Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 46: kṛṣṇadhyānapraśnaḥ bhīṣmadarśanaprasthānam ca Yudhiṣṭhiras Frage nach Kṛṣṇas Versenkung und der Aufbruch zu Bhīṣma

Yudhiṣṭhira sieht Kṛṣṇa in Versenkung und fragt nach dem Grund; Kṛṣṇa erklärt, er habe an Bhīṣma gedacht, und drängt zum Besuch bei ihm. Kṛṣṇa lässt den Wagen anspannen.

yudhiṣṭhira uvāca; kim idaṃ paramāścaryaṃ dhyāyasy amitavikrama; kaccil lokatrayasyāsya svasti lokaparāyaṇa

Yudhiṣṭhira sprach: „Was ist dies für ein höchst wunderbares Sinnen, das du hegst, du Unermesslicher an Kraft? Steht es wohl gut um diese drei Welten, o Zuflucht der Welt?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kim idaṃ paramāścaryaṃ dhyāyasi
was ist dies für ein höchst wunderbares [Ding], das du sinnend betrachtest (Nom./Akk. n.; 2.Sg.Präs.)
amitavikrama
o du von unermesslicher Tapferkeit (Vok.)
kaccit lokatrayasya asya svasti
ist wohl Wohlergehen dieser Dreiwelt (Gen.; Nom.)
lokaparāyaṇa
o Zuflucht der Welt (Vok.)

caturthaṃ dhyānamārgaṃ tvam ālambya puruṣottama; apakrānto yato deva tena me vismitaṃ manaḥ

Du hast, o Bester der Männer, den vierten Weg der Versenkung betreten und bist, o Gott, davon zurückgetreten; darüber ist mein Sinn voll Staunen.

Wort für Wort
caturthaṃ dhyānamārgaṃ tvam ālambya
den vierten Versenkungsweg, du, nachdem du [ihn] betreten hast (Akk.; Nom.; Abs.)
puruṣottama
o Bester der Männer (Vok.)
apakrāntaḥ yataḥ deva
zurückgetreten bist du, weil/wovon, o Gott (Part.Perf.Pass. m.; Vok.)
tena me vismitaṃ manaḥ
deshalb ist mir der Sinn erstaunt (Instr.; Gen./Dat.; Part. n.; Nom.)

apakrānto: Ergänzung von „asi“ nötig; „yataḥ … tena“ kann auch als „weil … darum“ gelesen werden.

nigṛhīto hi vāyus te pañcakarmā śarīragaḥ; indriyāṇi ca sarvāṇi manasi sthāpitāni te

Denn der in deinem Körper weilende, fünffach wirkende Lebenshauch ist von dir gebändigt, und alle Sinne sind in deinem Denksinn festgemacht.

Wort für Wort
nigṛhītaḥ hi vāyuḥ te
gebändigt ist ja der Hauch dein (Part.Perf.Pass.; Nom.; Gen.)
pañcakarmā śarīragaḥ
der fünffach wirkende, im Körper befindliche (Nom. m.)
indriyāṇi ca sarvāṇi
und alle Sinne (Nom. Pl. n.)
manasi sthāpitāni te
im Denksinn festgestellt von dir (Lok.; Part.Kaus. Pl.; Gen.)

indriyāṇi manaś caiva buddhau saṃveśitāni te; sarvaś caiva gaṇo deva kṣetrajñe te niveśitaḥ

Die Sinne und der Denksinn sind von dir in die Erkenntniskraft eingesenkt, und die ganze Schar, o Gott, ist in den Kenner des Feldes eingesetzt.

Wort für Wort
indriyāṇi manaḥ ca eva
die Sinne und den Denksinn (Nom.)
buddhau saṃveśitāni te
in der Erkenntniskraft niedergelegt von dir (Lok.; Part.Kaus. Pl.)
sarvaḥ ca eva gaṇaḥ deva
und die ganze Schar, o Gott (Nom. m.; Vok.)
kṣetrajñe te niveśitaḥ
im Kenner des Feldes, von dir eingesetzt (Lok.; Gen.; Part.Kaus. m.)

neṅganti tava romāṇi sthirā buddhis tathā manaḥ; sthāṇukuḍyaśilābhūto nirīhaś cāsi mādhava

Deine Körperhaare regen sich nicht, fest sind deine Erkenntniskraft und dein Denksinn; wie ein Pfosten, eine Wand, ein Stein bist du geworden, ohne Regung, o Mādhava.

Wort für Wort
na iṅganti tava romāṇi
nicht bewegen sich deine Haare (3.Pl.Präs.; Gen.; Nom. n.)
sthirā buddhiḥ tathā manaḥ
fest [ist] die Erkenntniskraft, so auch der Sinn (Nom.)
sthāṇukuḍyaśilābhūtaḥ
zu Pfosten, Wand und Stein geworden (Kompositum; Part. Nom. m.)
nirīhaḥ ca asi
und ohne Streben bist du (Nom.; 2.Sg.Präs.)
mādhava
o Mādhava (Vok.)

yathā dīpo nivātastho niriṅgo jvalate 'cyuta; tathāsi bhagavan deva niścalo dṛḍhaniścayaḥ

Wie eine Lampe, die im Windlosen steht, unbewegt brennt, o Acyuta, so bist du, Erhabener, Gott, unbewegt, von festem Entschluss.

Wort für Wort
yathā dīpaḥ nivātasthaḥ
wie eine Lampe, im Windstillen stehend (Nom.)
niriṅgaḥ jvalate acyuta
unbewegt brennt, o Unfallender (Nom.; 3.Sg.Präs.; Vok.)
tathā asi bhagavan deva
so bist du, o Erhabener, o Gott (2.Sg.Präs.; Vok.)
niścalaḥ dṛḍhaniścayaḥ
unbeweglich, von festem Entschluss (Nom. m.)

tathāpi bhagavan deva prapannāyābhiyācate

Dennoch, Erhabener, Gott, bitte ich dich, der ich bei dir Zuflucht genommen habe.

Wort für Wort
tathā api bhagavan deva
dennoch, o Erhabener, o Gott (Adv.; Vok.)
prapannāya abhiyācate
dem, der Zuflucht genommen hat, [wird] gebeten (Dat.; 3.Sg.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „prapannāya“ (Dat.) neben „abhiyācate“ ist grammatisch auffällig, sinngemäß wiedergegeben.

yadi śrotum ihārhāmi na rahasyaṃ ca te yadi; chindhi me saṃśayaṃ deva prapannāyābhiyācate

Wenn ich es hier hören darf und wenn es für dich kein Geheimnis ist, so zerschneide meinen Zweifel, o Gott; [ich], der bei dir Zuflucht genommen hat, bitte darum.

Wort für Wort
yadi śrotum iha arhāmi
wenn ich hier zu hören verdiene (Inf.; 1.Sg.Präs.)
na rahasyaṃ ca te yadi
und wenn [es] dir nicht geheim ist (Nom. n.; Gen./Dat.)
chindhi me saṃśayam
zerschneide meinen Zweifel (Imp.; Gen.; Akk.)
deva
o Gott (Vok.)
prapannāya abhiyācate
dem Zuflucht Genommenen, [der] bittet (Dat.; 3.Sg.Med.)

prapannāya abhiyācate: Dativ neben finiter Form, wörtlich „für den Zuflucht Genommenen wird gebeten“; sinngemäß wiedergegeben.

tvaṃ hi kartā vikartā ca tvaṃ kṣaraṃ cākṣaraṃ ca hi; anādinidhanaś cādyas tvam eva puruṣottama

Denn du bist Schöpfer und Umgestalter, du bist das Vergängliche und das Unvergängliche; ohne Anfang und Ende und der Erste bist du allein, o Bester der Männer.

Wort für Wort
tvaṃ hi kartā vikartā ca
denn du [bist] Macher und Verwandler (Nom. m.)
tvaṃ kṣaram ca akṣaram ca hi
du [bist] das Vergängliche und das Unvergängliche (Nom./Akk. n.)
anādinidhanaḥ ca ādyaḥ
ohne Anfang und Ende und der Anfängliche (Nom. m.)
tvam eva puruṣottama
du allein, o Bester der Männer (Nom.; Vok.)

tvatprapannāya bhaktāya śirasā praṇatāya ca; dhyānasyāsya yathātattvaṃ brūhi dharmabhṛtāṃ vara

Sage mir dem bei dir Zuflucht Gesuchten, dem Ergebenen und mit dem Haupt Verneigten, dem wahren Wesen nach von dieser Versenkung, o Bester der Gesetzeswahrer.

Wort für Wort
tvatprapannāya bhaktāya
mir, der zu dir Zuflucht genommen hat, dem Ergebenen (Dat.)
śirasā praṇatāya ca
und mit dem Haupt Verneigten (Instr.; Dat.)
dhyānasya asya yathātattvam
von dieser Versenkung, dem wahren Wesen gemäß (Gen.; Adv.)
brūhi
sprich (Imp.)
dharmabhṛtāṃ vara
o Bester der Gesetzesträger (Gen. Pl.; Vok.)

vaiśaṃpāyana uvāca; tataḥ svagocare nyasya mano buddhīndriyāṇi ca; smitapūrvam uvācedaṃ bhagavān vāsavānujaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf richtete der Erhabene, der jüngere Bruder Indras, Sinn, Erkenntniskraft und Sinne wieder auf ihren Bereich und sprach dies mit vorausgehendem Lächeln.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach
tataḥ svagocare nyasya
darauf, in ihren eigenen Bereich gesetzt habend (Adv.; Lok.; Abs.)
manaḥ buddhīndriyāṇi ca
den Sinn und die Erkenntnissinne (Akk.)
smitapūrvam uvāca idam
mit vorangehendem Lächeln sprach [er] dies (Adv.; Perf.; Akk.)
bhagavān vāsavānujaḥ
der Erhabene, Indras Jüngerer (Nom. m.)

śaratalpagato bhīṣmaḥ śāmyann iva hutāśanaḥ; māṃ dhyāti puruṣavyāghras tato me tadgataṃ manaḥ

„Bhīṣma, auf dem Pfeillager liegend, wie ein erlöschendes Feuer, denkt an mich, der Tiger unter den Männern; darum ist mein Sinn zu ihm gegangen.“

Wort für Wort
śaratalpagataḥ bhīṣmaḥ
Bhīṣma, auf das Pfeillager gegangen [d. h. dort liegend] (Nom. m.)
śāmyan iva hutāśanaḥ
wie ein verlöschendes Feuer (Part.Präs.; Nom.)
mām dhyāti puruṣavyāghraḥ
er denkt an mich, der Männertiger (Akk.; 3.Sg.Präs.; Nom.)
tataḥ me tadgatam manaḥ
daher ist mein Sinn zu ihm gegangen (Adv.; Gen.; Nom. n.)

yasya jyātalanirghoṣaṃ visphūrjitam ivāśaneḥ; na sahed devarājo 'pi tam asmi manasā gataḥ

„Dessen Bogensehnen-Getöse, gleich dem Krachen des Blitzes, selbst der König der Götter nicht ertrüge, zu dem bin ich mit dem Sinn gegangen.“

Wort für Wort
yasya jyātalanirghoṣam
dessen Getöse von Bogensehne und Handschutz (Gen.; Akk. m.)
visphūrjitam iva aśaneḥ
wie das Krachen des Blitzes (Part. n.; Gen.)
na saheta devarājaḥ api
nicht würde ertragen der Götterkönig sogar (Opt.)
tam asmi manasā gataḥ
zu ihm bin ich mit dem Sinn gegangen (Akk.; 1.Sg.; Instr.; Part.)

yenābhidrutya tarasā samastaṃ rājamaṇḍalam; ūḍhās tisraḥ purā kanyās tam asmi manasā gataḥ

„Der einst, mit Wucht das ganze Königskreis angreifend, die drei Jungfrauen davontrug, zu dem bin ich mit dem Sinn gegangen.“

Wort für Wort
yena abhidrutya tarasā
von dem, angreifend mit Wucht (Instr.; Abs.; Instr.)
samastaṃ rājamaṇḍalam
den ganzen Kreis der Könige (Akk. n.)
ūḍhāḥ tisraḥ purā kanyāḥ
heimgeführt wurden drei Mädchen einst (Part.Pass. f.; Zahl; Adv.; Nom.)
tam asmi manasā gataḥ
zu ihm bin ich mit dem Sinn gegangen

trayoviṃśatirātraṃ yo yodhayām āsa bhārgavam; na ca rāmeṇa nistīrṇas tam asmi manasā gataḥ

„Der drei und zwanzig Nächte lang den Bhārgava kämpfen ließ und von Rāma nicht überwunden wurde, zu dem bin ich mit dem Sinn gegangen.“

Wort für Wort
trayoviṃśatirātraṃ yaḥ
der dreiundzwanzig Nächte lang (Akk. Zeit; Nom.)
yodhayām āsa bhārgavam
kämpfen ließ er den Bhārgava (Perf.Kaus.; Akk.)
na ca rāmeṇa nistīrṇaḥ
und nicht von Rāma überwunden (Instr.; Part.Pass.)
tam asmi manasā gataḥ
zu ihm bin ich mit dem Sinn gegangen

yaṃ gaṅgā garbhavidhinā dhārayām āsa pārthivam; vasiṣṭhaśiṣyaṃ taṃ tāta manasāsmi gato nṛpa

„Den Gaṅgā nach dem Verfahren des Gebärens als Fürsten trug, den Schüler Vasiṣṭhas, zu dem, mein Lieber, bin ich mit dem Sinn gegangen, o König.“

Wort für Wort
yaṃ gaṅgā garbhavidhinā
den Gaṅgā nach der Weise der Leibesfrucht (Akk.; Nom.; Instr.)
dhārayām āsa pārthivam
trug (Perf.Kaus.); als Fürsten (Akk.)
vasiṣṭhaśiṣyam tam
den Schüler Vasiṣṭhas, ihn (Akk.)
tāta manasā asmi gataḥ
mein Lieber, mit dem Sinn bin ich gegangen (Vok.; Instr.)
nṛpa
o König (Vok.)

„garbhavidhinā“ wörtlich „durch das Verfahren des Schwangerseins“.

divyāstrāṇi mahātejā yo dhārayati buddhimān; sāṅgāṃś ca caturo vedāṃs tam asmi manasā gataḥ

„Der Hochglänzende, Kluge, der die göttlichen Waffen und die vier Veden samt ihren Gliedern in sich trägt, zu dem bin ich mit dem Sinn gegangen.“

Wort für Wort
divyāstrāṇi mahātejāḥ
göttliche Waffen, der Hochglänzende (Akk. n.; Nom.)
yaḥ dhārayati buddhimān
der innehat, der Kluge (3.Sg.Präs.; Nom.)
sāṅgān ca caturaḥ vedān
und die vier Veden samt Gliedern (Akk. Pl.)
tam asmi manasā gataḥ
zu ihm bin ich mit dem Sinn gegangen

rāmasya dayitaṃ śiṣyaṃ jāmadagnyasya pāṇḍava; ādhāraṃ sarvavidyānāṃ tam asmi manasā gataḥ

„Zu dem lieben Schüler Rāmas, des Jamadagni-Sohnes, o Pāṇḍava, zur Stütze aller Wissenschaften, zu ihm bin ich mit dem Sinn gegangen.“

Wort für Wort
rāmasya dayitam śiṣyam
Rāmas lieben Schüler (Gen.; Akk.)
jāmadagnyasya pāṇḍava
des Jāmadagnya, o Pāṇḍava (Gen.; Vok.)
ādhāram sarvavidyānām
Stütze aller Wissenschaften (Akk.; Gen. Pl.)
tam asmi manasā gataḥ
zu ihm bin ich mit dem Sinn gegangen

ekīkṛtyendriyagrāmaṃ manaḥ saṃyamya medhayā; śaraṇaṃ mām upāgacchat tato me tadgataṃ manaḥ

„Er hat die Gruppe der Sinne vereint, den Sinn mit Einsicht gebändigt und ist zu mir als Zuflucht gekommen; darum ist mein Sinn zu ihm gegangen.“

Wort für Wort
ekīkṛtya indriyagrāmam
nachdem er die Sinnenschar vereint hat (Abs.; Akk.)
manaḥ saṃyamya medhayā
den Sinn gebändigt habend mit Einsicht (Akk.; Abs.; Instr.)
śaraṇaṃ mām upāgacchat
als Zuflucht ist er zu mir gekommen (Akk.; Akk.; Impf.)
tataḥ me tadgatam manaḥ
daher ist mein Sinn zu ihm gegangen

sa hi bhūtaṃ ca bhavyaṃ ca bhavac ca puruṣarṣabha; vetti dharmabhṛtāṃ śreṣṭhas tato me tadgataṃ manaḥ

„Denn er kennt Vergangenes, Künftiges und Gegenwärtiges, o Stier unter den Männern, er, der Beste der Gesetzesträger; darum ist mein Sinn zu ihm gegangen.“

Wort für Wort
sa hi bhūtaṃ ca bhavyaṃ ca
denn er [kennt] Gewesenes und Künftiges (Nom.; Akk.)
bhavat ca puruṣarṣabha
und Gegenwärtiges, o Stier der Männer (Part. Akk.; Vok.)
vetti
er kennt (3.Sg.Präs.)
dharmabhṛtāṃ śreṣṭhaḥ
der Beste der Gesetzesträger (Gen. Pl.; Nom.)
tataḥ me tadgatam manaḥ
daher ist mein Sinn zu ihm gegangen

tasmin hi puruṣavyāghre karmabhiḥ svair divaṃ gate; bhaviṣyati mahī pārtha naṣṭacandreva śarvarī

„Denn wenn dieser Tigermensch durch seine eigenen Taten zum Himmel gegangen ist, wird die Erde sein, o Pṛthā-Sohn, wie eine Nacht, deren Mond untergegangen ist.“

Wort für Wort
tasmin hi puruṣavyāghre
denn wenn jener Männertiger (Lok. abs.)
karmabhiḥ svaiḥ divam gate
durch seine eigenen Taten zum Himmel gegangen (Instr.; Akk.; Part. Lok.)
bhaviṣyati mahī pārtha
wird sein die Erde, o Pārtha (Fut.; Nom.; Vok.)
naṣṭacandrā iva śarvarī
wie eine Nacht mit verlorenem Mond (Nom. f.)

tad yudhiṣṭhira gāṅgeyaṃ bhīṣmaṃ bhīmaparākramam; abhigamyopasaṃgṛhya pṛccha yat te manogatam

Darum, Yudhiṣṭhira, geh zu Bhīṣma, dem Gaṅgā-Sohn von schrecklicher Tapferkeit, fasse [seine Füße] und frage, was dir im Sinn liegt.

Wort für Wort
tat yudhiṣṭhira
darum, o Yudhiṣṭhira (Adv.; Vok.)
gāṅgeyaṃ bhīṣmam bhīmaparākramam
zum Gaṅgā-Sohn Bhīṣma von furchtbarer Kraft (Akk.)
abhigamya upasaṃgṛhya
nachdem du hingegangen bist und [ihn] gefasst hast (Abs.)
pṛccha yat te manogatam
frage, was dir im Sinn ist (Imp.; Rel.; Gen.; Part. n.)

„upasaṃgṛhya“: ehrerbietiges Umfassen der Füße; im Text nicht ausdrücklich genannt.

cāturvedyaṃ cāturhotraṃ cāturāśramyam eva ca; cāturvarṇyasya dharmaṃ ca pṛcchainaṃ pṛthivīpate

Frage ihn, o Herr der Erde, nach der Vierveda-Lehre, der Vierpriester-Ordnung, den vier Lebensstufen und dem Gesetz der vier Stände.

Wort für Wort
cāturvedyaṃ cāturhotram
das Vierveda-Wissen, die Vierhotṛ-Ordnung (Akk.)
cāturāśramyam eva ca
und die Vierlebensstufen-Ordnung (Akk.)
cāturvarṇyasya dharmam ca
und das Gesetz der vier Stände (Gen.; Akk.)
pṛccha enam pṛthivīpate
frage ihn, o Herr der Erde (Imp.; Akk.; Vok.)

tasminn astamite bhīṣme kauravāṇāṃ dhuraṃdhare; jñānāny alpībhaviṣyanti tasmāt tvāṃ codayāmy aham

Wenn Bhīṣma, der Lastträger der Kauravas, untergegangen ist, werden die Wissensgebiete gering werden; darum dränge ich dich dazu.

Wort für Wort
tasmin astamite bhīṣme
wenn dieser Bhīṣma untergegangen ist (Lok. abs.)
kauravāṇām dhuraṃdhare
dem Lastträger der Kauravas (Gen.; Lok.)
jñānāni alpībhaviṣyanti
die Kenntnisse werden gering werden (Fut.)
tasmāt tvām codayāmi aham
darum treibe ich dich an (Abl.; Akk.; 1.Sg.Kaus.; Nom.)

tac chrutvā vāsudevasya tathyaṃ vacanam uttamam; sāśrukaṇṭhaḥ sa dharmajño janārdanam uvāca ha

Als er diese wahre, treffliche Rede Vāsudevas gehört hatte, sprach jener Gesetzeskundige mit tränenerstickter Kehle zu Janārdana.

Wort für Wort
tat śrutvā vāsudevasya
dies gehört habend von Vāsudeva (Abs.; Gen.)
tathyaṃ vacanam uttamam
die wahre, höchste Rede (Akk.)
sāśrukaṇṭhaḥ sa dharmajñaḥ
mit tränenfeuchter Kehle, er, der Gesetzeskundige (Nom.)
janārdanam uvāca ha
sprach zu Janārdana (Akk.; Perf.; Partikel)

yad bhavān āha bhīṣmasya prabhāvaṃ prati mādhava; tathā tan nātra saṃdeho vidyate mama mānada

„Was du, o Mādhava, über Bhīṣmas Macht gesagt hast, so ist es, daran besteht bei mir kein Zweifel, o Ehrengeber.“

Wort für Wort
yat bhavān āha
was du gesagt hast (Rel.; Nom.; Perf.)
bhīṣmasya prabhāvaṃ prati mādhava
in Bezug auf Bhīṣmas Macht, o Mādhava (Gen.; Akk.; Präp.; Vok.)
tathā tat na atra saṃdehaḥ
so ist es, kein Zweifel hierin
vidyate mama mānada
besteht bei mir, o Ehrengeber (3.Sg.Pass.; Gen.; Vok.)

mahābhāgyaṃ hi bhīṣmasya prabhāvaś ca mahātmanaḥ; śrutaṃ mayā kathayatāṃ brāhmaṇānāṃ mahātmanām

„Bhīṣmas Größe und die Macht des Hochgesinnten habe ich von den hochgesinnten Brahmanen gehört, die davon erzählten.“

Wort für Wort
mahābhāgyam hi bhīṣmasya
denn die Größe Bhīṣmas (Nom. n.; Gen.)
prabhāvaḥ ca mahātmanaḥ
und die Macht des Hochgesinnten (Nom.; Gen.)
śrutam mayā
gehört von mir (Part.; Instr.)
kathayatām brāhmaṇānām mahātmanām
von den erzählenden, hochgesinnten Brahmanen (Gen. Pl.)

bhavāṃś ca kartā lokānāṃ yad bravīty arisūdana; tathā tad anabhidhyeyaṃ vākyaṃ yādavanandana

„Und was du, Schöpfer der Welten, sagst, o Feindebezwinger, so ist jene Rede unbezweifelbar, o Freude der Yādavas.“

Wort für Wort
bhavān ca kartā lokānām
und du, Schöpfer der Welten (Nom.; Gen. Pl.)
yat bravīti arisūdana
was du sagst, o Feindetöter (3.Sg.Präs.; Vok.)
tathā tat anabhidhyeyam
so ist das nicht zu bezweifeln [?] (Adj.)
vākyam yādavanandana
[dieses] Wort, o Freude der Yādavas (Nom.; Vok.)

„anabhidhyeya“: wörtlich „nicht zu begehren/nicht zu erdenken“; hier sinngemäß „unbezweifelbar“ [?].

yatas tv anugrahakṛtā buddhis te mayi mādhava; tvām agrataḥ puraskṛtya bhīṣmaṃ paśyāmahe vayam

„Da aber deine Gesinnung mir gegenüber von Gnade bestimmt ist, o Mādhava, wollen wir dich vorne an die Spitze stellen und Bhīṣma sehen.“

Wort für Wort
yataḥ tu anugrahakṛtā buddhiḥ te
da aber die auf Gnade gerichtete Einsicht dein (Adv.; Nom. f.; Gen.)
mayi mādhava
in Bezug auf mich, o Mādhava (Lok.; Vok.)
tvām agrataḥ puraskṛtya
dich voranstellend (Akk.; Adv.; Abs.)
bhīṣmam paśyāmahe vayam
Bhīṣma wollen wir sehen, wir (1.Pl.Med.)

āvṛtte bhagavaty arke sa hi lokān gamiṣyati; tvaddarśanaṃ mahābāho tasmād arhati kauravaḥ

„Denn wenn die Sonne, o Erhabener, sich gewendet hat, wird er in die Welten gehen; darum verdient der Kaurava, o Starkarmiger, deinen Anblick.“

Wort für Wort
āvṛtte bhagavati arke
wenn die Sonne, die erhabene, sich gewendet hat (Lok. abs.)
sa hi lokān gamiṣyati
denn er wird in die Welten gehen (Fut.)
tvaddarśanam mahābāho
deinen Anblick, o Starkarmiger (Akk.; Vok.)
tasmāt arhati kauravaḥ
darum verdient der Kaurava (Abl.; 3.Sg.Präs.)

Gemeint ist die Wende der Sonne (Beginn des nördlichen Laufs, uttarāyaṇa).

tava hy ādyasya devasya kṣarasyaivākṣarasya ca; darśanaṃ tasya lābhaḥ syāt tvaṃ hi brahmamayo nidhiḥ

„Denn dich, den uranfänglichen Gott, das Vergängliche und das Unvergängliche zu sehen, wäre für ihn ein Gewinn; du bist ja der aus Brahman bestehende Schatz.“

Wort für Wort
tava hi ādyasya devasya
denn deines, des ursprünglichen Gottes (Gen.)
kṣarasya eva akṣarasya ca
des Vergänglichen und des Unvergänglichen (Gen.)
darśanam tasya lābhaḥ syāt
Anblick wäre für ihn ein Gewinn (Nom.; Gen.; Nom.; Opt.)
tvaṃ hi brahmamayaḥ nidhiḥ
denn du [bist] aus Brahman bestehender Schatz (Nom.)

Die Genitive kṣarasya/akṣarasya sind syntaktisch knapp; sie sind hier attributiv zu tava (Apposition) gefasst.

śrutvaitad dharmarājasya vacanaṃ madhusūdanaḥ; pārśvasthaṃ sātyakiṃ prāha ratho me yujyatām iti

Als Madhusūdana diese Rede des Königs des Rechts gehört hatte, sprach er zu dem neben ihm stehenden Sātyaki: „Mein Wagen soll angespannt werden.“

Wort für Wort
śrutvā etat dharmarājasya vacanam
gehört habend diese Rede des Rechtskönigs (Abs.; Gen.)
madhusūdanaḥ
Madhusūdana (Nom.)
pārśvasthaṃ sātyakim prāha
zu dem seitlich stehenden Sātyaki sprach (Akk.; Perf.)
rathaḥ me yujyatām iti
„mein Wagen werde angespannt“, so (Nom.; Gen.; Imp.Pass.)

sātyakis tūpaniṣkramya keśavasya samīpataḥ; dārukaṃ prāha kṛṣṇasya yujyatāṃ ratha ity uta

Sātyaki aber ging hinaus, von Keśavas Nähe weg, und sprach zu Dāruka, Kṛṣṇas [Wagenlenker]: „Der Wagen werde angespannt.“

Wort für Wort
sātyakiḥ tu upaniṣkramya
Sātyaki aber, hinausgegangen (Nom.; Abs.)
keśavasya samīpataḥ
aus Keśavas Nähe (Gen.; Abl.)
dārukam prāha kṛṣṇasya
zu Dāruka sprach [er], Kṛṣṇas (Akk.; Perf.; Gen.)
yujyatām rathaḥ iti uta
„angespannt werde der Wagen“, so fürwahr (Imp.Pass.; Nom.)

Ergänzung „Wagenlenker“ nach dem Zusammenhang.

sa sātyaker āśu vaco niśamya; rathottamaṃ kāñcanabhūṣitāṅgam; masāragalvarkamayair vibhaṅgair; vibhūṣitaṃ hemapinaddhacakram

Der hörte schnell Sātyakis Wort; den trefflichen Wagen, dessen Teile mit Gold geschmückt waren, geziert mit Stücken aus Masāra-[Steinen] und Galvarka [?], dessen Räder mit Gold umhüllt waren,

Wort für Wort
sa sātyakeḥ āśu vacaḥ niśamya
er, Sātyakis Wort schnell vernommen habend (Nom.; Gen.; Adv.; Akk.; Abs.)
rathottamam kāñcanabhūṣitāṅgam
den besten Wagen, dessen Glieder mit Gold geschmückt sind (Akk.)
masāragalvarkamayaiḥ vibhaṅgaiḥ
mit Teilstücken aus Masāra- und Galvarka- [Steinen] (Instr. Pl.)
vibhūṣitam hemapinaddhacakram
geschmückt, mit goldumhüllten Rädern (Part. Akk.; Kompositum)

Satz setzt sich in 35 und 36 fort. „masāra“ und „galvarka“ sind Bezeichnungen von Edelsteinen bzw. Materialien, deren genaue Bedeutung unsicher ist [?].

divākarāṃśuprabham āśugāminaṃ; vicitranānāmaṇiratnabhūṣitam; navoditaṃ sūryam iva pratāpinaṃ; vicitratārkṣyadhvajinaṃ patākinam

der wie die Strahlen der Sonne glänzt, schnell dahinfährt, mit vielerlei bunten Juwelen und Edelsteinen geschmückt, wie eine neu aufgegangene, sengende Sonne, mit einem bunten Garuḍa-Banner und mit Wimpeln,

Wort für Wort
divākarāṃśuprabham āśugāminam
sonnenstrahlengleich glänzend, schnell fahrend (Akk. m.)
vicitranānāmaṇiratnabhūṣitam
mit bunten, verschiedenen Perlen und Juwelen geschmückt (Part. Akk.)
navoditam sūryam iva pratāpinam
wie eine neu aufgegangene, sengende Sonne (Akk.)
vicitratārkṣyadhvajinam patākinam
mit buntem Tārkṣya-Banner, mit Wimpeln (Akk. m.)

tārkṣya = Garuḍa; Fortsetzung des Satzes aus 33/34.

sugrīvasainyapramukhair varāśvair; manojavaiḥ kāñcanabhūṣitāṅgaiḥ; suyuktam āvedayad acyutāya; kṛtāñjalir dāruko rājasiṃha

mit den vorzüglichen Rossen, die von Sugrīva und Sainya [wohl Śaibya, ?] angeführt werden, gedankenschnell, mit goldgeschmückten Gliedern: [so] meldete ihn, gut bespannt, Dāruka mit gefalteten Händen dem Acyuta, o Löwe unter den Königen.

Wort für Wort
sugrīvasainyapramukhaiḥ varāśvaiḥ
mit den vorzüglichen Rossen, angeführt von Sugrīva und Sainya [wohl Śaibya] (Instr. Pl.)
manojavaiḥ kāñcanabhūṣitāṅgaiḥ
gedankenschnell, mit goldgeschmückten Gliedern (Instr. Pl.)
suyuktam āvedayat acyutāya
gut angeschirrt [ihn] meldete er dem Acyuta (Part. Akk.; Impf.Kaus.; Dat.)
kṛtāñjaliḥ dārukaḥ
mit gefalteten Händen, Dāruka (Nom.)
rājasiṃha
o Löwe unter den Königen (Vok.)

„sainya“ vermutlich für „śaibya“ (Name eines der Rosse Kṛṣṇas); Text unsicher [?]. Anrede rājasiṃha wohl an Janamejaya.

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