bhīṣma uvāca; karoti pāpaṃ yo 'jñānān nātmano vetti ca kṣamam; pradveṣṭi sādhuvṛttāṃś ca sa lokasyaiti vācyatām
Bhīṣma sprach: „Wer aus Unwissenheit Böses tut, das für sich Zuträgliche nicht kennt und die rechtschaffen Lebenden hasst, der gerät bei den Leuten in üble Nachrede.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
karoti pāpaṃ yo 'jñānāt
wer Böses tut aus Unwissenheit (3.Sg.Präs./Akk./Abl.)
nātmano vetti ca kṣamam
und nicht kennt das für sich Zuträgliche (3.Sg.Präs./Gen./Akk.Sg.n.)
pradveṣṭi sādhuvṛttāṃś ca
und hasst die rechtschaffen Lebenden (3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
sa lokasyaiti vācyatām
der gerät bei der Welt in Tadel (Nom./Gen./3.Sg.Präs./Akk.Sg.)
Aus Unwissenheit gelangt man in die Hölle, ebenso durch Unwissenheit in ein übles Schicksal; aus Unwissenheit erlangt man Leid und versinkt so in Nöten.
Wort für Wort
ajñānān nirayaṃ yāti
aus Unwissenheit in die Hölle geht man (Abl./Akk./3.Sg.Präs.)
tathājñānena durgatim
ebenso durch Unwissenheit in schlimmes Geschick (Instr./Akk.Sg.)
ajñānāt kleśam āpnoti
aus Unwissenheit Leid erlangt man (Abl./Akk./3.Sg.Präs.)
yudhiṣṭhira uvāca; ajñānasya pravṛttiṃ ca sthānaṃ vṛddhiṃ kṣayodayau; mūlaṃ yogaṃ gatiṃ kālaṃ kāraṇaṃ hetum eva ca
Yudhiṣṭhira sprach: „[Ich möchte hören] das Hervorgehen der Unwissenheit, ihren Sitz, ihr Wachstum, ihr Schwinden und Aufkommen, die Wurzel, die Verbindung, den Weg, die Zeit, die Ursache und den Grund.“
Wunsch, Abneigung, Glut [der Reue/Qual], das Sich-Quälen am Wohlergehen anderer: das wird als Unwissenheit bezeichnet, und [auch] die Handlungen, die zu den Übeln gehören.
Wort für Wort
icchā dveṣas tathā tāpaḥ
Wunsch, Abneigung, ebenso Qual (Nom.Sg.)
paravṛddhyupatāpitā
das Sich-Quälen über das Gedeihen anderer (Nom.Sg.f.)
ajñānam etan nirdiṣṭaṃ
Unwissenheit: dies ist bezeichnet (Nom.Sg.n./Part.Pass.)
pāpānāṃ caiva yāḥ kriyāḥ
und der Übel [Handlungen], welche (Gen.Pl./Nom.Pl.f.)
Zweiter Teil des Verses syntaktisch knapp; „pāpānāṃ kriyāḥ“ als „Taten des Bösen“ gefasst.
etayā yā pravṛttiś ca vṛddhyādīn yāṃś ca pṛcchasi; vistareṇa mahābāho śṛṇu tac ca viśāṃ pate
Was durch diese [Unwissenheit] an Entwicklung entsteht, und was du an Wachstum und so weiter erfragst, das höre ausführlich, Starkarmiger, Herr der Menschen.
Wort für Wort
etayā yā pravṛttiś ca
und welches Hervorgehen durch diese (Instr.Sg.f./Nom.Sg.f.)
vṛddhyādīn yāṃś ca pṛcchasi
und was du an Wachstum usw. fragst (Akk.Pl./2.Sg.Präs.)
Die aus Gier entstandene Unwissenheit wächst, einmal groß geworden, immer weiter: im Bestehen [der Gier] besteht sie, im Schwinden schwindet sie, und sie nimmt vielfältigen Gang an.
Wort für Wort
lobhaprabhavam ajñānam
aus Gier entstandene Unwissenheit (Bahuvrīhi, Nom.Sg.n.)
vṛddhaṃ bhūyaḥ pravardhate
gewachsen wächst sie weiter (Part.Pass./Adv./3.Sg.Präs.)
sthāne sthānaṃ
im Bestehen Bestehen (Lok./Nom.Sg.)
kṣaye kṣaiṇyam
im Schwinden Schwund (Lok./Nom.Sg.)
upaiti vividhāṃ gatim
sie erlangt vielfältigen Gang (3.Sg.Präs./Akk.Sg.f.)
Der zweite Halbvers ist knapp und die Bezüge sind unsicher.
mūlaṃ lobhasya mahataḥ kālātmagatir eva ca; chinne 'cchinne tathā lobhe kāraṇaṃ kāla eva hi
Die Wurzel der großen Gier und ihr Gang, dessen Wesen die Zeit ist [?] – ob die Gier abgeschnitten ist oder nicht abgeschnitten: die Ursache ist allein die Zeit.
Wort für Wort
mūlaṃ lobhasya mahataḥ
Wurzel der großen Gier (Nom.Sg./Gen.Sg.)
kālātmagatir eva ca
und ein Weg, dessen Wesen Zeit ist [?] (Bahuvrīhi, Nom.Sg.f.)
chinne 'cchinne tathā lobhe
ob abgeschnitten oder nicht abgeschnitten, so bei der Gier (Lok.abs.)
kāraṇaṃ kāla eva hi
Ursache ist die Zeit allein (Nom.Sg.)
kālātmagati unsicher; alternativ „und der Gang [der Gier] hat die Zeit zum Wesen“.
Es ist offenkundig, bester der Kuru: Lass die Gier hier durch dich selbst fahren. Hast du die Gier aufgegeben, wirst du in der Welt und nach dem Tod Glück erfahren.
Wort für Wort
pratyakṣaṃ tu kuruśreṣṭha
offenkundig aber, Bester der Kuru (Adj./Vok.Sg.)
tyaja lobham ihātmanā
lass die Gier hier durch dich selbst (Imp./Akk./Instr.)
tyaktvā lobhaṃ sukhaṃ loke
nach Aufgabe der Gier Glück in der Welt (Abs./Akk./Akk.Sg./Lok.)
pretya cānucariṣyasi
und nach dem Tod wirst du erfahren (Abs./2.Sg.Fut.)