Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 198: buddhimanoguṇanirguṇabrahmavicāra Über Geist, Buddhi, Eigenschaften und das eigenschaftslose Brahman

Lehrrede über das Verhältnis von Erkenntnis, Geist und Buddhi zum eigenschaftslosen Brahman; eingeleitet durch eine Zusatzpassage Manus über den Umgang mit Leid.

manur uvāca; duḥkhopaghāte śārīre mānase cāpy upasthite; yasmin na śakyate kartuṃ yatnas taṃ nānucintayet; bhaiṣajyam etad duḥkhasya yad etan nānucintayet; cintyamānaṃ hi cābhyeti bhūyaś cāpi pravartate; prajñayā mānasaṃ duḥkhaṃ hanyāc chārīram auṣadhaiḥ; etad vijñānasāmarthyaṃ na bālaiḥ samatām iyāt; anityaṃ yauvanaṃ rūpaṃ jīvitaṃ dravyasaṃcayaḥ; ārogyaṃ priyasaṃvāso gṛdhyet tatra na paṇḍitaḥ; na jānapadikaṃ duḥkham ekaḥ śocitum arhati; aśocan pratikurvīta yadi paśyed upakramam; sukhād bahutaraṃ duḥkhaṃ jīvite nāsti saṃśayaḥ; snigdhasya cendriyārtheṣu mohān maraṇam apriyam; parityajati yo duḥkhaṃ sukhaṃ vāpy ubhayaṃ naraḥ; abhyeti brahma so 'tyantaṃ na te śocanti paṇḍitāḥ; duḥkham arthā hi yujyante pālane na ca te sukham; duḥkhena cādhigamyante nāśam eṣāṃ na cintayet

Manu sprach: „Wenn Leid den Körper oder auch den Geist befallen hat, soll man an das, wogegen man nichts unternehmen kann, nicht [weiter] denken. Dies ist das Heilmittel gegen Leid: dass man nicht darüber nachsinnt. Denn wenn man darüber nachsinnt, kehrt es wieder und stellt sich noch stärker ein. Durch Einsicht soll man das geistige Leid vertreiben, das körperliche durch Arzneien. Diese Kraft der Unterscheidungserkenntnis erreichen Toren nicht [wörtlich: kommt bei Toren nicht gleich]. Vergänglich sind Jugend, Schönheit, Leben, Anhäufung von Besitz, Gesundheit und das Zusammensein mit Lieben; danach soll der Weise nicht gieren. Ein Leid, das die ganze Landschaft [die Allgemeinheit] trifft, darf einer allein nicht beklagen. Ohne zu klagen soll man Abhilfe schaffen, wenn man ein Mittel sieht. Mehr Leid als Freude gibt es im Leben, daran ist kein Zweifel; und für den, der an den Sinnesobjekten hängt, ist der Tod aus Verblendung unerwünscht. Der Mensch, der Leid und Glück, beides, aufgibt, gelangt vollständig zum Brahman; solche Weisen trauern nicht. Besitztümer sind mit Leid verbunden: beim Bewahren [erwächst] ihnen kein Glück; mit Mühe werden sie erworben; über ihren Verlust soll man nicht nachgrübeln.“

Wort für Wort
manur uvāca
Manu sprach (Nom.Sg. / Perf.3.Sg.)
duḥkhopaghāte śārīre mānase cāpy upasthite
wenn Leid, [als] Schlag, körperlich oder geistig, eingetreten ist (Lok.abs.)
yasmin na śakyate kartuṃ yatnas taṃ nānucintayet
worin man nicht Mühe aufwenden kann, das soll man nicht bedenken (Pass.Präs. / Opt.3.Sg.)
bhaiṣajyam etad duḥkhasya yad etan nānucintayet
dies ist das Heilmittel des Leids: dass man nicht darüber nachsinnt (Gen. / Opt.)
cintyamānaṃ hi cābhyeti bhūyaś cāpi pravartate
denn bedacht kehrt es wieder und setzt sich noch mehr fort (Part.Pass. / 3.Sg.Präs.)
prajñayā mānasaṃ duḥkhaṃ hanyāc chārīram auṣadhaiḥ
durch Einsicht das geistige Leid soll man vertreiben, das körperliche durch Arzneien (Instr. / Opt.)
etad vijñānasāmarthyaṃ na bālaiḥ samatām iyāt
diese Kraft der Erkenntnis kommt bei Törichten nicht gleich (Nom. / Instr.Pl. / Opt.)
anityaṃ yauvanaṃ rūpaṃ jīvitaṃ dravyasaṃcayaḥ
vergänglich [sind] Jugend, Schönheit, Leben, Anhäufung von Besitz (Nom.)
ārogyaṃ priyasaṃvāso gṛdhyet tatra na paṇḍitaḥ
Gesundheit, Zusammenleben mit Lieben; danach soll der Weise nicht gieren (Nom. / Opt.3.Sg.)
na jānapadikaṃ duḥkham ekaḥ śocitum arhati
ein allgemeines Leid darf einer allein nicht beklagen (Akk.Sg.n. / Inf.)
aśocan pratikurvīta yadi paśyed upakramam
nicht klagend soll er Abhilfe schaffen, wenn er ein Mittel sieht (Part.Präs. / Opt.)
sukhād bahutaraṃ duḥkhaṃ jīvite nāsti saṃśayaḥ
mehr Leid als Freude [gibt es] im Leben, kein Zweifel (Abl. / Lok.)
snigdhasya cendriyārtheṣu mohān maraṇam apriyam
für den an Sinnesobjekten Hängenden ist aus Verblendung der Tod unlieb (Gen. / Lok.Pl. / Abl.)
parityajati yo duḥkhaṃ sukhaṃ vāpy ubhayaṃ naraḥ
der Mensch, der Leid oder Glück, beides, aufgibt (3.Sg.Präs.)
abhyeti brahma so 'tyantaṃ na te śocanti paṇḍitāḥ
der gelangt ganz zum Brahman; solche Weisen trauern nicht (3.Sg.Präs.)
duḥkham arthā hi yujyante pālane na ca te sukham
Besitztümer sind mit Leid verbunden, beim Hüten [gibt es] kein Glück für sie (Pass.3.Pl. / Lok.)
duḥkhena cādhigamyante nāśam eṣāṃ na cintayet
und mit Mühe werden sie erlangt; ihren Untergang soll man nicht bedenken (Pass.3.Pl. / Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften). „jānapadika“ (allgemein, die Landschaft betreffend) sinngemäß wiedergegeben.

jñānaṃ jñeyābhinirvṛttaṃ viddhi jñānaguṇaṃ manaḥ; prajñākaraṇasaṃyuktaṃ tato buddhiḥ pravartate

Wisse: Erkenntnis ist das, was aus dem Erkennbaren hervorgeht, [und] der Geist hat die Erkenntnis zur Eigenschaft; ist er mit dem Werkzeug der Einsicht verbunden, dann entfaltet sich die Buddhi.

Wort für Wort
jñānaṃ jñeyābhinirvṛttaṃ
Erkenntnis, aus dem Erkennbaren entstanden (Nom. / Part.Pass.)
viddhi jñānaguṇaṃ manaḥ
wisse: der Geist hat Erkenntnis als Eigenschaft (Imp.2.Sg. / Bahuvrīhi)
prajñākaraṇasaṃyuktaṃ
mit dem Werkzeug der Einsicht verbunden (Tatpuruṣa)
tato buddhiḥ pravartate
dann tritt die Buddhi in Tätigkeit (3.Sg.Präs.)

yadā karmaguṇopetā buddhir manasi vartate; tadā prajñāyate brahma dhyānayogasamādhinā

Wenn die mit der Eigenschaft des Handelns [Werkens] ausgestattete Buddhi im Geist wirkt, dann wird das Brahman erkannt durch die Sammlung im Yoga der Meditation.

Wort für Wort
yadā karmaguṇopetā
wenn ausgestattet mit der Eigenschaft des Handelns (Part.Pass.)
buddhir manasi vartate
die Buddhi im Geist wirkt (Lok. / 3.Sg.)
tadā prajñāyate brahma
dann wird das Brahman erkannt (Pass.3.Sg.)
dhyānayogasamādhinā
durch die Sammlung im Meditations-Yoga (Instr.)

seyaṃ guṇavatī buddhir guṇeṣv evābhivartate; avatārābhiniḥsrotaṃ gireḥ śṛṅgād ivodakam

Diese eigenschaftshaltige Buddhi wendet sich nur den Eigenschaften zu, wie Wasser vom Berggipfel, das in [Wasser-]Läufen herabstürzt.

Wort für Wort
seyaṃ guṇavatī buddhir
diese eigenschaftshaltige Buddhi (Nom.Sg.f.)
guṇeṣv evābhivartate
wendet sich nur den Eigenschaften zu (Lok.Pl. / 3.Sg.)
avatārābhiniḥsrotam
herabstürzend, Ströme bildend (Adj.)
gireḥ śṛṅgād ivodakam
wie Wasser vom Gipfel des Berges (Abl. / Nom.)

Zweiter Halbvers syntaktisch knapp; „avatārābhiniḥsrotam“ unsicher [?].

yadā nirguṇam āpnoti dhyānaṃ manasi pūrvajam; tadā prajñāyate brahma nikaṣyaṃ nikaṣe yathā

Wenn sie die eigenschaftslose, dem Geist vorausgehende Meditation erreicht, dann wird das Brahman erkannt, wie das Prüfbare am Probierstein.

Wort für Wort
yadā nirguṇam āpnoti
wenn sie das Eigenschaftslose erreicht (3.Sg.Präs.)
dhyānaṃ manasi pūrvajam
die Meditation, im Geist zuvor entstanden (Akk. / Lok. / Adj.)
tadā prajñāyate brahma
dann wird das Brahman erkannt (Pass.)
nikaṣyaṃ nikaṣe yathā
wie das Prüfbare am Probierstein (Nom./Akk. / Lok.)

„nikaṣyam“ [?]: sinngemäß als „das am Probierstein zu Prüfende“.

manas tv apahṛtaṃ buddhim indriyārthanidarśanam; na samakṣaṃ guṇāvekṣi nirguṇasya nidarśanam

Der Geist aber, von der Buddhi fortgerissen, ist bloßer Hinweis auf die Sinnesobjekte; das Eigenschaften-Anblickende ist nicht unmittelbar; bei dem Eigenschaftslosen gibt es keinen [solchen] Hinweis.

Wort für Wort
manas tv apahṛtaṃ buddhim
der Geist aber, entführt, [von] der Buddhi (Nom. / Part.Pass. / Akk.) [?]
indriyārthanidarśanam
Hinweis auf die Sinnesobjekte (Tatpuruṣa)
na samakṣaṃ guṇāvekṣi
nicht unmittelbar, die Eigenschaften beachtend (Adv. / Adj.)
nirguṇasya nidarśanam
des Eigenschaftslosen Hinweis/Beleg (Gen.)

Text schwierig, Konstruktion unsicher [?].

sarvāṇy etāni saṃvārya dvārāṇi manasi sthitaḥ; manasy ekāgratāṃ kṛtvā tat paraṃ pratipadyate

Nachdem man alle diese Tore versperrt hat und im Geist steht, den Geist auf einen Punkt gerichtet hat, erlangt man jenes Höchste.

Wort für Wort
sarvāṇy etāni saṃvārya dvārāṇi
alle diese Tore versperrt habend (Abs.)
manasi sthitaḥ
im Geist stehend (Part.)
manasy ekāgratāṃ kṛtvā
im Geist Einspitzigkeit herstellend (Lok. / Abs.)
tat paraṃ pratipadyate
jenes Höchste erreicht er (3.Sg.Präs.)

yathā mahānti bhūtāni nivartante guṇakṣaye; tathendriyāṇy upādāya buddhir manasi vartate

Wie die großen Elemente sich bei Schwinden der Eigenschaften zurückziehen, so wirkt die Buddhi im Geist, indem sie die Sinne an sich nimmt.

Wort für Wort
yathā mahānti bhūtāni
wie die großen Elemente (Nom.Pl.)
nivartante guṇakṣaye
ziehen sich zurück beim Schwinden der Eigenschaften (3.Pl. / Lok.)
tathendriyāṇy upādāya
so, die Sinne ergreifend (Akk.Pl. / Abs.)
buddhir manasi vartate
die Buddhi wirkt im Geist (3.Sg.)

yadā manasi sā buddhir vartate 'ntaracāriṇī; vyavasāyaguṇopetā tadā saṃpadyate manaḥ

Wenn diese innen wandelnde Buddhi im Geist wirkt, mit der Eigenschaft der Entschlusskraft ausgestattet, dann wird sie zum Geist.

Wort für Wort
yadā manasi sā buddhir
wenn diese Buddhi im Geist (Lok.)
vartate 'ntaracāriṇī
wirkt, innen wandelnd (3.Sg. / Adj.f.)
vyavasāyaguṇopetā
mit der Eigenschaft der Entschlusskraft ausgestattet
tadā saṃpadyate manaḥ
dann wird [sie] zum Geist (3.Sg.Präs. / Nom.)

Subjekt/Prädikat von „saṃpadyate manaḥ“ unsicher [?].

guṇavadbhir guṇopetaṃ yadā dhyānaguṇaṃ manaḥ; tadā sarvaguṇān hitvā nirguṇaṃ pratipadyate

Wenn der Geist, von Eigenschaftshaltigen mit Eigenschaften versehen, die Eigenschaft der Meditation hat, dann gibt er alle Eigenschaften auf und erreicht das Eigenschaftslose.

Wort für Wort
guṇavadbhir guṇopetaṃ
von Eigenschaftshaltigen mit Eigenschaften versehen (Instr.Pl. / Part.)
yadā dhyānaguṇaṃ manaḥ
wenn der Geist die Meditation zur Eigenschaft hat (Bahuvrīhi)
tadā sarvaguṇān hitvā
dann alle Eigenschaften aufgegeben habend (Akk.Pl. / Abs.)
nirguṇaṃ pratipadyate
erreicht das Eigenschaftslose (3.Sg.)

avyaktasyeha vijñāne nāsti tulyaṃ nidarśanam; yatra nāsti padanyāsaḥ kas taṃ viṣayam āpnuyāt

Für das Erkennen des Unmanifesten hier gibt es keinen vergleichbaren Hinweis; wo es keinen Fußtritt [Spur] gibt, wer könnte dieses Gebiet erreichen?

Wort für Wort
avyaktasyeha vijñāne
des Unmanifesten hier im Erkennen (Gen. / Lok.)
nāsti tulyaṃ nidarśanam
gibt es keinen gleichen Hinweis (3.Sg.)
yatra nāsti padanyāsaḥ
wo es kein Setzen des Fußes gibt (Nom.)
kas taṃ viṣayam āpnuyāt
wer könnte diesen Bereich erreichen (Opt.3.Sg.)

tapasā cānumānena guṇair jātyā śrutena ca; ninīṣet tat paraṃ brahma viśuddhenāntarātmanā

Durch Askese, Schlussfolgerung, Eigenschaften, Herkunft und Überlieferung soll man mit geläutertem Inneren Selbst jenes höchste Brahman [zu] erreichen suchen.

Wort für Wort
tapasā cānumānena
durch Askese und Schlussfolgerung (Instr.)
guṇair jātyā śrutena ca
durch Eigenschaften, Herkunft und Gehörtes (Instr.)
ninīṣet tat paraṃ brahma
soll herbeizuführen/zu erreichen suchen jenes höchste Brahman (Desiderativ-Opt.) [?]
viśuddhenāntarātmanā
mit geläutertem inneren Selbst (Instr.)

„ninīṣet“ (Desiderativ von nī) im Sinn von „zu erlangen trachten“ [?].

guṇahīno hi taṃ mārgaṃ bahiḥ samanuvartate; guṇābhāvāt prakṛtyā ca nistarkyaṃ jñeyasaṃmitam

Wer ohne Eigenschaften ist, folgt jenem Weg äußerlich; wegen Fehlens der Eigenschaften und aus Naturanlage ist das Erkennbare nicht durch Denken zu erschließen, [es ist] ermessen.

Wort für Wort
guṇahīno hi taṃ mārgaṃ
denn der der Eigenschaften Bare, jenen Weg (Nom. / Akk.)
bahiḥ samanuvartate
folgt äußerlich (3.Sg.)
guṇābhāvāt prakṛtyā ca
wegen Fehlens von Eigenschaften und durch Naturanlage (Abl. / Instr.)
nistarkyaṃ jñeyasaṃmitam
nicht durch Überlegung zu erfassen, dem Erkennbaren gemäß (Adj.) [?]

Zweiter Halbvers unsicher [?].

nairguṇyād brahma cāpnoti saguṇatvān nivartate; guṇaprasāriṇī buddhir hutāśana ivendhane

Durch Eigenschaftslosigkeit erreicht man das Brahman, durch Eigenschaftshaltigkeit kehrt man um; die Buddhi, die sich in Eigenschaften ausbreitet, [ist] wie Feuer im Brennholz.

Wort für Wort
nairguṇyād brahma cāpnoti
durch Eigenschaftslosigkeit erreicht man das Brahman (Abl. / 3.Sg.)
saguṇatvān nivartate
wegen Eigenschaftshaltigkeit kehrt man um (Abl. / 3.Sg.)
guṇaprasāriṇī buddhir
die sich in Eigenschaften ausbreitende Buddhi (Nom.f.)
hutāśana ivendhane
wie das Feuer im Brennstoff (Nom. / Lok.)

yathā pañca vimuktāni indriyāṇi svakarmabhiḥ; tathā tat paramaṃ brahma vimuktaṃ prakṛteḥ param

Wie die fünf Sinne von ihren Tätigkeiten gelöst sind, so ist jenes höchste Brahman gelöst, jenseits der Urnatur.

Wort für Wort
yathā pañca vimuktāni
wie fünf gelöst (Nom.Pl.n. / Part.)
indriyāṇi svakarmabhiḥ
die Sinne von ihren Tätigkeiten (Instr.Pl.)
tathā tat paramaṃ brahma
so jenes höchste Brahman (Nom.)
vimuktaṃ prakṛteḥ param
gelöst, jenseits der Prakṛti (Abl.)

evaṃ prakṛtitaḥ sarve prabhavanti śarīriṇaḥ; nivartante nivṛttau ca sargaṃ naivopayānti ca

So entstehen alle Verkörperten aus der Urnatur; sie ziehen sich zurück, und im Rückzug [Aufhören] gelangen sie nicht [wieder] zur Schöpfung.

Wort für Wort
evaṃ prakṛtitaḥ sarve
so aus der Urnatur alle (Abl.-Suffix)
prabhavanti śarīriṇaḥ
entstehen die Verkörperten (3.Pl. / Nom.Pl.)
nivartante nivṛttau ca
kehren zurück, und im Aufhören (3.Pl. / Lok.)
sargaṃ naivopayānti ca
[zur] Schöpfung gelangen sie nicht (Akk. / 3.Pl.)

puruṣaḥ prakṛtir buddhir viśeṣāś cendriyāṇi ca; ahaṃkāro 'bhimānaś ca saṃbhūto bhūtasaṃjñakaḥ

Puruṣa, Prakṛti, Buddhi, die Besonderungen und die Sinne, Ichbewusstsein und Selbstgefühl: [dies alles] ist entstanden, „Elemente“ genannt.

Wort für Wort
puruṣaḥ prakṛtir buddhir
Puruṣa, Prakṛti, Buddhi (Nom.)
viśeṣāś cendriyāṇi ca
die Besonderungen und die Sinne (Nom.Pl.)
ahaṃkāro 'bhimānaś ca
Ichbewusstsein und Selbstgefühl (Nom.)
saṃbhūto bhūtasaṃjñakaḥ
entstanden, „Element“ benannt (Part.Pass. / Bahuvrīhi)

Numerus des Prädikats (Sg.) bei Aufzählung; Sinn „bhūtasaṃjñaka“ unsicher [?].

ekasyādyā pravṛttis tu pradhānāt saṃpravartate; dvitīyā mithunavyaktim aviśeṣān niyacchati

Von dem einen geht der erste Vorgang vom Pradhāna aus; der zweite bringt aus dem Unbesonderten die Paar-Manifestation hervor.

Wort für Wort
ekasyādyā pravṛttis tu
des einen erster Vorgang aber (Gen. / Nom.)
pradhānāt saṃpravartate
geht vom Pradhāna aus (Abl. / 3.Sg.)
dvitīyā mithunavyaktim
der zweite, die Paar-Manifestation (Nom. / Akk.)
aviśeṣān niyacchati
aus dem Unbesonderten regelt/bringt hervor (Abl. / 3.Sg.) [?]

Sinn unsicher [?].

dharmād utkṛṣyate śreyas tathāśreyo 'py adharmataḥ; rāgavān prakṛtiṃ hy eti virakto jñānavān bhavet

Durch Dharma steigt man zum Heil auf, ebenso durch Adharma zum Unheil; wer von Leidenschaft erfüllt ist, geht zur Urnatur ein; wer leidenschaftslos ist, wird wissend.

Wort für Wort
dharmād utkṛṣyate śreyas
aus Dharma wird das Heil emporgehoben (Abl. / Pass.)
tathāśreyo 'py adharmataḥ
ebenso das Unheil aus Adharma
rāgavān prakṛtiṃ hy eti
der Leidenschaftliche geht zur Prakṛti (Nom. / Akk. / 3.Sg.)
virakto jñānavān bhavet
der Leidenschaftslose werde wissend (Part. / Opt.)

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