Kapitel 166: kṛtaghnagautamavadhaḥ
Der Tod des undankbaren Gautama: Ächtung des Undankbaren
Fortsetzung der Erzählung vom undankbaren Brahmanen Gautama und dem Reiherkönig Rājadharman: Gautama erschlägt den schlafenden Gastgeber, Virūpākṣa lässt nachforschen, und selbst Rākṣasas und Räuber verschmähen den Undankbaren; Schlusssatz: für den Undankbaren gibt es keine Sühne.
Bhīṣma sprach: Dort nun war, nicht weit von ihm, vom Vogelfürsten zum Schutz [des Gastes] ein hell lodernder Brand entfacht worden, vom Wind [wie von einem Wagenlenker] getrieben.
tato 'lātena dīptena viśvastaṃ nijaghāna tam; nihatya ca mudā yuktaḥ so 'nubandhaṃ na dṛṣṭavān
Da erschlug er den Vertrauenden mit einem brennenden Feuerbrand; und nachdem er ihn erschlagen hatte, voll Freude, sah er die Folge [seiner Tat] nicht.
pakvānnaṃ bhakṣayitvā ca kṛtaghnaḥ pāpapūruṣaḥ; jagāma tvarayā rājan svagṛhaṃ kṛtakṛtyavat
Und nachdem er die gargekochte Speise gegessen hatte, ging der Undankbare, der sündige Mensch, eilig, König, nach Hause, als hätte er sein Werk vollbracht.
Wort für Wort
pakvānnaṃ bhakṣayitvā ca
und die gekochte Speise gegessen habend (Abs.)
kṛtaghnaḥ pāpapūruṣaḥ
der Undankbare, sündiger Mensch (Nom.)
jagāma tvarayā rājan
ging eilig, König (Perf.3.Sg.; Vok.)
svagṛhaṃ kṛtakṛtyavat
nach Hause, wie einer der sein Werk vollbracht hat (Akk.; Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star); Gautama als Subjekt ergänzt.
tato dākṣāyaṇīputraṃ nāgataṃ taṃ tu bhārata; virūpākṣaś cintayan vai hṛdayena vidūyatā
Als aber der Sohn der Dākṣāyaṇī nicht kam, Bhārata, grübelte Virūpākṣa mit bekümmertem Herzen.
Wort für Wort
tataḥ dākṣāyaṇīputram
da den Sohn der Dākṣāyaṇī (Akk.)
na āgatam taṃ tu
nicht gekommen, ihn aber (Ppp.)
bhārata
Bhārata (Vok.)
virūpākṣaḥ cintayan
Virūpākṣa grübelnd (Ppr.)
hṛdayena vidūyatā
mit sich quälendem Herzen (Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star); Dākṣāyaṇī = Tochter des Dakṣa, hier Rājadharmans Mutter.
„Und zur anderen [Dämmerung] kommt jener Vogelkönig, um mich zu sehen.“
Wort für Wort
aparāṃ ca eva
und auch zur anderen (Akk.)
māṃ draṣṭum
mich zu sehen (Inf.)
āyāti sa vihaṃgarāṭ
kommt er, der Vogelkönig (3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star); die Ergänzung [Dämmerung] ergibt sich aus aparām.
svādhyāyena viyukto hi brahmavarcasavarjitaḥ; taṃ gatas tatra me śaṅkā hanyāt taṃ sa dvijādhamaḥ
„Ohne Studium der Veden, des Brahmanenglanzes bar: zu ihm ist er dorthin gegangen; ich fürchte, jener niedrigste der Zweimalgeborenen könnte ihn erschlagen.“
Wort für Wort
svādhyāyena viyuktaḥ hi
ohne Vedastudium (Instr.; Ppp.)
brahmavarcasavarjitaḥ
des Brahmanenglanzes beraubt (Nom.)
taṃ gataḥ tatra
zu ihm dorthin gegangen (Ppp.)
me śaṅkā
mein Verdacht (Nom.)
hanyāt taṃ
er möge ihn erschlagen (Pot.3.Sg.)
sa dvijādhamaḥ
jener niedrigste Zweimalgeborene (Nom.)
Der Bezug von „taṃ gataḥ“ ist knapp; sinngemäß: Rājadharman ist zu Gautama gegangen [?].
„Schlechten Wandels, schlechten Verstandes, an [seinen] Gebärden von mir durchschaut: untätig, von grausamem Aussehen, schwarz, wie ein niedriger Räuber.“
gautamaḥ sa gatas tatra tenodvignaṃ mano mama; putra śīghram ito gatvā rājadharmaniveśanam; jñāyatāṃ sa viśuddhātmā yadi jīvati māciram
„Jener Gautama ist dorthin gegangen; darum ist mein Sinn beunruhigt. Sohn, gehe rasch von hier zur Wohnstatt des Rājadharman; es soll ohne Verzug erkundet werden, ob jener Lautere noch lebt.“
Wort für Wort
gautamaḥ sa gataḥ tatra
jener Gautama ist dorthin gegangen (Ppp.)
tena udvignaṃ manaḥ mama
deshalb ist mein Sinn beunruhigt (Ppp.)
putra śīghram itaḥ gatvā
Sohn, rasch von hier gegangen (Vok.; Abs.)
rājadharmaniveśanam
zur Wohnstatt des Rājadharman (Akk.)
jñāyatāṃ sa viśuddhātmā
erkundet werde jener Lautere (Imp.Pass.)
yadi jīvati mā ciram
ob er lebt; nicht lange [zögern] (Präs.; Prohib.-Part.)
tam ādāyātha rakṣāṃsi drutaṃ meruvrajaṃ yayuḥ; rājñaś ca darśayām āsuḥ śarīraṃ rājadharmaṇaḥ; kṛtaghnaṃ puruṣaṃ taṃ ca gautamaṃ pāpacetasam
Nachdem sie ihn genommen hatten, gingen die Rākṣasas rasch zum Meru-Bezirk und zeigten dem König den Körper des Rājadharman und den undankbaren Menschen Gautama, den Bösgesinnten.
asya māṃsair ime sarve viharantu yatheṣṭataḥ; pāpācāraḥ pāpakarmā pāpātmā pāpaniścayaḥ; hantavyo 'yaṃ mama matir bhavadbhir iti rākṣasāḥ
„Von seinem Fleisch sollen sich all diese nach Belieben laben. Er ist böser Wandel, böser Taten, böser Seele, böser Entschlossenheit; er ist zu töten: das ist mein Entschluss, [den] ihr [ausführen sollt], Rākṣasas.“
Wort für Wort
asya māṃsaiḥ ime sarve
mit seinem Fleisch diese alle (Instr.)
viharantu yatheṣṭataḥ
sollen sich ergötzen nach Belieben (Imp.)
pāpācāraḥ pāpakarmā
von bösem Wandel, bösen Taten (Nom.)
pāpātmā pāpaniścayaḥ
böser Seele, böser Entschlossenheit (Nom.)
hantavyaḥ ayaṃ mama matiḥ
dieser ist zu töten: mein Entschluss (Gerundiv; Nom.)
„Den Räubern soll dieser heute gegeben werden, gut so, der niedrigste der Menschen“: so sprachen die Nachtwandler, großer König, zum Fürsten der Rākṣasas.
Wort für Wort
dasyūnāṃ dīyatām eṣaḥ
den Räubern werde dieser gegeben (Dat./Gen.; Imp.Pass.)
sādhu adya puruṣādhamaḥ
gut, heute, niedrigster Mensch (Nom.)
iti ūcuḥ taṃ mahārāja
so sprachen sie zu ihm, großer König (Perf.3.Pl.; Vok.)
rākṣasendram niśācarāḥ
zum Rākṣasa-Fürsten, die Nachtwandler (Akk.; Nom.)
brahmaghne ca surāpe ca core bhagnavrate tathā; niṣkṛtir vihitā rājan kṛtaghne nāsti niṣkṛtiḥ
Für einen Brahmanenmörder, einen Branntweintrinker, einen Dieb und für den, der ein Gelübde gebrochen hat, ist eine Sühne festgesetzt, König; für den Undankbaren gibt es keine Sühne.
mitradrohī nṛśaṃsaś ca kṛtaghnaś ca narādhamaḥ; kravyādaiḥ kṛmibhiś cānyair na bhujyante hi tādṛśāḥ
Ein Freundverräter, ein Grausamer, ein Undankbarer, der niedrigste der Menschen: solche werden weder von Fleischfressern noch von Würmern und anderen gefressen.
Wort für Wort
mitradrohī nṛśaṃsaḥ ca
der Freundverräter und der Grausame (Nom.)
kṛtaghnaḥ ca narādhamaḥ
der Undankbare, niedrigster Mensch (Nom.)
kravyādaiḥ kṛmibhiḥ ca anyaiḥ
von Fleischfressern, Würmern und anderen (Instr.Pl.)
nyagrodhe rājadharmāṇam apaśyan nihataṃ tataḥ; ruditvā bahu tat tad vai vilapya ca sa rākṣasaḥ; gato roṣasamāviṣṭo gautamagrahaṇāya vai; gṛhīto gautamaḥ pāpo rakṣobhiḥ krodhamūrchitaiḥ; rājadharmaśarīrasya kaṅkālaṃ cāpy atho dhṛtam; merupṛṣṭhe ca nagaraṃ yātudhānās tato gatāḥ; krodharaktekṣaṇā ghorā gautamasya vadhe dhṛtāḥ; pārthivasyāgrato nyastaḥ kaṅkālo rājadharmaṇaḥ; taṃ dṛṣṭvā vimanā rājā sāmātyaḥ sagaṇo 'bhavat; ārtanādo mahān āsīd gṛhe tasya mahātmanaḥ; strīsaṃghasya tadā rājan nihate kāśyapātmaje; rākṣasā ūcuḥ; rājā caivābravīt putraṃ pāpo 'yaṃ vadhyatām iti; asya māṃsaṃ vayaṃ sarve khādiṣyāmaḥ samāgatāḥ; pāpakṛt pāpakarmā ca pāpātmā pāpam āsthitaḥ; virūpākṣa uvāca; hantavya eva pāpātmā kṛtaghno nātra saṃśayaḥ; kṛtaghnaṃ pāpakarmāṇaṃ na bhakṣayitum utsahe; dāsebhyo dīyatām eṣa mitradhruk puruṣādhamaḥ; bhīṣma uvāca; dāsāḥ sarve samāhūtā yātudhānās tathāpare; necchanti sma kṛtaghnaṃ taṃ khādituṃ puruṣottama; śirobhiś ca gatā bhūmiṃ mahārāja tato balāt; mā nārthaṃ jātanirbandhaṃ kilbiṣaṃ dātum arhasi; yātudhānā nṛpeṇoktāḥ pāpakarmā viśasyatām; bhakṣyatāṃ tyajyatāṃ vāyaṃ darśanān me 'panīyatām; tatas te ruṣitā dāsāḥ śūlapaṭṭasapāṇayaḥ; khaṇḍaśo vikṛtaṃ hatvā kravyādbhyo hy adadus tadā; kravyādās tv api rājendra necchanti piśitāśanāḥ; mṛtān api hi kravyādāḥ kṛtaghnān nopabhuñjate; brahmasvaharaṇe core brahmaghne gurutalpage; niṣkṛtir vihitā sadbhiḥ kṛtaghne nāsti niṣkṛtiḥ; mitradruhaṃ kṛtaghnaṃ ca nṛśaṃsaṃ ca narādhamam; kravyādāḥ krimayaś caiva nopabhuñjanti vai sadā
Da sahen sie Rājadharman am Feigenbaum erschlagen; und der Rākṣasa weinte vielfach und klagte, ging zornerfüllt, um Gautama zu ergreifen. Der böse Gautama wurde von den vor Zorn rasenden Rakṣas ergriffen, und auch das Gerippe des Rājadharman wurde [mit]genommen; dann gingen die Yātudhānas zur Stadt auf dem Rücken des Meru, zornrot die Augen, furchtbar, zur Tötung des Gautama entschlossen. Vor den König wurde das Gerippe des Rājadharman gelegt; als er es sah, wurde der König samt Ministern und Gefolge niedergeschlagen. Ein großer Klageschrei erhob sich im Haus des Hochgesinnten, und [im] Kreis der Frauen, König, als der Sohn Kāśyapas erschlagen war. Die Rākṣasas sprachen: Und der König sagte zum Sohn: „Dieser Böse soll getötet werden. Von seinem Fleisch werden wir alle, [hier] versammelt, essen. Ein Sündentäter, von bösen Taten, böser Seele, im Bösen verharrend.“ Virūpākṣa sprach: „Zu töten ist der Böse ohne Zweifel, der Undankbare; einen undankbaren Übeltäter mag ich nicht zu essen. Den Dienern werde dieser gegeben, der Freundverräter, der niedrigste Mensch.“ Bhīṣma sprach: Alle Diener wurden herbeigerufen, [ebenso] die Yātudhānas und andere; sie wollten jenen Undankbaren nicht essen, bester der Männer. Mit den Köpfen [zur Erde] gebeugt sprachen sie da, großer König, dringlich: „Du solltest [uns] nicht diese Schuld, die einen unheilvollen Zwang [?] bedeutet, geben.“ Die Yātudhānas, vom König angewiesen: „Der Übeltäter werde zerlegt; er werde gegessen oder verworfen oder aus meinem Blick entfernt“, da zerhieben ihn die zornigen Diener mit Lanzen und Schwertern [?] in Stücke, den Entstellten, und gaben ihn den Fleischfressern. Doch auch die Fleischfresser, König der Könige, Fleischesser, wollen ihn nicht: Selbst Tote, die Undankbare sind, verzehren Fleischfresser nicht. Für den, der Brahmanengut raubt, den Dieb, den Brahmanenmörder, den Schänder des Lehrerbetts, ist von den Guten Sühne festgesetzt; für den Undankbaren gibt es keine Sühne. Den Freundverräter, den Undankbaren, den Grausamen, den niedrigsten Menschen: Fleischfresser und Würmer essen sie niemals.
Wort für Wort
nyagrodhe rājadharmāṇam apaśyan nihatam
am Feigenbaum den erschlagenen Rājadharman sahen sie (Lok.; Akk.; Ppp.)
ruditvā bahu vilapya ca sa rākṣasaḥ
vielfach geweint und geklagt habend, der Rākṣasa (Abs.)
gato roṣasamāviṣṭaḥ gautamagrahaṇāya
zornerfüllt ging er, Gautama zu ergreifen (Ppp.; Dat.)
gṛhītaḥ gautamaḥ pāpaḥ rakṣobhiḥ
der böse Gautama wurde von den Rakṣas ergriffen (Ppp.; Instr.)
die vom König angewiesenen Yātudhānas: er werde zerlegt; in Stücke zerschlagen gaben sie ihn den Fleischfressern
kravyādāḥ na icchanti; mṛtān api kṛtaghnān na upabhuñjate
Fleischfresser wollen nicht; selbst tote Undankbare essen sie nicht
brahmasvaharaṇe core brahmaghne gurutalpage niṣkṛtiḥ; kṛtaghne na asti
für Brahmanengutraub, Dieb, Brahmanenmörder, Lehrerbettschänder Sühne; für den Undankbaren keine
mitradruhaṃ kṛtaghnaṃ nṛśaṃsaṃ narādhamam kravyādāḥ krimayaḥ na upabhuñjanti
den Freundverräter, Undankbaren, Grausamen, niedrigsten Menschen essen Fleischfresser und Würmer nicht
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften), die Verse 16-25 mit leichten Abweichungen wiederholt; wfw hier gebündelt, da die Passage lang ist. Einzelne Stellen unsicher: „mā nārthaṃ jātanirbandhaṃ“ [?], „śūlapaṭṭasapāṇayaḥ“ (Lanzen und Schwerter [?]).