Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 95: vāmadevagītā: ayuddhavijayaḥ Vāmadevas Lehre: Sieg ohne Kampf, feste Wurzel des Königs, rechtes Verhalten

Der Weise Vāmadeva belehrt einen König: Der Sieg ohne Krieg ist der beste, Eroberung setzt ein festes Fundament (zufriedenes Volk, Heer und Minister) voraus, und der König soll Zorn zügeln und sich edel verhalten. Bhīṣma schließt mit der Anwendung auf Yudhiṣṭhira. Die Zusatzpassagen behandeln die fünf Mittel (upāya) im Umgang mit Feinden und Unruhestiftern.

vāmadeva uvāca; ayuddhenaiva vijayaṃ vardhayed vasudhādhipaḥ; jaghanyam āhur vijayaṃ yo yuddhena narādhipa

Vāmadeva sprach: Ohne Kampf allein soll der Herr der Erde den Sieg mehren; einen minderwertigen Sieg nennt man den, der durch Kampf [errungen wird], o Herr der Menschen.

Wort für Wort
vāmadeva uvāca
Vāmadeva sprach (Perf.)
ayuddhena eva vijayaṃ
durch Nicht-Kampf allein den Sieg (Instr./Akk. Sg.)
vardhayed vasudhādhipaḥ
soll mehren der Herr der Erde (3.Sg.Opt.Kaus./Nom.)
jaghanyam āhur vijayaṃ
als minderwertig bezeichnen sie den Sieg (Akk./3.Pl.Perf.)
yo yuddhena narādhipa
der [Sieg], der durch Kampf [kommt], o Herr der Menschen (Instr./Vok.)

na cāpy alabdhaṃ lipseta mūle nātidṛḍhe sati; na hi durbalamūlasya rājño lābho vidhīyate

Und er soll nicht Unerlangtes erstreben, solange die Wurzel nicht sehr fest ist; denn einem König mit schwacher Wurzel wird kein Gewinn zuteil.

Wort für Wort
na ca api alabdhaṃ lipseta
und auch nicht Unerlangtes soll er erstreben (Akk. Part./3.Sg.Opt.Desid.)
mūle na atidṛḍhe sati
wenn die Wurzel nicht allzu fest ist (Lok. abs.)
na hi durbalamūlasya
denn nicht für den mit schwacher Wurzel (Gen. Sg., Kompositum)
rājño lābho vidhīyate
des Königs Gewinn wird bewirkt/zuteil (Gen./Nom./3.Sg.Pass.)

yasya sphīto janapadaḥ saṃpannaḥ priyarājakaḥ; saṃtuṣṭapuṣṭasacivo dṛḍhamūlaḥ sa pārthivaḥ

Dessen Land blühend und wohlhabend ist, dessen Volk dem König zugetan ist, dessen Minister zufrieden und wohlgenährt sind: dieser Herrscher hat eine feste Wurzel.

Wort für Wort
yasya sphīto janapadaḥ
dessen blühendes Land (Gen./Nom. Sg.)
saṃpannaḥ
wohlhabend, gedeihend (Part. Pass., Nom.)
priyarājakaḥ
den König liebend/einen geliebten König habend (Nom., Bahuvrīhi)
saṃtuṣṭapuṣṭasacivo
mit zufriedenen, wohlgenährten Ministern (Nom., Bahuvrīhi)
dṛḍhamūlaḥ sa pārthivaḥ
fest gewurzelt ist dieser Fürst (Nom.)

priyarājakaḥ: wörtlich „der einen lieben König hat“, d. h. das Volk liebt seinen König.

yasya yodhāḥ susaṃtuṣṭāḥ sāntvitāḥ sūpadhāsthitāḥ; alpenāpi sa daṇḍena mahīṃ jayati bhūmipaḥ

Dessen Krieger sehr zufrieden, freundlich behandelt und gut versorgt [?] dastehen, der Herr der Erde erobert die Erde schon mit geringer Streitmacht.

Wort für Wort
yasya yodhāḥ
dessen Krieger (Gen./Nom.Pl.)
susaṃtuṣṭāḥ
sehr zufrieden (Nom.Pl.)
sāntvitāḥ
besänftigt, freundlich behandelt (Part.Pass., Nom.Pl.)
sūpadhāsthitāḥ
gut versorgt/gut geprüft dastehend (Nom.Pl.) [?]
alpena api sa daṇḍena
schon mit geringer Streitmacht/Gewalt dieser (Instr.)
mahīṃ jayati bhūmipaḥ
erobert die Erde, der Erdherr (Akk./3.Sg.Präs./Nom.)

sūpadhāsthitāḥ unsicher: upadhā kann „Prüfung, Treueprobe“ oder „Unterhalt“ bedeuten; hier „gut versorgt“ gewählt.

daṇḍo hi balavān yatra tatra sāma prayujyate; pradānaṃ sāmapūrvaṃ ca bhedamūlaṃ praśasyate; trayāṇāṃ viphalaṃ karma yadā paśyeta bhūmipaḥ; randhraṃ jñātvā tato daṇḍaṃ prayuñjītāvicārayan; abhibhūto yadā śatruḥ śatrubhir balavattaraiḥ; upekṣā tatra kartavyā vadhyatāṃ balināṃ balam; durbalo hi mahīpālo yadā bhavati bhārata; upekṣā tatra kartavyā caturṇām avirodhinī; upāyaḥ pañcamaḥ so 'pi sarveṣāṃ balavattaraḥ; bhārgaveṇa ca gītānāṃ ślokānāṃ kausalādhipa; vijñāya tattvaṃ tattvajña tattvatas tat kariṣyasi; yadi rakṣaḥ piśācena hanyate yatra kutra cit; upekṣā tatra kartavyā vadhyatāṃ balināṃ baliḥ; durbalo hi mahīpālaḥ śatrūṇāṃ śatrum uddharet; pādalagnaṃ karasthena kaṇṭakenaiva kaṇṭakam; śaṭhānāṃ sacivānāṃ ca mlecchānāṃ ca mahīpate; eṣa ukta upāyānām upekṣā balavattamā; aśmanā nāśayel lohaṃ lohenāśmānam eva ca; bilvānīvāparair bilvair mlecchān mlecchaiḥ prasādayet; dāsānāṃ ca pradṛptānām etad eveha kārayet; caṇḍālamlecchajātīnāṃ daṇḍena ca nivāraṇam; śaṭhānāṃ durvinītaiś ca pūrvam uktaṃ samācaret; anyāḥ śaṭhāś ca sacivās tathā kubrāhmaṇādayaḥ; upāyaiḥ pañcabhiḥ sādhyāś caturvargavirodhinaḥ

Wo die Streitmacht stark ist, dort wird Versöhnung angewandt; und eine Gabe, der Versöhnung vorangeht, sowie Spaltung als Wurzel [?] wird gepriesen. Wenn der Fürst sieht, dass das Wirken der drei erfolglos ist, dann soll er, die Schwachstelle erkannt habend, ohne Zögern Gewalt anwenden. Wenn ein Feind von stärkeren Feinden bedrängt ist, soll dort Nichtbeachtung geübt werden; die Kraft der Starken möge [sich] aufreiben [?]. Wenn ein Erdenhüter schwach ist, Bhārata, soll dort Nichtbeachtung geübt werden, die mit den vier [anderen Mitteln] nicht im Widerspruch steht; das fünfte Mittel, auch dieses, ist stärker als alle. Und die Strophen, die von Bhārgava gesungen wurden, o Herr der Kosaler: wenn du deren Wahrheit erkannt hast, Kenner der Wahrheit, wirst du sie der Wahrheit gemäß ausführen. Wenn ein Rākṣasa von einem Piśāca irgendwo erschlagen wird, soll dort Nichtbeachtung geübt werden; erschlagen werde die Opfergabe [?] der Starken. Ein schwacher Erdenhüter soll den Feind der Feinde ausreißen, wie man einen im Fuß haftenden Dorn mit einem in der Hand [gehaltenen] Dorn [entfernt]. Bei Tückischen, bei Ministern und bei Mlecchas, o Herr der Erde, ist unter den Mitteln dies gesagt: die Nichtbeachtung ist die stärkste. Mit Stein soll man Eisen zerstören und mit Eisen den Stein; wie Bilva-Früchte durch andere Bilva-Früchte, soll man Mlecchas durch Mlecchas beschwichtigen. Und bei übermütigen Sklaven lasse man eben dies hier tun; und bei den Geburtsgruppen der Caṇḍālas und Mlecchas [gelte] Abwehr mit Gewalt; bei Tückischen und Schlechtgezogenen verfahre man, wie zuvor gesagt. Andere Tückische und Minister, ebenso schlechte Brahmanen und dergleichen, die den vier Lebenszielen [oder: vier Gruppen] widerstreben, sind mit den fünf Mitteln zu bezwingen.

Wort für Wort
daṇḍo hi balavān yatra
wo die Streitmacht stark ist (Nom./Rel.Adv.)
tatra sāma prayujyate
dort wird Versöhnung angewandt (3.Sg.Pass.)
pradānaṃ sāmapūrvaṃ ca
und eine Gabe, der Versöhnung vorausgeht (Nom.)
bhedamūlaṃ praśasyate
Spaltung als Wurzel [?] wird gepriesen (3.Sg.Pass.)
trayāṇāṃ viphalaṃ karma
das Wirken der drei [ist] erfolglos (Gen.Pl./Nom.)
yadā paśyeta bhūmipaḥ
wenn der Fürst sieht (3.Sg.Opt.)
randhraṃ jñātvā tato daṇḍaṃ
die Schwachstelle erkannt habend, dann Gewalt (Abs./Akk.)
prayuñjītāvicārayan
soll er anwenden ohne Zögern (3.Sg.Opt./Part.Präs.)
abhibhūto yadā śatruḥ
wenn der Feind bedrängt ist (Part.Pass./Nom.)
śatrubhir balavattaraiḥ
von stärkeren Feinden (Instr.Pl.)
upekṣā tatra kartavyā
Nichtbeachtung ist dort zu üben (Nom.Fem./Gerundiv)
vadhyatāṃ balināṃ balam
aufgerieben werde die Kraft der Starken [?] (3.Sg.Imp.Pass./Gen.Pl./Nom.)
durbalo hi mahīpālo yadā bhavati bhārata
wenn der Erdenhüter schwach ist, Bhārata (Nom./3.Sg.Präs./Vok.)
upekṣā tatra kartavyā caturṇām avirodhinī
Nichtbeachtung dort, mit den vieren nicht im Widerspruch (Gen.Pl./Nom.Fem.)
upāyaḥ pañcamaḥ so 'pi
das fünfte Mittel, auch dieses (Nom.)
sarveṣāṃ balavattaraḥ
stärker als alle (Gen.Pl./Nom.)
bhārgaveṇa ca gītānāṃ ślokānāṃ
und der von Bhārgava gesungenen Strophen (Instr./Part.Pass. Gen.Pl.)
kausalādhipa
o Herr der Kosaler (Vok.)
vijñāya tattvaṃ tattvajña
die Wahrheit erkannt habend, o Wahrheitskenner (Abs./Akk./Vok.)
tattvatas tat kariṣyasi
der Wahrheit gemäß wirst du das tun (Abl.-Adv./2.Sg.Fut.)
yadi rakṣaḥ piśācena hanyate
wenn ein Rakṣas von einem Piśāca erschlagen wird (Instr./3.Sg.Pass.)
yatra kutra cit
irgendwo (Adv.)
upekṣā tatra kartavyā
Nichtbeachtung ist dort zu üben (Nom.Fem./Gerundiv)
vadhyatāṃ balināṃ baliḥ
erschlagen werde der Starken Opfergabe/Tribut [?] (3.Sg.Imp.Pass./Gen.Pl./Nom.)
durbalo hi mahīpālaḥ śatrūṇāṃ śatrum uddharet
ein schwacher Erdenhüter soll den Feind der Feinde ausreißen (Nom./Gen.Pl./Akk./3.Sg.Opt.)
pādalagnaṃ karasthena kaṇṭakenaiva kaṇṭakam
den im Fuß haftenden Dorn mit einem in der Hand befindlichen Dorn (Akk./Instr.)
śaṭhānāṃ sacivānāṃ ca mlecchānāṃ ca mahīpate
bei Tückischen, Ministern und Mlecchas, o Erdenherr (Gen.Pl./Vok.)
eṣa ukta upāyānām upekṣā balavattamā
dies ist gesagt: unter den Mitteln ist die Nichtbeachtung die stärkste (Perf.Pass./Gen.Pl./Nom.)
aśmanā nāśayel lohaṃ lohena aśmānam eva ca
mit Stein soll man Eisen zerstören und mit Eisen den Stein (Instr./3.Sg.Opt.Kaus./Akk.)
bilvāni iva aparair bilvair
wie Bilva-Früchte durch andere Bilva-Früchte (Akk.Pl./Instr.Pl.)
mlecchān mlecchaiḥ prasādayet
Mlecchas durch Mlecchas soll man beschwichtigen (Akk./Instr./3.Sg.Opt.Kaus.)
dāsānāṃ ca pradṛptānām etad eva iha kārayet
und bei übermütigen Sklaven lasse man eben dies hier tun (Gen.Pl./3.Sg.Opt.Kaus.)
caṇḍālamlecchajātīnāṃ daṇḍena ca nivāraṇam
und bei Caṇḍāla- und Mleccha-Gruppen Abwehr durch Gewalt (Gen.Pl./Instr./Nom.)
śaṭhānāṃ durvinītaiś ca pūrvam uktaṃ samācaret
bei Tückischen und Schlechtgezogenen verfahre man wie zuvor gesagt (3.Sg.Opt.)
anyāḥ śaṭhāś ca sacivās tathā kubrāhmaṇādayaḥ
andere Tückische und Minister, ebenso schlechte Brahmanen usw. (Nom.Pl.)
upāyaiḥ pañcabhiḥ sādhyāś caturvargavirodhinaḥ
durch fünf Mittel sind zu bezwingen, die den Vierergruppen Widerstrebenden (Instr.Pl./Gerundiv/Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternstelle). Die fünf Mittel: sāma, dāna, bheda, daṇḍa und als fünftes upekṣā. Unsicher: „bhedamūlaṃ“, „vadhyatāṃ balināṃ balam/baliḥ“ (Text möglicherweise verderbt); caturvarga kann die vier Lebensziele oder die vier Stände meinen.

paurajānapadā yasya svanuraktāḥ supūjitāḥ

Dessen Stadt- und Landbewohner ihm sehr zugetan und wohlgeehrt sind,

Wort für Wort
paurajānapadā
Stadt- und Landbewohner (Nom.Pl.)
yasya
dessen (Gen.Sg.)
svanuraktāḥ
sehr zugetan (Part.Pass., Nom.Pl.)
supūjitāḥ
wohlgeehrt (Part.Pass., Nom.Pl.)

Satz setzt sich in Einheit 8 fort.

rāṣṭrakarmakarā hy ete rāṣṭrasya ca virodhinaḥ; durvinītā vinītāś ca sarve sādhyāḥ prayatnataḥ; caṇḍālamlecchajātyāś ca pāṣaṇḍāś ca vikarmiṇaḥ; balinaś cāśramāś caiva tathā gāyakanartakāḥ

Diese sind Ausführer der Reichsaufgaben und zugleich Widersacher des Reiches; Unerzogene und Erzogene, alle sind mit Anstrengung zu bezwingen. Caṇḍāla- und Mleccha-Geburten, Pāṣaṇḍas und Übeltäter, Mächtige, [Angehörige der] Lebensstadien [?] sowie Sänger und Tänzer.

Wort für Wort
rāṣṭrakarmakarā hy ete
denn diese sind Ausführer der Reichsaufgaben (Nom.Pl.)
rāṣṭrasya ca virodhinaḥ
und Widersacher des Reiches (Gen./Nom.Pl.)
durvinītā vinītāś ca
Unerzogene und Erzogene (Nom.Pl.)
sarve sādhyāḥ prayatnataḥ
alle sind zu bezwingen mit Anstrengung (Gerundiv/Abl.-Adv.)
caṇḍālamlecchajātyāś ca
und Caṇḍāla- und Mleccha-Geburten (Nom.Pl.)
pāṣaṇḍāś ca vikarmiṇaḥ
und Pāṣaṇḍas, Übeltäter (Nom.Pl.)
balinaś ca āśramāś ca eva
und Mächtige und Lebensstadien [?] (Nom.Pl.)
tathā gāyakanartakāḥ
ebenso Sänger und Tänzer (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Aufzählung (balinaḥ, āśramāḥ) ist unsicher.

sadhanā dhānyavantaś ca dṛḍhamūlaḥ sa pārthivaḥ

die wohlhabend und getreidereich sind: dieser Herrscher hat eine feste Wurzel.

Wort für Wort
sadhanā
mit Vermögen (Nom.Pl.)
dhānyavantaś ca
und getreidereich (Nom.Pl.)
dṛḍhamūlaḥ
fest gewurzelt (Nom.)
sa pārthivaḥ
dieser Fürst (Nom.)

yasya rāṣṭre vasanty ete dhānyopacayakāriṇaḥ; āyavṛddhau sahāyāś ca dṛḍhamūlaḥ sa pārthivaḥ

In dessen Reich diese wohnen, die Getreidevorräte anhäufen und bei Steigerung der Einkünfte Helfer sind: dieser Herrscher hat eine feste Wurzel.

Wort für Wort
yasya rāṣṭre vasanty ete
in dessen Reich diese wohnen (Lok./3.Pl.Präs.)
dhānyopacayakāriṇaḥ
Getreidevorräte anhäufende (Nom.Pl.)
āyavṛddhau sahāyāś ca
und bei Einkommenszuwachs Helfer (Lok./Nom.Pl.)
dṛḍhamūlaḥ sa pārthivaḥ
fest gewurzelt ist dieser Fürst (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

prabhāvakālāv adhikau yadā manyeta cātmanaḥ; tadā lipseta medhāvī parabhūmiṃ dhanāny uta

Wenn er seine Macht und die [günstige] Zeit als überlegen ansieht, dann soll der Kluge fremdes Land und Reichtümer erstreben.

Wort für Wort
prabhāvakālāv adhikau
Macht und Zeit als überlegen (Nom.Du.)
yadā manyeta ca ātmanaḥ
wenn er meint, seine eigenen (3.Sg.Opt./Gen.)
tadā lipseta medhāvī
dann soll erstreben der Kluge (3.Sg.Opt.Desid./Nom.)
parabhūmiṃ dhanāny uta
fremdes Land und auch Reichtümer (Akk./Akk.Pl.)

bhogeṣv adayamānasya bhūteṣu ca dayāvataḥ; vardhate tvaramāṇasya viṣayo rakṣitātmanaḥ

Dem, der bei Genüssen unnachgiebig [?], gegenüber Wesen aber mitfühlend ist, der zügig handelt und sich selbst behütet, dem wächst sein Gebiet.

Wort für Wort
bhogeṣu adayamānasya
bei Genüssen nicht schonend/unnachgiebig [?] (Lok.Pl./Part., Gen.)
bhūteṣu ca dayāvataḥ
und gegenüber Wesen mitfühlend (Lok.Pl./Gen.)
vardhate tvaramāṇasya
es wächst dem Eilenden [?] (3.Sg.Präs./Gen.)
viṣayo rakṣitātmanaḥ
das Gebiet dem, der sich selbst schützt (Nom./Gen., Bahuvrīhi)

bhogeṣv adayamānasya und tvaramāṇasya sind unsicher; möglicherweise ist atvaramāṇasya („nicht hastig“) gemeint.

takṣaty ātmānam evaiṣa vanaṃ paraśunā yathā; yaḥ samyag vartamāneṣu sveṣu mithyā pravartate

Er haut sich selbst zurecht, wie man mit der Axt einen Wald [fällt], der sich gegenüber den recht Handelnden unter den Seinen falsch verhält.

Wort für Wort
takṣaty ātmānam eva eṣa
er behaut/fällt nur sich selbst, dieser (3.Sg.Präs./Akk./Nom.)
vanaṃ paraśunā yathā
wie einen Wald mit der Axt (Akk./Instr.)
yaḥ samyag vartamāneṣu
der gegenüber recht Handelnden (Rel./Part.Lok.Pl.)
sveṣu mithyā pravartate
unter den Seinen unrecht verfährt (Lok.Pl./Adv./3.Sg.Präs.)

na vai dviṣantaḥ kṣīyante rājño nityam api ghnataḥ; krodhaṃ niyantuṃ yo veda tasya dveṣṭā na vidyate

Feinde schwinden nicht, auch wenn der König sie beständig erschlägt; wer den Zorn zu zügeln weiß, für den gibt es keinen Hasser.

Wort für Wort
na vai dviṣantaḥ kṣīyante
wahrlich, Feinde schwinden nicht (Part.Präs.Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
rājño nityam api ghnataḥ
auch wenn der König immer erschlägt (Gen. abs.)
krodhaṃ niyantuṃ yo veda
wer den Zorn zu zügeln versteht (Akk./Inf./3.Sg.Perf.)
tasya dveṣṭā na vidyate
für den gibt es keinen Hasser (Gen./Nom./3.Sg.Pass.)

yad āryajanavidviṣṭaṃ karma tan nācared budhaḥ; yat kalyāṇam abhidhyāyet tatrātmānaṃ niyojayet

Ein Tun, das von edlen Menschen verabscheut wird, soll der Weise nicht ausüben; worauf er als Heilsamem sinnt, dem soll er sich widmen.

Wort für Wort
yad āryajanavidviṣṭaṃ karma
was von edlen Leuten verabscheutes Tun [ist] (Part.Pass./Nom.)
tan na ācared budhaḥ
das soll der Weise nicht üben (3.Sg.Opt./Nom.)
yat kalyāṇam abhidhyāyet
was er als heilsam bedenkt (Akk./3.Sg.Opt.)
tatra ātmānaṃ niyojayet
dort soll er sich einsetzen (Lok./Akk./3.Sg.Opt.Kaus.)

nainam anye 'vajānanti nātmanā paritapyate; kṛtyaśeṣeṇa yo rājā sukhāny anububhūṣati

Diesen verachten die anderen nicht, und er quält sich nicht selbst: den König, der mit dem Rest der [zu tuenden] Aufgaben Freuden zu genießen wünscht.

Wort für Wort
na enam anye avajānanti
nicht verachten ihn andere (3.Pl.Präs./Akk.)
na ātmanā paritapyate
und nicht quält er sich selbst (Instr./3.Sg.Pass.)
kṛtyaśeṣeṇa yo rājā
der König, der mit dem Rest der Aufgaben (Instr./Rel.)
sukhāny anububhūṣati
Freuden zu genießen wünscht (Akk.Pl./3.Sg.Desid.)

Konstruktion knapp; kṛtyaśeṣeṇa hier als „erst nach Erledigung der Aufgaben, mit dem Übrigen“ gefasst [?].

idaṃvṛttaṃ manuṣyeṣu vartate yo mahīpatiḥ; ubhau lokau vinirjitya vijaye saṃpratiṣṭhate

Der König, der unter den Menschen sich nach diesem Verhalten richtet, gewinnt beide Welten und steht fest im Sieg.

Wort für Wort
idaṃvṛttaṃ manuṣyeṣu
dieses Verhalten unter den Menschen (Akk./Lok.Pl.)
vartate yo mahīpatiḥ
übt/lebt, der Erdenherr, der (3.Sg.Präs./Nom.)
ubhau lokau vinirjitya
beide Welten gewonnen habend (Akk.Du./Abs.)
vijaye saṃpratiṣṭhate
steht fest im Sieg (Lok./3.Sg.Präs.)

bhīṣma uvāca; ity ukto vāmadevena sarvaṃ tat kṛtavān nṛpaḥ; tathā kurvaṃs tvam apy etau lokau jetā na saṃśayaḥ

Bhīṣma sprach: So von Vāmadeva angesprochen, tat der König all das; wenn auch du so handelst, wirst du zweifellos diese beiden Welten gewinnen.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ity ukto vāmadevena
so von Vāmadeva angesprochen (Part.Pass./Instr.)
sarvaṃ tat kṛtavān nṛpaḥ
all das tat der König (Akk./Part.Perf.Akt./Nom.)
tathā kurvaṃs tvam apy
so handelnd auch du (Part.Präs./Nom.)
etau lokau jetā na saṃśayaḥ
diese beiden Welten wirst du gewinnen, kein Zweifel (Akk.Du./Nom.Ag./Nom.)

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