Kapitel 46: kṛṣṇadhyānapraśnaḥ bhīṣmadarśanaprasthānam ca
Yudhiṣṭhiras Frage nach Kṛṣṇas Versenkung und der Aufbruch zu Bhīṣma
Yudhiṣṭhira sieht Kṛṣṇa in Versenkung und fragt nach dem Grund; Kṛṣṇa erklärt, er habe an Bhīṣma gedacht, und drängt zum Besuch bei ihm. Kṛṣṇa lässt den Wagen anspannen.
Yudhiṣṭhira sprach: „Was ist dies für ein höchst wunderbares Sinnen, das du hegst, du Unermesslicher an Kraft? Steht es wohl gut um diese drei Welten, o Zuflucht der Welt?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kim idaṃ paramāścaryaṃ dhyāyasi
was ist dies für ein höchst wunderbares [Ding], das du sinnend betrachtest (Nom./Akk. n.; 2.Sg.Präs.)
Deine Körperhaare regen sich nicht, fest sind deine Erkenntniskraft und dein Denksinn; wie ein Pfosten, eine Wand, ein Stein bist du geworden, ohne Regung, o Mādhava.
Wort für Wort
na iṅganti tava romāṇi
nicht bewegen sich deine Haare (3.Pl.Präs.; Gen.; Nom. n.)
sthirā buddhiḥ tathā manaḥ
fest [ist] die Erkenntniskraft, so auch der Sinn (Nom.)
sthāṇukuḍyaśilābhūtaḥ
zu Pfosten, Wand und Stein geworden (Kompositum; Part. Nom. m.)
Dennoch, Erhabener, Gott, bitte ich dich, der ich bei dir Zuflucht genommen habe.
Wort für Wort
tathā api bhagavan deva
dennoch, o Erhabener, o Gott (Adv.; Vok.)
prapannāya abhiyācate
dem, der Zuflucht genommen hat, [wird] gebeten (Dat.; 3.Sg.Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „prapannāya“ (Dat.) neben „abhiyācate“ ist grammatisch auffällig, sinngemäß wiedergegeben.
yadi śrotum ihārhāmi na rahasyaṃ ca te yadi; chindhi me saṃśayaṃ deva prapannāyābhiyācate
Wenn ich es hier hören darf und wenn es für dich kein Geheimnis ist, so zerschneide meinen Zweifel, o Gott; [ich], der bei dir Zuflucht genommen hat, bitte darum.
Wort für Wort
yadi śrotum iha arhāmi
wenn ich hier zu hören verdiene (Inf.; 1.Sg.Präs.)
na rahasyaṃ ca te yadi
und wenn [es] dir nicht geheim ist (Nom. n.; Gen./Dat.)
chindhi me saṃśayam
zerschneide meinen Zweifel (Imp.; Gen.; Akk.)
deva
o Gott (Vok.)
prapannāya abhiyācate
dem Zuflucht Genommenen, [der] bittet (Dat.; 3.Sg.Med.)
prapannāya abhiyācate: Dativ neben finiter Form, wörtlich „für den Zuflucht Genommenen wird gebeten“; sinngemäß wiedergegeben.
tvaṃ hi kartā vikartā ca tvaṃ kṣaraṃ cākṣaraṃ ca hi; anādinidhanaś cādyas tvam eva puruṣottama
Denn du bist Schöpfer und Umgestalter, du bist das Vergängliche und das Unvergängliche; ohne Anfang und Ende und der Erste bist du allein, o Bester der Männer.
Wort für Wort
tvaṃ hi kartā vikartā ca
denn du [bist] Macher und Verwandler (Nom. m.)
tvaṃ kṣaram ca akṣaram ca hi
du [bist] das Vergängliche und das Unvergängliche (Nom./Akk. n.)
anādinidhanaḥ ca ādyaḥ
ohne Anfang und Ende und der Anfängliche (Nom. m.)
tvatprapannāya bhaktāya śirasā praṇatāya ca; dhyānasyāsya yathātattvaṃ brūhi dharmabhṛtāṃ vara
Sage mir dem bei dir Zuflucht Gesuchten, dem Ergebenen und mit dem Haupt Verneigten, dem wahren Wesen nach von dieser Versenkung, o Bester der Gesetzeswahrer.
Wort für Wort
tvatprapannāya bhaktāya
mir, der zu dir Zuflucht genommen hat, dem Ergebenen (Dat.)
śirasā praṇatāya ca
und mit dem Haupt Verneigten (Instr.; Dat.)
dhyānasya asya yathātattvam
von dieser Versenkung, dem wahren Wesen gemäß (Gen.; Adv.)
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf richtete der Erhabene, der jüngere Bruder Indras, Sinn, Erkenntniskraft und Sinne wieder auf ihren Bereich und sprach dies mit vorausgehendem Lächeln.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach
tataḥ svagocare nyasya
darauf, in ihren eigenen Bereich gesetzt habend (Adv.; Lok.; Abs.)
manaḥ buddhīndriyāṇi ca
den Sinn und die Erkenntnissinne (Akk.)
smitapūrvam uvāca idam
mit vorangehendem Lächeln sprach [er] dies (Adv.; Perf.; Akk.)
sa hi bhūtaṃ ca bhavyaṃ ca bhavac ca puruṣarṣabha; vetti dharmabhṛtāṃ śreṣṭhas tato me tadgataṃ manaḥ
„Denn er kennt Vergangenes, Künftiges und Gegenwärtiges, o Stier unter den Männern, er, der Beste der Gesetzesträger; darum ist mein Sinn zu ihm gegangen.“
Wort für Wort
sa hi bhūtaṃ ca bhavyaṃ ca
denn er [kennt] Gewesenes und Künftiges (Nom.; Akk.)
bhavat ca puruṣarṣabha
und Gegenwärtiges, o Stier der Männer (Part. Akk.; Vok.)
„Denn wenn dieser Tigermensch durch seine eigenen Taten zum Himmel gegangen ist, wird die Erde sein, o Pṛthā-Sohn, wie eine Nacht, deren Mond untergegangen ist.“
Wort für Wort
tasmin hi puruṣavyāghre
denn wenn jener Männertiger (Lok. abs.)
karmabhiḥ svaiḥ divam gate
durch seine eigenen Taten zum Himmel gegangen (Instr.; Akk.; Part. Lok.)
tava hy ādyasya devasya kṣarasyaivākṣarasya ca; darśanaṃ tasya lābhaḥ syāt tvaṃ hi brahmamayo nidhiḥ
„Denn dich, den uranfänglichen Gott, das Vergängliche und das Unvergängliche zu sehen, wäre für ihn ein Gewinn; du bist ja der aus Brahman bestehende Schatz.“
Wort für Wort
tava hi ādyasya devasya
denn deines, des ursprünglichen Gottes (Gen.)
kṣarasya eva akṣarasya ca
des Vergänglichen und des Unvergänglichen (Gen.)
darśanam tasya lābhaḥ syāt
Anblick wäre für ihn ein Gewinn (Nom.; Gen.; Nom.; Opt.)
tvaṃ hi brahmamayaḥ nidhiḥ
denn du [bist] aus Brahman bestehender Schatz (Nom.)
Die Genitive kṣarasya/akṣarasya sind syntaktisch knapp; sie sind hier attributiv zu tava (Apposition) gefasst.
Der hörte schnell Sātyakis Wort; den trefflichen Wagen, dessen Teile mit Gold geschmückt waren, geziert mit Stücken aus Masāra-[Steinen] und Galvarka [?], dessen Räder mit Gold umhüllt waren,
den besten Wagen, dessen Glieder mit Gold geschmückt sind (Akk.)
masāragalvarkamayaiḥ vibhaṅgaiḥ
mit Teilstücken aus Masāra- und Galvarka- [Steinen] (Instr. Pl.)
vibhūṣitam hemapinaddhacakram
geschmückt, mit goldumhüllten Rädern (Part. Akk.; Kompositum)
Satz setzt sich in 35 und 36 fort. „masāra“ und „galvarka“ sind Bezeichnungen von Edelsteinen bzw. Materialien, deren genaue Bedeutung unsicher ist [?].
der wie die Strahlen der Sonne glänzt, schnell dahinfährt, mit vielerlei bunten Juwelen und Edelsteinen geschmückt, wie eine neu aufgegangene, sengende Sonne, mit einem bunten Garuḍa-Banner und mit Wimpeln,
Wort für Wort
divākarāṃśuprabham āśugāminam
sonnenstrahlengleich glänzend, schnell fahrend (Akk. m.)
vicitranānāmaṇiratnabhūṣitam
mit bunten, verschiedenen Perlen und Juwelen geschmückt (Part. Akk.)
navoditam sūryam iva pratāpinam
wie eine neu aufgegangene, sengende Sonne (Akk.)
vicitratārkṣyadhvajinam patākinam
mit buntem Tārkṣya-Banner, mit Wimpeln (Akk. m.)
tārkṣya = Garuḍa; Fortsetzung des Satzes aus 33/34.
mit den vorzüglichen Rossen, die von Sugrīva und Sainya [wohl Śaibya, ?] angeführt werden, gedankenschnell, mit goldgeschmückten Gliedern: [so] meldete ihn, gut bespannt, Dāruka mit gefalteten Händen dem Acyuta, o Löwe unter den Königen.
Wort für Wort
sugrīvasainyapramukhaiḥ varāśvaiḥ
mit den vorzüglichen Rossen, angeführt von Sugrīva und Sainya [wohl Śaibya] (Instr. Pl.)
manojavaiḥ kāñcanabhūṣitāṅgaiḥ
gedankenschnell, mit goldgeschmückten Gliedern (Instr. Pl.)
suyuktam āvedayat acyutāya
gut angeschirrt [ihn] meldete er dem Acyuta (Part. Akk.; Impf.Kaus.; Dat.)
kṛtāñjaliḥ dārukaḥ
mit gefalteten Händen, Dāruka (Nom.)
rājasiṃha
o Löwe unter den Königen (Vok.)
„sainya“ vermutlich für „śaibya“ (Name eines der Rosse Kṛṣṇas); Text unsicher [?]. Anrede rājasiṃha wohl an Janamejaya.