Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 328: kṛṣṇanāmanirukti Die Bedeutung der Namen Kṛṣṇas und die Einheit von Rudra und Nārāyaṇa

Janamejaya lässt sich von Vaiśampāyana berichten, wie Kṛṣṇa auf Arjunas Bitte hin die verborgene Bedeutung seiner eigenen, in Veda, Purāṇa und anderen Lehrschriften genannten Namen erklärte. Zunächst legt er die Lehre von der Wesenseinheit Rudras (Śivas) und Nārāyaṇas (Viṣṇus) dar; im weiteren Kapitel werden die Etymologien einzelner Namen wie Keśava, Dāmodara, Pṛśnigarbha und Vāsudeva anhand mythologischer Episoden entfaltet.

janamejaya uvāca; astauṣīd yair imaṃ vyāsaḥ saśiṣyo madhusūdanam; nāmabhir vividhair eṣāṃ niruktaṃ bhagavan mama

Janamejaya sprach: „Die vielfältigen Namen, mit denen Vyāsa zusammen mit seinem Schüler diesen Madhusūdana pries – deren Bedeutung, Erhabener,

Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
astauṣīt
er pries (3.Sg.Aor.)
yaiḥ imam
mit denen diesen (Instr.Pl./Akk.Sg.)
vyāsaḥ saśiṣyaḥ
Vyāsa mit seinem Schüler (Nom.Sg.)
madhusūdanam
den Madhusūdana [Kṛṣṇa] (Akk.Sg.)
nāmabhir vividhaiḥ
mit vielfältigen Namen (Instr.Pl.)
eṣāṃ niruktam
deren Bedeutung (Gen.Pl./Akk.Sg.)
bhagavan mama
Erhabener, mir (Vok./Dat.Sg.)

vaktum arhasi śuśrūṣoḥ prajāpatipater hareḥ; śrutvā bhaveyaṃ yat pūtaḥ śaraccandra ivāmalaḥ

sollst du mir, dem Wissbegierigen, verkünden – [die Namen] des Hari, des Herrn der Geschöpfe; auf dass ich, sie gehört habend, rein werde, makellos wie der Herbstmond.“

Wort für Wort
vaktum arhasi
du sollst sprechen/verkünden (Inf./2.Sg.Präs.)
śuśrūṣoḥ
des Hörenwilligen [mir] (Gen.Sg.)
prajāpatipater hareḥ
des Hari, des Herrn der Geschöpfe (Gen.Sg.)
śrutvā
nachdem [ich] gehört habe (Absolutiv)
bhaveyaṃ yat pūtaḥ
auf dass ich rein werde (1.Sg.Opt./Nom.Sg.)
śaraccandra iva amalaḥ
wie der Herbstmond makellos (Nom.Sg.)

vaiśaṃpāyana uvāca; śṛṇu rājan yathācaṣṭa phalgunasya harir vibhuḥ; prasannātmātmano nāmnāṃ niruktaṃ guṇakarmajam

Vaiśaṃpāyana sprach: Höre, König, wie Hari, der Mächtige, mit gnädigem Sinn dem Phalguna die aus [seinen] Eigenschaften und Taten entstandene Bedeutung seiner eigenen Namen verkündete.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach
śṛṇu rājan
höre, König (Imp./Vok.)
yathā ācaṣṭa
wie er verkündete (3.Sg.Impf.)
phalgunasya
dem Phalguna [Arjuna] (Dat./Gen.Sg.)
harir vibhuḥ
Hari, der Mächtige (Nom.Sg.)
prasannātmā
mit heiterem/gnädigem Sinn (Nom.Sg.)
ātmano nāmnāṃ niruktam
die Bedeutung seiner eigenen Namen (Gen.Sg./Gen.Pl./Akk.Sg.)
guṇakarmajam
aus Eigenschaft und Tat entstanden (Akk.Sg.)

nāmabhiḥ kīrtitais tasya keśavasya mahātmanaḥ; pṛṣṭavān keśavaṃ rājan phalgunaḥ paravīrahā

Wegen der genannten Namen jenes hochherzigen Keśava befragte, o König, Phalguna, der Töter feindlicher Helden, den Keśava.

Wort für Wort
nāmabhiḥ kīrtitaiḥ
wegen der genannten Namen (Instr.Pl.)
tasya keśavasya mahātmanaḥ
jenes hochherzigen Keśava (Gen.Sg.)
pṛṣṭavān
er befragte (Nom.Sg./Perf.Akt.Part.)
keśavaṃ
den Keśava (Akk.Sg.)
rājan
o König (Vok.)
phalgunaḥ paravīrahā
Phalguna, der Töter feindlicher Helden (Nom.Sg.)

arjuna uvāca; bhagavan bhūtabhavyeśa sarvabhūtasṛg avyaya; lokadhāma jagannātha lokānām abhayaprada

Arjuna sprach: „Erhabener, Herr des Gewesenen und Künftigen, Schöpfer aller Wesen, Unvergänglicher, Wohnstatt der Welten, Herr des Universums, der den Welten Furchtlosigkeit gewährt,

Wort für Wort
arjuna uvāca
Arjuna sprach
bhagavan
Erhabener (Vok.)
bhūtabhavyeśa
Herr des Gewesenen und Künftigen (Vok.)
sarvabhūtasṛg avyaya
Schöpfer aller Wesen, Unvergänglicher (Vok.)
lokadhāma
Wohnstatt der Welten (Vok.)
jagannātha
Herr der Welt (Vok.)
lokānām abhayaprada
der den Welten Furchtlosigkeit gewährt (Vok./Gen.Pl.)

yāni nāmāni te deva kīrtitāni maharṣibhiḥ; vedeṣu sapurāṇeṣu yāni guhyāni karmabhiḥ

welche Namen von dir, o Gott, von den großen Weisen genannt worden sind, in den Veden zusammen mit den Purāṇas, welche geheimen [Namen, entstanden] aus [deinen] Taten –

Wort für Wort
yāni nāmāni te
welche Namen von dir (Nom./Akk.Pl.Neutr./Gen.Sg.)
deva
o Gott (Vok.)
kīrtitāni maharṣibhiḥ
genannt von den großen Weisen (Nom.Pl.Neutr./Instr.Pl.)
vedeṣu sapurāṇeṣu
in den Veden mit den Purāṇas (Lok.Pl.)
yāni guhyāni
welche geheimen (Nom.Pl.Neutr.)
karmabhiḥ
durch [deine] Taten (Instr.Pl.)

teṣāṃ niruktaṃ tvatto 'haṃ śrotum icchāmi keśava; na hy anyo vartayen nāmnāṃ niruktaṃ tvām ṛte prabho

deren Bedeutung möchte ich von dir hören, Keśava; denn kein anderer als du, Herr, könnte die Bedeutung der Namen darlegen.“

Wort für Wort
teṣāṃ niruktaṃ
deren Bedeutung (Gen.Pl./Akk.Sg.)
tvattaḥ ahaṃ
von dir ich (Abl./Nom.Sg.)
śrotum icchāmi
ich möchte hören (Inf./1.Sg.Präs.)
keśava
Keśava (Vok.)
na hy anyaḥ vartayet
denn kein anderer könnte darlegen (3.Sg.Opt.)
nāmnāṃ niruktaṃ
die Bedeutung der Namen (Gen.Pl./Akk.Sg.)
tvām ṛte prabho
außer dir, Herr (Akk.Sg./Vok.)

śrībhagavān uvāca; ṛgvede sayajurvede tathaivātharvasāmasu; purāṇe sopaniṣade tathaiva jyotiṣe 'rjuna

Der erhabene Herr sprach: „Im Ṛgveda zusammen mit dem Yajurveda, ebenso im Atharva[veda] und Sāma[veda], im Purāṇa zusammen mit den Upaniṣaden, ebenso in der Sternkunde, Arjuna,

Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
ṛgvede sayajurvede
im Ṛgveda mit dem Yajurveda (Lok.Sg.)
tathaiva
ebenso
atharvasāmasu
im Atharva- und Sāmaveda (Lok.Pl.)
purāṇe sopaniṣade
im Purāṇa mit den Upaniṣaden (Lok.Sg.)
tathaiva jyotiṣe
ebenso in der Sternkunde (Lok.Sg.)
arjuna
Arjuna (Vok.)

sāṃkhye ca yogaśāstre ca āyurvede tathaiva ca; bahūni mama nāmāni kīrtitāni maharṣibhiḥ

in der Sāṃkhya-Lehre und in der Yoga-Lehre, und ebenso in der Heilkunde, sind viele meiner Namen von den großen Weisen genannt worden.

Wort für Wort
sāṃkhye ca
und in der Sāṃkhya-Lehre (Lok.Sg.)
yogaśāstre ca
und in der Yoga-Lehrschrift (Lok.Sg.)
āyurvede tathaiva ca
und ebenso in der Heilkunde (Lok.Sg.)
bahūni mama nāmāni
viele meiner Namen (Nom.Pl.Neutr./Gen.Sg.)
kīrtitāni maharṣibhiḥ
genannt von den großen Weisen (Nom.Pl.Neutr./Instr.Pl.)

gauṇāni tatra nāmāni karmajāni ca kāni cit; niruktaṃ karmajānāṃ ca śṛṇuṣva prayato 'nagha; kathyamānaṃ mayā tāta tvaṃ hi me 'rdhaṃ smṛtaḥ purā

Dort gibt es sowohl auf Eigenschaften beruhende Namen als auch einige aus Taten entstandene. Höre nun aufmerksam, Sündenloser, die Bedeutung der aus Taten entstandenen [Namen], die von mir dargelegt wird, mein Lieber – denn du bist von mir vordem als [meine eigene] Hälfte betrachtet worden.

Wort für Wort
gauṇāni tatra nāmāni
dort [gibt es] auf Eigenschaften beruhende Namen (Nom.Pl.Neutr.)
karmajāni ca kāni cit
und einige aus Taten entstandene (Nom.Pl.Neutr.)
niruktaṃ karmajānāṃ ca
und die Bedeutung der aus Taten entstandenen (Akk.Sg./Gen.Pl.)
śṛṇuṣva prayataḥ
höre aufmerksam (2.Sg.Imp.Med./Nom.Sg.)
anagha
Sündenloser (Vok.)
kathyamānaṃ mayā
das von mir Gesagte (Akk.Sg.Pass.Part./Instr.Sg.)
tāta
mein Lieber (Vok.)
tvaṃ hi me 'rdhaṃ smṛtaḥ purā
denn du wurdest von mir früher als [meine] Hälfte betrachtet (Nom.Sg./Dat.Sg./Akk.Sg./Perf.Pass.Part.)

namo 'tiyaśase tasmai dehināṃ paramātmane; nārāyaṇāya viśvāya nirguṇāya guṇātmane

Verneigung jenem von überragendem Ruhm, dem höchsten Selbst der verkörperten Wesen, dem Nārāyaṇa, dem All-Umfassenden, dem Eigenschaftslosen, dessen Wesen [doch] die Eigenschaften sind!

Wort für Wort
namo 'tiyaśase
Verneigung dem von überragendem Ruhm (Nom./Dat.Sg.)
tasmai
jenem (Dat.Sg.)
dehināṃ paramātmane
dem höchsten Selbst der verkörperten Wesen (Gen.Pl./Dat.Sg.)
nārāyaṇāya viśvāya
dem Nārāyaṇa, dem All-Umfassenden (Dat.Sg.)
nirguṇāya
dem Eigenschaftslosen (Dat.Sg.)
guṇātmane
dem, dessen Wesen die Eigenschaften sind (Dat.Sg.)

yasya prasādajo brahmā rudraś ca krodhasaṃbhavaḥ; yo 'sau yonir hi sarvasya sthāvarasya carasya ca

aus dessen Gnade Brahmā entstand, und Rudra, der aus [seinem] Zorn entsprang – er, der der Ursprung von allem ist, dem Unbeweglichen wie dem Beweglichen.

Wort für Wort
yasya prasādajo brahmā
aus dessen Gnade Brahmā entstanden (Gen.Sg./Nom.Sg.)
rudraś ca krodhasaṃbhavaḥ
und Rudra, der aus Zorn entstandene (Nom.Sg.)
yo 'sau
der, jener (Nom.Sg.)
yonir hi sarvasya
denn [er ist] der Ursprung von allem (Nom.Sg./Gen.Sg.)
sthāvarasya carasya ca
des Unbeweglichen und des Beweglichen (Gen.Sg.)

aṣṭādaśaguṇaṃ yat tat sattvaṃ sattvavatāṃ vara; prakṛtiḥ sā parā mahyaṃ rodasī yogadhāriṇī; ṛtā satyāmarājayyā lokānām ātmasaṃjñitā

Jenes Sattva mit achtzehn Eigenschaften [?], o Bester der mit Sattva Begabten, das ist meine höchste Urnatur, die Himmel und Erde durch Yoga zusammenhält, wahrhaftig, wirklich, [selbst] von den Unsterblichen unbesiegbar [?], die für die Welten als [ihr eigenes] Selbst bezeichnet wird.

Wort für Wort
aṣṭādaśaguṇaṃ yat tat sattvaṃ
jenes Sattva mit achtzehn Eigenschaften (Akk.Sg.Neutr.)
sattvavatāṃ vara
o Bester der mit Sattva Begabten (Vok./Gen.Pl.)
prakṛtiḥ sā parā mahyaṃ
das ist meine höchste Urnatur (Nom.Sg./Dat.Sg.)
rodasī yogadhāriṇī
die Himmel und Erde durch Yoga zusammenhält (Akk.Du./Nom.Sg.Fem.)
ṛtā satyā
wahrhaftig, wirklich (Nom.Sg.Fem.)
amarājayyā
von den Unsterblichen unbesiegbar [?] (Nom.Sg.Fem.)
lokānām ātmasaṃjñitā
die für die Welten als Selbst bezeichnet wird (Gen.Pl./Nom.Sg.Fem.)

'aṣṭādaśaguṇam' (achtzehn Eigenschaften des Sattva) und die Zusammensetzung 'amarājayyā' (aufgelöst als amara + ajayyā) sind lexikalisch nicht sicher zu bestimmen; Wiedergabe nach der wahrscheinlichsten Lesart.

tasmāt sarvāḥ pravartante sargapralayavikriyāḥ; tato yajñaś ca yaṣṭā ca purāṇaḥ puruṣo virāṭ; aniruddha iti prokto lokānāṃ prabhavāpyayaḥ

Aus jener [Urnatur] gehen alle Wandlungen von Schöpfung und Auflösung hervor. Daraus [entstehen] das Opfer und der Opfernde, der uralte Puruṣa, der Allgestaltige [Virāṭ], der Aniruddha genannt wird, [er,] der Ursprung und das Vergehen der Welten.

Wort für Wort
tasmāt sarvāḥ pravartante
aus jener gehen alle hervor (Abl.Sg./Nom.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
sargapralayavikriyāḥ
die Wandlungen von Schöpfung und Auflösung (Nom.Pl.)
tato yajñaś ca yaṣṭā ca
daraus das Opfer und der Opfernde (Abl./Nom.Sg.)
purāṇaḥ puruṣo virāṭ
der uralte Puruṣa, der Allgestaltige (Nom.Sg.)
aniruddha iti proktaḥ
wird Aniruddha genannt (Nom.Sg./Pass.Part.)
lokānāṃ prabhavāpyayaḥ
der Ursprung und das Vergehen der Welten (Gen.Pl./Nom.Sg.)

brāhme rātrikṣaye prāpte tasya hy amitatejasaḥ; prasādāt prādurabhavat padmaṃ padmanibhekṣaṇa; tatra brahmā samabhavat sa tasyaiva prasādajaḥ

Als das Ende der Brahmā-Nacht jenes [Wesens] von unermesslichem Glanz eingetreten war, entstand aus [seiner] Gnade eine Lotosblume, o [du] mit Lotosaugen; darin entstand Brahmā, er, der allein aus dessen Gnade entstanden ist.

Wort für Wort
brāhme rātrikṣaye prāpte
als das Ende der Brahmā-Nacht eingetreten war (Lok.Absolutkonstr.)
tasya hy amitatejasaḥ
jenes von unermesslichem Glanz (Gen.Sg.)
prasādāt prādurabhavat
aus [seiner] Gnade entstand (Abl.Sg./3.Sg.Impf.)
padmaṃ
eine Lotosblume (Akk.Sg.)
padmanibhekṣaṇa
o [du] mit Lotosaugen (Vok.)
tatra brahmā samabhavat
darin entstand Brahmā (Lok./Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
sa tasyaiva prasādajaḥ
er, aus dessen Gnade allein entstanden (Nom.Sg./Gen.Sg.)

ahnaḥ kṣaye lalāṭāc ca suto devasya vai tathā; krodhāviṣṭasya saṃjajñe rudraḥ saṃhārakārakaḥ

Beim Ende des Tages entstand ebenso, wahrlich, aus der Stirn des von Zorn erfüllten Gottes ein Sohn: Rudra, der Bewirker der Vernichtung.

Wort für Wort
ahnaḥ kṣaye
beim Ende des Tages (Gen.Sg./Lok.Sg.)
lalāṭāc ca
und aus der Stirn (Abl.Sg.)
suto devasya vai tathā
ebenso wahrlich ein Sohn des Gottes (Nom.Sg./Gen.Sg.)
krodhāviṣṭasya
des von Zorn Erfüllten (Gen.Sg.)
saṃjajñe
entstand (3.Sg.Perf.Med.)
rudraḥ saṃhārakārakaḥ
Rudra, der Bewirker der Vernichtung (Nom.Sg.)

etau dvau vibudhaśreṣṭhau prasādakrodhajau smṛtau; tadādeśitapanthānau sṛṣṭisaṃhārakārakau; nimittamātraṃ tāv atra sarvaprāṇivarapradau

Diese beiden Besten der Götter, bekannt als aus Gnade und Zorn entstanden, deren Wege von jenem [Höchsten] gewiesen sind, sind die Bewirker von Schöpfung und Vernichtung; sie beide sind hierbei nur ein Werkzeug [des Höchsten], die allen Lebewesen Segen gewähren.

Wort für Wort
etau dvau vibudhaśreṣṭhau
diese beiden Besten der Götter (Nom.Du.)
prasādakrodhajau smṛtau
bekannt als aus Gnade und Zorn entstanden (Nom.Du./Pass.Part.)
tadādeśitapanthānau
deren Wege von jenem gewiesen sind (Nom.Du.)
sṛṣṭisaṃhārakārakau
die Bewirker von Schöpfung und Vernichtung (Nom.Du.)
nimittamātraṃ tāv atra
sie beide sind hierbei nur ein Werkzeug (Akk.Sg./Nom.Du.)
sarvaprāṇivarapradau
die allen Lebewesen Segen gewähren (Nom.Du.)

kapardī jaṭilo muṇḍaḥ śmaśānagṛhasevakaḥ; ugravratadharo rudro yogī tripuradāruṇaḥ

[Er ist] der mit dem Haarknoten, der Zopfträger, der Kahlgeschorene, der die Verbrennungsplätze als Wohnstatt nutzt, der Träger furchtbarer Gelübde, Rudra, der Yogin, der für Tripura Schreckliche.

Wort für Wort
kapardī
der mit dem Haarknoten (Nom.Sg.)
jaṭilo muṇḍaḥ
der Zopfträger, der Kahlgeschorene (Nom.Sg.)
śmaśānagṛhasevakaḥ
der die Verbrennungsplätze als Wohnstatt nutzt (Nom.Sg.)
ugravratadharo
der Träger furchtbarer Gelübde (Nom.Sg.)
rudro yogī
Rudra, der Yogin (Nom.Sg.)
tripuradāruṇaḥ
der für Tripura Schreckliche (Nom.Sg.)

dakṣakratuharaś caiva bhaganetraharas tathā; nārāyaṇātmako jñeyaḥ pāṇḍaveya yuge yuge

Der Zerstörer des Opfers von Dakṣa, ebenso der, der das Auge des Bhaga zerstörte – er ist, Sohn des Pāṇḍu, in jedem Zeitalter als eins mit Nārāyaṇa zu erkennen.

Wort für Wort
dakṣakratuharaś ca eva
und auch der Zerstörer des Opfers von Dakṣa (Nom.Sg.)
bhaganetraharas tathā
ebenso der Zerstörer des Auges des Bhaga (Nom.Sg.)
nārāyaṇātmako jñeyaḥ
ist als eins mit Nārāyaṇa zu erkennen (Nom.Sg./Ger.)
pāṇḍaveya
Sohn des Pāṇḍu (Vok.)
yuge yuge
in jedem Zeitalter (Lok.Sg. wiederholt)

yo 'sau rudraḥ so 'ham asmi yo 'ham asmi śivaḥ paraḥ; yathā rudras tathāhaṃ ca nāvayor antaraṃ tathā

Der, der jener Rudra ist, der bin ich; der, der ich bin, ist der höchste Śiva. Wie Rudra [ist], so [bin] auch ich; zwischen uns beiden gibt es keinen Unterschied.

Wort für Wort
yo 'sau rudraḥ
der, jener Rudra (Nom.Sg.)
so 'ham asmi
der bin ich (Nom.Sg./1.Sg.Präs.)
yo 'ham asmi
der ich bin (Nom.Sg./1.Sg.Präs.)
śivaḥ paraḥ
der höchste Śiva (Nom.Sg.)
yathā rudras tathā ahaṃ ca
wie Rudra, so auch ich (Nom.Sg.)
na āvayor antaraṃ tathā
so gibt es zwischen uns beiden keinen Unterschied (Gen.Du./Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star) der kritischen Ausgabe.

tasmin hi pūjyamāne vai devadeve maheśvare; saṃpūjito bhavet pārtha devo nārāyaṇaḥ prabhuḥ

Denn wenn jener, der Gott der Götter, der große Herr, verehrt wird, o Pārtha, dann wird [dadurch] der Gott Nārāyaṇa, der Herr, [mit]verehrt.

Wort für Wort
tasmin hi pūjyamāne vai
denn wenn jener verehrt wird (Lok.Absolutkonstr.)
devadeve maheśvare
dem Gott der Götter, dem großen Herrn (Lok.Sg.)
saṃpūjito bhavet
wird [dadurch] verehrt (Nom.Sg./3.Sg.Opt.)
pārtha
o Pārtha (Vok.)
devo nārāyaṇaḥ prabhuḥ
der Gott Nārāyaṇa, der Herr (Nom.Sg.)

aham ātmā hi lokānāṃ viśvānāṃ pāṇḍunandana; tasmād ātmānam evāgre rudraṃ saṃpūjayāmy aham

Ich bin ja das Selbst der Welten, aller Wesen, Sohn des Pāṇḍu; deshalb verehre ich zuerst eben [mein eigenes] Selbst – Rudra.

Wort für Wort
aham ātmā hi lokānāṃ
denn ich bin das Selbst der Welten (Nom.Sg./Gen.Pl.)
viśvānāṃ
aller Wesen (Gen.Pl.)
pāṇḍunandana
Sohn des Pāṇḍu (Vok.)
tasmād
deshalb (Abl.)
ātmānam evāgre
eben zuerst [mein eigenes] Selbst (Akk.Sg./Adv.)
rudraṃ saṃpūjayāmy aham
verehre ich Rudra (Akk.Sg./1.Sg.Präs.)

yady ahaṃ nārcayeyaṃ vai īśānaṃ varadaṃ śivam; ātmānaṃ nārcayet kaś cid iti me bhāvitaṃ manaḥ; mayā pramāṇaṃ hi kṛtaṃ lokaḥ samanuvartate

Wenn ich den Īśāna, den segenspendenden Śiva, nicht verehren würde, würde niemand [sein eigenes] Selbst verehren – so ist mein Gedanke. Denn von mir wurde [dies zum] Vorbild gemacht, [und] die Welt richtet sich danach.

Wort für Wort
yady ahaṃ na arcayeyaṃ vai
wenn ich nicht verehren würde (Kond./1.Sg.Opt.)
īśānaṃ varadaṃ śivam
den Īśāna, den segenspendenden Śiva (Akk.Sg.)
ātmānaṃ na arcayet kaś cid
würde niemand [sein] Selbst verehren (Akk.Sg./3.Sg.Opt./Nom.Sg.)
iti me bhāvitaṃ manaḥ
so ist mein Gedanke bedacht (Nom.Sg./Gen.Sg./Pass.Part.)
mayā pramāṇaṃ hi kṛtaṃ
denn von mir wurde [dies zum] Vorbild gemacht (Instr.Sg./Akk.Sg./Pass.Part.)
lokaḥ samanuvartate
die Welt richtet sich danach (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Med.)

pramāṇāni hi pūjyāni tatas taṃ pūjayāmy aham; yas taṃ vetti sa māṃ vetti yo 'nu taṃ sa hi mām anu

Denn Vorbilder sind verehrungswürdig; deshalb verehre ich ihn. Wer ihn kennt, der kennt mich; wer ihm nachfolgt, der folgt wahrlich mir.

Wort für Wort
pramāṇāni hi pūjyāni
denn Vorbilder sind verehrungswürdig (Nom.Pl.)
tatas taṃ pūjayāmy aham
deshalb verehre ich ihn (Akk.Sg./1.Sg.Präs.)
yas taṃ vetti
wer ihn kennt (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
sa māṃ vetti
der kennt mich (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
yo 'nu taṃ
wer ihm nachfolgt (Nom.Sg./Akk.Sg.)
sa hi mām anu
der folgt wahrlich mir (Nom.Sg./Akk.Sg.)

rudro nārāyaṇaś caiva sattvam ekaṃ dvidhākṛtam; loke carati kaunteya vyaktisthaṃ sarvakarmasu

Rudra und Nārāyaṇa sind ein einziges, zweifach gewordenes Wesen; es wandelt in der Welt, Kaunteya, in jeweils eigener Erscheinungsform, in allen Wirkungen [wirksam].

Wort für Wort
rudro nārāyaṇaś ca eva
Rudra und Nārāyaṇa (Nom.Sg.)
sattvam ekaṃ dvidhākṛtam
ein einziges, zweifach gewordenes Wesen (Nom./Akk.Sg.Neutr.)
loke carati
wandelt in der Welt (Lok.Sg./3.Sg.Präs.)
kaunteya
Kaunteya (Vok.)
vyaktisthaṃ
in [je] eigener Erscheinungsform weilend (Akk.Sg.Neutr.)
sarvakarmasu
in allen Wirkungen (Lok.Pl.)

na hi me kena cid deyo varaḥ pāṇḍavanandana; iti saṃcintya manasā purāṇaṃ viśvam īśvaram; putrārtham ārādhitavān ātmānam aham ātmanā

Denn mir kann von niemandem eine Gunst gewährt werden, Freude der Pāṇḍavas – so im Geiste bedenkend, habe ich, um eines Sohnes willen, [mein eigenes] Selbst, den uralten, alldurchdringenden Herrn, durch [mein eigenes] Selbst verehrt.

Wort für Wort
na hi me kena cid deyo varaḥ
denn mir kann von niemandem eine Gunst gewährt werden (Dat.Sg./Instr.Sg./Ger./Nom.Sg.)
pāṇḍavanandana
Freude der Pāṇḍavas (Vok.)
iti saṃcintya manasā
so im Geiste bedenkend (Absolutiv/Instr.Sg.)
purāṇaṃ viśvam īśvaram
den uralten, alldurchdringenden Herrn (Akk.Sg.)
putrārtham
um eines Sohnes willen (Akk./Adv.)
ārādhitavān
habe verehrt (Perf.Akt.Part.Nom.Sg.)
ātmānam aham ātmanā
[mein eigenes] Selbst ich durch [mein eigenes] Selbst (Akk.Sg./Nom.Sg./Instr.Sg.)

na hi viṣṇuḥ praṇamati kasmai cid vibudhāya tu; ṛta ātmānam eveti tato rudraṃ bhajāmy aham

Denn Viṣṇu verneigt sich vor keinem [anderen] Gott, außer vor [seinem eigenen] Selbst – deshalb verehre ich Rudra.

Wort für Wort
na hi viṣṇuḥ praṇamati
denn Viṣṇu verneigt sich nicht (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
kasmai cid vibudhāya tu
vor irgendeinem [anderen] Gott (Dat.Sg.)
ṛte ātmānam eva iti
außer vor [seinem eigenen] Selbst eben (Postp./Akk.Sg.)
tato rudraṃ bhajāmy aham
deshalb verehre ich Rudra (Abl./Akk.Sg./1.Sg.Präs.)

sabrahmakāḥ sarudrāś ca sendrā devāḥ saharṣibhiḥ; arcayanti suraśreṣṭhaṃ devaṃ nārāyaṇaṃ harim

Die Götter mit Brahmā, mit Rudra und mit Indra verehren zusammen mit den Sehern den besten der Götter, den Gott Nārāyaṇa Hari.

Wort für Wort
sabrahmakāḥ
mit Brahmā zusammen (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
sarudrāś ca
und mit Rudra zusammen (Nom.Pl.)
sendrā devāḥ
die Götter, mit Indra (Nom.Pl.)
saharṣibhiḥ
zusammen mit den Sehern (Instr.Pl.)
arcayanti
sie verehren (3.Pl.Präs.)
suraśreṣṭhaṃ devaṃ
den besten der Götter, den Gott (Akk.Sg.)
nārāyaṇaṃ harim
Nārāyaṇa Hari (Akk.Sg.)

bhaviṣyatāṃ vartatāṃ ca bhūtānāṃ caiva bhārata; sarveṣām agraṇīr viṣṇuḥ sevyaḥ pūjyaś ca nityaśaḥ

Von den zukünftigen, den gegenwärtigen und den vergangenen Wesen, o Bhārata, ist Viṣṇu der Erste unter allen, stets zu verehren und anzubeten.

Wort für Wort
bhaviṣyatāṃ
der zukünftigen (Wesen) (Gen.Pl.Part.Fut.)
vartatāṃ ca
und der gegenwärtigen (Gen.Pl.Part.Präs.)
bhūtānāṃ caiva
und der vergangenen Wesen (Gen.Pl.)
bhārata
o Bhārata (Vok.Sg.)
sarveṣām agraṇīr viṣṇuḥ
Viṣṇu ist der Erste von allen (Gen.Pl./Nom.Sg.)
sevyaḥ pūjyaś ca
zu verehren und anzubeten (Nom.Sg.)
nityaśaḥ
immer (Adv.)

namasva havyadaṃ viṣṇuṃ tathā śaraṇadaṃ nama; varadaṃ namasva kaunteya havyakavyabhujaṃ nama

Verehre Viṣṇu, den Geber der Opferspende, und verehre ebenso den Geber der Zuflucht; verehre den Wunschgewährer, o Kaunteya, verehre den Genießer von Opfer- und Ahnenspeise.

Wort für Wort
namasva
verehre! (2.Sg.Imp.)
havyadaṃ viṣṇuṃ
Viṣṇu, den Geber der Opferspende (Akk.Sg.)
tathā śaraṇadaṃ nama
und verehre den Geber der Zuflucht (Akk.Sg./2.Sg.Imp.)
varadaṃ namasva
verehre den Wunschgewährer (Akk.Sg./2.Sg.Imp.)
kaunteya
o Sohn der Kuntī (Vok.Sg.)
havyakavyabhujaṃ nama
verehre den Genießer von Opfer- und Ahnenspeise (Akk.Sg./2.Sg.Imp.)

caturvidhā mama janā bhaktā evaṃ hi te śrutam; teṣām ekāntinaḥ śreṣṭhās te caivānanyadevatāḥ; aham eva gatis teṣāṃ nirāśīḥkarmakāriṇām

Vierfach sind meine Anhänger, die Verehrer – so wurde es von dir vernommen: Unter ihnen sind die ausschließlich Ergebenen die Besten, die keine andere Gottheit [neben mir] verehren; ich allein bin das Ziel jener, die ihre Taten ohne Verlangen nach [Lohn] vollbringen.

Wort für Wort
caturvidhā mama janā bhaktā
vierfach sind meine Leute, die Verehrer (Nom.Pl.)
evaṃ hi te śrutam
so wurde es von dir gehört (Instr.Sg./Part.Perf.Pass.)
teṣām ekāntinaḥ śreṣṭhās
unter ihnen sind die ausschließlich Ergebenen die Besten (Gen.Pl./Nom.Pl.)
te caivānanyadevatāḥ
und sie haben keine andere Gottheit (Nom.Pl.)
aham eva gatis teṣāṃ
ich allein bin ihr Ziel (Nom.Sg./Gen.Pl.)
nirāśīḥkarmakāriṇām
die ohne Verlangen [nach Lohn] handeln (Gen.Pl.)

ye ca śiṣṭās trayo bhaktāḥ phalakāmā hi te matāḥ; sarve cyavanadharmāṇaḥ pratibuddhas tu śreṣṭhabhāk

Die übrigen drei Arten von Anhängern aber gelten als nach Lohn verlangend; sie alle sind der Natur nach dem Rückfall unterworfen, der Erwachte hingegen erlangt den besten Anteil.

Wort für Wort
ye ca śiṣṭās trayo bhaktāḥ
die übrigen drei Anhänger (Nom.Pl.)
phalakāmā hi te matāḥ
sie gelten als nach Früchten verlangend (Nom.Pl.)
sarve cyavanadharmāṇaḥ
alle sind der Natur nach dem Rückfall unterworfen (Nom.Pl.)
pratibuddhas tu
der Erwachte aber (Nom.Sg.)
śreṣṭhabhāk
erlangt den besten Anteil (Nom.Sg.)

brahmāṇaṃ śitikaṇṭhaṃ ca yāś cānyā devatāḥ smṛtāḥ; prabuddhavaryāḥ sevante mām evaiṣyanti yat param; bhaktaṃ prati viśeṣas te eṣa pārthānukīrtitaḥ

Brahmā, Śitikaṇṭha [Rudra] und welche anderen Gottheiten es sonst noch gibt – diese verehren die Vorzüglichsten unter den Erwachten, [wissend,] dass sie letztlich zu mir allein, dem Höchsten, gelangen werden. Dies ist der Unterschied hinsichtlich der Anhänger, den ich dir, o Pārtha, verkündet habe.

Wort für Wort
brahmāṇaṃ śitikaṇṭhaṃ ca
Brahmā und Śitikaṇṭha [Rudra] (Akk.Sg.)
yāś cānyā devatāḥ smṛtāḥ
und welche anderen Gottheiten bekannt sind (Nom.Pl.)
prabuddhavaryāḥ sevante
die Vorzüglichsten der Erwachten verehren (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
mām evaiṣyanti
sie werden zu mir allein gelangen (Akk.Sg./3.Pl.Fut.)
yat param
der ich der Höchste bin (Nom./Akk.Sg.)
bhaktaṃ prati viśeṣas te
dieser Unterschied hinsichtlich der Anhänger (Akk.Sg./Nom.Sg.)
eṣa pārthānukīrtitaḥ
wurde dir, o Pārtha, verkündet (Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)

tvaṃ caivāhaṃ ca kaunteya naranārāyaṇau smṛtau; bhārāvataraṇārthaṃ hi praviṣṭau mānuṣīṃ tanum

Du und ich, o Kaunteya, sind als Nara und Nārāyaṇa bekannt; um die Last [der Erde] abzunehmen, sind wir [beide] in einen menschlichen Körper eingegangen.

Wort für Wort
tvaṃ caivāhaṃ ca
du und ich (Nom.Sg.)
kaunteya
o Sohn der Kuntī (Vok.Sg.)
naranārāyaṇau smṛtau
sind als Nara und Nārāyaṇa bekannt (Nom.Du.)
bhārāvataraṇārthaṃ hi
um die Last [der Erde] abzunehmen (Akk.Sg., final)
praviṣṭau mānuṣīṃ tanum
sind in einen menschlichen Körper eingegangen (Nom.Du.Part./Akk.Sg.)

jānāmy adhyātmayogāṃś ca yo 'haṃ yasmāc ca bhārata; nivṛttilakṣaṇo dharmas tathābhyudayiko 'pi ca

Ich kenne die Wege der geistigen Vereinigung [Yogas], [ich weiß,] wer ich bin und woher, o Bhārata, [ich kenne] die Pflicht, die durch Loslösung gekennzeichnet ist, und ebenso die, die zu [weltlichem] Aufstieg führt.

Wort für Wort
jānāmy adhyātmayogāṃś ca
ich kenne die Wege der geistigen Vereinigung (1.Sg.Präs./Akk.Pl.)
yo 'haṃ yasmāc ca
wer ich bin und woher (Nom.Sg.)
bhārata
o Bhārata (Vok.Sg.)
nivṛttilakṣaṇo dharmas
die durch Loslösung gekennzeichnete Pflicht (Nom.Sg.)
tathābhyudayiko 'pi ca
und ebenso die zum [weltlichen] Aufstieg führende (Nom.Sg.)

narāṇām ayanaṃ khyātam aham ekaḥ sanātanaḥ; āpo nārā iti proktā āpo vai narasūnavaḥ; ayanaṃ mama tat pūrvam ato nārāyaṇo hy aham

Bekannt ist [der Name] ‚Zufluchtsort der Menschen‘; ich bin der Eine, der Ewige. Die Wasser werden ‚nārā‘ genannt, die Wasser sind wahrlich die Söhne des Nara [Urmenschen]; jenes [Wasser] war früher meine Wohnstatt – daher bin ich wahrlich Nārāyaṇa.

Wort für Wort
narāṇām ayanaṃ khyātam
bekannt [ist der Name] ‚Zufluchtsort der Menschen‘ (Gen.Pl./Nom.Sg.)
aham ekaḥ sanātanaḥ
ich bin der Eine, der Ewige (Nom.Sg.)
āpo nārā iti proktā
die Wasser werden ‚nārā‘ genannt (Nom.Pl./Part.Perf.Pass.)
āpo vai narasūnavaḥ
die Wasser sind wahrlich die Söhne des Nara (Nom.Pl.)
ayanaṃ mama tat pūrvam
jenes war früher meine Wohnstatt (Nom.Sg.)
ato nārāyaṇo hy aham
daher bin ich wahrlich Nārāyaṇa (Nom.Sg.)

Etymologie: nārā (‚von Nara‘) = die Wasser + ayana (‚Wohnstatt‘) → Nārāyaṇa.

chādayāmi jagad viśvaṃ bhūtvā sūrya ivāṃśubhiḥ; sarvabhūtādhivāsaś ca vāsudevas tato hy aham

Ich bedecke die gesamte Welt, indem ich wie die Sonne mit [meinen] Strahlen werde; und ich bin der Bewohner aller Wesen – daher bin ich wahrlich Vāsudeva.

Wort für Wort
chādayāmi jagad viśvaṃ
ich bedecke die gesamte Welt (1.Sg.Präs./Akk.Sg.)
bhūtvā sūrya ivāṃśubhiḥ
indem ich wie die Sonne mit [meinen] Strahlen werde (Absol./Instr.Pl.)
sarvabhūtādhivāsaś ca
und der Bewohner aller Wesen (Nom.Sg.)
vāsudevas tato hy aham
daher bin ich wahrlich Vāsudeva (Nom.Sg.)

Wortspiel mit der Wurzel vas (‚bedecken‘, ‚bewohnen‘) → Vāsudeva.

gatiś ca sarvabhūtānāṃ prajānāṃ cāpi bhārata; vyāptā me rodasī pārtha kāntiś cābhyadhikā mama

Und ich bin der Zufluchtsort aller Wesen und auch der Geschöpfe, o Bhārata; von mir durchdrungen sind Himmel und Erde, o Pārtha, und mein Glanz ist überragend.

Wort für Wort
gatiś ca sarvabhūtānāṃ
und [ich bin] der Zufluchtsort aller Wesen (Nom.Sg./Gen.Pl.)
prajānāṃ cāpi bhārata
und auch der Geschöpfe, o Bhārata (Gen.Pl./Vok.)
vyāptā me rodasī pārtha
von mir durchdrungen sind Himmel und Erde, o Pārtha (Part.Perf.Pass./Instr.Sg./Nom.Du.)
kāntiś cābhyadhikā mama
und mein Glanz ist überragend (Nom.Sg.)

adhibhūtāni cānte 'haṃ tad icchaṃś cāsmi bhārata; kramaṇāc cāpy ahaṃ pārtha viṣṇur ity abhisaṃjñitaḥ

Und am Ende bin ich es, der über den Wesen [steht], und ich bin es, der dies wünscht, o Bhārata; und wegen des Schreitens werde ich, o Pārtha, mit dem Namen ‚Viṣṇu‘ bezeichnet.

Wort für Wort
adhibhūtāni cānte 'haṃ
und am Ende bin ich [das,] was über den Wesen [steht] [?] (Akk.Pl./Nom.Sg.)
tad icchaṃś cāsmi
und ich bin es, der dies wünscht (Part.Präs./1.Sg.Präs.)
bhārata
o Bhārata (Vok.Sg.)
kramaṇāc cāpy ahaṃ
und wegen des Schreitens ich (Abl.Sg./Nom.Sg.)
pārtha
o Pārtha (Vok.Sg.)
viṣṇur ity abhisaṃjñitaḥ
werde ‚Viṣṇu‘ genannt (Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)

adhibhūtāni [?]: unsichere Deutung (‚das über den Wesen Stehende‘ oder das Element-Prinzip); kramaṇa spielt auf die drei Schritte Viṣṇus an.

damāt siddhiṃ parīpsanto māṃ janāḥ kāmayanti hi; divaṃ corvīṃ ca madhyaṃ ca tasmād dāmodaro hy aham

Weil die Menschen, die durch Selbstbeherrschung Vollkommenheit erlangen wollen, wahrlich mich begehren, und [weil ich] Himmel, Erde und die Mitte [der Welt wie mit einem Band] [umfasse], darum bin ich wahrlich Dāmodara.

Wort für Wort
damāt siddhiṃ parīpsanto
die durch Selbstbeherrschung Vollkommenheit erlangen wollen (Abl.Sg./Akk.Sg./Nom.Pl.Part.)
māṃ janāḥ kāmayanti hi
die Menschen begehren wahrlich mich (Akk.Sg./Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
divaṃ corvīṃ ca madhyaṃ ca
und Himmel und Erde und die Mitte (je Akk.Sg.)
tasmād dāmodaro hy aham
daher bin ich wahrlich Dāmodara (Nom.Sg.)

Wortspiel dama (Selbstbeherrschung) / dāma (Band, Strick) + udara (Leib) → Dāmodara.

pṛśnir ity ucyate cānnaṃ vedā āpo 'mṛtaṃ tathā; mamaitāni sadā garbhe pṛśnigarbhas tato hy aham

Und ‚pṛśni‘ nennt man die Nahrung, die Veden, die Wasser und ebenso den Nektar der Unsterblichkeit; diese sind stets in meinem Leib [Schoß] – daher bin ich wahrlich Pṛśnigarbha.

Wort für Wort
pṛśnir ity ucyate cānnaṃ
und die Nahrung wird ‚pṛśni‘ genannt (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)
vedā āpo 'mṛtaṃ tathā
die Veden, die Wasser und ebenso der Nektar (Nom.Pl./Nom.Sg.)
mamaitāni sadā garbhe
diese sind stets in meinem Leib (Nom.Pl./Lok.Sg.)
pṛśnigarbhas tato hy aham
daher bin ich wahrlich Pṛśnigarbha (Nom.Sg.)

Etymologie: pṛśni (u.a. ‚Nahrung‘) + garbha (‚Leib, Schoß‘) → Pṛśnigarbha.

ṛṣayaḥ prāhur evaṃ māṃ tritakūpābhipātitam; pṛśnigarbha tritaṃ pāhīty ekatadvitapātitam

Die Seher sprachen mich so an – [bezogen auf Trita,] den in den Brunnen Gestürzten: „O Pṛśnigarbha, rette Trita!“ – ihn, der von Ekata und Dvita hinabgestürzt worden war.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ prāhur evaṃ māṃ
die Seher sprachen mich so an (Nom.Pl./3.Pl.Perf./Akk.Sg.)
tritakūpābhipātitam
[bezogen auf] den in den Brunnen [Tritas] Gestürzten (Akk.Sg.)
pṛśnigarbha tritaṃ pāhi
„o Pṛśnigarbha, rette Trita!“ (Vok.Sg./Akk.Sg./2.Sg.Imp.)
iti ekatadvitapātitam
so [sprachen sie zu] ihm, der von Ekata und Dvita hinabgestürzt worden war (Akk.Sg.)

Anspielung auf den Mythos von Trita, der von seinen Brüdern Ekata und Dvita in einen Brunnen gestoßen wurde und durch Anrufung des Namens ‚Pṛśnigarbha‘ gerettet wird (vgl. n. 43).

tataḥ sa brahmaṇaḥ putra ādyo ṛṣivaras tritaḥ; uttatārodapānād vai pṛśnigarbhānukīrtanāt

Da stieg er, der erste Sohn Brahmās, der beste der Seher, Trita, wahrlich aus dem Brunnen empor – durch das Aussprechen [des Namens] ‚Pṛśnigarbha‘.

Wort für Wort
tataḥ sa brahmaṇaḥ putra ādyo
da [stieg] er, der erste Sohn Brahmās (Nom.Sg.)
ṛṣivaras tritaḥ
der beste der Seher, Trita (Nom.Sg.)
uttatārodapānād vai
empor aus dem Brunnen, wahrlich (3.Sg.Perf./Abl.Sg.)
pṛśnigarbhānukīrtanāt
durch das Aussprechen [des Namens] Pṛśnigarbha (Abl.Sg.)

sūryasya tapato lokān agneḥ somasya cāpy uta; aṃśavo ye prakāśante mama te keśasaṃjñitāḥ; sarvajñāḥ keśavaṃ tasmān mām āhur dvijasattamāḥ

Die Strahlen, die die Welten der glühenden Sonne, des Feuers und ebenso des Mondes erleuchten, werden ‚meine Haare‘ genannt; deshalb nennen mich die Allwissenden, die besten der Zweifachgeborenen, ‚Keśava‘.

Wort für Wort
sūryasya tapato lokān
die Welten der glühenden Sonne (Gen.Sg./Akk.Pl.)
agneḥ somasya cāpy uta
und auch [die] des Feuers und des Mondes (Gen.Sg.)
aṃśavo ye prakāśante
die Strahlen, die erleuchten (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
mama te keśasaṃjñitāḥ
sie werden meine ‚Haare‘ genannt (Gen.Sg./Nom.Pl.)
sarvajñāḥ keśavaṃ tasmān
deshalb [nennen] die Allwissenden [mich] Keśava (Nom.Pl./Akk.Sg.)
mām āhur dvijasattamāḥ
die besten der Zweifachgeborenen nennen mich (Akk.Sg./3.Pl.Perf./Nom.Pl.)

Etymologie: keśa (‚Haar‘) → Keśava.

svapatnyām āhito garbha utathyena mahātmanā; utathye 'ntarhite caiva kadā cid devamāyayā; bṛhaspatir athāvindat tāṃ patnīṃ tasya bhārata

Der großherzige Utathya hatte seiner eigenen Frau einen Keim eingepflanzt; und als Utathya einmal, durch göttliche Māyā, [zeitweise] verschwunden war, o Bhārata, da nahm sich Bṛhaspati jener seiner Ehefrau an.

Wort für Wort
svapatnyām āhito garbha
ein Keim wurde in die eigene Frau gepflanzt (Lok.Sg./Nom.Sg.Part./Nom.Sg.)
utathyena mahātmanā
durch den großherzigen Utathya (Instr.Sg.)
utathye 'ntarhite caiva
und als Utathya verschwunden war (Lok.Sg.Part.Absol.)
kadā cid devamāyayā
einmal, durch göttliche Māyā (Instr.Sg.)
bṛhaspatir athāvindat
da nahm sich Bṛhaspati [ihrer] an (Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
tāṃ patnīṃ tasya bhārata
jener seiner Ehefrau, o Bhārata (Akk.Sg./Gen.Sg./Vok.)

tato vai tam ṛṣiśreṣṭhaṃ maithunopagataṃ tathā; uvāca garbhaḥ kaunteya pañcabhūtasamanvitaḥ

Da sprach, o Kaunteya, der mit den fünf Elementen ausgestattete Keim zu jenem besten der Seher, der sich so zur Vereinigung [ihr] genähert hatte.

Wort für Wort
tato vai tam ṛṣiśreṣṭhaṃ
da [sprach er] zu jenem besten der Seher (Akk.Sg.)
maithunopagataṃ tathā
der sich so zur Vereinigung genähert hatte (Akk.Sg.Part.)
uvāca garbhaḥ kaunteya
sprach der Keim, o Kaunteya (3.Sg.Perf./Nom.Sg./Vok.)
pañcabhūtasamanvitaḥ
der mit den fünf Elementen ausgestattete (Nom.Sg.)

pūrvāgato 'haṃ varada nārhasy ambāṃ prabādhitum; etad bṛhaspatiḥ śrutvā cukrodha ca śaśāpa ca

„Ich bin zuerst hier eingegangen, o Wunschgewährer; du darfst die Mutter nicht bedrängen!“ Als Bṛhaspati dies hörte, wurde er zornig und sprach einen Fluch aus.

Wort für Wort
pūrvāgato 'haṃ varada
„ich bin zuerst gekommen, o Wunschgewährer“ (Nom.Sg./Vok.Sg.)
nārhasy ambāṃ prabādhitum
„du darfst die Mutter nicht bedrängen“ (2.Sg.Präs./Akk.Sg./Inf.)
etad bṛhaspatiḥ śrutvā
als Bṛhaspati dies gehört hatte (Akk.Sg./Nom.Sg./Absol.)
cukrodha ca śaśāpa ca
wurde er zornig und sprach einen Fluch aus (je 3.Sg.Perf.)

maithunopagato yasmāt tvayāhaṃ vinivāritaḥ; tasmād andho jāsyasi tvaṃ macchāpān nātra saṃśayaḥ

„Weil ich, als ich mich zur Vereinigung näherte, von dir gehindert wurde, wirst du deshalb blind geboren werden – durch meinen Fluch, daran besteht kein Zweifel.“

Wort für Wort
maithunopagato yasmāt
weil, [als ich mich] zur Vereinigung näherte (Nom.Sg.Part./Kausalpart.)
tvayāhaṃ vinivāritaḥ
ich von dir gehindert wurde (Instr.Sg./Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
tasmād andho jāsyasi tvaṃ
deshalb wirst du blind geboren werden (2.Sg.Fut./Nom.Sg.)
macchāpān nātra saṃśayaḥ
durch meinen Fluch – daran ist kein Zweifel (Abl.Sg./Nom.Sg.)

sa śāpād ṛṣimukhyasya dīrghaṃ tama upeyivān; sa hi dīrghatamā nāma nāmnā hy āsīd ṛṣiḥ purā

Durch den Fluch des vorzüglichsten Sehers geriet er in lange Finsternis; so war er fürderhin unter dem Namen ‚Dīrghatamas‘ [„Lange Dunkelheit“] als Seher bekannt.

Wort für Wort
sa śāpād ṛṣimukhyasya
er, durch den Fluch des vorzüglichsten Sehers (Nom.Sg./Abl.Sg./Gen.Sg.)
dīrghaṃ tama upeyivān
geriet in lange Finsternis (Akk.Sg./Nom.Sg.Part.Perf.Akt.)
sa hi dīrghatamā nāma
er [war] wahrlich [unter dem] Namen ‚Dīrghatamas‘ (Nom.Sg.)
nāmnā hy āsīd ṛṣiḥ purā
war unter [diesem] Namen früher ein Seher (Instr.Sg./3.Sg.Impf./Nom.Sg./Adv.)

vedān avāpya caturaḥ sāṅgopāṅgān sanātanān; prayojayām āsa tadā nāma guhyam idaṃ mama

Nachdem er die vier ewigen Veden samt ihren Gliedern und Untergliedern [den Hilfswissenschaften] erlangt hatte, wandte er da diesen meinen geheimen Namen an.

Wort für Wort
vedān avāpya caturaḥ
nachdem er die vier Veden erlangt hatte (Akk.Pl./Absol.)
sāṅgopāṅgān sanātanān
die ewigen, samt ihren Gliedern und Untergliedern (Akk.Pl.)
prayojayām āsa tadā
da wandte er an (3.Sg.Perf.periphr.)
nāma guhyam idaṃ mama
diesen meinen geheimen Namen (Akk.Sg.)

ānupūrvyeṇa vidhinā keśaveti punaḥ punaḥ; sa cakṣuṣmān samabhavad gautamaś cābhavat punaḥ

Indem er nach vorgeschriebener Ordnung immer wieder [den Namen] ‚Keśava‘ [wiederholte], erlangte er das Augenlicht zurück und wurde wieder [als] ‚Gautama‘ [bekannt].

Wort für Wort
ānupūrvyeṇa vidhinā
nach vorgeschriebener Ordnung (Instr.Sg.)
keśaveti punaḥ punaḥ
[den Namen] ‚Keśava‘, immer wieder (Zitat/Adv.)
sa cakṣuṣmān samabhavad
er erlangte das Augenlicht zurück (Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
gautamaś cābhavat punaḥ
und wurde wieder [als] Gautama (Nom.Sg./3.Sg.Impf.)

evaṃ hi varadaṃ nāma keśaveti mamārjuna; devānām atha sarveṣām ṛṣīṇāṃ ca mahātmanām

So [lautet], o Arjuna, mein wunschgewährender Name ‚Keśava‘ – [er gilt] auch bei allen Göttern und großherzigen Sehern.

Wort für Wort
evaṃ hi varadaṃ nāma
so [lautet] der wunschgewährende Name (Nom.Sg.)
keśaveti mama arjuna
‚Keśava‘, der meine, o Arjuna (Zitat/Gen.Sg./Vok.)
devānām atha sarveṣām
und auch [bei] allen Göttern (Gen.Pl.)
ṛṣīṇāṃ ca mahātmanām
und den großherzigen Sehern (Gen.Pl.)

agniḥ somena saṃyukta ekayoni mukhaṃ kṛtam; agnīṣomātmakaṃ tasmāj jagat kṛtsnaṃ carācaram

Agni wurde, mit Soma vereint, zu einem Mund von einem [einzigen] Ursprung gemacht; daher besteht die gesamte Welt, das Bewegliche und Unbewegliche, aus dem Wesen von Agni und Soma.

Wort für Wort
agniḥ somena saṃyukta
Agni, mit Soma vereint (Nom.Sg./Instr.Sg.)
ekayoni mukhaṃ kṛtam
wurde zu einem Mund von einem Ursprung gemacht (Nom.Sg./Part.Perf.Pass.)
agnīṣomātmakaṃ tasmāj
deshalb aus dem Wesen von Agni und Soma (Nom.Sg./Abl.)
jagat kṛtsnaṃ carācaram
die gesamte Welt, das Bewegliche und Unbewegliche (Nom.Sg.)

mukha (‚Mund‘) bezeichnet hier das gemeinsame Opferorgan der Götter.

api hi purāṇe bhavati; ekayonyātmakāv agnīṣomau; devāś cāgnimukhā iti; ekayonitvāc ca parasparaṃ mahayanto lokān dhārayata iti

Denn auch im Purāṇa heißt es: „Agni und Soma sind von gemeinsamem Ursprung, und die Götter haben Agni als [ihren] Mund“; und: „Weil sie von gemeinsamem Ursprung sind, tragen sie, indem sie sich gegenseitig ehren, die Welten.“

Wort für Wort
api hi purāṇe bhavati
denn auch im Purāṇa heißt es (Lok.Sg./3.Sg.Präs.)
ekayonyātmakāv agnīṣomau
Agni und Soma sind von gemeinsamem Ursprung (Nom.Du.)
devāś cāgnimukhā iti
und die Götter haben Agni als Mund, [so heißt es] (Nom.Pl.)
ekayonitvāc ca parasparaṃ
und wegen ihres gemeinsamen Ursprungs, einander (Abl.Sg./Akk.)
mahayanto lokān dhārayata iti
einander ehrend, tragen sie die Welten, [so heißt es] (Nom.Pl.Part./Akk.Pl./3.Du.Präs.)

Zitat einer Purāṇa-Stelle in Prosa/gemischtem Metrum, daher die Satzzeichen im Sanskrit.

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