Kapitel 93: vasumanovāmadevasaṃvāda
Vāmadevas Unterweisung des Königs Vasumanas über Dharma und Königspflicht
Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira einen alten Dialog zwischen dem Kosala-König Vasumanas und dem Seher Vāmadeva über das rechte Verhalten eines Königs; Grundthema ist der Vorrang des Dharma vor dem Nutzen.
yudhiṣṭhira uvāca; kathaṃ dharme sthātum icchan rājā varteta dhārmikaḥ; pṛcchāmi tvā kuruśreṣṭha tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie soll ein König, der im Dharma zu bestehen wünscht und dharmagemäß ist, sich verhalten? Ich frage dich, Bester der Kuru; das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.; Perf.3.Sg.)
kathaṃ dharme sthātum icchan
wie im Dharma zu stehen wünschend (Adv.; Lok.; Inf.; Part.Präs.Nom.)
rājā varteta dhārmikaḥ
der dharmagemäße König soll sich verhalten (Nom.; Opt.Med.3.Sg.; Nom.)
pṛcchāmi tvā kuruśreṣṭha
ich frage dich, Bester der Kuru (1.Sg.Präs.; Akk.; Vok.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Akk.; Dat./Gen.; Imp.2.Sg.; Vok.)
dharmārthasahitaṃ vākyaṃ bhagavann anuśādhi mām; yena vṛttena vai tiṣṭhan na cyaveyaṃ svadharmataḥ
„Ehrwürdiger, unterweise mich mit einer Rede, die Dharma und Nutzen verbindet, durch deren Verhalten ich, wenn ich darin verharre, nicht von meinem eigenen Dharma abfalle.“
Wort für Wort
dharmārthasahitaṃ vākyam
Rede, mit Dharma und Nutzen verbunden (Akk.Sg.n.; Kompositum)
adharmadarśī yo rājā balād eva pravartate; kṣipram evāpayāto 'smād ubhau prathamamadhyamau
„Der König aber, der Adharma für richtig hält und nur mit Gewalt vorgeht, fällt schnell von diesem ab, [und zwar] von beiden, dem ersten und dem mittleren [?].“
Wort für Wort
adharmadarśī yo rājā
der König, der Adharma sieht/bejaht (Nom.Sg.; Rel.; Nom.)
balād eva pravartate
nur aus Gewalt geht er vor (Abl.; Part.; 3.Sg.Präs.Med.)
kṣipram evāpayāto 'smād
schnell fällt er ab von diesem (Adv.; PPP Nom.; Abl.)
ubhau prathamamadhyamau
beide, den ersten und mittleren (Nom.Du.m.; Kompositum Du.)
Unsicher, worauf „prathamamadhyamau“ zielt; wahrscheinlich Dharma und Artha als erste und mittlere Glieder der Trias (dharma, artha, kāma).
atha pāpaṃ kṛtaṃ buddhyā na ca paśyaty abuddhimān; akīrtyāpi samāyukto mṛto narakam aśnute
„Und wer Böses [absichtlich?] mit dem Verstand getan hat und es als Unverständiger nicht sieht, der ist mit Schande verbunden und erlangt nach dem Tod die Hölle.“
Wort für Wort
atha pāpaṃ kṛtaṃ buddhyā
und Böses, getan mit Verstand (Part.; Akk.n.; PPP Akk.; Instr.)
na ca paśyaty abuddhimān
und nicht sieht es der Unverständige (Neg.; 3.Sg.Präs.; Nom.)
akīrtyāpi samāyukto
auch mit Unruhm verbunden (Instr.; PPP Nom.)
mṛto narakam aśnute
gestorben erlangt er die Hölle (PPP Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.Med.)
Syntax des ersten Halbverses unsicher (buddhyā, ‚atha‘); Wiedergabe mit [?] im Text.
„Wer in den Dharma-Dingen den Lehrer an erste Stelle setzt, die Ziele selbst prüft und in den Welten den Dharma voranstellt, erlangt sehr lange Großes.“
Wort für Wort
gurupradhāno dharmeṣu
den Lehrer voranstellend in den Dharmas (Nom.; Lok.Pl.)
svayam arthānvavekṣitā
selbst die Ziele prüfend (Adv.; Nom.Agens.)
dharmapradhāno lokeṣu
den Dharma voranstellend in den Welten (Nom.; Lok.Pl.)
suciraṃ mahad aśnute
sehr lange Großes erlangt er (Adv.; Akk.n.; 3.Sg.Präs.Med.)