Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 319: śukākāśagamanam Śukas yogische Himmelfahrt und das Erstaunen der Wesen

Der Abschnitt schildert, wie Śuka, der Sohn des Weisen Vyāsa (Dvaipāyana), sich auf einem Berggipfel in yogischer Sammlung übt, von Nārada Abschied nimmt und sodann, zum Meister des Yoga geworden, durch den Luftraum fliegt. Götter, Apsaras, Gandharvas und Weise sehen ihn erstaunt vorüberziehen; Urvaśī und Pūrvacitti rühmen seine Vater-Ergebenheit, worauf Śuka die Himmelsrichtungen, Meere, Flüsse und Berge bittet, seinem ihm nachfolgenden Vater zu antworten.

bhīṣma uvāca; giripṛṣṭhaṃ samāruhya suto vyāsasya bhārata; same deśe vivikte ca niḥśalāka upāviśat

Bhīṣma sprach: Auf einen Berggipfel gestiegen, o Bhārata, setzte sich der Sohn des Vyāsa an einem ebenen, einsamen Ort nieder, ohne [jede] Strohunterlage [?].

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
giripṛṣṭhaṃ samāruhya
auf den Berggipfel gestiegen (Absolutiv)
suto vyāsasya
der Sohn des Vyāsa (Nom./Gen.)
bhārata
o Bhārata (Vok.)
same deśe vivikte ca
an einem ebenen und einsamen Ort (Lok.)
niḥśalāka
ohne Strohunterlage/Halm (Nom., Adj.) [?]
upāviśat
setzte sich (3.Sg.Impf.)

niḥśalāka (wörtl. „ohne Halm/Stäbchen“) hier als „ohne Sitzunterlage aus Stroh/Gras“ gedeutet; Bedeutung unsicher.

dhārayām āsa cātmānaṃ yathāśāstraṃ mahāmuniḥ; pādāt prabhṛtigātreṣu krameṇa kramayogavit

Der große Weise, kundig der Yoga-Stufenfolge, fixierte gemäß der Lehre seinen Geist, Glied für Glied, angefangen vom Fuß, der Reihe nach.

Wort für Wort
dhārayām āsa
er fixierte/hielt fest (3.Sg.Perf. periphr.)
ca ātmānaṃ
und sich selbst/den Geist (Akk.)
yathāśāstraṃ
gemäß der Lehre (Adv.)
mahāmuniḥ
der große Weise (Nom.)
pādāt prabhṛti
angefangen vom Fuß (Abl. + Adv.)
gātreṣu krameṇa
in den Gliedern, der Reihe nach (Lok. + Instr.)
kramayogavit
kundig der Yoga-Stufenfolge (Nom.)

tataḥ sa prāṅmukho vidvān āditye nacirodite; pāṇipādaṃ samādhāya vinītavad upāviśat

Dann setzte sich der Weise, nach Osten gewandt, als die Sonne noch nicht lange aufgegangen war, Hände und Füße zusammengelegt, wie ein Gebändigter nieder.

Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
sa prāṅmukho vidvān
er, nach Osten gewandt, der Weise (Nom.)
āditye nacirodite
als die Sonne noch nicht lange aufgegangen war (Lok. abs.)
pāṇipādaṃ samādhāya
Hände und Füße zusammengelegt habend (Absolutiv)
vinītavad
wie ein Gebändigter/Diszipliniert (Adv.)
upāviśat
setzte sich nieder (3.Sg.Impf.)

na tatra pakṣisaṃghāto na śabdo nāpi darśanam; yatra vaiyāsakir dhīmān yoktuṃ samupacakrame

Dort war keine Vogelschar, kein Laut, auch nichts Sichtbares, wo der weise Sohn des Vyāsa begann, sich [im Yoga] zu vereinigen.

Wort für Wort
na tatra pakṣisaṃghāto
dort war keine Vogelschar (Nom.)
na śabdo
kein Laut (Nom.)
na api darśanam
auch nichts Sichtbares (Nom.)
yatra
wo (Adv.)
vaiyāsakir dhīmān
der weise Sohn des Vyāsa (Nom.)
yoktuṃ
sich zu vereinigen [im Yoga] (Inf.)
samupacakrame
begann (3.Sg.Perf.)

sa dadarśa tadātmānaṃ sarvasaṅgaviniḥsṛtam; prajahāsa tato hāsaṃ śukaḥ saṃprekṣya bhāskaram

Da sah er sein Selbst, losgelöst von aller Bindung; darauf brach Śuka, die Sonne betrachtend, in Lachen aus.

Wort für Wort
sa dadarśa
er sah (3.Sg.Perf.)
tadā ātmānaṃ
da sein Selbst (Akk.)
sarvasaṅgaviniḥsṛtam
losgelöst von aller Bindung (Akk., Adj.)
prajahāsa
er lachte auf (3.Sg.Perf.)
tato hāsaṃ
darauf ein Lachen (Akk.)
śukaḥ
Śuka (Nom.)
saṃprekṣya bhāskaram
die Sonne betrachtend (Absolutiv + Akk.)

sa punar yogam āsthāya mokṣamārgopalabdhaye; mahāyogīśvaro bhūtvā so 'tyakrāmad vihāyasam

Wieder nahm er den Yoga auf, um den Pfad der Erlösung zu erlangen, und, zum großen Herrn der Yogins geworden, durchschritt er den Luftraum.

Wort für Wort
sa punar
er wieder (Nom. + Adv.)
yogam āsthāya
den Yoga aufnehmend (Absolutiv)
mokṣamārgopalabdhaye
zur Erlangung des Pfades der Erlösung (Dat.)
mahāyogīśvaro bhūtvā
zum großen Herrn der Yogins geworden (Nom. + Absolutiv)
so 'tyakrāmad
er durchschritt (3.Sg.Impf.)
vihāyasam
den Luftraum (Akk.)

tataḥ pradakṣiṇaṃ kṛtvā devarṣiṃ nāradaṃ tadā; nivedayām āsa tadā svaṃ yogaṃ paramarṣaye

Dann, nachdem er den Götterweisen Nārada ehrfürchtig umschritten hatte, verkündete er da dem höchsten Weisen seinen [erlangten] Yoga.

Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
pradakṣiṇaṃ kṛtvā
eine Umschreitung [von rechts nach links] gemacht habend (Absolutiv)
devarṣiṃ nāradaṃ
den Götterweisen Nārada (Akk.)
tadā
da (Adv.)
nivedayām āsa
er verkündete/teilte mit (3.Sg.Perf. periphr.)
svaṃ yogaṃ
seinen [erlangten] Yoga (Akk.)
paramarṣaye
dem höchsten Weisen (Dat.)

dṛṣṭo mārgaḥ pravṛtto 'smi svasti te 'stu tapodhana; tvatprasādād gamiṣyāmi gatim iṣṭāṃ mahādyute

„Der Pfad ist erkannt, ich bin [zum Aufbruch] bereit; Heil sei dir, o Asket! Durch deine Gnade werde ich zum gewünschten Ziel gehen, o Glanzvoller.“

Wort für Wort
dṛṣṭo mārgaḥ
der Pfad ist erkannt (Nom., Part.)
pravṛtto 'smi
ich bin aufgebrochen (1.Sg. + Part.)
svasti te 'stu
Heil sei dir (Opt. 3.Sg.)
tapodhana
o Asket [reich an Askese] (Vok.)
tvatprasādād
durch deine Gnade (Abl.)
gamiṣyāmi
ich werde gehen (1.Sg.Fut.)
gatim iṣṭāṃ
zum gewünschten Ziel (Akk.)
mahādyute
o Glanzvoller (Vok.)

nāradenābhyanujñātas tato dvaipāyanātmajaḥ; abhivādya punar yogam āsthāyākāśam āviśat

Von Nārada mit Erlaubnis entlassen, verneigte sich darauf der Sohn des Dvaipāyana, nahm wieder den Yoga auf und trat in den Himmelsraum ein.

Wort für Wort
nāradena abhyanujñātas
von Nārada mit Erlaubnis entlassen (Instr. + Part.)
tato
dann (Adv.)
dvaipāyanātmajaḥ
der Sohn des Dvaipāyana (Nom.)
abhivādya
sich verneigt habend (Absolutiv)
punar yogam āsthāya
wieder den Yoga aufnehmend (Absolutiv)
ākāśam āviśat
trat in den Himmelsraum ein (Akk. + 3.Sg.Impf.)

kailāsapṛṣṭhād utpatya sa papāta divaṃ tadā; antarikṣacaraḥ śrīmān vyāsaputraḥ suniścitaḥ

Vom Gipfel des Kailāsa emporgeflogen, flog er da zum Himmel – der glanzvolle Sohn des Vyāsa, im Luftraum wandelnd, fest entschlossen.

Wort für Wort
kailāsapṛṣṭhād utpatya
vom Gipfel des Kailāsa emporgeflogen (Abl. + Absolutiv)
sa papāta
er flog (3.Sg.Perf.)
divaṃ tadā
da zum Himmel (Akk. + Adv.)
antarikṣacaraḥ
im Luftraum wandelnd (Nom.)
śrīmān
der Glanzvolle (Nom.)
vyāsaputraḥ
der Sohn des Vyāsa (Nom.)
suniścitaḥ
fest entschlossen (Nom.)

tam udyantaṃ dvijaśreṣṭhaṃ vainateyasamadyutim; dadṛśuḥ sarvabhūtāni manomārutaraṃhasam

Alle Wesen sahen ihn, den Emporsteigenden, den besten der Zweifachgeborenen, an Glanz dem Vainateya [Garuḍa] gleich, mit der Geschwindigkeit von Gedanke und Wind.

Wort für Wort
tam udyantaṃ
ihn, den Emporsteigenden (Akk.)
dvijaśreṣṭhaṃ
den besten der Zweifachgeborenen (Akk.)
vainateyasamadyutim
an Glanz dem Vainateya [Garuḍa] gleich (Akk.)
dadṛśuḥ
sie sahen (3.Pl.Perf.)
sarvabhūtāni
alle Wesen (Nom.)
manomārutaraṃhasam
mit der Geschwindigkeit von Gedanke und Wind (Akk., Adj.)

vyavasāyena lokāṃs trīn sarvān so 'tha vicintayan; āsthito divyam adhvānaṃ pāvakārkasamaprabhaḥ

Durch Willenskraft alle drei Welten bedenkend, hatte er den himmlischen Pfad eingeschlagen, an Glanz Feuer und Sonne gleich.

Wort für Wort
vyavasāyena
durch Willenskraft/Entschlossenheit (Instr.)
lokāṃs trīn sarvān
alle drei Welten (Akk.)
so 'tha vicintayan
er, dabei bedenkend (Nom. + Part.Präs.)
āsthito divyam adhvānaṃ
den himmlischen Pfad eingeschlagen habend (Part. + Akk.)
pāvakārkasamaprabhaḥ
an Glanz Feuer und Sonne gleich (Nom.)

tam ekamanasaṃ yāntam avyagram akutobhayam; dadṛśuḥ sarvabhūtāni jaṅgamānītarāṇi ca

Ihn, gesammelten Geistes dahinfliegend, ungestört und furchtlos, sahen alle Wesen, die beweglichen und die anderen [unbeweglichen].

Wort für Wort
tam ekamanasaṃ
ihn, gesammelten Geistes (Akk.)
yāntam
dahinfliegend/-gehend (Akk., Part.)
avyagram
ungestört (Akk.)
akutobhayam
furchtlos (Akk.)
dadṛśuḥ sarvabhūtāni
alle Wesen sahen (3.Pl.Perf. + Nom.)
jaṅgamāni itarāṇi ca
die beweglichen und die anderen [unbeweglichen] (Nom.)

yathāśakti yathānyāyaṃ pūjayāṃ cakrire tadā; puṣpavarṣaiś ca divyais tam avacakrur divaukasaḥ

Da erwiesen sie ihm nach Kräften und nach Gebühr Verehrung, und die Himmelsbewohner bedeckten ihn mit himmlischen Blütenregen.

Wort für Wort
yathāśakti yathānyāyaṃ
nach Kräften und nach Gebühr (Adv.)
pūjayāṃ cakrire
sie erwiesen Verehrung (3.Pl.Perf. periphr.)
tadā
da (Adv.)
puṣpavarṣaiś ca divyais
und mit himmlischen Blütenregen (Instr.)
tam avacakrur
sie bedeckten ihn (3.Pl.Perf.)
divaukasaḥ
die Himmelsbewohner [Götter] (Nom.)

taṃ dṛṣṭvā vismitāḥ sarve gandharvāpsarasāṃ gaṇāḥ; ṛṣayaś caiva saṃsiddhāḥ paraṃ vismayam āgatāḥ

Ihn erblickend, gerieten alle Scharen der Gandharvas und Apsaras in Erstaunen, und auch die vollendeten Seher gerieten in höchstes Erstaunen.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā
ihn gesehen habend (Absolutiv)
vismitāḥ sarve
alle erstaunt (Nom.)
gandharvāpsarasāṃ gaṇāḥ
die Scharen der Gandharvas und Apsaras (Nom./Gen.)
ṛṣayaś ca eva saṃsiddhāḥ
und auch die vollendeten Weisen (Nom.)
paraṃ vismayam āgatāḥ
gerieten in höchstes Erstaunen (Akk. + Nom., Part.)

antarikṣacaraḥ ko 'yaṃ tapasā siddhim āgataḥ; adhaḥkāyordhvavaktraś ca netraiḥ samabhivāhyate

„Wer ist dieser, der im Luftraum wandelt, der durch Askese zur Vollkommenheit gelangt ist, dessen unterer Leib und oberes Antlitz [?] mit den Augen verfolgt wird?“

Wort für Wort
antarikṣacaraḥ ko 'yaṃ
wer ist dieser, der im Luftraum wandelt (Nom.)
tapasā siddhim āgataḥ
der durch Askese zur Vollkommenheit gelangt ist (Instr. + Akk. + Nom., Part.)
adhaḥkāyordhvavaktraś ca
und mit unterem Leib und oberem Antlitz [?] (Nom., Adj.)
netraiḥ samabhivāhyate
wird mit den Augen verfolgt (Instr. + 3.Sg.Pass.Präs.)

adhaḥkāyordhvavaktra ist ein ungewöhnliches Kompositum (wörtl. „unterer Leib, oberes Gesicht“); vermutlich Beschreibung seiner Erscheinung im Flug von unten gesehen. Bedeutung unsicher.

tataḥ paramadhīrātmā triṣu lokeṣu viśrutaḥ; bhāskaraṃ samudīkṣan sa prāṅmukho vāgyato 'gamat; śabdenākāśam akhilaṃ pūrayann iva sarvataḥ

Dann zog der höchst gefestigte, in den drei Welten berühmte [Weise], die Sonne anblickend, nach Osten gewandt und schweigend dahin, wie mit einem Ton den ganzen Himmelsraum von allen Seiten erfüllend.

Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
paramadhīrātmā
der höchst gefestigte [an Geist] (Nom.)
triṣu lokeṣu viśrutaḥ
in den drei Welten berühmt (Lok. + Nom.)
bhāskaraṃ samudīkṣan
die Sonne anblickend (Akk. + Part.)
sa prāṅmukho vāgyato
er, nach Osten gewandt, schweigend (Nom.)
'gamat
zog dahin (3.Sg.Impf.)
śabdenākāśam akhilaṃ
mit einem Ton den ganzen Himmelsraum (Instr. + Akk.)
pūrayann iva sarvataḥ
wie erfüllend von allen Seiten (Part. + Adv.)

tam āpatantaṃ sahasā dṛṣṭvā sarvāpsarogaṇāḥ; saṃbhrāntamanaso rājann āsan paramavismitāḥ; pañcacūḍāprabhṛtayo bhṛśam utphullalocanāḥ

Als sie ihn plötzlich heranstürzen sahen, o König, gerieten alle Scharen der Apsaras, verwirrten Geistes, in höchstes Erstaunen – angefangen mit Pañcacūḍā, mit heftig weit aufgerissenen Augen.

Wort für Wort
tam āpatantaṃ
ihn, heranstürzenden (Akk., Part.)
sahasā dṛṣṭvā
plötzlich gesehen habend (Absolutiv)
sarvāpsarogaṇāḥ
alle Scharen der Apsaras (Nom.)
saṃbhrāntamanaso
verwirrten Geistes (Nom.)
rājann
o König (Vok.)
āsan paramavismitāḥ
waren höchst erstaunt (3.Pl.Impf. + Nom.)
pañcacūḍāprabhṛtayo
angefangen mit Pañcacūḍā (Nom.)
bhṛśam utphullalocanāḥ
mit heftig weit aufgerissenen Augen (Adv. + Nom.)

daivataṃ katamaṃ hy etad uttamāṃ gatim āsthitam; suniścitam ihāyāti vimuktam iva niḥspṛham

„Welche Gottheit ist dies wohl, die die höchste Bahn eingeschlagen hat? Fest entschlossen kommt sie hierher, wie ein Befreiter, wunschlos.“

Wort für Wort
daivataṃ katamaṃ hy etad
welche Gottheit ist dies wohl (Nom.)
uttamāṃ gatim āsthitam
die höchste Bahn eingeschlagen habend (Akk. + Nom., Part.)
suniścitam
fest entschlossen (Nom.)
ihāyāti
kommt hierher (3.Sg.Präs.)
vimuktam iva
wie ein Befreiter (Nom.)
niḥspṛham
wunschlos (Nom.)

tataḥ samaticakrāma malayaṃ nāma parvatam; urvaśī pūrvacittiś ca yaṃ nityam upasevate; te sma brahmarṣiputrasya vismayaṃ yayatuḥ param

Dann zog er über den Berg namens Malaya hinweg, den Urvaśī und Pūrvacitti ständig aufsuchen; die beiden gerieten über den Sohn des Brahmarṣi in höchstes Erstaunen.

Wort für Wort
tataḥ samaticakrāma
dann zog er vorüber an (Adv. + 3.Sg.Perf.)
malayaṃ nāma parvatam
den Berg namens Malaya (Akk.)
urvaśī pūrvacittiś ca
Urvaśī und Pūrvacitti (Nom.)
yaṃ nityam upasevate
den [Berg] sie ständig aufsuchen (Akk. + Adv. + 3.Sg.Präs.)
te sma yayatuḥ
die beiden gerieten (3.Du.Perf.)
brahmarṣiputrasya
über den Sohn des Brahmarṣi (Gen.)
param vismayam
in höchstes Erstaunen (Akk.)

aho buddhisamādhānaṃ vedābhyāsarate dvije; acireṇaiva kālena nabhaś carati candravat; pitṛśuśrūṣayā siddhiṃ saṃprāpto 'yam anuttamām

„Ach, welche Geistessammlung bei diesem am Vedenstudium erfreuten Zweifachgeborenen! In kürzester Zeit wandelt er wie der Mond im Himmel; durch den Dienst am Vater hat dieser diese unübertroffene Vollkommenheit erlangt,

Wort für Wort
aho buddhisamādhānaṃ
ach, welche Geistessammlung (Ausruf + Akk.)
vedābhyāsarate dvije
bei dem am Vedenstudium erfreuten Zweifachgeborenen (Lok.)
acireṇaiva kālena
in kürzester Zeit (Instr.)
nabhaś carati
er wandelt im Himmel (Nom. + 3.Sg.Präs.)
candravat
wie der Mond (Adv.)
pitṛśuśrūṣayā
durch Dienst am Vater (Instr.)
siddhiṃ saṃprāpto 'yam
dieser hat die Vollkommenheit erlangt (Akk. + Nom., Part.)
anuttamām
unübertroffene (Akk.)

Rede von Urvaśī/Pūrvacitti; wird in n=22 fortgesetzt.

pitṛbhakto dṛḍhatapāḥ pituḥ sudayitaḥ sutaḥ

der Vater ergebene, von fester Askese, der seinem Vater über alles liebe Sohn –

Wort für Wort
pitṛbhakto
dem Vater ergeben (Nom.)
dṛḍhatapāḥ
von fester Askese (Nom.)
pituḥ sudayitaḥ
dem Vater sehr lieb (Gen. + Nom.)
sutaḥ
der Sohn (Nom.)

Fortsetzung des Ausrufs Urvaśīs/Pūrvacittis aus n=21; der Satz wird nach der eingefügten Zusatzstrophe (n=23) in n=24 fortgesetzt.

kṛtāñjalipuṭāḥ sarve tuṣṭuvur hṛṣṭamānasāḥ

Mit zusammengelegten Händen priesen ihn alle, frohen Gemüts.

Wort für Wort
kṛtāñjalipuṭāḥ
mit zusammengelegten Händen (Nom.)
sarve
alle (Nom.)
tuṣṭuvur
sie priesen (3.Pl.Perf.)
hṛṣṭamānasāḥ
frohen Gemüts (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ananyamanasā tena kathaṃ pitrā vivarjitaḥ

– wie konnte er von jenem [Vater], der doch ungeteilten Sinnes [ihm zugewandt war], verlassen werden [?]“

Wort für Wort
ananyamanasā
ungeteilten Sinnes (Instr.) [?]
tena pitrā
von jenem Vater (Instr.)
kathaṃ
wie (Adv.)
vivarjitaḥ
verlassen/im Stich gelassen (Nom., Part.)

Fortsetzung von n=22 nach der Zusatzstrophe; Bezug von „tena ... pitrā“ unsicher, hier als der Vater gedeutet, der den Sohn trotz inniger Zuneigung allein ziehen ließ.

urvaśyā vacanaṃ śrutvā śukaḥ paramadharmavit; udaikṣata diśaḥ sarvā vacane gatamānasaḥ

Als Śuka, der höchste Kenner des Dharma, Urvaśīs Worte gehört hatte, blickte er, seinen Geist auf [ihre] Worte gerichtet, nach allen Richtungen umher.

Wort für Wort
urvaśyā vacanaṃ śrutvā
Urvaśīs Worte gehört habend (Gen. + Akk. + Absolutiv)
śukaḥ paramadharmavit
Śuka, der höchste Kenner des Dharma (Nom.)
udaikṣata
er blickte umher (3.Sg.Impf.)
diśaḥ sarvā
nach allen Richtungen (Akk.)
vacane gatamānasaḥ
mit dem Geist auf die Worte gerichtet (Lok. + Nom.)

so 'ntarikṣaṃ mahīṃ caiva saśailavanakānanām; ālokayām āsa tadā sarāṃsi saritas tathā

Da betrachtete er den Luftraum und auch die Erde mit ihren Bergen, Wäldern und Hainen sowie die Seen und die Flüsse.

Wort für Wort
so 'ntarikṣaṃ
er den Luftraum (Nom. + Akk.)
mahīṃ ca eva
und auch die Erde (Akk.)
saśailavanakānanām
mit ihren Bergen, Wäldern und Hainen (Akk.)
ālokayām āsa tadā
er betrachtete da (3.Sg.Perf. periphr. + Adv.)
sarāṃsi saritas tathā
die Seen und ebenso die Flüsse (Akk.)

tato dvaipāyanasutaṃ bahumānapuraḥsaram; kṛtāñjalipuṭāḥ sarvā nirīkṣante sma devatāḥ

Dann betrachteten alle Gottheiten, die Hände gefaltet, den Sohn des Dvaipāyana mit großer Verehrung.

Wort für Wort
tato
dann (Adv.)
dvaipāyanasutaṃ
den Sohn des Dvaipāyana (Akk.)
bahumānapuraḥsaram
mit großer Verehrung voran (Akk., Adj.)
kṛtāñjalipuṭāḥ sarvā
alle mit gefalteten Händen (Nom.)
nirīkṣante sma
sie betrachteten (3.Pl.Impf. periphr.)
devatāḥ
die Gottheiten (Nom.)

abravīt tās tadā vākyaṃ śukaḥ paramadharmavit; pitā yady anugacchen māṃ krośamānaḥ śuketi vai

Śuka, der höchste Kenner des Dharma, sprach da zu ihnen ein Wort: „Falls [mein] Vater mir folgen sollte, rufend ‚Śuka!‘ –

Wort für Wort
abravīt tās tadā vākyaṃ
er sprach da zu ihnen ein Wort (3.Sg.Impf. + Akk.)
śukaḥ paramadharmavit
Śuka, der höchste Kenner des Dharma (Nom.)
pitā yady anugacchen māṃ
falls [mein] Vater mir folgen sollte (Nom. + Opt. + Akk.)
krośamānaḥ śuka iti vai
rufend „Śuka!“ fürwahr (Nom., Part. + Zitat)

Direkte Rede läuft in n=29 weiter.

tataḥ prativaco deyaṃ sarvair eva samāhitaiḥ; etan me snehataḥ sarve vacanaṃ kartum arhatha

– dann sollt ihr alle, aufmerksam, eine Antwort geben; dieses mein Wort sollt ihr alle aus Zuneigung zu mir befolgen.“

Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
prativaco deyaṃ
eine Antwort ist zu geben (Nom., Ger.)
sarvair eva samāhitaiḥ
von euch allen, aufmerksam (Instr.)
etan me snehataḥ
dies aus Zuneigung zu mir (Akk. + Abl.)
sarve vacanaṃ kartum arhatha
ihr alle solltet [dieses] Wort befolgen (Nom. + Akk. + Inf. + 2.Pl.Präs.)

Fortsetzung der direkten Rede aus n=28.

śukasya vacanaṃ śrutvā diśaḥ savanakānanāḥ; samudrāḥ saritaḥ śailāḥ pratyūcus taṃ samantataḥ

Als sie Śukas Worte gehört hatten, antworteten ihm die Himmelsrichtungen mit ihren Wäldern und Hainen, die Meere, Flüsse und Berge von allen Seiten.

Wort für Wort
śukasya vacanaṃ śrutvā
Śukas Worte gehört habend (Gen. + Akk. + Absolutiv)
diśaḥ savanakānanāḥ
die Himmelsrichtungen mit ihren Wäldern und Hainen (Nom.)
samudrāḥ saritaḥ śailāḥ
die Meere, Flüsse, Berge (Nom.)
pratyūcus taṃ samantataḥ
sie antworteten ihm von allen Seiten (3.Pl.Impf. + Akk. + Adv.)

yathājñāpayase vipra bāḍham evaṃ bhaviṣyati; ṛṣer vyāharato vākyaṃ prativakṣyāmahe vayam

„Wie du befiehlst, o Brahmane, ja, so wird es sein. Auf das Wort des sprechenden Weisen werden wir antworten.“

Wort für Wort
yathājñāpayase vipra
wie du befiehlst, o Brahmane (2.Sg.Präs. + Vok.)
bāḍham evaṃ bhaviṣyati
ja, so wird es sein (Adv. + 3.Sg.Fut.)
ṛṣer vyāharato vākyaṃ
auf das Wort des sprechenden Weisen (Gen. + Akk.)
prativakṣyāmahe vayam
wir werden antworten (1.Pl.Fut.)

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