Kapitel 291: kṣarākṣaravicāraḥ
Das Vergängliche und das Unvergängliche: Vasiṣṭhas Belehrung des Janaka
Yudhiṣṭhira fragt nach dem Unterschied von kṣara und akṣara; Bhīṣma antwortet mit dem alten Gespräch zwischen Vasiṣṭha und Karāla Janaka, das mit der Sāṃkhya-artigen Schöpfungslehre und den 24 Tattvas beginnt.
yudhiṣṭhira uvāca; kiṃ tad akṣaram ity uktaṃ yasmān nāvartate punaḥ; kiṃ ca tat kṣaram ity uktaṃ yasmād āvartate punaḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Was ist das, was ‚unvergänglich‘ genannt wird, von dem aus man nicht wieder zurückkehrt? Und was ist das, was ‚vergänglich‘ genannt wird, von dem aus man wieder zurückkehrt?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
kiṃ tad akṣaram ity uktaṃ
was ist jenes, das ‚unvergänglich‘ genannt wird (Nom.; Part. Perf. Pass. n.)
yasmān nāvartate punaḥ
von dem man nicht wieder zurückkehrt (Abl.; 3.Sg. Med. Präs. mit Negation)
kiṃ ca tat kṣaram ity uktaṃ
und was ist jenes, das ‚vergänglich‘ genannt wird (Nom.; Part. Perf. Pass.)
yasmād āvartate punaḥ
von dem aus man wieder zurückkehrt (Abl.; 3.Sg. Med. Präs.)
Ich möchte den Unterschied [wörtlich: die Offenbarung] von Unvergänglichem und Vergänglichem verstehen, Bezwinger der Feinde; ich möchte es der Wahrheit gemäß erfassen, Starkarmiger, Freude der Kurus.
Wort für Wort
akṣarakṣarayor vyaktim
von Unvergänglichem und Vergänglichem die Klärung (Gen. Du. / Akk. Sg. f.)
icchāmy ariniṣūdana
ich wünsche, Feindevernichter (1.Sg. Präs. / Vok.)
upalabdhuṃ mahābāho
zu erfassen, Starkarmiger (Inf. / Vok.)
tattvena kurunandana
der Wahrheit gemäß, Freude der Kurus (Instr. Sg. n. adv. / Vok.)
tvaṃ hi jñānanidhir viprair ucyase vedapāragaiḥ; ṛṣibhiś ca mahābhāgair yatibhiś ca mahātmabhiḥ
Denn du wirst von den Brahmanen, die die Veden bis zum Ende gemeistert haben, ein Schatz des Wissens genannt, ebenso von den hochherrlichen Sehern und den großgesinnten Asketen.
Wort für Wort
tvaṃ hi jñānanidhir
denn du [bist] ein Schatz des Wissens (Nom. Sg. m., Tatpuruṣa)
viprair ucyase
wirst von Brahmanen genannt (Instr. Pl. / 2.Sg. Pass. Präs.)
tad etac chrotum icchāmi tvattaḥ kurukulodvaha; na tṛpyāmīha rājendra śṛṇvann amṛtam īdṛśam
Darum möchte ich dies von dir hören, du Träger der Kuru-Familie; ich werde nicht satt, hier, König der Könige, während ich ein solches Unsterblichkeitsnektar-Wort höre.
Wort für Wort
tad etac chrotum icchāmi
dies eben möchte ich hören (Akk. n. / Inf. / 1.Sg. Präs.)
tvattaḥ kurukulodvaha
von dir, Träger des Kuru-Geschlechts (Abl. / Vok.)
na tṛpyāmīha
ich werde nicht satt hier (1.Sg. Präs. Pass.-Med. / Adv.)
rājendra śṛṇvann
Herr der Könige, indem ich höre (Vok. / Part. Präs. Nom. m.)
Er befragte den im Ātman-Wissen Bewanderten, der des Weges zum Ātman gewiss war, den Sohn von Mitra und Varuṇa, der dasaß, nachdem er sich mit gefalteten Händen vor ihm verneigt hatte.
Wort für Wort
param adhyātmakuśalam
den überaus im Höchsten Selbst Kundigen (Akk. Sg. m., Tatpuruṣa)
adhyātmagatiniścayam
der über den Weg des Selbst Gewissheit hat (Akk. Sg. m., Bahuvrīhi)
maitrāvaruṇim āsīnam
den Sohn von Mitra-Varuṇa, sitzend (Akk. Sg. m. / Part.)
abhivādya kṛtāñjaliḥ
nachdem er gegrüßt hatte, mit gefalteten Händen (Abs. / Nom. Sg. m.)
Die Konstruktion mit papraccha (V. 10) zieht sich über V. 8-10; das Subjekt ist Janaka.
Wisse: Ein Yuga sind zwölftausend [Jahre], ein Kalpa das Vierfache davon; wenn es tausendfach wiederholt ist, nennt man das den Tag Brahmās; und ebenso lang ist die Nacht, König, an deren Ende er erwacht.
Wort für Wort
yugaṃ dvādaśasāhasraṃ
ein Yuga von zwölftausend [Jahren] (Nom./Akk. n.)
kalpaṃ viddhi caturguṇam
einen Kalpa wisse als vierfach (Akk. m. / Imp. 2.Sg. / Akk. m.)
daśakalpaśatāvṛttaṃ
tausendmal wiederholt (Nom. n., Komp.)
tad ahar brāhmam ucyate
das heißt der Tag Brahmās (Nom. n. / 3.Sg. Pass.)
rātriś caitāvatī rājan
und die Nacht [ist] ebenso lang, König (Nom. f. / Vok.)
yasyānte pratibudhyate
an deren Ende er erwacht (Gen. f. / Lok. / 3.Sg. Präs. Med.)
Die Maßangaben (Kalpa als Vierfaches von zwölftausend, ohne Nennung der Einheit) sind wörtlich wiedergegeben.
Der Gestaltlose erschafft das große, erstgeborene Wesen von unendlichem Wirken, gestalthaft, das All [?]; Śaṃbhu, des Selbstentstandenen [?]; [er ist] Feinheit, Leichtigkeit, Erreichen, der Herr, das unvergängliche Licht.
Wort für Wort
sṛjaty anantakarmāṇaṃ
erschafft den von unendlichem Wirken (3.Sg. Präs. / Akk. Sg. m.)
mahāntaṃ bhūtam agrajam
das große Wesen, erstgeboren (Akk. Sg. n.)
mūrtimantam amūrtātmā
den Gestalthaften, [er,] dessen Wesen gestaltlos ist (Akk. Sg. m. / Nom. Sg. m.)
viśvaṃ śaṃbhuḥ svayaṃbhuvaḥ
das All, Śaṃbhu, des Selbstentstandenen (Akk. / Nom. / Gen.) [?]
aṇimā laghimā prāptir
Feinheit, Leichtigkeit, Erreichen (Nom. f.)
īśānaṃ jyotir avyayam
der Herr, unvergängliches Licht (Akk. m. / Akk. n.)
Die Syntax der Mittelzeile ist im überlieferten Text unklar; die Wiedergabe ist vorsichtig.
Und in der Sāṃkhya-Lehre wird er mit vielen Namen gelesen, vielgestaltig; der bunt Gestaltete, das Selbst des Alls, wird ‚der Eine Unvergängliche‘ genannt.
Wort für Wort
sāṃkhye ca paṭhyate śāstre
und im Sāṃkhya-Lehrbuch wird gelehrt (Lok. n. / 3.Sg. Pass. / Lok. n.)
nāmabhir bahudhātmakaḥ
mit Namen, vielfältig in seinem Wesen (Instr. Pl. / Nom. Sg. m.)
vicitrarūpo viśvātmā
von bunter Gestalt, Selbst des Alls (Nom. Sg. m.)
ekākṣara iti smṛtaḥ
‚einsilbig/eins-unvergänglich‘ genannt (Nom. / Part. Perf. Pass.)
ekākṣara kann auch ‚die eine Silbe‘ (Oṃ) heißen; hier im Zusammenhang mit akṣara ‚unvergänglich‘ gewählt.
Durch den das gesamte Dreiweltensystem mit seinem Selbst umhüllt ist, das [doch] nicht [nur] eines Wesens ist; ebenso wird er wegen seiner Vielgestaltigkeit ‚der Allgestaltige‘ genannt.
Wort für Wort
vṛtaṃ naikātmakaṃ yena
umhüllt, nicht einwesenhaft, durch den (Part. Perf. Pass. n. / Nom. n. / Instr. m.)
kṛtsnaṃ trailokyam ātmanā
das ganze Dreiweltenall durch sein Selbst (Nom. n. / Instr. m.)
tathaiva bahurūpatvād
ebenso wegen der Vielgestaltigkeit (Adv. / Abl. n.)
viśvarūpa iti smṛtaḥ
‚Allgestaltiger‘ genannt (Nom. / Part. Perf. Pass.)
eṣa vai vikriyāpannaḥ sṛjaty ātmānam ātmanā; ahaṃkāraṃ mahātejāḥ prajāpatim ahaṃkṛtam
Dieser, der eine Wandlung erfahren hat, erschafft durch sich selbst sich selbst: den Ich-Macher [Ahaṃkāra], den sehr Glänzenden, den Herrn der Geschöpfe, der als Ich-Bewusstsein [Ahaṃkṛta] gebildet ist.
Wort für Wort
eṣa vai vikriyāpannaḥ
dieser fürwahr, in Wandlung geraten (Nom. / Part. Perf. Nom. m.)
sṛjaty ātmānam ātmanā
erschafft sich selbst durch sich (3.Sg. Präs. / Akk. / Instr.)
ahaṃkāraṃ mahātejāḥ
den Ahaṃkāra, den sehr Glänzenden (Akk. Sg. m. / Nom. m.)
prajāpatim ahaṃkṛtam
den Prajāpati, ichgebildet (Akk. Sg. m. / Part. Perf. Pass.)
avyaktād vyaktam utpannaṃ vidyāsargaṃ vadanti tam; mahāntaṃ cāpy ahaṃkāram avidyāsargam eva ca
Aus dem Unentfalteten ist das Entfaltete entstanden; das nennt man die Schöpfung des Wissens [vidyā]; und den Großen und den Ahaṃkāra [nennt man] die Schöpfung des Nichtwissens [avidyā].
Wort für Wort
avyaktād vyaktam utpannaṃ
aus dem Unentfalteten [ist] das Entfaltete entstanden (Abl. / Nom. n. / Part. Perf. Pass.)
vidyāsargaṃ vadanti tam
‚Schöpfung des Wissens‘ nennen sie das (Akk. m. / 3.Pl. Präs. / Akk.)
avidhiś ca vidhiś caiva samutpannau tathaikataḥ; vidyāvidyeti vikhyāte śrutiśāstrārthacintakaiḥ
Ordnung-Losigkeit und Ordnung sind ebenso zugleich aus einer Wurzel entstanden; als Wissen und Nichtwissen sind sie berühmt bei denen, die über den Sinn von Offenbarung und Lehrbüchern nachdenken.
Wort für Wort
avidhiś ca vidhiś caiva
Nicht-Ordnung und Ordnung (Nom. m.)
samutpannau tathaikataḥ
beide entstanden, ebenso aus einem [Ursprung] (Part. Perf. Pass. Du. / Adv.)
vidyāvidyeti vikhyāte
als ‚Wissen‘ und ‚Nichtwissen‘ berühmt (Nom. Du. f. / Part. Perf. Pass. Du.)
śrutiśāstrārthacintakaiḥ
von den Überlegern des Sinns von Śruti und Śāstra (Instr. Pl. m.)
avidhi/vidhi: Bedeutung im Zusammenhang unsicher (‚Nicht-Ordnung/Ordnung‘ bzw. ‚Nichtregel/Regel‘).
Als dritte [Schöpfung] wisse, Herrscher der Erde, die Schöpfung der Elementarwesen aus dem Ahaṃkāra; als vierte wisse die Abwandlung in den Wesen, die aus dem Ahaṃkāra [hervorgegangen] sind.
Wort für Wort
bhūtasargam ahaṃkārāt
die Schöpfung der Elemente/Wesen aus dem Ahaṃkāra (Akk. m. / Abl. m.)
tṛtīyaṃ viddhi pārthiva
als dritte wisse, Fürst (Akk. / Imp. 2.Sg. / Vok.)
ahaṃkāreṣu bhūteṣu
in den Ahaṃkāra-Wesen (Lok. Pl.)
caturthaṃ viddhi vaikṛtam
als vierte wisse die Abwandlung (Akk. / Imp. / Akk. n.)
Dies ist die vierundzwanzigste Wirklichkeit [tattva], die in allen Gestalten besteht; wer sie erkannt hat, den grämen die Brahmanen, die die Wirklichkeit schauen, nicht mehr.
Wort für Wort
eṣā tattvacaturviṃśā
diese vierundzwanzigste Wirklichkeit (Nom.Sg.f., Kompositum)
sarvākṛtiṣu vartate
besteht in allen Gestalten (Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)
yāṃ jñātvā
nachdem man sie erkannt hat (Akk.Sg.f.; Abs.)
na abhiśocanti
trauern nicht (3.Pl.Präs.)
brāhmaṇās tattvadarśinaḥ
die Brahmanen, die die Wirklichkeit schauen (Nom.Pl.)
nābhiśocanti: wörtlich „sie grämen sich nicht darüber“; Sinn: sie trauern nicht.
Dies ist als der Körper bezeichnet worden bei allen Körperträgern in den drei Welten; es ist zu wissen, o Bester der Männer, mitsamt Göttern, Menschen und Dānavas,
Wort für Wort
etad dehaṃ samākhyātaṃ
dies ist als Körper bezeichnet (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
sayakṣabhūtagandharve sakiṃnaramahorage; sacāraṇapiśāce vai sadevarṣiniśācare
mitsamt Yakṣas, Geistern und Gandharvas, mitsamt Kiṃnaras und großen Schlangen, mitsamt Cāraṇas und Piśācas, mitsamt göttlichen Sehern und Nachtwandlern [Rākṣasas],
Wort für Wort
sayakṣabhūtagandharve
mitsamt Yakṣas, Geistern, Gandharvas (Lok.)
sakiṃnaramahorage
mitsamt Kiṃnaras und großen Schlangen (Lok.)
sacāraṇapiśāce vai
mitsamt Cāraṇas und Piśācas fürwahr (Lok.)
sadevarṣiniśācare
mitsamt göttlichen Sehern und Nachtwandlern (Lok.)
mitsamt Elefant und Pferd, mitsamt Tiger, mitsamt Bär und Kuh ebenso fürwahr,
Wort für Wort
sahastyaśve
mitsamt Elefant und Pferd (Lok.)
saśārdūle
mitsamt Tiger (Lok.)
saṛkṣagavi
mitsamt Bär und Kuh (Lok.)
caiva hi
und ebenso fürwahr (Partikeln)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften); saṛkṣa- ist Lesart für sarkṣa-.
Im Wasser, auf der Erde und ebenso im Luftraum, nirgendwo anders: so ist die Feststellung. Einen Standort haben die Körperträger [nur dort], so haben wir überliefert gehört.
Wort für Wort
jale bhuvi tathākāśe
im Wasser, auf der Erde und im Luftraum (Lok.)
na anyatra iti viniścayaḥ
nirgendwo anders, so die Feststellung (Adv.; Nom.Sg.m.)
sthānaṃ dehavatām asti
einen Standort haben die Körperträger (Nom.; Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.)
All dies, mein Lieber, so weit es reicht, fließt dahin [vergeht], was „das Offenbare“ heißt; Tag für Tag [ist es] das Wesen der Wesen; daher gilt es als „das Vergängliche“ [kṣara].
Wort für Wort
kṛtsnam etāvatas tāta
das Ganze, so weit es reicht, mein Lieber (Nom.Sg.n.; Abl./Vok.)
kṣarate vyaktasaṃjñakam
vergeht, das als Offenbares Benannte (3.Sg.Präs.; Nom.n.)
ahany ahani
Tag für Tag (Lok.)
bhūtātmā
Selbst der Wesen [?] (Nom.Sg.m.)
tataḥ kṣara iti smṛtaḥ
daher „vergänglich“ genannt (Adv.; Part.Perf.Pass.)
bhūtātmā: als „Selbst/Wesen der Wesen“ gedeutet; Bezug unsicher [?].
Dies wird „das Unvergängliche“ [akṣara] genannt, [obwohl] diese Welt vergeht; die Welt, deren Wesen Verblendung ist, nennen sie das Nichtoffenbare, das den Namen „Offenbares“ trägt.
Wort für Wort
etad akṣaram ity uktaṃ
dies wird „unvergänglich“ genannt (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
kṣarati idaṃ yathā jagat
wie diese Welt vergeht (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.)
jagan mohātmakaṃ
die Welt, verblendungsartig (Nom.Sg.n.)
prāhur avyaktaṃ
sie nennen das Nichtoffenbare (3.Pl.Perf.; Akk.)
vyaktasaṃjñakam
das Offenbares genannt wird (Akk.Sg.n.)
Text paradox: etad akṣaram (Prakṛti/Avyakta) vs. kṣarati idaṃ jagat; wörtlich aufgefasst.
Und das Große [Mahat], das Erstgeborene, ist stets dieses Beispiel für das Vergängliche; es ist dir erzählt, großer König, [ebenso das,] woher man nicht wiederkehrt.
Wort für Wort
mahāṃś ca agrajo nityam
und das Große, der Erstgeborene, stets (Nom.Sg.m.; Adv.)
etat kṣaranidarśanam
dies ist Beispiel für das Vergängliche (Nom.Sg.n.)
kathitaṃ te
erzählt ist dir (Part.Perf.Pass.; Dat./Gen.)
mahārāja
großer König (Vok.)
yasmān na āvartate punaḥ
woher man nicht wiederkehrt (Abl.; 3.Sg.Präs.; Adv.)
yasmān nāvartate punaḥ: Satzbau elliptisch, Bezug auf das Unvergängliche [?].
Der Fünfundzwanzigste ist Viṣṇu, ohne Wirklichkeiten [nistattva], doch „Wirklichkeit“ genannt; weil er Zuflucht der Wirklichkeiten ist, nennen die Weisen dies die Wirklichkeit.
Wort für Wort
pañcaviṃśatimo viṣṇur
der Fünfundzwanzigste, Viṣṇu (Nom.Sg.m.)
nistattvas
ohne Wirklichkeiten (Nom.Sg.m., Kompositum)
tattvasaṃjñakaḥ
„Wirklichkeit“ genannt (Nom.Sg.m.)
tattvasaṃśrayaṇād etat
weil er Zuflucht der Wirklichkeiten ist, dies (Abl.; Akk.n.)
tattvam āhur manīṣiṇaḥ
Wirklichkeit nennen die Weisen (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
yad amūrty asṛjad vyaktaṃ tat tan mūrty adhitiṣṭhati; caturviṃśatimo vyakto hy amūrtaḥ pañcaviṃśakaḥ
Was Gestaltloses das Offenbare hervorgebracht hat, das waltet über der Gestalt. Der Vierundzwanzigste ist offenbar, der Fünfundzwanzigste aber gestaltlos.
Wort für Wort
yad amūrty asṛjad vyaktaṃ
was gestaltlos das Offenbare erschuf (Nom.n.; Aor.3.Sg.; Akk.)
tat tan mūrty adhitiṣṭhati
das waltet über der Gestalt (Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
Für die Prakṛti, deren Wesen Schöpfung und Auflösung ist, ist er selbst ohne Schöpfung und Auflösung; er weilt stets im Erfahrungsbereich, ohne Eigenschaften, doch „eigenschaftshaft“ genannt.
Wort für Wort
sargapralayadharmiṇyā
für die, die Schöpfung und Auflösung zum Wesen hat (Dat./Gen.Sg.f.) [?]
asargapralayātmakaḥ
ohne Schöpfung und Auflösung (Nom.Sg.m.)
gocare vartate nityaṃ
weilt stets im Bereich (Lok.; 3.Sg.Präs.)
nirguṇo
eigenschaftslos (Nom.Sg.m.)
guṇasaṃjñakaḥ
„Guṇa-haft“ genannt (Nom.Sg.m.)
sargapralayadharmiṇyā asarga…: Deutung mit Prakṛti als Bezug [?].
So verblendet sich dieses große Selbst, das in Schöpfung und Auflösung kundig ist, indem es sich wandelt, der Prakṛti zugehörig, und hält [sich für etwas] in seiner Unverständigkeit.
Wort für Wort
evam eṣa mahān ātmā
so dieses große Selbst (Nom.Sg.m.)
sargapralayakovidaḥ
in Schöpfung und Auflösung kundig (Nom.Sg.m.)
vikurvāṇaḥ
sich wandelnd (Part.Präs.Med.)
prakṛtimān
die Prakṛti besitzend (Nom.Sg.m.)
abhimanyaty abuddhimān
bildet sich ein, unverständig (3.Sg.Präs.; Nom.)
abhimanyati: „sich einbilden, für sich halten“; Objekt ergänzt [?].
Mit Finsternis, Reinheit [sattva] und Leidenschaft verbunden, geht es hier in diese und jene Mutterschöße ein, aus Unerwachtheit, durch den Umgang mit unerwachten Menschen.
Wort für Wort
tamaḥsattvarajoyuktas
mit Finsternis, Reinheit, Leidenschaft verbunden (Nom.Sg.m.)
tāsu tāsv iha yoniṣu
in diese und jene Schöße hier (Lok.Pl.f.)
līyate
geht ein (3.Sg.Präs.Pass.)
apratibuddhatvād
wegen Unerwachtheit (Abl.)
abuddhajanasevanāt
durch Umgang mit unerwachten Menschen (Abl.)
līyate: „geht auf/löst sich ein in“ (Passiv), hier: geht ein.
sahavāso nivāsātmā nānyo 'ham iti manyate; yo 'haṃ so 'ham iti hy uktvā guṇān anu nivartate
Mit dem Wohnsitz zusammenlebend, im Wesen wohnhaft, denkt es: „Ich bin kein anderer.“ Und mit den Worten „Der ich bin, der bin ich“ folgt es den Guṇas nach.
Wort für Wort
sahavāso nivāsātmā
mit ihm zusammenlebend, dessen Wesen der Wohnsitz ist (Nom.Sg.m.)
Durch Finsternis gelangt es zu finsteren Zuständen verschiedener Art, durch Leidenschaft zu leidenschaftlichen, und zu reinen aus Anhänglichkeit an die Reinheit.
Wort für Wort
tamasā tāmasān bhāvān
durch Finsternis zu finsteren Zuständen (Instr.; Akk.Pl.)
evam avyaktaviṣayaṃ kṣaram āhur manīṣiṇaḥ; pañcaviṃśatimo yo 'yaṃ jñānād eva pravartate
So nennen die Weisen das Vergängliche als [das,] dessen Bereich das Nichtoffenbare ist; dieser Fünfundzwanzigste aber tritt allein durch Erkenntnis hervor.
Wort für Wort
evam avyaktaviṣayaṃ
so das, dessen Bereich das Nichtoffenbare ist (Akk.Sg.n.)
kṣaram āhur manīṣiṇaḥ
das Vergängliche nennen die Weisen (Akk.; 3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
pañcaviṃśatimo yo yaṃ
der dieser Fünfundzwanzigste (Nom.Sg.m.)
jñānād eva pravartate
allein aus Erkenntnis tritt hervor (Abl.; 3.Sg.Präs.Med.)