Kapitel 254: tulādhāravacanam (ahiṃsādharmopadeśaḥ)
Der Waagenhalter lehrt Jājali den Dharma der Gewaltlosigkeit und der Furchtlosigkeit
Fortsetzung des Gesprächs zwischen dem Asketen Jājali und dem Händler Tulādhāra: Dieser legt dar, dass sein Dharma in Nichtschädigung, Gleichmut und dem Geben von Furchtlosigkeit besteht, und kritisiert Viehzucht, Ackerbau und Tötung von Tieren.
So vom ruhmreichen Brahmanen angesprochen, sprach der Waagenhalter, der Vaiśya, der das Wesen von Dharma und Nutzen kannte und an Wissen gesättigt war, damals, o König, zu Jājali, der strenge Askese übte, über die feinen Punkte des Dharma.
Wort für Wort
evam uktas tulādhāro
so angesprochen, der Waagenhalter (Nom.)
brāhmaṇena yaśasvinā
vom ruhmreichen Brahmanen (Instr.)
uvāca dharmasūkṣmāṇi
sprach (Perf.) über die Feinheiten des Dharma (Akk.Pl.)
vaiśyo dharmārthatattvavit
der Vaiśya, Kenner des Wesens von Dharma und Nutzen (Nom.)
jājaliṃ kaṣṭatapasaṃ
zu Jājali, dem streng Asketischen (Akk.)
jñānatṛptas tadā nṛpa
an Wissen gesättigt (Nom.), damals, o König (Vok.)
rasāṃś ca tāṃs tān viprarṣe madyavarjān ahaṃ bahūn; krītvā vai prativikrīṇe parahastād amāyayā
Und jene mannigfachen Säfte, außer berauschenden Getränken, kaufe ich ein, o Brahmanenweiser, und verkaufe sie wieder, aus fremder Hand [erworben], ohne Trug.
Wort für Wort
rasāṃś ca tāṃs tān
und Säfte (Akk.Pl.), jene und jene
viprarṣe
o Brahmanenweiser (Vok.)
madyavarjān ahaṃ bahūn
außer Rauschtränken (Akk.Pl.), ich, viele
krītvā vai prativikrīṇe
nachdem ich gekauft habe (Abs.), verkaufe ich weiter (1.Sg.Med.)
iṣṭāniṣṭavimuktasya prītirāgabahiṣkṛtaḥ; tulā me sarvabhūteṣu samā tiṣṭhati jājale
Für mich, der ich von Erwünschtem und Unerwünschtem gelöst und aus Zuneigung und Leidenschaft ausgeschlossen bin, steht die Waage gegenüber allen Wesen gleich, Jājali.
Wort für Wort
iṣṭāniṣṭavimuktasya
für den von Erwünschtem und Unerwünschtem Gelösten (Gen.)
prītirāgabahiṣkṛtaḥ
aus Zuneigung und Leidenschaft ausgestoßen (Nom.)
tulā me sarvabhūteṣu
die Waage (Nom.) mir (Gen.) unter allen Wesen (Lok.)
samā tiṣṭhati jājale
steht gleich (3.Sg.Präs.), o Jājali
Kasusinkongruenz im Text (Genitiv, dann Nominativ); sinngemäß auf das Ich bezogen.
So, Jājali, erkenne mich: [als jemanden, der] gegenüber der ganzen Welt gleich [ist], du Bester der Verständigen, gleich gegenüber Erdklumpen, Stein und Gold.
yathāndhabadhironmattā ucchvāsaparamāḥ sadā; devair apihitadvārāḥ sopamā paśyato mama
Wie Blinde, Taube und Verrückte, denen stets das Atmen das Höchste ist und deren Tore von den Göttern verschlossen sind – dieser Vergleich gilt für mich, der ich [so] sehe.
Wort für Wort
yathāndhabadhironmattā
wie Blinde, Taube, Verrückte (Nom.Pl.)
ucchvāsaparamāḥ sadā
das Atmen als Höchstes habend, stets
devair apihitadvārāḥ
von den Göttern verschlossene Tore habend (Nom.Pl.)
sopamā paśyato mama
dies ist der Vergleich (sā upamā, Nom.) für mich (Gen.), den Sehenden
Sinn der Stelle unsicher [?]; wörtlich: „für mich, den Sehenden“.
Wie bei einem Greis, Kranken und Abgemagerten das Verlangen nach den Sinnesobjekten geschwunden ist, so ist auch mir das Verlangen nach Besitz, Lust und Genüssen geschwunden.
Wort für Wort
yathā vṛddhāturakṛśā
wie Greis, Kranke, Abgemagerte (Nom.)
niḥspṛhā viṣayān prati
ohne Verlangen (Nom.) gegenüber den Sinnesobjekten (Akk.)
tathārthakāmabhogeṣu
so bei Besitz, Lust, Genüssen (Lok.)
mamāpi vigatā spṛhā
auch mir (Gen.) ist geschwunden (Part.) das Verlangen (Nom.)
yadā cāyaṃ na bibheti yadā cāsmān na bibhyati; yadā necchati na dveṣṭi tadā sidhyati vai dvijaḥ
Wenn dieser sich nicht fürchtet und wenn sie sich nicht vor uns fürchten, wenn er weder wünscht noch hasst, dann wird der Zweimalgeborene wahrhaft vollendet.
Wort für Wort
yadā cāyaṃ na bibheti
und wenn dieser nicht fürchtet (3.Sg.Präs.)
yadā cāsmān na bibhyati
und wenn vor uns (Akk.) sie nicht fürchten (3.Pl.)
yadā necchati na dveṣṭi
wenn er nicht wünscht, nicht hasst (3.Sg.)
tadā sidhyati vai dvijaḥ
dann wird vollendet (3.Sg.Präs.) wahrlich der Zweimalgeborene (Nom.)
na bhūto na bhaviṣyaś ca na ca dharmo 'sti kaś cana; yo 'bhayaḥ sarvabhūtānāṃ sa prāpnoty abhayaṃ padam
Weder ein Gewesener noch ein Künftiger, noch irgendein Dharma ist [dabei?]; wer für alle Wesen furchtlos [ohne Bedrohung] ist, der erlangt den Ort der Furchtlosigkeit.
Wort für Wort
na bhūto na bhaviṣyaś ca
nicht ein Gewesener (Nom.) und nicht ein Künftiger
na ca dharmo 'sti kaś cana
und kein Dharma irgendeiner ist (3.Sg.)
yo 'bhayaḥ sarvabhūtānām
wer furchtlos [für] alle Wesen (Gen.Pl.) ist
sa prāpnoty abhayaṃ padam
der erlangt (3.Sg.Präs.) den furchtlosen Ort (Akk.)
Erster Halbvers dunkel; wörtlich wiedergegeben [?].
Aus [rechtem] Verhalten, Jājali, würde der Weise rasch den Dharma erlangen: so, wer gezähmt mit den Guten in nicht schädigender Gesinnung wandeln würde.
Wort für Wort
ācārāj jājale prājñaḥ
aus dem Verhalten (Abl.), o Jājali, der Weise (Nom.)
kṣipraṃ dharmam avāpnuyāt
rasch den Dharma erlangen würde (3.Sg.Opt.)
evaṃ yaḥ sādhubhir dāntaḥ
so wer, mit den Guten (Instr.), gezähmt
cared adrohacetasā
wandeln würde (Opt.), mit nicht schädigendem Sinn (Instr.)
dann verbinden sich dort von da und dort andere Hölzer, Gras, Holz und Dung, bisweilen ohne Bedacht; ebenso ist dieses Verhalten von irgendwoher entstanden.
Wort für Wort
tatrāparāṇi dārūṇi
dort andere Hölzer (Nom.Pl.)
saṃsṛjyante tatas tataḥ
werden verbunden (3.Pl.Pass.) von da und da
tṛṇakāṣṭhakarīṣāṇi kadā cinn asamīkṣayā
Gras, Holz, Dung, bisweilen, ohne Prüfung (Instr.)
Vor wem, Wissender, die ganze Welt zurückschreckt wie vor einem Wolf, [so wie] alle Wasserbewohner, wenn sie ans Ufer gelangt sind, [vor] dem Schreienden [?] –
Wort für Wort
yasmād udvijate vidvan
vor wem zurückschreckt (3.Sg.), o Wissender (Vok.)
sarvaloko vṛkād iva
die ganze Welt (Nom.), wie vor einem Wolf (Abl.)
krośatas tīram āsādya
dem Schreienden (Gen./Abl.), das Ufer erreicht habend (Abs.)
yathā sarve jalecarāḥ
wie alle Wasserbewohner (Nom.Pl.)
Zweiter Halbvers syntaktisch dunkel, Bezug unklar [?]; Satz bricht ohne Nachsatz ab.
Wer Gefährten und Besitz hat, glücklich [ist], der eine und der andere – eben von diesen sprechen die Weisen in den Lehrbüchern; um des Ruhmes willen [handelnd], mit wenig Herzensschmerz [?], gewandt, mit vollständigen Entscheidungen.
Wort für Wort
sahāyavān dravyavān yaḥ
wer Gefährten hat, Besitz hat (Nom.)
subhago 'nyo 'paras tathā
glücklich, ein anderer, wieder ein anderer, so
tatas tān eva kavayaḥ
daher von diesen eben (Akk.), die Weisen (Nom.)
śāstreṣu pravadanty uta
in den Lehrbüchern (Lok.) sprechen (3.Pl.), fürwahr
kīrtyartham alpahṛllekhāḥ
um des Ruhmes willen, mit wenig Herzensschmerz (Nom.Pl.)
paṭavaḥ kṛtsnanirṇayāḥ
gewandt, mit vollständigen Entscheidungen (Nom.Pl.)
Stelle stark verderbt oder elliptisch; Wiedergabe unsicher [?].
tapobhir yajñadānaiś ca vākyaiḥ prajñāśritais tathā; prāpnoty abhayadānasya yad yat phalam ihāśnute
Was für eine Frucht auch immer man hier durch Askesen, Opfer und Gaben sowie durch auf Weisheit gestützte Worte genießt – [eben] diese Frucht erlangt man [als Frucht] der Gabe der Furchtlosigkeit.
Wort für Wort
tapobhir yajñadānaiś ca
durch Askesen, Opfer und Gaben (Instr.Pl.)
vākyaiḥ prajñāśritais tathā
und durch auf Weisheit gestützte Worte (Instr.Pl.)
prāpnoty abhayadānasya
erlangt man [als Frucht] der Gabe der Furchtlosigkeit (3.Sg.Präs.; Gen.)
yad yat phalam
welche Frucht auch immer (Akk.Sg.n.)
iha aśnute
hier genießt man (3.Sg.Med.Präs.)
Syntax des Verses knapp und mehrdeutig; Wiedergabe mit den wenigsten Zusatzannahmen.
loke yaḥ sarvabhūtebhyo dadāty abhayadakṣiṇām; sa sarvayajñair ījānaḥ prāpnoty abhayadakṣiṇām; na bhūtānām ahiṃsāyā jyāyān dharmo 'sti kaś cana
Wer in der Welt allen Wesen die Opfergabe der Furchtlosigkeit gibt, der erlangt – als hätte er mit allen Opfern geopfert – [den Lohn] der Furchtlosigkeitsgabe. Kein Dharma ist größer als die Schonung der Wesen, [keiner] überhaupt.
Wort für Wort
loke yaḥ sarvabhūtebhyaḥ
wer in der Welt allen Wesen (Lok.; Rel.Nom.; Dat.Pl.)
dadāty abhayadakṣiṇām
gibt die Furchtlosigkeit als Opfergabe (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.f.)
sa sarvayajñair ījānaḥ
der, mit allen Opfern geopfert habend (Nom.; Part.Perf.Med.; Instr.Pl.)
prāpnoti abhayadakṣiṇām
erlangt [den Lohn] der Furchtlosigkeitsgabe (3.Sg.Präs.; Akk.)
na bhūtānām ahiṃsāyāḥ
nicht als die Nichtverletzung der Wesen (Gen.Pl.; Abl.Sg.)
jyāyān dharmo 'sti kaś cana
ein größeres Dharma ist irgendein [Dharma] (Komp.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
Selbst die Götter verirren sich auf dem Weg dessen, der das Selbst aller Wesen geworden ist und die Wesen recht sieht, [und] der, spurlos, nach der Spur trachtet.
Wort für Wort
sarvabhūtātmabhūtasya
dessen, der zum Selbst aller Wesen geworden ist (Gen.Sg.; Kompositum)
samyag bhūtāni paśyataḥ
der die Wesen recht sieht (Adv.; Akk.Pl.; Part.Gen.Sg.)
devāpi mārge muhyanti
selbst die Götter verwirren sich auf dem Weg (Nom.Pl.; Lok.Sg.; 3.Pl.Präs.)
apadasya padaiṣiṇaḥ
des Spurlosen, der die Spur sucht (Gen.Sg.)
Zweite Vershälfte dunkel: wörtlich ‚des Fußlosen/Spurlosen, Spur-Suchenden‘; Beziehung der Genitive zum ‚Weg‘ unsicher.
Denn ohne Grund gibt es hier kein Dharma, auch kein feines, Jājali; um des Gewordenen und des Künftigen willen ist hier die Darlegung des Dharma gemacht worden.
Wort für Wort
akāraṇo hi nehāsti
denn grundlos ist hier nicht vorhanden (Adj.; 3.Sg.Präs.)
dharmaḥ sūkṣmo 'pi jājale
ein Dharma, auch ein feines, Jājali (Nom.; Vok.)
bhūtabhavyārtham eva iha
eben um des Gewordenen und Künftigen willen hier (Adv.)
dharmapravacanaṃ kṛtam
die Dharma-Darlegung ist gemacht (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
sūkṣmatvān na sa vijñātuṃ śakyate bahunihnavaḥ; upalabhyāntarā cānyān ācārān avabudhyate
Wegen seiner Feinheit kann er nicht erkannt werden, [denn] er hat viele Verhüllungen; und erst nachdem man dazwischen andere Bräuche wahrgenommen hat, wird er erkannt.
Wort für Wort
sūkṣmatvān na sa vijñātuṃ śakyate
wegen der Feinheit kann er nicht erkannt werden (Abl.; Inf.; 3.Sg.Pass.)
bahunihnavaḥ
mit vielen Verhüllungen/Verleugnungen (Nom.; Bahuvrīhi)
upalabhya antarā ca
und nachdem man [es] wahrgenommen hat, dazwischen (Abs.; Adv.)
anyān ācārān avabudhyate
andere Bräuche; er wird erkannt (Akk.Pl.; 3.Sg.Pass.)
Zweite Vershälfte syntaktisch unsicher; ‚antarā‘ und Bezug von ‚anyān ācārān‘ mehrdeutig.
ajo 'gnir varuṇo meṣaḥ sūryo 'śvaḥ pṛthivī virāṭ; dhenur vatsaś ca somo vai vikrīyaitan na sidhyati
Ziege [ist] Agni, Varuṇa das Schaf, Sūrya das Pferd, die Erde Virāj, Kuh und Kalb Soma; wenn man diese verkauft, gelingt es nicht.
Wort für Wort
ajo 'gnir varuṇo meṣaḥ
die Ziege [ist] Agni, das Schaf Varuṇa (Nom.Sg.)
sūryo 'śvaḥ pṛthivī virāṭ
Sūrya das Pferd, Pṛthivī die Virāj (Nom.Sg.)
dhenur vatsaś ca somo vai
Kuh und Kalb, wahrlich Soma (Nom.Sg.)
vikrīya etan na sidhyati
nachdem man dies verkauft hat, gelingt es nicht (Abs.; 3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0704); die Zuordnung der Gottheiten zu den Tieren ist teils elliptisch, teils mehrdeutig.
Tiere, die in einem Land ohne Bremsen und Mücken bequem aufgezogen wurden – und wissend, dass sie ihrer Mutter lieb sind, treiben die Menschen sie auf vielfache Weise, sie überwältigend, in Länder mit vielen Bremsen, Kuśa-Gras und viel Schlamm.
Wort für Wort
adaṃśamaśake deśe
in einem Land ohne Bremsen und Mücken (Lok.)
sukhaṃ saṃvardhitān paśūn
die bequem aufgezogenen Tiere (Adv.; Part.Pass.Akk.Pl.)
tāṃś ca mātuḥ priyāñ jānann
und sie als der Mutter lieb wissend (Akk.Pl.; Gen.; Part.Präs.)
ākramya bahudhā narāḥ
sie überwältigend, auf vielfache Weise, die Männer (Abs.; Adv.; Nom.Pl.)
bahudaṃśakuśān deśān
Länder mit vielen Bremsen und Kuśa-Gras (Akk.Pl.)
nayanti bahukardamān
führen sie, [Länder] mit viel Schlamm (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
vāhasaṃpīḍitā dhuryāḥ sīdanty avidhināpare; na manye bhrūṇahatyāpi viśiṣṭā tena karmaṇā
Zugtiere sinken, von der Last des Ziehens bedrängt, nieder; andere [gehen] auf unrechte Weise [zugrunde]. Ich glaube nicht, dass selbst Embryomord jener Tat gegenüber hervorsticht.
Wort für Wort
vāhasaṃpīḍitā dhuryāḥ
vom Zug/von der Last bedrängt, die Zugtiere (Nom.Pl.)
sīdanty avidhināpare
sinken nieder; ohne Regel/unrecht, andere (3.Pl.Präs.; Instr.; Nom.Pl.)
na manye bhrūṇahatyāpi
ich glaube nicht, selbst Embryomord (1.Sg.Med.Präs.; Nom.Sg.f.)
viśiṣṭā tena karmaṇā
hervorragender/schlimmer als jene Tat (Nom.Sg.f.; Instr.)
‚viśiṣṭā tena karmaṇā‘ mit Instrumental des Vergleichs gedeutet; Sinn: Embryomord ist nicht schlimmer als diese Tat [?].
Den Ackerbau halten sie für gut, doch dieser Lebensunterhalt ist überaus grausam; die Erde und die in der Erde Liegenden [Wesen] erschlägt das eisenspitzige Holz. Ebenso sieh die eingespannten Stiere, Jājali.
Wort für Wort
kṛṣiṃ sādhv iti manyante
den Ackerbau [halten sie] für gut, so meinen sie (Akk.; 3.Pl.Präs.)
sā ca vṛttiḥ sudāruṇā
und dieser Lebensunterhalt ist sehr grausam (Nom.Sg.f.)
bhūmiṃ bhūmiśayāṃś caiva
die Erde und die Erdbewohner (Akk.; Akk.Pl.)
hanti kāṣṭham ayomukham
erschlägt das eisenspitzige Holz (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.)
tathaiva anaḍuho yuktān
ebenso die eingespannten Stiere (Akk.Pl.)
samavekṣasva jājale
sieh genau hin, Jājali (Imp.Med.; Vok.)
‚kāṣṭham ayomukham‘ = der eisenbeschlagene Pflug bzw. Pflugschar.
‚Aghnyā‘ [„die nicht zu Tötende“] ist der Name der Kühe – wer darf sie töten? Ein großes Unheil hat Pṛṣadhra begangen, als er die Kuh [gleichsam] anfasste/schlachtete.
Wort für Wort
aghnyā iti gavāṃ nāma
„Aghnyā“, so der Name der Kühe (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)
ka enān hantum arhati
wer darf sie töten (Nom.; Akk.Pl.; Inf.; 3.Sg.Präs.)
mahac cakārākuśalaṃ
ein großes Unheil hat er getan (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Perf.)
pṛṣadhro gālabhann iva
Pṛṣadhra, als er die Kuh gleichsam angriff/schlachtete (Nom.; Part.Präs.)
‚gālabhann‘ = gām + ālabhan; Bedeutung von ‚ā-labh‘ (anfassen/angreifen/schlachten) unsicher [?].
ṛṣayo yatayo hy etan nahuṣe pratyavedayan; gāṃ mātaraṃ cāpy avadhīr vṛṣabhaṃ ca prajāpatim; akāryaṃ nahuṣākārṣīr lapsyāmas tvatkṛte bhayam
Die Seher und Asketen meldeten dies dem Nahuṣa: „Die Kuh, die Mutter, hast du getötet und den Stier, den Prajāpati; Unziemliches hast du getan, Nahuṣa; durch dich werden wir Furcht erfahren.“
Wort für Wort
ṛṣayo yatayo hy etan
die Seher und Asketen dies (Nom.Pl.; Akk.Sg.n.)
nahuṣe pratyavedayan
meldeten dem Nahuṣa (Lok./Dat.; 3.Pl.Impf.Kaus.)
gāṃ mātaraṃ cāpy avadhīr
die Kuh, die Mutter, hast du getötet (Akk.; 2.Sg.Aor.)
vṛṣabhaṃ ca prajāpatim
und den Stier, den Prajāpati (Akk.Sg.)
akāryaṃ nahuṣākārṣīḥ
Unziemliches hast du getan, Nahuṣa (Akk.; Vok.; 2.Sg.Aor.)
lapsyāmas tvatkṛte bhayam
wir werden erlangen durch dich Furcht (1.Pl.Fut.Med.; Akk.)
śataṃ caikaṃ ca rogāṇāṃ sarvabhūteṣv apātayan; ṛṣayas te mahābhāgāḥ prajāsv eva hi jājale; bhrūṇahaṃ nahuṣaṃ tv āhur na te hoṣyāmahe haviḥ
Hundert und eine Krankheiten ließen jene hochgesegneten Seher auf alle Wesen fallen, eben auf die Geschöpfe, Jājali; „Einen Embryomörder nennen sie den Nahuṣa; wir werden dir keine Opfergabe opfern.“
Wort für Wort
śataṃ caikaṃ ca rogāṇāṃ
hundert und eine der Krankheiten (Akk.; Gen.Pl.)
sarvabhūteṣv apātayan
ließen unter allen Wesen fallen (Lok.Pl.; 3.Pl.Impf.Kaus.)
ṛṣayas te mahābhāgāḥ
jene Seher, hochgesegnet (Nom.Pl.)
prajāsv eva hi jājale
eben auf die Geschöpfe, Jājali (Lok.Pl.; Vok.)
bhrūṇahaṃ nahuṣaṃ tv āhuḥ
einen Embryomörder nennen sie den Nahuṣa (Akk.; 3.Pl.Perf.)
na te hoṣyāmahe haviḥ
wir werden dir keine Opfergabe opfern (Dat./Gen.; 1.Pl.Fut.Med.; Akk.)
Rede- und Erzählebene ineinander verschränkt; ‚te‘ als Bezug auf Nahuṣa gedeutet.
upapattyā hi saṃpanno yatibhiś caiva sevyate; satataṃ dharmaśīlaiś ca naipuṇyenopalakṣitaḥ
Denn er ist durch Schlüssigkeit begründet und wird von den Asketen geübt, stets auch von den dem Dharma Ergebenen, und ist durch Feinheit gekennzeichnet.
Wort für Wort
upapattyā hi saṃpannaḥ
denn durch Schlüssigkeit ausgestattet (Instr.; Nom.Sg.m.)
yatibhiś caiva sevyate
und von den Asketen wird er geübt (Instr.Pl.; 3.Sg.Pass.)
satataṃ dharmaśīlaiś ca
und stets von den Dharma-Gesinnten (Adv.; Instr.Pl.)
naipuṇyenopalakṣitaḥ
durch Feinheit gekennzeichnet (Instr.; Part.Pass.Nom.)