Kapitel 26: kālasukhaduḥkhopadeśaḥ
Vyāsas Trostrede: Alles geschieht zu seiner Zeit; Senajits Lehre von Glück und Leid
Vyāsa antwortet auf Yudhiṣṭhiras Klage mit der Lehre vom Walten der Zeit und mit König Senajits Strophen über den Wechsel von Leid und Glück und die Pflichten eines Königs. Die Zusatzpassage am Ende handelt von Reichtum, Opfer und rechtem Geben.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als Kaunteya Yudhiṣṭhira die Worte des Dvaipāyana gehört hatte und Dhanaṃjaya erzürnt war, wandte er sich an Vyāsa und antwortete:
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.)
dvaipāyanavacaḥ śrutvā
die Rede des Dvaipāyana gehört habend (Akk. Sg.; Abs.)
So angesprochen, antwortete ihm Vyāsa, der Beste unter den Yoga-Kundigen, der Dharma-Kenner, der die Veden zu Ende gelernt hat, dem sehr weisen Yudhiṣṭhira dies:
Wort für Wort
iti uktaḥ
so angesprochen (Nom. Sg. PPP)
pratyuvāca idam
antwortete dies (Perf. 3.Sg.; Akk.)
vyāsaḥ yogavidāṃ varaḥ
Vyāsa, der Beste der Yoga-Kundigen (Nom.; Gen. Pl.)
na karmaṇā labhyate cintayā vā; nāpy asya dātā puruṣasya kaś cit; paryāyayogād vihitaṃ vidhātrā; kālena sarvaṃ labhate manuṣyaḥ
Nicht durch Tun wird es erlangt, noch durch Grübeln; und niemand ist Geber davon an den Menschen. In wechselnder Folge ist es vom Ordner verfügt; in der [rechten] Zeit erlangt der Mensch alles.
Wort für Wort
na karmaṇā labhyate cintayā vā
nicht durch Tat wird erlangt, noch durch Nachdenken (Instr.; Pass.)
na api asya dātā puruṣasya kaś cit
noch ist irgendwer Geber für diesen Menschen (Nom.; Gen.)
paryāyayogāt vihitaṃ vidhātrā
durch Fügung der Wechselfolge verfügt vom Ordner (Abl.; PPP; Instr.)
kālena sarvaṃ labhate manuṣyaḥ
zu seiner Zeit erlangt der Mensch alles (Instr.; 3.Sg.Präs. Med.)
asya: Bezug unsicher (‚dieses [Ergebnisses]‘ oder ‚dieses Menschen‘) [?]
na buddhiśāstrādhyayanena śakyaṃ; prāptuṃ viśeṣair manujair akāle; mūrkho 'pi prāpnoti kadā cid arthān; kālo hi kāryaṃ prati nirviśeṣaḥ
Nicht durch das Studium von Verstandeslehren können Menschen auch mit Vorzügen [es] zur Unzeit erlangen; auch ein Tor erlangt bisweilen Güter; denn die Zeit ist für das Gelingen einer Sache ohne Unterschied [maßgebend].
Wort für Wort
na buddhiśāstrādhyayanena śakyam
nicht durch das Studium der Verstandeslehren ist möglich (Instr.; Adj.)
prāptuṃ viśeṣaiḥ manujaiḥ akāle
zu erlangen für Menschen mit Vorzügen zur Unzeit (Inf.; Instr. Pl.; Lok.)
mūrkhaḥ api prāpnoti kadā cit arthān
auch ein Tor erlangt bisweilen Güter (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk. Pl.)
kālaḥ hi kāryaṃ prati nirviśeṣaḥ
denn die Zeit ist im Hinblick auf das Werk ohne Unterschied (Nom.; Adj.)
Zweiter Halbvers: Sinn nicht ganz eindeutig; wiedergegeben: ‚Zeit gilt für den Erfolg eines Vorhabens unterschiedslos‘ [?]
nābhūtikāle ca phalaṃ dadāti; śilpaṃ na mantrāś ca tathauṣadhāni; tāny eva kālena samāhitāni; sidhyanti cedhyanti ca bhūtikāle
Zur Unzeit gibt weder Kunstfertigkeit noch Zauberspruch noch Heilkraut Frucht; eben diese, zur [rechten] Zeit zusammengefügt, gelingen und gedeihen zur Zeit des Gedeihens.
Wort für Wort
na abhūtikāle ca phalaṃ dadāti
und nicht zur Zeit des Nicht-Gedeihens gibt Frucht (Lok.; 3.Sg.Präs.)
śilpaṃ na mantrāḥ ca tathā auṣadhāni
Kunstfertigkeit, nicht Zaubersprüche und ebenso Heilkräuter (Nom.)
tāni eva kālena samāhitāni
eben diese, zur Zeit zusammengefügt (Nom. Pl. n.; Instr.; PPP)
sidhyanti ca idhyanti ca bhūtikāle
gelingen und gedeihen zur Zeit des Gedeihens (3.Pl.Präs.; Lok.)
Zur [rechten] Zeit wehen schnelle Winde; zur Zeit kommt der Regen von den Wolken; zur Zeit gibt es Wasser voller Lotosblüten; zur Zeit blühen die Bäume in den Wäldern.
Wort für Wort
kālena śīghrāḥ pravivānti vātāḥ
zur Zeit wehen schnelle Winde (Instr.; 3.Pl.Präs.; Nom.)
kālena vṛṣṭiḥ jaladān upaiti
zur Zeit kommt Regen von den Wolken her (Nom.; Akk. Pl.; 3.Sg.)
kālena padmotpalavat jalaṃ ca
zur Zeit [gibt es] lotos- und blauseerosenreiches Wasser (Nom. Sg. n.)
kālena puṣyanti nagāḥ vaneṣu
zur Zeit blühen die Bäume in den Wäldern (3.Pl.Präs.; Lok. Pl.)
jaladān upaiti: wörtlich ‚geht zu den Wolken / kommt zu den Wolken‘; wiedergegeben als ‚kommt von den Wolken‘ [?]
kālena kṛṣṇāś ca sitāś ca rātryaḥ; kālena candraḥ paripūrṇabimbaḥ; nākālataḥ puṣpaphalaṃ nagānāṃ; nākālavegāḥ sarito vahanti
Zur Zeit gibt es dunkle und helle Nächte; zur Zeit den Mond mit voller Scheibe; nicht zur Unzeit [tragen] die Bäume Blüten und Früchte; nicht zur Unzeit führen die Flüsse [ihre] Fluten.
Wort für Wort
kālena kṛṣṇāḥ ca sitāḥ ca rātryaḥ
zur Zeit [gibt es] dunkle und helle Nächte (Nom. Pl.)
kālena candraḥ paripūrṇabimbaḥ
zur Zeit der Mond mit vollrunder Scheibe (Nom.; Bahuvrīhi)
na akālataḥ puṣpaphalaṃ nagānām
nicht zur Unzeit [gibt es] Blüte und Frucht der Bäume (Abl.-Adv.; Gen. Pl.)
na akālavegāḥ saritaḥ vahanti
nicht zur Unzeit heftig strömen die Flüsse (Nom. Pl.; 3.Pl.Präs.)
nākālavegāḥ: ‚Flüsse mit Unzeit-Strömung‘ hier als ‚nicht zur Unzeit strömend‘ gefasst [?]
Nicht zur Unzeit sind Vögel und Schlangen brünstig, Wild und Elefanten, Berge und große Ungeheuer; nicht zur Unzeit entstehen in Frauen Leibesfrüchte; nicht zur Unzeit kommen Kälte, Hitze und Regen.
Wort für Wort
na akālamattāḥ khagapannagāḥ ca
nicht zur Unzeit brünstig sind Vögel und Schlangen (Nom. Pl.)
mṛgadvipāḥ śailamahāgrahāḥ ca
Wild und Elefanten, Berge und große Ungeheuer (Nom. Pl.)
na akālataḥ strīṣu bhavanti garbhāḥ
nicht zur Unzeit entstehen in Frauen Leibesfrüchte (Lok. Pl.; Nom. Pl.)
na āyānti akāle śiśiroṣṇavarṣāḥ
nicht kommen zur Unzeit Kälte, Hitze, Regen (3.Pl.Präs.; Lok.)
śailamahāgrahāḥ: ‚Berge und große Ergreifer/Planeten/Ungeheuer‘, Deutung unsicher [?]
Nicht zur Unzeit stirbt oder wird geboren; nicht zur Unzeit spricht ein Kind; nicht zur Unzeit erreicht man die Jugend; nicht zur Unzeit keimt gesäter Same.
Wort für Wort
na akālataḥ mriyate jāyate vā
nicht zur Unzeit stirbt oder wird geboren (3.Sg.Präs.)
na akālataḥ vyāharate ca bālaḥ
nicht zur Unzeit spricht ein Kind (3.Sg.Präs. Med.; Nom.)
na akālataḥ yauvanam abhyupaiti
nicht zur Unzeit erreicht man die Jugend (Akk.; 3.Sg.)
na akālataḥ rohati bījam uptam
nicht zur Unzeit keimt gesäter Same (3.Sg.Präs.; Nom.; PPP)
Nicht zur Unzeit kommt die Sonne zur Verbindung [mit ihrem Lauf]; nicht zur Unzeit geht sie zum Berge [Untergang]; nicht zur Unzeit nimmt zu und ab der Mond und das Meer mit seiner Kette großer Wellen.
Wort für Wort
na akālataḥ bhānuḥ upaiti yogam
nicht zur Unzeit tritt die Sonne in Verbindung (Nom.; 3.Sg.; Akk.)
na akālataḥ astaṃ girim abhyupaiti
nicht zur Unzeit geht sie zum Untergangsberg (Akk.; 3.Sg.)
na akālataḥ vardhate hīyate ca
nicht zur Unzeit wächst und schwindet (3.Sg.Präs. Med./Pass.)
candraḥ samudraḥ ca mahormimālī
der Mond und das Meer mit Kette großer Wellen (Nom.; Adj.)
yogam upaiti: ‚tritt in Verbindung/Konjunktion‘, Sinn unsicher [?]
ghnanti cānyān narā rājaṃs tān apy anye narās tathā; saṃjñaiṣā laukikī rājan na hinasti na hanyate
Und Menschen erschlagen andere, o König, und diese wiederum erschlagen andere Menschen; dies ist eine landläufige Bezeichnung, o König: [in Wahrheit] erschlägt keiner, noch wird er erschlagen.
Wort für Wort
ghnanti ca anyān narāḥ rājan
und es erschlagen andere die Männer, o König (3.Pl.Präs.; Vok.)
tān api anye narāḥ tathā
auch diese [erschlagen] andere Männer ebenso (Akk. Pl.)
saṃjñā eṣā laukikī rājan
diese Benennung ist weltläufig, o König (Nom. Sg. f.)
na hinasti na hanyate
er verletzt nicht, er wird nicht erschlagen (3.Sg.Präs.; Pass.)
Wenn Reichtum verloren ist oder die Gattin, oder wenn der Sohn oder Vater gestorben ist, [und man denkt:] „O weh, welch ein Leid!“, so übe man dabei nachsinnend [nur] Trauerbewältigung.
Wort für Wort
naṣṭe dhane vā dāre vā
wenn Reichtum oder Gattin verloren sind (Lok. abs.)
putre pitari vā mṛte
Sohn oder Vater gestorben (Lok. abs.)
aho kaṣṭam iti dhyāyan
„o weh, Not“, so sinnend (Part. Präs.)
śokasya apacitiṃ caret
der Trauer Abtragung/Sühne möge er üben (Gen.; Akk.; Opt. 3.Sg.)
śokasyāpacitiṃ caret: ‚Abtragung/Ehrung der Trauer‘, Sinn unsicher [?]
sa kiṃ śocasi mūḍhaḥ sañ śocyaḥ kim anuśocasi; paśya duḥkheṣu duḥkhāni bhayeṣu ca bhayāny api
Warum trauerst du da, da du [selbst] betört bist? Du, der Beklagenswerte, wem trauerst du nach? Sieh: in den Leiden [liegen wieder] Leiden, und in den Ängsten wiederum Ängste.
Wort für Wort
sa kiṃ śocasi mūḍhaḥ san
der du warum trauerst, betört seiend (Nom.; Part. Präs.)
śocyaḥ kim anuśocasi
als Beklagenswerter, was betrauerst du (Gerundiv; 2.Sg.Präs.)
paśya duḥkheṣu duḥkhāni
sieh: in Leiden Leiden (Imp. 2.Sg.; Lok. Pl.; Nom. Pl.)
bhayeṣu ca bhayāni api
und in Ängsten Ängste ebenfalls (Lok. Pl.; Nom. Pl.)
ātmāpi cāyaṃ na mama sarvāpi pṛthivī mama; yathā mama tathānyeṣām iti paśyan na muhyati
„Auch dieses Selbst gehört nicht mir, [und] die ganze Erde gehört mir [ebenso wenig]; wie mir, so [gehört sie] auch anderen“: wer so sieht, wird nicht verwirrt.
Wort für Wort
ātmā api ca ayaṃ na mama
auch dieses Selbst [gehört] nicht mir (Nom.; Gen.)
sarvā api pṛthivī mama
auch die ganze Erde [gehört] mir [nicht] (Nom. f.)
yathā mama tathā anyeṣām
wie mir, so anderen (Gen. Pl.)
iti paśyan na muhyati
so sehend wird er nicht verwirrt (Part. Präs.; 3.Sg.Präs.)
sarvāpi pṛthivī mama: Negation aus dem ersten Pāda zu ergänzen (‚auch die ganze Erde nicht‘) oder als ‚die ganze Erde gehört mir [ebenso wenig als Eigentum]‘ [?]
duḥkham evāsti na sukhaṃ tasmāt tad upalabhyate; tṛṣṇārtiprabhavaṃ duḥkhaṃ duḥkhārtiprabhavaṃ sukham
Nur Leid ist da, nicht Glück; deshalb wird dieses [Glück] wahrgenommen. Leid hat seinen Ursprung in Verlangen und Not, Glück im Ursprung aus Leidensnot.
Wort für Wort
duḥkham eva asti na sukham
nur Leid ist, nicht Glück (Nom.; 3.Sg.)
tasmāt tat upalabhyate
deshalb wird jenes [Glück] wahrgenommen (Abl.; Pass.)
tṛṣṇārtiprabhavaṃ duḥkham
Leid, aus Durst und Not entstanden (Nom. n.; Bahuvrīhi)
duḥkhārtiprabhavaṃ sukham
Glück, aus Leidensnot entstanden (Nom. n.)
Erster Halbvers: ‚nur Leid gibt es, kein Glück; deshalb [nur] wird es (das Glück) als solches bemerkt‘, d. h. Glück ist relativ zum Leid [?]
yan nimittaṃ bhavec chokas tāpo vā duḥkhamūrchitaḥ; āyāso vāpi yan mūlas tad ekāṅgam api tyajet
Woraus auch immer Trauer oder Glut oder von Leid Betäubung entsteht, oder worin auch die Mühsal ihre Wurzel hat, das gebe man auf, auch wenn es ein [Teil des eigenen] Körpers ist.
Wort für Wort
yat nimittaṃ bhavet śokaḥ
aus welchem Anlass Trauer entsteht (Nom. n.; Opt. 3.Sg.)
tāpaḥ vā duḥkhamūrchitaḥ
oder Glut, von Leid überwältigt/Betäubung (Nom.; PPP)
āyāsaḥ vā api yanmūlaḥ
oder auch Mühsal, deren Wurzel welche ist (Nom.; Bahuvrīhi)
tat ekāṅgam api tyajet
das, auch wenn es ein Körperglied ist, möge man aufgeben (Opt. 3.Sg.)
duḥkhamūrchitaḥ ist grammatisch masc. und schwer einzuordnen; wiedergegeben als ‚Betäubung durch Leid‘ [?]
īṣad apy aṅga dārāṇāṃ putrāṇāṃ vā carāpriyam; tato jñāsyasi kaḥ kasya kena vā katham eva vā
Auch nur ein wenig Unangenehmes an Gattinnen oder Söhnen, mein Lieber, kommt vor; daraufhin wirst du erkennen, wer wessen [ist], durch wen und wie.
Wort für Wort
īṣat api aṅga dārāṇām
auch nur ein wenig, mein Lieber, bei Gattinnen (Adv.; Vok.; Gen. Pl.)
putrāṇāṃ vā cara apriyam
oder bei Söhnen, tu/verhalte dich: Unliebes (Gen. Pl.; Imp.; Akk.)
tataḥ jñāsyasi
daraufhin wirst du erkennen (Fut. 2.Sg.)
kaḥ kasya kena vā katham eva vā
wer wessen, durch wen oder auf welche Weise (Nom.; Gen.; Instr.)
carāpriyam: Text unsicher/verderbt; ‚cara‘ kaum sinnvoll als Imperativ, vielleicht ‚ca‘ + ‚apriyam‘ ‚oder Unliebes‘; die Wiedergabe ist eine Vermutung [?]
ye ca mūḍhatamā loke ye ca buddheḥ paraṃ gatāḥ; ta eva sukham edhante madhyaḥ kleśena yujyate
Die im höchsten Grade Törichten in der Welt und die, die über den Verstand hinausgegangen sind – eben sie gedeihen im Glück; der in der Mitte [Stehende] wird mit Mühsal verbunden.
Wort für Wort
ye ca mūḍhatamāḥ loke
die, welche am törichtesten in der Welt sind (Nom. Pl.; Superl.)
ye ca buddheḥ param gatāḥ
und die, welche jenseits des Verstandes gegangen sind (Abl.; PPP)
te eva sukham edhante
eben sie gedeihen im Glück (3.Pl.Präs. Med.)
madhyaḥ kleśena yujyate
der in der Mitte wird mit Plage verbunden (Nom.; Instr.; Pass.)
sukhaṃ ca duḥkhaṃ ca bhavābhavau ca; lābhālābhau maraṇaṃ jīvitaṃ ca; paryāyaśaḥ sarvam iha spṛśanti; tasmād dhīro naiva hṛṣyen na kupyet
Glück und Leid, Werden und Vergehen, Gewinn und Verlust, Tod und Leben: alles dies berührt hier der Reihe nach [jeden]; darum soll der Standhafte weder frohlocken noch zürnen.
Wort für Wort
sukhaṃ ca duḥkhaṃ ca
Glück und Leid
bhavābhavau ca lābhālābhau
Werden und Vergehen, Gewinn und Verlust (Nom. Du.)
maraṇaṃ jīvitaṃ ca
Tod und Leben
paryāyaśaḥ sarvam iha spṛśanti
der Reihe nach alles berührt hier (Adv.; 3.Pl.Präs.)
tasmāt dhīraḥ na eva hṛṣyet na kupyet
darum soll der Weise weder frohlocken noch zürnen (Nom.; Opt. 3.Sg.)
dīkṣāṃ yajñe pālanaṃ yuddham āhur; yogaṃ rāṣṭre daṇḍanītyā ca samyak; vittatyāgaṃ dakṣiṇānāṃ ca yajñe; samyag jñānaṃ pāvanānīti vidyāt
Die Weihe beim Opfer, den Schutz [der Untertanen], den Kampf, die Sammlung im Reich durch rechte Rechtsordnung und Strafgewalt, das Aufgeben von Besitz bei Opferlohnen im Opfer, und rechtes Wissen soll man als Reinigungsmittel kennen.
Wort für Wort
dīkṣāṃ yajñe pālanaṃ yuddham
die Weihe beim Opfer, Schutz, Kampf (Akk.)
āhuḥ
man nennt [sie] (Perf. 3.Pl.)
yogaṃ rāṣṭre daṇḍanītyā ca samyak
das Einsatzbereitsein/Yoga im Reich durch Strafrecht recht (Akk.; Instr.; Adv.)
vittatyāgaṃ dakṣiṇānāṃ ca yajñe
und das Hergeben von Besitz als Opferlohn im Opfer (Akk.; Gen. Pl.)
samyag jñānaṃ pāvanāni iti vidyāt
rechtes Wissen [als] Reinigungsmittel soll man erkennen (Akk.; Nom. Pl.; Opt.)
Wer das Reich klug und mit Politik schützt, sich selbst [dem Opfer] hingegeben hat, dem Opfer ergeben und hochgesinnt ist und in der Verkörperung des Dharma alle Welten durchschreitet, der freut sich nach [Verlassen des] Körpers in der Götterwelt oben.
Wort für Wort
rakṣan rāṣṭraṃ buddhipūrvaṃ nayena
das Reich schützend, mit Bedacht und Klugheit (Part.; Akk.; Instr.)
saṃtyaktātmā yajñaśīlaḥ mahātmā
selbstlos, dem Opfer ergeben, hochgesinnt (Nom.)
sarvān lokān dharmamūrtyā caran ca api
und alle Welten in Dharma-Gestalt durchwandernd (Akk. Pl.; Instr.; Part.)
ūrdhvaṃ dehāt modate devaloke
nach dem Körper oben freut er sich in der Götterwelt (Abl.; 3.Sg.Präs. Med.; Lok.)
Wer Schlachten gewinnt, das Reich schützt, Soma trinkt, die Untertanen gedeihen lässt und mit Umsicht die Strafgewalt über die Untertanen führt, freut sich, im Kampf gefallen, in der Götterwelt.
Wort für Wort
jitvā saṃgrāmān pālayitvā ca rāṣṭram
Schlachten gewonnen, das Reich geschützt habend (Abs.)
somaṃ pītvā vardhayitvā prajāḥ ca
Soma getrunken, die Untertanen gemehrt habend
yuktyā daṇḍaṃ dhārayitvā prajānām
mit Umsicht die Strafgewalt über die Untertanen geführt habend (Instr.; Abs.; Gen.)
yuddhe kṣīṇaḥ modate devaloke
im Kampf gefallen freut er sich in der Götterwelt (Nom. PPP)
Sie opfern Opfer, sie erobern Königreiche, und sie schützen die Reiche und deren Liebes.
Wort für Wort
yajanti yajñān vijayanti rājyam
sie opfern Opfer, sie erobern Herrschaft (3.Pl.Präs.)
rakṣanti rāṣṭrāṇi priyāṇi ca eṣām
sie schützen die Reiche und deren Liebes (Akk. Pl.; Gen. Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; ‚priyāṇi ca eṣām‘ (‚und deren Liebes‘) Bezug unklar [?]
samyag vedān prāpya śāstrāṇy adhītya; samyag rāṣṭraṃ pālayitvā ca rājā; cāturvarṇyaṃ sthāpayitvā svadharme; pūtātmā vai modate devaloke
Wer die Veden recht erlangt, die Lehrschriften studiert, das Reich recht schützt, die vier Stände in ihrem je eigenen Dharma festigt, der König freut sich, im Selbst gereinigt, in der Götterwelt.
Wort für Wort
samyag vedān prāpya śāstrāṇi adhītya
recht die Veden erlangt, die Lehren studiert habend (Abs.)
samyag rāṣṭraṃ pālayitvā ca rājā
und recht das Reich geschützt habend, der König (Abs.; Nom.)
cāturvarṇyaṃ sthāpayitvā svadharme
die Vierstände-Ordnung im eigenen Dharma festgesetzt habend (Akk.; Abs.; Lok.)
pūtātmā vai modate devaloke
gereinigten Selbstes freut er sich in der Götterwelt (Nom.; 3.Sg.)
yasya vṛttaṃ namasyanti svargasthasyāpi mānavāḥ; paurajānapadāmātyāḥ sa rājā rājasattamaḥ
Dessen Wandel selbst dem, der im Himmel weilt, die Menschen verehren – die Städter, Landbewohner und Minister –, der ist ein König, der beste der Könige.
Wort für Wort
yasya vṛttaṃ namasyanti
dessen Verhalten verehren sie (Gen.; Akk.; 3.Pl.Präs.)
svargasthasya api mānavāḥ
auch wenn er im Himmel weilt, die Menschen (Gen.; Nom. Pl.)
paurajānapadāmātyāḥ
Städter, Landleute und Minister (Nom. Pl.; Dvandva)
asminn eva prakaraṇe dhanaṃjayam udāradhīḥ; abhinītataraṃ vākyam ity uvāca yudhiṣṭhiraḥ; yad etan manyase pārtha na jyāyo 'sti dhanād iti; na svargo na sukhaṃ na śrīr nirdhanasyeti tan mṛṣā; svādhyāyayajñasaṃsiddhā dṛśyante bahavo janāḥ; taporatāś ca munayo yeṣāṃ lokāḥ sanātanāḥ; ṛṣīṇāṃ samayaṃ śaśvad ye rakṣanti dhanaṃjaya; āśritāḥ sarvadharmajñās tān devā brāhmaṇān viduḥ; svādhyāyaniṣṭhāṃś ca munīñ jñānaniṣṭhāṃs tathāparān; budhyethāḥ saṃtataṃ cāpi karmaniṣṭhān dhanaṃjaya; jñānaniṣṭheṣu kāryāṇi pratiṣṭhāpyāni pāṇḍava; vaikhānasānāṃ vacanaṃ yathā no viditaṃ purā; ajāś ca pṛśnayaś caiva sikatāś caiva bhārata; aruṇāḥ ketavaś caiva svādhyāyena divaṃ gatāḥ; avāpyaitāni karmāṇi vedoktāni dhanaṃjaya; dānam adhyayanaṃ yajño nigrahaś caiva durgrahaḥ; dakṣiṇena ca panthānam aryamṇo ye divaṃ gatāḥ; etān kriyāvatāṃ lokān uktavān pūrvam apy aham; uttareṇa tu panthānaṃ niyamādyaṃ prapaśyasi; ete tyāgavatāṃ lokā bhānti pārtha sanātanāḥ; tatrottarāṃ gatiṃ pārtha praśaṃsanti purāvidaḥ; saṃtoṣāt svargagamanaṃ saṃtoṣaḥ paramaṃ sukham; tuṣṭer na kiṃ cit parataḥ sā samyak pratitiṣṭhati; vinītakrodhaharṣasya satataṃ siddhir uttamā; atrāpy udāharantīmā gāthā gītā yayātinā; yābhiḥ pratyāharet kāmān kūrmo 'ṅgānīva sarvaśaḥ; yadā cāyaṃ na bibheti yadā cāsmān na bibhyati; yadā necchati na dveṣṭi brahma saṃpadyate tadā; yadā na bhāvaṃ kurute sarvabhūteṣu pāpakam; karmaṇā manasā vācā brahma saṃpadyate tadā; vinītamānamohasya bahusaṅgavivarjinaḥ; tadātmajyotiṣaḥ sādhor nirvāṇam upapadyate; idaṃ tu śṛṇu me pārtha bruvataḥ saṃyatendriyaḥ; dharmam anye vṛttam anye dhanam īhanti cāpare; dhanahetor ya īheta tasyānīhā garīyasī; bhūyān doṣo hi vitteṣu yaś ca dharmas tadāśrayaḥ; pratyakṣam anupaśyāmas tvam api draṣṭum arhasi; varjanaṃ varjanīyānām īhamānena duṣkaram; ye vittam abhipadyante samyak teṣu sudurlabham; druhyataḥ praiti tat prāhuḥ pratikūlaṃ yathātatham; yas tu saṃbhinnavṛttaḥ syād vītaśokabhayo naraḥ; alpena tṛṣito druhyan bhrūṇahatyāṃ na budhyate; duṣyanty ādadato bhṛtyā nityaṃ dasyubhayād iva; durlabhaṃ ca dhanaṃ prāpya bhṛśaṃ dattvānutapyate; adhanaḥ kasya kiṃ vācyo vimuktaḥ sarvataḥ sukhī; devasvam upagṛhyaiva dhanena na sukhī bhavet; atra gāthāṃ yajñagītāṃ kīrtayanti purāvidaḥ; trayīm upāśritāṃ loke yajñasaṃstarakārikām; yajñāya sṛṣṭāni dhanāni dhātrā; yajñāya sṛṣṭaḥ puruṣo rakṣitā ca; tasmāt sarvaṃ yajña evopayojyaṃ; dhanaṃ na kāmāya hitaṃ praśastam; etasyārthe ca kaunteya dhanaṃ dhanavatāṃ vara; dhātā dadāti martyebhyo yajñārtham iti viddhi tat; tasmād budhyanti puruṣā na hi tat kasya cid dhruvam; śraddadhānas tato loke dadyāc caiva yajeta ca; labdhasya tyāgam evāhur na bhogaṃ na ca saṃkṣayam; tasya kiṃ saṃcayenārthaḥ kārye jyāyasi tiṣṭhati; ye svadharmād apetebhyaḥ prayacchanty alpabuddhayaḥ; śataṃ varṣāṇi te pretya purīṣaṃ bhuñjate janāḥ; anarhate yad dadāti na dadāti yad arhate; arhānarhāparijñānād dānadharmo 'pi duṣkaraḥ; labdhānāṃ dravyajātānāṃ boddhavyau dvāv atikramau; apātre pratipattiś ca pātre cāpratipādanam
In eben diesem Zusammenhang sprach der hochgesinnte Yudhiṣṭhira zu Dhanaṃjaya folgendes trefflich ausgeführte Wort: „Was du, Pārtha, da meinst – ‚es gibt nichts Besseres als Reichtum; für den Mittellosen gibt es weder Himmel noch Glück noch Glanz‘ –, das ist falsch. Viele Menschen sieht man durch Veda-Studium und Opfer zur Vollendung gelangt, und Weise, die der Askese ergeben sind, deren Welten ewig sind. Die, Dhanaṃjaya, die beständig die Satzung der Seher wahren, [bei ihr] Zuflucht genommen habend, alle des Dharma kundig – die kennen die Götter als Brahmanen. Erkenne stets Weise, die im Veda-Studium fest sind, andere, die im Wissen fest sind, und ebenso die im Ritualwerk Festen, Dhanaṃjaya. Bei den im Wissen Festen sind die Aufgaben zu gründen, Pāṇḍava – [so] die Rede der Vaikhānasas, wie sie uns von früher bekannt ist. Die Ajas und Pṛśnis und Sikatas, Bhārata, die Aruṇas und Ketus sind durch das Veda-Studium zum Himmel gegangen. Nachdem sie diese im Veda genannten Werke vollbracht hatten, Dhanaṃjaya – Gabe, Studium, Opfer und die schwer zu bewerkstelligende Zügelung –, gingen sie zum Himmel auf dem südlichen Pfad des Aryaman; diese Welten der Werktätigen habe ich auch früher schon genannt. Auf dem nördlichen Pfad aber erblickst du den, der mit Selbstzucht beginnt; diese Welten der Entsagenden, Pārtha, leuchten ewig. Dort preisen die Kenner des Alten, Pārtha, die nördliche Bahn: Aus Zufriedenheit [folgt] der Gang zum Himmel; Zufriedenheit ist das höchste Glück. Über die Zufriedenheit hinaus [gibt es] nichts; sie steht recht gegründet. Wer Zorn und Freude gebändigt hat, dem [wird] beständig die höchste Vollendung. Auch hierzu führt man diese von Yayāti gesungenen Strophen an, durch die man die Begierden ganz zurückziehen soll wie die Schildkröte ihre Glieder: Wenn dieser sich nicht fürchtet und man sich nicht vor uns [?] fürchtet, wenn er weder begehrt noch hasst, dann wird er zum Brahman. Wenn er gegenüber allen Wesen keine üble Gesinnung hegt, in Tat, Gedanken und Wort, dann wird er zum Brahman. Dem, dessen Stolz und Verblendung gebändigt sind, der viele Bindungen meidet, dessen Licht dann das Selbst ist – dem Guten wird das Erlöschen zuteil. Höre aber dies von mir, Pārtha, der ich mit gezügelten Sinnen spreche: Die einen streben nach Dharma, andere nach [gutem] Wandel, wieder andere nach Reichtum. Wer um des Reichtums willen strebt – dessen Nichtstreben ist gewichtiger; denn größer ist der Fehler bei Besitztümern, und [ebenso] der Dharma, der darauf beruht. Wir sehen es unmittelbar vor Augen; auch du kannst es sehen. Das Meiden des zu Meidenden ist für den Strebenden schwer. Bei denen, die Besitz erwerben, ist [rechtes Verhalten] sehr schwer zu finden. Es geht von dem, der Schaden zufügt, weg, sagen sie – das Widrige, wie es wirklich ist [?]. Ein Mann aber, dessen Wandel zerrüttet ist, ohne Kummer und Furcht, nach Geringem dürstend und Schaden zufügend, erkennt [selbst] Mord an einem Embryo nicht [als solchen]. Die Diener verderben sich [bei dem], der nimmt, beständig wie aus Furcht vor Räubern; und wer schwer erlangten Reichtum erlangt hat, bereut sehr, ihn gegeben zu haben. Der Besitzlose – was ist ihm von wem vorzuwerfen? Von allem gelöst, ist er glücklich. Wer sich Götter-Eigentum aneignet, wird durch Reichtum nicht glücklich. Hierzu rezitieren die Kenner des Alten eine im Opfer gesungene Strophe, die sich auf die Dreifache [Veda-]Lehre stützt und in der Welt die Ausbreitung des Opfers bewirkt: Für das Opfer sind die Reichtümer vom Schöpfer geschaffen, für das Opfer ist der Mensch geschaffen, und [zwar] als Hüter. Darum ist alles im Opfer einzusetzen; Reichtum für Begierde gilt nicht als heilsam [und] nicht als gepriesen. Und zu diesem Zweck, Kaunteya, Bester der Reichen, gibt der Schöpfer den Sterblichen Reichtum: Wisse, es ist für das Opfer. Darum erkennen die Menschen, dass er keinem beständig gehört. Vertrauend soll man daher in der Welt geben und opfern. Vom Erworbenen, sagen sie, [gilt] das Weggeben, nicht der Genuss noch der Verzehr. Wozu für ihn [ein] Ansammeln, wenn eine bedeutendere Aufgabe besteht? Die Unverständigen, die denen geben, die vom eigenen Dharma abgewichen sind, essen als Menschen hundert Jahre nach dem Tod Kot. Was man einem Unwürdigen gibt und was man einem Würdigen nicht gibt – wegen der Unkenntnis von Würdigem und Unwürdigem ist selbst der Dharma des Gebens schwer [zu üben]. Bei erworbenen Gütern sind zwei Verfehlungen zu beachten: die Gabe an einen Unwürdigen und das Nichtgeben an einen Würdigen.“
Wort für Wort
asmin eva prakaraṇe dhanaṃjayam udāradhīḥ
in eben diesem Zusammenhang (Lok. Sg. n.); zu Dhanaṃjaya, der Hochgesinnte (Akk.; Nom.)
folgendes trefflich gefügte Wort sprach Yudhiṣṭhira (Akk. n. Komp.; Perf. 3.Sg.); dass du dies meinst, Pārtha (2.Sg.Präs. Med.; Vok.)
na jyāyaḥ asti dhanāt iti na svargaḥ na sukhaṃ na śrīḥ nirdhanasya iti tat mṛṣā
nichts Besseres gibt es als Reichtum, so (Abl.); nicht Himmel, Glück, Glanz für den Mittellosen, das [ist] falsch (Gen.; Nom.)
svādhyāyayajñasaṃsiddhāḥ dṛśyante bahavaḥ janāḥ taporatāḥ ca munayaḥ yeṣāṃ lokāḥ sanātanāḥ
durch Veda-Studium und Opfer vollendet sieht man viele Menschen (Nom. Pl.; Pass.); und asketisch ergebene Weise, deren Welten ewig sind (Nom. Pl.; Gen. Pl.)
die Satzung der Seher stets wahren, Dhanaṃjaya (Gen. Pl.; Akk.; 3.Pl.Präs.; Vok.); [sie] als Zuflucht nehmend, alles Dharma kundig – sie kennen die Götter als Brahmanen (PPP; Nom.; Akk.; Perf. 3.Pl.)
svādhyāyaniṣṭhān ca munīn jñānaniṣṭhān tathā aparān
und Weise, im Veda-Studium fest (Akk. Pl.); im Wissen fest, ebenso andere (Akk. Pl.)
budhyethāḥ saṃtataṃ ca api karmaniṣṭhān dhanaṃjaya jñānaniṣṭheṣu kāryāṇi pratiṣṭhāpyāni pāṇḍava
erkenne auch stets die im Ritualwerk Festen, Dhanaṃjaya (Opt. 2.Sg. Med.; Akk. Pl.); bei den im Wissen Festen sind Aufgaben zu gründen, Pāṇḍava (Lok. Pl.; Gerundiv)
vaikhānasānāṃ vacanaṃ yathā naḥ viditaṃ purā ajāḥ ca pṛśnayaḥ ca eva sikatāḥ ca eva bhārata
die Rede der Vaikhānasas, wie sie uns früher bekannt ist (Gen. Pl.; Nom.; PPP); Ajas, Pṛśnis, Sikatas, Bhārata (Nom. Pl.; Vok.)
aruṇāḥ ketavaḥ ca eva svādhyāyena divaṃ gatāḥ avāpya etāni karmāṇi vedoktāni dhanaṃjaya
Aruṇas und Ketus gingen durch Veda-Studium zum Himmel (Nom. Pl.; Instr.; PPP); nachdem sie diese im Veda genannten Werke erlangt/vollbracht (Abs.; Akk. Pl.; Vok.)
dānam adhyayanaṃ yajñaḥ nigrahaḥ ca eva durgrahaḥ dakṣiṇena ca panthānam aryamṇaḥ ye divaṃ gatāḥ
Gabe, Studium, Opfer und Zügelung, schwer zu fassende (Nom.); die auf dem südlichen Pfad des Aryaman zum Himmel gingen (Instr.; Akk.; Gen.; PPP)
etān kriyāvatāṃ lokān uktavān pūrvam api aham uttareṇa tu panthānaṃ niyamādyaṃ prapaśyasi
diese Welten der Werktätigen habe ich früher schon genannt (Akk. Pl.; Gen. Pl.; Part. Perf.); auf dem nördlichen Pfad aber siehst du den mit Selbstzucht beginnenden (Instr.; Akk.; 2.Sg.Präs.)
diese Welten der Entsagenden leuchten ewig, Pārtha (Nom. Pl.; 3.Pl.Präs.); dort preisen die Kenner des Alten die nördliche Bahn (Akk.; 3.Pl.Präs.; Nom. Pl.)
aus Zufriedenheit Himmelsgang; Zufriedenheit höchstes Glück (Abl.; Nom.); über Zufriedenheit hinaus nichts; sie steht recht gefestigt (Abl.; 3.Sg.Präs.)
für den mit gebändigtem Zorn und Freude beständig höchste Vollendung (Gen.; Nom.); auch hierzu führt man an diese von Yayāti gesungenen Strophen (Nom. Pl. f.; Instr.)
yābhiḥ pratyāharet kāmān kūrmaḥ aṅgāni iva sarvaśaḥ yadā ca ayaṃ na bibheti yadā ca asmān na bibhyati
durch die man Begierden zurückziehen soll, wie eine Schildkröte die Glieder ganz (Instr.; Opt.; Akk. Pl.); wenn dieser sich nicht fürchtet und man sich vor uns [?] nicht fürchtet (3.Sg./3.Pl.Präs.; Abl./Akk.)
yadā na icchati na dveṣṭi brahma saṃpadyate tadā yadā na bhāvaṃ kurute sarvabhūteṣu pāpakam
wenn er nicht begehrt, nicht hasst, wird er dann zu Brahman (3.Sg.Präs. Med.); wenn er keine üble Gesinnung hegt gegen alle Wesen (Akk.; Lok. Pl.)
in Tat, Geist und Wort wird er dann zu Brahman (Instr.); dessen Stolz und Wahn gebändigt, der viele Bindungen meidet (Gen.)
tadātmajyotiṣaḥ sādhoḥ nirvāṇam upapadyate idaṃ tu śṛṇu me pārtha bruvataḥ saṃyatendriyaḥ
dessen Licht dann das Selbst ist, dem Guten wird Erlöschen zuteil (Gen.; Akk.; 3.Sg.Präs. Med.); dies aber höre von mir, Pārtha, der ich mit gezügelten Sinnen spreche (Imp.; Gen. Part.)
dharmam anye vṛttam anye dhanam īhanti ca apare dhanahetoḥ yaḥ īheta tasya anīhā garīyasī
die einen streben Dharma, andere Wandel, andere Reichtum (Akk.; 3.Pl.Präs. Med.); wer um des Reichtums willen strebt, dessen Nichtstreben ist gewichtiger (Abl.; Opt.; Komp. f.)
bhūyān doṣaḥ hi vitteṣu yaḥ ca dharmaḥ tadāśrayaḥ pratyakṣam anupaśyāmaḥ tvam api draṣṭum arhasi
größer ist der Fehler bei Besitztümern und der Dharma, der darauf beruht (Nom.; Lok. Pl.); wir sehen es unmittelbar, auch du kannst es sehen (1.Pl.Präs.; Inf.)
varjanaṃ varjanīyānām īhamānena duṣkaram ye vittam abhipadyante samyak teṣu sudurlabham
das Meiden des zu Meidenden ist für den Strebenden schwer (Gen. Pl.; Instr.); bei denen, die Besitz erwerben, ist [Rechtes] sehr schwer zu finden (Akk.; Lok. Pl.)
druhyataḥ praiti tat prāhuḥ pratikūlaṃ yathātatham yaḥ tu saṃbhinnavṛttaḥ syāt vītaśokabhayaḥ naraḥ
vom Schädigenden geht es weg, sagen sie, das Widrige, wie es wirklich ist (Gen./Abl.; 3.Sg.Präs.; Perf. 3.Pl.); ein Mann aber, der von zerrüttetem Wandel, frei von Kummer und Furcht sein mag (Nom.; Opt.)
nach Geringem dürstend, Schaden zufügend, erkennt Embryomord nicht (Instr.; Part.; Akk.); die Diener verderben [bei] dem Nehmenden stets wie aus Räuberfurcht (3.Pl.Präs.; Gen. Part.; Abl.)
und schwer erlangten Reichtum erlangt, bereut man sehr, [ihn] gegeben zu haben (Abs.; 3.Sg.Präs. Pass.); der Besitzlose, wem was vorzuwerfen? von allem gelöst, glücklich (Nom.; Gerundiv; PPP)
devasvam upagṛhya eva dhanena na sukhī bhavet atra gāthāṃ yajñagītāṃ kīrtayanti purāvidaḥ
Götter-Eigentum an sich gezogen, wird er durch Reichtum nicht glücklich (Akk.; Abs.; Opt.); hierzu rezitieren die Kenner des Alten eine im Opfer gesungene Strophe (Akk.; 3.Pl.Präs.)
die sich auf die Dreifach-Lehre stützt, in der Welt die Opferausbreitung bewirkt (Akk. f.); für das Opfer geschaffen die Reichtümer vom Schöpfer (Dat.; PPP; Instr.)
yajñāya sṛṣṭaḥ puruṣaḥ rakṣitā ca tasmāt sarvaṃ yajñe eva upayojyam
für das Opfer geschaffen der Mensch, und als Hüter (Nom.); darum ist alles nur im Opfer einzusetzen (Lok.; Gerundiv)
dhanaṃ na kāmāya hitaṃ praśastam etasya arthe ca kaunteya dhanaṃ dhanavatāṃ vara
Reichtum ist nicht für Begierde heilsam [oder] gepriesen (Dat.; Adj.); und zu diesem Zweck, Kaunteya, Bester der Reichen, Reichtum (Lok.; Vok.; Gen. Pl.)
dhātā dadāti martyebhyaḥ yajñārtham iti viddhi tat tasmāt budhyanti puruṣāḥ na hi tat kasya cit dhruvam
der Schöpfer gibt den Sterblichen, für das Opfer; wisse dies (3.Sg.Präs.; Dat. Pl.; Imp.); darum erkennen Menschen: es ist keinem beständig (3.Pl.Präs.; Nom.)
śraddadhānaḥ tataḥ loke dadyāt ca eva yajeta ca labdhasya tyāgam eva āhuḥ na bhogaṃ na ca saṃkṣayam
vertrauend soll man daher in der Welt geben und opfern (Part.; Opt.); vom Erworbenen [gilt] das Weggeben, sagen sie, nicht Genuss, nicht Verzehr (Gen.; Akk.)
wozu ihm Ansammeln, wenn eine bedeutendere Aufgabe besteht (Instr.; Lok. Komp.); die Unverständigen, die denen geben, die vom eigenen Dharma abgewichen (Abl.; Dat. Pl. PPP)
śataṃ varṣāṇi te pretya purīṣaṃ bhuñjate janāḥ anarhate yat dadāti na dadāti yat arhate
hundert Jahre essen sie nach dem Tod Kot (Akk.; Abs.; 3.Pl.Präs. Med.); was man dem Unwürdigen gibt, nicht gibt dem Würdigen (Dat.)
arhānarhāparijñānāt dānadharmaḥ api duṣkaraḥ labdhānāṃ dravyajātānāṃ boddhavyau dvau atikramau
aus Nichterkennen von Würdig und Unwürdig ist selbst der Gabe-Dharma schwer (Abl.; Nom.); bei erworbenen Gütern sind zwei Verfehlungen zu beachten (Gen. Pl.; Nom. Du.; Gerundiv)
apātre pratipattiḥ ca pātre ca apratipādanam
Gabe an Unwürdigen und Nichtgeben an Würdigen (Lok.; Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sehr lange Zusatzpassage (Sternabschnitt); ‚asmān‘ (v. 16) evtl. für ‚asmāt‘ [?]; einzelne Halbverse (‚druhyataḥ praiti…‘) sind dunkel.