Kapitel 25: nigrahadharma-hayagrīvākhyāna
Herrscherpflicht, Strafe und Schicksal: die Geschichte vom König Hayagrīva
Vyāsa mahnt Yudhiṣṭhira, nach den Leiden des Waldlebens zu regieren und zu opfern, und erläutert, wann ein König trotz Strafgewalt und Misserfolg schuldlos bleibt. Als Beispiel dient der im Kampf gefallene Königsseher Hayagrīva.
pratyakṣam anumānaṃ ca upamānaṃ tathāgamaḥ; arthāpattis tathaitihyaṃ saṃśayo nirṇayas tathā; ākāro hīṅgitaś caiva gatiś ceṣṭā ca bhārata; pratijñā caiva hetuś ca dṛṣṭāntopanayas tathā; uktir nigamanaṃ teṣāṃ prameyaṃ ca prayojanam; etāni sādhanāny āhur bahuvargaprasiddhaye; pratyakṣam anumānaṃ ca sarveṣāṃ yonir iṣyate; pramāṇajño hi śaknoti daṇḍayonau vicakṣaṇaḥ; apramāṇavatā nīto daṇḍo hanyān mahīpatim
Wahrnehmung, Schlussfolgerung, Vergleich und Überlieferung, Folgerung aus Umständen, ebenso Tradition, Zweifel und Entscheidung; Miene und Andeutung, Gang und Bemühen, Bhārata; These und Grund, Beispiel und Anwendung; Aussage, deren Schlussfolgerung, das zu Erkennende und der Zweck; diese nennt man Mittel für den Erfolg bei den vielen [Wissens-]Gruppen; Wahrnehmung und Schlussfolgerung gelten als Ursprung aller; der Kenner der Erkenntnismittel, der Scharfsichtige, vermag es bei der Quelle der Strafe [?]; eine Strafe, die von einem ohne Erkenntnismittel Verfahrenden verhängt wird, würde den Herrscher erschlagen.
Wort für Wort
pratyakṣam anumānaṃ ca upamānaṃ tathāgamaḥ
Wahrnehmung, Schlussfolgerung, Vergleich und Überlieferung (Nom.)
arthāpattis tathaitihyaṃ saṃśayo nirṇayas tathā
Folgerung aus Umständen, Tradition, Zweifel, Entscheidung (Nom.)
Aussage, Schlussfolgerung, deren (Gen.), das zu Erkennende und der Zweck (Nom.)
etāni sādhanāny āhur bahuvargaprasiddhaye
diese Mittel (Nom.Pl.n.) nennen sie (3.Pl.Perf.), zum Erfolg für viele Gruppen (Dat.)
pratyakṣam anumānaṃ ca sarveṣāṃ yonir iṣyate
Wahrnehmung und Schlussfolgerung, Ursprung (Nom.) aller (Gen.) gilt (3.Sg.Pass.)
pramāṇajño hi śaknoti daṇḍayonau vicakṣaṇaḥ; apramāṇavatā nīto daṇḍo hanyān mahīpatim
der Kenner der Erkenntnismittel vermag, scharfsichtig, bei der Quelle der Strafe (Lok.); von einem ohne Maßstab Verfahrenden geführte Strafe (Nom.) würde erschlagen (3.Sg.Opt.) den Herrscher (Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Nyāya-Terminologie); daṇḍayonau und der Anschluss der Halbverse sind unsicher.
deśakālapratīkṣe yo dasyor darśayate nṛpaḥ; śāstrajāṃ buddhim āsthāya nainasā sa hi yujyate
Der König, der dem Räuber gegenüber [seine Strafgewalt] zeigt und dabei auf Ort und Zeit achtet, gestützt auf die aus der Śāstra geborene Einsicht, wird nicht mit Schuld verbunden.
Wort für Wort
deśakālapratīkṣe
auf Ort und Zeit achtend (Kompositum, adverbial)
yo dasyor darśayate nṛpaḥ
welcher König (Nom.) dem Räuber (Dat./Gen.) zeigt (3.Sg.Kaus.Med.)
śāstrajāṃ buddhim āsthāya
die aus der Śāstra geborene (Akk.) Einsicht (Akk.) gestützt auf (Abs.)
nainasā sa hi yujyate
nicht mit Schuld (Instr.) er wahrlich wird verbunden (3.Sg.Pass.)
pratīkṣe und die Konstruktion mit dasyoḥ sind nicht ganz eindeutig.
nibodha ca yathātiṣṭhan dharmān na cyavate nṛpaḥ; nigrahād dharmaśāstrāṇām anurudhyann apetabhīḥ; kāmakrodhāv anādṛtya piteva samadarśanaḥ
Vernimm auch, wie er, wenn er sich so verhält, nicht vom Dharma abfällt: durch Bestrafung, den Lehrbüchern des Dharma folgend, furchtlos, Begierde und Zorn missachtend, wie ein Vater alle gleich ansehend.
Wort für Wort
nibodha ca yathātiṣṭhan
vernimm (2.Sg.Imp.) und wie er sich verhaltend (Part.Präs.)
dharmān na cyavate nṛpaḥ
vom Dharma (Abl.) nicht fällt ab der König (Nom.)
nigrahād dharmaśāstrāṇām anurudhyann
durch Bestrafung (Abl.), den Dharmaśāstras (Gen.) folgend (Part.Präs.)
apetabhīḥ
furchtlos (Nom.)
kāmakrodhāv anādṛtya
Begierde und Zorn (Akk.Du.) missachtend (Abs.)
piteva samadarśanaḥ
wie ein Vater (Nom.), gleich blickend (Nom.)
nigrahāt: Ablativ der Art und Weise; Bezug auf yathā nicht ganz eindeutig.
daivenopahate rājā karmakāle mahādyute; pramādayati tat karma na tatrāhur atikramam
Ist der König, du Hochglänzender, von der Fügung geschlagen, und lässt er in der Zeit des Handelns dieses Werk missraten, so, sagt man, liegt darin kein Vergehen.
Wort für Wort
daivenopahate rājā
von der Fügung (Instr.) geschlagen (Lok.) der König (Nom.)
karmakāle mahādyute
in der Zeit des Handelns (Lok.), Hochglänzender (Vok.)
pramādayati tat karma
lässt versäumen/verfehlen (3.Sg.Kaus.) dieses Werk (Akk.)
na tatrāhur atikramam
nicht darin sagen sie (3.Pl.Perf.) eine Übertretung (Akk.)
pramādayati: Bedeutung (versäumen/missraten lassen) erschlossen.
tarasā buddhipūrvaṃ vā nigrāhyā eva śatravaḥ; pāpaiḥ saha na saṃdadhyād rāṣṭraṃ paṇyaṃ na kārayet
Mit Ungestüm oder mit Vorbedacht sind Feinde stets zu bezwingen; mit Bösen soll er kein Bündnis schließen, und das Reich soll er nicht zur Handelsware machen.
Wort für Wort
tarasā buddhipūrvaṃ vā
mit Ungestüm (Instr.) oder mit Vorbedacht (Adv.)
nigrāhyā eva śatravaḥ
zu bezwingen (Gerundiv Nom.Pl.) fürwahr die Feinde (Nom.Pl.)
pāpaiḥ saha na saṃdadhyāt
mit Bösen (Instr.Pl.) nicht soll er ein Bündnis schließen (3.Sg.Opt.)
rāṣṭraṃ paṇyaṃ na kārayet
das Reich (Akk.) zur Handelsware (Akk.) nicht soll er machen lassen (3.Sg.Kaus.Opt.)
pramāṇajñā mahīpāla nyāyaśāstrāvalambinaḥ; vedārthatattvavid rājaṃs tarkaśāstrabahuśrutaḥ; mantre ca vyavahāre ca niyoktavyo vijānatā; tarkaśāstrakṛtā buddhir dharmaśāstrakṛtā ca yā; daṇḍanītikṛtā caiva trailokyam api sādhayet; niyojyā vedatattvajñā yajñakarmasu pārthiva; vedajñā ye ca śāstrajñās te ca rājan subuddhayaḥ; ānvīkṣikītrayīvārtādaṇḍanītiṣu pāragāḥ; te tu sarvatra yoktavyās te ca buddheḥ parāṃ gatāḥ
Kenner der Erkenntnismittel, o Erdhüter, auf die Nyāya-Lehre gestützt; wer die Wahrheit vom Sinn des Veda kennt, o König, in der Lehre der Schlussfolgerung sehr bewandert – so einer ist von einem Wissenden im Rat und im Rechtsverfahren einzusetzen. Die durch die Schlusslehre gebildete Einsicht, die durch die Dharma-Lehre gebildete und die durch die Staatskunst gebildete würde sogar die drei Welten bezwingen. Einzusetzen sind, Pārthiva, die Kenner der Wahrheit des Veda bei den Opferhandlungen; die Veda-Kundigen und die Śāstra-Kundigen, o König, sind die gut Verständigen; die in Ānvīkṣikī, Trayī, Vārtā und Daṇḍanīti bis ans Ende Gelangten – diese sind überall einzusetzen, und sie sind zum Höchsten der Einsicht gelangt.
Wort für Wort
pramāṇajñā mahīpāla nyāyaśāstrāvalambinaḥ
Kenner der Erkenntnismittel, Erdhüter (Vok.), auf die Nyāya-Lehre gestützt (Nom.Pl.)
vedārthatattvavid rājaṃs tarkaśāstrabahuśrutaḥ
Kenner der Wahrheit vom Sinn des Veda, König (Vok.), in der Tarka-Lehre sehr belesen (Nom.)
mantre ca vyavahāre ca niyoktavyo vijānatā
im Rat und im Rechtsverfahren einzusetzen (Gerundiv), von einem Wissenden (Instr.)
tarkaśāstrakṛtā buddhir dharmaśāstrakṛtā ca yā
durch die Tarka-Lehre gebildete Einsicht und die durch die Dharma-Lehre gebildete, welche (Nom.)
daṇḍanītikṛtā caiva trailokyam api sādhayet
und die durch die Daṇḍanīti gebildete; die drei Welten sogar würde bezwingen (3.Sg.Opt.)
niyojyā vedatattvajñā yajñakarmasu pārthiva
einzusetzen (Nom.Pl.) die Kenner der Veda-Wahrheit bei den Opferhandlungen (Lok.), Pārthiva (Vok.)
vedajñā ye ca śāstrajñās te ca rājan subuddhayaḥ
Veda-Kundige und Śāstra-Kundige, diese, König (Vok.), gut Verständige (Nom.Pl.)
ānvīkṣikītrayīvārtādaṇḍanītiṣu pāragāḥ; te tu sarvatra yoktavyās te ca buddheḥ parāṃ gatāḥ
in Ānvīkṣikī, Trayī, Vārtā und Daṇḍanīti (Lok.Pl.) ans Ende Gelangte; diese aber überall einzusetzen; und sie zum Höchsten (Akk.) der Einsicht (Gen.) gelangt (Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Anschluss der Halbverse ist locker, die Satzgrenzen sind erschlossen.
ye 'rakṣyamāṇā hīyante daivenopahate nṛpe; taskaraiś cāpi hanyante sarvaṃ tad rājakilbiṣam
Diejenigen, die, weil sie nicht beschützt werden, zugrunde gehen, während der König von der Fügung geschlagen ist, und auch von Räubern erschlagen werden – all das ist Schuld des Königs.
Wort für Wort
ye 'rakṣyamāṇā hīyante
welche, nicht beschützt (Part.Pass.), zugrunde gehen (3.Pl.Pass.)
daivenopahate nṛpe
während der König (Lok.) von der Fügung (Instr.) geschlagen ist (Lok.abs.)
taskaraiś cāpi hanyante
und auch von Räubern (Instr.Pl.) werden erschlagen (3.Pl.Pass.)
[Von dem], der Feinde erschlagen hatte und im Kampf erschlagen wurde, dem Helden mit unermüdlicher Tat, ohne Gefährten, dem Standhaften, Besiegten, Yudhiṣṭhira – [Anm.: Satz setzt sich in der folgenden Einheit fort]
Wort für Wort
śatrūn hatvā
die Feinde (Akk.Pl.) erschlagen habend (Abs.)
hatasyājau
des Erschlagenen (Gen.), im Kampf (Lok.)
śūrasyākliṣṭakarmaṇaḥ
des Helden (Gen.), mit unermüdlicher Tat (Gen.)
asahāyasya dhīrasya
des Gefährtenlosen, des Standhaften (Gen.)
nirjitasya yudhiṣṭhira
des Besiegten (Gen.), Yudhiṣṭhira (Vok.)
Genitive hängen syntaktisch in der Schwebe; sie beziehen sich auf Hayagrīva (V. 25) und den Aussagesatz in V. 27.
Durch die Tat bei der Bezwingung der Feindesscharen und den vorzüglichsten Einsatz beim Schutz der Menschen, durch das vollbrachte Werk und den im guten Kampf erlangten Ruhm freut sich Vājigrīva in der Götterwelt.
Wort für Wort
yat karma vai nigrahe śātravāṇām
welche Tat fürwahr bei der Bezwingung (Lok.) der Feindesscharen (Gen.Pl.)
yogaś cāgryaḥ pālane mānavānām
und der vorzüglichste Einsatz (Nom.) beim Schutz (Lok.) der Menschen (Gen.Pl.)
kṛtvā karma prāpya kīrtiṃ suyuddhe
nach vollbrachtem Werk (Abs.), nach erlangtem Ruhm (Abs.) im guten Kampf (Lok.)
vājigrīvo modate devaloke
Vājigrīva (Nom.) freut sich (3.Sg.Präs.Med.) in der Götterwelt (Lok.)
Er, der sich selbst preisgab in den Schlachten, ein Angreifer, von Waffen zerhauen, von Räubern bedrängt – Aśvagrīva, dem Werk ergeben, hochgesinnt, mit vollendetem Selbst, freut sich in der Götterwelt.
Wort für Wort
saṃtyaktātmā samareṣv ātatāyī
sich selbst preisgebend (Nom.) in den Schlachten (Lok.Pl.), Angreifer (Nom.)
śastraiś chinno dasyubhir ardyamānaḥ
von Waffen (Instr.Pl.) zerhauen (Part.Pass.), von Räubern (Instr.Pl.) bedrängt (Part.Pass.Nom.)
aśvagrīvaḥ karmaśīlo mahātmā
Aśvagrīva (Nom.), dem Werk ergeben, hochgesinnt (Nom.)
saṃsiddhātmā modate devaloke
mit vollendetem Selbst (Nom.) freut sich in der Götterwelt (Lok.)
Der Bogen ist der Opferpfosten, die Bogensehne der Strick, der Pfeil der Opferlöffel Sruc; das Schwert der Löffel Sruva, das Blut, worin die Opferbutter [ist]; der Wagen der Altar, willfährig fahrend, der Kampf das Feuer, die vier vorzüglichen Rosse das Cāturhotra-[Priesterkollegium].
Wort für Wort
dhanur yūpo raśanā jyā
der Bogen (Nom.) [ist] der Opferpfosten, der Strick [ist] die Sehne (Nom.)
śaraḥ sruk
der Pfeil (Nom.) [ist] der Sruc-Löffel
sruvaḥ khaḍgo rudhiraṃ yatra cājyam
der Sruva-Löffel [ist] das Schwert, das Blut (Nom.), worin die Opferbutter (Nom.)
ratho vedī kāmago
der Wagen (Nom.) [ist] der Altar, nach Wunsch fahrend (Nom.)
yuddham agniḥ
der Kampf (Nom.) [ist] das Feuer
cāturhotraṃ caturo vājimukhyāḥ
Cāturhotra (Nom.) [sind] die vier (Nom.) vorzüglichen Rosse (Nom.Pl.)
Opfermetapher; die Zuordnung von kāmagaḥ (zu ratha) ist erschlossen.
Nachdem er in jenem Opferfeuer die sündigen Feinde geopfert hat, ist der Löwe unter den Königen, der Ungestüme, erlöst; nachdem er seine Lebensatem als Schlussbad im Kampf geopfert hat, freut sich Vājigrīva in der Götterwelt.
Wort für Wort
hutvā tasmin yajñavahnāv
nachdem er geopfert hat (Abs.) in diesem Opferfeuer (Lok.)
athārīn pāpān
dann die Feinde (Akk.Pl.), die sündigen (Akk.Pl.)
mukto rājasiṃhas tarasvī
befreit (Part.Pass.), Löwe unter den Königen, ungestüm (Nom.)
prāṇān hutvā cāvabhṛthe raṇe sa
die Lebensatem (Akk.Pl.) geopfert habend, beim Schlussbad (Lok.), im Kampf (Lok.), er
vājigrīvo modate devaloke
Vājigrīva (Nom.) freut sich in der Götterwelt (Lok.)
mukto ohne Ablativ: Bezug (frei von Schuld?) unsicher.
Das Reich mit Vorbedacht durch kluge Führung schützend, sich selbst preisgebend, dem Opfer ergeben, hochgesinnt, alle Welten mit Ruhm erfüllend, der Verständige – Vājigrīva freut sich in der Götterwelt.
Wort für Wort
rāṣṭraṃ rakṣan buddhipūrvaṃ nayena
das Reich (Akk.) schützend (Part.Präs.), mit Vorbedacht, durch Klugheit (Instr.)
saṃtyaktātmā yajñaśīlo mahātmā
sich preisgebend, dem Opfer ergeben, hochgesinnt (Nom.)
sarvāṃl lokān vyāpya kīrtyā
alle Welten (Akk.Pl.) erfüllend (Abs.) mit Ruhm (Instr.)
Nachdem er den göttlichen Erfolg, die menschliche Staatskunst und die Erde mit den Grundsätzen des Yoga behütet hat – deshalb freut sich der König, dem Dharma ergeben, hochgesinnt, Hayagrīva, in der Himmelswelt [?].
Wort für Wort
daivīṃ siddhiṃ mānuṣīṃ daṇḍanītiṃ
göttlichen Erfolg (Akk.), menschliche Staatskunst (Akk.)
yoganyāyaiḥ pālayitvā mahīṃ ca
mit den Grundsätzen des Yoga (Instr.Pl.) behütet habend (Abs.) und die Erde (Akk.)
tasmād rājā dharmaśīlo mahātmā
deshalb der König (Nom.), dem Dharma ergeben, hochgesinnt (Nom.)
hayagrīvo modate svargaloke
Hayagrīva (Nom.) freut sich in der Himmelswelt (Lok.)
Der Anschluss von tasmāt und die Zuordnung von yoganyāyaiḥ sind unsicher.
Der Gelehrte, Entsagende, Vertrauende, Dankbare, der, nachdem er die Menschenwelt verlassen und sein Werk getan hat, die Welt der Klugen, Wissenden, Geachteten, derer, die ihren Leib hingeben, erstiegen hat, der König [Anm.: Satz bricht ab; Prädikat folgt nicht].
Wort für Wort
vidvāṃs tyāgī śraddadhānaḥ kṛtajñaḥ
gelehrt, entsagend, vertrauend, dankbar (Nom.)
tyaktvā lokaṃ mānuṣaṃ karma kṛtvā
die Menschenwelt (Akk.) verlassen habend (Abs.), das Werk getan habend (Abs.)
medhāvināṃ viduṣāṃ saṃmatānām
der Klugen, der Wissenden, der Geachteten (Gen.Pl.)
tanutyajāṃ lokam ākramya rājā
derer, die den Leib aufgeben (Gen.Pl.), die Welt (Akk.) erstiegen habend (Abs.), der König (Nom.)
Der Satz bleibt ohne finites Verb; er ist zu V. 34 hin offen.
Nachdem er die Veden recht erlangt, die Lehrbücher studiert, das Reich recht geschützt und die vier Stände in ihrem eigenen Dharma festgesetzt hat, der Hochgesinnte – Vājigrīva freut sich in der Götterwelt.
Wort für Wort
samyag vedān prāpya śāstrāṇy adhītya
recht (Adv.) die Veden (Akk.Pl.) erlangt habend, die Lehrbücher (Akk.Pl.) studiert habend (Abs.)
samyag rāṣṭraṃ pālayitvā mahātmā
recht das Reich (Akk.) geschützt habend (Abs.), der Hochgesinnte (Nom.)
cāturvarṇyaṃ sthāpayitvā svadharme
die vier Stände (Akk.) festgesetzt habend (Abs.) im eigenen Dharma (Lok.)
Nachdem er Schlachten gewonnen, die Untertanen geschützt, Soma getrunken, die vorzüglichen Zweimalgeborenen befriedigt und mit Klugheit die Strafe über die Untertanen gehandhabt hat, freut sich der im Kampf Geschwundene in der Götterwelt.
Wort für Wort
jitvā saṃgrāmān pālayitvā prajāś ca
Schlachten (Akk.Pl.) gewonnen habend, und die Untertanen (Akk.Pl.) geschützt habend (Abs.)
Dessen Wandel den Menschen rühmenswert ist, den die Guten und die Gelehrten, die Verehrungswürdigen, ehren; nachdem er den Himmel gewonnen und die Welten der Helden erreicht hat, hat der Hochgesinnte, von heiligem Ruhm, Vollendung erlangt.
Wort für Wort
vṛttaṃ yasya ślāghanīyaṃ manuṣyāḥ
dessen (Gen.) Wandel (Nom.) rühmenswert (Nom.), den Menschen (Nom.Pl.)
santo vidvāṃsaś cārhayanty arhaṇīyāḥ
die Guten und Gelehrten (Nom.Pl.) ehren (3.Pl.Präs.), die Ehrwürdigen (Nom.Pl.)
svargaṃ jitvā vīralokāṃś ca gatvā
den Himmel (Akk.) gewonnen habend, und die Heldenwelten (Akk.Pl.) erreicht habend (Abs.)
siddhiṃ prāptaḥ puṇyakīrtir mahātmā
Vollendung (Akk.) erlangt (Part.Pass.), von heiligem Ruhm, hochgesinnt (Nom.)
manuṣyāḥ ist als Dativ-Sinn („für die Menschen“) gelesen; Konstruktion locker.