Kapitel 193: jāpakagatinirṇaya
Der Rezitierer und der König gehen in Brahmā ein
Schluss der Geschichte vom Rezitierer (jāpaka): Brahmane und König, gleich an Lohn, treten vor der Götterversammlung in Brahmā ein; Brahmā verheißt ähnliche Ziele allen, die bestimmte Texte rezitieren oder dem Yoga ergeben sind.
yudhiṣṭhira uvāca; kim uttaraṃ tadā tau sma cakratus tena bhāṣite; brāhmaṇo vātha vā rājā tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Was für eine Antwort gaben damals die beiden, als er so gesprochen hatte, der Brahmane oder auch der König? Das sage mir, Großvater.“
atha vā tau gatau tatra yad etat kīrtitaṃ tvayā; saṃvādo vā tayoḥ ko 'bhūt kiṃ vā tau tatra cakratuḥ
„Oder: Als die beiden dorthin gegangen waren, wie es von dir berichtet wurde, was für ein Gespräch fand zwischen ihnen statt, oder was taten die beiden dort?“
Wort für Wort
atha vā tau gatau tatra
oder aber die beiden, dorthin gegangen (Nom. Du., Part.)
yad etat kīrtitaṃ tvayā
wie dies von dir erzählt wurde (Part. Pass./Instr.)
saṃvādo vā tayoḥ ko 'bhūt
oder was für ein Gespräch fand zwischen den beiden statt (Aor. 3.Sg./Gen. Du.)
bhīṣma uvāca; tathety evaṃ pratiśrutya dharmaṃ saṃpūjya cābhibho; yamaṃ kālaṃ ca mṛtyuṃ ca svargaṃ saṃpūjya cārhataḥ
Bhīṣma sprach: Nachdem er so „Es sei so“ zugesagt und Dharma geehrt hatte, o Mächtiger, und ebenso Yama, Kāla, Mṛtyu, den Himmel und die Verehrungswürdigen geehrt hatte,
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
tathety evaṃ pratiśrutya
„so sei es“, so zugesagt habend (Abs.)
dharmaṃ saṃpūjya cābhibho
und Dharma geehrt habend, o Mächtiger (Abs./Vok.)
yamaṃ kālaṃ ca mṛtyuṃ ca
Yama, Kāla und Mṛtyu (Akk.)
svargaṃ saṃpūjya cārhataḥ
den Himmel und die Verehrungswürdigen geehrt habend (Akk. Pl. arhataḥ)
Der König sprach: „Wenn die Vollendung so ohne Frucht ist und du Vertrauen zum Rezitieren hast, so geh, Brahmane, mit mir zusammen und erlange die Frucht des Rezitierers.“
Wort für Wort
rājovāca
der König sprach (Perf.)
yady evam aphalā siddhiḥ
wenn so fruchtlos die Vollendung [?] (Nom.)
śraddhā ca japituṃ tava
und Vertrauen zum Rezitieren dein (Nom./Inf./Gen.)
gaccha vipra mayā sārdham
geh, Brahmane, mit mir zusammen (Imp./Vok./Instr.)
jāpakaṃ phalam āpnuhi
die Frucht des Rezitierers erlange (Akk./Imp.)
Erster Halbvers sinngemäß unsicher: aphalā siddhiḥ könnte auch „die Vollendung [des Yoga] ist [ohne Rezitieren] fruchtlos“ meinen.
Der Brahmane sprach: „Sehr große Anstrengung wurde hier vor allen unternommen. Wir beide, von gleichem Lohn, wollen dorthin gehen, wo unser beider Ziel ist.“
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach (Perf.)
kṛtaḥ prayatnaḥ sumahān
getan wurde eine sehr große Anstrengung (Part./Nom.)
sarveṣāṃ saṃnidhāv iha
in der Gegenwart aller hier (Gen. Pl./Lok.)
saha tulyaphalau cāvāṃ
und wir beide, von gleicher Frucht, zusammen (Nom. Du.)
gacchāvo yatra nau gatiḥ
wollen gehen, wo unser beider Ziel ist (Konj. 1.Du./Gen. Du.)
avādyantāntarikṣe ca bheryas tūryāṇi cābhibho; puṣpavarṣāṇi divyāni tatra teṣāṃ mahātmanām; nanṛtuś cāpsaraḥsaṃghās tatra tatra samantataḥ
Im Luftraum erklangen Pauken und Instrumente, o Mächtiger; himmlische Blumenregen [fielen] dort auf jene Hochgesinnten; und Scharen von Apsaras tanzten dort überall ringsum.
Wort für Wort
avādyantāntarikṣe ca
und es erklangen im Luftraum (Impf. Pass. 3.Pl./Lok.)
bheryas tūryāṇi cābhibho
Pauken und Instrumente, o Mächtiger (Nom. Pl./Vok.)
yogasya tāvad etebhyaḥ phalaṃ pratyakṣadarśanam; jāpakānāṃ viśiṣṭaṃ tu pratyutthānaṃ samādhikam
„Des Yoga Frucht ist diesen [Göttern] zunächst unmittelbar sichtbar; das Entgegentreten aber ist bei den Rezitierern ausgezeichnet, überreichlich [?].“
Wort für Wort
yogasya tāvad etebhyaḥ
des Yoga zunächst vor diesen (Gen./Abl. bzw. Dat.)
phalaṃ pratyakṣadarśanam
die Frucht, unmittelbar sichtbar (Nom./Adj.)
jāpakānāṃ viśiṣṭaṃ tu
bei den Rezitierern aber ausgezeichnet (Gen. Pl./Nom. n.)
pratyutthānaṃ samādhikam
das Entgegentreten [?], überreichlich (Nom./Adj.)
Sinn unsicher; pratyutthāna wohl Brahmās Aufstehen/Entgegengehen (vgl. 193.024).
„Diese beiden sind geehrt und von gleichem Lohn wie du; die sehr große Frucht von Yoga und Rezitieren wurde heute gesehen. Nachdem diese beiden alle Welten überschritten haben, mögen sie gehen, wohin sie wünschen.“
Wort für Wort
kṛtapūjāv imau tulyam
diese beiden, geehrt, gleichermaßen (Nom. Du./Adv.)
tvayā tulyaphalāv imau
mit dir von gleicher Frucht, diese beiden (Instr./Nom. Du.)
yogajāpakayor dṛṣṭaṃ phalaṃ
bei Yoga und Rezitieren gesehen die Frucht (Lok. Du./Part.)
sumahad adya vai
sehr große, heute fürwahr (Nom. n./Adv.)
sarvāṃl lokān atītyaitau
alle Welten überschritten habend, diese beiden (Akk. Pl./Abs.)
Brahmā sprach: „Wer die Mahāsmṛti rezitiert und ebenso die heilvolle Anusmṛti: auch diese beiden mögen auf diese Weise zum Zustand [der Zugehörigkeit zu] meiner Welt gelangen.“
Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach (Perf.)
mahāsmṛtiṃ paṭhed yas tu
wer die Mahāsmṛti rezitiert (Akk./Opt. 3.Sg.)
tathaivānusmṛtiṃ śubhām
und ebenso die heilvolle Anusmṛti (Akk.)
tāv apy etena vidhinā
auch diese beiden auf diese Weise (Nom. Du./Instr.)
gacchetāṃ matsalokatām
mögen gelangen zur Zugehörigkeit zu meiner Welt (Opt. 3.Du./Akk.)
Mahāsmṛti und Anusmṛti sind Namen bestimmter Rezitationstexte; nähere Bestimmung unklar.
yaś ca yoge bhaved bhaktaḥ so 'pi nāsty atra saṃśayaḥ; vidhinānena dehānte mama lokān avāpnuyāt; gamyatāṃ sādhayiṣyāmi yathāsthānāni siddhaye
„Und wer dem Yoga ergeben ist, auch er, daran ist hier kein Zweifel, möge auf diese Weise am Ende des Leibes meine Welten erlangen. Geht; ich werde es bewirken, [jeder] gemäß seinen Stätten, zur Vollendung.“
Wort für Wort
yaś ca yoge bhaved bhaktaḥ
und wer dem Yoga ergeben sein mag (Lok./Opt.)
so 'pi nāsty atra saṃśayaḥ
auch er; nicht ist hierin Zweifel (Nom.)
vidhinānena dehānte
auf diese Weise am Ende des Leibes (Instr./Lok.)
mama lokān avāpnuyāt
meine Welten möge er erlangen (Gen./Akk. Pl./Opt.)
gamyatāṃ sādhayiṣyāmi
es werde gegangen; ich werde vollbringen (Imp. Pass./Fut. 1.Sg.)