Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 215: prahrādendrasaṃvāda: svabhāva-karmavicāra Prahrāda und Indra: Ist Eigennatur oder Tat die Ursache von Glück und Leid?

Auf Yudhiṣṭhiras Frage, ob der Mensch Täter seiner Werke sei, erzählt Bhīṣma das Gespräch zwischen dem gestürzten Asura-Fürsten Prahrāda und Indra: Prahrāda führt seine Gelassenheit auf die Lehre zurück, alles gehe aus der Eigennatur (svabhāva) hervor. Die eingeschobene Zusatzpassage im Vers 35 ist stark verderbt.

yudhiṣṭhira uvāca; yad idaṃ karma loke 'smiñ śubhaṃ vā yadi vāśubham; puruṣaṃ yojayaty eva phalayogena bhārata

Yudhiṣṭhira sprach: „Dieses Werk in dieser Welt, sei es gut oder sei es böse, verbindet den Menschen eben mit der Frucht, Bhārata.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yad idaṃ karma loke 'smin
dieses Werk / diese Tat in dieser Welt (Nom.; Lok.)
śubhaṃ vā yadi vāśubham
sei es gut oder sei es unheilvoll (Nom.)
puruṣaṃ yojayaty eva
den Menschen verbindet eben (Akk.; 3.Sg.Kaus.)
phalayogena bhārata
durch die Verbindung mit der Frucht, Bhārata (Instr.; Vok.)

kartā svit tasya puruṣa utāho neti saṃśayaḥ; etad icchāmi tattvena tvattaḥ śrotuṃ pitāmaha

Ist der Mensch dessen Täter, oder nicht? – das ist der Zweifel. Dies möchte ich der Wahrheit gemäß von dir hören, Großvater.“

Wort für Wort
kartā svit tasya puruṣaḥ
ist etwa der Mensch dessen Täter (Nom.; Gen.)
utāho neti saṃśayaḥ
oder nicht – das ist der Zweifel (Nom.)
etad icchāmi tattvena
dies wünsche ich der Wahrheit gemäß (1.Sg.Präs.; Instr.)
tvattaḥ śrotum pitāmaha
von dir zu hören, Großvater (Abl.; Inf.; Vok.)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; prahrādasya ca saṃvādam indrasya ca yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: „Hierzu führt man auch diese alte Erzählung an: das Gespräch Prahrādas und Indras, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
atrāpy udāharanti imam
hierzu auch führt man an diese (3.Pl.Präs.; Akk.)
itihāsaṃ purātanam
Erzählung, alte (Akk.)
prahrādasya ca saṃvādam
Prahrādas und das Gespräch (Gen.; Akk.)
indrasya ca yudhiṣṭhira
und Indras, Yudhiṣṭhira (Gen.; Vok.)

asaktaṃ dhūtapāpmānaṃ kule jātaṃ bahuśrutam; astambham anahaṃkāraṃ sattvasthaṃ samaye ratam

[Prahrāda war] ungebunden, mit abgeschüttelter Sünde, in [edler] Familie geboren, vielgelehrt, ohne Starrsinn, ohne Ichbewusstsein, im Wesenslicht (sattva) verharrend, an der [rechten] Ordnung Gefallen findend,

Wort für Wort
asaktaṃ dhūtapāpmānam
ungebunden, mit abgeschüttelter Sünde (Akk.; Bahuvrīhi)
kule jātam
in Familie geboren (Lok.; Part.)
bahuśrutam
vielgelehrt (Akk.)
astambham anahaṃkāram
ohne Starrsinn, ohne Ichbewusstsein (Akk.)
sattvastham samaye ratam
in sattva stehend, an der Ordnung / Satzung erfreut (Akk.; Lok.)

samaye: Übereinkunft, Satzung, rechte Ordnung; Bedeutung nicht sicher festgelegt.

tulyanindāstutiṃ dāntaṃ śūnyāgāraniveśanam; carācarāṇāṃ bhūtānāṃ viditaprabhavāpyayam

der Lob und Tadel gleichhält, der bezwungen ist, im leeren Haus wohnt, und der Entstehen und Vergehen der bewegten und unbewegten Wesen kennt,

Wort für Wort
tulyanindāstutim
dem Tadel und Lob gleich sind (Akk.)
dāntam
bezwungen, gezähmt (Akk.)
śūnyāgāraniveśanam
im leeren Haus wohnend (Akk.)
carācarāṇāṃ bhūtānām
der bewegten und unbewegten Wesen (Gen.Pl.)
viditaprabhavāpyayam
dessen Entstehen und Vergehen bekannt ist / der Entstehen und Vergehen kennt (Akk.)

akrudhyantam ahṛṣyantam apriyeṣu priyeṣu ca; kāñcane vātha loṣṭe vā ubhayoḥ samadarśanam

der nicht zürnt und nicht frohlockt bei Unliebem und bei Liebem, der bei Gold wie bei einem Erdklumpen beide gleich sieht,

Wort für Wort
akrudhyantam ahṛṣyantam
nicht zürnend, nicht frohlockend (Akk.; Part.Präs.)
apriyeṣu priyeṣu ca
bei Unlieben und Lieben (Lok.Pl.)
kāñcane vātha loṣṭe vā
bei Gold oder bei Erdklumpen (Lok.)
ubhayoḥ samadarśanam
beide gleich sehend (Gen./Lok. Du.; Akk.)

ubhayoḥ samadarśanam: sinngemäß Gleichsicht gegenüber beidem.

ātmaniḥśreyasajñāne dhīraṃ niścitaniścayam; parāvarajñaṃ bhūtānāṃ sarvajñaṃ samadarśanam

der im Wissen um das eigene höchste Heil standhaft ist, entschlossen im Entschluss, das Höhere und Niedere der Wesen kennt, allwissend ist, gleichsehend –

Wort für Wort
ātmaniḥśreyasajñāne
im Wissen um das eigene Heil (Lok.)
dhīram niścitaniścayam
standhaft, fest im Entschluss (Akk.)
parāvarajñam bhūtānām
das Höhere und Niedere kennend, der Wesen (Akk.; Gen.)
sarvajñaṃ samadarśanam
allwissend, gleichsehend (Akk.)

avyaktātmani govinde vāsudeve mahātmani; hṛdayena samāviṣṭaṃ sarvabhāvapriyaṃkaram

[ihn], der im unoffenbarten Selbst, in Govinda, Vāsudeva, dem Hochgesinnten, mit dem Herzen versunken ist, der allen Wesen [und Zuständen] Liebes tut,

Wort für Wort
avyaktātmani govinde
im unoffenbarten Selbst, in Govinda (Lok.)
vāsudeve mahātmani
in Vāsudeva, dem Hochgesinnten (Lok.)
hṛdayena samāviṣṭam
mit dem Herzen erfüllt / versunken (Instr.; Akk.Part.)
sarvabhāvapriyaṃkaram
allen Wesen / Zuständen Liebes tuend (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star). sarvabhāva-: Wesen oder Zustände.

bhaktaṃ bhāgavataṃ nityaṃ nārāyaṇaparāyaṇam; dhyāyantaṃ paramātmānaṃ hiraṇyakaśipoḥ sutam

den Ergebenen, den Bhāgavata, stets auf Nārāyaṇa als höchstes Ziel Gerichteten, der über das höchste Selbst meditiert, den Sohn des Hiraṇyakaśipu.

Wort für Wort
bhaktaṃ bhāgavataṃ nityam
den Ergebenen, den Gottgeweihten, stets (Akk.; Adv.)
nārāyaṇaparāyaṇam
Nārāyaṇa als höchstes Ziel habend (Akk.)
dhyāyantaṃ paramātmānam
meditierend über das höchste Selbst (Akk.; Part.Präs.)
hiraṇyakaśipoḥ sutam
Sohn des Hiraṇyakaśipu (Gen.; Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star).

śakraḥ prahrādam āsīnam ekānte saṃyatendriyam; bubhutsamānas tat prajñām abhigamyedam abravīt

Śakra trat zu Prahrāda, der einsam saß, die Sinne gezügelt, um dessen Einsicht zu ergründen, und sprach dies:

Wort für Wort
śakraḥ prahrādam āsīnam
Śakra [trat zu] Prahrāda, sitzend (Nom.; Akk.; Part.)
ekānte saṃyatendriyam
an einsamem Ort, mit gezügelten Sinnen (Lok.; Akk.)
bubhutsamānas tat prajñām
zu ergründen wünschend, dessen Einsicht (Part.Desid.; Akk.)
abhigamya idam abravīt
herangetreten, sprach dies (Abs.; 3.Sg.Impf.)

yaiḥ kaiś cit saṃmato loke guṇaiḥ syāt puruṣo nṛṣu; bhavaty anapagān sarvāṃs tān guṇāṃl lakṣayāmahe

„Durch welche Eigenschaften auch immer ein Mensch unter den Menschen in der Welt angesehen sein mag – all diese Eigenschaften nehmen wir als bei dir nicht fehlend wahr.

Wort für Wort
yaiḥ kaiś cit saṃmato loke
durch welche auch immer geachtet in der Welt (Instr.; Part.)
guṇaiḥ syāt puruṣo nṛṣu
durch Eigenschaften sei der Mensch unter Menschen (Instr.; Opt.)
bhavaty anapagān sarvān
bei dir nicht fehlend, alle (Akk.Pl.)
tān guṇān lakṣayāmahe
diese Eigenschaften nehmen wir wahr (Akk.; 1.Pl.Med.)

bhavati: sinngemäß „bei dir vorhanden“, wörtlich „ist“ – Konstruktion etwas verkürzt.

atha te lakṣyate buddhiḥ samā bālajanair iha; ātmānaṃ manyamānaḥ sañ śreyaḥ kim iha manyase

Doch deine Einsicht erscheint hier wie die der Kindischen. Wenn du dich [dennoch für weise] hältst – was hältst du hier für das Beste?

Wort für Wort
atha te lakṣyate buddhiḥ
doch dir wird wahrgenommen der Verstand (3.Sg.Pass.)
samā bālajanair iha
gleich mit kindischen Leuten hier (Nom.; Instr.)
ātmānaṃ manyamānaḥ san
dich selbst haltend, seiend (Part.Med.)
śreyaḥ kim iha manyase
als Heil was hier hältst du (Akk.; 2.Sg.Präs.)

Zweiter Halbvers syntaktisch knapp; ātmānaṃ manyamānaḥ: „wenn du dich [für etwas] hältst“ [?].

baddhaḥ pāśaiś cyutaḥ sthānād dviṣatāṃ vaśam āgataḥ; śriyā vihīnaḥ prahrāda śocitavye na śocasi

Gefesselt mit Schlingen, von deinem Platz gestürzt, in die Gewalt der Feinde geraten, des Glanzes beraubt, Prahrāda – du trauerst nicht, obwohl es zu betrauern ist.

Wort für Wort
baddhaḥ pāśaiś cyutaḥ sthānāt
gefesselt mit Schlingen, gestürzt vom Platz (Part.; Instr.; Abl.)
dviṣatāṃ vaśam āgataḥ
der Feinde Gewalt gekommen (Gen.Pl.; Akk.; Part.)
śriyā vihīnaḥ prahrāda
des Glanzes beraubt, Prahrāda (Instr.; Vok.)
śocitavye na śocasi
bei Betrauernswertem trauerst du nicht (Lok.; 2.Sg.Präs.)

prajñālābhāt tu daiteya utāho dhṛtimattayā; prahrāda svastharūpo 'si paśyan vyasanam ātmanaḥ

Ist es Einsichtsgewinn, Daiteya, oder Standhaftigkeit, Prahrāda? – du bist in natürlicher Verfassung, obwohl du dein eigenes Unglück siehst.“

Wort für Wort
prajñālābhāt tu daiteya
durch Einsichtsgewinn, Daiteya (Abl.; Vok.)
utāho dhṛtimattayā
oder durch Standhaftigkeit (Instr.)
prahrāda svastharūpo 'si
Prahrāda, du bist von gesunder Gestalt / gelassen (Vok.; 2.Sg.)
paśyan vyasanam ātmanaḥ
sehend das Unglück deiner selbst (Part.; Akk.; Gen.)

iti saṃcoditas tena dhīro niścitaniścayaḥ; uvāca ślakṣṇayā vācā svāṃ prajñām anuvarṇayan

So von ihm angetrieben, sprach der Weise, fest im Entschluss, mit sanfter Rede und legte seine eigene Einsicht dar:

Wort für Wort
iti saṃcoditas tena
so angetrieben von ihm (Part.; Instr.)
dhīro niścitaniścayaḥ
der Weise, fest im Entschluss (Nom.)
uvāca ślakṣṇayā vācā
sprach mit sanfter Rede (Perf.; Instr.)
svāṃ prajñām anuvarṇayan
seine eigene Einsicht darlegend (Akk.; Part.)

pravṛttiṃ ca nivṛttiṃ ca bhūtānāṃ yo na budhyate; tasya stambho bhaved bālyān nāsti stambho 'nupaśyataḥ

„Wer Vorwärtsstreben und Rückkehr der Wesen nicht begreift, dessen Starrsinn mag aus Kindlichkeit bestehen; für den Einsichtigen gibt es keinen Starrsinn.

Wort für Wort
pravṛttiṃ ca nivṛttiṃ ca
Hinwendung [zum Tun] und Abwendung (Akk.)
bhūtānāṃ yo na budhyate
der Wesen, wer nicht begreift (Gen.; 3.Sg.Med.)
tasya stambho bhaved bālyāt
dessen Starrsinn möge sein aus Kindlichkeit (Nom.; Opt.; Abl.)
nāsti stambho 'nupaśyataḥ
nicht ist Starrsinn bei dem Einsehenden (Gen.)

gahanaṃ sarvabhūtānāṃ dhyeyaṃ nityaṃ sanātanam; anigraham anaupamyaṃ sarvākāraṃ parātparam; sarvāvaraṇasaṃbhūtaṃ tasmād etat pravartate; tanmayā api saṃpaśya nānālakṣaṇalakṣitāḥ; sa vai pāti jagatsraṣṭā viṣṇur ity abhiśabditaḥ; punar darśati saṃprāpte ........ sureśvaraḥ (sic)

[Das] Tiefgründige aller Wesen, stets zu Meditierende, Ewige, nicht zu Zügelnde [?], Unvergleichliche, Allgestaltige, Höhere als das Höchste, aus der Hülle von allem Entstandene – daher geht dies hervor; auch die in ihm Aufgehenden – sieh –, durch vielerlei Merkmale gekennzeichnet; er, der Weltenschöpfer, schützt fürwahr, ‚Viṣṇu‘ genannt; wiederum zeigt er sich, wenn [....] eingetreten ist, ........ der Herr der Götter (sic).

Wort für Wort
gahanaṃ sarvabhūtānām
das Tiefgründige aller Wesen (Akk.; Gen.)
dhyeyaṃ nityaṃ sanātanam
zu meditieren, beständig, ewig (Akk.)
anigraham anaupamyam
nicht zu ergreifen / zügeln [?], unvergleichlich (Akk.)
sarvākāraṃ parātparam
allgestaltig, höher als das Höchste (Akk.)
sarvāvaraṇasaṃbhūtam
aus der Hülle von allem entstanden (Akk.)
tasmād etat pravartate
daher geht dies hervor (Abl.; 3.Sg.Präs.)
tanmayā api saṃpaśya
auch aus ihm Bestehende, sieh (Nom.Pl.; Imp.)
nānālakṣaṇalakṣitāḥ
durch vielerlei Merkmale gekennzeichnet (Nom.Pl.)
sa vai pāti jagatsraṣṭā
er schützt fürwahr, Weltenschöpfer (3.Sg.Präs.; Nom.)
viṣṇur ity abhiśabditaḥ
‚Viṣṇu‘ so genannt (Nom.; Part.)
punar darśati saṃprāpte
wiederum zeigt er sich, wenn eingetreten (3.Sg.Präs.; Lok.abs.)
sureśvaraḥ
Herr der Götter (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star), Text lückenhaft („........“) und stellenweise unsicher; Zusammenhang der Sätze unklar. darśati wohl für darśayati/dṛśyate.

svabhāvāt saṃpravartante nivartante tathaiva ca; sarve bhāvās tathābhāvāḥ puruṣārtho na vidyate

Aus Eigennatur gehen die Wesen ins Wirken über und ebenso kehren sie zurück – alle Zustände und Nicht-Zustände; ein menschliches Bemühen [als Ursache] gibt es nicht.

Wort für Wort
svabhāvāt saṃpravartante
aus Eigennatur gehen sie hervor / ins Wirken (Abl.; 3.Pl.Präs.)
nivartante tathaiva ca
kehren zurück ebenso (3.Pl.Präs.)
sarve bhāvās tathābhāvāḥ
alle Zustände und Nicht-Zustände (Nom.Pl.)
puruṣārtho na vidyate
menschliches Ziel / Bemühen findet sich nicht (Nom.; 3.Sg.Pass.)

puruṣārtha: Bemühen/Zweck des Menschen; hier wohl als eigenmächtiges Bewirken verstanden.

puruṣārthasya cābhāve nāsti kaś cit svakārakaḥ; svayaṃ tu kurvatas tasya jātu māno bhaved iha

Und wenn es kein menschliches Bemühen gibt, gibt es keinen, der etwas selbst bewirkt; nur wenn er selbst handelte, könnte ihm hier je Stolz zukommen.

Wort für Wort
puruṣārthasya cābhāve
und beim Nichtsein des menschlichen Bemühens (Gen.; Lok.)
nāsti kaś cit svakārakaḥ
nicht ist irgendein Selbst-Bewirker (Nom.)
svayaṃ tu kurvatas tasya
wenn er aber selbst handelt, dessen (Part.Gen.)
jātu māno bhaved iha
je Stolz könnte sein hier (Nom.; Opt.)

yas tu kartāram ātmānaṃ manyate sādhvasādhunoḥ; tasya doṣavatī prajñā svamūrtyajñeti me matiḥ

Wer sich selbst für den Täter von Gutem und Nicht-Gutem hält, dessen Einsicht ist fehlerhaft und unkundig der eigenen Gestalt – so meine Meinung.

Wort für Wort
yas tu kartāram ātmānam
wer aber als Täter sich selbst (Akk.)
manyate sādhvasādhunoḥ
hält, von Gutem und Nicht-Gutem (3.Sg.Präs.; Gen.Du.)
tasya doṣavatī prajñā
dessen fehlerhafte Einsicht (Gen.; Nom.)
svamūrtyajñā iti me matiḥ
der eigenen Gestalt unkundig – so meine Ansicht (Nom.; Nom.)

yadi syāt puruṣaḥ kartā śakrātmaśreyase dhruvam; ārambhās tasya sidhyeran na ca jātu parābhavet

Wenn der Mensch Täter wäre, Śakra, gewiss zum eigenen Heil, so würden seine Unternehmungen gelingen, und er würde niemals unterliegen.

Wort für Wort
yadi syāt puruṣaḥ kartā
wenn wäre der Mensch Täter (Opt.)
śakrātmaśreyase dhruvam
Śakra, für das eigene Heil, gewiss (Vok.; Dat.)
ārambhās tasya sidhyeran
seine Unternehmungen würden gelingen (Nom.Pl.; Opt.)
na ca jātu parābhavet
und niemals würde er unterliegen (Opt.)

aniṣṭasya hi nirvṛttir anivṛttiḥ priyasya ca; lakṣyate yatamānānāṃ puruṣārthas tataḥ kutaḥ

Denn man sieht bei Sich-Bemühenden das Zustandekommen des Unerwünschten und das Ausbleiben des Erwünschten; woher dann menschliches Bemühen [als Ursache]?

Wort für Wort
aniṣṭasya hi nirvṛttiḥ
denn des Unerwünschten Zustandekommen (Gen.; Nom.)
anivṛttiḥ priyasya ca
und Ausbleiben des Erwünschten (Nom.; Gen.)
lakṣyate yatamānānām
wird wahrgenommen bei Sich-Bemühenden (3.Sg.Pass.; Gen.Pl.)
puruṣārthas tataḥ kutaḥ
menschliches Bemühen, daher woher (Nom.)

aniṣṭasyābhinirvṛttim iṣṭasaṃvṛttim eva ca; aprayatnena paśyāmaḥ keṣāṃ cit tat svabhāvataḥ

Auch das Eintreten des Unerwünschten und das Zusammentreffen mit Erwünschtem sehen wir bei manchen ohne Anstrengung – das ist aus Eigennatur.

Wort für Wort
aniṣṭasya abhinirvṛttim
das Zustandekommen des Unerwünschten (Gen.; Akk.)
iṣṭasaṃvṛttim eva ca
und das Erreichen des Erwünschten (Akk.)
aprayatnena paśyāmaḥ
ohne Anstrengung sehen wir (Instr.; 1.Pl.Präs.)
keṣāṃ cit tat svabhāvataḥ
bei manchen, das aus Eigennatur (Gen.; Abl.)

pratirūpadharāḥ ke cid dṛśyante buddhisattamāḥ; virūpebhyo 'lpabuddhibhyo lipsamānā dhanāgamam

Manche sieht man, den Erscheinungen nach [wohlgestaltet], die Verständigsten, wie sie von Missgestalteten mit geringem Verstand Gewinn von Reichtum zu erlangen suchen.

Wort für Wort
pratirūpadharāḥ ke cid
manche entsprechende / wohlgestaltete [?] (Nom.Pl.)
dṛśyante buddhisattamāḥ
werden gesehen, die Verständigsten (3.Pl.Pass.; Nom.)
virūpebhyo 'lpabuddhibhyaḥ
von Missgestalteten, Geringverständigen (Abl.Pl.)
lipsamānā dhanāgamam
zu erlangen wünschend Erwerb von Reichtum (Part.Desid.; Akk.)

pratirūpadharāḥ unsicher; Sprecherwechsel nicht markiert (evtl. Einwand Indras) [?].

svabhāvapreritāḥ sarve niviśante guṇā yadā; śubhāśubhās tadā tatra tasya kiṃ mānakāraṇam

Wenn alle Eigenschaften, von der Eigennatur getrieben, eintreten, gute und schlechte – was ist dann für jenen [Menschen] der Grund zum Stolz?

Wort für Wort
svabhāvapreritāḥ sarve
von der Eigennatur getrieben, alle (Nom.Pl.)
niviśante guṇā yadā
treten ein die Eigenschaften, wenn (3.Pl.Präs.; Nom.)
śubhāśubhās tadā tatra
gute und schlechte, dann dort (Nom.Pl.)
tasya kiṃ mānakāraṇam
für ihn was Grund des Stolzes (Gen.; Nom.)

svabhāvād eva tat sarvam iti me niścitā matiḥ; ātmapratiṣṭhitā prajñā mama nāsti tato 'nyathā

„Aus Eigennatur allein ist all das – so ist meine feste Überzeugung; die im Selbst gegründete Einsicht besteht bei mir, und nicht anders als so.

Wort für Wort
svabhāvād eva tat sarvam
aus Eigennatur allein ist all das (Abl.)
iti me niścitā matiḥ
so ist meine feste Überzeugung (Nom.)
ātmapratiṣṭhitā prajñā
im Selbst gegründete Einsicht (Nom.)
mama nāsti tato 'nyathā
bei mir ist nicht anders als das (Gen.; Abl.)

karmajaṃ tv iha manye 'haṃ phalayogaṃ śubhāśubham; karmaṇāṃ viṣayaṃ kṛtsnam ahaṃ vakṣyāmi tac chṛṇu

Ich aber halte die Verbindung mit der Frucht, das Gute wie das Schlechte, hier für aus Tat entstanden; den ganzen Bereich der Taten will ich [dir] darlegen – das höre.“

Wort für Wort
karmajaṃ tv iha manye 'ham
aus Tat geboren aber hier halte ich (Akk.; 1.Sg.Präs.)
phalayogaṃ śubhāśubham
die Fruchtverbindung, gut und schlecht (Akk.)
karmaṇāṃ viṣayaṃ kṛtsnam
der Taten Bereich, ganz (Gen.Pl.; Akk.)
ahaṃ vakṣyāmi tac chṛṇu
ich will sagen, das höre (1.Sg.Fut.; Imp.)

Sprecher nicht markiert; dem Sinn nach eher Einwand Indras (Gegenposition zu 26) [?]; ahaṃ wird dann mit der Sprecherposition Indras gelesen.

yathā vedayate kaś cid odanaṃ vāyaso vadan; evaṃ sarvāṇi karmāṇi svabhāvasyaiva lakṣaṇam

Wie jemand, wenn die Krähe schreit, [darin] Speise angezeigt findet, so sind alle Taten nur ein Kennzeichen der Eigennatur.

Wort für Wort
yathā vedayate kaś cit
wie jemand erkennt / sich anzeigen lässt (3.Sg.Med.)
odanaṃ vāyaso vadan
Speise, [wenn] die Krähe krächzt (Akk.; Nom.; Part.)
evaṃ sarvāṇi karmāṇi
so alle Taten (Nom.Pl.)
svabhāvasya eva lakṣaṇam
der Eigennatur eben Kennzeichen (Gen.; Nom.)

Bild: Die Krähe bewirkt die Speise nicht, sie zeigt sie nur an [?].

vikārān eva yo veda na veda prakṛtiṃ parām; tasya stambho bhaved bālyān nāsti stambho 'nupaśyataḥ

Wer nur die Umwandlungen kennt, die höchste Urnatur aber nicht kennt, dessen Starrsinn mag aus Kindlichkeit bestehen; für den Einsehenden gibt es keinen Starrsinn.

Wort für Wort
vikārān eva yo veda
die Veränderungen nur, wer kennt (Akk.Pl.; 3.Sg.Perf.)
na veda prakṛtiṃ parām
nicht kennt die Urnatur, die höchste (Akk.)
tasya stambho bhaved bālyāt
dessen Starrsinn möge sein aus Kindlichkeit (Opt.)
nāsti stambho 'nupaśyataḥ
nicht ist Starrsinn bei dem Einsehenden (Gen.)

svabhāvabhāvino bhāvān sarvān eveha niścaye; budhyamānasya darpo vā māno vā kiṃ kariṣyati

Bei dem, der alle Zustände hier als von der Eigennatur bedingt in seinem Entschluss erkennt – was werden Hochmut oder Stolz da bewirken?

Wort für Wort
svabhāvabhāvinaḥ bhāvān
von Eigennatur bedingte Zustände (Akk.Pl.)
sarvān eva iha niścaye
alle eben hier, in der Gewissheit (Akk.; Lok.)
budhyamānasya
bei dem Erkennenden (Gen.Part.)
darpo vā māno vā
Hochmut oder Stolz (Nom.)
kiṃ kariṣyati
was wird er bewirken (Fut.)

veda dharmavidhiṃ kṛtsnaṃ bhūtānāṃ cāpy anityatām; tasmāc chakra na śocāmi sarvaṃ hy evedam antavat

Ich kenne die ganze Ordnung des Dharma und auch die Vergänglichkeit der Wesen; darum, Śakra, trauere ich nicht, denn dies alles hat ein Ende.

Wort für Wort
veda dharmavidhiṃ kṛtsnam
ich kenne die Dharma-Ordnung, ganz (1.Sg.Perf.; Akk.)
bhūtānāṃ cāpy anityatām
und der Wesen Vergänglichkeit (Gen.; Akk.)
tasmāc chakra na śocāmi
darum, Śakra, trauere ich nicht (Vok.; 1.Sg.Präs.)
sarvaṃ hy eva idam antavat
denn alles dies ist endlich (Nom.)

nirmamo nirahaṃkāro nirīho muktabandhanaḥ; svastho 'vyapetaḥ paśyāmi bhūtānāṃ prabhavāpyayau

Ohne Mein, ohne Ichbewusstsein, ohne Streben, von Fesseln befreit, in mir selbst gefestigt, unbeirrt sehe ich Entstehen und Vergehen der Wesen.

Wort für Wort
nirmamo nirahaṃkāraḥ
ohne Mein, ohne Ichbewusstsein (Nom.)
nirīho muktabandhanaḥ
ohne Streben, von Fesseln befreit (Nom.)
svastho 'vyapetaḥ
in sich ruhend, unbeirrt (Nom.)
paśyāmi bhūtānām
ich sehe der Wesen (1.Sg.Präs.; Gen.)
prabhavāpyayau
Entstehen und Vergehen (Akk.Du.)

kṛtaprajñasya dāntasya vitṛṣṇasya nirāśiṣaḥ; nāyāso vidyate śakra paśyato lokavidyayā

Für den, der Einsicht gewonnen hat, den Gezügelten, Durstlosen, Wunschlosen, gibt es keine Mühsal, Śakra, wenn er mit dem Wissen um die Welt sieht.

Wort für Wort
kṛtaprajñasya dāntasya
des Einsicht Erlangten, des Gezügelten (Gen.)
vitṛṣṇasya nirāśiṣaḥ
des Durstlosen, Wunschlosen (Gen.)
na āyāso vidyate śakra
nicht Mühsal findet sich, Śakra (Nom.; Vok.)
paśyato lokavidyayā
für den Sehenden mit Weltkenntnis (Gen.Part.; Instr.)

prakṛtau ca vikāre ca na me prītir na ca dviṣe; dveṣṭāraṃ na ca paśyāmi yo mamādya mamāyate

In Urnatur und Umwandlung habe ich weder Zuneigung noch Abneigung; ich sehe keinen Hasser, der heute mein [Eigentum] als das Seine beansprucht [?].

Wort für Wort
prakṛtau ca vikāre ca
in Urnatur und Veränderung (Lok.)
na me prītir na ca dviṣe
nicht bei mir Zuneigung, auch nicht Abneigung [?] (Nom.; 1.Sg.Präs.)
dveṣṭāraṃ na ca paśyāmi
einen Hasser sehe ich nicht (Akk.)
yo mamādya mamāyate
der heute mein [Eigentum] als sein Eigen beansprucht [?] (3.Sg.Denom.Med.)

dviṣe: wohl 1.Sg.Präs.Med. „ich hasse“ (statt dviṣmi); mamāyate unsicher [?].

nordhvaṃ nāvāṅ na tiryak ca na kva cic chakra kāmaye; na vijñāne na vijñeye nājñāne śarma vidyate

Nicht nach oben, nicht nach unten und nicht seitwärts, Śakra, verlange ich irgendwohin; weder im Erkennen noch im Erkennbaren noch im Nichterkennen findet sich Wohlsein.

Wort für Wort
na ūrdhvaṃ na avāṅ na tiryak ca
nicht aufwärts, nicht abwärts, nicht seitwärts (Adv.)
na kva cit śakra kāmaye
nirgendwohin, Śakra, verlange ich (1.Sg.Präs.)
na vijñāne na vijñeye
nicht im Erkennen, nicht im Erkennbaren (Lok.)
na ajñāne śarma vidyate
nicht im Nichterkennen findet sich Wohlsein (Lok.; Nom.)

śakra uvāca; yenaiṣā labhyate prajñā yena śāntir avāpyate; prabrūhi tam upāyaṃ me samyak prahrāda pṛcchate

Śakra sprach: „Wodurch diese Einsicht erlangt wird, wodurch Friede gewonnen wird – dieses Mittel erkläre mir recht, Prahrāda, dem Fragenden.“

Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Perf.)
yena eṣā labhyate prajñā
wodurch diese Einsicht erlangt wird (Instr.; 3.Sg.Pass.)
yena śāntir avāpyate
wodurch Friede gewonnen wird (Nom.; 3.Sg.Pass.)
prabrūhi tam upāyaṃ me
erkläre dieses Mittel mir (Imp.; Akk.; Dat.)
samyak prahrāda pṛcchate
recht, Prahrāda, dem Fragenden (Vok.; Dat.Part.)

prahrāda uvāca; ārjavenāpramādena prasādenātmavattayā; vṛddhaśuśrūṣayā śakra puruṣo labhate mahat

Prahrāda sprach: „Durch Geradheit, Wachsamkeit, Gelassenheit, Selbstbeherrschung und Dienst an den Alten erlangt der Mensch Großes, Śakra.

Wort für Wort
prahrāda uvāca
Prahrāda sprach (Perf.)
ārjavena apramādena
durch Geradheit, Nichtachtlosigkeit (Instr.)
prasādena ātmavattayā
durch Klarheit / Gelassenheit, durch Selbstbeherrschung (Instr.)
vṛddhaśuśrūṣayā śakra
durch Dienst an den Alten, Śakra (Instr.; Vok.)
puruṣo labhate mahat
der Mensch erlangt Großes (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk.)

svabhāvāl labhate prajñāṃ śāntim eti svabhāvataḥ; svabhāvād eva tat sarvaṃ yat kiṃ cid anupaśyasi

Aus Eigennatur erlangt er Einsicht, aus Eigennatur gelangt er zum Frieden; aus Eigennatur ist all das, was du irgend wahrnimmst.“

Wort für Wort
svabhāvāl labhate prajñām
aus Eigennatur erlangt er Einsicht (Abl.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
śāntim eti svabhāvataḥ
zum Frieden gelangt er aus Eigennatur (Akk.; 3.Sg.Präs.; Abl.)
svabhāvād eva tat sarvam
aus Eigennatur allein ist all das (Abl.)
yat kiṃ cid anupaśyasi
was irgend du wahrnimmst (2.Sg.Präs.)

naivāntaraṃ vijānāti śrutvā gurumukhāt tataḥ; vākyaṃ vākyārthavijñānam ālokya manasā yatiḥ; vivekapratyayāpannam ātmānam anupaśyati; virajyati tato bhītyā parameśvaram ṛcchati; trātāraṃ sarvaduḥkhānāṃ tat sukhānveṣaṇaṃ yathā; karoti sadbhiḥ saṃsargamalaṃ santaḥ sukhāya vai; satāṃ sakāśād ājñāya mārgaṃ lakṣaṇavattayā; sarvasaṅgavinirmuktaḥ paramātmānam ṛcchati; viṣayecchākṛto dharmaṃ[rmaḥ] sarajasko bhayāvahaḥ; dharmahānim avāpnoti kramāt tena naraḥ punaḥ; bhaktihīno bhavaty eva paramātmani cācyuta; vācake vāpi ca sthānaṃ na hanty eva vimocitaḥ; sārkṣye (sic) cāsya ratir nityaṃ saṃsāre ca ratir bhavet; tasya nityam avijñānād ātmā caiva na sidhyati; unmattavṛttir bhavati kramād evaṃ pravartate; āśaucaṃ vardhate nityaṃ na śāmyati kathaṃ cana; viṣaye cānvitasyāsya mokṣavāñchā na jāyate; hetvābhāseṣu saṃlīnaḥ stauti vaiṣayikān guṇān; na śāstrāṇi śṛṇoty eva mānadarpasamanvitaḥ; svataḥsiddhaṃ na bhogas taṃ svataḥsiddhaṃ na vetti ca; cidrūpadhāraṇaṃ caiva paraṃ vastu athāvyayam; nānāyonigatas tena bhrāmyamāṇaḥ svakarmabhiḥ; tīrṇapāraṃ na jānāti mahāmohasamanvitaḥ; ācāryasaṃśrayād vidyād vinayaṃ samupāgataḥ; anukūleṣu dharmeṣu cinoty enaṃ tatas tataḥ; ācārya iti ca khyātas tenāsau balavṛtrahan; niyatenaiva sadbhāvas tena janmāntarādiṣu; karmasaṃcayatūlaughaḥ kṣipyate jñānavāyunā; evaṃ yuktasamācāraḥ saṃsāravinivartakaḥ; anukūlavṛttiṃ satataṃ chinatty eva bhṛgur yathā; yena cāyaṃ samāpanno vaitṛṣṇyaṃ nādhigacchati; abhyantaraḥ smṛtaḥ śakra tatsāmyaṃ parivarjayet; prathamaṃ tatkṛtenaiva karmaṇā parimṛ[ga]cchati; dvitīyaṃ svapnayogaṃ ca karmaṇā parigacchati; etair akṣaiḥ samāpannaḥ pratyakṣo 'sau samāsthitaḥ; suṣuptyākhyas turīyo 'sau na ca hy āvaraṇānvitaḥ; lokavṛttyā tam īśānaṃ yajañ juhvan yamī bhavet; ātmany āyāsayogena niṣkriyaḥ sa parāt param; āyāme tāṃ vijānāti māyaiṣā paramātmanaḥ; prātibhāsikasāmānyād buddher yā saṃvidātmikā; sphuliṅgasattvasadṛśād agnibhāvo yathā bhavet; śiśūnām evam ajñānām ātmabhāvo 'nyathā smṛtaḥ; sādhye 'py avastubhūtākhye mitrāmitrādayaḥ kutaḥ; tadabhāve tu śokādyā na vartante sureśvara; evaṃ budhyasva bhagavan samabuddhiṃ samanviyāt; upāyam etad ākhyātaṃ mā vakraṃ gaccha devapa; jñānena paśyate karma jñānināṃ na pravartakam; yāvad ārabdham asyeha tāvan naivopaśāmyati; tadante taṃ prayāty eva na vidvān iti me matiḥ; yad asya vācakaṃ vakṣye tasmād etad bhavet sadā; tena tena ca bhāvena apāyaṃ tatra paśyati; sthānabhedeṣu vāg eṣā tālusaṃsthā yathā tathā; tadvad buddhigatā hy arthā buddhim ātmagataṃ sadā; samastasaṃkalpaviśeṣamuktaṃ; paraṃ parāṇāṃ paramaṃ mahātmā; trayyantavidbhiḥ parigīyate 'sau; viṣṇur vibhur vāsti guṇo na nityam; varṇeṣu lokeṣu viśeṣaṇeṣu; sa vāsudevo vasanān mahātmā; guṇānurūpaṃ sa ca karmarūpaṃ; dadāti sarvasya samastarūpam; na saṃdṛśe tiṣṭhati rūpam asya; na cakṣuṣā paśyati kaś cid enam; bhaktyā ca dhṛtyā sa samāhitātmā; jñānasvarūpaṃ paripaśyatīha; vadanti tan me bhagavān dadau sa; sa eva śeṣaṃ maghavān mahātmā; evaṃ mamopāyam avehi śakra; tasmāl loko nāsti mahyaṃ sadaiva

Er erkennt [dann] keinen Unterschied [?], nachdem er darauf aus dem Munde des Lehrers gehört hat; der Asket, den Satz und das Erkennen des Satzsinnes im Geist erwägend, sieht das zur Gewissheit der Unterscheidung gelangte Selbst; dann wird er aus Furcht leidenschaftslos und gelangt zum höchsten Herrn, dem Retter aus allem Leid, [im] Suchen nach jenem Glück. Er pflegt Umgang mit den Guten; die Guten [genügen] fürwahr zum Glück [?]. Von den Guten den Weg erkannt habend, dank [seiner] Merkmale, frei von aller Anhaftung, gelangt er zum höchsten Selbst. Ein aus Verlangen nach Sinnesobjekten gemachter Dharma, mit Rajas behaftet, bringt Furcht; dadurch erleidet der Mensch allmählich wieder Verlust an Dharma. Er wird ohne Hingabe an das höchste Selbst, o Unerschütterlicher; [Vers von „vācake … vimocitaḥ“: unklar; etwa: ‚beim Bezeichnenden [Wort?] erschlägt der Befreite keinen Halt‘ [?]]. Seine Freude gilt stets dem [sārkṣye – verderbt, ‚sic‘ ?] und der Freude am Saṃsāra; wegen seiner beständigen Unkenntnis gelingt ihm auch das Selbst nicht. Sein Verhalten wird wahnsinnsgleich; so schreitet es allmählich fort; die Unreinheit wächst stets, und er kommt auf keine Weise zur Ruhe. Bei dem, der an den Sinnesobjekten haftet, entsteht kein Verlangen nach Erlösung; in Scheingründen versunken, preist er die Eigenschaften der Sinnesgenüsse; von Stolz und Dünkel erfüllt, hört er die Lehrschriften überhaupt nicht. Das von selbst Vollendete – ihn [erreicht] kein Genuss, und das von selbst Vollendete erkennt er nicht [?], auch nicht das Tragen der Bewusstseinsgestalt, die höchste Wirklichkeit, ferner unvergänglich [?]. In vielerlei Mutterschöße eingegangen, dadurch von seinen eigenen Taten umhergetrieben, kennt er das jenseitige Ufer nicht, von großer Verblendung erfüllt. Durch Zuflucht zum Lehrer möge er, Zucht erlangt habend, erkennen; in günstigen Dharmas sammelt er ihn da und dort; und dadurch heißt jener ‚Lehrer‘, o Bala- und Vṛtra-Töter. Durch Gezügeltes [?] [entsteht] wahres Sein, dadurch in anderen Geburten usw.; die flockige Masse aufgehäufter Taten wird vom Wind des Wissens verweht. So, im rechten Wandel geübt, ist er einer, der den Saṃsāra umkehren lässt; das stets günstige [?] Anhaften schneidet er ab, wie Bhṛgu [?]. Wodurch dieser [Mensch] in Verlegenheit geraten ist [?], gelangt er nicht zur Freiheit von Durst; das ‚Innere‘ ist überliefert, Śakra – dessen Gleichheit möge er meiden [?]. Zuerst durchforscht/erreicht [?] er durch die dadurch getane Tat, zum Zweiten geht er durch die Tat in die Traumverbindung ein. Mit diesen Sinnen [Zuständen?] versehen, ist dieser als sichtbar [wahrnehmbar] aufgestellt; der als ‚Tiefschlaf‘ benannte, dieser Vierte, ist nicht von einer Hülle umgeben. Nach weltlicher Art möge er den Herrn verehrend, opfernd, spendend zum Bezwinger werden; durch Anstrengung im Selbst ist er ohne Tun, er [ist] höher als das Höchste. Bei der Ausdehnung erkennt er jene: Dies ist die Māyā des höchsten Selbst; aus der Gemeinsamkeit mit dem Scheinhaften [entsteht] die Erkenntnis, die dem Verstand als Wesen eigen ist – wie aus dem, was dem Wesen eines Funkens gleicht, das Feuer-Sein entstünde. Bei Kindern, den Unwissenden, gilt das Selbstsein so als anders. Im zu Erreichenden, das ‚Nicht-Ding‘ genannt wird: woher [dort] Freunde, Feinde und dergleichen? Beim Fehlen dessen bestehen Trauer und dergleichen nicht, Herr der Götter. So erkenne, Erhabener; gleichen Sinn möge er erlangen. Dieses Mittel ist dargelegt; geh nicht krumm [in die Irre], Beschützer der Götter. Durch Wissen sieht er die Tat; für Wissende ist sie nicht antreibend. Solange sein hier Begonnenes [währt], so lange kommt es nicht zur Ruhe; an dessen Ende geht er eben zu ihm ein; ‚nicht [so ist] ein Wissender‘ – so meine Ansicht [?]. Was dessen Bezeichnendes ist, will ich sagen; daher möge dies stets sein; durch jeweiliges Sein sieht er dort den Untergang [?]. In den Unterschieden der Stellen [der Artikulation] befindet sich diese Rede am Gaumen, ebenso [sind] die im Verstand befindlichen Gegenstände stets im Verstand, im Selbst befindlich. [Er], der von jeder besonderen Vorstellung frei ist, der Höchste der Höchsten, der Hochgesinnte, wird von den Kennern des Vedāntas [‚Ende der Trayī‘] besungen: Viṣṇu, der Allgegenwärtige; nicht ist [er] eine Eigenschaft, nicht beständig [?]; unter den Ständen, in den Welten, in den Besonderheiten – er ist Vāsudeva, weil er [überall] wohnt, der Hochgesinnte. Und er verleiht jedem, entsprechend den Eigenschaften und der Gestalt der Tat, seine ganze Gestalt; nicht in der Sichtbarkeit steht seine Gestalt; niemand sieht ihn mit dem Auge; durch Hingabe und Festigkeit, mit gesammeltem Selbst, erblickt man hier die Wissensgestalt. Man sagt: ‚Jenes gab mir der Erhabene‘; er, der Hochgesinnte, Maghavan, [gab] eben den Rest; so verstehe mein Mittel, Śakra; darum gibt es für mich stets keine [andere] Welt [?].

Wort für Wort
naivāntaraṃ vijānāti ; śrutvā gurumukhāt tataḥ ; vākyaṃ vākyārthavijñānam ; ālokya manasā yatiḥ
er erkennt keinen Unterschied [?] (3.Sg.Präs.) ; gehört habend vom Munde des Lehrers, dann (Abs.; Abl.) ; den Satz, das Erkennen des Satzsinnes (Akk.) ; erwägend im Geist, der Asket (Abs.; Instr.; Nom.)
vivekapratyayāpannam ātmānam ; anupaśyati ; virajyati tato bhītyā ; parameśvaram ṛcchati
zur Gewissheit der Unterscheidung gelangtes Selbst (Akk.) ; sieht (3.Sg.Präs.) ; wird leidenschaftslos, dann aus Furcht (3.Sg.Präs.; Instr.) ; zum höchsten Herrn gelangt er (Akk.; 3.Sg.Präs.)
trātāraṃ sarvaduḥkhānām ; tat sukhānveṣaṇaṃ yathā ; karoti sadbhiḥ saṃsargam ; alaṃ santaḥ sukhāya vai
Retter aus allem Leid (Akk.; Gen.Pl.) ; jenes Glück-Suchen, wie [?] (Akk.) ; pflegt mit den Guten Umgang (3.Sg.Präs.; Instr.Pl.; Akk.) ; genug die Guten für das Glück fürwahr [?] (Nom.Pl.; Dat.)
satāṃ sakāśād ājñāya ; mārgaṃ lakṣaṇavattayā ; sarvasaṅgavinirmuktaḥ ; paramātmānam ṛcchati
von den Guten her erkannt habend (Gen.; Abl.; Abs.) ; den Weg, dank Merkmalhaftigkeit [?] (Akk.; Instr.) ; von aller Anhaftung befreit (Nom.) ; zum höchsten Selbst gelangt er (Akk.)
viṣayecchākṛto dharmaḥ ; sarajasko bhayāvahaḥ ; dharmahānim avāpnoti ; kramāt tena naraḥ punaḥ
aus Verlangen nach Objekten gemachter Dharma (Nom.) ; mit Rajas, Furcht bringend (Nom.) ; Verlust an Dharma erlangt er (Akk.; 3.Sg.Präs.) ; allmählich, dadurch der Mensch, wieder (Abl.; Instr.; Nom.)
bhaktihīno bhavaty eva ; paramātmani cācyuta ; vācake vāpi ca sthānaṃ ; na hanty eva vimocitaḥ
ohne Hingabe wird er eben (Nom.) ; beim höchsten Selbst, o Unerschütterlicher (Lok.; Vok.) ; beim Bezeichnenden auch Halt / Stand [?] (Lok.; Akk.) ; er erschlägt nicht, der Befreite [?] (3.Sg.Präs.; Part.)
sārkṣye cāsya ratir nityam ; saṃsāre ca ratir bhavet ; tasya nityam avijñānāt ; ātmā caiva na sidhyati
und an dem sārkṣye [?] seine Freude stets (Lok.; Nom.) ; und am Saṃsāra Freude möge sein (Lok.; Opt.) ; wegen seiner beständigen Unkenntnis (Abl.) ; und das Selbst gelingt nicht (Nom.; 3.Sg.Präs.)
unmattavṛttir bhavati ; kramād evaṃ pravartate ; āśaucaṃ vardhate nityam ; na śāmyati kathaṃ cana
wahnsinnsgleiches Verhalten wird (Nom.) ; allmählich so schreitet es fort (Abl.; 3.Sg.Präs.) ; Unreinheit wächst stets (Nom.; 3.Sg.Präs.) ; kommt nicht zur Ruhe auf keine Weise (3.Sg.Präs.)
viṣaye cānvitasyāsya ; mokṣavāñchā na jāyate ; hetvābhāseṣu saṃlīnaḥ ; stauti vaiṣayikān guṇān
und bei dem an den Objekten Haftenden (Lok.; Gen.) ; Wunsch nach Erlösung entsteht nicht (Nom.; 3.Sg.Präs.) ; in Scheingründen versunken (Lok.Pl.; Nom.) ; preist die Eigenschaften der Sinnesgenüsse (3.Sg.Präs.; Akk.Pl.)
na śāstrāṇi śṛṇoty eva ; mānadarpasamanvitaḥ ; svataḥsiddhaṃ na bhogas taṃ ; svataḥsiddhaṃ na vetti ca
hört die Lehrschriften überhaupt nicht (Akk.; 3.Sg.Präs.) ; mit Stolz und Dünkel erfüllt (Nom.) ; das von selbst Vollendete – nicht Genuss ihn [?] (Akk.; Nom.) ; das von selbst Vollendete kennt er nicht (3.Sg.Präs.)
cidrūpadhāraṇaṃ caiva ; paraṃ vastu athāvyayam ; nānāyonigatas tena ; bhrāmyamāṇaḥ svakarmabhiḥ
und das Tragen der Bewusstseinsgestalt (Akk.) ; die höchste Wirklichkeit, ferner unvergänglich (Akk.) ; in vielerlei Mutterschöße eingegangen, dadurch (Nom.) ; umhergetrieben von eigenen Taten (Part.Pass.; Instr.)
tīrṇapāraṃ na jānāti ; mahāmohasamanvitaḥ ; ācāryasaṃśrayād vidyād ; vinayaṃ samupāgataḥ
das überschrittene / jenseitige Ufer kennt er nicht (Akk.; 3.Sg.Präs.) ; mit großer Verblendung erfüllt (Nom.) ; durch Zuflucht zum Lehrer möge er wissen (Abl.; Opt.) ; Zucht erlangt habend (Akk.; Part.)
anukūleṣu dharmeṣu ; cinoty enaṃ tatas tataḥ ; ācārya iti ca khyātaḥ ; tenāsau balavṛtrahan
in günstigen Dharmas (Lok.Pl.) ; sammelt ihn da und dort (3.Sg.Präs.; Akk.) ; und ‚Lehrer‘ so genannt (Nom.; Part.) ; dadurch jener, o Bala- und Vṛtra-Töter (Vok.)
niyatenaiva sadbhāvaḥ ; tena janmāntarādiṣu ; karmasaṃcayatūlaughaḥ ; kṣipyate jñānavāyunā
durch das Gezügelte / Feste [?] wahres Sein (Instr.; Nom.) ; dadurch in anderen Geburten usw. (Lok.Pl.) ; Flockenmasse aufgehäufter Taten (Nom.) ; wird verweht durch den Wind des Wissens (3.Sg.Pass.; Instr.)
evaṃ yuktasamācāraḥ ; saṃsāravinivartakaḥ ; anukūlavṛttiṃ satataṃ ; chinatty eva bhṛgur yathā
so im rechten Wandel geübt (Nom.) ; den Saṃsāra Umkehrender / Beendender (Nom.) ; das stets günstige Anhaften [?] (Akk.; Adv.) ; schneidet ab, wie Bhṛgu [?] (3.Sg.Präs.)
yena cāyaṃ samāpannaḥ ; vaitṛṣṇyaṃ nādhigacchati ; abhyantaraḥ smṛtaḥ śakra ; tatsāmyaṃ parivarjayet
wodurch dieser geraten ist [?] (Instr.; Part.) ; Durstlosigkeit erlangt er nicht (Akk.; 3.Sg.Präs.) ; ‚der Innere‘ überliefert, Śakra (Nom.; Part.; Vok.) ; dessen Gleichheit möge er meiden [?] (Akk.; Opt.)
prathamaṃ tatkṛtenaiva ; karmaṇā parimṛ[ga]cchati ; dvitīyaṃ svapnayogaṃ ca ; karmaṇā parigacchati
zuerst durch das dadurch Getane (Adv.; Instr.) ; durch die Tat [er sucht / erreicht] [?] (Instr.; 3.Sg.Präs.) ; zum Zweiten die Traumverbindung (Akk.) ; durch die Tat geht er ein (Instr.; 3.Sg.Präs.)
etair akṣaiḥ samāpannaḥ ; pratyakṣo 'sau samāsthitaḥ ; suṣuptyākhyas turīyo 'sau ; na ca hy āvaraṇānvitaḥ
mit diesen Sinnen [?] versehen (Instr.Pl.; Nom.) ; dieser als sichtbar aufgestellt (Nom.; Part.) ; der ‚Tiefschlaf‘ genannte, der Vierte (Nom.) ; und nicht mit einer Hülle versehen (Nom.)
lokavṛttyā tam īśānam ; yajañ juhvan yamī bhavet ; ātmany āyāsayogena ; niṣkriyaḥ sa parāt param
nach weltlicher Art diesen Herrn (Instr.; Akk.) ; opfernd, spendend möge er Bezwinger werden (Part.; Opt.) ; im Selbst durch Anstrengungsverbindung (Lok.; Instr.) ; ohne Tun, er höher als das Höchste (Nom.; Abl.; Nom.)
āyāme tāṃ vijānāti ; māyaiṣā paramātmanaḥ ; prātibhāsikasāmānyāt ; buddher yā saṃvidātmikā
bei der Ausdehnung erkennt er jene (Lok.; Akk.; 3.Sg.Präs.) ; diese ist die Māyā des höchsten Selbst (Nom.; Gen.) ; wegen Gemeinsamkeit mit dem Scheinhaften (Abl.) ; die des Verstandes, die erkenntniswesenhaft ist (Gen.; Nom.)
sphuliṅgasattvasadṛśāt ; agnibhāvo yathā bhavet ; śiśūnām evam ajñānām ; ātmabhāvo 'nyathā smṛtaḥ
von dem, was dem Funkenwesen gleicht (Abl.) ; Feuer-Sein wie es entstünde (Nom.; Opt.) ; bei Kindern so, den Unwissenden (Gen.Pl.) ; Selbstsein anders gilt (Nom.; Part.)
sādhye 'py avastubhūtākhye ; mitrāmitrādayaḥ kutaḥ ; tadabhāve tu śokādyāḥ ; na vartante sureśvara
im zu Erreichenden, ‚Nicht-Ding‘ genannt (Lok.) ; Freunde, Feinde usw. woher (Nom.Pl.) ; bei dessen Fehlen aber Trauer usw. (Lok.; Nom.Pl.) ; bestehen nicht, Herr der Götter (3.Pl.Präs.; Vok.)
evaṃ budhyasva bhagavan ; samabuddhiṃ samanviyāt ; upāyam etad ākhyātam ; mā vakraṃ gaccha devapa
so erkenne, Erhabener (Imp.Med.; Vok.) ; gleichen Sinn möge er erlangen (Akk.; Opt.) ; dieses Mittel ist dargelegt (Nom.; Part.) ; geh nicht krumm, Götterschützer (Adv.; Imp.; Vok.)
jñānena paśyate karma ; jñānināṃ na pravartakam ; yāvad ārabdham asyeha ; tāvan naivopaśāmyati
durch Wissen sieht er die Tat (Instr.; Akk.) ; für Wissende nicht antreibend (Gen.Pl.; Nom.) ; solange sein hier Begonnenes (Part.; Gen.) ; so lange kommt es nicht zur Ruhe (3.Sg.Präs.)
tadante taṃ prayāty eva ; na vidvān iti me matiḥ ; yad asya vācakaṃ vakṣye ; tasmād etad bhavet sadā
an dessen Ende geht er eben zu ihm (Lok.; Akk.; 3.Sg.Präs.) ; nicht Wissender, so meine Ansicht (Nom.) ; was dessen Bezeichnendes ist, will ich sagen (Akk.; 1.Sg.Fut.) ; daher möge dies stets sein (Opt.)
tena tena ca bhāvena ; apāyaṃ tatra paśyati ; sthānabhedeṣu vāg eṣā ; tālusaṃsthā yathā tathā
durch jeweiliges Sein (Instr.) ; Untergang / Verlust dort sieht er (Akk.; 3.Sg.Präs.) ; in den Unterschieden der Stellen diese Rede (Lok.Pl.; Nom.) ; am Gaumen befindlich, wie so (Nom.)
tadvad buddhigatā hy arthāḥ ; buddhim ātmagataṃ sadā ; samastasaṃkalpaviśeṣamuktam ; paraṃ parāṇāṃ paramaṃ mahātmā
ebenso im Verstand befindliche Gegenstände (Nom.Pl.) ; den Verstand, im Selbst befindlich, stets (Akk.) ; von allen besonderen Vorstellungen frei (Akk.) ; der Höchste der Höchsten, der Hochgesinnte (Akk.; Gen.Pl.; Nom.)
trayyantavidbhiḥ parigīyate 'sau ; viṣṇur vibhur vāsti guṇo na nityam ; varṇeṣu lokeṣu viśeṣaṇeṣu ; sa vāsudevo vasanān mahātmā
von Kennern des Trayī-Endes wird er besungen (Instr.Pl.; 3.Sg.Pass.) ; Viṣṇu, der Allgegenwärtige; [es] ist nicht Eigenschaft, nicht beständig [?] (Nom.) ; unter Ständen, in Welten, in Besonderheiten (Lok.Pl.) ; er [ist] Vāsudeva wegen des Wohnens, der Hochgesinnte (Nom.; Abl.)
guṇānurūpaṃ sa ca karmarūpam ; dadāti sarvasya samastarūpam ; na saṃdṛśe tiṣṭhati rūpam asya ; na cakṣuṣā paśyati kaś cid enam
den Eigenschaften entsprechend und der Gestalt der Tat (Akk.) ; gibt jedem seine ganze Gestalt (3.Sg.Präs.; Dat./Gen.; Akk.) ; nicht in der Sichtbarkeit steht seine Gestalt (Lok.; Nom.) ; nicht mit dem Auge sieht irgendwer ihn (Instr.; Akk.)
bhaktyā ca dhṛtyā sa samāhitātmā ; jñānasvarūpaṃ paripaśyatīha ; vadanti tan me bhagavān dadau sa ; sa eva śeṣaṃ maghavān mahātmā
durch Hingabe und Festigkeit, er mit gesammeltem Selbst (Instr.; Nom.) ; die Wissensgestalt erblickt hier (Akk.; 3.Sg.Präs.) ; man sagt: das gab mir der Erhabene, er (3.Pl.Präs.; Perf.) ; er eben den Rest, Maghavan, der Hochgesinnte (Akk.; Vok./Nom.)
evaṃ mamopāyam avehi śakra ; tasmāl loko nāsti mahyaṃ sadaiva
so mein Mittel verstehe, Śakra (Imp.; Vok.) ; daher ist [eine] Welt nicht für mich stets [?] (Nom.; Dat.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Lange Zusatzpassage (star, Nr. 215.035@021); der Text ist stark korrupt und stellenweise unverständlich (vgl. „(sic)“ und Konjekturen in eckigen Klammern); viele Stellen unsicher, die Übersetzung folgt dem wahrscheinlichsten Sinn, mit [?] markiert.

bhīṣma uvāca; ity ukto daityapatinā śakro vismayam āgamat; prītimāṃś ca tadā rājaṃs tad vākyaṃ pratyapūjayat

Bhīṣma sprach: „So vom Fürsten der Daityas angesprochen, geriet Śakra in Staunen, und erfreut, König, ehrte er damals dessen Rede.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ity ukto daityapatinā
so angesprochen vom Herrn der Daityas (Part.; Instr.)
śakro vismayam āgamat
Śakra geriet in Staunen (Akk.; Aor.)
prītimāṃś ca tadā rājan
und erfreut damals, König (Nom.; Vok.)
tad vākyaṃ pratyapūjayat
dessen Rede ehrte er (Akk.; Impf.)

sa tadābhyarcya daityendraṃ trailokyapatir īśvaraḥ; asurendram upāmantrya jagāma svaṃ niveśanam

Da verehrte der Herr der drei Welten den Fürsten der Daityas, verabschiedete sich vom Asura-Fürsten und ging zu seiner Wohnstätte.“

Wort für Wort
sa tadā abhyarcya daityendram
er da verehrt habend den Daitya-Fürsten (Abs.; Akk.)
trailokyapatir īśvaraḥ
Herr der drei Welten, Gebieter (Nom.)
asurendram upāmantrya
den Asura-Fürsten angeredet / verabschiedet habend (Akk.; Abs.)
jagāma svaṃ niveśanam
ging zu seiner Wohnstätte (Perf.; Akk.)

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