Kapitel 290: sāṃkhyavidhi
Die Lehre des Sāṃkhya: Durchmusterung aller Welten und Fehler, Weg zum höchsten Nārāyaṇa
Yudhiṣṭhira bittet um die Darlegung des Sāṃkhya; Bhīṣma zählt zunächst die Bereiche und Mängel aller Daseinsformen auf, deren Erkenntnis zur Loslösung führt, und schildert dann den Aufstieg der Sāṃkhyas bis zu Nārāyaṇa.
Yudhiṣṭhira sprach: „Recht hast du, König, diesen von den Gelehrten gebilligten Yoga-Weg dargelegt, gemäß der Regel, wie ein Wohlmeinender [ihn] hier einem Schüler [darlegt].“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
samyak tvayā ayaṃ nṛpate varṇitaḥ
recht [hast] von dir, o König, dieser dargelegt worden (Vok./Instr./Nom.Sg.m., Part.Pass.)
śiṣṭasaṃmataḥ yogamārgaḥ
von den Gelehrten gebilligt, der Yoga-Weg (Nom.Sg.m.)
yathānyāyam
der Regel gemäß (Adv.)
śiṣyāya iha hitaiṣiṇā
einem Schüler hier, von einem Wohlmeinenden (Dat./Instr.Sg.)
sāṃkhye tv idānīṃ kārtsnyena vidhiṃ prabrūhi pṛcchate; triṣu lokeṣu yaj jñānaṃ sarvaṃ tad viditaṃ hi te
„Über das Sāṃkhya aber lege mir jetzt vollständig das Verfahren dar, da ich frage; denn was an Wissen in den drei Welten [besteht], all das ist dir ja bekannt.“
Wort für Wort
sāṃkhye tu idānīm
über das Sāṃkhya aber jetzt (Lok.Sg.n./Adv.)
kārtsnyena vidhiṃ prabrūhi
vollständig das Verfahren lege dar (Instr./Akk.Sg./Imp.2.Sg.)
pṛcchate
dem Fragenden (Dat.Sg.m., Part.Präs.)
triṣu lokeṣu yat jñānam
was in den drei Welten an Wissen [ist] (Lok.Pl./Nom.Sg.n.)
sarvaṃ tat viditaṃ hi te
all das ist bekannt ja dir (Part.Pass./Gen.-Dat.Sg.)
Bhīṣma sprach: „Höre von mir dieses reine [Wissen] der Sāṃkhya-Anhänger, die das Selbst erkannt haben; [es wurde] von asketischen, erwachten Herren, Kapila und anderen an der Spitze, festgesetzt.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
śṛṇu me tvam idaṃ śuddham
höre du von mir dies Reine (Imp.2.Sg./Akk.Sg.n.)
sāṃkhyānāṃ viditātmanām
der Sāṃkhyas, die das Selbst kennen (Gen.Pl.m., Bahuvrīhi)
vihitaṃ yatibhir buddhaiḥ
festgesetzt von Asketen, Erwachten (Part.Pass./Instr.Pl.)
Nachdem man mit Erkenntnis die mit Fehlern behafteten Bereiche der Sinnesobjekte durchgezählt hat, König – die menschlichen, sämtlich schwer zu bezwingenden, und ebenso die Bereiche der Piśācas –
Wort für Wort
jñānena parisaṃkhyāya
mit Erkenntnis durchgezählt habend (Instr./Abs.)
sadoṣān viṣayān nṛpa
die fehlerbehafteten Sinnesbereiche, o König (Akk.Pl.m./Vok.)
mānuṣān durjayān kṛtsnān
die menschlichen, schwer besiegbaren, gesamten (Akk.Pl.m.)
und nachdem man die Bereiche der Rākṣasas erkannt hat, ebenso die Bereiche der Yakṣas, die Bereiche der Schlangenwesen erkannt hat und ebenso die Bereiche der Gandharvas,
Wort für Wort
rākṣasān viṣayān jñātvā
die Bereiche der Rākṣasas erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
yakṣāṇāṃ viṣayān tathā
der Yakṣas Bereiche ebenso (Gen.Pl./Akk.Pl.)
viṣayān auragān jñātvā
die Bereiche der Schlangenwesen erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
gāndharvaviṣayān tathā
die Gandharva-Bereiche ebenso (Akk.Pl.m., Tatpuruṣa)
nachdem man die Bereiche der Ahnen erkannt hat, [ferner die Bereiche] derer, die unter den Tieren wandeln, König, die Bereiche der Suparṇas erkannt hat und ebenso die Bereiche der Maruts,
Wort für Wort
pitṝṇāṃ viṣayān jñātvā
der Ahnen Bereiche erkannt habend (Gen.Pl./Akk.Pl./Abs.)
tiryakṣu caratāṃ nṛpa
[derer], die unter den Tieren wandeln, o König (Lok.Pl./Gen.Pl.Part./Vok.)
suparṇaviṣayān jñātvā
die Bereiche der Suparṇas erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
rājarṣiviṣayāñ jñātvā brahmarṣiviṣayāṃs tathā; āsurān viṣayāñ jñātvā vaiśvadevāṃs tathaiva ca
nachdem man die Bereiche der Königsweisen erkannt hat und ebenso die Bereiche der Brahmanenweisen, die Bereiche der Asuras erkannt hat und ebenso die der Viśvedevas,
Wort für Wort
rājarṣiviṣayān jñātvā
die Bereiche der Königsweisen erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
brahmarṣiviṣayān tathā
die Bereiche der Brahmanenweisen ebenso (Akk.Pl.m.)
āsurān viṣayān jñātvā
die asurischen Bereiche erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
devarṣiviṣayāñ jñātvā yogānām api ceśvarān; viṣayāṃś ca prajeśānāṃ brahmaṇo viṣayāṃs tathā
nachdem man die Bereiche der Götterweisen erkannt hat und auch die Herren der Yogas, die Bereiche der Herren der Geschöpfe und ebenso die Bereiche Brahmās [erkannt hat],
Wort für Wort
devarṣiviṣayān jñātvā
die Bereiche der Götterweisen erkannt habend (Akk.Pl./Abs.)
yogānām api ca īśvarān
auch der Yogas Herren (Gen.Pl./Akk.Pl.m.)
viṣayān ca prajeśānām
und die Bereiche der Herren der Geschöpfe (Akk.Pl./Gen.Pl.)
prāpte kāle ca yad duḥkhaṃ patatāṃ viṣayaiṣiṇām; tiryak ca patatāṃ duḥkhaṃ patatāṃ narake ca yat
und das Leid, das bei gekommener Zeit [diejenigen trifft], die, nach Sinnesobjekten strebend, fallen; das Leid derer, die in tierische [Geburt] fallen, und das, was [das Leid] derer [ist], die in die Hölle fallen,
Wort für Wort
prāpte kāle ca yat duḥkham
und bei gekommener Zeit, was an Leid [ist] (Lok.abs./Nom.Sg.n.)
patatāṃ viṣayaiṣiṇām
der Fallenden, die nach Sinnesobjekten streben (Gen.Pl.m.)
tiryak ca patatāṃ duḥkham
und in tierische [Geburt] der Fallenden Leid (Adv./Gen.Pl./Nom.Sg.)
patatāṃ narake ca yat
und der in die Hölle Fallenden, was [an Leid ist] (Gen.Pl./Lok.Sg.)
jñānayoge ca ye doṣā guṇā yoge ca ye nṛpa; sāṃkhyajñāne ca ye doṣās tathaiva ca guṇā nṛpa
und welche Fehler im Wissens-Yoga [liegen] und welche Vorzüge im Yoga, König; und welche Fehler im Sāṃkhya-Wissen [sind] und ebenso die Vorzüge, König,
Wort für Wort
jñānayoge ca ye doṣāḥ
und im Wissens-Yoga, welche Fehler (Lok.Sg./Nom.Pl.)
guṇāḥ yoge ca ye nṛpa
Vorzüge im Yoga, welche, o König (Nom.Pl./Lok.Sg./Vok.)
sāṃkhyajñāne ca ye doṣāḥ
und im Sāṃkhya-Wissen, welche Fehler (Lok.Sg./Nom.Pl.)
tathā eva ca guṇāḥ nṛpa
und ebenso auch die Vorzüge, o König (Nom.Pl./Vok.)
itareṣu ca ye doṣā guṇās teṣu ca bhārata; parisaṃkhyāya saṃkhyānaṃ matvā sāṃkhyaṃ guṇādhikam
und welche Fehler und Vorzüge in den übrigen [Lehren liegen], Bhārata: nachdem man [sie] durchgezählt hat, hält man das Sāṃkhya, die Aufzählung, für vorzugsreicher.
Wort für Wort
itareṣu ca ye doṣāḥ
und in den anderen, welche Fehler (Lok.Pl./Nom.Pl.)
guṇāḥ teṣu ca bhārata
Vorzüge in diesen, o Bhārata (Nom.Pl./Lok.Pl./Vok.)
parisaṃkhyāya saṃkhyānam
durchgezählt habend, die Aufzählung (Abs./Akk.Sg.n.)
matvā sāṃkhyaṃ guṇādhikam
gehalten habend das Sāṃkhya für vorzugsreicher (Abs./Akk.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternvers); Satzbau unvollständig, der Hauptsatz fehlt im Zusammenhang.
[nachdem man] das Sattva als zehnfach an Qualitäten erkannt hat, ebenso das Rajas als neunfach, das Tamas als achtfach erkannt hat und ebenso die Buddhi als siebenfach,
Wort für Wort
sattvaṃ daśaguṇaṃ jñātvā
das Sattva zehnfach erkannt habend (Akk.Sg.n./Abs.)
rajaḥ navaguṇaṃ tathā
das Rajas neunfach ebenso (Akk.Sg.n.)
tamaḥ ca aṣṭaguṇaṃ jñātvā
und das Tamas achtfach erkannt habend (Akk.Sg.n./Abs.)
buddhiṃ saptaguṇāṃ tathā
die Buddhi siebenfach ebenso (Akk.Sg.f.)
Die Zahlenangaben (guṇa als 'Fach/Eigenschaft') sind schwer deutbar; wörtlich wiedergegeben.
ṣaḍguṇaṃ ca nabho jñātvā manaḥ pañcaguṇaṃ tathā; buddhiṃ caturguṇāṃ jñātvā tamaś ca triguṇaṃ mahat
[nachdem man] den Äther als sechsfach erkannt hat, ebenso das Manas als fünffach, die Buddhi als vierfach erkannt hat und das Tamas und das Große [Mahat] als dreifach,
Wort für Wort
ṣaḍguṇaṃ ca nabhaḥ jñātvā
und den Äther sechsfach erkannt habend (Akk.Sg.n.)
manaḥ pañcaguṇaṃ tathā
das Manas fünffach ebenso (Akk.Sg.n.)
buddhiṃ caturguṇāṃ jñātvā
die Buddhi vierfach erkannt habend (Akk.Sg.f.)
tamaḥ ca triguṇaṃ mahat
und das Tamas dreifach, das Große (Akk.Sg.n.)
Zuordnung von 'triguṇaṃ' zu tamas bzw. mahat unsicher; 'Buddhi vierfach' wiederholt v. 15 abweichend (Textproblem).
und das Rajas als zweifach erkannt hat, das Sattva dagegen wieder als einfach, den Weg der Wahrheit nach erkannt hat und ebenso das Schauen im Weltuntergang [erkannt hat],
Wort für Wort
dviguṇaṃ ca rajaḥ jñātvā
und das Rajas zweifach erkannt habend (Akk.Sg.n.)
sattvam ekaguṇaṃ punaḥ
das Sattva einfach wiederum (Akk.Sg.n.)
mārgaṃ vijñāya tattvena
den Weg erkannt habend der Wahrheit nach (Akk./Abs./Instr.)
pralaye prekṣaṇaṃ tathā
im Weltuntergang das Schauen ebenso (Lok.Sg./Akk.Sg.n.)
Die mit Wissen und Erkenntnis Ausgestatteten, durch heilvolle Ursachen Geläuterten erlangen die heilvolle Erlösung; die Feinen [gehen] hier [hin] über den Äther hinaus.
Wort für Wort
jñānavijñānasaṃpannāḥ
mit Wissen und Erkenntnis ausgestattet (Nom.Pl.m.)
kāraṇaiḥ bhāvitāḥ śubhaiḥ
durch Ursachen geläutert, heilvolle (Instr.Pl./Nom.Pl./Instr.Pl.)
prāpnuvanti śubhaṃ mokṣam
erlangen die heilvolle Erlösung (3.Pl.Präs./Akk.Sg.m.)
sūkṣmāḥ iha nabhaḥ param
die Feinen hier, den Äther übertreffend (Nom.Pl./Akk.Sg.n.)
Letzter Pāda knapp und mehrdeutig; 'nabhaḥ param' als 'jenseits des Äthers' gefasst [?].
[Nachdem man] das Auge mit der Form verbunden [erkannt hat], die Nase mit der Qualität des Geruchs, ebenso das Ohr am Laut haftend und die Zunge an den Geschmacksqualitäten [haftend],
Wort für Wort
rūpeṇa dṛṣṭiṃ saṃyuktām
das Auge mit der Form verbunden (Instr./Akk.Sg.f.)
ghrāṇaṃ gandhaguṇena ca
und die Nase mit der Qualität Geruch (Akk.Sg.n./Instr.)
śabde saktaṃ tathā śrotram
am Laut haftend ebenso das Ohr (Lok./Akk.Sg.n.)
jihvāṃ rasaguṇeṣu ca
und die Zunge an den Geschmacksqualitäten (Akk.Sg.f./Lok.Pl.)
saktam ātmānam īśe ca deve nārāyaṇe tathā; devaṃ mokṣe ca saṃsaktaṃ mokṣaṃ saktaṃ tu na kva cit
[Nachdem man] das Selbst am Herrn haftend [erkannt hat], ebenso am Gott Nārāyaṇa, [nachdem man] den Gott an der Erlösung haftend [erkannt hat]; die Erlösung aber haftet nirgends.
Wort für Wort
saktam ātmānam īśe ca
haftend das Selbst am Herrn (Akk.Sg.m./Lok.Sg.)
deve nārāyaṇe tathā
am Gott Nārāyaṇa ebenso (Lok.Sg.)
devaṃ mokṣe ca saṃsaktam
und den Gott an der Erlösung haftend (Akk.Sg./Lok.Sg.)
mokṣaṃ saktaṃ tu na kva cit
die Erlösung aber haftet nirgends (Akk.Sg.m./Part./Neg.+Adv.)
Nachdem man den mit Sattva verbundenen, von sechzehn Qualitäten umhüllten Körper erkannt hat, und Eigenwesen und Bewusstsein, wahrlich, als in den Körper eingegangen erkannt hat,
Wort für Wort
jñātvā sattvayutaṃ deham
erkannt habend den mit Sattva verbundenen Körper (Abs./Akk.Sg.m.)
vṛtaṃ ṣoḍaśabhiḥ guṇaiḥ
umhüllt von sechzehn Qualitäten (Part.Pass./Instr.Pl.)
svabhāvaṃ cetanāṃ ca eva
Eigenwesen und Bewusstsein auch (Akk.Sg.m./Akk.Sg.f.)
jñātvā vai deham āśrite
erkannt habend, wahrlich, als im Körper wohnend (Abs./Akk.Sg./Akk.Du.n.-Lok.)
das eine, in der Mitte stehende Selbst, in dem kein Übel besteht; und als zweites das Handeln erkannt habend, König, derer, die nach Sinnesobjekten streben,
Wort für Wort
madhyastham ekam ātmānam
in der Mitte stehend, das eine Selbst (Akk.Sg.m.)
pāpaṃ yasmin na vidyate
Übel in dem nicht besteht (Nom.Sg.n./Lok./Pass.3.Sg.)
dvitīyaṃ karma vijñāya
als zweites das Handeln erkannt habend (Akk.Sg.n./Abs.)
nṛpate viṣayaiṣiṇām
o König, der nach Sinnesobjekten Strebenden (Vok./Gen.Pl.)
und die Schwererreichbarkeit der Erlösung erkannt habend, im Anschluss an das Hören [der Überlieferung],
Wort für Wort
durlabhatvaṃ ca mokṣasya
und die Schwererreichbarkeit der Erlösung (Akk.Sg.n./Gen.Sg.)
vijñāya śrutipūrvakam
erkannt habend, das Hören voranstellend (Abs./Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternvers); 'śrutipūrvakam' als 'aufgrund vorausgehenden Hörens' gefasst.
und den abwärts [?] gerichteten Wind erkannt habend, und wieder den Wind ‚Pravaha‘, und ebenso die übrigen sieben Winde, wiederum siebenfach, regelgerecht,
Wort für Wort
avāk ca anilaṃ jñātvā
und den abwärts[?] [gerichteten] Wind erkannt habend (Adj./Akk.Sg.m./Abs.)
pravahaṃ ca anilaṃ punaḥ
und den Wind Pravaha wiederum (Akk.Sg.m.)
sapta vātān tathā śeṣān
sieben Winde ebenso die übrigen (Akk.Pl.m.)
saptadhā vidhivat punaḥ
siebenfach, regelgerecht, wiederum (Adv.)
'avāk' unsicher: 'abwärts' oder 'nicht sprechend'; die Windliste ist textlich unklar.
vijñāyāhitam ātmānaṃ yogāṃś ca vividhān nṛpa; tāmasānāṃ ca jantūnāṃ ramaṇīyāvṛtātmanām
und nachdem man das für das Selbst Nachteilige erkannt hat und die vielfältigen Yogas, König, und [das Los] der Tamas-Wesen, deren Selbst von Reizvollem umhüllt ist,
Wort für Wort
vijñāya ahitam ātmānam
erkannt habend das Nachteilige, das Selbst (Abs./Akk.Sg.)
yogān ca vividhān nṛpa
und die Yogas, vielfältigen, o König (Akk.Pl./Vok.)
tāmasānām ca jantūnām
und der tamasischen Wesen (Gen.Pl.m.)
ramaṇīyāvṛtātmanām
deren Selbst von Reizvollem umhüllt ist (Gen.Pl., Bahuvrīhi)
und ebenso die schrecklichen Katastrophen, [die von] Mond und Sonnenglut [ausgehen], nachdem man den Fall der Sterne und den Umschwung der Gestirne gesehen hat,
Wort für Wort
upaplavān tathā ghorān
die Katastrophen ebenso, schrecklichen (Akk.Pl.m.)
śaśinaḥ tejasaḥ tathā
des Mondes, des Glanzes ebenso (Gen.Sg.m./Gen.Sg.n.)
tārāṇām patanam dṛṣṭvā
der Sterne Fall gesehen habend (Gen.Pl./Akk.Sg./Abs.)
nakṣatrāṇām ca paryayam
und der Gestirne Umschwung (Gen.Pl./Akk.Sg.m.)
'śaśinas tejasas' evtl. 'des Mondes und der Sonne (Glanz)' [?].
bālye mohaṃ ca vijñāya kṣayaṃ dehasya cāśubham; rāge mohe ca saṃprāpte kva cit sattvaṃ samāśritam
Die Verblendung in der Kindheit erkannt habend und den unheilvollen Verfall des Körpers; [erkannt habend, dass] dann, wenn Leidenschaft und Verblendung eingetreten sind, die Wahrheit [sattva] nur bei wenigen [?] Zuflucht gefunden hat.
Wort für Wort
bālye mohaṃ ca vijñāya
und die Verblendung in der Kindheit erkannt habend (Lok./Akk./Abs.)
kṣayaṃ dehasya ca aśubham
und den Verfall des Körpers, den unheilvollen (Akk.; Gen.)
rāge mohe ca saṃprāpte
wenn Leidenschaft und Verblendung eingetreten sind (Lok. abs., Part.Perf.Pass.)
kva cit sattvaṃ samāśritam
irgendwo [nur selten] das Sattva [Wesen/Wahrheit] Zuflucht genommen habend (Nom./Part.Perf.Pass.)
kva cit sattvaṃ samāśritam: Konstruktion elliptisch; Sinn: nur selten wird das Sattva erreicht.
Unter Tausenden [Menschen] hat irgendein Mann sich dem Streben nach Erlösung zugewandt; und die Schwerzugänglichkeit der Erlösung erkannt habend, nach dem Hörensagen der Überlieferung [?].
Wort für Wort
sahasreṣu naraḥ kaś cit
unter Tausenden ein Mann, irgendeiner (Lok.Pl.; Nom.Sg.)
mokṣabuddhiṃ samāśritaḥ
dem Gedanken an Erlösung sich zugewandt habend (Akk.; Part.Perf.)
durlabhatvaṃ ca mokṣasya
und die Schwererreichbarkeit der Erlösung (Akk.; Gen.)
vijñāya śrutipūrvakam
erkannt habend, auf Grund der Offenbarung/des Gehörten vorausgehend (Abs.; Adv.)
[Er erkannte] die hohe Wertschätzung gegenüber dem Nichterlangten, dann wieder die Gleichmütigkeit gegenüber dem Erlangten; und die Schlechtigkeit der Sinnesobjekte erkannt habend, o Herr der Menschen, wiederum –
Wort für Wort
bahumānam alabdheṣu
hohe Wertschätzung gegenüber Nichterlangtem (Akk.; Lok.Pl.)
labdhe madhyasthatāṃ punaḥ
gegenüber Erlangtem wiederum Gleichmütigkeit (Lok.; Akk.)
viṣayāṇāṃ ca daurātmyam
und die Schlechtigkeit der Sinnesobjekte (Gen.Pl.; Akk.)
Und die Körper der Verstorbenen, o Sohn der Kuntī, so unheilvoll gesehen habend, und das Wohnen der Lebewesen in [Mutter-]Schößen [Familien?] als Leid erkannt habend, o Bhārata –
Wort für Wort
gatāsūnāṃ ca kaunteya
und der Dahingeschiedenen, o Sohn der Kuntī (Gen.Pl.; Vok.)
dehān dṛṣṭvā tathā aśubhān
die Körper gesehen habend, so unheilvolle (Akk.Pl.; Abs.)
vāsaṃ kuleṣu jantūnām
das Wohnen der Lebewesen in Geschlechtern/Schößen (Akk.; Lok.Pl.; Gen.Pl.)
duḥkhaṃ vijñāya bhārata
als Leid erkannt habend, o Bhārata (Akk.; Abs.; Vok.)
kuleṣu: 'in Familien' oder 'in Schößen'; Lesart unsicher.
Den Weg der Brahmanenmörder erkannt habend, der sehr schrecklichen Gefallenen, und derjenigen Brahmanen, die dem Branntweintrinken ergeben und schlechten Wesens sind, und den unheilvollen Weg derer, die an der Frau des Lehrers hängen –
Wort für Wort
brahmaghnānāṃ gatiṃ jñātvā
den Weg der Brahmanenmörder erkannt habend (Gen.Pl.; Akk.; Abs.)
patitānāṃ sudāruṇām
der Gefallenen, der sehr schrecklichen (Gen.Pl.)
surāpāne ca saktānām
und derer, die am Branntweintrinken haften (Lok.; Gen.Pl.)
brāhmaṇānāṃ durātmanām
der Brahmanen, der schlechtgesinnten (Gen.Pl.)
gurudāraprasaktānām
derer, die der Frau des Gurus ergeben sind (Gen.Pl., Kompositum)
gatiṃ vijñāya ca aśubhām
und den Weg als unheilvoll erkannt habend (Akk.; Abs.)
jananīṣu ca vartante ye na samyag yudhiṣṭhira; sadevakeṣu lokeṣu ye na vartanti mānavāḥ
Und die sich gegenüber den Müttern nicht recht verhalten, o Yudhiṣṭhira, [und] die Menschen, die sich in den Welten samt den Göttern nicht [recht] verhalten –
Wort für Wort
jananīṣu ca vartante
und die sich gegenüber den Müttern verhalten (Lok.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
ye na samyag yudhiṣṭhira
welche nicht recht, o Yudhiṣṭhira (Rel.; Adv.; Vok.)
sadevakeṣu lokeṣu
in den Welten samt den Göttern (Lok.Pl.)
ye na vartanti mānavāḥ
welche Menschen sich nicht [recht] verhalten (Rel.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
tena jñānena vijñāya gatiṃ cāśubhakarmaṇām; tiryagyonigatānāṃ ca vijñāya gatayaḥ pṛthak
Durch dieses Wissen den Weg der Täter unheilvoller Werke erkannt habend und die verschiedenen Wege derer, die in tierische Mutterschöße gegangen sind, erkannt habend –
Wort für Wort
tena jñānena vijñāya
durch dieses Wissen erkannt habend (Instr.; Abs.)
gatiṃ ca aśubhakarmaṇām
und den Weg der Täter unheilvoller Taten (Akk.; Gen.Pl.)
tiryagyonigatānāṃ ca
und derer, die in Tiergebärmütter gegangen sind (Gen.Pl., Kompositum)
vijñāya gatayaḥ pṛthak
erkannt habend die Wege, jeweils verschieden (Abs.; Akk.Pl. [Nom.Pl.?]; Adv.)
gatayaḥ steht formal im Nom./Akk.Pl.; als Objekt zu vijñāya gefasst.
pakṣakṣayaṃ tathā dṛṣṭvā divasānāṃ ca saṃkṣayam; kṣayaṃ vṛddhiṃ ca candrasya dṛṣṭvā pratyakṣatas tathā
Ebenso das Schwinden der Halbmonate gesehen habend und die Abnahme der Tage, das Abnehmen und Zunehmen des Mondes gesehen habend, ebenso mit eigenen Augen –
Wort für Wort
pakṣakṣayaṃ tathā dṛṣṭvā
ebenso das Schwinden der Halbmonate gesehen habend (Akk.; Abs.)
divasānāṃ ca saṃkṣayam
und das Schwinden der Tage (Gen.Pl.; Akk.)
kṣayaṃ vṛddhiṃ ca candrasya
Abnahme und Zunahme des Mondes (Akk.; Gen.)
dṛṣṭvā pratyakṣataḥ tathā
gesehen habend, unmittelbar vor Augen, ebenso (Abs.; Adv.)
saṃyogānāṃ kṣayaṃ dṛṣṭvā yugānāṃ ca viśeṣataḥ; kṣayaṃ ca dṛṣṭvā śailānāṃ kṣayaṃ ca saritāṃ tathā
Das Vergehen der Verbindungen gesehen habend und besonders das der Weltzeitalter, und das Vergehen der Berge gesehen habend und ebenso das der Flüsse –
Wort für Wort
saṃyogānāṃ kṣayaṃ dṛṣṭvā
das Vergehen der Verbindungen gesehen habend (Gen.Pl.; Akk.; Abs.)
yugānāṃ ca viśeṣataḥ
und der Weltzeitalter im Besonderen (Gen.Pl.; Adv.)
kṣayaṃ ca dṛṣṭvā śailānām
und das Vergehen der Berge gesehen habend (Akk.; Abs.; Gen.Pl.)
Und alle Mängel des Selbst, die im Selbst ihre Zuflucht genommen haben, erkannt habend, und ebenso die unheilvollen Gerüche, die dem eigenen Körper entsteigen, erkannt habend –
Wort für Wort
ātmadoṣān ca vijñāya
und die Mängel des Selbst erkannt habend (Akk.Pl.; Abs.)
sarvān ātmani saṃśritān
alle, im Selbst verankerten (Akk.Pl.; Lok.; Part.)
svadehād utthitān gandhān
aus dem eigenen Körper aufgestiegene Gerüche (Abl.; Part.; Akk.Pl.)
tathā vijñāya ca aśubhān
ebenso erkannt habend, unheilvolle (Abs.; Akk.Pl.)
Harn, Schleim, Kot und dergleichen, und aus Schweiß Entstehendes, sehr Abscheuliches [erkannt habend].
Wort für Wort
mūtraśleṣmapurīṣādīn
Harn, Schleim, Kot und dergleichen (Akk.Pl., Kompositum)
svedajān ca
und aus Schweiß Geborenes (Akk.Pl.)
sukutsitān
sehr Abscheuliches (Akk.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternchenpassage); Konstruktion setzt vijñāya aus dem Vorvers fort.
Yudhiṣṭhira sprach: „Welche aus dem eigenen Leib entstandenen Mängel siehst du, o Unermesslich-Tapferer? Diesen meinen ganzen Zweifel sollst du der Wahrheit nach ausräumen.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kān svagātrodbhavān doṣān
welche aus dem eigenen Leib entstandenen Mängel (Akk.Pl.)
paśyasi amitavikrama
siehst du, o Unermesslich-Tapferer (2.Sg.Präs.; Vok.)
etat me saṃśayaṃ kṛtsnam
diesen meinen Zweifel ganz (Akk.; Gen.; Akk.)
vaktum arhasi tattvataḥ
du sollst [ihn] sagen/darlegen der Wahrheit nach (Inf.; 2.Sg.; Adv.)
Sie schneiden den Zorn ab durch Nachsicht, das Verlangen durch Verzicht auf Absichten [Vorsätze], den Schlaf durch Pflege des Sattva, ebenso die Furcht durch Unachtsamkeitsfreiheit [Wachsamkeit]; den fünften, den Atem, schneiden sie ab durch mäßiges Essen, o König.
Wort für Wort
chindanti kṣamayā krodham
sie schneiden ab den Zorn durch Nachsicht (3.Pl.Präs.; Instr.; Akk.)
kāmaṃ saṃkalpavarjanāt
das Verlangen durch Meiden von Vorsätzen (Akk.; Abl.)
sattvasaṃśīlanān nidrām
den Schlaf durch Einübung des Sattva (Abl.; Akk.)
apramādād bhayaṃ tathā
die Furcht durch Unachtsamkeitslosigkeit (Abl.; Akk.; Adv.)
chindanti pañcamaṃ śvāsam
sie schneiden den fünften, den Atem, ab (3.Pl.; Akk.; Akk.)
laghvāhāratayā nṛpa
durch Leichtigkeit der Nahrung, o König (Instr.; Vok.)
Die Eigenschaften nach hundert Eigenschaften erkannt habend, die Mängel auch nach hundert Mängeln, die Ursachen nach hundert mannigfaltigen Ursachen, [alles] Mannigfaltige der Wahrheit nach erkannt habend –
Wort für Wort
guṇān guṇaśataiḥ jñātvā
die Eigenschaften anhand von hundert Eigenschaften erkannt habend (Akk.Pl.; Instr.Pl.; Abs.)
doṣān doṣaśataiḥ api
die Mängel auch anhand von hundert Mängeln (Akk.Pl.; Instr.Pl.)
hetūn hetuśataiḥ citraiḥ
die Ursachen anhand mannigfaltiger hundert Ursachen (Akk.Pl.; Instr.Pl.)
citrān vijñāya tattvataḥ
das Mannigfaltige erkannt habend der Wahrheit nach (Akk.Pl.; Abs.; Adv.)
Die Welt, dem Schaum des Wassers gleich, von Hunderten von Zaubern [Māyās] Viṣṇus umhüllt, einem Wandbild [Spiegelbild?] ähnlich, ein Schilfrohr ohne Kern, ohne Wert –
Wort für Wort
apāṃ phenopamaṃ lokam
die Welt, dem Wasserschaum gleich (Gen.Pl.; Akk.)
viṣṇor māyāśatair vṛtam
von Hunderten von Zauberkräften Viṣṇus umhüllt (Gen.; Instr.Pl.; Part.)
cittabhittipratīkāśam
dem Bild auf einer Wand [des Geistes] gleichend (Akk., Kompositum)
nalasāram anarthakam
kernlos wie Schilfrohr, nutzlos (Akk.; Akk.)
cittabhitti-: entweder 'Malerei auf der Wand' (citta-bhitti, 'Bildwand') oder 'Wand des Geistes'; unsicher [?].
Die Finsternis [Tamas] einer Grube gleich erkannt habend, einer Regenblase ähnlich, meist dem Untergang geweiht, vom Glück verlassen, nach dem Untergang zum Nichtsein gehend, und die Leidenschaft [Rajas] im Tamas versunken wie einen hilflosen Elefanten im Schlamm.
Wort für Wort
tamaḥ śvabhranibham dṛṣṭvā
das Tamas einer Grube gleich gesehen habend (Akk.; Abs.)
varṣabudbudasaṃnibham
einer Regenblase ähnlich (Akk.)
nāśaprāyaṃ sukhād hīnam
dem Untergang nahe, vom Glück verlassen (Akk.; Abl.)
nāśottaram abhāvagam
nach dem Untergang zum Nichtsein gehend (Akk.)
rajaḥ tamasi saṃmagnam
das Rajas im Tamas versunken (Akk.; Lok.; Part.)
paṅke dvipam iva avaśam
wie einen hilflosen Elefanten im Schlamm (Lok.; Akk.; Adv.; Akk.)
Die Bezüge der Akkusative sind locker; Text vermutlich elliptisch.
Die Sāṃkhyas, o König, die hoch Weisen, das von den Geschöpfen geschaffene [wirkliche?] Körper verlassen habend, mit dem Sāṃkhya, dem Wissen und Wissbares [umfassenden], allgegenwärtigen, großen, o König –
Wort für Wort
sāṃkhyā rājan mahāprājñāḥ
die Sāṃkhyas, o König, die hoch Weisen (Nom.Pl.; Vok.)
tyaktvā dehaṃ prajākṛtam
den Körper verlassen habend, den von den Geschöpfen/durch Zeugung geschaffenen (Abs.; Akk.; Akk.)
jñānajñeyena sāṃkhyena
durch das Sāṃkhya, das Wissen und Wissbares [umfasst] (Instr.)
vyāpinā mahatā nṛpa
das allgegenwärtige, große, o König (Instr.; Instr.; Vok.)
prajākṛtam: 'durch die Geschöpfe/Prajāpati geschaffen' unsicher [?].
rājasān aśubhān gandhāṃs tāmasāṃś ca tathāvidhān; puṇyāṃś ca sāttvikān gandhān sparśajān dehasaṃśritān; chittvāśu jñānaśastreṇa tapodaṇḍena bhārata
Die leidenschaftlichen unheilvollen Gerüche und die ebenso beschaffenen finsteren, und die verdienstvollen, klaren Gerüche, die aus Berührung entstehen und am Körper haften, rasch durchschnitten habend mit dem Schwert des Wissens, mit dem Stab der Askese, o Bhārata –
Wort für Wort
rājasān aśubhān gandhān
die leidenschaftlichen unheilvollen Gerüche (Akk.Pl.)
tāmasān ca tathāvidhān
und die finsteren, ebenso beschaffenen (Akk.Pl.)
puṇyān ca sāttvikān gandhān
und die guten, reinen Gerüche (Akk.Pl.)
sparśajān dehasaṃśritān
berührungsgeborene, am Körper haftende (Akk.Pl.)
chittvā āśu jñānaśastreṇa
rasch durchschnitten habend mit dem Wissenschwert (Abs.; Adv.; Instr.)
tato duḥkhodakaṃ ghoraṃ cintāśokamahāhradam; vyādhimṛtyumahāgrāhaṃ mahābhayamahoragam
Dann [überqueren sie] das schreckliche Wasser des Leids, den großen See von Sorge und Kummer, mit der großen Krokodilgestalt von Krankheit und Tod, mit der großen Schlange der großen Furcht –
Wort für Wort
tataḥ duḥkhodakaṃ ghoram
dann das Leidwasser, das schreckliche (Adv.; Akk.)
cintāśokamahāhradam
den großen See aus Sorge und Kummer (Akk., Kompositum)
vyādhimṛtyumahāgrāham
mit den großen Krokodilen Krankheit und Tod (Akk.)
Mit der Schildkröte Tamas, dem Fisch Rajas, überqueren sie [es] durch Erkenntnis: die Lehmmoräste der Zuneigung, die Festung des Alters, die Inseln der Berührung, o Bezwinger der Feinde –
Wort für Wort
tamaḥkūrmaṃ rajomīnam
das Tamas als Schildkröte, das Rajas als Fisch (Akk.)
prajñayā saṃtaranti uta
durch Einsicht überqueren sie fürwahr (Instr.; 3.Pl.Präs.; Part.)
snehapaṅkaṃ jarādurgam
mit dem Schlamm der Zuneigung, der Festung des Alters (Akk.)
sparśadvīpam ariṃdama
mit den Inseln der Berührung, o Feindebezwinger (Akk.; Vok.)
Durch Taten unergründlich, mit dem Ufer der Wahrheit, in festem Gelübde beständig, dieses [Meer], o König, das durch Gewalt gewaltig rasch strömt und dessen große Fundgruben verschiedene Geschmäcke sind –
Wort für Wort
karmāgādhaṃ satyatīram
durch Taten unergründlich, mit dem Ufer der Wahrheit (Akk.)
sthitavratam idaṃ nṛpa
mit festen Gelübden, dieses, o König (Akk.; Vok.)
hiṃsāśīghramahāvegam
mit der großen Strömung reißender Gewalt (Akk.)
nānārasamahākaram
mit den großen Minen verschiedener Geschmäcke/Säfte (Akk.)
Gemeint ist der Saṃsāra als Meer; die Kompositabezüge sind bahuvrīhi-artig und teils unsicher [?].
Mit den großen Edelsteinen mannigfacher Freude, dem Wind des Leidfiebers, dem großen Strudel aus Kummer und Durst, den großen Elefanten scharfer Krankheiten –
Wort für Wort
nānāprītimahāratnam
mit den großen Juwelen mannigfacher Freuden (Akk.)
duḥkhajvarasamīraṇam
mit dem Wind aus Leidfieber (Akk.)
śokatṛṣṇāmahāvartam
mit dem großen Wirbel aus Kummer und Durst (Akk.)
tīkṣṇavyādhimahāgajam
mit den großen Elefanten scharfer Krankheiten (Akk.)
Mit dem Gewirr aus Haufen von Knochen, mit Schleim als Schaum, o Feindebezwinger, mit dem Geben als Perlenfundort, furchtbar, mit den Blutseen als Korallen –
Wort für Wort
asthisaṃghātasaṃghāṭam
mit einem Gefüge aus Knochenhaufen (Akk.)
śleṣmaphenam ariṃdama
mit Schleim als Schaum, o Feindebezwinger (Akk.; Vok.)
Mit dem Tosen aus Lachen und Aufschreien, durch mannigfaches Wissen sehr schwer zu durchqueren, mit den Tränen des Weinens als Salzlauge, ganz dem Aufgeben der Bindungen zugewandt –
Wort für Wort
hasitotkruṣṭanirghoṣam
mit dem Getöse aus Lachen und Aufschrei (Akk.)
nānājñānasudustaram
durch mannigfaches Wissen sehr schwer durchquerbar (Akk.)
rodanāśrumalakṣāram
mit Weinen, Tränen und Schmutz als Salz(lauge) [?] (Akk.)
Wieder aus der Geburt an die Flut der Welten, mit dem Untergang von Söhnen und Verwandten, mit Nichtverletzen und Wahrheit als Grenzmarke, mit dem Verlassen der Lebenshauche als großen Wogen –
Wort für Wort
punar ājanmalokaugham
wiederum die Flut der Welten von der Geburt an (Adv.; Akk.)
putrabāndhavapattanam
mit dem Untergang von Söhnen und Verwandten (Akk.)
ahiṃsāsatyamaryādam
mit Gewaltlosigkeit und Wahrheit als Grenze (Akk.)
prāṇatyāgamahormiṇam
mit dem Lassen der Lebenshauche als großen Wellen (Akk.)
Mit dem Gang zum Vedānta als Insel, mit dem Mitgefühl mit allen Wesen als Ozean, mit der schwer zu erreichenden Erlösung als Sinnesziel, mit dem Unterwasserfeuer als Rachen des Meeres –
Wort für Wort
vedāntagamanadvīpam
mit dem Gang zum Vedānta als Insel (Akk.)
sarvabhūtadayodadhim
mit dem Mitleid mit allen Wesen als Wasserbehälter (Akk.)
mokṣaduṣprāpaviṣayam
mit der schwer erreichbaren Erlösung als Gegenstand (Akk.)
vaḍavāmukhasāgaram
das Meer mit dem Rachen des Vaḍavā[-Feuers] (Akk.)
Es überqueren [ihn] die Weisen und Vollendeten durch Wissensyoga, o Bhārata; und die schwer überquerbare Geburt durchquert habend, gehen sie ein in den reinen Himmelsraum.
Wort für Wort
taranti munayaḥ siddhāḥ
es überqueren die Weisen, die Vollendeten (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
jñānayogena bhārata
durch den Wissensyoga, o Bhārata (Instr.; Vok.)
tīrtvā ca dustaraṃ janma
und die schwer überquerbare Geburt überquert habend (Abs.; Akk.)
viśanti vimalaṃ nabhaḥ
sie gehen ein in den fleckenlosen Himmelsraum (3.Pl.; Akk.; Akk.)
Dann trägt die Sonne diese Rechtschaffenen, die Sāṃkhyas, mit ihren Strahlen, o König, indem sie wie in Lotosfasern eindringt und die Sinnesobjekte hinwegführt.
Wort für Wort
tataḥ tān sukṛtīn sāṃkhyān
dann diese Rechtschaffenen, die Sāṃkhyas (Adv.; Akk.Pl.)
sūryaḥ vahati raśmibhiḥ
die Sonne trägt mit den Strahlen (Nom.; 3.Sg.; Instr.Pl.)
padmatantuvad āviśya
wie in Lotosfasern eindringend (Adv.; Abs.)
pravahan viṣayān nṛpa
sie [fort]tragend, die Sinnesobjekte, o König (Part.; Akk.Pl.; Vok.)
sūkṣmaḥ śītaḥ sugandhī ca sukhasparśaś ca bhārata; saptānāṃ marutāṃ śreṣṭho lokān gacchati yaḥ śubhān; sa tān vahati kaunteya nabhasaḥ paramāṃ gatim
Fein, kühl, wohlriechend und von angenehmer Berührung, o Bhārata, der beste der sieben Winde, der zu den glücklichen Welten geht: er trägt sie, o Sohn der Kuntī, zum höchsten Ziel des Himmelsraums.
Wort für Wort
sūkṣmaḥ śītaḥ sugandhī ca
fein, kühl und wohlriechend (Nom.)
sukhasparśaḥ ca bhārata
und von angenehmer Berührung, o Bhārata (Nom.; Vok.)
saptānāṃ marutāṃ śreṣṭhaḥ
der beste der sieben Winde (Gen.Pl.; Nom.)
lokān gacchati yaḥ śubhān
der zu den glückverheißenden Welten geht (Akk.Pl.; 3.Sg.; Rel.)
saḥ tān vahati kaunteya
er trägt sie, o Sohn der Kuntī (Nom.; Akk.; 3.Sg.; Vok.)
Das Tamas trägt, o König der Könige, zum höchsten Ziel der Leidenschaft [Rajas].
Wort für Wort
tamaḥ vahati
das Tamas trägt (Nom.; 3.Sg.)
rājendra
o Herr der Könige (Vok.)
rajasaḥ paramāṃ gatim
zum höchsten Ziel des Rajas (Gen.; Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternchenpassage); Aussage in der Reihe unstimmig, vermutlich verderbt [?].
Haben sie das höchste Selbst erreicht, so werden sie, rein in ihren Wohnstätten, die dazu [zu jenem] geworden sind[?], tauglich zur Unsterblichkeit und kehren nicht zurück, o Gewaltiger. Das ist das höchste Ziel, Pārtha, der von den Gegensatzpaaren freien Großgesinnten.
Wort für Wort
paramātmānam āsādya
das höchste Selbst erreicht habend (Akk.Sg., Absolutiv)
tadbhūtāyatanāmalāḥ
rein in der Stätte, die jenes geworden ist[?] (Kompositum, Nom.Pl.m.)
amṛtatvāya kalpante
werden tauglich zur Unsterblichkeit (Dat.Sg.; 3.Pl.Med.Präs.)
na nivartanti ca abhibho
und kehren nicht zurück, o Gewaltiger (3.Pl.Präs.; Vok.Sg.)
paramā sā gatiḥ pārtha
das ist das höchste Ziel, Pārtha (Nom.Sg.f.; Vok.)
nirdvaṃdvānāṃ mahātmanām
der von Gegensatzpaaren Freien, der Großgesinnten (Gen.Pl.)
Die Wiedergabe von tadbhūtāyatanāmalāḥ ist unsicher.
yudhiṣṭhira uvāca; sthānam uttamam āsādya bhagavantaṃ sthiravratāḥ; ājanmamaraṇaṃ vā te smaranty uta na vānagha
Yudhiṣṭhira sprach: Haben sie die höchste Stätte erreicht, [sind] sie in festen Gelübden dem Erhabenen [zugewandt] – erinnern sie sich dann, o Sündloser, ihr Leben lang bis zum Tod, oder nicht?
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
sthānam uttamam āsādya
die höchste Stätte erreicht habend (Akk.Sg.n., Absolutiv)
bhagavantaṃ sthiravratāḥ
den Erhabenen [betreffend], fest in ihren Gelübden (Akk.Sg.; Nom.Pl.)
ājanmamaraṇaṃ vā te smaranty
bis zu Geburt und Tod (?) oder erinnern sie sich (Adv.; 3.Pl.Präs.)[?]
uta na vā anagha
oder nicht, o Sündloser (Partikeln; Vok.Sg.)
Der Vers ist syntaktisch knapp; ājanmamaraṇam ist als „lebenslang bis zum Tod“ gefasst, unsicher.
Ein großer Fehler dieser Erlösung [ist es doch], wenn die Weisen, nachdem sie zu den Vollendeten und Sehern gelangt sind, bei eben jener [bloßen] Erkenntnis verharren, die anderen Asketen [erreichen sollen][?].
Wort für Wort
mokṣadoṣo mahān eṣa
ein großer Fehler der Erlösung ist dies (Nom.Sg.m.)
prāpya siddhiṃ gatān ṛṣīn
nachdem sie Vollendung erlangt haben, zu den gegangenen Sehern (Absolutiv; Akk.Pl.)[?]
yadi tatraiva vijñāne
wenn eben in jener Erkenntnis (Lok.Sg.n.)
vartante yatayaḥ pare
verharren [die] anderen Asketen (3.Pl.Med.Präs.; Nom.Pl.)
Der Vers ist syntaktisch schwierig; die Konstruktion von prāpya siddhiṃ gatān ṛṣīn ist unsicher.
pravṛttilakṣaṇaṃ dharmaṃ paśyāmi paramaṃ nṛpa; magnasya hi pare jñāne kiṃ nu duḥkhataraṃ bhavet
Ich sehe, o König, die auf Tätigkeit gerichtete Pflicht als die höchste; denn was könnte für einen, der in die höchste Erkenntnis versunken ist, schmerzlicher sein?
Wort für Wort
pravṛttilakṣaṇaṃ dharmaṃ
die durch Tätigkeit gekennzeichnete Pflicht (Akk.Sg.m.)
paśyāmi paramaṃ nṛpa
ich sehe als höchste, o König (1.Sg.Präs.; Vok.)
magnasya hi pare jñāne
denn für den in die höchste Erkenntnis Versunkenen (Gen.Sg.; Lok.Sg.)
kiṃ nu duḥkhataraṃ bhavet
was wäre wohl schmerzlicher (Nom.; Komp.; 3.Sg.Opt.)
Bhīṣma sprach: Wie es sich gehört, mein Lieber, hast du diese sehr schwierige Frage gestellt; selbst Erleuchtete geraten bei dieser Frage in Verwirrung, o Stier der Bharatas. Auch hierzu höre nun die höchste Wahrheit, von mir recht dargelegt.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca yathānyāyaṃ
Bhīṣma sprach: wie es sich gehört (Perf.3.Sg.; Adv.)
tvayā tāta praśnaḥ pṛṣṭaḥ susaṃkaṭaḥ
von dir, Lieber, wurde die überaus heikle Frage gestellt (Instr.; Nom.Sg.; Part.Pass.)
buddhānām api saṃmohaḥ
selbst bei Erleuchteten Verwirrung (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
praśne 'smin bharatarṣabha
bei dieser Frage, Stier der Bharatas (Lok.Sg.; Vok.)
buddhiś ca paramā yatra kāpilānāṃ mahātmanām; indriyāṇy api budhyante svadehaṃ dehino nṛpa; kāraṇāny ātmanas tāni sūkṣmaḥ paśyati tais tu saḥ
Wo die höchste Erkenntnis der großgesinnten Kāpilas [liegt]: Auch die Sinne erkennen den eigenen Körper der Verkörperten, o König; sie sind Werkzeuge des Selbst, doch der Feine [das Selbst] sieht durch sie.
Wort für Wort
buddhiś ca paramā yatra
und die höchste Einsicht, wo (Nom.Sg.f.; Adv.)
kāpilānāṃ mahātmanām
der großgesinnten Kāpilas (Gen.Pl.)
indriyāṇy api budhyante
auch die Sinne erkennen (Nom.Pl.n.; 3.Pl.Med.Präs.)
svadehaṃ dehino nṛpa
den eigenen Körper des Verkörperten, o König (Akk.Sg.; Gen.Sg.; Vok.)
kāraṇāny ātmanas tāni
jene sind Werkzeuge des Selbst (Nom.Pl.n.; Gen.Sg.)
sūkṣmaḥ paśyati tais tu saḥ
der Feine aber sieht durch sie (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Instr.Pl.)
indriyāṇīha sarvāṇi sve sve sthāne yathāvidhi; anīśatvāt pralīyante sarpā hataviṣā iva
Alle Sinne hier lösen sich, jeder an seinem Ort, der Ordnung gemäß, auf, weil sie nicht Herr [ihrer selbst] sind, wie Schlangen, denen das Gift genommen ist.
Wort für Wort
indriyāṇi iha sarvāṇi
alle Sinne hier (Nom.Pl.n.)
sve sve sthāne yathāvidhi
jeweils an ihrem Ort, regelgemäß (Lok.Sg.; Adv.)
anīśatvāt pralīyante
aus Nicht-Herrschaft-Sein lösen sie sich auf (Abl.Sg.; 3.Pl.Med.Präs.)
sarpā hataviṣā iva
wie Schlangen, deren Gift getötet ist (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
sattvasya ca guṇān kṛtsnān rajasaś ca guṇān punaḥ; guṇāṃś ca tamasaḥ sarvān guṇān buddheś ca bhārata
Alle Eigenschaften der Reinheit (sattva) und wiederum die Eigenschaften der Leidenschaft (rajas), alle Eigenschaften der Finsternis (tamas) und die Eigenschaften der Einsicht, o Bhārata,
Wort für Wort
sattvasya ca guṇān kṛtsnān
und die gesamten Eigenschaften des sattva (Gen.Sg.; Akk.Pl.)
rajasaś ca guṇān punaḥ
und wiederum die Eigenschaften des rajas (Gen.Sg.; Akk.Pl.)
guṇāṃś ca tamasaḥ sarvān
und alle Eigenschaften des tamas (Akk.Pl.; Gen.Sg.)
guṇān buddheś ca bhārata
und die Eigenschaften der Einsicht, Bhārata (Akk.Pl.; Gen.Sg.; Vok.)
guṇāṃś ca manasas tadvan nabhasaś ca guṇāṃs tathā; guṇān vāyoś ca dharmātmaṃs tejasaś ca guṇān punaḥ
und ebenso die Eigenschaften des Denkorgans (manas) und die Eigenschaften des Raums (nabhas), die Eigenschaften des Windes, o Rechtschaffener, und wiederum die Eigenschaften des Feuers,
Wort für Wort
guṇāṃś ca manasas tadvat
und die Eigenschaften des manas ebenso (Akk.Pl.; Gen.Sg.; Adv.)
nabhasaś ca guṇāṃs tathā
und die des Raumes, ebenso (Gen.Sg.; Akk.Pl.)
guṇān vāyoś ca dharmātman
und die Eigenschaften des Windes, o Rechtschaffener (Akk.Pl.; Gen.Sg.; Vok.)
apāṃ guṇāṃs tathā pārtha pārthivāṃś ca guṇān api; sarvātmanā guṇair vyāpya kṣetrajñaḥ sa yudhiṣṭhira
der Wasser und ebenso, Pārtha, auch die der Erde: durchdringt er mit seinem ganzen Wesen durch die Eigenschaften, der Kṣetrajña [Feldkenner], o Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort
apāṃ guṇāṃs tathā pārtha
die Eigenschaften der Wasser ebenso, Pārtha (Gen.Pl.; Akk.Pl.; Vok.)
pārthivāṃś ca guṇān api
und auch die irdischen Eigenschaften (Akk.Pl.)
sarvātmanā guṇair vyāpya
mit ganzem Wesen, durch die Eigenschaften durchdringend (Instr.Sg.; Instr.Pl.; Absolutiv)
ātmā ca yāti kṣetrajñaṃ karmaṇī ca śubhāśubhe; śiṣyā iva mahātmānam indriyāṇi ca taṃ vibho
Und das Selbst geht zum Kṣetrajña, ebenso die guten und schlechten Taten; und wie Schüler zum großen Selbst, o Mächtiger, gehen ihm auch die Sinne [nach].
Wort für Wort
ātmā ca yāti kṣetrajñaṃ
und das Selbst geht zum Kṣetrajña (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
karmaṇī ca śubhāśubhe
und die beiden Taten, gute und schlechte (Nom.Du.n.)
śiṣyā iva mahātmānam
wie Schüler zum Großgesinnten (Nom.Pl.; Akk.Sg.)
indriyāṇi ca taṃ vibho
und die Sinne zu ihm, o Mächtiger (Nom.Pl.; Akk.Sg.; Vok.)
Auch die Urnatur (prakṛti) überschreitend, gelangt er zum unvergänglichen Selbst, zum höchsten Nārāyaṇa-Selbst, dem gegensatzlosen, jenseits der Urnatur.
Wort für Wort
prakṛtiṃ ca api atikramya
und auch die Prakṛti überschreitend (Akk.Sg.; Absolutiv)
gacchaty ātmānam avyayam
geht er zum unvergänglichen Selbst (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
paraṃ nārāyaṇātmānaṃ
zum höchsten Nārāyaṇa-Selbst (Akk.Sg.)
nirdvaṃdvaṃ prakṛteḥ param
gegensatzlos, jenseits der Prakṛti (Akk.Sg.; Abl.Sg.)
śiṣṭaṃ tv atra manas tāta indriyāṇi ca bhārata; āgacchanti yathākālaṃ guroḥ saṃdeśakāriṇaḥ
Was hierbei übrig bleibt, mein Lieber, sind das Denkorgan und die Sinne, o Bhārata; sie kommen zu gegebener Zeit wie Diener, die den Auftrag des Lehrers ausführen.
Wort für Wort
śiṣṭaṃ tv atra manas tāta
übrig bleibt hier das manas, Lieber (Part.Nom.Sg.n.; Vok.)
indriyāṇi ca bhārata
und die Sinne, Bhārata (Nom.Pl.)
āgacchanti yathākālaṃ
kommen zur rechten Zeit (3.Pl.Präs.; Adv.)
guroḥ saṃdeśakāriṇaḥ
Ausführer des Auftrags des Lehrers (Gen.Sg.; Nom.Pl.)
Und in kurzer Zeit kann der, der die Eigenschaften anstrebt, den Frieden erlangen; so, o Kaunteya, [gelingt es] dem Gesammelten, dem Erlösungsstrebenden, der Erkenntnis in Sammlung besitzt.
Wort für Wort
śakyaṃ ca alpena kālena
und möglich in kurzer Zeit (Adj.Nom.Sg.n.; Instr.Sg.)
śāntiṃ prāptuṃ guṇārthinā
Frieden zu erlangen für den, der Eigenschaften erstrebt (Akk.Sg.; Inf.; Instr.Sg.)[?]
evaṃ yuktena kaunteya
so für den Gesammelten, Kaunteya (Instr.Sg.; Vok.)
yuktajñānena mokṣiṇā
für den Erlösungsstrebenden mit gesammelter Erkenntnis (Instr.Sg.)
guṇārthinā ist unsicher; die Konstruktion mit Instrumentalis (statt Dativ) als Agens-Konstruktion aufgefasst.
Hierüber soll dir kein Zweifel sein: Die Sāṃkhya-Erkenntnis gilt als die höchste. [Sie betrifft] das Unvergängliche, Feste, Unmanifeste, das frühere, ewige Brahman,
Wort für Wort
atra te saṃśayo mā bhūj
hierüber soll dir kein Zweifel sein (Nom.Sg.; Aorist-Injunktiv 3.Sg.)
jñānaṃ sāṃkhyaṃ paraṃ matam
die Sāṃkhya-Erkenntnis gilt als die höchste (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
akṣaraṃ dhruvam avyaktaṃ
das Unvergängliche, Feste, Unmanifeste (Akk./Nom.Sg.n.)
sarve viprāś ca devāś ca tathāgamavido janāḥ; brahmaṇyaṃ paramaṃ devam anantaṃ parato 'cyutam
alle Brahmanen und Götter und ebenso die Kenner der Überlieferung: den Brahmanen Zugewandten, den höchsten Gott, den Unendlichen, jenseits Stehenden, Unvergänglichen –
Wort für Wort
sarve viprāś ca devāś ca
alle Brahmanen und Götter (Nom.Pl.)
tathāgamavido janāḥ
ebenso die Menschen, die die Überlieferung kennen (Nom.Pl.)
brahmaṇyaṃ paramaṃ devam
den Brahmanenfreundlichen, den höchsten Gott (Akk.Sg.)
anantaṃ parato 'cyutam
den Unendlichen, jenseits [von allem], Nicht-Fallenden (Akk.Sg.; Adv.)
ihn erstreben die Brahmanen, die auf die Eigenschaften Bedachten, und sprechen [von ihm]; recht gesammelt sind ebenso die Yogins und die Sāṃkhyas von unermesslicher Einsicht.
Wort für Wort
prārthayantaś ca taṃ viprā
und ihn erstrebend, die Brahmanen (Part.Nom.Pl.; Akk.Sg.)
vadanti guṇabuddhayaḥ
sie sprechen, an die Eigenschaften Denkende (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
samyag yuktās tathā yogāḥ
recht gesammelt, ebenso die Yogas (Part.Nom.Pl.; Nom.Pl.)[?]
sāṃkhyāś ca amitadarśanāḥ
und die Sāṃkhyas von unermesslicher Sicht (Nom.Pl.)
Der Vers ist in der Bezugsstruktur unsicher; yogāḥ evtl. als „die Yoga-Anhänger“ zu verstehen.
Für den Gestaltlosen, Kaunteya, gilt nach der Überlieferung das Sāṃkhya als Gestalt; man nennt Erkennungszeichen von ihm – so ist die Lehre, o Stier der Bharatas.
Wort für Wort
amūrtes tasya kaunteya
von jenem Gestaltlosen, Kaunteya (Gen.Sg.; Vok.)
sāṃkhyaṃ mūrtir iti śrutiḥ
das Sāṃkhya ist [seine] Gestalt, so die Überlieferung (Nom.Sg.; Nom.Sg.f.)
abhijñānāni tasya āhur
Erkennungszeichen von ihm nennen sie (Akk.Pl.; 3.Pl.Perf.)
mataṃ hi bharatarṣabha
denn [das ist] die Lehrmeinung, Stier der Bharatas (Nom.Sg.n.; Vok.)
dvividhānīha bhūtāni pṛthivyāṃ pṛthivīpate; jaṅgamāgamasaṃjñāni jaṅgamaṃ tu viśiṣyate
Zweierlei Wesen gibt es hier auf der Erde, o Herr der Erde: solche, die „bewegend“ und solche, die „nicht bewegend“ heißen; das Bewegende aber ist das Vorzüglichere.
Wort für Wort
dvividhāni iha bhūtāni
zweierlei Wesen hier (Nom.Pl.n.)
pṛthivyāṃ pṛthivīpate
auf der Erde, o Erdherr (Lok.Sg.; Vok.)
jaṅgamāgamasaṃjñāni
„bewegend“ und „nicht-bewegend“ genannt (Nom.Pl.n.)
jaṅgamaṃ tu viśiṣyate
das Bewegende aber ist ausgezeichnet (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
jñānaṃ mahad yad dhi mahatsu rājan; vedeṣu sāṃkhyeṣu tathaiva yoge; yac cāpi dṛṣṭaṃ vividhaṃ purāṇaṃ; sāṃkhyāgataṃ tan nikhilaṃ narendra
Die große Erkenntnis, die [es] bei den Großen, o König, in den Veden, im Sāṃkhya und ebenso im Yoga [gibt], und was auch immer an vielfältigem Alten [Purāṇa] gesehen wird – all das ist aus dem Sāṃkhya hervorgegangen, o Herr der Menschen.
Wort für Wort
jñānaṃ mahad yad dhi mahatsu rājan
die große Erkenntnis, die bei den Großen, König (Nom.Sg.n.; Lok.Pl.; Vok.)
vedeṣu sāṃkhyeṣu tathaiva yoge
in Veden, in Sāṃkhya-Lehren, ebenso im Yoga (Lok.)
yac cāpi dṛṣṭaṃ vividhaṃ purāṇaṃ
und was auch gesehen wird, das vielfältige Alte (Part.Pass.; Nom.Sg.n.)
sāṃkhyāgataṃ tan nikhilaṃ narendra
aus dem Sāṃkhya gekommen ist das alles, Menschenherr (Part.Nom.Sg.n.; Vok.)
yac cetihāseṣu mahatsu dṛṣṭaṃ; yac cārthaśāstre nṛpa śiṣṭajuṣṭe; jñānaṃ ca loke yad ihāsti kiṃ cit; sāṃkhyāgataṃ tac ca mahan mahātman
Und was in den großen Itihāsas gesehen wird und in der Nutzenlehre (arthaśāstra), o König, die von Guten gepflegt wird, und was es hier in der Welt an Wissen irgend gibt – das ist aus dem Sāṃkhya gekommen und groß, o Großgesinnter.
Wort für Wort
yac ca itihāseṣu mahatsu dṛṣṭaṃ
und was in den großen Itihāsas gesehen wird (Lok.Pl.; Part.)
yac ca arthaśāstre nṛpa śiṣṭajuṣṭe
und was in der Nutzenlehre, o König, von Guten gepflegt (Lok.Sg.; Vok.)
jñānaṃ ca loke yad ihāsti kiṃ cit
und Wissen, das es hier in der Welt irgend gibt (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)
sāṃkhyāgataṃ tac ca mahan mahātman
aus dem Sāṃkhya, das ist groß, o Großgesinnter (Part.; Nom.Sg.n.; Vok.)
śamaś ca dṛṣṭaḥ paramaṃ balaṃ ca; jñānaṃ ca sūkṣmaṃ ca yathāvad uktam; tapāṃsi sūkṣmāṇi sukhāni caiva; sāṃkhye yathāvad vihitāni rājan
Besonnenheit ist gesehen und höchste Kraft, und feines Wissen ist der Wahrheit gemäß gelehrt; feine Bußübungen und Freuden sind, o König, im Sāṃkhya der Ordnung gemäß bestimmt.
Wort für Wort
śamaś ca dṛṣṭaḥ paramaṃ balaṃ ca
Gelassenheit ist gesehen und höchste Kraft (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
jñānaṃ ca sūkṣmaṃ ca yathāvad uktam
und feines Wissen ist recht gesagt (Part.Pass.Nom.Sg.n.)
tapāṃsi sūkṣmāṇi sukhāni caiva
feine Bußübungen und Freuden (Nom.Pl.n.)
sāṃkhye yathāvad vihitāni rājan
im Sāṃkhya recht festgesetzt, o König (Lok.Sg.; Part.Pass.; Vok.)
Bei Abweichung davon, Pārtha, gehen die Sāṃkhyas stets leicht zu den Göttern; und nachdem sie diese durchwandert haben, fallen sie, ihr Ziel erreicht, wieder unter die Brahmanen und Asketen.
Wort für Wort
viparyaye tasya hi pārtha devān
bei Umkehr/Abweichung davon, Pārtha, zu den Göttern (Lok.Sg.; Vok.; Akk.Pl.)
gacchanti sāṃkhyāḥ satataṃ sukhena
gehen die Sāṃkhyas stets leicht (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.; Instr.Sg.)
tāṃś ca anusaṃcārya tataḥ kṛtārthāḥ
und sie durchwandert habend, dann zielerfüllt (Absolutiv; Nom.Pl.)
patanti vipreṣu yateṣu bhūyaḥ
fallen [sie] wieder unter Brahmanen, unter Asketen (3.Pl.Präs.; Lok.Pl.)
hitvā ca dehaṃ praviśanti mokṣaṃ; divaukaso dyām iva pārtha sāṃkhyāḥ; tato 'dhikaṃ te 'bhiratā mahārhe; sāṃkhye dvijāḥ pārthiva śiṣṭajuṣṭe
Und den Körper verlassend, gehen die Sāṃkhyas in die Erlösung ein, wie Himmelsbewohner in den Himmel, Pārtha; darüber hinaus sind die Zweimalgeborenen, o König, dem wertvollen, von Guten gepflegten Sāṃkhya ergeben.
Wort für Wort
hitvā ca dehaṃ praviśanti mokṣaṃ
und den Körper verlassend, gehen sie ein in die Erlösung (Absolutiv; 3.Pl.Präs.; Akk.Sg.)
divaukaso dyām iva pārtha sāṃkhyāḥ
wie Himmelsbewohner in den Himmel, Pārtha, die Sāṃkhyas (Nom.Pl.; Akk.Sg.; Vok.)
tato 'dhikaṃ te 'bhiratā
darüber hinaus sind sie ergeben (Adv.; Nom.Pl.; Part.)
mahārhe sāṃkhye dvijāḥ pārthiva śiṣṭajuṣṭe
dem kostbaren Sāṃkhya, die Zweimalgeborenen, König, von Guten gepflegt (Lok.Sg.; Nom.Pl.; Vok.)
teṣāṃ na tiryag gamanaṃ hi dṛṣṭaṃ; nāvāg gatiḥ pāpakṛtāṃ nivāsaḥ; na cābudhānām api te dvijātayo; ye jñānam etan nṛpate 'nuraktāḥ
Bei ihnen sieht man weder den Weg in Tiergeburten noch den Abstieg nach unten, noch wohnen sie bei den Sündigen; und sie sind auch nicht unwissend, die Zweimalgeborenen, die, o Fürst, dieser Erkenntnis ergeben sind.
Wort für Wort
teṣāṃ na tiryag gamanaṃ hi dṛṣṭaṃ
bei ihnen ist kein Gang in Tiergeburten gesehen (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.; Part.)
na avāg gatiḥ pāpakṛtāṃ nivāsaḥ
weder Gang nach unten noch Aufenthalt bei Übeltätern (Nom.Sg.f.; Gen.Pl.; Nom.Sg.m.)
na ca abudhānām api te dvijātayo
und sie [gehören] auch nicht zu den Unwissenden, die Zweimalgeborenen (Gen.Pl.; Nom.Pl.)
ye jñānam etan nṛpate 'nuraktāḥ
die dieser Erkenntnis, Fürst, ergeben sind (Rel.; Akk.Sg.n.; Vok.; Part.Nom.Pl.)
etan mayoktaṃ naradeva tattvaṃ; nārāyaṇo viśvam idaṃ purāṇam; sa sargakāle ca karoti sargaṃ; saṃhārakāle ca tad atti bhūyaḥ
Dies habe ich dir als Wahrheit gesagt, o Herr der Menschen: Nārāyaṇa ist dieses alte All. Er erschafft zur Zeit der Schöpfung die Schöpfung, und zur Zeit der Auflösung verzehrt er sie wieder.
Wort für Wort
etan mayā uktaṃ naradeva tattvaṃ
dies wurde von mir gesagt, die Wahrheit, Menschengott (Part.Pass.; Instr.; Vok.)
nārāyaṇo viśvam idaṃ purāṇam
Nārāyaṇa [ist] dieses alte All (Nom.Sg.; Nom.Sg.n.)
sa sargakāle ca karoti sargaṃ
und er macht zur Schöpfungszeit die Schöpfung (3.Sg.Präs.)
saṃhārakāle ca tad atti bhūyaḥ
und zur Zeit der Auflösung verzehrt er es wieder (3.Sg.Präs.; Adv.)