Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 175: bhṛgubharadvājasaṃvāde sṛṣṭikramaḥ Bhṛgus Belehrung des Bharadvāja über die Ordnung der Weltschöpfung und die Maße des Raumes

Eröffnung des Bhṛgu-Bharadvāja-Gesprächs: Yudhiṣṭhira fragt nach Schöpfung und Weltuntergang; Bhīṣma antwortet mit der Lehre Bhṛgus über die Entfaltung aus dem Unmanifesten (Mahat, Ahaṃkāra, Elemente, Lotos, Brahmā) und die Unermesslichkeit des Raumes.

yudhiṣṭhira uvāca; kutaḥ sṛṣṭam idaṃ viśvaṃ jagat sthāvarajaṅgamam; pralaye ca kam abhyeti tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Woher ist dieses Weltall erschaffen, die Welt mit dem Unbewegten und dem Bewegten? Und in wen geht sie im Weltuntergang ein? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
kutaḥ sṛṣṭam idaṃ viśvaṃ
woher erschaffen dieses All (Abl.-Adv.; Part.Pass. Nom.Sg.n.)
jagat sthāvarajaṅgamam
die Welt, das Unbewegte und Bewegte enthaltend (Nom.Sg.n.; Kompositum)
pralaye ca kam abhyeti
und im Weltuntergang, zu wem geht es hin (Lok.; 3.Sg.Präs.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp.2.Sg.; Vok.)

sasāgaraḥ sagaganaḥ saśailaḥ sabalāhakaḥ; sabhūmiḥ sāgnipavano loko 'yaṃ kena nirmitaḥ

Mit Meeren, mit dem Himmelsraum, mit Bergen, mit Wolken, mit der Erde, mit Feuer und Wind: von wem ist diese Welt gebildet worden?

Wort für Wort
sasāgaraḥ sagaganaḥ
mit Meeren, mit Himmelsraum (Bahuvrīhi, Nom.Sg.m.)
saśailaḥ sabalāhakaḥ
mit Bergen, mit Wolken (Nom.Sg.m.)
sabhūmiḥ sāgnipavanaḥ
mit Erde, mit Feuer und Wind (Nom.Sg.m.)
loko 'yaṃ
diese Welt (Nom.Sg.m.)
kena nirmitaḥ
von wem gebildet (Instr.Sg.; Part.Pass.)

kathaṃ sṛṣṭāni bhūtāni kathaṃ varṇavibhaktayaḥ; śaucāśaucaṃ kathaṃ teṣāṃ dharmādharmāv atho katham

Wie sind die Wesen erschaffen worden, wie die Einteilungen der Stände? Wie bei ihnen Reinheit und Unreinheit, und wie Recht und Unrecht?

Wort für Wort
kathaṃ sṛṣṭāni bhūtāni
wie erschaffen die Wesen (Part.Pass. Nom.Pl.n.)
kathaṃ varṇavibhaktayaḥ
wie die Einteilungen der Stände (Nom.Pl.f.; Tatpuruṣa)
śaucāśaucaṃ kathaṃ teṣām
Reinheit und Unreinheit, wie, bei ihnen (Dvandva Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)
dharmādharmāv atho katham
Recht und Unrecht (Dvandva Nom.Du.), und wie

kīdṛśo jīvatāṃ jīvaḥ kva vā gacchanti ye mṛtāḥ; asmāl lokād amuṃ lokaṃ sarvaṃ śaṃsatu no bhavān

Wie beschaffen ist die Seele der Lebenden, und wohin gehen jene, die gestorben sind? Von dieser Welt in jene: das alles möge uns Euer Ehren erklären.

Wort für Wort
kīdṛśo jīvatāṃ jīvaḥ
wie beschaffen ist der Lebensträger der Lebenden (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.)
kva vā gacchanti ye mṛtāḥ
oder wohin gehen, die gestorben sind (3.Pl.Präs.; Part.Pass. Nom.Pl.)
asmāl lokād amuṃ lokam
aus dieser Welt in jene Welt (Abl./Akk.Sg.m.)
sarvaṃ śaṃsatu no bhavān
alles möge uns erklären Euer Ehren (Imp.3.Sg.; Dat./Gen.Pl.; Nom.Sg.)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; bhṛguṇābhihitaṃ śreṣṭhaṃ bharadvājāya pṛcchate

Bhīṣma sprach: Hierzu führt man diese uralte Geschichte an, die vorzügliche, von Bhṛgu dem Bharadvāja auf dessen Frage hin vorgetragene.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
atrāpy udāharanti
auch hierzu führt man an (3.Pl.Präs.)
imam itihāsaṃ purātanam
diese alte Geschichte (Akk.Sg.m.)
bhṛguṇābhihitaṃ śreṣṭham
von Bhṛgu gesprochen, vorzüglich (Instr.; Part.Pass. Akk.Sg.m.)
bharadvājāya pṛcchate
dem Bharadvāja, der fragte (Dat.Sg.; Part.Präs. Dat.)

kailāsaśikhare dṛṣṭvā dīpyamānam ivaujasā; bhṛguṃ maharṣim āsīnaṃ bharadvājo 'nvapṛcchata

Auf dem Gipfel des Kailāsa sah Bharadvāja den großen Seher Bhṛgu sitzen, gleichsam von Glanz leuchtend, und befragte ihn.

Wort für Wort
kailāsaśikhare
auf dem Gipfel des Kailāsa (Lok.Sg.n.)
dṛṣṭvā
gesehen habend (Abs.)
dīpyamānam ivaujasā
gleichsam leuchtend vor Glanz (Part.Präs.Med. Akk.; Instr.Sg.n.)
bhṛguṃ maharṣim āsīnam
den Bhṛgu, den großen Seher, sitzend (Akk.Sg.m.; Part.Präs.Med.)
bharadvājo 'nvapṛcchata
Bharadvāja befragte (3.Sg.Imperf.Med.)

sasāgaraḥ sagaganaḥ saśailaḥ sabalāhakaḥ; sabhūmiḥ sāgnipavano loko 'yaṃ kena nirmitaḥ

Mit Meeren, mit dem Himmelsraum, mit Bergen, mit Wolken, mit der Erde, mit Feuer und Wind: von wem ist diese Welt gebildet worden?

Wort für Wort
sasāgaraḥ sagaganaḥ
mit Meeren, mit Himmelsraum (Nom.Sg.m.)
saśailaḥ sabalāhakaḥ
mit Bergen, mit Wolken (Nom.Sg.m.)
sabhūmiḥ sāgnipavanaḥ
mit Erde, mit Feuer und Wind (Nom.Sg.m.)
loko 'yaṃ
diese Welt (Nom.Sg.m.)
kena nirmitaḥ
von wem gebildet (Instr.Sg.; Part.Pass.)

kathaṃ sṛṣṭāni bhūtāni kathaṃ varṇavibhaktayaḥ; śaucāśaucaṃ kathaṃ teṣāṃ dharmādharmāv atho katham

Wie sind die Wesen erschaffen worden, wie die Einteilungen der Stände? Wie bei ihnen Reinheit und Unreinheit, und wie Recht und Unrecht?

Wort für Wort
kathaṃ sṛṣṭāni bhūtāni
wie erschaffen die Wesen (Nom.Pl.n.)
kathaṃ varṇavibhaktayaḥ
wie die Einteilungen der Stände (Nom.Pl.f.)
śaucāśaucaṃ kathaṃ teṣām
Reinheit und Unreinheit, wie, bei ihnen (Dvandva; Gen.Pl.)
dharmādharmāv atho katham
Recht und Unrecht (Nom.Du.), und wie

kīdṛśo jīvatāṃ jīvaḥ kva vā gacchanti ye mṛtāḥ; paralokam imaṃ cāpi sarvaṃ śaṃsatu no bhavān

Wie beschaffen ist die Seele der Lebenden, und wohin gehen jene, die gestorben sind? Die jenseitige Welt und auch diese: das alles möge uns Euer Ehren erklären.

Wort für Wort
kīdṛśo jīvatāṃ jīvaḥ
wie beschaffen ist der Lebensträger der Lebenden (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.)
kva vā gacchanti ye mṛtāḥ
oder wohin gehen, die gestorben sind (3.Pl.Präs.; Part.Pass.)
paralokam imaṃ cāpi
die jenseitige Welt und auch diese (Akk.Sg.m.)
sarvaṃ śaṃsatu no bhavān
alles möge uns erklären Euer Ehren (Imp.3.Sg.; Nom.Sg.)

evaṃ sa bhagavān pṛṣṭo bharadvājena saṃśayam; maharṣir brahmasaṃkāśaḥ sarvaṃ tasmai tato 'bravīt

So vom Bharadvāja über den Zweifel befragt, sprach der verehrungswürdige große Seher, dem Brahmā gleich, ihm darauf alles [aus].

Wort für Wort
evaṃ sa bhagavān pṛṣṭo
so jener Verehrungswürdige, befragt (Nom.Sg.m.; Part.Pass.)
bharadvājena saṃśayam
vom Bharadvāja über den Zweifel (Instr.Sg.; Akk.Sg.m.)
maharṣir brahmasaṃkāśaḥ
der große Seher, Brahmā gleichend (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
sarvaṃ tasmai tato 'bravīt
alles ihm darauf sprach er (Dat.Sg.; 3.Sg.Impf.)

bhṛgur uvāca; nārāyaṇābhidhānasya kūṭasthasyākṣarātmanaḥ; avyaktasyāprameyasya prakṛtoparatasya ca; evaṃbhūtaḥ sa vai devaḥ puruṣaṃ cāsṛjad dvidhā

Bhṛgu sprach: Der Nārāyaṇa genannte, unwandelbar Feststehende, dessen Wesen unvergänglich ist, der Unmanifeste, Unermessliche, der von der Urmaterie Abgewandte: als ein solcher erschuf jener Gott den Puruṣa [in] zwiefacher [Weise].

Wort für Wort
bhṛgur uvāca
Bhṛgu sprach (3.Sg.Perf.)
nārāyaṇābhidhānasya kūṭasthasyākṣarātmanaḥ
des Nārāyaṇa genannten, des Unwandelbaren, dessen Selbst unvergänglich ist (Gen.Sg.m.; Kompositum)
avyaktasyāprameyasya
des Unmanifesten, des Unermesslichen (Gen.Sg.m.)
prakṛtoparatasya ca
und des von der Urmaterie Abgelassenen (Gen.Sg.m.; Part.Pass.)
evaṃbhūtaḥ sa vai devaḥ
so beschaffen, jener Gott fürwahr (Nom.Sg.m.)
puruṣaṃ cāsṛjad dvidhā
und schuf den Puruṣa zweifach (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Impf.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; prakṛtoparatasya: Deutung als „von der Prakṛti abgewandt“ mit Unsicherheit, da prakṛta auch „gewöhnlich, vorliegend“ heißen kann.

bhṛgur uvāca; nārāyaṇo jaganmūrtir antarātmā sanātanaḥ; kūṭastho 'kṣara avyakto nirlepo vyāpakaḥ prabhuḥ; prakṛteḥ parato nityam indriyair apy agocaraḥ; sa sisṛkṣuḥ sahasrāṃśād asṛjat puruṣaṃ prabhuḥ

Bhṛgu sprach: Nārāyaṇa, die Gestalt der Welt, das innere Selbst, der Ewige, der Feststehende, Unvergängliche, Unmanifeste, Makellose, Alldurchdringende, der Herr, ewig jenseits der Urmaterie und selbst für die Sinne nicht erfassbar: er, der Herr, wollte erschaffen und schuf aus einem Tausendstel [seiner selbst] den Puruṣa.

Wort für Wort
bhṛgur uvāca
Bhṛgu sprach
nārāyaṇo jaganmūrtir antarātmā sanātanaḥ
Nārāyaṇa, Gestalt der Welt, inneres Selbst, ewig (Nom.Sg.m.)
kūṭastho 'kṣara avyakto nirlepo vyāpakaḥ prabhuḥ
unwandelbar, unvergänglich, unmanifest, makellos, alldurchdringend, Herr (Nom.Sg.m.)
prakṛteḥ parato nityam
jenseits der Urmaterie, ewig (Abl.Sg.f.; Adv.)
indriyair apy agocaraḥ
auch für die Sinne unerreichbar (Instr.Pl.; Nom.Sg.m.)
sa sisṛkṣuḥ sahasrāṃśād
er, erschaffen wollend, aus einem Tausendstel (Desiderativ-Adj. Nom.Sg.; Abl.)
asṛjat puruṣaṃ prabhuḥ
schuf den Puruṣa, der Herr (3.Sg.Impf.; Akk.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

mānaso nāma vikhyātaḥ śrutapūrvo maharṣibhiḥ; anādinidhano devas tathābhedyo 'jarāmaraḥ

[Er wird] der „Geistige“ genannt, von den großen Sehern von alters her gehört: ein Gott ohne Anfang und Ende, ebenso unzerspaltbar, unalternd und unsterblich.

Wort für Wort
mānaso nāma vikhyātaḥ
der „Geistige“ mit Namen berühmt (Nom.Sg.m.; Part.Pass.)
śrutapūrvo maharṣibhiḥ
früher gehört von den großen Sehern (Part.Pass.; Instr.Pl.)
anādinidhano devaḥ
ohne Anfang und Ende, der Gott (Bahuvrīhi Nom.Sg.m.)
tathābhedyo 'jarāmaraḥ
ebenso unzerspaltbar, ohne Alter und Tod (Gerundiv; Bahuvrīhi)

avyakta iti vikhyātaḥ śāśvato 'thākṣaro 'vyayaḥ; yataḥ sṛṣṭāni bhūtāni jāyante ca mriyanti ca

Als „der Unmanifeste“ ist er berühmt, ewig, dann unvergänglich, unverausgabt, von dem aus die erschaffenen Wesen entstehen und auch sterben.

Wort für Wort
avyakta iti vikhyātaḥ
als „unmanifest“ berühmt (Nom.Sg.m.)
śāśvato 'thākṣaro 'vyayaḥ
ewig, ferner unvergänglich, unverminderlich (Nom.Sg.m.)
yataḥ sṛṣṭāni bhūtāni
von dem aus die erschaffenen Wesen (Abl.-Adv.; Nom.Pl.n.)
jāyante ca mriyanti ca
entstehen und sterben (3.Pl.Präs.Med.)

so 'sṛjat prathamaṃ devo mahāntaṃ nāma nāmataḥ

Er, der Gott, erschuf zuerst den, der „der Große“ (Mahat) mit Namen heißt.

Wort für Wort
so 'sṛjat prathamaṃ devaḥ
er schuf zuerst, der Gott (3.Sg.Impf.)
mahāntaṃ nāma nāmataḥ
den Großen, mit Namen dem Namen nach (Akk.Sg.m.; Adv.)

mahān sasarjāhaṃkāraṃ sa cāpi bhagavān atha

Der Große erschuf den Ich-Macher (Ahaṃkāra), und auch jener Erhabene dann [...].

Wort für Wort
mahān sasarjāhaṃkāram
der Große erschuf den Ich-Macher (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.; Akk.Sg.m.)
sa cāpi bhagavān atha
und auch er, der Erhabene, dann (Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; syntaktisch unvollständig, der Satz setzt sich in der folgenden Zeile fort (ākāśam …).

ākāśam iti vikhyātaṃ sarvabhūtadharaḥ prabhuḥ

[Er erschuf] den Raum (Äther), der so genannt wird, den Träger aller Wesen, der Herr.

Wort für Wort
ākāśam iti vikhyātam
den Raum, so berühmt (Akk.Sg.n.; Part.Pass.)
sarvabhūtadharaḥ prabhuḥ
aller Wesen Träger, der Herr (Nom.Sg.m.)

Anschluss an den vorangehenden Halbvers ist nach dem Wortlaut lose; ākāśam ist Objekt zu einem ergänzten „erschuf“.

ākāśād abhavad vāri salilād agnimārutau; agnimārutasaṃyogāt tataḥ samabhavan mahī

Aus dem Raum entstand das Wasser, aus dem Wasser Feuer und Wind; aus der Verbindung von Feuer und Wind entstand dann die Erde.

Wort für Wort
ākāśād abhavad vāri
aus dem Raum entstand das Wasser (Abl.; 3.Sg.Impf.)
salilād agnimārutau
aus dem Wasser Feuer und Wind (Abl.; Dvandva Nom.Du.)
agnimārutasaṃyogāt
aus der Verbindung von Feuer und Wind (Abl.Sg.m.)
tataḥ samabhavan mahī
dann entstand die Erde (3.Sg.Impf.; Nom.Sg.f.)

tatas tejomayaṃ divyaṃ padmaṃ sṛṣṭaṃ svayaṃbhuvā; tasmāt padmāt samabhavad brahmā vedamayo nidhiḥ

Darauf wurde vom Selbstentstandenen ein leuchtender, göttlicher Lotos erschaffen; aus diesem Lotos entstand Brahmā, aus den Veden bestehend, ein Schatz.

Wort für Wort
tatas tejomayaṃ divyaṃ padmam
darauf ein aus Glanz bestehender, göttlicher Lotos (Akk./Nom.Sg.n.)
sṛṣṭaṃ svayaṃbhuvā
erschaffen vom Selbstentstandenen (Part.Pass.; Instr.Sg.m.)
tasmāt padmāt samabhavat
aus diesem Lotos entstand (Abl.; 3.Sg.Impf.)
brahmā vedamayo nidhiḥ
Brahmā, aus Veden bestehend, ein Schatz (Nom.Sg.m.)

ahaṃkāra iti khyātaḥ sarvabhūtātmabhūtakṛt; brahmā vai sumahātejā ya ete pañca dhātavaḥ

„Ahaṃkāra“ genannt, der Schöpfer, der das Selbst aller Wesen bildet, der überaus glanzvolle Brahmā, [er], der diese fünf Grundstoffe [ist].

Wort für Wort
ahaṃkāra iti khyātaḥ
als „Ich-Macher“ bekannt (Nom.Sg.m.)
sarvabhūtātmabhūtakṛt
der das Selbst aller Wesen macht (Nom.Sg.m.; Kompositum)
brahmā vai sumahātejāḥ
Brahmā fürwahr, überaus glanzvoll (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
ya ete pañca dhātavaḥ
der diese fünf Grundstoffe [ist] (Relativpron.; Nom.Pl.m.)

Der letzte Halbvers ist syntaktisch knapp; „ya ete pañca dhātavaḥ“ wohl: er, der (in) diese(n) fünf Grundstoffe(n) [besteht] [?].

śailās tasyāsthisaṃjñās tu medo māṃsaṃ ca medinī; samudrās tasya rudhiram ākāśam udaraṃ tathā

Die Berge sind seine sogenannten Knochen, Mark und Fleisch die Erde; die Meere sind sein Blut, ebenso der Raum sein Bauch.

Wort für Wort
śailās tasyāsthisaṃjñāḥ
die Berge sind seine Knochen genannt (Nom.Pl.m.; Bahuvrīhi)
medo māṃsaṃ ca medinī
Mark und Fleisch, die Erde (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.f.)
samudrās tasya rudhiram
die Meere sein Blut (Nom.Pl.m.; Nom.Sg.n.)
ākāśam udaraṃ tathā
der Raum der Bauch ebenso (Nom.Sg.n.)

medo māṃsaṃ ca medinī: medas ist eigentlich „Fett/Mark“; medinī „Erde“ (volksetymologisch aus medas).

pavanaś caiva niḥśvāsas tejo 'gnir nimnagāḥ sirāḥ; agnīṣomau tu candrārkau nayane tasya viśrute

Der Wind ist sein Atem, das Feuer die Glut, die Flüsse die Adern; Feuer und Soma, Mond und Sonne, gelten als seine Augen.

Wort für Wort
pavanaś caiva niḥśvāsaḥ
und der Wind ist der Atem (Nom.Sg.m.)
tejo 'gnir nimnagāḥ sirāḥ
die Glut das Feuer, die Flüsse die Adern (Nom.Sg.n./m.; Nom.Pl.f.)
agnīṣomau tu candrārkau
Feuer und Soma, Mond und Sonne (Dvandva Nom.Du.)
nayane tasya viśrute
seine Augen sind bekannt (Nom.Du.n.; Part.Pass.)

tejo 'gniḥ: Text lässt sich auch als „die Glut (ist) das Feuer“ oder „das Feuer (ist) Glut/Körperwärme“ fassen.

nabhaś cordhvaṃ śiras tasya kṣitiḥ pādau diśo bhujau; durvijñeyo hy anantatvāt siddhair api na saṃśayaḥ

Der Himmel ist sein Haupt oben, die Erde seine Füße, die Himmelsrichtungen seine Arme. Er ist wegen seiner Unendlichkeit schwer zu erkennen, selbst für Vollendete, daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
nabhaś cordhvaṃ śiras tasya
und der Himmel oben ist sein Haupt (Nom.Sg.n.; Adv.)
kṣitiḥ pādau diśo bhujau
die Erde die Füße, die Himmelsrichtungen die Arme (Nom.Sg.f.; Nom.Du.; Nom.Pl.f.; Nom.Du.)
durvijñeyo hy anantatvāt
schwer erkennbar wegen Unendlichkeit (Gerundiv Nom.Sg.m.; Abl.)
siddhair api na saṃśayaḥ
auch für Vollendete, kein Zweifel (Instr.Pl.; Nom.Sg.m.)

sa eva bhagavān viṣṇur ananta iti viśrutaḥ; sarvabhūtātmabhūtastho durvijñeyo 'kṛtātmabhiḥ

Er selbst ist der Erhabene Viṣṇu, als der Unendliche (Ananta) berühmt, der in allen Wesen als [deren] Selbst weilt und von jenen, deren Selbst ungeschult ist, schwer zu erkennen.

Wort für Wort
sa eva bhagavān viṣṇuḥ
er selbst ist der Erhabene, Viṣṇu (Nom.Sg.m.)
ananta iti viśrutaḥ
als „unendlich“ berühmt (Nom.Sg.m.)
sarvabhūtātmabhūtasthaḥ
in allen Wesen als [ihr] Selbst weilend (Nom.Sg.m.; Kompositum)
durvijñeyo 'kṛtātmabhiḥ
schwer erkennbar für die Ungeschulten (Gerundiv; Instr.Pl.m.)

ahaṃkārasya yaḥ sraṣṭā sarvabhūtabhavāya vai; yataḥ samabhavad viśvaṃ pṛṣṭo 'haṃ yad iha tvayā

Der du mich hier gefragt hast, woraus das Weltall entstand: [das ist] der Schöpfer des Ahaṃkāra, [der] zum Werden aller Wesen [wirkt].

Wort für Wort
ahaṃkārasya yaḥ sraṣṭā
der Schöpfer des Ich-Machers (Gen.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
sarvabhūtabhavāya vai
fürwahr zum Entstehen aller Wesen (Dat.Sg.m.)
yataḥ samabhavad viśvam
von dem das All entstand (Abl.-Adv.; 3.Sg.Impf.)
pṛṣṭo 'haṃ yad iha tvayā
was ich hier von dir gefragt wurde (Part.Pass.; Instr.Sg.)

Syntax der Zeile locker: Antwort auf yataḥ … pṛṣṭo 'haṃ; „das ist“ ergänzt.

bharadvāja uvāca; gaganasya diśāṃ caiva bhūtalasyānilasya ca; kāny atra parimāṇāni saṃśayaṃ chindhi me 'rthataḥ

Bharadvāja sprach: Was sind hierbei die Maße des Himmelsraums, der Himmelsrichtungen, der Erdoberfläche und des Windes? Zerschneide mir den Zweifel sachgemäß.

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
gaganasya diśāṃ caiva
des Himmelsraums und der Himmelsrichtungen (Gen.Sg.n.; Gen.Pl.f.)
bhūtalasyānilasya ca
der Erdoberfläche und des Windes (Gen.Sg.n./m.)
kāny atra parimāṇāni
welche sind hier die Maße (Nom.Pl.n.)
saṃśayaṃ chindhi me 'rthataḥ
den Zweifel zerschneide mir der Sache nach (Imp.2.Sg.; Akk.; Dat./Gen.; Adv.)

bhṛgur uvāca; anantam etad ākāśaṃ siddhacāraṇasevitam; ramyaṃ nānāśrayākīrṇaṃ yasyānto nādhigamyate

Bhṛgu sprach: Dieser Raum ist unendlich, von Vollendeten und Cāraṇas besucht, lieblich, mit mannigfachen Wohnstätten erfüllt; sein Ende ist nicht zu erreichen.

Wort für Wort
bhṛgur uvāca
Bhṛgu sprach
anantam etad ākāśam
unendlich dieser Raum (Nom.Sg.n.)
siddhacāraṇasevitam
von Siddhas und Cāraṇas aufgesucht (Part.Pass. Nom.Sg.n.)
ramyaṃ nānāśrayākīrṇam
lieblich, mit vielerlei Wohnstätten angefüllt (Nom.Sg.n.)
yasyānto nādhigamyate
dessen Ende nicht erreicht wird (Gen.; Nom.Sg.m.; Pass.Präs.)

ūrdhvaṃ gater adhastāt tu candrādityau na dṛśyataḥ; tatra devāḥ svayaṃ dīptā bhāsvarāś cāgnivarcasaḥ

Oberhalb des Gehenden sind unten Mond und Sonne nicht zu sehen; dort [sind] Götter, selbstleuchtend, strahlend, feuerglänzend.

Wort für Wort
ūrdhvaṃ gater adhastāt tu
oberhalb des Ganges, unten aber (Adv.; Gen.Sg.f.; Adv.)
candrādityau na dṛśyataḥ
Mond und Sonne werden nicht gesehen (Nom.Du.; 3.Du.Pass.)
tatra devāḥ svayaṃ dīptāḥ
dort die Götter, von selbst leuchtend (Nom.Pl.m.; Part.Pass.)
bhāsvarāś cāgnivarcasaḥ
strahlend und feuerglänzend (Nom.Pl.m.)

ūrdhvaṃ gater adhastāt tu: Sinn unsicher; wörtlich „oberhalb des Ganges (Laufs), aber unten“, wohl: oberhalb der Bahn von Sonne und Mond sind sie unten nicht mehr sichtbar [?].

te cāpy antaṃ na paśyanti nabhasaḥ prathitaujasaḥ; durgamatvād anantatvād iti me viddhi mānada

Auch sie sehen das Ende des Himmels nicht, deren Kraft berühmt ist, wegen der Unzugänglichkeit und der Unendlichkeit; so wisse es, Ehrer [der Anderen].

Wort für Wort
te cāpy antaṃ na paśyanti
auch sie sehen das Ende nicht (3.Pl.Präs.)
nabhasaḥ prathitaujasaḥ
des Himmels, mit weithin bekannter Kraft (Gen.Sg.n.; Nom.Pl.m.)
durgamatvād anantatvāt
wegen Unzugänglichkeit, wegen Unendlichkeit (Abl.Sg.n.)
iti me viddhi mānada
so von mir wisse, Ehrengeber (Imp.2.Sg.; Vok.)

„iti me viddhi“: „so wisse es von mir“.

upariṣṭopariṣṭāt tu prajvaladbhiḥ svayaṃprabhaiḥ; niruddham etad ākāśam aprameyaṃ surair api

Immer höher hinauf ist dieser Raum von hell brennenden, selbstleuchtenden [Wesen] erfüllt, unermesslich selbst für die Götter.

Wort für Wort
upariṣṭopariṣṭāt tu
höher und höher aber (Adv.)
prajvaladbhiḥ svayaṃprabhaiḥ
von hell Brennenden, Selbstleuchtenden (Instr.Pl.m.; Part.Präs.)
niruddham etad ākāśam
erfüllt/versperrt dieser Raum (Part.Pass. Nom.Sg.n.)
aprameyaṃ surair api
unermesslich selbst für Götter (Nom.Sg.n.; Instr.Pl.m.)

niruddha eigentlich „versperrt, angefüllt“.

pṛthivyante samudrās tu samudrānte tamaḥ smṛtam; tamaso 'nte jalaṃ prāhur jalasyānte 'gnir eva ca

Am Ende der Erde sind die Meere, am Ende der Meere gilt Finsternis; am Ende der Finsternis, sagt man, ist Wasser, und am Ende des Wassers Feuer.

Wort für Wort
pṛthivyante samudrās tu
am Ende der Erde die Meere aber (Lok.Sg.n.; Nom.Pl.m.)
samudrānte tamaḥ smṛtam
am Ende der Meere Finsternis, überliefert (Lok.; Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
tamaso 'nte jalaṃ prāhuḥ
am Ende der Finsternis Wasser, sagen sie (Gen.; Lok.; 3.Pl.Perf.)
jalasyānte 'gnir eva ca
am Ende des Wassers auch Feuer (Gen.; Lok.; Nom.Sg.m.)

rasātalānte salilaṃ jalānte pannagādhipaḥ; tadante punar ākāśam ākāśānte punar jalam

Am Ende des Rasātala ist Wasser, am Ende des Wassers der Herr der Schlangen; an dessen Ende wiederum der Raum, am Ende des Raumes wiederum Wasser.

Wort für Wort
rasātalānte salilam
am Ende des Rasātala Wasser (Lok.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
jalānte pannagādhipaḥ
am Ende des Wassers der Schlangenherr (Nom.Sg.m.)
tadante punar ākāśam
an dessen Ende wieder der Raum (Lok.Sg.n.)
ākāśānte punar jalam
am Ende des Raumes wieder Wasser (Lok.Sg.n.)

evam antaṃ bhagavataḥ pramāṇaṃ salilasya ca; agnimārutatoyebhyo durjñeyaṃ daivatair api

So [ist] das Ende und das Maß des Erhabenen und des Wassers; von Feuer, Wind und Wasser her ist es schwer zu erkennen, selbst für die Götter.

Wort für Wort
evam antaṃ bhagavataḥ
so das Ende des Erhabenen (Adv.; Nom.Sg.m.; Gen.Sg.m.)
pramāṇaṃ salilasya ca
und das Maß des Wassers (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.n.)
agnimārutatoyebhyaḥ
von Feuer, Wind und Wasser her (Abl.Pl.n.)
durjñeyaṃ daivatair api
schwer erkennbar auch für Götter (Gerundiv Nom.Sg.n.; Instr.Pl.n.)

Der Vers ist knapp und syntaktisch dunkel; agnimārutatoyebhyaḥ und evam antaṃ bhagavataḥ sind nur locker verbunden [?].

agnimārutatoyānāṃ varṇāḥ kṣititalasya ca; ākāśasadṛśā hy ete bhidyante tattvadarśanāt

Die Farben von Feuer, Wind, Wasser und der Erdoberfläche gleichen dem Raum; sie werden aber durch die Schau der Wesenheiten unterschieden.

Wort für Wort
agnimārutatoyānām
von Feuer, Wind und Wasser (Gen.Pl.n.)
varṇāḥ kṣititalasya ca
die Farben und der Erdoberfläche (Nom.Pl.m.; Gen.Sg.n.)
ākāśasadṛśā hy ete
dem Raum gleich fürwahr diese (Nom.Pl.m.)
bhidyante tattvadarśanāt
werden unterschieden durch die Schau der Wesenheiten (3.Pl.Pass.; Abl.Sg.n.)

paṭhanti caiva munayaḥ śāstreṣu vividheṣu ca; trailokye sāgare caiva pramāṇaṃ vihitaṃ yathā; adṛśyāya tv agamyāya kaḥ pramāṇam udāharet

Auch die Weisen lehren es in vielfachen Lehrbüchern: Wie das Maß in den drei Welten und im Meer festgelegt ist, [so] – wer könnte das Maß dessen angeben, der unsichtbar und unerreichbar ist?

Wort für Wort
paṭhanti caiva munayaḥ
und es sagen auf die Weisen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
śāstreṣu vividheṣu ca
in Lehrschriften und zwar mannigfachen (Lok.Pl.n.)
trailokye sāgare caiva
in den drei Welten und im Meer (Lok.Sg.n./m.)
pramāṇaṃ vihitaṃ yathā
das Maß festgesetzt, wie (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
adṛśyāya tv agamyāya
für den Unsichtbaren, den Unzugänglichen (Dat.Sg.m.)
kaḥ pramāṇam udāharet
wer würde das Maß angeben (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)

adṛśyāya … agamyāya im Dativ: „für/hinsichtlich des Unsichtbaren“; Konstruktion locker.

siddhānāṃ devatānāṃ ca yadā parimitā gatiḥ; tadā gauṇam anantasya nāmānanteti viśrutam; nāmadheyānurūpasya mānasasya mahātmanaḥ

Wenn der Weg der Siddhas und Götter begrenzt ist, dann ist der Name „Ananta“ (der Unendliche) für den Unendlichen als ein übertragener [Name] bekannt, entsprechend dem Namen des großen Geistigen.

Wort für Wort
siddhānāṃ devatānāṃ ca
der Vollendeten und der Götter (Gen.Pl.)
yadā parimitā gatiḥ
wenn begrenzt der Weg (Adv.; Nom.Sg.f.; Part.Pass.)
tadā gauṇam anantasya
dann übertragen für den Unendlichen (Adv.; Nom.Sg.n.; Gen.Sg.m.)
nāmānanteti viśrutam
der Name „Ananta“ bekannt (Nom.Sg.n.)
nāmadheyānurūpasya mānasasya mahātmanaḥ
des dem Namen entsprechenden Geistigen, des Großgesinnten (Gen.Sg.m.)

gauṇa: „sekundär, übertragen“ (nicht wörtlich); der Bezug des Genitivs im dritten Pāda ist locker [?].

yadā tu divyaṃ tadrūpaṃ hrasate vardhate punaḥ; ko 'nyas tad vedituṃ śakto yo 'pi syāt tadvidho 'paraḥ

Wenn aber jene göttliche Gestalt schwindet und wieder wächst, wer anders vermöchte sie zu erkennen, wenn nicht [ein] ihm ebenbürtiger anderer?

Wort für Wort
yadā tu divyaṃ tadrūpam
wenn aber jene göttliche Gestalt (Nom.Sg.n.)
hrasate vardhate punaḥ
schrumpft, wächst wieder (3.Sg.Präs.Med.)
ko 'nyas tad vedituṃ śaktaḥ
wer anders ist imstande, das zu erkennen (Inf.; Nom.Sg.m.)
yo 'pi syāt tadvidho 'paraḥ
selbst der, der ein solcher andere wäre (Opt.3.Sg.)

tataḥ puṣkarataḥ sṛṣṭaḥ sarvajño mūrtimān prabhuḥ; brahmā dharmamayaḥ pūrvaḥ prajāpatir anuttamaḥ

Darauf wurde aus dem Lotos erschaffen der Allwissende, verkörpert, der Herr, aus Dharma bestehend, der Frühere, Prajāpati, der Unübertreffliche.

Wort für Wort
tataḥ puṣkarataḥ sṛṣṭaḥ
darauf aus dem Lotos erschaffen (Abl.-Adv.; Part.Pass.)
sarvajño mūrtimān prabhuḥ
allwissend, verkörpert, der Herr (Nom.Sg.m.)
brahmā dharmamayaḥ pūrvaḥ
Brahmā, aus Dharma bestehend, der Frühere (Nom.Sg.m.)
prajāpatir anuttamaḥ
Prajāpati, der Unübertroffene (Nom.Sg.m.)

bharadvāja uvāca; puṣkarād yadi saṃbhūto jyeṣṭhaṃ bhavati puṣkaram; brahmāṇaṃ pūrvajaṃ cāha bhavān saṃdeha eva me

Bharadvāja sprach: Wenn aus dem Lotos [Brahmā] entstanden ist, dann ist der Lotos der Ältere. Du sagst aber, Brahmā sei früher geboren; daher habe ich einen Zweifel.

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
puṣkarād yadi saṃbhūtaḥ
wenn aus dem Lotos entstanden (Abl.; Part.Pass.)
jyeṣṭhaṃ bhavati puṣkaram
dann ist der Lotos der Ältere (3.Sg.Präs.)
brahmāṇaṃ pūrvajaṃ cāha
und Brahmā als früher geboren sagst du (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Perf.)
bhavān saṃdeha eva me
Euer Ehren, Zweifel gerade mir (Nom.Sg.; Nom.Sg.m.; Dat./Gen.)

cāha („er sagte“) steht 3.Sg.; bhavān als Subjekt, daher „du sagst“ (höfliche Anrede).

bhṛgur uvāca; mānasasyeha yā mūrtir brahmatvaṃ samupāgatā; tasyāsanavidhānārthaṃ pṛthivī padmam ucyate

Bhṛgu sprach: Die Gestalt des Geistigen (Mānasa), die hier zur Brahmā-Würde gelangt ist: zur Einrichtung ihres Sitzes wird die Erde „Lotos“ genannt.

Wort für Wort
bhṛgur uvāca
Bhṛgu sprach
mānasasyeha yā mūrtiḥ
die Gestalt des Geistigen hier, welche (Gen.Sg.m.; Nom.Sg.f.)
brahmatvaṃ samupāgatā
zur Brahmā-Würde gelangt (Part.Pass. Nom.Sg.f.)
tasyāsanavidhānārtham
zur Einrichtung ihres Sitzes (Adv.)
pṛthivī padmam ucyate
die Erde wird Lotos genannt (Nom.Sg.f.; Pass.Präs.)

karṇikā tasya padmasya merur gaganam ucchritaḥ; tasya madhye sthito lokān sṛjate jagataḥ prabhuḥ

Der Fruchtboden dieses Lotos ist der Meru, der zum Himmel emporragt; in dessen Mitte stehend erschafft der Herr die Welten der Schöpfung.

Wort für Wort
karṇikā tasya padmasya
der Fruchtboden dieses Lotos (Nom.Sg.f.; Gen.)
merur gaganam ucchritaḥ
der Meru, zum Himmel emporragend (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.n.; Part.Pass.)
tasya madhye sthito
in dessen Mitte stehend (Lok.Sg.n.; Part.Pass.)
lokān sṛjate jagataḥ prabhuḥ
erschafft die Welten, der Herr der Welt (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Pl.; Gen.Sg.n.)

gaganam ucchritaḥ: Akkusativ des Ziels („bis zum Himmel“).

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