Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 333: piṇḍotpattikathā Vom Ursprung der Ahnenopfer und der drei Opferkuchen (piṇḍa)

Nārada erklärt Yudhiṣṭhira Sinn und Herkunft des Götter- und Ahnenopfers und erzählt, wie die Erdklumpen, die Viṣṇu in Eberform (Varāha/Vṛṣākapi) von seinen Hauern abschüttelte, zu den drei Opferkuchen (piṇḍa) wurden, die als Vater, Großvater und Urgroßvater verehrt werden. Zugleich wird betont, dass der so Verehrte in Wahrheit Nārāyaṇa/Viṣṇu selbst ist.

vaiśaṃpāyana uvāca; kasya cit tv atha kālasya nāradaḥ parameṣṭhijaḥ; daivaṃ kṛtvā yathānyāyaṃ pitryaṃ cakre tataḥ param

Vaiśaṃpāyana sprach: Nach einiger Zeit aber vollzog Nārada, der Sohn Parameṣṭhins, ordnungsgemäß das Götteropfer und danach das Ahnenopfer.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (3.Sg.Perf.)
kasya cit tv atha kālasya
nach einiger Zeit aber (Gen. + Partikeln)
nāradaḥ parameṣṭhijaḥ
Nārada, der Sohn Parameṣṭhins (Nom.)
daivaṃ kṛtvā
das Götteropfer vollzogen habend (Akk./Absolutiv)
yathānyāyam
ordnungsgemäß (Adv.)
pitryaṃ cakre
vollzog das Ahnenopfer (Akk./3.Sg.Perf.)
tataḥ param
danach, weiterhin (Adv.)

tatas taṃ vacanaṃ prāha jyeṣṭho dharmātmajaḥ prabhuḥ; ka ijyate dvijaśreṣṭha daive pitrye ca kalpite

Da richtete Yudhiṣṭhira, der älteste Sohn des Dharma, der Herr, folgende Worte an ihn: „Wer wird verehrt, bester der Zweimalgeborenen, wenn das Götteropfer und das Ahnenopfer vollzogen werden?

Wort für Wort
tatas
da, darauf (Adv.)
taṃ vacanaṃ prāha
richtete diese Worte (3.Sg.Perf./Akk.)
jyeṣṭho dharmātmajaḥ prabhuḥ
der älteste Sohn des Dharma, der Herr [Yudhiṣṭhira] (Nom.)
ka ijyate
wer wird verehrt (3.Sg.Präs.Pass.)
dvijaśreṣṭha
o Bester der Zweimalgeborenen (Vok.)
daive pitrye ca kalpite
wenn Götter- und Ahnenopfer festgesetzt sind (Lok.abs.)

tvayā matimatāṃ śreṣṭha tan me śaṃsa yathāgamam; kim etat kriyate karma phalaṃ cāsya kim iṣyate

Sage mir dies, du Bester der Weisen, wie es der Überlieferung entspricht: Was ist diese Handlung, die vollzogen wird, und welche Frucht wird ihr zugeschrieben?“

Wort für Wort
tvayā
von dir (Instr.)
matimatāṃ śreṣṭha
o Bester der Weisen (Vok.)
tan me śaṃsa
sage mir das (2.Sg.Imp./Dat.)
yathāgamam
der Überlieferung entsprechend (Adv.)
kim etat kriyate karma
was ist diese Handlung, die vollzogen wird (3.Sg.Präs.Pass.)
phalaṃ cāsya
und ihre Frucht (Nom./Gen.)
kim iṣyate
was wird [dafür] angenommen (3.Sg.Präs.Pass.)

nārada uvāca; tvayaitat kathitaṃ pūrvaṃ daivaṃ kartavyam ity api; daivataṃ ca paro yajñaḥ paramātmā sanātanaḥ

Nārada sprach: „Du hast schon zuvor gesagt: ‚Das Götteropfer ist zu vollziehen‘; und die Gottheit [darin] ist das höchste Opfer, der ewige, höchste Geist selbst.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach (3.Sg.Perf.)
tvayā etat kathitaṃ pūrvam
von dir wurde dies zuvor gesagt (Instr./Nom.Part.Pass.)
daivaṃ kartavyam
das Götteropfer ist zu vollziehen (Nom./Gerundiv)
iti api
so, in der Tat (Partikeln)
daivataṃ ca
und die Gottheit [darin] (Nom.)
paro yajñaḥ
das höchste Opfer (Nom.)
paramātmā sanātanaḥ
der ewige, höchste Geist (Nom.)

tatas tadbhāvito nityaṃ yaje vaikuṇṭham avyayam; tasmāc ca prasṛtaḥ pūrvaṃ brahmā lokapitāmahaḥ

Daher, stets davon erfüllt, verehre ich den unvergänglichen Vaikuṇṭha [Viṣṇu]; und aus ihm ging zuerst Brahmā hervor, der Großvater der Welten.

Wort für Wort
tatas
daher (Adv.)
tadbhāvito nityam
davon ständig erfüllt/durchdrungen (Nom.Part./Adv.)
yaje
verehre ich (1.Sg.Präs.Med.)
vaikuṇṭham avyayam
den unvergänglichen Vaikuṇṭha (Akk.)
tasmāc ca prasṛtaḥ
und aus ihm hervorgegangen (Abl./Nom.Part.)
pūrvam
zuerst (Adv.)
brahmā lokapitāmahaḥ
Brahmā, der Großvater der Welt (Nom.)

mama vai pitaraṃ prītaḥ parameṣṭhy apy ajījanat; ahaṃ saṃkalpajas tasya putraḥ prathamakalpitaḥ

Meinen Vater hat Parameṣṭhin, erfreut, gezeugt; ich, der aus [seinem] Willen Geborene, bin dessen zuerst erschaffener Sohn.

Wort für Wort
mama pitaram
meinen Vater (Gen./Akk.)
prītaḥ
erfreut (Nom.Part.)
parameṣṭhī apy ajījanat
Parameṣṭhin zeugte (Nom./3.Sg.Perf.Kaus.)
ahaṃ saṃkalpajaḥ
ich, der Willens-Geborene (Nom.)
tasya putraḥ
sein/dessen Sohn (Gen./Nom.)
prathamakalpitaḥ
der zuerst Geschaffene (Nom.)

Der Sanskrittext stellt Parameṣṭhin hier als Erzeuger von Nāradas Vater dar, nicht unmittelbar als Nāradas eigenen Vater (vgl. v.1 „parameṣṭhijaḥ“); wörtliche Wiedergabe des Textes.

yajāmy ahaṃ pitṝn sādho nārāyaṇavidhau kṛte; evaṃ sa eva bhagavān pitā mātā pitāmahaḥ; ijyate pitṛyajñeṣu mayā nityaṃ jagatpatiḥ

Ich opfere den Ahnen, o Guter, wenn das Nārāyaṇa-Ritual vollzogen ist; so wird er selbst, der Erhabene – Vater, Mutter, Großvater –, von mir in den Ahnenopfern stets verehrt, der Herr der Welt.

Wort für Wort
yajāmy ahaṃ pitṝn
ich opfere den Ahnen (1.Sg.Präs./Akk.Pl.)
sādho
o Guter (Vok.)
nārāyaṇavidhau kṛte
wenn das Nārāyaṇa-Ritual vollzogen ist (Lok.abs.)
evaṃ sa eva bhagavān
so er selbst, der Erhabene (Adv./Nom.)
pitā mātā pitāmahaḥ
Vater, Mutter, Großvater (Nom.)
ijyate pitṛyajñeṣu
wird verehrt in den Ahnenopfern (3.Sg.Präs.Pass./Lok.Pl.)
mayā nityaṃ jagatpatiḥ
von mir, stets, der Herr der Welt (Instr./Adv./Nom.)

śrutiś cāpy aparā deva putrān hi pitaro 'yajan; vedaśrutiḥ praṇaṣṭā ca punar adhyāpitā sutaiḥ; tatas te mantradāḥ putrāḥ pitṛtvam upapedire

Und es gibt noch eine andere Überlieferung, o Erhabener: Die Väter verehrten [ihre] Söhne, denn die Veda-Überlieferung war verloren gegangen und wurde von den Söhnen erneut gelehrt; daher erlangten jene Söhne, die Geber der Mantras, den Rang von Vätern.

Wort für Wort
śrutiś cāpy aparā
und es gibt noch eine andere Überlieferung (Nom.)
deva
o Erhabener (Vok.)
putrān hi pitaro 'yajan
die Väter verehrten nämlich die Söhne (Akk.Pl./Nom.Pl./3.Pl.Impf.)
vedaśrutiḥ praṇaṣṭā ca
und die Veda-Überlieferung war verloren gegangen (Nom.Part.)
punar adhyāpitā sutaiḥ
wurde von den Söhnen wieder gelehrt (Adv./Nom.Part.Kaus.Pass./Instr.Pl.)
tatas te mantradāḥ putrāḥ
daher jene mantra-gebenden Söhne (Adv./Nom.Pl.)
pitṛtvam upapedire
erlangten den Rang von Vätern (Akk./3.Pl.Perf.Med.)

nūnaṃ puraitad viditaṃ yuvayor bhāvitātmanoḥ; putrāś ca pitaraś caiva parasparam apūjayan

Gewiss war dies euch beiden, den geläuterten Seelen, schon früher bekannt: dass Söhne und Väter sich gegenseitig verehrten.

Wort für Wort
nūnaṃ purā
gewiss früher (Adv.)
etad viditam
dies war bekannt (Nom.Part.)
yuvayor bhāvitātmanoḥ
euch beiden, den geläuterten Seelen (Gen./Dat.Dual)
putrāś ca pitaraś caiva
Söhne und Väter (Nom.Pl.)
parasparam apūjayan
verehrten sich gegenseitig (Adv./3.Pl.Impf.)

„yuvayor“ (Dual, ‚euch/uns beiden‘) ist ohne weiteren Kontext nicht sicher zuordenbar; möglicherweise schließt Nārada sich selbst mit ein. [?]

trīn piṇḍān nyasya vai pṛthvyāṃ pūrvaṃ dattvā kuśān iti; kathaṃ tu piṇḍasaṃjñāṃ te pitaro lebhire purā

Nachdem man zuvor Kuśagras ausgelegt und drei Opferkuchen auf die Erde niedergelegt hat – wie aber erhielten die Ahnen einst die Bezeichnung ‚Piṇḍa‘?

Wort für Wort
trīn piṇḍān nyasya
nachdem man drei Opferkuchen niedergelegt hat (Akk.Pl./Absolutiv)
vai pṛthvyām
wahrlich auf der Erde (Lok.)
pūrvaṃ dattvā kuśān
nachdem man zuvor Kuśagras gegeben hat (Adv./Absolutiv/Akk.Pl.)
iti
so [heißt es] (Partikel)
kathaṃ tu
wie aber (Adv.)
piṇḍasaṃjñām
die Bezeichnung ‚Piṇḍa‘ (Akk.)
te pitaro lebhire purā
erhielten jene Ahnen einst (Nom.Pl./3.Pl.Perf.Med./Adv.)

naranārāyaṇāv ūcatuḥ; imāṃ hi dharaṇīṃ pūrvaṃ naṣṭāṃ sāgaramekhalām; govinda ujjahārāśu vārāhaṃ rūpam āśritaḥ

Nara und Nārāyaṇa sprachen: ‚Diese Erde, die einst untergegangen war, umgürtet vom Ozean, hat Govinda, in Gestalt eines Ebers, eilends emporgehoben.

Wort für Wort
naranārāyaṇāv ūcatuḥ
Nara und Nārāyaṇa sprachen (Nom.Dual/3.Dual.Perf.)
imāṃ hi dharaṇīm
diese Erde nämlich (Akk.)
pūrvaṃ naṣṭām
die zuvor untergegangen war (Adv./Akk.Part.)
sāgaramekhalām
die vom Ozean umgürtete (Akk., Kompositum)
govinda ujjahārāśu
Govinda hob eilends empor (Nom./3.Sg.Perf./Adv.)
vārāhaṃ rūpam āśritaḥ
die Eberform angenommen habend (Akk./Nom.Part.Perf.)

sthāpayitvā tu dharaṇīṃ sve sthāne puruṣottamaḥ; jalakardamaliptāṅgo lokakāryārtham udyataḥ

Nachdem Puruṣottama die Erde wieder an ihrem Ort aufgestellt hatte, mit vom Wasser und Schlamm bedeckten Gliedern, bereit, das Werk für die Welt zu vollbringen,

Wort für Wort
sthāpayitvā tu dharaṇīm
nachdem er die Erde aufgestellt hatte (Absolutiv/Akk.)
sve sthāne
an ihrem [angestammten] Ort (Lok.)
puruṣottamaḥ
der Höchste der Wesen [Viṣṇu] (Nom.)
jalakardamaliptāṅgaḥ
mit von Wasser und Schlamm bedeckten Gliedern (Nom., Kompositum)
lokakāryārtham udyataḥ
bereit zum Werk für die Welt (Akk./Nom.Part.)

prāpte cāhnikakāle sa madhyaṃdinagate ravau; daṃṣṭrāvilagnān mṛtpiṇḍān vidhūya sahasā prabhuḥ; sthāpayām āsa vai pṛthvyāṃ kuśān āstīrya nārada

und als die Zeit der Tagesriten gekommen war, als die Sonne den Mittag erreicht hatte, schüttelte der Herr plötzlich die an seinen Hauern haftenden Erdklumpen ab und legte sie, o Nārada, nieder, nachdem er Kuśagras auf der Erde ausgebreitet hatte.

Wort für Wort
prāpte ca āhnikakāle
und als die Zeit der Tagesriten gekommen war (Lok.abs.)
sa madhyaṃdinagate ravau
als die Sonne zur Mittagszeit gelangt war (Nom./Lok.abs.)
daṃṣṭrāvilagnān mṛtpiṇḍān
die an den Hauern haftenden Erdklumpen (Akk.Pl., Kompositum)
vidhūya sahasā prabhuḥ
plötzlich abschüttelnd, der Herr (Absolutiv/Adv./Nom.)
sthāpayām āsa vai pṛthvyām
legte wahrlich auf der Erde nieder (3.Sg.Perf.Periphr./Lok.)
kuśān āstīrya
nachdem er Kuśagras ausgebreitet hatte (Akk.Pl./Absolutiv)
nārada
o Nārada (Vok.)

sa teṣv ātmānam uddiśya pitryaṃ cakre yathāvidhi; saṃkalpayitvā trīn piṇḍān svenaiva vidhinā prabhuḥ

Er vollzog dort, im Hinblick auf sich selbst, vorschriftsgemäß das Ahnenopfer, nachdem der Herr nach seiner eigenen Ordnung drei Opferkuchen bestimmt hatte.

Wort für Wort
sa teṣu ātmānam uddiśya
er, im Hinblick auf sich selbst darin (Nom./Lok.Pl./Akk./Absolutiv)
pitryaṃ cakre
vollzog das Ahnenopfer (Akk./3.Sg.Perf.)
yathāvidhi
vorschriftsgemäß (Adv.)
saṃkalpayitvā trīn piṇḍān
nachdem er drei Opferkuchen bestimmt hatte (Absolutiv/Akk.Pl.)
svena eva vidhinā prabhuḥ
nach seiner eigenen Ordnung, der Herr (Instr./Nom.)

ātmagātroṣmasaṃbhūtaiḥ snehagarbhais tilair api; prokṣyāpavargaṃ deveśaḥ prāṅmukhaḥ kṛtavān svayam

Mit Sesamkörnern, die aus der Wärme seines eigenen Körpers entstanden und ölhaltig waren, besprengte der Herr der Götter [die Opferkuchen] und vollzog, nach Osten gewandt, selbst den Abschluss [des Ritus].

Wort für Wort
ātmagātroṣmasaṃbhūtaiḥ
die aus der Wärme des eigenen Körpers entstanden waren (Instr.Pl., Kompositum)
snehagarbhais tilair api
auch mit den ölhaltigen Sesamkörnern (Instr.Pl.)
prokṣya
nachdem er besprengt hatte (Absolutiv)
apavargaṃ
den Abschluss [des Ritus] (Akk.)
deveśaḥ prāṅmukhaḥ
der Herr der Götter, nach Osten gewandt (Nom.)
kṛtavān svayam
vollzog selbst (Nom.Perf.Part./Adv.)

maryādāsthāpanārthaṃ ca tato vacanam uktavān; ahaṃ hi pitaraḥ sraṣṭum udyato lokakṛt svayam

Und um eine bleibende Ordnung festzusetzen, sprach er darauf folgende Worte: „Ich, der Weltenschöpfer selbst, bin bereit, Ahnen zu erschaffen.

Wort für Wort
maryādāsthāpanārthaṃ ca
und um eine Ordnung festzusetzen (Akk., Zweck)
tato vacanam uktavān
sprach darauf diese Worte (Adv./Akk./Nom.Perf.Part.)
ahaṃ hi pitaraḥ sraṣṭum
ich nämlich, Ahnen zu erschaffen (Nom./Akk.Pl./Inf.)
udyato lokakṛt svayam
bereit, der Weltenschöpfer, selbst (Nom.)

tasya cintayataḥ sadyaḥ pitṛkāryavidhiṃ param; daṃṣṭrābhyāṃ pravinirdhūtā mamaite dakṣiṇāṃ diśam; āśritā dharaṇīṃ piṇḍās tasmāt pitara eva te

Während er sogleich über die höchste Vorschrift des Ahnenrituals nachdachte, [wurden] diese, von meinen beiden Hauern abgeschüttelt, in Richtung Süden fallend, an der Erde haftend – Opferkuchen; daher sind sie eben die Ahnen.

Wort für Wort
tasya cintayataḥ sadyaḥ
während er sogleich nachdachte (Gen.Part./Adv.)
pitṛkāryavidhiṃ param
über die höchste Vorschrift des Ahnenrituals (Akk., Kompositum)
daṃṣṭrābhyāṃ pravinirdhūtā
von den beiden Hauern abgeschüttelt (Instr.Dual/Nom.Pl.Part.)
mamaite
diese meinen (Gen./Nom.Pl.)
dakṣiṇāṃ diśam āśritā
die südliche Richtung eingeschlagen habend (Akk./Nom.Pl.Part.)
dharaṇīṃ piṇḍās
an der Erde [haftend], Opferkuchen (Akk./Nom.Pl.)
tasmāt pitara eva te
daher sind sie eben die Ahnen (Adv./Nom.Pl.)

trayo mūrtivihīnā vai piṇḍamūrtidharās tv ime; bhavantu pitaro loke mayā sṛṣṭāḥ sanātanāḥ

Diese drei, an sich gestaltlos, tragen nun die Form von Opferkuchen; sie sollen in der Welt als die von mir erschaffenen, ewigen Ahnen gelten.

Wort für Wort
trayo mūrtivihīnā vai
die drei, wahrlich ohne eigene Gestalt (Nom.Pl.)
piṇḍamūrtidharās tv ime
diese aber, Opferkuchen-Gestalt tragend (Nom.Pl., Kompositum)
bhavantu pitaro loke
sie sollen als Ahnen in der Welt gelten (3.Pl.Imp./Nom.Pl./Lok.)
mayā sṛṣṭāḥ sanātanāḥ
von mir erschaffene, ewige (Instr./Nom.Pl.Part./Nom.Pl.)

pitā pitāmahaś caiva tathaiva prapitāmahaḥ; aham evātra vijñeyas triṣu piṇḍeṣu saṃsthitaḥ

Vater, Großvater und ebenso Urgroßvater – ich selbst bin es, der hierin zu erkennen ist, in den drei Opferkuchen gegenwärtig.

Wort für Wort
pitā pitāmahaś caiva
Vater und Großvater (Nom.)
tathaiva prapitāmahaḥ
und ebenso Urgroßvater (Nom.)
aham eva atra vijñeyas
ich selbst bin hierin zu erkennen (Nom./Gerundiv)
triṣu piṇḍeṣu saṃsthitaḥ
in den drei Opferkuchen weilend (Lok.Pl./Nom.Part.)

nāsti matto 'dhikaḥ kaś cit ko vābhyarcyo mayā svayam; ko vā mama pitā loke aham eva pitāmahaḥ

Es gibt niemanden, der größer wäre als ich, oder wen sollte ich selbst verehren? Wer wäre in der Welt mein Vater? Ich selbst bin der Großvater.

Wort für Wort
nāsti matto 'dhikaḥ kaś cit
es gibt niemanden, der größer wäre als ich (Neg./Abl./Nom.)
ko vābhyarcyo mayā svayam
oder wer wäre von mir selbst zu verehren (Nom.Gerundiv/Instr./Adv.)
ko vā mama pitā loke
oder wer wäre in der Welt mein Vater (Nom./Gen./Lok.)
aham eva pitāmahaḥ
ich selbst bin der Großvater (Nom.)

pitāmahapitā caiva aham evātra kāraṇam; ity evam uktvā vacanaṃ devadevo vṛṣākapiḥ

Und auch der Vater des Großvaters – ich selbst bin hierin die Ursache.“ Nachdem der Gott der Götter, Vṛṣākapi, diese Worte gesprochen hatte,

Wort für Wort
pitāmahapitā caiva
und auch der Vater des Großvaters (Nom., Kompositum)
aham eva atra kāraṇam
ich selbst bin hierin die Ursache (Nom.)
ity evam uktvā vacanam
nachdem er so diese Worte gesprochen hatte (Partikel/Absolutiv/Akk.)
devadevo vṛṣākapiḥ
der Gott der Götter, Vṛṣākapi (Nom.)

varāhaparvate vipra dattvā piṇḍān savistarān; ātmānaṃ pūjayitvaiva tatraivādarśanaṃ gataḥ

gab er am Varāha-Berg, o Brahmane, ausführlich die Opferkuchen dar, verehrte sich selbst und entschwand eben dort den Blicken.

Wort für Wort
varāhaparvate
am Varāha-Berg (Lok.)
vipra
o Brahmane (Vok.)
dattvā piṇḍān savistarān
nachdem er die Opferkuchen ausführlich gegeben hatte (Absolutiv/Akk.Pl./Adv.)
ātmānaṃ pūjayitvaiva
nachdem er sich selbst verehrt hatte (Akk./Absolutiv)
tatraivādarśanaṃ gataḥ
eben dort den Blicken entschwunden (Adv./Akk./Nom.Part.)

etadarthaṃ śubhamate pitaraḥ piṇḍasaṃjñitāḥ; labhante satataṃ pūjāṃ vṛṣākapivaco yathā

Aus diesem Grund, du von reiner Gesinnung, erhalten die Ahnen, die den Namen ‚Piṇḍa‘ tragen, stets Verehrung, so wie es das Wort des Vṛṣākapi bestimmt hat.‘

Wort für Wort
etadarthaṃ śubhamate
aus diesem Grund, o du von reiner Gesinnung (Akk./Vok.)
pitaraḥ piṇḍasaṃjñitāḥ
die Ahnen, die den Namen ‚Piṇḍa‘ tragen (Nom.Pl.)
labhante satataṃ pūjām
erhalten stets Verehrung (3.Pl.Präs.Med./Adv./Akk.)
vṛṣākapivaco yathā
so wie das Wort des Vṛṣākapi [es bestimmt] (Nom./Adv.)

ye yajanti pitṝn devān gurūṃś caivātithīṃs tathā; gāś caiva dvijamukhyāṃś ca pṛthivīṃ mātaraṃ tathā; karmaṇā manasā vācā viṣṇum eva yajanti te

Die, welche die Ahnen, die Götter, die Lehrer, ebenso die Gäste, die Kühe, die vornehmsten Brahmanen und die Erde, die Mutter, verehren, die verehren mit Tat, Gedanke und Wort in Wahrheit [niemand anderen als] Viṣṇu.

Wort für Wort
ye yajanti pitṝn devān
die, welche die Ahnen und Götter verehren (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
gurūṃś caivātithīṃs tathā
und die Lehrer und ebenso die Gäste (Akk.Pl.)
gāś caiva dvijamukhyāṃś ca
und die Kühe und die vornehmsten Brahmanen (Akk.Pl.)
pṛthivīṃ mātaraṃ tathā
und ebenso die Erde, die Mutter (Akk.)
karmaṇā manasā vācā
mit Tat, Gedanke und Wort (Instr.)
viṣṇum eva yajanti te
verehren eben Viṣṇu, sie (Akk./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

antargataḥ sa bhagavān sarvasattvaśarīragaḥ; samaḥ sarveṣu bhūteṣu īśvaraḥ sukhaduḥkhayoḥ; mahān mahātmā sarvātmā nārāyaṇa iti śrutaḥ

Er, der Erhabene, weilt in den Körpern aller Wesen, gleichmütig gegenüber allen Geschöpfen, der Herr über Glück und Leid – der Große, der Hochherzige, die Seele von allem, bekannt unter dem Namen Nārāyaṇa.“

Wort für Wort
antargataḥ sa bhagavān
er, der Erhabene, ist eingegangen (Nom.Part./Nom.)
sarvasattvaśarīragaḥ
in den Körpern aller Wesen weilend (Nom., Kompositum)
samaḥ sarveṣu bhūteṣu
gleich[mütig] gegenüber allen Wesen (Nom./Lok.Pl.)
īśvaraḥ sukhaduḥkhayoḥ
der Herr über Glück und Leid (Nom./Gen.Dual)
mahān mahātmā sarvātmā
der Große, der Hochherzige, die Seele von allem (Nom.)
nārāyaṇa iti śrutaḥ
als Nārāyaṇa bekannt (Nom./Nom.Part.)

Dieses Kapitel in der Leseansicht