Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 331: nāradabadarīgamanam Janamejayas Frage und Nāradas Ankunft bei Nara und Nārāyaṇa

Das Kapitel eröffnet den Rückblick auf Nāradas Reise: Janamejaya erfragt von Vyāsa bzw. Vaiśaṃpāyana die Umstände, unter denen der Seher Nārada nach seiner Vision Nārāyaṇas auf Śvetadvīpa zum Āśrama Badarī zurückkehrte, um dort Nara und Nārāyaṇa aufzusuchen. Der Abschnitt gehört zum sogenannten Nārāyaṇīya innerhalb des Mokṣadharma-Teils des Śāntiparvan.

janamejaya uvāca; brahman sumahad ākhyānaṃ bhavatā parikīrtitam; yac chrutvā munayaḥ sarve vismayaṃ paramaṃ gatāḥ

Janamejaya sprach: „O Brahmane, eine sehr gewaltige Erzählung wurde von dir verkündet, nach deren Anhören alle Weisen in höchstes Erstaunen gerieten.“

Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
brahman
o Brahmane (Vok.)
sumahad ākhyānaṃ
eine sehr gewaltige Erzählung (Akk. Sg.)
bhavatā parikīrtitam
von dir verkündet (Instr. + PPP)
yac chrutvā
welche gehört habend (Absolutiv)
munayaḥ sarve
alle Weisen (Nom. Pl.)
vismayaṃ paramaṃ gatāḥ
gerieten in höchstes Erstaunen (Akk. + PPP Nom. Pl.)

sarvāśramābhigamanaṃ sarvatīrthāvagāhanam; na tathā phaladaṃ saute nārāyaṇakathā yathā; pāvitāṅgāḥ sma saṃvṛttāḥ śrutvemam āditaḥ kathām; nārāyaṇāśrayāṃ puṇyāṃ sarvapāpapramocanīm; durdarśo bhagavān devaḥ sarvalokanamaskṛtaḥ; devaiḥ sabrahmakaiḥ kṛtsnair anyaiś caiva maharṣibhiḥ; dṛṣṭavān nārado yatra devaṃ nārāyaṇaṃ harim; nūnam etad dhy anumataṃ tasya devasya sūtaja; yad dṛṣṭavāñ jagannātham aniruddhatanau sthitam; yat prādravat punar bhūyo nārado devasattamau; sūta uvāca; naranārāyaṇau draṣṭuṃ kāraṇaṃ tad bravīhi me; tasmin yajñe vartamāne rājñaḥ pārikṣitasya vai; karmāntareṣu vidhivad vartamāneṣu śaunaka; kṛṣṇadvaipāyanaṃ vyāsam ṛṣiṃ vedanidhiṃ prabhum; janamejaya uvāca; paripapraccha rājendraḥ pitāmahapitāmaham; śvetadvīpān nivṛttena nāradena surarṣiṇā; dhyāyatā bhagavadvākyaṃ ceṣṭitaṃ kim ataḥ param; badaryāśramam āgamya samāgamya ca tāv ṛṣī; kiyantaṃ kālam avasat kāṃ kathāṃ pṛṣṭavāṃś ca saḥ

„Der Besuch aller Einsiedeleien und das Untertauchen in allen Pilgerstätten – das trägt nicht so viel Frucht, o Sohn des Sūta, wie die Erzählung von Nārāyaṇa. Geläutert am Leibe sind wir geworden, da wir diese Erzählung von Anfang an gehört haben, die sich auf Nārāyaṇa gründet, heilig ist und von aller Sünde befreit. Schwer zu erblicken ist der erhabene Gott, von aller Welt verehrt – von den Göttern samt Brahmā, allen, und auch von anderen großen Sehern –; [dort] sah Nārada den Gott Nārāyaṇa Hari. Gewiss ist wahrlich dies von jenem Gott gebilligt worden, o Sohn des Sūta: dass er den Herrn der Welt sah, der in Aniruddhas Leib weilte, und dass Nārada wieder zu den beiden höchsten Göttern eilte.“ Sūta sprach: [Da sprach Janamejaya zu Vyāsa:] „Sage mir den Grund dafür, Nara und Nārāyaṇa zu sehen.“ Während jenes Opfer des Königs, des Sohnes Parikṣits, im Gange war, als die Zwischenhandlungen vorschriftsgemäß vollzogen wurden, o Śaunaka, [befragte er] den Kṛṣṇadvaipāyana Vyāsa, den Seher, den Schatz der Veden, den Herrn. Janamejaya sprach so: Der König der Könige befragte den Großvater des Großvaters über Nārada, den Götterweisen, der aus Śvetadvīpa zurückgekehrt war und über das Wort des Erhabenen nachsann: „Was geschah danach weiter? Nachdem er zum Āśrama Badarī gekommen war und mit jenen beiden Sehern zusammengetroffen war – wie lange Zeit verweilte er, und welche Geschichte erfragte er?“

Wort für Wort
sarvāśramābhigamanaṃ sarvatīrthāvagāhanam
der Besuch aller Einsiedeleien, das Untertauchen in allen Pilgerstätten (Nom. Sg., Subjekt)
na tathā phaladaṃ saute
trägt nicht so viel Frucht, o Sohn des Sūta (Vok.)
nārāyaṇakathā yathā
wie die Erzählung von Nārāyaṇa (Nom.)
pāvitāṅgāḥ sma saṃvṛttāḥ
wir sind geläuterten Leibes geworden (Nom. Pl., Perf.periphr.)
śrutvemam āditaḥ kathām
da wir diese Geschichte von Anfang an gehört haben (Absolutiv + Akk.)
nārāyaṇāśrayāṃ puṇyāṃ
die sich auf Nārāyaṇa gründet, heilig (Akk. Sg. fem., attr.)
sarvapāpapramocanīm
die von aller Sünde befreit (Akk. Sg. fem., attr.)
durdarśo bhagavān devaḥ
der erhabene Gott ist schwer zu erblicken (Nom. Sg.)
sarvalokanamaskṛtaḥ
von aller Welt verehrt (Nom. Sg., PPP)
devaiḥ sabrahmakaiḥ kṛtsnair
von den Göttern samt Brahmā, allen (Instr. Pl.)
anyaiś caiva maharṣibhiḥ
und auch von anderen großen Sehern (Instr. Pl.)
dṛṣṭavān nārado yatra
wo Nārada sah (3.Sg.Perf.periphr., Nom.)
devaṃ nārāyaṇaṃ harim
den Gott Nārāyaṇa Hari (Akk.)
nūnam etad dhy anumataṃ
gewiss ist dies wahrlich gebilligt (Nom. Sg., PPP)
tasya devasya sūtaja
von jenem Gott, o Sohn des Sūta (Gen./Vok.)
yad dṛṣṭavāñ jagannātham
dass er den Herrn der Welt sah (Akk.)
aniruddhatanau sthitam
der in Aniruddhas Leib weilte (Lok. + Akk. PPP)
yat prādravat punar bhūyo
dass er wieder erneut eilte (3.Sg.Impf.)
nārado devasattamau
Nārada zu den beiden höchsten Göttern (Nom., Akk. Dual)
sūta uvāca
Sūta sprach (3.Sg.Perf.)
naranārāyaṇau draṣṭuṃ
Nara und Nārāyaṇa zu sehen (Akk. Dual + Inf.)
kāraṇaṃ tad bravīhi me
sage mir diesen Grund (Akk. + Imp. 2.Sg.)
tasmin yajñe vartamāne
während jenes Opfer im Gange war (Lok.Absolutus)
rājñaḥ pārikṣitasya vai
des Königs, des Sohnes Parikṣits (Gen.)
karmāntareṣu vidhivad vartamāneṣu śaunaka
als die Zwischenhandlungen vorschriftsgemäß im Gange waren, o Śaunaka (Lok.Abs. + Vok.)
kṛṣṇadvaipāyanaṃ vyāsam ṛṣiṃ vedanidhiṃ prabhum
den Kṛṣṇadvaipāyana Vyāsa, den Seher, den Schatz der Veden, den Herrn (Akk.)
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (3.Sg.Perf.)
paripapraccha rājendraḥ
der König der Könige befragte (3.Sg.Perf.)
pitāmahapitāmaham
den Großvater des Großvaters [Vyāsa] (Akk.)
śvetadvīpān nivṛttena nāradena surarṣiṇā
über Nārada, den Götterweisen, der von Śvetadvīpa zurückgekehrt war (Instr.)
dhyāyatā bhagavadvākyaṃ
der über das Wort des Erhabenen nachsann (Instr.Part. + Akk.)
ceṣṭitaṃ kim ataḥ param
was für ein Handeln gab es weiter danach (Nom./Interrog.)
badaryāśramam āgamya
nachdem er zum Āśrama Badarī gekommen war (Akk./Absolutiv)
samāgamya ca tāv ṛṣī
und mit jenen beiden Sehern zusammengetroffen war (Absolutiv + Akk. Dual)
kiyantaṃ kālam avasat
wie lange Zeit er verweilte (Akk. + 3.Sg.Impf.)
kāṃ kathāṃ pṛṣṭavāṃś ca saḥ
und welche Geschichte er erfragte (Akk. + Perf.Part. Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur in Teil der Handschriften), stark verschachtelte Rahmenerzählung; die genaue Sprecherfolge (Śaunaka/Sūta/Janamejaya) ist im Text nicht restlos eindeutig und wurde nach dem wahrscheinlichsten Bezug wiedergegeben [?].

idaṃ śatasahasrād dhi bhāratākhyānavistarāt; āmathya matimanthena jñānodadhim anuttamam

Dies, indem [du es] aus der weitläufigen Erzählung des Bhārata von hunderttausend [Versen] mit dem Rührstab des Verstandes herausgequirlt hast, [diesen] unübertrefflichen Ozean des Wissens –

Wort für Wort
idaṃ
dies (Akk., Objekt, vorausweisend)
śatasahasrād dhi bhāratākhyānavistarāt
aus der weitläufigen Bhārata-Erzählung von hunderttausend [Versen] (Abl.)
āmathya
gequirlt/herausgeschöpft habend (Absolutiv)
matimanthena
mit dem Rührstab des Verstandes (Instr.)
jñānodadhim anuttamam
den unübertrefflichen Ozean des Wissens (Akk.)

navanītaṃ yathā dadhno malayāc candanaṃ yathā; āraṇyakaṃ ca vedebhya oṣadhibhyo 'mṛtaṃ yathā

wie die frische Butter aus der Dickmilch, wie das Sandelholz aus dem Malaya-Gebirge, und wie das Āraṇyaka aus den Veden, wie der Nektar aus den Kräutern –

Wort für Wort
navanītaṃ yathā dadhno
wie die frische Butter aus der Dickmilch (Nom./Abl.)
malayāc candanaṃ yathā
wie das Sandelholz aus dem Malaya-Gebirge (Abl./Nom.)
āraṇyakaṃ ca vedebhyaḥ
und wie das Āraṇyaka aus den Veden (Nom./Abl.)
oṣadhibhyo 'mṛtaṃ yathā
wie der Nektar aus den Kräutern (Abl./Nom.)

samuddhṛtam idaṃ brahman kathāmṛtam anuttamam; taponidhe tvayoktaṃ hi nārāyaṇakathāśrayam

so ist dies hier herausgehoben worden, o Brahmane, dieser unübertreffliche Nektar der Erzählung, von dir gesprochen, o Schatz der Askese, der sich auf die Erzählung von Nārāyaṇa gründet.

Wort für Wort
samuddhṛtam idaṃ
herausgehoben ist dies (Nom. PPP)
brahman
o Brahmane (Vok.)
kathāmṛtam anuttamam
dieser unübertreffliche Erzählungs-Nektar (Nom.)
taponidhe
o Schatz der Askese (Vok.)
tvayoktaṃ hi
von dir gesprochen, wahrlich (Instr. + PPP)
nārāyaṇakathāśrayam
der sich auf die Nārāyaṇa-Erzählung gründet (Nom., attr.)

sa hīśo bhagavān devaḥ sarvabhūtātmabhāvanaḥ; aho nārāyaṇaṃ tejo durdarśaṃ dvijasattama

Er ist ja der Herr, der erhabene Gott, der das Selbst aller Wesen hervorbringt; ach, der Glanz Nārāyaṇas ist schwer zu erblicken, o Bester der Zweifachgeborenen!

Wort für Wort
sa hīśo bhagavān devaḥ
er ist ja der Herr, der erhabene Gott (Nom.)
sarvabhūtātmabhāvanaḥ
der das Selbst aller Wesen hervorbringt (Nom., attr.)
aho
ach! (Interjektion)
nārāyaṇaṃ tejo durdarśaṃ
der Glanz Nārāyaṇas ist schwer zu erblicken (Nom.)
dvijasattama
o Bester der Zweifachgeborenen (Vok.)

yatrāviśanti kalpānte sarve brahmādayaḥ surāḥ; ṛṣayaś ca sagandharvā yac ca kiṃ cic carācaram; na tato 'sti paraṃ manye pāvanaṃ divi ceha ca

In den alle Götter, angefangen mit Brahmā, am Ende des Weltzeitalters eingehen, und die Seher samt den Gandharvas, und was auch immer an Beweglichem und Unbeweglichem existiert – darüber hinaus, meine ich, gibt es nichts Reineres, weder im Himmel noch hier.

Wort für Wort
yatrāviśanti kalpānte
worin sie eingehen am Ende des Weltzeitalters (Lok./3.Pl.Präs.)
sarve brahmādayaḥ surāḥ
alle Götter, angefangen mit Brahmā (Nom. Pl.)
ṛṣayaś ca sagandharvā
und die Seher samt den Gandharvas (Nom. Pl.)
yac ca kiṃ cic carācaram
und was auch immer Bewegliches und Unbewegliches (Nom./Akk. neutr.)
na tato 'sti paraṃ manye
darüber hinaus, meine ich, gibt es nichts (3.Sg.Präs./1.Sg.Präs.)
pāvanaṃ divi ceha ca
Reineres im Himmel und hier (Akk., Lok.)

sarvāśramābhigamanaṃ sarvatīrthāvagāhanam; na tathā phaladaṃ cāpi nārāyaṇakathā yathā

Der Besuch aller Einsiedeleien und das Untertauchen in allen Pilgerstätten – auch das trägt nicht so viel Frucht wie die Erzählung von Nārāyaṇa.

Wort für Wort
sarvāśramābhigamanaṃ
der Besuch aller Einsiedeleien (Nom.)
sarvatīrthāvagāhanam
das Untertauchen in allen Pilgerstätten (Nom.)
na tathā phaladaṃ cāpi
trägt auch nicht so viel Frucht (Nom./Adv.)
nārāyaṇakathā yathā
wie die Erzählung von Nārāyaṇa (Nom.)

sarvathā pāvitāḥ smeha śrutvemām āditaḥ kathām; harer viśveśvarasyeha sarvapāpapraṇāśanīm

Auf jede Weise sind wir hier geläutert worden, da wir diese Erzählung von Anfang an gehört haben – die Erzählung von Hari, dem Herrn des Universums, die hier alle Sünde vernichtet.

Wort für Wort
sarvathā pāvitāḥ smeha
auf jede Weise sind wir hier geläutert (Nom. Pl., Perf.periphr.)
śrutvemām āditaḥ kathām
da wir diese Erzählung von Anfang an gehört haben (Absolutiv + Akk.)
harer viśveśvarasyeha
von Hari, dem Herrn des Universums, hier (Gen.)
sarvapāpapraṇāśanīm
die alle Sünde vernichtet (Akk. fem., attr.)

na citraṃ kṛtavāṃs tatra yad āryo me dhanaṃjayaḥ; vāsudevasahāyo yaḥ prāptavāñ jayam uttamam

Kein Wunder ist es, was mein edler Dhanañjaya dort vollbracht hat, er, der mit Vāsudeva als Beistand den höchsten Sieg erlangt hat.

Wort für Wort
na citraṃ kṛtavāṃs tatra
kein Wunder ist, was er dort getan hat (Nom., Perf.Part.)
yad āryo me dhanaṃjayaḥ
dass mein edler Dhanañjaya (Nom.)
vāsudevasahāyo yaḥ
der Vāsudeva als Beistand hatte (Nom.)
prāptavāñ jayam uttamam
den höchsten Sieg erlangt hat (Perf.Part. + Akk.)

na cāsya kiṃ cid aprāpyaṃ manye lokeṣv api triṣu; trailokyanātho viṣṇuḥ sa yasyāsīt sāhyakṛt sakhā

Und für ihn, meine ich, gibt es nichts Unerreichbares, selbst in den drei Welten, für ihn, dessen Freund und Helfer jener Viṣṇu war, der Herr der drei Welten.

Wort für Wort
na cāsya kiṃ cid aprāpyaṃ
und für ihn gibt es nichts Unerreichbares (Gen./Nom.)
manye lokeṣv api triṣu
meine ich, selbst in den drei Welten (1.Sg.Präs./Lok.)
trailokyanātho viṣṇuḥ sa
jener Viṣṇu, der Herr der drei Welten (Nom.)
yasyāsīt sāhyakṛt sakhā
dessen Helfer-Freund er war (Gen./3.Sg.Impf./Nom.)

dhanyāś ca sarva evāsan brahmaṃs te mama pūrvakāḥ; hitāya śreyase caiva yeṣām āsīj janārdanaḥ

Und glückselig, o Brahmane, waren wahrlich alle jene meine Vorfahren, denen Janārdana zum Nutzen und Wohl gereichte.

Wort für Wort
dhanyāś ca sarva evāsan
und glückselig waren wahrlich alle (Nom. Pl./3.Pl.Impf.)
brahmaṃs te mama pūrvakāḥ
o Brahmane, jene meine Vorfahren (Vok./Nom.)
hitāya śreyase caiva
zum Nutzen und zum Wohl (Dat.)
yeṣām āsīj janārdanaḥ
denen Janārdana [zur Verfügung] war (Gen./3.Sg.Impf./Nom.)

tapasāpi na dṛśyo hi bhagavāṃl lokapūjitaḥ; yaṃ dṛṣṭavantas te sākṣāc chrīvatsāṅkavibhūṣaṇam

Denn selbst durch Askese ist der erhabene, von der Welt verehrte Gott nicht zu erblicken – ihn, den mit dem Śrīvatsa-Zeichen geschmückten, haben jene mit eigenen Augen gesehen.

Wort für Wort
tapasāpi na dṛśyo hi
denn selbst durch Askese nicht sichtbar (Instr./Nom.)
bhagavāṃl lokapūjitaḥ
der erhabene, von der Welt verehrte (Nom.)
yaṃ dṛṣṭavantas te sākṣāt
den jene mit eigenen Augen gesehen haben (Akk./Perf.Part.Nom.Pl./Adv.)
śrīvatsāṅkavibhūṣaṇam
den mit dem Śrīvatsa-Zeichen geschmückten (Akk., attr.)

tebhyo dhanyataraś caiva nāradaḥ parameṣṭhijaḥ; na cālpatejasam ṛṣiṃ vedmi nāradam avyayam

Und noch glückseliger als sie ist Nārada, der Sohn des Höchsten [Brahmā]; und ich halte den unvergänglichen Seher Nārada nicht für einen von geringer Macht.

Wort für Wort
tebhyo dhanyataraś caiva
und noch glückseliger als sie (Abl.compar./Nom.)
nāradaḥ parameṣṭhijaḥ
Nārada, der Sohn des Höchsten [Brahmā] (Nom.)
na cālpatejasam ṛṣiṃ
und nicht für einen Seher von geringer Macht (Akk.)
vedmi nāradam avyayam
halte ich den unvergänglichen Nārada (1.Sg.Präs./Akk.)

dṛṣṭavān yo hariṃ devaṃ nārāyaṇam ajaṃ vibhum

er, der den Gott Hari, Nārāyaṇa, den Ungeborenen, den Alldurchdringenden, gesehen hat,

Wort für Wort
dṛṣṭavān yo
der gesehen hat (Perf.Part.Nom./Relativpron.)
hariṃ devaṃ
den Gott Hari (Akk.)
nārāyaṇam ajaṃ vibhum
Nārāyaṇa, den Ungeborenen, den Alldurchdringenden (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

śvetadvīpaṃ samāsādya yena dṛṣṭaḥ svayaṃ hariḥ

nachdem er zum Śvetadvīpa gelangt war, durch den Hari selbst gesehen wurde.

Wort für Wort
śvetadvīpaṃ samāsādya
nachdem er zum Śvetadvīpa gelangt war (Akk./Absolutiv)
yena dṛṣṭaḥ svayaṃ hariḥ
durch den Hari selbst gesehen wurde (Instr./Nom.Pass.Part.)

devaprasādānugataṃ vyaktaṃ tat tasya darśanam; yad dṛṣṭavāṃs tadā devam aniruddhatanau sthitam

Durch die Gnade des Gottes ermöglicht und offenbar war jenes Schauen desselben, als er damals den Gott sah, der in Aniruddhas Leib weilte.

Wort für Wort
devaprasādānugataṃ vyaktaṃ
durch Gnade des Gottes ermöglicht, offenbar (Nom., attr.)
tat tasya darśanam
jenes Schauen von ihm (Nom.)
yad dṛṣṭavāṃs tadā devam
als er damals den Gott sah (Akk./Perf.Part./Adv.)
aniruddhatanau sthitam
der in Aniruddhas Leib weilte (Lok./Akk.PPP)

badarīm āśramaṃ yat tu nāradaḥ prādravat punaḥ; naranārāyaṇau draṣṭuṃ kiṃ nu tatkāraṇaṃ mune

Dass Nārada aber wieder zum Āśrama Badarī eilte, um Nara und Nārāyaṇa zu sehen – was ist wohl der Grund dafür, o Weiser?

Wort für Wort
badarīm āśramaṃ yat tu
dass aber zum Āśrama Badarī (Akk./Konj.)
nāradaḥ prādravat punaḥ
Nārada wieder eilte (Nom./3.Sg.Impf.)
naranārāyaṇau draṣṭuṃ
um Nara und Nārāyaṇa zu sehen (Akk.Dual/Inf.)
kiṃ nu tatkāraṇaṃ mune
was ist wohl der Grund dafür, o Weiser (Nom./Vok.)

śvetadvīpān nivṛttaś ca nāradaḥ parameṣṭhijaḥ; badarīm āśramaṃ prāpya samāgamya ca tāv ṛṣī

Und Nārada, der Sohn des Höchsten, von Śvetadvīpa zurückgekehrt, nachdem er den Āśrama Badarī erreicht und mit jenen beiden Sehern zusammengetroffen war –

Wort für Wort
śvetadvīpān nivṛttaś ca
und von Śvetadvīpa zurückgekehrt (Abl./Nom.PPP)
nāradaḥ parameṣṭhijaḥ
Nārada, der Sohn des Höchsten (Nom.)
badarīm āśramaṃ prāpya
nachdem er den Āśrama Badarī erreicht hatte (Akk./Absolutiv)
samāgamya ca tāv ṛṣī
und mit jenen beiden Sehern zusammengetroffen war (Absolutiv/Akk.Dual)

kiyantaṃ kālam avasat kāḥ kathāḥ pṛṣṭavāṃś ca saḥ; śvetadvīpād upāvṛtte tasmin vā sumahātmani

– wie lange Zeit verweilte er, und welche Geschichten fragte er, nachdem jener hochbeseelte [Nārada] von Śvetadvīpa zurückgekehrt war?

Wort für Wort
kiyantaṃ kālam avasat
wie lange Zeit verweilte er (Akk./3.Sg.Impf.)
kāḥ kathāḥ pṛṣṭavāṃś ca saḥ
und welche Geschichten fragte er (Akk.Pl./Perf.Part.Nom.)
śvetadvīpād upāvṛtte
als er von Śvetadvīpa zurückgekehrt war (Abl./Lok.Abs.)
tasmin vā sumahātmani
jener hochbeseelte (Lok.Abs.)

kim abrūtāṃ mahātmānau naranārāyaṇāv ṛṣī; tad etan me yathātattvaṃ sarvam ākhyātum arhasi

Was sprachen die beiden hochbeseelten Seher Nara und Nārāyaṇa? Dies alles sollst du mir der Wahrheit gemäß erzählen.

Wort für Wort
kim abrūtāṃ mahātmānau
was sprachen die beiden hochbeseelten (Akk.Interr./3.Dual.Impf./Nom.Dual)
naranārāyaṇāv ṛṣī
die Seher Nara und Nārāyaṇa (Nom.Dual)
tad etan me
dies mir (Akk.)
yathātattvaṃ sarvam
der Wahrheit gemäß, alles (Adv./Akk.)
ākhyātum arhasi
sollst du erzählen (Inf./2.Sg.Präs.)

sūta uvāca; evaṃ pṛṣṭas tadā rājñā parāśaryo mahāmuniḥ; samīpasthaṃ tataḥ śiṣyaṃ vaiśaṃpāyanam abravīt; brūhy asmai sarvam akhilaṃ yad vṛttaṃ nāradasya ha; tayoḥ sakāśaṃ gatvā ca yathā sa kṛtavān punaḥ

Sūta sprach: So vom König befragt, sprach damals der große Weise, der Sohn des Parāśara, zu seinem in der Nähe sitzenden Schüler Vaiśaṃpāyana: „Erzähle ihm alles vollständig, was mit Nārada geschah, und wie er, nachdem er zu jenen beiden gegangen war, wieder gehandelt hat.“

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach (3.Sg.Perf.)
evaṃ pṛṣṭas tadā rājñā
so vom König befragt, damals (Nom.PPP/Instr.)
parāśaryo mahāmuniḥ
der Sohn Parāśaras, der große Weise (Nom.)
samīpasthaṃ tataḥ śiṣyaṃ vaiśaṃpāyanam abravīt
sprach dann zu seinem nahestehenden Schüler Vaiśaṃpāyana (Akk./3.Sg.Impf.)
brūhy asmai sarvam akhilaṃ
erzähle ihm alles vollständig (Imp.2.Sg./Dat./Akk.)
yad vṛttaṃ nāradasya ha
was mit Nārada geschah (Nom.Rel./Gen.)
tayoḥ sakāśaṃ gatvā ca
und nachdem er zu jenen beiden gegangen war (Gen.Dual/Akk./Absolutiv)
yathā sa kṛtavān punaḥ
wie er wieder gehandelt hat (Adv./Perf.Part.Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

sūta uvāca; tasya tad vacanaṃ śrutvā kṛṣṇadvaipāyanas tadā; śaśāsa śiṣyam āsīnaṃ vaiśaṃpāyanam antike; tad asmai sarvam ācakṣva yan mattaḥ śrutavān asi; guror vacanam ājñāya sa tu viprarṣabhas tadā; ācacakṣe tataḥ sarvam itihāsaṃ purātanam

Sūta sprach: Nachdem er jenes Wort von ihm gehört hatte, befahl Kṛṣṇadvaipāyana daraufhin seinem nahe sitzenden Schüler Vaiśaṃpāyana: „Erzähle ihm dies alles, was du von mir gehört hast.“ Nachdem er das Wort des Lehrers verstanden hatte, erzählte jener Beste der Brahmanen daraufhin die ganze alte Geschichte.

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach (3.Sg.Perf.)
tasya tad vacanaṃ śrutvā
nachdem er jenes Wort von ihm gehört hatte (Gen./Akk./Absolutiv)
kṛṣṇadvaipāyanas tadā
Kṛṣṇadvaipāyana daraufhin (Nom.)
śaśāsa śiṣyam āsīnaṃ
befahl dem nahesitzenden Schüler (3.Sg.Perf./Akk.)
vaiśaṃpāyanam antike
dem Vaiśaṃpāyana in der Nähe (Akk.)
tad asmai sarvam ācakṣva
erzähle ihm dies alles (Akk./Dat./Imp.2.Sg.)
yan mattaḥ śrutavān asi
was du von mir gehört hast (Akk.Rel./Abl./Perf.2.Sg.)
guror vacanam ājñāya
nachdem er das Wort des Lehrers verstanden hatte (Gen./Akk./Absolutiv)
sa tu viprarṣabhas tadā
er aber, der Bulle der Brahmanen, daraufhin (Nom.)
ācacakṣe tataḥ sarvam itihāsaṃ purātanam
erzählte darauf die ganze alte Geschichte (3.Sg.Perf./Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

vaiśaṃpāyana uvāca; namo bhagavate tasmai vyāsāyāmitatejase; yasya prasādād vakṣyāmi nārāyaṇakathām imām

Vaiśaṃpāyana sprach: Verehrung sei jenem erhabenen Vyāsa von unermesslichem Glanz, durch dessen Gnade ich diese Erzählung von Nārāyaṇa vortragen werde.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (3.Sg.Perf.)
namo bhagavate tasmai
Verehrung sei jenem Erhabenen (Nom./Dat.)
vyāsāyāmitatejase
dem Vyāsa von unermesslichem Glanz (Dat.)
yasya prasādād
durch dessen Gnade (Gen./Abl.)
vakṣyāmi nārāyaṇakathām imām
werde ich diese Erzählung von Nārāyaṇa vortragen (1.Sg.Fut./Akk.)

nāsti nārāyaṇasamaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati; etena satyavākyena sarvārthān sādhayāmy aham; nāradena purā yā me gurave viniveditā; ṛṣīṇāṃ pāṇḍavānāṃ ca śṛṇvatoḥ kṛṣṇabhīṣmayoḥ

Es gibt nichts, das Nārāyaṇa gleicht, gab es nicht und wird es nicht geben; mit dieser Wahrheitsaussage erreiche ich alle Ziele – [die Erzählung,] die einst von Nārada meinem Lehrer mitgeteilt wurde, während die Seher, die Pāṇḍavas und Kṛṣṇa und Bhīṣma zuhörten.

Wort für Wort
nāsti nārāyaṇasamaṃ
es gibt nichts, das Nārāyaṇa gleicht (3.Sg.Präs./Nom.)
na bhūtaṃ na bhaviṣyati
gab es nicht und wird es nicht geben (Nom./3.Sg.Fut.)
etena satyavākyena
mit dieser Wahrheitsaussage (Instr.)
sarvārthān sādhayāmy aham
erreiche ich alle Ziele (Akk./1.Sg.Präs.)
nāradena purā yā me gurave viniveditā
die einst von Nārada meinem Lehrer mitgeteilt wurde (Instr./Adv./Nom.fem./Dat./PPP)
ṛṣīṇāṃ pāṇḍavānāṃ ca
der Seher und der Pāṇḍavas (Gen.Pl.)
śṛṇvatoḥ kṛṣṇabhīṣmayoḥ
während Kṛṣṇa und Bhīṣma zuhörten (Gen.Dual/Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

prāpya śvetaṃ mahādvīpaṃ dṛṣṭvā ca harim avyayam; nivṛtto nārado rājaṃs tarasā merum āgamat; hṛdayenodvahan bhāraṃ yad uktaṃ paramātmanā

Nachdem er die große weiße Insel erreicht und den unvergänglichen Hari gesehen hatte, kehrte Nārada zurück, o König, und gelangte rasch zum Meru, im Herzen die Last tragend, die vom höchsten Selbst gesprochen worden war.

Wort für Wort
prāpya śvetaṃ mahādvīpaṃ
nachdem er die große weiße Insel erreicht hatte (Absolutiv/Akk.)
dṛṣṭvā ca harim avyayam
und den unvergänglichen Hari gesehen hatte (Absolutiv/Akk.)
nivṛtto nārado rājaṃs
kehrte Nārada zurück, o König (Nom./Vok.)
tarasā merum āgamat
gelangte rasch zum Meru (Instr./Akk./3.Sg.Impf.)
hṛdayenodvahan bhāraṃ
im Herzen die Last tragend (Instr./Part.Präs./Akk.)
yad uktaṃ paramātmanā
was vom höchsten Selbst gesprochen worden war (Nom./PPP/Instr.)

paścād asyābhavad rājann ātmanaḥ sādhvasaṃ mahat; yad gatvā dūram adhvānaṃ kṣemī punar ihāgataḥ

Danach ergriff ihn, o König, große Angst um sich selbst – dass er, nachdem er einen weiten Weg gegangen war, heil wieder hierher zurückgekehrt war.

Wort für Wort
paścād asyābhavad rājann
danach kam über ihn, o König (Adv./3.Sg.Impf./Vok.)
ātmanaḥ sādhvasaṃ mahat
eine große Furcht um sich selbst (Gen./Akk.)
yad gatvā dūram adhvānaṃ
dass er, einen weiten Weg gegangen (Absolutiv/Akk.)
kṣemī punar ihāgataḥ
wohlbehalten wieder hierher zurückgekehrt (Nom./PPP)

tato meroḥ pracakrāma parvataṃ gandhamādanam; nipapāta ca khāt tūrṇaṃ viśālāṃ badarīm anu

Dann schritt er vom Meru fort zum Berg Gandhamādana, und rasch fiel er vom Himmel herab, nahe der weiten [Einsiedelei] Badarī.

Wort für Wort
tato meroḥ pracakrāma
dann schritt er fort vom Meru (Adv./Abl./3.Sg.Perf.)
parvataṃ gandhamādanam
zum Berg Gandhamādana (Akk.)
nipapāta ca khāt tūrṇaṃ
und fiel rasch vom Himmel herab (3.Sg.Perf./Abl./Adv.)
viśālāṃ badarīm anu
nahe der weiten Badarī (Akk. + Postposition)

tataḥ sa dadṛśe devau purāṇāv ṛṣisattamau; tapaś carantau sumahad ātmaniṣṭhau mahāvratau

Dann sah er die beiden uralten Götter, die besten der Seher, die große Askese übten, in sich selbst gefestigt, von großem Gelübde.

Wort für Wort
tataḥ sa dadṛśe devau
dann sah er die beiden Götter (Adv./3.Sg.Perf./Akk.Dual)
purāṇāv ṛṣisattamau
die uralten, die besten der Seher (Akk.Dual)
tapaś carantau sumahad
die große Askese übten (Akk./Part.Präs.Dual/Akk.)
ātmaniṣṭhau mahāvratau
in sich selbst gefestigt, von großem Gelübde (Akk.Dual)

tejasābhyadhikau sūryāt sarvalokavirocanāt; śrīvatsalakṣaṇau pūjyau jaṭāmaṇḍaladhāriṇau

An Glanz überlegen der Sonne, die alle Welten erleuchtet; mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen, verehrungswürdig, Träger eines Kranzes von Jaṭās.

Wort für Wort
tejasābhyadhikau sūryāt
an Glanz überlegen der Sonne (Instr./Akk.Dual/Abl.)
sarvalokavirocanāt
die alle Welten erleuchtet (Abl., attr.)
śrīvatsalakṣaṇau pūjyau
mit dem Śrīvatsa-Zeichen, verehrungswürdig (Akk.Dual)
jaṭāmaṇḍaladhāriṇau
Träger eines Kranzes von Jaṭās (Akk.Dual)

jālapādabhujau tau tu pādayoś cakralakṣaṇau; vyūḍhoraskau dīrghabhujau tathā muṣkacatuṣkiṇau

Jene beiden hatten netzartige Füße und Arme, an den Füßen das Zeichen des Rades; sie waren breitbrüstig, langarmig und ebenso mit vier Hoden versehen.

Wort für Wort
jālapādabhujau tau tu
die beiden hatten netzartige Füße und Arme (Nom.Du.)
pādayoś cakralakṣaṇau
an den Füßen mit dem Rad-Zeichen (Lok.Du./Nom.Du.)
vyūḍhoraskau
breitbrüstig (Nom.Du.)
dīrghabhujau
langarmig (Nom.Du.)
tathā muṣkacatuṣkiṇau
und ebenso mit vier Hoden versehen (Nom.Du.)

ṣaṣṭidantāv aṣṭadaṃṣṭrau meghaughasadṛśasvanau; svāsyau pṛthulalāṭau ca suhanū subhrunāsikau

Sie hatten sechzig Zähne, acht Eckzähne, eine Stimme gleich dem Grollen der Wolkenmassen; ein schönes Antlitz, eine breite Stirn, ein wohlgeformtes Kinn und schöne Brauen und Nasen.

Wort für Wort
ṣaṣṭidantāv
mit sechzig Zähnen (Nom.Du.)
aṣṭadaṃṣṭrau
mit acht Eckzähnen (Nom.Du.)
meghaughasadṛśasvanau
mit einer Stimme gleich dem Grollen der Wolkenmassen (Nom.Du.)
svāsyau pṛthulalāṭau ca
mit schönem Antlitz und breiter Stirn (Nom.Du.)
suhanū subhrunāsikau
mit gutem Kinn und schönen Brauen und Nasen (Nom.Du.)

ātapatreṇa sadṛśe śirasī devayos tayoḥ; evaṃ lakṣaṇasaṃpannau mahāpuruṣasaṃjñitau

Die Häupter jener beiden Götter glichen einem Sonnenschirm. So mit diesen Kennzeichen ausgestattet, wurden sie ‚Mahāpuruṣa‘ [der Große Mann] genannt.

Wort für Wort
ātapatreṇa sadṛśe
einem Sonnenschirm gleich (Instr./Nom.Du.)
śirasī devayos tayoḥ
die Häupter jener beiden Götter (Nom.Du./Gen.Du.)
evaṃ lakṣaṇasaṃpannau
so mit Kennzeichen ausgestattet (Nom.Du.)
mahāpuruṣasaṃjñitau
‚Mahāpuruṣa‘ genannt (Nom.Du.)

tau dṛṣṭvā nārado hṛṣṭas tābhyāṃ ca pratipūjitaḥ; svāgatenābhibhāṣyātha pṛṣṭaś cānāmayaṃ tadā

Beim Anblick der beiden wurde Nārada froh, und er wurde von ihnen ehrfurchtsvoll begrüßt; sie sprachen ihn mit einem Willkommensgruß an und fragten ihn dann nach seinem Wohlergehen.

Wort für Wort
tau dṛṣṭvā
die beiden erblickend (Absol.)
nārado hṛṣṭas
Nārada wurde froh (Nom.Sg.)
tābhyāṃ ca pratipūjitaḥ
und von den beiden geehrt (Instr.Du./Nom.Sg.)
svāgatenābhibhāṣya
mit einem Willkommensgruß angesprochen (Absol.)
atha pṛṣṭaś cānāmayaṃ tadā
und dann nach dem Wohlergehen gefragt (Nom.Sg./Akk.)

babhūvāntargatamatir nirīkṣya puruṣottamau; sadogatās tatra ye vai sarvabhūtanamaskṛtāḥ

Er wurde innerlich nachdenklich, als er die beiden höchsten Männer betrachtete: die, welche dort der [göttlichen] Versammlung angehören und von allen Wesen verehrt werden,

Wort für Wort
babhūvāntargatamatir
er wurde innerlich nachdenklich (3.Sg.Perf./Nom.)
nirīkṣya puruṣottamau
die beiden höchsten Männer betrachtend (Absol./Akk.Du.)
sadogatās tatra ye
die, welche dort der Versammlung angehören (Nom.Pl.)
vai sarvabhūtanamaskṛtāḥ
die von allen Wesen verehrt werden (Nom.Pl.)

śvetadvīpe mayā dṛṣṭās tādṛśāv ṛṣisattamau; iti saṃcintya manasā kṛtvā cābhipradakṣiṇam; upopaviviśe tatra pīṭhe kuśamaye śubhe

solche wie diese beiden besten Seher hatte ich auf Śvetadvīpa gesehen! So bei sich überlegend, umschritt er sie ehrfurchtsvoll und setzte sich dann dort auf einen schönen Sitz aus Kuśagras.

Wort für Wort
śvetadvīpe mayā dṛṣṭās
auf Śvetadvīpa von mir gesehen (Lok./Instr./Nom.Pl.)
tādṛśāv ṛṣisattamau
solche besten Seher (Akk.Du.)
iti saṃcintya manasā
so im Geist überlegend (Absol./Instr.)
kṛtvā cābhipradakṣiṇam
und die Umschreitung vollzogen habend (Absol./Akk.)
upopaviviśe tatra
er setzte sich dort nieder (3.Sg.Perf.)
pīṭhe kuśamaye śubhe
auf den schönen Sitz aus Kuśagras (Lok.)

tatas tau tapasāṃ vāsau yaśasāṃ tejasām api; ṛṣī śamadamopetau kṛtvā pūrvāhṇikaṃ vidhim

Danach vollzogen die beiden Seher, die Wohnstätten der Askese, des Ruhmes und ebenso der Glut waren und mit Gelassenheit und Selbstbeherrschung ausgestattet waren, die Morgenriten,

Wort für Wort
tatas tau
danach die beiden (Nom.Du.)
tapasāṃ vāsau
Wohnstätten der Askese (Nom.Du./Gen.Pl.)
yaśasāṃ tejasām api
auch des Ruhmes und der Glut (Gen.Pl.)
ṛṣī śamadamopetau
die beiden Seher, mit Gelassenheit und Selbstbeherrschung ausgestattet (Nom.Du.)
kṛtvā pūrvāhṇikaṃ vidhim
die Morgenriten vollzogen habend (Absol./Akk.)

paścān nāradam avyagrau pādyārghyābhyāṃ prapūjya ca; pīṭhayoś copaviṣṭau tau kṛtātithyāhnikau nṛpa

und ehrten danach, gelassen, Nārada mit Wasser für die Füße und mit der Ehrengabe, oh König; dann setzten sich die beiden, nachdem sie die Gastpflicht und ihre Tagesriten vollzogen hatten, auf ihre Sitze.

Wort für Wort
paścān nāradam avyagrau
danach Nārada, die beiden Gelassenen (Akk./Nom.Du.)
pādyārghyābhyāṃ prapūjya ca
mit Fußwasser und Ehrengabe geehrt habend (Instr.Du./Absol.)
pīṭhayoś copaviṣṭau tau
und die beiden auf ihre Sitze gesetzt (Lok.Du./Nom.Du.)
kṛtātithyāhnikau nṛpa
die die Gastpflicht und die Tagesriten vollzogen hatten, oh König (Nom.Du./Vok.)

teṣu tatropaviṣṭeṣu sa deśo 'bhivyarājata; ājyāhutimahājvālair yajñavāṭo 'gnibhir yathā

Als jene dort so saßen, erstrahlte jener Ort, wie ein Opferbezirk durch Feuer mit den großen Flammen der Ghee-Opfergüsse erstrahlt.

Wort für Wort
teṣu tatropaviṣṭeṣu
als jene dort saßen (Lok.Abs.Pl.)
sa deśo 'bhivyarājata
jener Ort erstrahlte (Nom./3.Sg.Impf.)
ājyāhutimahājvālair
durch die großen Flammen der Ghee-Opfergüsse (Instr.Pl.)
yajñavāṭo 'gnibhir yathā
wie ein Opferbezirk durch Feuer (Nom./Instr.Pl.)

atha nārāyaṇas tatra nāradaṃ vākyam abravīt; sukhopaviṣṭaṃ viśrāntaṃ kṛtātithyaṃ sukhasthitam

Da sprach Nārāyaṇa dort zu Nārada, der bequem saß, sich ausgeruht hatte, gastlich bewirtet und wohlbefindlich war, folgendes Wort:

Wort für Wort
atha nārāyaṇas tatra
da Nārāyaṇa dort (Nom.)
nāradaṃ vākyam abravīt
sprach zu Nārada ein Wort (Akk./Akk./3.Sg.Impf.)
sukhopaviṣṭaṃ viśrāntaṃ
der bequem saß, ausgeruht (Akk.Sg.)
kṛtātithyaṃ sukhasthitam
gastlich bewirtet, wohlbefindlich (Akk.Sg.)

apīdānīṃ sa bhagavān paramātmā sanātanaḥ; śvetadvīpe tvayā dṛṣṭa āvayoḥ prakṛtiḥ parā

„Hast du nun jenen Erhabenen, den ewigen höchsten Geist, auf Śvetadvīpa gesehen, unser beider höchsten Urgrund?“

Wort für Wort
apīdānīṃ sa bhagavān
hast du nun jenen Erhabenen (Nom.)
paramātmā sanātanaḥ
den ewigen höchsten Geist (Nom.)
śvetadvīpe tvayā dṛṣṭa
auf Śvetadvīpa von dir gesehen (Lok./Instr./Nom.)
āvayoḥ prakṛtiḥ parā
der unser beider höchster Urgrund ist (Gen.Du./Nom.)

nārada uvāca; dṛṣṭo me puruṣaḥ śrīmān viśvarūpadharo 'vyayaḥ; sarve hi lokās tatrasthās tathā devāḥ saharṣibhiḥ; adyāpi cainaṃ paśyāmi yuvāṃ paśyan sanātanau

Nārada sprach: „Ich sah den glanzvollen Puruṣa, den Unvergänglichen, der die Gestalt des Alls trägt; denn dort waren alle Welten gegenwärtig, ebenso die Götter mit den Sehern. Noch heute sehe ich ihn, wenn ich euch beide, die Ewigen, betrachte.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
dṛṣṭo me puruṣaḥ śrīmān
von mir gesehen wurde der glanzvolle Puruṣa (Nom.Sg./Instr.)
viśvarūpadharo 'vyayaḥ
der die Weltgestalt trägt, der Unvergängliche (Nom.)
sarve hi lokās tatrasthās
denn alle Welten waren dort gegenwärtig (Nom.Pl.)
tathā devāḥ saharṣibhiḥ
ebenso die Götter mit den Sehern (Nom.Pl./Instr.Pl.)
adyāpi cainaṃ paśyāmi
noch heute sehe ich ihn (1.Sg.Präs.)
yuvāṃ paśyan sanātanau
wenn ich euch beide, die Ewigen, betrachte (Akk.Du./Part.)

yair lakṣaṇair upetaḥ sa harir avyaktarūpadhṛk; tair lakṣaṇair upetau hi vyaktarūpadharau yuvām

Mit denselben Merkmalen, mit denen jener Hari, der eine unoffenbarte Gestalt trägt, ausgestattet ist, seid auch ihr beide, die ihr eine offenbarte Gestalt tragt, ausgestattet.

Wort für Wort
yair lakṣaṇair upetaḥ
mit welchen Merkmalen ausgestattet (Instr.Pl./Nom.)
sa harir avyaktarūpadhṛk
jener Hari, der eine unoffenbarte Gestalt trägt (Nom.)
tair lakṣaṇair upetau hi
mit ebendiesen Merkmalen ausgestattet (Instr.Pl./Nom.Du.)
vyaktarūpadharau yuvām
seid ihr beide, die die offenbarte Gestalt tragt (Nom.Du.)

dṛṣṭau mayā yuvāṃ tatra tasya devasya pārśvataḥ; iha caivāgato 'smy adya visṛṣṭaḥ paramātmanā

Ich sah euch beide dort an der Seite jenes Gottes, und heute bin ich hierher gekommen, von dem höchsten Geist entsandt.

Wort für Wort
dṛṣṭau mayā yuvāṃ tatra
ich sah euch beide dort (Nom.Du./Instr./Akk.Du.)
tasya devasya pārśvataḥ
an der Seite jenes Gottes (Gen.)
iha caivāgato 'smy adya
und heute bin ich hierher gekommen (Nom./1.Sg.Präs.)
visṛṣṭaḥ paramātmanā
entsandt von dem höchsten Geist (Nom./Instr.)

ko hi nāma bhavet tasya tejasā yaśasā śriyā; sadṛśas triṣu lokeṣu ṛte dharmātmajau yuvām

Wer könnte wohl an Glanz, Ruhm und Herrlichkeit ihm gleich sein in den drei Welten, außer euch beiden, den Söhnen des Dharma?

Wort für Wort
ko hi nāma bhavet
wer könnte wohl sein (Nom./3.Sg.Opt.)
tasya tejasā yaśasā śriyā
an Glanz, Ruhm und Herrlichkeit ihm (Gen./Instr.)
sadṛśas triṣu lokeṣu
gleich in den drei Welten (Nom./Lok.Pl.)
ṛte dharmātmajau yuvām
außer euch beiden, den Söhnen des Dharma (Präp./Akk.Du.)

tena me kathitaṃ pūrvaṃ nāma kṣetrajñasaṃjñitam; prādurbhāvāś ca kathitā bhaviṣyanti hi ye yathā

Er hat mir zuvor auch den Namen genannt, der ‚Kṣetrajña‘ [Kenner des Feldes] heißt, und er hat mir die Erscheinungsformen verkündet, welche und wie sie künftig sein werden.

Wort für Wort
tena me kathitaṃ pūrvaṃ
von ihm wurde mir zuvor gesagt (Instr./Nom./Akk.)
nāma kṣetrajñasaṃjñitam
der Name ‚Kṣetrajña‘ (Nom./Akk.)
prādurbhāvāś ca kathitā
und die Erscheinungsformen wurden genannt (Nom.Pl.)
bhaviṣyanti hi ye yathā
die künftig sein werden, und wie (3.Pl.Fut.)

tatra ye puruṣāḥ śvetāḥ pañcendriyavivarjitāḥ; pratibuddhāś ca te sarve bhaktāś ca puruṣottamam

Die weißen Männer dort, die frei von den fünf Sinnen waren, sie alle waren erwacht und dem höchsten Puruṣa hingegeben.

Wort für Wort
tatra ye puruṣāḥ śvetāḥ
die weißen Männer dort (Nom.Pl.)
pañcendriyavivarjitāḥ
frei von den fünf Sinnen (Nom.Pl.)
pratibuddhāś ca te sarve
und sie alle waren erwacht (Nom.Pl.)
bhaktāś ca puruṣottamam
und dem höchsten Puruṣa hingegeben (Nom.Pl./Akk.)

te 'rcayanti sadā devaṃ taiḥ sārdhaṃ ramate ca saḥ; priyabhakto hi bhagavān paramātmā dvijapriyaḥ

Sie verehren den Gott beständig, und er ergötzt sich zusammen mit ihnen; denn der Erhabene, der höchste Geist, liebt seine Verehrer und ist den Zweifachgeborenen zugetan.

Wort für Wort
te 'rcayanti sadā devaṃ
sie verehren den Gott stets (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Akk.)
taiḥ sārdhaṃ ramate ca saḥ
und er ergötzt sich mit ihnen (Instr.Pl./3.Sg.Präs.)
priyabhakto hi bhagavān
denn der Erhabene liebt seine Verehrer (Nom.)
paramātmā dvijapriyaḥ
der höchste Geist, den Zweifachgeborenen zugetan (Nom.)

ramate so 'rcyamāno hi sadā bhāgavatapriyaḥ; viśvabhuk sarvago devo bāndhavo bhaktavatsalaḥ; sa kartā kāraṇaṃ caiva kāryaṃ cātibaladyutiḥ

Er freut sich, wenn er verehrt wird, stets, denn er liebt seine Anhänger; der Allverzehrer, der überallhin gehende Gott, der Verwandte, der seinen Verehrern zärtlich zugetan ist – er ist der Handelnde und ebenso die Ursache und die Wirkung, und von überaus großer Kraft und Glut,

Wort für Wort
ramate so 'rcyamāno hi sadā
er freut sich, wenn verehrt, stets (3.Sg.Präs./Nom./Part.)
bhāgavatapriyaḥ viśvabhuk
der seinen Anhängern zugetan, der Allverzehrer (Nom.)
sarvago devo bāndhavo
der überallhin gehende Gott, der Verwandte (Nom.)
bhaktavatsalaḥ sa kartā
der seinen Verehrern zärtlich zugetan, der Handelnde (Nom.)
kāraṇaṃ caiva kāryaṃ
und ebenso die Ursache und die Wirkung (Nom. als Prädikatsnomen)
cātibaladyutiḥ
und von überaus großer Kraft und Glut (Nom.)

hetuś cājñāvidhānaṃ ca tattvaṃ caiva mahāyaśāḥ

und die Ursache, und die Anordnung [seines] Gebots, und ebenso das [letzte] Prinzip – der Hochberühmte.

Wort für Wort
hetuś ca
und die Ursache (Nom.)
ājñāvidhānaṃ ca
und die Anordnung des Gebots (Nom.)
tattvaṃ caiva
und ebenso das letzte Prinzip (Nom.)
mahāyaśāḥ
der Hochberühmte (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tapasā yojya so ''tmānaṃ śvetadvīpāt paraṃ hi yat; teja ity abhivikhyātaṃ svayaṃbhāsāvabhāsitam

Er, der sich selbst durch Askese [mit dem Höchsten] verbindet [?] – das, was jenseits von Śvetadvīpa liegt, ist als ‚Tejas‘ [Glanz] bekannt, durch sein eigenes Licht erstrahlend.

Wort für Wort
tapasā yojya so 'tmānaṃ
er, sich selbst durch Askese verbindend [?] (Instr./Absol./Nom./Akk.)
śvetadvīpāt paraṃ hi yat
das, was jenseits von Śvetadvīpa liegt (Abl./Nom.)
teja ity abhivikhyātaṃ
als ‚Tejas‘ [Glanz] bekannt (Nom./Nom.)
svayaṃbhāsāvabhāsitam
durch sein eigenes Licht erstrahlend (Instr./Part.)

Bezug der Absolutivkonstruktion 'tapasā yojya so 'tmānam' unsicher; hier als Selbstverbindung durch Askese gedeutet.

śāntiḥ sā triṣu lokeṣu siddhānāṃ bhāvitātmanām; etayā śubhayā buddhyā naiṣṭhikaṃ vratam āsthitaḥ

Das ist die Ruhe der Vollendeten, deren Geist gereift ist, in den drei Welten; mit dieser lauteren Einsicht hat er das endgültige Gelübde übernommen.

Wort für Wort
śāntiḥ sā triṣu lokeṣu
das ist die Ruhe in den drei Welten (Nom./Lok.Pl.)
siddhānāṃ bhāvitātmanām
der Vollendeten, deren Geist gereift ist (Gen.Pl.)
etayā śubhayā buddhyā
mit dieser lauteren Einsicht (Instr.)
naiṣṭhikaṃ vratam āsthitaḥ
hat das endgültige Gelübde übernommen (Akk./Nom.)

na tatra sūryas tapati na somo 'bhivirājate; na vāyur vāti deveśe tapaś carati duścaram

Dort brennt keine Sonne, dort scheint kein Mond, dort weht kein Wind, wenn der Gott der Götter die schwer auszuführende Askese übt.

Wort für Wort
na tatra sūryas tapati
dort brennt keine Sonne (Nom./3.Sg.Präs.)
na somo 'bhivirājate
kein Mond scheint (Nom./3.Sg.Präs.)
na vāyur vāti
kein Wind weht (Nom./3.Sg.Präs.)
deveśe tapaś carati duścaram
wenn der Gott der Götter schwere Askese übt (Lok./Akk./3.Sg.Präs.)

vedīm aṣṭatalotsedhāṃ bhūmāv āsthāya viśvabhuk; ekapādasthito deva ūrdhvabāhur udaṅmukhaḥ; sāṅgān āvartayan vedāṃs tapas tepe suduścaram

Auf einem Altar von acht Handbreiten Höhe auf der Erde stehend, stand der Allverzehrer auf einem Fuß, mit erhobenen Armen, nach Norden gewandt; die Veden mit ihren Hilfstexten rezitierend, übte der Gott eine überaus schwer auszuführende Askese.

Wort für Wort
vedīm aṣṭatalotsedhāṃ
einen Altar von acht Handbreiten Höhe (Akk.)
bhūmāv āsthāya viśvabhuk
auf der Erde stehend, der Allverzehrer (Absol./Nom.)
ekapādasthito deva
auf einem Fuß stehend, der Gott (Nom.)
ūrdhvabāhur udaṅmukhaḥ
mit erhobenen Armen, nach Norden gewandt (Nom.)
sāṅgān āvartayan vedāṃs
die Veden mit ihren Hilfstexten rezitierend (Akk.Pl./Part./Akk.Pl.)
tapas tepe suduścaram
übte eine überaus schwer auszuführende Askese (Akk./3.Sg.Perf.)

yad brahmā ṛṣayaś caiva svayaṃ paśupatiś ca yat; śeṣāś ca vibudhaśreṣṭhā daityadānavarākṣasāḥ

Was Brahmā und die Seher, und ebenso Paśupati selbst, und die übrigen, die besten der Weisen, die Daityas, Dānavas und Rākṣasas [darbringen] –

Wort für Wort
yad brahmā ṛṣayaś caiva
was Brahmā und die Seher (Akk./Nom.Pl.)
svayaṃ paśupatiś ca yat
und was Paśupati selbst (Nom./Akk.)
śeṣāś ca vibudhaśreṣṭhā
und die übrigen, die besten der Weisen (Nom.Pl.)
daityadānavarākṣasāḥ
die Daityas, Dānavas und Rākṣasas (Nom.Pl.)

nāgāḥ suparṇā gandharvāḥ siddhā rājarṣayaś ca ye; havyaṃ kavyaṃ ca satataṃ vidhipūrvaṃ prayuñjate; kṛtsnaṃ tat tasya devasya caraṇāv upatiṣṭhati

die Nāgas, die Suparṇas, die Gandharvas, die Siddhas und die königlichen Seher, wer immer sie seien, was sie alle beständig als Havya- und Kavya-Opfer vorschriftsgemäß darbringen – das alles gelangt gänzlich zu den Füßen jenes Gottes.

Wort für Wort
nāgāḥ suparṇā gandharvāḥ
die Nāgas, Suparṇas, Gandharvas (Nom.Pl.)
siddhā rājarṣayaś ca ye
die Siddhas und königlichen Seher, welche (Nom.Pl.)
havyaṃ kavyaṃ ca satataṃ
das Havya- und Kavya-Opfer beständig (Akk.)
vidhipūrvaṃ prayuñjate
vorschriftsgemäß darbringen (3.Pl.Präs.)
kṛtsnaṃ tat tasya devasya
all das, jenes Gottes (Nom./Gen.)
caraṇāv upatiṣṭhati
erreicht die Füße (Akk.Du./3.Sg.Präs.)

yāḥ kriyāḥ saṃprayuktās tu ekāntagatabuddhibhiḥ; tāḥ sarvāḥ śirasā devaḥ pratigṛhṇāti vai svayam

Alle Handlungen, die von denen ausgeführt werden, deren Geist einzig [auf ihn] gerichtet ist, nimmt der Gott selbst mit gesenktem Haupt entgegen.

Wort für Wort
yāḥ kriyāḥ saṃprayuktās tu
welche Handlungen ausgeführt werden (Nom.Pl.)
ekāntagatabuddhibhiḥ
von denen, deren Geist einzig auf ihn gerichtet ist (Instr.Pl.)
tāḥ sarvāḥ śirasā devaḥ
die alle mit dem Haupt der Gott (Akk.Pl./Instr./Nom.)
pratigṛhṇāti vai svayam
nimmt selbst entgegen (3.Sg.Präs.)

na tasyānyaḥ priyataraḥ pratibuddhair mahātmabhiḥ; vidyate triṣu lokeṣu tato 'smy aikāntikaṃ gataḥ; iha caivāgatas tena visṛṣṭaḥ paramātmanā

Niemand ist ihm lieber als die erwachten großen Seelen – so jemanden gibt es nicht in den drei Welten; darum bin ich zu unbedingter Hingabe [an ihn] gelangt, und ich bin hierher gekommen, von jenem höchsten Geist entsandt.

Wort für Wort
na tasyānyaḥ priyataraḥ
niemand ist ihm lieber (Nom.)
pratibuddhair mahātmabhiḥ
als die erwachten großen Seelen (Instr.Pl.)
vidyate triṣu lokeṣu
existiert in den drei Welten (3.Sg.Präs.Pass./Lok.Pl.)
tato 'smy aikāntikaṃ gataḥ
darum bin ich zur ausschließlichen Hingabe gelangt (1.Sg.Präs./Nom.)
iha caivāgatas tena
und ich bin hierher gekommen, von jenem (Nom./Instr.)
visṛṣṭaḥ paramātmanā
entsandt vom höchsten Geist (Nom./Instr.)

ananyadevatābhaktir ananyamanutā hareḥ; ananyasevyatā viṣṇor ananyārcyatvam eva ca; brahmarudrādisāmyatvaṃ buddhirāhityam eva ca; ananyadevālayagatir ananyabhaktādyavīkṣaṇam; tathā karmaphalāsaṅgo hy ekāntitvam idaṃ matam

Hingabe an keine andere Gottheit, kein Denken an einen anderen als Hari, kein Dienen an einen anderen als Viṣṇu, und ebenso keine Verehrung eines anderen; das Fehlen der Vorstellung von Gleichrangigkeit mit Brahmā, Rudra und den übrigen; kein Aufsuchen der Tempel anderer Götter, kein Übersehen der vorzüglichsten ausschließlichen Verehrer [?]; ebenso die Nichtanhaftung an die Früchte des Handelns – dies gilt als diese ‚Ekāntitva‘ [ausschließliche Hingabe].

Wort für Wort
ananyadevatābhaktir
Hingabe an keine andere Gottheit (Nom.)
ananyamanutā hareḥ
kein Denken an einen anderen als Hari (Nom./Gen.)
ananyasevyatā viṣṇor
kein Dienen an einen anderen als Viṣṇu (Nom./Gen.)
ananyārcyatvam eva ca
und keine Verehrung eines anderen (Nom.)
brahmarudrādisāmyatvaṃ buddhirāhityam eva ca
das Fehlen der Vorstellung von Gleichrangigkeit mit Brahmā, Rudra u.a. (Nom.)
ananyadevālayagatir
kein Aufsuchen der Tempel anderer Götter (Nom.)
ananyabhaktādyavīkṣaṇam
kein Übersehen der vorzüglichsten ausschließlichen Verehrer [?] (Nom.)
tathā karmaphalāsaṅgo hy ekāntitvam idaṃ matam
und die Nichtanhaftung an die Handlungsfrüchte – das gilt als diese ‚Ekāntitva‘ (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). 'ananyabhaktādyavīkṣaṇam' unsicher gedeutet (Kompositum mehrdeutig); hier als 'kein Übersehen der vorzüglichsten ausschließlichen Verehrer' wiedergegeben.

evaṃ me bhagavān devaḥ svayam ākhyātavān hariḥ; āsiṣye tatparo bhūtvā yuvābhyāṃ saha nityaśaḥ

So hat mir der Erhabene, der Gott Hari, selbst verkündet. Ich werde, ihm ergeben, fortan immer bei euch beiden weilen.“

Wort für Wort
evaṃ me bhagavān devaḥ
so hat mir der Erhabene, der Gott (Nom.)
svayam ākhyātavān hariḥ
selbst Hari verkündet (Nom./Part.Perf.)
āsiṣye tatparo bhūtvā
ich werde, ihm ergeben geworden, weilen (1.Sg.Fut./Nom./Absol.)
yuvābhyāṃ saha nityaśaḥ
zusammen mit euch beiden, für immer (Instr.Du.)

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