Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 254: tulādhāravacanam (ahiṃsādharmopadeśaḥ) Der Waagenhalter lehrt Jājali den Dharma der Gewaltlosigkeit und der Furchtlosigkeit

Fortsetzung des Gesprächs zwischen dem Asketen Jājali und dem Händler Tulādhāra: Dieser legt dar, dass sein Dharma in Nichtschädigung, Gleichmut und dem Geben von Furchtlosigkeit besteht, und kritisiert Viehzucht, Ackerbau und Tötung von Tieren.

bhīṣma uvāca; ity uktaḥ sa tadā tena tulādhāreṇa dhīmatā; provāca vacanaṃ dhīmāñ jājalir japatāṃ varaḥ

Bhīṣma sprach: So von jenem verständigen Waagenhalter angesprochen, sprach da der verständige Jājali, der Beste unter den Murmelnden, das Wort:

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ity uktaḥ sa tadā tena
so angesprochen (Part.Pass., Nom.), er, damals, von jenem (Instr.)
tulādhāreṇa dhīmatā
vom Waagenhalter, dem Verständigen (Instr.)
provāca vacanaṃ
sprach das Wort (3.Sg.Perf./Akk.)
dhīmāñ jājalir
der verständige Jājali (Nom.)
japatāṃ varaḥ
der Beste der Murmelnden (Gen.Pl./Nom.)

vikrīṇānaḥ sarvarasān sarvagandhāṃś ca vāṇija; vanaspatīn oṣadhīś ca teṣāṃ mūlaphalāni ca

„Du, der du allerlei Säfte und allerlei Duftstoffe, Bäume und Kräuter sowie deren Wurzeln und Früchte verkaufst, Händler [, hast …]

Wort für Wort
vikrīṇānaḥ sarvarasān
verkaufend (Part.Med., Nom.) alle Säfte (Akk.Pl.)
sarvagandhāṃś ca
und alle Duftstoffe (Akk.Pl.)
vāṇija
o Händler (Vok.)
vanaspatīn oṣadhīś ca
Bäume und Kräuter (Akk.Pl.)
teṣāṃ mūlaphalāni ca
und deren Wurzeln und Früchte (Gen./Akk.Pl.)

Der Satz läuft in Vers 3 weiter.

adhyagā naiṣṭhikīṃ buddhiṃ kutas tvām idam āgatam; etad ācakṣva me sarvaṃ nikhilena mahāmate

[…] eine auf das Endziel gerichtete Einsicht erlangt? Woher ist dir dies zugekommen? Sage mir dies alles vollständig, du Hochverständiger.“

Wort für Wort
adhyagā naiṣṭhikīṃ buddhiṃ
du hast erlangt (2.Sg.Aor.) die endgültige Einsicht (Akk.)
kutas tvām idam āgatam
woher ist dir (Akk.) dies (Nom.) zugekommen (Part.)
etad ācakṣva me
dies sage (2.Sg.Imp.Med.) mir (Dat.)
sarvaṃ nikhilena
alles (Akk.) vollständig (Instr.)
mahāmate
o Hochverständiger (Vok.)

evam uktas tulādhāro brāhmaṇena yaśasvinā; uvāca dharmasūkṣmāṇi vaiśyo dharmārthatattvavit; jājaliṃ kaṣṭatapasaṃ jñānatṛptas tadā nṛpa

So vom ruhmreichen Brahmanen angesprochen, sprach der Waagenhalter, der Vaiśya, der das Wesen von Dharma und Nutzen kannte und an Wissen gesättigt war, damals, o König, zu Jājali, der strenge Askese übte, über die feinen Punkte des Dharma.

Wort für Wort
evam uktas tulādhāro
so angesprochen, der Waagenhalter (Nom.)
brāhmaṇena yaśasvinā
vom ruhmreichen Brahmanen (Instr.)
uvāca dharmasūkṣmāṇi
sprach (Perf.) über die Feinheiten des Dharma (Akk.Pl.)
vaiśyo dharmārthatattvavit
der Vaiśya, Kenner des Wesens von Dharma und Nutzen (Nom.)
jājaliṃ kaṣṭatapasaṃ
zu Jājali, dem streng Asketischen (Akk.)
jñānatṛptas tadā nṛpa
an Wissen gesättigt (Nom.), damals, o König (Vok.)

vedāhaṃ jājale dharmaṃ sarahasyaṃ sanātanam; sarvabhūtahitaṃ maitraṃ purāṇaṃ yaṃ janā viduḥ

„Ich kenne, Jājali, den Dharma samt seiner Geheimlehre, den ewigen, den allen Wesen heilsamen, freundlichen, uralten, den die Menschen kennen.

Wort für Wort
vedāhaṃ jājale dharmaṃ
ich kenne (1.Sg.Perf.), o Jājali, den Dharma (Akk.)
sarahasyaṃ sanātanam
samt Geheimlehre, ewig (Akk.)
sarvabhūtahitaṃ maitraṃ
allen Wesen heilsam, freundlich (Akk.)
purāṇaṃ yaṃ janā viduḥ
uralt, den (Akk.) die Menschen (Nom.) kennen (3.Pl.Perf.)

adroheṇaiva bhūtānām alpadroheṇa vā punaḥ; yā vṛttiḥ sa paro dharmas tena jīvāmi jājale

Die Lebensweise, die ohne Schädigung der Wesen oder wiederum nur mit geringer Schädigung besteht, ist der höchste Dharma; davon lebe ich, Jājali.

Wort für Wort
adroheṇaiva bhūtānām
ohne Schädigung (Instr.) der Wesen (Gen.Pl.)
alpadroheṇa vā punaḥ
oder wiederum mit geringer Schädigung (Instr.)
yā vṛttiḥ sa paro dharmas
welche Lebensweise (Nom.), das ist der höchste Dharma (Nom.)
tena jīvāmi jājale
davon (Instr.) lebe ich (1.Sg.Präs.), o Jājali (Vok.)

paricchinnaiḥ kāṣṭhatṛṇair mayedaṃ śaraṇaṃ kṛtam; alaktaṃ padmakaṃ tuṅgaṃ gandhāṃś coccāvacāṃs tathā

Aus zurechtgeschnittenem Holz und Gras habe ich diese Hütte gemacht; [ich handle mit] Lack, Padmaka, Tuṅga und Düften verschiedener Art.

Wort für Wort
paricchinnaiḥ kāṣṭhatṛṇair
aus zugeschnittenem (Instr.) Holz und Gras (Instr.)
mayedaṃ śaraṇaṃ kṛtam
von mir diese Hütte gemacht (Instr./Nom./Part.)
alaktaṃ padmakaṃ tuṅgaṃ
Lack, Padmaka, Tuṅga (Akk.)
gandhāṃś coccāvacāṃs tathā
und Düfte (Akk.Pl.) hohe und niedrige [= verschiedenartige], ebenso

padmaka und tuṅga sind Duft- bzw. Handelsstoffe; genaue Bestimmung unsicher [?].

rasāṃś ca tāṃs tān viprarṣe madyavarjān ahaṃ bahūn; krītvā vai prativikrīṇe parahastād amāyayā

Und jene mannigfachen Säfte, außer berauschenden Getränken, kaufe ich ein, o Brahmanenweiser, und verkaufe sie wieder, aus fremder Hand [erworben], ohne Trug.

Wort für Wort
rasāṃś ca tāṃs tān
und Säfte (Akk.Pl.), jene und jene
viprarṣe
o Brahmanenweiser (Vok.)
madyavarjān ahaṃ bahūn
außer Rauschtränken (Akk.Pl.), ich, viele
krītvā vai prativikrīṇe
nachdem ich gekauft habe (Abs.), verkaufe ich weiter (1.Sg.Med.)
parahastād amāyayā
aus fremder Hand (Abl.), ohne Trug (Instr.)

sarveṣāṃ yaḥ suhṛn nityaṃ sarveṣāṃ ca hite rataḥ; karmaṇā manasā vācā sa dharmaṃ veda jājale

Wer allen stets Freund ist und an dem Wohl aller Freude hat, in Tat, Gedanken und Wort, der kennt den Dharma, Jājali.

Wort für Wort
sarveṣāṃ yaḥ suhṛn nityaṃ
wer aller (Gen.) Freund (Nom.) immer ist
sarveṣāṃ ca hite rataḥ
und am Wohl aller (Lok.) erfreut (Nom.)
karmaṇā manasā vācā
durch Tat, Geist, Wort (Instr.)
sa dharmaṃ veda jājale
der kennt (3.Sg.Perf.) den Dharma, o Jājali

nāhaṃ pareṣāṃ karmāṇi praśaṃsāmi śapāmi vā; ākāśasyeva viprarṣe paśyaṃl lokasya citratām

Ich lobe nicht die Taten anderer und verfluche sie nicht, o Brahmanenweiser, sondern sehe die Buntheit der Welt wie den Himmelsraum [an].

Wort für Wort
nāhaṃ pareṣāṃ karmāṇi
nicht ich, der anderen (Gen.) Taten (Akk.)
praśaṃsāmi śapāmi vā
lobe (1.Sg.), verfluche (1.Sg.) oder
ākāśasyeva viprarṣe
wie des Himmelsraums (Gen.), o Brahmanenweiser
paśyaṃl lokasya citratām
sehend (Part.), die Buntheit der Welt (Akk.)

Der Vergleich mit ākāśa ist verkürzt: wie der Raum [unberührt] die Vielfalt der Welt sieht [?].

nānurudhye virudhye vā na dveṣmi na ca kāmaye; samo 'smi sarvabhūteṣu paśya me jājale vratam

Ich füge mich nicht ein und widerstrebe nicht, ich hasse nicht und begehre nicht; gleich bin ich gegenüber allen Wesen. Sieh, Jājali, mein Gelübde.

Wort für Wort
nānurudhye virudhye vā
nicht füge ich mich an (1.Sg.Präs.Med.), noch widerstrebe ich
na dveṣmi na ca kāmaye
hasse nicht (1.Sg.), begehre nicht (1.Sg.)
samo 'smi sarvabhūteṣu
gleich bin ich (Nom./1.Sg.) unter allen Wesen (Lok.)
paśya me jājale vratam
sieh (Imp.) mein (Gen.) Gelübde (Akk.), Jājali

iṣṭāniṣṭavimuktasya prītirāgabahiṣkṛtaḥ; tulā me sarvabhūteṣu samā tiṣṭhati jājale

Für mich, der ich von Erwünschtem und Unerwünschtem gelöst und aus Zuneigung und Leidenschaft ausgeschlossen bin, steht die Waage gegenüber allen Wesen gleich, Jājali.

Wort für Wort
iṣṭāniṣṭavimuktasya
für den von Erwünschtem und Unerwünschtem Gelösten (Gen.)
prītirāgabahiṣkṛtaḥ
aus Zuneigung und Leidenschaft ausgestoßen (Nom.)
tulā me sarvabhūteṣu
die Waage (Nom.) mir (Gen.) unter allen Wesen (Lok.)
samā tiṣṭhati jājale
steht gleich (3.Sg.Präs.), o Jājali

Kasusinkongruenz im Text (Genitiv, dann Nominativ); sinngemäß auf das Ich bezogen.

iti māṃ tvaṃ vijānīhi sarvalokasya jājale; samaṃ matimatāṃ śreṣṭha samaloṣṭāśmakāñcanam

So, Jājali, erkenne mich: [als jemanden, der] gegenüber der ganzen Welt gleich [ist], du Bester der Verständigen, gleich gegenüber Erdklumpen, Stein und Gold.

Wort für Wort
iti māṃ tvaṃ vijānīhi
so mich (Akk.) du erkenne (Imp.)
sarvalokasya jājale
gegenüber der ganzen Welt (Gen.), o Jājali
samaṃ matimatāṃ śreṣṭha
gleich (Akk.), o Bester der Verständigen (Vok.)
samaloṣṭāśmakāñcanam
gleich bei Erdklumpen, Stein, Gold (Kompositum)

yathāndhabadhironmattā ucchvāsaparamāḥ sadā; devair apihitadvārāḥ sopamā paśyato mama

Wie Blinde, Taube und Verrückte, denen stets das Atmen das Höchste ist und deren Tore von den Göttern verschlossen sind – dieser Vergleich gilt für mich, der ich [so] sehe.

Wort für Wort
yathāndhabadhironmattā
wie Blinde, Taube, Verrückte (Nom.Pl.)
ucchvāsaparamāḥ sadā
das Atmen als Höchstes habend, stets
devair apihitadvārāḥ
von den Göttern verschlossene Tore habend (Nom.Pl.)
sopamā paśyato mama
dies ist der Vergleich (sā upamā, Nom.) für mich (Gen.), den Sehenden

Sinn der Stelle unsicher [?]; wörtlich: „für mich, den Sehenden“.

yathā vṛddhāturakṛśā niḥspṛhā viṣayān prati; tathārthakāmabhogeṣu mamāpi vigatā spṛhā

Wie bei einem Greis, Kranken und Abgemagerten das Verlangen nach den Sinnesobjekten geschwunden ist, so ist auch mir das Verlangen nach Besitz, Lust und Genüssen geschwunden.

Wort für Wort
yathā vṛddhāturakṛśā
wie Greis, Kranke, Abgemagerte (Nom.)
niḥspṛhā viṣayān prati
ohne Verlangen (Nom.) gegenüber den Sinnesobjekten (Akk.)
tathārthakāmabhogeṣu
so bei Besitz, Lust, Genüssen (Lok.)
mamāpi vigatā spṛhā
auch mir (Gen.) ist geschwunden (Part.) das Verlangen (Nom.)

yadā cāyaṃ na bibheti yadā cāsmān na bibhyati; yadā necchati na dveṣṭi tadā sidhyati vai dvijaḥ

Wenn dieser sich nicht fürchtet und wenn sie sich nicht vor uns fürchten, wenn er weder wünscht noch hasst, dann wird der Zweimalgeborene wahrhaft vollendet.

Wort für Wort
yadā cāyaṃ na bibheti
und wenn dieser nicht fürchtet (3.Sg.Präs.)
yadā cāsmān na bibhyati
und wenn vor uns (Akk.) sie nicht fürchten (3.Pl.)
yadā necchati na dveṣṭi
wenn er nicht wünscht, nicht hasst (3.Sg.)
tadā sidhyati vai dvijaḥ
dann wird vollendet (3.Sg.Präs.) wahrlich der Zweimalgeborene (Nom.)

yadā na kurute bhāvaṃ sarvabhūteṣu pāpakam; karmaṇā manasā vācā brahma saṃpadyate tadā

Wenn er gegenüber allen Wesen keine üble Gesinnung hegt, in Tat, Gedanken und Wort, dann gelangt er zu Brahman.

Wort für Wort
yadā na kurute bhāvaṃ
wenn er nicht hegt (3.Sg.Med.) eine Gesinnung (Akk.)
sarvabhūteṣu pāpakam
gegenüber allen Wesen (Lok.), eine üble (Akk.)
karmaṇā manasā vācā
durch Tat, Geist, Wort (Instr.)
brahma saṃpadyate tadā
zu Brahman (Nom./Akk.) gelangt er (3.Sg.Med.), dann

na bhūto na bhaviṣyaś ca na ca dharmo 'sti kaś cana; yo 'bhayaḥ sarvabhūtānāṃ sa prāpnoty abhayaṃ padam

Weder ein Gewesener noch ein Künftiger, noch irgendein Dharma ist [dabei?]; wer für alle Wesen furchtlos [ohne Bedrohung] ist, der erlangt den Ort der Furchtlosigkeit.

Wort für Wort
na bhūto na bhaviṣyaś ca
nicht ein Gewesener (Nom.) und nicht ein Künftiger
na ca dharmo 'sti kaś cana
und kein Dharma irgendeiner ist (3.Sg.)
yo 'bhayaḥ sarvabhūtānām
wer furchtlos [für] alle Wesen (Gen.Pl.) ist
sa prāpnoty abhayaṃ padam
der erlangt (3.Sg.Präs.) den furchtlosen Ort (Akk.)

Erster Halbvers dunkel; wörtlich wiedergegeben [?].

yasmād udvijate lokaḥ sarvo mṛtyumukhād iva; vākkrūrād daṇḍapāruṣyāt sa prāpnoti mahad bhayam

Vor wem die ganze Welt zurückschreckt wie vor dem Rachen des Todes, wegen grausamer Rede und Härte der Strafe, der erlangt große Furcht.

Wort für Wort
yasmād udvijate lokaḥ
vor wem zurückschreckt (3.Sg.Med.) die Welt (Nom.)
sarvo mṛtyumukhād iva
ganz, wie vor dem Rachen des Todes (Abl.)
vākkrūrād daṇḍapāruṣyāt
wegen grausamer Rede (Abl.), wegen Härte der Strafe (Abl.)
sa prāpnoti mahad bhayam
der erlangt große Furcht (Akk.)

yathāvad vartamānānāṃ vṛddhānāṃ putrapautriṇām; anuvartāmahe vṛttam ahiṃsrāṇāṃ mahātmanām

Dem Verhalten der Alten, die richtig leben, mit Söhnen und Enkeln, der Gewaltlosen und Hochherzigen, folgen wir.

Wort für Wort
yathāvad vartamānānāṃ
der recht sich Verhaltenden (Gen.Pl.)
vṛddhānāṃ putrapautriṇām
der Alten, mit Söhnen und Enkeln (Gen.Pl.)
anuvartāmahe vṛttam
wir folgen (1.Pl.Med.) dem Verhalten (Akk.)
ahiṃsrāṇāṃ mahātmanām
der Gewaltlosen, der Hochherzigen (Gen.Pl.)

pranaṣṭaḥ śāśvato dharmaḥ sadācāreṇa mohitaḥ; tena vaidyas tapasvī vā balavān vā vimohyate

Verloren gegangen ist der ewige Dharma, verwirrt durch das Verhalten der Guten; dadurch wird selbst ein Arzt, ein Asket oder ein Mächtiger verwirrt.

Wort für Wort
pranaṣṭaḥ śāśvato dharmaḥ
verloren (Part.), der ewige Dharma (Nom.)
sadācāreṇa mohitaḥ
durch das Verhalten der Guten (Instr.) verwirrt (Part.)
tena vaidyas tapasvī vā
dadurch ein Arzt oder Asket
balavān vā vimohyate
oder ein Mächtiger wird verwirrt (3.Sg.Pass.)

Lesart sadācāreṇa mohitaḥ syntaktisch nicht ganz klar [?].

ācārāj jājale prājñaḥ kṣipraṃ dharmam avāpnuyāt; evaṃ yaḥ sādhubhir dāntaś cared adrohacetasā

Aus [rechtem] Verhalten, Jājali, würde der Weise rasch den Dharma erlangen: so, wer gezähmt mit den Guten in nicht schädigender Gesinnung wandeln würde.

Wort für Wort
ācārāj jājale prājñaḥ
aus dem Verhalten (Abl.), o Jājali, der Weise (Nom.)
kṣipraṃ dharmam avāpnuyāt
rasch den Dharma erlangen würde (3.Sg.Opt.)
evaṃ yaḥ sādhubhir dāntaḥ
so wer, mit den Guten (Instr.), gezähmt
cared adrohacetasā
wandeln würde (Opt.), mit nicht schädigendem Sinn (Instr.)

nadyāṃ yathā ceha kāṣṭham uhyamānaṃ yadṛcchayā; yadṛcchayaiva kāṣṭhena saṃdhiṃ gaccheta kena cit

Wie hier auf einem Fluss ein Stück Holz, das zufällig dahingetrieben wird, zufällig mit irgendeinem [anderen] Holz zusammenkommen würde,

Wort für Wort
nadyāṃ yathā ceha
auf dem Fluss (Lok.), wie hier
kāṣṭham uhyamānaṃ yadṛcchayā
ein Holz (Nom.), getrieben (Part.Pass.), zufällig (Instr.)
yadṛcchayaiva kāṣṭhena
eben zufällig mit einem Holz (Instr.)
saṃdhiṃ gaccheta kena cit
eine Verbindung eingehen würde (Opt.) mit irgendeinem

tatrāparāṇi dārūṇi saṃsṛjyante tatas tataḥ; tṛṇakāṣṭhakarīṣāṇi kadā cinn asamīkṣayā; evam evāyam ācāraḥ prādurbhūto yatas tataḥ

dann verbinden sich dort von da und dort andere Hölzer, Gras, Holz und Dung, bisweilen ohne Bedacht; ebenso ist dieses Verhalten von irgendwoher entstanden.

Wort für Wort
tatrāparāṇi dārūṇi
dort andere Hölzer (Nom.Pl.)
saṃsṛjyante tatas tataḥ
werden verbunden (3.Pl.Pass.) von da und da
tṛṇakāṣṭhakarīṣāṇi kadā cinn asamīkṣayā
Gras, Holz, Dung, bisweilen, ohne Prüfung (Instr.)
evam evāyam ācāraḥ
ebenso dieses Verhalten (Nom.)
prādurbhūto yatas tataḥ
ist hervorgetreten (Part.), von wo auch immer

yasmān nodvijate bhūtaṃ jātu kiṃ cit kathaṃ cana; abhayaṃ sarvabhūtebhyaḥ sa prāpnoti sadā mune

Vor wem kein Wesen jemals irgendwie zurückschreckt, der erlangt stets Furchtlosigkeit vor allen Wesen, Weiser.

Wort für Wort
yasmān nodvijate bhūtaṃ
vor wem nicht zurückschreckt (3.Sg.) ein Wesen (Nom.)
jātu kiṃ cit kathaṃ cana
jemals, irgendeines, irgendwie
abhayaṃ sarvabhūtebhyaḥ
Furchtlosigkeit vor allen Wesen (Abl.)
sa prāpnoti sadā mune
der erlangt (3.Sg.), stets, o Weiser (Vok.)

yasmād udvijate vidvan sarvaloko vṛkād iva; krośatas tīram āsādya yathā sarve jalecarāḥ

Vor wem, Wissender, die ganze Welt zurückschreckt wie vor einem Wolf, [so wie] alle Wasserbewohner, wenn sie ans Ufer gelangt sind, [vor] dem Schreienden [?] –

Wort für Wort
yasmād udvijate vidvan
vor wem zurückschreckt (3.Sg.), o Wissender (Vok.)
sarvaloko vṛkād iva
die ganze Welt (Nom.), wie vor einem Wolf (Abl.)
krośatas tīram āsādya
dem Schreienden (Gen./Abl.), das Ufer erreicht habend (Abs.)
yathā sarve jalecarāḥ
wie alle Wasserbewohner (Nom.Pl.)

Zweiter Halbvers syntaktisch dunkel, Bezug unklar [?]; Satz bricht ohne Nachsatz ab.

sahāyavān dravyavān yaḥ subhago 'nyo 'paras tathā; tatas tān eva kavayaḥ śāstreṣu pravadanty uta; kīrtyartham alpahṛllekhāḥ paṭavaḥ kṛtsnanirṇayāḥ

Wer Gefährten und Besitz hat, glücklich [ist], der eine und der andere – eben von diesen sprechen die Weisen in den Lehrbüchern; um des Ruhmes willen [handelnd], mit wenig Herzensschmerz [?], gewandt, mit vollständigen Entscheidungen.

Wort für Wort
sahāyavān dravyavān yaḥ
wer Gefährten hat, Besitz hat (Nom.)
subhago 'nyo 'paras tathā
glücklich, ein anderer, wieder ein anderer, so
tatas tān eva kavayaḥ
daher von diesen eben (Akk.), die Weisen (Nom.)
śāstreṣu pravadanty uta
in den Lehrbüchern (Lok.) sprechen (3.Pl.), fürwahr
kīrtyartham alpahṛllekhāḥ
um des Ruhmes willen, mit wenig Herzensschmerz (Nom.Pl.)
paṭavaḥ kṛtsnanirṇayāḥ
gewandt, mit vollständigen Entscheidungen (Nom.Pl.)

Stelle stark verderbt oder elliptisch; Wiedergabe unsicher [?].

tapobhir yajñadānaiś ca vākyaiḥ prajñāśritais tathā; prāpnoty abhayadānasya yad yat phalam ihāśnute

Was für eine Frucht auch immer man hier durch Askesen, Opfer und Gaben sowie durch auf Weisheit gestützte Worte genießt – [eben] diese Frucht erlangt man [als Frucht] der Gabe der Furchtlosigkeit.

Wort für Wort
tapobhir yajñadānaiś ca
durch Askesen, Opfer und Gaben (Instr.Pl.)
vākyaiḥ prajñāśritais tathā
und durch auf Weisheit gestützte Worte (Instr.Pl.)
prāpnoty abhayadānasya
erlangt man [als Frucht] der Gabe der Furchtlosigkeit (3.Sg.Präs.; Gen.)
yad yat phalam
welche Frucht auch immer (Akk.Sg.n.)
iha aśnute
hier genießt man (3.Sg.Med.Präs.)

Syntax des Verses knapp und mehrdeutig; Wiedergabe mit den wenigsten Zusatzannahmen.

loke yaḥ sarvabhūtebhyo dadāty abhayadakṣiṇām; sa sarvayajñair ījānaḥ prāpnoty abhayadakṣiṇām; na bhūtānām ahiṃsāyā jyāyān dharmo 'sti kaś cana

Wer in der Welt allen Wesen die Opfergabe der Furchtlosigkeit gibt, der erlangt – als hätte er mit allen Opfern geopfert – [den Lohn] der Furchtlosigkeitsgabe. Kein Dharma ist größer als die Schonung der Wesen, [keiner] überhaupt.

Wort für Wort
loke yaḥ sarvabhūtebhyaḥ
wer in der Welt allen Wesen (Lok.; Rel.Nom.; Dat.Pl.)
dadāty abhayadakṣiṇām
gibt die Furchtlosigkeit als Opfergabe (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.f.)
sa sarvayajñair ījānaḥ
der, mit allen Opfern geopfert habend (Nom.; Part.Perf.Med.; Instr.Pl.)
prāpnoti abhayadakṣiṇām
erlangt [den Lohn] der Furchtlosigkeitsgabe (3.Sg.Präs.; Akk.)
na bhūtānām ahiṃsāyāḥ
nicht als die Nichtverletzung der Wesen (Gen.Pl.; Abl.Sg.)
jyāyān dharmo 'sti kaś cana
ein größeres Dharma ist irgendein [Dharma] (Komp.; Nom.; 3.Sg.Präs.)

yasmān nodvijate bhūtaṃ jātu kiṃ cit kathaṃ cana; so 'bhayaṃ sarvabhūtebhyaḥ saṃprāpnoti mahāmune

Vor wem kein Wesen jemals, in irgendeiner Weise, erschrickt, der erlangt Furchtlosigkeit vor allen Wesen, großer Weiser.

Wort für Wort
yasmān nodvijate bhūtaṃ
vor dem kein Wesen erschrickt (Abl.; 3.Sg.Med.Präs.; Nom.Sg.n.)
jātu kiṃ cit kathaṃ cana
jemals, irgendwie, auf irgendeine Weise (Adv.)
so 'bhayaṃ sarvabhūtebhyaḥ
der Furchtlosigkeit vor allen Wesen (Nom.; Akk.; Abl.Pl.)
saṃprāpnoti mahāmune
erlangt, großer Weiser (3.Sg.Präs.; Vok.)

yasmād udvijate lokaḥ sarpād veśmagatād iva; na sa dharmam avāpnoti iha loke paratra ca

Vor wem die Welt erschrickt wie vor einer im Haus befindlichen Schlange, der erlangt Dharma weder in dieser Welt noch im Jenseits.

Wort für Wort
yasmād udvijate lokaḥ
vor wem die Welt erschrickt (Abl.; 3.Sg.Präs.; Nom.)
sarpād veśmagatād iva
wie vor einer ins Haus gelangten/im Haus befindlichen Schlange (Abl.)
na sa dharmam avāpnoti
der erlangt kein Dharma (3.Sg.Präs.; Akk.)
iha loke paratra ca
in dieser Welt und im Jenseits (Lok.; Adv.)

sarvabhūtātmabhūtasya samyag bhūtāni paśyataḥ; devāpi mārge muhyanti apadasya padaiṣiṇaḥ

Selbst die Götter verirren sich auf dem Weg dessen, der das Selbst aller Wesen geworden ist und die Wesen recht sieht, [und] der, spurlos, nach der Spur trachtet.

Wort für Wort
sarvabhūtātmabhūtasya
dessen, der zum Selbst aller Wesen geworden ist (Gen.Sg.; Kompositum)
samyag bhūtāni paśyataḥ
der die Wesen recht sieht (Adv.; Akk.Pl.; Part.Gen.Sg.)
devāpi mārge muhyanti
selbst die Götter verwirren sich auf dem Weg (Nom.Pl.; Lok.Sg.; 3.Pl.Präs.)
apadasya padaiṣiṇaḥ
des Spurlosen, der die Spur sucht (Gen.Sg.)

Zweite Vershälfte dunkel: wörtlich ‚des Fußlosen/Spurlosen, Spur-Suchenden‘; Beziehung der Genitive zum ‚Weg‘ unsicher.

dānaṃ bhūtābhayasyāhuḥ sarvadānebhya uttamam; bravīmi te satyam idaṃ śraddadhasva ca jājale

Die Gabe der Furchtlosigkeit gegenüber den Wesen nennt man die höchste unter allen Gaben. Ich sage dir die Wahrheit, und glaube dies, Jājali.

Wort für Wort
dānaṃ bhūtābhayasya
die Gabe der Furchtlosigkeit gegenüber Wesen (Akk.Sg.n.; Gen.)
āhuḥ sarvadānebhya uttamam
man nennt sie die höchste unter allen Gaben (3.Pl.Perf.; Abl.Pl.; Akk.)
bravīmi te satyam idam
ich sage dir dies Wahre (1.Sg.Präs.; Dat.; Akk.)
śraddadhasva ca jājale
und glaube [es], Jājali (Imp.Med.; Vok.)

sa eva subhago bhūtvā punar bhavati durbhagaḥ; vyāpattiṃ karmaṇāṃ dṛṣṭvā jugupsanti janāḥ sadā

Eben der, der [zunächst] glücklich geworden ist, wird wieder unglücklich; das Mißlingen der Taten sehend, verabscheuen die Menschen [ihn] stets.

Wort für Wort
sa eva subhago bhūtvā
eben der, glücklich/vom Glück begünstigt geworden (Nom.; Abs.)
punar bhavati durbhagaḥ
wird wieder unglücklich (3.Sg.Präs.; Nom.)
vyāpattiṃ karmaṇāṃ dṛṣṭvā
das Mißlingen der Taten gesehen habend (Akk.Sg.; Gen.Pl.; Abs.)
jugupsanti janāḥ sadā
verabscheuen, die Leute, stets (3.Pl.Desid.; Nom.Pl.)

Bezug und Sinn im Kontext unklar; wörtliche Wiedergabe.

akāraṇo hi nehāsti dharmaḥ sūkṣmo 'pi jājale; bhūtabhavyārtham eveha dharmapravacanaṃ kṛtam

Denn ohne Grund gibt es hier kein Dharma, auch kein feines, Jājali; um des Gewordenen und des Künftigen willen ist hier die Darlegung des Dharma gemacht worden.

Wort für Wort
akāraṇo hi nehāsti
denn grundlos ist hier nicht vorhanden (Adj.; 3.Sg.Präs.)
dharmaḥ sūkṣmo 'pi jājale
ein Dharma, auch ein feines, Jājali (Nom.; Vok.)
bhūtabhavyārtham eva iha
eben um des Gewordenen und Künftigen willen hier (Adv.)
dharmapravacanaṃ kṛtam
die Dharma-Darlegung ist gemacht (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)

sūkṣmatvān na sa vijñātuṃ śakyate bahunihnavaḥ; upalabhyāntarā cānyān ācārān avabudhyate

Wegen seiner Feinheit kann er nicht erkannt werden, [denn] er hat viele Verhüllungen; und erst nachdem man dazwischen andere Bräuche wahrgenommen hat, wird er erkannt.

Wort für Wort
sūkṣmatvān na sa vijñātuṃ śakyate
wegen der Feinheit kann er nicht erkannt werden (Abl.; Inf.; 3.Sg.Pass.)
bahunihnavaḥ
mit vielen Verhüllungen/Verleugnungen (Nom.; Bahuvrīhi)
upalabhya antarā ca
und nachdem man [es] wahrgenommen hat, dazwischen (Abs.; Adv.)
anyān ācārān avabudhyate
andere Bräuche; er wird erkannt (Akk.Pl.; 3.Sg.Pass.)

Zweite Vershälfte syntaktisch unsicher; ‚antarā‘ und Bezug von ‚anyān ācārān‘ mehrdeutig.

ye ca chindanti vṛṣaṇān ye ca bhindanti nastakān; vahanti mahato bhārān badhnanti damayanti ca

Und die, die Stiere entmannen, und die, die den Rindern die Nasen durchbohren; die schwere Lasten tragen lassen, sie binden und zähmen –

Wort für Wort
ye ca chindanti vṛṣaṇān
und die abschneiden die Hoden (Rel.Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
ye ca bhindanti nastakān
und die durchbohren die Nasen(löcher) (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
vahanti mahato bhārān
[lassen] tragen große Lasten (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
badhnanti damayanti ca
binden und zähmen (3.Pl.Präs.; Kaus.)

‚vahanti‘ ist Aktiv (‚tragen‘); kausative Bedeutung ergänzt. ‚nastaka‘ = Nasenloch/Nasenseil.

hatvā sattvāni khādanti tān kathaṃ na vigarhase; mānuṣā mānuṣān eva dāsabhogena buñjate

[die] Wesen töten und essen – warum tadelst du sie nicht? Menschen genießen sogar Menschen durch Sklavennutzung.

Wort für Wort
hatvā sattvāni khādanti
nachdem sie Wesen getötet haben, essen sie (Abs.; Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.)
tān kathaṃ na vigarhase
sie – warum tadelst du nicht (Akk.; 2.Sg.Med.Präs.)
mānuṣā mānuṣān eva
Menschen gerade Menschen (Nom.Pl.; Akk.Pl.)
dāsabhogena buñjate
durch Sklavennutzung genießen sie (Instr.; 3.Pl.Med.Präs.)

vadhabandhavirodhena kārayanti divāniśam; ātmanā cāpi jānāsi yad duḥkhaṃ vadhatāḍane

Durch Tötung, Fesselung und Zwang lassen sie sie Tag und Nacht [arbeiten]; und du weißt ja selbst, welches Leid in Tötung und Prügel liegt.

Wort für Wort
vadhabandhavirodhena
durch Tötung, Fesselung und Einsperrung/Zwang (Instr.; Kompositum)
kārayanti divāniśam
lassen [arbeiten] Tag und Nacht (3.Pl.Kaus.; Adv.)
ātmanā cāpi jānāsi
und du weißt auch selbst (Instr.; 2.Sg.Präs.)
yad duḥkhaṃ vadhatāḍane
welches Leid in Tötung und Schlägen [ist] (Akk.Sg.n.; Lok.)

pañcendriyeṣu bhūteṣu sarvaṃ vasati daivatam; ādityaś candramā vāyur brahmā prāṇaḥ kratur yamaḥ

In den fünfsinnigen Wesen wohnt jede Gottheit: Āditya, der Mond, der Wind, Brahmā, der Lebensatem, Kratu, Yama.

Wort für Wort
pañcendriyeṣu bhūteṣu
in den mit fünf Sinnen [begabten] Wesen (Lok.Pl.)
sarvaṃ vasati daivatam
jede Gottheit wohnt (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
ādityaś candramā vāyuḥ
Āditya, Mond, Wind (Nom.Sg.)
brahmā prāṇaḥ kratur yamaḥ
Brahmā, Lebensatem, Kratu, Yama (Nom.Sg.)

tāni jīvāni vikrīya kā mṛteṣu vicāraṇā

Nachdem man diese Lebewesen verkauft hat – was für eine Erwägung [gilt] bei den Toten?

Wort für Wort
tāni jīvāni
diese Lebewesen (Akk.Pl.n.)
vikrīya
nachdem man verkauft hat (Abs.)
kā mṛteṣu vicāraṇā
was für eine Erwägung bei den Toten (Nom.Sg.f.; Lok.Pl.)

Der Halbvers ist knapp; ‚Tote‘ meint wohl die getöteten Tiere, ‚Erwägung‘ die Frage nach dem Unterschied im Verkauf.

ajo 'gnir varuṇo meṣaḥ sūryo 'śvaḥ pṛthivī virāṭ; dhenur vatsaś ca somo vai vikrīyaitan na sidhyati

Ziege [ist] Agni, Varuṇa das Schaf, Sūrya das Pferd, die Erde Virāj, Kuh und Kalb Soma; wenn man diese verkauft, gelingt es nicht.

Wort für Wort
ajo 'gnir varuṇo meṣaḥ
die Ziege [ist] Agni, das Schaf Varuṇa (Nom.Sg.)
sūryo 'śvaḥ pṛthivī virāṭ
Sūrya das Pferd, Pṛthivī die Virāj (Nom.Sg.)
dhenur vatsaś ca somo vai
Kuh und Kalb, wahrlich Soma (Nom.Sg.)
vikrīya etan na sidhyati
nachdem man dies verkauft hat, gelingt es nicht (Abs.; 3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0704); die Zuordnung der Gottheiten zu den Tieren ist teils elliptisch, teils mehrdeutig.

kā taile kā ghṛte brahman madhuny apsv auṣadheṣu vā

Was [gilt] bei Öl, was bei Ghee, Brahmane, bei Honig, bei Wasser oder bei Kräutern?

Wort für Wort
kā taile
was bei Öl (Nom.Sg.f.; Lok.)
kā ghṛte brahman
was bei Ghee, Brahmane (Lok.; Vok.)
madhuni apsu
bei Honig, bei Wassern (Lok.Sg.; Lok.Pl.)
auṣadheṣu vā
oder bei Kräutern (Lok.Pl.)

Elliptisch; ‚kā‘ knüpft an ‚kā mṛteṣu vicāraṇā‘ an (sinngemäß: welche Erwägung/welcher Unterschied).

adaṃśamaśake deśe sukhaṃ saṃvardhitān paśūn; tāṃś ca mātuḥ priyāñ jānann ākramya bahudhā narāḥ; bahudaṃśakuśān deśān nayanti bahukardamān

Tiere, die in einem Land ohne Bremsen und Mücken bequem aufgezogen wurden – und wissend, dass sie ihrer Mutter lieb sind, treiben die Menschen sie auf vielfache Weise, sie überwältigend, in Länder mit vielen Bremsen, Kuśa-Gras und viel Schlamm.

Wort für Wort
adaṃśamaśake deśe
in einem Land ohne Bremsen und Mücken (Lok.)
sukhaṃ saṃvardhitān paśūn
die bequem aufgezogenen Tiere (Adv.; Part.Pass.Akk.Pl.)
tāṃś ca mātuḥ priyāñ jānann
und sie als der Mutter lieb wissend (Akk.Pl.; Gen.; Part.Präs.)
ākramya bahudhā narāḥ
sie überwältigend, auf vielfache Weise, die Männer (Abs.; Adv.; Nom.Pl.)
bahudaṃśakuśān deśān
Länder mit vielen Bremsen und Kuśa-Gras (Akk.Pl.)
nayanti bahukardamān
führen sie, [Länder] mit viel Schlamm (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)

vāhasaṃpīḍitā dhuryāḥ sīdanty avidhināpare; na manye bhrūṇahatyāpi viśiṣṭā tena karmaṇā

Zugtiere sinken, von der Last des Ziehens bedrängt, nieder; andere [gehen] auf unrechte Weise [zugrunde]. Ich glaube nicht, dass selbst Embryomord jener Tat gegenüber hervorsticht.

Wort für Wort
vāhasaṃpīḍitā dhuryāḥ
vom Zug/von der Last bedrängt, die Zugtiere (Nom.Pl.)
sīdanty avidhināpare
sinken nieder; ohne Regel/unrecht, andere (3.Pl.Präs.; Instr.; Nom.Pl.)
na manye bhrūṇahatyāpi
ich glaube nicht, selbst Embryomord (1.Sg.Med.Präs.; Nom.Sg.f.)
viśiṣṭā tena karmaṇā
hervorragender/schlimmer als jene Tat (Nom.Sg.f.; Instr.)

‚viśiṣṭā tena karmaṇā‘ mit Instrumental des Vergleichs gedeutet; Sinn: Embryomord ist nicht schlimmer als diese Tat [?].

kṛṣiṃ sādhv iti manyante sā ca vṛttiḥ sudāruṇā; bhūmiṃ bhūmiśayāṃś caiva hanti kāṣṭham ayomukham; tathaivānaḍuho yuktān samavekṣasva jājale

Den Ackerbau halten sie für gut, doch dieser Lebensunterhalt ist überaus grausam; die Erde und die in der Erde Liegenden [Wesen] erschlägt das eisenspitzige Holz. Ebenso sieh die eingespannten Stiere, Jājali.

Wort für Wort
kṛṣiṃ sādhv iti manyante
den Ackerbau [halten sie] für gut, so meinen sie (Akk.; 3.Pl.Präs.)
sā ca vṛttiḥ sudāruṇā
und dieser Lebensunterhalt ist sehr grausam (Nom.Sg.f.)
bhūmiṃ bhūmiśayāṃś caiva
die Erde und die Erdbewohner (Akk.; Akk.Pl.)
hanti kāṣṭham ayomukham
erschlägt das eisenspitzige Holz (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.)
tathaiva anaḍuho yuktān
ebenso die eingespannten Stiere (Akk.Pl.)
samavekṣasva jājale
sieh genau hin, Jājali (Imp.Med.; Vok.)

‚kāṣṭham ayomukham‘ = der eisenbeschlagene Pflug bzw. Pflugschar.

aghnyā iti gavāṃ nāma ka enān hantum arhati; mahac cakārākuśalaṃ pṛṣadhro gālabhann iva

‚Aghnyā‘ [„die nicht zu Tötende“] ist der Name der Kühe – wer darf sie töten? Ein großes Unheil hat Pṛṣadhra begangen, als er die Kuh [gleichsam] anfasste/schlachtete.

Wort für Wort
aghnyā iti gavāṃ nāma
„Aghnyā“, so der Name der Kühe (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)
ka enān hantum arhati
wer darf sie töten (Nom.; Akk.Pl.; Inf.; 3.Sg.Präs.)
mahac cakārākuśalaṃ
ein großes Unheil hat er getan (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Perf.)
pṛṣadhro gālabhann iva
Pṛṣadhra, als er die Kuh gleichsam angriff/schlachtete (Nom.; Part.Präs.)

‚gālabhann‘ = gām + ālabhan; Bedeutung von ‚ā-labh‘ (anfassen/angreifen/schlachten) unsicher [?].

ṛṣayo yatayo hy etan nahuṣe pratyavedayan; gāṃ mātaraṃ cāpy avadhīr vṛṣabhaṃ ca prajāpatim; akāryaṃ nahuṣākārṣīr lapsyāmas tvatkṛte bhayam

Die Seher und Asketen meldeten dies dem Nahuṣa: „Die Kuh, die Mutter, hast du getötet und den Stier, den Prajāpati; Unziemliches hast du getan, Nahuṣa; durch dich werden wir Furcht erfahren.“

Wort für Wort
ṛṣayo yatayo hy etan
die Seher und Asketen dies (Nom.Pl.; Akk.Sg.n.)
nahuṣe pratyavedayan
meldeten dem Nahuṣa (Lok./Dat.; 3.Pl.Impf.Kaus.)
gāṃ mātaraṃ cāpy avadhīr
die Kuh, die Mutter, hast du getötet (Akk.; 2.Sg.Aor.)
vṛṣabhaṃ ca prajāpatim
und den Stier, den Prajāpati (Akk.Sg.)
akāryaṃ nahuṣākārṣīḥ
Unziemliches hast du getan, Nahuṣa (Akk.; Vok.; 2.Sg.Aor.)
lapsyāmas tvatkṛte bhayam
wir werden erlangen durch dich Furcht (1.Pl.Fut.Med.; Akk.)

śataṃ caikaṃ ca rogāṇāṃ sarvabhūteṣv apātayan; ṛṣayas te mahābhāgāḥ prajāsv eva hi jājale; bhrūṇahaṃ nahuṣaṃ tv āhur na te hoṣyāmahe haviḥ

Hundert und eine Krankheiten ließen jene hochgesegneten Seher auf alle Wesen fallen, eben auf die Geschöpfe, Jājali; „Einen Embryomörder nennen sie den Nahuṣa; wir werden dir keine Opfergabe opfern.“

Wort für Wort
śataṃ caikaṃ ca rogāṇāṃ
hundert und eine der Krankheiten (Akk.; Gen.Pl.)
sarvabhūteṣv apātayan
ließen unter allen Wesen fallen (Lok.Pl.; 3.Pl.Impf.Kaus.)
ṛṣayas te mahābhāgāḥ
jene Seher, hochgesegnet (Nom.Pl.)
prajāsv eva hi jājale
eben auf die Geschöpfe, Jājali (Lok.Pl.; Vok.)
bhrūṇahaṃ nahuṣaṃ tv āhuḥ
einen Embryomörder nennen sie den Nahuṣa (Akk.; 3.Pl.Perf.)
na te hoṣyāmahe haviḥ
wir werden dir keine Opfergabe opfern (Dat./Gen.; 1.Pl.Fut.Med.; Akk.)

Rede- und Erzählebene ineinander verschränkt; ‚te‘ als Bezug auf Nahuṣa gedeutet.

ity uktvā te mahātmānaḥ sarve tattvārthadarśinaḥ; ṛṣayo yatayaḥ śāntās tarasā pratyavedayan

So sprechend, meldeten jene hochgesinnten, das wahre Ziel schauenden, gebändigten Seher und Asketen es ungestüm.

Wort für Wort
ity uktvā te mahātmānaḥ
so gesprochen habend, jene Hochgesinnten (Abs.; Nom.Pl.)
sarve tattvārthadarśinaḥ
alle, die das wahre Ziel Schauenden (Nom.Pl.)
ṛṣayo yatayaḥ śāntāḥ
die Seher, Asketen, beruhigten (Nom.Pl.)
tarasā pratyavedayan
ungestüm meldeten sie (Instr.Adv.; 3.Pl.Impf.Kaus.)

īdṛśān aśivān ghorān ācārān iha jājale; kevalācaritatvāt tu nipuṇān nāvabudhyase

Solche unheilvollen, furchtbaren Bräuche [gibt es] hier, Jājali; weil du [sie] bloß [nach Brauch] befolgt hast, durchschaust du [ihre] Feinheiten nicht.

Wort für Wort
īdṛśān aśivān ghorān
solche unheilvollen, furchtbaren (Akk.Pl.m.)
ācārān iha jājale
Bräuche hier, Jājali (Akk.Pl.; Vok.)
kevalācaritatvāt tu
aber wegen des bloßen Befolgens (Abl.Sg.; Kompositum)
nipuṇān nāvabudhyase
du erkennst [ihre] Feinheiten nicht (Akk.Pl.; 2.Sg.Med.Präs.)

‚nipuṇān‘ als ‚die Feinheiten/das Feine‘ gedeutet; Zusammenhang mit ‚īdṛśān … ācārān‘ locker [?].

kāraṇād dharmam anvicchen na lokacaritaṃ caret; yo hanyād yaś ca māṃ stauti tatrāpi śṛṇu jājale

Aus einem Grund soll man Dharma suchen, nicht dem Weltbrauch folgen. Auch wenn einer mich erschlägt und einer mich preist – höre auch dazu, Jājali.

Wort für Wort
kāraṇād dharmam anvicchet
aus Grund soll man Dharma suchen (Abl.; Akk.; Opt.)
na lokacaritaṃ caret
nicht folge man dem Weltbrauch (Akk.; Opt.)
yo hanyād yaś ca māṃ stauti
wer mich erschlüge und wer mich preist (Opt.; Präs.)
tatrāpi śṛṇu jājale
auch dabei höre, Jājali (Imp.; Vok.)

samau tāv api me syātāṃ na hi me staḥ priyāpriye; etad īdṛśakaṃ dharmaṃ praśaṃsanti manīṣiṇaḥ

Beide wären mir gleich, denn für mich gibt es weder Liebes noch Unliebes. Einen solchen Dharma preisen die Weisen.

Wort für Wort
samau tāv api me syātām
gleich wären auch diese beiden mir (Nom.Du.; Opt.)
na hi me staḥ priyāpriye
denn nicht sind mir Liebes und Unliebes (3.Du.Präs.; Nom.Du.n.)
etad īdṛśakaṃ dharmaṃ
diesen so beschaffenen Dharma (Akk.Sg.)
praśaṃsanti manīṣiṇaḥ
preisen die Weisen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

upapattyā hi saṃpanno yatibhiś caiva sevyate; satataṃ dharmaśīlaiś ca naipuṇyenopalakṣitaḥ

Denn er ist durch Schlüssigkeit begründet und wird von den Asketen geübt, stets auch von den dem Dharma Ergebenen, und ist durch Feinheit gekennzeichnet.

Wort für Wort
upapattyā hi saṃpannaḥ
denn durch Schlüssigkeit ausgestattet (Instr.; Nom.Sg.m.)
yatibhiś caiva sevyate
und von den Asketen wird er geübt (Instr.Pl.; 3.Sg.Pass.)
satataṃ dharmaśīlaiś ca
und stets von den Dharma-Gesinnten (Adv.; Instr.Pl.)
naipuṇyenopalakṣitaḥ
durch Feinheit gekennzeichnet (Instr.; Part.Pass.Nom.)

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