Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 166: kṛtaghnagautamavadhaḥ Der Tod des undankbaren Gautama: Ächtung des Undankbaren

Fortsetzung der Erzählung vom undankbaren Brahmanen Gautama und dem Reiherkönig Rājadharman: Gautama erschlägt den schlafenden Gastgeber, Virūpākṣa lässt nachforschen, und selbst Rākṣasas und Räuber verschmähen den Undankbaren; Schlusssatz: für den Undankbaren gibt es keine Sühne.

bhīṣma uvāca; atha tatra mahārciṣmān analo vātasārathiḥ; tasyāvidūre rakṣārthaṃ khagendreṇa kṛto 'bhavat

Bhīṣma sprach: Dort nun war, nicht weit von ihm, vom Vogelfürsten zum Schutz [des Gastes] ein hell lodernder Brand entfacht worden, vom Wind [wie von einem Wagenlenker] getrieben.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.3.Sg.)
atha tatra
da/nun dort
mahārciṣmān analaḥ
hell flammendes Feuer (Nom.Sg.m.)
vātasārathiḥ
den Wind zum Wagenlenker habend (Bahuvrīhi, Nom.)
tasya avidūre
nicht fern von ihm (Gen./Lok.)
rakṣārthaṃ khagendreṇa
zum Schutz vom Vogelfürsten (Akk./Instr.)
kṛtaḥ abhavat
war gemacht worden (Ppp. + Impf.)

sa cāpi pārśve suṣvāpa viśvasto bakarāṭ tadā; kṛtaghnas tu sa duṣṭātmā taṃ jighāṃsur ajāgarat

Auch jener Reiherkönig schlief damals vertrauensvoll an [seiner] Seite; der Undankbare aber, der Bösgesinnte, blieb wach, ihn töten wollend.

Wort für Wort
sa ca api
und auch er
pārśve suṣvāpa
schlief an der Seite (Lok.; Perf.3.Sg.)
viśvastaḥ bakarāṭ tadā
vertrauend, der Reiherkönig, damals (Nom.)
kṛtaghnaḥ tu sa duṣṭātmā
der Undankbare aber, jener Bösgesinnte (Nom.)
taṃ jighāṃsuḥ
ihn töten wollend (Desiderativ-Adj., Nom.)
ajāgarat
wachte (Impf.3.Sg.)

tato 'lātena dīptena viśvastaṃ nijaghāna tam; nihatya ca mudā yuktaḥ so 'nubandhaṃ na dṛṣṭavān

Da erschlug er den Vertrauenden mit einem brennenden Feuerbrand; und nachdem er ihn erschlagen hatte, voll Freude, sah er die Folge [seiner Tat] nicht.

Wort für Wort
tataḥ alātena dīptena
da mit brennendem Feuerbrand (Instr.)
viśvastaṃ nijaghāna tam
den Vertrauenden erschlug er ihn (Perf.3.Sg.)
nihatya ca
und nachdem er erschlagen hatte (Abs.)
mudā yuktaḥ
freudig, mit Freude verbunden (Nom.)
saḥ anubandhaṃ na dṛṣṭavān
er sah die Folge nicht (Ppa.)

sa taṃ vipakṣaromāṇaṃ kṛtvāgnāv apacat tadā

Er machte ihn dann federlos [wörtlich: der Flügel und Haare beraubt] und briet ihn im Feuer.

Wort für Wort
sa taṃ
er ihn
vipakṣaromāṇaṃ kṛtvā
der Flügel und Federn beraubt machend (Abs.)
agnau apacat tadā
im Feuer briet er dann (Impf.3.Sg.)

pakvānnaṃ bhakṣayitvā ca kṛtaghnaḥ pāpapūruṣaḥ; jagāma tvarayā rājan svagṛhaṃ kṛtakṛtyavat

Und nachdem er die gargekochte Speise gegessen hatte, ging der Undankbare, der sündige Mensch, eilig, König, nach Hause, als hätte er sein Werk vollbracht.

Wort für Wort
pakvānnaṃ bhakṣayitvā ca
und die gekochte Speise gegessen habend (Abs.)
kṛtaghnaḥ pāpapūruṣaḥ
der Undankbare, sündiger Mensch (Nom.)
jagāma tvarayā rājan
ging eilig, König (Perf.3.Sg.; Vok.)
svagṛhaṃ kṛtakṛtyavat
nach Hause, wie einer der sein Werk vollbracht hat (Akk.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star); Gautama als Subjekt ergänzt.

taṃ gṛhītvā suvarṇaṃ ca yayau drutataraṃ dvijaḥ

Nachdem der Zweimalgeborene ihn und das Gold genommen hatte, ging er noch schneller davon.

Wort für Wort
taṃ gṛhītvā
ihn genommen habend (Abs.)
suvarṇaṃ ca
und das Gold (Akk.)
yayau drutataram
ging schneller (Perf.3.Sg.; Komp.-Adv.)
dvijaḥ
der Zweimalgeborene (Nom.)

tato dākṣāyaṇīputraṃ nāgataṃ taṃ tu bhārata; virūpākṣaś cintayan vai hṛdayena vidūyatā

Als aber der Sohn der Dākṣāyaṇī nicht kam, Bhārata, grübelte Virūpākṣa mit bekümmertem Herzen.

Wort für Wort
tataḥ dākṣāyaṇīputram
da den Sohn der Dākṣāyaṇī (Akk.)
na āgatam taṃ tu
nicht gekommen, ihn aber (Ppp.)
bhārata
Bhārata (Vok.)
virūpākṣaḥ cintayan
Virūpākṣa grübelnd (Ppr.)
hṛdayena vidūyatā
mit sich quälendem Herzen (Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star); Dākṣāyaṇī = Tochter des Dakṣa, hier Rājadharmans Mutter.

tato 'nyasmin gate cāhni virūpākṣo 'bravīt sutam; na prekṣe rājadharmāṇam adya putra khagottamam

Als dann ein anderer Tag vergangen war, sprach Virūpākṣa zu [seinem] Sohn: „Ich sehe heute den Rājadharman nicht, mein Sohn, den besten der Vögel.“

Wort für Wort
tataḥ anyasmin gate ca ahni
dann, als ein anderer Tag vergangen (Lok. abs.)
virūpākṣaḥ abravīt sutam
Virūpākṣa sprach zum Sohn (Impf.3.Sg.; Akk.)
na prekṣe
ich sehe nicht (1.Sg.Med.)
rājadharmāṇam adya
den Rājadharman heute (Akk.)
putra khagottamam
Sohn! den besten Vogel (Vok.; Akk.)

sa pūrvasaṃdhyāṃ brahmāṇaṃ vandituṃ yāti sarvadā

„Er geht stets zur Morgendämmerung, um Brahmā zu verehren.“

Wort für Wort
sa pūrvasaṃdhyām
er zur ersten Dämmerung (Akk.)
brahmāṇaṃ vandituṃ
Brahmā zu verehren (Inf.)
yāti sarvadā
geht immer (3.Sg.Präs.)

aparāṃ caiva māṃ draṣṭum āyāti sa vihaṃgarāṭ

„Und zur anderen [Dämmerung] kommt jener Vogelkönig, um mich zu sehen.“

Wort für Wort
aparāṃ ca eva
und auch zur anderen (Akk.)
māṃ draṣṭum
mich zu sehen (Inf.)
āyāti sa vihaṃgarāṭ
kommt er, der Vogelkönig (3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star); die Ergänzung [Dämmerung] ergibt sich aus aparām.

māṃ cādṛṣṭvā kadā cit sa na gacchati gṛhān khagaḥ

„Und ohne mich gesehen zu haben, geht der Vogel zuweilen nicht heim.“

Wort für Wort
mām ca adṛṣṭvā
und mich nicht gesehen habend (Abs.)
kadā cit sa
irgendwann er
na gacchati gṛhān
geht nicht nach Hause (Präs.; Akk.Pl.)
khagaḥ
der Vogel (Nom.)

ubhe dvirātraṃ saṃdhye vai nābhyagāt sa mamālayam; tasmān na śudhyate bhāvo mama sa jñāyatāṃ suhṛt

„Beide Dämmerungen, zwei Nächte lang, kam er nicht zu meinem Haus; darum wird mein Gemüt nicht klar. Jener Freund soll aufgesucht [erkundet] werden.“

Wort für Wort
ubhe dvirātram saṃdhye vai
beide Dämmerungen, zwei Nächte (Akk. Du.)
na abhyagāt sa mama ālayam
er kam nicht zu meinem Haus (Aor.3.Sg.)
tasmāt na śudhyate bhāvaḥ mama
darum wird mein Gemüt nicht rein (Pass.3.Sg.)
sa jñāyatāṃ suhṛt
jener Freund werde erkundet (Imp.Pass.3.Sg.)

svādhyāyena viyukto hi brahmavarcasavarjitaḥ; taṃ gatas tatra me śaṅkā hanyāt taṃ sa dvijādhamaḥ

„Ohne Studium der Veden, des Brahmanenglanzes bar: zu ihm ist er dorthin gegangen; ich fürchte, jener niedrigste der Zweimalgeborenen könnte ihn erschlagen.“

Wort für Wort
svādhyāyena viyuktaḥ hi
ohne Vedastudium (Instr.; Ppp.)
brahmavarcasavarjitaḥ
des Brahmanenglanzes beraubt (Nom.)
taṃ gataḥ tatra
zu ihm dorthin gegangen (Ppp.)
me śaṅkā
mein Verdacht (Nom.)
hanyāt taṃ
er möge ihn erschlagen (Pot.3.Sg.)
sa dvijādhamaḥ
jener niedrigste Zweimalgeborene (Nom.)

Der Bezug von „taṃ gataḥ“ ist knapp; sinngemäß: Rājadharman ist zu Gautama gegangen [?].

durācāras tu durbuddhir iṅgitair lakṣito mayā; niṣkriyo dāruṇākāraḥ kṛṣṇo dasyur ivādhamaḥ

„Schlechten Wandels, schlechten Verstandes, an [seinen] Gebärden von mir durchschaut: untätig, von grausamem Aussehen, schwarz, wie ein niedriger Räuber.“

Wort für Wort
durācāraḥ tu durbuddhiḥ
von üblem Wandel, von üblem Verstand (Nom.)
iṅgitaiḥ lakṣitaḥ mayā
an Gebärden erkannt von mir (Instr.; Ppp.)
niṣkriyaḥ
untätig/ohne rituelles Handeln (Nom.)
dāruṇākāraḥ
von grausamer Gestalt (Bahuvrīhi)
kṛṣṇaḥ dasyuḥ iva adhamaḥ
schwarz, wie ein niedriger Räuber (Nom.)

gautamaḥ sa gatas tatra tenodvignaṃ mano mama; putra śīghram ito gatvā rājadharmaniveśanam; jñāyatāṃ sa viśuddhātmā yadi jīvati māciram

„Jener Gautama ist dorthin gegangen; darum ist mein Sinn beunruhigt. Sohn, gehe rasch von hier zur Wohnstatt des Rājadharman; es soll ohne Verzug erkundet werden, ob jener Lautere noch lebt.“

Wort für Wort
gautamaḥ sa gataḥ tatra
jener Gautama ist dorthin gegangen (Ppp.)
tena udvignaṃ manaḥ mama
deshalb ist mein Sinn beunruhigt (Ppp.)
putra śīghram itaḥ gatvā
Sohn, rasch von hier gegangen (Vok.; Abs.)
rājadharmaniveśanam
zur Wohnstatt des Rājadharman (Akk.)
jñāyatāṃ sa viśuddhātmā
erkundet werde jener Lautere (Imp.Pass.)
yadi jīvati mā ciram
ob er lebt; nicht lange [zögern] (Präs.; Prohib.-Part.)

sa evam uktas tvarito rakṣobhiḥ sahito yayau; nyagrodhaṃ tatra cāpaśyat kaṅkālaṃ rājadharmaṇaḥ

So angesprochen, machte er sich eilends mit Rākṣasas auf den Weg und erblickte dort am Feigenbaum das Gerippe des Rājadharman.

Wort für Wort
sa evam uktaḥ tvaritaḥ
so angesprochen, eilend (Ppp.)
rakṣobhiḥ sahitaḥ yayau
mit Rakṣas versehen ging er (Instr.; Perf.)
nyagrodhaṃ tatra ca apaśyat
und sah dort den Feigenbaum (Akk.; Impf.)
kaṅkālaṃ rājadharmaṇaḥ
das Gerippe des Rājadharman (Akk.; Gen.)

sa rudann agamat putro rākṣasendrasya dhīmataḥ; tvaramāṇaḥ paraṃ śaktyā gautamagrahaṇāya vai

Weinend ging der Sohn des klugen Rākṣasa-Fürsten [weiter], mit äußerster Kraft eilend, um Gautama zu ergreifen.

Wort für Wort
sa rudan agamat
er weinend ging (Ppr.; Impf.)
putraḥ rākṣasendrasya dhīmataḥ
der Sohn des klugen Rākṣasa-Fürsten (Nom.; Gen.)
tvaramāṇaḥ param śaktyā
eilend mit höchster Kraft (Ppr.Med.; Instr.)
gautamagrahaṇāya vai
um Gautama zu ergreifen (Dat.)

tato 'vidūre jagṛhur gautamaṃ rākṣasās tadā; rājadharmaśarīraṃ ca pakṣāsthicaraṇojjhitam

Da ergriffen die Rākṣasas nicht weit entfernt den Gautama, und auch den Körper des Rājadharman, dem Flügel, Knochen und Füße genommen waren.

Wort für Wort
tataḥ avidūre
dann nicht weit (Adv.)
jagṛhuḥ gautamaṃ rākṣasāḥ tadā
ergriffen Gautama, die Rākṣasas (Perf.3.Pl.)
rājadharmaśarīraṃ ca
und den Körper des Rājadharman (Akk.)
pakṣāsthicaraṇojjhitam
von Flügeln, Knochen, Füßen verlassen/entblößt (Ppp.-Komp.)

pakṣāsthicaraṇojjhitam: Deutung als „dem Flügel, Knochen und Füße fehlten“ unsicher [?].

tam ādāyātha rakṣāṃsi drutaṃ meruvrajaṃ yayuḥ; rājñaś ca darśayām āsuḥ śarīraṃ rājadharmaṇaḥ; kṛtaghnaṃ puruṣaṃ taṃ ca gautamaṃ pāpacetasam

Nachdem sie ihn genommen hatten, gingen die Rākṣasas rasch zum Meru-Bezirk und zeigten dem König den Körper des Rājadharman und den undankbaren Menschen Gautama, den Bösgesinnten.

Wort für Wort
tam ādāya atha rakṣāṃsi
ihn genommen habend, dann die Rakṣas (Abs.)
drutaṃ meruvrajaṃ yayuḥ
eilig zum Meru-Bezirk gingen sie (Akk.; Perf.)
rājñaḥ ca darśayām āsuḥ
und zeigten dem König (Dat.; Perf.Kaus.)
śarīraṃ rājadharmaṇaḥ
den Körper des Rājadharman (Akk.; Gen.)
kṛtaghnaṃ puruṣaṃ taṃ ca gautamam
und den undankbaren Menschen Gautama (Akk.)
pāpacetasam
bösgesinnt (Akk.)

ruroda rājā taṃ dṛṣṭvā sāmātyaḥ sapurohitaḥ; ārtanādaś ca sumahān abhūt tasya niveśane

Der König weinte, als er ihn sah, zusammen mit den Ministern und dem Hauspriester; und ein sehr großer Klageschrei erhob sich in seinem Haus.

Wort für Wort
ruroda rājā
weinte der König (Perf.)
taṃ dṛṣṭvā
ihn gesehen habend (Abs.)
sāmātyaḥ sapurohitaḥ
samt Ministern, samt Hauspriester (Bahuvrīhi)
ārtanādaḥ ca sumahān abhūt
und ein sehr großer Klageschrei entstand (Aor.)
tasya niveśane
in seinem Haus (Lok.)

sastrīkumāraṃ ca puraṃ babhūvāsvasthamānasam; athābravīn nṛpaḥ putraṃ pāpo 'yaṃ vadhyatām iti

Und die Stadt samt Frauen und Kindern wurde im Gemüt verstört. Da sprach der König zum Sohn: „Dieser Böse soll getötet werden.“

Wort für Wort
sastrīkumāram ca puram
und die Stadt samt Frauen und Kindern (Akk.)
babhūva asvasthamānasam
wurde unruhigen Sinnes (Perf.; Bahuvrīhi)
atha abravīt nṛpaḥ putram
da sprach der König zum Sohn (Impf.)
pāpaḥ ayaṃ vadhyatām
dieser Böse werde getötet (Imp.Pass.)
iti
so (Zitatpartikel)

asya māṃsair ime sarve viharantu yatheṣṭataḥ; pāpācāraḥ pāpakarmā pāpātmā pāpaniścayaḥ; hantavyo 'yaṃ mama matir bhavadbhir iti rākṣasāḥ

„Von seinem Fleisch sollen sich all diese nach Belieben laben. Er ist böser Wandel, böser Taten, böser Seele, böser Entschlossenheit; er ist zu töten: das ist mein Entschluss, [den] ihr [ausführen sollt], Rākṣasas.“

Wort für Wort
asya māṃsaiḥ ime sarve
mit seinem Fleisch diese alle (Instr.)
viharantu yatheṣṭataḥ
sollen sich ergötzen nach Belieben (Imp.)
pāpācāraḥ pāpakarmā
von bösem Wandel, bösen Taten (Nom.)
pāpātmā pāpaniścayaḥ
böser Seele, böser Entschlossenheit (Nom.)
hantavyaḥ ayaṃ mama matiḥ
dieser ist zu töten: mein Entschluss (Gerundiv; Nom.)
bhavadbhiḥ iti rākṣasāḥ
von euch, so [sagte er], Rākṣasas (Instr.; Vok.)

ity uktā rākṣasendreṇa rākṣasā ghoravikramāḥ; naicchanta taṃ bhakṣayituṃ pāpakarmāyam ity uta

So vom Rākṣasa-Fürsten angesprochen, wollten die Rākṣasas von schrecklicher Tapferkeit ihn nicht verzehren: „Er ist ein Übeltäter“, [sagten sie].

Wort für Wort
iti uktāḥ rākṣasendreṇa
so angesprochen vom Rākṣasa-Fürsten (Ppp.; Instr.)
rākṣasāḥ ghoravikramāḥ
die Rākṣasas von furchtbarer Kraft (Nom.)
na aicchanta
wollten nicht (Impf.Med.3.Pl.)
taṃ bhakṣayitum
ihn zu essen (Inf.)
pāpakarmā ayam iti uta
dieser ist ein Übeltäter, so [sprachen sie] (Nom.)

dasyūnāṃ dīyatām eṣa sādhv adya puruṣādhamaḥ; ity ūcus taṃ mahārāja rākṣasendraṃ niśācarāḥ

„Den Räubern soll dieser heute gegeben werden, gut so, der niedrigste der Menschen“: so sprachen die Nachtwandler, großer König, zum Fürsten der Rākṣasas.

Wort für Wort
dasyūnāṃ dīyatām eṣaḥ
den Räubern werde dieser gegeben (Dat./Gen.; Imp.Pass.)
sādhu adya puruṣādhamaḥ
gut, heute, niedrigster Mensch (Nom.)
iti ūcuḥ taṃ mahārāja
so sprachen sie zu ihm, großer König (Perf.3.Pl.; Vok.)
rākṣasendram niśācarāḥ
zum Rākṣasa-Fürsten, die Nachtwandler (Akk.; Nom.)

śirobhiś ca gatā bhūmim ūcū rakṣogaṇādhipam; na dātum arhasi tvaṃ no bhakṣaṇāyāsya kilbiṣam

Mit den Köpfen zur Erde gebeugt, sprachen sie zum Herrn der Rakṣas-Scharen: „Du solltest uns diese Schuld nicht zum Fraß geben.“

Wort für Wort
śirobhiḥ ca gatāḥ bhūmim
mit den Köpfen zur Erde gegangen, d. h. sich verneigend (Instr.; Ppp.)
ūcuḥ rakṣogaṇādhipam
sprachen zum Herrn der Rakṣas-Scharen (Perf.; Akk.)
na dātum arhasi tvaṃ naḥ
du sollst uns nicht geben (Inf.; 2.Sg.)
bhakṣaṇāya asya kilbiṣam
zum Fraß diese Schuld/diesen Schuldbeladenen (Dat.; Akk.)

evam astv iti tān āha rākṣasendro niśācarān; dasyūnāṃ dīyatām eṣa kṛtaghno 'dyaiva rākṣasāḥ

„So sei es“, sagte der Rākṣasa-Fürst zu den Nachtwandlern; „den Räubern soll dieser Undankbare noch heute gegeben werden, Rākṣasas.“

Wort für Wort
evam astu iti
so sei es, so (Imp.)
tān āha rākṣasendraḥ niśācarān
zu ihnen sagte der Rākṣasa-Fürst, den Nachtwandlern (Perf.)
dasyūnāṃ dīyatām eṣaḥ
den Räubern werde dieser gegeben (Imp.Pass.)
kṛtaghnaḥ adya eva rākṣasāḥ
der Undankbare heute noch, Rākṣasas (Vok.)

ity ukte tasya te dāsāḥ śūlamudgarapāṇayaḥ; chittvā taṃ khaṇḍaśaḥ pāpaṃ dasyubhyaḥ pradadus tadā

Als dies gesagt war, zerstückelten seine Diener, Lanzen und Keulen in den Händen, den Bösen und gaben ihn dann den Räubern.

Wort für Wort
iti ukte tasya te dāsāḥ
als so gesagt war, seine Diener (Lok. abs.)
śūlamudgarapāṇayaḥ
Lanze und Keule in der Hand (Bahuvrīhi)
chittvā taṃ khaṇḍaśaḥ pāpam
ihn in Stücke zerhauen habend, den Bösen (Abs.; Adv.)
dasyubhyaḥ pradaduḥ tadā
gaben den Räubern dann (Dat.; Perf.3.Pl.)

dasyavaś cāpi naicchanta tam attuṃ pāpakāriṇam; kravyādā api rājendra kṛtaghnaṃ nopabhuñjate

Auch die Räuber wollten diesen Übeltäter nicht essen; selbst Fleischfresser, Fürst der Könige, verzehren einen Undankbaren nicht.

Wort für Wort
dasyavaḥ ca api na aicchanta
auch die Räuber wollten nicht (Impf.)
tam attum pāpakāriṇam
ihn essen, den Übeltäter (Inf.; Akk.)
kravyādāḥ api rājendra
auch Fleischfresser, Fürst der Könige (Nom.; Vok.)
kṛtaghnaṃ na upabhuñjate
einen Undankbaren essen sie nicht (Präs.Med.3.Pl.)

brahmaghne ca surāpe ca core bhagnavrate tathā; niṣkṛtir vihitā rājan kṛtaghne nāsti niṣkṛtiḥ

Für einen Brahmanenmörder, einen Branntweintrinker, einen Dieb und für den, der ein Gelübde gebrochen hat, ist eine Sühne festgesetzt, König; für den Undankbaren gibt es keine Sühne.

Wort für Wort
brahmaghne ca surāpe ca
beim Brahmanenmörder und Branntweintrinker (Lok.)
core bhagnavrate tathā
beim Dieb, ebenso beim Gelübdebrecher (Lok.)
niṣkṛtiḥ vihitā rājan
Sühne ist festgesetzt, König (Ppp.; Vok.)
kṛtaghne na asti niṣkṛtiḥ
beim Undankbaren gibt es keine Sühne (Lok.)

mitradrohī nṛśaṃsaś ca kṛtaghnaś ca narādhamaḥ; kravyādaiḥ kṛmibhiś cānyair na bhujyante hi tādṛśāḥ

Ein Freundverräter, ein Grausamer, ein Undankbarer, der niedrigste der Menschen: solche werden weder von Fleischfressern noch von Würmern und anderen gefressen.

Wort für Wort
mitradrohī nṛśaṃsaḥ ca
der Freundverräter und der Grausame (Nom.)
kṛtaghnaḥ ca narādhamaḥ
der Undankbare, niedrigster Mensch (Nom.)
kravyādaiḥ kṛmibhiḥ ca anyaiḥ
von Fleischfressern, Würmern und anderen (Instr.Pl.)
na bhujyante hi tādṛśāḥ
werden nicht gegessen, solche (Pass.3.Pl.)

nyagrodhe rājadharmāṇam apaśyan nihataṃ tataḥ; ruditvā bahu tat tad vai vilapya ca sa rākṣasaḥ; gato roṣasamāviṣṭo gautamagrahaṇāya vai; gṛhīto gautamaḥ pāpo rakṣobhiḥ krodhamūrchitaiḥ; rājadharmaśarīrasya kaṅkālaṃ cāpy atho dhṛtam; merupṛṣṭhe ca nagaraṃ yātudhānās tato gatāḥ; krodharaktekṣaṇā ghorā gautamasya vadhe dhṛtāḥ; pārthivasyāgrato nyastaḥ kaṅkālo rājadharmaṇaḥ; taṃ dṛṣṭvā vimanā rājā sāmātyaḥ sagaṇo 'bhavat; ārtanādo mahān āsīd gṛhe tasya mahātmanaḥ; strīsaṃghasya tadā rājan nihate kāśyapātmaje; rākṣasā ūcuḥ; rājā caivābravīt putraṃ pāpo 'yaṃ vadhyatām iti; asya māṃsaṃ vayaṃ sarve khādiṣyāmaḥ samāgatāḥ; pāpakṛt pāpakarmā ca pāpātmā pāpam āsthitaḥ; virūpākṣa uvāca; hantavya eva pāpātmā kṛtaghno nātra saṃśayaḥ; kṛtaghnaṃ pāpakarmāṇaṃ na bhakṣayitum utsahe; dāsebhyo dīyatām eṣa mitradhruk puruṣādhamaḥ; bhīṣma uvāca; dāsāḥ sarve samāhūtā yātudhānās tathāpare; necchanti sma kṛtaghnaṃ taṃ khādituṃ puruṣottama; śirobhiś ca gatā bhūmiṃ mahārāja tato balāt; mā nārthaṃ jātanirbandhaṃ kilbiṣaṃ dātum arhasi; yātudhānā nṛpeṇoktāḥ pāpakarmā viśasyatām; bhakṣyatāṃ tyajyatāṃ vāyaṃ darśanān me 'panīyatām; tatas te ruṣitā dāsāḥ śūlapaṭṭasapāṇayaḥ; khaṇḍaśo vikṛtaṃ hatvā kravyādbhyo hy adadus tadā; kravyādās tv api rājendra necchanti piśitāśanāḥ; mṛtān api hi kravyādāḥ kṛtaghnān nopabhuñjate; brahmasvaharaṇe core brahmaghne gurutalpage; niṣkṛtir vihitā sadbhiḥ kṛtaghne nāsti niṣkṛtiḥ; mitradruhaṃ kṛtaghnaṃ ca nṛśaṃsaṃ ca narādhamam; kravyādāḥ krimayaś caiva nopabhuñjanti vai sadā

Da sahen sie Rājadharman am Feigenbaum erschlagen; und der Rākṣasa weinte vielfach und klagte, ging zornerfüllt, um Gautama zu ergreifen. Der böse Gautama wurde von den vor Zorn rasenden Rakṣas ergriffen, und auch das Gerippe des Rājadharman wurde [mit]genommen; dann gingen die Yātudhānas zur Stadt auf dem Rücken des Meru, zornrot die Augen, furchtbar, zur Tötung des Gautama entschlossen. Vor den König wurde das Gerippe des Rājadharman gelegt; als er es sah, wurde der König samt Ministern und Gefolge niedergeschlagen. Ein großer Klageschrei erhob sich im Haus des Hochgesinnten, und [im] Kreis der Frauen, König, als der Sohn Kāśyapas erschlagen war. Die Rākṣasas sprachen: Und der König sagte zum Sohn: „Dieser Böse soll getötet werden. Von seinem Fleisch werden wir alle, [hier] versammelt, essen. Ein Sündentäter, von bösen Taten, böser Seele, im Bösen verharrend.“ Virūpākṣa sprach: „Zu töten ist der Böse ohne Zweifel, der Undankbare; einen undankbaren Übeltäter mag ich nicht zu essen. Den Dienern werde dieser gegeben, der Freundverräter, der niedrigste Mensch.“ Bhīṣma sprach: Alle Diener wurden herbeigerufen, [ebenso] die Yātudhānas und andere; sie wollten jenen Undankbaren nicht essen, bester der Männer. Mit den Köpfen [zur Erde] gebeugt sprachen sie da, großer König, dringlich: „Du solltest [uns] nicht diese Schuld, die einen unheilvollen Zwang [?] bedeutet, geben.“ Die Yātudhānas, vom König angewiesen: „Der Übeltäter werde zerlegt; er werde gegessen oder verworfen oder aus meinem Blick entfernt“, da zerhieben ihn die zornigen Diener mit Lanzen und Schwertern [?] in Stücke, den Entstellten, und gaben ihn den Fleischfressern. Doch auch die Fleischfresser, König der Könige, Fleischesser, wollen ihn nicht: Selbst Tote, die Undankbare sind, verzehren Fleischfresser nicht. Für den, der Brahmanengut raubt, den Dieb, den Brahmanenmörder, den Schänder des Lehrerbetts, ist von den Guten Sühne festgesetzt; für den Undankbaren gibt es keine Sühne. Den Freundverräter, den Undankbaren, den Grausamen, den niedrigsten Menschen: Fleischfresser und Würmer essen sie niemals.

Wort für Wort
nyagrodhe rājadharmāṇam apaśyan nihatam
am Feigenbaum den erschlagenen Rājadharman sahen sie (Lok.; Akk.; Ppp.)
ruditvā bahu vilapya ca sa rākṣasaḥ
vielfach geweint und geklagt habend, der Rākṣasa (Abs.)
gato roṣasamāviṣṭaḥ gautamagrahaṇāya
zornerfüllt ging er, Gautama zu ergreifen (Ppp.; Dat.)
gṛhītaḥ gautamaḥ pāpaḥ rakṣobhiḥ
der böse Gautama wurde von den Rakṣas ergriffen (Ppp.; Instr.)
kaṅkālaṃ cāpi dhṛtam; yātudhānāḥ gatāḥ merupṛṣṭhe nagaram
auch das Gerippe wurde mitgeführt; die Yātudhānas gingen zur Stadt auf Merus Rücken
pārthivasya agrataḥ nyastaḥ kaṅkālaḥ; taṃ dṛṣṭvā vimanāḥ rājā
vor den König wurde das Gerippe gelegt; als er es sah, wurde der König niedergeschlagen
rājā putram abravīt: pāpaḥ vadhyatām; asya māṃsaṃ khādiṣyāmaḥ
der König sprach zum Sohn: der Böse werde getötet; wir essen sein Fleisch (Fut.1.Pl.)
virūpākṣa uvāca: hantavyaḥ kṛtaghnaḥ; na bhakṣayitum utsahe
Virūpākṣa sprach: zu töten der Undankbare; ich vermag nicht zu essen (Gerundiv; Inf.)
dāsāḥ necchanti kṛtaghnaṃ khādituṃ; śirobhiḥ gatā bhūmim
die Diener wollen den Undankbaren nicht essen; mit dem Haupt zur Erde gebeugt
yātudhānāḥ nṛpeṇa uktāḥ: viśasyatām; khaṇḍaśaḥ hatvā kravyādbhyaḥ adaduḥ
die vom König angewiesenen Yātudhānas: er werde zerlegt; in Stücke zerschlagen gaben sie ihn den Fleischfressern
kravyādāḥ na icchanti; mṛtān api kṛtaghnān na upabhuñjate
Fleischfresser wollen nicht; selbst tote Undankbare essen sie nicht
brahmasvaharaṇe core brahmaghne gurutalpage niṣkṛtiḥ; kṛtaghne na asti
für Brahmanengutraub, Dieb, Brahmanenmörder, Lehrerbettschänder Sühne; für den Undankbaren keine
mitradruhaṃ kṛtaghnaṃ nṛśaṃsaṃ narādhamam kravyādāḥ krimayaḥ na upabhuñjanti
den Freundverräter, Undankbaren, Grausamen, niedrigsten Menschen essen Fleischfresser und Würmer nicht

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften), die Verse 16-25 mit leichten Abweichungen wiederholt; wfw hier gebündelt, da die Passage lang ist. Einzelne Stellen unsicher: „mā nārthaṃ jātanirbandhaṃ“ [?], „śūlapaṭṭasapāṇayaḥ“ (Lanzen und Schwerter [?]).

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