Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 290: sāṃkhyavidhi Die Lehre des Sāṃkhya: Durchmusterung aller Welten und Fehler, Weg zum höchsten Nārāyaṇa

Yudhiṣṭhira bittet um die Darlegung des Sāṃkhya; Bhīṣma zählt zunächst die Bereiche und Mängel aller Daseinsformen auf, deren Erkenntnis zur Loslösung führt, und schildert dann den Aufstieg der Sāṃkhyas bis zu Nārāyaṇa.

yudhiṣṭhira uvāca; samyak tvayāyaṃ nṛpate varṇitaḥ śiṣṭasaṃmataḥ; yogamārgo yathānyāyaṃ śiṣyāyeha hitaiṣiṇā

Yudhiṣṭhira sprach: „Recht hast du, König, diesen von den Gelehrten gebilligten Yoga-Weg dargelegt, gemäß der Regel, wie ein Wohlmeinender [ihn] hier einem Schüler [darlegt].“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
samyak tvayā ayaṃ nṛpate varṇitaḥ
recht [hast] von dir, o König, dieser dargelegt worden (Vok./Instr./Nom.Sg.m., Part.Pass.)
śiṣṭasaṃmataḥ yogamārgaḥ
von den Gelehrten gebilligt, der Yoga-Weg (Nom.Sg.m.)
yathānyāyam
der Regel gemäß (Adv.)
śiṣyāya iha hitaiṣiṇā
einem Schüler hier, von einem Wohlmeinenden (Dat./Instr.Sg.)

sāṃkhye tv idānīṃ kārtsnyena vidhiṃ prabrūhi pṛcchate; triṣu lokeṣu yaj jñānaṃ sarvaṃ tad viditaṃ hi te

„Über das Sāṃkhya aber lege mir jetzt vollständig das Verfahren dar, da ich frage; denn was an Wissen in den drei Welten [besteht], all das ist dir ja bekannt.“

Wort für Wort
sāṃkhye tu idānīm
über das Sāṃkhya aber jetzt (Lok.Sg.n./Adv.)
kārtsnyena vidhiṃ prabrūhi
vollständig das Verfahren lege dar (Instr./Akk.Sg./Imp.2.Sg.)
pṛcchate
dem Fragenden (Dat.Sg.m., Part.Präs.)
triṣu lokeṣu yat jñānam
was in den drei Welten an Wissen [ist] (Lok.Pl./Nom.Sg.n.)
sarvaṃ tat viditaṃ hi te
all das ist bekannt ja dir (Part.Pass./Gen.-Dat.Sg.)

bhīṣma uvāca; śṛṇu me tvam idaṃ śuddhaṃ sāṃkhyānāṃ viditātmanām; vihitaṃ yatibhir buddhaiḥ kapilādibhir īśvaraiḥ

Bhīṣma sprach: „Höre von mir dieses reine [Wissen] der Sāṃkhya-Anhänger, die das Selbst erkannt haben; [es wurde] von asketischen, erwachten Herren, Kapila und anderen an der Spitze, festgesetzt.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
śṛṇu me tvam idaṃ śuddham
höre du von mir dies Reine (Imp.2.Sg./Akk.Sg.n.)
sāṃkhyānāṃ viditātmanām
der Sāṃkhyas, die das Selbst kennen (Gen.Pl.m., Bahuvrīhi)
vihitaṃ yatibhir buddhaiḥ
festgesetzt von Asketen, Erwachten (Part.Pass./Instr.Pl.)
kapilādibhir īśvaraiḥ
von Herren, Kapila und anderen (Instr.Pl.m.)

yasmin na vibhramāḥ ke cid dṛśyante manujarṣabha; guṇāś ca yasmin bahavo doṣahāniś ca kevalā

In ihm werden keinerlei Irrtümer gesehen, Stier unter den Menschen, und in ihm [sind] viele Vorzüge und allein das Schwinden der Fehler.

Wort für Wort
yasmin na vibhramāḥ ke cit
in dem keine Irrungen irgendwelche (Lok.Sg./Nom.Pl.m.)
dṛśyante manujarṣabha
werden gesehen, o Stier unter den Menschen (Pass.3.Pl./Vok.)
guṇāḥ ca yasmin bahavaḥ
und Vorzüge in dem viele (Nom.Pl.m.)
doṣahāniḥ ca kevalā
und Schwinden der Fehler allein (Nom.Sg.f.)

jñānena parisaṃkhyāya sadoṣān viṣayān nṛpa; mānuṣān durjayān kṛtsnān paiśācān viṣayāṃs tathā

Nachdem man mit Erkenntnis die mit Fehlern behafteten Bereiche der Sinnesobjekte durchgezählt hat, König – die menschlichen, sämtlich schwer zu bezwingenden, und ebenso die Bereiche der Piśācas –

Wort für Wort
jñānena parisaṃkhyāya
mit Erkenntnis durchgezählt habend (Instr./Abs.)
sadoṣān viṣayān nṛpa
die fehlerbehafteten Sinnesbereiche, o König (Akk.Pl.m./Vok.)
mānuṣān durjayān kṛtsnān
die menschlichen, schwer besiegbaren, gesamten (Akk.Pl.m.)
paiśācān viṣayān tathā
die der Piśācas, Bereiche ebenso (Akk.Pl.m.)

rākṣasān viṣayāñ jñātvā yakṣāṇāṃ viṣayāṃs tathā; viṣayān auragāñ jñātvā gāndharvaviṣayāṃs tathā

und nachdem man die Bereiche der Rākṣasas erkannt hat, ebenso die Bereiche der Yakṣas, die Bereiche der Schlangenwesen erkannt hat und ebenso die Bereiche der Gandharvas,

Wort für Wort
rākṣasān viṣayān jñātvā
die Bereiche der Rākṣasas erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
yakṣāṇāṃ viṣayān tathā
der Yakṣas Bereiche ebenso (Gen.Pl./Akk.Pl.)
viṣayān auragān jñātvā
die Bereiche der Schlangenwesen erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
gāndharvaviṣayān tathā
die Gandharva-Bereiche ebenso (Akk.Pl.m., Tatpuruṣa)

pitṝṇāṃ viṣayāñ jñātvā tiryakṣu caratāṃ nṛpa; suparṇaviṣayāñ jñātvā marutāṃ viṣayāṃs tathā

nachdem man die Bereiche der Ahnen erkannt hat, [ferner die Bereiche] derer, die unter den Tieren wandeln, König, die Bereiche der Suparṇas erkannt hat und ebenso die Bereiche der Maruts,

Wort für Wort
pitṝṇāṃ viṣayān jñātvā
der Ahnen Bereiche erkannt habend (Gen.Pl./Akk.Pl./Abs.)
tiryakṣu caratāṃ nṛpa
[derer], die unter den Tieren wandeln, o König (Lok.Pl./Gen.Pl.Part./Vok.)
suparṇaviṣayān jñātvā
die Bereiche der Suparṇas erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
marutāṃ viṣayān tathā
der Maruts Bereiche ebenso (Gen.Pl./Akk.Pl.)

rājarṣiviṣayāñ jñātvā brahmarṣiviṣayāṃs tathā; āsurān viṣayāñ jñātvā vaiśvadevāṃs tathaiva ca

nachdem man die Bereiche der Königsweisen erkannt hat und ebenso die Bereiche der Brahmanenweisen, die Bereiche der Asuras erkannt hat und ebenso die der Viśvedevas,

Wort für Wort
rājarṣiviṣayān jñātvā
die Bereiche der Königsweisen erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
brahmarṣiviṣayān tathā
die Bereiche der Brahmanenweisen ebenso (Akk.Pl.m.)
āsurān viṣayān jñātvā
die asurischen Bereiche erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
vaiśvadevān tathā eva ca
die der Viśvedevas ebenso auch (Akk.Pl.m.)

devarṣiviṣayāñ jñātvā yogānām api ceśvarān; viṣayāṃś ca prajeśānāṃ brahmaṇo viṣayāṃs tathā

nachdem man die Bereiche der Götterweisen erkannt hat und auch die Herren der Yogas, die Bereiche der Herren der Geschöpfe und ebenso die Bereiche Brahmās [erkannt hat],

Wort für Wort
devarṣiviṣayān jñātvā
die Bereiche der Götterweisen erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
yogānām api ca īśvarān
auch der Yogas Herren (Gen.Pl./Akk.Pl.m.)
viṣayān ca prajeśānām
und die Bereiche der Herren der Geschöpfe (Akk.Pl./Gen.Pl.)
brahmaṇaḥ viṣayān tathā
Brahmās Bereiche ebenso (Gen.Sg./Akk.Pl.)

āyuṣaś ca paraṃ kālaṃ loke vijñāya tattvataḥ; sukhasya ca paraṃ tattvaṃ vijñāya vadatāṃ vara

und die höchste Lebensdauer in der Welt der Wahrheit nach erkannt hat und das höchste Wesen des Glücks erkannt hat, Bester der Redner,

Wort für Wort
āyuṣaḥ ca param kālam
und des Lebens höchste Zeitspanne (Gen.Sg./Akk.Sg.m.)
loke vijñāya tattvataḥ
in der Welt erkannt habend der Wahrheit nach (Lok./Abs./Adv.)
sukhasya ca param tattvam
und des Glücks höchstes Wesen (Gen.Sg./Akk.Sg.n.)
vijñāya vadatāṃ vara
erkannt habend, Bester der Redenden (Abs./Gen.Pl.Part./Vok.)

prāpte kāle ca yad duḥkhaṃ patatāṃ viṣayaiṣiṇām; tiryak ca patatāṃ duḥkhaṃ patatāṃ narake ca yat

und das Leid, das bei gekommener Zeit [diejenigen trifft], die, nach Sinnesobjekten strebend, fallen; das Leid derer, die in tierische [Geburt] fallen, und das, was [das Leid] derer [ist], die in die Hölle fallen,

Wort für Wort
prāpte kāle ca yat duḥkham
und bei gekommener Zeit, was an Leid [ist] (Lok.abs./Nom.Sg.n.)
patatāṃ viṣayaiṣiṇām
der Fallenden, die nach Sinnesobjekten streben (Gen.Pl.m.)
tiryak ca patatāṃ duḥkham
und in tierische [Geburt] der Fallenden Leid (Adv./Gen.Pl./Nom.Sg.)
patatāṃ narake ca yat
und der in die Hölle Fallenden, was [an Leid ist] (Gen.Pl./Lok.Sg.)

tiryak als Adverb 'in tierische Geburt' gedeutet.

svargasya ca guṇān kṛtsnān doṣān sarvāṃś ca bhārata; vedavāde ca ye doṣā guṇā ye cāpi vaidikāḥ

und alle Vorzüge des Himmels und alle Fehler, Bhārata; und welche Fehler in der Veda-Lehre [liegen] und welche vedischen Vorzüge,

Wort für Wort
svargasya ca guṇān kṛtsnān
und des Himmels Vorzüge, alle (Gen.Sg./Akk.Pl.m.)
doṣān sarvān ca bhārata
und die Fehler alle, o Bhārata (Akk.Pl./Vok.)
vedavāde ca ye doṣāḥ
und in der Veda-Rede, welche Fehler (Lok.Sg./Nom.Pl.)
guṇāḥ ye ca api vaidikāḥ
welche Vorzüge auch, vedische (Nom.Pl.m.)

jñānayoge ca ye doṣā guṇā yoge ca ye nṛpa; sāṃkhyajñāne ca ye doṣās tathaiva ca guṇā nṛpa

und welche Fehler im Wissens-Yoga [liegen] und welche Vorzüge im Yoga, König; und welche Fehler im Sāṃkhya-Wissen [sind] und ebenso die Vorzüge, König,

Wort für Wort
jñānayoge ca ye doṣāḥ
und im Wissens-Yoga, welche Fehler (Lok.Sg./Nom.Pl.)
guṇāḥ yoge ca ye nṛpa
Vorzüge im Yoga, welche, o König (Nom.Pl./Lok.Sg./Vok.)
sāṃkhyajñāne ca ye doṣāḥ
und im Sāṃkhya-Wissen, welche Fehler (Lok.Sg./Nom.Pl.)
tathā eva ca guṇāḥ nṛpa
und ebenso auch die Vorzüge, o König (Nom.Pl./Vok.)

itareṣu ca ye doṣā guṇās teṣu ca bhārata; parisaṃkhyāya saṃkhyānaṃ matvā sāṃkhyaṃ guṇādhikam

und welche Fehler und Vorzüge in den übrigen [Lehren liegen], Bhārata: nachdem man [sie] durchgezählt hat, hält man das Sāṃkhya, die Aufzählung, für vorzugsreicher.

Wort für Wort
itareṣu ca ye doṣāḥ
und in den anderen, welche Fehler (Lok.Pl./Nom.Pl.)
guṇāḥ teṣu ca bhārata
Vorzüge in diesen, o Bhārata (Nom.Pl./Lok.Pl./Vok.)
parisaṃkhyāya saṃkhyānam
durchgezählt habend, die Aufzählung (Abs./Akk.Sg.n.)
matvā sāṃkhyaṃ guṇādhikam
gehalten habend das Sāṃkhya für vorzugsreicher (Abs./Akk.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternvers); Satzbau unvollständig, der Hauptsatz fehlt im Zusammenhang.

sattvaṃ daśaguṇaṃ jñātvā rajo navaguṇaṃ tathā; tamaś cāṣṭaguṇaṃ jñātvā buddhiṃ saptaguṇāṃ tathā

[nachdem man] das Sattva als zehnfach an Qualitäten erkannt hat, ebenso das Rajas als neunfach, das Tamas als achtfach erkannt hat und ebenso die Buddhi als siebenfach,

Wort für Wort
sattvaṃ daśaguṇaṃ jñātvā
das Sattva zehnfach erkannt habend (Akk.Sg.n./Abs.)
rajaḥ navaguṇaṃ tathā
das Rajas neunfach ebenso (Akk.Sg.n.)
tamaḥ ca aṣṭaguṇaṃ jñātvā
und das Tamas achtfach erkannt habend (Akk.Sg.n./Abs.)
buddhiṃ saptaguṇāṃ tathā
die Buddhi siebenfach ebenso (Akk.Sg.f.)

Die Zahlenangaben (guṇa als 'Fach/Eigenschaft') sind schwer deutbar; wörtlich wiedergegeben.

ṣaḍguṇaṃ ca nabho jñātvā manaḥ pañcaguṇaṃ tathā; buddhiṃ caturguṇāṃ jñātvā tamaś ca triguṇaṃ mahat

[nachdem man] den Äther als sechsfach erkannt hat, ebenso das Manas als fünffach, die Buddhi als vierfach erkannt hat und das Tamas und das Große [Mahat] als dreifach,

Wort für Wort
ṣaḍguṇaṃ ca nabhaḥ jñātvā
und den Äther sechsfach erkannt habend (Akk.Sg.n.)
manaḥ pañcaguṇaṃ tathā
das Manas fünffach ebenso (Akk.Sg.n.)
buddhiṃ caturguṇāṃ jñātvā
die Buddhi vierfach erkannt habend (Akk.Sg.f.)
tamaḥ ca triguṇaṃ mahat
und das Tamas dreifach, das Große (Akk.Sg.n.)

Zuordnung von 'triguṇaṃ' zu tamas bzw. mahat unsicher; 'Buddhi vierfach' wiederholt v. 15 abweichend (Textproblem).

dviguṇaṃ ca rajo jñātvā sattvam ekaguṇaṃ punaḥ; mārgaṃ vijñāya tattvena pralaye prekṣaṇaṃ tathā

und das Rajas als zweifach erkannt hat, das Sattva dagegen wieder als einfach, den Weg der Wahrheit nach erkannt hat und ebenso das Schauen im Weltuntergang [erkannt hat],

Wort für Wort
dviguṇaṃ ca rajaḥ jñātvā
und das Rajas zweifach erkannt habend (Akk.Sg.n.)
sattvam ekaguṇaṃ punaḥ
das Sattva einfach wiederum (Akk.Sg.n.)
mārgaṃ vijñāya tattvena
den Weg erkannt habend der Wahrheit nach (Akk./Abs./Instr.)
pralaye prekṣaṇaṃ tathā
im Weltuntergang das Schauen ebenso (Lok.Sg./Akk.Sg.n.)

jñānavijñānasaṃpannāḥ kāraṇair bhāvitāḥ śubhaiḥ; prāpnuvanti śubhaṃ mokṣaṃ sūkṣmā iha nabhaḥ param

Die mit Wissen und Erkenntnis Ausgestatteten, durch heilvolle Ursachen Geläuterten erlangen die heilvolle Erlösung; die Feinen [gehen] hier [hin] über den Äther hinaus.

Wort für Wort
jñānavijñānasaṃpannāḥ
mit Wissen und Erkenntnis ausgestattet (Nom.Pl.m.)
kāraṇaiḥ bhāvitāḥ śubhaiḥ
durch Ursachen geläutert, heilvolle (Instr.Pl./Nom.Pl./Instr.Pl.)
prāpnuvanti śubhaṃ mokṣam
erlangen die heilvolle Erlösung (3.Pl.Präs./Akk.Sg.m.)
sūkṣmāḥ iha nabhaḥ param
die Feinen hier, den Äther übertreffend (Nom.Pl./Akk.Sg.n.)

Letzter Pāda knapp und mehrdeutig; 'nabhaḥ param' als 'jenseits des Äthers' gefasst [?].

rūpeṇa dṛṣṭiṃ saṃyuktāṃ ghrāṇaṃ gandhaguṇena ca; śabde saktaṃ tathā śrotraṃ jihvāṃ rasaguṇeṣu ca

[Nachdem man] das Auge mit der Form verbunden [erkannt hat], die Nase mit der Qualität des Geruchs, ebenso das Ohr am Laut haftend und die Zunge an den Geschmacksqualitäten [haftend],

Wort für Wort
rūpeṇa dṛṣṭiṃ saṃyuktām
das Auge mit der Form verbunden (Instr./Akk.Sg.f.)
ghrāṇaṃ gandhaguṇena ca
und die Nase mit der Qualität Geruch (Akk.Sg.n./Instr.)
śabde saktaṃ tathā śrotram
am Laut haftend ebenso das Ohr (Lok./Akk.Sg.n.)
jihvāṃ rasaguṇeṣu ca
und die Zunge an den Geschmacksqualitäten (Akk.Sg.f./Lok.Pl.)

tanuṃ sparśe tathā saktāṃ vāyuṃ nabhasi cāśritam; mohaṃ tamasi saṃsaktaṃ lobham artheṣu saṃśritam

[ferner] den Körper am Getast haftend, den Wind im Äther ruhend, die Verblendung am Tamas haftend, die Gier in den Zielobjekten ruhend,

Wort für Wort
tanuṃ sparśe tathā saktām
den Körper ebenso am Getast haftend (Akk.Sg.f./Lok.)
vāyum nabhasi ca āśritam
und den Wind im Äther ruhend (Akk.Sg.m./Lok.)
moham tamasi saṃsaktam
die Verblendung am Tamas haftend (Akk.Sg.m./Lok.)
lobham artheṣu saṃśritam
die Gier in den Zielobjekten ruhend (Akk.Sg.m./Lok.Pl.)

viṣṇuṃ krānte bale śakraṃ koṣṭhe saktaṃ tathānalam; apsu devīṃ tathā saktām apas tejasi cāśritāḥ

Viṣṇu im Ausschreiten, Śakra in der Kraft, ebenso das Feuer im Bauch haftend; die Göttin an den Wassern haftend, und die Wasser im Glanz ruhend.

Wort für Wort
viṣṇum krānte
Viṣṇu im Ausschreiten (Akk.Sg./Lok.Sg.n.)
bale śakram
in der Kraft Śakra [Indra] (Lok./Akk.)
koṣṭhe saktam tathā analam
im Bauch haftend ebenso das Feuer (Lok./Akk.Sg.m.)
apsu devīṃ tathā saktām
in den Wassern die Göttin ebenso haftend (Lok.Pl./Akk.Sg.f.)
apaḥ tejasi ca āśritāḥ
und die Wasser im Glanz ruhend (Akk.Pl.f./Lok.)

tejo vāyau tu saṃsaktaṃ vāyuṃ nabhasi cāśritam; nabho mahati saṃyuktaṃ mahad buddhau ca saṃśritam

Den Glanz am Wind haftend und den Wind im Äther ruhend; den Äther mit dem Großen [Mahat] verbunden und das Große in der Buddhi ruhend.

Wort für Wort
tejaḥ vāyau tu saṃsaktam
den Glanz am Wind aber haftend (Akk.Sg.n./Lok.)
vāyum nabhasi ca āśritam
und den Wind im Äther ruhend (Akk./Lok.)
nabhaḥ mahati saṃyuktam
den Äther mit dem Großen verbunden (Akk.Sg.n./Lok.Sg.n.)
mahat buddhau ca saṃśritam
das Große in der Buddhi ruhend (Akk.Sg.n./Lok.Sg.f.)

buddhiṃ tamasi saṃsaktāṃ tamo rajasi cāśritam; rajaḥ sattve tathā saktaṃ sattvaṃ saktaṃ tathātmani

Die Buddhi am Tamas haftend, das Tamas im Rajas ruhend, das Rajas ebenso am Sattva haftend, das Sattva am Selbst haftend.

Wort für Wort
buddhiṃ tamasi saṃsaktām
die Buddhi am Tamas haftend (Akk.Sg.f./Lok.)
tamaḥ rajasi ca āśritam
das Tamas im Rajas ruhend (Akk.Sg.n./Lok.)
rajaḥ sattve tathā saktam
das Rajas ebenso am Sattva haftend (Akk./Lok.)
sattvaṃ saktaṃ tathā ātmani
das Sattva haftend ebenso am Selbst (Akk./Lok.Sg.)

Die Reihenfolge Buddhi–Tamas–Rajas–Sattva widerspricht v. 22 (mahat–buddhi); Text so überliefert.

saktam ātmānam īśe ca deve nārāyaṇe tathā; devaṃ mokṣe ca saṃsaktaṃ mokṣaṃ saktaṃ tu na kva cit

[Nachdem man] das Selbst am Herrn haftend [erkannt hat], ebenso am Gott Nārāyaṇa, [nachdem man] den Gott an der Erlösung haftend [erkannt hat]; die Erlösung aber haftet nirgends.

Wort für Wort
saktam ātmānam īśe ca
haftend das Selbst am Herrn (Akk.Sg.m./Lok.Sg.)
deve nārāyaṇe tathā
am Gott Nārāyaṇa ebenso (Lok.Sg.)
devaṃ mokṣe ca saṃsaktam
und den Gott an der Erlösung haftend (Akk.Sg./Lok.Sg.)
mokṣaṃ saktaṃ tu na kva cit
die Erlösung aber haftet nirgends (Akk.Sg.m./Part./Neg.+Adv.)

jñātvā sattvayutaṃ dehaṃ vṛtaṃ ṣoḍaśabhir guṇaiḥ; svabhāvaṃ cetanāṃ caiva jñātvā vai deham āśrite

Nachdem man den mit Sattva verbundenen, von sechzehn Qualitäten umhüllten Körper erkannt hat, und Eigenwesen und Bewusstsein, wahrlich, als in den Körper eingegangen erkannt hat,

Wort für Wort
jñātvā sattvayutaṃ deham
erkannt habend den mit Sattva verbundenen Körper (Abs./Akk.Sg.m.)
vṛtaṃ ṣoḍaśabhiḥ guṇaiḥ
umhüllt von sechzehn Qualitäten (Part.Pass./Instr.Pl.)
svabhāvaṃ cetanāṃ ca eva
Eigenwesen und Bewusstsein auch (Akk.Sg.m./Akk.Sg.f.)
jñātvā vai deham āśrite
erkannt habend, wahrlich, als im Körper wohnend (Abs./Akk.Sg./Akk.Du.n.-Lok.)

'deham āśrite' grammatisch unsicher [?].

madhyastham ekam ātmānaṃ pāpaṃ yasmin na vidyate; dvitīyaṃ karma vijñāya nṛpate viṣayaiṣiṇām

das eine, in der Mitte stehende Selbst, in dem kein Übel besteht; und als zweites das Handeln erkannt habend, König, derer, die nach Sinnesobjekten streben,

Wort für Wort
madhyastham ekam ātmānam
in der Mitte stehend, das eine Selbst (Akk.Sg.m.)
pāpaṃ yasmin na vidyate
Übel in dem nicht besteht (Nom.Sg.n./Lok./Pass.3.Sg.)
dvitīyaṃ karma vijñāya
als zweites das Handeln erkannt habend (Akk.Sg.n./Abs.)
nṛpate viṣayaiṣiṇām
o König, der nach Sinnesobjekten Strebenden (Vok./Gen.Pl.)

indriyāṇīndriyārthāṃś ca sarvān ātmani saṃśritān

die Sinne und die Sinnesobjekte, sämtlich im Selbst ruhend [erkannt habend],

Wort für Wort
indriyāṇi indriyārthān ca
die Sinne und die Sinnesobjekte (Akk.Pl.n./Akk.Pl.m.)
sarvān ātmani saṃśritān
alle im Selbst ruhend (Akk.Pl.m./Lok.Sg./Part.)

Der Halbvers ist syntaktisch abhängig von 'vijñāya/jñātvā' der Umgebung.

durlabhatvaṃ ca mokṣasya vijñāya śrutipūrvakam

und die Schwererreichbarkeit der Erlösung erkannt habend, im Anschluss an das Hören [der Überlieferung],

Wort für Wort
durlabhatvaṃ ca mokṣasya
und die Schwererreichbarkeit der Erlösung (Akk.Sg.n./Gen.Sg.)
vijñāya śrutipūrvakam
erkannt habend, das Hören voranstellend (Abs./Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternvers); 'śrutipūrvakam' als 'aufgrund vorausgehenden Hörens' gefasst.

prāṇāpānau samānaṃ ca vyānodānau ca tattvataḥ

Prāṇa und Apāna und Samāna, Vyāna und Udāna wirklich [erkannt habend],

Wort für Wort
prāṇāpānau
Prāṇa und Apāna (Nom./Akk.Du.m.)
samānaṃ ca
und Samāna (Akk.Sg.m.)
vyānodānau ca
und Vyāna und Udāna (Akk.Du.m.)
tattvataḥ
der Wahrheit nach (Adv.)

avāk caivānilaṃ jñātvā pravahaṃ cānilaṃ punaḥ; sapta vātāṃs tathā śeṣān saptadhā vidhivat punaḥ

und den abwärts [?] gerichteten Wind erkannt habend, und wieder den Wind ‚Pravaha‘, und ebenso die übrigen sieben Winde, wiederum siebenfach, regelgerecht,

Wort für Wort
avāk ca anilaṃ jñātvā
und den abwärts[?] [gerichteten] Wind erkannt habend (Adj./Akk.Sg.m./Abs.)
pravahaṃ ca anilaṃ punaḥ
und den Wind Pravaha wiederum (Akk.Sg.m.)
sapta vātān tathā śeṣān
sieben Winde ebenso die übrigen (Akk.Pl.m.)
saptadhā vidhivat punaḥ
siebenfach, regelgerecht, wiederum (Adv.)

'avāk' unsicher: 'abwärts' oder 'nicht sprechend'; die Windliste ist textlich unklar.

prajāpatīn ṛṣīṃś caiva mārgāṃś ca subahūn varān; saptarṣīṃś ca bahūñ jñātvā rājarṣīṃś ca paraṃtapa

die Schöpfer-Herren und die Seher und viele vortreffliche Wege, und viele Saptarṣis und Königsweise erkannt habend, Bezwinger der Feinde,

Wort für Wort
prajāpatīn ṛṣīn ca eva
die Prajāpatis und die Seher auch (Akk.Pl.m.)
mārgān ca subahūn varān
und die Wege, sehr viele, vortreffliche (Akk.Pl.m.)
saptarṣīn ca bahūn jñātvā
und die Saptarṣis, viele, erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
rājarṣīn ca paraṃtapa
und die Königsweisen, o Feindebezwinger (Akk.Pl./Vok.)

surarṣīn mahataś cānyān maharṣīn sūryasaṃnibhān; aiśvaryāc cyāvitāñ jñātvā kālena mahatā nṛpa

[und] die Götterweisen und andere große, sonnengleiche Maharṣis, [die] nach langer Zeit, König, aus der Herrschaft gestürzt [sind], erkannt habend,

Wort für Wort
surarṣīn mahataḥ ca anyān
die Götterweisen, großen und anderen (Akk.Pl.m.)
maharṣīn sūryasaṃnibhān
die großen Seher, sonnengleichen (Akk.Pl.m.)
aiśvaryāt cyāvitān jñātvā
aus der Herrschaft gestürzt erkannt habend (Abl./Akk.Pl.Part.Kaus./Abs.)
kālena mahatā nṛpa
nach großer Zeit, o König (Instr.Sg.m./Vok.)

mahatāṃ bhūtasaṃghānāṃ śrutvā nāśaṃ ca pārthiva; gatiṃ cāpy aśubhāṃ jñātvā nṛpate pāpakarmaṇām

und [nachdem man] vom Untergang der großen Wesensscharen gehört hat, Herrscher, und die unheilvolle Bahn der Übeltäter erkannt hat, König,

Wort für Wort
mahatāṃ bhūtasaṃghānām
der großen Scharen von Wesen (Gen.Pl.m.)
śrutvā nāśaṃ ca pārthiva
gehört habend vom Untergang, o Herrscher (Abs./Akk.Sg.m./Vok.)
gatiṃ ca api aśubhām
und die Bahn auch, unheilvolle (Akk.Sg.f.)
jñātvā nṛpate pāpakarmaṇām
erkannt habend, o König, der Übeltäter (Abs./Vok./Gen.Pl.m.)

vaitaraṇyāṃ ca yad duḥkhaṃ patitānāṃ yamakṣaye; yonīṣu ca vicitrāsu saṃsārān aśubhāṃs tathā

und das Leid am Vaitaraṇī-Fluss, [das die] in Yamas Wohnstätte Gefallenen [trifft], und die unheilvollen Wanderungen durch mannigfaltige Mutterschöße,

Wort für Wort
vaitaraṇyām ca yat duḥkham
und an der Vaitaraṇī, was an Leid (Lok.Sg.f./Nom.Sg.n.)
patitānām yamakṣaye
der Gefallenen in Yamas Wohnstatt (Gen.Pl.m./Lok.Sg.)
yonīṣu ca vicitrāsu
und in mannigfaltigen Mutterschößen (Lok.Pl.f.)
saṃsārān aśubhān tathā
die unheilvollen Wanderungen ebenso (Akk.Pl.m.)

jaṭhare cāśubhe vāsaṃ śoṇitodakabhājane; śleṣmamūtrapurīṣe ca tīvragandhasamanvite

und den Aufenthalt im unreinen Mutterleib, in einem Gefäß aus Blut und Wasser, in Schleim, Urin und Kot, ausgestattet mit scharfem Gestank,

Wort für Wort
jaṭhare ca aśubhe vāsam
und im unreinen Mutterleib den Aufenthalt (Lok.Sg.n./Akk.Sg.m.)
śoṇitodakabhājane
im Gefäß aus Blut und Wasser (Lok.Sg.n.)
śleṣmamūtrapurīṣe ca
und in Schleim, Urin, Kot (Lok.Sg.n., Dvandva)
tīvragandhasamanvite
mit scharfem Geruch versehen (Lok.Sg.n.)

śukraśoṇitasaṃghāte majjāsnāyuparigrahe; sirāśatasamākīrṇe navadvāre pure 'śucau

in der Zusammenballung von Samen und Blut, das von Mark und Sehnen umfasst ist, von hundert Adern durchzogen, in der unreinen Stadt mit neun Toren,

Wort für Wort
śukraśoṇitasaṃghāte
in der Zusammenballung von Same und Blut (Lok.Sg.m.)
majjāsnāyuparigrahe
von Mark und Sehnen umfasst (Lok.Sg.m.)
sirāśatasamākīrṇe
von hundert Adern durchzogen (Lok.Sg.)
navadvāre pure aśucau
in der Stadt mit neun Toren, der unreinen (Lok.Sg.n./Lok.Sg.)

vijñāyāhitam ātmānaṃ yogāṃś ca vividhān nṛpa; tāmasānāṃ ca jantūnāṃ ramaṇīyāvṛtātmanām

und nachdem man das für das Selbst Nachteilige erkannt hat und die vielfältigen Yogas, König, und [das Los] der Tamas-Wesen, deren Selbst von Reizvollem umhüllt ist,

Wort für Wort
vijñāya ahitam ātmānam
erkannt habend das Nachteilige, das Selbst (Abs./Akk.Sg.)
yogān ca vividhān nṛpa
und die Yogas, vielfältigen, o König (Akk.Pl./Vok.)
tāmasānām ca jantūnām
und der tamasischen Wesen (Gen.Pl.m.)
ramaṇīyāvṛtātmanām
deren Selbst von Reizvollem umhüllt ist (Gen.Pl., Bahuvrīhi)

'ahitam ātmānam' unsicher; evtl. 'den Selbst-Schaden' [?].

sāttvikānāṃ ca jantūnāṃ kutsitaṃ bharatarṣabha; garhitaṃ mahatām arthe sāṃkhyānāṃ viditātmanām

und das Verächtliche der Sattva-Wesen, Stier der Bharatas, das Getadelte um der Großen willen, der Sāṃkhya-Anhänger, die das Selbst erkannt haben,

Wort für Wort
sāttvikānām ca jantūnām
und der sattvischen Wesen (Gen.Pl.m.)
kutsitam bharatarṣabha
das Verächtliche, o Stier der Bharatas (Akk.Sg.n./Vok.)
garhitam mahatām arthe
das Getadelte um der Großen willen (Akk.Sg.n./Gen.Pl./Lok.Sg.)
sāṃkhyānām viditātmanām
der Sāṃkhyas, die das Selbst kennen (Gen.Pl.m.)

Sinn von 'kutsitaṃ ... garhitaṃ' schwer: möglicherweise 'was von den Sāṃkhyas als verächtlich getadelt wird' [?].

upaplavāṃs tathā ghorāñ śaśinas tejasas tathā; tārāṇāṃ patanaṃ dṛṣṭvā nakṣatrāṇāṃ ca paryayam

und ebenso die schrecklichen Katastrophen, [die von] Mond und Sonnenglut [ausgehen], nachdem man den Fall der Sterne und den Umschwung der Gestirne gesehen hat,

Wort für Wort
upaplavān tathā ghorān
die Katastrophen ebenso, schrecklichen (Akk.Pl.m.)
śaśinaḥ tejasaḥ tathā
des Mondes, des Glanzes ebenso (Gen.Sg.m./Gen.Sg.n.)
tārāṇām patanam dṛṣṭvā
der Sterne Fall gesehen habend (Gen.Pl./Akk.Sg./Abs.)
nakṣatrāṇām ca paryayam
und der Gestirne Umschwung (Gen.Pl./Akk.Sg.m.)

'śaśinas tejasas' evtl. 'des Mondes und der Sonne (Glanz)' [?].

dvaṃdvānāṃ viprayogaṃ ca vijñāya kṛpaṇaṃ nṛpa; anyonyabhakṣaṇaṃ dṛṣṭvā bhūtānām api cāśubham

und nachdem man die Trennung der Gegensatzpaare als elend erkannt hat, König, und das gegenseitige Verzehren der Wesen als unheilvoll gesehen hat,

Wort für Wort
dvaṃdvānām viprayogam ca
und der Gegensatzpaare Trennung (Gen.Pl.n./Akk.Sg.m.)
vijñāya kṛpaṇam nṛpa
erkannt habend als elend, o König (Abs./Akk.Sg.m./Vok.)
anyonyabhakṣaṇam dṛṣṭvā
das gegenseitige Verzehren gesehen habend (Akk.Sg.n./Abs.)
bhūtānām api ca aśubham
auch der Wesen, unheilvoll (Gen.Pl./Akk.Sg.n.)

bālye mohaṃ ca vijñāya kṣayaṃ dehasya cāśubham; rāge mohe ca saṃprāpte kva cit sattvaṃ samāśritam

Die Verblendung in der Kindheit erkannt habend und den unheilvollen Verfall des Körpers; [erkannt habend, dass] dann, wenn Leidenschaft und Verblendung eingetreten sind, die Wahrheit [sattva] nur bei wenigen [?] Zuflucht gefunden hat.

Wort für Wort
bālye mohaṃ ca vijñāya
und die Verblendung in der Kindheit erkannt habend (Lok./Akk./Abs.)
kṣayaṃ dehasya ca aśubham
und den Verfall des Körpers, den unheilvollen (Akk.; Gen.)
rāge mohe ca saṃprāpte
wenn Leidenschaft und Verblendung eingetreten sind (Lok. abs., Part.Perf.Pass.)
kva cit sattvaṃ samāśritam
irgendwo [nur selten] das Sattva [Wesen/Wahrheit] Zuflucht genommen habend (Nom./Part.Perf.Pass.)

kva cit sattvaṃ samāśritam: Konstruktion elliptisch; Sinn: nur selten wird das Sattva erreicht.

sahasreṣu naraḥ kaś cin mokṣabuddhiṃ samāśritaḥ; durlabhatvaṃ ca mokṣasya vijñāya śrutipūrvakam

Unter Tausenden [Menschen] hat irgendein Mann sich dem Streben nach Erlösung zugewandt; und die Schwerzugänglichkeit der Erlösung erkannt habend, nach dem Hörensagen der Überlieferung [?].

Wort für Wort
sahasreṣu naraḥ kaś cit
unter Tausenden ein Mann, irgendeiner (Lok.Pl.; Nom.Sg.)
mokṣabuddhiṃ samāśritaḥ
dem Gedanken an Erlösung sich zugewandt habend (Akk.; Part.Perf.)
durlabhatvaṃ ca mokṣasya
und die Schwererreichbarkeit der Erlösung (Akk.; Gen.)
vijñāya śrutipūrvakam
erkannt habend, auf Grund der Offenbarung/des Gehörten vorausgehend (Abs.; Adv.)

bahumānam alabdheṣu labdhe madhyasthatāṃ punaḥ; viṣayāṇāṃ ca daurātmyaṃ vijñāya nṛpate punaḥ

[Er erkannte] die hohe Wertschätzung gegenüber dem Nichterlangten, dann wieder die Gleichmütigkeit gegenüber dem Erlangten; und die Schlechtigkeit der Sinnesobjekte erkannt habend, o Herr der Menschen, wiederum –

Wort für Wort
bahumānam alabdheṣu
hohe Wertschätzung gegenüber Nichterlangtem (Akk.; Lok.Pl.)
labdhe madhyasthatāṃ punaḥ
gegenüber Erlangtem wiederum Gleichmütigkeit (Lok.; Akk.)
viṣayāṇāṃ ca daurātmyam
und die Schlechtigkeit der Sinnesobjekte (Gen.Pl.; Akk.)
vijñāya nṛpate punaḥ
erkannt habend, o König, wiederum (Abs.; Vok.)

gatāsūnāṃ ca kaunteya dehān dṛṣṭvā tathāśubhān; vāsaṃ kuleṣu jantūnāṃ duḥkhaṃ vijñāya bhārata

Und die Körper der Verstorbenen, o Sohn der Kuntī, so unheilvoll gesehen habend, und das Wohnen der Lebewesen in [Mutter-]Schößen [Familien?] als Leid erkannt habend, o Bhārata –

Wort für Wort
gatāsūnāṃ ca kaunteya
und der Dahingeschiedenen, o Sohn der Kuntī (Gen.Pl.; Vok.)
dehān dṛṣṭvā tathā aśubhān
die Körper gesehen habend, so unheilvolle (Akk.Pl.; Abs.)
vāsaṃ kuleṣu jantūnām
das Wohnen der Lebewesen in Geschlechtern/Schößen (Akk.; Lok.Pl.; Gen.Pl.)
duḥkhaṃ vijñāya bhārata
als Leid erkannt habend, o Bhārata (Akk.; Abs.; Vok.)

kuleṣu: 'in Familien' oder 'in Schößen'; Lesart unsicher.

brahmaghnānāṃ gatiṃ jñātvā patitānāṃ sudāruṇām; surāpāne ca saktānāṃ brāhmaṇānāṃ durātmanām; gurudāraprasaktānāṃ gatiṃ vijñāya cāśubhām

Den Weg der Brahmanenmörder erkannt habend, der sehr schrecklichen Gefallenen, und derjenigen Brahmanen, die dem Branntweintrinken ergeben und schlechten Wesens sind, und den unheilvollen Weg derer, die an der Frau des Lehrers hängen –

Wort für Wort
brahmaghnānāṃ gatiṃ jñātvā
den Weg der Brahmanenmörder erkannt habend (Gen.Pl.; Akk.; Abs.)
patitānāṃ sudāruṇām
der Gefallenen, der sehr schrecklichen (Gen.Pl.)
surāpāne ca saktānām
und derer, die am Branntweintrinken haften (Lok.; Gen.Pl.)
brāhmaṇānāṃ durātmanām
der Brahmanen, der schlechtgesinnten (Gen.Pl.)
gurudāraprasaktānām
derer, die der Frau des Gurus ergeben sind (Gen.Pl., Kompositum)
gatiṃ vijñāya ca aśubhām
und den Weg als unheilvoll erkannt habend (Akk.; Abs.)

jananīṣu ca vartante ye na samyag yudhiṣṭhira; sadevakeṣu lokeṣu ye na vartanti mānavāḥ

Und die sich gegenüber den Müttern nicht recht verhalten, o Yudhiṣṭhira, [und] die Menschen, die sich in den Welten samt den Göttern nicht [recht] verhalten –

Wort für Wort
jananīṣu ca vartante
und die sich gegenüber den Müttern verhalten (Lok.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
ye na samyag yudhiṣṭhira
welche nicht recht, o Yudhiṣṭhira (Rel.; Adv.; Vok.)
sadevakeṣu lokeṣu
in den Welten samt den Göttern (Lok.Pl.)
ye na vartanti mānavāḥ
welche Menschen sich nicht [recht] verhalten (Rel.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

tena jñānena vijñāya gatiṃ cāśubhakarmaṇām; tiryagyonigatānāṃ ca vijñāya gatayaḥ pṛthak

Durch dieses Wissen den Weg der Täter unheilvoller Werke erkannt habend und die verschiedenen Wege derer, die in tierische Mutterschöße gegangen sind, erkannt habend –

Wort für Wort
tena jñānena vijñāya
durch dieses Wissen erkannt habend (Instr.; Abs.)
gatiṃ ca aśubhakarmaṇām
und den Weg der Täter unheilvoller Taten (Akk.; Gen.Pl.)
tiryagyonigatānāṃ ca
und derer, die in Tiergebärmütter gegangen sind (Gen.Pl., Kompositum)
vijñāya gatayaḥ pṛthak
erkannt habend die Wege, jeweils verschieden (Abs.; Akk.Pl. [Nom.Pl.?]; Adv.)

gatayaḥ steht formal im Nom./Akk.Pl.; als Objekt zu vijñāya gefasst.

vedavādāṃs tathā citrān ṛtūnāṃ paryayāṃs tathā; kṣayaṃ saṃvatsarāṇāṃ ca māsānāṃ prakṣayaṃ tathā

Und die mannigfaltigen Lehrsätze der Veden, die Wechsel der Jahreszeiten, das Vergehen der Jahre und das Zu-Ende-Gehen der Monate –

Wort für Wort
vedavādāṃs tathā citrān
die Vedalehren, ebenso die mannigfaltigen (Akk.Pl.)
ṛtūnāṃ paryayān tathā
die Wechsel der Jahreszeiten (Gen.Pl.; Akk.Pl.)
kṣayaṃ saṃvatsarāṇāṃ ca
und das Vergehen der Jahre (Akk.; Gen.Pl.)
māsānāṃ prakṣayaṃ tathā
ebenso das Ende der Monate (Gen.Pl.; Akk.)

pakṣakṣayaṃ tathā dṛṣṭvā divasānāṃ ca saṃkṣayam; kṣayaṃ vṛddhiṃ ca candrasya dṛṣṭvā pratyakṣatas tathā

Ebenso das Schwinden der Halbmonate gesehen habend und die Abnahme der Tage, das Abnehmen und Zunehmen des Mondes gesehen habend, ebenso mit eigenen Augen –

Wort für Wort
pakṣakṣayaṃ tathā dṛṣṭvā
ebenso das Schwinden der Halbmonate gesehen habend (Akk.; Abs.)
divasānāṃ ca saṃkṣayam
und das Schwinden der Tage (Gen.Pl.; Akk.)
kṣayaṃ vṛddhiṃ ca candrasya
Abnahme und Zunahme des Mondes (Akk.; Gen.)
dṛṣṭvā pratyakṣataḥ tathā
gesehen habend, unmittelbar vor Augen, ebenso (Abs.; Adv.)

vṛddhiṃ dṛṣṭvā samudrāṇāṃ kṣayaṃ teṣāṃ tathā punaḥ; kṣayaṃ dhanānāṃ ca tathā punar vṛddhiṃ tathaiva ca

Das Steigen der Meere gesehen habend und ebenso wiederum ihr Sinken, das Schwinden des Reichtums und ebenso wieder sein Wachsen –

Wort für Wort
vṛddhiṃ dṛṣṭvā samudrāṇām
das Steigen der Meere gesehen habend (Akk.; Abs.; Gen.Pl.)
kṣayaṃ teṣāṃ tathā punaḥ
und ihr Sinken wiederum (Akk.; Gen.Pl.; Adv.)
kṣayaṃ dhanānāṃ ca
und das Schwinden der Reichtümer (Akk.; Gen.Pl.)
tathā punar vṛddhiṃ tathā eva ca
ebenso wieder das Wachsen, gerade so (Akk.; Adv.)

saṃyogānāṃ kṣayaṃ dṛṣṭvā yugānāṃ ca viśeṣataḥ; kṣayaṃ ca dṛṣṭvā śailānāṃ kṣayaṃ ca saritāṃ tathā

Das Vergehen der Verbindungen gesehen habend und besonders das der Weltzeitalter, und das Vergehen der Berge gesehen habend und ebenso das der Flüsse –

Wort für Wort
saṃyogānāṃ kṣayaṃ dṛṣṭvā
das Vergehen der Verbindungen gesehen habend (Gen.Pl.; Akk.; Abs.)
yugānāṃ ca viśeṣataḥ
und der Weltzeitalter im Besonderen (Gen.Pl.; Adv.)
kṣayaṃ ca dṛṣṭvā śailānām
und das Vergehen der Berge gesehen habend (Akk.; Abs.; Gen.Pl.)
kṣayaṃ ca saritāṃ tathā
und ebenso das der Flüsse (Akk.; Gen.Pl.)

varṇānāṃ ca kṣayaṃ dṛṣṭvā kṣayāntaṃ ca punaḥ punaḥ; jarāmṛtyuṃ tathā janma dṛṣṭvā duḥkhāni caiva ha

Das Vergehen der Stände [Farben] gesehen habend und immer wieder das Ende im Vergehen, Alter, Tod und Geburt gesehen habend und ebenso die Leiden –

Wort für Wort
varṇānāṃ ca kṣayaṃ dṛṣṭvā
und das Vergehen der Stände/Farben gesehen habend (Gen.Pl.; Akk.; Abs.)
kṣayāntaṃ ca punaḥ punaḥ
und das Ende im Vergehen, immer wieder (Akk.; Adv.)
jarāmṛtyuṃ tathā janma
Alter und Tod, ebenso Geburt (Akk.; Akk.)
dṛṣṭvā duḥkhāni ca eva ha
gesehen habend und ja auch die Leiden (Abs.; Akk.Pl.; Partikeln)

varṇānām: alternativ 'Farben'; Sinn unsicher.

dehadoṣāṃs tathā jñātvā teṣāṃ duḥkhaṃ ca tattvataḥ; dehaviklavatāṃ caiva samyag vijñāya bhārata

Und die Mängel des Körpers erkannt habend und deren Leid der Wahrheit nach, und die Hinfälligkeit des Körpers recht erkannt habend, o Bhārata –

Wort für Wort
dehadoṣān tathā jñātvā
und die Mängel des Körpers erkannt habend (Akk.Pl.; Abs.)
teṣāṃ duḥkhaṃ ca tattvataḥ
und deren Leid der Wahrheit nach (Gen.Pl.; Akk.; Adv.)
dehaviklavatāṃ ca eva
und die Schwäche/Verwirrtheit des Körpers (Akk.)
samyag vijñāya bhārata
recht erkannt habend, o Bhārata (Adv.; Abs.; Vok.)

ātmadoṣāṃś ca vijñāya sarvān ātmani saṃśritān; svadehād utthitān gandhāṃs tathā vijñāya cāśubhān

Und alle Mängel des Selbst, die im Selbst ihre Zuflucht genommen haben, erkannt habend, und ebenso die unheilvollen Gerüche, die dem eigenen Körper entsteigen, erkannt habend –

Wort für Wort
ātmadoṣān ca vijñāya
und die Mängel des Selbst erkannt habend (Akk.Pl.; Abs.)
sarvān ātmani saṃśritān
alle, im Selbst verankerten (Akk.Pl.; Lok.; Part.)
svadehād utthitān gandhān
aus dem eigenen Körper aufgestiegene Gerüche (Abl.; Part.; Akk.Pl.)
tathā vijñāya ca aśubhān
ebenso erkannt habend, unheilvolle (Abs.; Akk.Pl.)

mūtraśleṣmapurīṣādīn svedajāṃś ca sukutsitān

Harn, Schleim, Kot und dergleichen, und aus Schweiß Entstehendes, sehr Abscheuliches [erkannt habend].

Wort für Wort
mūtraśleṣmapurīṣādīn
Harn, Schleim, Kot und dergleichen (Akk.Pl., Kompositum)
svedajān ca
und aus Schweiß Geborenes (Akk.Pl.)
sukutsitān
sehr Abscheuliches (Akk.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternchenpassage); Konstruktion setzt vijñāya aus dem Vorvers fort.

yudhiṣṭhira uvāca; kān svagātrodbhavān doṣān paśyasy amitavikrama; etan me saṃśayaṃ kṛtsnaṃ vaktum arhasi tattvataḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Welche aus dem eigenen Leib entstandenen Mängel siehst du, o Unermesslich-Tapferer? Diesen meinen ganzen Zweifel sollst du der Wahrheit nach ausräumen.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kān svagātrodbhavān doṣān
welche aus dem eigenen Leib entstandenen Mängel (Akk.Pl.)
paśyasi amitavikrama
siehst du, o Unermesslich-Tapferer (2.Sg.Präs.; Vok.)
etat me saṃśayaṃ kṛtsnam
diesen meinen Zweifel ganz (Akk.; Gen.; Akk.)
vaktum arhasi tattvataḥ
du sollst [ihn] sagen/darlegen der Wahrheit nach (Inf.; 2.Sg.; Adv.)

bhīṣma uvāca; pañca doṣān prabho dehe pravadanti manīṣiṇaḥ; mārgajñāḥ kāpilāḥ sāṃkhyāḥ śṛṇu tān arisūdana

Bhīṣma sprach: „Fünf Mängel, o Herr, im Körper nennen die Weisen, die Kundigen des Weges, die Kāpilas, die Sāṃkhyas. Höre sie, o Feindebezwinger.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
pañca doṣān prabho dehe
fünf Mängel, o Herr, im Körper (Akk.Pl.; Vok.; Lok.)
pravadanti manīṣiṇaḥ
nennen die Weisen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
mārgajñāḥ kāpilāḥ sāṃkhyāḥ
die Wegkundigen, die Kāpilas, die Sāṃkhyas (Nom.Pl.)
śṛṇu tān arisūdana
höre sie, o Feindevernichter (Imp.; Akk.Pl.; Vok.)

kāmakrodhau bhayaṃ nidrā pañcamaḥ śvāsa ucyate; ete doṣāḥ śarīreṣu dṛśyante sarvadehinām

Verlangen und Zorn, Furcht, Schlaf, und als Fünfter wird der Atem genannt. Diese Mängel werden in den Körpern aller Verkörperten gesehen.

Wort für Wort
kāmakrodhau bhayaṃ nidrā
Verlangen und Zorn, Furcht, Schlaf (Nom.)
pañcamaḥ śvāsa ucyate
als Fünfter wird der Atem genannt (Nom.; Nom.; 3.Sg.Pass.)
ete doṣāḥ śarīreṣu
diese Mängel in den Körpern (Nom.Pl.; Lok.Pl.)
dṛśyante sarvadehinām
werden gesehen bei allen Verkörperten (3.Pl.Pass.; Gen.Pl.)

chindanti kṣamayā krodhaṃ kāmaṃ saṃkalpavarjanāt; sattvasaṃśīlanān nidrām apramādād bhayaṃ tathā; chindanti pañcamaṃ śvāsaṃ laghvāhāratayā nṛpa

Sie schneiden den Zorn ab durch Nachsicht, das Verlangen durch Verzicht auf Absichten [Vorsätze], den Schlaf durch Pflege des Sattva, ebenso die Furcht durch Unachtsamkeitsfreiheit [Wachsamkeit]; den fünften, den Atem, schneiden sie ab durch mäßiges Essen, o König.

Wort für Wort
chindanti kṣamayā krodham
sie schneiden ab den Zorn durch Nachsicht (3.Pl.Präs.; Instr.; Akk.)
kāmaṃ saṃkalpavarjanāt
das Verlangen durch Meiden von Vorsätzen (Akk.; Abl.)
sattvasaṃśīlanān nidrām
den Schlaf durch Einübung des Sattva (Abl.; Akk.)
apramādād bhayaṃ tathā
die Furcht durch Unachtsamkeitslosigkeit (Abl.; Akk.; Adv.)
chindanti pañcamaṃ śvāsam
sie schneiden den fünften, den Atem, ab (3.Pl.; Akk.; Akk.)
laghvāhāratayā nṛpa
durch Leichtigkeit der Nahrung, o König (Instr.; Vok.)

guṇān guṇaśatair jñātvā doṣān doṣaśatair api; hetūn hetuśataiś citraiś citrān vijñāya tattvataḥ

Die Eigenschaften nach hundert Eigenschaften erkannt habend, die Mängel auch nach hundert Mängeln, die Ursachen nach hundert mannigfaltigen Ursachen, [alles] Mannigfaltige der Wahrheit nach erkannt habend –

Wort für Wort
guṇān guṇaśataiḥ jñātvā
die Eigenschaften anhand von hundert Eigenschaften erkannt habend (Akk.Pl.; Instr.Pl.; Abs.)
doṣān doṣaśataiḥ api
die Mängel auch anhand von hundert Mängeln (Akk.Pl.; Instr.Pl.)
hetūn hetuśataiḥ citraiḥ
die Ursachen anhand mannigfaltiger hundert Ursachen (Akk.Pl.; Instr.Pl.)
citrān vijñāya tattvataḥ
das Mannigfaltige erkannt habend der Wahrheit nach (Akk.Pl.; Abs.; Adv.)

apāṃ phenopamaṃ lokaṃ viṣṇor māyāśatair vṛtam; cittabhittipratīkāśaṃ nalasāram anarthakam

Die Welt, dem Schaum des Wassers gleich, von Hunderten von Zaubern [Māyās] Viṣṇus umhüllt, einem Wandbild [Spiegelbild?] ähnlich, ein Schilfrohr ohne Kern, ohne Wert –

Wort für Wort
apāṃ phenopamaṃ lokam
die Welt, dem Wasserschaum gleich (Gen.Pl.; Akk.)
viṣṇor māyāśatair vṛtam
von Hunderten von Zauberkräften Viṣṇus umhüllt (Gen.; Instr.Pl.; Part.)
cittabhittipratīkāśam
dem Bild auf einer Wand [des Geistes] gleichend (Akk., Kompositum)
nalasāram anarthakam
kernlos wie Schilfrohr, nutzlos (Akk.; Akk.)

cittabhitti-: entweder 'Malerei auf der Wand' (citta-bhitti, 'Bildwand') oder 'Wand des Geistes'; unsicher [?].

tamaḥ śvabhranibhaṃ dṛṣṭvā varṣabudbudasaṃnibham; nāśaprāyaṃ sukhād dhīnaṃ nāśottaram abhāvagam; rajas tamasi saṃmagnaṃ paṅke dvipam ivāvaśam

Die Finsternis [Tamas] einer Grube gleich erkannt habend, einer Regenblase ähnlich, meist dem Untergang geweiht, vom Glück verlassen, nach dem Untergang zum Nichtsein gehend, und die Leidenschaft [Rajas] im Tamas versunken wie einen hilflosen Elefanten im Schlamm.

Wort für Wort
tamaḥ śvabhranibham dṛṣṭvā
das Tamas einer Grube gleich gesehen habend (Akk.; Abs.)
varṣabudbudasaṃnibham
einer Regenblase ähnlich (Akk.)
nāśaprāyaṃ sukhād hīnam
dem Untergang nahe, vom Glück verlassen (Akk.; Abl.)
nāśottaram abhāvagam
nach dem Untergang zum Nichtsein gehend (Akk.)
rajaḥ tamasi saṃmagnam
das Rajas im Tamas versunken (Akk.; Lok.; Part.)
paṅke dvipam iva avaśam
wie einen hilflosen Elefanten im Schlamm (Lok.; Akk.; Adv.; Akk.)

Die Bezüge der Akkusative sind locker; Text vermutlich elliptisch.

sāṃkhyā rājan mahāprājñās tyaktvā dehaṃ prajākṛtam; jñānajñeyena sāṃkhyena vyāpinā mahatā nṛpa

Die Sāṃkhyas, o König, die hoch Weisen, das von den Geschöpfen geschaffene [wirkliche?] Körper verlassen habend, mit dem Sāṃkhya, dem Wissen und Wissbares [umfassenden], allgegenwärtigen, großen, o König –

Wort für Wort
sāṃkhyā rājan mahāprājñāḥ
die Sāṃkhyas, o König, die hoch Weisen (Nom.Pl.; Vok.)
tyaktvā dehaṃ prajākṛtam
den Körper verlassen habend, den von den Geschöpfen/durch Zeugung geschaffenen (Abs.; Akk.; Akk.)
jñānajñeyena sāṃkhyena
durch das Sāṃkhya, das Wissen und Wissbares [umfasst] (Instr.)
vyāpinā mahatā nṛpa
das allgegenwärtige, große, o König (Instr.; Instr.; Vok.)

prajākṛtam: 'durch die Geschöpfe/Prajāpati geschaffen' unsicher [?].

rājasān aśubhān gandhāṃs tāmasāṃś ca tathāvidhān; puṇyāṃś ca sāttvikān gandhān sparśajān dehasaṃśritān; chittvāśu jñānaśastreṇa tapodaṇḍena bhārata

Die leidenschaftlichen unheilvollen Gerüche und die ebenso beschaffenen finsteren, und die verdienstvollen, klaren Gerüche, die aus Berührung entstehen und am Körper haften, rasch durchschnitten habend mit dem Schwert des Wissens, mit dem Stab der Askese, o Bhārata –

Wort für Wort
rājasān aśubhān gandhān
die leidenschaftlichen unheilvollen Gerüche (Akk.Pl.)
tāmasān ca tathāvidhān
und die finsteren, ebenso beschaffenen (Akk.Pl.)
puṇyān ca sāttvikān gandhān
und die guten, reinen Gerüche (Akk.Pl.)
sparśajān dehasaṃśritān
berührungsgeborene, am Körper haftende (Akk.Pl.)
chittvā āśu jñānaśastreṇa
rasch durchschnitten habend mit dem Wissenschwert (Abs.; Adv.; Instr.)
tapodaṇḍena bhārata
mit dem Askesestab, o Bhārata (Instr.; Vok.)

tato duḥkhodakaṃ ghoraṃ cintāśokamahāhradam; vyādhimṛtyumahāgrāhaṃ mahābhayamahoragam

Dann [überqueren sie] das schreckliche Wasser des Leids, den großen See von Sorge und Kummer, mit der großen Krokodilgestalt von Krankheit und Tod, mit der großen Schlange der großen Furcht –

Wort für Wort
tataḥ duḥkhodakaṃ ghoram
dann das Leidwasser, das schreckliche (Adv.; Akk.)
cintāśokamahāhradam
den großen See aus Sorge und Kummer (Akk., Kompositum)
vyādhimṛtyumahāgrāham
mit den großen Krokodilen Krankheit und Tod (Akk.)
mahābhayamahoragam
mit der großen Schlange der großen Furcht (Akk.)

Das Prädikat steht in v. 66 (saṃtaranti).

tamaḥkūrmaṃ rajomīnaṃ prajñayā saṃtaranty uta; snehapaṅkaṃ jarādurgaṃ sparśadvīpam ariṃdama

Mit der Schildkröte Tamas, dem Fisch Rajas, überqueren sie [es] durch Erkenntnis: die Lehmmoräste der Zuneigung, die Festung des Alters, die Inseln der Berührung, o Bezwinger der Feinde –

Wort für Wort
tamaḥkūrmaṃ rajomīnam
das Tamas als Schildkröte, das Rajas als Fisch (Akk.)
prajñayā saṃtaranti uta
durch Einsicht überqueren sie fürwahr (Instr.; 3.Pl.Präs.; Part.)
snehapaṅkaṃ jarādurgam
mit dem Schlamm der Zuneigung, der Festung des Alters (Akk.)
sparśadvīpam ariṃdama
mit den Inseln der Berührung, o Feindebezwinger (Akk.; Vok.)

karmāgādhaṃ satyatīraṃ sthitavratam idaṃ nṛpa; hiṃsāśīghramahāvegaṃ nānārasamahākaram

Durch Taten unergründlich, mit dem Ufer der Wahrheit, in festem Gelübde beständig, dieses [Meer], o König, das durch Gewalt gewaltig rasch strömt und dessen große Fundgruben verschiedene Geschmäcke sind –

Wort für Wort
karmāgādhaṃ satyatīram
durch Taten unergründlich, mit dem Ufer der Wahrheit (Akk.)
sthitavratam idaṃ nṛpa
mit festen Gelübden, dieses, o König (Akk.; Vok.)
hiṃsāśīghramahāvegam
mit der großen Strömung reißender Gewalt (Akk.)
nānārasamahākaram
mit den großen Minen verschiedener Geschmäcke/Säfte (Akk.)

Gemeint ist der Saṃsāra als Meer; die Kompositabezüge sind bahuvrīhi-artig und teils unsicher [?].

nānāprītimahāratnaṃ duḥkhajvarasamīraṇam; śokatṛṣṇāmahāvartaṃ tīkṣṇavyādhimahāgajam

Mit den großen Edelsteinen mannigfacher Freude, dem Wind des Leidfiebers, dem großen Strudel aus Kummer und Durst, den großen Elefanten scharfer Krankheiten –

Wort für Wort
nānāprītimahāratnam
mit den großen Juwelen mannigfacher Freuden (Akk.)
duḥkhajvarasamīraṇam
mit dem Wind aus Leidfieber (Akk.)
śokatṛṣṇāmahāvartam
mit dem großen Wirbel aus Kummer und Durst (Akk.)
tīkṣṇavyādhimahāgajam
mit den großen Elefanten scharfer Krankheiten (Akk.)

asthisaṃghātasaṃghāṭaṃ śleṣmaphenam ariṃdama; dānamuktākaraṃ bhīmaṃ śoṇitahradavidrumam

Mit dem Gewirr aus Haufen von Knochen, mit Schleim als Schaum, o Feindebezwinger, mit dem Geben als Perlenfundort, furchtbar, mit den Blutseen als Korallen –

Wort für Wort
asthisaṃghātasaṃghāṭam
mit einem Gefüge aus Knochenhaufen (Akk.)
śleṣmaphenam ariṃdama
mit Schleim als Schaum, o Feindebezwinger (Akk.; Vok.)
dānamuktākaram
mit der Gabe als Perlenmine (Akk.)
bhīmaṃ śoṇitahradavidrumam
furchtbar, mit Blutseen als Korallen (Akk.; Akk.)

hasitotkruṣṭanirghoṣaṃ nānājñānasudustaram; rodanāśrumalakṣāraṃ saṅgatyāgaparāyaṇam

Mit dem Tosen aus Lachen und Aufschreien, durch mannigfaches Wissen sehr schwer zu durchqueren, mit den Tränen des Weinens als Salzlauge, ganz dem Aufgeben der Bindungen zugewandt –

Wort für Wort
hasitotkruṣṭanirghoṣam
mit dem Getöse aus Lachen und Aufschrei (Akk.)
nānājñānasudustaram
durch mannigfaches Wissen sehr schwer durchquerbar (Akk.)
rodanāśrumalakṣāram
mit Weinen, Tränen und Schmutz als Salz(lauge) [?] (Akk.)
saṅgatyāgaparāyaṇam
mit dem Verzicht auf Anhaftung als Ziel (Akk.)

rodanāśrumalakṣāram: Gliederung unsicher [?].

punar ājanmalokaughaṃ putrabāndhavapattanam; ahiṃsāsatyamaryādaṃ prāṇatyāgamahormiṇam

Wieder aus der Geburt an die Flut der Welten, mit dem Untergang von Söhnen und Verwandten, mit Nichtverletzen und Wahrheit als Grenzmarke, mit dem Verlassen der Lebenshauche als großen Wogen –

Wort für Wort
punar ājanmalokaugham
wiederum die Flut der Welten von der Geburt an (Adv.; Akk.)
putrabāndhavapattanam
mit dem Untergang von Söhnen und Verwandten (Akk.)
ahiṃsāsatyamaryādam
mit Gewaltlosigkeit und Wahrheit als Grenze (Akk.)
prāṇatyāgamahormiṇam
mit dem Lassen der Lebenshauche als großen Wellen (Akk.)

punar ājanma-: Lesung unsicher [?].

vedāntagamanadvīpaṃ sarvabhūtadayodadhim; mokṣaduṣprāpaviṣayaṃ vaḍavāmukhasāgaram

Mit dem Gang zum Vedānta als Insel, mit dem Mitgefühl mit allen Wesen als Ozean, mit der schwer zu erreichenden Erlösung als Sinnesziel, mit dem Unterwasserfeuer als Rachen des Meeres –

Wort für Wort
vedāntagamanadvīpam
mit dem Gang zum Vedānta als Insel (Akk.)
sarvabhūtadayodadhim
mit dem Mitleid mit allen Wesen als Wasserbehälter (Akk.)
mokṣaduṣprāpaviṣayam
mit der schwer erreichbaren Erlösung als Gegenstand (Akk.)
vaḍavāmukhasāgaram
das Meer mit dem Rachen des Vaḍavā[-Feuers] (Akk.)

taranti munayaḥ siddhā jñānayogena bhārata; tīrtvā ca dustaraṃ janma viśanti vimalaṃ nabhaḥ

Es überqueren [ihn] die Weisen und Vollendeten durch Wissensyoga, o Bhārata; und die schwer überquerbare Geburt durchquert habend, gehen sie ein in den reinen Himmelsraum.

Wort für Wort
taranti munayaḥ siddhāḥ
es überqueren die Weisen, die Vollendeten (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
jñānayogena bhārata
durch den Wissensyoga, o Bhārata (Instr.; Vok.)
tīrtvā ca dustaraṃ janma
und die schwer überquerbare Geburt überquert habend (Abs.; Akk.)
viśanti vimalaṃ nabhaḥ
sie gehen ein in den fleckenlosen Himmelsraum (3.Pl.; Akk.; Akk.)

tatas tān sukṛtīn sāṃkhyān sūryo vahati raśmibhiḥ; padmatantuvad āviśya pravahan viṣayān nṛpa

Dann trägt die Sonne diese Rechtschaffenen, die Sāṃkhyas, mit ihren Strahlen, o König, indem sie wie in Lotosfasern eindringt und die Sinnesobjekte hinwegführt.

Wort für Wort
tataḥ tān sukṛtīn sāṃkhyān
dann diese Rechtschaffenen, die Sāṃkhyas (Adv.; Akk.Pl.)
sūryaḥ vahati raśmibhiḥ
die Sonne trägt mit den Strahlen (Nom.; 3.Sg.; Instr.Pl.)
padmatantuvad āviśya
wie in Lotosfasern eindringend (Adv.; Abs.)
pravahan viṣayān nṛpa
sie [fort]tragend, die Sinnesobjekte, o König (Part.; Akk.Pl.; Vok.)

viṣayān: Sinn im Kontext unsicher [?].

tatra tān pravaho vāyuḥ pratigṛhṇāti bhārata; vītarāgān yatīn siddhān vīryayuktāṃs tapodhanān

Dort nimmt der Pravaha-Wind sie auf, o Bhārata, die von Leidenschaft Freien, die Asketen, Vollendeten, Kraftbegabten, deren Reichtum die Askese ist.

Wort für Wort
tatra tān pravahaḥ vāyuḥ
dort sie der Pravaha-Wind (Adv.; Akk.Pl.; Nom.; Nom.)
pratigṛhṇāti bhārata
nimmt auf, o Bhārata (3.Sg.Präs.; Vok.)
vītarāgān yatīn siddhān
die Leidenschaftsfreien, die Yatis, die Vollendeten (Akk.Pl.)
vīryayuktān tapodhanān
die kraftbegabten, deren Reichtum Askese ist (Akk.Pl.)

sūkṣmaḥ śītaḥ sugandhī ca sukhasparśaś ca bhārata; saptānāṃ marutāṃ śreṣṭho lokān gacchati yaḥ śubhān; sa tān vahati kaunteya nabhasaḥ paramāṃ gatim

Fein, kühl, wohlriechend und von angenehmer Berührung, o Bhārata, der beste der sieben Winde, der zu den glücklichen Welten geht: er trägt sie, o Sohn der Kuntī, zum höchsten Ziel des Himmelsraums.

Wort für Wort
sūkṣmaḥ śītaḥ sugandhī ca
fein, kühl und wohlriechend (Nom.)
sukhasparśaḥ ca bhārata
und von angenehmer Berührung, o Bhārata (Nom.; Vok.)
saptānāṃ marutāṃ śreṣṭhaḥ
der beste der sieben Winde (Gen.Pl.; Nom.)
lokān gacchati yaḥ śubhān
der zu den glückverheißenden Welten geht (Akk.Pl.; 3.Sg.; Rel.)
saḥ tān vahati kaunteya
er trägt sie, o Sohn der Kuntī (Nom.; Akk.; 3.Sg.; Vok.)
nabhasaḥ paramāṃ gatim
zum höchsten Ziel des Himmelsraums (Gen.; Akk.)

nabho vahati lokeśa rajasaḥ paramāṃ gatim

Der Himmelsraum trägt, o Herr der Welt, zum höchsten Ziel der Leidenschaft [Rajas].

Wort für Wort
nabhaḥ vahati
der Himmelsraum trägt (Nom.; 3.Sg.)
lokeśa
o Herr der Welt (Vok.)
rajasaḥ paramāṃ gatim
zum höchsten Ziel des Rajas (Gen.; Akk.)

Der Vers steht so in der Ausgabe; der Bezug (Himmelsraum trägt zum Ziel des Rajas) ist nur bedingt sinnvoll; vgl. den folgenden Zusatzvers [?].

tamo vahati rājendra rajasaḥ paramāṃ gatim

Das Tamas trägt, o König der Könige, zum höchsten Ziel der Leidenschaft [Rajas].

Wort für Wort
tamaḥ vahati
das Tamas trägt (Nom.; 3.Sg.)
rājendra
o Herr der Könige (Vok.)
rajasaḥ paramāṃ gatim
zum höchsten Ziel des Rajas (Gen.; Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternchenpassage); Aussage in der Reihe unstimmig, vermutlich verderbt [?].

rajo vahati rājendra sattvasya paramāṃ gatim

Das Rajas trägt, o König der Könige, zum höchsten Ziel des Sattva.

Wort für Wort
rajaḥ vahati
das Rajas trägt (Nom.; 3.Sg.)
rājendra
o Herr der Könige (Vok.)
sattvasya paramāṃ gatim
zum höchsten Ziel des Sattva (Gen.; Akk.)

sattvaṃ vahati śuddhātman paraṃ nārāyaṇaṃ prabhum; prabhur vahati śuddhātmā paramātmānam ātmanā

Das Sattva trägt, o Reinselbstiger, zum höchsten Herrn Nārāyaṇa; der Herr, der Reinselbstige, trägt durch das Selbst zum höchsten Selbst.

Wort für Wort
sattvaṃ vahati śuddhātman
das Sattva trägt, o Reinselbstiger (Nom.; 3.Sg.; Vok.)
paraṃ nārāyaṇaṃ prabhum
zum höchsten Nārāyaṇa, dem Herrn (Akk.)
prabhuḥ vahati śuddhātmā
der Herr trägt, der Reinselbstige (Nom.; 3.Sg.; Nom.)
paramātmānam ātmanā
zum höchsten Selbst durch das Selbst (Akk.; Instr.)

paramātmānam āsādya tadbhūtāyatanāmalāḥ; amṛtatvāya kalpante na nivartanti cābhibho; paramā sā gatiḥ pārtha nirdvaṃdvānāṃ mahātmanām

Haben sie das höchste Selbst erreicht, so werden sie, rein in ihren Wohnstätten, die dazu [zu jenem] geworden sind[?], tauglich zur Unsterblichkeit und kehren nicht zurück, o Gewaltiger. Das ist das höchste Ziel, Pārtha, der von den Gegensatzpaaren freien Großgesinnten.

Wort für Wort
paramātmānam āsādya
das höchste Selbst erreicht habend (Akk.Sg., Absolutiv)
tadbhūtāyatanāmalāḥ
rein in der Stätte, die jenes geworden ist[?] (Kompositum, Nom.Pl.m.)
amṛtatvāya kalpante
werden tauglich zur Unsterblichkeit (Dat.Sg.; 3.Pl.Med.Präs.)
na nivartanti ca abhibho
und kehren nicht zurück, o Gewaltiger (3.Pl.Präs.; Vok.Sg.)
paramā sā gatiḥ pārtha
das ist das höchste Ziel, Pārtha (Nom.Sg.f.; Vok.)
nirdvaṃdvānāṃ mahātmanām
der von Gegensatzpaaren Freien, der Großgesinnten (Gen.Pl.)

Die Wiedergabe von tadbhūtāyatanāmalāḥ ist unsicher.

satyārjavaratānāṃ vai sarvabhūtadayāvatām

[Zusatzstrophe:] der an Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit Hängenden, die allen Wesen Mitleid entgegenbringen.

Wort für Wort
satyārjavaratānāṃ
an Wahrheit und Geradheit Hängender (Gen.Pl.)
vai
fürwahr (Partikel)
sarvabhūtadayāvatām
mit Mitgefühl für alle Wesen Begabter (Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

yudhiṣṭhira uvāca; sthānam uttamam āsādya bhagavantaṃ sthiravratāḥ; ājanmamaraṇaṃ vā te smaranty uta na vānagha

Yudhiṣṭhira sprach: Haben sie die höchste Stätte erreicht, [sind] sie in festen Gelübden dem Erhabenen [zugewandt] – erinnern sie sich dann, o Sündloser, ihr Leben lang bis zum Tod, oder nicht?

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
sthānam uttamam āsādya
die höchste Stätte erreicht habend (Akk.Sg.n., Absolutiv)
bhagavantaṃ sthiravratāḥ
den Erhabenen [betreffend], fest in ihren Gelübden (Akk.Sg.; Nom.Pl.)
ājanmamaraṇaṃ vā te smaranty
bis zu Geburt und Tod (?) oder erinnern sie sich (Adv.; 3.Pl.Präs.)[?]
uta na vā anagha
oder nicht, o Sündloser (Partikeln; Vok.Sg.)

Der Vers ist syntaktisch knapp; ājanmamaraṇam ist als „lebenslang bis zum Tod“ gefasst, unsicher.

yad atra tathyaṃ tan me tvaṃ yathāvad vaktum arhasi; tvad ṛte mānavaṃ nānyaṃ praṣṭum arhāmi kaurava

Was hierin die Wahrheit ist, das musst du mir der Sache gemäß sagen; außer dir kann ich keinen anderen Menschen fragen, o Kaurava.

Wort für Wort
yad atra tathyaṃ tan me
was hierin wahr ist, das mir (Nom.Sg.n.; Dat./Gen.Sg.)
tvaṃ yathāvad vaktum arhasi
du sollst es der Sache gemäß sagen (2.Sg.Präs.; Inf.)
tvad ṛte mānavaṃ na anyaṃ
außer dir keinen anderen Menschen (Abl.; Akk.Sg.)
praṣṭum arhāmi kaurava
ich darf/kann fragen, o Kaurava (Inf.; 1.Sg.Präs.; Vok.)

mokṣadoṣo mahān eṣa prāpya siddhiṃ gatān ṛṣīn; yadi tatraiva vijñāne vartante yatayaḥ pare

Ein großer Fehler dieser Erlösung [ist es doch], wenn die Weisen, nachdem sie zu den Vollendeten und Sehern gelangt sind, bei eben jener [bloßen] Erkenntnis verharren, die anderen Asketen [erreichen sollen][?].

Wort für Wort
mokṣadoṣo mahān eṣa
ein großer Fehler der Erlösung ist dies (Nom.Sg.m.)
prāpya siddhiṃ gatān ṛṣīn
nachdem sie Vollendung erlangt haben, zu den gegangenen Sehern (Absolutiv; Akk.Pl.)[?]
yadi tatraiva vijñāne
wenn eben in jener Erkenntnis (Lok.Sg.n.)
vartante yatayaḥ pare
verharren [die] anderen Asketen (3.Pl.Med.Präs.; Nom.Pl.)

Der Vers ist syntaktisch schwierig; die Konstruktion von prāpya siddhiṃ gatān ṛṣīn ist unsicher.

pravṛttilakṣaṇaṃ dharmaṃ paśyāmi paramaṃ nṛpa; magnasya hi pare jñāne kiṃ nu duḥkhataraṃ bhavet

Ich sehe, o König, die auf Tätigkeit gerichtete Pflicht als die höchste; denn was könnte für einen, der in die höchste Erkenntnis versunken ist, schmerzlicher sein?

Wort für Wort
pravṛttilakṣaṇaṃ dharmaṃ
die durch Tätigkeit gekennzeichnete Pflicht (Akk.Sg.m.)
paśyāmi paramaṃ nṛpa
ich sehe als höchste, o König (1.Sg.Präs.; Vok.)
magnasya hi pare jñāne
denn für den in die höchste Erkenntnis Versunkenen (Gen.Sg.; Lok.Sg.)
kiṃ nu duḥkhataraṃ bhavet
was wäre wohl schmerzlicher (Nom.; Komp.; 3.Sg.Opt.)

bhīṣma uvāca; yathānyāyaṃ tvayā tāta praśnaḥ pṛṣṭaḥ susaṃkaṭaḥ; buddhānām api saṃmohaḥ praśne 'smin bharatarṣabha; atrāpi tattvaṃ paramaṃ śṛṇu samyaṅ mayeritam

Bhīṣma sprach: Wie es sich gehört, mein Lieber, hast du diese sehr schwierige Frage gestellt; selbst Erleuchtete geraten bei dieser Frage in Verwirrung, o Stier der Bharatas. Auch hierzu höre nun die höchste Wahrheit, von mir recht dargelegt.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca yathānyāyaṃ
Bhīṣma sprach: wie es sich gehört (Perf.3.Sg.; Adv.)
tvayā tāta praśnaḥ pṛṣṭaḥ susaṃkaṭaḥ
von dir, Lieber, wurde die überaus heikle Frage gestellt (Instr.; Nom.Sg.; Part.Pass.)
buddhānām api saṃmohaḥ
selbst bei Erleuchteten Verwirrung (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
praśne 'smin bharatarṣabha
bei dieser Frage, Stier der Bharatas (Lok.Sg.; Vok.)
atrāpi tattvaṃ paramaṃ śṛṇu
auch hierzu höre die höchste Wahrheit (Imp.2.Sg.)
samyaṅ mayā īritam
von mir recht verkündet (Instr.; Part.Pass.)

buddhiś ca paramā yatra kāpilānāṃ mahātmanām; indriyāṇy api budhyante svadehaṃ dehino nṛpa; kāraṇāny ātmanas tāni sūkṣmaḥ paśyati tais tu saḥ

Wo die höchste Erkenntnis der großgesinnten Kāpilas [liegt]: Auch die Sinne erkennen den eigenen Körper der Verkörperten, o König; sie sind Werkzeuge des Selbst, doch der Feine [das Selbst] sieht durch sie.

Wort für Wort
buddhiś ca paramā yatra
und die höchste Einsicht, wo (Nom.Sg.f.; Adv.)
kāpilānāṃ mahātmanām
der großgesinnten Kāpilas (Gen.Pl.)
indriyāṇy api budhyante
auch die Sinne erkennen (Nom.Pl.n.; 3.Pl.Med.Präs.)
svadehaṃ dehino nṛpa
den eigenen Körper des Verkörperten, o König (Akk.Sg.; Gen.Sg.; Vok.)
kāraṇāny ātmanas tāni
jene sind Werkzeuge des Selbst (Nom.Pl.n.; Gen.Sg.)
sūkṣmaḥ paśyati tais tu saḥ
der Feine aber sieht durch sie (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Instr.Pl.)

ātmanā viprahīṇāni kāṣṭhakuḍyasamāni tu; vinaśyanti na saṃdehaḥ phenā iva mahārṇave

Von dem Selbst verlassen, gleichen sie Holz und Mauerwerk: Sie vergehen ohne Zweifel wie Schaum im großen Meer.

Wort für Wort
ātmanā viprahīṇāni
vom Selbst verlassen (Instr.Sg.; Part.Pass.Nom.Pl.n.)
kāṣṭhakuḍyasamāni tu
aber Holz und Wand gleich (Nom.Pl.n.)
vinaśyanti na saṃdehaḥ
sie gehen zugrunde, kein Zweifel (3.Pl.Präs.; Nom.Sg.)
phenā iva mahārṇave
wie Schaumblasen im großen Ozean (Nom.Pl.; Lok.Sg.)

indriyaiḥ saha suptasya dehinaḥ śatrutāpana; sūkṣmaś carati sarvatra nabhasīva samīraṇaḥ

Wenn der Verkörperte mitsamt den Sinnen schläft, o Bezwinger der Feinde, wandert das Feine überall umher wie der Wind im Luftraum.

Wort für Wort
indriyaiḥ saha suptasya
mit den Sinnen schlafend (Instr.Pl.; Part.Gen.Sg.)
dehinaḥ śatrutāpana
des Verkörperten, o Feindebedränger (Gen.Sg.; Vok.)
sūkṣmaś carati sarvatra
das Feine wandert überallhin (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Adv.)
nabhasīva samīraṇaḥ
wie der Wind am Himmel (Lok.Sg.; Nom.Sg.)

sa paśyati yathānyāyaṃ sparśān spṛśati cābhibho; budhyamāno yathāpūrvam akhileneha bhārata

Es sieht, wie es sich gehört, und berührt Berührbares, o Gewaltiger, indem es wie zuvor vollständig erwacht, hier, o Bhārata.

Wort für Wort
sa paśyati yathānyāyaṃ
er sieht, wie es sich gehört (3.Sg.Präs.; Adv.)
sparśān spṛśati ca abhibho
und berührt Berührungen, o Gewaltiger (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.; Vok.)
budhyamāno yathāpūrvam
erwachend wie zuvor (Part.Med.Nom.Sg.; Adv.)
akhilena iha bhārata
vollständig hier, o Bhārata (Instr.Sg.n.; Adv.; Vok.)

indriyāṇīha sarvāṇi sve sve sthāne yathāvidhi; anīśatvāt pralīyante sarpā hataviṣā iva

Alle Sinne hier lösen sich, jeder an seinem Ort, der Ordnung gemäß, auf, weil sie nicht Herr [ihrer selbst] sind, wie Schlangen, denen das Gift genommen ist.

Wort für Wort
indriyāṇi iha sarvāṇi
alle Sinne hier (Nom.Pl.n.)
sve sve sthāne yathāvidhi
jeweils an ihrem Ort, regelgemäß (Lok.Sg.; Adv.)
anīśatvāt pralīyante
aus Nicht-Herrschaft-Sein lösen sie sich auf (Abl.Sg.; 3.Pl.Med.Präs.)
sarpā hataviṣā iva
wie Schlangen, deren Gift getötet ist (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)

indriyāṇāṃ tu sarveṣāṃ svasthāneṣv eva sarvaśaḥ; ākramya gatayaḥ sūkṣmāś caraty ātmā na saṃśayaḥ

Das Selbst aber wandert, ohne Zweifel, feinen Ganges, über sämtliche Sinne in ihren eigenen Sitzen allenthalben hinausgreifend.

Wort für Wort
indriyāṇāṃ tu sarveṣāṃ
aller Sinne aber (Gen.Pl.n.)
svasthāneṣv eva sarvaśaḥ
eben in ihren eigenen Sitzen, überall (Lok.Pl.; Adv.)
ākramya gatayaḥ sūkṣmāś
[sie] überschreitend, feine Gänge [habend] (Absolutiv; Nom.Pl.f.)[?]
caraty ātmā na saṃśayaḥ
wandert das Selbst, kein Zweifel (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.m.)

Die Verbindung von gatayaḥ sūkṣmāḥ mit ātmā ist grammatisch unsicher (Pl. gegen Sg.).

sattvasya ca guṇān kṛtsnān rajasaś ca guṇān punaḥ; guṇāṃś ca tamasaḥ sarvān guṇān buddheś ca bhārata

Alle Eigenschaften der Reinheit (sattva) und wiederum die Eigenschaften der Leidenschaft (rajas), alle Eigenschaften der Finsternis (tamas) und die Eigenschaften der Einsicht, o Bhārata,

Wort für Wort
sattvasya ca guṇān kṛtsnān
und die gesamten Eigenschaften des sattva (Gen.Sg.; Akk.Pl.)
rajasaś ca guṇān punaḥ
und wiederum die Eigenschaften des rajas (Gen.Sg.; Akk.Pl.)
guṇāṃś ca tamasaḥ sarvān
und alle Eigenschaften des tamas (Akk.Pl.; Gen.Sg.)
guṇān buddheś ca bhārata
und die Eigenschaften der Einsicht, Bhārata (Akk.Pl.; Gen.Sg.; Vok.)

Der Satz setzt sich in den Versen 95 und 96 fort.

guṇāṃś ca manasas tadvan nabhasaś ca guṇāṃs tathā; guṇān vāyoś ca dharmātmaṃs tejasaś ca guṇān punaḥ

und ebenso die Eigenschaften des Denkorgans (manas) und die Eigenschaften des Raums (nabhas), die Eigenschaften des Windes, o Rechtschaffener, und wiederum die Eigenschaften des Feuers,

Wort für Wort
guṇāṃś ca manasas tadvat
und die Eigenschaften des manas ebenso (Akk.Pl.; Gen.Sg.; Adv.)
nabhasaś ca guṇāṃs tathā
und die des Raumes, ebenso (Gen.Sg.; Akk.Pl.)
guṇān vāyoś ca dharmātman
und die Eigenschaften des Windes, o Rechtschaffener (Akk.Pl.; Gen.Sg.; Vok.)
tejasaś ca guṇān punaḥ
und wiederum die des Feuers (Gen.Sg.; Akk.Pl.)

apāṃ guṇāṃs tathā pārtha pārthivāṃś ca guṇān api; sarvātmanā guṇair vyāpya kṣetrajñaḥ sa yudhiṣṭhira

der Wasser und ebenso, Pārtha, auch die der Erde: durchdringt er mit seinem ganzen Wesen durch die Eigenschaften, der Kṣetrajña [Feldkenner], o Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
apāṃ guṇāṃs tathā pārtha
die Eigenschaften der Wasser ebenso, Pārtha (Gen.Pl.; Akk.Pl.; Vok.)
pārthivāṃś ca guṇān api
und auch die irdischen Eigenschaften (Akk.Pl.)
sarvātmanā guṇair vyāpya
mit ganzem Wesen, durch die Eigenschaften durchdringend (Instr.Sg.; Instr.Pl.; Absolutiv)
kṣetrajñaḥ sa yudhiṣṭhira
der Kṣetrajña ist er, Yudhiṣṭhira (Nom.Sg.; Vok.)

ātmā ca yāti kṣetrajñaṃ karmaṇī ca śubhāśubhe; śiṣyā iva mahātmānam indriyāṇi ca taṃ vibho

Und das Selbst geht zum Kṣetrajña, ebenso die guten und schlechten Taten; und wie Schüler zum großen Selbst, o Mächtiger, gehen ihm auch die Sinne [nach].

Wort für Wort
ātmā ca yāti kṣetrajñaṃ
und das Selbst geht zum Kṣetrajña (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
karmaṇī ca śubhāśubhe
und die beiden Taten, gute und schlechte (Nom.Du.n.)
śiṣyā iva mahātmānam
wie Schüler zum Großgesinnten (Nom.Pl.; Akk.Sg.)
indriyāṇi ca taṃ vibho
und die Sinne zu ihm, o Mächtiger (Nom.Pl.; Akk.Sg.; Vok.)

prakṛtiṃ cāpy atikramya gacchaty ātmānam avyayam; paraṃ nārāyaṇātmānaṃ nirdvaṃdvaṃ prakṛteḥ param

Auch die Urnatur (prakṛti) überschreitend, gelangt er zum unvergänglichen Selbst, zum höchsten Nārāyaṇa-Selbst, dem gegensatzlosen, jenseits der Urnatur.

Wort für Wort
prakṛtiṃ ca api atikramya
und auch die Prakṛti überschreitend (Akk.Sg.; Absolutiv)
gacchaty ātmānam avyayam
geht er zum unvergänglichen Selbst (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
paraṃ nārāyaṇātmānaṃ
zum höchsten Nārāyaṇa-Selbst (Akk.Sg.)
nirdvaṃdvaṃ prakṛteḥ param
gegensatzlos, jenseits der Prakṛti (Akk.Sg.; Abl.Sg.)

vimuktaḥ puṇyapāpebhyaḥ praviṣṭas tam anāmayam; paramātmānam aguṇaṃ na nivartati bhārata

Von Verdienst und Sünde befreit, in jenes Leidlose eingegangen, kehrt er zum höchsten, eigenschaftslosen Selbst, o Bhārata, nicht mehr zurück.

Wort für Wort
vimuktaḥ puṇyapāpebhyaḥ
befreit von Verdienst und Sünde (Part.Nom.Sg.; Abl.Pl.)
praviṣṭas tam anāmayam
eingegangen in jenes Leidlose (Part.Nom.Sg.; Akk.Sg.)
paramātmānam aguṇaṃ
das höchste Selbst, eigenschaftslos (Akk.Sg.)
na nivartati bhārata
kehrt nicht zurück, o Bhārata (3.Sg.Präs.; Vok.)

śiṣṭaṃ tv atra manas tāta indriyāṇi ca bhārata; āgacchanti yathākālaṃ guroḥ saṃdeśakāriṇaḥ

Was hierbei übrig bleibt, mein Lieber, sind das Denkorgan und die Sinne, o Bhārata; sie kommen zu gegebener Zeit wie Diener, die den Auftrag des Lehrers ausführen.

Wort für Wort
śiṣṭaṃ tv atra manas tāta
übrig bleibt hier das manas, Lieber (Part.Nom.Sg.n.; Vok.)
indriyāṇi ca bhārata
und die Sinne, Bhārata (Nom.Pl.)
āgacchanti yathākālaṃ
kommen zur rechten Zeit (3.Pl.Präs.; Adv.)
guroḥ saṃdeśakāriṇaḥ
Ausführer des Auftrags des Lehrers (Gen.Sg.; Nom.Pl.)

śakyaṃ cālpena kālena śāntiṃ prāptuṃ guṇārthinā; evaṃ yuktena kaunteya yuktajñānena mokṣiṇā

Und in kurzer Zeit kann der, der die Eigenschaften anstrebt, den Frieden erlangen; so, o Kaunteya, [gelingt es] dem Gesammelten, dem Erlösungsstrebenden, der Erkenntnis in Sammlung besitzt.

Wort für Wort
śakyaṃ ca alpena kālena
und möglich in kurzer Zeit (Adj.Nom.Sg.n.; Instr.Sg.)
śāntiṃ prāptuṃ guṇārthinā
Frieden zu erlangen für den, der Eigenschaften erstrebt (Akk.Sg.; Inf.; Instr.Sg.)[?]
evaṃ yuktena kaunteya
so für den Gesammelten, Kaunteya (Instr.Sg.; Vok.)
yuktajñānena mokṣiṇā
für den Erlösungsstrebenden mit gesammelter Erkenntnis (Instr.Sg.)

guṇārthinā ist unsicher; die Konstruktion mit Instrumentalis (statt Dativ) als Agens-Konstruktion aufgefasst.

sāṃkhyā rājan mahāprājñā gacchanti paramāṃ gatim; jñānenānena kaunteya tulyaṃ jñānaṃ na vidyate

Die Sāṃkhyas, o König, die hoch Weisen, gelangen zum höchsten Ziel; mit dieser Erkenntnis, Kaunteya, ist keine andere Erkenntnis vergleichbar.

Wort für Wort
sāṃkhyā rājan mahāprājñā
die Sāṃkhyas, König, die sehr Weisen (Nom.Pl.; Vok.)
gacchanti paramāṃ gatim
gehen zum höchsten Ziel (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.)
jñānena anena kaunteya
durch diese Erkenntnis, Kaunteya (Instr.Sg.; Vok.)
tulyaṃ jñānaṃ na vidyate
gleiche Erkenntnis gibt es nicht (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)

atra te saṃśayo mā bhūj jñānaṃ sāṃkhyaṃ paraṃ matam; akṣaraṃ dhruvam avyaktaṃ pūrvaṃ brahma sanātanam

Hierüber soll dir kein Zweifel sein: Die Sāṃkhya-Erkenntnis gilt als die höchste. [Sie betrifft] das Unvergängliche, Feste, Unmanifeste, das frühere, ewige Brahman,

Wort für Wort
atra te saṃśayo mā bhūj
hierüber soll dir kein Zweifel sein (Nom.Sg.; Aorist-Injunktiv 3.Sg.)
jñānaṃ sāṃkhyaṃ paraṃ matam
die Sāṃkhya-Erkenntnis gilt als die höchste (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
akṣaraṃ dhruvam avyaktaṃ
das Unvergängliche, Feste, Unmanifeste (Akk./Nom.Sg.n.)
pūrvaṃ brahma sanātanam
das frühere, ewige Brahman (Nom.Sg.n.)

anādimadhyanidhanaṃ nirdvaṃdvaṃ kartṛ śāśvatam; kūṭasthaṃ caiva nityaṃ ca yad vadanti śamātmakāḥ

ohne Anfang, Mitte und Ende, gegensatzlos, als Wirkendes, ewig, unwandelbar-feststehend und beständig – so nennen es die Friedfertigen,

Wort für Wort
anādimadhyanidhanaṃ
ohne Anfang, Mitte und Ende (Bahuvrīhi, Nom.Sg.n.)
nirdvaṃdvaṃ kartṛ śāśvatam
gegensatzlos, wirkend, ewig (Nom.Sg.n.)
kūṭasthaṃ caiva nityaṃ ca
und unwandelbar und beständig (Nom.Sg.n.)
yad vadanti śamātmakāḥ
was die Friedfertigen nennen (Rel.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

yataḥ sarvāḥ pravartante sargapralayavikriyāḥ; yac ca śaṃsanti śāstreṣu vadanti paramarṣayaḥ

woraus alle Wandlungen von Schöpfung und Auflösung hervorgehen und was die höchsten Seher in den Lehrschriften rühmen und benennen,

Wort für Wort
yataḥ sarvāḥ pravartante
woraus alle hervorgehen (Adv.; 3.Pl.Med.Präs.)
sargapralayavikriyāḥ
Wandlungen von Schöpfung und Auflösung (Nom.Pl.f.)
yac ca śaṃsanti śāstreṣu
und was sie preisen in den Lehrschriften (3.Pl.Präs.; Lok.Pl.)
vadanti paramarṣayaḥ
es nennen die höchsten Seher (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

sarve viprāś ca devāś ca tathāgamavido janāḥ; brahmaṇyaṃ paramaṃ devam anantaṃ parato 'cyutam

alle Brahmanen und Götter und ebenso die Kenner der Überlieferung: den Brahmanen Zugewandten, den höchsten Gott, den Unendlichen, jenseits Stehenden, Unvergänglichen –

Wort für Wort
sarve viprāś ca devāś ca
alle Brahmanen und Götter (Nom.Pl.)
tathāgamavido janāḥ
ebenso die Menschen, die die Überlieferung kennen (Nom.Pl.)
brahmaṇyaṃ paramaṃ devam
den Brahmanenfreundlichen, den höchsten Gott (Akk.Sg.)
anantaṃ parato 'cyutam
den Unendlichen, jenseits [von allem], Nicht-Fallenden (Akk.Sg.; Adv.)

prārthayantaś ca taṃ viprā vadanti guṇabuddhayaḥ; samyag yuktās tathā yogāḥ sāṃkhyāś cāmitadarśanāḥ

ihn erstreben die Brahmanen, die auf die Eigenschaften Bedachten, und sprechen [von ihm]; recht gesammelt sind ebenso die Yogins und die Sāṃkhyas von unermesslicher Einsicht.

Wort für Wort
prārthayantaś ca taṃ viprā
und ihn erstrebend, die Brahmanen (Part.Nom.Pl.; Akk.Sg.)
vadanti guṇabuddhayaḥ
sie sprechen, an die Eigenschaften Denkende (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
samyag yuktās tathā yogāḥ
recht gesammelt, ebenso die Yogas (Part.Nom.Pl.; Nom.Pl.)[?]
sāṃkhyāś ca amitadarśanāḥ
und die Sāṃkhyas von unermesslicher Sicht (Nom.Pl.)

Der Vers ist in der Bezugsstruktur unsicher; yogāḥ evtl. als „die Yoga-Anhänger“ zu verstehen.

amūrtes tasya kaunteya sāṃkhyaṃ mūrtir iti śrutiḥ; abhijñānāni tasyāhur mataṃ hi bharatarṣabha

Für den Gestaltlosen, Kaunteya, gilt nach der Überlieferung das Sāṃkhya als Gestalt; man nennt Erkennungszeichen von ihm – so ist die Lehre, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
amūrtes tasya kaunteya
von jenem Gestaltlosen, Kaunteya (Gen.Sg.; Vok.)
sāṃkhyaṃ mūrtir iti śrutiḥ
das Sāṃkhya ist [seine] Gestalt, so die Überlieferung (Nom.Sg.; Nom.Sg.f.)
abhijñānāni tasya āhur
Erkennungszeichen von ihm nennen sie (Akk.Pl.; 3.Pl.Perf.)
mataṃ hi bharatarṣabha
denn [das ist] die Lehrmeinung, Stier der Bharatas (Nom.Sg.n.; Vok.)

dvividhānīha bhūtāni pṛthivyāṃ pṛthivīpate; jaṅgamāgamasaṃjñāni jaṅgamaṃ tu viśiṣyate

Zweierlei Wesen gibt es hier auf der Erde, o Herr der Erde: solche, die „bewegend“ und solche, die „nicht bewegend“ heißen; das Bewegende aber ist das Vorzüglichere.

Wort für Wort
dvividhāni iha bhūtāni
zweierlei Wesen hier (Nom.Pl.n.)
pṛthivyāṃ pṛthivīpate
auf der Erde, o Erdherr (Lok.Sg.; Vok.)
jaṅgamāgamasaṃjñāni
„bewegend“ und „nicht-bewegend“ genannt (Nom.Pl.n.)
jaṅgamaṃ tu viśiṣyate
das Bewegende aber ist ausgezeichnet (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)

jñānaṃ mahad yad dhi mahatsu rājan; vedeṣu sāṃkhyeṣu tathaiva yoge; yac cāpi dṛṣṭaṃ vividhaṃ purāṇaṃ; sāṃkhyāgataṃ tan nikhilaṃ narendra

Die große Erkenntnis, die [es] bei den Großen, o König, in den Veden, im Sāṃkhya und ebenso im Yoga [gibt], und was auch immer an vielfältigem Alten [Purāṇa] gesehen wird – all das ist aus dem Sāṃkhya hervorgegangen, o Herr der Menschen.

Wort für Wort
jñānaṃ mahad yad dhi mahatsu rājan
die große Erkenntnis, die bei den Großen, König (Nom.Sg.n.; Lok.Pl.; Vok.)
vedeṣu sāṃkhyeṣu tathaiva yoge
in Veden, in Sāṃkhya-Lehren, ebenso im Yoga (Lok.)
yac cāpi dṛṣṭaṃ vividhaṃ purāṇaṃ
und was auch gesehen wird, das vielfältige Alte (Part.Pass.; Nom.Sg.n.)
sāṃkhyāgataṃ tan nikhilaṃ narendra
aus dem Sāṃkhya gekommen ist das alles, Menschenherr (Part.Nom.Sg.n.; Vok.)

yac cetihāseṣu mahatsu dṛṣṭaṃ; yac cārthaśāstre nṛpa śiṣṭajuṣṭe; jñānaṃ ca loke yad ihāsti kiṃ cit; sāṃkhyāgataṃ tac ca mahan mahātman

Und was in den großen Itihāsas gesehen wird und in der Nutzenlehre (arthaśāstra), o König, die von Guten gepflegt wird, und was es hier in der Welt an Wissen irgend gibt – das ist aus dem Sāṃkhya gekommen und groß, o Großgesinnter.

Wort für Wort
yac ca itihāseṣu mahatsu dṛṣṭaṃ
und was in den großen Itihāsas gesehen wird (Lok.Pl.; Part.)
yac ca arthaśāstre nṛpa śiṣṭajuṣṭe
und was in der Nutzenlehre, o König, von Guten gepflegt (Lok.Sg.; Vok.)
jñānaṃ ca loke yad ihāsti kiṃ cit
und Wissen, das es hier in der Welt irgend gibt (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)
sāṃkhyāgataṃ tac ca mahan mahātman
aus dem Sāṃkhya, das ist groß, o Großgesinnter (Part.; Nom.Sg.n.; Vok.)

śamaś ca dṛṣṭaḥ paramaṃ balaṃ ca; jñānaṃ ca sūkṣmaṃ ca yathāvad uktam; tapāṃsi sūkṣmāṇi sukhāni caiva; sāṃkhye yathāvad vihitāni rājan

Besonnenheit ist gesehen und höchste Kraft, und feines Wissen ist der Wahrheit gemäß gelehrt; feine Bußübungen und Freuden sind, o König, im Sāṃkhya der Ordnung gemäß bestimmt.

Wort für Wort
śamaś ca dṛṣṭaḥ paramaṃ balaṃ ca
Gelassenheit ist gesehen und höchste Kraft (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
jñānaṃ ca sūkṣmaṃ ca yathāvad uktam
und feines Wissen ist recht gesagt (Part.Pass.Nom.Sg.n.)
tapāṃsi sūkṣmāṇi sukhāni caiva
feine Bußübungen und Freuden (Nom.Pl.n.)
sāṃkhye yathāvad vihitāni rājan
im Sāṃkhya recht festgesetzt, o König (Lok.Sg.; Part.Pass.; Vok.)

viparyaye tasya hi pārtha devān; gacchanti sāṃkhyāḥ satataṃ sukhena; tāṃś cānusaṃcārya tataḥ kṛtārthāḥ; patanti vipreṣu yateṣu bhūyaḥ

Bei Abweichung davon, Pārtha, gehen die Sāṃkhyas stets leicht zu den Göttern; und nachdem sie diese durchwandert haben, fallen sie, ihr Ziel erreicht, wieder unter die Brahmanen und Asketen.

Wort für Wort
viparyaye tasya hi pārtha devān
bei Umkehr/Abweichung davon, Pārtha, zu den Göttern (Lok.Sg.; Vok.; Akk.Pl.)
gacchanti sāṃkhyāḥ satataṃ sukhena
gehen die Sāṃkhyas stets leicht (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.; Instr.Sg.)
tāṃś ca anusaṃcārya tataḥ kṛtārthāḥ
und sie durchwandert habend, dann zielerfüllt (Absolutiv; Nom.Pl.)
patanti vipreṣu yateṣu bhūyaḥ
fallen [sie] wieder unter Brahmanen, unter Asketen (3.Pl.Präs.; Lok.Pl.)

viparyaye tasya ist unsicher (Bezug von tasya).

hitvā ca dehaṃ praviśanti mokṣaṃ; divaukaso dyām iva pārtha sāṃkhyāḥ; tato 'dhikaṃ te 'bhiratā mahārhe; sāṃkhye dvijāḥ pārthiva śiṣṭajuṣṭe

Und den Körper verlassend, gehen die Sāṃkhyas in die Erlösung ein, wie Himmelsbewohner in den Himmel, Pārtha; darüber hinaus sind die Zweimalgeborenen, o König, dem wertvollen, von Guten gepflegten Sāṃkhya ergeben.

Wort für Wort
hitvā ca dehaṃ praviśanti mokṣaṃ
und den Körper verlassend, gehen sie ein in die Erlösung (Absolutiv; 3.Pl.Präs.; Akk.Sg.)
divaukaso dyām iva pārtha sāṃkhyāḥ
wie Himmelsbewohner in den Himmel, Pārtha, die Sāṃkhyas (Nom.Pl.; Akk.Sg.; Vok.)
tato 'dhikaṃ te 'bhiratā
darüber hinaus sind sie ergeben (Adv.; Nom.Pl.; Part.)
mahārhe sāṃkhye dvijāḥ pārthiva śiṣṭajuṣṭe
dem kostbaren Sāṃkhya, die Zweimalgeborenen, König, von Guten gepflegt (Lok.Sg.; Nom.Pl.; Vok.)

teṣāṃ na tiryag gamanaṃ hi dṛṣṭaṃ; nāvāg gatiḥ pāpakṛtāṃ nivāsaḥ; na cābudhānām api te dvijātayo; ye jñānam etan nṛpate 'nuraktāḥ

Bei ihnen sieht man weder den Weg in Tiergeburten noch den Abstieg nach unten, noch wohnen sie bei den Sündigen; und sie sind auch nicht unwissend, die Zweimalgeborenen, die, o Fürst, dieser Erkenntnis ergeben sind.

Wort für Wort
teṣāṃ na tiryag gamanaṃ hi dṛṣṭaṃ
bei ihnen ist kein Gang in Tiergeburten gesehen (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.; Part.)
na avāg gatiḥ pāpakṛtāṃ nivāsaḥ
weder Gang nach unten noch Aufenthalt bei Übeltätern (Nom.Sg.f.; Gen.Pl.; Nom.Sg.m.)
na ca abudhānām api te dvijātayo
und sie [gehören] auch nicht zu den Unwissenden, die Zweimalgeborenen (Gen.Pl.; Nom.Pl.)
ye jñānam etan nṛpate 'nuraktāḥ
die dieser Erkenntnis, Fürst, ergeben sind (Rel.; Akk.Sg.n.; Vok.; Part.Nom.Pl.)

sāṃkyaṃ viśālaṃ paramaṃ purāṇaṃ; mahārṇavaṃ vimalam udārakāntam; kṛtsnaṃ ca sāṃkhyaṃ nṛpate mahātmā; nārāyaṇo dhārayate 'prameyam

Das Sāṃkhya, weit, höchst, alt, ein Ozean, makellos, von edlem Glanz – das ganze Sāṃkhya, o Fürst, trägt das Unermessliche, der Großgesinnte Nārāyaṇa.

Wort für Wort
sāṃkhyaṃ viśālaṃ paramaṃ purāṇaṃ
das Sāṃkhya, weit, höchst, alt (Nom.Sg.n.)
mahārṇavaṃ vimalam udārakāntam
ein großer Ozean, makellos, von edler Schönheit (Nom.Sg.n.)
kṛtsnaṃ ca sāṃkhyaṃ nṛpate mahātmā
und das ganze Sāṃkhya, Fürst, der Großgesinnte (Akk.Sg.; Vok.; Nom.Sg.)
nārāyaṇo dhārayate 'prameyam
Nārāyaṇa trägt es, das Unermessliche (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)

Die Lesung sāṃkyaṃ in der Vorlage ist als sāṃkhyaṃ verstanden.

etan mayoktaṃ naradeva tattvaṃ; nārāyaṇo viśvam idaṃ purāṇam; sa sargakāle ca karoti sargaṃ; saṃhārakāle ca tad atti bhūyaḥ

Dies habe ich dir als Wahrheit gesagt, o Herr der Menschen: Nārāyaṇa ist dieses alte All. Er erschafft zur Zeit der Schöpfung die Schöpfung, und zur Zeit der Auflösung verzehrt er sie wieder.

Wort für Wort
etan mayā uktaṃ naradeva tattvaṃ
dies wurde von mir gesagt, die Wahrheit, Menschengott (Part.Pass.; Instr.; Vok.)
nārāyaṇo viśvam idaṃ purāṇam
Nārāyaṇa [ist] dieses alte All (Nom.Sg.; Nom.Sg.n.)
sa sargakāle ca karoti sargaṃ
und er macht zur Schöpfungszeit die Schöpfung (3.Sg.Präs.)
saṃhārakāle ca tad atti bhūyaḥ
und zur Zeit der Auflösung verzehrt er es wieder (3.Sg.Präs.; Adv.)

saṃhṛtya sarvaṃ nijadehasaṃsthaṃ; kṛtvāpsu śete jagadantarātmā

[Zusatzstrophe:] Alles in den eigenen Körper zurückgezogen, legt er, das innere Selbst der Welt, sich in den Wassern nieder.

Wort für Wort
saṃhṛtya sarvaṃ nijadehasaṃsthaṃ
alles zurückgezogen, im eigenen Körper befindlich (Absolutiv; Akk.Sg.n.)
kṛtvā apsu śete
[es so] gemacht habend, liegt er in den Wassern (Absolutiv; Lok.Pl.; 3.Sg.Med.Präs.)
jagadantarātmā
das innere Selbst der Welt (Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

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