Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 240: buddhimanaḥ-indriya-kṣetrajñavibhāgaḥ Einsicht, Geist, Sinne und die Unterscheidung des Selbst von den Guṇas

Vyāsa erläutert seinem Sohn das Verhältnis von Geist, Einsicht und Sinnen; das erkennende Selbst (kṣetrajña) haftet nicht an den Guṇas, ist aber mit Sattva stets verbunden, wie der Fisch mit dem Wasser.

vyāsa uvāca; manaḥ prasṛjate bhāvaṃ buddhir adhyavasāyinī; hṛdayaṃ priyāpriye veda trividhā karmacodanā

Vyāsa sprach: „Der Geist bringt den Gemütszustand hervor, die Einsicht ist entschlossen [bestimmend]; das Herz kennt Liebes und Unliebes; dreifach ist der Antrieb zum Handeln.“

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
manaḥ prasṛjate bhāvam
der Geist bringt den Zustand hervor (Nom.; 3.Sg.Med.; Akk.)
buddhir adhyavasāyinī
die Einsicht ist entschlossen/bestimmend (Nom.Fem.)
hṛdayaṃ priyāpriye veda
das Herz kennt Liebes und Unliebes (Nom.; Akk.Du.; 3.Sg.Perf. mit Präsensbed.)
trividhā karmacodanā
dreifach [ist] der Antrieb zum Handeln (Nom.Fem.; Kompositum)

indriyebhyaḥ parā hy arthā arthebhyaḥ paramaṃ manaḥ; manasas tu parā buddhir buddher ātmā paro mataḥ

Höher als die Sinne sind die Gegenstände, höher als die Gegenstände ist der Geist; höher als der Geist aber ist die Einsicht, höher als die Einsicht gilt das Selbst.

Wort für Wort
indriyebhyaḥ parā hy arthāḥ
höher als die Sinne sind ja die Gegenstände (Abl.Pl.; Nom.Pl.)
arthebhyaḥ paramaṃ manaḥ
höher als die Gegenstände [ist] der Geist (Abl.Pl.; Nom.Sg.)
manasas tu parā buddhiḥ
höher aber als der Geist [ist] die Einsicht (Abl.Sg.; Nom.)
buddher ātmā paro mataḥ
höher als die Einsicht gilt das Selbst (Abl.; Nom.; PPP)

buddhir ātmā manuṣyasya buddhir evātmano ''tmikā; yadā vikurute bhāvaṃ tadā bhavati sā manaḥ

Die Einsicht ist das Selbst des Menschen, die Einsicht allein ist das Wesen des Selbst; wenn sie einen Zustand abwandelt, dann wird sie zum Geist.

Wort für Wort
buddhir ātmā manuṣyasya
die Einsicht [ist] das Selbst des Menschen (Nom.; Gen.Sg.)
buddhir evātmano ’tmikā
die Einsicht allein ist das Wesen des Selbst (Nom.Fem.; Gen.Sg.)
yadā vikurute bhāvam
wenn sie den Zustand verwandelt (3.Sg.Präs.Med.; Akk.)
tadā bhavati sā manaḥ
dann wird sie zum Geist (3.Sg.Präs.; Nom.Fem.)

indriyāṇāṃ pṛthagbhāvād buddhir vikriyate hy aṇu; śṛṇvatī bhavati śrotraṃ spṛśatī sparśa ucyate

Durch die Verschiedenheit der Sinne wird die Einsicht, [selbst] fein, abgewandelt; hörend wird sie zum Gehör, fühlend heißt sie Tastsinn.

Wort für Wort
indriyāṇāṃ pṛthagbhāvād
aufgrund der Verschiedenheit der Sinne (Gen.Pl.; Abl.Sg.)
buddhir vikriyate hy aṇu
die Einsicht wird ja abgewandelt, fein (3.Sg.Pass.; Adj./Adv.)
śṛṇvatī bhavati śrotram
hörend wird sie zum Gehör (Part.Präs.Fem.; 3.Sg.; Nom.)
spṛśatī sparśa ucyate
fühlend wird sie Tastsinn/Berührung genannt (Part.Fem.; 3.Sg.Pass.)

aṇu evtl. adverbial („fein, subtil“) oder als Prädikat; [?] Bezug unsicher.

paśyantī bhavate dṛṣṭī rasatī rasanaṃ bhavet; jighratī bhavati ghrāṇaṃ buddhir vikriyate pṛthak

Sehend wird sie zum Sehsinn, schmeckend würde sie zum Geschmackssinn, riechend wird sie zum Geruchssinn: die Einsicht wandelt sich in verschiedener Weise.

Wort für Wort
paśyantī bhavate dṛṣṭī
sehend wird sie zum Sehen (Part.Fem.; 3.Sg.Med.; Nom.)
rasatī rasanaṃ bhavet
schmeckend würde sie zum Geschmackssinn (Part.Fem.; Nom.; 3.Sg.Opt.)
jighratī bhavati ghrāṇam
riechend wird sie zum Geruchssinn (Part.Fem.; 3.Sg.; Nom.)
buddhir vikriyate pṛthak
die Einsicht wird verschieden abgewandelt (Nom.; 3.Sg.Pass.; Adv.)

indriyāṇīti tāny āhus teṣv adṛśyādhitiṣṭhati; tiṣṭhatī puruṣe buddhis triṣu bhāveṣu vartate

„Sinne“ nennt man diese; in ihnen waltet sie unsichtbar; im Puruṣa weilend, besteht die Einsicht in drei Zuständen.

Wort für Wort
indriyāṇīti tāny āhus
„Sinne“ – so nennt man jene (Nom.Pl.; 3.Pl.Perf.)
teṣv adṛśyādhitiṣṭhati
in ihnen waltet sie unsichtbar (Lok.Pl.; Adj./Adv.; 3.Sg.)
tiṣṭhatī puruṣe buddhiḥ
die Einsicht, im Puruṣa weilend (Part.Fem.; Lok.; Nom.)
triṣu bhāveṣu vartate
besteht in drei Zuständen (Lok.Pl.; 3.Sg.Med.)

kadā cil labhate prītiṃ kadā cid api śocate; na sukhena na duḥkhena kadā cid iha yujyate

Bisweilen erlangt sie Freude, bisweilen trauert sie auch; bisweilen ist sie hier weder mit Glück noch mit Leid verbunden.

Wort für Wort
kadā cil labhate prītim
bisweilen erlangt sie Freude (Adv.; 3.Sg.Med.; Akk.)
kadā cid api śocate
bisweilen trauert sie auch (Adv.; 3.Sg.Med.)
na sukhena na duḥkhena
weder mit Glück noch mit Leid (Instr.)
kadā cid iha yujyate
bisweilen ist sie hier verbunden (Adv.; 3.Sg.Pass.)

seyaṃ bhāvātmikā bhāvāṃs trīn etān ativartate; saritāṃ sāgaro bhartā mahāvelām ivormimān

Diese, deren Wesen Zustand ist, überschreitet diese drei Zustände, wie der wellenreiche Ozean, der Herr der Flüsse, die große Uferlinie [überschreitet].

Wort für Wort
seyaṃ bhāvātmikā
diese [Einsicht], deren Wesen der Zustand ist (Nom.Fem.)
bhāvāṃs trīn etān
diese drei Zustände (Akk.Pl.)
ativartate
überschreitet (3.Sg.Präs.)
saritāṃ sāgaro bhartā
der Ozean, der Herr der Flüsse (Gen.Pl.; Nom.; Nom.)
mahāvelām ivormimān
wie der wellenreiche [Ozean] die große Uferlinie/Flutgrenze (Akk.; Part.; Nom.)

Ergänzung von „überschreitet“ im Vergleich; velā auch „Flutgrenze“ [?].

yadā prārthayate kiṃ cit tadā bhavati sā manaḥ; adhiṣṭhānāni vai buddhyā pṛthag etāni saṃsmaret; indriyāṇy eva medhyāni vijetavyāni kṛtsnaśaḥ

Wenn sie etwas erstrebt, dann wird sie zum Geist; die Standorte [der Sinne] soll man mit der Einsicht einzeln bedenken; die Sinne, die reinen/opferfähigen, sind allesamt zu bezwingen.

Wort für Wort
yadā prārthayate kiṃ cit
wenn sie etwas erstrebt (3.Sg.Med.; Pron.)
tadā bhavati sā manaḥ
dann wird sie zum Geist (3.Sg.; Nom.Fem.; Nom.)
adhiṣṭhānāni vai buddhyā
die Standorte fürwahr mit der Einsicht (Akk.Pl.; Instr.)
pṛthag etāni saṃsmaret
einzeln soll man diese bedenken (Adv.; Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
indriyāṇy eva medhyāni
die Sinne, die reinen/opferfähigen (Nom.Pl.; Adj.)
vijetavyāni kṛtsnaśaḥ
sind zu bezwingen, vollständig (Gerundiv; Adv.)

medhyāni: Deutung unsicher [?].

sarvāṇy evānupūrvyeṇa yad yan nānuvidhīyate; avibhāgagatā buddhir bhāve manasi vartate; pravartamānaṃ tu rajaḥ sattvam apy anuvartate

Alle der Reihe nach – was immer nicht [mehr] befolgt wird; die ungeteilte Einsicht besteht im Zustand des Geistes; das sich regende Rajas aber – auch Sattva folgt ihm nach.

Wort für Wort
sarvāṇy evānupūrvyeṇa
alle [Sinne?] der Reihe nach (Nom./Akk.Pl.; Instr.)
yad yan nānuvidhīyate
was immer nicht befolgt wird (Pron.; 3.Sg.Pass.)
avibhāgagatā buddhiḥ
die ungeteilt gewordene Einsicht (Nom.Fem.)
bhāve manasi vartate
besteht im Zustand des Geistes (Lok.; Lok.; 3.Sg.)
pravartamānaṃ tu rajaḥ
das sich regende Rajas aber (Part.Med.; Nom.)
sattvam apy anuvartate
auch Sattva folgt [ihm] nach (Nom.; 3.Sg.)

Syntax des Verses unsicher; Wiedergabe [?] tastend.

ye caiva bhāvā vartante sarva eṣv eva te triṣu; anvarthāḥ saṃpravartante rathanemim arā iva

Und welche Zustände es auch gibt, alle bestehen allein in diesen dreien; sinngemäß gehen sie hervor, wie die Speichen zum Radkranz [hin].

Wort für Wort
ye caiva bhāvā vartante
und welche Zustände bestehen (Rel.Nom.Pl.; 3.Pl.Med.)
sarva eṣv eva te triṣu
alle jene allein in diesen dreien (Nom.Pl.; Lok.Pl.)
anvarthāḥ saṃpravartante
sinngemäß/folgerichtig treten sie hervor (Nom.Pl.; 3.Pl.Med.)
rathanemim arā iva
wie die Speichen den Radkranz [umgeben/zu ihm hin] (Akk.; Nom.Pl.)

pradīpārthaṃ naraḥ kuryād indriyair buddhisattamaiḥ; niścaradbhir yathāyogam udāsīnair yadṛcchayā

Zur Erhellung soll der Mensch [handeln] mit den Sinnen, die der Einsicht nächststehen, die sich je nach Fügung frei bewegen, gleichmütig, wie es sich ergibt.

Wort für Wort
pradīpārthaṃ naraḥ kuryād
zur Erhellung soll der Mensch tun (Adv.; Nom.; 3.Sg.Opt.)
indriyair buddhisattamaiḥ
mit den der Einsicht besten/nächsten Sinnen (Instr.Pl.)
niścaradbhir yathāyogam
die sich bewegen, gemäß Fügung (Instr.Pl.Part.; Adv.)
udāsīnair yadṛcchayā
gleichmütig, zufällig/nach Belieben (Instr.Pl.; Instr.Sg.)

Ergänzung „handeln“ und buddhisattama unsicher [?].

evaṃsvabhāvam evedam iti vidvān na muhyati; aśocann aprahṛṣyaṃś ca nityaṃ vigatamatsaraḥ

„So beschaffen ist dies“ – so wird der Wissende nicht verwirrt, ohne Trauer, ohne Jubel, stets frei von Neid.

Wort für Wort
evaṃsvabhāvam evedam
so beschaffen ist dies (Adj.; Pron.)
iti vidvān na muhyati
so [wissend] der Wissende wird nicht verwirrt (Part.Nom.; 3.Sg.)
aśocann aprahṛṣyaṃś ca
ohne zu trauern und ohne zu jubeln (Part.Nom.)
nityaṃ vigatamatsaraḥ
stets neidfrei (Adv.; Nom.)

na hy ātmā śakyate draṣṭum indriyaiḥ kāmagocaraiḥ; pravartamānair anaye durdharair akṛtātmabhiḥ

Denn das Selbst kann nicht durch die Sinne gesehen werden, deren Weide die Begierde ist, die sich zum Unrechten hin regen, schwer zu bändigen bei denen, deren Selbst ungeschult ist.

Wort für Wort
na hy ātmā śakyate draṣṭum
denn das Selbst kann nicht gesehen werden (Nom.; 3.Sg.Pass.; Inf.)
indriyaiḥ kāmagocaraiḥ
durch die Sinne mit Begierde als Weidegrund (Instr.Pl.)
pravartamānair anaye
die sich regen zum Unrecht/Unheil (Part.Instr.Pl.; Lok.)
durdharair akṛtātmabhiḥ
schwer zu bändigen, bei Ungeschulten (Instr.Pl.; Instr.Pl.)

teṣāṃ tu manasā raśmīn yadā samyaṅ niyacchati; tadā prakāśate hy ātmā ghaṭe dīpa iva jvalan; sarveṣām eva bhūtānāṃ tamasy apagate yathā

Wenn man aber deren Zügel durch den Geist recht zügelt, dann leuchtet das Selbst auf wie eine im Krug brennende Lampe; [so ist es,] wie wenn bei allen Wesen die Finsternis gewichen ist.

Wort für Wort
teṣāṃ tu manasā raśmīn
deren Zügel aber durch den Geist (Gen.Pl.; Instr.; Akk.Pl.)
yadā samyaṅ niyacchati
wenn man recht zügelt (Adv.; 3.Sg.)
tadā prakāśate hy ātmā
dann leuchtet das Selbst auf (3.Sg.Med.; Nom.)
ghaṭe dīpa iva jvalan
wie eine Lampe im Krug brennend (Lok.; Nom.; Part.)
sarveṣām eva bhūtānāṃ
bei allen Wesen (Gen.Pl.)
tamasy apagate yathā
wie wenn die Finsternis gewichen ist (Lok.abs.; Part.)

Letzte Zeile syntaktisch locker angeschlossen [?].

prakāśaṃ bhavate sarvaṃ tathedam upadhāryatām

[Dann] wird alles hell; so möge dies erfasst werden.

Wort für Wort
prakāśaṃ bhavate sarvam
hell wird alles (Nom./Adj.; 3.Sg.Med.; Nom.)
tathedam upadhāryatām
so möge dies erfasst werden (Adv.; Pron.; 3.Sg.Imp.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

yathā vāricaraḥ pakṣī na lipyati jale caran

Wie der Wasservogel, im Wasser wandelnd, nicht [vom Wasser] benetzt wird.

Wort für Wort
yathā vāricaraḥ pakṣī
wie der wasserbewohnende Vogel (Nom.; Nom.)
na lipyati
wird nicht benetzt/befleckt (3.Sg.Pass.)
jale caran
im Wasser wandelnd (Lok.; Part.)

Satz mit 240.016* und folgender Zeile fortgesetzt.

vimuktātmā tathā yogī guṇadoṣair na lipyate

So haftet der Yogin, dessen Selbst befreit ist, nicht an den Guṇas und Fehlern.

Wort für Wort
vimuktātmā tathā yogī
so der Yogin mit befreitem Selbst (Nom.; Adv.; Nom.)
guṇadoṣair
an Guṇas und Fehlern (Instr.Pl.)
na lipyate
haftet nicht/wird nicht befleckt (3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

evam eva kṛtaprajño na doṣair viṣayāṃś caran; asajjamānaḥ sarveṣu na kathaṃ cana lipyate

Ebenso haftet der, dessen Erkenntnis bereitet ist, nicht an Fehlern, obwohl er unter den Sinnesobjekten wandelt; an allen nicht haftend, wird er auf keine Weise befleckt.

Wort für Wort
evam eva kṛtaprajño
ebenso der, dessen Erkenntnis vollendet ist (Adv.; Nom.)
na doṣair
nicht durch Fehler (Instr.Pl.)
viṣayāṃś caran
unter den Sinnesobjekten wandelnd (Akk.Pl.; Part.)
asajjamānaḥ sarveṣu
an allem nicht haftend (Part.Nom.; Lok.Pl.)
na kathaṃ cana lipyate
wird auf keine Weise befleckt (3.Sg.Pass.)

tyaktvā pūrvakṛtaṃ karma ratir yasya sadātmani; sarvabhūtātmabhūtasya guṇamārgeṣv asajjataḥ

Wer das früher getane Werk aufgegeben hat, dessen Freude stets im Selbst liegt, der zum Selbst aller Wesen geworden ist, an den Wegen der Guṇas nicht haftend –

Wort für Wort
tyaktvā pūrvakṛtaṃ karma
aufgegeben habend das früher getane Werk (Abs.; Akk.)
ratir yasya sadātmani
dessen Freude stets im Selbst (Nom.; Gen.; Lok.)
sarvabhūtātmabhūtasya
des zum Selbst aller Wesen Gewordenen (Gen.)
guṇamārgeṣv asajjataḥ
an den Guṇa-Wegen nicht Haftenden (Lok.Pl.; Gen.Part.)

Satz bricht syntaktisch ab bzw. setzt sich in 21 fort [?].

sattvam ātmā prasavati guṇān vāpi kadā ca na; na guṇā vidur ātmānaṃ guṇān veda sa sarvadā

Das Selbst bringt das Sattva hervor [?], die Guṇas aber niemals; die Guṇas kennen das Selbst nicht, es aber kennt die Guṇas allezeit.

Wort für Wort
sattvam ātmā prasavati
Sattva bringt das Selbst hervor (Akk.; Nom.; 3.Sg.)
guṇān vāpi kadā ca na
oder die Guṇas nie (Akk.Pl.; Part.; Adv.)
na guṇā vidur ātmānam
die Guṇas kennen das Selbst nicht (Nom.Pl.; 3.Pl.Perf.; Akk.)
guṇān veda sa sarvadā
die Guṇas kennt es allezeit (Akk.Pl.; 3.Sg.Perf.; Pron.; Adv.)

Erste Zeile textlich/grammatisch unsicher; ātmā/sattvam evtl. zu vertauschen [?].

paridraṣṭā guṇānāṃ sa sraṣṭā caiva yathātatham; sattvakṣetrajñayor etad antaraṃ viddhi sūkṣmayoḥ

Er ist der Überschauer der Guṇas und zugleich [ihr] Schöpfer, der Wirklichkeit gemäß; diesen Unterschied zwischen Sattva und Kṣetrajña, beiden fein, wisse.

Wort für Wort
paridraṣṭā guṇānāṃ sa
er, der Überschauer der Guṇas (Nom.; Gen.Pl.)
sraṣṭā caiva yathātatham
und auch Schöpfer, der Wirklichkeit gemäß (Nom.; Adv.)
sattvakṣetrajñayor etad
zwischen Sattva und Kṣetrajña dies (Gen./Lok.Du.)
antaraṃ viddhi sūkṣmayoḥ
den Unterschied wisse, [beider] fein (Akk.; 2.Sg.Imp.; Gen.Du.)

sṛjate tu guṇān eka eko na sṛjate guṇān; pṛthagbhūtau prakṛtyā tau saṃprayuktau ca sarvadā

Der eine erschafft die Guṇas, der [andere] erschafft die Guṇas nicht; ihrer Natur nach getrennt, sind beide doch stets verbunden.

Wort für Wort
sṛjate tu guṇān ekaḥ
es erschafft aber die Guṇas der eine (3.Sg.Med.; Akk.Pl.; Nom.)
eko na sṛjate guṇān
der [andere] erschafft die Guṇas nicht (Nom.; 3.Sg.)
pṛthagbhūtau prakṛtyā tau
getrennt seiend von Natur, diese beiden (Nom.Du.; Instr.; Nom.Du.)
saṃprayuktau ca sarvadā
und doch verbunden allezeit (Nom.Du.; Adv.)

yathā matsyo 'dbhir anyaḥ san saṃprayuktau tathaiva tau; maśakodumbarau cāpi saṃprayuktau yathā saha

Wie der Fisch, vom Wasser verschieden seiend, [dennoch] mit ihm verbunden ist, so die beiden; und wie Mücke und Udumbara-Feige zusammen verbunden sind.

Wort für Wort
yathā matsyo ’dbhir anyaḥ san
wie der Fisch, vom Wasser verschieden seiend (Nom.; Instr.Pl.; Nom.; Part.)
saṃprayuktau tathaiva tau
verbunden, ebenso diese beiden (Nom.Du.)
maśakodumbarau cāpi
und auch Mücke und Feige (Nom.Du.)
saṃprayuktau yathā saha
verbunden, wie zusammen (Nom.Du.; Adv.)

iṣīkā vā yathā muñje pṛthak ca saha caiva ca; tathaiva sahitāv etāv anyonyasmin pratiṣṭhitau

Oder wie der Halm im Munja-Gras getrennt und zugleich [zusammen] ist, so sind auch diese beiden aufeinander gegründet.

Wort für Wort
iṣīkā vā yathā muñje
oder wie der Halm im Munja-Gras (Nom.; Part.; Lok.)
pṛthak ca saha caiva ca
sowohl getrennt als auch zusammen (Adv.)
tathaiva sahitāv etāv
so [sind] diese beiden vereint (Nom.Du.)
anyonyasmin pratiṣṭhitau
ineinander/aufeinander gegründet (Lok.; Nom.Du.)

Dieses Kapitel in der Leseansicht