Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 112: gomāyuvyāghrasaṃvādaḥ Der tugendhafte Schakal als Minister des Tigers und seine Verleumdung

Bhīṣmas Antwort auf Yudhiṣṭhiras Frage, wie man wahre und scheinbare Freunde erkennt: die Erzählung vom Schakal, der ein früheres Leben als König erinnert, dem Tiger als Ratgeber dient, von den alten Dienern durch untergeschobenes Fleisch verleumdet wird und schließlich aus Kränkung den Hungertod wählt.

yudhiṣṭhira uvāca; asaumyāḥ saumyarūpeṇa saumyāś cāsaumyadarśinaḥ; īdṛśān puruṣāṃs tāta kathaṃ vidyāmahe vayam

Yudhiṣṭhira sprach: „Es gibt Unfreundliche in freundlicher Gestalt und Freundliche, die unfreundlich aussehen. Wie können wir solche Menschen erkennen, Vater?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
asaumyāḥ saumyarūpeṇa
Unfreundliche in freundlicher Gestalt (Nom.Pl. / Instr.Sg.)
saumyāś ca asaumyadarśinaḥ
und Freundliche, unfreundlich Aussehende (Nom.Pl.)
īdṛśān puruṣān tāta
solche Männer, Vater (Akk.Pl. / Vok.)
kathaṃ vidyāmahe vayam
wie können wir erkennen (Opt.Med. 1.Pl. von vid), wir

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; vyāghragomāyusaṃvādaṃ taṃ nibodha yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: „Hierzu erzählt man diese alte Geschichte, das Gespräch zwischen einem Tiger und einem Schakal. Höre sie, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
atra api udāharanti imam
auch hierzu führt man an (3.Pl.Präs.) diese
itihāsaṃ purātanam
Geschichte, alte (Akk.Sg.n.)
vyāghragomāyusaṃvādam
das Gespräch von Tiger und Schakal (Kompositum, Akk.Sg.)
tam nibodha yudhiṣṭhira
diese höre/beachte (Imp.), Yudhiṣṭhira (Vok.)

purikāyāṃ puri purā śrīmatyāṃ pauriko nṛpaḥ; parahiṃsāruciḥ krūro babhūva puruṣādhamaḥ

Vorzeiten war in der glanzvollen Stadt Purikā ein Stadtkönig [Paurika?], der Freude daran hatte, andere zu verletzen, grausam, der schlechteste unter den Männern.

Wort für Wort
purikāyāṃ puri purā
in Purikā, in der Stadt, vorzeiten (Lok.Sg. / Adv.)
śrīmatyāṃ pauriko nṛpaḥ
in der glanzvollen; Paurika [?], König (Lok.Sg.f. / Nom.Sg.)
parahiṃsāruciḥ krūraḥ
an der Verletzung anderer Gefallen findend, grausam (Nom.Sg.)
babhūva puruṣādhamaḥ
war (Perf. 3.Sg.), niedrigster der Männer (Nom.Sg.)

pauriko nṛpaḥ: Eigenname Paurika oder appellativ „Stadtkönig“, unsicher.

sa tv āyuṣi parikṣīṇe jagāmānīpsitāṃ gatim; gomāyutvaṃ ca saṃprāpto dūṣitaḥ pūrvakarmaṇā

Als sein Leben aufgezehrt war, ging er aber in einen unerwünschten Zustand ein und gelangte zum Schakaldasein, befleckt durch sein früheres Tun.

Wort für Wort
saḥ tu āyuṣi parikṣīṇe
er aber, als das Leben aufgezehrt war (Lok. absolutus)
jagāma anīpsitāṃ gatim
ging (Perf.) zu unerwünschtem Weg/Zustand (Akk.Sg.)
gomāyutvaṃ ca saṃprāptaḥ
und das Schakalsein erlangt habend (Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
dūṣitaḥ pūrvakarmaṇā
befleckt durch früheres Tun (Part. / Instr.Sg.)

saṃsmṛtya pūrvajātiṃ sa nirvedaṃ paramaṃ gataḥ; na bhakṣayati māṃsāni parair upahṛtāny api

Er erinnerte sich an seine frühere Geburt und kam zu höchstem Überdruss; er aß kein Fleisch, auch nicht das, was andere herbeibrachten.

Wort für Wort
saṃsmṛtya pūrvajātim
sich erinnert habend (Abs.), an die frühere Geburt (Akk.Sg.)
saḥ nirvedaṃ paramaṃ gataḥ
er, zu höchstem Überdruss gelangt (Part.Perf.)
na bhakṣayati māṃsāni
er verzehrt nicht Fleisch (3.Sg.Präs. / Akk.Pl.)
paraiḥ upahṛtāni api
auch von anderen herbeigebrachtes (Instr.Pl. / Part.Akk.Pl.)

ahiṃsraḥ sarvabhūteṣu satyavāk sudṛḍhavrataḥ; cakāra ca yathākāmam āhāraṃ patitaiḥ phalaiḥ

Gegen alle Wesen gewaltlos, wahrhaftig in der Rede, fest im Gelübde, nahm er seine Nahrung nach Belieben, [nämlich] von abgefallenen Früchten.

Wort für Wort
ahiṃsraḥ sarvabhūteṣu
gewaltlos gegenüber allen Wesen (Nom.Sg. / Lok.Pl.)
satyavāk sudṛḍhavrataḥ
wahrhaft redend, fest im Gelübde (Nom.Sg.)
cakāra ca yathākāmam
und er machte (Perf. 3.Sg.) nach Belieben
āhāraṃ patitaiḥ phalaiḥ
Nahrung mit abgefallenen Früchten (Akk.Sg. / Instr.Pl.)

parṇāhāraḥ kadā cic ca niyamavratavān api; kadā cid udakenāpi vartayann anuyantritaḥ

Bisweilen lebte er von Blättern, auch die Regeln und Gelübde der Zügelung befolgend; bisweilen fristete er sein Leben auch nur mit Wasser, [darin] ungebunden [?].

Wort für Wort
parṇāhāraḥ kadā cit ca
von Blättern sich nährend, und bisweilen (Nom.Sg.)
niyamavratavān api
auch Regeln und Gelübde besitzend (Nom.Sg.)
kadā cit udakena api
bisweilen auch nur mit Wasser (Instr.Sg.)
vartayan anuyantritaḥ
sich unterhaltend (Part.Präs.), zugelassen/gezügelt [?] (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). anuyantritaḥ unsicher: „gezügelt“ oder „ungezügelt/frei“.

śmaśāne tasya cāvāso gomāyoḥ saṃmato 'bhavat; janmabhūmyanurodhāc ca nānyad vāsam arocayat

Sein Aufenthalt war auf dem Leichenfeld, und dem Schakal war er genehm; aus Anhänglichkeit an seinen Geburtsort mochte er keine andere Wohnstätte.

Wort für Wort
śmaśāne tasya ca āvāsaḥ
auf dem Leichenfeld, und sein Wohnsitz (Lok.Sg. / Nom.Sg.)
gomāyoḥ saṃmataḥ abhavat
dem Schakal genehm war (Gen. / Imperf. 3.Sg.)
janmabhūmyanurodhāt ca
und aus Rücksicht auf die Geburtsstätte (Abl.Sg.)
na anyat vāsam arocayat
er fand keinen anderen Wohnsitz erfreulich (Imperf. Kaus./Akk.)

tasya śaucam amṛṣyantaḥ sarve te sahajātayaḥ; cālayanti sma tāṃ buddhiṃ vacanaiḥ praśrayottaraiḥ

Da sie seine Reinheit nicht ertrugen, brachten alle jene Artgenossen [ihn] mit sehr höflichen Worten in dieser Gesinnung zum Wanken.

Wort für Wort
tasya śaucam amṛṣyantaḥ
seine Reinheit nicht duldend (Part.Präs.Nom.Pl.)
sarve te sahajātayaḥ
alle diese Mitgeborenen/Artgenossen (Nom.Pl.)
cālayanti sma tām buddhim
sie brachten ins Wanken (Präs. mit sma = Vergangenheit), diese Gesinnung (Akk.Sg.)
vacanaiḥ praśrayottaraiḥ
mit Worten, in denen Höflichkeit überwiegt (Instr.Pl.)

vasan pitṛvane raudre śaucaṃ lapsitum icchasi; iyaṃ vipratipattis te yadā tvaṃ piśitāśanaḥ

„Im schrecklichen Ahnenwald wohnend, willst du Reinheit erlangen. Das ist ein Widerspruch bei dir, da du ja Fleisch isst.

Wort für Wort
vasan pitṛvane raudre
wohnend, im Ahnenwald (Leichenwald), im schrecklichen (Part. / Lok.Sg.)
śaucaṃ lapsitum icchasi
Reinheit zu erlangen wünschst du (Inf. / 2.Sg.Präs.)
iyaṃ vipratipattiḥ te
dies ist Widersprüchlichkeit/Verirrung bei dir (Nom.Sg. / Gen.)
yadā tvaṃ piśitāśanaḥ
da du Fleischesser bist (Nom.Sg.)

yadā hier kausal-konzessiv gefasst („da“).

tatsamo vā bhavāsmābhir bhakṣyān dāsyāmahe vayam; bhuṅkṣva śaucaṃ parityajya yad dhi bhuktaṃ tad asti te

Sei uns gleich, oder wir werden dir Speisen geben. Iss, die Reinheit aufgebend; denn nur was gegessen ist, das ist dein.“

Wort für Wort
tatsamaḥ vā bhava asmābhiḥ
uns gleich oder sei (Imp.) mit uns (Nom.Sg. / Instr.Pl.)
bhakṣyān dāsyāmahe vayam
Speisen werden wir geben (Fut.Med. 1.Pl.), wir (Akk.Pl.)
bhuṅkṣva śaucaṃ parityajya
iss (Imp.Med.), die Reinheit aufgegeben habend (Abs.)
yat hi bhuktam tat asti te
denn was gegessen ist, das ist dein (Part.Perf.Pass. / 3.Sg.)

iti teṣāṃ vacaḥ śrutvā pratyuvāca samāhitaḥ; madhuraiḥ praśritair vākyair hetumadbhir aniṣṭhuraiḥ

Als er diese ihre Worte gehört hatte, antwortete er gesammelt, mit süßen, bescheidenen, begründeten, nicht harten Worten.

Wort für Wort
iti teṣāṃ vacaḥ śrutvā
so, ihre Rede gehört habend (Abs.)
pratyuvāca samāhitaḥ
antwortete (Perf.), gesammelt (Nom.Sg.)
madhuraiḥ praśritaiḥ vākyaiḥ
mit süßen, bescheidenen Worten (Instr.Pl.)
hetumadbhiḥ aniṣṭhuraiḥ
mit begründeten, nicht rauen (Instr.Pl.)

apramāṇaṃ prasūtir me śīlataḥ kriyate kulam; prārthayiṣye tu tat karma yena vistīryate yaśaḥ

„Die Abkunft ist mir kein Maßstab; durch das Verhalten wird das Geschlecht gemacht. Ich werde aber nach jenem Tun streben, durch das der Ruhm sich weit ausbreitet.

Wort für Wort
apramāṇaṃ prasūtiḥ me
kein Maßstab ist Abstammung für mich (Nom.Sg. / Gen.)
śīlataḥ kriyate kulam
durch Charakter wird Geschlecht gemacht (Abl. / Pass.3.Sg.)
prārthayiṣye tu tat karma
ich werde aber erstreben (Fut.Med.) jenes Tun (Akk.)
yena vistīryate yaśaḥ
wodurch sich ausbreitet (Pass. 3.Sg.) der Ruhm (Nom.)

śmaśāne yadi vāso me samādhir me niśāmyatām; ātmā phalati karmāṇi nāśramo dharmalakṣaṇam

Wenn ich auf dem Leichenfeld wohne, so beachtet meine Sammlung. Das Selbst ist es, das die Taten zur Frucht bringt [?]; ein Āśrama ist nicht das Kennzeichen des Dharma.

Wort für Wort
śmaśāne yadi vāsaḥ me
wenn auf dem Leichenfeld mein Wohnen [ist] (Lok. / Nom.)
samādhiḥ me niśāmyatām
meine Sammlung möge beachtet werden (Nom. / Imp.Pass.)
ātmā phalati karmāṇi
das Selbst trägt Frucht [an] den Taten / bringt Taten zur Frucht [?] (Nom. / 3.Sg.)
na āśramaḥ dharmalakṣaṇam
nicht der Āśrama [ist] das Kennzeichen des Dharma (Nom. / Nom.)

ātmā phalati karmāṇi: Konstruktion (phal intransitiv mit Akk.) unsicher.

āśrame yo dvijaṃ hanyād gāṃ vā dadyād anāśrame; kiṃ nu tat pātakaṃ na syāt tad vā dattaṃ vṛthā bhavet

Wer in einem Āśrama einen Brahmanen erschlüge oder außerhalb eines Āśrama eine Kuh schenkte: Wäre jenes etwa keine Sünde, oder wäre jene Gabe [dann] nicht vergeblich?

Wort für Wort
āśrame yaḥ dvijaṃ hanyāt
wer im Āśrama einen Zweimalgeborenen erschlüge (Lok. / Opt.)
gāṃ vā dadyāt anāśrame
oder eine Kuh gäbe, außerhalb eines Āśrama (Opt. / Lok.)
kiṃ nu tat pātakaṃ na syāt
wäre jenes etwa keine Sünde (Opt.)
tat vā dattaṃ vṛthā bhavet
oder wäre jenes Gegebene vergeblich (Part.Nom.n. / Opt.)

Der Sinn der rhetorischen Frage ist knapp; wörtlich wiedergegeben.

bhavantaḥ sarvalobhena kevalaṃ bhakṣaṇe ratāḥ; anubandhe tu ye doṣās tān na paśyanti mohitāḥ

Ihr seid aus lauter Gier nur dem Essen ergeben; die Fehler aber, die in den Folgen liegen, seht ihr nicht, betört [wie ihr seid].

Wort für Wort
bhavantaḥ sarvalobhena
ihr, aus ganzer Gier (Nom.Pl. / Instr.Sg.)
kevalaṃ bhakṣaṇe ratāḥ
nur am Essen Gefallen findend (Adv. / Lok. / Nom.Pl.)
anubandhe tu ye doṣāḥ
die Fehler aber, die in der Folge/Verkettung [liegen] (Lok. / Nom.Pl.)
tān na paśyanti mohitāḥ
diese sehen sie nicht, betört (3.Pl.Präs. / Part.Nom.Pl.)

apratyayakṛtāṃ garhyām arthāpanayadūṣitām; iha cāmutra cāniṣṭāṃ tasmād vṛttiṃ na rocaye

Eine Lebensweise, die auf Misstrauen beruht, tadelnswert, durch Einbuße an Gütern befleckt, hier und im Jenseits unerwünscht: deshalb mag ich sie nicht.“

Wort für Wort
apratyayakṛtāṃ garhyām
durch Nichtvertrauen bewirkt, tadelnswert (Akk.Sg.f.)
arthāpanayadūṣitām
durch Wegnahme von Gütern befleckt (Akk.Sg.f.)
iha ca amutra ca aniṣṭām
hier und jenseits unerwünscht (Adv. / Akk.Sg.f.)
tasmāt vṛttiṃ na rocaye
deshalb mag ich die Lebensweise nicht (Abl. / Akk. / 1.Sg.Med.)

taṃ śuciṃ paṇḍitaṃ matvā śārdūlaḥ khyātavikramaḥ; kṛtvātmasadṛśāṃ pūjāṃ sācivye 'vardhayat svayam

Ihn für rein und weise haltend, erwies ihm der Tiger, berühmt für seine Tapferkeit, eine Ehrung, wie sie ihm selbst zukam, und erhob ihn selbst zum Amt des Ratgebers.

Wort für Wort
tam śucim paṇḍitam matvā
ihn für rein [und] gelehrt gehalten habend (Abs.)
śārdūlaḥ khyātavikramaḥ
der Tiger, berühmt für Tapferkeit (Nom.Sg.)
kṛtvā ātmasadṛśām pūjām
nachdem er eine sich selbst gleiche Ehrung erwiesen (Abs. / Akk.Sg.)
sācivye avardhayat svayam
im Ministeramt ließ er [ihn] erstarken/erhob er selbst (Lok. / Imperf.Kaus.)

saumya vijñātarūpas tvaṃ gaccha yātrāṃ mayā saha; vriyantām īpsitā bhogāḥ parihāryāś ca puṣkalāḥ

„Freund, du bist [in deinem Wesen] erkannt; komm mit mir auf den Zug. Erwähle dir die ersehnten Genüsse und reichliche Vorrechte [?].

Wort für Wort
saumya vijñātarūpaḥ tvam
Freundlicher, in deinem Wesen erkannt bist du (Vok. / Nom.)
gaccha yātrām mayā saha
geh (Imp.) auf den Zug/die Fahrt mit mir
vriyantām īpsitāḥ bhogāḥ
gewählt mögen werden erwünschte Genüsse (Imp.Pass.)
parihāryāḥ ca puṣkalāḥ
und Schmuckstücke/Vorrechte [?], reichliche (Nom.Pl.)

parihārya: „Armspange“ oder „Vorrecht/Auszeichnung“; unsicher.

tīkṣṇā vayam iti khyātā bhavato jñāpayāmahe; mṛdupūrvaṃ ghātinas te śreyaś cādhigamiṣyati

Wir gelten als scharf; das geben wir dir zu wissen. [Wir sind] zunächst milde, [dann aber] Schlagende, [zu deinem Nutzen?] [?], und du wirst Heil erlangen.“

Wort für Wort
tīkṣṇāḥ vayam iti khyātāḥ
scharf/hart [sind] wir, so bekannt (Nom.Pl. / Part.)
bhavataḥ jñāpayāmahe
wir geben dir zu wissen (Kaus.Med. 1.Pl.)
mṛdupūrvaṃ ghātinaḥ te
zuerst milde, dann Schlagende [?], dein [?] (Adv. / Nom.Pl. / Gen.)
śreyaḥ ca adhigamiṣyati
und Heil wird erlangen (Nom. / Fut. 3.Sg.)

Zeile 2 syntaktisch unklar (te, ghātinaḥ); die Wiedergabe ist unsicher.

atha saṃpūjya tad vākyaṃ mṛgendrasya mahātmanaḥ; gomāyuḥ praśritaṃ vākyaṃ babhāṣe kiṃ cid ānataḥ

Da ehrte der Schakal dieses Wort des edlen Herrn der Tiere und sprach ein bescheidenes Wort, ein wenig gebeugt.

Wort für Wort
atha saṃpūjya tat vākyam
da, geehrt habend jenes Wort (Abs.)
mṛgendrasya mahātmanaḥ
des Fürsten der Tiere, des Großgesinnten (Gen.)
gomāyuḥ praśritaṃ vākyam
der Schakal, ein bescheidenes Wort (Nom. / Akk.)
babhāṣe kiṃ cit ānataḥ
sprach (Perf.Med.), ein wenig gebeugt (Nom.)

sadṛśaṃ mṛgarājaitat tava vākyaṃ madantare; yat sahāyān mṛgayase dharmārthakuśalāñ śucīn

„Dieses dein Wort ist angemessen, König der Tiere, was mich betrifft, dass du Gefährten suchst, die in Dharma und Nutzen kundig und rein sind.

Wort für Wort
sadṛśam mṛgarāja etat
angemessen, König der Tiere, dies (Nom.n. / Vok.)
tava vākyam madantare
dein Wort, in Bezug auf mich (Nom. / Lok.)
yat sahāyān mṛgayase
dass du Gefährten suchst (Akk.Pl. / 2.Sg.Präs.)
dharmārthakuśalān śucīn
in Dharma und Nutzen Kundige, Reine (Akk.Pl.)

na śakyam anamātyena mahattvam anuśāsitum; duṣṭāmātyena vā vīra śarīraparipanthinā

Ohne Minister kann man Größe nicht regieren, auch nicht mit einem schlechten Minister, Held, der dem Leib wie ein Wegelagerer ist.

Wort für Wort
na śakyam anamātyena
nicht ist möglich ohne Minister (Instr.Sg.)
mahattvam anuśāsitum
Größe/Hoheit zu regieren (Inf.)
duṣṭāmātyena vā vīra
oder mit schlechtem Minister, Held (Instr. / Vok.)
śarīraparipanthinā
der dem Körper Wegelagerer ist (Instr.Sg.)

sahāyān anuraktāṃs tu yatetānupasaṃhitān; parasparam asaṃghuṣṭān vijigīṣūn alolupān

Man soll sich vielmehr um ergebene, gut verbundene, untereinander nicht zerstrittene [?], siegeswillige, nicht gierige Gefährten bemühen.

Wort für Wort
sahāyān anuraktān tu
Gefährten, ergebene aber (Akk.Pl.)
yateta anupasaṃhitān
man möge sich bemühen (Opt.Med.), gut verbundene (Akk.Pl.)
parasparam asaṃghuṣṭān
untereinander nicht verrufen/zerstritten [?] (Akk.Pl.)
vijigīṣūn alolupān
siegeswillige, nicht begierige (Akk.Pl.)

asaṃghuṣṭān: Bedeutung unsicher.

tān atītopadhān prājñān hite yuktān manasvinaḥ; pūjayethā mahābhāgān yathācāryān yathā pitṝn

Diese ohne Ränke, weisen, dem Wohl zugewandten, mutigen, hochherzigen sollst du ehren wie Lehrer, wie Väter.

Wort für Wort
tān atītopadhān prājñān
diese, frei von Hinterlist, Weise (Akk.Pl.)
hite yuktān manasvinaḥ
auf das Wohl gerichtet, beherzt (Lok. / Akk.Pl.)
pūjayethāḥ mahābhāgān
du sollst ehren (Opt.Med.), Hochedle (Akk.Pl.)
yathā ācāryān yathā pitṝn
wie Lehrer, wie Väter (Akk.Pl.)

na tv evaṃ mama saṃtoṣād rocate 'nyan mṛgādhipa; na kāmaye sukhān bhogān aiśvaryaṃ vā tvadāśrayam

Mir aber gefällt aus meiner Zufriedenheit heraus nichts anderes so, Herr der Tiere. Ich begehre weder angenehme Genüsse noch eine Herrschaft, die von dir abhängt.

Wort für Wort
na tu evam mama saṃtoṣāt
nicht aber so, aus meiner Zufriedenheit (Abl.)
rocate anyat mṛgādhipa
gefällt Anderes (3.Sg.Med.), Herr der Tiere (Vok.)
na kāmaye sukhān bhogān
nicht wünsche ich angenehme Genüsse (1.Sg.Präs. / Akk.Pl.)
aiśvaryaṃ vā tvadāśrayam
oder Herrschaft, die auf dich gestützt ist (Akk.Sg.)

na yokṣyati hi me śīlaṃ tava bhṛtyaiḥ purātanaiḥ; te tvāṃ vibhedayiṣyanti duḥkhaśīlā madantare

Denn mein Wesen wird sich nicht mit deinen alten Dienern vertragen; die, schwierig im Wesen, werden dich meinetwegen [gegen mich] entzweien.

Wort für Wort
na yokṣyati hi me śīlam
nicht wird sich verbinden (Fut.Med. 3.Sg.), mein Wesen
tava bhṛtyaiḥ purātanaiḥ
mit deinen alten Dienern (Instr.Pl.)
te tvām vibhedayiṣyanti
diese werden dich entzweien (Fut.Kaus. 3.Pl.)
duḥkhaśīlāḥ madantare
schwer im Wesen, meinetwegen (Nom.Pl. / Lok.)

saṃśrayaḥ ślāghanīyas tvam anyeṣām api bhāsvatām; kṛtātmā sumahābhāgaḥ pāpakeṣv apy adāruṇaḥ

Du bist ein preisenswerter Zufluchtsort, auch für andere Strahlende; selbstbeherrscht, sehr hochgesinnt, auch gegen Übeltäter nicht grausam.

Wort für Wort
saṃśrayaḥ ślāghanīyaḥ tvam
Zuflucht, preisenswert bist du (Nom.Sg.)
anyeṣām api bhāsvatām
auch für andere Strahlende (Gen.Pl.)
kṛtātmā sumahābhāgaḥ
selbstbeherrscht, sehr hochedel (Nom.Sg.)
pāpakeṣu api adāruṇaḥ
auch gegenüber Bösen nicht grausam (Lok.Pl. / Nom.)

dīrghadarśī mahotsāhaḥ sthūlalakṣyo mahābalaḥ; kṛtī cāmoghakartāsi bhāvyaiś ca samalaṃkṛtaḥ

Weitblickend, sehr tatkräftig, großzügig [?], sehr stark; erfolgreich und mit untrüglichem Tun bist du, und mit [Tugenden], wie sie sein sollen, geschmückt.

Wort für Wort
dīrghadarśī mahotsāhaḥ
weitblickend, sehr tatkräftig (Nom.Sg.)
sthūlalakṣyaḥ mahābalaḥ
großzügig/hochgesteckte Ziele [?], sehr stark (Nom.Sg.)
kṛtī ca amoghakartā asi
erfolgreich und unfehlbar Handelnder bist du
bhāvyaiḥ ca samalaṃkṛtaḥ
und mit Vorzüglichem [?] geschmückt (Instr.Pl. / Part.)

sthūlalakṣya und bhāvyaiḥ nicht sicher bestimmbar.

kiṃ tu svenāsmi saṃtuṣṭo duḥkhā vṛttir anuṣṭhitā; sevāyāś cāpi nābhijñaḥ svacchandena vanecaraḥ

Ich aber bin mit dem Meinen zufrieden; ein mühsames Leben habe ich geführt. Auch im Dienen bin ich unerfahren, ein Waldbewohner, der nach eigenem Willen lebt.

Wort für Wort
kiṃ tu svena asmi saṃtuṣṭaḥ
doch mit dem Eigenen bin ich zufrieden (Instr. / Part.)
duḥkhā vṛttiḥ anuṣṭhitā
mühevolle Lebensweise ist geübt worden (Nom.Sg.f. / Part.Pass.)
sevāyāḥ ca api na abhijñaḥ
und im Dienst auch nicht erfahren (Gen. / Nom.)
svacchandena vanecaraḥ
nach eigenem Willen, im Wald Umherziehender (Instr. / Nom.)

rājopakrośadoṣāś ca sarve saṃśrayavāsinām; vanacaryā ca niḥsaṅgā nirbhayā niravagrahā

Und alle Missstände von Tadel und Zorn des Königs [gibt es] für die, die in der Abhängigkeit leben; das Leben im Wald aber ist ungebunden, furchtlos, ohne Zwang.

Wort für Wort
rājopakrośadoṣāḥ ca sarve
und alle Fehler der Rüge/des Zorns des Königs (Nom.Pl.)
saṃśrayavāsinām
für die in Abhängigkeit/Schutz Lebenden (Gen.Pl.)
vanacaryā ca niḥsaṅgā
und das Waldleben, ungebunden (Nom.Sg.f.)
nirbhayā niravagrahā
furchtlos, ohne Zwang/Hemmung (Nom.Sg.f.)

nṛpeṇāhūyamānasya yat tiṣṭhati bhayaṃ hṛdi; na tat tiṣṭhati tuṣṭānāṃ vane mūlaphalāśinām

Die Furcht, die im Herzen bleibt, wenn man vom König gerufen wird, die bleibt nicht bei den Zufriedenen, die im Wald von Wurzeln und Früchten leben.

Wort für Wort
nṛpeṇa āhūyamānasya
für den, der vom König gerufen wird (Instr. / Part.Pass.Gen.)
yat tiṣṭhati bhayam hṛdi
die Furcht, die im Herzen bleibt (Nom. / Lok.)
na tat tiṣṭhati tuṣṭānām
die bleibt nicht bei Zufriedenen (Gen.Pl.)
vane mūlaphalāśinām
bei den im Wald Wurzeln und Früchte Essenden (Lok. / Gen.Pl.)

pānīyaṃ vā nirāyāsaṃ svādv annaṃ vā bhayottaram; vicārya khalu paśyāmi tat sukhaṃ yatra nirvṛtiḥ

Wasser ohne Mühe [erlangt] oder süße Speise, der aber Furcht folgt: Nach Überlegung sehe ich als Glück das, worin Ruhe ist.

Wort für Wort
pānīyam vā nirāyāsam
Trinkwasser oder mühelos [erlangtes] (Nom.n.)
svādu annam vā bhayottaram
oder süße Speise, von Furcht gefolgt (Nom.n.)
vicārya khalu paśyāmi
nach Überlegung sehe ich fürwahr (Abs. / 1.Sg.)
tat sukham yatra nirvṛtiḥ
das [ist] Glück, worin Ruhe/Frieden [ist]

aparādhair na tāvanto bhṛtyāḥ śiṣṭā narādhipaiḥ; upaghātair yathā bhṛtyā dūṣitā nidhanaṃ gatāḥ

Nicht so viele Diener werden von Königen wegen Vergehen [zurechtgewiesen] [?], wie Diener durch Anschläge verdorben wurden und den Tod fanden.

Wort für Wort
aparādhaiḥ na tāvantaḥ
durch Vergehen nicht so viele (Instr.Pl.)
bhṛtyāḥ śiṣṭāḥ narādhipaiḥ
Diener gemaßregelt [?] von Königen (Nom.Pl. / Part. / Instr.Pl.)
upaghātaiḥ yathā bhṛtyāḥ
wie durch Anschläge/Ränke Diener (Instr.Pl.)
dūṣitāḥ nidhanaṃ gatāḥ
verdorben/verleumdet, zum Tod gegangen (Part.Nom.Pl.)

śiṣṭāḥ unsicher („gemaßregelt“ oder „übrig geblieben“).

yadi tv etan mayā kāryaṃ mṛgendro yadi manyate; samayaṃ kṛtam icchāmi vartitavyaṃ yathā mayi

Wenn ich dies aber tun soll, wenn der Herr der Tiere es für richtig hält, so wünsche ich eine getroffene Vereinbarung, wie mit mir zu verfahren ist.

Wort für Wort
yadi tu etat mayā kāryam
wenn aber dies von mir zu tun ist (Gerundiv)
mṛgendraḥ yadi manyate
wenn der Fürst der Tiere es meint (3.Sg.Med.)
samayaṃ kṛtam icchāmi
eine getroffene Abmachung wünsche ich (Akk. / Part. / 1.Sg.)
vartitavyam yathā mayi
wie zu verfahren ist bei mir (Gerundiv / Lok.)

madīyā mānanīyās te śrotavyaṃ ca hitaṃ vacaḥ; kalpitā yā ca te vṛttiḥ sā bhavet tava susthirā

Die Meinen sind von dir zu ehren, und ein heilsames Wort ist anzuhören; und die Versorgung, die dir [von mir] festgesetzt ist [?], soll dir fest bestehen.

Wort für Wort
madīyāḥ mānanīyāḥ te
die Meinen sind zu ehren von dir (Nom.Pl. / Gerundiv / Instr.-Dat.)
śrotavyam ca hitam vacaḥ
und zu hören ist ein heilsames Wort (Gerundiv)
kalpitā yā ca te vṛttiḥ
und die Lebensgrundlage, die dir festgesetzt [ist] (Part.f. / Gen.-Dat.)
sā bhavet tava susthirā
sie möge sein (Opt.), dein, ganz fest (Nom.f.)

Bezug von te/tava in Zeile 2 unsicher.

na mantrayeyam anyais te sacivaiḥ saha karhi cit; nītimantaḥ parīpsanto vṛthā brūyuḥ pare mayi

Ich werde mich nie mit deinen anderen Ministern zusammen beraten; sonst würden Andere, klug und nach Vorteil trachtend, vergeblich über mich reden.

Wort für Wort
na mantrayeyam anyaiḥ te
nicht möge ich beraten mit anderen, deinen (Opt. / Instr.)
sacivaiḥ saha karhi cit
mit Ministern zusammen, jemals (Instr.Pl.)
nītimantaḥ parīpsantaḥ
politisch Kluge, Trachtende (Nom.Pl.)
vṛthā brūyuḥ pare mayi
vergeblich würden sie reden, die anderen, über mich (Opt. / Lok.)

eka ekena saṃgamya raho brūyāṃ hitaṃ tava; na ca te jñātikāryeṣu praṣṭavyo 'haṃ hitāhite

Einzeln, mit dir allein zusammenkommend, werde ich im Geheimen dir Heilsames sagen; und in den Angelegenheiten deiner Verwandten bin ich nicht nach Gutem und Schlechtem zu fragen.

Wort für Wort
ekaḥ ekena saṃgamya
einer, mit einem zusammengekommen (Abs.)
rahaḥ brūyām hitam tava
im Geheimen möge ich sagen Heilsames dir (Adv. / Opt.)
na ca te jñātikāryeṣu
und nicht in deinen Verwandtenangelegenheiten (Lok.Pl.)
praṣṭavyaḥ aham hitāhite
zu fragen bin ich, nach Gutem und Schlechtem (Gerundiv / Lok.)

mayā saṃmantrya paścāc ca na hiṃsyāḥ sacivās tvayā; madīyānāṃ ca kupito mā tvaṃ daṇḍaṃ nipātayeḥ

Und nachdem du dich mit mir beraten hast, sollst du danach die Minister nicht verletzen; und wenn du zornig bist, sollst du über die Meinen keine Strafe verhängen.

Wort für Wort
mayā saṃmantrya paścāt ca
mit mir beraten habend, und danach (Abs.)
na hiṃsyāḥ sacivāḥ tvayā
nicht sollen verletzt werden die Minister von dir (Pass.Opt. / Instr.)
madīyānām ca kupitaḥ
und über die Meinen, zornig (Gen.Pl. / Part.)
mā tvam daṇḍam nipātayeḥ
nicht sollst du Strafe fallen lassen (Prohib.-Aor./Opt.)

evam astv iti tenāsau mṛgendreṇābhipūjitaḥ; prāptavān matisācivyaṃ gomāyur vyāghrayonitaḥ

„So sei es“ [sagte er], und vom Herrn der Tiere geehrt, erlangte der Schakal vom Tiger her das Amt des verständigen Ratgebers.

Wort für Wort
evam astu iti tena
so sei es, so, von diesem (Imp.)
asau mṛgendreṇa abhipūjitaḥ
dieser, vom Herrn der Tiere geehrt (Instr. / Part.)
prāptavān matisācivyam
erlangte das Ratgeberamt des Verstandes (Part.Perf.Akt. / Akk.)
gomāyuḥ vyāghrayonitaḥ
der Schakal, vom Tiger her [?] (Nom. / Abl.-Adv.)

vyāghrayonitaḥ: wörtlich etwa „aus dem Tigerschoß/von der Tigerart her“; unsicher.

taṃ tathā satkṛtaṃ dṛṣṭvā yujyamānaṃ ca karmaṇi; prādviṣan kṛtasaṃghātāḥ pūrvabhṛtyā muhur muhuḥ

Als die früheren Diener ihn so geehrt und im Amt tätig sahen, hassten sie ihn, zusammengeschworen, immer wieder.

Wort für Wort
tam tathā satkṛtam dṛṣṭvā
ihn so geehrt gesehen habend (Abs.)
yujyamānam ca karmaṇi
und im Amt eingesetzt (Part.Pass. / Lok.)
prādviṣan kṛtasaṃghātāḥ
sie hassten, zusammengeschlossen (Imperf. / Part.Nom.Pl.)
pūrvabhṛtyāḥ muhuḥ muhuḥ
die früheren Diener, immer wieder

mitrabuddhyā ca gomāyuṃ sāntvayitvā praveśya ca; doṣeṣu samatāṃ netum aicchann aśubhabuddhayaḥ

Und den Schakal mit freundlicher Miene beschwichtigend und [ihn zu sich] hereinführend, wollten die Böses Sinnenden ihn in den Fehlern gleichmachen.

Wort für Wort
mitrabuddhyā ca gomāyum
und mit freundlicher Gesinnung den Schakal (Instr. / Akk.)
sāntvayitvā praveśya ca
beschwichtigt habend und hereingeführt habend (Abs.)
doṣeṣu samatām netum
in den Fehlern zur Gleichheit zu führen (Lok.Pl. / Inf.)
aicchan aśubhabuddhayaḥ
wünschten (Imperf.), die Übelgesinnten (Nom.Pl.)

anyathā hy ucitāḥ pūrvaṃ paradravyāpahāriṇaḥ; aśaktāḥ kiṃ cid ādātuṃ dravyaṃ gomāyuyantritāḥ

Denn anders als jetzt waren sie früher gewohnt, fremdes Gut zu rauben; nun, vom Schakal im Zaum gehalten, waren sie unfähig, irgendetwas zu nehmen.

Wort für Wort
anyathā hi ucitāḥ pūrvam
denn anders gewohnt früher (Adv. / Nom.Pl. / Adv.)
paradravyāpahāriṇaḥ
fremdes Gut Raubende (Nom.Pl.)
aśaktāḥ kiṃ cit ādātum
unfähig, irgendetwas zu nehmen (Nom.Pl. / Inf.)
dravyam gomāyuyantritāḥ
Gut; vom Schakal gezügelt (Akk. / Nom.Pl.)

Der Text ist knapp; „nun“ ist ergänzt.

vyutthānaṃ cātra kāṅkṣadbhiḥ kathābhiḥ pravilobhyate; dhanena mahatā caiva buddhir asya vilobhyate

Und hierbei, einen Umsturz erhoffend, wird er durch Erzählungen verlockt, und durch gewaltigen Reichtum wird sein Sinn verlockt.

Wort für Wort
vyutthānam ca atra kāṅkṣadbhiḥ
und Umsturz/Abweichung hierbei von den Erhoffenden (Part.Instr.Pl.)
kathābhiḥ pravilobhyate
durch Erzählungen wird er verlockt (Pass.)
dhanena mahatā ca eva
und ebenso durch großen Reichtum (Instr.)
buddhiḥ asya vilobhyate
sein Sinn wird verlockt (Nom. / Gen. / Pass.)

vyutthānam kāṅkṣadbhiḥ: Sinn (Aufstand gegen den Herrn oder Abfall des Schakals) unsicher.

na cāpi sa mahāprājñas tasmād dhairyāc cacāla ha; athāsya samayaṃ kṛtvā vināśāya sthitāḥ pare

Aber auch der sehr Weise geriet dadurch nicht ins Wanken aus seiner Festigkeit. Da trafen die anderen eine Verabredung und standen zu seinem Untergang bereit.

Wort für Wort
na ca api saḥ mahāprājñaḥ
und auch er, der sehr Weise, nicht (Nom.)
tasmāt dhairyāt cacāla ha
wankte aus jener Festigkeit (Abl. / Perf.)
atha asya samayam kṛtvā
da, ihm gegenüber eine Verabredung getroffen habend (Abs.)
vināśāya sthitāḥ pare
zum Untergang standen bereit die anderen (Dat. / Part.Nom.Pl.)

īpsitaṃ ca mṛgendrasya māṃsaṃ yat tatra saṃskṛtam; apanīya svayaṃ tad dhi tair nyastaṃ tasya veśmani

Und das Fleisch, das der Herr der Tiere begehrte und das dort zubereitet war, entfernten sie selbst und legten es in seinem Haus nieder.

Wort für Wort
īpsitam ca mṛgendrasya
und das Gewünschte des Herrn der Tiere (Part. / Gen.)
māṃsam yat tatra saṃskṛtam
Fleisch, das dort zubereitet war (Nom. / Part.)
apanīya svayam tat hi
entfernt habend, selbst, dieses (Abs.)
taiḥ nyastam tasya veśmani
von ihnen niedergelegt, in seinem Haus (Part. / Lok.)

yadarthaṃ cāpy apahṛtaṃ yena yac caiva mantritam; tasya tad viditaṃ sarvaṃ kāraṇārthaṃ ca marṣitam

Weshalb es gestohlen wurde, durch wen, und was beraten wurde: all das war ihm bekannt; und um eines Zweckes willen ertrug er es.

Wort für Wort
yadartham ca api apahṛtam
und weswegen es auch entwendet wurde (Part.)
yena yat ca eva mantritam
durch wen, und was beraten wurde (Instr. / Part.)
tasya tat viditam sarvam
ihm war das alles bekannt (Gen. / Part.)
kāraṇārtham ca marṣitam
und um eines Grundes/Zweckes willen ertragen (Adv. / Part.)

samayo 'yaṃ kṛtas tena sācivyam upagacchatā; nopaghātas tvayā grāhyo rājan maitrīm ihecchatā

Diese Übereinkunft wurde von ihm getroffen, als er in [deinen] Beistand eintrat: Keine Schädigung ist von dir hinzunehmen, König, der du hier Freundschaft wünschst.

Wort für Wort
samayo 'yaṃ kṛtas tena
diese Übereinkunft [ist] von ihm geschlossen (Nom.Sg.m.; Part.Perf.Pass.; Instr.)
sācivyam upagacchatā
der in den Beistand/das Ministeramt eintrat (Instr.Sg.m.; Part.Präs.)
nopaghātas tvayā grāhyo
keine Schädigung ist von dir hinzunehmen (Nom.Sg.m.; Gerundiv; Instr.)
rājan maitrīm ihecchatā
König, der du hier Freundschaft wünschst (Vok.Sg.; Akk.Sg.f.; Instr.Sg.m. Part.Präs.)

Der Sprecherbezug (Rede des Schakals bzw. Erzählung) ist im Kapitelzusammenhang nicht eindeutig; wörtlich übersetzt.

iti tasya ca mantrasya sthityarthaṃ tad upekṣitam

So wurde jener Rat [des Schakals] um der Beständigkeit [der Abmachung] willen unbeachtet gelassen [?].

Wort für Wort
iti tasya ca mantrasya
so, und dieses Rates (Indekl.; Gen.Sg.m.)
sthityarthaṃ
um des Bestehens willen (Akk.Sg.n. als Adv.)
tad upekṣitam
das ist übergangen/unbeachtet gelassen (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, Sinn unsicher.

bhīṣma uvāca; kṣudhitasya mṛgendrasya bhoktum abhyutthitasya ca

Bhīṣma sprach: [Als] der Löwe, der König der Tiere, hungrig war und sich erhoben hatte, um zu fressen,

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
kṣudhitasya mṛgendrasya
des hungrigen Tierfürsten (Gen.Sg.m.)
bhoktum abhyutthitasya ca
und der sich erhoben hatte, um zu essen (Inf.; Gen.Sg.m. Part.Perf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Satz setzt sich in der folgenden Einheit fort (Gen. abs.).

bhojane copahartavye tan māṃsaṃ na sma dṛśyate; mṛgarājena cājñaptaṃ mṛgyatāṃ cora ity uta

und beim Auftragen der Mahlzeit jenes Fleisch nicht zu sehen war, da wurde vom Tierkönig befohlen: „Der Dieb soll gesucht werden!“

Wort für Wort
bhojane copahartavye
und als die Speise dargebracht werden sollte (Lok.Sg.n.; Gerundiv; Lok. abs.)
tan māṃsaṃ na sma dṛśyate
jenes Fleisch wurde nicht gesehen (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Pass.)
mṛgarājena cājñaptaṃ
und vom Tierkönig wurde befohlen (Instr.Sg.m.; Part.Perf.Pass.n.)
mṛgyatāṃ cora ity uta
der Dieb soll gesucht werden, so (3.Sg.Imp.Pass.; Nom.Sg.m.)

kṛtakaiś cāpi tan māṃsaṃ mṛgendrāyopavarṇitam; sacivenopanītaṃ te viduṣā prājñamāninā

Und von Betrügern wurde dem Tierfürsten jenes Fleisch beschrieben [als] von deinem Minister herbeigebracht, dem Gelehrten, der sich für weise hält.

Wort für Wort
kṛtakaiś cāpi
und auch von Trügerischen/Intriganten (Instr.Pl.m.)
tan māṃsaṃ mṛgendrāya
jenes Fleisch dem Tierfürsten (Akk.Sg.n.; Dat.Sg.m.)
upavarṇitam
wurde dargelegt (Part.Perf.Pass.n.)
sacivenopanītaṃ te
von deinem Minister herbeigebracht (Instr.Sg.m.; Part.Perf.Pass.; Gen./Dat. Sg.)
viduṣā prājñamāninā
vom Kundigen, der sich für klug hält (Instr.Sg.m.)

Der Sprecher wendet sich hier an den Löwen; te ist eher possessiv („dein“).

saroṣas tv atha śārdūlaḥ śrutvā gomāyucāpalam; babhūvāmarṣito rājā vadhaṃ cāsyābhyarocayat

Da wurde der Tiger, zornig, als er von der Leichtfertigkeit des Schakals hörte, unwillig, der König, und billigte dessen Tötung.

Wort für Wort
saroṣas tv atha śārdūlaḥ
zornig aber dann der Tiger (Nom.Sg.m.)
śrutvā gomāyucāpalam
nachdem er die Unbeständigkeit/Leichtfertigkeit des Schakals gehört hatte (Abs.; Akk.Sg.n.)
babhūvāmarṣito rājā
wurde erzürnt, der König (3.Sg.Perf.; Part.Perf.; Nom.Sg.m.)
vadhaṃ cāsyābhyarocayat
und billigte dessen Tötung (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Impf.Kaus.)

chidraṃ tu tasya tad dṛṣṭvā procus te pūrvamantriṇaḥ; sarveṣām eva so 'smākaṃ vṛttibhaṅgeṣu vartate

Als aber die früheren Minister diese Schwachstelle an ihm sahen, sagten sie: „Er verhält sich bei allen von uns so, dass er unseren Lebensunterhalt zerstört.“

Wort für Wort
chidraṃ tu tasya tad dṛṣṭvā
aber diese Lücke/Schwäche an ihm gesehen habend (Akk.Sg.n.; Abs.)
procus te pūrvamantriṇaḥ
sprachen jene früheren Minister (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.m.)
sarveṣām eva so 'smākaṃ
bei uns allen, er (Gen.Pl.; Nom.Sg.m.; Gen.Pl. 1.Pers.)
vṛttibhaṅgeṣu vartate
tritt bei Zerstörungen des Unterhalts auf (Lok.Pl.m.; 3.Sg.Präs.Med.)

niścityaivaṃ tatas tasya te tat karmāṇy avarṇayan

Nachdem sie so entschieden hatten, schilderten sie hierauf seine Taten.

Wort für Wort
niścityaivaṃ tatas tasya
so entschlossen habend, danach seine (Abs.; Gen.Sg.m.)
te tat karmāṇy avarṇayan
sie beschrieben diese Taten (3.Pl.Impf.; Akk.Pl.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

idaṃ cāsyedṛśaṃ karma vāllabhyena tu rakṣyate; śrutaś ca svāminā pūrvaṃ yādṛśo naiṣa tādṛśaḥ

„Und diese seine Tat wird durch [dein] Wohlwollen geschützt. Auch wurde von [unserem] Herrn früher gehört, wie er beschaffen sei: Er ist nicht so [wie er scheint].“

Wort für Wort
idaṃ cāsyedṛśaṃ karma
und diese solche Tat von ihm (Nom.Sg.n.)
vāllabhyena tu rakṣyate
aber durch Beliebtheit/Gunst wird geschützt (Instr.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Pass.)
śrutaś ca svāminā pūrvaṃ
und gehört vom Herrn früher (Part.Perf.Pass.; Instr.Sg.m.)
yādṛśo naiṣa tādṛśaḥ
wie beschaffen [er ist]: dieser ist nicht so (Nom.Sg.m.)

Lesart und Bezug von śrutaś ca svāminā pūrvaṃ yādṛśo naiṣa tādṛśaḥ unsicher.

vāṅmātreṇaiva dharmiṣṭhaḥ svabhāvena tu dāruṇaḥ; dharmacchadmā hy ayaṃ pāpo vṛthācāraparigrahaḥ; kāryārthaṃ bhojanārtheṣu vrateṣu kṛtavāñ śramam

„Nur in Worten ist er tugendhaft, von Natur aber grausam. Dieser Übeltäter ist ein Heuchler der Rechtschaffenheit, der leere Bräuche angenommen hat; um seines Zweckes willen hat er sich bei Speisen und Gelübden Mühe gemacht.“

Wort für Wort
vāṅmātreṇaiva dharmiṣṭhaḥ
nur durch Worte tugendhaft (Instr.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
svabhāvena tu dāruṇaḥ
von Natur aber grausam (Instr.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
dharmacchadmā hy ayaṃ pāpo
denn dieser Sünder ist ein Rechtschaffenheitsheuchler (Nom.Sg.m.)
vṛthācāraparigrahaḥ
der nichtige Bräuche angenommen hat (Nom.Sg.m.; Kompositum)
kāryārthaṃ bhojanārtheṣu
um eines Zweckes willen, bei Speisezwecken (Akk.Sg.n. Adv.; Lok.Pl.m.)
vrateṣu kṛtavāñ śramam
bei Gelübden hat er Mühe aufgewendet (Lok.Pl.n.; Part.Perf.Akt.; Akk.Sg.m.)

Der Schluss der Zeile ist syntaktisch schwierig; wörtlich wiedergegeben.

yadi vipratyayo hy eṣa tad idaṃ darśayāma te; tanmāṃsaṃ caiva gomāyos tatkṣaṇāt tais tu ḍaukitam

„Wenn dies für dich unglaubwürdig ist, so zeigen wir es dir: Jenes Fleisch des Schakals ist eben in diesem Augenblick von ihnen [herbei]gebracht worden.“

Wort für Wort
yadi vipratyayo hy eṣa
wenn dies Unglaube/Zweifel ist (Nom.Sg.m.)
tad idaṃ darśayāma te
dann zeigen wir dir dies (1.Pl.Kaus.; Dat./Gen.Sg.)
tanmāṃsaṃ caiva gomāyos
und jenes Fleisch, des Schakals (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.m.)
tatkṣaṇāt tais tu ḍaukitam
sogleich, von ihnen aber herbeigebracht (Abl.Sg.m.; Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ḍaukitam (Zusatzzeile) sinngemäß als „herbeigebracht“ gedeutet [?].

māṃsāpanayanaṃ jñātvā vyāghras teṣāṃ tu tad vacaḥ; ājñāpayām āsa tadā gomāyur vadhyatām iti

Als der Tiger von der Entfernung des Fleisches erfahren hatte und diese ihre Rede hörte, befahl er da: „Der Schakal soll getötet werden!“

Wort für Wort
māṃsāpanayanaṃ jñātvā
die Wegnahme des Fleisches erkannt habend (Akk.Sg.n.; Abs.)
vyāghras teṣāṃ tu tad vacaḥ
der Tiger, aber deren diese Rede (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.; Akk.Sg.n.)
ājñāpayām āsa tadā
befahl damals (3.Sg.Perf.Periphr.)
gomāyur vadhyatām iti
der Schakal soll getötet werden, so (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Imp.Pass.)

śārdūlavacanaṃ śrutvā śārdūlajananī tataḥ; mṛgarājaṃ hitair vākyaiḥ saṃbodhayitum āgamat

Als die Mutter des Tigers die Worte des Tigers hörte, kam sie darauf, um den Tierkönig mit heilsamen Worten zu ermahnen.

Wort für Wort
śārdūlavacanaṃ śrutvā
die Rede des Tigers gehört habend (Akk.Sg.n.; Abs.)
śārdūlajananī tataḥ
die Mutter des Tigers danach (Nom.Sg.f.)
mṛgarājaṃ hitair vākyaiḥ
den Tierkönig mit heilsamen Worten (Akk.Sg.m.; Instr.Pl.n.)
saṃbodhayitum āgamat
um zu ermahnen, kam sie (Inf.Kaus.; 3.Sg.Aor.)

putra naitat tvayā grāhyaṃ kapaṭārambhasaṃvṛtam; karmasaṃgharṣajair doṣair duṣyaty aśucibhiḥ śuciḥ

„Mein Sohn, dies darfst du nicht hinnehmen, [da es] von Trugwerk umhüllt begonnen wurde. Durch Fehler, die aus dem Reiben der Ämter/Taten entstehen, wird der Reine von Unreinen befleckt.“

Wort für Wort
putra naitat tvayā grāhyaṃ
Sohn, dies ist nicht von dir anzunehmen (Vok.; Nom.Sg.n. Gerundiv)
kapaṭārambhasaṃvṛtam
von Betrugsanfang umhüllt (Nom.Sg.n.; Kompositum)
karmasaṃgharṣajair doṣair
durch Fehler, die aus Reibung/Rivalität im Amt entstehen (Instr.Pl.m.)
duṣyaty aśucibhiḥ śuciḥ
wird befleckt durch Unreine der Reine (3.Sg.Präs.; Instr.Pl.m.; Nom.Sg.m.)

nocchritaṃ sahate kaś cit prakriyā vairakārikā; śucer api hi yuktasya doṣa eva nipātyate

Niemand erträgt einen Emporgekommenen; [solches] Vorgehen erzeugt Feindschaft. Selbst dem Reinen und Rechten wird bloß ein Makel angehängt.

Wort für Wort
nocchritaṃ sahate kaś cit
keiner erträgt einen Aufgestiegenen (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
prakriyā vairakārikā
Vorgehen, das Feindschaft schafft (Nom.Sg.f.)
śucer api hi yuktasya
auch eines Reinen und Passenden/Gewissenhaften (Gen.Sg.m.)
doṣa eva nipātyate
ein Fehler wird gerade angeheftet (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Pass.)

muner api vanasthasya svāni karmāṇi kurvataḥ; utpadyante trayaḥ pakṣā mitrodāsīnaśatravaḥ

Selbst bei einem Weisen, der im Wald lebt und seine eigenen Werke verrichtet, entstehen drei Parteien: Freunde, Neutrale und Feinde.

Wort für Wort
muner api vanasthasya
auch bei einem Weisen, der im Wald weilt (Gen.Sg.m.)
svāni karmāṇi kurvataḥ
der die eigenen Werke tut (Akk.Pl.n.; Part.Präs.Gen.)
utpadyante trayaḥ pakṣā
entstehen drei Parteien (3.Pl.Präs.Med.; Nom.Pl.m.)
mitrodāsīnaśatravaḥ
Freunde, Neutrale, Feinde (Nom.Pl.m.; Dvandva)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

lubdhānāṃ śucayo dveṣyāḥ kātarāṇāṃ tarasvinaḥ; mūrkhāṇāṃ paṇḍitā dveṣyā daridrāṇāṃ mahādhanāḥ; adhārmikāṇāṃ dharmiṣṭhā virūpāṇāṃ surūpakāḥ

Den Habgierigen sind Reine verhasst, den Furchtsamen die Tatkräftigen, den Toren die Gelehrten, den Armen die sehr Reichen, den Ungerechten die Rechtschaffenen, den Hässlichen die Schönen.

Wort für Wort
lubdhānāṃ śucayo dveṣyāḥ
den Gierigen sind Reine verhasst (Gen.Pl.; Nom.Pl.m.)
kātarāṇāṃ tarasvinaḥ
den Furchtsamen die Kraftvollen (Gen.Pl.; Nom.Pl.m.)
mūrkhāṇāṃ paṇḍitā dveṣyā
den Dummen sind Gelehrte verhasst
daridrāṇāṃ mahādhanāḥ
den Armen die sehr Reichen (Gen.Pl.; Nom.Pl.m.)
adhārmikāṇāṃ dharmiṣṭhā
den Ungerechten die Rechtschaffensten (Gen.Pl.; Nom.Pl.m.)
virūpāṇāṃ surūpakāḥ
den Hässlichen die Schönen (Gen.Pl.; Nom.Pl.m.)

bahavaḥ paṇḍitā lubdhāḥ sarve māyopajīvinaḥ; kuryur doṣam adoṣasya bṛhaspatimater api

Viele Gelehrte, Habgierige, alle von Täuschung lebend, würden selbst dem Fehlerlosen, auch wenn er Bṛhaspatis Verstand besäße, einen Fehler anlasten.

Wort für Wort
bahavaḥ paṇḍitā lubdhāḥ
viele Gelehrte, Gierige (Nom.Pl.m.)
sarve māyopajīvinaḥ
alle von Täuschung lebend (Nom.Pl.m.)
kuryur doṣam adoṣasya
würden einen Fehler machen/anlasten dem Fehlerlosen (3.Pl.Opt.; Akk.Sg.m.; Gen.Sg.m.)
bṛhaspatimater api
auch [wenn er] Bṛhaspatis Verstand [hat] (Gen.Sg.m.; Bahuvrīhi)

śūnyāt tac ca gṛhān māṃsaṃ yad adyāpahṛtaṃ tava; necchate dīyamānaṃ ca sādhu tāvad vimṛśyatām

Und jenes Fleisch, das heute aus einem leeren Haus von dir weggenommen wurde, wird auch [als] dargebotenes nicht gewollt: Das soll erst gut erwogen werden.

Wort für Wort
śūnyāt tac ca gṛhān māṃsaṃ
und jenes Fleisch aus dem leeren Haus (Abl.Sg.m./Pl.; Nom.Sg.n.)
yad adyāpahṛtaṃ tava
das heute weggenommen wurde, dein (Part.Perf.Pass.; Gen.Sg.)
necchate dīyamānaṃ ca
und wird nicht gewünscht, wenn es gegeben wird (3.Sg.Präs.Med.; Part.Präs.Pass.)
sādhu tāvad vimṛśyatām
gut soll erst erwogen werden (3.Sg.Imp.Pass.)

Text und Bezug (gṛhān, necchate) unsicher; sinngemäß wiedergegeben [?].

asatyāḥ satyasaṃkāśāḥ satyāś cāsatyadarśinaḥ; dṛśyante vividhā bhāvās teṣu yuktaṃ parīkṣaṇam

Es gibt Unwahres, das wie Wahres aussieht, und Wahres, das wie Unwahres erscheint; vielerlei Zustände werden gesehen, bei ihnen ist Prüfung angemessen.

Wort für Wort
asatyāḥ satyasaṃkāśāḥ
Unwahre, die dem Wahren gleichen (Nom.Pl.m.)
satyāś cāsatyadarśinaḥ
und Wahre, die unwahr erscheinen (Nom.Pl.m.)
dṛśyante vividhā bhāvās
es werden vielfältige Zustände gesehen (3.Pl.Präs.Pass.; Nom.Pl.m.)
teṣu yuktaṃ parīkṣaṇam
bei diesen ist Prüfung angemessen (Lok.Pl.; Nom.Sg.n.)

talavad dṛśyate vyoma khadyoto havyavāḍ iva; na caivāsti talaṃ vyomni na khadyote hutāśanaḥ

Der Himmel erscheint wie eine Fläche, der Glühwurm wie Feuer; und doch ist im Himmel keine Fläche, noch im Glühwurm Feuer.

Wort für Wort
talavad dṛśyate vyoma
wie mit Fläche versehen erscheint der Himmel (Nom.Sg.n.)
khadyoto havyavāḍ iva
der Glühwurm wie der Opferfeuergott/Feuer (Nom.Sg.m.)
na caivāsti talaṃ vyomni
und es ist keine Fläche im Himmel (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.; Lok.Sg.n.)
na khadyote hutāśanaḥ
noch im Glühwurm Feuer (Lok.Sg.m.; Nom.Sg.m.)

tasmāt pratyakṣadṛṣṭo 'pi yuktam arthaḥ parīkṣitum; parīkṣya jñāpayan hy arthān na paścāt paritapyate

Darum ist es angebracht, eine Sache auch dann zu prüfen, wenn sie mit eigenen Augen gesehen wurde; wer Dinge nach Prüfung mitteilt, bereut es später nicht.

Wort für Wort
tasmāt pratyakṣadṛṣṭo 'pi
darum auch [wenn] direkt gesehen (Abl.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
yuktam arthaḥ parīkṣitum
angemessen ist es, die Sache zu prüfen (Nom.Sg.m.; Inf.)
parīkṣya jñāpayan hy arthān
denn nach Prüfung Angelegenheiten kundtuend (Abs.; Part.Präs.Kaus.; Akk.Pl.m.)
na paścāt paritapyate
bereut später nicht (3.Sg.Präs.Pass./Med.)

na duṣkaram idaṃ putra yat prabhur ghātayet param; ślāghanīyā ca varyā ca loke prabhavatāṃ kṣamā

„Es ist nicht schwer, mein Sohn, dass ein Herrscher einen anderen töten lässt; rühmlich aber und vortrefflich ist in der Welt die Nachsicht der Mächtigen.“

Wort für Wort
na duṣkaram idaṃ putra
nicht schwer ist dies, Sohn (Nom.Sg.n.; Vok.)
yat prabhur ghātayet param
dass ein Herr einen anderen töten lässt (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.Kaus.; Akk.Sg.m.)
ślāghanīyā ca varyā ca
und rühmenswert und vortrefflich (Nom.Sg.f.)
loke prabhavatāṃ kṣamā
in der Welt die Nachsicht der Machthabenden (Lok.Sg.; Gen.Pl.; Nom.Sg.f.)

sthāpito 'yaṃ putra tvayā sāmanteṣv adhi viśrutaḥ; duḥkhenāsādyate pātraṃ dhāryatām eṣa te suhṛt

„Dieser, mein Sohn, wurde von dir eingesetzt und ist unter den Nachbarfürsten berühmt. Ein [würdiges] Gefäß ist nur mit Mühe zu finden; er soll dein Freund bleiben, [halte ihn fest].“

Wort für Wort
sthāpito 'yaṃ putra tvayā
eingesetzt ist dieser, Sohn, von dir (Part.Perf.Kaus.Pass.; Instr.)
sāmanteṣv adhi viśrutaḥ
bei den Nachbarfürsten weithin bekannt (Lok.Pl.m.; Nom.Sg.m.)
duḥkhenāsādyate pātraṃ
mit Mühe wird ein geeignetes Gefäß/Träger gefunden (Instr.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Pass.; Nom.Sg.n.)
dhāryatām eṣa te suhṛt
er soll gehalten werden, dieser dein Freund (3.Sg.Imp.Pass.; Nom.Sg.m.)

dūṣitaṃ paradoṣair hi gṛhṇīte yo 'nyathā śucim; svayaṃ saṃdūṣitāmātyaḥ kṣipram eva vinaśyati

„Wer einen durch fremde Fehler Befleckten fälschlich für rein hält [oder: einen Reinen fälschlich für befleckt hält], dessen Minister sind selbst verdorben, und er geht schnell zugrunde.“

Wort für Wort
dūṣitaṃ paradoṣair hi
denn einen durch Fehler anderer Beschuldigten (Akk.Sg.m.; Instr.Pl.m.)
gṛhṇīte yo 'nyathā śucim
wer anders auffasst den Reinen (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.m.)
svayaṃ saṃdūṣitāmātyaḥ
selbst mit verdorbenen Ministern (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
kṣipram eva vinaśyati
geht schnell zugrunde (3.Sg.Präs.)

Sinn der ersten Vershälfte (Bezug von dūṣitam und śucim) nicht eindeutig [?].

tasmād athārisaṃghātād gomāyoḥ kaś cid āgataḥ; dharmātmā tena cākhyātaṃ yathaitat kapaṭaṃ kṛtam

Darauf kam aus der Schar der Feinde des Schakals einer, ein Rechtschaffener; und von ihm wurde berichtet, wie dieser Trug gemacht worden war.

Wort für Wort
tasmād athārisaṃghātād
darauf aus der Feindesschar (Abl.Sg.m.)
gomāyoḥ kaś cid āgataḥ
vom Schakal [?], einer kam (Gen.Sg.m.; Nom.Sg.m.; Part.Perf.)
dharmātmā tena cākhyātaṃ
ein Rechtschaffener, und von ihm wurde erzählt (Nom.Sg.m.; Instr.; Part.Perf.Pass.n.)
yathaitat kapaṭaṃ kṛtam
wie dieser Trug gemacht wurde (Nom.Sg.n.)

gomāyoḥ syntaktisch unsicher (Gen. der Zugehörigkeit); wörtlich wiedergegeben.

tato vijñātacāritraḥ satkṛtya sa vimokṣitaḥ; pariṣvaktaś ca sasnehaṃ mṛgendreṇa punaḥ punaḥ

Da wurde er, dessen Verhalten [nun] erkannt war, ehrenvoll befreit und vom Tierfürsten immer wieder liebevoll umarmt.

Wort für Wort
tato vijñātacāritraḥ
danach, dessen Wandel erkannt war (Nom.Sg.m.)
satkṛtya sa vimokṣitaḥ
nachdem man ihn geehrt hatte, wurde er freigelassen (Abs.; Nom.; Part.Perf.Kaus.Pass.)
pariṣvaktaś ca sasnehaṃ
und umarmt, liebevoll (Part.Perf.Pass.; Adv.)
mṛgendreṇa punaḥ punaḥ
vom Tierfürsten wieder und wieder (Instr.Sg.m.)

anujñāpya mṛgendraṃ tu gomāyur nītiśāstravit; tenāmarṣeṇa saṃtaptaḥ prāyam āsitum aicchata

Der Schakal aber, der in der Staatskunst Bewanderte, nahm vom Tierfürsten Abschied und wollte, vom Groll verbrannt, den Tod durch Fasten [bis zum Ende] erwählen.

Wort für Wort
anujñāpya mṛgendraṃ tu
nachdem er den Tierfürsten um Erlaubnis gebeten hatte (Abs.Kaus.; Akk.Sg.m.)
gomāyur nītiśāstravit
der Schakal, Kenner der Staatslehre (Nom.Sg.m.)
tenāmarṣeṇa saṃtaptaḥ
von diesem Groll gequält (Instr.Sg.m.; Part.Perf.Pass.)
prāyam āsitum aicchat
wollte sich zum Todesfasten niederlassen (Akk.Sg.m.; Inf.; 3.Sg.Impf.)

śārdūlas tatra gomāyuṃ snehāt prasrutalocanaḥ; avārayat sa dharmiṣṭhaṃ pūjayā pratipūjayan

Da hielt der Tiger den Schakal, der rechtschaffen war, mit tränenden Augen aus Zuneigung zurück, indem er ihn mit Ehrerweisung [für seine Ehrung] vergalt.

Wort für Wort
śārdūlas tatra gomāyuṃ
der Tiger dort den Schakal (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.m.)
snehāt prasrutalocanaḥ
aus Zuneigung, mit tränenden Augen (Abl.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
avārayat sa dharmiṣṭhaṃ
hielt zurück, er, den Rechtschaffensten (3.Sg.Impf.Kaus.; Akk.Sg.m.)
pūjayā pratipūjayan
mit Ehrung Gegenehrung erweisend (Instr.Sg.f.; Part.Präs.)

taṃ sa gomāyur ālokya snehād āgatasaṃbhramam; babhāṣe praṇato vākyaṃ bāṣpagadgadayā girā

Da blickte der Schakal ihn an, der vor Zuneigung in Aufregung geraten war, verneigte sich und sprach mit einer von Tränen erstickten Stimme:

Wort für Wort
taṃ sa gomāyur ālokya
ihn, der Schakal, angeschaut habend (Akk.Sg.m.; Nom.Sg.m.; Abs.)
snehād āgatasaṃbhramam
vor Zuneigung in Aufregung geraten (Abl.; Akk.Sg.m.)
babhāṣe praṇato vākyaṃ
sprach, verneigt, [diese] Rede (3.Sg.Perf.Med.; Nom.Sg.m.; Akk.Sg.n.)
bāṣpagadgadayā girā
mit tränenerstickter Stimme (Instr.Sg.f.)

pūjito 'haṃ tvayā pūrvaṃ paścāc caiva vimānitaḥ; pareṣām āspadaṃ nīto vastuṃ nārhāmy ahaṃ tvayi

„Früher wurde ich von dir geehrt, danach aber missachtet; ich wurde zur Wohnstatt anderer gemacht [den Feinden ausgeliefert?]; ich verdiene es nicht, bei dir zu bleiben.“

Wort für Wort
pūjito 'haṃ tvayā pūrvaṃ
geehrt bin ich von dir früher (Part.Perf.Pass.; Instr.)
paścāc caiva vimānitaḥ
und danach missachtet (Part.Perf.Pass.)
pareṣām āspadaṃ nīto
zum Ort/Ziel für andere gemacht [?] (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
vastuṃ nārhāmy ahaṃ tvayi
zu wohnen verdiene ich nicht bei dir (Inf.; 1.Sg.Präs.; Lok.)

pareṣām āspadaṃ nītaḥ: „zur Zielscheibe der Feinde gemacht“ ebenfalls möglich [?].

svasaṃtuṣṭāś cyutāḥ sthānān mānāt pratyavaropitāḥ; svayaṃ copahṛtā bhṛtyā ye cāpy upahṛtāḥ paraiḥ

„Diejenigen Diener, die zufrieden sind mit dem Eigenen, die aus ihrer Stellung gefallen sind, die aus der Ehre herabgesetzt wurden, und die selbst [zu anderen] gebracht wurden oder von anderen abgeworben wurden,“

Wort für Wort
svasaṃtuṣṭāś cyutāḥ sthānān
mit sich Zufriedene, aus der Stellung Gefallene (Nom.Pl.m.; Abl.Sg.n.)
mānāt pratyavaropitāḥ
von der Ehre herabgesetzt (Abl.Sg.m.; Part.Perf.Kaus.Pass.)
svayaṃ copahṛtā bhṛtyā
und selbst herbeigeführt/hinübergegangen, Diener (Part.Perf.Pass.; Nom.Pl.m.)
ye cāpy upahṛtāḥ paraiḥ
und die, die von anderen abgeworben wurden (Nom.Pl.m.; Instr.Pl.m.)

Satz setzt sich in 80–81 fort; Hauptsatz: „sie alle sind Werkzeuge der Feinde“.

parikṣīṇāś ca lubdhāś ca krūrāḥ kārābhitāpitāḥ; hṛtasvā mānino ye ca tyaktopāttā mahepsavaḥ

„die Verarmten, die Habgierigen, die Grausamen, die von Steuerlast Geplagten, die Ihres Besitzes Beraubten, die Stolzen, die Verlassenen und wieder Angenommenen, die nach Großem Strebenden,“

Wort für Wort
parikṣīṇāś ca lubdhāś ca
und die Verarmten und Gierigen (Nom.Pl.m.)
krūrāḥ kārābhitāpitāḥ
Grausame, durch Abgaben/Fron Gequälte (Nom.Pl.m.)
hṛtasvā mānino ye ca
die ihres Eigentums Beraubten und die Stolzen (Nom.Pl.m.)
tyaktopāttā mahepsavaḥ
Verlassene und wieder Angenommene, nach Großem Trachtende (Nom.Pl.m.)

kārābhitāpitāḥ unsicher [?].

saṃtāpitāś ca ye ke cid vyasanaughapratīkṣiṇaḥ; antarhitāḥ sopahitāḥ sarve te parasādhanāḥ

„und die irgendwie Gequälten, die auf die Flut des Unglücks Wartenden, die Verborgenen und die Beigesetzten: sie alle sind Werkzeuge anderer [Feinde].“

Wort für Wort
saṃtāpitāś ca ye ke cid
und die irgendwie Gequälten (Nom.Pl.m.)
vyasanaughapratīkṣiṇaḥ
auf die Flut des Unglücks Wartende (Nom.Pl.m.)
antarhitāḥ sopahitāḥ
Verborgene, Untergeschobene/Beigesellte (Nom.Pl.m.)
sarve te parasādhanāḥ
alle diese sind Mittel/Werkzeuge anderer (Nom.Pl.m.)

antarhitāḥ sopahitāḥ unsicher [?].

avamānena yuktasya sthāpitasya ca me punaḥ; kathaṃ yāsyasi viśvāsam aham eṣyāmi vā punaḥ

„Wie wirst du Vertrauen [zu mir] fassen, da ich mit Missachtung behaftet bin und [doch] wieder eingesetzt wurde? Oder wie soll ich [zu dir] wieder kommen?“

Wort für Wort
avamānena yuktasya
dessen, der mit Missachtung verbunden ist (Instr.Sg.m.; Gen.Sg.m.)
sthāpitasya ca me punaḥ
und wieder eingesetzten, meiner (Part.Perf.Kaus.Pass.; Gen.Sg.)
kathaṃ yāsyasi viśvāsam
wie wirst du zu Vertrauen gelangen (3.Sg.Fut.; Akk.Sg.m.)
aham eṣyāmi vā punaḥ
oder werde ich wieder kommen (1.Sg.Fut.)

Die Verbformen sind syntaktisch schwierig; sinngemäß wiedergegeben [?].

samartha iti saṃgṛhya sthāpayitvā parīkṣya ca; kṛtaṃ ca samayaṃ bhittvā tvayāham avamānitaḥ

„Nachdem du mich als fähig angenommen, eingesetzt und geprüft hattest, hast du die getroffene Übereinkunft gebrochen und mich dadurch beleidigt.“

Wort für Wort
samartha iti saṃgṛhya
als fähig, so angenommen habend (Nom.Sg.m.; Abs.)
sthāpayitvā parīkṣya ca
eingesetzt habend und geprüft habend (Abs.; Abs.)
kṛtaṃ ca samayaṃ bhittvā
und die getroffene Übereinkunft gebrochen habend (Akk.Sg.m.; Abs.)
tvayāham avamānitaḥ
von dir bin ich missachtet worden (Instr.; Nom.; Part.Perf.Pass.)

prathamaṃ yaḥ samākhyātaḥ śīlavān iti saṃsadi; na vācyaṃ tasya vaiguṇyaṃ pratijñāṃ parirakṣatā

„Von wem zuerst in der Versammlung gesagt wurde, er sei tugendhaft, dessen Untauglichkeit darf man nicht nennen, wenn man sein Versprechen wahren will.“

Wort für Wort
prathamaṃ yaḥ samākhyātaḥ
wer zuerst bezeichnet wurde (Nom.Sg.m.; Part.Perf.Pass.)
śīlavān iti saṃsadi
als charaktervoll in der Versammlung (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.f.)
na vācyaṃ tasya vaiguṇyaṃ
nicht zu sagen ist dessen Untüchtigkeit (Nom.Sg.n.; Gerundiv; Gen.)
pratijñāṃ parirakṣatā
von dem, der das Versprechen bewahrt (Akk.Sg.f.; Instr.Sg.m.)

evaṃ cāvamatasyeha viśvāsaṃ kiṃ prayāsyasi; tvayi caiva hy aviśvāse mamodvego bhaviṣyati

„Wie wirst du Vertrauen zu einem hier auf diese Weise Missachteten fassen? Und wenn dir [gegenüber] kein Vertrauen besteht, wird in mir Unruhe entstehen.“

Wort für Wort
evaṃ cāvamatasyeha
und so bei einem hier Missachteten (Gen.Sg.m.)
viśvāsaṃ kiṃ prayāsyasi
Vertrauen, wie wirst du gewinnen [?] (Akk.Sg.m.; 2.Sg.Fut.)
tvayi caiva hy aviśvāse
und eben bei dir, denn im Nichtvertrauen (Lok.Sg.m.)
mamodvego bhaviṣyati
meine Unruhe wird sein (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Fut.)

kiṃ prayāsyasi: wörtlich „was wirst du...“; sinngemäß rhetorische Frage [?].

śaṅkitas tvam ahaṃ bhītaḥ pare chidrānudarśinaḥ; asnigdhāś caiva dustoṣāḥ karma caitad bahucchalam

„Du bist argwöhnisch, ich bin voller Furcht; die anderen spähen nach Lücken, sind lieblos und schwer zufriedenzustellen, und diese Angelegenheit ist voller Ränke.“

Wort für Wort
śaṅkitas tvam ahaṃ bhītaḥ
du [bist] argwöhnisch, ich ängstlich (Nom.Sg.m.)
pare chidrānudarśinaḥ
die anderen, auf Schwächen achtend (Nom.Pl.m.)
asnigdhāś caiva dustoṣāḥ
und lieblos, schwer zufriedenzustellen (Nom.Pl.m.)
karma caitad bahucchalam
und dieses Geschäft voll Tücke (Nom.Sg.n.)

pūrvasaṃmānatā yatra paścāc caiva vimānanā; na taṃ dhīrāḥ praśaṃsanti saṃmānitavimānitam

„Wo erst Ehrung, danach aber Missachtung ist, das preisen die Standhaften nicht, [nämlich] den, der geehrt und [dann] missachtet wurde.“

Wort für Wort
pūrvasaṃmānatā yatra
wo zuerst Ehrung ist (Nom.Sg.f.)
paścāc caiva vimānanā
und danach Missachtung (Nom.Sg.f.)
na taṃ dhīrāḥ praśaṃsanti
nicht preisen das die Weisen (Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.)
saṃmānitavimānitam
den Geehrten und Missachteten (Akk.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

duḥkhena śleṣyate bhinnaṃ śliṣṭaṃ duḥkhena bhidyate; bhinnaśliṣṭā tu yā prītir na sā snehena vartate

„Mühsam wird das Getrennte verbunden, mühsam das Verbundene getrennt; die Zuneigung aber, die nach Bruch wieder verbunden ist, besteht nicht aus [echter] Liebe.“

Wort für Wort
duḥkhena śleṣyate bhinnaṃ
mit Mühe wird das Gebrochene verbunden (Instr.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Pass.; Nom.Sg.n.)
śliṣṭaṃ duḥkhena bhidyate
das Verbundene wird mit Mühe getrennt (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Pass.)
bhinnaśliṣṭā tu yā prītir
aber die Zuneigung, die gebrochen und wieder verbunden ist (Nom.Sg.f.)
na sā snehena vartate
die besteht nicht aus/mit Zuneigung (Instr.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Med.)

kaś cid eva hi bhītas tu dṛśyate na parātmanoḥ; kāryāpekṣā hi vartante bhāvāḥ snigdhās tu durlabhāḥ

„Ein Einziger wird gesehen, der nur aus Furcht [handelt], nicht aber [um] beider Selbst; die Wesen richten sich nach dem Nutzen; Liebevolle aber sind selten.“

Wort für Wort
kaś cid eva hi bhītas tu
ein Einzelner, der nur aus Furcht (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
dṛśyate na parātmanoḥ
wird gesehen, nicht bei zweien, dem Anderen und sich (3.Sg.Präs.Pass.; Gen./Lok.Du.)
kāryāpekṣā hi vartante
denn auf Zweck bedacht handeln (Nom.Pl.f.; 3.Pl.Präs.Med.)
bhāvāḥ snigdhās tu durlabhāḥ
die Wesen; Liebevolle aber sind schwer zu finden (Nom.Pl.m.)

Erste Vershälfte syntaktisch schwierig; sinngemäß wiedergegeben [?].

suduḥkhaṃ puruṣajñānaṃ cittaṃ hy eṣāṃ calācalam; samartho vāpy aśakto vā śateṣv eko 'dhigamyate

„Sehr schwer ist die Kenntnis des Menschen, denn deren Sinn ist unstet; ob fähig oder unfähig: unter Hunderten findet man nur einen.“

Wort für Wort
suduḥkhaṃ puruṣajñānaṃ
sehr schwierig ist Menschenkenntnis (Nom.Sg.n.)
cittaṃ hy eṣāṃ calācalam
denn ihr Sinn ist beweglich und unbeweglich/wechselhaft (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)
samartho vāpy aśakto vā
ob fähig oder unfähig (Nom.Sg.m.)
śateṣv eko 'dhigamyate
unter Hunderten wird einer gefunden (Lok.Pl.n.; 3.Sg.Präs.Pass.)

akasmāt prakriyā nṝṇām akasmāc cāpakarṣaṇam; śubhāśubhe mahattvaṃ ca prakartuṃ buddhilāghavāt

„Ohne Grund [kommt] bei Menschen Beförderung, ohne Grund Herabsetzung; und Großes an Gutem und Schlechtem zu bewirken [liegt] an der Leichtfertigkeit des Verstandes.“

Wort für Wort
akasmāt prakriyā nṝṇām
ohne Ursache Vorgehen/Beförderung bei Menschen (Abl. Adv.; Nom.Sg.f.; Gen.Pl.)
akasmāc cāpakarṣaṇam
und ohne Ursache Herabsetzung (Nom.Sg.n.)
śubhāśubhe mahattvaṃ ca
und Größe im Guten und Schlechten (Lok.Du.n.; Nom.Sg.n.)
prakartuṃ buddhilāghavāt
zu bewirken, wegen Leichtigkeit/Leichtfertigkeit des Verstandes (Inf.; Abl.Sg.n.)

prakriyā hier eher „Vorgehen/Behandlung“; Sinn der Strophe unsicher [?].

evaṃ bahuvidhaṃ sāntvam uktvā dharmārthahetumat; prasādayitvā rājānaṃ gomāyur vanam abhyagāt

Nachdem er so vielfältig Begütigendes gesprochen hatte, das um Recht und Nutzen willen Gründe enthielt, und den König versöhnt hatte, ging der Schakal in den Wald.

Wort für Wort
evaṃ bahuvidhaṃ sāntvam
so vielfältige Beschwichtigung (Akk.Sg.n.)
uktvā dharmārthahetumat
gesprochen habend, mit Gründen aus Dharma und Nutzen (Abs.; Akk.Sg.n.)
prasādayitvā rājānaṃ
den König versöhnt habend (Abs.Kaus.; Akk.Sg.m.)
gomāyur vanam abhyagāt
der Schakal ging zum Wald (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.Aor.)

agṛhyānunayaṃ tasya mṛgendrasya sa buddhimān; gomāyuḥ prāyam āsīnas tyaktvā dehaṃ divaṃ yayau

Der Weise [Schakal] nahm die Nachsicht jenes Tierfürsten nicht an, setzte sich zum Todesfasten hin, gab den Körper auf und ging zum Himmel.

Wort für Wort
agṛhyānunayaṃ tasya
ohne die Begütigung anzunehmen, dessen (Abs.; Akk.Sg.m.; Gen.)
mṛgendrasya sa buddhimān
des Tierfürsten, er, der Verständige (Gen.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
gomāyuḥ prāyam āsīnas
der Schakal, im Todesfasten sitzend (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.m.; Part.Präs.Med.)
tyaktvā dehaṃ divaṃ yayau
den Körper verlassen habend, zum Himmel ging er (Abs.; Akk.Sg.m.; Akk.; 3.Sg.Perf.)

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