Kapitel 31: suvarṇaṣṭhīvisaṃbhava
Sṛñjayas Sohn Goldspeier: Wunschgabe, Tod durch Indras Tiger und Wiederbelebung
Nārada setzt gegenüber Yudhiṣṭhira die Erzählung vom Sohn des Sṛñjaya fort: Die Gabe des Parvata, der Anschlag Indras und die Wiederbelebung des Knaben; am Ende die Mahnung, den Kummer abzulegen und die Herrschaft zu übernehmen.
evam etan mahārāja yathāyaṃ keśavo 'bravīt; kāryasyāsya tu yac cheṣaṃ tat te vakṣyāmi pṛcchataḥ
„So verhält es sich, großer König, wie es dieser Keśava gesagt hat; was aber von dieser Sache noch übrig ist, das werde ich dir, dem Fragenden, sagen.“
vareṇa chandyatāṃ rājā labhatāṃ yad yad icchati; āvayos tapasā siddhiṃ prāpnotu yadi manyase
„Der König soll mit einer Wunschgabe [zur Wahl] eingeladen werden; er erlange, was immer er begehrt; durch unsere Askese erreiche er Vollendung, wenn du es billigst.“
Wort für Wort
vareṇa chandyatāṃ rājā
der König soll mit einer Gabe gebeten werden [zu wählen] (Instr.; Imp.Pass. 3.Sg.)
labhatāṃ yad yad icchati
er erlange, was auch immer er wünscht (Imp. Med. 3.Sg.; Präs.)
āvayos tapasā
durch unser beider Askese (Gen.Du.; Instr.Sg.)
siddhiṃ prāpnotu
Vollendung erreiche er (Akk.Sg.; Imp. 3.Sg.)
yadi manyase
wenn du es billigst (Präs. Med. 2.Sg.)
chandyatām: von chand, ‚(mit einer Gabe) zufriedenstellen/einladen‘; Deutung nach dem Zusammenhang.
prītau svo nṛpa satkārais tava hy ārjavasaṃbhṛtaiḥ; āvābhyām abhyanujñāto varaṃ nṛvara cintaya
„Wir beide sind erfreut, König, über deine Gastehrungen, die mit Redlichkeit dargebracht wurden; von uns beiden entlassen, bedenke dir eine Gabe, bester der Menschen.“
Wort für Wort
prītau svo nṛpa
wir beide sind erfreut, König (Nom.Du.; Präs. 1.Du.; Vok.)
satkārais tava
über deine Ehrungen (Instr.Pl.; Gen.)
hy ārjavasaṃbhṛtaiḥ
denn mit Redlichkeit dargebracht (Instr.Pl.)
āvābhyām abhyanujñātaḥ
von uns beiden entlassen [erlaubt] (Instr.Du.; Part.Pass. Nom.Sg.)
varaṃ nṛvara cintaya
bedenke eine Gabe, bester der Menschen (Akk.; Vok.; Imp. 2.Sg.)
sṛñjaya uvāca; prītau bhavantau yadi me kṛtam etāvatā mama; eṣa eva paro lābho nirvṛtto me mahāphalaḥ
Sṛñjaya sprach: „Wenn ihr beide erfreut seid, ist damit für mich alles getan; dies ist der höchste Gewinn, der mir zuteilgeworden ist, von großer Frucht.“
Wort für Wort
sṛñjaya uvāca
Sṛñjaya sprach (Perf. 3.Sg.)
prītau bhavantau yadi me
wenn ihr beide erfreut seid, für mich (Nom.Du.; Dat./Gen.)
kṛtam etāvatā mama
damit ist mir getan (Part.Pass.; Instr.; Gen.)
eṣa eva paro lābho
dies ist der höchste Gewinn (Nom.Sg.)
nirvṛtto me mahāphalaḥ
mir zuteilgeworden, von großer Frucht (Part.Pass., Nom.Sg.; Kompositum)
parvata uvāca; bhaviṣyaty eṣa te kāmo na tv āyuṣmān bhaviṣyati; devarājābhibhūtyarthaṃ saṃkalpo hy eṣa te hṛdi
Parvata sprach: „Dieser dein Wunsch wird sich erfüllen, doch langlebig wird er nicht sein; denn dieser Wunsch in deinem Herzen zielt darauf, den Götterkönig zu überwältigen.“
Wort für Wort
parvata uvāca
Parvata sprach
bhaviṣyaty eṣa te kāmo
dieser dein Wunsch wird sein [sich erfüllen] (Fut. 3.Sg.)
na tv āyuṣmān bhaviṣyati
doch nicht langlebig wird er sein (Fut. 3.Sg.)
devarājābhibhūtyartham
zum Zweck der Überwältigung des Götterkönigs (Kompositum, Akk.Sg. adv.)
tam ahaṃ nṛpatiṃ dīnam abruvaṃ punar eva tu; smartavyo 'haṃ mahārāja darśayiṣyāmi te smṛtaḥ
Zu dem niedergeschlagenen König sprach ich nun abermals: „An mich sollst du denken, großer König; wenn du dich meiner erinnerst, werde ich dir erscheinen.“
Wort für Wort
tam ahaṃ nṛpatiṃ dīnam
zu ihm, dem niedergeschlagenen König, ich (Akk.Sg.)
abruvaṃ punar eva tu
sprach ich abermals (Impf. 1.Sg.)
smartavyo 'haṃ mahārāja
ich bin zu erinnern, großer König (Gerundiv; Vok.)
darśayiṣyāmi te smṛtaḥ
ich werde dir erscheinen, erinnert (Fut. Kaus. 1.Sg.; Dat.; Part.Pass.)
ahaṃ te dayitaṃ putraṃ pretarājavaśaṃ gatam; punar dāsyāmi tad rūpaṃ mā śucaḥ pṛthivīpate
„Deinen geliebten Sohn, der in die Gewalt des Totenkönigs geraten ist, werde ich dir in eben dieser Gestalt wiedergeben; gräme dich nicht, Herr der Erde.“
Wort für Wort
ahaṃ te dayitaṃ putraṃ
ich deinen lieben Sohn (Nom.; Gen.; Akk.)
pretarājavaśaṃ gatam
in die Gewalt des Totenkönigs gegangen (Akk.Sg.; Part.Pass.)
punar dāsyāmi
werde ich wiedergeben (Fut. 1.Sg.)
tad rūpaṃ
jene Gestalt (Akk.Sg.)
mā śucaḥ pṛthivīpate
gräme dich nicht, Herr der Erde (Aor.-Inj. 2.Sg.; Vok.)
tatas tv abhibhavād bhīto bṛhaspatimate sthitaḥ; kumārasyāntaraprekṣī babhūva balavṛtrahā
Da, aus Furcht vor Überwältigung, nach Bṛhaspatis Rat handelnd, wurde der Töter des Vṛtra, der Gewaltige, zum Ausspäher einer Gelegenheit gegen den Knaben.
Wort für Wort
tatas tv abhibhavād bhīto
da, aus Furcht vor Überwältigung (Abl.Sg.; Part.Pass. Nom.)
bṛhaspatimate sthitaḥ
im Rat des Bṛhaspati stehend (Lok.Sg.; Part.Pass.)
kumārasyāntaraprekṣī
den Knaben nach einer Gelegenheit belauernd (Gen.Sg.; Nom.Sg.)
babhūva balavṛtrahā
wurde der Bala- und Vṛtra-Töter [Indra] (Perf. 3.Sg.; Nom.Sg.)
Auch Sṛñjaya, den Sohn erlangt, der dem Götterkönig an Glanz glich, wurde damals freudig und hielt sich als König samt dem Frauengemach [ständig] im Wald auf.
Wort für Wort
sṛñjayo 'pi sutaṃ prāpya
auch Sṛñjaya, den Sohn erlangt habend (Abs.)
devarājasamadyutim
dem Götterkönig an Glanz gleich (Akk.Sg.)
hṛṣṭaḥ sāntaḥpuro rājā
erfreut, samt Frauengemach, der König (Nom.Sg.)
vananityo 'bhavat tadā
damals im Wald verweilend war er (Kompositum; Impf. 3.Sg.)
Er ließ das Reich regieren [d. h. er herrschte], nachdem der Vater zum Himmel gegangen war, der Gebieter von furchtbarer Tapferkeit, tausend Jahre und ein Hundert [?].
Wort für Wort
kārayām āsa rājyaṃ sa
er ließ das Reich regieren (Periphr. Perf. Kaus.; Akk.)
pitari svargate
als der Vater zum Himmel gegangen war (Lok.abs.)
vibhuḥ
der Gebieter (Nom.Sg.)
varṣāṇām ekaśatavat sahasram
tausend der Jahre, ein Hundert [?] (Gen.Pl.; Adv./Nom.)
bhīmavikramaḥ
von furchtbarer Tapferkeit (Nom.Sg.)
ekaśatavat ist unklar: ‚tausend samt einem Hundert‘ (1100) oder ‚tausend, gleichsam hundert‘.
„Übernimm die vom Vater und Großvater ererbte Herrschaft und trage [ihre Last] weithin; wenn du mit verdienstvollen großen Opfern geopfert hast, wirst du die erstrebten Welten erlangen.“
Wort für Wort
pitṛpaitāmahaṃ rājyam
das von Vater und Großvater ererbte Reich (Akk.Sg.)
āsthāya
angetreten habend (Abs.)
duram udvaha
trage die Last weithin (Imp. 2.Sg.)
iṣṭvā puṇyair mahāyajñair
mit verdienstvollen großen Opfern geopfert habend (Abs.; Instr.Pl.)
iṣṭāṃl lokān avāpsyasi
die erwünschten Welten wirst du erlangen (Akk.Pl.; Fut. 2.Sg.)