Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 52: bhīṣmasya varalābhaḥ prasthānaṃ ca Bhīṣma erhält von Kṛṣṇa Genesung von Schmerz und Trübung; Aufbruch der Pāṇḍavas

Bhīṣma fühlt sich zu schwach zum Sprechen; Kṛṣṇa gewährt ihm eine Gunst (klarer Geist, göttliches Schauen). Danach ehren die Weisen Kṛṣṇa, und die Pāṇḍavas kehren in die Stadt zurück.

vaiśaṃpāyana uvāca; tataḥ kṛṣṇasya tad vākyaṃ dharmārthasahitaṃ hitam; śrutvā śāṃtanavo bhīṣmaḥ pratyuvāca kṛtāñjaliḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Als Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus, darauf jene heilsame, mit Recht und Nutzen verbundene Rede Kṛṣṇas gehört hatte, antwortete er mit gefalteten Händen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.3.Sg.)
tataḥ kṛṣṇasya tad vākyam
darauf jene Rede Kṛṣṇas (Adv./Gen./Akk.Sg.)
dharmārthasahitaṃ hitam
mit Recht und Nutzen verbunden, heilsam (Akk.Sg.)
śrutvā śāṃtanavo bhīṣmaḥ
gehört habend, der Śaṃtanu-Sohn Bhīṣma (Abs./Nom.Sg.)
pratyuvāca kṛtāñjaliḥ
antwortete, mit gefalteten Händen (Perf.3.Sg./Nom.Sg.)

lokanātha mahābāho śiva nārāyaṇācyuta; tava vākyam abhiśrutya harṣeṇāsmi pariplutaḥ

Herr der Welt, Starkarmiger, Heilvoller, Nārāyaṇa, Acyuta! Da ich deine Rede vernommen habe, bin ich von Freude überflutet.

Wort für Wort
lokanātha mahābāho
Herr der Welt, Starkarmiger (Vok.Sg.)
śiva nārāyaṇa acyuta
Heilvoller, Nārāyaṇa, Unfallener (Vok.Sg.)
tava vākyam abhiśrutya
deine Rede vernommen habend (Gen./Akk./Abs.)
harṣeṇa asmi pariplutaḥ
von Freude bin ich überflutet (Instr./1.Sg.Präs./Part.Nom.Sg.)

kiṃ cāham abhidhāsyāmi vākpate tava saṃnidhau; yadā vācogataṃ sarvaṃ tava vāci samāhitam

Und was soll ich in deiner Gegenwart sagen, Herr der Rede, da alles, was in Rede gefasst wird, in deiner Rede enthalten ist?

Wort für Wort
kiṃ ca aham abhidhāsyāmi
und was werde ich sagen (Akk./1.Sg.Fut.)
vākpate tava saṃnidhau
Herr der Rede, in deiner Gegenwart (Vok./Gen./Lok.Sg.)
yadā vācogataṃ sarvam
da alles, was in die Rede eingegangen ist (Konj./Akk./Nom.Sg.n.)
tava vāci samāhitam
in deiner Rede enthalten (Gen./Lok.Sg./Part.Nom.Sg.)

yad dhi kiṃ cit kṛtaṃ loke kartavyaṃ kriyate ca yat; tvattas tan niḥsṛtaṃ deva lokā buddhimayā hi te

Denn was immer in der Welt getan worden ist und was zu tun ist und getan wird – das ist von dir ausgegangen, Gott; denn die Welten sind aus deinem Geist gemacht.

Wort für Wort
yad hi kiṃ cit kṛtaṃ loke
was immer getan wurde in der Welt (Nom.Sg.n./Part./Lok.Sg.)
kartavyaṃ kriyate ca yat
was zu tun ist und was getan wird (Gerundiv/3.Sg.Pass.)
tvattas tat niḥsṛtam
von dir jenes ausgegangen (Abl./Part.Nom.Sg.n.)
deva lokāḥ buddhimayāḥ hi te
Gott, die Welten sind aus Geist gemacht, ja, deine (Vok./Nom.Pl./Gen.)

Der Ausdruck lokā buddhimayā(ḥ) te ist knapp; Wiedergabe „deine Welten sind aus Geist/Erkenntnis gemacht“ mit Sandhi-Vorbehalt.

kathayed devalokaṃ yo devarājasamīpataḥ; dharmakāmārthaśāstrāṇāṃ so 'rthān brūyāt tavāgrataḥ

Wer in der Nähe des Götterkönigs von der Götterwelt erzählen wollte, der würde die Gegenstände der Lehrwerke über Recht, Begehren und Nutzen vor dir [vortragen, das heißt: vor dem Urheber selbst].

Wort für Wort
kathayet devalokaṃ yaḥ
wer die Götterwelt erzählen würde (Opt.3.Sg./Akk./Nom.)
devarājasamīpataḥ
in der Nähe des Götterkönigs (Abl.-Adv.)
dharmakāmārthaśāstrāṇām
der Lehrwerke von Recht, Begehren und Nutzen (Gen.Pl.)
saḥ arthān brūyāt tava agrataḥ
der würde die Gegenstände sagen vor dir (Nom./Akk.Pl./Opt.3.Sg./Adv.)

Vers dunkel; die Wiedergabe beruht auf der Annahme eines Vergleichs (Erzählen vor dem Urheber selbst).

śarābhighātād vyathitaṃ mano me madhusūdana; gātrāṇi cāvasīdanti na ca buddhiḥ prasīdati

Von den Pfeilschlägen ist mein Geist gequält, Madhusūdana, meine Glieder sinken ein, und der Verstand wird nicht klar.

Wort für Wort
śarābhighātād vyathitam
von den Pfeilschlägen gequält (Abl./Part.Nom.Sg.n.)
manaḥ me madhusūdana
mein Geist, Madhusūdana (Nom./Gen./Vok.)
gātrāṇi ca avasīdanti
und die Glieder sinken ein (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
na ca buddhiḥ prasīdati
und der Verstand wird nicht klar (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)

na ca me pratibhā kā cid asti kiṃ cit prabhāṣitum; pīḍyamānasya govinda viṣānalasamaiḥ śaraiḥ

Und ich habe keinerlei Einfallskraft, irgendetwas zu sagen, Govinda, da ich von Pfeilen bedrängt werde, die Gift und Feuer gleichen.

Wort für Wort
na ca me pratibhā kā cit asti
und mir ist keinerlei Einfallskraft (Gen./Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
kiṃ cit prabhāṣitum
irgendetwas zu sagen (Akk./Inf.)
pīḍyamānasya govinda
des Bedrängten, Govinda (Part.Pass.Gen.Sg./Vok.)
viṣānalasamaiḥ śaraiḥ
von Pfeilen, Gift und Feuer gleich (Instr.Pl.)

balaṃ medhāḥ prajarati prāṇāḥ saṃtvarayanti ca; marmāṇi paritapyante bhrāntaṃ cetas tathaiva ca

Kraft und Einsicht schwinden, und die Lebenshauche eilen [davon]; die empfindlichen Stellen glühen, und ebenso ist der Sinn verwirrt.

Wort für Wort
balaṃ medhāḥ prajarati
Kraft, Einsicht vergeht (Nom.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
prāṇāḥ saṃtvarayanti ca
und die Lebenshauche eilen (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
marmāṇi paritapyante
die Todesstellen glühen (Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
bhrāntaṃ cetaḥ tathā eva ca
verwirrt der Sinn, ebenso (Part.Nom.Sg.n./Nom.Sg./Adv.)

prajarati (Sg. bei zwei Subjekten) und saṃtvarayanti sind unsicher gedeutet; „vergeht“ für prajarati [?].

daurbalyāt sajjate vāṅ me sa kathaṃ vaktum utsahe; sādhu me tvaṃ prasīdasva dāśārhakulanandana

Vor Schwäche stockt meine Stimme; wie kann ich da zu sprechen wagen? Sei mir gnädig, gütig, Freude des Dāśārha-Geschlechts.

Wort für Wort
daurbalyāt sajjate vāk me
vor Schwäche bleibt haften meine Stimme (Abl./3.Sg.Pass./Nom.Sg./Gen.)
saḥ katham vaktum utsahe
so wie wage ich zu sprechen (Nom./Adv./Inf./1.Sg.Präs.)
sādhu me tvam prasīdasva
gut, mir sei du gnädig (Adv./Dat.-Gen./Imp.Med.)
dāśārhakulanandana
Freude des Dāśārha-Geschlechts (Vok.Sg.)

saḥ ist hier wohl adverbiell/als Überleitung („so“) zu verstehen [?].

tat kṣamasva mahābāho na brūyāṃ kiṃ cid acyuta; tvatsaṃnidhau ca sīdeta vācaspatir api bruvan

Verzeihe das, Starkarmiger; ich möchte nichts sagen, Acyuta; und in deiner Gegenwart würde selbst der Herr der Rede beim Sprechen versagen.

Wort für Wort
tat kṣamasva mahābāho
darum verzeihe, Starkarmiger (Imp.Med./Vok.)
na brūyāṃ kiṃ cit acyuta
ich möchte nichts sagen, Acyuta (Opt.1.Sg./Vok.)
tvatsaṃnidhau ca sīdeta
und in deiner Gegenwart würde versagen (Lok.Sg./Opt.3.Sg.Med.)
vācaspatiḥ api bruvan
selbst der Herr der Rede, sprechend (Nom.Sg./Part.Nom.Sg.)

na diśaḥ saṃprajānāmi nākāśaṃ na ca medinīm; kevalaṃ tava vīryeṇa tiṣṭhāmi madhusūdana

Ich erkenne weder die Himmelsrichtungen noch den Himmelsraum noch die Erde; allein durch deine Kraft, Madhusūdana, halte ich mich.

Wort für Wort
na diśaḥ saṃprajānāmi
die Richtungen erkenne ich nicht (Akk.Pl./1.Sg.Präs.)
na ākāśaṃ na ca medinīm
nicht den Raum und nicht die Erde (Akk.Sg.)
kevalaṃ tava vīryeṇa
allein durch deine Kraft (Adv./Gen./Instr.)
tiṣṭhāmi madhusūdana
ich bleibe bestehen, Madhusūdana (1.Sg.Präs./Vok.)

svayam eva prabho tasmād dharmarājasya yad dhitam; tad bravīhy āśu sarveṣām āgamānāṃ tvam āgamaḥ

Darum sprich du selbst, Herr, rasch, was für den Dharma-König heilsam ist; du bist ja der Ursprung aller Überlieferungen.

Wort für Wort
svayam eva prabho tasmāt
selbst, Herr, darum (Adv./Vok./Abl.)
dharmarājasya yat hitam
des Dharma-Königs, was heilsam ist (Gen./Nom.Sg.n.)
tat bravīhi āśu
das sprich rasch (Imp.2.Sg./Adv.)
sarveṣām āgamānāṃ tvam āgamaḥ
aller Überlieferungen bist du die Überlieferung (Gen.Pl./Nom.Sg.)

kathaṃ tvayi sthite loke śāśvate lokakartari; prabrūyān madvidhaḥ kaś cid gurau śiṣya iva sthite

Wie könnte einer wie ich sprechen, wenn du da bist, der ewige Schöpfer der Welt, so wie ein Schüler, wenn der Lehrer zugegen ist?

Wort für Wort
katham tvayi sthite loke
wie, während du zugegen bist, in der Welt (Adv./Lok.Abs./Lok.)
śāśvate lokakartari
dem ewigen Weltschöpfer (Lok.Sg.)
prabrūyāt madvidhaḥ kaḥ cit
könnte einer wie ich sprechen (Opt.3.Sg./Nom.Sg./Nom.Sg.)
gurau śiṣyaḥ iva sthite
wie ein Schüler, wenn der Lehrer zugegen ist (Lok.Sg./Nom.Sg./Part.Lok.)

loke ist möglicherweise als Teil des Lokativ-Absolutus oder als „in der Welt“ zu fassen; Wiedergabe in der Übersetzung offen gehalten.

vāsudeva uvāca; upapannam idaṃ vākyaṃ kauravāṇāṃ dhuraṃdhare; mahāvīrye mahāsattve sthite sarvārthadarśini

Vāsudeva sprach: Diese Rede ist angemessen, Träger der Last der Kauravas, der du von großer Tatkraft und großem Wesen bist und alle Ziele überschaust.

Wort für Wort
vāsudevaḥ uvāca
Vāsudeva sprach (Nom.Sg./Perf.3.Sg.)
upapannam idaṃ vākyam
angemessen ist diese Rede (Part.Nom.Sg.n./Nom.Sg.)
kauravāṇām dhuraṃdhare
Träger der Last der Kauravas (Gen.Pl./Vok.Sg.)
mahāvīrye mahāsattve
von großer Tatkraft, von großem Wesen (Vok.Sg.)
sthite sarvārthadarśini
standhaft, alle Ziele schauend (Vok.Sg.)

sthite ist hier als Beiwort im Vokativ gefasst („standhaft“, vgl. sthite in 13) [?]; alternativ Lokativ-Absolutus.

yac ca mām āttha gāṅgeya bāṇaghātarujaṃ prati; gṛhāṇātra varaṃ bhīṣma matprasādakṛtaṃ vibho

Und was du mir wegen des Schmerzes der Pfeilwunden sagtest, Sohn der Gaṅgā: Nimm hier eine Gunst an, Bhīṣma, Mächtiger, die durch meine Huld bewirkt ist.

Wort für Wort
yat ca mām āttha gāṅgeya
und was du mir sagtest, Sohn der Gaṅgā (Rel./Akk./2.Sg.Perf./Vok.)
bāṇaghātarujaṃ prati
hinsichtlich des Schmerzes vom Pfeilschlag (Akk./Postp.)
gṛhāṇa atra varam
nimm hier eine Gunst (Imp.2.Sg./Adv./Akk.)
bhīṣma matprasādakṛtam vibho
Bhīṣma, durch meine Huld gewirkt, Mächtiger (Vok./Akk.Sg./Vok.)

na te glānir na te mūrchā na dāho na ca te rujā; prabhaviṣyanti gāṅgeya kṣutpipāse na cāpy uta

Dir werden weder Erschöpfung noch Ohnmacht noch Brennen noch Schmerz, Sohn der Gaṅgā, noch auch Hunger und Durst etwas anhaben.

Wort für Wort
na te glāniḥ na te mūrchā
dir nicht Erschöpfung, dir nicht Ohnmacht (Dat.-Gen./Nom.Sg.)
na dāhaḥ na ca te rujā
nicht Brennen, und dir nicht Schmerz (Nom.Sg./Nom.Sg.)
prabhaviṣyanti gāṅgeya
werden Macht haben, Sohn der Gaṅgā (3.Pl.Fut./Vok.)
kṣutpipāse na ca api uta
Hunger und Durst, auch nicht (Nom.Du./Partikeln)

jñānāni ca samagrāṇi pratibhāsyanti te 'nagha; na ca te kva cid āsaktir buddheḥ prādurbhaviṣyati

Und alle Kenntnisse werden dir aufleuchten, Makelloser; und nirgends wird eine Anhaftung deines Verstandes hervortreten.

Wort für Wort
jñānāni ca samagrāṇi
und alle Kenntnisse, vollständig (Nom.Pl.)
pratibhāsyanti te anagha
werden dir aufleuchten, Makelloser (3.Pl.Fut./Dat.-Gen./Vok.)
na ca te kva cit āsaktiḥ
und nirgends dir Anhaftung (Adv./Nom.Sg.)
buddheḥ prādurbhaviṣyati
des Verstandes wird hervortreten (Gen./3.Sg.Fut.)

sattvasthaṃ ca mano nityaṃ tava bhīṣma bhaviṣyati; rajas tamobhyāṃ rahitaṃ ghanair mukta ivoḍurāṭ

Und dein Geist wird stets im Sattva gegründet sein, Bhīṣma, frei von Rajas und Tamas, wie der Mond, der Herr der Gestirne, von Wolken befreit.

Wort für Wort
sattvastham ca manaḥ nityam
und im Sattva stehend der Geist stets (Nom.Sg.n./Adv.)
tava bhīṣma bhaviṣyati
dein, Bhīṣma, wird sein (Gen./Vok./3.Sg.Fut.)
rajas tamobhyām rahitam
von Rajas und Tamas frei (Abl.Du./Part.Nom.Sg.n.)
ghanaiḥ muktaḥ iva uḍurāṭ
wie der Mond von Wolken befreit (Instr.Pl./Part./Nom.Sg.)

uḍurāṭ, wörtlich „König der Sterne“ = Mond.

yad yac ca dharmasaṃyuktam arthayuktam athāpi vā; cintayiṣyasi tatrāgryā buddhis tava bhaviṣyati

Was immer du bedenken wirst, sei es mit Recht oder mit Nutzen verbunden, darin wird dein Verstand der vorzüglichste sein.

Wort für Wort
yat yat ca dharmasaṃyuktam
und was immer mit Recht verbunden ist (Nom./Akk.Sg.n.)
artha-yuktam athā api vā
mit Nutzen verbunden oder auch (Akk.Sg.n./Partikeln)
cintayiṣyasi tatra
wirst du bedenken, darin (2.Sg.Fut./Adv.)
agryā buddhiḥ tava bhaviṣyati
der vorzüglichste Verstand dein wird sein (Nom.Sg.f./Gen./3.Sg.Fut.)

imaṃ ca rājaśārdūla bhūtagrāmaṃ caturvidham; cakṣur divyaṃ samāśritya drakṣyasy amitavikrama

Und diese vierfache Wesensschar, Tiger unter den Königen, wirst du, das göttliche Auge nutzend, erblicken, Unermesslich-Tapferer.

Wort für Wort
imaṃ ca rājaśārdūla
und diese, Tiger unter den Königen (Akk.Sg./Vok.)
bhūtagrāmaṃ caturvidham
Wesensschar, vierfache (Akk.Sg.)
cakṣuḥ divyam samāśritya
das göttliche Auge nutzend (Akk.Sg./Akk.Sg./Abs.)
drakṣyasi amitavikrama
wirst du sehen, Unermesslich-Tapferer (2.Sg.Fut./Vok.)

caturvidhaṃ prajājālaṃ saṃyukto jñānacakṣuṣā; bhīṣma drakṣyasi tattvena jale mīna ivāmale

Mit dem Auge der Erkenntnis begabt wirst du, Bhīṣma, das vierfache Netz der Geschöpfe der Wahrheit nach erschauen wie einen Fisch in klarem Wasser.

Wort für Wort
caturvidham prajājālam
das vierfache Netz der Geschöpfe (Akk.Sg.)
saṃyuktaḥ jñānacakṣuṣā
versehen mit dem Auge der Erkenntnis (Part.Nom.Sg./Instr.Sg.)
bhīṣma drakṣyasi tattvena
Bhīṣma, wirst du sehen der Wahrheit nach (Vok./2.Sg.Fut./Instr.)
jale mīnaḥ iva amale
wie einen Fisch im klaren Wasser (Lok./Nom.Sg./Lok.Sg.)

vaiśaṃpāyana uvāca; tatas te vyāsasahitāḥ sarva eva maharṣayaḥ; ṛgyajuḥsāmasaṃyuktair vacobhiḥ kṛṣṇam arcayan

Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf ehrten alle Großweisen, mit Vyāsa an der Spitze, Kṛṣṇa mit Worten aus Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom./Perf.3.Sg.)
tataḥ te vyāsasahitāḥ
darauf jene, von Vyāsa begleitet (Adv./Nom.Pl./Nom.Pl.)
sarve eva maharṣayaḥ
alle Großweisen (Nom.Pl.)
ṛgyajuḥsāmasaṃyuktaiḥ vacobhiḥ
mit Ṛg-, Yajur- und Sāma-Worten verbunden (Instr.Pl.)
kṛṣṇam arcayan
Kṛṣṇa ehrten sie (Akk./Impf.3.Pl.)

tataḥ sarvārtavaṃ divyaṃ puṣpavarṣaṃ nabhastalāt; papāta yatra vārṣṇeyaḥ sagāṅgeyaḥ sapāṇḍavaḥ

Dann fiel vom Himmelsgewölbe ein göttlicher Blumenregen aus Blumen aller Jahreszeiten dorthin, wo der Vṛṣṇi-Nachkomme mit dem Sohn der Gaṅgā und den Pāṇḍavas war.

Wort für Wort
tataḥ sarvārtavam divyam
dann göttlich, aus allen Jahreszeiten (Adv./Nom.Sg.n.)
puṣpavarṣam nabhastalāt
Blumenregen vom Himmelsgewölbe (Nom.Sg./Abl.)
papāta yatra vārṣṇeyaḥ
fiel, wo der Vṛṣṇi-Nachkomme (3.Sg.Perf./Adv./Nom.Sg.)
sagāṅgeyaḥ sapāṇḍavaḥ
mit dem Gaṅgā-Sohn, mit den Pāṇḍavas (Nom.Sg.)

vāditrāṇi ca divyāni jaguś cāpsarasāṃ gaṇāḥ; na cāhitam aniṣṭaṃ vā kiṃ cit tatra vyadṛśyata

Und himmlische Instrumente erklangen, und die Scharen der Apsaras sangen; und nichts Unheilvolles oder Unerwünschtes war dort zu sehen.

Wort für Wort
vāditrāṇi ca divyāni
und himmlische Instrumente (Nom.Pl.)
jaguḥ ca apsarasām gaṇāḥ
und es sangen die Scharen der Apsaras (Perf.3.Pl./Gen.Pl./Nom.Pl.)
na ca ahitam aniṣṭam vā
und nicht Schädliches oder Unerwünschtes (Nom.Sg.n.)
kiṃ cit tatra vyadṛśyata
irgendetwas dort wurde gesehen (Nom./Adv./3.Sg.Impf.Pass.)

vavau śivaḥ sukho vāyuḥ sarvagandhavahaḥ śuciḥ; śāntāyāṃ diśi śāntāś ca prāvadan mṛgapakṣiṇaḥ

Ein günstiger, angenehmer, reiner Wind wehte, der Düfte aller Art trug; in der beruhigten Himmelsrichtung ließen Tiere und Vögel friedliche Laute erklingen.

Wort für Wort
vavau śivaḥ sukhaḥ vāyuḥ
es wehte ein heilvoller, angenehmer Wind (3.Sg.Perf./Nom.Sg.)
sarvagandhavahaḥ śuciḥ
alle Düfte tragend, rein (Nom.Sg.)
śāntāyām diśi
in der beruhigten Himmelsrichtung (Lok.Sg.f.)
śāntāḥ ca prāvadan mṛgapakṣiṇaḥ
und ruhig ließen ihre Stimme hören Tiere und Vögel (Nom.Pl./Impf.3.Pl./Nom.Pl.)

tato muhūrtād bhagavān sahasrāṃśur divākaraḥ; dahan vanam ivaikānte pratīcyāṃ pratyadṛśyata

Dann, nach einem Augenblick, wurde im Westen die ehrwürdige, tausendstrahlige Sonne, der Tagmacher, sichtbar, wie einen Wald in der Einöde verbrennend.

Wort für Wort
tataḥ muhūrtāt bhagavān
dann nach einem Augenblick der Ehrwürdige (Adv./Abl./Nom.Sg.)
sahasrāṃśuḥ divākaraḥ
der Tausendstrahlige, der Tagmacher (Nom.Sg.)
dahan vanam iva ekānte
wie einen Wald verbrennend in der Einsamkeit (Part.Nom.Sg./Akk.Sg./Lok.Sg.)
pratīcyām pratyadṛśyata
im Westen wurde er sichtbar (Lok.Sg.f./Impf.3.Sg.Pass.)

tato maharṣayaḥ sarve samutthāya janārdanam; bhīṣmam āmantrayāṃ cakrū rājānaṃ ca yudhiṣṭhiram

Da erhoben sich alle Großweisen, verabschiedeten sich von Janārdana, von Bhīṣma und von König Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
tataḥ maharṣayaḥ sarve
dann die Großweisen alle (Nom.Pl.)
samutthāya janārdanam
aufgestanden, Janārdana (Abs./Akk.)
bhīṣmam āmantrayām cakruḥ
Bhīṣma nahmen sie Abschied (Akk./Periphr.Perf.3.Pl.)
rājānam ca yudhiṣṭhiram
und König Yudhiṣṭhira (Akk.Sg.)

tataḥ praṇāmam akarot keśavaḥ pāṇḍavas tathā; sātyakiḥ saṃjayaś caiva sa ca śāradvataḥ kṛpaḥ

Darauf verneigte sich Keśava, ebenso der Pāṇḍava, Sātyaki und Saṃjaya und der Śāradvata Kṛpa.

Wort für Wort
tataḥ praṇāmam akarot keśavaḥ
dann machte die Verneigung Keśava (Adv./Akk./Impf.3.Sg./Nom.)
pāṇḍavaḥ tathā
der Pāṇḍava ebenso (Nom.Sg./Adv.)
sātyakiḥ saṃjayaḥ ca eva
Sātyaki und Saṃjaya (Nom.Sg.)
saḥ ca śāradvataḥ kṛpaḥ
und jener Śāradvata Kṛpa (Nom.Sg.)

pāṇḍavaḥ im Singular: gemeint vermutlich Yudhiṣṭhira [?].

tatas te dharmaniratāḥ samyak tair abhipūjitāḥ; śvaḥ sameṣyāma ity uktvā yatheṣṭaṃ tvaritā yayuḥ

Darauf gingen jene, dem Dharma ergeben, von diesen recht geehrt, mit den Worten „Morgen werden wir zusammenkommen“ nach Belieben eilig davon.

Wort für Wort
tataḥ te dharmaniratāḥ
dann jene, dem Dharma ergeben (Nom.Pl.)
samyak taiḥ abhipūjitāḥ
recht von jenen geehrt (Adv./Instr.Pl./Part.Nom.Pl.)
śvaḥ sameṣyāma iti uktvā
„morgen werden wir zusammenkommen“, so gesagt habend (Adv./1.Pl.Fut./Abs.)
yatheṣṭam tvaritāḥ yayuḥ
nach Belieben, eilig gingen sie (Adv./Nom.Pl./Perf.3.Pl.)

tathaivāmantrya gāṅgeyaṃ keśavas te ca pāṇḍavāḥ; pradakṣiṇam upāvṛtya rathān āruruhuḥ śubhān

Ebenso verabschiedeten sich Keśava und die Pāṇḍavas vom Sohn der Gaṅgā, umschritten ihn rechtsherum und bestiegen die prächtigen Wagen.

Wort für Wort
tathā eva āmantrya gāṅgeyam
ebenso Abschied genommen habend vom Gaṅgā-Sohn (Abs./Akk.)
keśavaḥ te ca pāṇḍavāḥ
Keśava und jene Pāṇḍavas (Nom.)
pradakṣiṇam upāvṛtya
rechtsherum umkreist habend (Adv./Abs.)
rathān āruruhuḥ śubhān
bestiegen die Wagen, prächtige (Akk.Pl./Perf.3.Pl./Akk.Pl.)

tato rathaiḥ kāñcanadantakūbarair; mahīdharābhaiḥ samadaiś ca dantibhiḥ; hayaiḥ suparṇair iva cāśugāmibhiḥ; padātibhiś cāttaśarāsanādibhiḥ

Dann [zog das Heer] mit Wagen, deren Deichseln mit Gold und Elfenbein [verziert waren], mit brünstigen Elefanten, bergegleich, mit Rossen, schnell dahineilend wie Suparṇa-Vögel, und mit Fußsoldaten, die Bögen und andere Waffen ergriffen hatten.

Wort für Wort
tataḥ rathaiḥ kāñcanadantakūbaraiḥ
dann mit Wagen mit Deichseln aus Gold und Elfenbein (Instr.Pl.)
mahīdharābhaiḥ samadaiḥ ca dantibhiḥ
bergähnlich, brünstig, mit Elefanten (Instr.Pl.)
hayaiḥ suparṇaiḥ iva ca āśugāmibhiḥ
mit Rossen, schnellgehend wie Suparṇas (Instr.Pl.)
padātibhiḥ ca ātta-śarāsanādibhiḥ
mit Fußsoldaten, Bögen und anderes ergriffen habend (Instr.Pl.)

Verbum fehlt; aus Vers 32 ergänzt: Das Heer zog. kūbara = Deichsel, dantakūbara mit Vorbehalt [?].

yayau rathānāṃ purato hi sā camūs; tathaiva paścād atimātrasāriṇī; puraś ca paścāc ca yathā mahānadī; purarkṣavantaṃ girim etya narmadā

Jenes Heer zog vor den Wagen her, und ebenso hinterher, über die Maßen dahinströmend; vorn und hinten wie ein großer Strom, [wie] die Narmadā, die zum Berg Ṛkṣavat gelangt ist.

Wort für Wort
yayau rathānām purataḥ hi sā camūḥ
es zog vor den Wagen her jenes Heer (Perf.3.Sg./Gen.Pl./Adv./Nom.Sg.)
tathā eva paścāt atimātrasāriṇī
ebenso hinterher, übermäßig dahinströmend (Adv./Nom.Sg.f.)
puraḥ ca paścāt ca yathā mahānadī
vorn und hinten wie ein großer Fluss (Adv./Adv./Nom.Sg.)
puraḥ ṛkṣavantam girim etya narmadā
vorn zum Berg Ṛkṣavat gelangt, die Narmadā (Adv./Akk./Abs./Nom.)

Der Vergleich ist knapp; die Auflösung purarkṣavantam als puraḥ + ṛkṣavantam ist eine Konjektur [?].

tataḥ purastād bhagavān niśākaraḥ; samutthitas tām abhiharṣayaṃś camūm; divākarāpītarasās tathauṣadhīḥ; punaḥ svakenaiva guṇena yojayan

Darauf erhob sich vor [dem Heer] der ehrwürdige Nachtmacher [Mond], der jenes Heer erfreute und die von der Sonne ihrer Säfte beraubten Kräuter wieder mit ihrer eigenen Eigenschaft verband.

Wort für Wort
tataḥ purastāt bhagavān niśākaraḥ
dann vorn der Ehrwürdige, der Nachtmacher (Adv./Adv./Nom.Sg.)
samutthitaḥ tām abhiharṣayan camūm
aufgegangen, jenes Heer erfreuend (Part.Nom.Sg./Akk./Part./Akk.)
divākarāpītarasāḥ tathā oṣadhīḥ
ebenso die Kräuter, deren Saft von der Sonne getrunken war (Akk.Pl.f.)
punaḥ svakena eva guṇena yojayan
wieder mit der eigenen Eigenschaft verbindend (Adv./Instr./Part.)

tataḥ puraṃ surapurasaṃnibhadyuti; praviśya te yaduvṛṣapāṇḍavās tadā; yathocitān bhavanavarān samāviśañ; śramānvitā mṛgapatayo guhā iva

Dann zogen jene Yadu-Stiere und Pāṇḍavas in die Stadt ein, deren Glanz der Stadt der Götter glich, und betraten die schönsten Häuser nach Gebühr, ermüdet wie Löwen ihre Höhlen.

Wort für Wort
tataḥ puram surapurasaṃnibhadyuti
dann die Stadt, deren Glanz der Götterstadt gleicht (Akk.Sg.)
praviśya te yaduvṛṣapāṇḍavāḥ tadā
eingetreten, jene Yadu-Stiere und Pāṇḍavas damals (Abs./Nom.Pl.)
yathocitān bhavanavarān samāviśan
nach Gebühr die besten Häuser betraten sie (Akk.Pl./Impf.3.Pl.)
śramānvitāḥ mṛgapatayaḥ guhāḥ iva
ermüdet, wie Löwen [in] Höhlen (Nom.Pl./Nom.Pl./Akk.Pl.)

yaduvṛṣapāṇḍavāḥ auch als „Yadu-Stier und die Pāṇḍavas“ lesbar.

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