Kapitel 52: bhīṣmasya varalābhaḥ prasthānaṃ ca
Bhīṣma erhält von Kṛṣṇa Genesung von Schmerz und Trübung; Aufbruch der Pāṇḍavas
Bhīṣma fühlt sich zu schwach zum Sprechen; Kṛṣṇa gewährt ihm eine Gunst (klarer Geist, göttliches Schauen). Danach ehren die Weisen Kṛṣṇa, und die Pāṇḍavas kehren in die Stadt zurück.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus, darauf jene heilsame, mit Recht und Nutzen verbundene Rede Kṛṣṇas gehört hatte, antwortete er mit gefalteten Händen.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.3.Sg.)
tataḥ kṛṣṇasya tad vākyam
darauf jene Rede Kṛṣṇas (Adv./Gen./Akk.Sg.)
dharmārthasahitaṃ hitam
mit Recht und Nutzen verbunden, heilsam (Akk.Sg.)
śrutvā śāṃtanavo bhīṣmaḥ
gehört habend, der Śaṃtanu-Sohn Bhīṣma (Abs./Nom.Sg.)
pratyuvāca kṛtāñjaliḥ
antwortete, mit gefalteten Händen (Perf.3.Sg./Nom.Sg.)
yad dhi kiṃ cit kṛtaṃ loke kartavyaṃ kriyate ca yat; tvattas tan niḥsṛtaṃ deva lokā buddhimayā hi te
Denn was immer in der Welt getan worden ist und was zu tun ist und getan wird – das ist von dir ausgegangen, Gott; denn die Welten sind aus deinem Geist gemacht.
Wort für Wort
yad hi kiṃ cit kṛtaṃ loke
was immer getan wurde in der Welt (Nom.Sg.n./Part./Lok.Sg.)
kartavyaṃ kriyate ca yat
was zu tun ist und was getan wird (Gerundiv/3.Sg.Pass.)
tvattas tat niḥsṛtam
von dir jenes ausgegangen (Abl./Part.Nom.Sg.n.)
deva lokāḥ buddhimayāḥ hi te
Gott, die Welten sind aus Geist gemacht, ja, deine (Vok./Nom.Pl./Gen.)
Der Ausdruck lokā buddhimayā(ḥ) te ist knapp; Wiedergabe „deine Welten sind aus Geist/Erkenntnis gemacht“ mit Sandhi-Vorbehalt.
kathayed devalokaṃ yo devarājasamīpataḥ; dharmakāmārthaśāstrāṇāṃ so 'rthān brūyāt tavāgrataḥ
Wer in der Nähe des Götterkönigs von der Götterwelt erzählen wollte, der würde die Gegenstände der Lehrwerke über Recht, Begehren und Nutzen vor dir [vortragen, das heißt: vor dem Urheber selbst].
Wort für Wort
kathayet devalokaṃ yaḥ
wer die Götterwelt erzählen würde (Opt.3.Sg./Akk./Nom.)
devarājasamīpataḥ
in der Nähe des Götterkönigs (Abl.-Adv.)
dharmakāmārthaśāstrāṇām
der Lehrwerke von Recht, Begehren und Nutzen (Gen.Pl.)
saḥ arthān brūyāt tava agrataḥ
der würde die Gegenstände sagen vor dir (Nom./Akk.Pl./Opt.3.Sg./Adv.)
Vers dunkel; die Wiedergabe beruht auf der Annahme eines Vergleichs (Erzählen vor dem Urheber selbst).
Und was du mir wegen des Schmerzes der Pfeilwunden sagtest, Sohn der Gaṅgā: Nimm hier eine Gunst an, Bhīṣma, Mächtiger, die durch meine Huld bewirkt ist.
Wort für Wort
yat ca mām āttha gāṅgeya
und was du mir sagtest, Sohn der Gaṅgā (Rel./Akk./2.Sg.Perf./Vok.)
bāṇaghātarujaṃ prati
hinsichtlich des Schmerzes vom Pfeilschlag (Akk./Postp.)
gṛhāṇa atra varam
nimm hier eine Gunst (Imp.2.Sg./Adv./Akk.)
bhīṣma matprasādakṛtam vibho
Bhīṣma, durch meine Huld gewirkt, Mächtiger (Vok./Akk.Sg./Vok.)
Dann fiel vom Himmelsgewölbe ein göttlicher Blumenregen aus Blumen aller Jahreszeiten dorthin, wo der Vṛṣṇi-Nachkomme mit dem Sohn der Gaṅgā und den Pāṇḍavas war.
Wort für Wort
tataḥ sarvārtavam divyam
dann göttlich, aus allen Jahreszeiten (Adv./Nom.Sg.n.)
puṣpavarṣam nabhastalāt
Blumenregen vom Himmelsgewölbe (Nom.Sg./Abl.)
papāta yatra vārṣṇeyaḥ
fiel, wo der Vṛṣṇi-Nachkomme (3.Sg.Perf./Adv./Nom.Sg.)
Ein günstiger, angenehmer, reiner Wind wehte, der Düfte aller Art trug; in der beruhigten Himmelsrichtung ließen Tiere und Vögel friedliche Laute erklingen.
Wort für Wort
vavau śivaḥ sukhaḥ vāyuḥ
es wehte ein heilvoller, angenehmer Wind (3.Sg.Perf./Nom.Sg.)
sarvagandhavahaḥ śuciḥ
alle Düfte tragend, rein (Nom.Sg.)
śāntāyām diśi
in der beruhigten Himmelsrichtung (Lok.Sg.f.)
śāntāḥ ca prāvadan mṛgapakṣiṇaḥ
und ruhig ließen ihre Stimme hören Tiere und Vögel (Nom.Pl./Impf.3.Pl./Nom.Pl.)
tato muhūrtād bhagavān sahasrāṃśur divākaraḥ; dahan vanam ivaikānte pratīcyāṃ pratyadṛśyata
Dann, nach einem Augenblick, wurde im Westen die ehrwürdige, tausendstrahlige Sonne, der Tagmacher, sichtbar, wie einen Wald in der Einöde verbrennend.
Wort für Wort
tataḥ muhūrtāt bhagavān
dann nach einem Augenblick der Ehrwürdige (Adv./Abl./Nom.Sg.)
sahasrāṃśuḥ divākaraḥ
der Tausendstrahlige, der Tagmacher (Nom.Sg.)
dahan vanam iva ekānte
wie einen Wald verbrennend in der Einsamkeit (Part.Nom.Sg./Akk.Sg./Lok.Sg.)
pratīcyām pratyadṛśyata
im Westen wurde er sichtbar (Lok.Sg.f./Impf.3.Sg.Pass.)
tato rathaiḥ kāñcanadantakūbarair; mahīdharābhaiḥ samadaiś ca dantibhiḥ; hayaiḥ suparṇair iva cāśugāmibhiḥ; padātibhiś cāttaśarāsanādibhiḥ
Dann [zog das Heer] mit Wagen, deren Deichseln mit Gold und Elfenbein [verziert waren], mit brünstigen Elefanten, bergegleich, mit Rossen, schnell dahineilend wie Suparṇa-Vögel, und mit Fußsoldaten, die Bögen und andere Waffen ergriffen hatten.
Wort für Wort
tataḥ rathaiḥ kāñcanadantakūbaraiḥ
dann mit Wagen mit Deichseln aus Gold und Elfenbein (Instr.Pl.)
mahīdharābhaiḥ samadaiḥ ca dantibhiḥ
bergähnlich, brünstig, mit Elefanten (Instr.Pl.)
hayaiḥ suparṇaiḥ iva ca āśugāmibhiḥ
mit Rossen, schnellgehend wie Suparṇas (Instr.Pl.)
padātibhiḥ ca ātta-śarāsanādibhiḥ
mit Fußsoldaten, Bögen und anderes ergriffen habend (Instr.Pl.)
Verbum fehlt; aus Vers 32 ergänzt: Das Heer zog. kūbara = Deichsel, dantakūbara mit Vorbehalt [?].
yayau rathānāṃ purato hi sā camūs; tathaiva paścād atimātrasāriṇī; puraś ca paścāc ca yathā mahānadī; purarkṣavantaṃ girim etya narmadā
Jenes Heer zog vor den Wagen her, und ebenso hinterher, über die Maßen dahinströmend; vorn und hinten wie ein großer Strom, [wie] die Narmadā, die zum Berg Ṛkṣavat gelangt ist.
Wort für Wort
yayau rathānām purataḥ hi sā camūḥ
es zog vor den Wagen her jenes Heer (Perf.3.Sg./Gen.Pl./Adv./Nom.Sg.)
tathā eva paścāt atimātrasāriṇī
ebenso hinterher, übermäßig dahinströmend (Adv./Nom.Sg.f.)
puraḥ ca paścāt ca yathā mahānadī
vorn und hinten wie ein großer Fluss (Adv./Adv./Nom.Sg.)
puraḥ ṛkṣavantam girim etya narmadā
vorn zum Berg Ṛkṣavat gelangt, die Narmadā (Adv./Akk./Abs./Nom.)
Der Vergleich ist knapp; die Auflösung purarkṣavantam als puraḥ + ṛkṣavantam ist eine Konjektur [?].
Darauf erhob sich vor [dem Heer] der ehrwürdige Nachtmacher [Mond], der jenes Heer erfreute und die von der Sonne ihrer Säfte beraubten Kräuter wieder mit ihrer eigenen Eigenschaft verband.
Wort für Wort
tataḥ purastāt bhagavān niśākaraḥ
dann vorn der Ehrwürdige, der Nachtmacher (Adv./Adv./Nom.Sg.)
Dann zogen jene Yadu-Stiere und Pāṇḍavas in die Stadt ein, deren Glanz der Stadt der Götter glich, und betraten die schönsten Häuser nach Gebühr, ermüdet wie Löwen ihre Höhlen.
Wort für Wort
tataḥ puram surapurasaṃnibhadyuti
dann die Stadt, deren Glanz der Götterstadt gleicht (Akk.Sg.)
praviśya te yaduvṛṣapāṇḍavāḥ tadā
eingetreten, jene Yadu-Stiere und Pāṇḍavas damals (Abs./Nom.Pl.)
yathocitān bhavanavarān samāviśan
nach Gebühr die besten Häuser betraten sie (Akk.Pl./Impf.3.Pl.)
śramānvitāḥ mṛgapatayaḥ guhāḥ iva
ermüdet, wie Löwen [in] Höhlen (Nom.Pl./Nom.Pl./Akk.Pl.)
yaduvṛṣapāṇḍavāḥ auch als „Yadu-Stier und die Pāṇḍavas“ lesbar.