Kapitel 29: nāradopākhyāne ṣoḍaśarājikā (sṛñjayaputraśokāpanodanam)
Kṛṣṇa tröstet Yudhiṣṭhira mit Nāradas Rede an Sṛñjaya: die Toten großer Könige und die Wiedergabe des Sohnes
Auf Arjunas Bitte hin tröstet Kṛṣṇa den trauernden Yudhiṣṭhira mit der alten Geschichte, wie Nārada den sohnestrauernden Sṛñjaya ermahnt: selbst die größten und freigebigsten Könige der Vorzeit sind gestorben. Am Ende des Kapitels bittet Sṛñjaya um seinen toten Sohn, und Nārada verspricht ihn zurückzugeben.
O du Waldbrand [im] Wasser des Kummers [?], du Auffüller des Kummerbrunnens, du Axt [für] die Kummerranken, o Uranfänglicher, du Vernichter des Kummers, du Berühmter!
Wort für Wort
śokadāvānalajala
o Waldbrand/Wasser des Kummers (Vok., Komp., unsicher)
śokakūpaprapūraka
o Auffüller des Kummerbrunnens (Vok.)
śokavallīkuṭhārādya
o Axt der Kummerranken, o Uranfänglicher (Vok.)
śokanāśanakīrtana
o Kummervernichter, Gerühmter (Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, Text vermutlich verderbt: śokadāvānalajala ist als Anrede unklar (etwa „Waldbrand des Kummer-Wassers“ oder „Wasser für den Kummer-Waldbrand“).
anatikramaṇīyo hi dharmarājasya keśavaḥ; bālyāt prabhṛti govindaḥ prītyā cābhyadhiko 'rjunāt
Denn Keśava war für den Dharmakönig nicht zu übergehen, und Govinda stand ihm von Kindheit an in Zuneigung höher als Arjuna [Anm.: Bezug vermutlich auf Yudhiṣṭhiras Gefühl].
Wort für Wort
anatikramaṇīyo hi dharmarājasya keśavaḥ
nicht zu übergehen ist ja für den Dharmakönig Keśava (Gerundiv/Gen.)
bālyāt prabhṛti govindaḥ
von Kindheit an Govinda (Abl./Nom.)
prītyā ca abhyadhiko 'rjunāt
und an Zuneigung höher als Arjuna (Instr./Nom./Abl.)
Wer wem in Zuneigung höher steht, ist nicht ausdrücklich gesagt.
mā kṛthāḥ puruṣavyāghra śokaṃ tvaṃ gātraśoṣaṇam; na hi te sulabhā bhūyo ye hatāsmin raṇājire
Bereite dir keinen Kummer, Tiger unter den Männern, der den Leib auszehrt; denn nicht leicht sind wieder zu erlangen jene, die in diesem Kampfplatz erschlagen wurden.
Wort für Wort
mā kṛthāḥ puruṣavyāghra
tu nicht, Tiger unter den Männern (Prohibitiv 2.Sg./Vok.)
śokaṃ tvaṃ gātraśoṣaṇam
Kummer du, den Leib austrocknend (Akk./Nom./Adj.)
na hi te sulabhā bhūyaḥ
denn nicht leicht zu erlangen sind sie wieder (Nom.Pl.m.)
ye hatāḥ asmin raṇājire
die erschlagen wurden auf diesem Kampfplatz (Part.Pass./Lok.)
Alle Helden, die im großen Kampf ihr Leben aufgegeben und gekämpft haben, haben, durch Waffen gereinigt, den Himmel erreicht; um sie darfst du nicht trauern.
Wort für Wort
sarve tyaktvā ātmanaḥ prāṇān
alle, aufgegeben habend die eigenen Lebenshauche (Gerundium/Akk.Pl.)
yuddhvā vīrāḥ mahāhave
gekämpft habend, Helden, im großen Kampf (Gerundium/Nom./Lok.)
śastrapūtā divaṃ prāptāḥ
durch Waffen gereinigt, den Himmel erreicht (Nom.Pl./Akk./Part.Pass.)
na tān śocitum arhasi
nicht sie zu betrauern sollst du (Akk./Inf./2.Sg.)
kṣatradharmaratāḥ śūrā vedavedāṅgapāragāḥ; prāptā vīragatiṃ puṇyāṃ na tāñ śocitum arhasi
Der Kṣatriya-Pflicht ergebene Helden, die Veda und Vedāṅgas vollendet beherrschten, haben den heiligen Heldenweg erreicht; um sie darfst du nicht trauern.
Wort für Wort
kṣatradharmaratāḥ śūrāḥ
der Kṣatriya-Pflicht ergebene Helden (Nom.Pl.)
vedavedāṅgapāragāḥ
Veda und Vedāṅga durchmessen habend (Nom.Pl.)
prāptā vīragatiṃ puṇyām
erreicht haben den Heldenweg, den heiligen (Part.Pass./Akk.Sg.f.)
na tān śocitum arhasi
nicht sie zu betrauern sollst du (2.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Sprecher und Satzbezug ungewiss (Preis der folgenden Erzählung?).
Marutta Āvikṣita, der von mir [genannt wird], ist gestorben, Sṛñjaya, höre; zu dem Opfer dieses hochgesinnten Königs kamen die Götter, die Welterschaffer, mit Indra, mit Varuṇa, Bṛhaspati an der Spitze.
Wort für Wort
āvikṣitaṃ maruttaṃ me
Marutta Āvikṣita, von mir [genannt] (Akk./Gen.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruhi
gestorben, Sṛñjaya, höre (Part.Pass./Vok./Imp.)
yasya sendrāḥ savaruṇāḥ
dessen [Opfer] mit Indra, mit Varuṇa (Gen./Nom.Pl.)
bṛhaspatipurogamāḥ
Bṛhaspati als Vorangänger habend (Nom.Pl.)
devāḥ viśvasṛjaḥ
die Götter, Welterschaffer (Nom.Pl.)
rājñaḥ yajñam īyuḥ mahātmanaḥ
des Königs Opfer gingen zu, des Hochgesinnten (Gen./Akk./3.Pl.Perf.)
me evtl. „von mir [gerühmt]“; Vers hat drei Pādas.
Der den Śakra, den Götterkönig Śatakratu, zum Wettstreit brachte, den Bṛhaspati, Śakras Liebes wünschend und wissend, zurückwies, den Saṃvarta zur Bedrängung des Bṛhaspati opfern ließ.
Wort für Wort
yaḥ spardhām anayat śakram
der zum Wettstreit brachte Śakra (Nom./Akk./Impf.)
devarājaṃ śatakratum
den Götterkönig Śatakratu (Akk.)
śakrapriyaiṣī yaṃ vidvān
Śakras Liebes wünschend, den, wissend (Nom./Akk./Part.Perf.)
Unter dessen Herrschaft, bester der Könige, als er, der Fürst der Guten, regierte, glänzte die Erde, ohne Pflügen Frucht tragend, bekränzt mit Heiligtümern.
Wort für Wort
yasmin praśāsati satām
als er regierte, der Guten (Lok.abs./Gen.Pl.)
nṛpatau nṛpasattama
der Fürst, o bester der Könige (Lok./Vok.)
akṛṣṭapacyā pṛthivī
ungepflügt reifend die Erde (Nom.Sg.f.)
vibhabhau caityamālinī
glänzte, mit Heiligtümern bekränzt (3.Sg.Perf./Nom.f.)
Den Nichtopfernden, Geschenklosen [nannte/brachte er vor]: „Śvaitya!“ [?]
Wort für Wort
ayajvānam adakṣiṇyam
den Nichtopfernden, Geschenklosen (Akk.Sg.)
adhi śvaitya iti
[?] Śvaitya, so (Vok./Part.)
upāharat
brachte vor/nannte [?] (3.Sg.Impf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, stark verderbt; adhiśvaityety upāharat ist nicht sicher aufzulösen (vielleicht adhi Śvaitya iti upāharat).
Die Erde, die „Vasumatī“ [Güterreiche] wahrhaft ihrem Namen nach wurde, als sie ihn erlangte, o Herrscher der Menschen; in dem Reich dieses Landesherrn trugen die Flüsse Gold.
Wort für Wort
satyanāmā vasumatī
ihrem Namen gemäß wahr, die Vasumatī (Nom.Sg.f.)
yaṃ prāpya āsīt janādhipa
den erlangt habend, war sie, Herrscher der Menschen (Gerundium/3.Sg.Impf./Vok.)
tad dhiraṇyam aparyantam āvṛttaṃ kurujāṅgale; ījāno vitate yajñe brāhmaṇebhyaḥ samāhitaḥ
Jenes grenzenlose Gold kam in Kurujāṅgala [zusammen/zur Verteilung] [?]; beim ausgebreiteten Opfer opfernd, gab er es gesammelten Sinnes den Brahmanen.
Wort für Wort
tat hiraṇyam aparyantam
jenes Gold, grenzenlos (Nom.Sg.n.)
āvṛttaṃ kurujāṅgale
angesammelt/verteilt [?] in Kurujāṅgala (Part.Pass./Lok.)
ījānaḥ vitate yajñe
opfernd beim ausgebreiteten Opfer (Part.Perf.Med./Lok.)
brāhmaṇebhyaḥ samāhitaḥ
den Brahmanen, gesammelt [gab er] (Dat.Pl./Part.Pass.)
āvṛttam ist hier unsicher (etwa „zusammengekommen/verteilt“); „gab“ ist ergänzt.
Wenn auch der gestorben ist, Sṛñjaya, der vierfach glücklicher war als du und verdienstvoller als [dein] Sohn, so trauere nicht um deinen Sohn; [dieser war] geschenklos und ohne Opfer, Śvaitya – beruhige dich, trauere nicht!
Wort für Wort
saḥ cet mamāra sṛñjaya
wenn er gestorben ist, Sṛñjaya (Perf.)
caturbhadrataraḥ tvayā
vierfach glückvoller als du (Instr.)
putrāt puṇyataraḥ ca eva
und verdienstvoller als der Sohn (Abl.)
mā putram anutapyathāḥ
nicht um den Sohn härme dich (Prohibitiv)
adakṣiṇam ayajvānam
geschenklos, ohne Opfer (Akk.Sg.m.)
śvaitya saṃśāmya mā śucaḥ
Śvaitya, beruhige dich, trauere nicht (Vok./Gerundium/Prohibitiv)
ya sahasraṃ sahasrāṇāṃ gajānām atipadminām; ījāno vitate yajñe dakṣiṇām atyakālayat
Der tausendmal tausend besondere Elefanten [mit Lotusmalen], opfernd beim ausgebreiteten Opfer, als Opferlohn hinaustreiben ließ.
Wort für Wort
yaḥ sahasraṃ sahasrāṇām
der tausend von Tausenden (Nom./Akk./Gen.Pl.)
gajānām atipadminām
von Elefanten, ausgezeichneten [?] (Gen.Pl.)
ījānaḥ vitate yajñe
opfernd beim ausgebreiteten Opfer (Part./Lok.)
dakṣiṇām atyakālayat
als Opferlohn trieb hinaus (3.Sg.Impf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; atipadmin unsicher („ausgezeichnete Elefanten“), ya = yaḥ.
Wenn auch jener gestorben ist, Sṛñjaya, der vierfach glückverheißender war als du und verdienstvoller als [dein] Sohn – so grüble nicht um [deinen] Sohn.
Wort für Wort
sa cen mamāra sṛñjaya
wenn auch er gestorben ist, Sṛñjaya (Perf.3.Sg./Vok.)
caturbhadrataras tvayā
vierfach glückverheißender als du (Komp./Abl. des Vergleichs)
Mit gewaltigem Wagengedröhn die Erde widerhallen lassend, machte er, der mit dem [einen] siegreichen Wagen, die Erde zu einer Herrschaft unter einem einzigen Schirm.
Wort für Wort
mahatā rathaghoṣeṇa
mit gewaltigem Wagengedröhn (Instr.)
pṛthivīm anunādayan
die Erde widerhallen lassend (Part.Präs.Kaus.)
ekacchatrāṃ mahīṃ cakre
machte die Erde einschirmig [= unter einem Herrscher] (Perf.3.Sg.)
nodyantāraṃ dhuraṃ tasya kaṃ cin mene prajāpatiḥ; na bhūtaṃ na bhaviṣyantaṃ sarvarājasu bhārata; anyatrauśīnarāc chaibyād rājarṣer indravikramāt
Prajāpati hielt keinen für einen Träger seiner Last [= für einen, der ihm gleichkäme] – weder einen gewesenen noch einen künftigen unter allen Königen, Bhārata –, außer dem Auśīnara Śaibya, dem Königsweisen, der Indra an Tapferkeit glich.
Wort für Wort
nodyantāraṃ dhuraṃ tasya
keinen Träger/Heber seiner Last (Akk./Gen.)
kaṃ cin mene prajāpatiḥ
hielt irgendeinen Prajāpati (Perf.3.Sg.)
na bhūtaṃ na bhaviṣyantaṃ
nicht [einen] gewesenen, nicht [einen] künftigen (Part.)
sarvarājasu bhārata
unter allen Königen, Bhārata (Lok./Vok.)
anyatrauśīnarāc chaibyād
außer dem Auśīnara Śaibya (Abl.)
rājarṣer indravikramāt
dem Königsweisen, Indra-gleich an Tapferkeit (Abl./Komp.)
Wörtlich etwa: Prajāpati hielt für seine Last keinen Heber; Sinn: niemand kam ihm gleich.
sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā; putrāt puṇyataraś caiva mā putram anutapyathāḥ; adakṣiṇam ayajvānaṃ taṃ vai saṃśāmya mā śucaḥ
Wenn auch jener gestorben ist, Sṛñjaya, der vierfach glückverheißender war als du und verdienstvoller als [dein] Sohn – so grüble nicht um [deinen] Sohn. Jenen [Sohn], der keine Opfergaben gab und nicht opferte, beruhige [in dir] und trauere nicht.
Wort für Wort
sa cen mamāra sṛñjaya
wenn auch er gestorben ist, Sṛñjaya (Perf.3.Sg./Vok.)
caturbhadrataras tvayā
vierfach glückverheißender als du (Komp./Abl. des Vergleichs)
putrāt puṇyataraś caiva
und verdienstvoller als [dein] Sohn (Abl./Komp.)
mā putram anutapyathāḥ
trauere nicht um [den] Sohn (Prohibitiv 2.Sg.)
adakṣiṇam ayajvānaṃ taṃ vai
den ohne Opfergaben, den Nichtopfernden, jenen (Akk.)
saṃśāmya mā śucaḥ
beruhige [dich], trauere nicht (Imp./Prohib.)
Der letzte Pāda ist unklar konstruiert; die Wiedergabe ist vorsichtig.
Bharatas große Tat vermochten alle [anderen] Könige, die Fürsten, nicht nachzuvollziehen, so wie Sterbliche mit den Armen den Himmel [nicht erreichen].
Wort für Wort
bharatasya mahat karma
Bharatas große Tat (Gen./Nom.)
sarvarājasu pārthivāḥ
unter allen Königen, die Fürsten (Lok./Nom.)
khaṃ martyā iva bāhubhyām
wie Sterbliche den Himmelsraum mit den Armen (Akk./Instr.Du.)
nānugantum aśaknuvan
vermochten nicht nachzufolgen (Inf./Impf.3.Pl.)
Der Vergleich ist elliptisch: Sterbliche können den Himmel nicht mit den Armen erreichen.
Wenn auch jener gestorben ist, Sṛñjaya, der vierfach glückverheißender war als du und verdienstvoller als [dein] Sohn – so grüble nicht um [deinen] Sohn.
Wort für Wort
sa cen mamāra sṛñjaya
wenn auch er gestorben ist, Sṛñjaya (Perf.3.Sg./Vok.)
caturbhadrataras tvayā
vierfach glückverheißender als du (Komp./Abl. des Vergleichs)
Lebewesen ertranken nicht im Wasser, Feuer verbrannte nicht ohne Anlass, und keine Furcht vor Raubtieren [und Schlangen] gab es, als Rāma das Reich regierte.
Wort für Wort
prāṇino nāpsu majjanti
Lebewesen sinken nicht im Wasser unter (Nom.Pl./Lok.Pl./Präs.3.Pl.)
nānarthe pāvako 'dahat
nicht zu Unheil verbrannte das Feuer (Lok./Impf.3.Sg.)
na vyālajaṃ bhayaṃ cāsīt
und keine von Raubtieren stammende Furcht war (Impf.3.Sg.)
Keinen Streit gab es untereinander, nicht einmal bei den Frauen, wie viel weniger bei den Männern; dem Dharma verpflichtet waren die Untertanen, als Rāma das Reich regierte.
Wort für Wort
nānyonyena vivādo 'bhūt
nicht gab es Streit untereinander (Instr./Aor.3.Sg.)
strīṇām api kuto nṛṇām
selbst bei Frauen, wie erst bei Männern (Gen.Pl.)
dharmanityāḥ prajāś cāsan
und die Untertanen waren dem Dharma stets ergeben (Komp./Impf.3.Pl.)
Zufrieden, mit allen erfüllten Zielen, furchtlos, nach Belieben wandelnd und der Wahrheit verpflichtet waren die Menschen, als Rāma das Reich regierte.
Wort für Wort
saṃtuṣṭāḥ sarvasiddhārthā
zufrieden, mit allen erfüllten Zielen (Nom.Pl.)
nirbhayāḥ svairacāriṇaḥ
furchtlos, nach Belieben wandelnd (Nom.Pl.)
narāḥ satyavratāś cāsan
und die Menschen waren wahrheitsgelübdetreu (Impf.3.Pl.)
rāme rājyaṃ praśāsati
als Rāma das Reich regierte (Lok.abs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
[Lücke im Text] … und tausend Jahre [?], als Herr von Ayodhyā geworden.
Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
daśavarṣaśatāni ca
und zehn mal hundert Jahre [?] (Akk.Pl.)
ayodhyādhipatir bhūtvā
Herr von Ayodhyā geworden (Nom./Abs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers ist lückenhaft überliefert; die Zahlangabe (daśavarṣaśata = 1000 Jahre) ist unsicher.
Wenn auch jener gestorben ist, Sṛñjaya, der vierfach glückverheißender war als du und verdienstvoller als [dein] Sohn – so grüble nicht um [deinen] Sohn.
Wort für Wort
sa cen mamāra sṛñjaya
wenn auch er gestorben ist, Sṛñjaya (Perf.3.Sg./Vok.)
caturbhadrataras tvayā
vierfach glückverheißender als du (Komp./Abl. des Vergleichs)
Auch den König Bhagīratha, haben wir gehört, Sṛñjaya, ist gestorben, bei dessen ausgedehntem Opfer Indra, Soma getrunken habend, vor Rausch übermütig wurde.
Wort für Wort
bhagīrathaṃ ca rājānaṃ
und den König Bhagīratha (Akk.)
mṛtaṃ śuśruma sṛñjaya
[als] gestorben haben wir gehört, Sṛñjaya (Perf.1.Pl.)
yasyendro vitate yajñe
dessen Indra beim ausgedehnten Opfer (Gen./Nom./Lok.)
Wenn auch jener gestorben ist, Sṛñjaya, der vierfach glückverheißender war als du und verdienstvoller als [dein] Sohn – so grüble nicht um [deinen] Sohn.
Wort für Wort
sa cen mamāra sṛñjaya
wenn auch er gestorben ist, Sṛñjaya (Perf.3.Sg./Vok.)
caturbhadrataras tvayā
vierfach glückverheißender als du (Komp./Abl. des Vergleichs)
In dessen Opfer war ein großer, prächtiger, goldener Opferpfosten; zu ihm nahmen die Götter, die das Werk vollzogen, mit Śakra als dem Ältesten Zuflucht.
Wort für Wort
yasya yajñe
in dessen Opfer (Gen./Lok.)
mahān āsīd yūpaḥ
war ein großer Opferpfosten (Nom./Impf.)
śrīmān hiraṇmayaḥ
prächtig, golden (Nom.)
taṃ devāḥ karma kurvāṇāḥ
ihn [suchten] die Götter, das Werk vollziehend (Akk./Nom.Pl./Part.Med.)
śakrajyeṣṭhā upāśrayan
mit Śakra als dem Ältesten, nahmen Zuflucht (Nom.Pl./3.Pl.Impf.)
An den Rändern setzte er die Söhne ein, mit Yadu und Druhyu an der Spitze; Pūru salbte er zur Herrschaft in seinem [Reich] und zog mit seiner Gattin in den Wald.
Wort für Wort
anteṣu putrān nikṣipya
an den Rändern die Söhne eingesetzt habend (Lok./Akk./Ger.)
yadudruhyupurogamān
mit Yadu und Druhyu an der Spitze (Akk.Pl.)
pūruṃ rājye 'bhiṣicya sve
Pūru in der eigenen Herrschaft gesalbt habend (Akk./Lok./Ger.)
mano me ramatāṃ satye tvatprasādād dhutāśana; lebhe ca kāmāṃs tān sarvān pāvakād iti naḥ śrutam
mein Sinn möge Freude finden an der Wahrheit durch deine Gnade, o Opferverzehrer [Agni].“ Und alle diese Wünsche erlangte er von Pāvaka [Agni], so haben wir gehört.
Wort für Wort
mano me ramatāṃ satye
mein Sinn möge sich erfreuen an der Wahrheit (Nom./Imp. 3.Sg. Med./Lok.)
tvatprasādād hutāśana
durch deine Gnade, o Hutāśana [Feuer] (Abl./Vok.)
lebhe ca kāmāṃs tān sarvān
und erlangte alle diese Wünsche (Perf. 3.Sg. Med./Akk.Pl.)
Er befriedigte mit Soma die Götter, mit Gütern auch die Brahmanen, die Väter mit Svadhā-Spenden, und seine Frauen mit Wünschen [erfüllt], o Stier unter den Männern.
Wort für Wort
tarpayām āsa somena
er befriedigte mit Soma (Perf. periphr./Instr.)
devān vittair dvijān api
die Götter, mit Gütern auch die Zweimalgeborenen (Akk.Pl./Instr.Pl.)
pitṝn svadhābhiḥ
die Väter mit Svadhā-Spenden (Akk.Pl./Instr.Pl.)
kāmaiś ca striyaḥ svāḥ puruṣarṣabha
und mit Wünschen die eigenen Frauen, o Stier der Männer (Instr./Akk.Pl./Vok.)
brāhmaṇebhyo dadau niṣkān sadasi pratate nṛpaḥ; tubhyaṃ tubhyaṃ niṣkam iti yatrākrośanti vai dvijāḥ; sahasraṃ tubhyam ity uktvā brāhmaṇān sma prapadyate
Den Brahmanen gab der König Goldstücke in der weiten Versammlung; wo die Brahmanen riefen: „Dir ein Goldstück, dir ein Goldstück!“, da trat er zu den Brahmanen [mit den Worten]: „Tausend dir!“
Wort für Wort
brāhmaṇebhyo dadau niṣkān
den Brahmanen gab er Goldstücke (Dat.Pl./Perf. 3.Sg./Akk.Pl.)
sadasi pratate nṛpaḥ
in der ausgedehnten Versammlung der König (Lok./Part./Nom.)
tubhyaṃ tubhyaṃ niṣkam iti
„dir, dir ein Goldstück“, so (Dat./Zitat)
yatrākrośanti vai dvijāḥ
wo riefen die Zweimalgeborenen (Präs. 3.Pl./Nom.)
sahasraṃ tubhyam ity uktvā
„tausend dir“, so gesagt habend (Abs.)
brāhmaṇān sma prapadyate
trat er zu den Brahmanen (Akk.Pl./Präs. 3.Sg. Med.)
Der Vers ist dreizeilig überliefert; Sinn der letzten Zeile (Rantideva bietet selbst tausend an) unsicher [?].
anvāhāryopakaraṇaṃ dravyopakaraṇaṃ ca yat; ghaṭāḥ sthālyaḥ kaṭāhāś ca pātryaś ca piṭharā api; na tat kiṃ cid asauvarṇaṃ rantidevasya dhīmataḥ
Was an Zubehör für Feuerstätten und an Zubehör von Geräten [vorhanden war]: Krüge, Töpfe, Kessel, Schüsseln und auch Körbe, nichts davon war nicht golden bei Rantideva, dem Klugen.
Wort für Wort
anvāhāryopakaraṇaṃ
Zubehör des Anvāhārya-Opfers (Nom.; Komp.)
dravyopakaraṇaṃ ca yat
und das Zubehör an Gerät, was [da war] (Nom./Rel.)
dem, als er dahinzog, sechzigtausend Söhne nachfolgten, wie am Ende der Regenzeit bei wolkenlosem [Himmel] die Sternscharen dem König der Gestirne [Mond].
Wort für Wort
ṣaṣṭiḥ putrasahasrāṇi
sechzig Tausend Söhne (Nom.Pl.)
yaṃ yāntaṃ pṛṣṭhato 'nvayuḥ
dem Gehenden hinterher folgten (Akk./Part./Impf. 3.Pl.)
nakṣatrarājaṃ varṣānte
dem König der Sterne am Ende der Regenzeit (Akk./Lok.)
vyabhre jyotirgaṇā iva
bei wolkenlosem [Himmel] die Lichtscharen gleichsam (Lok./Nom.Pl.)
dvijātibhyo 'nurūpebhyaḥ kāmān uccāvacāṃs tathā; yasyādeśena tad vittaṃ vyabhajanta dvijātayaḥ
den Zweimalgeborenen, den Passenden, [schenkte er] Wünsche, hohe und niedrige, und auf dessen Geheiß teilten die Zweimalgeborenen jenes Vermögen untereinander auf.
Wort für Wort
dvijātibhyo 'nurūpebhyaḥ
den passenden Zweimalgeborenen (Dat.Pl.)
kāmān uccāvacāṃs tathā
Wünsche, hohe und niedrige, ebenso (Akk.Pl.)
yasyādeśena tad vittaṃ
auf dessen Anweisung jenes Vermögen (Instr./Akk.)
vyabhajanta dvijātayaḥ
verteilten die Zweimalgeborenen (Impf. 3.Pl. Med./Nom.)
Das Verb zu „Wünsche“ ist aus dem Vorvers (prādāt) zu ergänzen.
pṛthuṃ vainyaṃ prajā dṛṣṭvā raktāḥ smeti yad abruvan; tato rājeti nāmāsya anurāgād ajāyata
Als die Untertanen Pṛthu, den Sohn Venas, sahen, sagten sie: „Wir sind erfreut [von ihm]“; daher entstand aus ihrer Zuneigung für ihn der Name „König“ [rājan].
Wort für Wort
pṛthuṃ vainyaṃ prajā dṛṣṭvā
Pṛthu, den Vainya, die Untertanen gesehen habend (Akk./Nom.Pl./Abs.)
raktāḥ smeti yad abruvan
„erfreut sind wir“, weil sie sagten (Part./Impf. 3.Pl.)
tato rājeti nāmāsya
daher „König“, dieser Name von ihm (Zitat/Nom./Gen.)
arogāḥ sarvasiddhārthā manuṣyā akutobhayāḥ; yathābhikāmam avasan kṣetreṣu ca gṛheṣu ca
Die Menschen waren gesund, all ihr Streben ging in Erfüllung, sie hatten vor nichts Furcht; nach Belieben wohnten sie auf den Feldern und in den Häusern.
Wort für Wort
arogāḥ sarvasiddhārthā
gesund, mit erfüllten Zielen alle (Nom.Pl.)
manuṣyā akutobhayāḥ
die Menschen ohne Furcht woher auch immer (Nom.Pl.)
kiṃ vai tūṣṇīṃ dhyāyasi sṛñjaya tvaṃ; na me rājan vācam imāṃ śṛṇoṣi; na cen moghaṃ vipralaptaṃ mayedaṃ; pathyaṃ mumūrṣor iva samyag uktam
„Warum sinnst du schweigend, Sṛñjaya? Du hörst dieses mein Wort nicht, o König? Hoffentlich ist dies von mir nicht vergeblich gesagt, wie recht gesprochene, heilsame [Worte] zu einem Sterbenswilligen.“
Wort für Wort
kiṃ vai tūṣṇīṃ dhyāyasi sṛñjaya tvaṃ
warum sinnst du schweigend, Sṛñjaya (Adv./2.Sg.)
na me rājan vācam imāṃ śṛṇoṣi
meine Rede, o König, hörst du nicht (Vok./Akk./2.Sg.)
na cen moghaṃ vipralaptaṃ mayedaṃ
hoffentlich nicht vergeblich geredet von mir dies (Instr.)
pathyaṃ mumūrṣor iva samyag uktam
heilsam wie [zu] einem Sterbenwollenden recht gesprochen (Gen./Part.)
Die letzte Zeile ist syntaktisch schwierig [?]; na cen moghaṃ... als Frage aufgefasst, „ist es etwa nicht vergeblich“ wäre auch möglich.
Sṛñjaya sprach: „Ich höre dein Wort, Nārada, [ein Wort] von vielfältigem Sinn, wie eine Girlande von heiligem Duft, verbunden mit dem Ruhm der verdienstvollen, hochgesinnten Königsseher, zur Vertreibung des Kummers [bestimmt].
Wort für Wort
sṛñjaya uvāca
Sṛñjaya sprach (Perf. 3.Sg.)
śṛṇomi te nārada vācam etāṃ
ich höre dein, o Nārada, dieses Wort (1.Sg./Vok./Akk.)
vicitrārthāṃ srajam iva puṇyagandhām
von vielfältigem Sinn, wie eine Girlande heilig duftend (Bahuvrīhi/Akk.)
rājarṣīṇāṃ puṇyakṛtāṃ mahātmanāṃ
der Königsseher, Verdienstvollen, Hochgesinnten (Gen.Pl.)
kīrtyā yuktāṃ śokanirṇāśanārtham
mit Ruhm verbunden, zur Vertreibung des Kummers (Instr./Part./Adv.)
na te moghaṃ vipralaptaṃ maharṣe; dṛṣṭvaiva tvāṃ nāradāhaṃ viśokaḥ; śuśrūṣe te vacanaṃ brahmavādin; na te tṛpyāmy amṛtasyeva pānāt
Nicht vergeblich hast du geredet, großer Seher; sobald ich dich sah, Nārada, war ich frei von Kummer. Ich möchte deine Rede hören, o Brahmavādin; ich werde deiner nicht satt, wie man vom Trinken des Nektars nicht satt wird.
Wort für Wort
na te moghaṃ vipralaptaṃ maharṣe
nicht vergeblich ist von dir geredet, großer Seher (Part./Vok.)
dṛṣṭvaiva tvāṃ nāradāhaṃ viśokaḥ
kaum dich gesehen habend, Nārada, [bin] ich kummerfrei (Abs./Vok./Nom.)
śuśrūṣe te vacanaṃ brahmavādin
ich will hören dein Wort, o Brahmavādin (Desid. 1.Sg. Med./Vok.)
na te tṛpyāmy amṛtasyeva pānāt
ich werde deiner nicht satt wie vom Trinken des Nektars (Präs. 1.Sg./Abl.)
amoghadarśin mama cet prasādaṃ; sutāghadagdhasya vibho prakuryāḥ; mṛtasya saṃjīvanam adya me syāt; tava prasādāt sutasaṃgamaś ca
Wenn du, dessen Blick untrüglich ist, mir Gnade erweisen willst, o Herr, dem vom Leid um den Sohn Versengten, dann möge mir heute der Toten Wiederbelebung sein, und durch deine Gnade das Wiedersehen mit dem Sohn.“
Wort für Wort
amoghadarśin mama cet prasādaṃ
o du mit untrüglichem Blick, wenn mir Gnade (Vok./Gen./Akk.)
sutāghadagdhasya vibho prakuryāḥ
dem vom Sohnesleid Verbrannten, o Herr, du erweist (Gen./Vok./Opt. 2.Sg.)
mṛtasya saṃjīvanam adya me syāt
des Toten Wiederbelebung heute möge mir sein (Gen./Nom./Opt.)
tava prasādāt sutasaṃgamaś ca
durch deine Gnade und die Vereinigung mit dem Sohn (Abl./Nom.)
nārada uvāca; yas te putro dayito 'yaṃ viyātaḥ; svarṇaṣṭhīvī yam adāt parvatas te; punas te taṃ putram ahaṃ dadāmi; hiraṇyanābhaṃ varṣasahasriṇaṃ ca
Nārada sprach: „Dieser dein geliebter Sohn, der dahingegangen ist, den dir Parvata, der den Speichel zu Gold [machte], gab: diesen Sohn gebe ich dir wieder, Hiraṇyanābha, tausend Jahre alt.“
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach (Perf. 3.Sg.)
yas te putro dayito 'yaṃ viyātaḥ
der dein Sohn, geliebt, dieser fortgegangen ist (Nom./Part.)
svarṇaṣṭhīvī yam adāt parvatas te
den, Goldspeier, dir Parvata gab (Nom./Akk./Impf. 3.Sg.)
punas te taṃ putram ahaṃ dadāmi
wieder dir jenen Sohn gebe ich (Adv./Akk./Präs. 1.Sg.)
hiraṇyanābhaṃ varṣasahasriṇaṃ ca
den Hiraṇyanābha, tausendjährig (Akk.)
svarṇaṣṭhīvī: Beiname des Sohnes (der Gold spuckt); der Satzbau (Beiname des Sohnes oder Parvatas) ist unsicher [?].