Kapitel 192: jāpakopākhyāne jāpakasya kālamṛtyudharmādibhiḥ saha vivādaḥ
Der Murmelbeter-Brāhmaṇa und der Streit um den Lohn seines Japa mit Ikṣvāku vor Dharma, Kāla und Mṛtyu
Bhīṣma erzählt auf Yudhiṣṭhiras Bitte die Geschichte des Japa-Übenden Paippalādi Kauśika, dem Sāvitrī einen Aufstieg zum Brahman-Ort verheißt, und seines Streits mit König Ikṣvāku, Dharma, Kāla, Mṛtyu und Yama über den Lohn des Murmelns; sie stellt das Japa als Weg zur höchsten Gelangung dar.
yudhiṣṭhira uvāca; kālamṛtyuyamānāṃ ca brāhmaṇasya ca sattama; vivādo vyāhṛtaḥ pūrvaṃ tad bhavān vaktum arhati
Yudhiṣṭhira sprach: Der Streit zwischen Kāla, Mṛtyu und Yama einerseits und einem Brāhmaṇa andererseits, du Bester [der Männer], wurde früher erwähnt; davon möge der Herr [nun] erzählen.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
kālamṛtyuyamānāṃ ca brāhmaṇasya ca
der Kāla, Mṛtyu und Yama [einerseits] und des Brāhmaṇa [andererseits] (Gen.; Dvandva-Kompositum)
sattama
du Bester (Vok.)
vivādo vyāhṛtaḥ pūrvam
der Streit wurde früher erwähnt (Nom.Sg.m./Part.Pass./Adv.)
tad bhavān vaktum arhati
das möge Euer Gnaden sagen (Inf.; 3.Sg.Präs.)
kālamṛtyuyamānām: mit gestützter Lesart als Gen.Pl. eines Dvandva aufgefasst [?].
Aus eben dem Grund, weshalb [das Gespräch] hier mit Reden über das Dharma verbunden war [Anm.: Halbvers ohne Anschluss, nur in einem Teil der Handschriften].
Wort für Wort
yena eva kāraṇena
aus eben dem Grunde, durch den (Instr.Sg.)
atra
hier (Adv.)
dharmavādasamanvitaḥ
mit Dharma-Rede verbunden (Nom.Sg.m., Kompositum)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, einzeln kaum verständlich; Bezug (Gespräch) ergänzt.
Es gab einen Brāhmaṇa, einen Murmelbeter [Japa-Übenden], der im Dharma lebte und von großem Ruhm war, kundig der sechs Glieder [des Veda], hochweise, Paippalādi aus dem Geschlecht der Kauśika.
Wort für Wort
brāhmaṇo jāpakaḥ kaś cid
ein gewisser Brāhmaṇa, Murmelbeter (Nom.Sg.)
dharmavṛtto mahāyaśāḥ
im Dharma wandelnd, von großem Ruhm (Nom.Sg., Kompositum)
sa devyā darśitaḥ sākṣāt prītāsmīti tadā kila; japyam āvartayaṃs tūṣṇīṃ na ca tāṃ kiṃ cid abravīt
Da erschien ihm die Göttin leibhaftig, [sprechend:] „Ich bin erfreut“, so heißt es; er aber wiederholte still sein Murmelgebet und sagte zu ihr gar nichts.
Wort für Wort
sa devyā darśitaḥ sākṣāt
er wurde von der Göttin leibhaftig [besucht]/ihm zeigte sich die Göttin (Instr./Part.Pass.)
prītā asmi iti tadā kila
„Ich bin erfreut“, so [sagte sie] damals, wie es heißt (1.Sg.Präs.)
japyam āvartayan tūṣṇīm
das Murmelgebet wiederholend, schweigend (Part.Präs./Adv.)
na ca tāṃ kiṃ cid abravīt
und sagte zu ihr nichts (Impf.3.Sg.)
darśitaḥ sa devyā: wörtlich ‚er wurde von der Göttin gezeigt/sichtbar gemacht‘; sinngemäß wiedergegeben [?].
Sie ist mit vier Silben verbunden, beim Somatrunk aus acht Silben bestehend [je Pāda], mit dem Samen der Welt vereint, ihrem Wesen nach aus vierundzwanzig Silben. [Anm.: Anspielung auf die Gāyatrī.]
Wort für Wort
caturbhir akṣarair yuktā
mit vier Silben verbunden (Instr.Pl./Part.Pass.f.)
somapāne 'kṣarāṣṭakā
beim Somatrunk aus acht Silben [bestehend] (Lok.Sg./Kompositum)
jagadbījasamāyuktā
mit dem Samen der Welt vereint (Nom.Sg.f.)
caturviṃśākṣarātmikā
vierundzwanzig Silben zum Wesen habend (Nom.Sg.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Gāyatrī-Beschreibung (3×8=24 Silben); Zusammenhang des ‚Somatrunk‘-Kompositums unsicher [?].
„Glücklicherweise, Göttin, bist du gnädig gestimmt und zu meinem Anblick gekommen; und wenn du wirklich gnädig bist, so möge mein Geist Freude am Murmelgebet finden.“
Wort für Wort
diṣṭyā devi prasannā tvam
Zum Glück, Göttin, bist du gnädig (Vok./Nom.f.)
darśanaṃ ca āgatā mama
und zum Anblick von mir gekommen (Akk./Part.Pass.f.)
yadi vā api prasannā asi
und wenn du wirklich gnädig bist (2.Sg.Präs.)
japye me ramatāṃ manaḥ
am Murmelgebet möge mein Geist sich erfreuen (Lok./Imp.3.Sg.Med.)
sāvitry uvāca; kiṃ prārthayasi viprarṣe kiṃ ceṣṭaṃ karavāṇi te; prabrūhi japatāṃ śreṣṭha sarvaṃ tat te bhaviṣyati
Sāvitrī sprach: „Was begehrst du, Brahmanen-Seher? Was Gewünschtes soll ich dir tun? Sprich, du Bester der Murmelbeter; alles das wird dir zuteil werden.“
Wort für Wort
sāvitry uvāca
Sāvitrī sprach (Perf.3.Sg.)
kiṃ prārthayasi viprarṣe
was erbittest du, Brahmanen-Seher (2.Sg.Präs./Vok.)
kiṃ ca iṣṭaṃ karavāṇi te
und was Gewünschtes soll ich dir tun (Konj.1.Sg.)
prabrūhi japatāṃ śreṣṭha
sprich, du Bester der Murmelnden (Imp./Gen.Pl.Part.)
niyato japa caikāgro dharmas tvāṃ samupaiṣyati; kālo mṛtyur yamaś caiva samāyāsyanti te 'ntikam; bhavitā ca vivādo 'tra tava teṣāṃ ca dharmataḥ
Bleib beständig, gesammelt und murmle weiter; das Dharma wird dich erreichen. Kāla, Mṛtyu und Yama werden zu dir kommen, und ihr [alle] werdet einen Streit über das Dharma haben.“
Wort für Wort
niyato japa ca ekāgraḥ
beherrscht und gesammelt murmle (Imp.2.Sg.)
dharmas tvāṃ samupaiṣyati
das Dharma wird dich erreichen (Fut.3.Sg.)
kālo mṛtyur yamaś ca eva
Kāla, Mṛtyu und Yama ebenso (Nom.Sg.)
samāyāsyanti te 'ntikam
werden herankommen in deine Nähe (Fut.3.Pl.)
bhavitā ca vivādo 'tra
und ein Streit wird hier sein (Fut.3.Sg.)
tava teṣāṃ ca dharmataḥ
zwischen dir und ihnen wegen des Dharma (Gen./Abl.)
dharma uvāca; dvijāte paśya māṃ dharmam ahaṃ tvāṃ draṣṭum āgataḥ; japyasya ca phalaṃ yat te saṃprāptaṃ tac ca me śṛṇu
Dharma sprach: „Sieh mich, Zweimalgeborener, das Dharma! Ich bin gekommen, dich zu sehen; und höre den Lohn deines Murmelgebets, der dir zuteil geworden ist.
Wort für Wort
dharma uvāca
Dharma sprach
dvijāte paśya māṃ dharmam
Zweimalgeborener, sieh mich, das Dharma (Vok./Imp./Akk.)
aham tvāṃ draṣṭum āgataḥ
ich bin gekommen, dich zu sehen (Inf./Part.Pass.)
japyasya ca phalaṃ yat te saṃprāptam
und den Lohn des Murmelns, der dir zuteil wurde (Gen./Akk./Part.Pass.)
brāhmaṇa uvāca; kṛtaṃ lokair hi me dharma gaccha ca tvaṃ yathāsukham; bahuduḥkhasukhaṃ dehaṃ notsṛjeyam ahaṃ vibho
Der Brāhmaṇa sprach: „Was soll ich mit Welten, Dharma? Geh nur, wie es dir beliebt; einen Körper voll von vielem Leid und Glück gebe ich nicht auf, Herr.“
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
kṛtaṃ lokair hi me dharma
genug mit Welten für mich, Dharma (Instr.Pl./Vok.)
dharma uvāca; avaśyaṃ bhoḥ śarīraṃ te tyaktavyaṃ munipuṃgava; svarga ārohyatāṃ vipra kiṃ vā te rocate 'nagha
Dharma sprach: „Du musst unweigerlich deinen Leib verlassen, Stier unter den Weisen. Steige zum Himmel auf, Brāhmaṇa; oder was gefällt dir, Makelloser?“
Wort für Wort
dharma uvāca
Dharma sprach
avaśyaṃ bhoḥ śarīraṃ te tyaktavyam
unweigerlich, Herr, ist dein Leib zu verlassen (Gerundiv)
munipuṃgava
Stier unter den Weisen (Vok.)
svarga ārohyatām vipra
zum Himmel möge aufgestiegen werden, Brāhmaṇa (Imp.Pass.)
brāhmaṇa uvāca; na rocaye svargavāsaṃ vinā dehād ahaṃ vibho; gaccha dharma na me śraddhā svargaṃ gantuṃ vinātmanā
Der Brāhmaṇa sprach: „Ich mag keinen Aufenthalt im Himmel ohne den Körper, Herr. Geh, Dharma; ich habe keine Lust, ohne mein Selbst [den Körper] in den Himmel zu gehen.“
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
na rocaye svargavāsaṃ
ich mag keinen Himmelsaufenthalt (1.Sg.Präs.)
vinā dehād aham vibho
ohne Körper ich, Herr (Abl./Vok.)
gaccha dharma
geh, Dharma (Imp./Vok.)
na me śraddhā svargaṃ gantum
ich habe keine Lust, in den Himmel zu gehen (Inf.)
Dharma sprach: „Genug, am Körper zu hängen; verlass den Körper und werde glücklich. Geh in die staubfreien Welten, wo du nach der Ankunft nicht mehr trauerst.“
Wort für Wort
dharma uvāca
Dharma sprach
alaṃ dehe manaḥ kṛtvā
genug, den Sinn auf den Körper gerichtet zu haben (Abs.)
tyaktvā dehaṃ sukhī bhava
den Körper verlassen habend werde glücklich (Abs./Imp.)
gaccha lokān arajasaḥ
geh in die staubfreien Welten (Imp./Akk.Pl.)
yatra gatvā na śocasi
wohin gegangen du nicht trauerst (Abs./2.Sg.Präs.)
brāhmaṇa uvāca; rame japan mahābhāga kṛtaṃ lokaiḥ sanātanaiḥ; saśarīreṇa gantavyo mayā svargo na vā vibho
Der Brāhmaṇa sprach: „Ich habe Freude am Murmeln, Hochgesegneter; genug mit den ewigen Welten. Entweder gehe ich mit dem Körper in den Himmel, oder nicht, Herr.“
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
rame japan mahābhāga
ich freue mich, murmelnd, Hochgesegneter (1.Sg.Med./Part./Vok.)
kṛtaṃ lokaiḥ sanātanaiḥ
genug mit den ewigen Welten (Instr.Pl.)
saśarīreṇa gantavyo mayā svargaḥ
mit dem Körper ist von mir der Himmel zu erreichen (Gerundiv)
na vā vibho
oder nicht, Herr (Vok.)
Zweiter Halbvers elliptisch: ‚Der Himmel ist von mir mit Körper zu betreten – oder gar nicht‘.
yathāvad asya japyasya phalaṃ prāptas tvam uttamam; kālas te svargam āroḍhuṃ kālo 'haṃ tvām upāgataḥ
„Du hast den höchsten Lohn dieses Murmelgebets gebührend erlangt; es ist Zeit für dich, in den Himmel aufzusteigen: ich bin Kāla und bin zu dir gekommen.“
Wort für Wort
yathāvat asya japyasya
gebührend dieses Murmelgebets (Adv./Gen.)
phalaṃ prāptas tvam uttamam
den höchsten Lohn hast du erlangt (Part.Pass./Akk.)
kālas te svargam āroḍhum
Zeit ist es für dich, zum Himmel aufzusteigen (Inf.)
bhīṣma uvāca; arghyaṃ pādyaṃ ca dattvā sa tebhyas tatra samāgame; abravīt paramaprītaḥ svaśaktyā kiṃ karomi vaḥ
Bhīṣma sprach: Nachdem er ihnen bei dieser Zusammenkunft Ehrenwasser und Fußwasser gereicht hatte, sagte er hocherfreut: „Was soll ich nach Kräften für euch tun?“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
arghyaṃ pādyaṃ ca dattvā sa
Ehrenwasser und Fußwasser gegeben habend, er (Abs.)
tebhyas tatra samāgame
ihnen dort bei der Zusammenkunft (Dat./Lok.)
abravīt paramaprītaḥ
sprach, höchst erfreut (Impf./Nom.)
svaśaktyā kiṃ karomi vaḥ
nach meiner Kraft was tue ich für euch (Instr./1.Sg.Präs.)
„Ihr seid ganz mit eurem eigenen Geschäft beladen, Ursache von Bedrängnis für andere; ihr seid für die Welt gemeinsam [zuständig]; wozu [seid ihr gekommen], sagt es, ihr Besten.“ Dharma sprach: „Auch wir sind so [gebunden], unablässig dem Befehl des Schöpfers folgend.“ Bhīṣma sprach: „Angetrieben laufen wir eilend, dem Anteil am [Weltwirken] ergeben.“
Wort für Wort
svakāryanirbharā yūyaṃ
ihr, ganz mit eigener Aufgabe belastet (Nom.Pl.)
paropadravahetavaḥ
Ursachen der Bedrängnis anderer (Nom.Pl.)
bhavanto lokasāmānyāḥ kimartham brūta sattamāḥ
ihr, der Welt gemeinsam, wozu—sagt es, ihr Besten (Imp.2.Pl./Vok.)
dharma uvāca vayam apy evam avyagraiḥ
Dharma sprach: auch wir so, unbeirrt (Instr.Pl.)
dhātur ājñāpuraḥsaraiḥ
dem Befehl des Schöpfers voranstellend/folgend (Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, mehrfach elliptisch und wohl korrupt; Zuordnung der Sprecher innerhalb der Einheit und die Wendung karmabhāgam anuvratāḥ unsicher [?].
Ihm bot er einen Sitz an, ebenso Fußwasser und Ehrenwasser, und der Brāhmaṇa sprach zu ihm die Worte, nachdem er sich nach dem Wohlergehen erkundigt hatte.
Wort für Wort
tasmai so 'tha āsanaṃ dattvā
ihm, er da einen Sitz gegeben habend (Dat./Abs.)
pādyam arghyaṃ tathā eva ca
Fußwasser, Ehrenwasser ebenso (Akk.)
abravīd brāhmaṇo vākyam
sprach der Brāhmaṇa ein Wort (Impf.3.Sg.)
kṛtvā kuśalasaṃvidam
nachdem er die Wohlergehens-Unterhaltung geführt hatte (Abs.)
tasmai: Dativ des Empfängers; der Sprecher ist nach dem Sinn der Brāhmaṇa [?].
rājovāca; rājāhaṃ brāhmaṇaś ca tvaṃ yadi ṣaṭkarmasaṃsthitaḥ; dadāmi vasu kiṃ cit te prārthitaṃ tad vadasva me
Der König sprach: „Ich bin König, und du bist Brāhmaṇa, wenn du in den sechs Werken feststehst; ich gebe dir etwas Vermögen: nenne mir das, was du erbittest.“
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
rājā aham brāhmaṇaś ca tvam
ich [bin] König und du Brāhmaṇa (Nom.)
yadi ṣaṭkarmasaṃsthitaḥ
wenn in den sechs Werken feststehend (Nom.Sg.)
dadāmi vasu kiṃ cit te
ich gebe dir etwas Vermögen (1.Sg.Präs.)
prārthitaṃ tad vadasva me
was erbeten [ist], das sag mir (Part.Pass./Imp.Med.)
ṣaṭkarman: die sechs Brahmanenwerke (Lehren, Lernen, Opfern, Opferleiten, Geben, Annehmen); der Nebensatz yadi… wird auf ‚Brāhmaṇa‘ bezogen [?].
brāhmaṇa uvāca; dvividhā brāhmaṇā rājan dharmaś ca dvividhaḥ smṛtaḥ; pravṛttaś ca nivṛttaś ca nivṛtto 'smi pratigrahāt
Der Brāhmaṇa sprach: „Zweifach sind die Brāhmaṇas, König, und zweifach ist das Dharma überliefert: das tätige und das ruhende; ich bin vom Annehmen [von Gaben] ruhend geworden.
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
dvividhā brāhmaṇā rājan
zweifach [sind] die Brāhmaṇas, König (Nom.Pl./Vok.)
dharmaś ca dvividhaḥ smṛtaḥ
und das Dharma ist zweifach überliefert (Part.Pass.)
pravṛttaś ca nivṛttaś ca
tätig und abgewandt (Nom.Sg.)
nivṛtto 'smi pratigrahāt
abgewandt bin ich vom Annehmen (Abl.Sg./1.Sg.Präs.)
tebhyaḥ prayaccha dānāni ye pravṛttā narādhipa; ahaṃ na pratigṛhṇāmi kim iṣṭaṃ kiṃ dadāni te; brūhi tvaṃ nṛpatiśreṣṭha tapasā sādhayāmi kim
Gib diesen Gaben denen, die [aufs Handeln] gerichtet sind, Herr der Menschen; ich nehme nicht an. Was ist dein Wunsch, was soll ich dir geben? Sag es, bester der Könige: was soll ich durch Askese [für dich] vollbringen?
Wort für Wort
tebhyaḥ prayaccha dānāni
gib ihnen Gaben (Imp./Akk.Pl.)
ye pravṛttā narādhipa
die tätig [gerichtet] sind, Herr der Menschen (Nom.Pl./Vok.)
aham na pratigṛhṇāmi
ich nehme nicht an (1.Sg.Präs.)
kim iṣṭaṃ kiṃ dadāni te
was ist gewünscht, was gebe ich dir (Konj.1.Sg.)
brūhi tvaṃ nṛpatiśreṣṭha
sag du, bester der Könige (Imp./Vok.)
tapasā sādhayāmi kim
was vollbringe ich durch Askese (Instr./1.Sg.Präs.)
brāhmaṇa uvāca; tuṣyasi tvaṃ svadharmeṇa tathā tuṣṭā vayaṃ nṛpa; anyonyasyottaraṃ nāsti yad iṣṭaṃ tat samācara
Der Brāhmaṇa sprach: Du bist zufrieden mit deinem eigenen Dharma, und ebenso sind wir zufrieden, König; keiner von uns beiden steht über dem anderen. Was du wünschst, das tu.
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
tuṣyasi tvaṃ svadharmeṇa
du bist zufrieden mit deinem eigenen Dharma (2.Sg.Präs.; Nom.; Instr.)
tathā tuṣṭā vayaṃ nṛpa
ebenso sind wir zufrieden, König (Part.Pass.Nom.Pl.; Vok.)
anyonyasya uttaraṃ na asti
des einen über dem anderen [Überlegenheit] gibt es nicht (Gen.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
Der König sprach: „Nach meinem Vermögen werde ich geben“, hast du früher gesagt. Ich bitte dich: Gib mir, Zweifachgeborener, die Frucht dieses Gebetsmurmelns.
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
svaśaktyā aham dadāmi iti
nach eigener Kraft gebe ich, so (Instr.; 1.Sg.Präs.)
tvayā pūrvaṃ prabhāṣitam
von dir früher gesagt (Instr.; Adv.; Part.Pass.)
yāce tvām
ich bitte dich (1.Sg.Präs.Med.; Akk.)
dīyatāṃ mahyaṃ japyasya asya phalam dvija
gegeben werde mir die Frucht dieses Murmelgebets, Zweifachgeborener (Imp.Pass.; Dat.; Gen.; Akk.; Vok.)
rājovāca; vāgvajrā brāhmaṇāḥ proktāḥ kṣatriyā bāhujīvinaḥ; vāgyuddhaṃ tad idaṃ tīvraṃ mama vipra tvayā saha
Der König sprach: Brāhmaṇas heißen „Wort-Donnerkeile“, Kṣatriyas „vom Arm lebend“. Dies ist ein Kampf mit Worten, ein heftiger, zwischen mir und dir, Weiser.
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
vāgvajrāḥ brāhmaṇāḥ proktāḥ
„Wort-Donnerkeile“ werden die Brāhmaṇas genannt (Nom.Pl.; Part.Pass.)
kṣatriyāḥ bāhujīvinaḥ
die Kṣatriyas [sind] vom Arm Lebende (Nom.Pl.)
vāgyuddhaṃ tad idaṃ tīvraṃ
das ist ein Wortkampf, ein heftiger (Nom.Sg.n.)
mama vipra tvayā saha
zwischen mir, Brāhmaṇa, und dir (Gen.; Vok.; Instr.)
brāhmaṇa uvāca; saivādyāpi pratijñā me svaśaktyā kiṃ pradīyatām; brūhi dāsyāmi rājendra vibhave sati māciram
Der Brāhmaṇa sprach: Eben dieses Versprechen gilt für mich noch heute: „Was soll nach meinem Vermögen gegeben werden?“ Sprich! Ich werde es geben, König der Könige, solange ich Vermögen habe, ohne Zögern.
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
sā eva adya api pratijñā me
eben dieses Versprechen [gilt] auch heute für mich (Nom.Sg.f.; Gen./Dat.)
svaśaktyā kiṃ pradīyatām
was soll nach Kräften gegeben werden (Instr.; Imp.Pass.3.Sg.)
brūhi dāsyāmi rājendra
sprich, ich werde geben, Herr der Könige (Imp.2.Sg.; 1.Sg.Fut.; Vok.)
vibhave sati mā ciram
solange Vermögen da ist, nicht lange [zögernd] (Lok.abs.; Adv.)
rājovāca; yat tad varṣaśataṃ pūrṇaṃ japyaṃ vai japatā tvayā; phalaṃ prāptaṃ tat prayaccha mama ditsur bhavān yadi
Der König sprach: Die Frucht, die du erlangt hast, indem du hundert volle Jahre lang das Gebet murmeltest – diese gib mir, wenn du, Herr, zu geben bereit bist.
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
yat tad varṣaśataṃ pūrṇaṃ
was jene hundert vollen Jahre (Akk.Sg.n.)
japyaṃ vai japatā tvayā
das Gebet murmelnd von dir (Akk.; Part.Präs.Instr.)
phalaṃ prāptaṃ tat prayaccha mama
die erlangte Frucht, diese gib mir (Part.Pass.; Imp.2.Sg.; Dat.)
rājovāca; kṛtaṃ sarveṇa bhadraṃ te japyaṃ yad yācitaṃ mayā; svasti te 'stu gamiṣyāmi kiṃ ca tasya phalaṃ vada
Der König sprach: Mit dem Ganzen [ist] es getan; Heil dir für das Gebet, das ich erbeten habe. Glück sei mit dir, ich werde gehen. Sag aber: Was ist dessen Frucht?
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
kṛtaṃ sarveṇa bhadraṃ te
mit allem [ist es] getan, Heil dir (Part.Pass.; Instr.; Dat./Gen.) [?]
japyaṃ yad yācitaṃ mayā
das Gebet, das von mir erbeten wurde (Nom./Akk.; Part.Pass.; Instr.)
svasti te astu gamiṣyāmi
Glück sei dir, ich werde gehen (3.Sg.Imp.; 1.Sg.Fut.)
kiṃ ca tasya phalaṃ vada
und was [ist] dessen Frucht, sprich (Nom.; Imp.2.Sg.)
Erster Halbvers syntaktisch knapp; Wiedergabe unsicher.
brāhmaṇa uvāca; phalaprāptiṃ na jānāmi dattaṃ yaj japitaṃ mayā; ayaṃ dharmaś ca kālaś ca yamo mṛtyuś ca sākṣiṇaḥ
Der Brāhmaṇa sprach: Die Erlangung der Frucht kenne ich nicht; gegeben ist, was ich gemurmelt habe. Dieser Dharma, Kāla, Yama und Mṛtyu sind [meine] Zeugen.
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
phalaprāptiṃ na jānāmi
die Erlangung der Frucht kenne ich nicht (Akk.; 1.Sg.Präs.)
dattaṃ yad japitaṃ mayā
gegeben [ist], was von mir gemurmelt wurde (Part.Pass.; Instr.)
Der Brāhmaṇa sprach: Ich nehme [es] nicht zurück; nichts Anderes ist dazu zu sagen: Die Frucht ist von mir durch das Wort gegeben. Das Wort ist maßgebend, königlicher Weiser, für mich wie auch für dich.
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
na ādade aparavaktavyam
ich nehme [es] nicht zurück, nichts Anderes zu sagen (1.Sg.Med.; Gerundiv) [?]
dattaṃ vācā phalaṃ mayā
gegeben durch das Wort die Frucht von mir (Part.Pass.; Instr.; Nom.; Instr.)
vākyaṃ pramāṇaṃ rājarṣe
das Wort [ist] maßgebend, königlicher Weiser (Nom.; Nom.; Vok.)
mama api tava ca eva hi
für mich auch und für dich fürwahr (Gen.)
„nādade 'paravaktavyam“ nicht sicher; hier als „nicht zurücknehmen, nichts weiter zu sagen“ gedeutet.
na yuktaṃ tu mṛṣā vāṇī tvayā vaktum ariṃdama; tathā mayāpy abhyadhikaṃ mṛṣā vaktuṃ na śakyate
Es geziemt sich für dich nicht, Bezwinger der Feinde, ein unwahres Wort zu sprechen; ebenso ist es auch mir erst recht nicht möglich, Unwahres zu sagen.
Wort für Wort
na yuktaṃ tu mṛṣā vāṇī
nicht angemessen aber [ist] unwahre Rede (Part.Pass.; Adv.; Nom.)
tvayā vaktum ariṃdama
von dir zu sprechen, Feindebezwinger (Instr.; Inf.; Vok.)
tathā mayā api abhyadhikam
ebenso auch von mir erst recht (Instr.; Adv.)
mṛṣā vaktum na śakyate
Unwahres zu sagen ist nicht möglich (Inf.; 3.Sg.Pass.)
nāyaṃ loko 'sti na paro na ca pūrvān sa tārayet; kuta evāvarān rājan mṛṣāvādaparāyaṇaḥ
Weder diese Welt noch die jenseitige gibt es für ihn, und seine Vorfahren rettet er nicht – wie erst die Späteren, König: [er], der der Lüge ergeben ist.
Wort für Wort
na ayaṃ lokaḥ asti na paraḥ
nicht diese Welt ist da, nicht die andere (Nom.; 3.Sg.Präs.)
na ca pūrvān sa tārayet
und nicht die Früheren rettet er (Akk.Pl.; Nom.; Pot.Kaus.)
kutaḥ eva avarān rājan
wie erst die Späteren, König (Adv.; Akk.Pl.; Vok.)
tapāṃsi yāni cīrṇāni cariṣyasi ca yat tapaḥ; samāḥ śataiḥ sahasraiś ca tat satyān na viśiṣyate
Die Kasteiungen, die vollzogen wurden, und die Askese, die du noch üben wirst, in hunderten und tausenden Jahren – sie ist nicht besser als die Wahrheit.
Wort für Wort
tapāṃsi yāni cīrṇāni
die Kasteiungen, die geübt wurden (Nom.Pl.; Part.Pass.)
cariṣyasi ca yat tapaḥ
und die Askese, die du üben wirst (2.Sg.Fut.; Akk.)
samāḥ śataiḥ sahasraiḥ ca
Jahre hindurch, mit hunderten und tausenden (Akk.Pl.; Instr.Pl.)
tat satyāt na viśiṣyate
das übertrifft nicht die Wahrheit (Abl.; 3.Sg.Pass.)
Wahrheit ist das einsilbige [bzw. eine unvergängliche] Brahman, Wahrheit die einsilbige Askese, Wahrheit das einsilbige Opfer, Wahrheit die einsilbige Offenbarung.
Wort für Wort
satyam ekākṣaraṃ brahma
Wahrheit [ist] das einsilbige Brahman (Nom.; Nom.)
satyam ekākṣaraṃ tapaḥ
Wahrheit [ist] die einsilbige Askese (Nom.)
satyam ekākṣaraḥ yajñaḥ
Wahrheit [ist] das einsilbige Opfer (Nom.m.)
satyam ekākṣaraṃ śrutam
Wahrheit [ist] die einsilbige Offenbarung (Part.Pass.Nom.n.)
„ekākṣara“: „einsilbig“ oder „ein Unvergängliches“.
Die Wahrheit wacht in den Veden; die höchste Frucht gilt als in der Wahrheit [liegend]. Aus Wahrheit [kommen] Dharma und Selbstbeherrschung; alles ist in der Wahrheit gegründet.
Wort für Wort
satyaṃ vedeṣu jāgarti
die Wahrheit wacht in den Veden (Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.)
phalaṃ satye param smṛtam
die Frucht in der Wahrheit [ist] die höchste, so überliefert (Nom.; Lok.; Part.Pass.)
satyāt dharmaḥ damaḥ ca eva
aus Wahrheit Dharma und Selbstzähmung (Abl.; Nom.)
sarvaṃ satye pratiṣṭhitam
alles ist in der Wahrheit gegründet (Nom.; Lok.; Part.Pass.)
satyaṃ vedās tathāṅgāni satyaṃ yajñas tathā vidhiḥ; vratacaryās tathā satyam oṃkāraḥ satyam eva ca
Wahrheit sind die Veden und die Glieder [des Veda], Wahrheit ebenso das Opfer und die Vorschrift; Gelübdewandel ist Wahrheit, und der Laut Oṃ ist Wahrheit.
Wort für Wort
satyaṃ vedāḥ tathā aṅgāni
Wahrheit [sind] die Veden und ebenso die Glieder (Nom.Pl.)
satyaṃ yajñaḥ tathā vidhiḥ
Wahrheit [ist] das Opfer und die Vorschrift (Nom.)
Und durch Wahrheit verbrennt das Feuer; der Himmel ist in der Wahrheit gegründet. Wahrheit sind Opfer, Askese, Veden, Stobha-Rufe, Mantras und Sarasvatī.
Wort für Wort
satyena ca agniḥ dahati
und durch Wahrheit verbrennt das Feuer (Instr.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
svargaḥ satye pratiṣṭhitaḥ
der Himmel ist in der Wahrheit gegründet (Nom.; Lok.; Part.Pass.)
Dharma und Wahrheit wurden auf die Waage gelegt, so haben wir gehört; [und] bei dem, der die Waagschale im Gleichgewicht hält, überwiegt das, wo die Wahrheit ist.
Wort für Wort
tulām āropitaḥ dharmaḥ
auf die Waage gelegt [wurde] der Dharma (Akk.; Part.Pass.Kaus.; Nom.)
satyaṃ ca eva iti naḥ śrutam
und die Wahrheit, so [ist] uns überliefert (Nom.; Gen.Pl.; Part.Pass.)
samāṃ kakṣāṃ dhārayataḥ
der die Waagschale gleich hält (Akk.f.; Gen.Part.Präs.)
yataḥ satyaṃ tataḥ adhikam
wo die Wahrheit [ist], dort [ist] mehr (Adv.; Nom.; Adv.; Nom.)
Wenn du die von mir gegebene Frucht des Gebets nicht annehmen willst, König, so wirst du, von deinen [eigenen] Pflichten abgefallen, die Welten [ruhelos] durchwandern [?].
Wort für Wort
yadi japyaphalaṃ dattaṃ
wenn die gegebene Gebetsfrucht (Akk.; Part.Pass.)
mayā na iṣyasi nṛpa
von mir, nicht wirst du wollen, König (Instr.; 2.Sg.Fut.; Vok.)
svadharmebhyaḥ paribhraṣṭaḥ
von den eigenen Pflichten abgefallen (Abl.Pl.; Part.Pass.)
lokān anucariṣyasi
die Welten wirst du durchwandern (Akk.Pl.; 2.Sg.Fut.) [?]
saṃśrutya yo na ditseta yācitvā yaś ca necchati; ubhāv ānṛtikāv etau na mṛṣā kartum arhasi
Wer, nachdem er zugesagt hat, nicht geben will, und wer, nachdem er gebeten hat, nicht annehmen will – diese beiden sind Lügner; du darfst es nicht zur Lüge machen.
Wort für Wort
saṃśrutya yaḥ na ditseta
wer, nachdem er zugesagt hat, nicht geben wollen sollte (Abs.; Nom.; Pot.Desid.)
yācitvā yaḥ ca na icchati
und wer, nachdem er gebeten hat, nicht will (Abs.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
ubhau ānṛtikau etau
diese beiden [sind] Lügner (Nom.Du.)
na mṛṣā kartum arhasi
nicht zur Lüge machen darfst du (Inf.; 2.Sg.Präs.)
rājovāca; yoddhavyaṃ rakṣitavyaṃ ca kṣatradharmaḥ kila dvija; dātāraḥ kṣatriyāḥ proktā gṛhṇīyāṃ bhavataḥ katham
Der König sprach: Kämpfen und Schützen ist Pflicht der Kṣatriyas, heißt es, Zweifachgeborener. Als Geber werden die Kṣatriyas bezeichnet; wie sollte ich von dir annehmen?
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
yoddhavyaṃ rakṣitavyaṃ ca
zu kämpfen und zu schützen ist (Gerundiv)
kṣatradharmaḥ kila dvija
Kṣatriya-Pflicht, so heißt es, Zweifachgeborener (Nom.; Vok.)
dātāraḥ kṣatriyāḥ proktāḥ
Geber werden die Kṣatriyas genannt (Nom.Pl.; Part.Pass.)
gṛhṇīyāṃ bhavataḥ katham
wie sollte ich von Euch annehmen (Pot.1.Sg.; Abl.; Adv.)
brāhmaṇa uvāca; na chandayāmi te rājan nāpi te gṛham āvrajam; ihāgamya tu yācitvā na gṛhṇīṣe punaḥ katham
Der Brāhmaṇa sprach: Ich dränge dich nicht, König, und bin auch nicht in dein Haus gekommen. Hierher gekommen und gebeten habend – wie nimmst du dann nicht an?
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
na chandayāmi te rājan
ich dränge dich nicht, König (1.Sg.Präs.Kaus.; Akk.; Vok.)
na api te gṛham āvrajam
und nicht zu deinem Haus bin ich gekommen (1.Sg.Impf.)
iha āgamya tu yācitvā
hierher gekommen aber und gebeten habend (Abs.; Abs.)
na gṛhṇīṣe punaḥ katham
wie nimmst du dann nicht an (2.Sg.Präs.Med.; Adv.)
Dharma sprach: Kein Streit sei zwischen euch beiden; wisst, ich bin Dharma, [selbst] gekommen. Der Zweifachgeborene [sei] mit den Früchten des Gebens verbunden, der König mit der Frucht der Wahrheit.
Wort für Wort
dharmaḥ uvāca
Dharma sprach
avivādaḥ astu yuvayoḥ
kein Streit sei euch beiden (Nom.; Imp.3.Sg.; Gen.Du.)
vittaṃ māṃ dharmam āgatam
wisst, mich, den Dharma, gekommen (Imp.2.Pl.; Akk.; Part.Pass.)
dvijaḥ dānaphalaiḥ yuktaḥ
der Zweifachgeborene [sei] mit den Früchten des Gebens verbunden (Nom.; Instr.Pl.; Part.Pass.)
rājā satyaphalena ca
und der König mit der Frucht der Wahrheit (Nom.; Instr.)
Svarga sprach: Wisse, König der Könige, ich bin Svarga, in [eigener] Gestalt selbst gekommen. Kein Streit sei zwischen euch beiden; ihr beide sollt gleiche Frucht haben.
Wort für Wort
svargaḥ uvāca
Svarga sprach
svargaṃ māṃ viddhi rājendra
wisse mich als Svarga, König der Könige (Imp.2.Sg.; Vok.)
rūpiṇaṃ svayam āgatam
in Gestalt selbst gekommen (Akk.; Adv.; Part.Pass.)
rājovāca; kṛtaṃ svargeṇa me kāryaṃ gaccha svarga yathāsukham; vipro yadīcchate dātuṃ pratīcchatu ca me dhanam
Der König sprach: Mit Svarga habe ich nichts zu schaffen; geh, Svarga, wie es dir gefällt. Wenn der Brāhmaṇa geben will, so möge er auch mein Gut annehmen.
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
kṛtaṃ svargeṇa me kāryam
genug mit Svarga, [es ist] mein Geschäft (Instr.; Nom.) [?]
gaccha svarga yathāsukham
geh, Svarga, nach Belieben (Imp.; Vok.; Adv.)
vipraḥ yadi icchate dātum
wenn der Brāhmaṇa zu geben wünscht (Nom.; 3.Sg.Präs.Med.; Inf.)
pratīcchatu ca me dhanam
so möge er auch mein Gut annehmen (Imp.3.Sg.; Gen.; Akk.)
Der Brāhmaṇa sprach: Wenn ich etwa in der Kindheit aus Unwissenheit die Hand ausgestreckt hätte – [jetzt] übe ich den Dharma, dessen Kennzeichen die Abkehr ist, die Saṃhitā murmelnd.
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brāhmaṇa sprach
bālye yadi syāt ajñānāt
wenn in der Kindheit aus Unwissenheit es wäre (Lok.; Pot.; Abl.)
mayā hastaḥ prasāritaḥ
von mir die Hand ausgestreckt (Instr.; Nom.; Part.Pass.)
nivṛttilakṣaṇaṃ dharmam
den Dharma mit dem Kennzeichen der Abkehr (Akk.)
upāse saṃhitāṃ japan
ich übe, die Saṃhitā murmelnd (1.Sg.Präs.Med.; Akk.; Part.Präs.)
Mich, der ich lange abgekehrt bin, den Brāhmaṇa – wie verlockst du mich, König? Mit dem Meinen werde ich mein Vorhaben ausführen; von dir will ich keine Frucht, König. Ich bin auf Askese und Selbststudium bedacht und vom Annehmen von Gaben abgekehrt.
Wort für Wort
nivṛttaṃ māṃ ciraṃ rājan
mich, den lange Abgekehrten, König (Part.Pass.Akk.; Adv.; Vok.)
vipraṃ lobhayase katham
den Brāhmaṇa, wie verlockst du (Akk.; 2.Sg.Präs.Kaus.)
svena kāryaṃ kariṣyāmi
mit dem Eigenen werde ich mein Ziel erreichen (Instr.; Akk.; 1.Sg.Fut.)
tvattaḥ na icche phalaṃ nṛpa
von dir will ich keine Frucht, König (Abl.; 1.Sg.Präs.)
rājovāca; yadi vipra nisṛṣṭaṃ te japyasya phalam uttamam; āvayor yat phalaṃ kiṃ cit sahitaṃ nau tad astv iha
Der König sprach: Wenn dir, Brāhmaṇa, die höchste Frucht des Gebets überlassen ist – was immer an Frucht uns beiden zukommt, das sei hier uns beiden gemeinsam.
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
yadi vipra nisṛṣṭaṃ te
wenn, Brāhmaṇa, überlassen von dir (Vok.; Part.Pass.; Instr.)
japyasya phalam uttamam
die höchste Frucht des Gebets (Gen.; Akk.)
āvayoḥ yat phalaṃ kiṃ cit
was immer an Frucht von uns beiden (Gen.Du.; Nom.)
sahitaṃ nau tat astu iha
das sei vereint für uns beide hier (Part.Pass.; Dat.Du.; Imp.)
Brāhmaṇas sind aufs Annehmen bedacht, Geber die aus dem Königsgeschlecht Geborenen. Wenn ein Dharma überliefert ist, Brāhmaṇa, so sei die Frucht uns beiden gemeinsam.
Wort für Wort
dvijāḥ pratigrahe yuktāḥ
die Zweifachgeborenen sind aufs Annehmen bedacht (Nom.Pl.; Lok.; Part.Pass.)
dātāraḥ rājavaṃśajāḥ
Geber [sind] die aus Königsgeschlecht Geborenen (Nom.Pl.)
yadi dharmaḥ śrutaḥ vipra
wenn ein Dharma überliefert ist, Brāhmaṇa (Nom.; Part.Pass.; Vok.)
saha eva phalam astu nau
gemeinsam sei die Frucht uns beiden (Adv.; Imp.; Gen./Dat.Du.)
na me dhārayasīty eko dhārayāmīti cāparaḥ; ihāsti nau vivādo 'yam ayaṃ rājānuśāsakaḥ
„Du hältst mir nichts [schuldig]“, [sagt] der eine; „Ich halte [dir schuldig]“, der andere. Dies ist unser Streit hier; dieser König [ist] der Entscheider.
Wort für Wort
na me dhārayasi iti ekaḥ
„du schuldest mir nichts“, [sagt] der eine (2.Sg.Präs.; Nom.)
dhārayāmi iti ca aparaḥ
„ich schulde“, und der andere (1.Sg.Präs.)
iha asti nau vivādaḥ ayam
hier ist dieser unser Streit (3.Sg.Präs.; Gen.Du.; Nom.)
ayaṃ rājā anuśāsakaḥ
dieser König [ist] der Entscheider (Nom.)
„dhārayasi“ hier als „schuldest“ gedeutet, vgl. Vers 94.
virūpa uvāca; dhārayāmi naravyāghra vikṛtasyeha goḥ phalam; dadataś ca na gṛhṇāti vikṛto me mahīpate
Virūpa sprach: „Ich schulde, Tiger unter den Männern, hier die Frucht der [verschenkten] Kuh des Vikṛta; doch obwohl ich [sie] gebe, nimmt Vikṛta sie nicht an, o Erdherr.“
Wort für Wort
virūpa uvāca
Virūpa sprach (Perf.)
dhārayāmi naravyāghra
ich schulde, o Tiger unter den Männern (1.Sg.Präs./Vok.)
vikṛtasyeha goḥ phalam
hier die Frucht der Kuh des Vikṛta (Gen./Gen./Akk.)
dadataś ca na gṛhṇāti
und obwohl ich gebe, nimmt er nicht (Gen.Abs. Part./3.Sg.)
vikṛta uvāca; na me dhārayate kiṃ cid virūpo 'yaṃ narādhipa; mithyā bravīty ayaṃ hi tvā mithyābhāsaṃ narādhipa
Vikṛta sprach: „Dieser Virūpa schuldet mir nichts, o Herrscher der Menschen; denn er redet dir gegenüber Falsches und gibt sich [dir gegenüber] trügerisch, o Herrscher der Menschen.“
Wort für Wort
vikṛta uvāca
Vikṛta sprach (Perf.)
na me dhārayate kiṃ cid
er schuldet mir nichts (3.Sg.Med.)
virūpo 'yaṃ narādhipa
dieser Virūpa, o Herrscher der Menschen (Nom./Vok.)
mithyā bravīty ayaṃ hi tvā
denn dieser sagt dir Falsches (Adv./3.Sg.Präs.)
mithyābhāsaṃ narādhipa
[er ist] von trügerischem Anschein (Akk.Sg./Vok.) [?]
mithyābhāsam ist syntaktisch unsicher (Adv. zu bravīti oder Attribut zu tvā).
rājovāca; virūpa kiṃ dhārayate bhavān asya vadasva me; śrutvā tathā kariṣyāmīty evaṃ me dhīyate matiḥ
Der König sprach: „Virūpa, was schuldest du diesem? Sage es mir; wenn ich es gehört habe, werde ich [entsprechend] handeln – so richtet sich mein Sinn.“
Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
virūpa kiṃ dhārayate bhavān asya
Virūpa, was schuldest du (Ehrenform) diesem (Vok./Akk./Nom./Gen.)
vadasva me
sage mir (Imp.Med.2.Sg.)
śrutvā tathā kariṣyāmi
nachdem ich gehört habe, werde ich so handeln (Abs./1.Sg.Fut.)
Virūpa sprach: „Höre aufmerksam zu, König, wie ich dies [ihm] schulde, [und zwar] vollständig, o Königsweiser, Bulle unter den Männerweisen, [was] diesen Vikṛta [betrifft].“
Wort für Wort
virūpa uvāca
Virūpa sprach
śṛṇuṣvāvahito rājan
höre aufmerksam zu, König (Imp.Med.2.Sg./Part./Vok.)
yathaitad dhārayāmy aham
wie ich dies schulde (1.Sg.Präs.)
vikṛtasyāsya rājarṣe
was diesen Vikṛta betrifft, o Königsweiser (Gen./Vok.)
nikhilena nararṣabha
vollständig, o Stier unter den Männerweisen (Instr./Vok.)
„Von diesem wurde einst, Untadeliger, um Verdienst [im Dharma] zu erlangen, eine schöne Kuh einem Brahmanen gegeben, der sich in Askese und Vedastudium übte, o Königsweiser.“
Wort für Wort
anena dharmaprāptyarthaṃ
von diesem, um Dharma zu erlangen (Instr./Kompositum, Adv.)
śubhā dattā purānagha
eine schöne [Kuh] wurde gegeben, früher, o Fehlloser (Nom.F./Part.Pass./Adv./Vok.)
dhenur viprāya rājarṣe
eine Kuh einem Brahmanen, o Königsweiser (Nom./Dat./Vok.)
te coñchavṛttaye rājan mayā samapavarjite; yathāvidhi yathāśraddhaṃ tad asyāhaṃ punaḥ prabho
„Und diese beiden habe ich, König, [einem] von Ährenlese Lebenden überlassen, vorschriftsgemäß und dem Maß meines Glaubens entsprechend; das [Verdienst] davon, Herr, [will ich] diesem nun wieder [geben].“
Wort für Wort
te coñchavṛttaye rājan
und diese beiden dem von Ährenlese Lebenden, o König (Nom.Du./Dat./Vok.)
mayā samapavarjite
von mir überlassen (Instr./Part.Pass.Du.)
yathāvidhi yathāśraddhaṃ
vorschriftsgemäß, nach [Maß des] Glaubens (Adv.)
tad asyāhaṃ punaḥ prabho
das, diesem ich wieder, o Herr (Akk.Sg.N./Dat.-Gen./Adv./Vok.)
ihādya vai gṛhītvā tat prayacche dviguṇaṃ phalam; ekasyāḥ puruṣavyāghra kaḥ śuddhaḥ ko 'tra doṣavān
„Hier und heute will ich jenes annehmen und [ihm] die doppelte Frucht geben; [nun aber] – bei der einen [Kuh], Tiger unter den Männern: Wer ist rein, wer hier fehlerhaft?“
Wort für Wort
ihādya vai gṛhītvā tat
hier und heute, nachdem ich jenes genommen habe (Adv./Abs.)
prayacche dviguṇaṃ phalam
will ich geben die doppelte Frucht (1.Sg.Präs.)
ekasyāḥ puruṣavyāghra
was die eine betrifft, o Tiger unter den Männern (Gen.F./Vok.)
rājovāca; dadato 'sya na gṛhṇāsi viṣamaṃ pratibhāti me; daṇḍyo hi tvaṃ mama mato nāsty atra khalu saṃśayaḥ
Der König sprach: „Dass du das von diesem Gegebene nicht nimmst, erscheint mir ungehörig; nach meiner Ansicht bist du strafwürdig, darüber besteht hier gewiss kein Zweifel.“
Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
dadato 'sya na gṛhṇāsi
[was] von diesem, der gibt, du nicht nimmst (Gen.Part./2.Sg.)
viṣamaṃ pratibhāti me
erscheint ungleich/ungehörig mir (Nom.N./3.Sg.)
daṇḍyo hi tvaṃ mama mato
strafwürdig bist du nach meiner Ansicht (Nom./Part.Pass.)
vikṛta uvāca; mayāsya dattaṃ rājarṣe gṛhṇīyāṃ tat kathaṃ punaḥ; kāmam atrāparādho me daṇḍyam ājñāpaya prabho
Vikṛta sprach: „Von mir ist [es] diesem gegeben worden, Königsweiser; wie könnte ich es wieder nehmen? Gern: Wenn hier ein Vergehen bei mir liegt, so ordne, Herr, die Strafe an.“
Wort für Wort
vikṛta uvāca
Vikṛta sprach
mayāsya dattaṃ rājarṣe
von mir diesem gegeben, o Königsweiser (Instr./Part.Pass./Vok.)
gṛhṇīyāṃ tat kathaṃ punaḥ
wie könnte ich das wieder nehmen (Opt.1.Sg.)
kāmam atrāparādho me
meinetwegen: hier [liegt] ein Vergehen bei mir (Adv./Nom./Gen.)
Vikṛta sprach: „Wie könnte ich mein Eigenes, das ich erbeten hatte und das [mir] hier gegeben wurde, heute wieder nehmen? Geh, Herr; ich gebe dir die Erlaubnis.“
Wort für Wort
vikṛta uvāca
Vikṛta sprach
svaṃ mayā yāciteneha dattaṃ
das Eigene, von mir erbeten, hier gegeben (Nom./Instr.Part.Pass./Part.Pass.)
Der König sprach: „Eine sehr große Aufgabe ist uns beiden bevorgetreten, wie ein Dickicht [schwer zu durchdringen]; wie wird diese Bekräftigung des Rezitierers zustande kommen?“
Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
prastutaṃ sumahat kāryam
sehr große Aufgabe ist aufgekommen (Part.Pass./Nom.)
āvayor gahvaraṃ yathā
für uns beide, wie ein Dickicht (Gen.Du./Vergleich)
jāpakasya dṛḍhīkāraḥ
die Bekräftigung des Rezitierers (Gen./Nom.)
katham etad bhaviṣyati
wie wird dies geschehen (3.Sg.Fut.)
dṛḍhīkāra: ‚Festmachen/Bestätigen‘; Sinn im Kontext (Bekräftigung der Frucht des Rezitierers) angesetzt.
bhīṣma uvāca; tau covāca sa rājarṣiḥ kṛtakāryau gamiṣyathaḥ; nedānīṃ mām ihāsādya rājadharmo bhaven mṛṣā
Bhīṣma sprach: „Und der Königsweise sagte zu den beiden: ‚Ihr werdet gehen, wenn eure Sache erledigt ist; nicht [soll] jetzt, da ihr mich hier aufgesucht habt, der Königsdharma zur Unwahrheit werden.‘“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
tau covāca sa rājarṣiḥ
und zu den beiden sagte jener Königsweise (Akk.Du./Perf.)
kṛtakāryau gamiṣyathaḥ
ihr beiden werdet gehen, mit erledigter Sache (Nom.Du./2.Du.Fut.)
nedānīṃ mām ihāsādya
nicht jetzt, nachdem ihr mich hier erreicht habt (Adv./Abs.)
rājadharmo bhaven mṛṣā
der Königsdharma möge falsch werden (Nom./Opt./Adv.)
svadharmaḥ paripālyaś ca rājñām eṣa viniścayaḥ; vipradharmaś ca sugurur mām anātmānam āviśat
„Die eigene Pflicht ist von Königen zu wahren – das ist die feste Entscheidung; und die sehr gewichtige Pflicht des Brahmanen hat mich, den [selbst] nicht Gefassten, ergriffen [?].“
Wort für Wort
svadharmaḥ paripālyaś ca
und die eigene Pflicht ist zu wahren (Nom./Gerundiv)
rājñām eṣa viniścayaḥ
für Könige, dies ist die Entscheidung (Gen.Pl./Nom.)
vipradharmaś ca sugurur
und die Brahmanenpflicht, sehr gewichtig (Nom.)
mām anātmānam āviśat
drang in mich, den Unbeherrschten (Akk./Akk./Impf.)
brāhmaṇa uvāca; gṛhāṇa dhāraye 'haṃ te yācitaṃ te śrutaṃ mayā; na ced grahīṣyase rājañ śapiṣye tvāṃ na saṃśayaḥ
Der Brahmane sprach: „Nimm [es]! Ich halte [es] für dich bereit; deine Bitte habe ich gehört. Wenn du nicht nimmst, König, werde ich dich verfluchen – daran ist kein Zweifel.“
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
gṛhāṇa dhāraye 'haṃ te
nimm; ich halte bereit/schulde dir (Imp./1.Sg.Präs.)
yācitaṃ te śrutaṃ mayā
deine Bitte wurde von mir gehört (Part.Pass.)
na ced grahīṣyase rājañ
wenn du nicht nimmst, König (2.Sg.Fut./Vok.)
śapiṣye tvāṃ na saṃśayaḥ
ich werde dich verfluchen, kein Zweifel (1.Sg.Fut./Akk.)
Der König sprach: „Pfui über den Königsdharma, dessen Entscheidung in dieser Sache so ist! ‚Deswegen muss von mir genommen werden‘ – wie könnte es [dabei] gleich[wertig] sein?“
Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
dhig rājadharmaṃ
pfui über den Königsdharma (Interj./Akk.)
yasyāyaṃ kāryasyeha viniścayaḥ
dessen dieser Entscheidung in der Sache hier (Gen./Nom.)
ityarthaṃ me grahītavyaṃ
deswegen ist von mir zu nehmen (Gerundiv)
kathaṃ tulyaṃ bhaved iti
wie wäre es gleich [?] (Opt.)
Zweiter Halbvers sprachlich knapp; Sinn (‚wo bleibt da der Ausgleich?‘) unsicher.
brāhmaṇa uvāca; saṃhitāṃ japatā yāvān mayā kaś cid guṇaḥ kṛtaḥ; tat sarvaṃ pratigṛhṇīṣva yadi kiṃ cid ihāsti me
Der Brahmane sprach: „Welches Verdienst auch immer ich durch das Rezitieren der Saṃhitā erworben habe – all das nimm entgegen, wenn ich hier überhaupt etwas habe.“
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
saṃhitāṃ japatā yāvān
beim Rezitieren der Saṃhitā, so viel (Akk./Part.Instr.)
mayā kaś cid guṇaḥ kṛtaḥ
von mir irgendein Vorzug erwirkt (Instr./Nom./Part.Pass.)
rājovāca; jalam etan nipatitaṃ mama pāṇau dvijottama; samam astu sahaivāstu pratigṛhṇātu vai bhavān
Der König sprach: „Dieses Wasser ist in meine Hand gefallen, bester der Zweimalgeborenen; es soll gleich[geteilt] sein, [es sei] gemeinsam; nimm auch du [es] an.“
Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
jalam etan nipatitaṃ
dieses Wasser ist gefallen (Nom./Part.Pass.)
mama pāṇau dvijottama
in meine Hand, bester der Zweimalgeborenen (Lok./Vok.)
[Wir haben] das im Geist von euch beiden Entstandene prüfen wollen, bester der Zweimalgeborenen.
Wort für Wort
jijñāsamānau
prüfen wollend (Part.Du.Nom.)
yuvayor manotthaṃ tu
euer beider im Geist Entstandenes (Gen.Du./Akk.)
dvijottama
bester der Zweimalgeborenen (Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe; Bezug von manottham unsicher.
„Dieser schuldet nichts; die Prüfung ist deinetwegen angestellt worden. Kāla [die Zeit], Dharma, ebenso Mṛtyu, Kāma und Krodha, und ihr beide [seid hier zugegen].“
Wort für Wort
nāyaṃ dhārayate kiṃ cij
dieser schuldet nichts (3.Sg.Präs.)
jijñāsā tvatkṛte kṛtā
die Prüfung wurde deinetwegen gemacht (Nom./Part.Pass.)
kālo dharmas tathā mṛtyuḥ
Kāla, Dharma, ebenso Mṛtyu (Nom.)
kāmakrodhau tathā yuvām
Kāma und Krodha, ebenso ihr beide (Nom.Du.)
Der Sinn der Aufzählung (Zeugen bzw. Beteiligte der Prüfung) ist elliptisch.
„Über allen ist der Ort des Brahman, dessen Geburt unmanifest ist; euer beider Ort ist unvergleichlich, frei von Gegensatzpaaren, makellos; wir alle gehen dorthin, wo unsere eigenen Welten [sind] [?].“
Wort für Wort
sarveṣām upari sthānaṃ
über allen der Ort (Gen.Pl./Adv./Nom.)
brahmaṇo 'vyaktajanmanaḥ
des Brahman/Brahmā, dessen Geburt unmanifest ist (Gen.)
yuvayoḥ sthānam atulaṃ
euer beider Ort, unvergleichlich (Gen.Du./Nom.)
nirdvaṃdvam amalātmakam
frei von Gegensätzen, makellos (Nom.N.)
sarve gacchāma yatra svān
wir alle gehen, wohin die eigenen (1.Pl.Präs./Akk.Pl.)
svāṃl lokāṃś ca tathā vayam
eigenen Welten, und ebenso wir (Akk.Pl./Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; letzter Pāda syntaktisch unklar.
tato dharmayamādyās te vākyam ūcur nṛpadvijau; asmākaṃ yaḥ smṛto mūrdhā brahmalokam iti smṛtam; tatrasthau hi bhavantau hi yuvābhyāṃ nirjitā vayam; yuvayoḥ kāma āpannas tat kāmyam aviśaṅkayā
Darauf sprachen Dharma, Yama und die anderen dem Fürsten und dem Brahmanen [dieses] Wort: „Was bei uns als Haupt gilt, die Brahmawelt, so wird überliefert – dort weilt ihr beide; von euch beiden sind wir besiegt. Bei euch beiden ist ein Wunsch aufgekommen; jenes Ersehnte [nehmt] ohne Bedenken [?].“
Wort für Wort
tato dharmayamādyās te
darauf jene, Dharma, Yama usw. (Adv./Nom.Pl.)
vākyam ūcur nṛpadvijau
sprachen ein Wort zu Fürst und Brahmane (Perf.3.Pl./Akk.Du.)
asmākaṃ yaḥ smṛto mūrdhā
was bei uns als Haupt überliefert ist (Gen./Part.Pass.)
brahmalokam iti smṛtam
die Brahmawelt, so überliefert (Akk./Part.Pass.)
tatrasthau hi bhavantau hi
denn dort befindlich seid ihr beide (Nom.Du.)
yuvābhyāṃ nirjitā vayam
von euch beiden sind wir besiegt (Instr.Du./Part.Pass.)
yuvayoḥ kāma āpannas
bei euch beiden ist Wunsch eingetreten (Gen.Du./Nom./Part.)
tat kāmyam aviśaṅkayā
jenes Ersehnte, ohne Bedenken (Nom.N./Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Schlusspāda (tat kāmyam aviśaṅkayā) sinngemäß ergänzt, unsicher.
bhīṣma uvāca; jāpakānāṃ phalāvāptir mayā te saṃprakīrtitā; gatiḥ sthānaṃ ca lokāś ca jāpakena yathā jitāḥ
Bhīṣma sprach: „Die Erlangung der Frucht der Rezitierer habe ich dir verkündet – [auch] den Weg, den Ort und die Welten, wie sie vom Rezitierer erobert werden.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
jāpakānāṃ phalāvāptir
die Erlangung der Frucht der Rezitierer (Gen.Pl./Nom.)
atha tatra virāgī sa gacchati tv atha saṃśayam; param avyayam icchan sa tam evāviśate punaḥ
„Ist er dort aber leidenschaftslos, so geht er [weiter] in die Ungewissheit [?]; das Höchste, Unvergängliche erstrebend, dringt er wiederum in eben dieses ein.“
Wort für Wort
atha tatra virāgī sa
ist er dort aber leidenschaftslos (Nom.)
gacchati tv atha saṃśayam
so geht er in die Ungewissheit (3.Sg.Präs./Akk.) [?]
param avyayam icchan sa
das Höchste, Unvergängliche wünschend (Akk./Part.)
tam evāviśate punaḥ
in eben dieses dringt er wieder ein (Akk./3.Sg.Med./Adv.)
„Vom Unsterblichen zum Unsterblichen gelangt, abgekühlt, ohne Ich-Bindung, zum Brahman geworden, frei von Gegensätzen, glücklich, friedlich, ohne Leiden.“
Wort für Wort
amṛtāc cāmṛtaṃ prāptaḥ
vom Unsterblichen zum Unsterblichen gelangt (Abl./Akk./Part.Pass.)
śītībhūto nirātmavān
abgekühlt, ohne Selbstbezogenheit (Nom.)
brahmabhūtaḥ sa nirdvaṃdvaḥ
zum Brahman geworden, er, frei von Gegensätzen (Nom.)
brahmasthānam anāvartam ekam akṣarasaṃjñakam; aduḥkham ajaraṃ śāntaṃ sthānaṃ tat pratipadyate
„Den Ort des Brahman, aus dem es keine Wiederkehr gibt, den einen, ‚das Unvergängliche‘ genannten, ohne Leid, ohne Alter, friedvoll – jenen Ort erreicht er.“