Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 213: damapraśaṃsā Lob der Selbstbeherrschung: ihre Kennzeichen und ihre Früchte

Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Weg zu Glück und Furchtlosigkeit antwortet Bhīṣma mit einem Preis der Selbstbeherrschung (dama). Er zählt die Merkmale des Beherrschten auf und stellt sie dem Weg der Schlechtgesinnten gegenüber.

yudhiṣṭhira uvāca; kiṃ kurvan sukham āpnoti kiṃ kurvan duḥkham āpnute; kiṃ kurvan nirbhayo loke siddhaś carati bhārata

Yudhiṣṭhira sprach: „Was tuend erlangt man Glück, was tuend erlangt man Leid? Was tuend wandelt der Vollendete furchtlos in der Welt, Bhārata?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
kiṃ kurvan sukham āpnoti
was tuend Glück erlangt er (Part.Präs./3.Sg.Präs.)
kiṃ kurvan duḥkham āpnute
was tuend Leid erlangt er (Part.Präs./3.Sg.Präs.Med.)
kiṃ kurvan nirbhayo loke
was tuend furchtlos in der Welt (Nom./Lok.)
siddhaś carati bhārata
der Vollendete wandelt, Bhārata (Nom./3.Sg.Präs./Vok.)

bhīṣma uvāca; damam eva praśaṃsanti vṛddhāḥ śrutisamādhayaḥ; sarveṣām eva varṇānāṃ brāhmaṇasya viśeṣataḥ

Bhīṣma sprach: „Die Selbstbeherrschung allein preisen die Alten, die in der Schrift Gesammelten, [als Ideal] für alle Stände, besonders aber für den Brahmanen.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.3.Sg.)
damam eva praśaṃsanti
die Selbstbeherrschung allein preisen sie (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)
vṛddhāḥ śrutisamādhayaḥ
die Alten, deren Sammlung in der Schrift liegt (Nom.Pl./Bahuvrīhi)
sarveṣām eva varṇānām
für alle Stände (Gen.Pl.)
brāhmaṇasya viśeṣataḥ
des Brahmanen besonders (Gen.Sg./Adv.)

Für „śrutisamādhayaḥ“ ist die Deutung als Bahuvrīhi („deren Sammlung/Festigung in der Śruti liegt“) gewählt; andere Auflösung denkbar.

nādāntasya kriyāsiddhir yathāvad upalabhyate; kriyā tapaś ca vedāś ca dame sarvaṃ pratiṣṭhitam

Bei einem Unbeherrschten wird Gelingen des Handelns nicht recht erlangt. Handeln, Askese und die Veden: in der Selbstbeherrschung ist alles gegründet.

Wort für Wort
nādāntasya kriyāsiddhiḥ
nicht des Unbeherrschten Handlungserfolg (Gen.Sg./Nom.Sg.)
yathāvad upalabhyate
wird gebührend erlangt (Adv./3.Sg.Pass.)
kriyā tapaś ca vedāś ca
Handeln und Askese und die Veden (Nom.)
dame sarvaṃ pratiṣṭhitam
in der Selbstbeherrschung ist alles gegründet (Lok./Nom.N./Part.Perf.Pass.)

damas tejo vardhayati pavitraṃ dama ucyate; vipāpmā nirbhayo dāntaḥ puruṣo vindate mahat

Die Selbstbeherrschung mehrt die Glut [Tatkraft]; die Selbstbeherrschung wird ein Reinigungsmittel genannt. Der Beherrschte, frei von Übel und furchtlos, erlangt als Mensch Großes.

Wort für Wort
damas tejo vardhayati
Selbstbeherrschung mehrt die Glut (Nom./Akk./3.Sg.Kaus.)
pavitraṃ dama ucyate
ein Reinigungsmittel wird die Selbstbeherrschung genannt (Nom.N./3.Sg.Pass.)
vipāpmā nirbhayo dāntaḥ
frei von Übel, furchtlos, beherrscht (Nom.Sg.)
puruṣo vindate mahat
der Mensch findet Großes (Nom./3.Sg.Präs./Akk.N.)

sukhaṃ dāntaḥ prasvapiti sukhaṃ ca pratibudhyate; sukhaṃ loke viparyeti manaś cāsya prasīdati

Der Beherrschte schläft glücklich ein und erwacht glücklich; glücklich bewegt er sich in der Welt, und sein Gemüt wird klar.

Wort für Wort
sukhaṃ dāntaḥ prasvapiti
glücklich schläft der Beherrschte ein (Adv./Nom./3.Sg.Präs.)
sukhaṃ ca pratibudhyate
und glücklich erwacht er (3.Sg.Präs.Med.)
sukhaṃ loke viparyeti
glücklich bewegt er sich in der Welt hin und her (Adv./Lok./3.Sg.Präs.)
manaś cāsya prasīdati
und sein Geist wird klar (Nom./Gen./3.Sg.Präs.)

tejo damena dhriyate na tat tīkṣṇo 'dhigacchati; amitrāṃś ca bahūn nityaṃ pṛthag ātmani paśyati

Die Glut wird durch Selbstbeherrschung gehalten; der Hitzige erlangt sie nicht. Und viele Feinde sieht er stets gesondert in sich selbst.

Wort für Wort
tejo damena dhriyate
die Glut wird durch Selbstbeherrschung gehalten (Nom./Instr./3.Sg.Pass.)
na tat tīkṣṇo 'dhigacchati
der Scharfe/Hitzige erlangt sie nicht (Akk.N./Nom./3.Sg.Präs.)
amitrāṃś ca bahūn nityaṃ
und viele Feinde stets (Akk.Pl./Adv.)
pṛthag ātmani paśyati
gesondert in sich sieht er (Adv./Lok./3.Sg.Präs.)

Zweiter Halbvers: „pṛthag ātmani“ sinngemäß: der Unbeherrschte erkennt viele Feinde als von ihm getrennt in seinem eigenen Selbst [?]; Sinn nicht ganz eindeutig.

kravyādbhya iva bhūtānām adāntebhyaḥ sadā bhayam; teṣāṃ vipratiṣedhārthaṃ rājā sṛṣṭaḥ svayaṃbhuvā

Wie vor Fleischfressern besteht für die Wesen vor den Unbeherrschten stets Furcht. Zu deren Abwehr wurde der König vom Selbstgeborenen erschaffen.

Wort für Wort
kravyādbhya iva bhūtānām
wie vor Fleischfressern für die Wesen (Abl.Pl./Gen.Pl.)
adāntebhyaḥ sadā bhayam
vor den Unbeherrschten stets Furcht (Abl.Pl./Adv./Nom.N.)
teṣāṃ vipratiṣedhārthaṃ
zu deren Abwehr (Gen.Pl./Akk.N. als Adv.)
rājā sṛṣṭaḥ svayaṃbhuvā
der König wurde erschaffen vom Selbstgeborenen (Nom./Part.Perf.Pass./Instr.)

āśrameṣu ca sarveṣu dama eva viśiṣyate

Und in allen Lebensstadien zeichnet sich die Selbstbeherrschung allein aus.

Wort für Wort
āśrameṣu ca sarveṣu
und in allen Lebensstadien (Lok.Pl.)
dama eva viśiṣyate
die Selbstbeherrschung allein zeichnet sich aus (Nom./3.Sg.Pass.)

dharmaḥ saṃrakṣyate tais tu yatas te dharmasetavaḥ

Von ihnen wird der Dharma bewahrt, denn sie sind die Dämme des Dharma.

Wort für Wort
dharmaḥ saṃrakṣyate
der Dharma wird bewahrt (Nom./3.Sg.Pass.)
tais tu
von diesen aber (Instr.Pl.)
yatas te
weil sie (Adv./Nom.Pl.)
dharmasetavaḥ
Dämme des Dharma (Nom.Pl./Tatpuruṣa)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (nur in Teilen der Überlieferung).

yac ca teṣu phalaṃ dharme bhūyo dānte tad ucyate

Und die Frucht, die es bei ihnen im Dharma gibt, von der wird gesagt, sie sei beim Beherrschten größer.

Wort für Wort
yac ca teṣu phalaṃ dharme
und die Frucht, die bei diesen im Dharma [ist] (Nom.N./Lok.Pl./Lok.)
bhūyo dānte
größer beim Beherrschten (Komp.Nom.N./Lok.)
tad ucyate
das wird gesagt (Nom.N./3.Sg.Pass.)

teṣāṃ liṅgāni vakṣyāmi yeṣāṃ samudayo damaḥ; akārpaṇyam asaṃrambhaḥ saṃtoṣaḥ śraddadhānatā

Ihre Kennzeichen will ich nennen, [derer] Gesamtheit die Selbstbeherrschung ist: Nicht-Armseligkeit, Nicht-Erregtheit, Zufriedenheit, Gläubigkeit,

Wort für Wort
teṣāṃ liṅgāni vakṣyāmi
deren Kennzeichen werde ich sagen (Gen.Pl./Akk.Pl./1.Sg.Fut.)
yeṣāṃ samudayo damaḥ
deren Gesamtheit die Selbstbeherrschung ist (Gen.Pl./Nom./Nom.)
akārpaṇyam asaṃrambhaḥ
Nicht-Armseligkeit, Nicht-Erregtheit (Nom.N./Nom.M.)
saṃtoṣaḥ śraddadhānatā
Zufriedenheit, Glaubensbereitschaft (Nom./Nom.)

akrodha ārjavaṃ nityaṃ nātivādo na mānitā; gurupūjānasūyā ca dayā bhūteṣv apaiśunam

Zornlosigkeit, Aufrichtigkeit stets, kein Übermaß an Reden, keine Einbildung, Verehrung der Lehrer, Neidlosigkeit, Mitgefühl mit den Wesen, Nicht-Verleumdung,

Wort für Wort
akrodha ārjavaṃ nityam
Zornlosigkeit, Geradheit, stets (Nom./Nom./Adv.)
nātivādo na mānitā
kein Übermaß an Reden, keine Selbstgefälligkeit (Nom./Nom.)
gurupūjānasūyā ca
Verehrung der Lehrer und Neidlosigkeit (Nom./Nom.)
dayā bhūteṣv apaiśunam
Mitgefühl mit den Wesen, Nicht-Verleumdung (Nom./Lok.Pl./Nom.N.)

janavādamṛṣāvādastutinindāvivarjanam; sādhukāmaś cāspṛhayann āyāti pratyayaṃ nṛṣu

Meidung von Gerede der Leute, Lüge, Lob und Tadel; er wünscht Gutes [für andere] und ist ohne Begehren; so gelangt er bei den Menschen zu Vertrauen.

Wort für Wort
janavādamṛṣāvādastutinindāvivarjanam
Meidung von Volksgerede, Lüge, Lob und Tadel (Nom.N./Dvandva-Tatpuruṣa)
sādhukāmaś ca
und das Gute wünschend (Nom./Bahuvrīhi)
aspṛhayann
ohne Begehren zu hegen (Part.Präs.Kaus.)
āyāti pratyayaṃ nṛṣu
gelangt zu Vertrauen bei den Menschen (3.Sg.Präs./Akk./Lok.Pl.)

„aspṛhayann“ [?]: „aspṛhayan“ als Partizip von spṛh mit Negation; Lesung „ca aspṛhayann“ nach Sandhi angesetzt.

avairakṛt sūpacāraḥ samo nindāpraśaṃsayoḥ; suvṛttaḥ śīlasaṃpannaḥ prasannātmātmavān budhaḥ; prāpya loke ca satkāraṃ svargaṃ vai pretya gacchati

Er stiftet keine Feindschaft, ist gut im Umgang, gleichmütig gegenüber Tadel und Lob, von gutem Wandel, reich an Charakter, von heiterem Gemüt, selbstbeherrscht und weise. Hat er in der Welt Ehrung erlangt, so geht er nach dem Tod gewiss in den Himmel.

Wort für Wort
avairakṛt sūpacāraḥ
keine Feindschaft stiftend, gut im Umgang (Nom.Sg.)
samo nindāpraśaṃsayoḥ
gleich gegenüber Tadel und Lob (Nom./Lok.Du.)
suvṛttaḥ śīlasaṃpannaḥ
von gutem Wandel, mit Charakter begabt (Nom.Sg.)
prasannātmātmavān budhaḥ
heiteren Gemüts, selbstbeherrscht, weise (Nom.Sg.)
prāpya loke ca satkāraṃ
und nachdem er in der Welt Ehrung erlangt hat (Abs./Lok./Akk.)
svargaṃ vai pretya gacchati
in den Himmel geht er gewiss nach dem Tod (Akk./Part./Abs./3.Sg.Präs.)

durgamaṃ sarvabhūtānāṃ prāpya yan modate sukhī

[Er erlangt,] was für alle Wesen schwer zugänglich ist, und freut sich, glücklich geworden.

Wort für Wort
durgamaṃ sarvabhūtānām
schwer zugänglich für alle Wesen (Akk.N./Gen.Pl.)
prāpya yan modate sukhī
nachdem er erlangt, worüber er sich freut, glücklich (Abs./Rel./3.Sg.Präs.Med./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe; der Bezug ist elliptisch, die Wiedergabe [?] wortnah.

sarvabhūtahite yukto na smayād dveṣṭi vai janam; mahāhrada ivākṣobhya prajñātṛptaḥ prasīdati

Auf das Wohl aller Wesen bedacht, hasst er die Menschen nicht aus Hochmut. Wie ein großer See, unaufgewühlt, wird er klar, gesättigt an Weisheit.

Wort für Wort
sarvabhūtahite yukto
dem Wohl aller Wesen zugewandt (Lok./Nom.)
na smayād dveṣṭi vai janam
nicht aus Hochmut hasst er gewiss die Leute (Abl./3.Sg.Präs./Akk.)
mahāhrada ivākṣobhya
wie ein großer See, unaufgewühlt (Nom./Nom.)
prajñātṛptaḥ prasīdati
an Weisheit gesättigt wird er klar (Nom./3.Sg.Präs.)

abhayaṃ sarvabhūtebhyaḥ sarveṣām abhayaṃ yataḥ; namasyaḥ sarvabhūtānāṃ dānto bhavati jñānavān

Wer allen Wesen Furchtlosigkeit gewährt und vor dem alle furchtlos sind, der Beherrschte, der Wissende, wird von allen Wesen verehrt.

Wort für Wort
abhayaṃ sarvabhūtebhyaḥ
Furchtlosigkeit vor allen Wesen [gewährend] (Akk./Abl.Pl.)
sarveṣām abhayaṃ yataḥ
von dem her für alle Furchtlosigkeit ist (Gen.Pl./Nom./Abl.)
namasyaḥ sarvabhūtānām
verehrenswert für alle Wesen (Nom./Gen.Pl.)
dānto bhavati jñānavān
der Beherrschte wird zum Wissenden (Nom./3.Sg.Präs./Nom.)

na hṛṣyati mahaty arthe vyasane ca na śocati; sa vai parimitaprajñaḥ sa dānto dvija ucyate

Wer sich bei großem Gewinn nicht freut und im Unglück nicht trauert, der hat wahrlich ein wohlbemessenes Urteil; der wird ein Beherrschter, ein Zweimalgeborener, genannt.

Wort für Wort
na hṛṣyati mahaty arthe
er freut sich nicht bei großem Gewinn (3.Sg.Präs./Lok.)
vyasane ca na śocati
und im Unglück trauert er nicht (Lok./3.Sg.Präs.)
sa vai parimitaprajñaḥ
der hat wahrlich ein wohlbemessenes Urteil (Nom./Bahuvrīhi)
sa dānto dvija ucyate
der wird ein Beherrschter, ein Zweimalgeborener genannt (Nom./Nom./3.Sg.Pass.)

„parimitaprajñaḥ“: „von begrenztem/gemäßigtem Verstand“ oder „mit maßvoller Einsicht“; hier die wohlwollende Lesart gewählt [?].

karmabhiḥ śrutasaṃpannaḥ sadbhir ācaritaiḥ śubhaiḥ; sadaiva damasaṃyuktas tasya bhuṅkte mahat phalam

Durch gute, von den Guten geübte Handlungen reich an Schriftwissen und stets mit Selbstbeherrschung verbunden, genießt er davon große Frucht.

Wort für Wort
karmabhiḥ śrutasaṃpannaḥ
durch Handlungen mit Schriftwissen begabt (Instr.Pl./Nom.)
sadbhir ācaritaiḥ śubhaiḥ
durch von Guten geübte, gute [Handlungen] (Instr.Pl.)
sadaiva damasaṃyuktaḥ
stets mit Selbstbeherrschung verbunden (Adv./Nom.)
tasya bhuṅkte mahat phalam
deren große Frucht genießt er (Gen./3.Sg.Präs.Med./Akk.)

anasūyā kṣamā śāntiḥ saṃtoṣaḥ priyavāditā; satyaṃ dānam anāyāso naiṣa mārgo durātmanām

Neidlosigkeit, Nachsicht, Ruhe, Zufriedenheit, freundliches Reden, Wahrhaftigkeit, Freigebigkeit, Mühelosigkeit: das ist nicht der Weg der Schlechtgesinnten.

Wort für Wort
anasūyā kṣamā śāntiḥ
Neidlosigkeit, Nachsicht, Ruhe (Nom.)
saṃtoṣaḥ priyavāditā
Zufriedenheit, liebes Reden (Nom.)
satyaṃ dānam anāyāsaḥ
Wahrheit, Geben, Nicht-Anstrengung (Nom.)
naiṣa mārgo durātmanām
das ist nicht der Weg der Schlechtgesinnten (Nom./Gen.Pl.)

kāmakrodhau ca lobhaś ca parasyerṣyā vikatthanā

Begierde und Zorn und Habgier, Neid auf einen anderen, Prahlerei,

Wort für Wort
kāmakrodhau ca lobhaś ca
Begierde und Zorn und Habgier (Nom.Du./Nom.)
parasyerṣyā vikatthanā
Neid auf einen anderen, Prahlerei (Gen./Nom./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe.

dambho darpaś ca mānaś ca naiṣa mārgo mahātmanām

Heuchelei, Hochmut und Dünkel: das ist nicht der Weg der Hochgesinnten.

Wort für Wort
dambho darpaś ca mānaś ca
Heuchelei, Hochmut und Dünkel (Nom.)
naiṣa mārgo mahātmanām
das ist nicht der Weg der Hochgesinnten (Nom./Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe.

atuṣṭir anṛtaṃ moha eṣa mārgo durātmanām

Unzufriedenheit, Unwahrheit, Verblendung: das ist der Weg der Schlechtgesinnten.

Wort für Wort
atuṣṭir anṛtaṃ moha
Unzufriedenheit, Unwahrheit, Verblendung (Nom.)
eṣa mārgo durātmanām
das ist der Weg der Schlechtgesinnten (Nom./Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe.

kāmakrodhau vaśe kṛtvā brahmacārī jitendriyaḥ; vikramya ghore tapasi brāhmaṇaḥ saṃśitavrataḥ; kālākāṅkṣī carel lokān nirapāya ivātmavān

Begierde und Zorn in seine Gewalt gebracht, als Brahmacārin mit bezwungenen Sinnen, im furchtbaren Askesefeuer sich anstrengend, als Brahmane mit scharf gehaltenem Gelübde, soll der Selbstbeherrschte die Welten durchwandern, die rechte Zeit erwartend, wie einer ohne Gefahr.

Wort für Wort
kāmakrodhau vaśe kṛtvā
Begierde und Zorn in die Gewalt gebracht (Akk.Du./Lok./Abs.)
brahmacārī jitendriyaḥ
Brahmacārin, dessen Sinne bezwungen sind (Nom./Bahuvrīhi)
vikramya ghore tapasi
sich anstrengend in furchtbarer Askese (Abs./Lok.)
brāhmaṇaḥ saṃśitavrataḥ
der Brahmane mit scharfem Gelübde (Nom./Bahuvrīhi)
kālākāṅkṣī carel lokān
die Zeit erwartend soll er die Welten durchwandern (Nom./Opt.3.Sg./Akk.Pl.)
nirapāya ivātmavān
wie gefahrlos, der Selbstbeherrschte (Adv./Nom.)

Der Schluss „nirapāya iva“ ist knapp; sinngemäß „gleichsam ohne Gefahr“ bzw. „unversehrt“ [?].

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