Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 123: trivargamūlaṃ kāmandāṅgāriṣṭhasaṃvādaś ca Wurzeln der Dreiheit Dharma, Artha, Kāma; Kāmandas Rat an Aṅgāriṣṭha über Sühne

Yudhiṣṭhira fragt nach Ursprung und Wechselwirkung von Dharma, Artha und Kāma; Bhīṣma antwortet zunächst allgemein und erzählt dann das Gespräch zwischen dem Seher Kāmanda und König Aṅgāriṣṭha über die Tilgung der Sünde eines Königs. Der Text von Vers 8 samt Zusatzzeilen ist schwierig.

yudhiṣṭhira uvāca; tāta dharmārthakāmānāṃ śrotum icchāmi niścayam; lokayātrā hi kārtsnyena triṣv eteṣu pratiṣṭhitā

Yudhiṣṭhira sprach: „Vater, ich möchte die feste Bestimmung von Dharma, Artha und Kāma hören; denn der Weltlauf ruht insgesamt auf diesen dreien.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
tāta
Vater (Vok.)
dharmārthakāmānāṃ śrotum icchāmi niścayam
von Dharma, Artha und Kāma (Gen.Pl.) zu hören (Inf.) wünsche ich (1.Sg.Präs.) die Bestimmung (Akk.)
lokayātrā hi kārtsnyena
denn der Weltlauf (Nom.) insgesamt (Adv.)
triṣv eteṣu pratiṣṭhitā
auf diesen dreien (Lok.Pl.) gegründet (Part.Pass., f.)

dharmārthakāmāḥ kiṃmūlās trayāṇāṃ prabhavaś ca kaḥ; anyonyaṃ cānuṣajjante vartante ca pṛthak pṛthak

„Worin wurzeln Dharma, Artha und Kāma, und was ist der Ursprung der drei? Sie hängen aneinander und bestehen doch je für sich.“

Wort für Wort
dharmārthakāmāḥ kiṃmūlāḥ
Dharma, Artha, Kāma (Nom.Pl.) mit welcher Wurzel (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
trayāṇāṃ prabhavaś ca kaḥ
und was (ist) der Ursprung (Nom.) der drei (Gen.Pl.)
anyonyaṃ ca anuṣajjante
und aneinander (Adv.) haften sie (3.Pl.Präs.Med.)
vartante ca pṛthak pṛthak
und bestehen (3.Pl.Präs.Med.) jeweils gesondert (Adv.)

bhīṣma uvāca; yadā te syuḥ sumanaso lokasaṃsthārthaniścaye; kālaprabhavasaṃsthāsu sajjante ca trayas tadā

Bhīṣma sprach: „Wenn sie wohlgesinnt sind bei der Festlegung der Weltordnung, dann haften die drei an dem, was aus der Zeit entsteht und besteht [?].“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
yadā te syuḥ sumanasaḥ
wenn sie (Nom.Pl.) wohlgesinnt (Nom.Pl.) sind (3.Pl.Opt.)
lokasaṃsthārthaniścaye
bei der Bestimmung des Zwecks der Weltordnung (Tatpuruṣa, Lok.Sg.)
kālaprabhavasaṃsthāsu
an dem, was aus der Zeit entsteht und besteht (Lok.Pl.) [?]
sajjante ca trayas tadā
und haften (3.Pl.Präs.Med.) die drei (Nom.) dann (Adv.)

Die Beziehung von „te“ (sie) und die Konstruktion von kālaprabhavasaṃsthāsu sind unsicher.

dharmamūlas tu deho 'rthaḥ kāmo 'rthaphalam ucyate; saṃkalpamūlās te sarve saṃkalpo viṣayātmakaḥ

Der Körper aber hat den Dharma zur Wurzel; Artha [Besitz] und Kāma gelten als dessen Frucht; sie alle wurzeln im Entschluss, und der Entschluss hat die Sinnesobjekte zum Wesen.

Wort für Wort
dharmamūlas tu dehaḥ
aber (der) Körper (Nom.) hat den Dharma zur Wurzel (Bahuvrīhi)
arthaḥ kāmo 'rthaphalam ucyate
Artha (Nom.), Kāma (Nom.) wird Frucht des Artha (Akk.) genannt (3.Sg.Präs.Pass.)
saṃkalpamūlās te sarve
im Entschluss wurzelnd (Nom.Pl.) diese alle (Nom.Pl.)
saṃkalpo viṣayātmakaḥ
der Entschluss (Nom.) hat die Sinnesobjekte zum Wesen (Bahuvrīhi)

„arthaḥ kāmo 'rthaphalam“: Kāma gilt als Frucht des Artha; „deho 'rthaḥ“ mit Bezug auf den Körper ist möglich (Anm.: Lesart unsicher).

viṣayāś caiva kārtsnyena sarva āhārasiddhaye; mūlam etat trivargasya nivṛttir mokṣa ucyate

Und die Sinnesobjekte dienen insgesamt alle dem Zustandekommen der Nahrung; dies ist die Wurzel der Dreiheit; das Ablassen [vom Handeln] heißt Befreiung.

Wort für Wort
viṣayāś caiva kārtsnyena
und die Sinnesobjekte (Nom.Pl.) insgesamt (Adv.)
sarva āhārasiddhaye
alle (Nom.Pl.) zur Erlangung der Nahrung (Dat.Sg.)
mūlam etat trivargasya
dies (Nom.) (ist) die Wurzel der Dreiheit (Gen.Sg.)
nivṛttir mokṣa ucyate
das Ablassen (Nom.) wird Befreiung (Nom.) genannt (3.Sg.Präs.Pass.)

dharmaḥ śarīrasaṃguptir dharmārthaṃ cārtha iṣyate; kāmo ratiphalaś cātra sarve caite rajasvalāḥ

Dharma ist der Schutz des Körpers, und Artha wird um des Dharma willen erstrebt; Kāma hat Lust zur Frucht; und alle diese sind von Leidenschaft [rajas] erfüllt.

Wort für Wort
dharmaḥ śarīrasaṃguptiḥ
Dharma (Nom.) (ist) Schutz des Körpers (Nom.)
dharmārthaṃ ca artha iṣyate
und Artha (Nom.) wird um des Dharma willen (Adv.) erstrebt (3.Sg.Präs.Pass.)
kāmo ratiphalaḥ ca atra
und Kāma (Nom.) hat Lust zur Frucht (Bahuvrīhi) hierbei
sarve ca ete rajasvalāḥ
und alle (Nom.Pl.) diese (Nom.Pl.) leidenschaftserfüllt (Nom.Pl.)

saṃnikṛṣṭāṃś cared enān na cainān manasā tyajet; vimuktas tamasā sarvān dharmādīn kāmanaiṣṭhikān

Man soll sie, wenn sie nahe kommen, ausüben und sie nicht im Geist aufgeben; von tamas befreit [übe man] sie alle, Dharma und die übrigen, die in Kāma gipfeln [?].

Wort für Wort
saṃnikṛṣṭān caret enān
als nahe gekommene (Akk.Pl.) soll man ausüben (3.Sg.Opt.) diese (Akk.Pl.)
na ca enān manasā tyajet
und nicht diese (Akk.Pl.) im Geist (Instr.) aufgeben (3.Sg.Opt.)
vimuktas tamasā
befreit (Nom.Sg.) von Dunkelheit (Instr.)
sarvān dharmādīn
alle (Akk.Pl.) Dharma und die übrigen (Akk.Pl.)
kāmanaiṣṭhikān
in Kāma gipfelnde (Akk.Pl.) [?]

Der zweite Halbvers ist syntaktisch knapp; Ergänzung von „übe man“ ist erschlossen.

śreṣṭhabuddhis trivargasya yad ayaṃ prāpnuyāt kṣaṇāt

[Wer] beste Einsicht in die Dreiheit [hat], was dieser im Augenblick erlangen möge [?] …

Wort für Wort
śreṣṭhabuddhiḥ
mit bester Einsicht (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)
trivargasya
der Dreiheit (Gen.Sg.)
yad ayaṃ prāpnuyāt kṣaṇāt
was dieser (Nom.) erlangen möge (3.Sg.Opt.) im Augenblick (Abl.Sg.) [?]

Vers 8 ist im Wortlaut verderbt bzw. der Halbvers ist ohne erkennbaren Satzabschluss; er setzt sich in den Zusatzzeilen und im folgenden Halbvers fort.

karmaṇā buddhipūrveṇa bhavaty artho na vā punaḥ

Durch zielbewusstes Handeln [entsteht] Artha, oder wiederum auch nicht.

Wort für Wort
karmaṇā buddhipūrveṇa
durch Handeln (Instr.) mit vorausgehender Überlegung (Instr.)
bhavaty arthaḥ
entsteht (3.Sg.Präs.) Artha (Nom.)
na vā punaḥ
oder wiederum nicht

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Text lückenhaft, Konstruktion (Ergänzung von „entsteht“) erschlossen.

arthārtham anyad bhavati viparītam athāparam; anarthārtham avāpyārtham anyatrādyopakārakam

Ein anderes geschieht um des Nutzens willen, ein Gegenteil, und wieder ein anderes; [eines] zum Zweck des Nutzlosen, [eines] nachdem der Nutzen erlangt ist, anderswo zuerst [als] Förderer [?].

Wort für Wort
arthārtham anyad bhavati
um des Nutzens willen (Adv.) ein anderes (Nom.) geschieht (3.Sg.Präs.)
viparītam athāparam
ein Gegenteil (Nom.) und dann ein weiteres (Nom.)
anarthārtham avāpyārtham
zum Zweck des Nutzlosen (Adv.), zum Zweck des Erlangten (Adv.) [?]
anyatra ādyopakārakam
anderswo (Adv.) zuerst (Adj.) förderlich (Nom.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeilen; Text verderbt und nur ungefähr deutbar.

buddhyā budhyed ihārthe na tad ahnā tu nikṛṣṭayā

Mit dem Verstand soll man in dieser Sache erkennen, nicht aber an einem geringen Tag [?].

Wort für Wort
buddhyā budhyed
mit dem Verstand (Instr.) soll man erkennen (3.Sg.Opt.)
ihārthe
in dieser Sache (Lok.Sg.)
na tad ahnā tu nikṛṣṭayā
nicht aber dies durch einen geringen (Instr.f.) Tag (Instr.) [?]

Schlusshalbvers zu Vers 8; „ahnā nikṛṣṭayā“ unsicher.

apadhyānamalo dharmo malo 'rthasya nigūhanam; saṃpramodamalaḥ kāmo bhūyaḥ svaguṇavartitaḥ

Der Schmutz des Dharma ist böses Sinnen, der Schmutz des Artha das Verbergen; der Schmutz des Kāma ist Ausgelassenheit und noch mehr das Verharren in den eigenen Vorzügen [?].

Wort für Wort
apadhyānamalo dharmaḥ
Dharma (Nom.) hat böses Sinnen als Schmutz (Bahuvrīhi)
malo 'rthasya nigūhanam
der Schmutz (Nom.) des Artha (Gen.) (ist) das Verbergen (Nom.)
saṃpramodamalaḥ kāmaḥ
Kāma (Nom.) hat Ausgelassenheit als Schmutz (Bahuvrīhi)
bhūyaḥ svaguṇavartitaḥ
noch mehr (Adv.), das Verharren in den eigenen Eigenschaften (Abl./Nom.) [?]

„bhūyaḥ svaguṇavartitaḥ“ unsicher.

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; kāmandasya ca saṃvādam aṅgāriṣṭhasya cobhayoḥ

Auch hierzu erzählt man diese alte Geschichte: das Gespräch des Kāmanda und des Aṅgāriṣṭha, der beiden.

Wort für Wort
atra api udāharanti imam
auch hierzu (Adv.) führt man an (3.Pl.Präs.) diese (Akk.)
itihāsaṃ purātanam
Geschichte (Akk.) alte (Akk.)
kāmandasya ca saṃvādam
und das Gespräch (Akk.) des Kāmanda (Gen.)
aṅgāriṣṭhasya ca ubhayoḥ
und des Aṅgāriṣṭha (Gen.) der beiden (Gen.Du.)

kāmandam ṛṣim āsīnam abhivādya narādhipaḥ; aṅgāriṣṭho 'tha papraccha kṛtvā samayaparyayam

Dem sitzenden Seher Kāmanda gegenüber, den er begrüßt hatte, fragte da der Fürst Aṅgāriṣṭha, nachdem er die Ordnung der Abmachung eingehalten hatte [?].

Wort für Wort
kāmandam ṛṣim āsīnam
den Kāmanda (Akk.), den Seher (Akk.), den sitzenden (Akk.)
abhivādya narādhipaḥ
nachdem er begrüßt hatte (Abs.), der Fürst (Nom.)
aṅgāriṣṭho 'tha papraccha
Aṅgāriṣṭha (Nom.) dann (Adv.) fragte (3.Sg.Perf.)
kṛtvā samayaparyayam
nachdem er die Abfolge der Abmachung vollzogen hatte (Abs.) [?]

„samayaparyayam“ unsicher (etwa: Abfolge der Höflichkeitsregeln).

yaḥ pāpaṃ kurute rājā kāmamohabalātkṛtaḥ; pratyāsannasya tasyarṣe kiṃ syāt pāpapraṇāśanam

„Ein König, der von Begierde, Verblendung und Zwang getrieben Böses tut – was wäre für ihn, dem [das Verderben] nahe ist, o Seher, die Tilgung der Sünde?“

Wort für Wort
yaḥ pāpaṃ kurute rājā
der (Nom.) Böses (Akk.) tut (3.Sg.Präs.Med.), (der) König (Nom.)
kāmamohabalātkṛtaḥ
von Begierde, Verblendung und Gewalt getrieben (Nom.)
pratyāsannasya tasya
für den (Gen.), dem [das Verderben] nahe ist (Gen.)
ṛṣe kiṃ syāt
o Seher (Vok.), was (Nom.) wäre (3.Sg.Opt.)
pāpapraṇāśanam
Tilgung der Sünde (Nom.)

„pratyāsannasya“: sinngemäß „dem [Unheil/Vergeltung] nahe ist“ (Ergänzung).

adharmo dharma iti ha yo 'jñānād ācared iha; taṃ cāpi prathitaṃ loke kathaṃ rājā nivartayet

„Wer aus Unwissenheit hier Adharma als Dharma ausübt, und der auch noch weithin in der Welt berühmt ist – wie soll ein König ihn davon abbringen?“

Wort für Wort
adharmo dharma iti ha
Adharma (Nom.) als Dharma (Nom.), so heißt es (Partikel)
yo 'jñānād ācaret iha
wer (Nom.) aus Unwissenheit (Abl.) ausübt (3.Sg.Opt.) hier (Adv.)
taṃ ca api prathitaṃ loke
und ihn (Akk.) auch berühmt (Akk.) in der Welt (Lok.)
kathaṃ rājā nivartayet
wie (Adv.) der König (Nom.) abbringen soll (3.Sg.Opt.Kaus.)

kāmanda uvāca; yo dharmārthau samutsṛjya kāmam evānuvartate; sa dharmārthaparityāgāt prajñānāśam ihārchati

Kāmanda sprach: „Wer Dharma und Artha aufgibt und nur dem Kāma folgt, der erlangt hier durch das Aufgeben von Dharma und Artha den Verlust der Einsicht.“

Wort für Wort
kāmanda uvāca
Kāmanda sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
yo dharmārthau samutsṛjya
wer (Nom.) Dharma und Artha (Akk.Du.) aufgegeben habend (Abs.)
kāmam eva anuvartate
nur (Partikel) dem Kāma (Akk.) folgt (3.Sg.Präs.Med.)
sa dharmārthaparityāgāt
der (Nom.) infolge des Aufgebens von Dharma und Artha (Abl.)
prajñānāśam ihārchati
Verlust der Einsicht (Akk.) hier (Adv.) erlangt (3.Sg.Präs.)

prajñāpraṇāśako mohas tathā dharmārthanāśakaḥ; tasmān nāstikatā caiva durācāraś ca jāyate

Verblendung ist die Zerstörerin der Einsicht und ebenso die Zerstörerin von Dharma und Artha; darum entstehen Unglaube und schlechter Wandel.

Wort für Wort
prajñāpraṇāśako mohaḥ
der Einsicht Zerstörer (Nom.), Verblendung (Nom.)
tathā dharmārthanāśakaḥ
ebenso Zerstörer von Dharma und Artha (Nom.)
tasmān nāstikatā ca eva
darum (Adv.) Unglaube (Nom.) und gerade
durācāraś ca jāyate
und schlechter Wandel (Nom.) entsteht (3.Sg.Präs.Med.)

durācārān yadā rājā praduṣṭān na niyacchati; tasmād udvijate lokaḥ sarpād veśmagatād iva

Wenn der König die verdorbenen Übeltäter nicht zügelt, dann schreckt die Welt vor ihm zurück wie vor einer Schlange im Haus.

Wort für Wort
durācārān yadā rājā
die Übeltäter (Akk.Pl.), wenn der König (Nom.)
praduṣṭān na niyacchati
die verdorbenen (Akk.Pl.) nicht zügelt (3.Sg.Präs.)
tasmād udvijate lokaḥ
vor ihm (Abl.) schreckt zurück (3.Sg.Präs.Med.) die Welt (Nom.)
sarpād veśmagatād iva
wie vor einer Schlange (Abl.), die ins Haus gekommen ist (Abl.)

taṃ prajā nānuvartante brāhmaṇā na ca sādhavaḥ; tataḥ saṃkṣayam āpnoti tathā vadhyatvam eti ca

Ihm folgen die Untertanen nicht, weder die Brahmanen noch die Guten; dann erlangt er den Untergang und gerät auch in die Lage, getötet zu werden.

Wort für Wort
taṃ prajā na anuvartante
ihm (Akk.) die Untertanen (Nom.) folgen nicht (3.Pl.Präs.Med.)
brāhmaṇā na ca sādhavaḥ
die Brahmanen (Nom.Pl.) und nicht die Guten (Nom.Pl.)
tataḥ saṃkṣayam āpnoti
dann (Adv.) Untergang (Akk.) erlangt er (3.Sg.Präs.)
tathā vadhyatvam eti ca
und ebenso Tötungswürdigkeit (Akk.) kommt er zu (3.Sg.Präs.)

apadhvastas tv avamato duḥkhaṃ jīvati jīvitam; jīvec ca yad apadhvastas tac chuddhaṃ maraṇaṃ bhavet

Verstoßen und verachtet lebt er ein leidvolles Leben; und wenn er als Verstoßener lebt, so wäre der Tod [für ihn] rein [?].

Wort für Wort
apadhvastas tu avamataḥ
verstoßen (Nom.) aber und verachtet (Nom.)
duḥkhaṃ jīvati jīvitam
leidvoll (Adv.) lebt er (3.Sg.Präs.) ein Leben (Akk.)
jīvet ca yad apadhvastaḥ
und wenn er lebt (3.Sg.Opt.), als Verstoßener (Nom.)
tac chuddhaṃ maraṇaṃ bhavet
das (Nom.) rein (Nom.) Tod (Nom.) wäre (3.Sg.Opt.) [?]

„tac chuddhaṃ maraṇaṃ bhavet“ wörtlich; Sinn: der Tod wäre besser als ein solches Leben (erschlossen).

atraitad āhur ācāryāḥ pāpasya ca nibarhaṇam; sevitavyā trayī vidyā satkāro brāhmaṇeṣu ca

Hierzu sagen die Lehrer dies als Tilgung der Sünde: Die dreifache Wissenschaft ist zu pflegen, und Ehrerbietung gegenüber den Brahmanen.

Wort für Wort
atra etad āhur ācāryāḥ
hierzu (Adv.) dies (Akk.) sagen (3.Pl.Perf.) die Lehrer (Nom.Pl.)
pāpasya ca nibarhaṇam
und als Tilgung (Akk.) der Sünde (Gen.)
sevitavyā trayī vidyā
zu pflegen (Gerundiv, Nom.f.) die dreifache Wissenschaft (Nom.)
satkāro brāhmaṇeṣu ca
und Ehrerbietung (Nom.) gegenüber Brahmanen (Lok.Pl.)

mahāmanā bhaved dharme vivahec ca mahākule; brāhmaṇāṃś cāpi seveta kṣamāyuktān manasvinaḥ

Er sei hochgesinnt im Dharma, heirate in eine große Familie und diene auch Brahmanen, die nachsichtig und geistvoll sind.

Wort für Wort
mahāmanā bhaved dharme
hochgesinnt (Nom.) sei er (3.Sg.Opt.) im Dharma (Lok.)
vivahec ca mahākule
und heirate (3.Sg.Opt.) in eine große Familie (Lok.)
brāhmaṇāṃś ca api seveta
und Brahmanen (Akk.Pl.) auch diene er (3.Sg.Opt.Med.)
kṣamāyuktān manasvinaḥ
mit Nachsicht begabte (Akk.Pl.), geistvolle (Akk.Pl.)

japed udakaśīlaḥ syāt sumukho nānyad āsthitaḥ; dharmānvitān saṃpraviśed bahiḥ kṛtvaiva duṣkṛtīn

Er murmle Gebete [japa], sei den Waschungen ergeben, freundlichen Antlitzes, an nichts anderem hängend; er verkehre mit den dem Dharma Ergebenen, die Übeltäter aber halte er draußen.

Wort für Wort
japet
er murmle [Gebete] (3.Sg.Opt.)
udakaśīlaḥ syāt sumukhaḥ
dem Wasser ergeben (Nom.) sei er (3.Sg.Opt.), freundlichen Antlitzes (Nom.)
na anyad āsthitaḥ
nichts anderes (Akk.) betreibend (Part.Perf.)
dharmānvitān saṃpraviśet
zu den dem Dharma Zugewandten (Akk.Pl.) trete er ein (3.Sg.Opt.)
bahiḥ kṛtvā eva duṣkṛtīn
draußen (Adv.) gelassen habend (Abs.) gewiss die Übeltäter (Akk.Pl.)

„udakaśīlaḥ“: dem Wasser (rituelles Baden) zugetan; „nānyad āsthitaḥ“ wörtlich: nichts anderes betreibend.

prasādayen madhuraya vācāpy atha ca karmaṇā; ity asmīti vaden nityaṃ pareṣāṃ kīrtayan guṇān

Er besänftige [die Menschen] mit süßer Rede und auch mit der Tat; er sage stets: „So bin ich“, indem er die Vorzüge anderer rühmt [?].

Wort für Wort
prasādayet madhurayā vācā
er besänftige (3.Sg.Opt.Kaus.) mit süßer (Instr.f.) Rede (Instr.)
api atha ca karmaṇā
auch und mit Tat (Instr.)
iti asmi iti vaded nityam
„so bin ich“ (?) sage er (3.Sg.Opt.) stets (Adv.) [?]
pareṣāṃ kīrtayan guṇān
der anderen (Gen.Pl.) rühmend (Part.Präs.) die Vorzüge (Akk.Pl.)

„ity asmīti vaden nityam“ ist unklar, möglicherweise verderbt.

apāpo hy evam ācāraḥ kṣipraṃ bahumato bhavet; pāpāny api ca kṛcchrāṇi śamayen nātra saṃśayaḥ

Wer sündlos so wandelt, wird rasch hochgeachtet; und auch schwere Sünden würde er tilgen – daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
apāpo hi evam ācāraḥ
sündlos (Nom.) denn so wandelnd (Bahuvrīhi, Nom.)
kṣipraṃ bahumato bhavet
rasch (Adv.) hochgeachtet (Nom.) wird er (3.Sg.Opt.)
pāpāni api ca kṛcchrāṇi
und auch Sünden (Akk.Pl.), schwere (Akk.Pl.)
śamayen na atra saṃśayaḥ
würde tilgen (3.Sg.Opt.Kaus.); nicht (ist) hierin Zweifel (Nom.)

guravo 'pi paraṃ dharmaṃ yad brūyus tat tathā kuru; gurūṇāṃ hi prasādād dhi śreyaḥ param avāpsyasi

„Auch wenn Lehrer eine höchste Dharma-Lehre nennen, so tu es; denn durch die Gunst der Lehrer wirst du höchstes Heil erlangen.“

Wort für Wort
guravo 'pi paraṃ dharmam
auch die Lehrer (Nom.Pl.) höchsten (Akk.) Dharma (Akk.)
yad brūyus tat tathā kuru
was sie sagen mögen (3.Pl.Opt.), das (Akk.) so (Adv.) tu (2.Sg.Imp.)
gurūṇāṃ hi prasādāt hi
denn durch die Gunst (Abl.) der Lehrer (Gen.Pl.)
śreyaḥ param avāpsyasi
Heil (Akk.) höchstes (Akk.) wirst erlangen (2.Sg.Fut.)

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