmataḥ
da dem weisen Brāhmaṇa (Gen./Dat.-Sinn)
sākṣāt prītas tadā dharmaḥ
leibhaftig erfreut da das Dharma (Nom.Sg.)
darśayām āsa taṃ dvijam
zeigte sich jenem Zweimalgeborenen (Perf.Kaus.3.Sg.)

dharma uvāca; dvijāte paśya māṃ dharmam ahaṃ tvāṃ draṣṭum āgataḥ; japyasya ca phalaṃ yat te saṃprāptaṃ tac ca me śṛṇu

Dharma sprach: „Sieh mich, Zweimalgeborener, das Dharma! Ich bin gekommen, dich zu sehen; und höre den Lohn deines Murmelgebets, der dir zuteil geworden ist.

Wort für Wort
dharma uvāca
Dharma sprach
dvijāte paśya māṃ dharmam
Zweimalgeborener, sieh mich, das Dharma (Vok./Imp./Akk.)
aham tvāṃ draṣṭum āgataḥ
ich bin gekommen, dich zu sehen (Inf./Part.Pass.)
japyasya ca phalaṃ yat te saṃprāptam
und den Lohn des Murmelns, der dir zuteil wurde (Gen./Akk./Part.Pass.)
tac ca me śṛṇu
und diesen höre von mir (Imp.2.Sg.)

jitā lokās tvayā sarve ye divyā ye ca mānuṣāḥ; devānāṃ nirayān sādho sarvān utkramya yāsyasi

Von dir sind alle Welten besiegt, die göttlichen und die menschlichen; du wirst, Guter, alle Höllen der Götter überspringen und hindurchgehen.

Wort für Wort
jitā lokās tvayā sarve
besiegt sind von dir alle Welten (Part.Pass./Instr.)
ye divyā ye ca mānuṣāḥ
die göttlichen und die menschlichen (Nom.Pl.)
devānāṃ nirayān sādho
die Höllen der Götter, Guter (Akk.Pl./Vok.)
sarvān utkramya yāsyasi
alle überschreitend wirst du gehen (Abs./Fut.2.Sg.)

prāṇatyāgaṃ kuru mune gaccha lokān yathepsitān; tyaktvātmanaḥ śarīraṃ ca tato lokān avāpsyasi

Gib den Lebenshauch auf, Weiser, und geh in die Welten, die du wünschst; wenn du deinen Leib verlassen hast, wirst du die Welten erlangen.

Wort für Wort
prāṇatyāgaṃ kuru mune
verlass das Leben, Weiser (Akk./Imp./Vok.)
gaccha lokān yathā īpsitān
geh in die Welten, wie gewünscht (Imp./Akk.Pl./Part.)
tyaktvā ātmanaḥ śarīraṃ ca
und den eigenen Leib verlassen habend (Abs./Gen./Akk.)
tato lokān avāpsyasi
dann wirst du die Welten erlangen (Fut.2.Sg.)

brāhmaṇa uvāca; kṛtaṃ lokair hi me dharma gaccha ca tvaṃ yathāsukham; bahuduḥkhasukhaṃ dehaṃ notsṛjeyam ahaṃ vibho

Der Brāhmaṇa sprach: „Was soll ich mit Welten, Dharma? Geh nur, wie es dir beliebt; einen Körper voll von vielem Leid und Glück gebe ich nicht auf, Herr.“

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
kṛtaṃ lokair hi me dharma
genug mit Welten für mich, Dharma (Instr.Pl./Vok.)
gaccha ca tvaṃ yathāsukham
und geh du nach Belieben (Imp.)
bahuduḥkhasukhaṃ dehaṃ
den Körper mit viel Leid und Glück (Akk.Sg.m.)
na utsṛjeyam aham vibho
ich möchte nicht aufgeben, Herr (Opt.1.Sg./Vok.)

acalaṃ te manaḥ kṛtvā tyaja dehaṃ mahāmate; anena kiṃ te saṃyogaḥ kathaṃ mohaṃ gamiṣyasi

Mach deinen Geist fest und gib den Leib auf, du Hochsinniger; was bindet dich daran? Wie kannst du der Verblendung verfallen?

Wort für Wort
acalaṃ te manaḥ kṛtvā
deinen Geist unerschütterlich gemacht habend (Abs.)
tyaja dehaṃ mahāmate
gib den Leib auf, Hochgesinnter (Imp./Vok.)
anena kiṃ te saṃyogaḥ
was ist dein Bund mit diesem [Leib] (Instr./Nom.)
kathaṃ mohaṃ gamiṣyasi
wie wirst du in Verblendung geraten (Fut.2.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Sprecherzuordnung (Dharma) nach Zusammenhang [?].

dharma uvāca; avaśyaṃ bhoḥ śarīraṃ te tyaktavyaṃ munipuṃgava; svarga ārohyatāṃ vipra kiṃ vā te rocate 'nagha

Dharma sprach: „Du musst unweigerlich deinen Leib verlassen, Stier unter den Weisen. Steige zum Himmel auf, Brāhmaṇa; oder was gefällt dir, Makelloser?“

Wort für Wort
dharma uvāca
Dharma sprach
avaśyaṃ bhoḥ śarīraṃ te tyaktavyam
unweigerlich, Herr, ist dein Leib zu verlassen (Gerundiv)
munipuṃgava
Stier unter den Weisen (Vok.)
svarga ārohyatām vipra
zum Himmel möge aufgestiegen werden, Brāhmaṇa (Imp.Pass.)
kiṃ vā te rocate 'nagha
oder was gefällt dir, Sündloser (3.Sg.Präs./Vok.)

brāhmaṇa uvāca; na rocaye svargavāsaṃ vinā dehād ahaṃ vibho; gaccha dharma na me śraddhā svargaṃ gantuṃ vinātmanā

Der Brāhmaṇa sprach: „Ich mag keinen Aufenthalt im Himmel ohne den Körper, Herr. Geh, Dharma; ich habe keine Lust, ohne mein Selbst [den Körper] in den Himmel zu gehen.“

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
na rocaye svargavāsaṃ
ich mag keinen Himmelsaufenthalt (1.Sg.Präs.)
vinā dehād aham vibho
ohne Körper ich, Herr (Abl./Vok.)
gaccha dharma
geh, Dharma (Imp./Vok.)
na me śraddhā svargaṃ gantum
ich habe keine Lust, in den Himmel zu gehen (Inf.)
vinā ātmanā
ohne [meinen] Leib/mein Selbst (Instr.)

dharma uvāca; alaṃ dehe manaḥ kṛtvā tyaktvā dehaṃ sukhī bhava; gaccha lokān arajaso yatra gatvā na śocasi

Dharma sprach: „Genug, am Körper zu hängen; verlass den Körper und werde glücklich. Geh in die staubfreien Welten, wo du nach der Ankunft nicht mehr trauerst.“

Wort für Wort
dharma uvāca
Dharma sprach
alaṃ dehe manaḥ kṛtvā
genug, den Sinn auf den Körper gerichtet zu haben (Abs.)
tyaktvā dehaṃ sukhī bhava
den Körper verlassen habend werde glücklich (Abs./Imp.)
gaccha lokān arajasaḥ
geh in die staubfreien Welten (Imp./Akk.Pl.)
yatra gatvā na śocasi
wohin gegangen du nicht trauerst (Abs./2.Sg.Präs.)

brāhmaṇa uvāca; rame japan mahābhāga kṛtaṃ lokaiḥ sanātanaiḥ; saśarīreṇa gantavyo mayā svargo na vā vibho

Der Brāhmaṇa sprach: „Ich habe Freude am Murmeln, Hochgesegneter; genug mit den ewigen Welten. Entweder gehe ich mit dem Körper in den Himmel, oder nicht, Herr.“

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
rame japan mahābhāga
ich freue mich, murmelnd, Hochgesegneter (1.Sg.Med./Part./Vok.)
kṛtaṃ lokaiḥ sanātanaiḥ
genug mit den ewigen Welten (Instr.Pl.)
saśarīreṇa gantavyo mayā svargaḥ
mit dem Körper ist von mir der Himmel zu erreichen (Gerundiv)
na vā vibho
oder nicht, Herr (Vok.)

Zweiter Halbvers elliptisch: ‚Der Himmel ist von mir mit Körper zu betreten – oder gar nicht‘.

evaṃ te kāryasaṃprītir vartate munisattama

So besteht deine Freude an deinem Werk, bester Weiser.

Wort für Wort
evaṃ te kāryasaṃprītiḥ
so [besteht] dein Wohlgefallen an der Sache (Nom.Sg.f.)
vartate munisattama
besteht, bester der Weisen (3.Sg.Präs./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Zusammenhang unklar, Sprecher unsicher [?].

dharma uvāca; yadi tvaṃ necchasi tyaktuṃ śarīraṃ paśya vai dvija; eṣa kālas tathā mṛtyur yamaś ca tvām upāgatāḥ

Dharma sprach: „Wenn du den Körper nicht verlassen willst, dann sieh her, Zweimalgeborener: Kāla, Mṛtyu und Yama sind zu dir gekommen.“

Wort für Wort
dharma uvāca
Dharma sprach
yadi tvaṃ na icchasi tyaktuṃ śarīram
wenn du nicht wünschst, den Körper zu verlassen (Inf.)
paśya vai dvija
sieh fürwahr, Zweimalgeborener (Imp./Vok.)
eṣa kālas tathā mṛtyur
dieser Kāla und Mṛtyu (Nom.Sg.)
yamaś ca tvām upāgatāḥ
und Yama sind zu dir gekommen (Part.Pass.Pl.)

bhīṣma uvāca; atha vaivasvataḥ kālo mṛtyuś ca tritayaṃ vibho; brāhmaṇaṃ taṃ mahābhāgam upāgamyedam abruvan

Bhīṣma sprach: Da traten Vaivasvata [Yama], Kāla und Mṛtyu, diese Dreiheit, Herr, an den hochgesegneten Brāhmaṇa heran und sagten dies.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
atha vaivasvataḥ kālo mṛtyuś ca
da Vaivasvata, Kāla und Mṛtyu (Nom.Sg.)
tritayaṃ vibho
diese Dreiheit, Herr (Nom.Sg.n./Vok.)
brāhmaṇaṃ taṃ mahābhāgam
zu jenem hochgesegneten Brāhmaṇa (Akk.)
upāgamya idam abruvan
herangetreten sprachen sie dies (Abs./Impf.3.Pl.)

tapaso 'sya sutaptasya tathā sucaritasya ca; phalaprāptis tava śreṣṭhā yamo 'haṃ tvām upabruve

„Für diese wohlvollbrachte Askese und deine wohlgeübte Lebensführung ist dir bester Lohn zuteil geworden; ich bin Yama und sage es dir.“

Wort für Wort
tapaso 'sya sutaptasya
dieser wohlgeübten Askese (Gen.Sg.)
tathā sucaritasya ca
und des guten Wandels (Gen.Sg.)
phalaprāptis tava śreṣṭhā
das Erlangen des Lohnes für dich ist das beste (Nom.Sg.f.)
yamo 'haṃ tvām upabruve
Yama bin ich, ich rede dich an (1.Sg.Präs.Med.)

phalaprāptiḥ … śreṣṭhā: sinngemäß ‚trefflicher Lohn ist dir zuteilgeworden‘; Yama als Sprecher (Verse 34–36 als Rede der Reihe nach).

yathāvad asya japyasya phalaṃ prāptas tvam uttamam; kālas te svargam āroḍhuṃ kālo 'haṃ tvām upāgataḥ

„Du hast den höchsten Lohn dieses Murmelgebets gebührend erlangt; es ist Zeit für dich, in den Himmel aufzusteigen: ich bin Kāla und bin zu dir gekommen.“

Wort für Wort
yathāvat asya japyasya
gebührend dieses Murmelgebets (Adv./Gen.)
phalaṃ prāptas tvam uttamam
den höchsten Lohn hast du erlangt (Part.Pass./Akk.)
kālas te svargam āroḍhum
Zeit ist es für dich, zum Himmel aufzusteigen (Inf.)
kālo 'haṃ tvām upāgataḥ
Kāla bin ich, zu dir gekommen (Part.Pass.)

kālaḥ doppeldeutig: ‚die Zeit‘ und der Gott Kāla.

mṛtyuṃ mā viddhi dharmajña rūpiṇaṃ svayam āgatam; kālena coditaṃ vipra tvām ito netum adya vai

„Wisse, Dharmakundiger, ich bin Mṛtyu, leibhaftig gekommen; vom Kāla angetrieben [bin ich da], dich heute von hier fortzuführen, Brāhmaṇa.“

Wort für Wort
mṛtyuṃ mā viddhi dharmajña
erkenne mich als Mṛtyu, Dharmakundiger (Imp./Vok.)
rūpiṇaṃ svayam āgatam
gestalthaft selbst gekommen (Akk.Sg.m.)
kālena coditaṃ vipra
vom Kāla angetrieben, Brāhmaṇa (Part.Pass./Vok.)
tvām ito netum adya vai
dich von hier zu führen heute fürwahr (Inf.)

brāhmaṇa uvāca; svāgataṃ sūryaputrāya kālāya ca mahātmane; mṛtyave cātha dharmāya kiṃ kāryaṃ karavāṇi vaḥ

Der Brāhmaṇa sprach: „Willkommen dem Sohn der Sonne, Kāla, dem Hochgesinnten, und Mṛtyu und Dharma! Was kann ich für euch tun?“

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
svāgataṃ sūryaputrāya kālāya ca mahātmane
willkommen dem Sonnensohn und dem hochgesinnten Kāla (Dat.)
mṛtyave ca atha dharmāya
und dem Mṛtyu und dem Dharma (Dat.)
kiṃ kāryaṃ karavāṇi vaḥ
was Tunliches soll ich für euch tun (Konj.1.Sg.)

sūryaputrāya: Yama Vaivasvata, Sohn der Sonne; hier möglicherweise mit kālāya appositionell [?].

bhīṣma uvāca; arghyaṃ pādyaṃ ca dattvā sa tebhyas tatra samāgame; abravīt paramaprītaḥ svaśaktyā kiṃ karomi vaḥ

Bhīṣma sprach: Nachdem er ihnen bei dieser Zusammenkunft Ehrenwasser und Fußwasser gereicht hatte, sagte er hocherfreut: „Was soll ich nach Kräften für euch tun?“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
arghyaṃ pādyaṃ ca dattvā sa
Ehrenwasser und Fußwasser gegeben habend, er (Abs.)
tebhyas tatra samāgame
ihnen dort bei der Zusammenkunft (Dat./Lok.)
abravīt paramaprītaḥ
sprach, höchst erfreut (Impf./Nom.)
svaśaktyā kiṃ karomi vaḥ
nach meiner Kraft was tue ich für euch (Instr./1.Sg.Präs.)

svakāryanirbharā yūyaṃ paropadravahetavaḥ; bhavanto lokasāmānyāḥ kimarthaṃ brūta sattamāḥ; dharma uvāca; vayam apy evam avyagrair dhātur ājñāpuraḥsaraiḥ; bhīṣma uvāca; coditā dhāvamānā vai karmabhāgam anuvratāḥ

„Ihr seid ganz mit eurem eigenen Geschäft beladen, Ursache von Bedrängnis für andere; ihr seid für die Welt gemeinsam [zuständig]; wozu [seid ihr gekommen], sagt es, ihr Besten.“ Dharma sprach: „Auch wir sind so [gebunden], unablässig dem Befehl des Schöpfers folgend.“ Bhīṣma sprach: „Angetrieben laufen wir eilend, dem Anteil am [Weltwirken] ergeben.“

Wort für Wort
svakāryanirbharā yūyaṃ
ihr, ganz mit eigener Aufgabe belastet (Nom.Pl.)
paropadravahetavaḥ
Ursachen der Bedrängnis anderer (Nom.Pl.)
bhavanto lokasāmānyāḥ kimartham brūta sattamāḥ
ihr, der Welt gemeinsam, wozu—sagt es, ihr Besten (Imp.2.Pl./Vok.)
dharma uvāca vayam apy evam avyagraiḥ
Dharma sprach: auch wir so, unbeirrt (Instr.Pl.)
dhātur ājñāpuraḥsaraiḥ
dem Befehl des Schöpfers voranstellend/folgend (Instr.Pl.)
bhīṣma uvāca coditā dhāvamānā
Bhīṣma sprach: angetrieben, eilend (Part.Pass./Part.Präs.)
karmabhāgam anuvratāḥ
dem Anteil am Wirken ergeben (Akk./Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, mehrfach elliptisch und wohl korrupt; Zuordnung der Sprecher innerhalb der Einheit und die Wendung karmabhāgam anuvratāḥ unsicher [?].

tasminn evātha kāle tu tīrthayātrām upāgataḥ; ikṣvākur agamat tatra sametā yatra te vibho

Zu eben jener Zeit kam Ikṣvāku, der zur Pilgerfahrt gekommen war, dorthin, wo sie sich [alle] versammelt hatten, Herr.

Wort für Wort
tasminn eva atha kāle tu
zu eben jener Zeit da aber (Lok.)
tīrthayātrām upāgataḥ
zur Pilgerfahrt gelangt (Part.Pass.)
ikṣvākur agamat tatra
Ikṣvāku ging dorthin (Aor./Impf.3.Sg.)
sametā yatra te vibho
wo jene versammelt waren, Herr (Part.Pass.Pl./Vok.)

sarvān eva tu rājarṣiḥ saṃpūjyābhipraṇamya ca; kuśalapraśnam akarot sarveṣāṃ rājasattamaḥ

Der Königsseher ehrte sie alle, verneigte sich und erkundigte sich bei allen nach ihrem Wohlergehen, der Beste der Könige.

Wort für Wort
sarvān eva tu rājarṣiḥ
alle aber, der Königsweise (Akk.Pl./Nom.Sg.)
saṃpūjya abhipraṇamya ca
ehrend und sich verneigend (Abs.)
kuśalapraśnam akarot
stellte die Frage nach dem Wohlergehen (Impf.3.Sg.)
sarveṣāṃ rājasattamaḥ
bei allen, der beste König (Gen.Pl./Nom.Sg.)

tasmai so 'thāsanaṃ dattvā pādyam arghyaṃ tathaiva ca; abravīd brāhmaṇo vākyaṃ kṛtvā kuśalasaṃvidam

Ihm bot er einen Sitz an, ebenso Fußwasser und Ehrenwasser, und der Brāhmaṇa sprach zu ihm die Worte, nachdem er sich nach dem Wohlergehen erkundigt hatte.

Wort für Wort
tasmai so 'tha āsanaṃ dattvā
ihm, er da einen Sitz gegeben habend (Dat./Abs.)
pādyam arghyaṃ tathā eva ca
Fußwasser, Ehrenwasser ebenso (Akk.)
abravīd brāhmaṇo vākyam
sprach der Brāhmaṇa ein Wort (Impf.3.Sg.)
kṛtvā kuśalasaṃvidam
nachdem er die Wohlergehens-Unterhaltung geführt hatte (Abs.)

tasmai: Dativ des Empfängers; der Sprecher ist nach dem Sinn der Brāhmaṇa [?].

svāgataṃ te mahārāja brūhi yad yad ihecchasi; svaśaktyā kiṃ karomīha tad bhavān prabravītu me

„Sei willkommen, großer König; sage, was du hier begehrst: was soll ich hier nach Kräften tun? Das möge Euer Gnaden mir sagen.“

Wort für Wort
svāgataṃ te mahārāja
willkommen dir, Großkönig (Vok.)
brūhi yad yad iha icchasi
sag, was auch immer du hier wünschst (Imp.)
svaśaktyā kiṃ karomi iha
nach Kräften was tue ich hier (1.Sg.Präs.)
tad bhavān prabravītu me
das möge Euer Gnaden mir sagen (Imp.3.Sg.)

rājovāca; rājāhaṃ brāhmaṇaś ca tvaṃ yadi ṣaṭkarmasaṃsthitaḥ; dadāmi vasu kiṃ cit te prārthitaṃ tad vadasva me

Der König sprach: „Ich bin König, und du bist Brāhmaṇa, wenn du in den sechs Werken feststehst; ich gebe dir etwas Vermögen: nenne mir das, was du erbittest.“

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
rājā aham brāhmaṇaś ca tvam
ich [bin] König und du Brāhmaṇa (Nom.)
yadi ṣaṭkarmasaṃsthitaḥ
wenn in den sechs Werken feststehend (Nom.Sg.)
dadāmi vasu kiṃ cit te
ich gebe dir etwas Vermögen (1.Sg.Präs.)
prārthitaṃ tad vadasva me
was erbeten [ist], das sag mir (Part.Pass./Imp.Med.)

ṣaṭkarman: die sechs Brahmanenwerke (Lehren, Lernen, Opfern, Opferleiten, Geben, Annehmen); der Nebensatz yadi… wird auf ‚Brāhmaṇa‘ bezogen [?].

brāhmaṇa uvāca; dvividhā brāhmaṇā rājan dharmaś ca dvividhaḥ smṛtaḥ; pravṛttaś ca nivṛttaś ca nivṛtto 'smi pratigrahāt

Der Brāhmaṇa sprach: „Zweifach sind die Brāhmaṇas, König, und zweifach ist das Dharma überliefert: das tätige und das ruhende; ich bin vom Annehmen [von Gaben] ruhend geworden.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
dvividhā brāhmaṇā rājan
zweifach [sind] die Brāhmaṇas, König (Nom.Pl./Vok.)
dharmaś ca dvividhaḥ smṛtaḥ
und das Dharma ist zweifach überliefert (Part.Pass.)
pravṛttaś ca nivṛttaś ca
tätig und abgewandt (Nom.Sg.)
nivṛtto 'smi pratigrahāt
abgewandt bin ich vom Annehmen (Abl.Sg./1.Sg.Präs.)

tebhyaḥ prayaccha dānāni ye pravṛttā narādhipa; ahaṃ na pratigṛhṇāmi kim iṣṭaṃ kiṃ dadāni te; brūhi tvaṃ nṛpatiśreṣṭha tapasā sādhayāmi kim

Gib diesen Gaben denen, die [aufs Handeln] gerichtet sind, Herr der Menschen; ich nehme nicht an. Was ist dein Wunsch, was soll ich dir geben? Sag es, bester der Könige: was soll ich durch Askese [für dich] vollbringen?

Wort für Wort
tebhyaḥ prayaccha dānāni
gib ihnen Gaben (Imp./Akk.Pl.)
ye pravṛttā narādhipa
die tätig [gerichtet] sind, Herr der Menschen (Nom.Pl./Vok.)
aham na pratigṛhṇāmi
ich nehme nicht an (1.Sg.Präs.)
kim iṣṭaṃ kiṃ dadāni te
was ist gewünscht, was gebe ich dir (Konj.1.Sg.)
brūhi tvaṃ nṛpatiśreṣṭha
sag du, bester der Könige (Imp./Vok.)
tapasā sādhayāmi kim
was vollbringe ich durch Askese (Instr./1.Sg.Präs.)

rājovāca; kṣatriyo 'haṃ na jānāmi dehīti vacanaṃ kva cit; prayaccha yuddham ity evaṃ vādinaḥ smo dvijottama

Der König sprach: „Ich bin ein Kṣatriya und kenne nirgends das Wort ‚Gib‘; wir sind solche, die sagen: ‚Gib Kampf‘, bester Zweimalgeborener.“

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
kṣatriyo 'haṃ na jānāmi
ich bin Kṣatriya, ich kenne nicht (1.Sg.Präs.)
dehīti vacanaṃ kva cit
das Wort „gib“ irgendwo (Imp./Akk.)
prayaccha yuddham ity evam
„gib Kampf“ so (Imp.)
vādinaḥ smo dvijottama
wir sind Sagende, bester Zweimalgeborener (Nom.Pl./1.Pl.Präs./Vok.)

brāhmaṇa uvāca; tuṣyasi tvaṃ svadharmeṇa tathā tuṣṭā vayaṃ nṛpa; anyonyasyottaraṃ nāsti yad iṣṭaṃ tat samācara

Der Brāhmaṇa sprach: Du bist zufrieden mit deinem eigenen Dharma, und ebenso sind wir zufrieden, König; keiner von uns beiden steht über dem anderen. Was du wünschst, das tu.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
tuṣyasi tvaṃ svadharmeṇa
du bist zufrieden mit deinem eigenen Dharma (2.Sg.Präs.; Nom.; Instr.)
tathā tuṣṭā vayaṃ nṛpa
ebenso sind wir zufrieden, König (Part.Pass.Nom.Pl.; Vok.)
anyonyasya uttaraṃ na asti
des einen über dem anderen [Überlegenheit] gibt es nicht (Gen.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
yad iṣṭaṃ tat samācara
was gewünscht ist, das tu (Nom.; Imp.2.Sg.)

rājovāca; svaśaktyāhaṃ dadānīti tvayā pūrvaṃ prabhāṣitam; yāce tvāṃ dīyatāṃ mahyaṃ japyasyāsya phalaṃ dvija

Der König sprach: „Nach meinem Vermögen werde ich geben“, hast du früher gesagt. Ich bitte dich: Gib mir, Zweifachgeborener, die Frucht dieses Gebetsmurmelns.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
svaśaktyā aham dadāmi iti
nach eigener Kraft gebe ich, so (Instr.; 1.Sg.Präs.)
tvayā pūrvaṃ prabhāṣitam
von dir früher gesagt (Instr.; Adv.; Part.Pass.)
yāce tvām
ich bitte dich (1.Sg.Präs.Med.; Akk.)
dīyatāṃ mahyaṃ japyasya asya phalam dvija
gegeben werde mir die Frucht dieses Murmelgebets, Zweifachgeborener (Imp.Pass.; Dat.; Gen.; Akk.; Vok.)

brāhmaṇa uvāca; yuddhaṃ mama sadā vāṇī yācatīti vikatthase; na ca yuddhaṃ mayā sārdhaṃ kimarthaṃ yācase punaḥ

Der Brāhmaṇa sprach: „Meine Rede fordert stets Kampf“ – so prahlst du. Kampf aber [gibt es] nicht mit mir; weshalb bittest du dann wieder?

Wort für Wort
yuddhaṃ mama sadā vāṇī yācati iti
Kampf erbittet meine Rede stets, so (Akk.; Gen.; Nom.; 3.Sg.Präs.Med.)
vikatthase
du prahlst (2.Sg.Präs.Med.)
na ca yuddhaṃ mayā sārdhaṃ
und Kampf [ist] nicht mit mir (Akk.; Instr.)
kimarthaṃ yācase punaḥ
wozu bittest du wieder (Adv.; 2.Sg.Präs.Med.)

Vers dunkel; Bezug von „yuddhaṃ … yācati“ auf frühere Rede des Königs vermutet.

rājovāca; vāgvajrā brāhmaṇāḥ proktāḥ kṣatriyā bāhujīvinaḥ; vāgyuddhaṃ tad idaṃ tīvraṃ mama vipra tvayā saha

Der König sprach: Brāhmaṇas heißen „Wort-Donnerkeile“, Kṣatriyas „vom Arm lebend“. Dies ist ein Kampf mit Worten, ein heftiger, zwischen mir und dir, Weiser.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
vāgvajrāḥ brāhmaṇāḥ proktāḥ
„Wort-Donnerkeile“ werden die Brāhmaṇas genannt (Nom.Pl.; Part.Pass.)
kṣatriyāḥ bāhujīvinaḥ
die Kṣatriyas [sind] vom Arm Lebende (Nom.Pl.)
vāgyuddhaṃ tad idaṃ tīvraṃ
das ist ein Wortkampf, ein heftiger (Nom.Sg.n.)
mama vipra tvayā saha
zwischen mir, Brāhmaṇa, und dir (Gen.; Vok.; Instr.)

brāhmaṇa uvāca; saivādyāpi pratijñā me svaśaktyā kiṃ pradīyatām; brūhi dāsyāmi rājendra vibhave sati māciram

Der Brāhmaṇa sprach: Eben dieses Versprechen gilt für mich noch heute: „Was soll nach meinem Vermögen gegeben werden?“ Sprich! Ich werde es geben, König der Könige, solange ich Vermögen habe, ohne Zögern.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
sā eva adya api pratijñā me
eben dieses Versprechen [gilt] auch heute für mich (Nom.Sg.f.; Gen./Dat.)
svaśaktyā kiṃ pradīyatām
was soll nach Kräften gegeben werden (Instr.; Imp.Pass.3.Sg.)
brūhi dāsyāmi rājendra
sprich, ich werde geben, Herr der Könige (Imp.2.Sg.; 1.Sg.Fut.; Vok.)
vibhave sati mā ciram
solange Vermögen da ist, nicht lange [zögernd] (Lok.abs.; Adv.)

rājovāca; yat tad varṣaśataṃ pūrṇaṃ japyaṃ vai japatā tvayā; phalaṃ prāptaṃ tat prayaccha mama ditsur bhavān yadi

Der König sprach: Die Frucht, die du erlangt hast, indem du hundert volle Jahre lang das Gebet murmeltest – diese gib mir, wenn du, Herr, zu geben bereit bist.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
yat tad varṣaśataṃ pūrṇaṃ
was jene hundert vollen Jahre (Akk.Sg.n.)
japyaṃ vai japatā tvayā
das Gebet murmelnd von dir (Akk.; Part.Präs.Instr.)
phalaṃ prāptaṃ tat prayaccha mama
die erlangte Frucht, diese gib mir (Part.Pass.; Imp.2.Sg.; Dat.)
ditsuḥ bhavān yadi
wenn Ihr geben wollt (Nom.Sg.Desid.-Adj.; Nom.)

brāhmaṇa uvāca; paramaṃ gṛhyatāṃ tasya phalaṃ yaj japitaṃ mayā; ardhaṃ tvam avicāreṇa phalaṃ tasya samāpnuhi

Der Brāhmaṇa sprach: Die höchste Frucht dessen, was ich gemurmelt habe, sei genommen; die Hälfte dieser Frucht nimm ohne Bedenken an.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
paramaṃ gṛhyatāṃ
die höchste [Frucht] werde genommen (Nom.; Imp.Pass.)
tasya phalaṃ yat japitaṃ mayā
von dem, was von mir gemurmelt wurde, die Frucht (Gen.; Nom.; Part.Pass.; Instr.)
ardhaṃ tvam avicāreṇa
die Hälfte du, ohne Bedenken (Akk.; Nom.; Instr.)
phalaṃ tasya samāpnuhi
die Frucht davon erlange (Akk.; Gen.; Imp.2.Sg.)

atha vā sarvam eveha japyakaṃ māmakaṃ phalam; rājan prāpnuhi kāmaṃ tvaṃ yadi sarvam ihecchasi

Oder aber, König, erlange die ganze Frucht meines Gebets hier, wie du willst, wenn du hier alles wünschst.

Wort für Wort
atha vā sarvam eva iha
oder aber alles hier (Akk.)
japyakaṃ māmakaṃ phalam
die Frucht meines Gebets (Akk.Sg.n.)
rājan prāpnuhi
König, erlange (Vok.; Imp.2.Sg.)
kāmaṃ tvaṃ
nach Belieben du (Adv.; Nom.)
yadi sarvam iha icchasi
wenn du alles hier wünschst (2.Sg.Präs.)

rājovāca; kṛtaṃ sarveṇa bhadraṃ te japyaṃ yad yācitaṃ mayā; svasti te 'stu gamiṣyāmi kiṃ ca tasya phalaṃ vada

Der König sprach: Mit dem Ganzen [ist] es getan; Heil dir für das Gebet, das ich erbeten habe. Glück sei mit dir, ich werde gehen. Sag aber: Was ist dessen Frucht?

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
kṛtaṃ sarveṇa bhadraṃ te
mit allem [ist es] getan, Heil dir (Part.Pass.; Instr.; Dat./Gen.) [?]
japyaṃ yad yācitaṃ mayā
das Gebet, das von mir erbeten wurde (Nom./Akk.; Part.Pass.; Instr.)
svasti te astu gamiṣyāmi
Glück sei dir, ich werde gehen (3.Sg.Imp.; 1.Sg.Fut.)
kiṃ ca tasya phalaṃ vada
und was [ist] dessen Frucht, sprich (Nom.; Imp.2.Sg.)

Erster Halbvers syntaktisch knapp; Wiedergabe unsicher.

brāhmaṇa uvāca; phalaprāptiṃ na jānāmi dattaṃ yaj japitaṃ mayā; ayaṃ dharmaś ca kālaś ca yamo mṛtyuś ca sākṣiṇaḥ

Der Brāhmaṇa sprach: Die Erlangung der Frucht kenne ich nicht; gegeben ist, was ich gemurmelt habe. Dieser Dharma, Kāla, Yama und Mṛtyu sind [meine] Zeugen.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
phalaprāptiṃ na jānāmi
die Erlangung der Frucht kenne ich nicht (Akk.; 1.Sg.Präs.)
dattaṃ yad japitaṃ mayā
gegeben [ist], was von mir gemurmelt wurde (Part.Pass.; Instr.)
ayaṃ dharmaḥ ca kālaḥ ca
dieser Dharma und Kāla (Nom.Sg.)
yamaḥ mṛtyuḥ ca sākṣiṇaḥ
Yama und Mṛtyu [sind] Zeugen (Nom.Pl.)

rājovāca; ajñātam asya dharmasya phalaṃ me kiṃ kariṣyati

Der König sprach: Was wird mir die Frucht dieses [mir] unbekannten Dharma nützen?

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
ajñātam asya dharmasya
des unbekannten dieses Dharma (Part.Pass.Gen.; Gen.)
phalaṃ me kiṃ kariṣyati
die Frucht, was wird sie mir tun (Nom.; Dat./Gen.; Fut.3.Sg.)

phalaṃ bravīṣi dharmasya na cej japyakṛtasya mām

Du nennst mir die Frucht des Dharma – [doch] wenn nicht die des durch Gebetsmurmeln bewirkten [?].

Wort für Wort
phalaṃ bravīṣi dharmasya
die Frucht des Dharma nennst du (Akk.; 2.Sg.Präs.; Gen.)
na cet
wenn nicht (Konj.)
japyakṛtasya mām
des durch Murmeln Bewirkten [?], mir (Gen.; Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, Lesung/Syntax unsicher.

prāpnotu tat phalaṃ vipro nāham icche sasaṃśayam

Der Brāhmaṇa möge jene Frucht erlangen; ich will [sie] nicht mit Zweifel behaftet.

Wort für Wort
prāpnotu tat phalaṃ vipraḥ
erlangen möge jene Frucht der Brāhmaṇa (Imp.3.Sg.; Akk.; Nom.)
na aham icche
nicht wünsche ich (1.Sg.Präs.)
sasaṃśayam
mit Zweifel behaftet (Akk.Sg.n./Adv.)

brāhmaṇa uvāca; nādade 'paravaktavyaṃ dattaṃ vācā phalaṃ mayā; vākyaṃ pramāṇaṃ rājarṣe mamāpi tava caiva hi

Der Brāhmaṇa sprach: Ich nehme [es] nicht zurück; nichts Anderes ist dazu zu sagen: Die Frucht ist von mir durch das Wort gegeben. Das Wort ist maßgebend, königlicher Weiser, für mich wie auch für dich.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
na ādade aparavaktavyam
ich nehme [es] nicht zurück, nichts Anderes zu sagen (1.Sg.Med.; Gerundiv) [?]
dattaṃ vācā phalaṃ mayā
gegeben durch das Wort die Frucht von mir (Part.Pass.; Instr.; Nom.; Instr.)
vākyaṃ pramāṇaṃ rājarṣe
das Wort [ist] maßgebend, königlicher Weiser (Nom.; Nom.; Vok.)
mama api tava ca eva hi
für mich auch und für dich fürwahr (Gen.)

„nādade 'paravaktavyam“ nicht sicher; hier als „nicht zurücknehmen, nichts weiter zu sagen“ gedeutet.

sakṛd aṃśo nipatati sakṛt kanyā pradīyate; sakṛd eva dadānīti trīṇy etāni sakṛt sakṛt

Einmal fällt der Anteil zu, einmal wird die Tochter gegeben, einmal nur sagt man „ich gebe“: diese drei [geschehen] nur einmal, [nur] einmal.

Wort für Wort
sakṛt aṃśaḥ nipatati
einmal fällt der Anteil (Adv.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
sakṛt kanyā pradīyate
einmal wird die Tochter gegeben (Nom.; 3.Sg.Pass.)
sakṛt eva dadāmi iti
einmal nur [sagt man] „ich gebe“ (1.Sg.Präs.)
trīṇi etāni sakṛt sakṛt
diese drei [nur] einmal, einmal (Nom.Pl.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

nābhisaṃdhir mayā japye kṛtapūrvaḥ kathaṃ cana; japyasya rājaśārdūla kathaṃ jñāsyāmy ahaṃ phalam

Niemals zuvor habe ich beim Murmeln eine [Lohn-]Absicht gehegt. Wie, Tiger unter den Königen, soll ich die Frucht des Gebets kennen?

Wort für Wort
na abhisaṃdhiḥ mayā japye
keine [Lohn-]Absicht von mir beim Murmeln (Nom.; Instr.; Lok.)
kṛtapūrvaḥ kathaṃ cana
früher gemacht, in irgendeiner Weise (Part.Pass.; Adv.)
japyasya rājaśārdūla
des Gebets, Tiger unter den Königen (Gen.; Vok.)
kathaṃ jñāsyāmi aham phalam
wie werde ich die Frucht erkennen (Adv.; 1.Sg.Fut.; Akk.)

dadasveti tvayā coktaṃ dadāmīti tathā mayā; na vācaṃ dūṣayiṣyāmi satyaṃ rakṣa sthiro bhava

„Gib!“ hast du gesagt, und „ich gebe“ [habe] ich [gesagt]. Ich werde mein Wort nicht entweihen; bewahre die Wahrheit, sei standhaft.

Wort für Wort
dadasva iti tvayā ca uktam
„gib!“, so [wurde] von dir gesagt (Imp.Med.; Instr.; Part.Pass.)
dadāmi iti tathā mayā
„ich gebe“, so von mir (1.Sg.Präs.; Instr.)
na vācaṃ dūṣayiṣyāmi
nicht werde ich mein Wort verderben (Akk.; 1.Sg.Fut.Kaus.)
satyaṃ rakṣa sthiraḥ bhava
die Wahrheit hüte, standhaft sei (Imp.2.Sg.; Nom.; Imp.)

athaivaṃ vadato me 'dya vacanaṃ na kariṣyasi; mahān adharmo bhavitā tava rājan mṛṣākṛtaḥ

Wenn du aber, während ich so spreche, heute meinem Wort nicht folgst, wird dir, König, ein großes Unrecht entstehen, durch Lüge bewirkt.

Wort für Wort
atha evaṃ vadataḥ me adya
wenn aber [für mich], der ich so spreche, heute (Gen.Part.; Adv.)
vacanaṃ na kariṣyasi
das Wort nicht tun wirst du (Akk.; 2.Sg.Fut.)
mahān adharmaḥ bhavitā
großes Unrecht wird entstehen (Nom.; 3.Sg.Fut.)
tava rājan mṛṣākṛtaḥ
für dich, König, durch Lüge bewirkt (Gen.; Vok.; Part.Pass.)

na yuktaṃ tu mṛṣā vāṇī tvayā vaktum ariṃdama; tathā mayāpy abhyadhikaṃ mṛṣā vaktuṃ na śakyate

Es geziemt sich für dich nicht, Bezwinger der Feinde, ein unwahres Wort zu sprechen; ebenso ist es auch mir erst recht nicht möglich, Unwahres zu sagen.

Wort für Wort
na yuktaṃ tu mṛṣā vāṇī
nicht angemessen aber [ist] unwahre Rede (Part.Pass.; Adv.; Nom.)
tvayā vaktum ariṃdama
von dir zu sprechen, Feindebezwinger (Instr.; Inf.; Vok.)
tathā mayā api abhyadhikam
ebenso auch von mir erst recht (Instr.; Adv.)
mṛṣā vaktum na śakyate
Unwahres zu sagen ist nicht möglich (Inf.; 3.Sg.Pass.)

saṃśrutaṃ ca mayā pūrvaṃ dadānīty avicāritam; tad gṛhṇīṣvāvicāreṇa yadi satye sthito bhavān

Und ich habe früher zugesagt: „Ich gebe“, ohne Überlegung. Nimm es daher ohne Bedenken an, wenn du, Herr, in der Wahrheit stehst.

Wort für Wort
saṃśrutaṃ ca mayā pūrvaṃ
und zugesagt von mir früher (Part.Pass.; Instr.; Adv.)
dadāmi iti avicāritam
„ich gebe“, so, unüberlegt (1.Sg.Präs.; Part.Pass.)
tat gṛhṇīṣva avicāreṇa
das nimm, ohne Bedenken (Imp.Med.; Instr.)
yadi satye sthitaḥ bhavān
wenn in der Wahrheit stehend Ihr [seid] (Lok.; Part.Pass.; Nom.)

ihāgamya hi māṃ rājañ jāpyaṃ phalam ayācithāḥ; tan mannisṛṣṭaṃ gṛhṇīṣva bhava satye sthiro 'pi ca

Denn hierher gekommen, König, hast du mich um die Frucht des Gebets gebeten. Nimm dies von mir Überlassene an und sei auch standhaft in der Wahrheit.

Wort für Wort
iha āgamya hi mām
denn hierher gekommen, mich (Abs.; Akk.)
rājan jāpyaṃ phalam ayācithāḥ
König, die Frucht des Gebets hast du erbeten (Vok.; Akk.; 2.Sg.Impf.Med.)
tat mat-nisṛṣṭaṃ gṛhṇīṣva
das von mir Überlassene nimm an (Part.Pass.; Imp.Med.)
bhava satye sthiraḥ api ca
und sei standhaft in der Wahrheit (Imp.; Lok.; Nom.)

nāyaṃ loko 'sti na paro na ca pūrvān sa tārayet; kuta evāvarān rājan mṛṣāvādaparāyaṇaḥ

Weder diese Welt noch die jenseitige gibt es für ihn, und seine Vorfahren rettet er nicht – wie erst die Späteren, König: [er], der der Lüge ergeben ist.

Wort für Wort
na ayaṃ lokaḥ asti na paraḥ
nicht diese Welt ist da, nicht die andere (Nom.; 3.Sg.Präs.)
na ca pūrvān sa tārayet
und nicht die Früheren rettet er (Akk.Pl.; Nom.; Pot.Kaus.)
kutaḥ eva avarān rājan
wie erst die Späteren, König (Adv.; Akk.Pl.; Vok.)
mṛṣāvādaparāyaṇaḥ
der der Lüge ergeben ist (Nom.Sg.; Kompositum)

na yajñādhyayane dānaṃ niyamās tārayanti hi; tathā satyaṃ pare loke yathā vai puruṣarṣabha

Nicht Opfer, Studium, Gabe und Gelübde retten so wie die Wahrheit in der jenseitigen Welt, Stier unter den Männern.

Wort für Wort
na yajñādhyayane dānam
nicht Opfer und Studium, Gabe (Nom.Du./Sg.)
niyamāḥ tārayanti hi
Gelübde retten (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.Kaus.)
tathā satyaṃ pare loke
so [wie] die Wahrheit in der jenseitigen Welt (Nom.; Lok.)
yathā vai puruṣarṣabha
wie fürwahr, Stier unter den Männern (Vok.)

tapāṃsi yāni cīrṇāni cariṣyasi ca yat tapaḥ; samāḥ śataiḥ sahasraiś ca tat satyān na viśiṣyate

Die Kasteiungen, die vollzogen wurden, und die Askese, die du noch üben wirst, in hunderten und tausenden Jahren – sie ist nicht besser als die Wahrheit.

Wort für Wort
tapāṃsi yāni cīrṇāni
die Kasteiungen, die geübt wurden (Nom.Pl.; Part.Pass.)
cariṣyasi ca yat tapaḥ
und die Askese, die du üben wirst (2.Sg.Fut.; Akk.)
samāḥ śataiḥ sahasraiḥ ca
Jahre hindurch, mit hunderten und tausenden (Akk.Pl.; Instr.Pl.)
tat satyāt na viśiṣyate
das übertrifft nicht die Wahrheit (Abl.; 3.Sg.Pass.)

satyam ekākṣaraṃ brahma satyam ekākṣaraṃ tapaḥ; satyam ekākṣaro yajñaḥ satyam ekākṣaraṃ śrutam

Wahrheit ist das einsilbige [bzw. eine unvergängliche] Brahman, Wahrheit die einsilbige Askese, Wahrheit das einsilbige Opfer, Wahrheit die einsilbige Offenbarung.

Wort für Wort
satyam ekākṣaraṃ brahma
Wahrheit [ist] das einsilbige Brahman (Nom.; Nom.)
satyam ekākṣaraṃ tapaḥ
Wahrheit [ist] die einsilbige Askese (Nom.)
satyam ekākṣaraḥ yajñaḥ
Wahrheit [ist] das einsilbige Opfer (Nom.m.)
satyam ekākṣaraṃ śrutam
Wahrheit [ist] die einsilbige Offenbarung (Part.Pass.Nom.n.)

„ekākṣara“: „einsilbig“ oder „ein Unvergängliches“.

satyaṃ vedeṣu jāgarti phalaṃ satye paraṃ smṛtam; satyād dharmo damaś caiva sarvaṃ satye pratiṣṭhitam

Die Wahrheit wacht in den Veden; die höchste Frucht gilt als in der Wahrheit [liegend]. Aus Wahrheit [kommen] Dharma und Selbstbeherrschung; alles ist in der Wahrheit gegründet.

Wort für Wort
satyaṃ vedeṣu jāgarti
die Wahrheit wacht in den Veden (Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.)
phalaṃ satye param smṛtam
die Frucht in der Wahrheit [ist] die höchste, so überliefert (Nom.; Lok.; Part.Pass.)
satyāt dharmaḥ damaḥ ca eva
aus Wahrheit Dharma und Selbstzähmung (Abl.; Nom.)
sarvaṃ satye pratiṣṭhitam
alles ist in der Wahrheit gegründet (Nom.; Lok.; Part.Pass.)

satyaṃ vedās tathāṅgāni satyaṃ yajñas tathā vidhiḥ; vratacaryās tathā satyam oṃkāraḥ satyam eva ca

Wahrheit sind die Veden und die Glieder [des Veda], Wahrheit ebenso das Opfer und die Vorschrift; Gelübdewandel ist Wahrheit, und der Laut Oṃ ist Wahrheit.

Wort für Wort
satyaṃ vedāḥ tathā aṅgāni
Wahrheit [sind] die Veden und ebenso die Glieder (Nom.Pl.)
satyaṃ yajñaḥ tathā vidhiḥ
Wahrheit [ist] das Opfer und die Vorschrift (Nom.)
vratacaryāḥ tathā satyam
Gelübdewandel ebenso Wahrheit (Nom.Pl.)
oṃkāraḥ satyam eva ca
der Oṃ-Laut [ist] eben Wahrheit (Nom.)

prāṇināṃ jananaṃ satyaṃ satyaṃ saṃtatir eva ca; satyena vāyur abhyeti satyena tapate raviḥ

Die Zeugung der Lebewesen ist Wahrheit, und Wahrheit auch die Nachkommenschaft; durch Wahrheit weht der Wind, durch Wahrheit glüht die Sonne.

Wort für Wort
prāṇināṃ jananaṃ satyam
die Zeugung der Lebewesen [ist] Wahrheit (Gen.Pl.; Nom.)
satyaṃ saṃtatiḥ eva ca
Wahrheit ist auch die Nachkommenschaft (Nom.)
satyena vāyuḥ abhyeti
durch Wahrheit weht der Wind heran (Instr.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
satyena tapate raviḥ
durch Wahrheit glüht die Sonne (Instr.; 3.Sg.Präs.; Nom.)

satyena cāgnir dahati svargaḥ satye pratiṣṭhitaḥ; satyaṃ yajñas tapo vedāḥ stobhā mantrāḥ sarasvatī

Und durch Wahrheit verbrennt das Feuer; der Himmel ist in der Wahrheit gegründet. Wahrheit sind Opfer, Askese, Veden, Stobha-Rufe, Mantras und Sarasvatī.

Wort für Wort
satyena ca agniḥ dahati
und durch Wahrheit verbrennt das Feuer (Instr.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
svargaḥ satye pratiṣṭhitaḥ
der Himmel ist in der Wahrheit gegründet (Nom.; Lok.; Part.Pass.)
satyaṃ yajñaḥ tapaḥ vedāḥ
Wahrheit [sind] Opfer, Askese, Veden (Nom.)
stobhāḥ mantrāḥ sarasvatī
Stobha-Rufe, Mantras, Sarasvatī (Nom.Pl.; Nom.Sg.)

tulām āropito dharmaḥ satyaṃ caiveti naḥ śrutam; samāṃ kakṣāṃ dhārayato yataḥ satyaṃ tato 'dhikam

Dharma und Wahrheit wurden auf die Waage gelegt, so haben wir gehört; [und] bei dem, der die Waagschale im Gleichgewicht hält, überwiegt das, wo die Wahrheit ist.

Wort für Wort
tulām āropitaḥ dharmaḥ
auf die Waage gelegt [wurde] der Dharma (Akk.; Part.Pass.Kaus.; Nom.)
satyaṃ ca eva iti naḥ śrutam
und die Wahrheit, so [ist] uns überliefert (Nom.; Gen.Pl.; Part.Pass.)
samāṃ kakṣāṃ dhārayataḥ
der die Waagschale gleich hält (Akk.f.; Gen.Part.Präs.)
yataḥ satyaṃ tataḥ adhikam
wo die Wahrheit [ist], dort [ist] mehr (Adv.; Nom.; Adv.; Nom.)

yato dharmas tataḥ satyaṃ sarvaṃ satyena vardhate; kimartham anṛtaṃ karma kartuṃ rājaṃs tvam icchasi

Wo Dharma ist, dort ist Wahrheit; alles gedeiht durch Wahrheit. Wozu, König, willst du eine unwahre Tat tun?

Wort für Wort
yataḥ dharmaḥ tataḥ satyam
wo Dharma [ist], dort [ist] Wahrheit (Adv.; Nom.)
sarvaṃ satyena vardhate
alles gedeiht durch Wahrheit (Nom.; Instr.; 3.Sg.Präs.)
kimartham anṛtaṃ karma
wozu ein unwahres Tun (Adv.; Akk.)
kartum rājan tvam icchasi
tun willst du, König (Inf.; Vok.; Nom.; 2.Sg.Präs.)

satye kuru sthiraṃ bhāvaṃ mā rājann anṛtaṃ kṛthāḥ; kasmāt tvam anṛtaṃ vākyaṃ dehīti kuruṣe 'śubham

Richte auf die Wahrheit deine feste Gesinnung; begehe nichts Unwahres, König. Warum machst du das Wort „Gib!“ zu einem unwahren, unheilvollen?

Wort für Wort
satye kuru sthiraṃ bhāvam
auf die Wahrheit richte feste Gesinnung (Lok.; Imp.2.Sg.; Akk.)
mā rājan anṛtaṃ kṛthāḥ
nicht, König, Unwahres tu (Vok.; Aor.Inj.2.Sg.Med.)
kasmāt tvam anṛtaṃ vākyam
warum du das unwahre Wort (Abl.; Nom.; Akk.)
dehi iti kuruṣe aśubham
„gib!“, so machst du unheilvoll (Imp.2.Sg.; 2.Sg.Präs.Med.; Akk.)

yadi japyaphalaṃ dattaṃ mayā neṣiṣyase nṛpa; svadharmebhyaḥ paribhraṣṭo lokān anucariṣyasi

Wenn du die von mir gegebene Frucht des Gebets nicht annehmen willst, König, so wirst du, von deinen [eigenen] Pflichten abgefallen, die Welten [ruhelos] durchwandern [?].

Wort für Wort
yadi japyaphalaṃ dattaṃ
wenn die gegebene Gebetsfrucht (Akk.; Part.Pass.)
mayā na iṣyasi nṛpa
von mir, nicht wirst du wollen, König (Instr.; 2.Sg.Fut.; Vok.)
svadharmebhyaḥ paribhraṣṭaḥ
von den eigenen Pflichten abgefallen (Abl.Pl.; Part.Pass.)
lokān anucariṣyasi
die Welten wirst du durchwandern (Akk.Pl.; 2.Sg.Fut.) [?]

„lokān anucariṣyasi“ dunkel.

saṃśrutya yo na ditseta yācitvā yaś ca necchati; ubhāv ānṛtikāv etau na mṛṣā kartum arhasi

Wer, nachdem er zugesagt hat, nicht geben will, und wer, nachdem er gebeten hat, nicht annehmen will – diese beiden sind Lügner; du darfst es nicht zur Lüge machen.

Wort für Wort
saṃśrutya yaḥ na ditseta
wer, nachdem er zugesagt hat, nicht geben wollen sollte (Abs.; Nom.; Pot.Desid.)
yācitvā yaḥ ca na icchati
und wer, nachdem er gebeten hat, nicht will (Abs.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
ubhau ānṛtikau etau
diese beiden [sind] Lügner (Nom.Du.)
na mṛṣā kartum arhasi
nicht zur Lüge machen darfst du (Inf.; 2.Sg.Präs.)

rājovāca; yoddhavyaṃ rakṣitavyaṃ ca kṣatradharmaḥ kila dvija; dātāraḥ kṣatriyāḥ proktā gṛhṇīyāṃ bhavataḥ katham

Der König sprach: Kämpfen und Schützen ist Pflicht der Kṣatriyas, heißt es, Zweifachgeborener. Als Geber werden die Kṣatriyas bezeichnet; wie sollte ich von dir annehmen?

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
yoddhavyaṃ rakṣitavyaṃ ca
zu kämpfen und zu schützen ist (Gerundiv)
kṣatradharmaḥ kila dvija
Kṣatriya-Pflicht, so heißt es, Zweifachgeborener (Nom.; Vok.)
dātāraḥ kṣatriyāḥ proktāḥ
Geber werden die Kṣatriyas genannt (Nom.Pl.; Part.Pass.)
gṛhṇīyāṃ bhavataḥ katham
wie sollte ich von Euch annehmen (Pot.1.Sg.; Abl.; Adv.)

brāhmaṇa uvāca; na chandayāmi te rājan nāpi te gṛham āvrajam; ihāgamya tu yācitvā na gṛhṇīṣe punaḥ katham

Der Brāhmaṇa sprach: Ich dränge dich nicht, König, und bin auch nicht in dein Haus gekommen. Hierher gekommen und gebeten habend – wie nimmst du dann nicht an?

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
na chandayāmi te rājan
ich dränge dich nicht, König (1.Sg.Präs.Kaus.; Akk.; Vok.)
na api te gṛham āvrajam
und nicht zu deinem Haus bin ich gekommen (1.Sg.Impf.)
iha āgamya tu yācitvā
hierher gekommen aber und gebeten habend (Abs.; Abs.)
na gṛhṇīṣe punaḥ katham
wie nimmst du dann nicht an (2.Sg.Präs.Med.; Adv.)

dharma uvāca; avivādo 'stu yuvayor vittaṃ māṃ dharmam āgatam; dvijo dānaphalair yukto rājā satyaphalena ca

Dharma sprach: Kein Streit sei zwischen euch beiden; wisst, ich bin Dharma, [selbst] gekommen. Der Zweifachgeborene [sei] mit den Früchten des Gebens verbunden, der König mit der Frucht der Wahrheit.

Wort für Wort
dharmaḥ uvāca
Dharma sprach
avivādaḥ astu yuvayoḥ
kein Streit sei euch beiden (Nom.; Imp.3.Sg.; Gen.Du.)
vittaṃ māṃ dharmam āgatam
wisst, mich, den Dharma, gekommen (Imp.2.Pl.; Akk.; Part.Pass.)
dvijaḥ dānaphalaiḥ yuktaḥ
der Zweifachgeborene [sei] mit den Früchten des Gebens verbunden (Nom.; Instr.Pl.; Part.Pass.)
rājā satyaphalena ca
und der König mit der Frucht der Wahrheit (Nom.; Instr.)

svarga uvāca; svargaṃ māṃ viddhi rājendra rūpiṇaṃ svayam āgatam; avivādo 'stu yuvayor ubhau tulyaphalau yuvām

Svarga sprach: Wisse, König der Könige, ich bin Svarga, in [eigener] Gestalt selbst gekommen. Kein Streit sei zwischen euch beiden; ihr beide sollt gleiche Frucht haben.

Wort für Wort
svargaḥ uvāca
Svarga sprach
svargaṃ māṃ viddhi rājendra
wisse mich als Svarga, König der Könige (Imp.2.Sg.; Vok.)
rūpiṇaṃ svayam āgatam
in Gestalt selbst gekommen (Akk.; Adv.; Part.Pass.)
avivādaḥ astu yuvayoḥ
kein Streit sei euch beiden
ubhau tulyaphalau yuvām
beide gleicher Frucht [teilhaftig] ihr (Nom.Du.)

rājovāca; kṛtaṃ svargeṇa me kāryaṃ gaccha svarga yathāsukham; vipro yadīcchate dātuṃ pratīcchatu ca me dhanam

Der König sprach: Mit Svarga habe ich nichts zu schaffen; geh, Svarga, wie es dir gefällt. Wenn der Brāhmaṇa geben will, so möge er auch mein Gut annehmen.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
kṛtaṃ svargeṇa me kāryam
genug mit Svarga, [es ist] mein Geschäft (Instr.; Nom.) [?]
gaccha svarga yathāsukham
geh, Svarga, nach Belieben (Imp.; Vok.; Adv.)
vipraḥ yadi icchate dātum
wenn der Brāhmaṇa zu geben wünscht (Nom.; 3.Sg.Präs.Med.; Inf.)
pratīcchatu ca me dhanam
so möge er auch mein Gut annehmen (Imp.3.Sg.; Gen.; Akk.)

brāhmaṇa uvāca; bālye yadi syād ajñānān mayā hastaḥ prasāritaḥ; nivṛttilakṣaṇaṃ dharmam upāse saṃhitāṃ japan

Der Brāhmaṇa sprach: Wenn ich etwa in der Kindheit aus Unwissenheit die Hand ausgestreckt hätte – [jetzt] übe ich den Dharma, dessen Kennzeichen die Abkehr ist, die Saṃhitā murmelnd.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
bālye yadi syāt ajñānāt
wenn in der Kindheit aus Unwissenheit es wäre (Lok.; Pot.; Abl.)
mayā hastaḥ prasāritaḥ
von mir die Hand ausgestreckt (Instr.; Nom.; Part.Pass.)
nivṛttilakṣaṇaṃ dharmam
den Dharma mit dem Kennzeichen der Abkehr (Akk.)
upāse saṃhitāṃ japan
ich übe, die Saṃhitā murmelnd (1.Sg.Präs.Med.; Akk.; Part.Präs.)

Erster Halbvers elliptisch.

nivṛttaṃ māṃ ciraṃ rājan vipraṃ lobhayase katham; svena kāryaṃ kariṣyāmi tvatto necche phalaṃ nṛpa; tapaḥsvādhyāyaśīlo 'haṃ nivṛttaś ca pratigrahāt

Mich, der ich lange abgekehrt bin, den Brāhmaṇa – wie verlockst du mich, König? Mit dem Meinen werde ich mein Vorhaben ausführen; von dir will ich keine Frucht, König. Ich bin auf Askese und Selbststudium bedacht und vom Annehmen von Gaben abgekehrt.

Wort für Wort
nivṛttaṃ māṃ ciraṃ rājan
mich, den lange Abgekehrten, König (Part.Pass.Akk.; Adv.; Vok.)
vipraṃ lobhayase katham
den Brāhmaṇa, wie verlockst du (Akk.; 2.Sg.Präs.Kaus.)
svena kāryaṃ kariṣyāmi
mit dem Eigenen werde ich mein Ziel erreichen (Instr.; Akk.; 1.Sg.Fut.)
tvattaḥ na icche phalaṃ nṛpa
von dir will ich keine Frucht, König (Abl.; 1.Sg.Präs.)
tapaḥsvādhyāyaśīlaḥ aham
auf Askese und Selbststudium bedacht, ich (Nom.)
nivṛttaḥ ca pratigrahāt
und abgekehrt vom Annehmen (Part.Pass.; Abl.)

rājovāca; yadi vipra nisṛṣṭaṃ te japyasya phalam uttamam; āvayor yat phalaṃ kiṃ cit sahitaṃ nau tad astv iha

Der König sprach: Wenn dir, Brāhmaṇa, die höchste Frucht des Gebets überlassen ist – was immer an Frucht uns beiden zukommt, das sei hier uns beiden gemeinsam.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
yadi vipra nisṛṣṭaṃ te
wenn, Brāhmaṇa, überlassen von dir (Vok.; Part.Pass.; Instr.)
japyasya phalam uttamam
die höchste Frucht des Gebets (Gen.; Akk.)
āvayoḥ yat phalaṃ kiṃ cit
was immer an Frucht von uns beiden (Gen.Du.; Nom.)
sahitaṃ nau tat astu iha
das sei vereint für uns beide hier (Part.Pass.; Dat.Du.; Imp.)

dvijāḥ pratigrahe yuktā dātāro rājavaṃśajāḥ; yadi dharmaḥ śruto vipra sahaiva phalam astu nau

Brāhmaṇas sind aufs Annehmen bedacht, Geber die aus dem Königsgeschlecht Geborenen. Wenn ein Dharma überliefert ist, Brāhmaṇa, so sei die Frucht uns beiden gemeinsam.

Wort für Wort
dvijāḥ pratigrahe yuktāḥ
die Zweifachgeborenen sind aufs Annehmen bedacht (Nom.Pl.; Lok.; Part.Pass.)
dātāraḥ rājavaṃśajāḥ
Geber [sind] die aus Königsgeschlecht Geborenen (Nom.Pl.)
yadi dharmaḥ śrutaḥ vipra
wenn ein Dharma überliefert ist, Brāhmaṇa (Nom.; Part.Pass.; Vok.)
saha eva phalam astu nau
gemeinsam sei die Frucht uns beiden (Adv.; Imp.; Gen./Dat.Du.)

mā vā bhūt sahabhojyaṃ nau madīyaṃ phalam āpnuhi; pratīccha matkṛtaṃ dharmaṃ yadi te mayy anugrahaḥ

Oder es sei kein gemeinsames Genießen für uns: Erlange meine Frucht; nimm den von mir bewirkten Dharma an, wenn du mir gewogen bist.

Wort für Wort
mā vā bhūt sahabhojyaṃ nau
oder es sei nicht gemeinsames Genießen für uns (Inj.Aor.; Nom.; Gen.Du.)
madīyaṃ phalam āpnuhi
erlange meine Frucht (Akk.; Imp.2.Sg.)
pratīccha matkṛtaṃ dharmam
nimm den von mir gewirkten Dharma an (Imp.2.Sg.; Akk.)
yadi te mayi anugrahaḥ
wenn du mir gnädig bist (Lok.; Nom.)

bhīṣma uvāca; tato vikṛtaceṣṭau dvau puruṣau samupasthitau; gṛhītvānyonyam āveṣṭya kucelāv ūcatur vacaḥ

Bhīṣma sprach: Da traten zwei Männer von verzerrtem Gebaren heran; einander packend und umklammernd, in Lumpen gekleidet, sprachen sie [diese] Worte.

Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach
tataḥ vikṛtaceṣṭau dvau puruṣau
da zwei Männer von entstelltem Gebaren (Nom.Du.)
samupasthitau
traten heran (Part.Pass.Nom.Du.)
gṛhītvā anyonyam āveṣṭya
einander packend und umschlingend (Abs.; Abs.)
kucelau ūcatuḥ vacaḥ
in schlechten Gewändern sprachen [sie] das Wort (Nom.Du.; 3.Du.Perf.; Akk.)

na me dhārayasīty eko dhārayāmīti cāparaḥ; ihāsti nau vivādo 'yam ayaṃ rājānuśāsakaḥ

„Du hältst mir nichts [schuldig]“, [sagt] der eine; „Ich halte [dir schuldig]“, der andere. Dies ist unser Streit hier; dieser König [ist] der Entscheider.

Wort für Wort
na me dhārayasi iti ekaḥ
„du schuldest mir nichts“, [sagt] der eine (2.Sg.Präs.; Nom.)
dhārayāmi iti ca aparaḥ
„ich schulde“, und der andere (1.Sg.Präs.)
iha asti nau vivādaḥ ayam
hier ist dieser unser Streit (3.Sg.Präs.; Gen.Du.; Nom.)
ayaṃ rājā anuśāsakaḥ
dieser König [ist] der Entscheider (Nom.)

„dhārayasi“ hier als „schuldest“ gedeutet, vgl. Vers 94.

satyaṃ bravīmy aham idaṃ na me dhārayate bhavān; anṛtaṃ vadasīha tvam ṛṇaṃ te dhārayāmy aham

Ich sage die Wahrheit: Du schuldest mir nichts. Du sagst hier Unwahres: Ich schulde dir eine Schuld.

Wort für Wort
satyaṃ bravīmi aham idam
Wahrheit sage ich, ich dies (1.Sg.Präs.)
na me dhārayate bhavān
nicht schuldet mir Ihr (3.Sg.Präs.Med.; Nom.)
anṛtaṃ vadasi iha tvam
Unwahres sagst du hier (2.Sg.Präs.)
ṛṇaṃ te dhārayāmi aham
eine Schuld an dich schulde ich (Akk.; Dat./Gen.; 1.Sg.Präs.)

tāv ubhau bhṛśasaṃtaptau rājānam idam ūcatuḥ; parīkṣyatāṃ yathā syāva nāvām iha vigarhitau

Die beiden, aufs Heftigste bekümmert, sprachen zum König dies: „Es möge geprüft werden, inwiefern wir beide hier zu tadeln sind [?].“

Wort für Wort
tāv ubhau bhṛśasaṃtaptau
diese beiden, sehr bekümmert (Nom.Du.)
rājānam idam ūcatuḥ
sprachen zum König dies (Akk.Sg.; 3.Du.Perf.)
parīkṣyatām
es werde geprüft (3.Sg.Imp.Pass.)
yathā syāva nāvām iha vigarhitau
wie/inwiefern wir beide hier getadelt [sein mögen] (Opt.1.Du.; Lesart unsicher)

Der Halbvers yathā syāva nāvām … ist syntaktisch nicht ganz klar; Wiedergabe unsicher.

virūpa uvāca; dhārayāmi naravyāghra vikṛtasyeha goḥ phalam; dadataś ca na gṛhṇāti vikṛto me mahīpate

Virūpa sprach: „Ich schulde, Tiger unter den Männern, hier die Frucht der [verschenkten] Kuh des Vikṛta; doch obwohl ich [sie] gebe, nimmt Vikṛta sie nicht an, o Erdherr.“

Wort für Wort
virūpa uvāca
Virūpa sprach (Perf.)
dhārayāmi naravyāghra
ich schulde, o Tiger unter den Männern (1.Sg.Präs./Vok.)
vikṛtasyeha goḥ phalam
hier die Frucht der Kuh des Vikṛta (Gen./Gen./Akk.)
dadataś ca na gṛhṇāti
und obwohl ich gebe, nimmt er nicht (Gen.Abs. Part./3.Sg.)
vikṛto me mahīpate
Vikṛta, von mir, o Herr der Erde (Nom./Gen./Vok.)

vikṛta uvāca; na me dhārayate kiṃ cid virūpo 'yaṃ narādhipa; mithyā bravīty ayaṃ hi tvā mithyābhāsaṃ narādhipa

Vikṛta sprach: „Dieser Virūpa schuldet mir nichts, o Herrscher der Menschen; denn er redet dir gegenüber Falsches und gibt sich [dir gegenüber] trügerisch, o Herrscher der Menschen.“

Wort für Wort
vikṛta uvāca
Vikṛta sprach (Perf.)
na me dhārayate kiṃ cid
er schuldet mir nichts (3.Sg.Med.)
virūpo 'yaṃ narādhipa
dieser Virūpa, o Herrscher der Menschen (Nom./Vok.)
mithyā bravīty ayaṃ hi tvā
denn dieser sagt dir Falsches (Adv./3.Sg.Präs.)
mithyābhāsaṃ narādhipa
[er ist] von trügerischem Anschein (Akk.Sg./Vok.) [?]

mithyābhāsam ist syntaktisch unsicher (Adv. zu bravīti oder Attribut zu tvā).

rājovāca; virūpa kiṃ dhārayate bhavān asya vadasva me; śrutvā tathā kariṣyāmīty evaṃ me dhīyate matiḥ

Der König sprach: „Virūpa, was schuldest du diesem? Sage es mir; wenn ich es gehört habe, werde ich [entsprechend] handeln – so richtet sich mein Sinn.“

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
virūpa kiṃ dhārayate bhavān asya
Virūpa, was schuldest du (Ehrenform) diesem (Vok./Akk./Nom./Gen.)
vadasva me
sage mir (Imp.Med.2.Sg.)
śrutvā tathā kariṣyāmi
nachdem ich gehört habe, werde ich so handeln (Abs./1.Sg.Fut.)
ity evaṃ me dhīyate matiḥ
so wird mein Sinn gerichtet (3.Sg.Pass./Nom.)

virūpa uvāca; śṛṇuṣvāvahito rājan yathaitad dhārayāmy aham; vikṛtasyāsya rājarṣe nikhilena nararṣabha

Virūpa sprach: „Höre aufmerksam zu, König, wie ich dies [ihm] schulde, [und zwar] vollständig, o Königsweiser, Bulle unter den Männerweisen, [was] diesen Vikṛta [betrifft].“

Wort für Wort
virūpa uvāca
Virūpa sprach
śṛṇuṣvāvahito rājan
höre aufmerksam zu, König (Imp.Med.2.Sg./Part./Vok.)
yathaitad dhārayāmy aham
wie ich dies schulde (1.Sg.Präs.)
vikṛtasyāsya rājarṣe
was diesen Vikṛta betrifft, o Königsweiser (Gen./Vok.)
nikhilena nararṣabha
vollständig, o Stier unter den Männerweisen (Instr./Vok.)

anena dharmaprāptyarthaṃ śubhā dattā purānagha; dhenur viprāya rājarṣe tapaḥsvādhyāyaśīline

„Von diesem wurde einst, Untadeliger, um Verdienst [im Dharma] zu erlangen, eine schöne Kuh einem Brahmanen gegeben, der sich in Askese und Vedastudium übte, o Königsweiser.“

Wort für Wort
anena dharmaprāptyarthaṃ
von diesem, um Dharma zu erlangen (Instr./Kompositum, Adv.)
śubhā dattā purānagha
eine schöne [Kuh] wurde gegeben, früher, o Fehlloser (Nom.F./Part.Pass./Adv./Vok.)
dhenur viprāya rājarṣe
eine Kuh einem Brahmanen, o Königsweiser (Nom./Dat./Vok.)
tapaḥsvādhyāyaśīline
der Askese und Vedarezitation ergeben (Dat.Sg.)

tasyāś cāyaṃ mayā rājan phalam abhyetya yācitaḥ; vikṛtena ca me dattaṃ viśūddhenāntarātmanā

„Und deren Frucht habe ich, König, herantretend von diesem erbeten; und Vikṛta hat sie mir mit geläutertem Innersten gegeben.“

Wort für Wort
tasyāś cāyaṃ mayā rājan
und deren [Kuh], von mir, o König (Gen.F./Instr./Vok.)
phalam abhyetya yācitaḥ
die Frucht, nachdem ich herangetreten war, wurde er gebeten (Akk./Abs./Part.Pass.)
vikṛtena ca me dattaṃ
und von Vikṛta wurde mir gegeben (Instr./Dat.-Gen./Part.Pass.)
viśuddhenāntarātmanā
mit geläutertem inneren Selbst (Instr.)

tato me sukṛtaṃ karma kṛtam ātmaviśuddhaye; gāvau hi kapile krītvā vatsale bahudohane

„Darauf tat ich zur Läuterung meiner selbst ein gutes Werk: Ich kaufte zwei rotbraune, kalbende, viel Milch gebende Kühe.“

Wort für Wort
tato me sukṛtaṃ karma kṛtam
darauf wurde von mir ein gutes Werk getan (Abl.-Adv./Instr./Nom./Part.Pass.)
ātmaviśuddhaye
zur Läuterung meiner selbst (Dat.)
gāvau hi kapile
denn zwei Kühe, rotbraune (Akk.Du.)
krītvā vatsale bahudohane
nachdem ich gekauft hatte, kalbende, ergiebige (Abs./Akk.Du.)

te coñchavṛttaye rājan mayā samapavarjite; yathāvidhi yathāśraddhaṃ tad asyāhaṃ punaḥ prabho

„Und diese beiden habe ich, König, [einem] von Ährenlese Lebenden überlassen, vorschriftsgemäß und dem Maß meines Glaubens entsprechend; das [Verdienst] davon, Herr, [will ich] diesem nun wieder [geben].“

Wort für Wort
te coñchavṛttaye rājan
und diese beiden dem von Ährenlese Lebenden, o König (Nom.Du./Dat./Vok.)
mayā samapavarjite
von mir überlassen (Instr./Part.Pass.Du.)
yathāvidhi yathāśraddhaṃ
vorschriftsgemäß, nach [Maß des] Glaubens (Adv.)
tad asyāhaṃ punaḥ prabho
das, diesem ich wieder, o Herr (Akk.Sg.N./Dat.-Gen./Adv./Vok.)

Der Satz setzt sich in 192.095 fort (prayacche).

ihādya vai gṛhītvā tat prayacche dviguṇaṃ phalam; ekasyāḥ puruṣavyāghra kaḥ śuddhaḥ ko 'tra doṣavān

„Hier und heute will ich jenes annehmen und [ihm] die doppelte Frucht geben; [nun aber] – bei der einen [Kuh], Tiger unter den Männern: Wer ist rein, wer hier fehlerhaft?“

Wort für Wort
ihādya vai gṛhītvā tat
hier und heute, nachdem ich jenes genommen habe (Adv./Abs.)
prayacche dviguṇaṃ phalam
will ich geben die doppelte Frucht (1.Sg.Präs.)
ekasyāḥ puruṣavyāghra
was die eine betrifft, o Tiger unter den Männern (Gen.F./Vok.)
kaḥ śuddhaḥ ko 'tra doṣavān
wer ist rein, wer hier fehlerhaft (Nom./Nom.)

Der Sinn von ekasyāḥ ist nicht ganz klar.

evaṃ vivadamānau svas tvām ihābhyāgatau nṛpa; kuru dharmam adharmaṃ vā vinaye nau samādhaya

„So miteinander streitend sind wir beide zu dir gekommen, o Fürst; tu Recht oder Unrecht – bringe uns beide in Ordnung [schlichte unseren Streit].“

Wort für Wort
evaṃ vivadamānau svas
so streitend sind wir beide (Part.Du./1.Du.Präs.)
tvām ihābhyāgatau nṛpa
zu dir hier gekommen, o Fürst (Akk./Part.Du./Vok.)
kuru dharmam adharmaṃ vā
tu Recht oder Unrecht (Imp./Akk.)
vinaye nau samādhaya
bei [unserer] Zurechtweisung ordne uns (Lok./Akk.Du./Imp.Kaus.)

yadi necchati me dānaṃ yathā dattam anena vai; bhavān atra sthiro bhūtvā mārge sthāpayatu prabhuḥ

„Wenn er meine Gabe nicht will, so wie sie von diesem gegeben worden ist, so möge der Herr hier fest bleiben und [uns] auf den [rechten] Weg stellen.“

Wort für Wort
yadi necchati me dānaṃ
wenn er meine Gabe nicht will (3.Sg.Präs./Akk.)
yathā dattam anena vai
so wie sie von diesem gegeben wurde (Part.Pass./Instr.)
bhavān atra sthiro bhūtvā
Ihr [Majestät], hier fest geworden (Nom./Abs.)
mārge sthāpayatu prabhuḥ
möge auf den Weg stellen, der Herr (3.Sg.Imp.Kaus./Nom.)

rājovāca; dīyamānaṃ na gṛhṇāsi ṛṇaṃ kasmāt tvam adya vai; yathaiva te 'bhyanujñātaṃ tathā gṛhṇīṣva māciram

Der König sprach: „Warum nimmst du heute die dir gebotene Schuld nicht an? Wie es dir erlaubt ist, so nimm [sie], ohne Verzug.“

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
dīyamānaṃ na gṛhṇāsi
du nimmst das Gegebene nicht (Part.Pass.Präs./2.Sg.)
ṛṇaṃ kasmāt tvam adya vai
die Schuld, warum, du, heute (Akk./Abl.)
yathaiva te 'bhyanujñātaṃ
wie dir erlaubt ist (Part.Pass.)
tathā gṛhṇīṣva māciram
so nimm, nicht spät (Imp.Med./Adv.)

vikṛta uvāca; dīyatām ity anenoktaṃ dadānīti tathā mayā; nāyaṃ me dhārayaty atra gamyatāṃ yatra vāñchati

Vikṛta sprach: „‚Es werde gegeben‘, sagte dieser; ‚ich gebe‘, [sagte] so ich; dieser schuldet mir hier nichts; er möge gehen, wohin er will.“

Wort für Wort
vikṛta uvāca
Vikṛta sprach
dīyatām ity anenoktaṃ
‚es werde gegeben‘, so wurde von diesem gesagt (3.Sg.Imp.Pass./Instr./Part.Pass.)
dadānīti tathā mayā
‚ich gebe‘, so [sagte] ich (1.Sg.Präs.)
nāyaṃ me dhārayaty atra
dieser schuldet mir hier nichts (3.Sg.Präs.)
gamyatāṃ yatra vāñchati
es werde gegangen, wohin er wünscht (Imp.Pass. unpers./3.Sg.)

rājovāca; dadato 'sya na gṛhṇāsi viṣamaṃ pratibhāti me; daṇḍyo hi tvaṃ mama mato nāsty atra khalu saṃśayaḥ

Der König sprach: „Dass du das von diesem Gegebene nicht nimmst, erscheint mir ungehörig; nach meiner Ansicht bist du strafwürdig, darüber besteht hier gewiss kein Zweifel.“

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
dadato 'sya na gṛhṇāsi
[was] von diesem, der gibt, du nicht nimmst (Gen.Part./2.Sg.)
viṣamaṃ pratibhāti me
erscheint ungleich/ungehörig mir (Nom.N./3.Sg.)
daṇḍyo hi tvaṃ mama mato
strafwürdig bist du nach meiner Ansicht (Nom./Part.Pass.)
nāsty atra khalu saṃśayaḥ
hier besteht wahrlich kein Zweifel (Nom.)

vikṛta uvāca; mayāsya dattaṃ rājarṣe gṛhṇīyāṃ tat kathaṃ punaḥ; kāmam atrāparādho me daṇḍyam ājñāpaya prabho

Vikṛta sprach: „Von mir ist [es] diesem gegeben worden, Königsweiser; wie könnte ich es wieder nehmen? Gern: Wenn hier ein Vergehen bei mir liegt, so ordne, Herr, die Strafe an.“

Wort für Wort
vikṛta uvāca
Vikṛta sprach
mayāsya dattaṃ rājarṣe
von mir diesem gegeben, o Königsweiser (Instr./Part.Pass./Vok.)
gṛhṇīyāṃ tat kathaṃ punaḥ
wie könnte ich das wieder nehmen (Opt.1.Sg.)
kāmam atrāparādho me
meinetwegen: hier [liegt] ein Vergehen bei mir (Adv./Nom./Gen.)
daṇḍyam ājñāpaya prabho
ordne das Strafbare an, o Herr (Akk./Imp.Kaus.)

virūpa uvāca; dīyamānaṃ yadi mayā neṣiṣyasi kathaṃ cana; niyaṃsyati tvā nṛpatir ayaṃ dharmānuśāsakaḥ

Virūpa sprach: „Wenn du das von mir Gegebene auf keine Weise annehmen wirst, wird dich dieser König, der Lehrer des Dharma, zügeln.“

Wort für Wort
virūpa uvāca
Virūpa sprach
dīyamānaṃ yadi mayā
wenn das von mir Gegebene (Part.Pass./Instr.)
neṣiṣyasi kathaṃ cana
du nicht annehmen wirst, irgendwie (2.Sg.Fut. / Adv.)
niyaṃsyati tvā nṛpatir
wird dich zügeln der Herr der Menschen (3.Sg.Fut./Akk./Nom.)
ayaṃ dharmānuśāsakaḥ
dieser, Unterweiser im Dharma (Nom.)

neṣiṣyasi: Form unsicher (na + iṣyasi ‚wollen/annehmen‘ o. ä.).

vikṛta uvāca; svaṃ mayā yāciteneha dattaṃ katham ihādya tat; gṛhṇīyāṃ gacchatu bhavān abhyanujñāṃ dadāni te

Vikṛta sprach: „Wie könnte ich mein Eigenes, das ich erbeten hatte und das [mir] hier gegeben wurde, heute wieder nehmen? Geh, Herr; ich gebe dir die Erlaubnis.“

Wort für Wort
vikṛta uvāca
Vikṛta sprach
svaṃ mayā yāciteneha dattaṃ
das Eigene, von mir erbeten, hier gegeben (Nom./Instr.Part.Pass./Part.Pass.)
katham ihādya tat gṛhṇīyāṃ
wie sollte ich das heute hier nehmen (Opt.1.Sg.)
gacchatu bhavān
möge Euer [Gnaden] gehen (3.Sg.Imp.)
abhyanujñāṃ dadāni te
Erlaubnis gebe ich dir (Akk./1.Sg.Präs.)

brāhmaṇa uvāca; śrutam etat tvayā rājann anayoḥ kathitaṃ dvayoḥ; pratijñātaṃ mayā yat te tad gṛhāṇāvicāritam

Der Brahmane sprach: „Dies hast du, König, gehört, von diesen beiden gesagt; was ich dir zugesagt habe, das nimm ohne Zaudern.“

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
śrutam etat tvayā rājann
dies wurde von dir gehört, o König (Part.Pass./Instr./Vok.)
anayoḥ kathitaṃ dvayoḥ
von diesen beiden gesagt (Gen.Du./Part.Pass.)
pratijñātaṃ mayā yat te
was von mir dir versprochen wurde (Part.Pass./Instr.)
tad gṛhāṇāvicāritam
das nimm, unüberlegt/ohne Zögern (Imp./Adv.)

rājovāca; prastutaṃ sumahat kāryam āvayor gahvaraṃ yathā; jāpakasya dṛḍhīkāraḥ katham etad bhaviṣyati

Der König sprach: „Eine sehr große Aufgabe ist uns beiden bevorgetreten, wie ein Dickicht [schwer zu durchdringen]; wie wird diese Bekräftigung des Rezitierers zustande kommen?“

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
prastutaṃ sumahat kāryam
sehr große Aufgabe ist aufgekommen (Part.Pass./Nom.)
āvayor gahvaraṃ yathā
für uns beide, wie ein Dickicht (Gen.Du./Vergleich)
jāpakasya dṛḍhīkāraḥ
die Bekräftigung des Rezitierers (Gen./Nom.)
katham etad bhaviṣyati
wie wird dies geschehen (3.Sg.Fut.)

dṛḍhīkāra: ‚Festmachen/Bestätigen‘; Sinn im Kontext (Bekräftigung der Frucht des Rezitierers) angesetzt.

yadi tāvan na gṛhṇāmi brāhmaṇenāpavarjitam; kathaṃ na lipyeyam ahaṃ doṣeṇa mahatādya vai

„Wenn ich einerseits das vom Brahmanen Überlassene nicht nehme, wie würde ich dann heute nicht von einem großen Makel befleckt?“

Wort für Wort
yadi tāvan na gṛhṇāmi
wenn ich nun nicht nehme (1.Sg.Präs.)
brāhmaṇenāpavarjitam
das vom Brahmanen Überlassene (Instr./Part.Pass.)
kathaṃ na lipyeyam ahaṃ
wie würde ich nicht befleckt werden (Opt.Pass.1.Sg.)
doṣeṇa mahatādya vai
von großem Makel, heute (Instr./Adv.)

bhīṣma uvāca; tau covāca sa rājarṣiḥ kṛtakāryau gamiṣyathaḥ; nedānīṃ mām ihāsādya rājadharmo bhaven mṛṣā

Bhīṣma sprach: „Und der Königsweise sagte zu den beiden: ‚Ihr werdet gehen, wenn eure Sache erledigt ist; nicht [soll] jetzt, da ihr mich hier aufgesucht habt, der Königsdharma zur Unwahrheit werden.‘“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
tau covāca sa rājarṣiḥ
und zu den beiden sagte jener Königsweise (Akk.Du./Perf.)
kṛtakāryau gamiṣyathaḥ
ihr beiden werdet gehen, mit erledigter Sache (Nom.Du./2.Du.Fut.)
nedānīṃ mām ihāsādya
nicht jetzt, nachdem ihr mich hier erreicht habt (Adv./Abs.)
rājadharmo bhaven mṛṣā
der Königsdharma möge falsch werden (Nom./Opt./Adv.)

svadharmaḥ paripālyaś ca rājñām eṣa viniścayaḥ; vipradharmaś ca sugurur mām anātmānam āviśat

„Die eigene Pflicht ist von Königen zu wahren – das ist die feste Entscheidung; und die sehr gewichtige Pflicht des Brahmanen hat mich, den [selbst] nicht Gefassten, ergriffen [?].“

Wort für Wort
svadharmaḥ paripālyaś ca
und die eigene Pflicht ist zu wahren (Nom./Gerundiv)
rājñām eṣa viniścayaḥ
für Könige, dies ist die Entscheidung (Gen.Pl./Nom.)
vipradharmaś ca sugurur
und die Brahmanenpflicht, sehr gewichtig (Nom.)
mām anātmānam āviśat
drang in mich, den Unbeherrschten (Akk./Akk./Impf.)

anātmānam: unsicher (‚nicht selbstbeherrscht/ohne Fassung‘).

brāhmaṇa uvāca; gṛhāṇa dhāraye 'haṃ te yācitaṃ te śrutaṃ mayā; na ced grahīṣyase rājañ śapiṣye tvāṃ na saṃśayaḥ

Der Brahmane sprach: „Nimm [es]! Ich halte [es] für dich bereit; deine Bitte habe ich gehört. Wenn du nicht nimmst, König, werde ich dich verfluchen – daran ist kein Zweifel.“

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
gṛhāṇa dhāraye 'haṃ te
nimm; ich halte bereit/schulde dir (Imp./1.Sg.Präs.)
yācitaṃ te śrutaṃ mayā
deine Bitte wurde von mir gehört (Part.Pass.)
na ced grahīṣyase rājañ
wenn du nicht nimmst, König (2.Sg.Fut./Vok.)
śapiṣye tvāṃ na saṃśayaḥ
ich werde dich verfluchen, kein Zweifel (1.Sg.Fut./Akk.)

rājovāca; dhig rājadharmaṃ yasyāyaṃ kāryasyeha viniścayaḥ; ityarthaṃ me grahītavyaṃ kathaṃ tulyaṃ bhaved iti

Der König sprach: „Pfui über den Königsdharma, dessen Entscheidung in dieser Sache so ist! ‚Deswegen muss von mir genommen werden‘ – wie könnte es [dabei] gleich[wertig] sein?“

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
dhig rājadharmaṃ
pfui über den Königsdharma (Interj./Akk.)
yasyāyaṃ kāryasyeha viniścayaḥ
dessen dieser Entscheidung in der Sache hier (Gen./Nom.)
ityarthaṃ me grahītavyaṃ
deswegen ist von mir zu nehmen (Gerundiv)
kathaṃ tulyaṃ bhaved iti
wie wäre es gleich [?] (Opt.)

Zweiter Halbvers sprachlich knapp; Sinn (‚wo bleibt da der Ausgleich?‘) unsicher.

eṣa pāṇir apūrvaṃ bho nikṣepārthaṃ prasāritaḥ; yan me dhārayase vipra tad idānīṃ pradīyatām

„Diese Hand, ach, ist noch nie zum Hineinlegen [einer Gabe] ausgestreckt worden; was du, Brahmane, [für mich] bereithältst, das werde jetzt gegeben.“

Wort für Wort
eṣa pāṇir apūrvaṃ bho
diese Hand [war] nie zuvor, he (Nom./Adv./Interj.)
nikṣepārthaṃ prasāritaḥ
zum Hineinlegen ausgestreckt (Part.Pass.)
yan me dhārayase vipra
was du mir schuldest/bereithältst, Brahmane (2.Sg.Präs./Vok.)
tad idānīṃ pradīyatām
das werde jetzt gegeben (3.Sg.Imp.Pass.)

brāhmaṇa uvāca; saṃhitāṃ japatā yāvān mayā kaś cid guṇaḥ kṛtaḥ; tat sarvaṃ pratigṛhṇīṣva yadi kiṃ cid ihāsti me

Der Brahmane sprach: „Welches Verdienst auch immer ich durch das Rezitieren der Saṃhitā erworben habe – all das nimm entgegen, wenn ich hier überhaupt etwas habe.“

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
saṃhitāṃ japatā yāvān
beim Rezitieren der Saṃhitā, so viel (Akk./Part.Instr.)
mayā kaś cid guṇaḥ kṛtaḥ
von mir irgendein Vorzug erwirkt (Instr./Nom./Part.Pass.)
tat sarvaṃ pratigṛhṇīṣva
all das nimm an (Imp.Med.)
yadi kiṃ cid ihāsti me
wenn hier etwas ist bei mir (3.Sg.Präs.)

rājovāca; jalam etan nipatitaṃ mama pāṇau dvijottama; samam astu sahaivāstu pratigṛhṇātu vai bhavān

Der König sprach: „Dieses Wasser ist in meine Hand gefallen, bester der Zweimalgeborenen; es soll gleich[geteilt] sein, [es sei] gemeinsam; nimm auch du [es] an.“

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
jalam etan nipatitaṃ
dieses Wasser ist gefallen (Nom./Part.Pass.)
mama pāṇau dvijottama
in meine Hand, bester der Zweimalgeborenen (Lok./Vok.)
samam astu sahaivāstu
gleich soll es sein, gemeinsam sei es (3.Sg.Imp.)
pratigṛhṇātu vai bhavān
es nehme an Eure [Gnaden] (3.Sg.Imp.)

virūpa uvāca; kāmakrodhau viddhi nau tvam āvābhyāṃ kārito bhavān

Virūpa sprach: „Wisse uns beide als Kāma [Begierde] und Krodha [Zorn]; von uns beiden bist du [zu diesem Verhalten] veranlasst worden.“

Wort für Wort
virūpa uvāca
Virūpa sprach
kāmakrodhau viddhi nau
Kāma und Krodha wisse [uns] (Akk.Du./Imp./Akk.Du.)
tvam āvābhyāṃ kārito bhavān
du bist von uns beiden veranlasst worden (Nom./Instr.Du./Part.Kaus.)

jijñāsamānau yuvayor manotthaṃ tu dvijottama

[Wir haben] das im Geist von euch beiden Entstandene prüfen wollen, bester der Zweimalgeborenen.

Wort für Wort
jijñāsamānau
prüfen wollend (Part.Du.Nom.)
yuvayor manotthaṃ tu
euer beider im Geist Entstandenes (Gen.Du./Akk.)
dvijottama
bester der Zweimalgeborenen (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe; Bezug von manottham unsicher.

sameti ca yad uktaṃ te samā lokās tavāsya ca

Und was du gesagt hast, trifft zu: Gleich sind die Welten, dir und diesem [gehörend].

Wort für Wort
sameti ca yad uktaṃ te
und es trifft zu, was von dir gesagt wurde (3.Sg.Präs./Part.Pass.)
samā lokās
gleich [sind] die Welten (Nom.Pl.)
tavāsya ca
dir und diesem (Gen./Gen.)

nāyaṃ dhārayate kiṃ cij jijñāsā tvatkṛte kṛtā; kālo dharmas tathā mṛtyuḥ kāmakrodhau tathā yuvām

„Dieser schuldet nichts; die Prüfung ist deinetwegen angestellt worden. Kāla [die Zeit], Dharma, ebenso Mṛtyu, Kāma und Krodha, und ihr beide [seid hier zugegen].“

Wort für Wort
nāyaṃ dhārayate kiṃ cij
dieser schuldet nichts (3.Sg.Präs.)
jijñāsā tvatkṛte kṛtā
die Prüfung wurde deinetwegen gemacht (Nom./Part.Pass.)
kālo dharmas tathā mṛtyuḥ
Kāla, Dharma, ebenso Mṛtyu (Nom.)
kāmakrodhau tathā yuvām
Kāma und Krodha, ebenso ihr beide (Nom.Du.)

Der Sinn der Aufzählung (Zeugen bzw. Beteiligte der Prüfung) ist elliptisch.

sarvam anyonyanikaṣe nighṛṣṭaṃ paśyatas tava

„Alles wurde vor deinen Augen am Prüfstein des gegenseitigen [Aneinanders] durchgerieben.“

Wort für Wort
sarvam
alles (Nom.)
anyonyanikaṣe nighṛṣṭaṃ
am Prüfstein gegenseitig gerieben (Lok./Part.Pass.)
paśyatas tava
während du zusahst (Gen.Abs.)

sarveṣām upari sthānaṃ brahmaṇo 'vyaktajanmanaḥ; yuvayoḥ sthānam atulaṃ nirdvaṃdvam amalātmakam; sarve gacchāma yatra svān svāṃl lokāṃś ca tathā vayam

„Über allen ist der Ort des Brahman, dessen Geburt unmanifest ist; euer beider Ort ist unvergleichlich, frei von Gegensatzpaaren, makellos; wir alle gehen dorthin, wo unsere eigenen Welten [sind] [?].“

Wort für Wort
sarveṣām upari sthānaṃ
über allen der Ort (Gen.Pl./Adv./Nom.)
brahmaṇo 'vyaktajanmanaḥ
des Brahman/Brahmā, dessen Geburt unmanifest ist (Gen.)
yuvayoḥ sthānam atulaṃ
euer beider Ort, unvergleichlich (Gen.Du./Nom.)
nirdvaṃdvam amalātmakam
frei von Gegensätzen, makellos (Nom.N.)
sarve gacchāma yatra svān
wir alle gehen, wohin die eigenen (1.Pl.Präs./Akk.Pl.)
svāṃl lokāṃś ca tathā vayam
eigenen Welten, und ebenso wir (Akk.Pl./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; letzter Pāda syntaktisch unklar.

gaccha lokāñ jitān svena karmaṇā yatra vāñchasi

„Geh zu den durch dein eigenes Werk gewonnenen Welten, wohin du willst.“

Wort für Wort
gaccha lokāñ jitān
geh zu den eroberten Welten (Imp./Akk.Pl.)
svena karmaṇā
durch dein eigenes Werk (Instr.)
yatra vāñchasi
wohin du wünschst (2.Sg.Präs.)

tato dharmayamādyās te vākyam ūcur nṛpadvijau; asmākaṃ yaḥ smṛto mūrdhā brahmalokam iti smṛtam; tatrasthau hi bhavantau hi yuvābhyāṃ nirjitā vayam; yuvayoḥ kāma āpannas tat kāmyam aviśaṅkayā

Darauf sprachen Dharma, Yama und die anderen dem Fürsten und dem Brahmanen [dieses] Wort: „Was bei uns als Haupt gilt, die Brahmawelt, so wird überliefert – dort weilt ihr beide; von euch beiden sind wir besiegt. Bei euch beiden ist ein Wunsch aufgekommen; jenes Ersehnte [nehmt] ohne Bedenken [?].“

Wort für Wort
tato dharmayamādyās te
darauf jene, Dharma, Yama usw. (Adv./Nom.Pl.)
vākyam ūcur nṛpadvijau
sprachen ein Wort zu Fürst und Brahmane (Perf.3.Pl./Akk.Du.)
asmākaṃ yaḥ smṛto mūrdhā
was bei uns als Haupt überliefert ist (Gen./Part.Pass.)
brahmalokam iti smṛtam
die Brahmawelt, so überliefert (Akk./Part.Pass.)
tatrasthau hi bhavantau hi
denn dort befindlich seid ihr beide (Nom.Du.)
yuvābhyāṃ nirjitā vayam
von euch beiden sind wir besiegt (Instr.Du./Part.Pass.)
yuvayoḥ kāma āpannas
bei euch beiden ist Wunsch eingetreten (Gen.Du./Nom./Part.)
tat kāmyam aviśaṅkayā
jenes Ersehnte, ohne Bedenken (Nom.N./Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Schlusspāda (tat kāmyam aviśaṅkayā) sinngemäß ergänzt, unsicher.

bhīṣma uvāca; jāpakānāṃ phalāvāptir mayā te saṃprakīrtitā; gatiḥ sthānaṃ ca lokāś ca jāpakena yathā jitāḥ

Bhīṣma sprach: „Die Erlangung der Frucht der Rezitierer habe ich dir verkündet – [auch] den Weg, den Ort und die Welten, wie sie vom Rezitierer erobert werden.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
jāpakānāṃ phalāvāptir
die Erlangung der Frucht der Rezitierer (Gen.Pl./Nom.)
mayā te saṃprakīrtitā
von mir dir verkündet (Instr./Part.Pass.)
gatiḥ sthānaṃ ca lokāś ca
Weg, Ort und Welten (Nom.)
jāpakena yathā jitāḥ
wie vom Rezitierer erobert (Instr./Part.Pass.)

prayāti saṃhitādhyāyī brahmāṇaṃ parameṣṭhinam; atha vāgniṃ samāyāti sūryam āviśate 'pi vā

„Der Saṃhitā-Rezitierer geht zu Brahmā, dem Höchststehenden; oder er geht ins Feuer ein oder dringt in die Sonne ein.“

Wort für Wort
prayāti saṃhitādhyāyī
es geht der Saṃhitā-Rezitierer (3.Sg.Präs./Nom.)
brahmāṇaṃ parameṣṭhinam
zu Brahmā, dem Höchststehenden (Akk.)
atha vāgniṃ samāyāti
oder er geht zum Feuer (Akk./3.Sg.)
sūryam āviśate 'pi vā
oder dringt in die Sonne ein (Akk./3.Sg.Med.)

sa taijasena bhāvena yadi tatrāśnute ratim; guṇāṃs teṣāṃ samādatte rāgeṇa pratimohitaḥ

„Wenn er dort in strahlendem Zustand Gefallen findet, nimmt er, von Leidenschaft betört, deren Eigenschaften an.“

Wort für Wort
sa taijasena bhāvena
er, in strahlendem Zustand (Instr.)
yadi tatrāśnute ratim
wenn er dort Freude erlangt (3.Sg.Präs.Med./Akk.)
guṇāṃs teṣāṃ samādatte
deren Eigenschaften nimmt er an (Akk.Pl./Gen./3.Sg.)
rāgeṇa pratimohitaḥ
durch Leidenschaft betört (Instr./Part.Pass.)

evaṃ some tathā vāyau bhūmyākāśaśarīragaḥ; sarāgas tatra vasati guṇāṃs teṣāṃ samācaran

„So, im Mond und im Wind, in Erde, Raum und [dortigen] Körpern weilend, wohnt er dort mit Leidenschaft und übt deren Eigenschaften aus.“

Wort für Wort
evaṃ some tathā vāyau
so im Mond, ebenso im Wind (Lok.)
bhūmyākāśaśarīragaḥ
in Erde, Raum und Körper[n] gehend/weilend (Nom.)
sarāgas tatra vasati
leidenschaftlich wohnt er dort (Nom./3.Sg.)
guṇāṃs teṣāṃ samācaran
deren Eigenschaften ausübend (Akk.Pl./Part.)

Kompositum bhūmyākāśaśarīragaḥ unsicher.

atha tatra virāgī sa gacchati tv atha saṃśayam; param avyayam icchan sa tam evāviśate punaḥ

„Ist er dort aber leidenschaftslos, so geht er [weiter] in die Ungewissheit [?]; das Höchste, Unvergängliche erstrebend, dringt er wiederum in eben dieses ein.“

Wort für Wort
atha tatra virāgī sa
ist er dort aber leidenschaftslos (Nom.)
gacchati tv atha saṃśayam
so geht er in die Ungewissheit (3.Sg.Präs./Akk.) [?]
param avyayam icchan sa
das Höchste, Unvergängliche wünschend (Akk./Part.)
tam evāviśate punaḥ
in eben dieses dringt er wieder ein (Akk./3.Sg.Med./Adv.)

saṃśayam unsicher (evtl. ‚Zweifelhaftes/Schwebezustand‘).

amṛtāc cāmṛtaṃ prāptaḥ śītībhūto nirātmavān; brahmabhūtaḥ sa nirdvaṃdvaḥ sukhī śānto nirāmayaḥ

„Vom Unsterblichen zum Unsterblichen gelangt, abgekühlt, ohne Ich-Bindung, zum Brahman geworden, frei von Gegensätzen, glücklich, friedlich, ohne Leiden.“

Wort für Wort
amṛtāc cāmṛtaṃ prāptaḥ
vom Unsterblichen zum Unsterblichen gelangt (Abl./Akk./Part.Pass.)
śītībhūto nirātmavān
abgekühlt, ohne Selbstbezogenheit (Nom.)
brahmabhūtaḥ sa nirdvaṃdvaḥ
zum Brahman geworden, er, frei von Gegensätzen (Nom.)
sukhī śānto nirāmayaḥ
glücklich, friedlich, krankheitsfrei (Nom.)

brahmasthānam anāvartam ekam akṣarasaṃjñakam; aduḥkham ajaraṃ śāntaṃ sthānaṃ tat pratipadyate

„Den Ort des Brahman, aus dem es keine Wiederkehr gibt, den einen, ‚das Unvergängliche‘ genannten, ohne Leid, ohne Alter, friedvoll – jenen Ort erreicht er.“

Wort für Wort
brahmasthānam anāvartam
Ort des Brahman, ohne Wiederkehr (Akk.)
ekam akṣarasaṃjñakam
den einen, ‚Akṣara‘ genannten (Akk.)
aduḥkham ajaraṃ śāntaṃ
leidfrei, alterslos, friedvoll (Akk.)
sthānaṃ tat pratipadyate
jenen Ort erreicht er (Akk./3.Sg.Präs.Med.)

caturbhir lakṣaṇair hīnaṃ tathā ṣaḍbhiḥ saṣoḍaśaiḥ; puruṣaṃ samatikramya ākāśaṃ pratipadyate

„Frei von vier Merkmalen, ebenso von sechs, samt [den] sechzehn: Nachdem er den Puruṣa überschritten hat, erreicht er den Äther [?].“

Wort für Wort
caturbhir lakṣaṇair hīnaṃ
frei von vier Merkmalen (Instr./Akk.)
tathā ṣaḍbhiḥ saṣoḍaśaiḥ
ebenso von sechs samt sechzehn (Instr.)
puruṣaṃ samatikramya
den Puruṣa überschreitend (Akk./Abs.)
ākāśaṃ pratipadyate
erreicht den Äther (Akk./3.Sg.Präs.Med.)

Zahlenangaben (vier, sechs, sechzehn) nicht sicher aufzulösen; wörtlich wiedergegeben.

atha vecchati rāgātmā sarvaṃ tad adhitiṣṭhati; yac ca prārthayate tac ca manasā pratipadyate

„Oder wünscht er, in Leidenschaft [verharrend], so beherrscht er all jenes; und was er erstrebt, das erlangt er durch den Geist.“

Wort für Wort
atha vecchati rāgātmā
oder wenn er wünscht, leidenschaftlich (3.Sg.Präs./Nom.)
sarvaṃ tad adhitiṣṭhati
all jenes beherrscht er (Akk./3.Sg.)
yac ca prārthayate
und was er erstrebt (3.Sg.Präs.Med.)
tac ca manasā pratipadyate
das erlangt er durch den Geist (Instr./3.Sg.)

atha vā vīkṣate lokān sarvān nirayasaṃsthitān; niḥspṛhaḥ sarvato muktas tatraiva ramate sukhī

„Oder er blickt auf alle Welten, die in der Hölle befindlich sind; ohne Verlangen, überall gelöst, freut er sich eben dort, glücklich.“

Wort für Wort
atha vā vīkṣate lokān
oder er schaut auf die Welten (3.Sg.Präs.Med./Akk.Pl.)
sarvān nirayasaṃsthitān
alle, in der Hölle befindlich (Akk.Pl.)
niḥspṛhaḥ sarvato muktas
begierdelos, überall befreit (Nom.)
tatraiva ramate sukhī
eben dort freut er sich, glücklich (3.Sg.Präs.Med./Nom.)

evam eṣā mahārāja jāpakasya gatir yathā; etat te sarvam ākhyātaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi

„So, großer König, ist dies der Weg des Rezitierers, wie er [wirklich] ist; all dies wurde dir dargelegt – was willst du noch weiter hören?“

Wort für Wort
evam eṣā mahārāja
so, dies, o großer König (Adv./Nom.F./Vok.)
jāpakasya gatir yathā
des Rezitierers Weg, wie er ist (Gen./Nom.)
etat te sarvam ākhyātaṃ
dies alles wurde dir erzählt (Part.Pass.)
kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
was willst du noch hören (Adv./Inf./2.Sg.Präs.)

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