Mahābhārata · Śāntiparva
Kapitel 41: yudhiṣṭhirasya rājyavyavasthā
Yudhiṣṭhiras Antwort an die Untertanen und die Ämterverteilung an Brüder und Berater
Yudhiṣṭhira antwortet auf die Rede der Untertanen, verpflichtet sie zum Gehorsam gegenüber Dhṛtarāṣṭra und verteilt dann die Aufgaben der Regierung an Bhīma, Vidura, Saṃjaya, Nakula, Arjuna, Dhaumya, Sahadeva und Yuyutsu.
vaiśaṃpāyana uvāca; prakṛtīnāṃ tu tad vākyaṃ deśakālopasaṃhitam; śrutvā yudhiṣṭhiro rājāthottaraṃ pratyabhāṣata
Vaiśaṃpāyana sprach: Als König Yudhiṣṭhira jene Rede der Untertanen, die Ort und Zeit angemessen war, gehört hatte, antwortete er darauf.
Wort für Wort vaiśaṃpāyana uvāca Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.) prakṛtīnāṃ tu tad vākyam jene Rede der Untertanen (Gen.Pl./Nom.-Akk.Sg.n.) deśakālopasaṃhitam mit Ort und Zeit verbunden, angemessen (Kompositum, Akk.Sg.n.) śrutvā yudhiṣṭhiro rājā nachdem er gehört hatte, König Yudhiṣṭhira (Abs./Nom.Sg.) athottaraṃ pratyabhāṣata da antwortete er (Impf. 3.Sg. Med.) dhanyāḥ pāṇḍusutā loke yeṣāṃ brāhmaṇapuṃgavāḥ; tathyān vāpy atha vātathyān guṇān āhuḥ samāgatāḥ
„Glücklich sind die Söhne Pāṇḍus in der Welt, von denen die Stiere unter den Brahmanen, wenn sie zusammenkommen, wahre oder auch unwahre Vorzüge rühmen.
Wort für Wort dhanyāḥ pāṇḍusutā loke glücklich [sind] die Pāṇḍusöhne in der Welt (Nom.Pl./Lok.Sg.) yeṣāṃ brāhmaṇapuṃgavāḥ deren die Brahmanenstiere (Gen.Pl. Rel./Nom.Pl.) tathyān vāpy atha vātathyān wahre oder auch unwahre (Akk.Pl.m.) guṇān āhuḥ samāgatāḥ Vorzüge nennen sie, versammelt (Perf. 3.Pl./Part.Perf.Pass. Nom.Pl.) anugrāhyā vayaṃ nūnaṃ bhavatām iti me matiḥ; yatraivaṃ guṇasaṃpannān asmān brūtha vimatsarāḥ
Ihr solltet uns gewiss Gnade erweisen, das ist meine Ansicht, da ihr uns ohne Missgunst als mit Vorzügen ausgestattet bezeichnet.
Wort für Wort anugrāhyā vayaṃ nūnam Gnade zu erweisen [ist] uns gewiss (Gerundiv Nom.Pl./Nom.Pl./Adv.) bhavatām iti me matiḥ von euch, so [ist] meine Meinung (Gen.Pl./Nom.Sg.) yatraivaṃ guṇasaṃpannān insofern ihr so mit Vorzügen ausgestattet (Adv./Akk.Pl.m.) asmān brūtha vimatsarāḥ uns nennt ihr, frei von Neid (Impf.-Präs. 2.Pl./Nom.Pl.) dhṛtarāṣṭro mahārājaḥ pitā no daivataṃ param; sāśane 'sya priye caiva stheyaṃ matpriyakāṅkṣibhiḥ
Der Großkönig Dhṛtarāṣṭra, unser Vater, ist die höchste Gottheit; in seiner Weisung und in dem, was ihm lieb ist, müssen diejenigen bleiben, die mir Liebes zu tun wünschen.
Wort für Wort dhṛtarāṣṭro mahārājaḥ Dhṛtarāṣṭra, der Großkönig (Nom.Sg.) pitā no daivataṃ param unser Vater, [unsere] höchste Gottheit (Nom.Sg./Gen.Pl./Nom.Sg.n.) sāśane 'sya priye caiva in der Weisung von ihm und in seinem Lieben (Lok.Sg.) stheyaṃ matpriyakāṅkṣibhiḥ ist zu bleiben von denen, die mein Wohlgefallen wünschen (Gerundiv/Instr.Pl.) etadarthaṃ hi jīvāmi kṛtvā jñātivadhaṃ mahat; asya śuśrūṣaṇaṃ kāryaṃ mayā nityam atandriṇā
Denn dazu lebe ich, nachdem ich die große Tötung der Verwandten begangen habe: Ihm Dienst zu leisten, muss von mir stets unermüdlich geschehen.
Wort für Wort etadarthaṃ hi jīvāmi denn zu diesem Zweck lebe ich (1.Sg.Präs.) kṛtvā jñātivadhaṃ mahat nachdem ich die große Verwandtentötung begangen habe (Abs./Akk.Sg.) asya śuśrūṣaṇaṃ kāryam ihm [gilt] Dienst, der zu leisten ist (Gen./Nom.Sg.n./Gerundiv) mayā nityam atandriṇā von mir stets, ohne Trägheit (Instr./Adv./Instr.Sg.) yadi cāham anugrāhyo bhavatāṃ suhṛdāṃ tataḥ; dhṛtarāṣṭre yathāpūrvaṃ vṛttiṃ vartitum arhatha
Und wenn ich von euch, [meinen] Freunden, Gnade verdiene, dann solltet ihr euch Dhṛtarāṣṭra gegenüber verhalten wie früher.
Wort für Wort yadi cāham anugrāhyo und wenn ich der Gnade Würdige (Nom.Sg.m.) bhavatāṃ suhṛdāṃ tataḥ von euch, den Freunden, dann (Gen.Pl./Adv.) dhṛtarāṣṭre yathāpūrvam gegenüber Dhṛtarāṣṭra wie früher (Lok.Sg./Adv.) vṛttiṃ vartitum arhatha ein Verhalten zu üben, sollt ihr (Akk.Sg./Inf./2.Pl.Präs.) eṣa nātho hi jagato bhavatāṃ ca mayā saha; asyaiva pṛthivī kṛtsnā pāṇḍavāḥ sarva eva ca; etan manasi kartavyaṃ bhavadbhir vacanaṃ mama
Er ist der Herr der Welt und von euch samt mir; ihm gehört die ganze Erde, und ebenso alle Pāṇḍavas. Dieses mein Wort sollt ihr euch zu Herzen nehmen.
Wort für Wort eṣa nātho hi jagataḥ denn dieser ist der Herr der Welt (Nom.Sg./Gen.Sg.) bhavatāṃ ca mayā saha und von euch, zusammen mit mir (Gen.Pl./Instr./Postp.) asyaiva pṛthivī kṛtsnā ihm allein [gehört] die ganze Erde (Gen.Sg./Nom.Sg.f.) pāṇḍavāḥ sarva eva ca die Pāṇḍavas, alle ebenso (Nom.Pl.) etan manasi kartavyam dies ist im Geist zu bewahren (Lok.Sg./Gerundiv) bhavadbhir vacanaṃ mama von euch, mein Wort (Instr.Pl./Nom.Sg.n./Gen.Sg.) anugamya ca rājānaṃ yatheṣṭaṃ gamyatām iti; paurajānapadān sarvān visṛjya kurunandanaḥ; yauvarājyena kauravyo bhīmasenam ayojayat
„Und nachdem ihr dem König gefolgt seid, geht nach Belieben.“ [So sprach er.] Nachdem der Kuru-Erfreuer alle Stadt- und Landbewohner entlassen hatte, setzte der Kauravya Bhīmasena in die Thronfolgerschaft ein.
Wort für Wort anugamya ca rājānam und nachdem ihr gefolgt seid, dem König (Abs./Akk.Sg.) yatheṣṭaṃ gamyatām iti nach Wunsch möge gegangen werden, so (Adv./Imp.Pass. 3.Sg.) paurajānapadān sarvān visṛjya alle Städter und Landbewohner, nachdem er entlassen hatte (Akk.Pl./Abs.) kurunandanaḥ kauravyaḥ der Kuru-Erfreuer, der Kauravya (Nom.Sg.) yauvarājyena bhīmasenam mit der Thronfolgerschaft Bhīmasena (Instr.Sg./Akk.Sg.) ayojayat setzte ein, verband (Impf. Kaus. 3.Sg.) Die wörtliche Rede endet mit „iti“; das Folgende ist wieder Erzählung.
mantre ca niścaye caiva ṣāḍguṇyasya ca cintane; viduraṃ buddhisaṃpannaṃ prītimān vai samādiśat
In Beratung und Entscheidung und im Bedenken der sechs Grundsätze [der Politik] wies er den einsichtsvollen Vidura wohlgesinnt an.
Wort für Wort mantre ca niścaye caiva in Beratung und in Entscheidung (Lok.Sg.) ṣāḍguṇyasya ca cintane und im Bedenken der sechsfachen Politik (Gen.Sg./Lok.Sg.) viduraṃ buddhisaṃpannam Vidura, den mit Verstand Begabten (Akk.Sg.) prītimān vai samādiśat erfreut, fürwahr, wies er an (Nom.Sg./Partikel/Impf. 3.Sg.) kṛtākṛtaparijñāne tathāyavyayacintane; saṃjayaṃ yojayām āsa ṛddham ṛddhair guṇair yutam
In der Prüfung des Getanen und Ungetanen sowie im Bedenken von Einnahmen und Ausgaben setzte er Saṃjaya ein, der reich war an reichen Vorzügen.
Wort für Wort kṛtākṛtaparijñāne in der Prüfung des Getanen und Ungetanen (Lok.Sg.) tathāyavyayacintane ebenso im Bedenken von Einnahme und Ausgabe (Lok.Sg.) saṃjayaṃ yojayām āsa Saṃjaya setzte er ein (Akk./Perf.Kaus. 3.Sg.) ṛddham ṛddhair guṇair yutam den Wohlhabenden, mit reichen Vorzügen Versehenen (Akk.Sg./Instr.Pl./Part.) balasya parimāṇe ca bhaktavetanayos tathā; nakulaṃ vyādiśad rājā karmiṇām anvavekṣaṇe
In der Bemessung des Heeres sowie von Verpflegung und Sold wies der König Nakula an, ebenso in der Beaufsichtigung der Werkleute [bzw. Amtsträger].
Wort für Wort balasya parimāṇe ca und in der Bemessung des Heeres (Gen.Sg./Lok.Sg.) bhaktavetanayos tathā und ebenso von Verpflegung und Sold (Gen.Du.) nakulaṃ vyādiśad rājā Nakula wies der König an (Akk./Impf. 3.Sg./Nom.) karmiṇām anvavekṣaṇe in der Beaufsichtigung der Werkleute/Amtsträger [?] (Gen.Pl./Lok.Sg.) karmiṇām kann Handwerker, Arbeiter oder Beamte bedeuten; hier unsicher, welche Gruppe gemeint ist.
paracakroparodhe ca dṛptānāṃ cāvamardane; yudhiṣṭhiro mahārājaḥ phalgunaṃ vyādideśa ha
Bei der Abwehr feindlicher Heere und der Niederwerfung der Übermütigen wies der Großkönig Yudhiṣṭhira Phalguna [Arjuna] an.
Wort für Wort paracakroparodhe ca und in der Abwehr des feindlichen Heeres (Lok.Sg.) dṛptānāṃ cāvamardane und in der Niederwerfung der Übermütigen (Gen.Pl./Lok.Sg.) yudhiṣṭhiro mahārājaḥ Yudhiṣṭhira, der Großkönig (Nom.Sg.) phalgunaṃ vyādideśa ha wies Phalguna an, fürwahr (Akk./Perf. 3.Sg./Partikel) dvijānāṃ vedakāryeṣu kāryeṣv anyeṣu caiva hi; dhaumyaṃ purodhasāṃ śreṣṭhaṃ vyādideśa paraṃtapaḥ
Bei den vedischen Aufgaben der Zweimalgeborenen und auch bei anderen Aufgaben wies der Feindebezwinger Dhaumya, den besten der Hauspriester, an.
Wort für Wort dvijānāṃ vedakāryeṣu bei den Vedaaufgaben der Zweimalgeborenen (Gen.Pl./Lok.Pl.) kāryeṣv anyeṣu caiva hi und bei anderen Aufgaben, denn (Lok.Pl.) dhaumyaṃ purodhasāṃ śreṣṭham Dhaumya, den besten der Hauspriester (Akk.Sg./Gen.Pl./Akk.Sg.) vyādideśa paraṃtapaḥ wies an, der Feindeplager (Perf. 3.Sg./Nom.Sg.) sahadevaṃ samīpasthaṃ nityam eva samādiśat; tena gopyo hi nṛpatiḥ sarvāvastho viśāṃ pate
Sahadeva, der in der Nähe stand, wies er an, stets [dabei zu sein]: „Durch ihn ist der König in jedem Zustand zu schützen, Herr der Menschen.“
Wort für Wort sahadevaṃ samīpastham Sahadeva, den in der Nähe Befindlichen (Akk.Sg.) nityam eva samādiśat stets wies er an (Adv./Impf. 3.Sg.) tena gopyo hi nṛpatiḥ denn von ihm ist zu schützen der König (Instr.Sg./Gerundiv/Nom.Sg.) sarvāvastho viśāṃ pate in jeder Lage befindlich, Herr der Menschen (Nom.Sg./Vok.Sg.) Die Ergänzung „dabei zu sein“ steht nicht im Text; nityam eva samādiśat bedeutet wörtlich „er wies ihn immer an“.
yān yān amanyad yogyāṃś ca yeṣu yeṣv iha karmasu; tāṃs tāṃs teṣv eva yuyuje prīyamāṇo mahīpatiḥ
Wen er für geeignet hielt und für welche Aufgaben, genau diese setzte er eben dort ein, erfreut, der Herr der Erde.
Wort für Wort yān yān amanyad yogyāṃś ca wen immer er für geeignet hielt (Akk.Pl./Impf. 3.Sg./Akk.Pl.) yeṣu yeṣv iha karmasu für welche Aufgaben auch immer hier (Lok.Pl.) tāṃs tāṃs teṣv eva yuyuje diese jeweils eben in jenen setzte er ein (Akk.Pl./Lok.Pl./Perf. Pass./Med. 3.Sg.) prīyamāṇo mahīpatiḥ erfreut, der Erdherr (Part.Präs.Med. Nom.Sg./Nom.Sg.) viduraṃ saṃjayaṃ caiva yuyutsuṃ ca mahāmatim; abravīt paravīraghno dharmātmā dharmavatsalaḥ
Zu Vidura, Saṃjaya und dem weisen Yuyutsu sprach er, der Töter feindlicher Helden, der Dharma-Gesinnte, der den Dharma Liebende.
Wort für Wort viduraṃ saṃjayaṃ caiva Vidura und Saṃjaya (Akk.Sg.) yuyutsuṃ ca mahāmatim und Yuyutsu, den Hochverständigen (Akk.Sg.) abravīt paravīraghno sprach, der Töter feindlicher Helden (Impf. 3.Sg./Nom.Sg.) dharmātmā dharmavatsalaḥ dessen Wesen der Dharma ist, dharma-liebend (Nom.Sg.) utthāyotthāya yat kāryam asya rājñaḥ pitur mama; sarvaṃ bhavadbhiḥ kartavyam apramattair yathātatham
„Was immer für diesen König, meinen Vater, jeweils nach dem Aufstehen zu tun ist, das alles sollt ihr unachtsam nicht, sondern genau so ausführen.
Wort für Wort utthāyotthāya yat kāryam was immer nach jedem Aufstehen zu tun ist (Abs. Iterativ/Nom.Sg.n. Gerundiv) asya rājñaḥ pitur mama für diesen König, meinen Vater (Gen.Sg.) sarvaṃ bhavadbhiḥ kartavyam alles ist von euch zu tun (Nom.Sg.n./Instr.Pl./Gerundiv) apramattair yathātatham von den Unachtsamkeitsfreien, der Wahrheit gemäß (Instr.Pl./Adv.) paurajānapadānāṃ ca yāni kāryāṇi nityaśaḥ; rājānaṃ samanujñāpya tāni kāryāṇi dharmataḥ
Und was für die Stadt- und Landbewohner täglich zu tun ist, diese Aufgaben sind, nachdem der König zugestimmt hat, gemäß dem Dharma auszuführen.“
Wort für Wort paurajānapadānāṃ ca und für die Städter und Landbewohner (Gen.Pl.) yāni kāryāṇi nityaśaḥ welche Aufgaben täglich/regelmäßig (Nom.Pl.n./Adv.) rājānaṃ samanujñāpya nachdem man dem König Zustimmung abgerungen/ihn benachrichtigt hat (Akk.Sg./Abs.Kaus.) tāni kāryāṇi dharmataḥ diese Aufgaben sind gemäß dem Dharma [zu tun] (Nom.Pl.n./Abl.-Adv.)
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