Kapitel 330: nāmanirukti
Śrī Bhagavān erklärt die Herkunft seiner Namen
Im Rahmen der Nārāyaṇīya-Erzählung des Mokṣadharma legt Kṛṣṇa dem Arjuna die etymologische Bedeutung vieler seiner Namen und Beinamen dar (u.a. Hṛṣīkeśa, Hari, Govinda, Śipiviṣṭa, Aja, Sātvata, Kṛṣṇa, Vaikuṇṭha, Acyuta, Adhokṣaja, Vṛṣākapi, Kapila, Hiraṇyagarbha); dieser erste Teil endet mit der Aussage, dass auch die Veden und ihre Schulen sein Werk seien.
Durch [dieses] Erwecken und Erwärmen entsteht die Erregung der Welt; durch diese von Agni und Soma bewirkten Wirkungen, o Sohn des Pāṇḍu, bin ich Hṛṣīkeśa, der Gebieter, der Gewährende, der Weltenerhalter.
Wort für Wort
bodhanāt tāpanāt ca eva
durch das Erwecken und Erwärmen (Abl.Sg.n.)
jagataḥ harṣaṇam
die Erregung der Welt (Gen.Sg. + Nom.Sg.n.)
bhavet
entsteht (3.Sg.Opt.)
agnīṣomakṛtaiḥ ebhiḥ karmabhiḥ
durch diese von Agni und Soma bewirkten Werke (Instr.Pl.)
pāṇḍunandana
o Sohn des Pāṇḍu (Vok.Sg.)
hṛṣīkeśo aham īśānaḥ
ich bin Hṛṣīkeśa, der Gebieter (Nom.Sg.)
varado lokabhāvanaḥ
der Gewährende, der Weltenerhalter (Nom.Sg.)
Anspielung auf 'hṛṣ' (sich freuen/erregt sein) und 'hṛṣīka' (Sinnesorgan): Sonne und Mond als Haare (keśa) erregen die Sinne der Welt, daher Hṛṣīkeśa.
iḍopahūtayogena hare bhāgaṃ kratuṣv aham; varṇaś ca me hariśreṣṭhas tasmād dharir ahaṃ smṛtaḥ
Durch die Verbindung mit der Anrufung ‚Iḍā' [im Opfer habe] ich in den Opferhandlungen den Anteil, [der] ‚Hari' [heißt] [?]; und meine Farbe ist die schönste ‚hari'-Farbe – deshalb werde ich Hari genannt.
Wort für Wort
iḍopahūtayogena
durch die Verbindung mit der Anrufung ‚Iḍā' (Instr.Sg.) [?]
hare bhāgam
den Anteil ‚Hari' (Vok./Gen.-Form + Akk.Sg.)
kratuṣu aham
ich in den Opferhandlungen (Lok.Pl. + Nom.Sg.)
varṇaḥ ca me
und meine Farbe (Nom.Sg. + Gen.Sg.)
hariśreṣṭhaḥ
die beste ‚hari'-Farbe (Nom.Sg.)
tasmād dhariḥ aham smṛtaḥ
deshalb werde ich Hari genannt (Nom.Sg. + Nom.Sg.Past.Part.)
'iḍopahūtayogena' bezieht sich auf einen ritualtechnischen Begriff (Anrufung der Iḍā beim Opfer); genaue Konstruktion unsicher.
dhāma sāro hi lokānām ṛtaṃ caiva vicāritam; ṛtadhāmā tato vipraiḥ satyaś cāhaṃ prakīrtitaḥ
Denn [mein] Glanz ist die Essenz der Welten, und [er] gilt als die kosmische Wahrheit (ṛta); deshalb werde ich von den Weisen ‚der mit der Wahrheit als Glanz' und ‚der Wahrhaftige' genannt.
Wort für Wort
dhāma sāraḥ hi
denn [mein] Glanz ist die Essenz (Nom.Sg.n. + Nom.Sg.m.)
lokānām
der Welten (Gen.Pl.)
ṛtam ca eva vicāritam
und er gilt als die kosmische Wahrheit (Nom.Sg.n. + Nom.Sg.Past.Part.)
ṛtadhāmā
‚der die Wahrheit als Glanz hat' (Nom.Sg.m.)
tato vipraiḥ
deshalb von den Weisen (Instr.Pl.)
satyaś ca aham prakīrtitaḥ
und ich werde ‚der Wahrhaftige' genannt (Nom.Sg. + Nom.Sg.Past.Part.)
śipiviṣṭeti cākhyāyāṃ hīnaromā ca yo bhavet; tenāviṣṭaṃ hi yat kiṃ cic chipiviṣṭaṃ hi tat smṛtam
Und im Wort ‚Śipiviṣṭa' [gilt]: Wer haararm/kahl ist, [heißt ‚śipi']; wovon auch immer dieser durchdrungen ist, das gilt eben als ‚śipiviṣṭa' [von-Śipi-Durchdrungenes].
Wort für Wort
śipiviṣṭeti ca ākhyāyāṃ
und im Ausdruck ‚Śipiviṣṭa' (Lok.Sg.)
hīnaromā ca yo bhavet
wer haararm/kahl wäre (Nom.Sg.m.Opt.)
tena āviṣṭaṃ hi yat kiṃ cid
was auch immer davon durchdrungen ist (Instr.Sg. + Nom.Sg.n.)
śipiviṣṭaṃ hi tat smṛtam
das gilt eben als ‚śipiviṣṭa' (Nom.Sg.n.Past.Part.)
Etymologie von Śipiviṣṭa: 'śipi' hier als 'haarlos, kahl' gedeutet, 'viṣṭa' = 'durchdrungen, eingegangen' (von 'viś').
Nachdem der Seher Yāska, von hohem Verstand, mich als ‚Śipiviṣṭa' gepriesen hatte, gelangte er durch meine Gnade zu der [zuvor] verlorengegangenen Wortbedeutung.
Wort für Wort
stutvā māṃ śipiviṣṭeti
nachdem er mich als ‚Śipiviṣṭa' gepriesen hatte (Ger.)
na hi jāto na jāye 'haṃ na janiṣye kadā cana; kṣetrajñaḥ sarvabhūtānāṃ tasmād aham ajaḥ smṛtaḥ
Ich bin fürwahr nicht geboren, ich werde nicht [gerade] geboren, ich werde niemals geboren werden; [ich bin] der Feldkenner aller Wesen – deshalb werde ich ‚der Ungeborene' genannt.
Wort für Wort
na hi jāto
ich bin fürwahr nicht geboren (Nom.Sg.Past.Part.)
na jāye 'ham
ich werde nicht geboren (1.Sg.Präs.Pass.)
na janiṣye kadā cana
ich werde niemals geboren werden (1.Sg.Fut.)
kṣetrajñaḥ sarvabhūtānām
der Feldkenner aller Wesen (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
tasmād aham ajaḥ smṛtaḥ
deshalb werde ich ‚der Ungeborene' genannt (Nom.Sg. + Nom.Sg.Past.Part.)
sattvān na cyutapūrvo 'haṃ sattvaṃ vai viddhi matkṛtam; janmanīhābhavat sattvaṃ paurvikaṃ me dhanaṃjaya
Vom Sattva bin ich nie zuvor abgewichen; wisse, dass das Sattva [wahrhaftig] von mir geschaffen ist: bei [meiner] Geburt hier entstand das Sattva, o Dhanañjaya, [das] mir von jeher [eigen war].
Wort für Wort
sattvān na cyutapūrvo 'ham
vom Sattva bin ich nie zuvor abgewichen (Abl.Sg. + Nom.Sg.)
sattvaṃ vai viddhi matkṛtam
wisse, das Sattva ist von mir geschaffen (Akk.Sg. + 2.Sg.Imp. + Akk.Sg.)
janmani iha abhavat sattvam
bei [meiner] Geburt hier entstand das Sattva (Lok.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
paurvikam me dhanaṃjaya
mein ursprüngliches, o Dhanañjaya (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
Betrachte mich als ‚Sātvata', [den] mit wunschlosem Handeln Verbundenen; durch das Wissen der Sātvatas werde ich erkannt – ich bin Sātvata, der Herr der Sātvatas.
Wort für Wort
nirāśīḥkarmasaṃyuktaṃ
den mit wunschlosem Handeln Verbundenen (Akk.Sg.)
sātvataṃ māṃ prakalpaya
betrachte mich als Sātvata (Akk.Sg. + 2.Sg.Imp.)
sātvatajñānadṛṣṭo 'ham
ich werde durch Sātvata-Erkenntnis erkannt (Nom.Sg.)
sātvataḥ sātvatāṃ patiḥ
Sātvata, der Herr der Sātvatas (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
kṛṣāmi medinīṃ pārtha bhūtvā kārṣṇāyaso mahān; kṛṣṇo varṇaś ca me yasmāt tasmāt kṛṣṇo 'ham arjuna
Ich pflüge die Erde, o Pārtha, indem ich zum großen [Pflugschar] aus schwarzem Eisen werde; und weil meine Farbe schwarz ist, o Arjuna, deshalb bin ich Kṛṣṇa.
Wort für Wort
kṛṣāmi medinīṃ pārtha
ich pflüge die Erde, o Pārtha (1.Sg.Präs. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
bhūtvā kārṣṇāyaso mahān
indem ich zum großen [Pflug] aus schwarzem Eisen werde (Ger. + Nom.Sg.)
kṛṣṇo varṇaś ca me yasmāt
und weil meine Farbe schwarz ist (Nom.Sg. + Abl.)
tasmāt kṛṣṇo 'ham arjuna
deshalb bin ich Kṛṣṇa, o Arjuna (Nom.Sg. + Vok.Sg.)
mayā saṃśleṣitā bhūmir adbhir vyoma ca vāyunā; vāyuś ca tejasā sārdhaṃ vaikuṇṭhatvaṃ tato mama
Von mir wurde die Erde mit den Wassern verbunden, der Himmelsraum mit dem Wind, und der Wind zusammen mit dem Feuer – daher [kommt] mein Sein als ‚Vaikuṇṭha'.
Wort für Wort
mayā saṃśleṣitā bhūmir adbhir
von mir wurde die Erde mit den Wassern verbunden (Instr.Sg. + Nom.Sg.f. + Instr.Pl.)
vyoma ca vāyunā
und der Himmelsraum mit dem Wind (Nom.Sg.n. + Instr.Sg.)
vāyuś ca tejasā sārdhaṃ
und der Wind zusammen mit dem Glanz (Nom.Sg. + Instr.Sg.)
vaikuṇṭhatvaṃ tato mama
daher [kommt] mein Vaikuṇṭha-Sein (Nom.Sg.n. + Gen.Sg.)
Etymologie von Vaikuṇṭha ('lückenlos, makellos') aus der lückenlosen Verbindung der Elemente.
nirvāṇaṃ paramaṃ saukhyaṃ dharmo 'sau para ucyate; tasmān na cyutapūrvo 'ham acyutas tena karmaṇā
Das Erlöschen [alles Leidens] ist das höchste Glück; dies wird als der höchste Dharma bezeichnet. Davon bin ich nie zuvor abgewichen – dieser Tat wegen [bin ich] ‚Acyuta', der Unbewegte.
Wort für Wort
nirvāṇaṃ paramaṃ saukhyaṃ
das Erlöschen [ist] höchstes Glück (Nom.Sg.n.)
dharmo 'sau para ucyate
dieses wird als höchster Dharma bezeichnet (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.Pass.)
tasmān na cyutapūrvo 'ham
davon bin ich nie zuvor abgewichen (Abl.Sg. + Nom.Sg.)
acyutas tena karmaṇā
‚der Unbewegte' wegen dieser Tat (Nom.Sg. + Instr.Sg.)
niruktaṃ vedaviduṣo ye ca śabdārthacintakāḥ; te māṃ gāyanti prāgvaṃśe adhokṣaja iti sthitiḥ
Die Kenner der Wortetymologie, die Vedakundigen und alle, die über Wortbedeutungen nachdenken, sie besingen mich in der [Opfer-]Vorhalle; ‚Adhokṣaja' ist die feststehende [Benennung].
Wort für Wort
niruktaṃ vedaviduṣo
die Etymologie-, die Vedakenner (Akk.Sg.n. + Nom.Pl.)
ye ca śabdārthacintakāḥ
und die über Wortbedeutung Nachdenkenden (Nom.Pl.)
trayo hi dhātavaḥ khyātāḥ karmajā iti ca smṛtāḥ; pittaṃ śleṣmā ca vāyuś ca eṣa saṃghāta ucyate
Drei Grundstoffe sind fürwahr bekannt, und sie werden ‚aus dem Wirken entstanden' genannt: Galle, Schleim und Wind – diese Verbindung wird [so] genannt.
Wort für Wort
trayo hi dhātavaḥ khyātāḥ
drei Grundstoffe sind bekannt (Nom.Pl.)
karmajā iti ca smṛtāḥ
und werden ‚aus dem Wirken entstanden' genannt (Nom.Pl.Past.Part.)
pittaṃ śleṣmā ca vāyuś ca
Galle, Schleim und Wind (Nom.Sg. je)
eṣa saṃghāta ucyate
diese Verbindung wird genannt (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.Pass.)
etaiś ca dhāryate jantur etaiḥ kṣīṇaiś ca kṣīyate; āyurvedavidas tasmāt tridhātuṃ māṃ pracakṣate
Durch diese wird das Geschöpf erhalten, und wenn diese geschwunden sind, schwindet auch [das Geschöpf]; deshalb bezeichnen mich die Kenner des Āyurveda als ‚Tridhātu', den mit den drei Grundstoffen.
Wort für Wort
etaiś ca dhāryate jantur
durch diese wird das Geschöpf erhalten (Instr.Pl. + 3.Sg.Präs.Pass. + Nom.Sg.)
etaiḥ kṣīṇaiś ca kṣīyate
und wenn diese geschwunden sind, schwindet [es] (Instr.Pl. + 3.Sg.Präs.Pass.)
āyurvedavidas tasmāt
deshalb die Kenner des Āyurveda (Nom.Pl. + Abl.Sg.)
Der erhabene Dharma, o Bhārata, ist in den Welten fürwahr als ‚Vṛṣa' bekannt; wisse, dass ich, gemäß dem im Nighaṇṭu genannten Wort, der höchste ‚Vṛṣa' bin.
Wort für Wort
vṛṣo hi bhagavān dharmaḥ
der erhabene Dharma [heißt] fürwahr ‚Vṛṣa' (Nom.Sg.)
khyāto lokeṣu bhārata
bekannt in den Welten, o Bhārata (Nom.Sg. + Lok.Pl. + Vok.Sg.)
naighaṇṭukapadākhyātaṃ
gemäß dem im Nighaṇṭu genannten Wort (Akk.Sg.)
viddhi māṃ vṛṣam uttamam
wisse, ich [bin] der höchste ‚Vṛṣa' (2.Sg.Imp. + Akk.Sg.)
Weder mit Anfang noch je mit Ende werde ich gefunden, o Götter.
Wort für Wort
nādimantaṃ
nicht mit Anfang (Akk.Sg.)
na cāntaṃ ca
und nicht mit Ende (Akk.Sg.)
kadā cid vidyate
jemals wird [ich] gefunden (3.Sg.Präs.Pass.)
surāḥ
o Götter (Vok.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe, die dasselbe Motiv wie der folgende Vers (n=29) vorwegnimmt.
na cādiṃ na madhyaṃ tathā naiva cāntaṃ; kadā cid vidante surāś cāsurāś ca; anādyo hy amadhyas tathā cāpy anantaḥ; pragīto 'ham īśo vibhur lokasākṣī
Weder Anfang noch Mitte, und ebenso auch nicht Ende finden je die Götter und die Asuras [an mir]; ohne Anfang, ohne Mitte und ebenso auch ohne Ende [bin ich]; ich werde besungen als der Herr, der Alldurchdringende, der Zeuge der Welt.
Wort für Wort
na cādiṃ na madhyaṃ tathā
weder Anfang noch Mitte (Akk.Sg.)
naiva cāntaṃ
und ebenso auch nicht Ende (Akk.Sg.)
kadā cid vidante surāś cāsurāś ca
jemals finden die Götter und Asuras (3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
anādyo hy amadhyas tathā
fürwahr ohne Anfang, ohne Mitte (Nom.Sg.)
cāpy anantaḥ
und ebenso auch ohne Ende (Nom.Sg.)
pragīto 'ham īśo vibhur lokasākṣī
ich werde besungen als Herr, Alldurchdringender, Zeuge der Welt (Nom.Sg.Past.Part.)
viriñca iti yaḥ proktaḥ kapilajñānacintakaiḥ; sa prajāpatir evāhaṃ cetanāt sarvalokakṛt
Der, welcher von den Kennern der Kapila-Lehre ‚Viriñca' genannt wird – das bin fürwahr ich, der Weltschöpfer, der aus [reinem] Bewusstsein die ganze Welt erschafft.
Wort für Wort
viriñca iti yaḥ proktaḥ
der, welcher ‚Viriñca' genannt wird (Nom.Sg.Past.Part.)
kapilajñānacintakaiḥ
von den Kennern der Kapila-Lehre (Instr.Pl.)
sa prajāpatir evāham
das bin fürwahr ich, der Weltschöpfer (Nom.Sg.)
cetanāt sarvalokakṛt
aus Bewusstsein der Erschaffer der ganzen Welt (Abl.Sg. + Nom.Sg.)
Mich, den von [reinem] Wissen begleiteten, im Āditya-[Gestirn] weilenden, ewigen [Geist], nennen die Sāṃkhya-Lehrer, deren Urteile feststehen, ‚Kapila'.
Wort für Wort
vidyāsahāyavantaṃ mām
mich, den von Wissen begleiteten (Akk.Sg.)
ādityasthaṃ sanātanam
im Āditya weilend, ewig (Akk.Sg.)
kapilaṃ prāhur ācāryāḥ
nennen die Lehrer ‚Kapila' (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl.)
sāṃkhyā niścitaniścayāḥ
die Sāṃkhya-[Lehrer], deren Urteile feststehen (Nom.Pl.)
Dieser glanzvolle ‚Hiraṇyagarbha', der im Veda-[Metrum] gepriesen und stets durch Yoga verehrt wird – das bin fürwahr ich, der als ‚der Alldurchdringende' bekannt ist.
Wort für Wort
hiraṇyagarbho dyutimān eṣa
dieser glanzvolle ‚Hiraṇyagarbha' (Nom.Sg.)
yaś chandasi stutaḥ
der im Versmaß/Veda gepriesen wird (Nom.Sg.Past.Part. + Lok.Sg.)
yogaiḥ saṃpūjyate nityaṃ
stets durch Yoga verehrt wird (Instr.Pl. + 3.Sg.Präs.Pass. + Adv.)
sa evāhaṃ vibhuḥ smṛtaḥ
das bin fürwahr ich, ‚der Alldurchdringende' genannt (Nom.Sg. + Nom.Sg.Past.Part.)
ekaviṃśatiśākhaṃ ca ṛgvedaṃ māṃ pracakṣate; sahasraśākhaṃ yat sāma ye vai vedavido janāḥ; gāyanty āraṇyake viprā madbhaktās te 'pi durlabhāḥ
Man bezeichnet mich als den Ṛgveda mit einundzwanzig Zweigen; das Sāma[veda], das tausend Zweige hat, singen die Vedakenner im Āraṇyaka – diese Brahmanen, meine Verehrer, sind selbst schon selten.
Wort für Wort
ekaviṃśatiśākhaṃ ca ṛgvedaṃ
und den Ṛgveda mit einundzwanzig Zweigen (Akk.Sg.)
māṃ pracakṣate
bezeichnen mich (Akk.Sg. + 3.Pl.Präs.)
sahasraśākhaṃ yat sāma
das Sāma[veda] mit tausend Zweigen (Akk.Sg.n.)
ye vai vedavido janāḥ
die Menschen, die Vedakenner sind (Nom.Pl.)
gāyanty āraṇyake viprā
singen die Brahmanen im Āraṇyaka (3.Pl.Präs. + Lok.Sg. + Nom.Pl.)
madbhaktās te 'pi durlabhāḥ
diese meine Verehrer sind [selbst] selten (Nom.Pl.)
ṣaṭpañcāśatam aṣṭau ca saptatriṃśatam ity uta; yasmiñ śākhā yajurvede so 'ham ādhvaryave smṛtaḥ
Sechsundfünfzig, acht und siebenunddreißig [Zweige], so heißt es: in dem Veda, [in dem] diese Zweige [zu finden sind], im Yajurveda – das bin ich, der als [der Veda] der Adhvaryu[-Priester] bekannt ist.
Wort für Wort
ṣaṭpañcāśatam aṣṭau ca
sechsundfünfzig und acht (Akk.Pl.)
saptatriṃśatam ity uta
und siebenunddreißig, so heißt es (Akk.Pl. + Adv.)
yasmiñ śākhā yajurvede
in welchem [Veda], die Zweige, im Yajurveda (Lok.Sg. + Nom.Pl. + Lok.Sg.)
so 'ham ādhvaryave smṛtaḥ
das bin ich, als [Veda] der Adhvaryus bekannt (Nom.Sg. + Nom.Sg.Past.Part.)
Die Zahlen (56+8+37=101) beziehen sich auf die traditionelle Zählung der Yajurveda-Schulen.
pañcakalpam atharvāṇaṃ kṛtyābhiḥ paribṛṃhitam; kalpayanti hi māṃ viprā atharvāṇavidas tathā
Den Atharva[veda] mit [seinen] fünf [Ritual-]Anwendungen, durch Zauberriten verstärkt – als diesen betrachten mich fürwahr die Brahmanen, die den Atharvaveda kennen.
Wort für Wort
pañcakalpam atharvāṇaṃ
den Atharva[veda] mit fünf Anwendungen (Akk.Sg.)
kṛtyābhiḥ paribṛṃhitam
durch Zauberriten verstärkt (Instr.Pl. + Akk.Sg.Past.Part.)
kalpayanti hi māṃ viprā
so betrachten mich fürwahr die Brahmanen (3.Pl.Präs. + Akk.Sg. + Nom.Pl.)
śākhābhedāś ca ye ke cid yāś ca śākhāsu gītayaḥ; svaravarṇasamuccārāḥ sarvāṃs tān viddhi matkṛtān
Und welche Unterschiede der [Veda-]Zweige es auch gibt, und welche Gesänge in den Zweigen [erklingen], die Aussprache von Ton und Laut – wisse, dass all dies von mir geschaffen ist.
Wort für Wort
śākhābhedāś ca ye ke cid
und welche Zweig-Unterschiede es auch gibt (Nom.Pl.)
yāś ca śākhāsu gītayaḥ
und welche Gesänge in den Zweigen (Nom.Pl. + Lok.Pl.)
svaravarṇasamuccārāḥ
die Aussprache von Ton und Laut (Nom.Pl.)
sarvāṃs tān viddhi matkṛtān
wisse, dass all diese von mir geschaffen sind (Akk.Pl. + 2.Sg.Imp. + Akk.Pl.)
yat tad dhayaśiraḥ pārtha samudeti varapradam; so 'ham evottare bhāge kramākṣaravibhāgavit
Jenes segenspendende Pferdehaupt [Hayaśiras], das aufgeht, o Pārtha – das bin ich wahrlich, im nördlichen Bereich [?], der Kenner der Silbenteilung der Krama[-Rezitation].
Wort für Wort
yat tad dhayaśiraḥ
welches Pferdehaupt (Hayaśiras) (Nom.Sg.Neutr., Relativ+Korrelativ)
pārtha
o Pārtha (Vok.)
samudeti varapradam
aufgeht, das gabenspendende (3.Sg.Präs./Nom.Adj.)
so 'ham eva
das bin ich wahrlich (Nom.)
uttare bhāge
im nördlichen/späteren Teil (Lok.)
kramākṣaravibhāgavit
der Kenner der Silbenteilung der Krama-Rezitation (Nom., Bahuvrīhi)
uttare bhāge unklar: räumlich (nördlich) oder zeitlich (später Abschnitt) [?].
Auf dem von Rāma gewiesenen Weg, durch meine Gnade, wurde von dem großherzigen Pāñcāla der Krama[-Rezitationsmodus] erlangt, von jenem ewigen Wesen her; er, vom Geschlecht der Bābhravyas, erstrahlte als der erste Meister des Krama.
Wort für Wort
rāmādeśitamārgeṇa
auf dem von Rāma gewiesenen Weg (Instr.)
matprasādān
durch meine Gnade (Abl.)
mahātmanā pāñcālena
durch den großherzigen Pāñcāla (Instr.)
kramaḥ prāptas
wurde der Krama erlangt (Nom./Nom.Perf.Part.)
tasmād bhūtāt sanātanāt
von jenem ewigen Wesen (Abl.)
bābhravyagotraḥ sa babhau
er, vom Bābhravya-Gotra, erstrahlte (Nom./3.Sg.Perf.)
Und dann König Kaṇḍarīka und der mächtige Brahmadatta – immer wieder das aus Geburt und Tod entstehende Leid bedenkend, gelangte er durch die Vorrangstellung in sieben Geburten zur Vollendung der Yogas.
Wort für Wort
kaṇḍarīkaḥ atha rājā ca
Kaṇḍarīka, und dann auch der König (Nom.)
brahmadattaḥ pratāpavān
der mächtige Brahmadatta (Nom.)
jātīmaraṇajaṃ duḥkhaṃ
das aus Geburt und Tod entstehende Leid (Akk.)
smṛtvā smṛtvā punaḥ punaḥ
immer wieder bedenkend (Ger. wiederholt)
saptajātiṣu mukhyatvād
wegen der Vorrangstellung in sieben Geburten (Abl.)
yogānāṃ saṃpadaṃ gataḥ
zur Vollendung der Yogas gelangt (Gen./Akk./Nom.Perf.Part.)
Verbform (gataḥ) im Singular trotz zwei genannter Namen; evtl. bezeichnen beide dieselbe Person.
Früher war ich, o Pārtha, unter einem anderen Anlass bekannt als ein Sohn des Dharma, o Tiger der Kurus; daher werde ich als Dharmaja [der aus Dharma Geborene] erinnert.
Wort für Wort
purā aham ātmajaḥ
früher [war] ich ein Sohn (Nom.)
pārtha prathitaḥ
o Pārtha, bekannt (Vok./Nom.)
kāraṇāntare dharmasya
unter einem anderen Anlass, des Dharma (Lok./Gen.)
kuruśārdūla
o Tiger der Kurus (Vok.)
tato 'haṃ dharmajaḥ smṛtaḥ
daher werde ich als Dharmaja erinnert (Nom./Nom.Perf.Part.)
Jenen Speer zu Asche gemacht und das Opfer des Dakṣa mit allem Zubehör [vernichtet] habend, kam er [der Speer] mit großer Wucht plötzlich in die Nähe unserer beider Einsiedelei bei Badarī, o Pārtha, auf Nārāyaṇas Brust fallend.
Wort für Wort
tac chūlaṃ bhasmasāt kṛtvā
jenen Speer zu Asche gemacht habend (Akk./Ger.)
dakṣayajñaṃ savistaram
das Opfer des Dakṣa mit allem Zubehör (Akk.)
āvayoḥ sahasāgacchad
kam plötzlich zu uns beiden (Gen.Dual/Adv./3.Sg.Impf.)
Da stürmte Rudra auf die beiden von Askese begleiteten Seher los; da ergriff Nārāyaṇa, die Weltseele, ihn, den Erregten, am Hals mit der Hand – dadurch entstand sein Blauhals-Sein.
Wort für Wort
atha rudra upādhāvat
dann stürmte Rudra herbei (Adv./Nom./3.Sg.Impf.)
tāv ṛṣī tapasānvitau
auf die beiden von Askese begleiteten Seher (Akk.Dual)
tata enaṃ samuddhūtaṃ
dann ihn, den Erregten (Adv./Akk./Akk.Part.)
kaṇṭhe jagrāha pāṇinā
ergriff am Hals mit der Hand (Lok./3.Sg.Perf./Instr.)
nārāyaṇaḥ sa viśvātmā
Nārāyaṇa, die Weltseele (Nom.)
tenāsya śitikaṇṭhatā
dadurch entstand sein Blauhals-Sein (Instr./Gen./Nom.)
kṣiptaś ca sahasā rudre khaṇḍanaṃ prāptavāṃs tadā; tato 'haṃ khaṇḍaparaśuḥ smṛtaḥ paraśukhaṇḍanāt
Und plötzlich gegen Rudra geschleudert, erlitt sie da einen Bruch; daher werde ich, wegen des Zerbrechens der Axt, als „Bruchaxt“ [Khaṇḍaparaśu] erinnert.
Wort für Wort
kṣiptaś ca sahasā
und plötzlich geschleudert (Nom.Part./Adv.)
rudre khaṇḍanaṃ prāptavāṃs tadā
erlitt da bei Rudra einen Bruch (Lok./Akk./Nom.Perf.Part.)
tato 'haṃ khaṇḍaparaśuḥ smṛtaḥ
daher werde ich als ‚Bruchaxt‘ erinnert (Nom./Nom.Part.)
Sie gaben Rudra einen Anteil, wiederum den Rest-Anteil [uccheṣaṇa]; auch dazu gibt es einen Schriftspruch, so von den Veden wiederum gesagt: „Rudra hat ja den Rest-Anteil, mit seinem Rest soll geopfert werden“ – so [sagen] alle, damals in andeutender Form [?].
Wort für Wort
rudrasya bhāgaṃ pradadur
gaben Rudra einen Anteil (Gen./Akk./3.Pl.Perf.)
bhāgam uccheṣaṇaṃ punaḥ
wiederum den Rest-Anteil (Akk./Akk./Adv.)
śrutir apy atra bhavati
auch dazu gibt es einen Schrifttext (Nom./Adv./3.Sg.Präs.)
vedair uktas tathā punaḥ
so von den Veden wiederum ausgesagt (Instr.Pl./Nom.Part./Adv.)
uccheṣaṇabhāgo vai rudras
der Rest-Anteil gehört ja Rudra (Nom./Partikel/Nom.)
tasyoccheṣaṇena hotavyam iti sarve
‚mit seinem Rest soll geopfert werden‘, [sagen] alle (Gen./Instr./Ger.Verbaladj./Zitatpartikel/Nom.Pl.)
gamyarūpeṇa tadā
damals in andeutender/impliziter Form (Instr./Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Textkritisch schwierige Zusatzpassage (star); Sinn von gamyarūpeṇa unsicher [?].
arjuna uvāca; asmin yuddhe tu vārṣṇeya trailokyamathane tadā; jayaṃ kaḥ prāptavāṃs tatra śaṃsaitan me janārdana
Arjuna sprach: „In dieser Schlacht aber, o Vārṣṇeya, als damals die drei Welten aufgewühlt wurden – wer erlangte dort den Sieg? Sag mir dies, o Janārdana.“
Wort für Wort
arjuna uvāca
Arjuna sprach
asmin yuddhe tu
aber in dieser Schlacht (Lok.)
vārṣṇeya
o Vārṣṇeya (Vok.)
trailokyamathane tadā
als damals die drei Welten aufgewühlt wurden (Lok.)
jayaṃ kaḥ prāptavāṃs tatra
wer erlangte dort den Sieg (Akk./Interrog./Nom.Perf.Part./Adv.)
śaṃsa etan me janārdana
sag mir dies, o Janārdana (Imp.2.Sg./Akk./Dat./Vok.)
Der erhabene Herr sprach: Als jene beiden, Rudra und Nārāyaṇa an Wesen, ineinander verschlungen im Kampf lagen, wurden da plötzlich alle Welten, insgesamt, bestürzt.
Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
tayoḥ saṃlagnayor yuddhe
als jene beiden ineinander verschlungen kämpften (Gen.Dual/Lok.)
nāgṛhṇāt pāvakaḥ śubhraṃ makheṣu suhutaṃ haviḥ; vedā na pratibhānti sma ṛṣīṇāṃ bhāvitātmanām
Das Feuer nahm die reine, in den Opfern wohldargebrachte Opferspende nicht an; den Sehern von geläutertem Wesen kamen die Veden nicht mehr in den Sinn.
Wort für Wort
nāgṛhṇāt pāvakaḥ
das Feuer nahm nicht an (Verneinung/3.Sg.Impf./Nom.)
śubhraṃ makheṣu suhutaṃ haviḥ
die reine, in den Opfern wohldargebrachte Opferspende (Akk./Lok./Akk./Akk.)
vedā na pratibhānti sma
die Veden kamen nicht mehr in den Sinn (Nom.Pl./Verneinung/3.Pl.Präs.+sma)
Als dieses Vorzeichen so entstanden war, o Sohn des Pāṇḍu, kam Brahmā, umgeben von Scharen der Götter und von großherzigen Sehern, rasch zu jenem Ort, wo die Schlacht im Gange war.
Wort für Wort
tasminn evaṃ samutpanne nimitte
als dieses Vorzeichen so entstanden war (Lok.Abs.)
pāṇḍunandana
o Sohn des Pāṇḍu (Vok.)
brahmā vṛto devagaṇair
Brahmā, umgeben von Scharen der Götter (Nom./Nom.Part./Instr.)
ṛṣibhiś ca mahātmabhiḥ
und von großherzigen Sehern (Instr.)
ājagāmāśu taṃ deśaṃ
kam rasch zu jenem Ort (3.Sg.Perf./Adv./Akk.)
yatra yuddham avartata
wo die Schlacht im Gange war (Adv./Nom./3.Sg.Impf.)
Die Hände zum Gruß erhoben, sprach der Vierköpfige, sich klar ausdrückend, dieses Wort zu Rudra: „Möge doch Wohlergehen sein den Welten! Lege die Waffen ab, o Herr des Alls, aus Wunsch nach dem Wohl der Welt.
Wort für Wort
sāñjalipragraho bhūtvā
die Hände zum Gruß erhoben habend (Nom./Ger.)
caturvaktro niruktagaḥ
der Vierköpfige, sich klar ausdrückend (Nom.)
uvāca vacanaṃ rudraṃ
sprach das Wort zu Rudra (3.Sg.Perf./Akk./Akk.)
lokānām astu vai śivam
den Welten möge doch Wohlergehen sein (Gen.Pl./3.Sg.Imp./Partikel/Nom.)
nyasyāyudhāni viśveśa
lege die Waffen ab, o Herr des Alls (Imp.2.Sg./Akk.Pl./Vok.)
yad akṣaram athāvyaktam īśaṃ lokasya bhāvanam; kūṭasthaṃ kartṛnirdvaṃdvam akarteti ca yaṃ viduḥ
das Unvergängliche, zugleich Unmanifeste, den Herrn, den Erschaffer der Welt, den am Scheitelpunkt Stehenden, jenseits der Dualität des Handelns, und den man als ‚Nicht-Handelnden‘ kennt –
Wort für Wort
yad akṣaram atha avyaktam
das, was unvergänglich und zugleich unmanifest ist (Nom./Nom./Nom.)
īśaṃ lokasya bhāvanam
der Herr, der Erschaffer der Welt (Nom./Gen./Nom.)
kūṭasthaṃ
am Scheitelpunkt stehend, unveränderlich (Nom.)
kartṛnirdvaṃdvam
jenseits der Dualität des Handelns (Nom.)
akarteti ca yaṃ viduḥ
und den man als ‚Nicht-Handelnden‘ kennt (Nom.+Zitatpartikel/Akk.Rel./3.Pl.Perf.)
von diesem, der in den Zustand der Manifestation eingegangen ist, ist dies eine wohltätige Gestalt: Nara und Nārāyaṇa, geboren als die beiden Träger des Dharma-Geschlechts,
Wort für Wort
vyaktibhāvagatasyāsya
von diesem, der in den Zustand der Manifestation eingegangen ist (Gen.)
ekā mūrtir iyaṃ śivā
dies ist eine wohltätige Gestalt (Nom.)
naro nārāyaṇaś caiva
nämlich Nara und Nārāyaṇa (Nom.)
jātau dharmakulodvahau
geboren als die beiden Träger des Dharma-Geschlechts (Nom.Dual/Nom.Dual)
mit großer Askese ausgestattet, die beiden besten der Götter, von großen Gelübden – ich bin aus seiner Gnade entstanden, bei einem gewissen anderen Anlass, und du, Lieber, bist aus Zorn entstanden, ewig seit der früheren Schöpfung.
Wort für Wort
tapasā mahatā yuktau
mit großer Askese ausgestattet (Instr./Nom.Dual.Part.)
devaśreṣṭhau mahāvratau
die beiden besten der Götter, von großen Gelübden (Nom.Dual)
ahaṃ prasādajas tasya
ich [bin] aus seiner Gnade entstanden (Nom./Nom./Gen.)
kasmiṃś cit kāraṇāntare
bei einem gewissen anderen Anlass (Lok.)
tvaṃ ca eva krodhajas tāta
und du, Lieber, [bist] aus Zorn entstanden (Nom./Nom./Vok.)
mayā ca sārdhaṃ varadaṃ vibudhaiś ca maharṣibhiḥ; prasādayāśu lokānāṃ śāntir bhavatu māciram
mit mir gemeinsam, und mit den Göttern und den großen Sehern, besänftige rasch den Gabenspender [Nārāyaṇa]; Friede möge den Welten zuteilwerden, ohne Verzug!“
Wort für Wort
mayā ca sārdhaṃ
gemeinsam mit mir (Instr./Adv.)
varadaṃ
den Gabenspender (Akk.)
vibudhaiś ca maharṣibhiḥ
und mit den Göttern und großen Sehern (Instr.)
prasādayāśu
besänftige rasch (Imp.2.Sg.Kaus./Adv.)
lokānāṃ śāntir bhavatu
Friede möge den Welten zuteilwerden (Gen.Pl./Nom./3.Sg.Imp.)
brahmaṇā tv evam uktas tu rudraḥ krodhāgnim utsṛjan; prasādayām āsa tato devaṃ nārāyaṇaṃ prabhum; śaraṇaṃ ca jagāmādyaṃ vareṇyaṃ varadaṃ harim
So von Brahmā angesprochen, gab Rudra das Feuer seines Zorns auf und besänftigte darauf den Gott, den Herrn Nārāyaṇa; er nahm Zuflucht beim urzeitlichen, vortrefflichen, gabenspendenden Hari.
Wort für Wort
brahmaṇā tv evam uktas tu
so von Brahmā angesprochen (Instr./Adv./Nom.Part.)
rudraḥ krodhāgnim utsṛjan
Rudra, das Feuer seines Zorns aufgebend (Nom./Akk./Nom.Part.)
prasādayām āsa tato
besänftigte darauf (3.Sg.Perf.Periphr./Adv.)
devaṃ nārāyaṇaṃ prabhum
den Gott, den Herrn Nārāyaṇa (Akk.)
śaraṇaṃ ca jagāmādyaṃ
und nahm Zuflucht beim urzeitlichen (Akk./3.Sg.Perf./Akk.)
yas tvāṃ vetti sa māṃ vetti yas tvām anu sa mām anu; nāvayor antaraṃ kiṃ cin mā te bhūd buddhir anyathā
„Wer dich kennt, der kennt mich; wer dir nachfolgt, der folgt mir nach. Zwischen uns beiden gibt es keinerlei Unterschied; dein Denken sei nicht anders!
Wort für Wort
yas tvāṃ vetti sa māṃ vetti
wer dich kennt, der kennt mich (Nom.Rel./Akk./3.Sg.Präs./Nom./Akk./3.Sg.Präs.)
yas tvām anu sa mām anu
wer dir nachfolgt, der folgt mir nach (Nom.Rel./Akk./Postp./Nom./Akk./Postp.)
nāvayor antaraṃ kiṃ cin
zwischen uns beiden gibt es keinerlei Unterschied (Gen.Dual/Nom./Nom.)
mā te bhūd buddhir anyathā
dein Denken sei nicht anders (Verneinung/Gen./3.Sg.Inj./Nom./Adv.)
Von heute an möge dieses Śrīvatsa-Zeichen zugleich ein Dreizack-Zeichen sein; und auch von meiner Hand gezeichnet, wirst du ‚Śrīkaṇṭha‘ [der Prachthalsige] werden.“
Wort für Wort
adya prabhṛti
von heute an (Adv.)
śrīvatsaḥ śūlāṅko 'yaṃ bhavatv ayam
möge dieses Śrīvatsa-Zeichen zugleich ein Dreizack-Zeichen sein (Nom./Nom./Nom./3.Sg.Imp.)
mama pāṇyaṅkitaś cāpi
und auch von meiner Hand gezeichnet (Gen./Nom.Part.)
So die Zeichen hervorgebracht, die gegenseitig gemacht wurden, und eine unvergleichliche Freundschaft geschlossen habend, vollzogen die beiden Seher, mit Rudra vereint, ungestört Askese, die Himmelsbewohner entlassen habend.
Wort für Wort
evaṃ lakṣaṇam utpādya
so das Zeichen hervorgebracht habend (Adv./Akk./Ger.)
parasparakṛtaṃ tadā
gegenseitig gemacht, damals (Akk./Adv.)
sakhyaṃ caivātulaṃ kṛtvā
und unvergleichliche Freundschaft geschlossen habend (Akk./Akk./Ger.)
rudreṇa sahitāv ṛṣī
die beiden Seher, vereint mit Rudra (Instr./Nom.Dual/Nom.Dual)
eṣa te kathitaḥ pārtha nārāyaṇajayo mṛdhe; nāmāni caiva guhyāni niruktāni ca bhārata; ṛṣibhiḥ kathitānīha yāni saṃkīrtitāni te
Dies, o Pārtha, ist dir erzählt worden: Nārāyaṇas Sieg im Kampf; und auch die geheimen Namen und ihre Etymologien, o Bhārata, die von den Sehern hier erzählt wurden [und] die dir [nun] verkündet worden sind.
Wort für Wort
eṣa te kathitaḥ pārtha
dies ist dir erzählt worden, o Pārtha (Nom./Dat./Nom.Part.)
nārāyaṇajayo mṛdhe
Nārāyaṇas Sieg im Kampf (Nom./Lok.)
nāmāni caiva guhyāni
und die geheimen Namen (Nom.Pl.)
niruktāni ca bhārata
und ihre Etymologien, o Bhārata (Nom.Pl./Vok.)
ṛṣibhiḥ kathitānīha
von den Sehern hier erzählt (Instr./Nom.Pl.Part./Adv.)
yāni saṃkīrtitāni te
die dir verkündet worden sind (Nom.Pl.Rel./Nom.Pl.Part./Dat.)
evaṃ bahuvidhai rūpaiś carāmīha vasuṃdharām; brahmalokaṃ ca kaunteya golokaṃ ca sanātanam; mayā tvaṃ rakṣito yuddhe mahāntaṃ prāptavāñ jayam
So durchwandere ich hier in vielfältigen Gestalten die Erde, die Brahma-Welt, o Sohn der Kuntī, und die ewige Go-Welt; von mir in der Schlacht beschützt, hast du großen Sieg erlangt.
Wort für Wort
evaṃ bahuvidhai rūpaiś
so in vielfältigen Gestalten (Adv./Instr.Pl.)
carāmīha vasuṃdharām
durchwandere ich hier die Erde (1.Sg.Präs./Adv./Akk.)
brahmalokaṃ ca kaunteya
und die Brahma-Welt, o Sohn der Kuntī (Akk./Vok.)
golokaṃ ca sanātanam
und die ewige Go-Welt (Akk./Akk.)
mayā tvaṃ rakṣito yuddhe
von mir in der Schlacht beschützt (Instr./Nom./Nom.Part./Lok.)
mahāntaṃ prāptavāñ jayam
hast du großen Sieg erlangt (Akk./Nom.Perf.Part./Akk.)
yas tu te so 'grato yāti yuddhe saṃpraty upasthite; taṃ viddhi rudraṃ kaunteya devadevaṃ kapardinam
Wer aber vor dir hergeht, wenn die Schlacht gerade bevorsteht – erkenne ihn, o Sohn der Kuntī, als Rudra, den Gott der Götter, den mit dem Haarschopf [Kapardin].
Wort für Wort
yas tu te so 'grato yāti
wer aber vor dir hergeht (Nom.Rel./Dat./Nom./Adv./3.Sg.Präs.)
yuddhe saṃpraty upasthite
wenn die Schlacht gerade bevorsteht (Lok.Abs.)
taṃ viddhi rudraṃ kaunteya
erkenne ihn als Rudra, o Sohn der Kuntī (Akk./Imp.2.Sg./Akk./Vok.)
devadevaṃ kapardinam
den Gott der Götter, den mit dem Haarschopf (Akk.)
kālaḥ sa eva kathitaḥ krodhajeti mayā tava; nihatāṃs tena vai pūrvaṃ hatavān asi vai ripūn
Genau er ist von mir dir als „Zornentsprossener“ [Kāla, die Zeit] bezeichnet worden; die von ihm bereits früher Erschlagenen – [nur] sie hast du [erneut] als Feinde erschlagen.
Wort für Wort
kālaḥ sa eva kathitaḥ
genau er ist als Kāla (Zeit) bezeichnet worden (Nom./Nom.Part.)
krodhajeti mayā tava
als ‚Zornentsprossener‘, von mir, zu dir (Nom.+Zitatpartikel/Instr./Gen.)
nihatāṃs tena vai pūrvaṃ
die von ihm bereits früher getöteten (Akk.Pl.Part./Instr./Partikel/Adv.)
hatavān asi vai ripūn
hast du [nur] die Feinde getötet (Nom.Perf.Part./2.Sg.Präs./Partikel/Akk.Pl.)
yaḥ sa te kathitaḥ pūrvaṃ krodhajeti punaḥ punaḥ; tasya prabhāvam evāgryaṃ yac chrutaṃ te dhanaṃjaya
Der, welcher dir zuvor immer wieder als „Zornentsprossener“ genannt wurde – seine Macht ist wahrlich die höchste, [das,] was du gehört hast, o Dhanañjaya.
Wort für Wort
yaḥ sa te kathitaḥ pūrvaṃ
der, welcher dir zuvor genannt wurde (Nom.Rel./Nom./Dat./Nom.Part./Adv.)
krodhajeti punaḥ punaḥ
immer wieder als ‚Zornentsprossener‘ (Nom.+Zitatpartikel/Adv.)
tasya prabhāvam evāgryaṃ
seine Macht [ist] wahrlich die höchste (Gen./Akk./Akk.)
yac chrutaṃ te dhanaṃjaya
was von dir gehört wurde, o Dhanañjaya (Nom.Rel./Nom.Part./Gen./Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).