Kapitel 120: mayūravṛtti-rājadharmaḥ
Der König nach dem Vorbild des Pfaus: Schutz, Klugheit, Ämterbesetzung und Mehrung des Vermögens
Bhīṣma erläutert Yudhiṣṭhira den Kern der Königspflicht (Schutz aller Wesen) im Bild des Pfaus, der vielerlei Gestalt annimmt; es folgen Regeln zu Verstand, Beamtenauswahl, Vermögensmehrung, Umgang mit Gierigen und Feinden sowie Ministern.
Yudhiṣṭhira sprach: „Vielfältige Verhaltensweisen der Könige hast du dargelegt, Bhārata, von früheren Kennern der Königspflicht und des Nutzens vorgeschrieben.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
rājavṛttāny anekāni
Königsverhaltensweisen, viele (Akk.Pl.n.)
tvayā proktāni bhārata
von dir dargelegt (Instr./Part.), Bhārata (Vok.)
pūrvaiḥ pūrvaniyuktāni
von den Früheren früher angeordnet (Instr.Pl./Part.)
rājadharmārthavedibhiḥ
von Kennern der Königspflicht und des Nutzens (Instr.Pl., Kompositum)
tad eva vistareṇoktaṃ pūrvair dṛṣṭaṃ satāṃ matam; praṇayaṃ rājadharmāṇāṃ prabrūhi bharatarṣabha
Eben dies wurde von den Früheren ausführlich gesagt, [es ist] die gesehene Auffassung der Guten. Erläutere [mir] den Kern der Königspflichten, Stier der Bharatas.
Wort für Wort
tad eva vistareṇoktaṃ
eben dies ausführlich gesagt (Nom.Sg.n./Instr.)
pūrvair dṛṣṭaṃ satāṃ matam
von den Früheren gesehen, die Ansicht der Guten (Instr./Part.; Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
praṇayaṃ rājadharmāṇām
die Grundlage/den Kern der Königspflichten (Akk.Sg.; Gen.Pl.)
taikṣṇyaṃ jihmatvam ādāntyaṃ satyam ārjavam eva ca; madhyasthaḥ sattvam ātiṣṭhaṃs tathā vai sukham ṛcchati
Schärfe, Verschlagenheit, Unbezähmbarkeit, Wahrhaftigkeit und Geradheit [soll er zeigen]; in der Mitte stehend und Festigkeit bewahrend, erlangt er so Glück.
Wort für Wort
taikṣṇyaṃ jihmatvam
Schärfe, Krummheit/Verschlagenheit (Akk.Sg.n.)
ādāntyaṃ satyam ārjavam eva ca
Unbezähmbarkeit, Wahrheit, Geradheit (Akk.Sg.)
madhyasthaḥ sattvam ātiṣṭhan
in der Mitte stehend, Festigkeit/Kraft bewahrend (Nom.; Part.Präs.)
tathā vai sukham ṛcchati
so gewiss Glück erlangt er (3.Sg.Präs.)
Ergänzung „soll er zeigen“ nach Kontext; ādāntya [?].
yasminn arthe hitaṃ yat syāt tad varṇaṃ rūpam āviśet; bahurūpasya rājño hi sūkṣmo 'py artho na sīdati
In welcher Angelegenheit was zuträglich ist, jene Farbe und Gestalt soll er annehmen; denn beim vielgestaltigen König geht auch nicht die kleinste Sache zugrunde.
Wort für Wort
yasminn arthe hitaṃ yat syāt
in welcher Sache was zuträglich sein mag (Lok.; Opt.)
tad varṇaṃ rūpam āviśet
jene Farbe, Gestalt soll er annehmen (Opt.)
bahurūpasya rājño hi
denn beim vielgestaltigen König (Gen.)
sūkṣmo 'py artho na sīdati
auch die kleinste Sache geht nicht zugrunde (Nom.; 3.Sg.Präs.)
Stets soll er seine Beratung geschützt halten, wie der stumme Pfau; mit zarter, glatter [?] Gestalt, glanzvoll, soll er in den Lehrschriften bewandert sein.
Wort für Wort
nityaṃ rakṣitamantraḥ syād
stets mit geschütztem Rat sei er (Opt.)
yathā mūkaḥ śaracchikhī
wie der stumme Pfau (Nom.)
ślakṣṇākṣaratanuḥ
glatt/zart an [Silben-/Körper-]Gestalt [?] (Kompositum)
śrīmān bhavec chāstraviśāradaḥ
glanzvoll soll er sein, in den Śāstras bewandert (Opt.)
ślakṣṇākṣaratanuḥ unsicher; śaracchikhī als Pfau gedeutet.
Bei den Zugängen der Not soll er wachsam sein, wie bei Wasserabflüssen; wie [bei] Bergregengewässern soll er bei Brahmanen und Siddhas Zuflucht nehmen [?].
Wort für Wort
āpaddvāreṣu yattaḥ syāj
bei den Toren der Not achtsam sei er (Lok.Pl.; Part.)
jalaprasravaṇeṣv iva
wie bei Wasserabflüssen (Lok.Pl.)
śailavarṣodakānīva
gleichsam Bergregengewässer (Nom./Akk.Pl.n.)
dvijān siddhān samāśrayet
Zweimalgeborene und Siddhas soll er aufsuchen (Akk.Pl.; Opt.)
Vers syntaktisch dunkel; Bildzusammenhang unsicher.
Nach Nutzen strebend soll der König einen Haarschopf tragen, dem Banner des Dharma gleich; stets soll er den Stock erhoben halten und ohne Nachlässigkeit handeln; nachdem er in der Welt Einnahmen und Ausgaben gesehen hat, [soll er] wie einer sein, der von Baum zu Baum springt [?].
Wort für Wort
arthakāmaḥ śikhāṃ rājā
nutzenbegierig, Schopf, der König (Nom.; Akk.)
kuryād dharmadhvajopamām
soll tragen/machen, dem Dharma-Banner gleich (Opt.; Akk.)
nityam udyatadaṇḍaḥ syād
stets mit erhobenem Stock sei er (Opt.)
ācarec cāpramādataḥ
und handle ohne Nachlässigkeit (Opt.; Abl.)
loke cāyavyayau dṛṣṭvā
und in der Welt Einnahme und Ausgabe gesehen habend (Lok.; Gerundium)
vṛkṣād vṛkṣam ivāplavan
wie von Baum zu Baum springend (Abl.; Akk.; Part.)
Sanft soll er unter den eigenen Sippengenossen sein; [seine] Regungen soll er durch [sein] Verhalten [verbergen?] [?]; flügge geworden soll er flattern, [und] seinen Mangel schützen.
Wort für Wort
mṛjāvān syāt svayūthyeṣu
sanft sei er unter Eigenen der Schar (Lok.Pl.)
bhāvāni caraṇaiḥ kṣipet
Regungen/Absichten durch Schritte/Verhalten werfen [?] (Akk.Pl.; Instr.Pl.; Opt.)
jātapakṣaḥ parispanded
mit gewachsenen Flügeln soll er sich regen (Nom.; Opt.)
rakṣed vaikalyam ātmanaḥ
schützen soll er die Unvollständigkeit/Schwäche seiner selbst (Opt.; Akk.; Gen.)
Zweiter Pāda unsicher, ggf. verderbt; mṛjāvān wohl für mṛdumān.
prāvṛṣīvāsitagrīvo majjeta niśi nirjane; māyūreṇa guṇenaiva strībhiś cālakṣitaś caret; na jahyāc ca tanutrāṇaṃ rakṣed ātmānam ātmanā
Wie der Schwarzhalsige [der Pfau] in der Regenzeit soll er in der Nacht an einsamem Ort untertauchen [?]; mit Pfauen-Eigenschaft, von Frauen unbemerkt, soll er sich bewegen; er soll den Körperschutz nicht ablegen [und] sich selbst durch sich selbst schützen.
Wort für Wort
prāvṛṣīvāsitagrīvo
wie der Schwarzhalsige in der Regenzeit (Nom.)
majjeta niśi nirjane
er tauche unter/versinke [?] nachts im Einsamen (Opt.; Lok.)
māyūreṇa guṇenaiva
eben mit Pfauen-Eigenschaft (Instr.)
strībhiś cālakṣitaś caret
von Frauen unbemerkt soll er wandeln (Instr.Pl.; Part.; Opt.)
na jahyāc ca tanutrāṇaṃ
und nicht ablegen den Körperschutz (Opt.)
rakṣed ātmānam ātmanā
schützen soll er sich selbst durch sich selbst (Opt.)
Zu den Weideplätzen [der Spione/des Wilds?] hin und Schlingen soll er meiden; auch jenes Gelände soll er bedrängen und wieder im Dickicht verschwinden [?].
Wort für Wort
cārabhūmiṣv abhigamān
Zugänge zu Weideplätzen [?] (Lok.Pl.; Akk.Pl.)
pāśāṃś ca parivarjayet
und Schlingen meiden (Akk.Pl.; Opt.)
pīḍayec cāpi tāṃ bhūmiṃ
und bedrängen auch jenes Land (Opt.; Akk.)
praṇaśyed gahane punaḥ
verschwinden soll er im Dickicht wieder (Opt.; Lok.)
Vers unsicher; cārabhūmi evtl. „Boden der Späher/Weideplatz“.
So, nach Pfauenart stets verfahrend, der Mann … [Anm.: Satz setzt sich im folgenden Vers fort]
Wort für Wort
evaṃ mayūradharmeṇa
so nach Pfauenart (Instr.)
vartayan satataṃ naraḥ
verfahrend stets der Mann (Part.Präs.; Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile (*0278) der kritischen Ausgabe; Satz wird in 120.015 fortgeführt.
hanyāt kruddhān ativiṣān ye jihmagatayo 'hitān; nāśrayed bālabarhāṇi sannivāsāni vāsayet
Er soll die Zornigen, Hochgiftigen, die krumme Wege gehen, [als] Feinde erschlagen; er soll [Pfauenküken/Jungfedern?] nicht aufsuchen [und] Wohnstätten [?] bewohnen lassen.
Wort für Wort
hanyāt kruddhān ativiṣān
erschlagen soll er die Zornigen, Hochgiftigen (Opt.; Akk.Pl.)
ye jihmagatayo 'hitān
die krumm Gehenden, [als] Feinde (Nom.Pl.; Akk.Pl.)
nāśrayed bālabarhāṇi
nicht aufsuchen soll er Jungfedern [?] (Opt.; Akk.Pl.)
Stets, einem Pfau gleich, soll er nach Belieben tun, was Hingabe bewirkt; von überall soll er Einsicht auffangen, wie [der Pfau] Insekten in Dickichten; so soll der König wie ein Pfau sein eigenes Reich schützen.
Wort für Wort
sadā barhinibhaḥ kāmam
stets pfauengleich nach Belieben (Nom.; Adv.)
prasaktikṛtam ācaret
Hingabe/Anhänglichkeit Bewirkendes tun (Akk.; Opt.)
sarvataś cādadet prajñāṃ
und von überall aufnehmen soll er Einsicht (Opt.; Akk.)
Der Kluge soll eine Politik anwenden, die das eigene Wachstum mehrt: Selbstbeherrschung durch Verstand, Durchschauen fremden Verstandes durch Verstand und Erlangen eigener Vorzüge durch Verstand; dies ist die Anweisung der Lehrschriften.
Wort für Wort
ātmavṛddhikarīṃ nītiṃ
das Eigenwachstum bewirkende Politik (Akk.Sg.f.)
vidadhīta vicakṣaṇaḥ
anwenden soll der Kluge (Opt. Med.; Nom.)
ātmasaṃyamanaṃ buddhyā
Selbstbeherrschung durch Verstand (Nom.Sg.n.; Instr.)
Auch den Gegner soll er durch Freundlichkeit beruhigen und die eigene Kraft erkennen; durch Prüfung seiner selbst soll er Verstand durch Verstand erwägen; der Weise, auf Versöhnung bedacht, unterscheidet zwischen Zu-Tuendem und Nicht-zu-Tuendem.
Wort für Wort
paraṃ cāśvāsayet sāmnā
und den Gegner beruhigen durch Freundlichkeit (Akk.; Opt. Kaus.; Instr.)
svaśaktiṃ copalakṣayet
und die eigene Kraft erkennen (Akk.; Opt.)
ātmanaḥ parimarśena
durch Prüfung seiner selbst (Gen.; Instr.)
buddhiṃ buddhyā vicārayet
Verstand durch Verstand erwägen (Akk.; Instr.; Opt.)
Mit verborgenem Verstand soll er standhaft sein; wo zu reden ist, wird so geredet werden [?]. Der Weise [?] … die nahe [zusammenhängende] Rede, wenn er durch Verstand [Bṛhaspati gleicht?] … wird zu seiner [wahren] Natur gelangen, wie erhitztes schwarzes Eisen im Wasser.
Wort für Wort
nigūḍhabuddhir dhīraḥ syād
verborgenen Verstandes standhaft sei er (Nom.; Opt.)
vaktavye vakṣyate tathā
wo zu reden ist, wird so geredet [?] (Lok.; Fut. Pass.)
saṃnikṛṣṭāṃ kathāṃ prājño
die nahe/zusammenhängende Rede, der Weise (Akk.; Nom.)
yadi buddhyā bṛhaspatiḥ
wenn durch Verstand Bṛhaspati (Instr.; Nom.)
svabhāvam eṣyate taptaṃ
zur Eigennatur wird gelangen das Erhitzte (Akk.; Fut. Med.)
kṛṣṇāyasam ivodake
wie schwarzes Eisen im Wasser (Nom.; Lok.)
Vers textlich verderbt/syntaktisch unklar; Übersetzung unsicher.
Den Niedrigen, den Grausamen, ebenso den Klugen, den Helden und den in Sachen Bewanderten sowie andere, die durch [Kunst der] Rede hervorragen, soll er zu seinem [jeweiligen] Werk einsetzen.
Wort für Wort
kṣudraṃ krūraṃ tathā prājñaṃ
den Niedrigen, Grausamen, ebenso Klugen (Akk.Sg.)
śūraṃ cārthaviśāradam
den Helden und den Sachkundigen (Akk.Sg.)
svakarmaṇi niyuñjīta
zum eigenen Werk einsetzen soll er (Lok.; Opt. Med.)
ye cānye vacanādhikāḥ
und welche anderen in der Rede überlegen (Nom.Pl.)
Zuordnung der Kategorien zu Kasus im Vers nicht ganz eindeutig.
Auch ohne sie gesehen zu haben, soll er all die in passende Werke Eingesetzten im Auge behalten, wie [man] gespannte Saiten [im Hinblick auf] ihre Töne [?].
Wort für Wort
apy adṛṣṭvā niyuktāni
auch ohne gesehen zu haben, Eingesetzte (Gerundium; Part.)
anurūpeṣu karmasu
in passenden Werken (Lok.Pl.)
sarvāṃs tān anuvarteta
alle diese soll er verfolgen/beachten (Akk.Pl.; Opt.)
svarāṃs tantrīr ivāyatā
wie gespannte Saiten die Töne (Akk.Pl.; Akk.Pl.f.)
Vers unsicher; Bild der gespannten Saiten und Töne.
… nicht Gierige, Geschulte, Gezähmte, in den Pflichten Gefestigte – diese soll der König in alle Aufgaben einsetzen, [als solche,] die Dharma und Nutzen schützen.
Wort für Wort
alubdhāñ śikṣitān dāntān
Nichtgierige, Geschulte, Gezähmte (Akk.Pl.)
dharmeṣu pariniṣṭhitān
in den Pflichten Gefestigte (Lok.Pl.; Akk.Pl.)
sthāpayet sarvakāryeṣu
einsetzen soll er in alle Aufgaben (Opt.; Lok.Pl.)
rājā dharmārtharakṣiṇaḥ
der König, Dharma und Nutzen Schützende (Nom.; Akk.Pl.)
Für den, dessen Zorn und Freude nicht ins Leere gehen, der die Aufgaben selbst überwacht und dessen Schatzkammer im Vertrauen auf sich selbst besteht, ist die Erde in Wahrheit eine „Reichtumsträgerin“ [vasuṃdharā].
Wort für Wort
amogha-krodha-harṣasya
dessen Zorn und Freude nicht vergeblich sind (Gen.Sg., Bahuvrīhi)
svayaṃ kṛtyānvavekṣiṇaḥ
selbst die Aufgaben überwachend (Gen.Sg., Nomen agentis)
ātma-pratyaya-kośasya
dessen Schatz das Vertrauen auf sich selbst ist (Gen.Sg., Bahuvrīhi) [?]
vasudhā eva vasuṃdharā
die Erde ist gerade Reichtumsträgerin (Nom.Sg.f.)
ātmapratyayakośa auch als „Schatz, der auf eigener Zuverlässigkeit beruht“ deutbar.
vyaktaś cānugraho yasya yathārthaś cāpi nigrahaḥ; guptātmā guptarāṣṭraś ca sa rājā rājadharmavit
Dessen Gunst offenkundig ist und dessen Strafe auch dem Sinn nach berechtigt [ist], wer selbst geschützt ist und dessen Reich geschützt ist – dieser König kennt die Königspflicht.
Wort für Wort
vyaktaś ca anugraho yasya
und dessen Gunst offenkundig ist (Nom.Sg.m./Gen.Rel.)
yathārthaś ca api nigrahaḥ
und dessen Strafe sachgemäß ist (Nom.Sg.m.)
guptātmā gupta-rāṣṭraś ca
selbst geschützt und mit geschütztem Reich (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)
sa rājā rājadharma-vit
dieser König, ein Kenner der Königspflicht (Nom.Sg.)
nityaṃ rāṣṭram avekṣeta gobhiḥ sūrya ivotpatan; cārāṃś ca nacarān vidyāt tathā buddhyā na saṃjvaret
Stets soll er sein Reich überblicken, wie die Sonne, die mit ihren Strahlen aufgeht; und Späher soll er kennen, die nicht [offen] umherziehen [?]; so soll er durch Klugheit nicht [in Hitze] entbrennen.
Wort für Wort
nityaṃ rāṣṭram avekṣeta
stets das Reich überblicken soll er (Opt.Med.3.Sg.; Akk.Sg.)
gobhiḥ sūrya iva utpatan
wie die Sonne mit [ihren] Strahlen aufgehend (Instr.Pl.; Part.Präs.)
cārāṃś ca nacarān vidyāt
und Späher, nicht umherziehende [?], soll er kennen (Akk.Pl.; Opt.3.Sg.)
tathā buddhyā na saṃjvaret
so durch Klugheit soll er nicht aufbrennen (Instr.Sg.; Opt.3.Sg.)
nacarān unsicher (na carān „nicht umherziehende“ oder Kompositum); saṃjvaret wörtlich „nicht heiß werden/entbrennen“.
yad dhi guptāvaśiṣṭaṃ syāt tad dhitaṃ dharmakāmayoḥ; saṃcayānuvisargī syād rājā śāstravid ātmavān
Denn was, wohlverwahrt, übrig bleibt, das ist dem Dharma und dem Kāma förderlich; der König, der die Lehrbücher kennt und selbstbeherrscht ist, soll [den Vorrat] sowohl mehren als auch wieder ausgeben.
Wort für Wort
yad hi gupta-avaśiṣṭaṃ syāt
denn was geschützt übrig bleibt (Nom.Sg.n.; Opt.3.Sg.)
tad dhitaṃ dharma-kāmayoḥ
das ist zuträglich für Dharma und Kāma (Nom.Sg.n.; Gen./Lok.Du.)
saṃcaya-anuvisargī syād
Vorrat anlegend und ausgebend soll sein (Nom.Sg.m.; Opt.)
rājā śāstra-vid ātmavān
der König, Lehrbuchkundiger, selbstbeherrscht (Nom.Sg.)
nālpam arthaṃ paribhaven nāvamanyeta śātravān; buddhyāvabudhyed ātmānaṃ na cābuddhiṣu viśvaset
Nicht soll er ein geringes Gut geringschätzen, und die Feindlichen soll er nicht gering achten; durch Verstand soll er sich selbst erkennen, und Unverständigen soll er nicht vertrauen.
Wort für Wort
na alpam artham paribhavet
nicht ein geringes Gut soll er missachten (Akk.Sg.; Opt.3.Sg.)
na avamanyeta śātravān
nicht geringschätzen soll er die Feindlichen (Opt.Med.; Akk.Pl.)
buddhyā avabudhyed ātmānam
durch Verstand soll er erkennen sich selbst (Instr.Sg.; Opt.; Akk.Sg.)
na ca abuddhiṣu viśvaset
und Unverständigen nicht vertrauen soll er (Lok.Pl.; Opt.3.Sg.)
śātravān als Akk.Pl. „die Feindlichen/Feinde“ aufgefasst.
Standhaftigkeit, Geschick, Selbstzucht, ein überragender Verstand, Ausdauer, Tapferkeit, [Beachtung von] Ort und Zeit und Unachtsamkeitslosigkeit: Diese acht sind die Brennhölzer für das Wachstum des Reichtums, sei er gering oder groß.
Wort für Wort
dhṛtir dākṣyaṃ saṃyamo
Standhaftigkeit, Geschick, Selbstzucht (Nom.Sg.)
buddhir agryā
überragender Verstand (Nom.Sg.f.)
dhairyaṃ śauryaṃ deśa-kālo
Ausdauer, Tapferkeit, Ort und Zeit (Nom.Sg.)
apramādaḥ
Unachtsamkeitslosigkeit, Wachsamkeit (Nom.Sg.m.)
su-alpasya vā mahato vā api vṛddhau
beim Wachstum, sei es des sehr Geringen oder des Großen (Gen.Sg.; Lok.Sg.)
dhanasya etāny aṣṭa samindhanāni
des Reichtums diese acht Brennhölzer (Gen.Sg.; Nom.Pl.n.)
Ein kleines Feuer wächst, mit Ghee begossen; ein einziges Samenkorn bringt viele Tausende hervor. Wenn er Schwund und Aufstieg als gewaltig bedenkt, soll der Wissende darum nichts Geringes missachten.
Wort für Wort
agni-stoko vardhate hi
ein kleiner Funke Feuer wächst ja (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
ājya-sikto
mit Ghee besprengt (Nom.Sg.m., Part.Pass.)
bījaṃ ca ekaṃ bahu-sāhasram eti
und ein Same erreicht viele Tausende (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
kṣaya-udayau vipulau saṃniśāmya
Verfall und Aufstieg als gewaltig erwägend (Nom.Du.; Abs.)
tasmād alpaṃ na avamanyeta vidvān
daher das Geringe nicht geringschätzen soll der Wissende (Opt.Med.; Nom.Sg.)
Ein Feind – ob Kind, Erwachsener oder Greis – kann einen stets unachtsamen Mann erschlagen; ein anderer könnte zur [rechten] Zeit dessen Wurzel entreißen. Wer die Zeit kennt, ist der Beste unter den Fürsten.
Wort für Wort
bālo abālaḥ sthaviro vā ripur yaḥ
ein Feind, ob Kind, Nicht-Kind oder Greis, welcher (Nom.Sg.)
sadā pramattaṃ puruṣaṃ nihanyāt
den stets unachtsamen Mann würde er erschlagen (Akk.Sg.; Opt.3.Sg.)
kālena anyas tasya mūlaṃ hareta
zur Zeit ein anderer dessen Wurzel entreißen könnte (Instr.; Opt.Med.)
kāla-jñātā pārthivānāṃ variṣṭhaḥ
der Zeitkenner ist unter den Fürsten der Beste (Nom.Sg.; Gen.Pl.; Superl.)
kālajñātā als Nomen agentis „Kenner der rechten Zeit“ gedeutet.
Ein Feind, ein Hasser, ob schwach oder stark, könnte seinen Ruhm rauben, sein Dharma beeinträchtigen und im Streben nach Nutzen seine lange [aufgebaute] Kraft zunichtemachen; darum soll der Selbstbeherrschte einen Feind niemals missachten.
Wort für Wort
haret kīrtiṃ dharmam asya uparundhyād
er könnte rauben den Ruhm, sein Dharma beeinträchtigen (Opt.3.Sg.; Akk.; Opt.)
arthe dīrghaṃ vīryam asya upahanyāt
im Nutzenstreben seine lange Kraft zerstören (Lok.; Akk.; Opt.)
ripur dveṣṭā durbalo vā balī vā
ein Feind, Hasser, schwach oder stark (Nom.Sg.)
tasmāc chatrau na eva heḍed
darum einem Feind niemals soll er Missachtung zeigen (Lok.Sg.; Opt.3.Sg.)
Den Untergang des Feindes, die Anhäufung und den Schutz [des Eigenen] – und [dazu] die beiden Ziele, Dharma und Kāma, vereint: darüber hinaus soll der Einsichtige auch anderes fügen [?]; darum soll der König einen Verständigen aufsuchen.
Wort für Wort
kṣayaṃ śatroḥ saṃcayaṃ pālanaṃ ca api
den Untergang des Feindes, Anhäufung und Schutz auch (Akk.Sg.; Gen.Sg.)
ubhau ca arthau sahitau
und beide Ziele verbunden (Nom./Akk.Du.)
dharma-kāmau
Dharma und Kāma (Dvandva, Du.)
ataś ca anyan matimān saṃdadhīta
und darüber hinaus anderes soll der Einsichtige fügen [?] (Akk.; Opt.Med.)
tasmād rājā buddhimantaṃ śrayeta
darum soll der König einen Verständigen aufsuchen (Akk.Sg.; Opt.Med.)
Satzbau der ersten Halbverse unklar; Wiedergabe unsicher.
Eine leuchtende Einsicht bezwingt den Mächtigen; Macht wächst, wenn sie durch Einsicht behütet wird; der Feind sinkt durch Einsicht, auch wenn er wächst; was der Einsicht nachfolgt als Handlung, das ist gepriesen.
Wort für Wort
buddhir dīptā balavantaṃ hinasti
leuchtende Einsicht verletzt den Starken (Nom.Sg.f.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
balaṃ buddhyā vardhate pālyamānam
Kraft wächst durch Einsicht, behütet (Instr.; Part.Pass.Nom.n.)
śatrur buddhyā sīdate vardhamāno
der Feind sinkt durch Einsicht, wachsend (3.Sg.Präs.Med.; Part.Präs.)
buddheḥ paścāt karma yat tat praśastam
was der Einsicht nachfolgt, [dieses] Handeln ist gepriesen (Abl./Gen.; Part.Pass.)
sarvān kāmān kāmayāno hi dhīraḥ; sattvenālpenāplute hīnadehaḥ; yathātmānaṃ prārthayate 'rthamānaiḥ; śreyaḥpātraṃ pūrayate hy analpam
Der Standhafte, der alle Wünsche wünscht, [aber] von schwachem Leib, mit geringer Kraft überflutet [?] – wie er sich selbst bei den Gütererstrebenden begehrt [?], so füllt er das Gefäß des Heils, nicht wenig.
Wort für Wort
sarvān kāmān kāmayāno hi dhīraḥ
alle Wünsche wünschend, der Standhafte (Akk.Pl.; Part.Med.; Nom.Sg.)
sattvena alpena āplute
mit geringer Kraft überflutet [?] (Instr.Sg.; Lok./Part.Pass.)
hīna-dehaḥ
von schwachem Körper (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
yathā ātmānaṃ prārthayate artha-mānaiḥ
wie er sich begehrt/erstrebt mit den Gütererstrebenden [?] (3.Sg.Med.; Instr.Pl.)
śreyaḥ-pātraṃ pūrayate hi analpam
das Gefäß des Heils füllt er, nicht wenig (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Med.)
Text erkennbar verderbt oder stark elliptisch; Wiedergabe nur tastend.
Darum soll der König, wenn er von Feinden ergriffen ist, die Wurzel des Glücks von allen Seiten an sich nehmen; auch wenn er lange Zeit bedrängt wird, soll er wie ein niederfahrender Blitz an Ehrgefühl gewaltig sein.
Wort für Wort
tasmād rājā pragṛhītaḥ pareṣu
darum der König, von Feinden ergriffen (Nom.Sg.; Part.Pass.; Lok.Pl.)
mūlaṃ lakṣmyāḥ sarvato abhyādadīta
die Wurzel des Glücks von allen Seiten soll er an sich nehmen (Akk.; Gen.Sg.; Opt.Med.)
dīrghaṃ kālam api saṃpīḍyamāno
auch lange Zeit bedrängt werdend (Akk.; Part.Pass.Präs.)
vidyut-saṃpātam iva
wie ein Blitzschlag (Akk.Sg., Adv.)
māna-ūrjitaḥ syāt
an Stolz/Ehre gewaltig soll er sein (Nom.Sg.; Opt.)
Wissen, Askese oder großen Reichtum – all dies kann man durch Tatkraft erlangen; das Brahman wohnt, [dem Streben] verbunden, in den Leibträgern; darum erkenne man die Tatkraft als mächtig.
Wort für Wort
vidyā tapo vā vipulaṃ dhanaṃ vā
Wissen, Askese oder gewaltigen Reichtum (Nom.Sg.)
sarvam etad vyavasāyena śakyam
all dies ist durch Tatkraft möglich (Nom.Sg.n.; Instr.; Gerundiv)
brahma yattaṃ nivasati dehavatsu
das Brahman, gebunden [?], wohnt in den Leibträgern (Nom.Sg.n.; Part.Pass.; Lok.Pl.)
tasmād vidyād vyavasāyaṃ prabhūtam
darum soll man erkennen die Tatkraft als mächtig (Opt.3.Sg.; Akk.)
yattaṃ unsicher (gebunden/bereit); Sinn der zweiten Vershälfte erschlossen.
Wo die Verständigen und Geistesstarken weilen, wo Śakra, Viṣṇu und Sarasvatī [weilen] und wo stets die Wesen wohnen: darum soll der Wissende den Körper nicht geringschätzen.
Wort für Wort
yatra āsate matimanto manasvinaḥ
wo sitzen/weilen die Verständigen, Geistesstarken (3.Pl.Med.; Nom.Pl.)
śakro viṣṇur yatra sarasvatī ca
wo Śakra, Viṣṇu und Sarasvatī (Nom.Sg.)
vasanti bhūtāni ca yatra nityam
und wo stets die Wesen wohnen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.n.)
tasmād vidvān na avamanyeta deham
darum soll der Wissende den Körper nicht missachten (Nom.Sg.; Opt.Med.; Akk.Sg.)
Den Habgierigen soll man stets durch Geben bezwingen; der Habgierige findet am Besitz anderer nie Sättigung; jeder Habgierige [strebt] nach dem Genuss der Vorzüge des Tuns [?]; wer arm an Gütern ist, gibt Dharma und Kāma auf.
Wort für Wort
lubdhaṃ hanyāt saṃpradānena nityam
den Habgierigen soll man niederringen durch Geben, stets (Akk.; Opt.; Instr.)
lubdhas tṛptiṃ para-vittasya na eti
der Habgierige erlangt keine Sättigung am fremden Besitz (Akk.Sg.; Gen.; 3.Sg.Präs.)
sarvo lubdhaḥ karma-guṇa-upabhoge
jeder Habgierige im Genuss der Vorzüge des Tuns [?] (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
yo arthair hīno dharma-kāmau jahāti
wer, der Güter beraubt, Dharma und Kāma aufgibt (Instr.Pl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
Vermögen, Speise, Söhne und Frauen, Wohlstand – jeder Habgierige begehrt dies von anderen; im Habgierigen entstehen hier alle Fehler; darum soll der König Habgierige nicht [in Gunst] annehmen.
Wort für Wort
dhanaṃ bhojyaṃ putra-dāraṃ samṛddhim
Vermögen, Speise, Söhne und Frau, Wohlstand (Akk.Sg.)
sarvo lubdhaḥ prārthayate pareṣām
jeder Habgierige begehrt von anderen (Nom.Sg.; 3.Sg.Med.; Gen.Pl.)
lubdhe doṣāḥ saṃbhavanti iha sarve
im Habgierigen entstehen hier alle Fehler (Lok.Sg.; Nom.Pl.; 3.Pl.)
tasmād rājā na pragṛhṇīta lubdhān
darum soll der König Habgierige nicht annehmen (Opt.Med.; Akk.Pl.)
saṃdarśane satpuruṣaṃ jaghanyam api codayet; ārambhān dviṣatāṃ prājñaḥ sarvān arthāṃs tu sūdayet
Beim Zusammentreffen soll er den Tugendhaften und selbst den Niedrigsten anspornen; der Kluge soll alle Unternehmungen und alle Ziele der Hassenden zunichtemachen.
Wort für Wort
saṃdarśane sat-puruṣaṃ
beim Zusammentreffen den guten Mann (Lok.Sg.; Akk.Sg.)
jaghanyam api codayet
auch den Niedrigsten soll er anspornen (Akk.; Opt.Kaus.)
ārambhān dviṣatāṃ prājñaḥ
die Unternehmungen der Hassenden, der Kluge (Akk.Pl.; Gen.Pl.; Nom.Sg.)
sarvān arthāṃs tu sūdayet
und alle Ziele soll er vernichten (Akk.Pl.; Opt.Kaus.)
dharmānviteṣu vijñāto mantrī guptaś ca pāṇḍava; āpto rājan kulīnaś ca paryāpto rājyasaṃgrahe
Unter den Dharma-Gefolgsleuten [bewährt], als Ratgeber erkannt und verschwiegen, o Pāṇḍava, vertraut, o König, aus gutem Hause und tauglich zur Sicherung des Reiches [soll er sein].
Wort für Wort
dharma-anviteṣu vijñāto
unter Dharma-Gefolgsleuten erkannt (Lok.Pl.; Part.Pass.)
mantrī guptaś ca pāṇḍava
Ratgeber, verschwiegen, o Pāṇḍava (Nom.Sg.; Vok.)
āpto rājan kulīnaś ca
vertraut, o König, und aus gutem Geschlecht (Nom.Sg.; Vok.)
paryāpto rājya-saṃgrahe
tauglich für die Sicherung des Reiches (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
Der Vers ist elliptisch; „soll sein“ ergänzt (Beschreibung eines Ministers).
vidhipravṛttān naradevadharmān; uktān samāsena nibodha buddhyā; imān vidadhyād vyanusṛtya yo vai; rājā mahīṃ pālayituṃ sa śaktaḥ
Die aus der Ordnung erwachsenden Pflichten der Könige, die ich [dir] kurz genannt habe, vernimm mit Verstand; der König, der diese befolgend ins Werk setzt, vermag die Erde zu schützen.
Wort für Wort
vidhi-pravṛttān nara-deva-dharmān
die aus der Vorschrift wirkenden Königspflichten (Akk.Pl.)
uktān samāsena nibodha buddhyā
kurz gesagte, vernimm mit Verstand (Part.Pass.; Instr.; Imp.)
imān vidadhyād vyanusṛtya
diese soll er ins Werk setzen, befolgend (Akk.Pl.; Opt.; Abs.)
yo vai rājā mahīṃ pālayitum
der König, der die Erde zu schützen (Nom.Sg.; Akk.; Inf.)
anītijaṃ yady avidhānajaṃ sukhaṃ; haṭhapraṇītaṃ vividhaṃ pradṛśyate; na vidyate tasya gatir mahīpater; na vidyate rāṣṭrajam uttamaṃ sukham
Wenn ein Glück, das nicht aus Klugheit und nicht aus Ordnung stammt, [sondern] gewaltsam herbeigeführt ist, in mancherlei Gestalt gesehen wird: Für diesen Fürsten gibt es keinen [guten] Weg, und kein höchstes, aus dem Reich erwachsendes Glück.
Wort für Wort
anīti-jaṃ yady avidhāna-jaṃ sukhaṃ
wenn Glück, nicht aus Politik und nicht aus Ordnung geboren (Nom.Sg.n.)
haṭha-praṇītaṃ vividhaṃ pradṛśyate
durch Gewalt herbeigeführt, mannigfach gesehen wird (Part.Pass.; 3.Sg.Pass.)
na vidyate tasya gatir mahīpateḥ
nicht gibt es für diesen Erdenherrscher einen Weg (3.Sg.Pass.; Nom.Sg.f.; Gen.)
na vidyate rāṣṭra-jam uttamaṃ sukham
nicht gibt es das höchste aus dem Reich geborene Glück (Nom.Sg.n.)
Die durch Reichtum Ausgezeichneten, durch Verstand und Charakter Geehrten, mit Vorzügen Ausgestatteten, im Kampf als tapfer Erwiesenen, [und die] in ihren Eigenschaften Erkannten – der Selbstbeherrschte erschlägt bald die feindlichen Guten, wenn er sie [sich zum Ziel gesetzt] hat [?].
Wort für Wort
dhanair viśiṣṭān mati-śīla-pūjitān
durch Reichtum Ausgezeichnete, für Verstand und Charakter Geehrte (Instr.Pl.; Akk.Pl.)
guṇa-upapannān yudhi dṛṣṭa-vikramān
mit Vorzügen begabte, im Kampf als tapfer Erwiesene (Akk.Pl.; Lok.Sg.)
guṇeṣu dṛṣṭān acirād iha ātmavān
in den Eigenschaften Erkannte, bald hier, der Selbstbeherrschte (Lok.Pl.; Akk.Pl.; Nom.Sg.)
sato abhisaṃdhāya nihanti śātravān
die Guten ins Auge fassend/hintergehend [?], erschlägt die Feindlichen (Akk.Pl.; Abs.; 3.Sg.; Akk.Pl.)
Syntax und Sinn der zweiten Vershälfte unsicher (sato abhisaṃdhāya).
paśyed upāyān vividhaiḥ kriyāpathair; na cānupāyena matiṃ niveśayet; śriyaṃ viśiṣṭāṃ vipulaṃ yaśo dhanaṃ; na doṣadarśī puruṣaḥ samaśnute
Er soll Mittel auf vielfachen Handlungswegen erkennen und seinen Sinn nicht auf Nicht-Mittel richten; hohes Glück, weite Berühmtheit und Reichtum erlangt kein Mann, der [nur] Fehler sieht.
Wort für Wort
paśyed upāyān vividhaiḥ kriyā-pathair
er soll Mittel sehen auf mannigfachen Wegen des Handelns (Opt.; Akk.Pl.; Instr.Pl.)
na ca anupāyena matiṃ niveśayet
und nicht auf Nicht-Mittel den Sinn richten (Instr.; Akk.Sg.; Opt.Kaus.)
śriyaṃ viśiṣṭāṃ vipulaṃ yaśo dhanaṃ
hohes Glück, weiten Ruhm, Reichtum (Akk.Sg.)
na doṣa-darśī puruṣaḥ samaśnute
nicht der Fehlersucher-Mann erlangt (Nom.Sg.; 3.Sg.Med.)
anupāyena: Instr. im Sinne „auf ein Nicht-Mittel hin“, sinngemäß.
prītipravṛttau vinivartane tathā; suhṛtsu vijñāya nivṛtya cobhayoḥ; yad eva mitraṃ gurubhāram āvahet; tad eva susnigdham udāhared budhaḥ
Bei Beginn und Beendigung der Zuneigung, ebenso unter den Freunden, nachdem er [beides] erkannt und sich von beiden abgewandt hat [?]: den Freund, der eine schwere Last trägt, den soll der Weise gerade als sehr zugetan bezeichnen.
Wort für Wort
prīti-pravṛttau vinivartane tathā
bei Beginn der Zuneigung und beim Ablassen ebenso (Lok.Sg.)
suhṛtsu vijñāya nivṛtya ca ubhayoḥ
unter Freunden erkannt habend und von beiden abgelassen habend [?] (Lok.Pl.; Abs.; Gen./Lok.Du.)
yad eva mitraṃ guru-bhāram āvahet
welcher Freund eine schwere Last trüge (Nom.Sg.; Akk.; Opt.3.Sg.)
tad eva su-snigdham udāhared budhaḥ
den eben soll als sehr zugetan nennen der Weise (Akk.; Opt.; Nom.Sg.)
Erste Vershälfte syntaktisch schwierig; Wiedergabe unsicher.
etān mayoktāṃs tava rājadharmān; nṛṇāṃ ca guptau matim ādadhatsva; avāpsyase puṇyaphalaṃ sukhena; sarvo hi lokottamadharmamūlaḥ
Diese von mir genannten Königspflichten – und richte deinen Sinn auf den Schutz der Menschen; du wirst mühelos die Frucht des Verdienstes erlangen; denn alles hat den in der Welt höchsten Dharma zur Wurzel.
Wort für Wort
etān mayā uktāṃs tava rāja-dharmān
diese von mir gesagten Königspflichten für dich (Akk.Pl.; Instr.; Part.)
nṛṇāṃ ca guptau matim ādadhatsva
und für den Schutz der Menschen richte den Sinn (Gen.Pl.; Lok.Sg.; Akk.; Imp.Med.)
avāpsyase puṇya-phalaṃ sukhena
du wirst erlangen die Frucht des Verdienstes leicht (Fut.Med.2.Sg.; Akk.; Instr.)
sarvo hi loka-uttama-dharma-mūlaḥ
denn alles hat den in der Welt höchsten Dharma zur Wurzel (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)