Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 187: adhyātmakathanam Die Lehre vom Adhyātma: Elemente, Sinne, Vernunft und die drei Zustände

Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Adhyātma legt Bhīṣma die Entfaltung der fünf Elemente, die Zuordnung der Sinne, die Rolle von Denkorgan, Vernunft und Feldkenner sowie die drei Zustände Sattva, Rajas und Tamas dar; der zweite Teil führt dies zur Lehre vom Verhältnis der Eigenschaften zum Selbst und zur Befreiung weiter.

yudhiṣṭhira uvāca; adhyātmaṃ nāma yad idaṃ puruṣasyeha cintyate; yad adhyātmaṃ yataś caitat tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Dieses sogenannte Adhyātma, das hier vom Menschen erwogen wird – was ist dieses Adhyātma, und woher [stammt] es? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
adhyātmaṃ nāma yad idam
dieses sogenannte Adhyātma (Nom./Akk. n.)
puruṣasyeha cintyate
vom Menschen hier erwogen wird (Gen./Pass.)
yad adhyātmaṃ yataś caitat
was Adhyātma ist und woher dieses [stammt]
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp./Vok.)

kutaḥ sṛṣṭam idaṃ viśvaṃ jagat sthāvarajaṅgamam; pralaye ca kam abhyeti tan me vaktum ihārhasi

„Woher ist dieses All erschaffen worden, die Welt des Unbeweglichen und des Beweglichen? Und in wen geht sie bei der Auflösung ein? Das mögest du mir hier sagen.“

Wort für Wort
kutaḥ sṛṣṭam idaṃ viśvaṃ
woher erschaffen dieses All (Part. Pass./Nom. n.)
jagat sthāvarajaṅgamam
die Welt, Unbewegliches und Bewegliches (Kompositum)
pralaye ca
und bei der Auflösung (Lok.)
kam abhyeti
in wen geht sie ein (3.Sg.Präs.)
tan me vaktum ihārhasi
das mir zu sagen bist du hier imstande/würdig (Inf., 2.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

bhīṣma uvāca; adhyātmam iti māṃ pārtha yad etad anupṛcchasi; tad vyākhyāsyāmi te tāta śreyaskarataraṃ sukham

Bhīṣma sprach: „Da du mich, Pārtha, nach dem Adhyātma fragst – das will ich dir darlegen, mein Lieber, [es ist] überaus heilbringend und wohltuend.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
adhyātmam iti māṃ pārtha
‚Adhyātma‘ [so] mich, Pārtha (Vok.)
yad etad anupṛcchasi
was du da erfragst (2.Sg.)
tad vyākhyāsyāmi te tāta
das werde ich dir darlegen, Lieber (1.Sg.Fut./Vok.)
śreyaskarataraṃ sukham
überaus heilsam, angenehm (Komp. Nom. n.)

sṛṣṭipralayasaṃyuktam ācāryaiḥ paridarśitam

[Es ist] mit Schöpfung und Auflösung verbunden und von den Lehrern dargelegt worden.

Wort für Wort
sṛṣṭipralayasaṃyuktam
mit Schöpfung und Auflösung verbunden (Kompositum)
ācāryaiḥ
von den Lehrern (Instr. Pl.)
paridarśitam
dargelegt (Part. Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

yaj jñātvā puruṣo loke prītiṃ saukhyaṃ ca vindati; phalalābhaś ca sadyaḥ syāt sarvabhūtahitaṃ ca tat

Wenn der Mensch dies erkannt hat, findet er in der Welt Freude und Wohlbefinden, und der Lohn stellt sich sogleich ein; und es ist allen Wesen förderlich.

Wort für Wort
yaj jñātvā puruṣo loke
wenn dies erkannt [habend] der Mensch in der Welt (Abs.)
prītiṃ saukhyaṃ ca vindati
Freude und Wohlbefinden findet (3.Sg.Präs.)
phalalābhaś ca sadyaḥ syāt
und Gewinn der Frucht sogleich sei (Opt.)
sarvabhūtahitaṃ ca tat
und das ist allen Wesen förderlich (Kompositum)

ātmānam amalaṃ rājann āvṛtyaivaṃ vyavasthitam; tasmin prakāśate nityaṃ tamaḥ somo yathaiva tat; tad vidvān naṣṭapāpmaiṣa brahmabhūyāya kalpate; aṇḍāvaraṇabhūtānāṃ paryantaṃ hi yathā tamaḥ

O König, dieses Selbst, das makellos ist, ist so, [von Finsternis] umhüllt, bestehend; in ihm scheint es stets auf, wie der Mond im Dunkel. Wer das erkennt, dessen Übel ist vernichtet; er wird tauglich zum Brahman-Werden. Denn wie die Finsternis an den Wesen, die von der Eihülle umgeben sind, ihre Grenze hat [so hat auch dies seine Grenze].

Wort für Wort
ātmānam amalaṃ rājann
das Selbst, makellos, o König (Akk./Vok.)
āvṛtyaivaṃ vyavasthitam
umhüllt, so bestehend (Abs./Part.)
tasmin prakāśate nityaṃ
in ihm leuchtet es stets auf (Lok./3.Sg.)
tamaḥ somo yathaiva tat
[in] Finsternis wie der Mond, so dies (Nom.)
tad vidvān naṣṭapāpmaiṣa
dies wissend, dessen Übel vernichtet, dieser (Nom.)
brahmabhūyāya kalpate
wird tauglich zum Brahman-Sein (Dat./3.Sg.)
aṇḍāvaraṇabhūtānāṃ paryantaṃ hi yathā tamaḥ
denn wie die Finsternis für die eihüllen-gewordenen [Wesen] die Grenze ist

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text und Bezug der Bilder unsicher, Wiedergabe der letzten Zeile [?].

pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotiś ca pañcamam; mahābhūtāni bhūtānāṃ sarveṣāṃ prabhavāpyayau

Erde, Wind, Raum, Wasser und, als fünftes, Licht: [dies sind] die großen Elemente, Ursprung und Vergehen aller Wesen.

Wort für Wort
pṛthivī vāyur ākāśam
Erde, Wind, Raum (Nom.)
āpo jyotiś ca pañcamam
Wasser und Licht als fünftes (Nom.)
mahābhūtāni bhūtānām
die großen Elemente der Wesen (Nom. Pl./Gen.)
sarveṣāṃ prabhavāpyayau
aller Ursprung und Vergehen (Gen./Nom. Du.)

tataḥ sṛṣṭāni tatraiva tāni yānti punaḥ punaḥ; mahābhūtāni bhūteṣu sāgarasyormayo yathā

Aus ihnen geschaffen, gehen sie eben dorthin immer wieder zurück: die großen Elemente in die Wesen, wie die Wogen des Meeres.

Wort für Wort
tataḥ sṛṣṭāni tatraiva
daraus erschaffen, eben dorthin (Part./Adv.)
tāni yānti punaḥ punaḥ
diese gehen wieder und wieder (3.Pl.)
mahābhūtāni bhūteṣu
die großen Elemente in die Wesen (Nom./Lok.)
sāgarasyormayo yathā
wie die Wellen des Meeres (Gen./Nom. Pl.)

prasārya ca yathāṅgāni kūrmaḥ saṃharate punaḥ; tadvad bhūtāni bhūtātmā sṛṣṭvā saṃharate punaḥ

Und wie die Schildkröte ihre Glieder ausstreckt und wieder einzieht, so entlässt der Wesen-Selbst die Wesen und zieht sie wieder ein.

Wort für Wort
prasārya ca yathāṅgāni
und wie die Glieder ausgestreckt habend (Abs.)
kūrmaḥ saṃharate punaḥ
die Schildkröte zieht wieder ein (3.Sg.Med.)
tadvad bhūtāni bhūtātmā
ebenso die Wesen, das Selbst der Wesen
sṛṣṭvā saṃharate punaḥ
erschaffen habend zieht [er] wieder ein

sa teṣāṃ guṇasaṃghātaḥ śarīre bharatarṣabha; satataṃ pravilīyante guṇās te prabhavanti ca; yad vinā naiva śṛṇute na paśyati na dīpyate; yad adhīnaṃ yatas tasmād adhyātmam iti kathyate; jñānaṃ tad ekarūpākhyaṃ nānāprajñānvitaṃ tadā; na te vācānurūpaṃ syād yayā[thā] rā[ra]savivarjitam; ākāśāt khalu yājyeṣu bhavanti sumahāguṇāḥ; iti tanmayam evaitat sarvaṃ sthāvarajaṅgamam; pralaye ca tam abhyeti tasmād utsṛjyate punaḥ; mahābhūteṣu bhūtātmā sṛṣṭvā saṃharate punaḥ

Diese Ansammlung ihrer Eigenschaften im Körper, o Stier der Bharata, löst sich beständig auf, und jene Eigenschaften entstehen [wieder]. Ohne das, was nicht hört, nicht sieht, nicht glänzt; das, wovon [es] abhängt, woher [es stammt]: deshalb heißt es Adhyātma. Erkenntnis, ‚einförmig‘ genannt, [ist] dann mit vielfältiger Einsicht verbunden; sie wäre nicht der Rede entsprechend, [da sie] ohne Geschmack ist [?]. Aus dem Raum entstehen bei den Opfergaben die sehr großen Eigenschaften. So besteht dies alles daraus, das Unbewegliche und Bewegliche; bei der Auflösung geht es in ihn ein, deshalb wird es wieder entlassen. In die großen Elemente entlässt das Wesen-Selbst [die Wesen] und zieht sie wieder ein.

Wort für Wort
sa teṣāṃ guṇasaṃghātaḥ śarīre
diese Ansammlung ihrer Eigenschaften im Körper
bharatarṣabha
Stier der Bharata (Vok.)
satataṃ pravilīyante guṇās te prabhavanti ca
beständig lösen sich auf; jene Eigenschaften entstehen
yad vinā naiva śṛṇute na paśyati na dīpyate
ohne das man nicht hört, nicht sieht, nicht glänzt
yad adhīnaṃ yatas tasmād adhyātmam iti kathyate
wovon abhängig, woher: darum ‚Adhyātma‘ genannt
jñānaṃ tad ekarūpākhyaṃ nānāprajñānvitaṃ tadā
Erkenntnis ‚einförmig‘ genannt, dann mit vielfacher Einsicht verbunden
na te vācānurūpaṃ syād yathā rasavivarjitam
nicht der Rede gemäß wäre sie, geschmacklos [?]
ākāśāt khalu yājyeṣu bhavanti sumahāguṇāḥ
aus dem Raum bei Opfergaben entstehen sehr große Eigenschaften
iti tanmayam evaitat sarvaṃ sthāvarajaṅgamam
so besteht dies alles daraus, Unbewegliches und Bewegliches
pralaye ca tam abhyeti tasmād utsṛjyate punaḥ
bei der Auflösung geht es in ihn ein, daher wieder entlassen
mahābhūteṣu bhūtātmā sṛṣṭvā saṃharate punaḥ
in die großen Elemente, das Wesen-Selbst, erschafft und zieht wieder ein

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Textverderbnis (Lesart yayā[thā] rā[ra]savivarjitam); Sinn mehrerer Zeilen unsicher.

mahābhūtāni pañcaiva sarvabhūteṣu bhūtakṛt; akarot teṣu vaiṣamyaṃ tat tu jīvo 'nu paśyati

Fünf sind die großen Elemente in allen Wesen; der Wesen-Schöpfer schuf in ihnen Verschiedenheit; diese aber sieht das Lebendige [Jīva] nachträglich.

Wort für Wort
mahābhūtāni pañcaiva
die großen Elemente [sind] nur fünf
sarvabhūteṣu bhūtakṛt
in allen Wesen der Wesen-Schöpfer (Lok./Nom.)
akarot teṣu vaiṣamyam
schuf in ihnen Ungleichheit (Impf.)
tat tu jīvo 'nu paśyati
dies aber sieht der Jīva nachher (3.Sg.Präs.)

śabdaḥ śrotraṃ tathā khāni trayam ākāśayonijam; vāyos tvaksparśaceṣṭāś ca vāg ity etac catuṣṭayam

Laut, Gehör und die Körperöffnungen: diese Dreiheit ist aus dem Raum geboren; vom Wind [kommen] Haut, Tastgefühl und Bewegung sowie die Rede: diese Vierheit.

Wort für Wort
śabdaḥ śrotraṃ tathā khāni
Laut, Gehör und die Öffnungen (Nom.)
trayam ākāśayonijam
Dreiheit, aus dem Raum als Schoß geboren
vāyos tvaksparśaceṣṭāś ca
vom Wind Haut, Tastgefühl, Bewegung (Abl.)
vāg ity etac catuṣṭayam
und Rede: diese Vierheit

rūpaṃ cakṣus tathā paktis trividhaṃ teja ucyate; rasaḥ kledaś ca jihvā ca trayo jalaguṇāḥ smṛtāḥ

Gestalt, Auge und Verdauung [Garung]: dreifach heißt das Feuer; Geschmack, Feuchtigkeit und Zunge: diese drei gelten als Eigenschaften des Wassers.

Wort für Wort
rūpaṃ cakṣus tathā paktiḥ
Gestalt, Auge und Garung (Nom.)
trividhaṃ teja ucyate
dreifach wird das Feuer genannt (Pass.)
rasaḥ kledaś ca jihvā ca
Geschmack, Nässe und Zunge
trayo jalaguṇāḥ smṛtāḥ
drei Eigenschaften des Wassers gelten (Part.)

ghreyaṃ ghrāṇaṃ śarīraṃ ca te tu bhūmiguṇās trayaḥ; mahābhūtāni pañcaiva ṣaṣṭhaṃ tu mana ucyate

Riechbares, Nase und Körper: diese drei sind die Eigenschaften der Erde. Die großen Elemente sind nur fünf; als sechstes aber wird das Denkorgan [manas] genannt.

Wort für Wort
ghreyaṃ ghrāṇaṃ śarīraṃ ca
Riechbares, Nase und Körper
te tu bhūmiguṇās trayaḥ
diese aber drei Erdeigenschaften
mahābhūtāni pañcaiva
die großen Elemente nur fünf
ṣaṣṭhaṃ tu mana ucyate
als sechstes aber wird manas genannt

indriyāṇi manaś caiva vijñānāny asya bhārata; saptamī buddhir ity āhuḥ kṣetrajñaḥ punar aṣṭamaḥ

Die Sinne und das Denkorgan sind seine Erkenntnismittel, o Bhārata; als siebtes, sagt man, die Vernunft [buddhi], als achter wiederum der Feldkenner [kṣetrajña].

Wort für Wort
indriyāṇi manaś caiva
die Sinne und das Denkorgan
vijñānāny asya bhārata
seine Erkenntnismittel, o Bhārata (Vok.)
saptamī buddhir ity āhuḥ
als siebte die Vernunft, sagt man (Perf.)
kṣetrajñaḥ punar aṣṭamaḥ
der Feldkenner wiederum als achter

cakṣur ālokanāyaiva saṃśayaṃ kurute manaḥ; buddhir adhyavasāyāya kṣetrajñaḥ sākṣivat sthitaḥ

Das Auge dient nur dem Erblicken; das Denkorgan bildet den Zweifel; die Vernunft dient dem Entschluss; der Feldkenner steht da wie ein Zeuge.

Wort für Wort
cakṣur ālokanāyaiva
das Auge nur zum Sehen (Dat.)
saṃśayaṃ kurute manaḥ
Zweifel bewirkt das Denkorgan
buddhir adhyavasāyāya
die Vernunft zum Entschluss (Dat.)
kṣetrajñaḥ sākṣivat sthitaḥ
der Feldkenner steht wie ein Zeuge (Part.)

cicchaktyādhiṣṭhitā buddhiś cetanety abhiviśrutā; cetanānantaro jīvas tad āvetti ca lakṣyate; notsṛjan visṛjaṃś caiva śarīraṃ dṛśyate yadā; tasmiṃś cetopalabdhiḥ syāt tamo vācchādayaty uta

Die Vernunft, von der Kraft des Bewusstseins beherrscht, ist als ‚Bewusstsein‘ [cetanā] bekannt; nach dem Bewusstsein kommt der Jīva; man erkennt, dass er es wahrnimmt. Wenn man ihn den Körper weder verlassen noch entlassen sieht, dann soll in ihm Wahrnehmung des Geistes sein; oder die Finsternis verhüllt [ihn] wohl.

Wort für Wort
cicchaktyādhiṣṭhitā buddhiḥ
von der Bewusstseinskraft beherrscht die Vernunft
cetanety abhiviśrutā
‚Bewusstsein‘, so berühmt (Part.)
cetanānantaro jīvaḥ
nach dem Bewusstsein der Jīva
tad āvetti ca lakṣyate
er nimmt es wahr, wird erkannt
notsṛjan visṛjaṃś caiva śarīraṃ dṛśyate yadā
wenn er, weder verlassend noch entlassend, als Körper gesehen wird [?]
tasmiṃś cetopalabdhiḥ syāt tamo vācchādayaty uta
in ihm sei geistige Wahrnehmung; oder Finsternis verhüllt

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die letzten beiden Zeilen syntaktisch unklar, Wiedergabe unsicher [?].

ūrdhvaṃ pādatalābhyāṃ yad arvāg ūrdhvaṃ ca paśyati; etena sarvam evedaṃ viddhy abhivyāptam antaram

Was aufwärts von den Fußsohlen und was abwärts und aufwärts sieht: wisse, dass durch dieses das ganze Innere hier durchdrungen ist.

Wort für Wort
ūrdhvaṃ pādatalābhyāṃ yad
aufwärts von den Fußsohlen was (Abl. Du.)
arvāg ūrdhvaṃ ca paśyati
abwärts und aufwärts sieht
etena sarvam evedam
durch dieses alles hier (Instr.)
viddhy abhivyāptam antaram
wisse durchdrungen das Innere (Imp./Part.)

Der Vers ist knapp und syntaktisch dunkel; Wiedergabe [?].

puruṣe cendriyāṇīha veditavyāni kṛtsnaśaḥ; tamo rajaś ca sattvaṃ ca viddhi bhāvāṃs tadāśrayān

Und im Menschen sind hier die Sinne vollständig zu erkennen; wisse: Finsternis, Leidenschaft und Klarheit sind Zustände, die auf ihm ruhen.

Wort für Wort
puruṣe cendriyāṇīha
im Menschen und die Sinne hier (Lok.)
veditavyāni kṛtsnaśaḥ
zu erkennen vollständig (Gerundiv)
tamo rajaś ca sattvaṃ ca
Finsternis, Leidenschaft und Klarheit
viddhi bhāvāṃs tadāśrayān
wisse die Zustände, die darauf ruhen (Imp./Akk. Pl.)

etāṃ buddhvā naro buddhyā bhūtānām āgatiṃ gatim; samavekṣya śanaiś caiva labhate śamam uttamam

Wenn der Mensch dies mit der Vernunft erfasst hat, das Kommen und Gehen der Wesen, und es allmählich erwogen hat, erlangt er höchsten Frieden.

Wort für Wort
etāṃ buddhvā naro buddhyā
dies erkannt habend der Mensch mit Vernunft (Abs.)
bhūtānām āgatiṃ gatim
der Wesen Kommen und Gehen (Gen./Akk.)
samavekṣya śanaiś caiva
und allmählich erwogen habend (Abs.)
labhate śamam uttamam
erlangt höchsten Frieden (3.Sg.)

guṇān nenīyate buddhir buddhir evendriyāṇy api; manaḥṣaṣṭhāni sarvāṇi buddhyabhāve kuto guṇāḥ

Die Vernunft wird von den Eigenschaften geleitet; und auch die Sinne werden von der Vernunft geleitet; alle, das Denkorgan als sechstes: wo die Vernunft fehlt, woher [sollen] Eigenschaften [kommen]?

Wort für Wort
guṇān nenīyate buddhiḥ
von den Eigenschaften wird die Vernunft geleitet (Pass.)
buddhir evendriyāṇy api
die Vernunft eben auch die Sinne
manaḥṣaṣṭhāni sarvāṇi
alle mit dem Denkorgan als sechstem (Komp.)
buddhyabhāve kuto guṇāḥ
bei Fehlen der Vernunft woher Eigenschaften (Lok.)

Lesart nenīyate (Intensiv-Passiv) mit unsicherer Bedeutung; Wiedergabe [?].

yena saṃkalpayaty arthaṃ kiṃ cid bhavati tanmanaḥ

Womit man einen Gegenstand erwägt, das wird zum Denkorgan.

Wort für Wort
yena saṃkalpayaty artham
womit man den Gegenstand erwägt (Instr./3.Sg.)
kiṃ cid bhavati
etwas wird (3.Sg.)
tan manaḥ
das [ist] das Denkorgan

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

iti tanmayam evaitat sarvaṃ sthāvarajaṅgamam; pralīyate codbhavati tasmān nirdiśyate tathā

So besteht dies alles daraus, das Unbewegliche und Bewegliche; es löst sich auf und entsteht [wieder]; deshalb wird es so bezeichnet.

Wort für Wort
iti tanmayam evaitat
so besteht dies eben daraus (Kompositum)
sarvaṃ sthāvarajaṅgamam
alles Unbewegliche und Bewegliche
pralīyate codbhavati
es löst sich auf und entsteht (Pass./3.Sg.)
tasmān nirdiśyate tathā
deshalb wird es so bezeichnet (Pass.)

yena paśyati tac cakṣuḥ śṛṇoti śrotram ucyate; jighrati ghrāṇam ity āhū rasaṃ jānāti jihvayā

Womit man sieht, das ist das Auge; womit man hört, heißt Ohr; womit man riecht, das nennt man Nase; den Geschmack erkennt man mit der Zunge.

Wort für Wort
yena paśyati tac cakṣuḥ
womit man sieht, das Auge
śṛṇoti śrotram ucyate
[womit] man hört, Ohr wird es genannt
jighrati ghrāṇam ity āhuḥ
[womit] man riecht, Nase, sagt man
rasaṃ jānāti jihvayā
Geschmack erkennt man mit der Zunge (Instr.)

tvacā spṛśati ca sparśān buddhir vikriyate 'sakṛt; yena saṃkalpayaty arthaṃ kiṃ cid bhavati tan manaḥ

Mit der Haut berührt man Berührungen; die Vernunft verändert sich immer wieder; womit man einen Gegenstand erwägt, das wird zum Denkorgan.

Wort für Wort
tvacā spṛśati ca sparśān
mit der Haut berührt man Tastreize (Instr./Akk. Pl.)
buddhir vikriyate 'sakṛt
die Vernunft verändert sich oftmals (Pass./Adv.)
yena saṃkalpayaty artham
womit man den Gegenstand erwägt
kiṃ cid bhavati tan manaḥ
etwas wird, das ist manas

adhiṣṭhānāni buddher hi pṛthag arthāni pañcadhā; pañcendriyāṇi yāny āhus tāny adṛśyo 'dhitiṣṭhati

Denn die Wohnstätten der Vernunft, fünffach, jeweils für besondere Gegenstände, – [nämlich] die fünf Sinne, wie man sagt: diese bewohnt der Unsichtbare.

Wort für Wort
adhiṣṭhānāni buddher hi
die Grundlagen der Vernunft nämlich (Nom. Pl./Gen.)
pṛthag arthāni pañcadhā
je eigene Gegenstände habend, fünffach
pañcendriyāṇi yāny āhuḥ
die fünf Sinne, die man nennt
tāny adṛśyo 'dhitiṣṭhati
diese beherrscht der Unsichtbare (3.Sg.)

puruṣādhiṣṭhitā buddhis triṣu bhāveṣu vartate; kadā cil labhate prītiṃ kadā cid anuśocati

Die vom Puruṣa beherrschte Vernunft bewegt sich in drei Zuständen: bisweilen empfindet sie Freude, bisweilen trauert sie.

Wort für Wort
puruṣādhiṣṭhitā buddhiḥ
vom Puruṣa beherrscht die Vernunft
triṣu bhāveṣu vartate
in drei Zuständen wirkt sie (Lok.)
kadā cil labhate prītim
bisweilen erlangt sie Freude
kadā cid anuśocati
bisweilen trauert sie

na sukhena na duḥkhena kadā cid api vartate; evaṃ narāṇāṃ manasi triṣu bhāveṣv avasthitā

Bisweilen besteht sie weder in Freude noch in Leid; so ist sie im Denken der Menschen in den drei Zuständen gegründet.

Wort für Wort
na sukhena na duḥkhena
weder mit Wohl noch mit Leid (Instr.)
kadā cid api vartate
zuweilen wirkt sie
evaṃ narāṇāṃ manasi
so im Denken der Menschen (Gen./Lok.)
triṣu bhāveṣv avasthitā
in drei Zuständen gegründet (Part.)

seyaṃ bhāvātmikā bhāvāṃs trīn etān nātivartate; saritāṃ sāgaro bhartā mahāvelām ivormimān

Diese [Vernunft], deren Wesen die Zustände sind, überschreitet diese drei Zustände nicht; wie das Meer der Herr der Flüsse ist [und] die große Küste als Wogenreiches [nicht überschreitet].

Wort für Wort
seyaṃ bhāvātmikā
diese, die zustandshaft ist (Nom. f.)
bhāvāṃs trīn etān nātivartate
diese drei Zustände überschreitet sie nicht
saritāṃ sāgaro bhartā
der Ozean ist der Herr der Flüsse (Gen. Pl.)
mahāvelām ivormimān
wie die große Küste [der] wogenreiche [nicht überschreitet] [?]

Der Vergleich ist elliptisch; Ergänzung in der Übersetzung ist sinngemäß [?].

atibhāvagatā buddhir bhāve manasi vartate; pravartamānaṃ hi rajas tadbhāvam anuvartate

Die Vernunft, die über die Zustände hinausgegangen ist, wirkt im Zustand des Denkorgans; und die sich regende Leidenschaft folgt eben diesem Zustand.

Wort für Wort
atibhāvagatā buddhiḥ
die über die Zustände hinausgegangene Vernunft
bhāve manasi vartate
im Zustand, im Denkorgan wirkt sie (Lok.)
pravartamānaṃ hi rajaḥ
denn die sich regende Leidenschaft (Part.)
tadbhāvam anuvartate
folgt diesem Zustand (3.Sg.)

Lesart bhāve manasi unsicher [?].

indriyāṇi hi sarvāṇi pradarśayati sā sadā; prītiḥ sattvaṃ rajaḥ śokas tamo mohaś ca te trayaḥ

Sie bringt stets alle Sinne zur Erscheinung: Freude ist Klarheit, Leid ist Leidenschaft, Verblendung ist Finsternis: diese drei.

Wort für Wort
indriyāṇi hi sarvāṇi
alle Sinne nämlich
pradarśayati sā sadā
sie zeigt stets (Kaus.)
prītiḥ sattvaṃ rajaḥ śokaḥ
Freude [ist] Klarheit, Leidenschaft [ist] Kummer
tamo mohaś ca te trayaḥ
Finsternis [ist] Verblendung; diese drei

ye ye ca bhāvā loke 'smin sarveṣv eteṣu te triṣu

Und welche Zustände es in dieser Welt auch gibt, sie [alle] beruhen auf diesen dreien.

Wort für Wort
ye ye ca bhāvā
und welche Zustände auch immer (Nom. Pl.)
loke 'smin
in dieser Welt (Lok.)
sarveṣv eteṣu te triṣu
in allen diesen, in jenen dreien (Lok.)

sattvaṃ buddhis tamobhāvaḥ prītiyogāt pravartate

Klarheit, Vernunft, Finsternis-Zustand: sie entfaltet sich durch die Verbindung mit Freude.

Wort für Wort
sattvaṃ buddhis tamobhāvaḥ
Klarheit, Vernunft, Finsternis-Zustand
prītiyogāt pravartate
durch Verbindung mit Freude regt es sich (Abl./3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, syntaktisch knapp und wohl verderbt; Wiedergabe [?].

iti buddhigatiḥ sarvā vyākhyātā tava bhārata

So ist der gesamte Gang der Vernunft dir dargelegt worden, o Bhārata.

Wort für Wort
iti buddhigatiḥ sarvā
so der ganze Weg der Vernunft (Nom. f.)
vyākhyātā tava bhārata
dargelegt dir, o Bhārata (Part. Pass./Vok.)

indriyāṇi ca sarvāṇi vijetavyāni dhīmatā; sattvaṃ rajas tamaś caiva prāṇināṃ saṃśritāḥ sadā

Und alle Sinne muss der Einsichtige besiegen; Klarheit, Leidenschaft und Finsternis haben stets bei den Lebewesen ihre Zuflucht genommen.

Wort für Wort
indriyāṇi ca sarvāṇi
und alle Sinne
vijetavyāni dhīmatā
sind zu besiegen vom Weisen (Gerundiv/Instr.)
sattvaṃ rajas tamaś caiva
Klarheit, Leidenschaft und Finsternis
prāṇināṃ saṃśritāḥ sadā
bei den Lebewesen stets eingekehrt (Part.)

trividhā vedanā caiva sarvasattveṣu dṛśyate; sāttvikī rājasī caiva tāmasī ceti bhārata

Und dreifach wird bei allen Wesen die Empfindung gesehen: die klare, die leidenschaftliche und die finstere, o Bhārata.

Wort für Wort
trividhā vedanā caiva
und dreifach die Empfindung
sarvasattveṣu dṛśyate
bei allen Wesen wird sie gesehen (Pass.)
sāttvikī rājasī caiva
die sattvische und die rajasische
tāmasī ceti bhārata
und die tamasische, o Bhārata

sukhasparśaḥ sattvaguṇo duḥkhasparśo rajoguṇaḥ; tamoguṇena saṃyuktau bhavato 'vyāvahārikau

Die Berührung des Wohlseins ist die Eigenschaft der Klarheit, die Berührung des Leids die Eigenschaft der Leidenschaft; mit der Eigenschaft der Finsternis verbunden sind beide [von Wohl und Leid] dem praktischen Leben nicht dienlich.

Wort für Wort
sukhasparśaḥ sattvaguṇaḥ
Berührung des Wohls [ist] Eigenschaft der Klarheit
duḥkhasparśo rajoguṇaḥ
Berührung des Leids [ist] Eigenschaft der Leidenschaft
tamoguṇena saṃyuktau
mit der Finsternis-Eigenschaft verbunden (Instr./Nom. Du.)
bhavato 'vyāvahārikau
beide werden ungeeignet für den Alltag (3.Du.)

Sinn von avyāvahārikau (‚für den Verkehr/Alltag untauglich‘) und Bezug von saṃyuktau unsicher [?].

tatra yat prītisaṃyuktaṃ kāye manasi vā bhavet; vartate sāttviko bhāva ity avekṣeta tat tadā

Was davon nun mit Freude verbunden im Körper oder im Geist sein mag – „Das sattvische Wesen waltet“, so soll man es dann betrachten.

Wort für Wort
tatra yat prītisaṃyuktaṃ
was davon mit Freude verbunden ist (Nom./Akk. n., Kompositum)
kāye manasi vā bhavet
im Körper oder im Geist sein mag (Lok.; 3.Sg.Opt.)
vartate sāttviko bhāvaḥ
es waltet das sattvische Wesen (3.Sg.Präs.; Nom.)
iti avekṣeta tat tadā
so soll man es dann betrachten (3.Sg.Opt.Med.; Akk.)

atha yad duḥkhasaṃyuktam atuṣṭikaram ātmanaḥ; pravṛttaṃ raja ity eva tann asaṃrabhya cintayet

Was aber mit Leid verbunden ist und dem Selbst keine Zufriedenheit bringt – „Es ist Rajas, das sich regt“, so soll man es, ohne sich zu erregen, bedenken.

Wort für Wort
atha yad duḥkhasaṃyuktam
was aber mit Leid verbunden ist (Nom./Akk. n.)
atuṣṭikaram ātmanaḥ
keine Zufriedenheit bewirkend für das Selbst (Kompositum; Gen.)
pravṛttaṃ rajaḥ iti eva
in Gang gekommen, Rajas, so eben (Part.Perf.Pass.; Nom.)
tat asaṃrabhya cintayet
das, ohne sich zu erregen, bedenke man (Abs.; 3.Sg.Opt.)

atha yan mohasaṃyuktam avyaktam iva yad bhavet; apratarkyam avijñeyaṃ tamas tad upadhārayet

Was aber mit Verblendung verbunden ist, gleichsam unklar, nicht zu erwägen, nicht zu erkennen – das erfasse als Tamas.

Wort für Wort
atha yad mohasaṃyuktam
was aber mit Verblendung verbunden ist (Nom./Akk. n.)
avyaktam iva yad bhavet
gleichsam unmanifest/unklar sein mag (Nom.; 3.Sg.Opt.)
apratarkyam avijñeyam
nicht erwägbar, nicht erkennbar (Gerundiv, Nom.)
tamaḥ tat upadhārayet
das sei als Tamas aufgefasst (Nom./Akk.; 3.Sg.Opt.Kaus.)

praharṣaḥ prītir ānandaḥ sukhaṃ saṃśāntacittatā; kathaṃ cid abhivartanta ity ete sāttvikā guṇāḥ

Frohlocken, Freude, Wonne, Glück, Gestilltheit des Geistes: wenn diese sich irgendwie einstellen, so sind dies die sattvischen Eigenschaften.

Wort für Wort
praharṣaḥ prītiḥ ānandaḥ sukham
Frohlocken, Freude, Wonne, Glück (Nom.Sg.)
saṃśāntacittatā
Gestilltheit des Geistes (Nom.Sg.f.)
kathaṃ cit abhivartante
irgendwie eintreten (3.Pl.Präs.Med.)
iti ete sāttvikāḥ guṇāḥ
so sind dies die sattvischen Eigenschaften (Nom.Pl.)

atuṣṭiḥ paritāpaś ca śoko lobhas tathākṣamā; liṅgāni rajasas tāni dṛśyante hetvahetubhiḥ

Unzufriedenheit, Qual, Kummer, Gier und Unduldsamkeit: das sind die Kennzeichen des Rajas; sie werden mit Gründen und ohne Gründe gesehen.

Wort für Wort
atuṣṭiḥ paritāpaḥ ca
Unzufriedenheit und Qual (Nom.Sg.)
śokaḥ lobhaḥ tathā akṣamā
Kummer, Gier und ebenso Unduldsamkeit (Nom.Sg.)
liṅgāni rajasaḥ tāni
jene Kennzeichen des Rajas (Nom.Pl.n.; Gen.)
dṛśyante hetvahetubhiḥ
werden gesehen mit Gründen und Nichtgründen (3.Pl.Pass.; Instr.Pl., Dvandva)

abhimānas tathā mohaḥ pramādaḥ svapnatandritā; kathaṃ cid abhivartante vividhās tāmasā guṇāḥ

Dünkel, Verblendung, Nachlässigkeit, Schlaf und Benommenheit: wenn sie sich irgendwie einstellen, sind es die vielfältigen tamasischen Eigenschaften.

Wort für Wort
abhimānaḥ tathā mohaḥ
Dünkel und ebenso Verblendung (Nom.Sg.)
pramādaḥ svapnatandritā
Nachlässigkeit, Schlaf und Benommenheit (Nom.Sg.)
kathaṃ cit abhivartante
irgendwie eintreten (3.Pl.Präs.Med.)
vividhāḥ tāmasāḥ guṇāḥ
die vielfältigen tamasischen Eigenschaften (Nom.Pl.)

dūragaṃ bahudhāgāmi prārthanāsaṃśayātmakam; manaḥ suniyataṃ yasya sa sukhī pretya ceha ca

Der Geist, der weit umherschweift, vielfach dahingeht und dessen Wesen Wünschen und Zweifeln ist – wessen Geist wohlgezügelt ist, der ist glücklich, im Jenseits und hier.

Wort für Wort
dūragam bahudhāgāmi
weitgehend, vielfach gehend (Nom.Sg.n.)
prārthanāsaṃśayātmakam
aus Wünschen und Zweifeln bestehend (Kompositum, Nom.)
manaḥ suniyatam yasya
der Geist, wohlgezügelt, wessen (Nom.; Part.Perf.Pass.; Gen.)
sa sukhī
der ist glücklich (Nom.Sg.m.)
pretya ca iha ca
im Jenseits und hier (Abs./Adv.)

sattvakṣetrajñayor etad antaraṃ paśya sūkṣmayoḥ; sṛjate tu guṇān eka eko na sṛjate guṇān

Diesen Unterschied zwischen dem Sattva und dem Kṣetrajña, beide fein, sieh: der eine bringt die Guṇas hervor, der eine bringt die Guṇas nicht hervor.

Wort für Wort
sattvakṣetrajñayoḥ etat antaram
zwischen Sattva und Kṣetrajña diesen Unterschied (Gen.Du.; Akk.Sg.n.)
paśya sūkṣmayoḥ
sieh, bei den beiden feinen (Imp.2.Sg.; Gen.Du.)
sṛjate tu guṇān ekaḥ
hervorbringt aber die Guṇas der eine (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Pl.; Nom.)
ekaḥ na sṛjate guṇān
der eine bringt die Guṇas nicht hervor (3.Sg.Präs.Med.)

maśakodumbarau cāpi saṃprayuktau yathā sadā; anyonyam anyau ca yathā saṃprayogas tathā tayoḥ

Und wie Mücke und Feigenbaum stets miteinander verbunden sind, und wie die beiden einander [zugehören], so ist die Verbindung jener beiden.

Wort für Wort
maśakodumbarau ca api
Mücke und Feigenbaum auch (Nom.Du., Dvandva)
saṃprayuktau yathā sadā
verbunden, wie stets (Part.Perf.Pass., Nom.Du.)
anyonyam anyau ca yathā
einander, die beiden anderen, und wie (Nom.Du.)
saṃprayogaḥ tathā tayoḥ
so ist die Verbindung derer beiden (Nom.Sg.; Gen.Du.)

pṛthagbhūtau prakṛtyā tau saṃprayuktau ca sarvadā; yathā matsyo jalaṃ caiva saṃprayuktau tathaiva tau

Von Natur getrennt und doch allezeit verbunden – wie Fisch und Wasser verbunden sind, ebenso jene beiden.

Wort für Wort
pṛthagbhūtau prakṛtyā tau
getrennt geworden von Natur, jene beiden (Nom.Du.; Instr.)
saṃprayuktau ca sarvadā
und verbunden allezeit (Nom.Du.)
yathā matsyaḥ jalam ca eva
wie Fisch und Wasser (Nom.Sg.; Nom.Sg.n.)
saṃprayuktau tathā eva tau
verbunden, ebenso jene beiden (Nom.Du.)

na guṇā vidur ātmānaṃ sa guṇān vetti sarvaśaḥ; paridraṣṭā guṇānāṃ ca saṃsraṣṭā manyate sadā

Die Guṇas kennen das Selbst nicht; er kennt die Guṇas allseits; und obwohl er Beobachter der Guṇas ist, hält er sich stets für [ihren] Mitschöpfer.

Wort für Wort
na guṇāḥ viduḥ ātmānam
die Guṇas kennen das Selbst nicht (Nom.Pl.; 3.Pl.Perf.; Akk.Sg.)
saḥ guṇān vetti sarvaśaḥ
er kennt die Guṇas gänzlich (3.Sg.Präs.; Akk.Pl.)
paridraṣṭā guṇānām ca
und der Beobachter der Guṇas (Nom.Sg. Agens; Gen.Pl.)
saṃsraṣṭā manyate sadā
hält [sich] für den Verbinder/Mitschöpfer, stets [?] (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)

[?] „saṃsraṣṭā manyate“: entweder „hält sich für den Verbinder/Mitschöpfer“ oder „wird dafür gehalten“ (manyate als Med.).

indriyais tu pradīpārthaṃ kurute buddhisaptamaiḥ; nirviceṣṭair ajānadbhiḥ paramātmā pradīpavat

Mit den Sinnen, die den Verstand als siebtes haben, bewirkt er die Erhellung; diese sind regungslos und nicht erkennend; das höchste Selbst gleicht einer Lampe.

Wort für Wort
indriyaiḥ tu pradīpārtham
mit den Sinnen aber zum Zweck der Erleuchtung (Instr.Pl.; Adv.)
kurute buddhisaptamaiḥ
bewirkt er, mit dem Verstand als siebtem (3.Sg.Präs.Med.; Instr.Pl.)
nirviceṣṭaiḥ ajānadbhiḥ
mit den regungslosen, nicht wissenden (Instr.Pl.)
paramātmā pradīpavat
das höchste Selbst gleich einer Lampe (Nom.Sg.; Adv.)

sṛjate hi guṇān sattvaṃ kṣetrajñaḥ paripaśyati; saṃprayogas tayor eṣa sattvakṣetrajñayor dhruvaḥ

Denn das Sattva bringt die Guṇas hervor, der Kṣetrajña schaut zu; das ist die feste Verbindung dieser beiden, von Sattva und Kṣetrajña.

Wort für Wort
sṛjate hi guṇān sattvam
es bringt ja hervor die Guṇas das Sattva (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Pl.; Nom.)
kṣetrajñaḥ paripaśyati
der Kṣetrajña schaut zu (3.Sg.Präs.)
saṃprayogaḥ tayoḥ eṣaḥ
die Verbindung dieser beiden, diese (Nom.Sg.; Gen.Du.)
sattvakṣetrajñayoḥ dhruvaḥ
zwischen Sattva und Kṣetrajña fest (Gen.Du.; Nom.Sg.m.)

āśrayo nāsti sattvasya kṣetrajñasya ca kaś cana; sattvaṃ manaḥ saṃsṛjati na guṇān vai kadā cana

Eine Stütze gibt es für das Sattva und für den Kṣetrajña keineswegs; das Sattva, der Geist, verbindet sich [mit den Objekten], niemals aber die Guṇas.

Wort für Wort
āśrayaḥ na asti sattvasya
eine Stütze gibt es nicht für das Sattva (Nom.Sg.; Gen.)
kṣetrajñasya ca kaḥ cana
und für den Kṣetrajña keinerlei (Gen.; Indef.)
sattvam manaḥ saṃsṛjati
das Sattva, der Geist, verbindet [sich] (Nom.; 3.Sg.Präs.)
na guṇān vai kadā cana
nicht [aber] die Guṇas, wahrlich, niemals [?] (Akk.Pl.)

[?] Der zweite Halbvers ist knapp; „na guṇān“ bezieht sich vermutlich darauf, dass der Geist nicht die Guṇas selbst erfasst/verbindet.

raśmīṃs teṣāṃ sa manasā yadā samyaṅ niyacchati; tadā prakāśate 'syātmā ghaṭe dīpo jvalann iva

Wenn er ihre Zügel mit dem Geist recht bändigt, dann leuchtet ihm das Selbst auf wie eine brennende Lampe im Krug.

Wort für Wort
raśmīn teṣām saḥ manasā
ihre Zügel, er, mit dem Geist (Akk.Pl.; Gen.Pl.; Instr.)
yadā samyak niyacchati
wenn er recht bändigt (Adv.; 3.Sg.Präs.)
tadā prakāśate asya ātmā
dann leuchtet auf ihm das Selbst (3.Sg.Präs.Med.; Gen.; Nom.)
ghaṭe dīpaḥ jvalan iva
wie eine im Krug brennende Lampe (Lok.; Nom.; Part.Präs.)

raśmi bedeutet „Zügel“ und „Strahl“; beide Bilder klingen an.

tyaktvā yaḥ prākṛtaṃ karma nityam ātmaratir muniḥ; sarvabhūtātmabhūtaḥ syāt sa gacchet paramāṃ gatim

Wer das naturhafte Tun aufgegeben hat, als Weiser stets am Selbst sich erfreut und zum Selbst aller Wesen geworden ist, der gelangt zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
tyaktvā yaḥ prākṛtam karma
wer, nachdem er das naturhafte Tun aufgegeben hat (Abs.; Akk.)
nityam ātmaratiḥ muniḥ
stets am Selbst sich erfreuend, der Weise (Adv.; Nom.)
sarvabhūtātmabhūtaḥ syāt
zum Selbst aller Wesen geworden sei (Nom.; 3.Sg.Opt.)
saḥ gacchet paramām gatim
der gelange zum höchsten Ziel (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.f.)

yathā vāricaraḥ pakṣī lipyamāno na lipyate; evam eva kṛtaprajño bhūteṣu parivartate

Wie ein Wasservogel, obwohl benetzt, nicht befleckt wird, so bewegt sich der, dessen Einsicht vollendet ist, unter den Wesen.

Wort für Wort
yathā vāricaraḥ pakṣī
wie ein Wasservogel (Nom.Sg.)
lipyamānaḥ na lipyate
obwohl benetzt, wird nicht befleckt (Part.Pass.; 3.Sg.Pass.)
evam eva kṛtaprajñaḥ
ebenso der, dessen Einsicht vollendet ist (Nom.Sg.)
bhūteṣu parivartate
bewegt sich unter den Wesen (Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)

evaṃsvabhāvam evaitat svabuddhyā viharen naraḥ; aśocann aprahṛṣyaṃś ca cared vigatamatsaraḥ

So geartet ist dies; mit eigener Einsicht soll der Mensch [darin] wandeln; ohne zu trauern, ohne zu frohlocken soll er umhergehen, frei von Neid.

Wort für Wort
evaṃsvabhāvam eva etat
von solcher Natur eben dies (Nom.Sg.n.)
svabuddhyā viharet naraḥ
mit eigener Einsicht soll wandeln der Mensch (Instr.; 3.Sg.Opt.; Nom.)
aśocan aprahṛṣyan ca
nicht trauernd und nicht frohlockend (Part.Präs.)
caret vigatamatsaraḥ
er soll umhergehen, frei von Neid (3.Sg.Opt.; Nom.)

svabhāvasiddhyā saṃsiddhān sa nityaṃ sṛjate guṇān; ūrṇanābhir yathā sraṣṭā vijñeyās tantuvad guṇāḥ

Die durch die Vollendung ihrer Eigennatur vollkommenen Guṇas bringt er stets hervor; wie die Spinne als Schöpferin [ihre Fäden], so sind die Guṇas fadengleich zu verstehen.

Wort für Wort
svabhāvasiddhyā saṃsiddhān
durch Vollendung der Eigennatur Vollendete (Instr.; Akk.Pl.)
saḥ nityam sṛjate guṇān
er bringt stets hervor die Guṇas (3.Sg.Präs.Med.)
ūrṇanābhiḥ yathā sraṣṭā
wie eine Spinne als Schöpferin (Nom.Sg.; Nom.Sg.)
vijñeyāḥ tantuvat guṇāḥ
zu verstehen sind fadengleich die Guṇas (Gerundiv Nom.Pl.; Adv.)

pradhvastā na nivartante nivṛttir nopalabhyate; pratyakṣeṇa parokṣaṃ tad anumānena sidhyati

Aufgelöste kehren nicht zurück; eine Rückkehr wird nicht wahrgenommen; das Verborgene wird durch das Sichtbare, durch Schluss, erwiesen.

Wort für Wort
pradhvastāḥ na nivartante
Aufgelöste kehren nicht zurück (Part.Perf.Pass. Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
nivṛttiḥ na upalabhyate
Rückkehr wird nicht wahrgenommen (Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)
pratyakṣeṇa parokṣam tat
durch das Sichtbare das Verborgene, dies (Instr.; Nom.Sg.n.)
anumānena sidhyati
durch Schluss wird erwiesen (Instr.; 3.Sg.Präs.)

nivṛtti: „Rückkehr/Aufhören“; der Vers lässt beide Nuancen zu.

evam eke vyavasyanti nivṛttir iti cāpare; ubhayaṃ saṃpradhāryaitad adhyavasyed yathāmati

So urteilen die einen, und andere [sagen]: „Es gibt Rückkehr.“ Beides erwägend soll man nach [eigener] Einsicht entscheiden.

Wort für Wort
evam eke vyavasyanti
so urteilen die einen (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
nivṛttiḥ iti ca apare
„Rückkehr“, so [sagen] und andere (Nom.Sg.; Nom.Pl.)
ubhayam saṃpradhārya etat
beides erwogen habend (Akk.Sg.n.; Abs.)
adhyavasyet yathāmati
man soll entscheiden nach Einsicht (3.Sg.Opt.; Adv.)

itīmaṃ hṛdayagranthiṃ buddhibhedamayaṃ dṛḍham; vimucya sukham āsīta na śocec chinnasaṃśayaḥ

Diesen Knoten des Herzens, aus Zerspaltungen der Einsicht bestehend und fest, hat man so gelöst; man soll glücklich dasitzen und nicht trauern, wenn der Zweifel zerschnitten ist.

Wort für Wort
iti imam hṛdayagranthim
so diesen Herzensknoten (Akk.Sg.)
buddhibhedamayam dṛḍham
aus Zerspaltungen der Einsicht bestehend, fest (Akk.Sg.)
vimucya sukham āsīta
losgelöst habend, glücklich sitze man (Abs.; 3.Sg.Opt.Med.)
na śocet chinnasaṃśayaḥ
man soll nicht trauern, mit zerschnittenem Zweifel (3.Sg.Opt.; Nom.)

malināḥ prāpnuyuḥ śuddhiṃ yathā pūrṇāṃ nadīṃ narāḥ; avagāhya suvidvaṃso viddhi jñānam idaṃ tathā

Wie Verschmutzte zur Reinheit gelangen, wenn Menschen in einen vollen Strom eintauchen, so – wisse – [wirkt] dieses Wissen bei den gut Kundigen.

Wort für Wort
malināḥ prāpnuyuḥ śuddhim
Verschmutzte mögen gelangen zur Reinheit (Nom.Pl.; 3.Pl.Opt.; Akk.)
yathā pūrṇām nadīm narāḥ
wie [in] einen vollen Strom Menschen (Akk.Sg.f.; Nom.Pl.)
avagāhya suvidvaṃsaḥ
nachdem sie eingetaucht sind, die gut Kundigen (Abs.; Nom.Pl.)
viddhi jñānam idam tathā
wisse: dieses Wissen ebenso (Imp.2.Sg.; Akk.Sg.n.)

[?] „suvidvaṃsaḥ“ (Nom.Pl.) ist syntaktisch knapp gebunden; Wiedergabe sinngemäß.

mahānadīṃ hi pārajñas tapyate na taran yathā

Denn wie der Kenner des jenseitigen Ufers beim Durchqueren des großen Stromes nicht leidet,

Wort für Wort
mahānadīm hi
denn den großen Strom (Akk.Sg.)
pārajñaḥ
der Kenner des jenseitigen Ufers (Nom.Sg.)
tapyate na taran yathā
leidet nicht beim Durchqueren, wie (3.Sg.Pass./Med.; Part.Präs.)

Halbvers 187.053a; Satz setzt sich in den nächsten Einheiten fort.

na tu tapyati tattvajñaḥ phale jñāte taraty uta

so leidet der Wahrheitskundige nicht; ist die Frucht erkannt, so gelangt er hinüber.

Wort für Wort
na tu tapyati tattvajñaḥ
nicht aber leidet der Wahrheitskundige (3.Sg.Präs.; Nom.)
phale jñāte
wenn die Frucht erkannt ist (Lok. abs.)
taraty uta
er setzt hinüber, ja (3.Sg.Präs.; Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur in einem Teil der Handschriften).

evaṃ ye vidur adhyātmaṃ kaivalyaṃ jñānam uttamam

So [ergeht es denen], die das Adhyātma kennen, das Alleinsein, das höchste Wissen.

Wort für Wort
evam ye viduḥ
so [die], welche kennen (3.Pl.Perf.)
adhyātmam
das Selbstbezogene/die Lehre vom Selbst (Akk.Sg.n.)
kaivalyam jñānam uttamam
das Alleinsein, das höchste Wissen (Akk.Sg.n.)

[Anm.: Satz bleibt unvollständig; Fortsetzung in 187.054.]

etāṃ buddhvā naraḥ sarvāṃ bhūtānām āgatiṃ gatim; avekṣya ca śanair buddhyā labhate śaṃ paraṃ tataḥ

Hat der Mensch dieses ganze Kommen und Gehen der Wesen erkannt und betrachtet er es dann allmählich mit dem Verstand, so erlangt er von da an den höchsten Frieden.

Wort für Wort
etām buddhvā naraḥ sarvām
diese erkannt habend, der Mensch, ganze (Akk.Sg.f.; Abs.)
bhūtānām āgatim gatim
der Wesen Kommen und Gehen (Gen.Pl.; Akk.Sg.f.)
avekṣya ca śanaiḥ buddhyā
und betrachtet habend allmählich mit dem Verstand (Abs.; Adv.; Instr.)
labhate śam param tataḥ
erlangt Frieden, höchsten, danach (3.Sg.Präs.Med.; Akk.; Adv.)

trivargo yasya viditaḥ prāgjyotiḥ sa vimucyate; anviṣya manasā yuktas tattvadarśī nirutsukaḥ

Wem der Trivarga bekannt ist, wer das Licht voran hat, der wird befreit – er, der mit dem Geist forschend, gesammelt, die Wahrheit schauend und ohne Verlangen ist.

Wort für Wort
trivargaḥ yasya viditaḥ
dessen Dreiheit bekannt ist (Nom.Sg.; Gen.; Part.Perf.Pass.)
prāgjyotiḥ saḥ vimucyate
Licht voran [?], der wird befreit (Nom.; 3.Sg.Pass.)
anviṣya manasā yuktaḥ
forschend, mit dem Geist gesammelt (Abs.; Instr.; Nom.)
tattvadarśī nirutsukaḥ
die Wahrheit schauend, ohne Verlangen (Nom.Sg.)

[?] „trivarga“ vermutlich die drei Guṇas (oder dharma/artha/kāma); „prāgjyotis“ unsicher („dessen Licht voran ist“).

na cātmā śakyate draṣṭum indriyeṣu vibhāgaśaḥ; tatra tatra visṛṣṭeṣu durjayeṣv akṛtātmabhiḥ

Und das Selbst kann nicht in den Sinnen einzeln gesehen werden, wenn diese hier und dort losgelassen sind, schwer zu bezwingen für die, deren Selbst ungebildet ist.

Wort für Wort
na ca ātmā śakyate draṣṭum
und das Selbst kann nicht gesehen werden (Nom.; 3.Sg.Pass.; Inf.)
indriyeṣu vibhāgaśaḥ
in den Sinnen einzeln (Lok.Pl.; Adv.)
tatra tatra visṛṣṭeṣu
wenn sie hier und dort losgelassen sind (Lok. abs.)
durjayeṣu akṛtātmabhiḥ
schwer besiegbar für Ungebildete (Lok.; Instr.Pl.)

etad buddhvā bhaved buddhaḥ kim anyad buddhalakṣaṇam

Dies erkennend würde man ein Erwachter; was sonst wäre das Kennzeichen eines Erwachten?

Wort für Wort
etat buddhvā
dies erkannt habend (Abs.)
bhavet buddhaḥ
werde man ein Erwachter (3.Sg.Opt.; Nom.)
kim anyat buddhalakṣaṇam
was anderes [wäre] Kennzeichen eines Erwachten (Nom.Sg.n.)

pratigṛhya ca nihnoti hy anyathā ca pradṛśyate; na sarpati ca yaṃ prāhuḥ sarvatra pratihanyate; dhūmena cāprasanno 'gnir yathārkaṃ na pravartayet; dhiṣṇyādhipe prasanne tu sthitim etāṃ nirīkṣate; atidūrāc ca sūkṣmatvāt prasthānaṃ na prakāśate; prapadya tac chrutāhvāni cinmayaṃ svīkṛtaṃ vinā

Nachdem er angenommen hat, leugnet er doch, und er erscheint anders; und wer, wie man sagt, nicht vorwärtskommt, wird überall zurückgeschlagen. Und wie ein durch Rauch getrübtes Feuer die Sonne nicht in Gang setzen würde, [so ...] – wenn aber der Herr der Stätte klar/gnädig ist, schaut man diese Verfassung. Und wegen zu großer Ferne und Feinheit wird das Aufbrechen nicht offenbar; nachdem man [...] die „Gehörten“ Genannten [?], das aus Bewusstsein Bestehende, ohne Angeeignetes [?].

Wort für Wort
pratigṛhya ca nihnoti hi anyathā ca pradṛśyate
nachdem er angenommen, leugnet er, und anders erscheint er (Abs.; 3.Sg.Präs.Med.; 3.Sg.Pass.)
na sarpati ca yam prāhuḥ sarvatra pratihanyate
der nicht vorankommt, den man nennt, überall wird er zurückgeschlagen (3.Sg.Präs.; 3.Pl.Perf.; 3.Sg.Pass.)
dhūmena ca aprasannaḥ agniḥ yathā arkam na pravartayet
und durch Rauch getrübt das Feuer, wie die Sonne nicht in Gang setzen würde (Instr.; Nom.; Akk.; 3.Sg.Opt.Kaus.) [?]
dhiṣṇyādhipe prasanne tu
wenn der Herr des Sitzes aber klar/gnädig ist (Lok. abs.)
sthitim etām nirīkṣate
diesen Zustand schaut man (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Präs.Med.)
atidūrāt ca sūkṣmatvāt prasthānam na prakāśate
und wegen zu großer Ferne, Feinheit wird das Aufbrechen nicht offenbar (Abl.; Nom.; 3.Sg.Präs.Med.)
prapadya tat śrutāhvāni cinmayam svīkṛtam vinā
nachdem man ... die „Gehörten“ Genannten, das Bewusstseinsartige, ohne Angeeignetes [?] (Abs.; Akk.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). [Anm.: Zusatzpassage; Text stark verderbt, insbesondere die letzten beiden Pādas (prapadya tac chrutāhvāni …); Wiedergabe unsicher.]

vijñāya tad dhi manyante kṛtakṛtyā manīṣiṇaḥ

Das erkannt habend, halten die Weisen sich für solche, die ihr Werk getan haben.

Wort für Wort
vijñāya tat hi
erkannt habend dies eben (Abs.)
manyante kṛtakṛtyāḥ
halten sich für die, die ihr Werk vollbracht haben (3.Pl.Präs.Med.; Nom.Pl.)
manīṣiṇaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)

na bhavati viduṣāṃ tato bhayaṃ; yad aviduṣāṃ sumahad bhayaṃ bhavet; na hi gatir adhikāsti kasya cit; sati hi guṇe pravadanty atulyatām

Für die Wissenden entsteht daraus keine Furcht, die für die Unwissenden sehr groß sein mag; denn es gibt für niemanden ein höheres Ziel; ist doch eine Eigenschaft vorhanden, so spricht man von Ungleichheit.

Wort für Wort
na bhavati viduṣām tataḥ bhayam
nicht entsteht den Wissenden daraus Furcht (3.Sg.Präs.; Gen.Pl.; Abl.)
yat aviduṣām sumahat bhayam bhavet
die bei den Unwissenden sehr groß sein mag (Gen.Pl.; 3.Sg.Opt.)
na hi gatiḥ adhikā asti kasya cit
denn kein Ziel ist höher für irgendwen (Nom.Sg.f.; Gen.)
sati hi guṇe pravadanti atulyatām
wenn eine Eigenschaft besteht, sagt man Ungleichheit [?] (Lok. abs.; 3.Pl.Präs.; Akk.)

[?] Der letzte Pāda ist knapp: „atulyatā“ (Unvergleichlichkeit/Ungleichheit) ist auf das Vorhandensein einer Eigenschaft (guṇa) bezogen.

yat karoty anabhisaṃdhipūrvakaṃ; tac ca nirṇudati yat purā kṛtam; nāpriyaṃ tad ubhayaṃ kutaḥ priyaṃ; tasya taj janayatīha kurvataḥ

Was er ohne vorherige Absicht tut und was er früher getan hat, das tilgt er; beides ist nicht Unliebes – woher dann Liebes? Das erzeugt ihm hier, dem Handelnden, [nichts].

Wort für Wort
yat karoti anabhisaṃdhipūrvakam
was er tut ohne vorherige Absicht (3.Sg.Präs.; Adv.)
tat ca nirṇudati yat purā kṛtam
das tilgt er auch, was früher getan wurde (3.Sg.Präs.; Part.Perf.Pass.)
na apriyam tat ubhayam kutaḥ priyam
nicht Unliebes, das beides; woher Liebes (Nom.Sg.n.; Adv.)
tasya tat janayati iha kurvataḥ
ihm das erzeugt hier, dem Handelnden (Gen.; 3.Sg.Präs.Kaus.; Part.Präs.) [?]

[?] Der Halbvers „tasya taj janayatīha kurvataḥ“ ist verkürzt; das Objekt der Erzeugung ist ergänzungsbedürftig.

lokam āturam asūyate janas; tasya taj janayatīha sarvataḥ

Der Mensch nimmt an der leidenden Welt Anstoß; das erzeugt ihm hier von allen Seiten [Übel].

Wort für Wort
lokam āturam asūyate
die leidende Welt beneidet/tadelt (Akk.; 3.Sg.Präs.Denom.)
janaḥ
der Mensch (Nom.Sg.)
tasya tat janayati iha sarvataḥ
ihm das erzeugt hier überall (Gen.; 3.Sg.Präs.Kaus.; Adv.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). [?] Zusatzzeile; „asūyate“ (Neid/Anstoß nehmen) und das fehlende Objekt von „janayati“ sind unsicher.

loka āturajanān virāviṇas; tat tad eva bahu paśya śocataḥ; tatra paśya kuśalān aśocato; ye vidus tad ubhayaṃ padaṃ sadā

Sieh in der Welt die leidenden, jammernden Menschen, die um dies und jenes viel trauern; sieh dabei die Kundigen, die nicht trauern, die jene beiden Stätten stets kennen.

Wort für Wort
loka āturajanān virāviṇaḥ
in der Welt leidende Menschen, jammernde (Akk.Pl.)
tat tat eva bahu paśya śocataḥ
um dies und jenes viel, sieh, die Trauernden (Imp.; Akk.Pl.)
tatra paśya kuśalān aśocataḥ
da sieh die Kundigen, nicht Trauernden (Akk.Pl.)
ye viduḥ tat ubhayam padam sadā
die jene beiden Stätten stets kennen (3.Pl.Perf.; Akk.Sg.n.)

[?] „loka“ ist wohl Lok. „loke“ (in der Welt); „padam ubhayam“ meint vermutlich die beiden Zustände (Trauer und Freisein davon).

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