Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 65: kṣatradharmaprāśastya Indra und Māndhātā: Vorrang der Kṣatriya-Pflicht und Pflichten der Randvölker

Indra erläutert dem König Māndhātā den Vorrang der Königs- und Kṣatriya-Pflicht und die Pflichten der Dasyus/Mleccha-Völker; Bhīṣma schließt mit einer Ermahnung an Yudhiṣṭhira.

indra uvāca; evaṃvīryaḥ sarvadharmopapannaḥ; kṣātraḥ śreṣṭhaḥ sarvadharmeṣu dharmaḥ; pālyo yuṣmābhir lokasiṃhair udārair; viparyaye syād abhāvaḥ prajānām

Indra sprach: „Die Kṣatriya-Pflicht, von solcher Kraft und mit allen Pflichten ausgestattet, ist unter allen Pflichten die beste. Sie ist von euch, den edlen Löwen der Welt, zu schützen; bei ihrem Verkehrtwerden träte Vernichtung der Geschöpfe ein.“

Wort für Wort
indra uvāca
Indra sprach (Perf.)
evaṃvīryaḥ sarvadharmopapannaḥ
von solcher Kraft, mit allen Pflichten ausgestattet (Nom.Sg.m.)
kṣātraḥ śreṣṭhaḥ sarvadharmeṣu dharmaḥ
die Kṣatriya-Pflicht ist die beste unter allen Pflichten (Nom.Sg.m./Lok.Pl.)
pālyo yuṣmābhir lokasiṃhair udārair
ist von euch zu schützen, [ihr] edlen Löwen der Welt (Gerundiv/Instr.Pl.)
viparyaye syād abhāvaḥ prajānām
bei der Verkehrung wäre Untergang der Geschöpfe (Lok.Sg./Opt.3.Sg./Gen.Pl.)

bhuvaḥ saṃskāraṃ rājasaṃskārayogam; abhaikṣacaryāṃ pālanaṃ ca prajānām; vidyād rājā sarvabhūtānukampāṃ; dehatyāgaṃ cāhave dharmam agryam

Der König soll die Läuterung [Pflege] der Erde, die Verbindung mit der Königsweihe, das Nicht-Bettelleben und den Schutz der Geschöpfe kennen, ebenso das Mitgefühl mit allen Wesen und die Hingabe des Körpers im Kampf als höchste Pflicht.

Wort für Wort
bhuvaḥ saṃskāram
die Läuterung/Bereitung der Erde (Akk.Sg.; Gen.Sg.)
rājasaṃskārayogam
die Verbindung mit der Königsweihe (Akk.Sg., Kompositum)
abhaikṣacaryāṃ pālanaṃ ca prajānām
das Nicht-Bettelleben und den Schutz der Geschöpfe (Akk.Sg./Gen.Pl.)
vidyād rājā sarvabhūtānukampām
der König soll kennen das Mitgefühl mit allen Wesen (Opt.3.Sg./Nom./Akk.Sg.)
dehatyāgaṃ cāhave dharmam agryam
und die Hingabe des Körpers im Kampf als höchste Pflicht (Akk.Sg./Lok.Sg.)

bhuvaḥ saṃskāram: wörtlich Zurichtung/Läuterung der Erde; Sinn unsicher.

tyāgaṃ śreṣṭhaṃ munayo vai vadanti; sarvaśreṣṭho yaḥ śarīraṃ tyajeta; nityaṃ tyaktaṃ rājadharmeṣu sarvaṃ; pratyakṣaṃ te bhūmipālāḥ sadaite

Verzicht nennen die Weisen das Höchste; der ist der Beste von allen, der den Körper hingibt. In den Königspflichten ist stets alles aufgegeben; vor Augen sind dir diese Erdenhüter immer. [?]

Wort für Wort
tyāgaṃ śreṣṭhaṃ munayo vai vadanti
Verzicht [ist] das Höchste, sagen die Weisen (Akk.Sg./Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
sarvaśreṣṭho yaḥ śarīraṃ tyajeta
der Beste von allen, der den Körper hingeben würde (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
nityaṃ tyaktaṃ rājadharmeṣu sarvam
stets ist in den Königspflichten alles aufgegeben (Part.Pass./Lok.Pl.)
pratyakṣaṃ te bhūmipālāḥ sadaite
vor Augen sind dir diese Erdenhüter stets (Nom.Pl.)

Zweite Vershälfte im Sinn unsicher.

bahuśrutyā guruśuśrūṣayā vā; parasya vā saṃhananād vadanti; nityaṃ dharmaṃ kṣatriyo brahmacārī; cared eko hy āśramaṃ dharmakāmaḥ

Durch Vielgelehrtheit oder Dienst am Lehrer oder durch das Niederwerfen des Gegners [?] – so nennen sie es. Der Kṣatriya soll stets als Brahmacārin die Pflicht üben und allein den Lebensstand einhalten, der Pflicht zugetan.

Wort für Wort
bahuśrutyā guruśuśrūṣayā vā
durch Vielgelehrtheit oder Dienst am Lehrer (Instr.Sg.)
parasya vā saṃhananād vadanti
oder durch das Bezwingen/Zusammenschlagen des anderen, sagen sie (Abl.Sg./3.Pl.)
nityaṃ dharmaṃ kṣatriyo brahmacārī
stets [übe] die Pflicht der Kṣatriya als Brahmacārin (Akk./Nom.Sg.)
cared eko hy āśramaṃ dharmakāmaḥ
er soll allein den Lebensstand üben, pflichtliebend (Opt.3.Sg./Nom.Sg.)

Syntax und saṃhananāt unsicher.

sāmānyārthe vyavahāre pravṛtte; priyāpriye varjayann eva yatnāt; cāturvarṇyasthāpanāt pālanāc ca; tais tair yogair niyamair aurasaiś ca

Wenn ein Verkehr um gemeinsamen Zweck in Gang gekommen ist, soll er, Liebes und Unliebes sorgsam meidend, durch die Einrichtung der vier Stände und durch Schutz, durch jene verschiedenen Mittel und Regeln und durch die eigenen [?] ...

Wort für Wort
sāmānyārthe vyavahāre pravṛtte
wenn der Verkehr um gemeinsamen Zweck in Gang ist (Lok.abs.)
priyāpriye varjayann eva yatnāt
Liebes und Unliebes eben meidend mit Sorgfalt (Part.Präs./Abl.Sg.)
cāturvarṇyasthāpanāt pālanāc ca
durch Einrichtung der vier Stände und durch Schutz (Abl.Sg.)
tais tair yogair niyamair aurasaiś ca
durch jene und jene Mittel, Regeln und die eigenen (Instr.Pl.)

[Anm.: Vers ohne finites Verb; Satz setzt sich im nächsten Vers fort.] aurasaiḥ unsicher.

sarvodyogair āśramaṃ dharmam āhuḥ; kṣātraṃ jyeṣṭhaṃ sarvadharmopapannam; svaṃ svaṃ dharmaṃ ye na caranti varṇās; tāṃs tān dharmān ayathāvad vadanti

Durch alle Anstrengungen, so sagen sie, [gilt] der Lebensstand als Pflicht; die Kṣatriya-Pflicht ist die älteste, mit allen Pflichten ausgestattet. Die Stände, die ihre je eigene Pflicht nicht befolgen, deren Pflichten nennen sie nicht zutreffend [?].

Wort für Wort
sarvodyogair āśramaṃ dharmam āhuḥ
durch alle Anstrengungen [nennen] sie den Lebensstand Pflicht (Instr.Pl./Perf.3.Pl.)
kṣātraṃ jyeṣṭhaṃ sarvadharmopapannam
die Kṣatriya-Pflicht [ist] die älteste, mit allen Pflichten ausgestattet (Nom.Sg.n.)
svaṃ svaṃ dharmaṃ ye na caranti varṇās
die Stände, die ihre jeweils eigene Pflicht nicht üben (Akk.Sg./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
tāṃs tān dharmān ayathāvad vadanti
deren jeweilige Pflichten nennen sie unangemessen (Akk.Pl./3.Pl.)

nirmaryāde nityam arthe vinaṣṭān; āhus tān vai paśubhūtān manuṣyān; yathā nītiṃ gamayaty arthalobhāc; chreyāṃs tasmād āśramaḥ kṣatradharmaḥ

Die in Regellosigkeit stets um Besitz zugrunde Gegangenen nennen sie zu Vieh gewordene Menschen; wie man [sie] aus Habgier zur [rechten] Leitung bringt – daher ist der Lebensstand, die Kṣatriya-Pflicht, das Bessere. [?]

Wort für Wort
nirmaryāde nityam arthe vinaṣṭān
in der Regellosigkeit, stets um Besitz zugrunde gegangen (Lok.Sg./Akk.Pl.m.)
āhus tān vai paśubhūtān manuṣyān
sie nennen jene zu Vieh gewordene Menschen (Perf.3.Pl./Akk.Pl.)
yathā nītiṃ gamayaty arthalobhāt
wie er [sie] aus Habgier zur Leitung/Klugheitslehre führt (Kaus.3.Sg./Abl.Sg.)
chreyāṃs tasmād āśramaḥ kṣatradharmaḥ
besser ist daher der Lebensstand, die Kṣatriya-Pflicht (Komp.Nom.Sg.)

Zweite Vershälfte im Sinn unsicher.

traividyānāṃ yā gatir brāhmaṇānāṃ; yaś caivokto 'thāśramo brāhmaṇānām; etat karma brāhmaṇasyāhur agryam; anyat kurvañ śūdravac chastravadhyaḥ

Der Weg der Brahmanen, die die drei Veden kennen, und der Lebensstand, der für die Brahmanen genannt wurde – das nennen sie das höchste Werk des Brahmanen. Wer anderes tut, ist wie ein Śūdra mit der Waffe zu töten.

Wort für Wort
traividyānāṃ yā gatir brāhmaṇānām
der Weg der Brahmanen, die die drei Veden kennen (Gen.Pl./Nom.Sg.f.)
yaś caivokto 'thāśramo brāhmaṇānām
und der Lebensstand, der für Brahmanen genannt ist (Part.Pass./Gen.Pl.)
etat karma brāhmaṇasyāhur agryam
dies Werk nennen sie das höchste des Brahmanen (Perf.3.Pl./Akk.Sg.n.)
anyat kurvañ śūdravac chastravadhyaḥ
wer anderes tut, ist wie ein Śūdra durch die Waffe zu töten (Part.Präs./Gerundiv)

cāturāśramyadharmāś ca vedadharmāś ca pārthiva; brāhmaṇenānugantavyā nānyo vidyāt kathaṃ cana

Die Pflichten der vier Lebensstände und die Vedapflichten, König, sind vom Brahmanen zu befolgen; kein anderer soll sie irgendwie kennen.

Wort für Wort
cāturāśramyadharmāś ca vedadharmāś ca pārthiva
die Pflichten der vier Lebensstände und die Vedapflichten, König (Nom.Pl./Vok.Sg.)
brāhmaṇenānugantavyā
sind vom Brahmanen zu befolgen (Gerundiv/Instr.Sg.)
nānyo vidyāt kathaṃ cana
kein anderer soll sie kennen, auf keine Weise (Opt.3.Sg.)

anyathā vartamānasya na sā vṛttiḥ prakalpyate; karmaṇā vyajyate dharmo yathaiva śvā tathaiva saḥ

Wer anders lebt, dem wird jener Lebensunterhalt nicht zugestanden; am Werk wird die Pflicht erkennbar: wie ein Hund, so ist er.

Wort für Wort
anyathā vartamānasya
für den, der anders lebt (Part.Präs./Gen.Sg.)
na sā vṛttiḥ prakalpyate
wird jene Lebensweise nicht zugestanden (Pass.3.Sg.)
karmaṇā vyajyate dharmo
durch das Werk wird die Pflicht offenbar (Instr.Sg./Pass.3.Sg.)
yathaiva śvā tathaiva saḥ
gerade wie ein Hund, so ist er (Nom.Sg.)

yo vikarmasthito vipro na sa sanmānam arhati; karmasv anupayuñjānam aviśvāsyaṃ hi taṃ viduḥ

Der Brahmane, der in verbotenem Tun steht, verdient keine Ehrung; den in den Werken Unbrauchbaren kennen sie als unzuverlässig.

Wort für Wort
yo vikarmasthito vipro
der Brahmane, der im verbotenen Werk steht (Nom.Sg.)
na sa sanmānam arhati
der verdient keine Ehrung (3.Sg.Präs./Akk.Sg.)
karmasv anupayuñjānam
den in den Werken Nichtverwendbaren (Lok.Pl./Akk.Sg.)
aviśvāsyaṃ hi taṃ viduḥ
als unzuverlässig kennen sie ihn (Perf.3.Pl.)

ete dharmāḥ sarvavarṇāś ca vīrair; utkraṣṭavyāḥ kṣatriyair eṣa dharmaḥ; tasmāj jyeṣṭhā rājadharmā na cānye; vīryajyeṣṭhā vīradharmā matā me

Diese Pflichten und alle Stände sind von den Helden, den Kṣatriyas, zu übertreffen; das ist die Pflicht. Daher sind die Königspflichten die ältesten und nicht andere; die Heldenpflichten, in der Tapferkeit vorrangig, gelten mir [als maßgeblich].

Wort für Wort
ete dharmāḥ sarvavarṇāś ca vīrair
diese Pflichten und alle Stände durch die Helden (Nom.Pl./Instr.Pl.)
utkraṣṭavyāḥ kṣatriyair eṣa dharmaḥ
sind von den Kṣatriyas zu übertreffen; dies ist die Pflicht (Gerundiv/Instr.Pl.)
tasmāj jyeṣṭhā rājadharmā na cānye
daher sind die Königspflichten die ältesten, nicht andere (Nom.Pl.)
vīryajyeṣṭhā vīradharmā matā me
die an Tapferkeit vorrangigen Heldenpflichten sind von mir gebilligt (Part.Pass.f./Gen.)

Zusammenhang von Vers 12 mit dem Vorangehenden locker; matā me nach Sinn ergänzt.

māndhātovāca; yavanāḥ kirātā gāndhārāś cīnāḥ śabarabarbarāḥ

Māndhātā sprach: „Yavanas, Kirātas, Gāndhāras, Cīnas, Śabaras, Barbaras,

Wort für Wort
māndhātovāca
Māndhātā sprach (Perf.)
yavanāḥ kirātā gāndhārāś
Yavanas, Kirātas, Gāndhāras (Nom.Pl.)
cīnāḥ śabarabarbarāḥ
Cīnas, Śabaras, Barbaras (Nom.Pl.)

[Anm.: Satz setzt sich in den folgenden Einheiten fort.]

bāhlīkāś ca turuṣkāś ca pāñcālāś ca tathā smṛtāḥ

Bāhlīkas, Turuṣkas und Pāñcālas, so wird überliefert,

Wort für Wort
bāhlīkāś ca turuṣkāś ca
die Bāhlīkas und Turuṣkas (Nom.Pl.)
pāñcālāś ca tathā smṛtāḥ
und die Pāñcālas, so wird überliefert (Nom.Pl./Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternvers).

śakās tuṣārāḥ kahvāś ca pahlavāś cāndhramadrakāḥ

Śakas, Tuṣāras, Kahvas, Pahlavas, Āndhras und Madrakas,

Wort für Wort
śakās tuṣārāḥ kahvāś ca
Śakas, Tuṣāras und Kahvas (Nom.Pl.)
pahlavāś cāndhramadrakāḥ
Pahlavas, Āndhras, Madrakas (Nom.Pl.)

oḍrāḥ pulindā ramaṭhāḥ kācā mlecchāś ca sarvaśaḥ; brahmakṣatraprasūtāś ca vaiśyāḥ śūdrāś ca mānavāḥ

Oḍras, Pulindas, Ramaṭhas, Kācas und Mlecchas überall, ferner die aus Brahmanen und Kṣatriyas Entsprossenen, Vaiśyas und Śūdras [als] Menschen –

Wort für Wort
oḍrāḥ pulindā ramaṭhāḥ kācā
Oḍras, Pulindas, Ramaṭhas, Kācas (Nom.Pl.)
mlecchāś ca sarvaśaḥ
und Mlecchas überall (Nom.Pl./Adv.)
brahmakṣatraprasūtāś ca
und die von Brahmanen und Kṣatriyas Gezeugten (Nom.Pl.)
vaiśyāḥ śūdrāś ca mānavāḥ
Vaiśyas und Śūdras, Menschen (Nom.Pl.)

kathaṃ dharmaṃ careyus te sarve viṣayavāsinaḥ; madvidhaiś ca kathaṃ sthāpyāḥ sarve te dasyujīvinaḥ

wie sollen sie alle, die in [meinem] Reich wohnen, die Pflicht üben, und wie sollen von Leuten wie mir alle jene, die von Räuberei leben, eingesetzt werden?

Wort für Wort
kathaṃ dharmaṃ careyus te
wie sollten sie die Pflicht üben (Opt.3.Pl.)
sarve viṣayavāsinaḥ
alle, die im Gebiet wohnen (Nom.Pl.)
madvidhaiś ca kathaṃ sthāpyāḥ
und wie sind sie von Leuten wie mir einzusetzen (Instr.Pl./Gerundiv)
sarve te dasyujīvinaḥ
alle jene, die von Räuberei leben (Nom.Pl.)

etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ bhagavaṃs tad bravīhi me; tvaṃ bandhubhūto hy asmākaṃ kṣatriyāṇāṃ sureśvara

Das möchte ich hören, Erhabener, das sage mir. Du bist ja unser Verwandter, der Kṣatriyas, Herr der Götter.“

Wort für Wort
etad icchāmy ahaṃ śrotum
dies will ich hören (1.Sg.Präs./Inf.)
bhagavaṃs tad bravīhi me
Erhabener, das sage mir (Vok./Imp.2.Sg.)
tvaṃ bandhubhūto hy asmākam
du bist ja unser Verwandter (Nom.Sg./Gen.Pl.)
kṣatriyāṇāṃ sureśvara
der Kṣatriyas, Herr der Götter (Gen.Pl./Vok.Sg.)

indra uvāca; mātāpitror hi kartavyā śuśrūṣā sarvadasyubhiḥ; ācāryaguruśuśrūṣā tathaivāśramavāsinām

Indra sprach: „Den Eltern ist von allen Räubern Dienst zu leisten, ebenso dem Lehrer und Meister sowie den in Einsiedeleien Lebenden.

Wort für Wort
indra uvāca
Indra sprach
mātāpitror hi kartavyā śuśrūṣā
den Eltern ist Dienst zu leisten (Gen./Dat.Du./Gerundiv)
sarvadasyubhiḥ
von allen Räubern (Instr.Pl.)
ācāryaguruśuśrūṣā tathaivāśramavāsinām
Dienst an Lehrer und Meister, ebenso an den Einsiedlern (Nom.Sg./Gen.Pl.)

bhūmipālānāṃ ca śuśrūṣā kartavyā sarvadasyubhiḥ; vedadharmakriyāś caiva teṣāṃ dharmo vidhīyate

Auch den Erdenhütern ist von allen Räubern Dienst zu leisten; und Veda-Pflichten und -Riten werden für sie als Pflicht festgesetzt.

Wort für Wort
bhūmipālānāṃ ca śuśrūṣā
und den Erdenhütern Dienst (Gen.Pl.)
kartavyā sarvadasyubhiḥ
ist zu leisten von allen Räubern (Gerundiv/Instr.Pl.)
vedadharmakriyāś caiva
und Vedapflichten und Riten (Nom.Pl.)
teṣāṃ dharmo vidhīyate
für sie wird als Pflicht festgesetzt (Gen.Pl./Pass.3.Sg.)

pitṛyajñās tathā kūpāḥ prapāś ca śayanāni ca; dānāni ca yathākālaṃ dvijeṣu dadyur eva te

Ahnenopfer, Brunnen, Tränkstellen und Lagerstätten sowie Gaben sollen sie zur rechten Zeit den Zweimalgeborenen geben.

Wort für Wort
pitṛyajñās tathā kūpāḥ
Ahnenopfer sowie Brunnen (Nom.Pl.)
prapāś ca śayanāni ca
und Tränkstellen und Lagerstätten (Nom.Pl.)
dānāni ca yathākālam
und Gaben zur rechten Zeit (Akk.Pl./Adv.)
dvijeṣu dadyur eva te
den Zweimalgeborenen sollen sie geben (Lok.Pl./Opt.3.Pl.)

ahiṃsā satyam akrodho vṛttidāyānupālanam; bharaṇaṃ putradārāṇāṃ śaucam adroha eva ca

Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Zornlosigkeit, Bewahrung der gewährten Unterhaltsgaben, Unterhalt von Söhnen und Frauen, Reinheit und Nichtfeindseligkeit –

Wort für Wort
ahiṃsā satyam akrodho
Gewaltlosigkeit, Wahrheit, Zornlosigkeit (Nom.Sg.)
vṛttidāyānupālanam
Bewahrung des gegebenen Unterhalts (Nom.Sg.n.)
bharaṇaṃ putradārāṇām
Unterhalt von Söhnen und Frauen (Gen.Pl.)
śaucam adroha eva ca
Reinheit und Nichtfeindseligkeit (Nom.Sg.)

dakṣiṇā sarvayajñānāṃ dātavyā bhūtim icchatā; pākayajñā mahārhāś ca kartavyāḥ sarvadasyubhiḥ

Bei allen Opfern ist die Dakṣiṇā zu geben von dem, der Gedeihen wünscht; und die kostbaren Pākayajñas sind von allen Räubern zu vollziehen.

Wort für Wort
dakṣiṇā sarvayajñānām
die Opfergabe bei allen Opfern (Nom.Sg./Gen.Pl.)
dātavyā bhūtim icchatā
ist zu geben von dem, der Gedeihen wünscht (Gerundiv/Part.Instr.)
pākayajñā mahārhāś ca
und die kostbaren Pākayajñas (Nom.Pl.)
kartavyāḥ sarvadasyubhiḥ
sind zu vollziehen von allen Räubern (Gerundiv/Instr.Pl.)

etāny evaṃprakārāṇi vihitāni purānagha; sarvalokasya karmāṇi kartavyānīha pārthiva

Dies und Derartiges ist vorzeiten festgesetzt worden, Makelloser; diese Werke für die ganze Welt sind hier zu vollziehen, König.

Wort für Wort
etāny evaṃprakārāṇi
dies und derartiges (Nom.Pl.n.)
vihitāni purānagha
ist festgesetzt worden, vorzeiten, Makelloser (Part.Pass./Vok.)
sarvalokasya karmāṇi
Werke für die ganze Welt (Gen.Sg./Nom.Pl.)
kartavyānīha pārthiva
sind hier zu tun, König (Gerundiv/Vok.)

māndhātovāca; dṛśyante mānavā loke sarvavarṇeṣu dasyavaḥ; liṅgāntare vartamānā āśrameṣu caturṣv api

Māndhātā sprach: „Man sieht in der Welt Räuber unter Menschen aller Stände, die unter fremdem Abzeichen leben, auch in den vier Lebensstufen.“

Wort für Wort
māndhātovāca
Māndhātā sprach
dṛśyante mānavā loke
man sieht Menschen in der Welt (Pass.3.Pl.)
sarvavarṇeṣu dasyavaḥ
als Räuber in allen Ständen (Lok.Pl./Nom.Pl.)
liṅgāntare vartamānā
unter anderem Abzeichen lebend (Lok.Sg./Part.Präs.)
āśrameṣu caturṣv api
auch in den vier Lebensstufen (Lok.Pl.)

indra uvāca; vinaṣṭāyāṃ daṇḍanītau rājadharme nirākṛte; saṃpramuhyanti bhūtāni rājadaurātmyato nṛpa

Indra sprach: „Ist die Strafgewalt zugrunde gegangen und die Königspflicht verworfen, so geraten die Wesen in Verwirrung durch die Schlechtigkeit des Königs, Herrscher.

Wort für Wort
indra uvāca
Indra sprach
vinaṣṭāyāṃ daṇḍanītau
wenn die Strafgewalt zugrunde gegangen ist (Lok.abs.)
rājadharme nirākṛte
die Königspflicht zurückgewiesen (Lok.abs.)
saṃpramuhyanti bhūtāni
werden die Wesen verwirrt (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
rājadaurātmyato nṛpa
durch des Königs Schlechtigkeit, König (Abl./Vok.)

asaṃkhyātā bhaviṣyanti bhikṣavo liṅginas tathā; āśramāṇāṃ vikalpāś ca nivṛtte 'smin kṛte yuge

Unzählige Bettler und Zeichenträger wird es geben, und Spielarten der Lebensstufen, wenn dieses Kṛta-Zeitalter zu Ende gegangen ist.

Wort für Wort
asaṃkhyātā bhaviṣyanti
unzählbar werden sein (Fut.3.Pl.)
bhikṣavo liṅginas tathā
Bettler und Zeichenträger (Nom.Pl.)
āśramāṇāṃ vikalpāś ca
und Varianten der Lebensstufen (Gen.Pl./Nom.Pl.)
nivṛtte 'smin kṛte yuge
wenn dieses Kṛta-Zeitalter geendet hat (Lok.abs.)

aśṛṇvānāḥ purāṇānāṃ dharmāṇāṃ pravarā gatīḥ; utpathaṃ pratipatsyante kāmamanyusamīritāḥ

Die besten Wege der alten Pflichten nicht hörend, werden sie, von Begierde und Zorn getrieben, auf Abwege geraten.

Wort für Wort
aśṛṇvānāḥ purāṇānām
nicht hörend [auf] die alten (Part.Präs./Gen.Pl.)
dharmāṇāṃ pravarā gatīḥ
der Pflichten vorzügliche Wege (Gen.Pl./Akk.Pl.)
utpathaṃ pratipatsyante
werden auf den Abweg geraten (Fut.3.Pl.Med.)
kāmamanyusamīritāḥ
von Begierde und Zorn angetrieben (Part.Pass.Nom.Pl.)

yadā nivartyate pāpo daṇḍanītyā mahātmabhiḥ; tadā dharmo na calate sadbhūtaḥ śāśvataḥ paraḥ

Wenn das Böse durch die Strafgewalt von den Großgesinnten abgewendet wird, dann wankt die Pflicht nicht, die wirklich seiende, ewige, höchste.

Wort für Wort
yadā nivartyate pāpo
wenn das Böse abgewendet wird (Pass.3.Sg.)
daṇḍanītyā mahātmabhiḥ
durch Strafgewalt, von den Großgesinnten (Instr.Sg./Pl.)
tadā dharmo na calate
dann wankt die Pflicht nicht (3.Sg.Präs.)
sadbhūtaḥ śāśvataḥ paraḥ
wirklich seiend, ewig, höchst (Nom.Sg.m.)

paralokaguruṃ caiva rājānaṃ yo 'vamanyate; na tasya dattaṃ na hutaṃ na śrāddhaṃ phalati kva cit

Wer aber den König, den Lehrer für die jenseitige Welt, geringschätzt, dessen Gabe, Opfer und Ahnenspende tragen nirgends Frucht.

Wort für Wort
paralokaguruṃ caiva rājānam
und den König, den Lehrer des Jenseits (Akk.Sg.)
yo 'vamanyate
wer geringschätzt (3.Sg.Präs.Med.)
na tasya dattaṃ na hutaṃ
nicht dessen Gabe, nicht Opfergabe (Part.Pass.n.)
na śrāddhaṃ phalati kva cit
nicht die Ahnenspende trägt irgendwo Frucht (3.Sg.Präs.)

mānuṣāṇām adhipatiṃ devabhūtaṃ sanātanam; devāś ca bahu manyante dharmakāmaṃ nareśvaram

Den Herrn der Menschen, den gottgleichen, ewigen, den pflichtliebenden Fürsten, achten auch die Götter hoch.

Wort für Wort
mānuṣāṇām adhipatiṃ
den Herrn der Menschen (Gen.Pl./Akk.Sg.)
devabhūtaṃ sanātanam
den gottgleichen, ewigen (Akk.Sg.)
devāś ca bahu manyante
und die Götter schätzen hoch (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
dharmakāmaṃ nareśvaram
den pflichtliebenden Herrn der Männer (Akk.Sg.)

prajāpatir hi bhagavān yaḥ sarvam asṛjaj jagat; sa pravṛttinivṛttyarthaṃ dharmāṇāṃ kṣatram icchati

Denn der Erhabene, Prajāpati, der die ganze Welt erschuf, wünscht das Kṣatra zum Ingangsetzen und Beenden der Pflichten.

Wort für Wort
prajāpatir hi bhagavān
Prajāpati, der Erhabene (Nom.Sg.)
yaḥ sarvam asṛjaj jagat
der die ganze Welt erschuf (Aor.3.Sg.)
sa pravṛttinivṛttyarthaṃ
der, zum Zweck von Ingangsetzen und Beenden (Komp.Adv.)
dharmāṇāṃ kṣatram icchati
der Pflichten, wünscht das Kṣatra (Gen.Pl./3.Sg.Präs.)

pravṛttasya hi dharmasya buddhyā yaḥ smarate gatim; sa me mānyaś ca pūjyaś ca tatra kṣatraṃ pratiṣṭhitam

Wer aber den Lauf der in Gang befindlichen Pflicht mit dem Verstand im Gedächtnis hält, der ist mir achtenswert und verehrungswürdig; darin ist das Kṣatra gegründet.

Wort für Wort
pravṛttasya hi dharmasya
der in Gang befindlichen Pflicht (Gen.Sg.)
buddhyā yaḥ smarate gatim
wer mit Verstand den Lauf bedenkt (Instr.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
sa me mānyaś ca pūjyaś ca
der ist mir achtenswert und verehrenswert (Gerundiv)
tatra kṣatraṃ pratiṣṭhitam
darin ist das Kṣatra gegründet (Part.Pass.)

bhīṣma uvāca; evam uktvā sa bhagavān marudgaṇavṛtaḥ prabhuḥ; jagāma bhavanaṃ viṣṇur akṣaraṃ paramaṃ padam

Bhīṣma sprach: „Nachdem der Erhabene so gesprochen hatte, ging der Herr, von den Marut-Scharen umgeben, Viṣṇu, in seine Wohnstätte, den unvergänglichen höchsten Ort.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
evam uktvā sa bhagavān
nachdem er so gesprochen hatte, der Erhabene (Abs.)
marudgaṇavṛtaḥ prabhuḥ
von den Marut-Scharen umgeben, der Herr (Part.Pass.)
jagāma bhavanaṃ viṣṇur
ging Viṣṇu in [seine] Wohnstätte (Perf.3.Sg.)
akṣaraṃ paramaṃ padam
zum unvergänglichen höchsten Ort (Akk.Sg.)

evaṃ pravartite dharme purā sucarite 'nagha; kaḥ kṣatram avamanyeta cetanāvān bahuśrutaḥ

Wenn die Pflicht so in Gang gesetzt ist, in früherer Zeit gut geübt, Makelloser, wer könnte da das Kṣatra missachten, der Einsicht besitzt und viel gehört hat?

Wort für Wort
evaṃ pravartite dharme
wenn die Pflicht so in Gang gesetzt ist (Lok.abs.)
purā sucarite 'nagha
vorzeiten gut geübt, Makelloser (Vok.)
kaḥ kṣatram avamanyeta
wer würde das Kṣatra missachten (Opt.3.Sg.Med.)
cetanāvān bahuśrutaḥ
verständig, vielgelehrt (Nom.Sg.)

anyāyena pravṛttāni nivṛttāni tathaiva ca; antarā vilayaṃ yānti yathā pathi vicakṣuṣaḥ

Was auf ungerechte Weise in Gang gesetzt oder ebenso beendet wird, geht zwischendurch zugrunde, wie auf dem Weg ein Augenloser.

Wort für Wort
anyāyena pravṛttāni
was ungerecht in Gang gesetzt wurde (Instr.Sg./Part.Pass.)
nivṛttāni tathaiva ca
und ebenso beendet (Part.Pass.)
antarā vilayaṃ yānti
geht zwischendurch zugrunde (3.Pl.Präs.)
yathā pathi vicakṣuṣaḥ
wie auf dem Weg Augenlose (Lok.Sg./Nom.Pl.)

Grammatischer Bezug von vicakṣuṣaḥ (Pl.) unsicher.

ādau pravartite cakre tathaivādiparāyaṇe; vartasva puruṣavyāghra saṃvijānāmi te 'nagha

Da das Rad am Anfang in Gang gesetzt wurde, und ebenso das auf den Anfang Gerichtete: verhalte dich [danach], Tiger unter den Männern; ich sehe [dich als solchen], Makelloser. [?]

Wort für Wort
ādau pravartite cakre
als das Rad am Anfang in Gang gesetzt war (Lok.abs.)
tathaivādiparāyaṇe
und ebenso auf den Anfang ausgerichtet (Lok.)
vartasva puruṣavyāghra
verhalte dich, Tiger unter den Männern (Imp.2.Sg.Med./Vok.)
saṃvijānāmi te 'nagha
ich verstehe/erkenne dich, Makelloser (1.Sg.Präs./Vok.)

te unsicher (Akk. ‚dich‘ oder Gen.); Vers sinngemäß.

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