Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 7: yudhiṣṭhirasya śokavilāpaḥ saṃnyāsasaṃkalpaś ca Yudhiṣṭhiras Klage über den Sieg und sein Entschluss zur Entsagung

Nach dem Krieg verfällt Yudhiṣṭhira in Kummer und erklärt Arjuna, das Königtum sei die Schuld nicht wert; er wolle die Herrschaft aufgeben und als Waldeinsiedler leben. Das Kapitel eröffnet die Reihe der Reden über Entsagung und Königspflicht im Śāntiparvan.

vaiśaṃpāyana uvāca; yudhiṣṭhiras tu dharmātmā śokavyākulacetanaḥ; śuśoca duḥkhasaṃtaptaḥ smṛtvā karṇaṃ mahāratham

Vaiśaṃpāyana sprach: Yudhiṣṭhira aber, der dharmagesinnte, im Geist von Kummer verwirrt, grämte sich, von Leid verbrannt, als er des Karṇa, des großen Wagenkämpfers, gedachte.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.3.Sg.)
yudhiṣṭhiraḥ tu dharmātmā
Yudhiṣṭhira aber, der dharmagesinnte (Nom.Sg.)
śokavyākulacetanaḥ
im Geist von Kummer verwirrt (Kompositum, Nom.Sg.)
śuśoca duḥkhasaṃtaptaḥ
grämte sich, von Leid verbrannt (Perf.3.Sg. / Part.Pass.)
smṛtvā karṇam mahāratham
gedenkend des Karṇa, des großen Wagenkämpfers (Abs. / Akk.Sg.)

āviṣṭo duḥkhaśokābhyāṃ niḥśvasaṃś ca punaḥ punaḥ; dṛṣṭvārjunam uvācedaṃ vacanaṃ śokakarśitaḥ

Von Leid und Kummer ergriffen, immer wieder seufzend, sprach er, vom Kummer abgezehrt, beim Anblick des Arjuna diese Rede.

Wort für Wort
āviṣṭaḥ duḥkhaśokābhyām
ergriffen von Leid und Kummer (Part.Pass. / Instr.Du.)
niḥśvasan ca punaḥ punaḥ
und seufzend, immer wieder (Part.Präs. / Adv.)
dṛṣṭvā arjunam
den Arjuna erblickend (Abs. / Akk.Sg.)
uvāca idaṃ vacanam
sprach diese Rede (Perf.3.Sg. / Akk.Sg.n.)
śokakarśitaḥ
vom Kummer abgezehrt (Nom.Sg.)

yad bhaikṣam ācariṣyāma vṛṣṇyandhakapure vayam; jñātīn niṣpuruṣān kṛtvā nemāṃ prāpsyāma durgatim

„Wollten wir doch, was an Bettelspeise [zu haben ist], in der Stadt der Vṛṣṇi und Andhaka erwerben: Hätten wir die Verwandten nicht männerlos gemacht, so kämen wir nicht in dieses Elend.“

Wort für Wort
yad bhaikṣam ācariṣyāma
was an Bettelspeise wir betreiben/erwerben werden (Rel. / Fut.1.Pl.Med.)
vṛṣṇyandhakapure vayam
in der Stadt der Vṛṣṇi und Andhaka, wir (Lok.Sg. / Nom.Pl.)
jñātīn niṣpuruṣān kṛtvā
die Verwandten männerlos gemacht habend (Akk.Pl. / Abs.)
na imām prāpsyāma durgatim
nicht diese würden wir erlangen, das Elend (Fut.1.Pl. / Akk.Sg.)

Syntax elliptisch: die Bettelwanderung wird als die bessere Alternative gedacht.

amitrā naḥ samṛddhārthā vṛttārthāḥ kuravaḥ kila; ātmānam ātmanā hatvā kiṃ dharmaphalam āpnumaḥ

„Unsere Feinde, die Kuru, waren, so heißt es, reich an Gütern und hatten ihr Auskommen; da wir uns selbst durch uns selbst erschlagen haben, welche Frucht des Dharma erlangen wir?“

Wort für Wort
amitrāḥ naḥ
Feinde von uns (Nom.Pl. / Gen.Pl.)
samṛddhārthāḥ vṛttārthāḥ kuravaḥ kila
an Gütern reich, mit gesichertem Auskommen, die Kuru, wie es heißt (Nom.Pl.)
ātmānam ātmanā hatvā
uns selbst durch uns selbst erschlagen habend (Akk. / Instr. / Abs.)
kiṃ dharmaphalam āpnumaḥ
welche Dharma-Frucht erlangen wir (Akk.Sg.n. / Präs.1.Pl.)

amitrāḥ / vṛttārthāḥ unsicher gedeutet.

dhig astu kṣātram ācāraṃ dhig astu balam aurasam; dhig astv amarṣaṃ yenemām āpadaṃ gamitā vayam

„Verflucht sei der Kṣatriya-Brauch, verflucht die angeborene Stärke, verflucht der Zorn, durch den wir in diese Not geraten sind.“

Wort für Wort
dhik astu kṣātram ācāram
Fluch sei über den Kṣatriya-Brauch (Imp.3.Sg. / Akk.)
dhik astu balam aurasam
Fluch über die angeborene Kraft (Akk.Sg.n.)
dhik astu amarṣam
Fluch über den Zorn/die Unduldsamkeit (Akk.Sg.)
yena imām āpadam
durch den in diese Not (Instr. / Akk.Sg.)
gamitāḥ vayam
gebracht wurden wir (Part.Pass.Kaus. / Nom.Pl.)

sādhu kṣamā damaḥ śaucam avairodhyam amatsaraḥ; ahiṃsā satyavacanaṃ nityāni vanacāriṇām

Gut sind Nachsicht, Selbstbeherrschung, Reinheit, Freisein von Feindschaft, Neidlosigkeit, Gewaltlosigkeit und Wahrhaftigkeit; [dies] sind beständige [Tugenden] der Waldbewohner.

Wort für Wort
sādhu kṣamā damaḥ śaucam
gut [sind] Nachsicht, Selbstbezähmung, Reinheit (Nom.Sg.)
avairodhyam amatsaraḥ
Nichtfeindseligkeit, Neidlosigkeit (Nom.Sg.)
ahiṃsā satyavacanam
Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit der Rede (Nom.Sg.)
nityāni vanacāriṇām
beständig für die Waldgänger (Nom.Pl.n. / Gen.Pl.)

vayaṃ tu lobhān mohāc ca stambhaṃ mānaṃ ca saṃśritāḥ; imām avasthām āpannā rājyaleśabubhukṣayā

Wir aber haben aus Gier und Verblendung Starrsinn und Dünkel angenommen und sind in diesen Zustand geraten, aus dem Verlangen, ein Stückchen Herrschaft zu genießen.

Wort für Wort
vayam tu lobhāt mohāt ca
wir aber aus Gier und aus Verblendung (Nom.Pl. / Abl.Sg.)
stambham mānam ca saṃśritāḥ
Starrsinn und Dünkel angenommen habend (Akk.Sg. / Part.Pass.)
imām avasthām āpannāḥ
in diesen Zustand geraten (Akk.Sg. / Part.Pass.)
rājyaleśabubhukṣayā
aus dem Verlangen nach einem Stückchen Herrschaft zu genießen (Instr.Sg.)

trailokyasyāpi rājyena nāsmān kaś cit praharṣayet; bāndhavān nihatān dṛṣṭvā pṛthivyām āmiṣaiṣiṇaḥ

Selbst durch die Herrschaft über die drei Welten würde uns niemand erfreuen, die wir die Verwandten erschlagen sehen und auf Erden nach Beute trachten.

Wort für Wort
trailokyasya api rājyena
selbst durch die Herrschaft über die drei Welten (Gen.Sg. / Instr.Sg.)
na asmān kaḥ cit praharṣayet
nicht möge uns jemand erfreuen (Opt.3.Sg.Kaus.)
bāndhavān nihatān dṛṣṭvā
die Verwandten erschlagen gesehen habend (Akk.Pl. / Abs.)
pṛthivyām āmiṣaiṣiṇaḥ
auf Erden nach Beute Trachtende (Lok.Sg. / Nom.Pl.)

te vayaṃ pṛthivīhetor avadhyān pṛthivīsamān; saṃparityajya jīvāmo hīnārthā hatabāndhavāḥ

So leben wir, um der Erde willen die Unerschlagbaren, die der Erde gleich [kostbar] waren, im Stich lassend, ohne Besitz und mit erschlagenen Verwandten.

Wort für Wort
te vayam pṛthivīhetoḥ
wir eben um der Erde willen (Nom.Pl. / Abl.Sg.)
avadhyān pṛthivīsamān
die Unerschlagbaren, erdgleichen (Akk.Pl.)
saṃparityajya jīvāmaḥ
im Stich lassend, leben wir (Abs. / Präs.1.Pl.)
hīnārthāḥ hatabāndhavāḥ
des Besitzes beraubt, mit erschlagenen Verwandten (Nom.Pl.)

pṛthivīsamān: „der Erde gleich“ (an Wert) gedeutet [?].

āmiṣe gṛdhyamānānām aśunāṃ naḥ śunām iva; āmiṣaṃ caiva no naṣṭam āmiṣasya ca bhojinaḥ

Wie Hunde nach Fleisch gierend, [wir,] die wir doch keine Hunde sind [?]; und unsere Beute ist verloren, und [ebenso] die, die die Beute genossen [hätten].

Wort für Wort
āmiṣe gṛdhyamānānām
nach Beute Gierenden (Lok.Sg. / Part.Präs.Gen.Pl.)
aśunām naḥ
uns Nicht-Hunden [?] (Gen.Pl.)
śunām iva
gleich Hunden (Gen.Pl. / Part.)
āmiṣam ca eva naḥ naṣṭam
und die Beute ist uns verloren (Nom.Sg.n. / Part.Pass.)
āmiṣasya ca bhojinaḥ
und die Genießer der Beute (Gen.Sg. / Nom.Pl.)

Text und Konstruktion unsicher (aśunām, bhojinaḥ).

na pṛthivyā sakalayā na suvarṇasya rāśibhiḥ; na gavāśvena sarveṇa te tyājyā ya ime hatāḥ

Nicht für die ganze Erde, nicht für Haufen von Gold, nicht für alle Rinder und Rosse wären jene aufzugeben, die hier erschlagen sind.

Wort für Wort
na pṛthivyā sakalayā
nicht für/um die ganze Erde (Instr.Sg.)
na suvarṇasya rāśibhiḥ
nicht für Haufen von Gold (Gen.Sg. / Instr.Pl.)
na gavāśvena sarveṇa
nicht für alle Rinder und Rosse (Instr.Sg.)
te tyājyāḥ ye ime hatāḥ
jene sind aufzugeben, die hier erschlagen [sind] (Gerundiv / Part.Pass.)

saṃyuktāḥ kāmamanyubhyāṃ krodhāmarṣasamanvitāḥ; mṛtyuyānaṃ samāruhya gatā vaivasvatakṣayam

Von Begierde und Groll gepackt, von Zorn und Unmut erfüllt, das Todesgefährt besteigend, sind sie zur Wohnstatt des Vaivasvata gegangen.

Wort für Wort
saṃyuktāḥ kāmamanyubhyām
verbunden mit Begierde und Groll (Part.Pass. / Instr.Du.)
krodhāmarṣasamanvitāḥ
von Zorn und Unmut erfüllt (Nom.Pl.)
mṛtyuyānam samāruhya
das Todesgefährt besteigend (Akk.Sg. / Abs.)
gatāḥ vaivasvatakṣayam
gegangen zur Wohnstatt des Vaivasvata [Yama] (Part.Pass. / Akk.Sg.)

bahu kalyāṇam icchanta īhante pitaraḥ sutān; tapasā brahmacaryeṇa vandanena titikṣayā

Viel Heil wünschend mühen sich die Väter um Söhne, durch Askese, Keuschheit, Ehrerbietung und Geduld;

Wort für Wort
bahu kalyāṇam icchantaḥ
viel Heil wünschend (Akk.Sg.n. / Part.Präs.Nom.Pl.)
īhante pitaraḥ sutān
streben die Väter nach Söhnen (Präs.3.Pl.Med. / Nom.Pl. / Akk.Pl.)
tapasā brahmacaryeṇa
durch Askese, durch Keuschheit (Instr.Sg.)
vandanena titikṣayā
durch Verehrung, durch Duldsamkeit (Instr.Sg.)

upavāsais tathejyābhir vratakautukamaṅgalaiḥ; labhante mātaro garbhāṃs tān māsān daśa bibhrati

durch Fasten und Opfer, durch Gelübde, Bräuche und Segensriten; [so] erlangen die Mütter Leibesfrüchte und tragen sie zehn Monate.

Wort für Wort
upavāsaiḥ tathā ijyābhiḥ
durch Fasten und ebenso durch Opfer (Instr.Pl.)
vratakautukamaṅgalaiḥ
durch Gelübde, Riten und Segenszeremonien (Instr.Pl.)
labhante mātaraḥ garbhān
erlangen die Mütter Leibesfrüchte (Präs.3.Pl.Med. / Nom.Pl. / Akk.Pl.)
tān māsān daśa bibhrati
sie zehn Monate tragen sie (Akk.Pl. / Präs.3.Pl.)

yadi svasti prajāyante jātā jīvanti vā yadi; saṃbhāvitā jātabalās te dadyur yadi naḥ sukham; iha cāmutra caiveti kṛpaṇāḥ phalahetukāḥ

[Sie denken:] Wenn sie wohlbehalten geboren werden und, geboren, leben, geehrt und zu Kräften gekommen sind, mögen sie uns Glück schenken, hier und im Jenseits – so [denken] die Armseligen, die auf Frucht aus sind.

Wort für Wort
yadi svasti prajāyante
wenn sie wohlbehalten geboren werden (Präs.3.Pl.Med.)
jātāḥ jīvanti vā yadi
oder wenn sie, geboren, leben (Part.Pass. / Präs.3.Pl.)
saṃbhāvitāḥ jātabalāḥ
geehrt, zu Kraft gekommen (Nom.Pl.)
te dadyuḥ yadi naḥ sukham
sie mögen geben, uns Glück (Opt.3.Pl. / Akk.Sg.)
iha ca amutra ca iti
hier und drüben, so (Adv.)
kṛpaṇāḥ phalahetukāḥ
die Armseligen, um Frucht [bedacht] (Nom.Pl.)

tāsām ayaṃ samārambho nivṛttaḥ kevalo 'phalaḥ; yad āsāṃ nihatāḥ putrā yuvāno mṛṣṭakuṇḍalāḥ

Dieses ihr Unternehmen ist erledigt und einzig fruchtlos: dass ihnen die Söhne erschlagen sind, jung, mit blank geputzten Ohrringen.

Wort für Wort
tāsām ayam samārambhaḥ
dieses ihr Unternehmen (Gen.Pl.f. / Nom.Sg.)
nivṛttaḥ kevalaḥ aphalaḥ
beendet, einzig fruchtlos (Part.Pass. / Nom.Sg.)
yad āsām nihatāḥ putrāḥ
dass von ihnen die Söhne erschlagen sind (Gen.Pl.f. / Part.Pass. / Nom.Pl.)
yuvānaḥ mṛṣṭakuṇḍalāḥ
jung, mit geputzten Ohrringen (Nom.Pl.)

abhuktvā pārthivān bhogān ṛṇāny anavadāya ca; pitṛbhyo devatābhyaś ca gatā vaivasvatakṣayam

Ohne die irdischen Genüsse genossen und ohne die Schulden an Väter und Götter beglichen zu haben, sind sie zur Wohnstatt des Vaivasvata gegangen.

Wort für Wort
abhuktvā pārthivān bhogān
nicht genossen habend die irdischen Genüsse (Abs. / Akk.Pl.)
ṛṇāni anavadāya ca
und die Schulden nicht getilgt habend (Akk.Pl. / Abs.)
pitṛbhyaḥ devatābhyaḥ ca
an die Väter und die Gottheiten (Dat.Pl.)
gatāḥ vaivasvatakṣayam
gegangen zur Wohnstatt des Vaivasvata (Part.Pass. / Akk.Sg.)

anavadāya: „ohne getilgt zu haben“ gedeutet [?].

yadaiṣām aṅga pitarau jātau kāmamayāv iva; saṃjātabalarūpeṣu tadaiva nihatā nṛpāḥ

Mein Lieber, als deren Eltern gleichsam aus Begierde entstanden [waren], da eben wurden die Fürsten erschlagen, als sie Kraft und Gestalt gewonnen hatten.

Wort für Wort
yadā eṣām aṅga pitarau
als deren, mein Lieber, die beiden Eltern (Gen.Pl. / Interj. / Nom.Du.)
jātau kāmamayau iva
geboren/entstanden, gleichsam aus Begierde bestehend (Part.Pass.Du. / Nom.Du.)
saṃjātabalarūpeṣu
als Kraft und Gestalt entstanden waren (Lok.Pl.)
tadā eva nihatāḥ nṛpāḥ
da eben erschlagen die Fürsten (Part.Pass. / Nom.Pl.)

Wörtlich etwa: „als ihre beiden Eltern gleichsam aus Begierde bestehend geboren waren“; Sinn nicht ganz sicher.

saṃyuktāḥ kāmamanyubhyāṃ krodhaharṣāsamañjasāḥ; na te janmaphalaṃ kiṃ cid bhoktāro jātu karhi cit

Von Begierde und Groll gepackt, in Zorn und Freude unbesonnen, haben sie von ihrer Geburt nie irgendeine Frucht genossen.

Wort für Wort
saṃyuktāḥ kāmamanyubhyām
verbunden mit Begierde und Groll (Nom.Pl. / Instr.Du.)
krodhaharṣāsamañjasāḥ
in Zorn und Freude ohne Maß (Nom.Pl.)
na te janmaphalam kim cit
nicht haben sie irgendeine Geburtsfrucht (Akk.Sg.)
bhoktāraḥ jātu karhi cit
Genießer, je irgendwann (Nom.Pl. / Adv.)

pāñcālānāṃ kurūṇāṃ ca hatā eva hi ye 'hatāḥ; te vayaṃ tv adhamāṃl lokān prapadyema svakarmabhiḥ

Von den Pāñcālas und Kurus sind gerade die, die unerschlagen [geblieben] sind, [so gut wie] erschlagen; wir aber würden durch unsere eigenen Taten in niedrigere Welten gelangen.

Wort für Wort
pāñcālānām kurūṇām ca
der Pāñcālas und der Kurus (Gen.Pl.)
hatāḥ eva hi ye ahatāḥ
erschlagen sind eben die, die unerschlagen [sind] (Part.Pass. / Nom.Pl.)
te vayam tu adhamān lokān
wir aber in die niedrigeren Welten (Nom.Pl. / Akk.Pl.)
prapadyema svakarmabhiḥ
würden gelangen durch eigene Taten (Opt.1.Pl.Med. / Instr.Pl.)

vayam evāsya lokasya vināśe kāraṇaṃ smṛtāḥ; dhṛtarāṣṭrasya putreṇa nikṛtyā pratyapatsmahi

Wir allein gelten als Ursache für den Untergang dieser Welt; durch den Betrug des Sohnes des Dhṛtarāṣṭra sind wir darauf eingegangen [?].

Wort für Wort
vayam eva asya lokasya
wir allein dieser Welt (Nom.Pl. / Gen.Sg.)
vināśe kāraṇam smṛtāḥ
beim Untergang als Ursache gelten wir (Lok.Sg. / Nom.Sg. / Part.Pass.)
dhṛtarāṣṭrasya putreṇa
durch den Sohn des Dhṛtarāṣṭra (Gen.Sg. / Instr.Sg.)
nikṛtyā pratyapatsmahi
durch Betrug gingen wir [darauf] ein [?] (Instr.Sg. / Aor.1.Pl.Med.)

pratyapatsmahi unsicher (prati-pad, Aor.1.Pl.Med.).

sadaiva nikṛtiprajño dveṣṭā māyopajīvanaḥ; mithyāvṛttaḥ sa satatam asmāsv anapakāriṣu

Stets war er betrugsklug, hasserfüllt, von Trug lebend, und falsch handelnd beständig gegen uns, die wir ihm nichts zuleide getan.

Wort für Wort
sadā eva nikṛtiprajñaḥ
stets betrugsklug (Nom.Sg.)
dveṣṭā māyopajīvanaḥ
Hasser, von Täuschung lebend (Nom.Sg.)
mithyāvṛttaḥ sa satatam
falsch im Verhalten, er beständig (Nom.Sg. / Adv.)
asmāsu anapakāriṣu
uns gegenüber, die wir kein Unrecht getan (Lok.Pl.)

aṃśakāmā vayaṃ te ca na cāsmābhir na tair jitam; na tair bhukteyam avanir na nāryo gītavāditam

Wir und sie wollten [nur] den Anteil; und doch ist weder von uns noch von ihnen etwas gewonnen: weder haben sie diese Erde genossen noch Frauen, Gesang und Musik.

Wort für Wort
aṃśakāmāḥ vayam te ca
anteilwünschend wir und sie (Nom.Pl.)
na ca asmābhiḥ na taiḥ jitam
und weder von uns noch von ihnen ist gewonnen (Instr.Pl. / Part.Pass.)
na taiḥ bhuktā iyam avaniḥ
nicht von ihnen ist genossen diese Erde (Part.Pass.f. / Nom.Sg.)
na nāryaḥ gītavāditam
nicht Frauen, Gesang und Instrumentalmusik (Nom.Pl. / Nom.Sg.n.)

nāmātyasamitau kathyaṃ na ca śrutavatāṃ śrutam; na ratnāni parārdhyāni na bhūr na draviṇāgamaḥ

[Er hatte nichts,] was in der Ratsversammlung der Minister zu erzählen wäre, und nicht das Wissen der Gelehrten; weder erlesenste Juwelen noch Land noch Zufluss von Reichtum [brachten ihm Freude].

Wort für Wort
na amātyasamitau kathyam
nicht in der Versammlung der Minister Erzählbares (Lok.Sg. / Gerundiv)
na ca śrutavatām śrutam
und nicht das Gelernte der Gelehrten (Gen.Pl. / Nom.Sg.n.)
na ratnāni parārdhyāni
nicht kostbarste Juwelen (Nom.Pl.n.)
na bhūḥ na draviṇāgamaḥ
nicht Land, nicht Zufluss von Reichtum (Nom.Sg.)

Konstruktion unsicher; vgl. die folgende Zusatzzeile („kein Glück“).

asmaddveṣeṇa saṃtaptaḥ sukhaṃ na smeha vindati

Vom Hass auf uns verbrannt, findet er hier kein Glück.

Wort für Wort
asmaddveṣeṇa saṃtaptaḥ
vom Hass auf uns verbrannt (Instr.Sg. / Part.Pass.)
sukham na sma iha vindati
Glück findet er nicht hier (Akk.Sg. / Präs.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; smeha = sma iha.

ṛddhim asmāsu tāṃ dṛṣṭvā vivarṇo hariṇaḥ kṛśaḥ; dhṛtarāṣṭrasya nṛpateḥ saubalena niveditaḥ

Als er jenen Wohlstand bei uns sah, [wurde er] bleich, fahl und mager; dies wurde dem König Dhṛtarāṣṭra von Saubala [Śakuni] gemeldet.

Wort für Wort
ṛddhim asmāsu tām dṛṣṭvā
jenen Wohlstand bei uns gesehen habend (Akk.Sg. / Lok.Pl. / Abs.)
vivarṇaḥ hariṇaḥ kṛśaḥ
verfärbt, fahl, abgemagert (Nom.Sg.)
dhṛtarāṣṭrasya nṛpateḥ
dem König Dhṛtarāṣṭra (Gen.Sg. [Dativ-Funktion])
saubalena niveditaḥ
von Saubala gemeldet (Instr.Sg. / Part.Pass.)

taṃ pitā putragṛddhitvād anumene 'naye sthitam; anavekṣyaiva pitaraṃ gāṅgeyaṃ viduraṃ tathā; asaṃśayaṃ dhṛtarāṣṭro yathaivāhaṃ tathā gataḥ

Ihn, der im Unrecht stand, billigte der Vater aus Gier nach dem Sohn, ohne auch nur auf den Vater, auf Gāṅgeya und Vidura zu achten; zweifellos ist Dhṛtarāṣṭra so [ins Unheil] geraten wie ich.

Wort für Wort
tam pitā putragṛddhitvāt
ihn der Vater aus Sohnesgier (Akk.Sg. / Nom.Sg. / Abl.Sg.)
anumene anaye sthitam
billigte, im Unrecht stehend (Perf.3.Sg.Med. / Lok.Sg. / Part.Pass.)
anavekṣya eva pitaram
ohne zu beachten gar den Vater (Abs. / Akk.Sg.)
gāṅgeyam viduram tathā
den Gāṅgeya und ebenso Vidura (Akk.Sg.)
asaṃśayam dhṛtarāṣṭraḥ
zweifellos Dhṛtarāṣṭra (Adv. / Nom.Sg.)
yathā eva aham tathā gataḥ
wie eben ich, so ist er geraten (Part.Pass.)

„den Vater“ (pitaram) unklar bezogen [?].

aniyamyāśuciṃ lubdhaṃ putraṃ kāmavaśānugam; patito yaśaso dīptād ghātayitvā sahodarān

Er, der den unlauteren, gierigen, dem Willen der Begierde folgenden Sohn nicht zügelte, ist vom leuchtenden Ruhm gefallen, nachdem er die Brüder [des Sohnes] hat erschlagen lassen.

Wort für Wort
aniyamya aśucim lubdham
nicht gezügelt habend den Unreinen, Gierigen (Abs. / Akk.Sg.)
putram kāmavaśānugam
den Sohn, der dem Willen der Begierde folgt (Akk.Sg.)
patitaḥ yaśasaḥ dīptāt
gefallen vom leuchtenden Ruhm (Part.Pass. / Abl.Sg.)
ghātayitvā sahodarān
erschlagen lassen habend die Brüder (Abs.Kaus. / Akk.Pl.)

Subjekt (Dhṛtarāṣṭra oder Duryodhana) und Bezug von sahodarān unsicher [?].

imau vṛddhau ca śokāgnau prakṣipya sa suyodhanaḥ; asmatpradveṣasaṃyuktaḥ pāpabuddhiḥ sadaiva hi

Jener Suyodhana, der diese beiden Alten in das Feuer des Kummers gestoßen hat, ist von Hass gegen uns erfüllt und stets von böser Gesinnung.

Wort für Wort
imau vṛddhau ca
diese beiden Alten (Akk.Du.)
śokāgnau prakṣipya
in das Feuer des Kummers geworfen habend (Lok.Sg. / Abs.)
sa suyodhanaḥ
jener Suyodhana (Nom.Sg.)
asmatpradveṣasaṃyuktaḥ
mit Hass gegen uns verbunden (Nom.Sg.)
pāpabuddhiḥ sadā eva hi
böser Gesinnung, stets ja (Nom.Sg. / Adv.)

ko hi bandhuḥ kulīnaḥ saṃs tathā brūyāt suhṛjjane; yathāsāv uktavān kṣudro yuyutsur vṛṣṇisaṃnidhau

Welcher edelgeborene Verwandte würde zu seinen Freunden so sprechen, wie jener niedrige, kampflustige [Mann] in Gegenwart der Vṛṣṇi gesprochen hat?

Wort für Wort
kaḥ hi bandhuḥ kulīnaḥ san
welcher Verwandte wohl, edelgeboren seiend (Nom.Sg. / Part.Präs.)
tathā brūyāt suhṛjjane
so würde sprechen zu den Freunden (Opt.3.Sg. / Lok.Sg.)
yathā asau uktavān
wie jener gesprochen hat (Part.Perf.Akt.)
kṣudraḥ yuyutsuḥ
der Niedrige, Kampflustige [?] (Nom.Sg.)
vṛṣṇisaṃnidhau
in Gegenwart der Vṛṣṇi (Lok.Sg.)

yuyutsuḥ als Adjektiv „kampflustig“ gedeutet, nicht als Eigenname [?].

ātmano hi vayaṃ doṣād vinaṣṭāḥ śāśvatīḥ samāḥ; pradahanto diśaḥ sarvās tejasā bhāskarā iva

Durch unsere eigene Schuld sind wir auf ewige Jahre zugrunde gerichtet, [wir,] die wir alle Himmelsrichtungen mit Glanz verbrannten wie Sonnen.

Wort für Wort
ātmanaḥ hi vayam doṣāt
aus eigener Schuld ja wir (Gen.Sg. / Nom.Pl. / Abl.Sg.)
vinaṣṭāḥ śāśvatīḥ samāḥ
zugrunde gegangen für ewige Jahre (Part.Pass. / Akk.Pl.f.)
pradahantaḥ diśaḥ sarvāḥ
verbrennend alle Himmelsrichtungen (Part.Präs. / Akk.Pl.)
tejasā bhāskarāḥ iva
durch Glanz gleich Sonnen (Instr.Sg. / Nom.Pl.)

so 'smākaṃ vairapuruṣo durmantripragrahaṃ gataḥ; duryodhanakṛte hy etat kulaṃ no vinipātitam; avadhyānāṃ vadhaṃ kṛtvā loke prāptāḥ sma vācyatām

Er, unser Feind [in Person], geriet unter die Zügel schlechter Berater; um Duryodhanas willen wurde dieses unser Geschlecht zu Fall gebracht; die Unerschlagbaren erschlagen habend, sind wir in der Welt dem Tadel verfallen.

Wort für Wort
saḥ asmākam vairapuruṣaḥ
er, unser Feind-Mann (Nom.Sg. / Gen.Pl.)
durmantripragraham gataḥ
unter die Zügel schlechter Berater geraten (Akk.Sg. / Part.Pass.)
duryodhanakṛte hi etat
um Duryodhanas willen ja dieses (Adv. / Nom.Sg.n.)
kulam naḥ vinipātitam
Geschlecht unser zu Fall gebracht (Nom.Sg.n. / Part.Pass.Kaus.)
avadhyānām vadham kṛtvā
der Unerschlagbaren Erschlagen getan habend (Gen.Pl. / Abs.)
loke prāptāḥ sma vācyatām
in der Welt sind wir dem Tadel verfallen (Lok.Sg. / Part.Pass. / Akk.Sg.)

kulasyāsyāntakaraṇaṃ durmatiṃ pāpakāriṇam; rājā rāṣṭreśvaraṃ kṛtvā dhṛtarāṣṭro 'dya śocati

Den Verderber dieses Geschlechts, den Böswilligen, Übeltäter, zum Herrn des Reiches gemacht habend, klagt König Dhṛtarāṣṭra heute.

Wort für Wort
kulasya asya antakaraṇam
dieses Geschlechts Vernichter (Gen.Sg. / Akk.Sg.)
durmatim pāpakāriṇam
den Böswilligen, Übeltäter (Akk.Sg.)
rājā rāṣṭreśvaram kṛtvā
der König, zum Reichsherrn gemacht habend (Nom.Sg. / Akk.Sg. / Abs.)
dhṛtarāṣṭraḥ adya śocati
Dhṛtarāṣṭra heute klagt (Nom.Sg. / Präs.3.Sg.)

hatāḥ śūrāḥ kṛtaṃ pāpaṃ viṣayaḥ svo vināśitaḥ; hatvā no vigato manyuḥ śoko māṃ rundhayaty ayam

Die Helden sind erschlagen, die Sünde ist getan, das eigene Land ist vernichtet; nachdem wir [sie] erschlagen, ist der Zorn gewichen, doch dieser Kummer bedrängt mich.

Wort für Wort
hatāḥ śūrāḥ kṛtam pāpam
erschlagen die Helden, getan die Sünde (Part.Pass.)
viṣayaḥ svaḥ vināśitaḥ
das eigene Land vernichtet (Nom.Sg. / Part.Pass.Kaus.)
hatvā naḥ vigataḥ manyuḥ
nach dem Erschlagen ist uns der Zorn gewichen (Abs. / Part.Pass. / Nom.Sg.)
śokaḥ mām rundhayati ayam
dieser Kummer bedrängt mich (Nom.Sg. / Akk.Sg. / Präs.3.Sg.Kaus.)

rundhayati: „bedrängt/hemmt“ [?].

dhanaṃjaya kṛtaṃ pāpaṃ kalyāṇenopahanyate

Dhanaṃjaya, eine getane Sünde wird durch Gutes [Verdienstvolles] getilgt –

Wort für Wort
dhanaṃjaya
Dhanaṃjaya (Vok.Sg.)
kṛtam pāpam
die getane Sünde (Part.Pass. / Nom.Sg.n.)
kalyāṇena upahanyate
durch Gutes wird sie zunichte gemacht (Instr.Sg. / Präs.Pass.3.Sg.)

Der Satz setzt sich in Einheit 36/37 fort.

khyāpanenānutāpena dānena tapasāpi vā; nivṛttyā tīrthagamanāc chrutismṛtijapena ca

durch Bekennen, durch Reue, durch Gaben oder auch durch Askese, durch Verzicht, durch Pilgerfahrten, durch das Murmeln von Śruti und Smṛti.

Wort für Wort
khyāpanena anutāpena
durch Bekenntnis, durch Reue (Instr.Sg.)
dānena tapasā api vā
durch Gabe oder auch durch Askese (Instr.Sg.)
nivṛttyā tīrthagamanāt
durch Abkehr, durch das Gehen zu Pilgerorten (Instr.Sg. / Abl.Sg.)
śrutismṛtijapena ca
und durch das Rezitieren von Śruti und Smṛti (Instr.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeilen der kritischen Ausgabe.

tyāgavāṃś ca punaḥ pāpaṃ nālaṃ kartum iti śrutiḥ

Und wer verzichtet hat, ist nicht [mehr] imstande, wiederum Sünde zu tun – so lautet die Überlieferung.

Wort für Wort
tyāgavān ca punaḥ
und der Verzichtende wiederum (Nom.Sg. / Adv.)
pāpam na alam kartum
Sünde nicht fähig zu tun (Akk.Sg. / Inf.)
iti śrutiḥ
so [lautet] die Überlieferung (Nom.Sg.)

tyāgavāñ janmamaraṇe nāpnotīti śrutir yadā; prāptavartmā kṛtamatir brahma saṃpadyate tadā

Wenn die Überlieferung [besagt], dass der Verzichtende Geburt und Tod nicht erlangt, dann wird der, der den Weg erreicht hat und dessen Sinn gefestigt ist, zu Brahman.

Wort für Wort
tyāgavān janmamaraṇe
der Verzichtende [erlangt] Geburt und Tod (Nom.Sg. / Akk.Du.)
na āpnoti iti śrutiḥ yadā
nicht, so [lautet] die Überlieferung, wenn (Präs.3.Sg.)
prāptavartmā kṛtamatiḥ
der den Weg erreicht hat, entschlossenen Sinnes (Nom.Sg.)
brahma saṃpadyate tadā
zu Brahman wird er dann (Akk.Sg.n. / Präs.3.Sg.Med.)

sa dhanaṃjaya nirdvaṃdvo munir jñānasamanvitaḥ; vanam āmantrya vaḥ sarvān gamiṣyāmi paraṃtapa

So werde ich, Dhanaṃjaya, frei von Gegensätzen, als Weiser, mit Erkenntnis begabt, von euch allen Abschied nehmend, in den Wald gehen, Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
sa dhanaṃjaya nirdvaṃdvaḥ
so, Dhanaṃjaya, frei von Gegensätzen (Vok. / Nom.Sg.)
muniḥ jñānasamanvitaḥ
ein Weiser, mit Erkenntnis begabt (Nom.Sg.)
vanam āmantrya vaḥ sarvān
in den Wald, Abschied genommen habend von euch allen (Akk.Sg. / Abs. / Akk.Pl.)
gamiṣyāmi paraṃtapa
werde ich gehen, Feindebezwinger (Fut.1.Sg. / Vok.Sg.)

na hi kṛtsnatamo dharmaḥ śakyaḥ prāptum iti śrutiḥ; parigrahavatā tan me pratyakṣam arisūdana

Denn nicht ist das vollständigste Dharma zu erlangen – so die Überlieferung – von einem, der Besitz hat; das ist mir augenfällig, Feindetöter.

Wort für Wort
na hi kṛtsnatamaḥ dharmaḥ
denn nicht das vollständigste Dharma (Nom.Sg.)
śakyaḥ prāptum iti śrutiḥ
ist erlangbar, so die Überlieferung (Nom.Sg. / Inf.)
parigrahavatā tat me pratyakṣam
von einem Besitzenden; das ist mir augenfällig (Instr.Sg. / Nom.Sg.n.)
arisūdana
Feindetöter (Vok.Sg.)

mayā nisṛṣṭaṃ pāpaṃ hi parigraham abhīpsatā; janmakṣayanimittaṃ ca śakyaṃ prāptum iti śrutiḥ

Von mir, der ich Besitz erstrebte, ist ja Sünde [in die Welt] gesetzt worden; und das Mittel zum Ende der Geburt ist erreichbar – so die Überlieferung.

Wort für Wort
mayā nisṛṣṭam pāpam hi
von mir ist Sünde freigesetzt/verübt worden [?] (Instr.Sg. / Part.Pass.)
parigraham abhīpsatā
von mir, der ich Besitz erstrebte (Akk.Sg. / Part.Präs.Instr.)
janmakṣayanimittam ca
und der Anlass/das Mittel zum Ende der Geburt (Nom.Sg.n.)
śakyam prāptum iti śrutiḥ
ist erlangbar, so die Überlieferung (Nom.Sg.n. / Inf.)

nisṛṣṭam pāpam unsicher: „ist verübt / ist [von mir] aufgegeben“; hier als „verübt“ gedeutet [?].

sa parigraham utsṛjya kṛtsnaṃ rājyaṃ tathaiva ca; gamiṣyāmi vinirmukto viśoko vijvaras tathā

So werde ich, den Besitz aufgebend und ebenso die ganze Herrschaft, befreit gehen, kummerlos und fieberfrei.

Wort für Wort
sa parigraham utsṛjya
so den Besitz aufgegeben habend (Akk.Sg. / Abs.)
kṛtsnam rājyam tathā eva ca
die ganze Herrschaft und ebenso (Akk.Sg.n.)
gamiṣyāmi vinirmuktaḥ
werde ich gehen, befreit (Fut.1.Sg. / Part.Pass.)
viśokaḥ vijvaraḥ tathā
kummerlos, fieberlos ebenso (Nom.Sg.)

praśādhi tvam imām urvīṃ kṣemāṃ nihatakaṇṭakām; na mamārtho 'sti rājyena na bhogair vā kurūttama

Regiere du diese Erde, [die nun] befriedet und dornenlos [ist]; mir ist nichts an Herrschaft gelegen und nichts an Genüssen, bester der Kuru.

Wort für Wort
praśādhi tvam imām urvīm
regiere du diese Erde (Imp.2.Sg. / Nom. / Akk.Sg.)
kṣemām nihatakaṇṭakām
friedlich, mit erschlagenen Dornen [= von Störern befreit] (Akk.Sg.f.)
na mama arthaḥ asti rājyena
nicht mir ein Bedarf ist an Herrschaft (Gen.Sg. / Nom.Sg. / Instr.Sg.)
na bhogaiḥ vā kurūttama
noch an Genüssen, bester der Kuru (Instr.Pl. / Vok.Sg.)

etāvad uktvā vacanaṃ dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ; vyupāramat tataḥ pārthaḥ kanīyān pratyabhāṣata

Nur so viel [an] Rede gesprochen habend, verstummte der Dharmakönig Yudhiṣṭhira; darauf antwortete Pārtha, der jüngere.

Wort für Wort
etāvat uktvā vacanam
so viel gesprochen habend, die Rede (Adv. / Abs. / Akk.Sg.)
dharmarājaḥ yudhiṣṭhiraḥ
der Dharmakönig Yudhiṣṭhira (Nom.Sg.)
vyupāramat tataḥ
hörte auf, darauf (Aor.3.Sg. / Adv.)
pārthaḥ kanīyān pratyabhāṣata
Pārtha, der jüngere, antwortete (Nom.Sg. / Imperf.3.Sg.Med.)

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